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MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:02 |  |
....da uns eingehüllt in warme Decken bald frühlingshaft zumute wurde, intonierten wir tapfer aus einem frisch erschienen Exemplar des " Knaben Wunderhorn": Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün und lasse an dem Bache die Veilchen wieder blühen!
Geholfen hat es gar wenig, wie der mitternächtliche Schneefall und ein Dorf in Belgien (schon wieder so eine Vision Tante, ich muß meine Laudanum Dosis verringern wie mir scheint) bewiesen haben .
Während der Kutschfahrt beratschlagte ich mit Justine ob wir denn mit oder ohne Hemd den abendlichen Ball besuchen werden.
Die Pferde scheuten, des Doktors Brillengläser beschlugen - wir entschieden uns für das Hemd.
Nanny versetzte mich sehr in Erstaunen, als sie auf meine Frage , ob denn den Indianern die Federn AUS dem Kopf wachsen würden , energisch denselbigen schüttelte. Rot seien sie übrigens auch nicht sondern braun, belehrte sie mich.
Stell dir vor, sie hat Kontakt zu diesen Wilden, kein Wunder das ihre Manieren so zu wünschen übrig lassen.!
Was man ja von meinen nun gar nicht behaupten kann, wie mir mein Freunde immer wieder gerne versichern...
[Dieser Beitrag wurde am 14.03.2006 - 01:48 von MadameKaya aktualisiert]
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |
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MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:13 |  |
Wieder zurück im Schloß, zogen wir wir uns schnell um und versammelten uns zum Tänze einstudieren im Jagdsaal.
Die Tische wurden an die Seite gerückt, die Handschuhe übergestreift und ein beherztes Lächeln aufgesetzt.
Die Tanzmeisterin , ein graziles Persönchen mit südländischen Aussehen und türkisem Pariser Chic versuchte uns die neusten Tänze zu lehren.
Den Rigaudon, kennst du bestimmt noch aus deiner Jugendzeit liebe Tante, der wird ja überall gerne getanzt.
[Dieser Beitrag wurde am 14.03.2006 - 01:25 von MadameKaya aktualisiert]
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MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:25 |  |
Tante! Versprich mir bitte folgende Zeilen nicht dem Oheim, Tante Elfriede oder gar der Pfarrersfrau zu erzählen!
Stellt euch vor, wir haben Walzer getanzt!Zum ersten mal in meinem Leben und obwohl ich verheiratet bin und die erste Jugend gerade hinter mir gelassen habe, treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht!
Um die Schamlosigkeit noch auf die Spitze zu treiben, tanzt man den Walzer nicht etwa mit dem eigenen Gatten, sondern, mit jedem beliebigen Herrn.
Monsieur Andre trat beherzt auf mich zu und forderte mich zum Tanze auf.
Er lebt noch - Monsieur Kaya hatte seine Forderung nach Satisfaction nach einer Walzerrunde mit Madame de Farinot im Arm schnell vergessen.
Nun , alles in allem - die Herren griffen vergnügt nach den Damen, dieselben kicherten beschämt, setzten aber alsbald kokett das Füßchen im Walzertakt auf das Parkett.
[Dieser Beitrag wurde am 13.03.2006 - 23:26 von MadameKaya aktualisiert]
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Justine_de_Farinot  Administrator


Status: Offline Registriert seit: 11.10.2005 Beiträge: 678 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:33 |  |

Einfach nur wunderbar!!! 
Signatur Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.
(Rousseau) |
MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:44 |  |
.....Am Nachmittag ließen wir uns derangiert aber glücklich im Salon nieder und jedermann ging seinen vielfältigen Beschäftigungen nach.
Wir Damen handarbeiteten, schrieben Briefe und verzehrten kandierte Veilchen, die mich wegen ihres Glitzerns an Amethyste erinnerten. Die Herren spielten Schach oder amüsierten sich und die Damen mit Parodieren ihrer Freunde.
Cäcilia erfreute uns mit der Hymme "a la etre Impreme "und dem gefälligen "Veillons au Salut de l´Empire".
Die Lieder der Revolution beschworen meine Jugend herauf , was mich in eine gewisse Empfindsamkeit vesetzte.
Dieser Zustand , ma Tante, ließ sich mal wieder steigern, wie dur dir sicher denken kannst.
Nanny inspiriert von meiner Melancholie ,sang ein schwermütiges Liedchen, achte bitte auf die gelungenen Reime ..:
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
Er fiel auf die zarten blau Blümelein
Sie sind gestorben, verdorben
Ein Knab hatte ein Mägdelein
Sie flohen gar heimlich von zu hause fort
Sie sind verstorben , verdorben
Auf ihrem Grab blau Blümelein
Umschlingen treu sich wie sie sind
Der Reif sie nicht welket und dörret.
[Dieser Beitrag wurde am 14.03.2006 - 02:05 von MadameKaya aktualisiert]
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MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:46 |  |
Justine_de_Farinot schrieb

Einfach nur wunderbar!!! 
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Auch noch wach? freut mich das es dir gefällt. Ich muß gestehen, das ich erst wieder ruhig schlafen kann und den Alltag ertragen kann, wenn ich mir alles von der Seele geschrieben habe.

Eure Madame Kaya
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Marianne  Der Blätter zwey


Status: Offline Registriert seit: 10.03.2006 Beiträge: 24 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:49 |  |
Auch wenn ich grad erst zu Eurer illustren Runde gestoßen bin und dieses Wochenende nicht teilnehmen konnte, lese ich diese Zeilen doch mit gar großen Genuß! Ich freue mich auf die Fortsetzung  
Signatur Run mad as often as you chuse; but do not faint. |
ComtessedelaCharette  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 18.10.2005 Beiträge: 11 Nachricht senden | Erstellt am 13.03.2006 - 23:53 |  |
Madame Kaya, meine liebe Freundin!
haltet ein mit der Beschreibung, ich muß zu Bett, und wenn ich wüßte, dass in meiner Abwesenheit noch weitere dieser erinnerungsschweren Episteln verfaßt würden, ohne dass ich Gelegenheit hätte, sie sofort zu lesen und dem Gatten brühwarm vorzutragen (die Zeitung liest ja er mir vor), wäre ich um meine Nachtruhe gebracht.
Mir rinnen die Tränen vor Kichern übers Gesicht und der Comte wälzt sich wiehernd vor Wonne (welch Alliteration zu später Stunde, walalaweia, Wellegunde) am Boden.
Bis morgen denn, auf weitere erbauliche Erlebnisberichte
Eléonore Aimée de la Charette
Signatur Savoir, et savoir vivre! |
Una  Ast


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 201 Nachricht senden | Erstellt am 14.03.2006 - 00:01 |  |
Bravo, meine Teuerste. Bitte fahret fort
[Dieser Beitrag wurde am 14.03.2006 - 00:07 von Una aktualisiert]
Signatur We are not human beings on a spiritual journey. We are spiritual beings on a human journey.
- Stephen Covey |
MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 14.03.2006 - 00:05 |  |
Im Laufe des Tages beehrten uns weitere liebe Freunde und Kameraden von Monsieur le General.
Das ganze Schloß war ein einziges Türenschlagen und summen wie im Bienenstock.
Gegen 18 Uhr zogen wir Damen uns zurück und erschienen
geraume Zeit später in unseren Ballroben.
Wenn du nur liebe Tante, das Leuchten in den Augen der erwartungsfrohen Damen und der ebenso gestimmten Herren hättest sehen können!
Scherzworte, Komplimente und Handküsse bestimmten die Atmosphäre.
Der Salon war inzwischen so voller Menschen, das keine Stecknadel mehr hätte auf den Boden fallen können.
Selbst die trockenen Militärs gaben (wenn auch arg verschlüsselt) Komplimente zum Besten:
"Wofür brezeln sich die Damen denn so auf?" fragte M. den neben sich sitzenden R.
"Na für die Herren natürlich, wofür denn sonst? Den Affen etwa?
Was Madame G., die neben den Charmeuren saß, zu der süffisanten Bemerkung "Wo denn da der Unterschied sei" verleitete...
[Dieser Beitrag wurde am 14.03.2006 - 00:58 von MadameKaya aktualisiert]
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