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Minotaurus ...
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...   Erstellt am 20.04.2008 - 23:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Brigitte schrieb
    Ich bin keine Literaturschaffende, sondern ausschliesslich Konsumentin.
    Vermutlich konnte ich als ausschliessliche Konsumentin nur einen kleinen Teilbereich deines Fragenkomplexes beantworten?

Hmm, ja, das aber dafür ganz gut! Danke!

Brigitte schrieb
    Aber ihr habt ja hier genügend Literaturschaffende, um auch die andere Seite ein wenig zu durchleuchten.
    Interessant sind diese Fragen allemal.

Umso mehr wundert es mich, daß zu diesem Beitrag fast keine Antworten kommen, obwohl es doch hier angeblich von "Literaturschaffenden" nur so wimmeln soll.
Zumindest würden die verhältnismäßig vielen Beiträge in unserem Literaturbereich eine solche Schlußfolgerung zulassen.

Ziemlich ratlose Grüße vom Mino.





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achetaton1340 ...
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...   Erstellt am 12.08.2008 - 22:13Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo,

so eben gefunden, diesen Thread. Da darf ich nicht fehlen. Und fange mal ganz unelitair ganz unten an.

Literatur ist Geschriebenes. Schriftlich fest Gehaltenes. Im Gegensatz zur mündlichen - ja, was - Weiter- oder Wiedergabe. Und war vor Einführung der flächendeckenden Schulpflicht im späten 19./frühen 20. Jahrhundert nur Minderheiten zugänglich. Selbst bei Bänkelsängern war man sich nicht so ganz sicher . . .

Literatur dient offensichtlich der Verbreitung von Inhalten. Weshalb Diktaturen bis in die jüngste Vergangenheit gerne Schreib- und Lesekundige ermordeten. Dies erst recht nach der Erfindung des Buchdrucks in Europa. (Ja, auch in Kambodscha)

Literatur gibt wieder. Gedruckte Literatur gibt vielfach wieder. Das machten (und machen noch immer) sich die Herrschenden zu Nutze. Aber auch die Subversiven. Weshalb in früheren Zeiten stets erst mal die Buchhändler (zumeist auch Verleger) von den Bütteln heimgesucht wurden.

Literatur dient nicht. Sie ist vom ehemaligen Luxusgut zur Massenware geworden. Und ihre Verbreitung ist nicht mehr nur an das geduldige Papier gebunden.

LG
achetaton




Minotaurus ...
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...   Erstellt am 13.08.2008 - 00:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


achetaton1340 schrieb
    Literatur ist Geschriebenes. Schriftlich fest Gehaltenes.
    Literatur dient offensichtlich der Verbreitung von Inhalten. Literatur gibt wieder. Gedruckte Literatur gibt vielfach wieder, usw...


Hallo Achetaton,

die fundamentalen Basisgrundlagen hast Du bereits recht gut erklärt, aber darum ging es mir eigentlich gar nicht oder bestenfalls nur am Rande.

denn ich schrieb
    Wozu dient eigentlich die Literatur, insbesondere im Internet?

    Alleine über den Begriff, was man unter Literatur versteht, könnte man sich herrlich fetzten, aber diese Frage steht hier nur am Rande.
    Mich würde vielmehr interessieren, welche Beweggründe jeder von uns hat, sich mit Literatur zu beschäftigen.


Konkrete Frage: Was ist Dein Beweggrund, Dich mit Literatur - was immer auch Du darunter verstehst - zu befassen?
Was findest Du daran, wobei hilft sie Dir?

Neugierige Grüße vom Mino.





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achetaton1340 ...
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...   Erstellt am 31.08.2008 - 12:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Je nun, wie sag' ichs meinem Mino?

Als Kind habe ich so ziemlich alles Gedruckte verschlungen. Drei mal Angina im Jahr wirkte da unterstützend. Märchen, Sagen, Höhlenkinder, Lindgren, Kästner, Sachen á la "Was ist was?" und wasweissich noch alles. Literatur linderte den Schmerz und ich habe eine Menge gelernt.

Zwischen 16 und 18 hatte ich eine Menge Zeit zu lesen, da immer die Längeren die hübschen Mädchen ab bekamen. In dieser Zeit wälzte ich mich durch den gesamten Feuchtwanger (viel gelernt), den Tolstoi (viel den Kopf geschüttelt), den Hemmingway (so kam ich an Martha Gellhorn), die Manns (Heinrich war mir lieber, Thomas las ich lieber), scheiterte an Proust (der kam später) und las alles, was ich zu jüdischer Geschichte in die Finger bekam.

(Offenbar bin ich Quartalsleser)

Ich bin neugiering, wissbegierig und kommunikativ. Also lese ich.

LG
achet

Nachtrag: Schade, dass es kein Pottpaier bedruckt mit alten Zeitungsartikeln, gibt.




Brigitte ...
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...   Erstellt am 14.09.2008 - 13:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


achetaton1340 schrieb
    Schade, dass es kein Pottpaier bedruckt mit alten Zeitungsartikeln, gibt.

So, jetzt habe ich lange genug danach gesucht. , Es reicht jetzt!
Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier die Einzige bin, die nicht weiß, was Pottpaier (oder Pottpapier?) ist, stelle ich hier die Frage aller Fragen:

Was zum Teufel ist Pottpaier???


Schon seit zwei Wochen steht dieser Begriff hier herum, ohne dass sonst noch jemand danach fragen würde.

achetaton1340 schrieb
    Märchen, Sagen, Höhlenkinder, Lindgren, Kästner, Sachen á la "Was ist was?" ... den gesamten Feuchtwanger ... den Tolstoi ... den Hemmingway ... die Manns ... Proust ...

    (Offenbar bin ich Quartalsleser)

Nein, ich würde eher sagen, ein Bücherfresser.
Thomas Mann und Ernest Hemingway dürften (vom Scheibstil her) so ziemlich das Gegensätzlichste sein, was die Literatur zu bieten hat?

Aber damit kannst du sicher auch meine Frage nach diesem Pottpaier beantworten?

ein Sprichwort schrieb
    Wer fragt, der ist nur für einen kurzem Moment dumm.
    Wer nicht fragt, ...


[Dieser Beitrag wurde am 14.09.2008 - 13:12 von Brigitte aktualisiert]





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achetaton1340 ...
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...   Erstellt am 14.09.2008 - 14:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Oh ja Brigitte,

es ist tatsächlich Pottpapier, welches ich bedruckt mit alten Zeitungsartikeln vermisse. Es hinge dann (oder stünde) auf Rollen gelegt in erreichbarer Nähe in Toiletten oder Badezimmern (da wäre es mir noch lieber als am Pott, also der Toilette.)

Momentan fresse ich gerade Literatur zu Unterrichts-Störungen, Aus-Klassen, Schulschwänzern und Schulverweigerern.

Und hätte es Polina Dashkova, eine russische Sister of Crime schon Ende der fünfziger Jahre gegeben, würde ich sie unter der Bettdecke gelesen haben. So muss ich das jetzt nach holen.

LG
achet




Minotaurus ...
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...   Erstellt am 14.09.2008 - 17:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


achetaton1340 schrieb
    an anderer Stelle:

    diesmal scheitere ich nicht an so was popeligem, wie der Eingabe meines Passworts, sondern richtig groß.

    Am Zeig.

Tja, und andere Mitglieder scheitern an so etwas popeligen wie am "Pottpaier." So ist das Leben.

Brigitte schrieb
    Schon seit zwei Wochen steht dieser Begriff hier herum, ohne dass sonst noch jemand danach fragen würde.

Das liegt wahrscheinlich daran, daß ich einfach achets Grammatikfehler überlesen hatte.
Ich hatte in diesem Zusammenhang wirklich "Pottpapier" gelesen, das ich noch gut aus meiner Kindheit kenne. Der fehlende Buchstabe war mir gar nicht aufgefallen.

Hier zur Erklärung ein kleiner Auszug aus einer von meinen autobiographischen Geschichten:

ich schrieb
    Diese sogenannte "Wohnung" war im Grunde nur ein finsteres Loch, ein ehemaliges, altes, feuchtes Stallgebäude in einem Hinterhof, das von dem Besitzer notdürftig für Wohnungen umfunktioniert worden war.
    Ganze 21 Mietparteien wohnten zu jener Zeit in diesen alten Gemäuern auf sehr beengten Platzverhältnissen mit Etagen- Plumpsklo und ohne Bad. Die meisten der Mieter waren Flüchtlinge aus den ehemaligen, deutschen Ostgebieten.
    Sie kamen aus Pommern, Schlesien, Danzig und Ostpreußen, da waren Juden aus Rußland, ein Viehhändler aus Rumänien, ein Schuster aus Südtirol, verarmte Adelige, ehemalige Gutsbesitzer und ganz einfache Leute, die in diesen Gemäuern hausten.
    Das Hauptgebäude bewohnten der Vermieter selbst mit seiner Frau und noch andere, auserwählte Mieter, die schon sehr lange hier wohnten.
    Gewiß, Komfort hatte er zuhause bei seinen Großeltern auch nicht gekannt, aber im Stallgebäude wohnten dort nur die Kühe und die Schweine.
    Und das Haus seiner Großeltern lag außerhalb vom Dorf schön gelegen auf einem Hügel, umgeben von Wald und Wiesen, mit einer wunderbaren Fernsicht über die ganze, weite Umgebung.
    Allein dieser Umstand entschädigte für alles andere.

Ja, und auch das besagte Plumpsklo in der dritten Etage dieser verwahrlosten Mietskaserne, denn von dort oben hatte man (bei geöffneter Tür) ebenfalls einen guten Rundumblick über das ganze Stadtviertel.
Bei schönem Wetter konnte man dort oben sogar den Sonnenaufgang genießen. Welches "moderne" WC hat heute noch diesen "Komfort!"

Mehrlagiges, weiches Klopapier, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht und so wurde für die "Geschäftsgänge" immer altes Zeitungspapier benutzt, das von der rumänischen Frau des Vermieters dort in einer alten, blechernen Zwiebelschale deponiert wurde.
Ein Russisch-orthodoxer Pfarrer, der ebenfalls in diesen alten Gemäuern eine Wohnstatt gefunden hatte, brachte immer die Monatshefte von "Readers Digest" mit in das gemeinsame Plumpsklo, das von mehreren Mietsparteien gemeinsam genutzt werden mußte.
Diese Hefte und die Zeitungsausschnitte waren gewissermaßen mein erster "Lesestoff", den ich vor mir hatte, bevor ich ihn hinter mir hatte.
Und genau deshalb war mir auch der Begriff "Pottpapier" noch relativ geläufig.

achetaton1340 schrieb
    Und hätte es Polina Dashkova, eine russische Sister of Crime schon Ende der fünfziger Jahre gegeben, würde ich sie unter der Bettdecke gelesen haben.

Wuahahahahaha!!! Der war wirklich gut!


Ob unser lieber achet mit dieser Frau unter seiner Bettdecke wirklich nur ans Lesen gedacht hätte, das darf ruhig mal bezweifelt werden.

Ich glaube, Henry Miller hatte mit Anaïs Nin und seiner Frau June ähnliche Erfahrungen unter seiner Bettdecke gesammelt, die er dann in seinen Werken zum Ausdruck brachte. (Wendekreis des Krebses, Henry & June, Stille Tage in Clichy und ähnliche Werke)
Aber wir wollen dieses Thema jetzt nicht weiter vertiefen, denn immerhin befinden wir uns hier auf einer öffentlich zugänglichen und jugendfreien Seite.

Jugendfreie Grüße vom Mino.





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Brigitte ...
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...   Erstellt am 04.10.2008 - 12:19Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


achetaton1340 schrieb
    Oh ja Brigitte,

    es ist tatsächlich Pottpapier, welches ich bedruckt mit alten Zeitungsartikeln vermisse. Es hinge dann (oder stünde) auf Rollen gelegt in erreichbarer Nähe in Toiletten oder Badezimmern (da wäre es mir noch lieber als am Pott, also der Toilette.)

Mino schrieb
    Mehrlagiges, weiches Klopapier, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht und so wurde für die "Geschäftsgänge" immer altes Zeitungspapier benutzt.

Vielen Dank euch Beiden für diese Erklärung! Mir war dieser Ausdruck leider kein Begriff, denn bei uns gab es immer schon "ganz normales" Toilettenpapier. Aber wahrscheinlich ist das eine Frage das Lebensalters.

Mino schrieb
    Diese Hefte und die Zeitungsausschnitte waren gewissermaßen mein erster "Lesestoff", den ich vor mir hatte, bevor ich ihn hinter mir hatte.

Hihihi, der war auch gut!





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