Mediterranea, eine Insel im Mittelmeer.

Eine Insel, ein unabhängiger Kleinstaat - genau im Kreuz der vier größten Mächte dieser Zeit: Rom, Athen, Alexandrien und Karthago - ein Ort der Weisheit und des Wahnsinns, der Korruption und der Freundschaft, der Freiheit und des Kampfes, ein Schmelztiegel der Kulturen und Klassen, wo Senatoren einem illustren Leben frönen, Händler aus aller Welt die exotischsten Dinge darbieten und Sklaven um ihre Freiheit kämpfen. Erlebe das Schicksal: Tauche ein in eine Welt voller Intrigen, Kampf, Spannung, Spaß, Liebe und Hass - werde Teil von Mediterranea!

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Amun
unregistriert

...   Erstellt am 12.06.2007 - 22:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Amun war innerlich ausser sich über diese kalte und unverfrorende Art dieses kranken Mannes und gerade wollte er die Zelle aufsperren lassen, als plötzlich Ansu daher kam und ihn auch noch provozierte.
»Ich warte auf den Vollmond!!« stiess er bissig hervor. Das kam ihm gerade noch recht, dachte er verbittert, hielt sich aber zurück. Diese verdammte Dakerin wollte ihn eh immer nur provozieren. Aber er liess sich nicht provozieren. Doch seine Wut war grenzenlos. Und er hatte auch schon ein Opfer im Auge. Devlin, der sich so seltsam selbstsicher gab und ihn, den grossen Amun verhöhnte. Und dann funkelte er zu Devlin hinüber, finster und voller Hass.
»Sperrt die Zelle auf, er soll wissen wo er hier ist!«

Und dann liess Amun anordnen, dass man Devlin erst einmal gründlich die Peitsche überzog für seine Frechheit. Eine Wache kam hinzu und kam Amuns Anweisungen pflichtbewusst nach. Und so holte die Wache mit der Peitsche aus und schlug dann unbarmherzig immer und immer wieder auf Devlin ein. Egal, wo er ihn traf. Aber immer wieder erwischte es auch das Gesicht des Gefangenen.

Dann sah Amun Ansumya an, finster und leicht erregt: »Nun zeig mal deine Künste. Er ist der irre Bruder dieses Rebellenanführers. Prügel aus ihm heraus, was er weiss über die ehemaligen Rebellen. Ihren Standort und alles was wichtig ist. Mich verhöhnt er ja nur. Aber vielleicht bist du ja besser darin, jemanden angemessen zu verhören ...«

Und dann liess er Ansumya den Vortritt, verschränkte seine Arme vor seiner Brust und wartete ab.

[Dieser Beitrag wurde am 14.06.2007 - 02:00 von Amun aktualisiert]




Ansumya
unregistriert

...   Erstellt am 13.06.2007 - 10:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Vielleicht hätte Ansumyas gutes Gehör einige Fetzen von dem vorangegangenen ‘Gespräch’ zwischen Amun und einer der traurigen Gestalten im Käfig auffangen können, wenn sie sich wirklich angestrengt hätte, doch irgendwie hatte ihr in diesem Moment der nötige Wille gefehlt und sie hatte sich auf andere, entferntere Geräusche konzentriert. Oft genug hörte sie Dinge, die sie eigentlich gar nicht hatte vernehmen wollen, auch und im Besonderen vom Hohepriester. Und wenn er sich schon hier unten in dieser Gruft für Lebende befand um was auch immer aus wem auch immer herauszubekommen, versuchte Ansu instinktiv, sich herauszuhalten. Vermutlich hätte es sie sowieso nur verärgtert.
Amun indes schien bereits dieses Stadium erreicht und weitesgehend überschritten zu haben, wie sie sehr wohl an der angespannten Atmosphäre um ihn herum wittern konnte. Aber es gab schlechtere Stimmungen, in denen er sich befinden konnte. Beispielsweise Zufriedenheit. Die Jägerin genoss ihre eigene Wut für gewöhnlich viel zu sehr, um sie bei anderen als bedrohlich oder schädlich wahrzunehmen. Selbst wenn das in diesem Fall heißen konnte, auch grundlos in irgendetwas verwickelt zu werden, das sie im Grunde gar nicht betraf.

Dennoch huschte der Anflug eines zufriedenen Lächelns über ihre halb in den Schatten liegenden Züge, als sie Amuns bissige Antwort auf ihre vergleichsweise harmlose Anfrage vernahm. Scheinbar lief gerade etwas ganz und gar nicht nach seinem Plan. Eigentlich ein schöner Ausgleich. Wenn ihre eigene Wut einmal vergleichsweise gezähmt war, so wie in diesem Moment, konnte sie sicher sein, dass Amun über einen so gewaltigen Vorrat an Zorn verfügte, dass er vermutlich bald wieder auf sie überging. Eines der wenigen Vorteile ihrer ‘Kooperation’. Dass er erneut nicht auf Dakisch geantwortet hatte war ihr diesmal sogar ausnahmsweise fast gleichgültig.
Nachdem Amun die Befehle zum Öffnen der Zelle und Auspeitschen irgendeiner Kreatur, die die Jägerin aus ihrer Position heraus noch nicht richtig erkennen konnte, gegeben hatte, trat Ansu ein wenig näher heran um zu sehen, welches fürchterliche Ungeheuer man hier gefangen genommen hatte. Der Anblick dieses Etwas, das womöglich einmal ein Mensch hatte werden sollen, ließ sie jedoch angewidert das Gesicht verziehen, auch, als die Peitsche zu tanzen begonnen hatte und blutige Fetzen aus der verdreckten Haut riss. Wo bei allen Dämonen hatte Amun dieses Ding nur abgekratzt? Es grenzte schon an Würdelosigkeit, etwas schon so Schwaches und Niederes noch mit einer Peitsche zu bearbeiten. Besonders, wenn es noch festgekettet war, als handelte es sich um die schlimmste Bestie jenseits des Nils. Genau deswegen verabscheute Ansumya diese Kerker so. In ihrer Vorstellung gab es nicht den geringsten logischen Grund, sich so etwas einzurichten. Feinde tötete man ehrenvoll im Kampf, man ließ sie nicht feige hier unten hängen und langsam schwächer werden, bis sie keine würdigen Gegner mehr sein konnten, weil man den Sieg Hunger und Folter überließ.
Doch das hatte Amun nie verstanden. Vielleicht war ein Kerker das Privileg der ‘Zivilisierten’.

Allerdings schien der Hohepriester mit dem Wirken der Peitsche nicht zufrieden. Was die Dakerin auch gleich den Entschluß bereuen ließ, ihn überhaupt aufgesucht zu haben. Was wusste er schon von ihren ‘Künsten’? Wann hatte er zuletzt Mann gegen Mann auf Leben und Tod gekämpft?
Ansu gab ein leises, verächtliches Zischen von sich und ihre dunklen Augen verengten sich. Was interessierten sie irgendwelche Brüder von Rebellenanführern? Vermutlich hatte sie das auch gar nicht zu interessieren, denn sie konnte sich nicht daran erinnern, jenen Anführer irgendwann in ihrer Liste der noch zu tötenden Personen aufgenommen zu haben, also lag definitiv keine persönliche Fehde vor. Wie denn auch, wenn sie bis auf wenige Tage im Jahr die meiste Zeit über gar nicht auf Medi weilte und die Vorgänge auf der Insel sie in keinster Weise betrafen?
Und nun sollte sie diesen Haufen blutigen Fleisches ‘mit ihren Künsten verhören’? Ihre Künste sahen ein Verhör gar nicht vor, ihre Künste folgten dem Leitspruch ‘Erst töten, dann fragen’. Natürlich hatte Amun das noch nie verstanden. Trotzdem war es ihm erfolgreich gelungen, auch Ansus Laune wieder in grollend hitzige Gefilde zu senken.

“Er ist wehrlos und in Ketten. Ich gebe mich nicht mit schon besiegten Männern ab. Welche Ehre liegt darin, ihn so noch zu foltern?”
Dann aber kam ihr noch in ihren zwar leisen, doch mit dunkler Leidenschaft angefüllten Worten ein anderer Gedanke in den Sinn. Vielleicht wusste sie noch zu wenig über die ganzen Hintergründe. Bislang ging es ihr nicht wirklich auf, wie ehemalige Rebellen und deren Anführer Amun gefährlich werden konnten. Oder was er überhaupt mit ihnen zu tun hatte. Dass dieses zusammengestauchte Ding den Hohepriester verhöhnte, war der Dakerin sehr einerlei. Sollte sich Amuns Wut einzig darauf beschränken, war diese in den Augen der Jägerin nicht begründet genug, um eingreifen zu müssen. Lag mehr dahinter, allerdings schon.
Ihre schwarzen Augen funkelten schwach im Licht der Fackeln, während ihr Blick sich scharf auf den scharzgekleideten Mann richtete, dessen Zorn die Luft mit unsichtbaren Blitzen auflud, die um einiges stärker waren, als die des Gewitters weit über ihnen. Diesmal auf Dakisch sprechend fügte sie noch hinzu:
*Diese ehemaligen Rebellen.... was haben sie mit dir zu tun? Wollen sie dich töten?*
Vermutlich war er klug genug um zu wissen, dass dies der vermutlich einzige Anlass für Ansu war, aktiv werden zu müssen. Genau aus diesem Grunde konnte es aber auch sein, dass er sie belog, nur damit sie tat, was er verlangte. Und Amun konnte verflucht gut lügen. Allerdings war er augenblicklich überaus aufgebracht und zornig, und diese ehrlichen Empfindungen würden es ihm vielleicht schwieriger machen, ihr irgendwelche Illusionen vorzugaukeln, nur, um seinen Willen zu bekommen.




Devlin
unregistriert

...   Erstellt am 14.06.2007 - 03:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


All die Worte, welche der Mann mit der Frau, welche dazugekommen war, hörte Devlin nicht mehr.

Was nun mit Devlin geschah, verstand der kranke Mann nicht. Was hatte er getan? Er hatte den Man vor ihm doch nicht verhöhnt, nicht in seinen Augen. Nein, er hatte den Mann doch nur vollkommen ernst genommen, so wie er auch manchmal die Pfleger im Turm der Verrückten ernst genommen hatte, wenn diese ihn fragten, wie "wir" uns denn fühlen würden. Oft hatte er dann geantwortet, wie es Devlin ging, aber so gleich gefragt, wie sich denn sein Gegenüber fühlen würde. Aber oft bekam er dann entweder Schläge oder johlendes Gelächter um die Ohren gehauen.

Und nun wurde er einfach ausgepeitscht, obwohl er seine Fragen durchaus ernst gemeint hatte? Devlin hatte ja schon viel in seinem Leben mitgemacht, aber hier versagte sein Verstand und sein Verständnis nun grundlegend.

Und dann sah er mit entsetzten Augen, wie seine dreckige Zelle aufgesperrt wurde und ein grobschlächtiger Mann diese betrat. Fackelschein vom Gang waberte in die Zelle und liess den Mann irgendwie noch grösser und bedrohlicher erscheinen, welchen Devlin nicht wirklich erkennen konnte, da er von hinten angeleuchtet ward. Aber Für Devlin war es, als würde ein Dämon die Zelle betreten und dann hörte er auch schon das schnalzende Geräusch der Peitsche, als dessen Ende durch die Luft flog und ihn mehr als schmerzhaft traf ... immer und immer wieder.

Entsetzlich war der Schmerz, brennend und beissend, wie Feuer, dass ihn verbrannte und Devlin versuchte sich in seiner hilflos angeketteten Lage irgendwie aus der Schlagrichtung zu winden, doch dies war ihm einfach nicht möglich, da seine Hände fest über seinen Kopf angekettet waren. Ab und an schaffte er es gerade noch, seinen Kopf zur Seote zu ziehen, um so einigen Schlägen auszuweichen, aber auch dort traf ihn dann irgendwann unweigerlich das Ende der Peitsche und brannte sich wie ein Mal in seine Haut.

Zudem kam hinzu, dass Devlin eh noch geschwächt war von der Behandlung der zwei Schergen damals in Amenophis Unterkunft, diesen Sklavenhändler-Wachen, auch wenn sie nicht zu Amenophis gehört hatten. Aber er hatte Maximus doch nur helfen wollen. Und nun war es das zweite Mal in seinem Leben, wo er ausgepeitscht wurde und es tat höllisch weh. Devlin versuchte anfangs den Schmerz noch zu unterdrücken, denn Schmerz und Pein war er gewöhnt. Er dachte an seinen Bruder Normin und so fies es klingen sollte, Devlin zog für einen Moment sogar noch einen kleinen Rest an Positives aus der Marter: Er konnte seinen Bruder, der lange Jahre ein Sklave war, nun immer besser verstehen. Er konnte verstehen, wie es war, solchen ungerechten Schmerzen ausgesetzt zu sein.
Denn es gab gerechte Schmerzen: Wenn auch seelischer Natur. Aber wenn man einen Fehler bei einem Mitmenschen machte und es einem dann leid tat, so schmerzte einen dies auch. Aber die waren heilsamer und sicherlich freiwilliger.

Was Devlin nun aber erreichte, war sinnlos. Man konnte ihn anspucken, treten oder auspeitschen lassen und er litt furchtbare Qualen. Aber man kannte Devlin nicht. Er hatte schon so viel erlebt, dass sein Geist fast keinen Schaden mehr nahm, ja, dieser schwebte förmlich neben ihn und tröstete ihn. Und sei es nur Jessin, der bei ihm war. Und er war es und würde bald die Oberhand gewinnen, wollte er doch seinen Freund Devlin schützen.

Doch dann brannten sich die Schmerzen immer tiefer in Devlins Haut. Sein Gesicht war inzwischen mit blutigen Striemen übersät und auch wenn er anfangs keinen Ton von sich gegeben hatte, so spürte er nun, dass es auch ihm zufiel wurde und ein schmerzhaftes Stöhnen überwand seine Lippen, auch wenn er es nicht wollte.

Der Mann hörte erst auf, Devlin die Peitsche spüren zu lassen, als dieser in sich zusammensackte, weil sein Körper einfach nicht mehr konnte vor Schmerz und Erschöpfung. Schmerzhaft bissen sich die Ketten um seine Hände über seinem Kopf in das Fleisch seiner Handgelenke, als seine Beine nachgaben und er halbwegs leblos nun dort in den Ketten hing. »Devlin meinte es doch gar nicht böse ...« hauchte er noch.
Seltsam, er dachte plötzlich an Maximus und hoffte, dass es ihm gut ging. Dann aber verlor er vor Schmerz das Bewusstsein.




Amun
unregistriert

...   Erstellt am 14.06.2007 - 03:21Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


»Ja, er mag wehrlos sein, aber er verhöhnt mich selbst noch in seiner desolaten Lage ... dieser Kretein, dieser Nichtsnutz! Hast du es nicht mitbekommen?« fauchte Amun und dann merkte er, dass er etwas zu viel Emotion zeigte und somit Ansu Stoff gab, gegen ihn zu handeln. Schlagartig fand er seine Fassung wieder.

Er hörte das Stöhnen seines Opfers und es jagte ihm einen wohligen Schauer über den Rücken. Devlins letzte Worte aber überhörte er einfach. Stattdessen ging er auf seine Söldnerin ein:
»Dieses Stück irres Dreck ist es eh nicht vergönnt, zu leben. Ausmerzen sollte ich ihn. Aber ich behalte ihn hier wegen einem Geschäftspartner, der gerne ein Druckmittel gegen diesen ehemaligen Rebellenanführer hat. « Das es darum um Phobos ging, sagte Amun nicht. Und dann warf er einen kurzen Blick auf den bewusst gewordenen Gefangenen und seufzte genervt aus.
Sie Wache funkelte er bitter böse an und sagte finster und genervt: »Du solltest ihn nicht gleich umbringen, du verdammter Kerl!!«

Amun trat nu selber in die Zelle und legte Devlin seine Finger an einen Punkt der Kehle und spürte einen schwachen Herzschlag. Erleichtert trat er wieder zu Ansyma. »Er lebt. Zum Glück, vielleicht nutzt er uns einfach noch.«

Dann gab er seiner Wache den Befehl, Devlin wieder aufwecken zu lassen mit einem Schwall Wasser aus einem Eimer. Amuns Wache kam dem nach.

An Ansyma gerichtete, sprach Amun nun etwas kühler und gefasster:
»So, er ist dir nicht gut und wichtig genug? Musst du immer gleich töten? Erinnere dich, ich habe etwas, was du willst. Solange du es aber nicht hast, folge meinen Anweisungen!« Amun funkelte sie an. »Also? Er wird gleich zu sich kommen und dann erwarte ich, dass du deine Arbeit tust. Und nein, bringe ihn nicht um, er könnte nützlich sein - so krank er auch in seinem schwammigen Hirn sein mag.«




Ansumya
unregistriert

...   Erstellt am 14.06.2007 - 18:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ansumyas Blick zuckte flüchtig zu dem Gefangenen hinüber, dem kaum hörbar noch einige Worte über die trockenen, aufgeplatzten Lippen kamen, ehe er das Bewusstsein verlor. Es war widerlich, diese ganze Situation. Diese Maßnahme überhaupt zu ergreifen um an Informationen zu kommen war durch und durch unsinnig. Wenn Amun unbedingt diesen Rebellenanführer aufspüren wollte, weswegen beauftragte er sie nicht einfach damit? Gut, die Jägerin verspürte wenig Verlangen, ihre Beute in dieser jämmerlichen Stadt jagen und stellen zu müssen, aber eine solche Taktik würde sie wenigstens verstehen können. Das hier wirkte zu sehr danach, als ginge es nur darum, Amuns sadistische Ader zu befriedigen.
Ansu musterte nun wieder den Hohepriester und störte sich dabei nicht wirklich an seinen Wutausbrüchen, die er eilig wieder unter Kontrolle zu bringen versuchte. Irgendwie schien er noch aggressiver als sonst und die Dakerin erkannte nicht wirklich eine rechtfertigende Ursache dafür. Nun gut, sein Stolz mochte es vermutlich nicht, verhöhnt zu werden, aber… war das wirklich alles?

Wenigstens stimmte sie irgendwo mit Amun darin überein, dass ein solch schwacher Mensch es nicht wirklich noch würdig war, zu überleben. Genau deswegen wollte sie ihn ja auch am Liebsten sterben lassen, anstatt sich hier an seiner Schwäche zu laben. Zumal noch irgendein dubioser Geschäftspartner im Spiel war, der augenscheinlich das meiste Interesse an dieser Rebellenanführergeschichte hatte, nicht einmal Amun selber.
Die Anhängerin Macalars konnte nicht ganz beurteilen, wie die Fäden im Hintergrund eigentlich verliefen und für gewöhnlich störte sie dies bei ihren Aufträgen auch nicht. Allerdings folterte sie nicht auf diese Art, sie zögerte den Tod nicht tagelang hinaus, auch wenn sie es liebte, blutig zu töten. Informationen konnte man auch auf andere, ehrenvollere Weise erlangen, ohne diese unsinnigen Quälereien, die das Opfer in ihrer unkontrollierten Heftigkeit sowieso nur von einer Bewusstlosigkeit in die nächste jagten.

Mit verengten Augen beobachtete Ansumya, wie man versuchte, dieses erbärmliche Stück Fleisch mit einem Eimer Wasser wieder in die Realität zurückzuholen. Wie unglaublich mächtig und stark.
Noch war sie eher verärgert als wahrhaftig wütend und stand verhältnismäßig locker vor der Zellentür, was Amun mit einigen Andeutungen aber sogleich zu korrigieren verstand. Schon blitzte es auch in Ansus Augen gefährlich als man sie deutlich auf die unglücklichen Umstände ihres Dienstes bei ihm hinwies. Dass er es so oft betonen musste, immer, wenn er nicht seinen Willen bekam. Als bekäme er ihn so rascher! Sie war eine Jägerin, keine Foltermeisterin, für diese Art Arbeit verfügte er doch wahrlich über genug andere verkrüppelte, kranke Monster hier unten! Doch diesen feinen aber wichtigen Unterschied konnte man vermutlich in allen Sprachen der Welt an seine Wände schreiben und er würde es nicht verstehen.
Nun, vielleicht verstand er etwas aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz besser.

*Er ist also krank. Irre. Und du fügst ihm noch Schmerzen zu. Trotzdem erwartest du von ihm klare Angaben, wo sich sein Bruder befindet?*
Ansu schüttelte nachdrücklich und langsam den Kopf, während sich ihr Blick in den seinen brannte und ihre Stimme leise und fest wirkte.
*Selbst wenn er bei normalem Verstand wäre könnte er dir unendlich viele Orte auf dieser verfluchten Insel nennen. Willst du die alle nacheinander abgehen, weil er diesmal nicht gelogen haben könnte? Falls dich also meine Meinung als Jägerin interessiert: Lass ihn laufen und halte ihn unter Beobachtung. Irgendwann wird er seinen Bruder finden oder sein Bruder findet ihn.*
Sie nahm einen etwas tieferen Atemzug und setzte etwas knurriger hinzu, da auch sie mit beginnender Ungeduld zu kämpfen hatte:
*Und sprich endlich dakisch, bei Macalars blutigen Klauen!*




Devlin
unregistriert

...   Erstellt am 14.06.2007 - 20:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Devlin bekam von dem weiteren Gespräch nichts mehr mit. Blutend und leblos hing er in seinen Ketten, dessen Druck ihm fast die Schultern ausgerenkt hätten, als er bewusstlos geworden war.
Doch vielleicht war es besser, dass er nichts mehr mitbekam, denn die Schmerzen waren unerträglich geworden und auch wenn er wahrlich viel aushielt, so war er eben kein Übermensch und sein Körper war eh noch von der Behandlung der Sklavenhändler von Maximus geschwächt. Und so waberte sein Geist irgendwo in tiefen unergründlichen Gefilden und er hoffte, dass er nicht sterben würde, wollte er doch seinem Neffen noch ein Spielzeug besorgen.

Naja, eigentlich bekam er nicht einmal diese Gedanken mehr mit, ebenso auch nicht das Wasser, welches ihm aus einem Eimer entgegen geschleudert worden war und nun in Strömen an seinem geschundenen Körper herabfloss. Zumindest nicht sofort. Seine eh schon schmutzige und zerlöcherte Tunika hing ihm nun in Fetzen vom Leib und das Wasser vermischte sich mit seinem Blut und unter ihm bildete sich eine leicht rosa Pfütze. Seine Lippen waren aufgeplatzt und sein Gesicht von blutigen Striemen überzogen.

Er brauchte einen Moment, um wieder zu sich zu kommen. Da war dieses kalte Nass, dass seinen von den Peitschenhieben erhitzten Körper eine gewisse angenehme Kühlung einbrachte und auch wenn er noch recht leblos in den Ketten King und neben all den Wunden er auch seine Schultergelenke spürte, war er noch nicht so weit, sich auch nur ein wenig zu bewegen. Obwohl er es so gerne wollte. Er wollte viel lieber aufrecht stehen und dem Mann in die Augen schauen, der ihm dieser schrecklichen Tortur ausgesetzt hatte. Wieder war da der Gedanke: Warum? Was hatte Devlin ihm getan? Warum hassten sie ihn alle so, nur weil er etwas verrückt war? Und auch wenn er stark sein wollte, nicht, weil er keine Schwäche zeigen wollte, sondern weil er sich einfach besser fühlte, wenn er stark war, so vermischten sich nun einige Tränen mit dem an ihm herunter laufenden Wasser.

»Warum ...« stöhnte er leise und vollkommen fertig. »Ist es Devlin göttlicher Stein, welchen Ihr haben wollt? Devlin hat ihn ... nicht bei sich ... er ist ... zu Hause ...« Devlin konnte kaum mehr klar denken. In seinem Kopf spielten sich entsetzlich chaotische Dramen ab. Dennoch schaffte er es in seiner nun hängenden Lage, den Kopf zu heben und zu Amun und der Frau zu schauen. Auch sie machte nicht einen geraden freundlich-friedlichen Eindruck. Nicht so wie Nadiya. Ob sie Normin gefunden hatte? Er hoffte es so sehr.
Doch dann spürte er wieder nur, dass sein Körper vor Schmerzen wie in Flammenstand und es raubte ihm den Atem.




Amun
unregistriert

...   Erstellt am 14.06.2007 - 21:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


(dakisch=re und in **)

*Ja!!!* brachte Amun etwas zu heftig hervor, als Ansumya feststellte, dass Devlin krank war im Kopf, nachdem es Amun ihr gesagt hatte. *Total irre. Und verdammt, das macht die Sache nicht einfacher. Aber anders bekomme ich aus disem Idioten nix raus.*

Doch langsam bekam sich Amun unter seine Kontrolle und er hatte Ansumya Worten gelauscht. Auch wenn er es nicht wirklich abkonnte, wie sie mit ihm redete. Hätte er sie doch damals einfach sterben lassen. Aber nun hatte er seine Fassung zurück und antwortete sehr tonlos: *Deine Idee ist nicht schlecht. Aber so haben wir, mein Geschäftspartner und ich noch einen Trumpf in der Hand. Dieser Rebellenanführer Normin hatte meinem Geschäftspartner in der Vergangenheit wohl so ziemlich zugesetzt. Daher halte ich hier seinen dämlich irren Bruder ... *

Kurz wand er seinen Blick zu Devlin, der inzwischen bewusstlos in den Ketten hing, bevor er sich wieder an Ansumya wandte: *So, und du traust dir also ein Verhör nicht zu? Willst ihn am liebsten gleich killen, oder was? Und dann? Dann haben wir so gar nichts in der Hand!*

Einen kurzen Moment später vernahm Amun Devlins schwache Frage und seine Worte und Amun war heute wirklich verdammt schlecht drauf und so trat er zu Devlin und pfefferte ihm seine Faust ins Gesicht, so dass dessen Gesicht förmlich zur Seite flog.
»Hör auf so dummes Zeug zu reden. Du tust doch nur irre, um dich aus der Affäre zu ziehen!! Sag endlich, wo wir deinen verdammten Bruder Normin finden!!«

Dann wandte er sich wieder an Ansumya und er grinste leicht arrogant. *Und du meinst, meine Methoden wären hinfällig? Zeig mir doch deine Methoden, ohne gleich jeden und alles um zubringen. Denn Tote können nicht reden.*

Er zog scharf die Luft ein. Irgendwie war heute nicht Amuns Tag. *Ich kann natürlich auch diese neue holen lassen. Wie hiess sie noch? Caolinn oder so ... sie könnte sich beweisen. Aber ...* Scharf sag er Ansumya und seine Augen verengten sich. *Denk dran, dass ich etwas von dir besitze, was dir lieb und teuer ist. Also. Streng dich an.*




Ansumya
unregistriert

...   Erstellt am 15.06.2007 - 11:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wenigstens hatte auch Amun jetzt endlich zum Dakischen gewechselt. Es war wirklich eine ungeheure Erleichterung, nicht mehr diesen hochtrabenden westlichen Sprachen zuhören zu müssen und sich nicht mehr darauf zu konzentrieren, immer alles richtig verstehen zu können.
Selbstredend hatte Ansumya immer noch den Hohepriester und dessen Ansichten vor sich, die mehr und mehr ihren Zorn anfachten und ihre dunklen Augen immer durchdringender funkeln ließen. Gleichzeitig fragte sie sich, was dieser Kerl ihr wohl alles verheimlichte, um dermaßen außer Fassung zu geraten, wie es sich gerade andeutete. Wenn da keine persönliche Fehde im Spiel war, dann schien in ihrer Abwesenheit einiges nicht nach Plan gelaufen zu sein, um seinen ohnehin schon kurzen Geduldsfaden noch so radikal zu verkürzen. Oder um seinen Stolz in noch abartige Höhen zu katapultieren. Ein Wunder, dass überhaupt noch einige der Sklaven am Leben waren. Nun gut, sie selbst war bislang eifrig dabei, deren Zahl noch zusätzlich zu senken.

Wieder drang das schmerzerfüllte Gekrächze des Gepeitschten an ihr empfindliches Ohr, obwohl die Worte nicht wirklich Sinn machten. Aber wenn er tatsächlich irre war, konnte man wohl schlicht nichts anderes von ihm erwarten. Amun war da jedoch gänzlich anderer Auffassung.
Die Jägerin schloss die Augen einen längeren Moment, als der Mann, von dem sie irgendwie abhängig war, erneut einem Wutanfall erlag. Gut, ihre letzte Bemerkung hatte ihn vermutlich noch weiter in diese Richtung getrieben, aber wenigstens hielt er sich dran. Und Ansu war eine der Letzten, die vor ihm zurückschrecken würden.
Allerdings stieß sie ein durchaus bedrohliches Knurren aus, als dieser gierige Kerl erneut betonte, dass sie sich ein Verhör nicht zutrauen würde, was schlicht und ergreifend nicht der Wahrheit entsprach. Es war ganz einfach vollkommen hirnrissig! Hin und wieder konnte eine durchdachte Taktik schließlich nicht schaden. Und sie würde ihm nicht den dummen Folterer spielen, nur, damit er wieder seinen Willen bekam. Ganz abgesehen davon, dass sie doch eigentlich gerade einen Plan vorgeschlagen hatte, der nicht wirklich auf den Tod des Gefangenen zielte. Dieser anwachsende Wahnsinn in seinem Kopf brauchte offenbar eine ähnlich abkühlende Ladung Wasser wie das krächzende Etwas in den Ketten.

Zwar äußerlich gelassen, aber mit scharfen Augen Amuns Verhalten verfolgend sah sie dabei zu, wie die schwere Faust des Mannes den Gefangenen hart im Gesicht traf und fragte sich wieder einmal, was dem Hohepriester so die Stimmung verdorben hatte. Wäre sie es selbst gewesen, hätte sie dies wahrscheinlich schon mitgeteilt bekommen. Nicht, dass sie deswegen sonderlich besser behandelt würde.
Ihr Blick nahm einen herablassenden Zug an, als Amun sich nun wieder ihr zuwandte und erneut Ideen forderte, die das Töten nicht zum Inhalt hatten. Sie biss die Zähne aufeinander und ihre Muskeln spannten sich noch fester an, als sowieso schon. Irgendwann würde sie ihm jede einzelne Erinnerung an ihre Abhängigkeit ins aufgerissene Fleisch ritzen und ihm zeigen, dass sie sehr wohl lange foltern konnte, wenn sie wirklich Lust darauf verspürte.
Die Dakerin hob ihr Kinn hochmütig ein wenig an, während ihre Augen von ihrer unverhohlenen Mordlust sprachen, und erwiderte schneidend und kalt:
*Sie hieß Caoilainn. Und an sie habe ich auch gedacht. Wirklich schlau, trotz all deines mehr und mehr durchschlagenden Wahnsinns. Ein Kontrollverlust kann ohne Grund dumm und tödlich sein, also reiß’ dich wenigstens für den Augenblick zusammen!*
Das würde er wiederum nicht gerne hören, besonders weil er vermutlich merkte, dass sie recht haben könnte, doch Ansu hatte nie zu seinen Speichelleckern gehört und wenn er Streicheleinheiten wollte, sollte er sich zu seinen Sklavinnen oder seiner irren Schwester begeben. Von der Schwester ausgehend sollte man auch eigentlich annehmen, dass er auf Verrückte stand.

Nach einem knappen Blick zu dem blonden Stück Dreck fuhr sie fort, der kühleren Sachlichkeit diesmal den Vorzug gebend:
*Sie könnte so tun, als wäre sie eine Sklavin, die ihm hier raus hilft. Dann könnte sie nicht nur bei ihm bleiben, sie müsste es auch, so schwach, wie er jetzt ist. Sie würden sofort einen Unterschlupf benötigen und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass man sie bei seinem Bruder findet. Natürlich müsstest du den Schein wahren und ihre Flucht ein wenig spannender und echter gestalten. Aber mit der Kleinen kannst du ihn kontrollieren und verhindern, dass er wirklich entkommt oder zur Stadtwache läuft um dich mal eben zu verpfeifen. Und wenn sie versagt, verfolge ich sie und töte sie. Oder ihn. Oder beide. Tote können schließlich nicht reden. Ach, und ich hoffe doch sehr, dass dieses Weib nicht einfach zu dir rein marschiert ist, dir ihre Dienste angeboten hat und du sie einfach so mit dir hast spielen lassen. Jemand könnte sie geschickt haben, damit sie dich hinterrücks absticht. Und das wollen wir doch alle nicht, oder?*
Ihre Augen verengten sich leicht und fixierten ihn, diesmal allerdings ohne erkennbare Mordlust, es war eher eine echte, wenn auch dunkle Unruhe, die vermutlich darauf zielte, dass eine solche kleine Hure sie um ihre Trophäe bringen könnte.




Devlin
unregistriert

...   Erstellt am 17.06.2007 - 20:34Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Devlin verstand nicht die Sprache, die der böse Mann und die Frau nun sprachen, welche nur ab und an ihn irgendwie böse anfunkelte, sich aber zurückhielt. Zwar hatte der Mann vorher noch so gesprochen, dass es Devlin verstehen konnte, aber sein Geist war momentan eh zu gestört und doch langsam von Panik beschlichen, dass er seine Umgebung nur schwach wahrnahm. Für einen Moment dachte er an Maximus und irgendwie spürte er, dass es ihm nicht gut ging. Devlin hatte manchmal solche Ahnungen so wie auch jetzt. Er hoffte, dass es Maximus jedoch besser ging als ihm gerade und so konzentrierte er sich fest auf den Sklaven, seinen Freund, wo immer dieser auch steckte, und sandte in Gedanken ganz fest folgende Worte: "Maximus, halte durch und sei stark. Devlin denkt und glaubt ganz fest an dich!"

Doch dann trat der böse Mann an ihn heran und schlug seine Faust so kräftig gegen Devlins Kinn, dass Devlins Kopf zur Seite flog. Er glaubte, sein eh schon brennend schmerzender Kopf würde zerbrechen unter diesem harten schlag. Viele weisse kleine Lichter tanzten einen Moment vor seinem inneren Auge. Er stöhnte gequält auf und dann wurde ihm grenzenlos schwarz und er wurde erneut bewusstlos. Der Schlag knockte ihn nun endgültig aus. Vielleicht war es besser so, denn nun spürte er gar nichts mehr: Weder die Schmerzen der unzähligen Peitschenhiebe, die sein eh schon schmutziges und kaputtes Gewand nun endgültig von seinem blutenden und geschundenen Körper hing. Leb los hing er in den Ketten, sein Kopf war auf seine Brust gefallen und seine verfilzten langen Haare hingen achtlos herab.

[Dieser Beitrag wurde am 17.06.2007 - 20:36 von Devlin aktualisiert]




Amun
unregistriert

...   Erstellt am 18.06.2007 - 02:19Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Amun lauschte den Worten der Dakerin zuerst eher widerwillig, denn ihm geisterten noch ganz andere Probleme durch den Kopf. Nicht alles lief so gut wie die Sache mit den blutleeren Leichen der dakischen Prinzen. Nun gut, immerhin hatte er nun den Bruder von diesem verdammten Normin, der wegen einer alten Fehde Phobos ein Dorn im Auge war. Nur Phobos war erst einmal nach dem missglückten Putsch untergetaucht.
Doch Amuns bester Mann Taianus war wegen eines verdammten Sklaven zu Tode gekommen. Und dieser dämliche Bastard war nun flüchtig. Auch wenn Amun nun durch seine neue Mitarbeiterin wusste, wo dieser untergekommen war. Wenn dieser auch wahrscheinlich ziemlich schwach sein musste, hatte Brunus ihn doch Tagelang vergessen, ohne Wasser und Brot.

Doch nun lauschte er, wie gesagt, eher ungeduldig den Worten Ansumyas. Und was sie sagte, gefiel ihm zwar, aber die Art, wie sie in massregelte nicht besonders und dass bei seiner miesen Laune.

*Hör mal, Weib, so hast du nicht mit mir zu reden, hast du mich verstanden??* Scharf und bedrohlich funkelten seine dunklen Augen sie an, nachdem er noch näher an sie herangetreten war und sie nun mit seiner grossen Gestalt von oben herab ansah. Und doch war es zwar eine Drohung, doch eines wusste er auch von seiner unliebsamen Schergin: Sie war offen und auch wenn es ihm nicht gefiel, insgeheim wusste er, dass sie oft mehr Recht hatte, als ihm lieb war.
*Und ich reisse mich zusammen!* Mit dieser Einsicht hoffte er, dass das Thema dann auch durch war. Er hatte ihr ja somit Recht gegeben. Doch nun ging es um Wichtigeres.

Doch dann wurde er ruhiger. Sehr ruhig sogar, denn er neigte nur ab und zu dazu, cholerisch zu werden. Und ein geheimnisvolles Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen, während er fast versonnen zu dem nun bewusstlosen Irren schaute und nur aufseufzte, als er diesen erbärmlichen Anblick sah.

*Das mit Caoilainn und diesem Irren ist keine schlechte Idee. Und da es nun eh keinen Sinn mehr macht, den Gefangenen zu verhören ...*
Er hob seine geballte Faust, mit der er Devlin geschlagen hatte, rieb seine Finger der anderen Hand darüber und grinste schwach.
* ... gebe ich dir erst einmal den Auftrag, diese Caoilainn aufzusuchen, sobald sie zurück ist und ihr unseren ... deinen ausgeheckten Plan zu übermitteln. Danach meldest du dich bei mir, denn ich habe einen neuen Auftrag für dich, der für dich wohl ein leichtes sein wird. Mir ist da ein Sklave abhanden gekommen, doch dank dieser Caoilainn weiss ich, wo er sich aufhält. Ihn sollst du mir bringen, aber lebend. Denn auch wenn er nur ein Sklave ist, so ist er für meine Zwecke lebend sehr wichtig. Also, denke dran. Ich brauche ihn lebend. Und noch ein Tip: Er soll sehr gewandt sein mit zwei Schwertern und hat einen Wolf bei sich ... aber dazu später.*

Dann wandte er sich seinen Wächtern zu und befahl ihnen: »Kettet diese armselige Kreatur los und legt ihn auf das Strohlager. Gebt ihm Wasser und meinetwegen auch etwas Brot. Achtet darauf, dass er nicht noch krepiert, sonst mache ich euch dafür verantwortlich!«

Die Männer nickten Amun zu und ketteten den geschundenen Leib des Gefangenen schliesslich ab und betteten ihn auf das Strohlager an der hinteren Wand. Sie legten sogar noch eine etwas stinkende, durchlöcherte Decke über seinen Leib und verliessen dann die Zelle.

Amun wandte sich dann noch einmal an Ansu und mit verengten Augen sprach er auf dakisch: *Und was diese Caoilainn angeht: Meinst du vielleicht nicht auch, dass ich mir Gedanken gemacht habe, ob jemand sie geschickt haben könnte, um mich auszuspionieren? Natürlich habe ich daran gedacht. Deshalb werde ich sie auch genau beobachten und ich verlange auch von dir, dass du ein Auge auf sie wirfst und sich mit ihr beschäftigst, wenn du auf sie triffst. Ich traue nämlich fast niemanden und schon gar nicht so einem dahergelaufenen Flittchen, dass in meine Dienste treten will. Sie ist quasi noch in der Probezeit. Sie hat allerdings diesen entlaufenen Sklaven Vin ausfindig gemacht. Er soll sich in einem Haus einer gewissen Waffenschmiedin befinden, Julissa heisst sie, glaube ich. Hast du vielleicht eine Aufgabe für Caoilainn? Eine, mit der sie sich beweisen kann? Sie meinte, sie schreckt auch vor Mord nicht zurück.*

Und dann kam ihm eine Idee.
*Ich weiss was: Dieser Pylades, Präfekt der Stadtwache ist ein gewieftes Schlitzohr, wie ich aus gut unterrichteten Quellen weiss. Und er hat sich laut meiner Informanten schon der Daker-Sache angenommen. Doch bevor er noch mehr im Dreck wühlt und mir auch nur ansatzweise auf die Spur kommt, will ich ihn aus dem Weg haben. Meinst du dass dies eine Aufgabe für sie wäre?*
Amun grinste leicht und strich sich bedächtig mit seinen Fingern über sein Kinn. *Obwohl dass eher in deinen Bereich fällt ...*

Kurz darauf erschien einer seiner Informanten, ein Daker, und flüsterte Amun etwas ins Ohr. *Sprich nur offen, wir hören.* sprach Amun.

Der Mann, der zu jenen gehörte, die die dakischen Schiffe, insbesondere das von Prinz Nicolai, rund um die Uhr bewachten erzählten von einer Frau, welche das Schiff des Prinzen betreten hatte. Er erzählte weiter, dass diese Frau zumindest diese blonde Hauptwache kannte, sowie den kleinen Prinzen, den Sohn Nicolais, denn beide, so konnten sie beobachten, schienen sie sehr zu mögen, was sie aus den freudigen Umarmungen herauslesen konnten. Und dann beschrieb er jene Frau, womit er Anna Valvenya meinte. Auch erzählte Amuns Informant, dass nun alle dakischen Schiffe zusammen am selben Kai angetäut waren, es also schwieriger werden würde für einen Überfall oder was auch immer. *Sie halten alle rund um die Uhr Wache ...*

Amun war sehr zuversichtlich, was diese neue Botschaft anging. Der Mann erzählte dann auch noch von einer anderen Frau etwas später, welche sich im nächtlichen Gewitter mit diesem blonden Hünen der Wache unterhalten hatte und kurz darauf mit ihm an Deck ging. Auch berichtete der Mann, dass die Leichen der Daker nun an Bord aufgebahrt werden. Schliesslich nickte Amun und gab die Anweisung, zurück zu den anderen auf ihrem Beobachtungsposten zu gehen und der Daker verschwand wieder.

Amun grinste Ansu an. *Das klingt doch alles gut. Zwar habe ich schon eine Ampulle von dem Blut dieses Prinzen, der nun König von Dakien wird, da sein Vater gestorben ist, aber das reicht mir nicht für das Ritual beim nächsten Vollmond. Ansumya, meine Pläne ändern sich. Der Prinz ist zu gut bewacht, aber ich will diese kleine Schlampe und ...* er grinste triumphierend: * ... und seinen Sohn, diese kleine Ratte Atthelá.*
Seine Augen schienen wieder leicht wahnsinnig an zu funkeln. *Oh ja, damit werde ich diesen dreckigen Prinzen, der mir meinen Thron stiehlt, schon noch endlich in die Knie zwingen. Also, besorge mir diese Frau und den kleinen dakischen Bastard. Er reisst wohl immer gerne mal aus. Denk dir einen gescheiten Plan aus, aber ich denke, da wird dir schon was einfallen.*

Amun rieb sich zuversichtlich die Hände. Kurz schaute er auf den bewusstlosen Irren und zuckte die Schultern. *Was ihn angeht, hat das erst einmal noch Zeit.*
Wieder an Ansumya gewandt: *Noch Fragen? Oder intelligente Vorschläge? Ich weiss ja, dass ich mich auf dich verlassen kann!* Ja, das war so etwas wie ein Lob an seine Schergin und es war einfach mal an der Zeit, schliesslich musste er sie mal gut stimmen, damit sie nicht gegen ihn hetzte.




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