witchi  Der Burgherr (Admin) freier Ritter
       

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 2871 Nachricht senden | Erstellt am 17.06.2005 - 17:14 |  |
Die Geschichte von Wölpinghausen und seiner jetzigen Ortsteile Bergkirchen, Wiedenbrügge und Schmalenbruch-Windhorn Geschichte Wölpinghausens
Von grundlegender Bedeutung für die Ausprägung des heutigen Erscheinungsbildes eines Ortes ist seine geschichtliche Entwicklung. Im Zusammenhang mit den landwirtschaftlichen Gegebenheiten sind hier die Wurzeln für das jeweils Besondere eines Ortes zu suchen. Die folgende Darstellung zur Ortsgeschichte Wölpinghausens beruht in großen Teilen auf dem Text von G. Lemke: Geschichte des Ortes Wölpinghausen (Schaumburger Heimathefte Nr. 15, 1968).
Wann Wölpinghausen erstmals besiedelt wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Möglicherweise hat es in germanischer Zeit im Bereich des Flurstücks "Buchhof" zwischen Wölpinghausen und Bergkirchen einen Edelhof gegeben. in den von dichtem Wald bedeckten Rehburger Bergen entstanden in der sächsischen Periode zwischen 500 und 800 n.Chr. Kleinsiedlungen von 2-3 Gehöften. Als eine solche Kleinsiedlung entstand auch Wölpinghausen im Bereich der Niedern Kuhle an siedlungsgünstiger Lage mit frischem Wasser (Quellen und Teich). Der Höhenrücken der Rehburger Berge diente als Wegeverbindung zwischen den nassen Niederungen des Dülwaldes und des Steinhuder Meeres. Aufgrund dieser günstigen Lage wurde Wölpinghausen im Zuge der fränkischen Eroberung als Vogtei für die umliegenden Orte bestimmt und dem Bistum Minden unterstellt. Das aus ursprünglich 3 Gehöften bestehende Dorf vergrößerte sich bis 1100 auf 8 Meierhöfe und einen neunten Hof (vermutlich Sitz des Domvogtes).
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort als "Welpingehusen" im Jahre 1286, als das Bistum Minden die Vogteirechte an die Grafen von Schaumburg abtrat. Das Land blieb jedoch Eigentum des Domkapitels. Die Wölpinghausener Meier hatten im Vergleich zu benachbarten Orten eine Sonderstellung: das Abhängigkeitsverhältnis zur Kirche war nicht zu bedrückend - an Abgaben wurde nur der Zehnte gefordert. Gleichzeitig war der Schutz des Landesherrn durch den Drosten zu Sachsenhagen gegeben. Erst als ab 1500 immer mehr Land im Gebiet von Sachsenhagen urbar gemacht wurde, entstanden weitere Abgaben und Leistungen an das Haus Sachsenhagen.
Ein Wachstum der Siedlung setzte vergleichsweise spät ein; so war das jüngere Bergkirchen zeitweise größer als Wölpinghausen. Während des 15. Jahrhunderts kam es zu einer geschlossenen Neusiedlung durch 11 Großköther, die ähnlich einer Hagensiedlung durchgeführt wurde. An das vorhandene Haufendorf lagerten sich an den zum Dorf hinausführenden Wegen sowie am Nordrand weitere Höfe längs der Straße an. Auf die Ähnlichkeit mit einer Hagensiedlung deutet auch das Amt eines "Hachmeisters".
Die auf dem Kamm angelegte Hofstelle Nr. 17 entwickelte sich aufgrund der dort vorhandenen guten Weidemöglichkeiten für Schafe zur herrschaftlichen Schäferei. Außerdem wurde ebenfalls auf dem Kamm an der Straße gegenüber der Zollschranke der Wölpinghäuser "Krug" eingerichtet, der insbesondere den hier entlang reisenden Bremer Kaufleuten als Rastplatz diente.
Im Rahmen des allgemeinen Bevölkerungswachstums im 16. Jahrhundert verdoppelten sich zwischen 1534 bis 1606 die Hofstellen durch 16 Kleinköther und 3 Beisitzer. Auf dem Südhang des Wölpinghäuser Berges befand sich nun ein geschlossenes Dorf. Durch die Pestepedemie sowie vor allem die Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurden in der Folgezeit jedoch von den 39 Hofstellen 20 zerstört (1639). Der Westfälische Frieden 1648 teilte die Grafschaft Schaumburg; Wölpinghausen kam mit Bergkirchen zum Amt Hagenburg. In den folgenden Jahren erfolgte ein rascher Wiederaufbau und ein Wachstum um 40 %. Die wüst gefallenen bzw. abgebrannten Höfe wurden dabei z.T. an anderer Stelle wieder aufgebaut. Dazu kamen 15 neue Hofstellen. Fast alle Hofstellen ab Nr. 38 wurden nun auf dem Nordhang errichtet. Im Jahre 1685 gab es neben den 8 Meierhöfen und 11 Großköthern 6 Kleinköther (einschließlich Krug und Junkerhof), 17 Brinksitzer und 13 Straßen- oder Beisitzer. Um diese Zeit wurde auch die erste Schule in Wölpinghausen eingerichtet.
Im 18. Jahrhundert fand aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nur ein langsames Wachstum statt. Bis 1799 gab es nur 7 weitere Neugründungen. Erst nach Beendigung der Freiheitskriege setzte ab 1815 eine neue Bautätigkeit ein. Die Siedler ließen sich nun hauptsächlich abseits des Dorfes nieder. Gleichzeitig wurden aus Platzgründen einige Höfe aus dem Dorf verlegt. So entwickelten sich die heute für Wölpinghausen charakteristischen Streulagen "Berghol", "Spießingshol", "Hinter dem Berge" usw., die das Siedlungsbild stark veränderten.
Bereits 1816 erhielt Schaumburg als eines der ersten Fürstentümer Deutschlands durch Fürst Georg Wilhelm eine Verfassung, die den Gemeinden eine größere Eigenständigkeit gab. Eine der wichtigsten Veränderungen war die Ablösung von der Grundherrschaft, die in vielen Landstrichen zur Verschuldung der Bauern und deren Abwanderung in die Städte führte. in Wölpinghausen hat es diese Härten offensichtlich nicht gegeben; alle Hofbesitzer konnten die Ablösesummen fristgemäß bezahlen.
Im Krisenjahr 1847 veranlasste Fürstin Ida die Errichtung des Wilhelmsturmes als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die hungernde Bevölkerung.
Parallel zur Ablösung erfolgte die Verkoppelung, die einschneidende Veränderungen für das dörfliche Leben mit sich brachte. Der Flurzwang, d.h. die erforderliche Abstimmung in der Bewirtschaftung der Felder, entfiel und veränderte damit das dörfliche Gemeinschaftsleben. Das Gesicht der umgebenden Landschaft änderte sich ebenfalls gravierend: Anger- und Brachflächen verschwanden durch die Aufteilung der Allmende; durch die neue geometrische Einteilung wurden Hecken und Gehölzgruppen entfernt; es wurden Gräben angelegt und Bäche begradigt. Der feuchte Eichenwald "Schweinebruch" wurde um 1890 gerodet und entwässert und in der Folgezeit mit mehreren Hofstellen besiedelt.
Durch diese Veränderungen verbunden mit Bodenverbesserung, Einsatz von Kunstdünger, die Ausdehnung des Kartoffelanbaues und die Einführung der Zuckerrübe steigerte sich allmählich der Wohlstand der Bauern. 1906 wurde die Molkerei eingerichtet. Durch die stetig steigende Bevölkerungszahl wurde 1907 der Bau eines neuen Schulgebäudes erforderlich. Lehrer Eberling legte hier auf der Kuppe einen weit bekannten Stein- und Staudengarten an.
Bis zum Ersten Weltkrieg entstand pro Jahr eine neue Hofstelle. Eine weitere Siedlungsvergrößerung erfolgte in den 20-er Jahren durch die "Siedlung" für die Bergarbeiter an der Bergholer Straße.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Bevölkerungszahl durch die Aufnahme von Flüchtlingen, für die die Gemeinde zwei Häuser baute. Da zunächst kein Bauland zur Verfügung stand, wanderte ein Teil von ihnen wieder ab. 1960 wurde die Siedlung "Westerfeld" entwickelt. 1972 wurde Wölpinghausen im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform mit Bergkirchen, Wiedenbrügge und Schmalenbruch als Gemeinde Wölpinghausen innerhalb der Samtgemeinde Sachsenhagen zusammengeschlossen.
Quelle Schaumburger Heimathefte Nr. 15, 1968
Signatur Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen. |