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...   Erstellt am 26.10.2008 - 10:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen





Tagtraeumerin
unregistriert

...   Erstellt am 29.01.2009 - 17:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Im Fläming, seit 1760 ein traditionelles Kartoffelanbaugebiet, wird seit Jahrzehnten bewiesen, dass nicht dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln haben, sondern dass der gezüchtete Erdapfel eine wahre Königin, zumindest Herzogin - pommes de terre a la duchesse - sein kann.

Einige junge Köchinnen und Köche im Fläming, die Mälzer & Co. nacheifern, betrachten ihre Fläming-Knolle bereits als Edelste, das man nicht mehr nur einfach kocht.,

Vor hundert Jahren gab es in Deutschland weit über 1000 Kartoffelsorten Mitte des 20. Jahrhunderts reduzierte sich die Vielfalt von Jahr zu Jahr so gravierend, dass es zuletzt in der DDR noch ganze 23 Sorten gab.

Aus Wirtschaft Gründen ist dies sicher gut nachvollziehbar, aus geschmacklichen Gründen allerdings ist ein Verlust zu verzeichnen

Zu frühen DDR-Zeiten lautete auch im Fläming der sozialistische Kartoffel-Tagesbefehl: „Würden wir den Kampf vergessen, hätten wir bald nichts zu essen!"

Dass der schwarz-gelb gestreifte Kartoffelkäfer über der soeben gegründeten DDR aus amerikanischen Flugzeugen abgeworfen wurde, um den Aufbau des Sozialismus zu sabotieren, glauben manche bis heute.

Zwar waren die ersten Kartoffelkäfer in Mitteldeutschland schon ab dem Jahre 1946 gesichtet und von Schulklassen eingesammelt worden, so war der Befall im Jahre 1950 plötzlich unerklärlich hoch und unerhört intensiv.

Bis zu 50 Prozent der Kartoffelanbauflächen in der neu gegründeten DDR waren von den Krabbelkäfem und ihren tiefroten, überwinternden Larven besetzt. Wo kamen sie nur alle her? Vom Klassenfeind natürlich, woher sonst?

Vom Himmel waren sie gefallen! Mit dieser Propaganda-Idee begann im Juni 1950 die erste der großen „Ernteschlachten", die fortan alljährlich ganze Bevölkerungsteile vom Schulkind bis zum Industriearbeiter aufs Dorf brachte, um die Volksernährung zu sichern.

Dutzende von Augenzeugen kamen im „Neuen Deutschland" und der Kino-Wochenschau zu Wort, die die herannahenden „Amiflieger" genau gesehen hatten, aus denen die bösen „Amikäfer" abgeworfen worden waren.
Wie eigentlich? Luke auf und Käfer raus? Aus Pappkartons abgekippt? Oder wurden sie gar zielgenau über den Kartoffelfeldern sanft herabgesprüht?

Dass sich der Kartoffelkäfer seit Mitte der 1930er Jahren systematisch von West nach Ost durch Deutschland verbreitet hatte, wusste jeder Bauer.

Und dass es bereits im Jahre 1941 einen postalischen Rollstempel mit der Aufschrift „Kampf dem Kartoffelkäfer" gegeben hatte, der so manche Hitlerbriefmarke zierte, hatten manche auch noch nicht vergessen.

Aber das sagte in der jungen DDR niemand laut, denn die ab 1950 massenhaft auftretenden Käfer und Larven mussten weg.

Egal, wo sie hergekommen waren. Jede Hand wurde gebraucht.
Und so zieht man auf die Felder, rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln:
Dutzende von Menschen - Kinder, Jugendliche und Alte - bewegen sich langsam durch die Furchen, wenden die Blätter und sammeln die gestreiften Käfer und roten Larven ein.
In mit Wasser gefüllten Flaschen oder Schraubgläsern wird das Getier ersäuft - manche tun es mit eifriger Mordlust in Anbetracht der unverhofften Verdienstmöglichkeit:
Pro Käfer gibt es südlich von Berlin 1 Pfennig, pro Larve 1/2 Pfennig. Anderswo gibt es kein Geld, sondern pro 30 Käfer ein Hühnerei vom Bauern oder sonst etwas Essbares.
Und noch woanders stürzen sich die Jungen Pioniere selbstlos in die Furchen, um es so zu machen wie Timur und sein Trupp - nämlich kostenlos.

Bis Ende der 1950er Jahre jedenfalls stehen die alljährlichen Käferaktionen unter dem offiziellen Slogan:

„Würdet wir den Kampf vergessen, hätten wir bald nichts zu essen."





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