Daggi 
      

Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 529 Nachricht senden | Erstellt am 19.06.2007 - 10:42 |  |
Zwei Freundinnen
“Heut ist ein wunderschöner Tag…” Die dicke Hummel Molly, die da vor sich hin brummte, flog träge über die unter ihr liegende Blumenwiese und hielt Ausschau nach lohnenswerten Nahrungsquellen. Das war gar nicht so einfach, denn es war noch früh am Morgen, sie war noch müde und ihr war kalt. Ein Frösteln überlief ihren pummeligen Körper. Aber sie riss sich zusammen und konzentrierte sich eisern auf die Wiese unter sich, denn wer sonst sollte die Larven und kleinen Hummeln im Bau versorgen, wenn nicht sie, als eine der Arbeiterinnen des Hummelvolkes.
Sie erinnerte sich seufzend daran, dass man als Hummel ein Frühaufsteher ist und so versuchte sie angestrengt, wach zu werden und unter den einzelnen Nebelfetzen die farbenfrohen Blüten ausfindig zu machen. Sie entdeckte auch tatsächlich schon ein paar wunderschöne, zart lilafarbene Blüten, die noch schwer vom Tau die Köpfchen hängen ließen.
Wie interessant! Schon gleich viel munterer setzte Molly zum Landeanflug an und kam mehr oder weniger elegant auf der Blüte zum sitzen. Unter ihrem Gewicht neigte sich diese jedoch noch tiefer über den Erdboden und wippte durch Mollys panische Bewegungen so sehr hin und her, dass die Hummel ihr Gleichgewicht verlor. Nun hing sie unter der Blüte und krallte sich ängstlich mit allen Beinen an der Blüte fest.
„Guten Morgen Molly! Machst du Frühsport?“ Ein freches Kichern erklang. Es sah auch wirklich zu komisch aus, wie die Hummel da kopfüber an dieser Blüte auf und ab schwebte.
Molly blickte sich suchend nach dem zarten Stimmchen um. Ja, da war Dolly, eine wunderhübsche Wespe, die sich zwar meistens sehr arrogant gab, aber im Grunde eine durchaus liebevolle Freundin sein konnte.
Hochnäsig blickte diese gerade auf die mollige Hummel herunter.
„Na nötig hättest du es ja.“ murmelte sie, wandte sich dann ab und betrachtete sich wieder ganz verzückt in einem dicken Tautropfen, der ihre schlanke Wespentaille nicht wesentlich verzerrte.
Molly renkte sich fast ihren Hals nach der Freundin aus, ließ dabei versehentlich die Blüte los und landete unsanft auf ihrem Hinterteil. „Autsch!“ Sie strampelte mit ihren Beinchen wild in der Luft herum, ehe sie es schaffte, sich umzudrehen und aufzurappeln.
„Du bist ja schon da!“ stöhnte die Hummel peinlich berührt und rieb sich mit einem Beinchen ihr Hinterteil.
„Hm... ja.“ säuselte Dolly, drehte sich vor dem Tautropfen noch einmal um sich selbst, ehe sie sich endlich wieder der Hummel zuwandte und ihr hellwach zuzwinkerte. „Ich hab so einen Hunger, lass uns frühstücken fliegen!“
Seit einiger Zeit schon hatte es sich Dolly nämlich angewöhnt, die Hummel bei ihrer morgendlichen Nahrungssuche zu begleiten. Es war so herrlich einfach, den leckeren, süßen Nektar aus den Löchern, die Molly in den Blütenkelch biss, herauszusaugen. Die Hummel flog mit sicherem Instinkt die besten Blüten an und Dolly brauchte ihr nur noch hinterher zu fliegen. Nein, das Arbeiten hatte Dolly nicht erfunden... man konnte schließlich auch leichter durchs Leben kommen.
Als die Sonne schon höher am Himmel stand, waren die zwei fertig. Dolly war gesättigt und Mollys Hinterteil und die Beinchen waren ganz gelb von den Pollen, die sie gesammelt hatte. Sie drehten um, denn die Larven und Babyhummeln warteten sicher schon ganz hungrig auf Molly. Außerdem musste sich auch Dolly jetzt auf die Suche nach Nahrung für den Nachwuchs des Wespenvolkes begeben.
Oh! Was war das? Ein verführerischer Duft stieg Dolly in die Nase und zwang sie direkt zu einem Richtungswechsel. Molly schnüffelte… und stöhnte. Sie hatte kein gutes Gefühl, bei den Gerüchen, die ihr nun auch in die Nase stiegen. Die freche Wespe würde doch nicht?
Doch! Molly seufzte abgrundtief, als sie beobachtete, wie ihre Freundin ganz gierig den Frühstückstisch einer dreiköpfigen Familie anflog. Sie ließ sich in sicherer Entfernung auf einem großen Geranienblatt nieder und tippelte unruhig von einer Seite zur anderen. Wieder seufzte sie. Wenn das man gut ging!
Dolly umschwirrte gerade mit aufgeregt zitternden Fühlern ein offenes Marmeladenglas, das aber offensichtlich nach all dem süßen Nektar nicht unbedingt ihrem Begehren entsprach. Denn sie drehte ab und stürzte sich nun auf einen Teller, auf dem einige Scheiben Wurst lagen.
Während das große weibliche Wesen angewidert mit den Händen über der Wurst wedelte, kicherte das kleine Wesen und erklärte großspurig, dass Wespen nur dann aggressiv werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Aha… da hat wohl jemand im Unterricht aufgepasst! Sehr gut… Dolly hatte wohl doch noch eine Chance, unversehrt ihre Gier zu überstehen.
Dolly war furchtbar aufgeregt bei all den leckeren Sachen auf dem Tisch und umkreiste nun ein halbvolles Saftglas. Sie ließ sich auf dem Rand nieder und schleckte genüsslich über einen Tropfen der süßen Flüssigkeit. Doch da war schon wieder diese Hand, die in der Luft über Dolly herumwedelte.
Und schon war es passiert! Molly brummte ängstlich auf, als sie sah, dass ihre Freundin das Gleichgewicht verlor und in das Glas fiel. Machtlos musste Molly nun deren panische Schwimmbewegungen mit ansehen und fühlte sich abgrundtief schlecht. Sie hätte irgendwie versuchen müssen, ihre Freundin von ihrem Vorhaben abzuhalten! Nun konnte ihr niemand mehr helfen. Dolly würde ertrinken und auch wenn sie irgendwie aus diesem Glas kommen würde, wäre sie so nass und träge, dass die Wesen sie ganz einfach zerquetschen könnten.
Aber was war das? Das kleine Wesen hatte das Glas gegriffen und blickte vorwurfsvoll auf das große Wesen.
„Mama! Was soll denn das? Die Wespe sucht doch nur nach Futter für die Larven!“
„Ja klar… und in zwei Tagen kommt die mit ihrem ganzen Nachwuchs zu uns! Nee du… alles was mehr als vier Beine hat, braucht hier nicht aufzutauchen!“ Ziemlich unwillig klang das große Wesen, was aber das kleine Wesen nicht davon abhielt, aufzustehen und zu eben jenem Blumentopf zu kommen, auf dem Molly saß. Vorsichtig leerte das kleine Wesen das Glas über der Blumenerde und ging dann wieder zum Tisch zurück.
Aufgeregt krabbelte Molly zu der prustenden Dolly, die völlig aufgelöst auf einem Brocken Erde saß und versuchte, wieder zu sich zu kommen.
„Du meine Güte, hast du ein Glück!“ stammelte Molly. „Alles klar?“
„Hm… geht so.“ flüsterte Dolly. Ihr kleines Körperchen zitterte. „Verdammt, das ist wohl gerade so noch mal gut gegangen.“
Ein Schatten legte sich auf die beiden Freundinnen und ängstlich blickten die beiden nach oben. Das kleine Wesen war wieder da und hielt in der Hand einen Teller, den sie nun neben dem Blumentopf abstellte.
Ein wohlbekannter Geruch stieg Dolly nun in die Nase und ungläubig starrte sie auf die Scheibe Wurst, die auf dem Teller lag. Grinsend sah das kleine Wesen zu, wie Dolly sich sofort ganz selbstvergessen über das Geschenk hermachte, ehe es sich schließlich wieder an den Tisch setzte.
Während sich Dolly begeistert durch die Wurst biss, hörte Molly äußerst interessiert zu, wie am Tisch die Gedanken des kleinen Wesens besprochen wurden. Das eine große Wesen war zwar immer noch fuchsteufelswild wegen dieser Rettungsaktion, aber das kleine Wesen erklärte schulmeisterlich, dass alle Insekten auch ihre guten Seiten haben… Bravo! Molly war versucht, in die Beinchen zu klatschen.
Das kleine Wesen hatte nämlich gerade gelesen, dass Wespen ein Langzeitgedächtnis haben sollen, welches sie sicherlich immer wieder zu diesem Frühstückstisch ziehen würde, doch vielleicht würde sich diese Wespe auch daran erinnern, dass sie mal gerettet wurde und ihr Volk dazu aufrufen, die friedlich frühstückenden Wesen nicht mehr zu stechen…
Nun denn, auf dem Heimflug sinnierte Molly darüber, dass Dolly wohl nicht wirklich aus diesem Abenteuer gelernt hatte, denn diese furchtbare Wespe war schon wieder so von sich eingenommen, dass sie diesen Tisch schon heute für ihr morgendliches Frühstück einplante…
Ob diese Wespe wohl weiß, was für ein riesengroßes Glück sie hatte, sich ausgerechnet unseren Frühstückstisch auszusuchen? Nun ja, sie hat mit Sicherheit in den höchsten Tönen von all den leckeren Sachen geschwärmt, denn irgendwie habe ich das Gefühl, als ob die uns nun tatsächlich mit ihrem ganzen Volk besucht. Auch bin ich mir nicht sicher, ob die Rettungsaktion des lieben Töchterleins auch mein Glück bedeutet… denn ich habe rein gar nichts daraus gelernt und wedele immer noch panisch durch die Luft, wenn sich so ein gelb-schwarz gestreiftes Biest im Landeanflug befindet…
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Diese Geschichte ist ja nun auch schon wieder was älter, aber Stefans Foto von der vollbepackten Hummel hat mich dazu gebracht, auch diese Geschichte hier bei euch/uns einzustellen...
Eure Daggi
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Daggi 
      

Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 529 Nachricht senden | Erstellt am 04.07.2007 - 15:00 |  |
Hallo Stefan,
hi hi... du wirst lachen, aber ursprünglich waren es drei Freundinnen. Und wie sollte wohl die Biene heißen? Richtig! Das war nämlich Polly... Aber weil eine Biene sich nur sehr selten an unseren Frühstückstisch verirrt, wusste ich nicht so wirklich, wie ich sie auch noch in die Geschichte hätte einbinden können.
Nun ja, da wäre noch die Sache mit den "Wesen"... warum ist das für dich ein Widerspruch zum Marmeladenglas oder der Wurst? Ob die wohl wissen, dass wir Menschen und keine beängstigenden Wesen sind? Obwohl... manchmal gibt es wohl kaum einen Unterschied.
Ich denke, dass Insekten wie Molly und Dolly nicht klar definieren, was sie da erschnüffeln und/oder verputzen. Aber das das lecker ist, wissen sie!
Hm... außerdem klingt der "große Mensch" und der "kleine Mensch" irgendwie doof... findeste nicht?
*hinundhergerissenbin* Und in der Hoffnung, dass du jetzt aus meinem Gefasel schlau wirst, schicke ich dir mal die Zeilen... 
Liebe Grüße
Daggi
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