| Ersteller | Thema » Beitrag als Abo bestellen |  |
Nicolai unregistriert
| Erstellt am 21.09.2006 - 01:17 |  |
*Vier Eurer Wachen? Vier??* stiess er nun finster hervor und sein Gesicht verzog sich sich hasserfüllt, während er eine Faust ballt. Er hatte seinen Arm unter sein Kinn geschoben, um seinen Kopf aufzustützen und ballte nun fest seine Hand zu einer Faust, während er starr und finster gerade aus schaute, wo sich sein Blick verlor.
*Das werden sie mir büssen, diese feigen Hunde!* Im Moment dachte er nicht im Geringsten daran, seinen Mund zu halten, womit er aber nicht nur sich selber, sondern auch die Arbeit des Heilers, der den Pfeil entfernen wollte, keinen Gefallen tat. Denn als er sich nun verkrampfte, durchfuhr ihn ein neuerlicher Schmerz, doch er biss nun die Zähne zusammen und presste die Lippen fest auf einander, bevor er wieder etwas blass Evaliia an, welche sich neben ihm gehockt hatte. Er bemerkte ihre Mimik, welche ebenfalls Fassungslosigkeit, Zorn und Trauer ausdrückte. Er war ihr keineswegs böse, dass sie ihn aufforderte, nun zu schweigen und er nickte schwach und murmelte:
»Und Ihr sprecht auch wahr!«
Kein Lächeln war auf seinem Gesicht zu sehen, nein, seine Augen funkelten vor Wut über das Geschehende. Dann richtete er seine Worte fast knurrend an den Heiler: *Bringen wir die Sache hinter uns. Und seit nicht zimperlich. Meine Wut macht mich stark!*
Nicolai sprach nun nichts mehr und sog dann tief die Luft ein. Sein Blick war eine Mischung aus Zuversicht und Zorn und ein wenig Angst, auch wenn er diese gerne unterdrückt hätte. Doch sein Zorn über wiegte. Er wusste, dass Furcht auch etwas gutes hatte, denn sie gemahnte zur Vorsicht. Und davon brauchten sie in Zukunft sehr viel.
Und so gab sich Nicolai der Behandlung des Heilers hin, der seine Arbeit so vorsichtig wie möglich versuchte. Und dieser sprach:
»Prinz Nicolai, versucht trotzdem Euch so gut Ihr es könnt, zu entspannen. Es wird nicht gerade angenehm!«
Der Heiler hatte das Gewand um die Wunde aufgeschnitten und freigelegt um sich nun daran zu machen, den Pfeil vorsichtig aus der Haut zu operieren. Dafür hatte er ein paar Streifen sauberen Stoffes um die blutende Wunde gelegt, um so den Blutfuss zu stoppen, der bei der Operation entstehen würde.
*Ich habe mir in manchen Schlachten den Pfeil selber abgebrochen und herausgezogen - glaubt mir. Mein innerer Schmerz ist bei weitem größer!!* knurrte Nicolai, der immer noch in Gedanken bei den toten Dakern war. *Außerdem muss ich bald wieder handlungsfähig sein!*
Es nervte ihn zutiefst, dass er nun erneut verletzt war, wo er doch einen Feldzug gegen das schier Böse antreten musste. Ja, die Zeit des Abwartens war für ihn zu Ende. Er würde dieser Stadt den Krieg erklären, wenn nicht bald etwas passierte oder die Stadtwache Resultate vorwies. Was er noch nicht wusste, war, dass die Stadt einem Putsch unterworfen war. Doch er sollte es bald erfahren.
»Nun, Prinz, aber dieser Pfeil ist nicht hinten wieder ausgetreten, die Pfeilspitze hat sich tief in Euren Körper gebohrt ...« antwortete der Heiler, um seinem Patienten klar zu machen, dass die Situation eine andere war.
Und dann operierte der Heiler mit einigen kundigen Handgriffen und mit einem Messer, welches er in die Wunde halten musste, um die Haut etwas zu dehnen, den Pfeil aus dem blutigen Fleisch und Nicolai stöhnte mehrmals verhalten auf.
Attehlá blickte seinen Vater voller Sorge an und immer wieder schaute er auch ängstlich zu Evaliia, bis er schliesslich etwas tat, was er sich eigentlich nicht getraut hatte: Er griff nach der Hand seines Vaters, welche er nun fest und aufmunternd drückte. Und Nicolai nahm diese Geste sehr dankbar an und drückte ebenso die Hand seines Sohnes. Er hatte ihn nicht rausgeschickt, nicht, weil er hartherzig war, sondern weil er meinte, sein Sohn müsse so etwas einmal miterleben, damit er gewappnet war für solche Situationen.
Der Schmerz, der sich während der Operation herausstellte, war schwer, doch Niolai hatte schon ganz andere Verletzungen erlebt. Dennoch schwindelte Nicolai immer wieder leicht und ein feuchter Film bildete sich auf seiner Haut. Atthelá schaute sich kurz um, während er weiter die Hand seines Vaters drückte, der augenscheinlich mit dem Schmerz kämpfte und nahm ungefragt, obwohl er Evaliia kurz scheu anschaute, einen Zipfel des Lakens der Schlafstatt und tupfte dann Nicolai etwas Schweiss von der Stirn, bevor die Tropfen in seine Augen rannen, welche Nicolai zeitweise zwar geschlossen hatte, aber immer wieder öffnete.
Nun war sein Blick eine Mischung aus Schmerz und unermesslichen Zorn und während der Behandlung versuchte er an etwas angenehmes zu denken, doch es stellte sich zuerst nicht andere ein, als das Gesicht von Deirdre, was ihn zusätzlich schmerzte. Dann dachte er krampfhaft an seine Heimat und versuchte für einen Moment die Welt um sich herum zu vergessen.
Er sah, wie er auf seinem stolzen und majestätischen dunkelbraunen Hengst, der eine sehr volle und wilde lange Mähne hatte, über die grasbedeckten Steppen ritt, wie er das Hämmern der Hufe unter seinem Körper spürte und jede Bewegung des so stolzen Tieres. Er hörte, wie es Luft durch seine Nüstern stiess: Der Herzschlag Dakiens, so nannte sie es.
Und dann dachte er plötzlich wieder an Deirdre und daran, dass sie ihm fast ein Kind geschenkt hatte. Wieder versuchte er die Gedanken an sie zu verscheuchen und bewusst stellte er sich Marasiah vor, welche so anders war als Deidre und doch vom Wesen ebenso selbstbewusst. Er erblickte ihre wilden, hellblonden Strähnen, wie sie immer wieder in ihr liebliches Gesicht fielen und erblickte ihre Augen, die so anmutig und doch stark ausdrückten, was sie fühlte.
Und dann blickte er Evaliia an. Er dachte an dem Moment hier in ihrem Zelt, neulich und an den leidenschaftlichen Kuss und ihm wurde immer wärmer ums Herz, wäre da nicht dieser Schmerz und die Erkenntnis, dass er sich ändern musste.
Bald war die schmerzhafte Prozedur geschafft. Der Heiler hatte den Pfeil entfernt. Vorsichtig wusch er die Wunde aus mit warmen Wasser, nach welchem er kurz vor der Behandlung verlangt hatte. Und er drückte einige saubere Stoffballen auf die Wunde, damit Nicolai nicht noch mehr Blut verlor.
Zwischenzeitlich war Nicolai halb weggetreten,a ls der Schmerz ihn übermannte, doch immer wieder kam er schnell zurück. Er wollte keine Schwäche zeigen, er wollte nicht, dass die Angreifer auch nur etwas gesiegt hatten, obwohl vier Menschen umgekommen waren.
Zwischenzeitlich hatte sich eine Wache Nicolais angemeldet, um etwas vorzutragen, doch Linus hatte ihm zu verstehen gegeben, dass er warten sollte.
Bald dann musste der Heiler Nicolai den Rest des Gewandes entfernen, zumindest am oberen Teil seines Oberkörpers, um ihm einen Verband anzulegen. Dabei wurden auch andere Verbände sichtbar und der Heiler schüttelte stumm den Kopf. Linus half Nicolai, sich etwas aufzurichten, damit der Heiler den Verband richtig anlegen konnte und als diese Arbeit getan war, sprach er:
»Ihr solltet Euch schonen, Prinz Nicolai!«
*Ich sollte, aber ich kann nicht. Es herrschen finstere Zeiten und dies verlangt mein Handeln, aber ich danke Euch!* versuchte er nun nicht ganz so finster zu sagen.
Und dann bat er Atthelá um eine Decke, da ihm leicht fröstelte und dieser nahm eine Decke, welche neben Evaliias Lager lag und bettete diese sachte über den Körper seines Vaters, der immer noch auf dem Bauch lag.
Nicolai war erschöpft von der Verletzung, und auch sein Geist, doch er kam nicht umhin, sich Gedanken zu machen. Wie sollte es weiter gehen?
Linus hatte sich inzwischen mit der Wache im Zelteingang flüsternd unterhalten und kam dann zu den Anwesenden *Verzeih, mein Prinz. Einer unserer Männer hat es auch das Leben gekostet. Es ist Balus!* Linus wusste, dass er dies dem Prinzen nicht vorenthalten konnte.
Als Nicolai sich gerade versuchte, leicht zu entspannen, erfuhr er dies von Linus und wieder sog er tief die Luft ein und seine Augen wurden zu dünnen Schlitzen.
*Balus, der treue Mann ...?* stiess Nicolai verbittert und entsetzt hervor. *Ich kenne ihn seit vielen Jahren ... verdammt.* Erneut verfinsterte sich seine Miene und war voller Schmerz. Seine Stimme war schwach und hatte nicht mehr diesen kraftvollen Ausdruck, wie sonst, und dennoch zeigte sie, wie viel Kraft selbst jetzt noch in ihm steckte. Erneut schickte er Linus fort: *Geh und organisiere, dass alle dakischen Schiffe einen gemeinsamen Ankerplatz bekommen. Wenn der Hafenmeister zögert, besteche ihn! Wir müssen uns endlich wehren und uns verteidigen.* Nicolai holte kaum merklich Luft. Dies alles strengte ihn mehr an, als er wollte.
Dann wandte er sich an Evaliia, löste seine Hand von der seines Sohnes, ohne ihm aber vorher noch ein mildes und schwaches Lächeln zu schenken.
*Evaliia! Ich entbinde Euch von der Aufgabe, meinen Sohn in Eure Obhut zugeben. Es war töricht von mir, Euch diese Verantwortung zu übertragen und Euch damit noch mehr Sorgen aufzuhalsen, bitte verzeiht. Ich kenne eine reiche Händlerin hier in der Stadt. Sie hatte mir angeboten, dass ich und meine Leute bei ihr einen sicheren Unterschlupf bekommen könnten. Doch ich muss hier bei den Schiffen bleiben. Doch was haltet Ihr davon, wenn ich Atthelá zu ihr schicke?«
Linus nickte allen zu und löste sich dann von allen, um dem Befehl seines Prinzen nachzugehen. Er verliess mir einigen seiner Männer das Schiff, ohne vorher sich um den Leichnam von Balus zu stellen und ein stummes Gebet zu den dakischen Göttern zu sprechen. Dann machte er sich auf zum Hafenmeister.
Atthelá war seinem Vater nicht böse, als dieser seine Hand los lies. Und er vernahm nun die Worte seines Vaters, dem er nicht von der Seite weichen wollte und in seiner Verzweiflung tastete er nach Evaliias Hand und starrte seinen Vater an und bat inständig: *Bitte, Vater, schickt mich nicht fort. Ich möchte hier bei Euch bleiben. Ich bin ein Daker wie Ihr und Evaliia. Und ich bin tapfer. Aber bitte schickt mich nicht fort ... bitte ...*
Nicolai hörte die Worte seines Sohnes und sie erfüllten ihn mit Stolz. Aber es machte sich auch eine Sorgenfalte auf seiner Stirn breit und nun blickte er die Frau an, zu der er sich neulich noch so hingezogen fühlte und von der er nun hoffte, dass sie ihm eine Freundin würde, denn er brauchte Freunde. So wie alle Daker hier auf Mediterranea. Er wusste, dass Evaliia verheiratet war und Kinder hatte. Und auch wenn er sie nicht besonders gut kannte, so schätzte er sie über alle Maßen. Sie hatte ihm etwas gegeben, von dem sich wohl nicht einmal wusste, was es war. Und so fragte er sanft:
*Was meint Ihr, Evaliia ... was meint Ihr als Frau und Mutter. Ich beuge mich hier gerne Eurer Intuition, welche ich sehr schätze!* Und dann schaute Nicolai Evaliia an und ohne Zweifel in seiner Mimik konnte sie sehen, welch große Stücke er auf sie hielt und wie sehr er sie schätzte.
|
Evaliia Frau eines dakischen Stammesfürsten Moderator

Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 989 Nachricht senden | Erstellt am 26.09.2006 - 18:13 |  |
Längst war die Nacht gewichen und die Sonnenstrahlen waren über das Land gekrochen, hatten die Dunkelheit vertrieben, doch die Finsternis des Moments wollte nicht weichen. Lägen keine Schatten der Angst, der Ungewissheit und des Zorns über dem trügerisch friedlichen Bild des idyllischen Mediterraneas, Evaliia hätte jenen neu angebrochenen Tag wahrlich schön geheißen. Doch nun schien die Sonne nicht warm und freundlich. Grell war ihr Schein und ihre Strahlen wärmten nicht den sandigen Boden, die Wiesen, die Äcker und das weite Meer, sie brannten heiß hernieder. Nicht warm und angenehm empfanden die Daker an jenem Mittag das große Himmelsauge, sondern empfanden die Hitze und den Schweiß, ja sogar das Flimmern der Wärme, als unangenehm, ermüdend und die Sicht raubend. Auch die Luft in dem kleinen Zelt hatte sich erhitzt und die Sonnenstrahlen drangen unaufhörlich durch die eingebrannten Löcher im Stoff, dessen hübsche Farbe und Muster von schwarzen, verkohlten Rändern entstellt waren.
In der Luft hin ein seltsam gemischter Geruch aus verbranntem Tuch, dem Meer und einem metallischen, schweren Note, dem Blut des Prinzen.
Hätte man nicht gewusst, dass Nicolai der Prinz Dakiens, dieser junge Mann sein Sohn und die hoch gewachsene Schöne die Gatten eines seiner Fürsten war, man hätte die kleine Gruppe für eine Familie halten können. Eine Familie, die sich des Krieges Wunden leckt. Doch vielleicht war diese Impression gar nicht mal so falsch. Vielleicht müsste man wirklich noch enger zusammenrücken, keine Geheimnisse mehr voreinander haben, ohn’ Ablass kooperieren – dann würden die Daker dies alles vielleicht überstehen. Evaliia fragte sich ernsthaft, ob Salvian – sollte er beizeiten wieder auftauchen – da mitziehen würde. Nun, er war immer schon sehr eigenwillig gewesen. Obwohl… Salvian schien mehr mit der Sache zu tun zu haben, als er es zugeben wollte. Ah, evaliia erinnerte sich. Hatte Salvian nicht am Abend zu ihr kommen wollen, um Licht in das Dunkel zu bringen? Langsam keime mürrische Verdrießlichkeit in der Fürstin. Wo bei der Großen Mutter trieb er sich herum? Warum war er nicht hier bei seiner Frau und dem ungeborenem Kind?
All dies ging Evaliia durch den Kopf, als sie neben dem Lager des Prinzen die Arbeit des Heilers überwachte. Kriegwunden hatte sie zuhauf gesehen und so drückte nicht die Impression der stark blutenden Wunde sondern die Gewissheit um die schrecklichen Umstände ihre Stimmung. Auch Atthéla tat ihr sehr Leid, wusste sie doch, wie Kinder litten. Bei den eigenen beiden hatte sie es zu genüge beobachten müssen. Sie liebten ihren Vater wohl ebenso stark, wie der junge Prinz seinen Vater liebte. Nur hielt sie die Beziehung vom großen und kleinen Prinzen für offensichtlicher, für durchschaubarer, für ielleicht inniger, als die ihrer eigenen Kinder und Salvian, der allerdings im Grunde nie ein schlechter Vater gewesen war. Und fühlten sich auch die Kinder manchmal zurückgewiesen und ignoriert, so hatte sich Evaliia immer damit getröstet, dass die Liebe zwischen Eltern und Kind die einzige Liebe auf der Welt war, die keiner Erklärung bedurfte, die selbstverständlichste Liebe der Welt. Tief in den Augen Atthélas sah sie die Furcht, die kindliche, überwältigende Angst den Vater zu verlieren. Schon aus einem mütterlichen Reflex heraus legte Evaliia dem Jungen sacht die Hand auf die Schulter.
In ihren Augen sprach de Prinz viel zu viel, sein Gefolgsmann hatte Recht. Er sollte sich schonen. Doch ebenso konnte sie nur zu gut verstehen, dass er eben dies nicht tun konnte. Sie unterließ deswegen jeden weiteren Rat seiner Gesundheit wegen und ließ Nicolai walten.
Als er das Wort an sie richtete, antwortete sie rasch: *Es war nicht töricht von euch, mein Prinz. Es war eine Erfahrung, die uns dem Feind näher bringt – auch, wenn es eine schreckliche Erfahrung war. Doch wir hatten Glück.* Noch während sie sprach fühlte sie, wie die Hand Atthélas die ihre umklammerte. Der Junge schien verzweifelt, wollte bei seinem Vater bleiben. Auf der einen Seite verstand sie ihn, doch auf der anderen Seite würde auch sie ihre Kinder in Sicherheit wissen wollen. Auch, wenn sie die beiden dazu hinfort schicken musste. Anstatt dem Prinzen zuerst zu antworten, richtete sie sich an Atthéla. *Mein junge Prinz, ich weiß doch, dass ihr tapfer sein würdet und eures Vaters Seite nicht verlassen wollt, dass ihr kämpfen und fechten wollt. Ja, ihr seid ein Daker, aber ihr habt vergessen, dass ich noch etwas anderes seid: die nächste Generation.* Evaliia drückte sanft und mütterlich die Hand des jungen Prinzen. *Niemand hält euch für feige oder schwach, wenn euer Vater euch zu dieser Frau schicken würde, bei der ihr sicherer wärt. Eher würde man euren Vater für umsichtig und euch für sicher bewahrt halten und ich bin mir sicher, dass dies vielen mehr wert ist. Mir wäre es das auch. Meine Kinder würden hier nicht länger verweilen. Eltern schützen die Zukunft und ihr seid die Zukunft.* erklärte sie in einfühlsamen Ton. Am Ende richtete sie den Blick auf Nicolai.
Signatur

"Du gleichst dem Geist, den du begreifst!"
(Alles, was in *...* steht, sagt sie auf Dakisch/Rumänisch!) |
Nicolai unregistriert
| Erstellt am 29.09.2006 - 23:11 |  |
Atthelá

Atthelá lächelte Evaliia ein wenig scheu und unsicher zu. Nicht, weil sie ihm eine Hand auf die Schulter legte, sondern weil er den Ernst der Lage spürte und er wollte seine eigene Angst unterdrücken, schliesslich war er der Sohn des Prinzen und musste tapfer sein. Aber jemand, der einen Blick für so etwas hatte, konnte erkennen, dass er auch Angst hatte. Angst um seinen Vater, Angst vor dem, was noch passieren mochte.
Und er blickte ab und zu in die Augen von seinem Vater und in die Augen von Evaliia. Sie wirkten manchmal so abwesend, so nachdenklich und doch war da auch ein Blick voller Emotion, voller Wut und aber auch Verzweiflung. Nicht die Art der Verzweiflung, die einen aufgeben lässt. Es war eher die Frage nach dem Warum und vorallem: Wie gehen wir dagegen vor. Zumindest glaubte Atthelá dies in ihren Augen zu sehen.
Er hatte die Worte seines Vater vernommen und dann die aufrichtigen Worte Evaliias. Was war das doch für eine faszinierende Frau. Er spürte deutlich, wie stark sie war. Und er bewunderte sie dafür, wie sie mit der Situation umging. Abersein Vater hatte immer gut von den Frauen gesprochen und ihm gesagt, dass er sie stets achten solle, so wie er Männer achten würde, denn beiden Geschlechter hatten ihre Qualitäten und Stärken und Schwächen.
Als er dann aber mitbekam, dass er das Angebot annehmen solle, um in Sicherheit zu sein, wurde er immer trauriger. Und so legte er eine Hand auf die Hand Evaliias und drückte erneut sie Hand seines Vater und sprach leise, aber sehr flehend:
*Bitte schickt mich nicht fort. Ich verstehe Euch, Vater, ich verstehe auch Euch, Fürstin Evaliia. Aber ich will nicht fort von hier, nicht fort von meinem Vater. Ich ...*
Er senkte seinen Blick und man sah ihm an, dass er sehr mit sich kämpfte. *Aber wenn ihr es verlangt, Vater, werde ich gehen.*
--
Nicolai hatte zwar versucht, all dem zu folgen und nun war er auch versorgt, aber er war selber so in Gedanken, das er merkte, dass er etwas neben sich stand, vor allem wegen dem Schmerz. Er konzentrierte sich darauf, dass dieser gefälligst nachlassen sollte. Er war nicht schlecht darin, sich so zu beeinflussen. Manchmal klappte es. Manchmal nicht. Doch heute schaffte er es und hörte die Worte von Evaliia und er war ihr dankbar, dass er mit seinem Sohn redete. Sie war da eben viel weiser, so wie es Frauen eben waren. Er dankte ihr innerlich für ihre Worte an seinen Sohn, die er so vielleicht nie hätte sagen können. Doch dann erinnerte er sich daran, das sein Sohn ihn bat, zu bleiben und selbst nun, als Eva ihre Worte sprach, bat er darum zu bleiben und dann sah er in Evaliias Augen.
Die Augen einer feinfühligen Frau, die an ihre und andere Kinder dachte und für einen Moment war Nicolai unsicher, doch dann hörte er die Worte seines Sohnes und sie waren so flehend.
Nicolai selber sah nun in Evaliias Augen und er bewunderte sie. Lange verweilte sein Blick auf ihr, doch dann vernahm er auch die Worte seines Sohnes und er vernahm die Sehnsucht in seinen Augen und in seinem Blick. Und auch wenn es etwas dauerte, so verstand er seinen Blick und auch seine Worte, denn in ihnen spiegelte sich all die Sehnsucht nach Vertrauen wieder, die sich Nicolai von seinen Eltern gewünscht hätte.
Und als er seinen Sohn und Evaliia lange angesehen hatte, sprach er: *Es wäre mir zwar lieber, dich in Sicherheit zu sehen, wenn du aber hier bei mir bleiben willst, so akzeptiere ich es, Meine Sorge um dich ist gross und ich merke, dass du es verstehst. Aber meine Sorge um dich soll dein Wesen, deine Meinung, ja deine Identität nicht schmälern. Hiermit muss ich mal einsehen, dass du ein Wesen bist, dass alt genug ist, für sich alleine aufzupassen und zu entscheiden. *
Nicolai versuchte zu verstehen und versuchte zu lächeln. *Natürlich würde ich dich niemals wegschicken, wenn du es nicht willst. Auch wenn ich dann als schlechter Vater gelte. Aber ...* Auch Nicolai drückte sacht die Hand von Atthelá. *Ich liebe und respektiere dich, denn du bist nun ein Mann. Und wenn du mein Erbe irgendwann nicht antreten magst, so verstehe ich dich ...*
Der letzte Satz irritierte Atthelá dann doch ungemein, doch er wollte seinen Vater nicht weiter fragen, da dieser immer blasser wurde und wirkte, als würde er gleich sein Bewusstsein verlieren ... oder sein Leben.
|
Evaliia Frau eines dakischen Stammesfürsten Moderator

Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 989 Nachricht senden | Erstellt am 30.09.2006 - 01:07 |  |
Evaliia lächelte gutmütig, als sie die Worte Nicolais, gerichtet an seinen Sohn, vernahm. Er würde Atthéla zu nichts zwingen, Atthéla sei nun ein Mann und müsse seine eigenen Entscheidungen treffen. Wenn Evaliia das vernahm, dann erkannte sie nur zu gut den Unterschied zwischen einer Mutter und einem Vater. Väter ließen den Sohn ziehen, ließen ihn früh Autonomie erlangen und eigene Entscheidungen treffen, auch, wenn jene ein Risiko bedeuteten. Mütter waren da ganz anders. Wäre ihr Sohn hier auf Mediterranea den aktuellen Gefahren ausgesetzt gewesen und hätte sie das letzte Wort gehabt, was mit ihm geschehen solle, so hätte ihr Sohn auf Knien rutschen können, sie hätte ihn fort geschickt. Lieber gab sie ihn ans Ende der Welt, als dass Evaliia ihr Fleisch und Blut in Gefahr sah. Stumm stieß die Fürstin ein Stoßgebet an die Große Mutter aus, dankend, dass ihre Kinder – außer jenes in ihrem Mutterleib – in der Heimat verweilten.
Ihr Mutterherz wärmte es, wie Nicolai mit seinem Sohn sprach, wie zärtlich seine Wortwahl war. In dieser Hinsicht zumindest hatte die reise nach Mediterranea sie bereichert: Sie hatte erfahren, welchen Charakter der Mann besaß, der einst das Volk der Daker führen sollte. Zum einen machte sie dies stolz – zum anderen konnte sie mit dieser Gewissheit besser schlafen. Es war schön aus den Prinzen Mund nicht die leider allzu gängigen Sprüche zu hören wie „Sei ein ganzer Mann!“ oder „Schwäche ist nur was für Weichlinge!“. In ihren Augen zeugte das von Charakterstärke.
Über den letzten Satz war sie wohl ebenso verwirrt wie Atthéla – wenn auch auf andere Art und Weise. Noch nie hatte Evaliia einen Prinzen oder eine König erlebt, der seinem Ältesten die Wahl ließ. Eine Wahl von großer Bedeutung, eine Wahl, die alles durcheinander bringen konnte. Evaliia fand das Zugeständnis des Nicolai an seinen Sohn nicht gerade ungefährlich, wenn es künftig den Maßstab für die dakischen Fürstenhäuser setzten sollte. Das Erbe an die älteste nachfolgende Generation weiterzugeben hatte Sinn und Zweck; es verhinderte Gerangel und Kampf um des Vaters Nachfolge. Nun, vielleicht würde es in Nicolais Familie kein Problem sein, aber nicht alle Väter hatten solch eine Auffassung von Erziehung wie Nicolai. Wie auch immer, dies waren nur Gedanken, die Evaliia streiften wie eine Ahnung im Hintergrund.
Der Heiler hatte indes zusammengepackt und sich erhoben. „Der Prinz wollte sich ausruhen.“ deutete er dezent an und hatte Recht damit.
„Er seien transportfähig?“ fragte Evaliia den grauhaarigen Mann, der daraufhin die Stirn runzelte.
„Es könnte wieder stärker anfangen zu Bluten, wenn ihr ihn zu viel bewegt…“ versetzte er mit Bedacht.
Signatur

"Du gleichst dem Geist, den du begreifst!"
(Alles, was in *...* steht, sagt sie auf Dakisch/Rumänisch!) |
Nicolai unregistriert
| Erstellt am 30.09.2006 - 20:25 |  |
Atthelá war selber über die Worte seines Vater verwundert, hatte er doch mit etwas ganz anderem gerechnet. Fast ein wenig stolz hob er sein Kinn, lächelte aber sanft, wenn auch ein klein wenig unsicher, schliesslich war er noch ein Junge, für den dies hier alles noch fremd war und auch seinen Vater hatte er auf diese Weise noch nicht kennen gelernt. Und natürlich freute es Atthelá, dass er bleiben konnte, wenn er wollte.
Eher er aber etwas sagte, blickte er kurz zu Evaliia, welche gutmütig gelächelt hatte und dann auch über das Letzte, was Nicolai gesagt hatte, wohl verwirrt war, ebenso wie Atthelá.
Als Evaliia dann mit dem Heiler, der seine Sachen zusammen gepackt hatte, sprach, wartete Atthelá weiterhin ab, wollte er doch erst, dass sein Vater entscheiden sollte, was er wollte.
Dieser seufzte einen kurzen Moment und schmunzelte dann. Er blickte zu Evaliia und sprach dann auf dakisch: *Nun, wehrte Fürstin. Wenn ich keine allzu großen Umstände machen, würde ich gerne noch Eure Schlafstatt für ein wenig Ruhe beanspruchen.«
Nicolai war blas im Gesicht und immer noch überzog seine Haut ein schwacher feuchter Film. Doch dass er schmunzelte, war für seinen Sohn ein Zeichen, dass es ihm schon wieder etwas besser ging.
An den Heiler gerichtet sprach Nicolai dann: »Ich Euch danken. Was Ihr bekommen für Eure Mühe?«
Dann griff er vorsichtig an seine Seite, wo irgendwo unter dem Stoff sein Geldbeutel versteckt war. Doch er hatte Mühe, sich grossartig zu bewegen und blickte zu Atthelá, deren Antwort er gleich noch erhalten würde, wie er glaubte. *Atthelá, sei doch so freundlich ...« Er deutete dem Jungen an, seinen Geldbeutel unter den Gewändern hervor zu kramen.
|
Evaliia Frau eines dakischen Stammesfürsten Moderator

Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 989 Nachricht senden | Erstellt am 02.10.2006 - 14:32 |  |
Der Heiler nannte eine humane Summe, nahm die Geldstücke entgegen und ließ sie rasch in den Falten seines Gewandes verschwinden. „Es wird noch eine Weile dauern, bis der Herr wieder vollkommen genesen ist und es wird eine Narbe zurückbleiben, wie ich fürchte. Er darf sich auf keinen Fall besonders anstrengen, geschweige denn Aufstehen! Muss er transportiert werden, dann tut dies – zumindest in nächster Zeit – mit größtem Bedacht! Und hier…“ Der grauhaarige Heiler drückte der Fürstin ein kleines, mit Wachs versiegeltes Töpfchen in die Hand. „Dies tragt auf die wunde Stelle auf, auf das sie nicht entzünde, denn dies könnte schwere Folgen haben! Ich werde beizeiten noch mal nach dem Prinzen sehen!“ Evaliia nickte beipflichtend. *Ich euch danken, Herr!* versetzte sie und der Heiler nickte gutmütig lächelnd. Dann verließ er in Begleitung von Wolv das Zelt, an dessen Planen sich geschickte Hände zu schaffen machten, um die eingebrannten Löcher zu flicken.
Evaliia sah hinab auf den Prinzen und vernahm die Bitte, welche er an sie richtete. Bedächtig ging sie in die Knie und widerstand nicht dem mehr oder weniger mütterlichen Impuls dem geschwächten Mann eine wirre Strähne des langen Haares aus dem Gesicht zu streichen. *Natürlich mein Prinz, mein Lager sei auch das eure.*
Sie seufzte leise, als Wolv wieder im Eingang des Zeltes auftauchte. *Die Arbeiten kommen gut voran, meine Herrin.* sagte er, *Die materiellen Schäden sind bei weitem nicht so schwer, wie der Schreck, der allen noch in den Knochen sitzt. Aber seid unbesorgt, alles wird sich geben.* Er gab ein missmutiges Seufzen von sich. *Ich werde gehen und anweisen dieses Gemach zum Krankenlager aus zu staffieren. Und etwas zu Essen, ja, etwas zu essen für den müden Geist.* Während er das zelt verließ war noch schwach von ihm zu vernehmen: *Wolv, du denkst wieder an alles!* Zumindest er hatte den Mut noch lang nicht verloren.
Evaliia hatte derweil die Pfeilspitze, die noch vor keiner Stunde im leib des Prinzen gesteckt hatte, in die hand genommen und betrachtete sie genau. Sie hatte eine charakteristische Form, war leicht gezackt und ungewöhnlich schmal.
Signatur

"Du gleichst dem Geist, den du begreifst!"
(Alles, was in *...* steht, sagt sie auf Dakisch/Rumänisch!) |
Nicolai unregistriert
| Erstellt am 02.10.2006 - 22:37 |  |
Nun, als die Wunde versorgt war, die Gefahr erst einmal vorüber schien, da spürte Nicolai, wie seine ganze Anspannung von ihm fiel. Wie ein schwerer, bleiender Umhang, welchen er von seinen eigentlich starken und nun doch geschwächten Schultern abwarf. Er fiel langsam, dieser Umhang, aber er fiel ... langsam und wie in Zeitlupe, aber er fiel und gab seine letzte Kraft frei für Gedanken, die der Zukunft dienten. Einer ungewissen Zukunft. Einer Zukunft voller Kampf. Einer Zukunft des Ungewissen und doch spürte er, dass er ein Daker war und dass er den Pulsschlag seines Volkes spürte, so wie er seinen eigenen Herzschlag spürte. Er würde der zukünftige König werden, die Seele eines stolzen Volkes, eines Volkes, das mit einfachsten Mitteln lebte, einem stolzen Volkes, eines Volkes, das Leben wollte. So wie ihr zukünftiger König, der ein Leben lang auf diese Rolle getrimmt wurde, gelitten hatte, weil er kein normaler Junge sein durfte.
Oft hatte Nicolai gezweifelt, hatte Angst, damals, als Junge, dass er dieser Aufgabe niemals gewachsen sein würde. Er hatte es manchmal gehasst, ein Prinz zu sein, ein Mann, der eine klare Aufgabe hatte, dem ein klares Ziel vorgelebt, ja anerzogen wurde.
Doch inzwischen hatte Nicolai nicht nur das gelernt, was ihm vorgegeben wurde, nein, inzwischen lebte er es und er sah sich nicht als Prinz oder König, nein, er wollte ein Mann des Volkes sein, ein Mann unter all den jenigen, die für Dakien stehen. Er wollte kein Führer sein, er wollte auch kein Lehrer sein, nein, er würde einer von ihnen sein und sich ihren Nöten und Ängsten stellen, so sehr er auch Angst davor hatte, denn er lebte immer besser als jeder andere Daker ... so schien es.
Er hatte alles, was ein Mensch brauchte und doch fehlte ihm vielleicht etwas, was ein kleiner Bauernjunge bekommen hatte: Liebe. Alles hatte Nicolai bekommen. Alles. Sogar als Junge einen halben Harem an Sklavinnen, die seine Mutter ersetzen sollten. Und er nahm, was er bekam.
Nun aber war Nicolai älter geworden und verstand vieles, was er als Junge nicht verstand. Keine der Frauen, die er gehabt hatte, keine der Erlebnisse hatte ihn je befriedigt. Bis aus wenige Ausnahmen. So wie Deirdre ... sie hatte er geliebt, als er es sich nicht einmal bewusst eingestand.
Immer hatte er sich unbewusst leer gefühlt. Seine Eltern versuchten ihm alles zu geben, von dem sie glaubten, es ihm zu geben und Nicolai hatte danach gelebt. Bis vor kurzem. Da erkannte er langsam, dass nichts ewig ist und man sich an nichts festhalten sollte, außer an der Erfahrung des eigenen Geistes, auch wenn dieser einem etwas vorgaukelte. Und Nicolai hatte gelernt. Er hatte gelernt, dass er sich nicht nur auf erlebtest, erfahrendes berufen konnte, nein, er musste seine eigenen Erfahrungen in Zweifel stellen und fortkommen von dem Althergebrachten, was er lernte, und was man ihm weiss machen wollte ...
Er wollte reden, tat es aber nicht. Er hatte Zeit. Viel Zeit.
---
Er hatte den Worten des Heilers eher halbherzig gelauscht, war er doch innerlich doch noch sehr in Gedanken bei dem, was geschehen war, was er dachte. Seine Gedanken, seine Änderung waren ihm noch so neu, ja, sie ängstigten ihn fast, war er das doch nicht gewohnt.
Vor allem aber war er dann bei seinem Sohn, bei Evaliia, ja, auch bei Deirdre und sogar bei Siah, obwohl er sie kaum kannte, aber auch bei dem, was wohl noch kommen würde.
Die Schmerzen betäubten ihn und seine neuen Gedanken, die so fremd waren und doch so hilfreich, seinen sonst regen Geist ein wenig, so dass er einfach da lag, sich von Atthelá helfen liess, den Heiler zu bezahlen und dann sah, wie Evaliia sich zu ihm hockte und ihre sanften Worte sprach. Aber immer wieder dachte er an die Zukunft und an sein Volk.
Ein dankbares Lächeln überzog seine Lippen und innerlich musste er Schmunzeln: Vor nicht all zu langer Zeit hätte er sich vielleicht gewünscht, das Lager mit Evaliia zu teilen, auch wenn er bisher nicht daran gedacht hatte. Aber der leidenschaftliche und süsse Kuss damals war ihm noch in Erinnerung und auch die ehrlichen Gefühle, welche er bei ihrem ersten Anblick empfunden hatte.
Doch er hatte sich geändert. Er und die Zeit hatte sich geändert, welche ihn einen anderen werden liessen. Und auch wenn er ungern an Deirdre dachte, weil er doch immer noch spürte, wie sehr er sie vermisste, schliesslich war sie ein Teil seines Lebens gewesen, er hatte sie geliebt oder nein, er liebte sie immer noch, denn eine wahre Liebe verging nicht einfach so eben, so wusste er, das das Leben weiter gehen musste, auch ohne diese Liebe.
*Ich danke Euch, Evaliia!* sprach er nur und dachte an das, worüber er eben nachgedacht hatte und er spürte, wie er Zeit braucht, um der starke Führer eines starken Volkes zu werden. Und dann funkelten seine Augen und er hatte verstanden, einen Teil des Zirkels, des Lebens.
Er war nun bereit, sein Erbe anzutreten, mit all der Kraft, die noch in ihm wohnte, mit all der Kraft, die er erlernt hatte und mit all der Kraft, die er selber sein eigen nennen konnte, all die Jahre.
Alle Angst und alle Zweifel, welche er als Junge hatte, als man ihm eintrichterte, ein Prinz zu sein, als Prinz zu handeln, waren verschwunden. Er nahm sein Erbe an. Endgültig. Und er nahm es wahrhaft an.
Noch niemals ward ihm dies so bewusst. Er war ein Mensch und doch keiner. Er war ein Mann, der führen musste und seine eigenen Belange zurückstellen musste. Und doch wollte er anders sein, als man von ihm je verlangt hatte. Er wollte weiterhin ein Mensch sein, ein Mann des Volkes. Und für einen Moment vergass er die Frage an seinen Sohn, vergass alles um sich herum.
Leise kamen seine Worte, unspektakulär und sehr ruhig: *Wenn das dakische Volk mich will, so werde ich sein Diener sein ...*
|
Evaliia Frau eines dakischen Stammesfürsten Moderator

Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 989 Nachricht senden | Erstellt am 03.10.2006 - 00:25 |  |
Wäre es Evaliia doch nur vergönnt gewesen dem inneren Monolog des Nicolai zu lauschen, die Worte des Mutes, der Stärke und des Stolzes zu vernehmen, königliche Worte, Worte voller Kampfgeist, während der Körper geschunden und matt dalag. Mut hätte es auch ihr gemacht, es hätte ein wenig der Unsicherheit hinfort gewischt, es vielleicht in einen Anflug von euphorischem Tatendrang gewandelt. Doch sollte Evaliia diese Worte auch nicht hören können, so war es vor der Götter Augen doch gewiss, dass eines Königs Seele wiedergeboren zu sein schien. Und sicher.. lächelten die Götter. Wenn das dakische Volk mich wll, s werde ich sein Diener sein. Evaliia horchte auf und konnte nur im Ansatz erahnen, was in der Gedankenwelt des Prinzen vorging. Und doch war se sehr wohl in der Lage den Sinn seines Ausspruchs zu verstehen, der einzige Sinn, der in diesem Moment für die Fürstin von größter Bedeutung war: Des Prinzen Mutes war nicht erloschen. Kein, vielmehr des Königs Mutes. In einem Anflug von Glück lächelte sie breit und nickte; die sich mit Tränen füllenden Augen wendete sie rasch ab, sodass keiner jene salzigen Perlen aus Trauer und Freude zu erblicken vermochte. Nur ein leises *Ja! Ja…* war zu vernehmen.
Wolv räusperte sich. Auf dem Arm trug er eine zusätzliche Decke und diverse saubere Tücher, obenauf eine Schale, halb mit lauwarmen Wasser gefüllt. Evaliia, die sich flüchtig mit dem Handrücken durch die Augen fuhr, nickte ihm zu. Zusammen mit einem weiteren Mann, der eine bronzene Karaffe mit einem starken Kräutertrunk, drei Kelche und ein paar Fressalien auf einem Tablett trug betrat er das Zelt. So recht konnte er sich noch nicht dran gewöhnen, nun in dem Privatgemach der Fürstin zu stehen und irgendwie kam er nicht umhin den Blick starr nach vorn zu richten – als würde er der Fürstin gar etwas weggucken oder etwas sehen, was nicht für ihn bestimmt war. Während der zweite Mann das Tablett auf den niedrigen, runden Tisch stellte, staffierte Wolv die Kissen am Kopfende des Bettes und legte die Decken zur Verfügung der Fürstin neben die Liegestätte. Als Evaliia den treuen Daker anblickte, hatten die Augen des Mannes den Glanz des Immerfröhlichen verloren. Irgendwie war ihm der Sarkasmus im Halse stecken geblieben. Aufmuntern legte Evaliia für eine Sekunde die Hand auf die Schulter Wolves. Jener blickte seiner Fürstin für einen kurzen Augeblick in die Augen, nickte dann allessagend und erhob sich, um das Zelt wieder zu verlassen.
Evaliia fühlte sich matt und ausgelaugt. In dieser Nacht hatte sie kein Auge zugetan und dunkle Schatten lagen unter den müden Augen. Mit Ironie stellte sie fest, dass ja der Prinz auf ihrer Liegestätte lag – schön, so viel zur erholsamen Ruhe. Doch irgendwie floss noch immer Adrenalin heiß in ihren Adern und trieb sie an.
*Erschreckt euch nicht, wir befreien euch von den Stiefeln, Ziergürtel und all Überflüssigen.* warnte sie den Prinzen vor, während sie begann die Riemen der Stiefel zu lösen. Mit einem weiteren Anflug von Ironie – ja, in solchen Situationen färbte etwas von Wolves Sarkasmus und Ironie auf die Fürstin ab – bemerkte sie, dass dies hier eigentlich die Aufgaben der Ehefrau des Prinzen waren. Ah, aber gut, ihr eigener Mann ließ sich nicht blicken – und Nicolai war ein adäquater Ersatz. Sie seufzte über sich selbst.
*Atthéla, wirst du hier bei deinem Vater bleiben?*
Signatur

"Du gleichst dem Geist, den du begreifst!"
(Alles, was in *...* steht, sagt sie auf Dakisch/Rumänisch!) |
Nicolai unregistriert
| Erstellt am 03.10.2006 - 20:57 |  |
Nicolai hatte noch registriert, wie der treue Diener davon gesprochen hatte, das die materiellen Schäden auf dem Schiff durch den Angriff bei weitem nicht so schlimm waren, wie der Schock in den Menschen an Bord und auch, dass er das Schlafgemach zu einem Krankenlager umfunktionieren wollte und etwas zu Essen besorgen wollte, aber Nicolai war zu sehr in Gedanken gewesen.
Doch er hatte auch kurz gesehen, wie Evaliias die Pfeilspitze in ihren Händen gehalten und betrachtet hatte und so wie diese kluge Frau sicherlich auch dachte, wie Nicolai, war sie ein Beweis für die Angreifer und hoffentlich ein Hinweis auf diese feigen Mörder.
Nicolai bemerkte ebenfalls, wie Evaliia auf seine Worte reagiert hatte. Das sie dann ihren Kopf wegdrehte, um nicht ihre Gefühlsregungen so offen zu Schau zu stellen, dies konnte Nicolai nur zu gut verstehen und so schaute auch er wo anders hin, lächelte kurz Atthelá an, der ihnen noch eine Antwort schuldig war, doch dann kam auch schon bald Evaliias treuer Diener in das Zelt und brachte diverse Dinge.
Als Evaliia ihn dann darauf vorbereitete, dass sie ihn von Stiefeln, Gürtel und überflüssigen Zeug befreien wollte und sich dann auch daran machte, begann Nicolai sich mit dem Arm, dessen Schulter nicht von dem Pfeil getroffen war, auf dem Bett abzustützen, da er sich aufrichten wollte, was er dann auch mit leicht schmerzverzerrten Gesicht tat. Er hatte nun seine Füsse auf dem Boden, das verletzte Bein, welches unter seinem Beinkleidern geschient war, leicht von sich gestreckt, und saß dann aufrecht auf dem Bett. Er griff sanft nach Evaliias Hand, um sie von ihrem Vorhaben abzuhalten, während er sie dennoch dankbar anlächelte und bevor Atthelá auf ihre Frage hin antworten konnte, sprach Nicolai: *Ich danke Euch, aber dabei kann mir auch Atthelá helfen.«
Nicolai sah in Evaliias Augen, daß sie dies alles mehr mit nahm, als sie zeigen wollte, aber da war auch noch dieses Funkeln der Wut in ihren Augen, was ihm nicht entging. *Und ist es vielleicht möglich, ob man mir in Eurem Vorzelt ein Lager richtet? Ich habe Eurer Privatgemach schon viel zu lange in Anspruch genommen!«
Warm fühlte er Evaliias Handrücken unter seiner Handfläche und kein Zittern war zu spüren, nein, diese starke, stolze Frau hatte sich wahrlich im Griff. Einen Moment hielt er noch ihre Hand, als spendete es ihm ein wenig Kraft. Dann liess er sie los und blickte Atthelá, der sich nun daran machte, Nicolais Stiefel auszuziehen, fragend an.
Atthelá

Dieser hielt in seiner Arbeit inne und blickte erst zu Evaliia, dann zu seinem Vater. *Ich würde gerne bei Euch bleiben, Vater, aber wenn Ihr es wünscht und für sicherer haltet, dann werde ich zu dieser Frau gehen.*
Überzeugend klang Atthelá nicht gerade, obwohl er sich bemühte. Und auch ihm sah man nun deutlich die Spuren der Erschöpfung und der vorhergegangenen Angst an.
Nicolai lachte verhalten, während er mit seiner einen Hand, die er besser bewegen konnte, dabei half, sich die Stiefel auszuziehen.
*Ich habe dir die Entscheidung überlassen und wenn du lieber bleiben willst, so bleibe ...* Er schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, obwohl ihm eigentlich nicht wirklich dazu zu Mute war. Immer noch dachte er an den Überfall und im Geiste malte er sich aus, was als nächstes zu tun wäre. Das er hier nun so tatenlos rumliegen sollte, passte ihm überhaupt nicht.
Doch auch wenn er in Gedanken war, schenkte er nun wieder Evaliia seine Aufmerksamkeit und wartete auf ihre Antwort.
|
Evaliia Frau eines dakischen Stammesfürsten Moderator

Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 989 Nachricht senden | Erstellt am 04.10.2006 - 13:59 |  |
Evaliia hielt in ihrer Arbeit inne und überließ ihre Hand dem Prinzen. Ihr solltet auch schonen, solltet liegen und ruhen, nicht aufstehen – dies lag ihr auf der Zunge, doch sprach sie jene Worte nicht aus. Der Prinz war ein erwachsener Mann und irgendwann sollte man besser aufhören, dem Prinzen mütterliche Befehle und Anweisungen zu erteilen. Abgesehen davon war er der Monarch ihres Landes und nicht ihr Ehemann.
Die Fürstin nickte knapp, währen sie den Blick Nicolais erwiderte. *Gut, es soll gescheh’n.* Sie erhob sich und nahm die Decken und die Kissen gleichzeitig mit auf. Kurz schenkte die dem jungen Prinzen, Atthéla, ein aufmunterndes Lächeln und wand sich dann ab, um das Zelt zu verlassen und das Lager im zweiten Raum des Zeltes zu richten. Kurz, bevor sie den ersten Schritt aus dem Zelt tat hielt sie jedoch inne, verharrte einen Moment und wand sich dann auf der Stelle stehend zu Nicolai. *Mein Prinz…* begann sie und formte für eine Sekunde lang die Worte in ihrem Geiste vor. *Ich… Ihr und mein Mann beredeten Dinge höchster Brisanz, was den Kult und diesen Wahnsinnigen aus Ägypten betraf… Mein Mann wollte sich erklären, gestern Abend, doch er ist nicht erschienen. Ich will nicht vermessen erscheinen, aber wenn ihr etwas ihn betreffs wisst, was ich nicht weiß, so bitte ich euch es mir zu erzählen.*
Sowieso wusste Evaliia nicht recht, wie es sich mit ihrem Gatten verhielt. Wo war er, warum war er wirklich hier, seit wann wusste er von dem Kult? Jäger? Gejagte? Anscheinend hatte sie einen großen Teil von Salvians Leben nicht offenbart bekommen, einen Teil, der wohl in vergangenen Zeiten einen Grund für seinen Tod hätte liefern können. Wer hätte ihr berichtet, wenn man ihn ihr auf des Todes Bahre zurück gebracht hätte? Hätte dies überhaupt jemand getan. Evaliia sah förmlich, wie die Kluft zwischen ihr und Salvian wuchs und es beunruhigte sie.
Signatur

"Du gleichst dem Geist, den du begreifst!"
(Alles, was in *...* steht, sagt sie auf Dakisch/Rumänisch!) |