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halterlos 





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...   Erstellt am 11.04.2006 - 13:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Quietschend hält der Zug auf dem Bahnsteig. Ein wenig traurig, dass das Wochenende vorbei ist, verlasse ich ihn und lasse mich über die Treppe in den Fluss all der anderen Reisenden spülen, die durch die Bahnhofshalle zu den verschiedenen Gleisen oder den Ausgängen eilen. Jeder im Bahnhof scheint es eilig zu haben.

Über eine weitere Treppe komme ich zur U-Bahn, die mich in den Außenbezirk bringen soll, wo mein Bus abfährt. Ein paar Minuten Zeit habe ich noch und lasse den Blick über die Wartenden schweifen. Dort hinten, der Mann in der hellen Hose, ist in der gleichen Stadt in den Zug eingestiegen, wie ich. Ein junges Pärchen steht, einer ganz in den Blick des anderen versunken, wartend am Bahnsteig. Vielleicht müssen sie gleich Abschied nehmen. Die Sonntagabende sind es schließlich oft, die die Liebespaare wieder für eine Woche trennen.

Sirrend läuft die Bahn ein und spuckt ihre Passagiere auf den Bahnsteig, auf dem die Wartenden geradezu in den Startlöchern zu stehen scheinen. Es gibt genügend Sitzplätze, anders als während der Woche, wo ich mich oft wie Tarzan an Lianen, entlang der Halteschlaufen hangeln muss. Ich setzte mich, den Blick in den Innenraum des Wagons, und nehme die anderen Mitreisenden wahr. Da, ein Singen in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ein Singen, das Wärme, Weite, Sonne und Staub vor meinem inneren Auge entstehen lässt. Ich recke den Hals, um die Frau, denn eine warme weibliche Stimme ist es, die singt, zu entdecken.

Da hinten sitzt sie, zusammen mit einer weiteren Frau und einem Mann. Schwarz sind sie alle drei und trotz Kostüm und Anzug, hat mich der Gesang der Frau an Afrika erinnert. Dunkle Augen in dunklen Gesichtern, scheinen sie doch genau hierher zu gehören. Eine ältere Dame guckt missbilligend in Richtung der Sängerin und mit einer Stimme, die ihr Missfallen ausdrückt, fragt sie ohne jemanden bestimmten anzusehen:“Wer singt denn da?“ Fast könnte man meinen, dass Singen verboten wäre.

Ihr gegenüber ein sehr schmales, fast kantiges Gesicht mit Lippen, die wie Striche wirken. Ebenfalls schon älter, sitzt da eine Frau, die mir ein Gefühl von verpasstem Leben gibt. So, als wäre sie immer wieder enttäuscht worden, sitzt sie nun alleine in der U-Bahn und sieht nicht aus, als ob sie sich auf ihr Ziel freuen würde.

Aus dem nächsten Wagon klingt ein Lachen herüber. Ein helles, sonniges Kinderlachen, das ansteckend klingt. Und richtig, kurz darauf hat es wohl seine Eltern angesteckt. Vielleicht lässt sich ja auch die Enttäuschte davon zu einem Lächeln inspirieren. Nein, mit einem prüfenden Blick stelle ich fest, dass sie nach wie vor ziemlich frustriert aus dem Fenster gegen die vorbeigleitende Tunnelwand sieht.

Plötzlich ein Gefühl, als ob mich jemand mustern würde. Unauffälliges Suchen nach dem Ursprung der Empfindung. Da sitzt er und guckt mich aus dunklen Augen an. Ein junges, südländisch wirkendes Gesicht. Für Augenblicke tauche ich in das schimmernde Braun. Es scheint, als würde der junge Mann üben, Blicke festzuhalten. Mit einem Schmunzeln wende ich mich ab. Nach Flirten ist mir nicht.

Ein junges, wohl türkisches, Mädchen setzt sich neben mich, nennt mir ihr Ziel und fragt, ob dies die richtige Bahn sei. Ihr dunkles Kopftuch verdeckt jedes Härchen und setzt einen reizenden Kontrast zu ihrer klaren, olivefarbenen Haut. Kein Fältchen, kein Pickelchen trübt diese Klarheit, um die ich sie beneide.

Nun geht es leicht bergan und vor den Fenstern der U-Bahn wird es hell. Oberirdisch geht es weiter und an der übernächsten Station steige ich aus. Im Aussteigen drehe ich mich noch einmal um und sehe die dunklen Augen hinter mir herlächeln. Ein Blick zur Uhr sagt mir, dass ich auf den Bus noch ein wenig warten muss. Egal, somit habe ich noch ein wenig Vorfreude auf das Ankommen in meiner Wohnung. Ein klein wenig nach hause gekommen fühlte ich mich schon während der U-Bahnfahrt.





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Ich kann, weil ich will, was ich muss.
(Immanuel Kant)

alpha 





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...   Erstellt am 13.04.2006 - 22:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das Schöne am verreisen ist neben der Abwechslung die Freude auf zu Hause.
Und die genauere Wahrnehmung des Umfeldes oder das Finden der Worte zur Beschreibung. Ich wünschte, ich könnte diese Erlebnisse ebensogut niederschreiben.





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Immer wieder behauptete Unwahrheiten werden nicht zu Wahrheiten sondern, was schlimmer ist, zu Gewohnheiten.
(Oliver Hassencamp)

halterlos 





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...   Erstellt am 13.04.2006 - 22:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Alpha, stimmt, ich finde verreisen richtig schön und das Nachhausekommen auch.

Und was das Wahrnehmen und Aufschreiben betrifft...Ich glaube, es hat mit wahrnehmen WOLLEN zu tun. Wenn ich viele Dinge in meiner Umgebung wahrnehme, stelle ich fest, dass es mir besser geht, weil ich immer oder jedenfalls meistens auch etwas Positives wahrnehmen kann. Und mein Ziel ist es eben, jedem Tag, auch wenn er mal gar nicht so toll läuft, wenigstens einen kleinen positiven Moment abzugewinnen. Das hilft über emotionale "Dürreperioden". Hab´ ich jedenfalls für mich festgestellt...*s*





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(Immanuel Kant)

Fritze 





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...   Erstellt am 14.05.2006 - 12:20Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Nach jedem Urlaub ist das Nachhausekommen mit einer gewissen Freude verbunden, was wiederum den Erholungswert des Urlaubes dokumentiert.





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Der Schwache zweifelt vor der Entscheidung; der Starke danach.


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