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TheFab ...
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...   Erstellt am 31.03.2008 - 18:13Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So, habe jetzt den neuen Teil auch gelesen.
Uuii, richtig schauderhaft geschrieben. Aber wirklich gut gelungen. Aber ein Satz, der sich irgendwie verdreht anhört ist mir aufgefallen:

So war mit in den vergangenen Tagen aufgefallen, mein Atem dazu neigte, sich zu überschlagen, selbst in Ruhelage.

In diesem Satz fehlen entweder Worte, oder es ist irgendwas verkehrt. Ich glaube das sollte so geschrieben stehen:

So war mir in den vergangen Tagen aufgefallen, dass mein Atem dazu neigte, sich zu überschlagen, selbst in Ruhelage.

Dieser Teil des Kapitels ist so weit sehr gut gelungen, auch wenn nicht unbedingt viel passiert.





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TheFab

Lykanthrop ...
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...   Erstellt am 31.03.2008 - 18:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


TheFab schrieb

    So war mit in den vergangenen Tagen aufgefallen, mein Atem dazu neigte, sich zu überschlagen, selbst in Ruhelage.


Ah, super danke! Ja, der Satz ergibt ja auch so keinen Sinn. *kopfschüttel*
Es fehlt wirklich ein Wort. Ich werde es sofort abändern!

So sollte es heißen:

So war MIR in den vergangenen Tagen aufgefallen, DASS mein Atem dazu neigte, sich zu überschlafen, selbst in Ruhelage. Mh. Vielleicht sollte "Selbst in Ruhelage" als eigenständiger Satz stehen?

So war MIR in den vergangenen Tagen aufgefallen, DASS mein Atem dazu neigte, sich zu überschlafen. Selbst in Ruhelage.


Fab, was denkst du?

[Dieser Beitrag wurde am 31.03.2008 - 18:57 von Lykanthrop aktualisiert]





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Ist Realität nur die Folge der Notwendigkeit..?

TheFab ...
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...   Erstellt am 31.03.2008 - 19:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich glaube, dass hängt davon ab, wie du dir diese Szene vorgestellt hast und was du genau ausdrücken willst.

Wie ist zu dieser Zeit der Atem? Schneller oder langsamer? Rasend oder kaum spürbar?

Darauf sollte dann der Satz ausgelegt sein, damit das klar wird.
Ich würde die Satzstellung am Ende umdrehen und keine 2 Sätze daraus bilden.

Wie wäre es mit dieser Lösung?:

So war mir in den vergangenen Tagen aufgefallen, dass mein Atem dazu neigte, sich selbst in Ruhelage (zu überschlagen).

Ich würde am Ende eine andere Bezeichnung benutzen:
- wenn der Atem schwächer wird, würde ich das wählen: ... zu erschlaffen/zu verlangsamen/kaum zu bewegen/nicht zu regen.

Wenn der Atem schneller wird, dann fällt mir dazu kaum etwas ein. evtl. ... zu drehen? oder zu hetzen?... hm, passt auch nicht irgendwie.

Aber das "zu überschlafen" passt schon gar nicht.

Denk drüber nach, vielleicht findest du eine passendere Bezeichnung. *g*





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TheFab

Lykanthrop ...
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...   Erstellt am 03.04.2008 - 19:11Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Da ist ja auch noch ein Fehler drin! *g*
ÜBERSCHLAFEN soll's natürlich nicht heißen, sondern ÜBERSCHLAGEN.

*Kopf -> Wand*

Ich markier mir den Satz farbig und werde ihn am Ende nochmal überarbeiten. Dank dir. Du bist mir eine große Hilfe.





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Lykanthrop ...
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...   Erstellt am 18.06.2008 - 15:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


*Tut mir leid, dass ihr so lange warten musstet. In diesem Teil habe ich sicher viele Fehlerchen drin.. *g* Ihr dürft mich also ruhig gerne richtig fest mit der Nase drauf stupsen



III

Dröhnende Kopfschmerzen und eigenartige Erinnerungen waren es, die mich irgendwann in meiner Dämmerung daran erinnerten, dass ich noch am Leben war. Ich war nicht tot, das begriff ich schnell, aber ich war auch nicht mehr am Leben.

Mein Herz schlug in einem klagevollen, monotonen Rhythmus, aber es schlug. Lange Zeit rührte ich mich nicht und versuchte, mit geschlossenen Augen, meine wirren Gedanken zu ordnen und nach und nach bekamen meine Erinnerungen Gestalt. Ich erinnerte mich an Fara, an das Mädchen und das Geräusch von Splitterndem Holz, als es die Tür aus den Angeln hob und an die Kreatur meiner Albträume, die mich bis zur Bewusstlosigkeit verfolgt hatte. Was war geschehen, nachdem ich in Ohnmacht gefallen war? Wo war ich?
Zögernd rang ich mich dazu durch, meine Augenlider ein kleines Stück zu heben.

Sanftes, rötliches Licht erhellte schwach den Raum, in dem ich bäuchlings lag. Meine Unterlage war weich. Eine zaghafte Berührung mit den Fingerspitzen sagte mir, dass ich auf einem Bett, einem Lager oder einer Decke lag. Ich hob das Gesicht ein Stück und erblickte das massive, nachtschwarze Gestell eines schmiedeeisernen Bettes. Ein schmaler Streifen blassorangenen Feuerscheins spiegelte sich in den geschwungenen Formen des gehemmerten Stahls. Es war das Gestell eines Bettes.
Ein flaues Gefühl quälte sich langsam durch meinen Körper hinab. Zitternd berührten meine Finger die Decke, krallten sich hinein und ich verspürte das irrationale Gefühl von Sicherheit. Zaghaft drehte ich das Gesicht zur Seite und blickte in das Zimmer. Vor meinen Augen erhoben sich die Umrisse eines großen, steinernen Raumes. Ein Tisch, der auf wackeligen Beinen stand, zwei Stühle und die Konturen einer großen Tür waren neben dem Bett die einzigen Gegenstände, die ich in der Dunkelheit ausmachen konnte.

Wo war ich? Blinzelnd schlug ich die Augen gänzlich auf und spannte erstmals meine Muskeln an.
Mein Körper war schwach, was nicht zuletzt an den stechenden Schmerzen in meinem Brustkorb lag, die ich verspürte, während ich bäuchlings auf der Decke lag. Das ganze Gewicht meines Körpers lastete auf meinem schmerzenden Brustbein. Doch so sehr ich mich auch mühte, es gelang mir nicht, mich in die Höhe, was nicht zuletzt daran lag, dass meine schmalen Handgelenke mit groben Stricken an das schwarze Bettgestell gebunden waren und ich annehmen musste, dass auch meine Füße auf dieselbe Art und Weise fixiert worden waren.
Benommenheit raubte mir den Atem. Einmal mehr driftete mein Geist in absonderliche Welten ab. Schattenhände begannen nach meinem Körper zu tasten und bis ich begriff, dass diese schmalen, dürren Finger viel wirklicher waren, als ich mir gewünscht hatte, vergingen viele, viele lautlose Augenblicke. Meine Kehle schnürte sich mir zu und ich nahm schlaftrunken wahr, dass dort, wo mich die totengleichen Finger berührten, der Schmerz in meiner Haut versiegte.

In jenem Moment, in dem ich einen leichten Luftstoß, wie einen Atemzug auf meiner Haut verspürte, begannen meine Hände vor Furcht zu beben. Eiskaltes Erschrecken lief meinen Rücken hinab. Meine zu Fäusten geballten Hände zerrten kurz aber heftig an den Stricken, mein Rücken drückte sich durch bei dem Versuch, mich hochzustemmen, aber es misslang. Jeder meiner Versuche scheiterte an der plötzlichen Schwäche meiner Glieder.
Lieblosend streichelte die kalte Hand durch mein Haar, strich mit eine Strähne aus dem Gesicht und zog weiter, hinab zu meiner Wirbelsäule, deren Verlauf sie mit ihren langen Klauen zärtlich nachzuzeichnen begann. In meinem Kopf brach ein Inferno aus. Grenzenlose, unkontrollierte Panik bahnte sich einen Weg durch das feine Venennetz, in die entlegendsten Winkel meines Körper.

'Oh Gott', dachte ich, gepeinigt von Furcht und Scham. 'Wieso quälst du mich?'
Ruckartig legte sich die fremde Hand ihrer ganzen Länge nach auf meinen Rücken. Fünf lange, schmale Finger lagen, lang ausgestreckt auf meiner kalten, verschwitzten Haut und beendeten den letzten Versuch, mich losreißen zu wollen. Der sanfte Druck, den diese Hand auf mich ausübte, ließ den Widerstand hinter meiner Stirn erschlaffen. Ich keuchte, meine Muskeln gaben nach und eine einzelne, heiße Träne löste sich aus meinem Augenwinkel, um über meine Wange hinab zu wandern.

Wie ein großer, schwarzer Vogel hockte der Tod auf meiner Schulter, wartend, lauernd, stumm, wie eine nächtliche Gottheit. Ein wimmernder Laut kam über meine Lippen.
“Fürchte mich nicht”, wisperte eine vertraute, emotionale Stimme in mein Ohr. Mit rasendem Atem fühlte ich, wie sich die Hand von meinem entblößten Rücken löste. Kurz darauf vernahm ich den Klang von Wasser. Ein eisigkaltes Tuch wurde auf meine verschwitzte Haut gelegt. “Ich habe zehn Jahre lang darauf gewartet, nur einen Augenblick in deiner Nähe sein zu dürfen. Zerstöre dieses Glück nicht durch Angst und Furcht.”
Der liebliche, zarte Klang der melodischen, eindeutig männlichen Stimme, trieb mir den Schweiß auf die Stirn. Mein Herz riss sich aus der öden Melancholie und begann zu klopfen, stärker als je zuvor.
“Wer bist du?”, wimmerte ich.

Vor meinen Augen tanzten die Flammen einer einzelnen Fackel über die Wände. Licht und Schatten lösten einander so fließend ab, als wären sie durch ein inniges Band der Liebe aneinander gebunden.
Die dunkle Kreatur, die seit meinem Erwachen an meiner Seite auf der Bettkante gesessen haben musste, bewegte sich. Langsam beugte sie sich vor. Eine ihrer Hände fuhr unbeirrt fort, den Schweiß von meinem Rücken zu waschen, während die zweite sich nach meinem Gesicht streckte und den Verlauf einer Träne nachzuzeichnen begann.
Erst, nachdem sich das Tuch von meinem Rücken gehoben hatte und der Fremde fortfuhr, meinen schweißnassen Nacken zu kühlen, begann er mit ruhiger Stimme zu sprechen und jedes Wort trieb einen schmerzenden Keil in mein Herz. Etwas an dieser Stimme erschien mir zutiefst vertraut. “Eine Kreatur wie ich”, setzte er leise an und erfüllte mir seiner Stimme nicht nur den Raum, sondern all meine Sinne, “hat im Laufe eines einzigen Lebens so viele Namen, dass die meisten nach kurzer Zeit ihre Bedeutung verlieren.” Für einen Augenblick versiegte seine Stimme. “Nenn mich Karon.”
Behutsam nahm er das Tuch von meinem Nacken, strich mein Haar zurück und tauchte das Tuch in eine Schüssel frisches Wasser, die neben ihm stehen musste, bevor er damit erneut meinen Nacken berührte. Die angenehme Kühle schenkte mir beinahe sofort Linderung. Mein Herzschlag stabilisierte sich langsam und ich hörte auf, meine Finger in die Decke zu krallen. Ein verwirrendes Gefühl durchströmte meinen Körper.
Für einen bizarren Augenblick wollte ich mich dem Glauben hingeben, dass von Karon keinerlei Gefahr ausging, doch er selbst strafte diesen Gedanken Lügen.

“Weißt du, wer ich bin?”, flüsterte er in mein Ohr und ein weiterer Schauer jagte durch meinen Körper.
“Du bist der Mörder meines Vaters”, entgegnete ich und spürte schleichend, mein Bewusstsein brechen. Mein Herz war wieder jenem quälend langsamen Trott verfallen, der meine Seele mit Schwermut erfüllte. “Ich habe dich tausendmal in meinen Träumen gesehen, ohne zu wissen, wer du bist. Jetzt weiß ich es.”
Ein eigenartiger, schmunzelnder Laut erklang und kurz darauf entfernte der Dämon erneut das Tuch von meiner brennenden Haut und diesmal blieb es dabei. Stöhnend sehnte ich mich nach einer weiteren, kühlenden Berührung – vergebens.
Karon stellte die Wasserschüssel zu Boden und erhob sich. Die Matratze, auf der wir saßen, bewegte sich kaum spürbar nach oben, als er aufstand und um das Bett herum kam. Sein Schatten schob sich langsam in mein Sichtfeld und als er einige Sekunden später vor dem Bett in die Hocke sank, blieb mir vor Erstaunen der Atem fort.
Die Kreatur, die sich vor mir zu Boden gekniet hatte, war unaussprechlich schön. Sanfte, wiesengrüne Augen stachen aus dem bleichen, ovalen Gesicht mit den sanft gezeichneten, schmalen Brauen. Halblange, rabenschwarze Haare fielen dem Dämon strubbelig ins Gesicht und eine einzelne Strähne verdeckte die Iris seines linken Auges.
Die Gestalt unter dem schwarzen Umhang war lang, schmal, muskulös und wies eine sehr edle, anmutige Haltung vor. Karons Gestalt strahlte trotz des dämonischen Feuers seiner Augen eine unheimliche Ruhe aus, die blitzschnell auf mich überging. Als ich von einem uralten Dämon gehört hatte, hatte ich ein Bild im Kopf gehabt, dass in keinster Weise mir dem Bild übereinstimmte, das ich unmittelbar vor mir sah. Das Alter war spurlos an Karon vorüber gegangen und hatte ihm den Körper eines Mannes, mitte zwanzig gelassen; nur die verträumten, grünen Augen zeugten vom wahren Alter dieser Kreatur.

Meine Hand erschlaffte und die Stricke hörten auf, in meine Haut zu schneiden, die bereits rund um mein Handgelenk wund und zerschunden war. Ein unglaublich helles, leuchtendes Lächeln ließ die Mundwinkel des Dämons zucken.
Sanft berührte seine Hand mein Handgelenk dort, wo sich ein einzelner, roter Blutstropfen aus der zerscheuerten Haut hervorschob und die Wunde begann augenblicklich zu heilen. In verlangsamter Geschwindigkeit sah ich, wie sich die feinen Risse verengten und verblassten, bis keine der Wunden mehr zu sehen war.
Karon lächelte weiterhin sein schaurig schönes Lächeln. “Du bist ein mutiger, junger Mann geworden. Dein Vater wäre stolz auf dich.”
“Mein Vater ist tot”, antwortete ich und fühlte Wasser, das sich in meinen Augen sammelte.
“Einen geliebten Menschen zu verlieren gibt uns neben Kälte und Entbehrung ein weitaus stärkeres Gefühl.” Das schiefe Lächeln Karons verblasste. “Das Gefühl, geliebt worden zu sein. Dein Vater war bereits tot, als er beschloss, sein eigenes Leben zu opfern, um dir eine Zukunft zu schenken. Seine Liebe ist dein Erbe. Betrachte nicht mit Groll, was er dir angetan hat, sondern öffne die Augen und sieh, was sein Vermächtnis dir an Kostbarkeiten hinterlassen hat. Du hast ein Leben.”
Seine Stimme ließ mich frösteln. Unendlich sanft hob er die Hand und strich eine verschwitzte Haarsträhne aus meinem Gesicht. Seine freie Hand bettete er unmittelbar vor meinem Gesicht auf die Matratze, legte sein perfektes Kinn darauf und schaute mich aus seinen großen, sanften Augen lange an.
“Du wirst heute Nacht nicht sterben.”

Mein Magen krampfte sich zu einem geballten, schwarzen Klumpen zusammen. Hätte er mich in diesem Augenblick berührt, wäre mein Herz unter einem Inferno an Impulsen zu Grunde gegangen. Aber Karon berührte mich nicht. Er hatte, noch bevor er zu sprechen begonnen hatte, die Hand zurückgezogen und den Kopf ein wenig zur Seite geneigt. Sein wacher Blick musterte mein Gesicht, berührte den meinen und kurz darauf erschien wieder jenes unergründliche Lächeln auf seinen Lippen.
Mein Mund zuckte. “Bitte”, flüsterte ich und wieder spürte ich Tränen auf meinem Gesicht. “Lass mich gehen.”
Sein Lächeln verblasste und wich einem gänzlich gegensetzlichen Ausdruck. Seine Lippen wurden schmal und ein düsteres Funkeln trat in seine matten Augen. “Wenn du jetzt durch diese Tür dort gehst, wirst du tot sein, bevor du überhaupt begreifen kannst, was mit dir geschieht.” Sein Gesicht verzerrte sich vor Verbitterung. “Dein Herz hat vergangene Nacht aufgehört, zu schlagen. Du kannst von Glück reden, dass Salina bei dir war, als es geschah. Und doch lebst du noch.”

Der plötzliche Zorn in seinen Worten, ließ mich unmerklich zusammen zucken. Schemenhaft tauchte ein Gesicht vor meinem geistigen Auge auf: das Mädchen, das versucht hatte, mich vor Karon zu beschützen. Wo war sie?

“Sie hat die ganze Nacht an deinem Bett Wache gehalten”, entgegnete Karon. Er musste meine Gedanken gelesen haben. “Gib ihr ein paar Stunden, dann wird sie herunterkommen, um nach dir zu sehen. Vorerst wird ihr ein wenig Schlaf gut tun.”
Spielten mir meine Sinne einen Streich? In meiner Erinnerung, kurz bevor ich das Bewusstsein verloren hatte, hatte dieses junge, unschuldige Mädchen wie von Sinnen versucht, mich von Karon fort zu zerren, ihn angeschrien und um mein Leben angefleht und aus seinem Munde klang es, als wären sie alte Bekannte.
“Wer ist sie?”
Ein glockenhelles, engelsgleiches Lächeln erklang. Karon hatte den Kopf in den Nacken geworfen und warf mir ein bezaubernd schönes Lächeln entgegen. “Sie ist eine Blume, die darauf wartet, von der Sonne berührt zu werden, damit sie erblühen kann.” Ein nostalgischer Glanz legte sich über das friedliche Glitzern seiner Augen. “Ihr Name ist Salina. Sie war seit Jahren auf der Suche nach dir, aber aus anderen Gründen.” Ein ernster Seufzer kam über seine Lippen. “Ich weiß nicht, was man dir über mich erzählt hat, aber ich bin mir sicher, dass mehr als die Hälfte davon eine Verdrehung der Wirklichkeit ist.”
Mein Herz setzte einen Augenblick aus und als es erneut zu Schlagen begann, hatte sich mein Atem den schnellen, rauhen Tönen angepasst. “Hast du meinen Vater getötet?”
Ein schmerzhafter Ausdruck huschte über seine zarten Gesichtszüge. “Ja”, antwortete er schließlich und hob den Kopf von seiner Hand, ohne den Blick von meinem abzuwenden. “Ja, das habe ich.”
“Erklär es mir”, flüsterte ich und spürte zitternd mein Bewusstsein verdämmern. “Bitte.”

Er ließ sich zurücksinken - seine Augen verzogen sich zu schmalen Schlitzen, zwischen denen seine Augen wie Smaragde im Fackelschein blitzten – und schenkte mir sein traurigstes Lächeln. “Eines Tages wirst du erfahren, wieso manche Dinge geschehen müssen, aber dies ist weder die Zeit, noch der Ort, für ein derartiges Gespräch.”
Langsam neigte er sich vor und ich spürte den Widerstand um meine Handgelenke weichen, während er vorsichtig die Knoten zu lösen begann. Völlig reglos lag ich da und wartete, bis er mit eisigen Fingern meine Haut berührte, um die darauf entstandenen Wunden verschwinden zu lassen und sich auf die Beine erhob, um zum Fußabsatz des Bettes zu gehen, an dem meine Füße festgebunden waren. Auch hier begann er bedächtig langsam die Knoten zu lösen.
Ich hatte mich nicht geirrt. In diesem Augenblick spürte ich, dass von Karon zwar eine dunkle Kraft ausging, die eine Welle negativer Energien mit sich zog, aber ich fühlte im selben Atemzug, dass von ihm keine Gefahr für mich ausging.
Erleichterung durchströmte in wellenähnlichen Bewegungen meinen Körper und wieder wurde ich mir bewusst, welche unheimliche Anziehungskraft mich bereits jetzt schon an Kayras Nähe fesselte. Seine Augen, der sanfte Klang seiner Stimme und die enge Verbindung mit meiner Familie, machte es unmöglich, mich länger fern von ihm zu halten. Ich war verloren.
Er kehrte, nachdem er mich losgebunden hatte, an meine Seite zurück und bot mir mit einer edlen Geste seine rechte Hand dar. Kraftlos tastete ich nach seinen Fingern, umschloss seine Hand mit schwindender Gewalt über meine Bewegungen und ließ mir von ihm in eine sitzende Position helfen.

Zum ersten Mal huschte mein Blick über meine schmal gewordene Gestalt hinab. Karon hatte sich die Mühe gemacht, meinen besinnungslosen Körper aus der Bluse zu schälen, meine Hose jedoch haftete schweißverklebt an meinen zitternden Beinen.
Meine trockenen Lippen formten ein klangloses 'Danke' und erstmals wurde mir klar, wie rau und kratzig meine Kehle war. Wie Feuer brannte die Luft auf meiner rissigen Mundschleimhaut und mehr denn je wünschte ich mir einen Schluck kühles Wasser, um meinen Durst zu stillen.
Ein gütiges Lächeln erhellte das junge, perfekte Gesicht des Dämons. Er hielt noch immer meine Hand und reichte mir nun, um meinen Körper weiter stabilisieren zu können, auch noch die zweite Hand. Dankbar nahm ich sie und ließ mich von ihm auf die Füße ziehen.

Zitternd hielt meine degenerierte Beinmuskulatur nur schwer das Gewicht meines Körpers; umso dankbarer war ich, dass Karon mit Ruhe und Geduld daran arbeitete, mich aufrecht zu halten.
“Komm schon, Erian”, sagte er und trat rückwärts einen Schritt vom Bett fort. Dieser Schritt zwang mich, ihm zu folgen. Meine Knie schmerzten. “Niemand außer dir, kann diesem Körper Befehle erteilen. Deine Beine gehorchen dir, wenn du sie führen kannst.”
Ein warmer, zarter Hauch schmiegte sich um meine Seele. Karon löste sich von mir. Kraftlos fielen meine Arme an meinem Körper herab und ich geriet erneut ins Schwanken. Zu einem Sturz jedoch kam es nicht. Sorgsam bedacht darauf, mir nicht zu viel der Last abzunehmen und doch einen Großteil meiner Pein zu teilen, war der Dämon an meine Seite getreten, hielt mein rechtes Handgelenk in die Höhe und legte sich meinen dürren Arm über die Schulter.
“Scheue dich nicht, mich dein Gewicht tragen zu lassen.” Sein Lächeln flachte ab, verlosch jedoch nicht ganz, sondern fand im letzten Moment die Kraft, noch reiner und strahlender zu sein, als in den vergangenen Minuten. “Geh mit mir in den Turm hinauf. Uns trennen nur eine handvoll Stufen von diesem kleinen Triumph und ich werde dir helfen.”

Meinte Karon seine letzten Worte ernst? Erschrocken blickte ich ihn an. Mein Körper war von einer Schwäche überzogen, die es mir nahezu unmöglich machte, einige Minuten aufrecht zu stehen. Verlangte er wirklich von mir, dass ich an seiner Seite diesen Raum verließ und eine Treppe hinauf stieg?
“Ich kann das nicht”, flüsterte ich und spürte, wie beschämend meine Worte auf ihn wirken mussten. “Ich kann unmöglich eine Treppe steigen.”
“Doch, du kannst.” Das Strahlen fiel von seinen Lippen und ein schiefer, härterer Ausdruck legte sich über die feinen Züge seines Gesichts. “Wir müssen diesen Weg gehen.”

Mein Mund öffnete sich, aber kein Wort drang daraus hervor. Eine zweite Chance, sein Vorhaben zu kommentieren, bekam ich nicht. Er rückte meinen Arm auf seinen Schultern zurecht und trat einen Schritt weiter in das Zimmer hinein. Es schmerzte unendlich, doch ich folgte ihm.
Heißer Schmerz brannte in meiner Luftröhte. Die Anstrengung trieb mir binnen weniger Sekunden die Schweißperlen auf die Stirn. Ich konnte niemals in den Turm gelangen. Vorher würde ich sterben; ich fühlte es.
Doch Karon war unerbittlich. Er half mich, stützte mich und gab mir den Großteil seiner Kraft, aber so sehr ich mich auch auf ihn stützte, ganz konnte und wollte er mir diese Last nicht abnehmen. Im Gegenteil: Je näher wir der Tür kamen, desto mehr schien er sich von mir zu entfernen. Wollte er, dass ich diesen Weg alleine ging? Was bezweckte er damit?
“Wir haben gleich die erste Hürde genommen.” Seine Stimme war samtweich. “Hier, siehst du?”
Mit ausgestrecker Hand ergriff er die Türklinke, drückte sie hinab und stieß mit dem Fuß gegen die Tür. Sie schwang auf, hinein in den Korridor.
“Karon, bitte”, flehte ich noch einmal mit kläglicher Stimme. “Ich schaffe es nicht. Ich kann nicht-”

Sein Blick streifte mich und zum ersten Mal, seit ich ihn betrachtete, fiel mir die ungebrochene, kalte Gerechtigkeit in seinen Augen auf. Funkelnd gruben sie sich in meine, hielten mich, banden mich.
“Du hast keine andere Wahl. Alleine schaffst du es nie zurück ins Bett”, sagte er kühl.
Bitter klangen seine Worte in meinen Ohren. Wir verließen das Zimmer und vor uns erstreckte sich der schwach erleuchtete Korridor, kaum größer als wenige Quadratmeter, bevor er zu beiden Seiten in eine Steinerne Treppe überging, die sich um eine massive Säule herum, einseitig zum Turm hinauf und auf der anderen Seite hinab in die Tiefe schlängelte. Es waren nicht viele Stufen.
Der obere Treppenabsatz lag kaum mehr als zehn Stufen erhöht. Durch ein Fenster fiel gleißend heller Sonnenschein auf die letzten Stufen. Innerlich verzehrte ich mich danach, in diesem hellen Schein zu baden, darin zu erblinden und die kalten, grauen Erinnerungen an das Kloster von mir zu waschen. Die Stufen, die zwischen mir und dem Turmfenster lagen, konnte mein Geist jedoch nicht überwinden.

“Komm weiter.”
Karon plazierte meinen Arm erneut auf seiner Schulter. Diesmal so, dass ich enger an ihn heran rücken musste. Die unmenschliche Kühle seines muskulösen Körpers, ließ mich frösteln. Seine Unsterblichkeit erfüllte ihn, berührte sanft meine Haut und verblasste daran.

Die erste Stufe schmerzte in meinen Gliedern, aber ich und nicht zuletzt Karon selbst, zwangen mich, weiter zu gehen. Immer weiter, bis auch die dritte und die vierte Stufe hinter mir lagen.
Schweiß stand mir auf der Stirn und mein Rücken krachte und ächzte. Mein Blick glitt hinauf zum Licht. Und obwohl ich bereits drei der steinernen Stufen zurückgelassen hatte, konnte ich das Licht noch immer nicht berühren.
Die vierte Stufe hinterließ ein unangenehmes Zittern in meinen Knien, so, als wollten sie jede Sekunde unter meinem Rumpf hinweg brechen und mich sterbend liegen lassen. Der Gedanke war absurd, aber der Schmerz war ein reales Gefühl, tief verankert in meinem Herzen.

Stufe fünf. Mein Herz raste. Stufe sechs. Wie konnte ich diesen Weg gehen? Woher kam mit einem Mal diese Kraft? Wie war es möglich, dass mein Herz aushielt, was ich meinem Körper zumutete? Es musste an Karon liegen, an seiner Nähe.
Als mein nackter Fuß die siebte Stufe berührte, stieg ein warmer Hauch durch meine Venen. Meine Hand streckte sich und berührte sehnsüchtig die ersten Strahlen des hereinfallenden Sonnenlichts.
“Ich weiß, wie lange du darauf gewartet hast, diese Wärme auf der Haut zu spüren”, flüsterte der Dämon und lächelte sein schaurig schönes Lächeln für mich allein. “Ist es den Weg wert gewesen?”
“Ja”, flüsterte ich und betrachtete die Färbung meiner Hand, als der Lichtstrahl darauf niedersank.
“Dann sieh dich um.”

Verwirrt blinzelte ich Karon entgegen. Seine Augen strahlten, heller als das Sonnenlicht. Ich neigte den Kopf und starrte in die Tiefe hinab; hinab auf die vielen, aus Stein geschlagenen Stufen, die ich, ohne es gemerkt zu haben, hinter mir gelassen hatte. Wie weit war ich gegangen? Ich konnte das untere Ende nicht sehen.
Mein Blick wanderte zurück und traf geradewegs Karons strahlende Augen. “Ich begreife das nicht.”
“Aber ich.” Zaghaft löste sich Karons Arm von meinem und ich stand völlig frei.
Für einen zerbrechlichen Augenblick stand ich da, den Blick auf seine atemberaubenden Augen geheftet, den Mund zitternd geöffnet und sehnte mich danach, seine Finger zu umschließen, festzuhalten und zu weinen, wie ein kleines Kind. Ich ließ es nicht geschehen.





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