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Josh ...
Dämon // Lehrer


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...   Erstellt am 06.12.2011 - 20:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 8 - The Curse of Curves.

→ Jessica Baker

Ja, dieses Kapitel fängt mit mir an,
da sich ohne mich und meine verbissenen Lebenswünsche
[Und einer dieser momentanen Wüsche war nunmal unteranderem, dass James endlich all seinen Mut zusammen nahm und Suzie mit sich ins Glück riss!] folgende Ereignisse wohl kaum abgespielt hätten...
Mal wieder war ich nach einem langen Vormittag nach der Schule und einem noch viel längeren Nachmittag in dem meine Eltern frei hatten und mich in nervige Gartenarbeit einspannten, vor dem Pc geendet. Und obwohl ich immer wieder hatte erfahren dürfen, wie böse das Internet sein konnte, da man oft und schnell mal eine unerwünschte Nachricht empfing, freute ich mich in der letzten Zeit über jede freie Minute, die ich davor sitzen durfte...der Grund? Nunja...der trug den zwar einfachen aber für mich doch so bedeutenden Namen Patrick. Er kontaktierte mich über diverse Online Communities immer wieder und wir unterhielten uns wirklich gut. Natürlich wusste ich, dass man weder eine Beziehung und tiefergehende Gefühle über die Tastatur weiterleiten konnte, doch auf der anderen Seite...es gab für alles ein erstes Mal. Und selbst wenn er sich nicht in mein Internet-Ich verlieben würde, sah ich alles als einen guten Einstieg des Kennenlernens. Außerdem...er machte doch immer wieder den Anfang! Bloß heute nicht.
Verwundert über die Kenntnis, dass er zwar Online war, sich aber nicht bei mir meldete, pustete ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und warf einen Blick auf die Digitaluhr meines Computers: 21 Uhr. Ich würde ihm allerhöchstens eine halbe Stunde geben, dann war es an der Zeit, dass ich mich mal bei ihm meldete! Und das 30 Minuten Limit kam mir dabei sehr fair vor...so wirkte ich weder abhängig und anhänglich, noch präsentierte ich pures Desinteresse. Und wenn ihm wirklich zusetzen sollte, dass wir nichts voneinander hörten, konnte ja immer noch er sich bei mir melden...jederzeit.
Zu meinem Pech tat sich die erste Viertelstunde allerdings gar nichts, was mich - zugegeben - unheimlich deprimierte. Das war ich nicht gewohnt! Und so verstrichen auch weitere 10 Minuten der Stille...nicht einmal Suzie schien gerade an mich zu denken, da sie heute weder angerufen hatte noch Zeit vor ihrem Laptop verbrachte.
Doch gerade als ich missmutig beobachtete, wie auf der digitalen Uhr Minuten verflogen, blinkte mein Posteingang plötzlich auf und versetzte mein kleines, naives Herz in pure Vorfreude. Aufgeregt und von Glückshormonen geflutet glaubte ich nun doch wieder an Wunder, und daran das erste Mal einen Kerl von mir überzeugen zu können, den ich wirklich wollte - er gehörte zu mir und insgeheim wusste ich, dass auch er das Knistern in der Luft spürte, dass uns überfiel wenn unsere Blicke sich trafen. So etwas konnte man sich doch nicht einbilden, oder?
Zu meiner Enttäuschung musste ich jedoch feststellen, dass sich nicht Patrick gemeldet hatte... Es war James. Im ersten Moment machte mich das durchaus sauer, doch mochte ich James sehr gerne und unterhielt mich immer wieder aufs Neue gut mit ihm.
Hey Jessy. Weißt du wo Suzie ist? Sie meldet sich nicht bei mir, obwohl ich schon die ganze Zeit versuche sie zu erreichen...ich muss mit ihr reden - ist wichtig.
Diese Worte ließen mich stolz schmunzeln. Das klang ganz danach als wäre es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen. So wie ich Patrick brauchte, brauchte James Suzie.
Wie machte sie das nur immer? Su bekam ständig die Kerle, die sie wollte...mir fiel niemand ein, der ihr nicht ins Netz ging. Stets wenn sie sich ein Opfer ausgesucht hatte, schien es so als müsse sie bloß freundlich lächeln und mit dem Finger schnipsen und schon kam dem besagten jungen Mann die Erkenntnis, dass sie wohl die Frau seiner Träume war. Im Endeffekt glaube ich, dass die Kerle das wirklich dachten...und wären wir alle etwas älter, dann bin ich mir sicher, dass Suzie sich den ein oder anderen Antrag bereits hätte anhören dürfen. Doch wir waren jung - ihr Glück. Denn nach und nach stellte sich für sie immer raus, dass sie doch bloß wieder einen Griff ins Klo gestartet hatte und sie sich in etwas verrannt hatte, was sie auf Dauer nicht glücklich machte.
Und so brach ein Herz nach dem anderen...und obwohl sie es nie zugab, da Suzie bloß selten über ihre Gefühle redete, - Oft nicht einmal mit einer Flasche Jack Daniels intus, die mich längst zu einem Gefühlsausbruch und der bitteren Wahrheit geprügelt hätte - wusste ich, dass auch ihr das alles nie leicht fiel.
Doch jetzt wo wir gerade über Gefühlsausbrüche redeten, kam mir doch ein Mann in den Sinn, der Suzie die Tränen in die Augen gejagt hatte. Das war zwar schon eine ganze Weile her, doch er hatte es geschafft - Dan. Eigentlich hatte diese Geschichte letztes Jahr ganz einfach angefangen. Sie hatten sich locker kennengelernt, öfter gesehen, gut verstanden, waren sich schnell näher gekommen und somit war Suzie in den Fängen eines kleinen Womanizers gelandet, der Partys nie alleine verließ. Das hatte Herzschmerz versprochen...doch darüber war sie, nachdem sie sich nicht mehr trafen, schnell hinweg gekommen. Noch etwas wofür ich sie bewunderte...ich brauchte Jahre um einen Kerl wirklich zu vergessen.
Als ich meine Gedanken schließlich wieder sacken ließ und erneut auf den Monitor schaute überlegte ich kurz, was ich antworten sollte. Ich wusste, dass er die letzten Tage versucht hatte Suzie zu erreichen. Sie hatte es mir erzählt. Ich hatte am Telefon jede SMS vorgelesen bekommen, doch sie wollte auf keine einzige antworten. Sie wollte ihm durch strenge Maßnahmen zu spüren geben, dass er sie wollte. Und auch wenn es ihr schwer fiel seine Nachrichten nicht zu beantworten und in den Pausen unauffälligen Abstand zu halten, schlug sie sich gut. Und siehe da, ihr Plan schien aufzugehen. Man darf halt niemals zu leicht zu haben zu sein - hätte ich mir diesen Tipp mal lieber für später notiert...
Soweit ich weiß ist sie mit Freunden unterwegs... - Lüge. Ich hatte im Grunde keine Ahnung, was sie gerade wirklich trieb. Und da mir darauf nicht mehr zu sagen blieb, ich meine Finger jedoch nicht von der Tastatur wegbekam, nahm ich mir vor die Neuigkeiten vor Suzie selbst zu empfangen: Was gibt es denn? Ich könnte ihr etwas ausrichten, wenn es wirklich so wichtig ist. Immerhin telefonieren wir beinahe jeden Tag. - Auf diese versteckte Botschaft sprang er allerdings nicht an, winkte stattdessen lieber vorsichtig ab.
Dann musste ich also doch offensichtlicher nachfragen: Okay, dann nicht. Du kannst mir trotzdem sagen was los ist. Wir haben uns ne weile nicht mehr unterhalten, also? Ich verrate es Su auch nicht, keine Sorge. Immerhin sind wir genau so befreundet wie sie und ich. Und die Geheimnisse eines Freundes würde ich niemals ausplaudern. - Und wieder eine Lüge. Wobei, bloß teilweise. Geheimnisse konnte ich wirklich für mich behalten, aber nicht wenn sie meine beste Freundin betrafen. Damals als Dean sich in Su verliebt hatte und ich mich bereits gut mit ihm verstanden hatte, hatte er mir davon berichtet...und länger als 2 Minuten hatte ich einfach nicht dicht halten können...ich hatte mich sofort bei Suzie gemeldet und ihr die Neuigkeit unter die Nase gerieben, weil ich damals auch von ihm den Eindruck gehabt hatte, dass er ihr gut tun würde...doch irren war ja bekanntlich männlich...ähh, menschlich - ‘tschuldigung.
Während James tippte und sich somit hatte breit schlagen lassen, wäre ich jedoch niemals auf die Idee gekommen, dass es doch nicht um Suzie ging, doch so war es:
Ich wollte mich bei ihr entschuldigen. Ich war die letzten Wochen ziemlich neben der Spur und habe Angst etwas zwischen ihr und mir kaputt gemacht zu haben. Ich dachte, dass Su perfekt für mich sein würde, doch nachdem wir uns lange unterhalten hatten und sie mir ans Herz gelegt hat ,mich vielleicht im Verein einmal genauer umzuschauen, und den Mädchen eine Chance zu geben, habe ich erkannt, dass es da doch ein Mädchen gibt, das mir wirklich gut gefällt. Und wenn ich es mit ihr probiere, setze ich auch nichts aufs Spiel wenn‘s nicht funktioniert. - Mir klappte die Kinnlade ungläubig runter. Das war doch nicht sein Ernst, oder? Im ersten Moment wusste ich nicht, wer von den beiden geschimpft gehörte...er, weil er sich so leicht hatte belabern lassen oder Su, weil sie mal wieder feige den Notausgang benutzt und sich damit alles selbst verbaut hatte.
Ohne darauf zu achten, dass das 30-Minuten-Limit was Patrick betraf bereits abgelaufen war und er nun nicht einmal mehr online war, erwiderte ich nichts auf James Worte, griff stattdessen zum Telefon und tippte beinahe hektisch Suzies Nummer ein. Sie musste rangehen, die Lage musste schnellstmöglich gerettet werden und ich wusste als sie abhob auch schon wie: „Su! Bei mir geht das morgen klar, eine DVD-Nacht bei dir von Freitag auf Samstag wird sicher lustig! Klasse Idee...und soweit ich weiß können die Jungs auch.“
Verdattert hörte ich sie ins Telefon murmeln, dann begann sie verwundert zu lachen.
„Ähm...okay. Bin ich auch eingeladen? Ich weiß nämlich nicht, woher du die Insider Informationen hast, zu mir sind sie jedenfalls nicht durchgedrungen.“
Seufzend überflog ich erneut James Worte und überlegte, ob ich sie ihr wirklich nahe bringen sollte...und vor allem die Frage, wie. Wie sollte ich sie darauf ansprechen, ohne sie zu verletzen? Gab es überhaupt noch Hoffnung...bis vor einer Minute hätte ich nicht einmal im Traum daran gezweifelt - jetzt schon. Definitiv.
„Du kannst vergessen, dass ich so kurzfristig etwas abklären kann. Meine Eltern werden da nicht mitspielen...vor allem nicht, weil wir in letzter Zeit sowieso so oft weg sind und ich euch beinahe mehr sehe als meine eigene Familie.“, unterbrach sie meine Überlegungen, also rutschte es mir panisch einfach über die Lippen.
„James hat doch eine andere. Es ist noch nichts festes, aber an deiner Stelle würde ich mir langsam mal Gedanken machen und mich endgültig reinhängen! Auf einer einfachen, unauffälligen DVD-Nacht wäre das perfekt. Und wenn wir bei dir zuhause sind, können deine Eltern nicht schimpfen, dass du schon wieder weg gehst. Sonst sind sie doch auch alles andere als streng...“, mir kam erst nach einem kurzen Moment die Idee, dass ich sie völlig überrumpelt hatte, was von ihrem Schweigen jedoch bestätigt wurde.
„Su? Hey, komm schon...wie gesagt, ist noch nichts Festes. Nur die Ruhe.“, versuchte ich ihr Mut zu machen, doch bezweifelte ich, dass es klappte...bloß eines hatte meine Rücksichtslosigkeit erreicht: „Okay, morgen Abend bei mir. Geht klar.“

→ It‘s Suzie Hatcher again.

Anders als die letzte Woche durfte ich es mir nun nicht mehr erlauben, James zu meiden und ihm lediglich einen Blick zu schenken, wenn er auffällig danach suchte.
„Guten Morgen!“, stieß ich also in der Pause des folgenden Tages - welcher sich übrigens bereits Freitag nannte, der Tag in dem ich meine alte Planung auf den Kopf werfen sollte um rauszufinden, wie ernst es um mich und James wirklich stand - zu unserer kleinen Gruppe hinzu. Überrascht über mein heiteres Lächeln und die euphoriegeladene Stimme glitten die Blicke verwundert zu mir herüber, als hätten sie nicht damit gerechnet, dass ich mich mal wieder zu ihnen gesellen würde. „Morgen.“, entgegnete mir James als erstes. Er klang erleichtert und durchaus erfreut über meine scheinbar grandiose Laune. Auch Jessy stand bereits neben mir und lächelte unschuldig, bis sie mir die besprochene Steilvorlage lieferte und wir gemeinsam durchzogen, was wir gestern Abend des weiteren besprochen hatten: „Su, was steht am Wochenende an? Lasst uns doch mal alle was unternehmen...“
Ich zuckte nachdenklich mit den Schultern und tat so, als würde ich ratlos überlegen, bis sie wieder das Wort ergriff: „Ich bin für einen entspannten, gemeinsamen DVD-Abend. Das ist immer unterhaltsam.“, zufrieden über ihren Vorschlag sah sie in die Runde und niemand schien abgeneigt. „Super Idee, meine Eltern haben sicher nichts dagegen, wenn ihr zu mir kommt.“, und somit bekamen wir die ersten Zusagen geliefert - von James und Jamie. Matt hatte sich auch begeistern lassen, ihm fiel jedoch schnell ein, dass er dieses Wochenende bereits verplant war. Tja und an Matts Stelle rückte dann überraschenderweise Ted: „Ja, klingt wirklich gut. Wieso also nicht?“, anfangs dachte ich, er wollte mich bloß mal wieder provozieren, doch als er sich nach der Schule erneut bei mir meldete, verunsicherte er mich doch gewaltig. Natürlich ging es James gegen den Strich, dass Ted sich ebenfalls zu den geladenen Gästen zählte, da die Antipathie auf Gegenseitigkeit beruhte.
Bereits kurz nach der Schule hatte Jessy mir einen Besuch abgestattet und begab sich mit mir in die Mission, die gewählte Location herzurichten.
Ich hatte das Glück, dass sich neben unserer Wohnung, die über eine große Terrasse verfügte, noch eine Art kleines Poolhouse ohne Pool befand - zumindest zählte ich das aufblasbare Schwimmbecken, das mein Dad als meine Schwester und ich noch jünger waren im Sommer immer aufgebaut hatte, nicht als Pool. Außerdem stand es zurzeit sowieso nicht...jetzt zierten Sommerliegen diesen Platz. Wir schrubbten fleißig durch - das war übrigens auch die Bedingung, die ich meinen Eltern hatte bieten müssen...die kamen auf ihre Kosten, da ich Putzfee spielte und alles auf Hochglanz brachte. Meine Mutter kümmerte sich nur selten um diesen freien Raum, der eine Bar, einen Billardtisch, einen große Fernseher und ein noch viel größeres Bad bot, in dem wiederum eine Sauna, ein Whirlpool und eine Sonnenbank den Platz zierten. Und so kommen wir zu Bedingung Nummer zwei...keine nächtlichen Sauna-Besuche oder gar Nacktbaden im warmen Whirlpool. Und da mein Dad nicht all zu viel auf mein Wort gab, schloss er diesen Raum sogar ab, sodass uns bloß das kleine Bad blieb, in dem sich eine einfache Toilette und ein Waschbecken um den Platz stritten. Der einzige Vorteil war, dass wir so auch nicht noch einen weiteren Raum herrichten mussten.
Kaum war frisch durch gesaugt, gelüftet, staub gewischt und feucht durchgeputzt, betrachteten wir unser Werk zufrieden: „Jetzt kann es ans einrichten gehen!“, gab Jessy freudig von sich. Wir räumten also die Putzutensilien weg und machten uns daran alle möglichen freien Mattratzen, Decken, Kissen und sonstige weiche Unterlagen zu finden und sie rüber zu tragen. Der Billardtisch war von einer großen Holzplatte abgedeckt, sodass wir diesen schnell in ein gemütliches, übergroßes Bett verwandelt hatten. In einer anderen Ecke des Raumes befand sich eine aufgepustete Luftmatratze, die wir ebenfalls mit genügend Kissen ausstatteten. Gerade noch rechtzeitig schlossen wir das Notebook an und starteten etwas Musik.
„Su?“, sprach Jessy mich an, als sie grinsend durch den Raum lief und alles ein letztes Mal inspizierte. „Ich finde ja, wir haben uns selbst übertroffen. Und nur um das gleich klarzustellen...“, ich legte den Kopf schief und sah sie abwartend an.
„...Ich schlafe mit dir auf dem Billardtisch!“, bei dieser Bedingung ihrerseits musste ich glatt lachen. Ja, der Billardtisch war wohl der Blickfang schlechthin. Er stand in der Mitte des Raumes, war mit großen Matratzen belegt und mit unzähligen Kissen überhäuft.
„Wer sonst?“, gab ich ihr als beschwichtigende Antwort. Ja...wer auch sonst...?

Es verstrichen kaum weitere 10 Minuten, da klingelte es auch schon an der Haustür und die Jungs traten beinahe zeitgleich ein. Kaum hatten wir Jamie und James herzlich empfangen, ließ sich auch Ted blicken, den ich mit einem skeptischen Grinsen begrüßte. Er hatte unbedingt kommen wollen...und ich hatte zugesagt? Wieso? Nunja...eigentlich wusste ich das gar nicht genau, vielleicht weil ich mir so erhoffte von dem eigentlich Grund dieser schrägen DVD-Nacht etwas mehr abzulenken.
Wir führten die drei über die Terrasse rüber in unser eigenes kleines Reich. Das Beste daran war, dass meine Eltern nichts von uns hören würde. Die Musik konnte also voll aufgedreht werden und wir mussten auch nicht darauf aufpassen, welche interessanten Gesprächsthemen über unsere Lippen rutschten.
„Was suchst du eigentlich hier?“, rutschte es James bereits in den ersten Minuten, die wir gemeinsam verbrachten, Ted gegenüber scharf über die Lippen. Ted zuckte mit den Schultern und sah ihn provokant an: „Ich dachte, es ist jeder aus der Runde in der Pause erwünscht gewesen. Und ich stand nun mal dabei und hatte heute noch nichts vor.“
James verdrehte die Augen, griff sich sein Bier und suchte das Weite. Es war zwar der eindeutig klügere Zug einem Streit aus dem Weg zu gehen, doch die Anspannung lag trotzdem spürbar in der Luft. Seufzend entschied ich mich dazu doch noch einen Versuch zu wagen hinter das große Geheimnis zu kommen, wieso die beiden so schlecht aufeinander zu sprechen waren...und da ich das Gefühl hatte, bei James in dem Thema nicht weiter zu kommen, musste Ted herhalten.
„Was soll das zwischen euch beiden?“, sprach ich ihn vorsichtig an und schenkte mir selbst einen Schluck Whiskey in ein Glas, das ich schließlich mit Cola auffüllte. Wo ich den Alkohol herhatte? Tja, ich hatte zwar versprechen müssen das Regal meines Vaters nicht anzurühren, aber sein wir mal ehrlich...welcher Teenager hält sich an solche Versprechen?
„Ich weiß nicht wovon du redest.“, antwortete Ted grinsend und beäugte mein Glas.
„Du weißt genau, was ich meine...“, seinen Blick bemerkt hob ich das Glas leicht an und sah fragend zu ihm rüber: „Auch einen?“, doch er lehnte mit der Begründung, die Finger von hartem Alkohol lassen zu wollen, ab.
„Nunja...ich will mal nicht so sein, also - Zwischen James und mir stimmte die Chemie schon von Anfang an nicht.“, die beiden kannten sich schon seit der 5. Klasse, soviel wusste ich.
„Und trotzdem haben wir uns damals schnell denselben Freundeskreis gesucht. Unbeabsichtigt. Wir gerieten immer wieder aneinander, was die Gruppe damals ziemlich zerrüttet hat...wahrscheinlich nehmen wir uns das zusätzlich heute immer noch gegenseitig übel.“, lächelnd beendete er seine kleine Geschichte und lehnte ich an die Theke der Bar. Mein Blick muss ihn amüsiert haben, da ich wohl ziemlich ungläubig aus der Wäsche schaute. Das war also die große Geschichte? Herrje...und daraus machten die beiden so ein Drama? Da sollte noch mal wer sagen, Frauen waren anstrengend... „Rührend.“, gab ich lediglich von mir und wollte gerade noch etwas hinzufügen, als es an der Tür klopfte und mein Vater mit Pizzakartons beladen den Raum betrat. Schneller als ich gucken konnte, waren die Jungs zur Stelle und nahmen ihm unser Abendessen ab, um es zu verteilen. Ich warf meinem Dad einen dankbaren Blick zu und ich meinte den Satz Bloß keine Dummheiten, bleibt artig! in seinen Augen lesen zu können, bevor er lächelnd wieder verschwand und die Tür hinter sich zuschob.
Als ich meine Pizza zugeschoben bekommen hatte, setzte ich mich zu Jessy auf den Billardtisch, der heute Nacht als Bett dienen durfte und begann zu essen. Ich würde lügen, wenn ich behauptet hätte, dass ich den Alkohol in meinem Blut nicht bereits jetzt schon spürte...es war nunmal nicht klug Alkohol auf nüchternem Magen zu trinken.
„Ich hasse den Geruch von Alkohol beim essen...“, murmelte Jessy leise, sodass nur ich es hörte. Ich musste über ihr Gesicht lachen. Sie war praktisch die Erfinderin des Mut-antrinkens.
„Du hättest auch bis nach dem essen warten können, dann hätte ich mit dir mitgetrunken.“, und schon schob sie mein Glas weg.
„Das dauert mir alles viel zu lange...“, wenn ich zu lange warten würde, würde ich am Ende doch bloß kneifen und gar nicht mehr zu dem gefährlichen Hilfsmittel greifen.
„Du hast genau eine Nacht...wie lautet der Plan?“, war das ihr ernst? Sie dachte wirklich, dass ich einen Plan hatte? Okay, eigentlich hatte ich immer für fast alles einen Notfallplan parat...aber wie gesagt, fast alles. Was mich und meine möglichen Beziehungsgeschichten Betraf, wusste ich nie Rat. Immer wenn ich zu lange über solche Dinge im Bezug auf mich nachdachte, brach in mir pure Panik aus und die zerstörte nicht bloß mögliche Chancen, sie zerstörte sogar meinen kompletten Kampfgeist - meistens verging mir einfach die Lust mich wirklich zu bemühen.
„Spontanität meine Liebe, Spontanität.“, wollte ich sie beschwichtigen.
„Was flüstert ihr da oben?“, unterbrach uns James Stimme und wir blickten beide gleichzeitig ertappt auf: „Nichts!“, ertönte es parallel, bis wir alle in ein Lachen einstimmten.
Jessy und ich mussten jedoch eher angespannt klingen...

Mit einem leisen Gerumpel warf Jessy den letzten leeren Karton auf die anderen, die bereits auf der Theke lagen. „Okay, lasst uns mit dem ersten Film anfangen!“, schlug sie munter vor und drehte sich im Liegen so auf dem Billardtisch um, dass sie den gegenüberliegenden Fernseher bestens im Blick hatte.
Unsere Wahl an DVDs war perfekt. Horrorfilme, bei denen die Jungs damit rechneten, dass wir vor Angst die ganze Nacht kein Auge zubekommen würden, dabei hatten wir die Filme zusammen schon oft genug gesehen - aber das mussten sie ja nicht wissen.
Kaum hatte Jamie den Rekorder zum laufen gebracht, kletterten die drei Jungs zu uns hoch und wir belagerten zu fünft den Tisch. Jeder machte es sich so gut es ging gemütlich und wollte die beste Sicht ergattern und so wurde es schnell unheimlich eng.
„So wird uns wenigstens nicht kalt.“, lachte Jamie und sah grinsend jeden einzelnen von uns an. Durch den, nun dunklen, Raum tanzten die Lichter des Fernsehbildschirms. Wir übersprangen die Vorschau und ließen den Horrorstreifen so schnell anlaufen wie möglich. Jessy hatte sich weit vorne platziert. Sie lag auf dem Bauch und hatte ihr Kissen mit den Armen umschlungen. Jamie saß zu ihrer Rechten am Rand. Ich saß auf der anderen Seite, hatte meine Beine angezogen und die Arme um diese gelegt.
Und irgendwo hinter mir hatten es sich auch Ted und James gemütlich gemacht, bloß konnte ich sie nicht sehen. Ein Wunder, dass sie sich nicht an die Kehle gingen...
Die ersten Minuten des Films liefen ab und bereits die ersten Menschen fielen einem Serienkiller zum Opfer, der sie rücksichtslos und ungehemmt auseinandernahm.
Normalerweise hätten Jessy und ich bei jeder Szene, in der dieser Maskenträger aus einer dunklen Ecke gesprungen kam, erschrocken aufgeschrien. Allerdings geisterte in meinem Kopf etwas ganz anderes herum...wie sollte ich an diesem Abend bei James punkten?
Als mein Blick zu Jessy glitt, die entspannt neben mir lag und das Schauspiel betrachtete, schlichen sich plötzlich Finger an meine Seite, die mich leicht piksten.
Ruckartig hatte ich mich umgedreht und mit meiner Bewegung Jessy erschreckt, die laut aufgequietscht hatte. Lachend tätschelte Jamie ihr den Kopf.
Ich hatte direkt in James Gesicht gesehen ,der dicht hinter mir saß und mich nun zu sich zog. Gut, dass er diesen Schritt wagte...ich wäre wohl kaum erneut auf ihn zugegangen.
Mich zufrieden an ihn gelehnt, genoss ich die erste Hälfte des Films seine Nähe und ließ mich schweigsam im Arm halten. In einem Moment der Ruhe - als auch im Film für die nächsten Minuten nichts spannendes zu passieren schien - drehte sich Jessy gähnend zu mir um: „Ich hol mir was zu trinken, noch jemand?“, hatte sie gefragt, hielt aber kurz inne als sie mich und James beäugte. Grinsend nickte ich - Mein Blick verriet ihr wohl so einiges.
Sich aufgerappelt sprang sie vom Tisch und kümmerte sich darum jedem ein Glas zu organisieren und den Kühlschrank nach etwas zu trinken zu durchsuchen.
„Uhh, roter Wodka!“, stieß sie aus, als sie fündig geworden war. James schüttelte lachend den Kopf und auch Jamie grinste über sie.
„Komm zu Mama!“, Jessy griff sie die kühle Flasche und schenke jedem einen herzhaften Schluck ein, ehe sie die Gläser an uns verteilte. Ted nahm einen Schluck und verzog dabei das Gesicht: „Was findet ihr nur an diesem Wodkazeug?“, wollte er wissen und stellte sein Glas so schnell wieder ab, wie es ihm in die Hand gedrückt worden war.
„Das ist nicht hochprozentig!“, ging ich auf seine vorherige Aussage ein, was ihn und den Alkohol betraf. Als James den Wodka in Empfang genommen hatte, hatte er sich von mir gelöst, was mir jedoch ganz Recht war. Damit, dass er den ersten Schritt für diesen Abend gewagt hatte, hatte er mir praktisch den nächsten Schritt zugeteilt...wenn ich also Nähe wollte, durfte ich sie mir bei ihm abholen.
Allerdings stellte sich das als nicht ganz so einfach dar, da Ted mich grinsend abfing als ich ausgetrunken hatte und kurz aufgestanden war, um mein Glas zurück auf die Theke zu stellen: „Deswegen also der plötzliche DVD-Abend, ja?“, ich wusste genau, was er meinte und worauf er hinaus wollte, gab aber nicht sofort nach und fragte verwundert schauend was er meinte. „Mich würde ja mal interessieren, ob dieser DVD-Abend auch stattgefunden hätte, wenn James abgesagt hätte...“, gespielt nachdenklich verzog er das Gesicht und sah zu den dreien zurück, die noch immer mit ihren Gläsern auf dem Tisch saßen und gemütlich das Ende des Filmes schauten.
Seufzend gab ich schließlich nach und ließ mich auf die Luftmatratze sinken, die vor der Bartheke stand. Ted sah zu mir runter und schob die Hände abwartend in die Hosentaschen, als würde er mir ansehen, dass ich kurz davor war ihn einzuweihen.
Da ich jedoch nichts sagte, setzte er sich schließlich zu mir und ergriff selbst wieder das Wort: „Wie lange rennst du ihm schon nach?“, und schon hatte er den wunden Punkt getroffen. Ich rannte James nicht nach! Ich rannte niemandem nach...höchstens mal dem Bus, wenn ich spät dran war und er bereits anfuhr wenn ich noch dabei war die Bushaltestelle hektisch zu erreichen.
„Ich renne ihm nicht nach, okay?!“, gab ich bissiger als gewollt zurück und verschränkte die Arme. Lachend hob Ted die Hände in die Höhe, als wollte er seine Unschuld signalisieren.
„Okay, okay. Was dann? Das zwischen euch beiden ist jawohl nicht nichts...auf der Party von Casey seid ihr auch schon die Pärchenschiene gefahren.“, ich bin mir bis heute nicht sicher, ob er diesen provokanten Blick und den bestimmerischen Tob absichtlich benutzt hatte um mich zum Reden zu bringen oder ob ihm das gar nicht bewusst war...wie auch immer, es klappte - ich gab nach und klärte ihn auf. Über alles. Ob das nun an den ersten Schlücken Alkohol lag, die bereits durch meine Adern schossen oder daran, dass ich eine Frau war und in mir praktisch immer der Drang schlummerte zu sprechen.
„Wenn das so ist...ist es mal wieder bewiesen...“, ergriff Ted das Wort als ich ausgesprochen hatte und er die James & Suzie - Geschichte kannte - Er kannte nun sogar den wahren Grund des heutigen Treffens!
Ihn irritiert angeblinzelt, legte ich den Kopf schief: „Was meinst du?“
„Ich meine, dass Mann und Frau keine besten Freunde sein können.“
Daraufhin musste ich lachen. Da war ich völlig anderer Meinung.
„Ich meine das ernst...“, appelierte er grinsend und setzte seine Rede fort: „Überleg doch mal selbst...ihr wart doch so eine Art beste Freunde.“, wir waren keine besten Freunde gewesen - lediglich gute Freunde, aber das ließ ich mal durchgehen und nickte. „Tja, dann schau jetzt einmal wo ihr geendet seid.“, erneut verzog ich das Gesicht. Ted ließ jedoch nicht locker: „Wie sieht es mit ehemaligen guten Freunden aus? Ist da schonmal was gelaufen?“, neugierig sah er mich an, als ich überlegte...
Ob da schoneinmal etwas gelaufen war? Nunja...in der Grundschule hatte ich zwei beste Freunde - Nicolas und Marcus. Wobei mir Marcus schon immer gefallen hatte...und irgendwann als es ab in die Mittelstufe ging und wir uns bloß noch außerhalb jeglichen schulischen Aktivitäten gesehen hatten, hatte mir Nicolas seine Liebe gestanden. Ich war halb durchgedreht, weil ich ihn als guten Freund nicht verlieren wollte - doch durch meine Abfuhr hatte ich das. Und bloß wenige Wochen später waren Marcus und ich uns schnell näher gekommen...unter diesen Umständen hatte ich Jessy kennengelernt. Sie hatte gemerkt, dass ich mich in Marcus verguckt hatte und sie wiederum hatte an einem guten Freund von Marcus einen Narren gefrassen. Ständig war sie ihm nachgelaufen und hatte kein Geheimnis aus ihren Gefühlen gemacht, bis sie auf die Nase gefallen war, weil er nicht den Anschein machte, diese Gefühle zu erwidern. Und als wir uns eines Tages deprimiert über den Weg liefen,fing sie mich ab und sprach das erste mal mit mir. Wir hatten uns schnell zusammengeschlossen und schon damals gerissene Pläne ausgeheckt, um die Kerle zu bekommen,die wir haben wollten. Aber das ist eine andere Geschichte - zurück zum Hier und Jetzt. Nicolas und Marcus bestätigten also Teds Theorie, doch so schnell gab ich nicht auf. Ich musste ihm das Gegenteil beweisen...
Was war mit Dean und Deon? Mit ihnen hatten wir uns vor ungefähr vier Jahren eng angefreundet. Wir waren beinahe ununterbrochen zusammen unterwegs gewesen und hatten immer eine Menge Spaß gehabt. Von Liebe und Beziehungen war nie die Rede gewesen - zumindest nicht zwischen uns. Doch hatte sich rausgestellt, dass Dean sich Jessy anvertraut hatte und tiefe Gefühle für mich hegte. Jedoch hatte er sich nie getraut auf mich zuzugehen und mir seine Gefühle zu gestehen - deswegen hatte Jessy es mir gepetzt. Somit war also auch diese Freundschaftstheorie hinüber...damals hatte sich sogar Jessy durch die vielen Treffen schwer in Deon verliebt...
Ich schüttelte wild den Kopf, um diese Gedanken wieder los zu werden.
„Ich...ähm...“, setzte ich an. Ich wollte ihm nicht zustimmen...!
Noch immer war ich davon überzeugt, dass es Freundschaften zwischen Mann und Frau gab,die nicht in einem Beziehungsdrama endeten.
„...nur weil das bei mir nicht funktioniert, heißt das nicht, dass es nie funktioniert!“
Lachend ließ sich Ted auf den Rücken fallen und machte es sich auf der Matratze bequem, ich sah ihn bloß trotzig an und hatte die Arme locker verschränkt.
Vielleicht sollte ich meine Freundschaften zu den Herren der Schöpfung einschränken...
Wobei, nein. Das war albern,ich würde ihm das anders beweisen...irgendwann.
„Hey ihr beide, was wird das da unten?!“, riss mich Jessys strenge Stimme aus den Gedanken und ließ mich aufschauen. Von hier unten konnte ich keinen der drei sehen.
„Wir unterhalten uns nur ein wenig, immer mit der Ruhe.“, gab ich zurück und traf Teds Blick. Er hatte die Arme hinterm Kopf verschränkt und sah amüsiert nach oben, obwohl auch er nicht mit dem Blick über die Tischkante kam.
„Komm her, zieh dich aus...wir müssen reden.“, säuselte er lachend. Auch ich konnte nicht ernst bleiben und stimmte in sein Lachen ein.
„Albert da unten nicht rum, kommt hoch!“, unterbrach uns Jessy erneut und schleppte sich an den Rand das Billardtisches, um zu uns runtersehen zu können.
Ihr Blick wirkte vorwurfsvoll und verständnislos - gar so, als würde sie fragen wollen, wieso ich kostbare Zeit vergeudete und mich auf der Tatsache, dass James sich vorhin überwunden hatte und auf mich zugegangen war, ausruhte.
Als plötzlich der Fernseher ausgemacht wurde, den Ted und ich von unserer jetzigen Position aus ebenfalls nicht im Auge hatten, war es im Raumen stockdunkel. Uns war nicht einmal aufgefallen, dass der erste Film bereits zuende war.
Mich auf die Beine geschafft, wanderte ich vorsichtig zum Lichtschalter und legte diesen wieder um. James und Jamie saßen noch immer gemütlich auf den Matten und schienen sich keinen Meter bewegt zu haben. Jessy lag auf dem Bauch und hatte die Arme von dem Tisch baumeln lassen, als sie eben noch mit uns gesprochen hatte. Ich konnte jedoch nicht schnell genug gucken, da stand auch sie schon wieder auf den Beinen und war wieder dabei die Becher zu füllen.
„Lasst uns eine Pause machen.“, sprach sie währenddessen zufrieden und spielte erneut Kellnerin. Kaum hatte ich mein Glas wieder in der Hand, setzte ich mich an den Rand des Tisches und sogleich gesellte sich James wieder zu mir, der sein Glas in der Hand drehte.
„Was gab‘s zu besprechen?“, wollte er wissen und sah mich eindringlich an. Ich winkte jedoch ab, und beobachtete an meinem Getränk nippend Jessy und Ted.
„Komm schon, nur das eine Glas. Stell dich nicht so an!“, meckerte sie ihn an und hielt ihm seinen Drink entgegen. Ted jedoch schüttelte den Kopf: „Nein, ich habe keinen Durst.“
„Das hat nichts mit Durst zu tun...du sollst dich ja nicht betrinken, aber man kann mit Freunden doch mal einen Schluck nehmen. Apropos...wieso bist du eigentlich hier? Nur weil du in den Pausen immer bei uns rumstehst?“, und schon begann James gehässig über Jessys Angriff zu lachen. Ich warf ihm einen warnenden Blick zu.
Zwar hatte mich Teds Erscheinen auch sehr gewundert, doch eigentlich fand ich ihn garnicht mehr so seltsam wie anfangs. Okay, er konnte einem unglaublich auf die Nerven gehen...und eigentlich war er nicht der Typ Mensch den ich in meinem Leben brauchte. Aber wenn man mal Zeit mit ihm verbrachte, kam man mit ihm klar - das war die Hauptsache, oder?
„Ihr hattet doch nichts dagegen einzuwenden.“, konterte er frech, sodass James sich praktisch dazu gezwungen fühlte sich mit einem lauten Räuspern aufmerksam zu machen.
Nun lachte Jessy laut, gab aber nach und stellte das Glas weg.
„Man hätte mich ausladen können.“, Ted zuckte mit den Schultern und streckte sich genüsslich. „Das hättest du mir früher sagen können...“, warf James ein.
Ich seufzte grinsend, beugte mich zu James hinüber und hielt ihm den Mund zu.
„Kein Streit!“, ich versuchte streng zu klingen, musste aber versagt haben, da nicht bloß Ted, sondern auch Jamie und Jessy über mich lachten. Und sicher hätte auch James gelacht, wenn ich ihm nicht den Mund zugehalten hätte. Gegrinst hatte er jedoch ganz sicher. Tja, und mit lockeren Gesprächen, der süßen Versuchung in unseren Gläsern und viel zu lachen, wurde der Abend fortgesetzt bis die nächste DVD eingelegt wurde und Jessy bereits zu schwächeln begann. Sie hatte ihren Kopf auf Jamies Oberschenkel abgelegt und döste vor sich hin, als auch der zweite Abspann lief und ich zwischen Ted und Jamie saß, die Fernbedienung griff und den Fernseher ausschaltete.
„Du solltest schlafen.“, tätschelte Jamie Jessy den Kopf und musste selbst gähnen.
„Sonst machen wir die Nächte doch auch durch, wieso bist du müde?“, griff ich ein, schleppte mich ein Stück weiter vor und sah Jessy direkt ins Gesicht.
„Es ist 3 Uhr morgens, deswegen!“, motzig verschränkte sie die Arme und drehte sich weg. Keiner verlor ein weiteres Wort und ich wand den Blick nicht von ihr ab.
„Okay, verschwindet.“, Jessy setzte sich verschlafen auf und sah die Jungs alle nach einander an. Ich war ein Stück zurück gerutscht und ihrem Blick gefolgt.
„Ach, uns schiebt ihr also auf der Luftmatratze ab?“, hakte Jamie nach, stand aber bereits auf, um sich seiner Bestimmung des Abends zu beugen, genau so wie es auch Ted tat.
„Moment!“, unterbrach James uns alle in unserer Bewegung und blieb sitzen ohne Anstände zu machen, sich zu bewegen: „Denkt nicht einmal daran, dass ich mit dem da auf einer Matratze schlafe.“, er nickte abschätzend zu Ted hinüber, dieser ignorierte ihn jedoch. Wahrscheinlich war es ihm selbst lieber, dass James wiedersprach.
Jessy musterte James kurz und hatte sich bereits sitzend in ihre Decke gekuschelt.
„Okay, denkt ihr beide nicht einmal daran, dass ich mit euch hier oben schlafe...“
Und schon hatte sie sich auf die Matratze verzogen. Ich hatte etwas dagegen sagen wollen, James Lachen verunsicherte mich jedoch, daher entschied ich mich doch dazu zu schweigen. Das Licht war noch immer aus gewesen, da man DVDs viel besser im Dunkeln schauen konnte. Unsere Augen hatten sich jedoch bereits etwas an die Dunkelheit gewöhnt. Ich hatte es mir neben James gemütlich gemacht und wie auf jedem normalen DVD-Abend wurde natürlich nicht gleich geschlafen. Soblad jemand das Wort ergriff, entwickelte sich ein lockeres Gespräch daraus, so als wäre eigentlich niemand müde gewesen. Ob ich mich ärgerte, den Abend - von ein paar Kuscheleinlagen abgesehen - nicht so genutzt zu haben wie geplant? Nein, immerhin standen uns noch ein paar Stunden bevor. Und wie sich herausstellt, war es besser gewesen, dass Jessy sich aus dem Staub gemacht hatte...

→ Good Morning,Jessica Baker!

Ich hatte in der Nacht um meine Decke und um genügend Platz kämpfen müssen.
Irgendwann waren die Stimmen der anderen verschwommen und ich war endgültig weggedämmert. Und als ich morgens von der Sonne geweckt wurde, tat mir nahezu alles weh...es war wirklich eng gewesen! Wieso war ich nicht wach geblieben...?
Als Suzies Kichern ertönte, wurde ich daran erinnert warum.
„Ich frag erst gar nicht, was ihr daoben treibt oder getrieben habt.“ - und schon blickte Suzie auf und sah zu mir runter. Hatte sie überhaupt geschlafen?
„Schon wach? Guten Morgen.“, begrüßte sie mich munter und auch James meldete sich zu Wort, allerdings bekam ich ihn nicht zu Gesicht. Nach und nach wurden auch die anderen beiden wach und als sich James aufrichtete und sein Shirt überzog, setzte auch ich mich und blickte Suzie prüfend an. Schien besser gelaufen zu sein, als ich gedacht hatte. Gestern Abend hatte es nämlich nicht den Anschein gemacht, als hätte sie sich Mühe gegeben, die Burg wie abgesprochen zu stürmen...zugegeben, dass hatte mich enttäuscht. Und verärgert.
„Ich hab das Bedürfnis Haare zu waschen.“, murmelte ich und stand auf. Suzies Hand gegriffen, zog ich sie sacht vom Tisch.
„Haare waschen? Klingt gut.“, sie ließ sich darauf ein und schon ließen wir die Jungs für einen Moment alleine - in der Hoffnung, dass sie sich benehmen würden.
Hinter mir schloss ich die Badezimmertür und setzte mich mit Handtüchern beladen auf den geschlossenen Toilettendeckel, während Suzie sich nach vorne in die Dusche beugte und warmes Wasser über ihre Haare laufen ließ. Komischerweise hatte sie kein Wort verloren, also beschloss ich vorsichtig nachzuhaken: „Und? Hast du überhaupt geschlafen?“ - eine ganz einfache, unschuldige Frage. Suzie stellte das Wasser ab und griff sich die Shampooflasche. „Ab 7 Uhr hab ich ein wenig geschlafen, ja.“
7 Uhr?! Meine Augen weiteten sich verwundert. Wann hatte ich das letzte mal auf die Uhr gesehen? Kurz bevor wir uns hingelegt hatten...das war gegen 3 Uhr gewesen. Und spätestens um halb 4 war ich eingeschlafen.
„Wieso erst so spät?“, auf diese Frage schenkte sie mir ein freches Grinsen. Also doch! Ich wurde sogleich hellhöriger, als wäre ich auf pures Gold gestoßen - das musste jetzt allerdings noch ausgegraben werden!
„Ich höre.“ - Und schon begann sie mir seufzend von ihrer Nacht zu erzählen.
„Eigentlich hatte ich ihn nicht küssen wollen...nicht schon auf dem DVD-Abend. Aber als er es drauf angelegt hat, konnte ich einfach nicht mehr nein sagen.“
Sie hatten sich also geküsst. Immerhin! Und dieses mal sogar von ihm aus...braver Junge.
„Ein gute Nacht Kuss also, ja? Und dann? Ihr habt doch nicht...?“
„Nein,natürlich nicht! Immerhin waren wir nicht alleine.“
„Also ist es beim küssen geblieben, ja? Schwer vorstellbar...“
„Das habe ich nicht gesagt...ich habe nur gesagt, dass es nicht zu weit gegangen ist.“, erneut grinste sie vielsagend. Ich wusste es!
Während wir uns also abwechselnd die Haare wuschen und anschließend föhnten, erzählte mir Suzie genaueres über ihre erfolgreiche Nacht - wer hätte gedacht, dass James so rangehen konnte? Und als mit Frühstück ausgestattet zurückkamen und die Jungs wieder eingeschlafen auffanden, sah ich James plötzlich mit ganz anderen Augen. Es waren also doch alle Männer gleich...? Wir belegten uns Brötchen, hatten Tee und Kaffee gemacht und uns eine neue DVD eingelegt, während die Jungs gerade wieder zu sich kamen und sich zu uns gesellten. James und Suzie verhielten sich jedoch auffallend zurückhaltend. Das konnte daran liegen, dass man es sich mit zu viel Nähe schnell bei ihr verspielen konnte...oder einfach daran, dass sich etwas ernstes zwischen ihnen anbahnte.

Erst am Abend war ich Zuhause angekommen. Wir hatten brav aufräumen geholfen und uns dann alle auf den Weg gemacht. In Ruhe hatte ich meine Sachen ausgepackt und hatte mich wie fast jeden Abend mit meiner Schwester außeinandergesetzt.
Als ich den Fernseher des Wohnzimmers ausgeschaltet hatte und auf die Uhr sah, war es bereits kurz vor Mitternacht, also schleppte ich mich nach oben in mein Zimmer. Suzie hatte mal wieder Glück gehabt, wurde Zeit auch meinem Glück auf die Sprünge zu helfen. Und wenn es mal wieder nur unpersönlich sein würde.
Ich lies mich auf meinen Schreibtischstuhl fallen und startete meinen PC - vor dem ich in letzter Zeit immer endete.
Kaum war er hochgefahren, hatte James sich bei mir gemeldet.
„Und wieder darf ich einer von Suzies Beziehungen auf die Sprünge helfen.“, murmelte ich stolz vor mich her und klickte meinen Posteingang an.
Wir führten eine ganze Weile lockeren Smalltalk, bis ich auf die Frage gekommen war, wieso er so spät noch vor seinem PC saß.
Er begann mir von einem Abend mit seinen Freunden zu erzählen. Sie mussten ausgelassen gefeiert haben...und die kleine, die Suzies Panik-Attacke und die Verlustangst hervorgerufen hatte, war auch mit von der Partie gewesen.
Ich glaube, ich habe mich wirklich in Gina verliebt. - Das war der Satz, der meinen Wutausbruch ausgelöst hatte. Ich hatte kein Blatt vor den Mund genommen und James gehörig die Leviten gelesen - Was glaubte er wer er war? Der Womanzier des Jahres? Nein, sicher nicht...dazu sah er nicht gut genug aus!
Wer zur Hölle war Gina?!
Was zur Hölle hatte er heute Abend getrieben?!
Wieso zur Hölle hatte er sich an Suzie rangeschmissen?!
Doch am wichtigsten war...wie zur Hölle sollte ich Suzie das beibringen?!
Mein Blick wanderte zu meinem Telefon. Nein, nicht heute Abend...oder doch?
Und hinüber war meine Einstellung zu Suzies neuer Beziehungsidee...ich hasste den Kerl.





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✝ Joshua Conner - Any questions? ✝
→ Beziehungsstatus: Vergeben an Claire.

It was the type of feeling that can't be explained -
The way she moved her lips drove me insane.
It's getting hard, I know, believe me I feel you...
I can't fall asleep knowing you're not home.
Is it too much to ask, can't you just pick up the phone?




Jason ...
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...   Erstellt am 06.12.2011 - 20:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 9 - Broken Hearts Parade...

→ Suzie Hatcher

Natürlich erfuhr ich von der Erfüllung des Wochenendes, die James Jessy gestanden hatte. Wozu ich mich entschlossen hatte? - Rache!
Niemand legte sich so mit mir an...nicht, wenn es keinen Grund gab. Und erstrecht nicht, wenn man sich erst an mich ranschmiss und sich einen guten Freund von mir nannte.
Ted hatte Recht gehabt - James war ein überheblicher Arsch...! Und das wollte ich ihm zu spüren geben. Doch wo endete ich?
Nach einer weiteren Woche in der puren Ignoranz die ich James lieferte - womit wir also wieder am Anfang angelangt waren - lag ich am nächsten Wochenende, zu Jessys Geburtstag, betrunken und in Selbstmitleid badend auf ihrem Bett. Sie feierte nicht groß, da sie der Meinung war der 17. Geburtstag war nichts besonderes. Richtig Party gab es erst wieder ab dem 18. Sollte mir recht sein...so konnte ich mein Tief ungestört bei ihr ausleben und musste nicht länger aufgesetzt lachend durch die Gegend hüpfen und so tun, als würde mir sein Verhalten egal sein, weil ich sowieso nichts von ihm wollte.
Mein Glas Whisky angehoben sah ich sie deprimiert an: „Scheiß auf die Kerle, die haben uns nicht verdient.“ - denn nicht nur mich hatte die Realität geohrfeigt...

→ Jessica Baker

Ja, auch ich war auf die Nase gefallen...mal wieder.
Patrick hatte sich nicht mehr bei mir gemeldet. Weder übers Internet, noch in der Schule.
Dabei war ich ihm immer extra über den Weg gelaufen und hatte ihm heimliche Blicke zugeworfen. Und obwohl ich ihm des öfteren absichtlich über den Weg gestolpert war und er mich gar nicht hatte übersehen können, würdigte er mich keines Blickes.
Stattdessen verschwendete er seine Zeit damit, einer unscheinbaren Blondine seines Jahrgangs nachzurennen...die Kleine war mir zwar nicht neu - damals auf dem Fest, auf dem Suzie von mir dazu gezwungen wurde ihre Gefühle James zu gestehen, hatte die Kleine ebenfalls verdächtig oft an ihm geklebt - doch hatte ich diese schmerzende Tatsache verdrängt und mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht...jetzt tat ich es.
Völlig neu hingegen war sein Verhalten. Immer wieder sichtete man die beiden zusammen. Lachend, herumalbernd, sogar den ein oder anderen zaghaften und doch vielsagenden Blick übersah ich nicht. Ich gestand ihn mir nur nicht ein. Für mich kam nur ich an seiner Seite in Frage...er brauchte mich! Wobei, nein. Wenn ich einmal ganz kurz ehrlich zu mir selbst war, dann schien er mich nicht im Geringsten zu brauchen - ich brauchte ihn.
Ich hatte die Nase voll davon an die falschen Kerle zu geraten, die mich ohnehin nicht glücklich machen konnten.
Ich hatte die Nase voll davon alleine zu sein...und obwohl ich keine guten Erfahrungen in Sachen Beziehungen gemacht hatte und Suzies Lebenseinstellung, dass es die wahre Liebe ohnehin nicht gab und alles bloß auf der puren Angst des Alleinseins beruhte, teilte...wollte ich ihn mehr als alles andere in meinem Leben. Wieso? Ich wusste es nicht - wer seine Liebe erklären kann, liebt mit dem Kopf, nicht mit dem Herzen.
Und so hob auch ich mein Glas an und schenkte ihr ein geknicktes Lächeln, bevor wir anstießen und beide in einem Zug unsere Drinks leerten. Insgeheim war ich froh, dass wir beide zur selben Zeit einen Rückschlag erlitten hatten...so war keine von uns mit ihrem Kummer alleine. Und mit jedem Schluck sah ich Suzies gewohntes Selbstbewusstsein und ihren anfänglichen Optimismus immer mehr verschwinden. Wann hatte sie das letzte Mal einen Korb bekommen? Konnte man Dan Fox dazu zählen...? Vielleicht. Und falls nicht...tja, dann war dies hier das erste Mal. An meinen ersten richtigen Liebeskummer konnte ich mich noch ganz genau erinnern - Deon. Er hatte mich damals zerstört, als er mir ins Gesicht gelacht hatte und dabei die Worte: „Das mit uns wird nichts.“, an mich gerichtet hatte. Erst Wochen später hatte Suzie mich aus meinem Zimmer locken können und mich erfolgreich Stück für Stück wieder aufgebaut. Neben ihren Sorgen schienen meine plötzlich ganz klein, obwohl sie mir noch immer schwer im Magen lagen.
Bevor ich jedoch aufstehen konnte, öffnete sich ruckartig meine Zimmertür und meine kleine Schwester erwischte uns in flagranti mit einer frisch angebrochenen Whiskyflasche, die Percy mir zum 17. geschenkt hatte. Sie riss die Augen weit auf und schob die Tür hinter sich zu. Suzie war gerade dabei nachzuschenken und drehte sich nicht einmal zu Julie um, die ihr egal zu sein schien.
„Seid ihr irre?! Was tut ihr da?! Was ist, wenn euch jemand erwischt - ihr seid tot!“, sprudelte es hektisch aus ihr heraus. Wir hatten unser eigenes Stockwerk. Meine Eltern ließen sich, wenn ich Besuch hatte, nur äußerst selten hier Blicken, also winkte ich gelassen ab: „Mach mal halb lang. Uns erwischt keiner.“
Julie wollte gerade wieder protestieren, als ihr Suzies Gesicht auffiel. Verwundert zog sie die Augenbrauen zusammen und setzte sich zu ihr aufs Bett.
„Su? Was ist los?“, und kaum hatte sie angefangen meiner Schwester, die durch mich auch eine Art Freundin von ihr geworden war - oder vielleicht sogar zusätzliche kleine Schwester -, zu erzählen was passiert war. Am Ende der Geschichte, die mit dem letzten Satz endete, den ich von James gehört hatte, liefen ihr plötzlich Tränen über die Wangen.
Beinahe hektisch zappelte Julie vor Suzie rum und nahm sie schließlich unbeholfen in den Arm. Hatte Julie sie vorher schon einmal weinen gesehen? Sogar ich tat das äußerst selten...sie weinte nicht. Erstrecht nicht wegen eines Jungen - jetzt schon. Und genau diese Situation überforderte uns beide völlig.
„Nicht weinen Suzie, bitte.“, wollte Julie sie trösten und sah mich hilfesuchend an.
„Er ist das nicht wert...du bist wundervoll.“, traurig schüttelte sie den Kopf, wich von meiner kleinen Schwester zurück und trocknete still schweigend ihre Tränen, als wäre es ihr peinlich gewesen den Kampf gegen sie verloren zu haben.
Ich musste zugeben. Mir ging Suzies Stimmung sehr nahe...sie rührte sogar mich beinahe zu Tränen. Wer sah seine beste Freundin schon gerne weinen? Und hinzu kam, dass auch mein Ego mal wieder gewaltig angekratzt war - doch ich konnte mich fangen.
„Wir machen jetzt etwas lustiges - zur Ablenkung!“, beschloss Julie und versuchte aufmunternd zu lächeln, ehe sie aufstand und mich neben Suzie auf das Bett zitierte.
Sie reichte mir mein nun wieder gefülltes Glas und erblickte an der Seite des Bettes eine ungeöffnete Wodkaflasche. Natürlich...wenn wir abstürzten, dann war unser bester Freund der Wodka immer mit dabei - aber das wisst ihr mittlerweile.
„Ähm...wollt ihr euch umbringen?“, Julie zeigte auf die Flasche und sah dann streng zu uns. Ich beugte mich zur Seite und griff nach der Flasche, diese hatte Su mitgebracht.
„Oh Mist!“, meldete sich Suzie endlich wieder zu Wort und nahm mir die Flasche aus der Hand: „Die kann ich unmöglich wieder mit heim nehmen...ich verstecke die schon Tage lang in meinem Rucksack. Meine Eltern würden ausrasten.“, wir tauschen bloß einen kurzen Blick aus und ich wusste sofort was in ihrem Kopf vorging. Schulterzuckend trank ich einen großen Schluck meines Whiskys, Suzie tat es mir nach.
Kaum war genug abgetrunken, setzten wir die dämlichste Idee, die uns jemals gekommen war in die Tat um und öffneten die Wodkaflasche, um ihren Inhalt mit unserem Whisky zu mischen. [Macht das besser nicht nach, liebe Kinder! Niemals!]
Julie traute sich nicht uns reinzureden und ließ sich bloß seufzend auf meinem Schreibtischstuhl nieder, während sie uns den Drink des Todes probieren ließ.
Mir zog sich jeglicher Gesichtsmuskel zusammen und die Mischung drohte all meine Geschmacksnerven qualvoll zu töten, doch... was im Glas endete musste getrunken werden... „Okay...was war doch gleich deine Idee?“, wand ich mich an Julie.
Freudig klatschte meine Schwester in die Hände, als hätte sie den ganzen Abend auf nichts anderes gewartet. Ich merkte bereits wie mein Kopf schwerer und mir langsam warm wurde. Nicht mehr lange, dann endete das hier in einer Katastrophe - ich sah es kommen, trug in mir jedoch das tiefe Bedürfnis meinen Kummer für einen Moment zu ertränken, auch wenn man das eigentlich nicht tat und das für mich Neuland war.
„Wir spielen ein Spiel...ich stelle Fragen und wer sie als erstes richtig beantwortet, hat gewonnen. Der Verlierer muss einen Schluck von diesem...Zeug...trinken.“, stolz über ihre Idee sah Julie uns an und wartete auf unsere Einwilligung - die sie zu unserem Übel bekam.

→ Suzie Hatcher again

Ich musste zugeben, mir gefiel die Idee irgendwie. Ablenkung war bei mir im Moment gerne gesehen, außerdem wollte ich nicht wieder über James reden müssen - aus Angst vor einem weiteren Zusammenbruch, den er nicht verdient hatte.
Dass Julie uns sozusagen ein Trinkspiel vorschlug, obwohl sie gegen das Konsumieren von Alkohol war, unterhielt mich sogar. Und kaum hatten Jessy und ich zugestimmt und uns aufgerichtet, verkündete Julie grinsend die erste Frage. Ich gab mir alle Mühe gerade zu sitzen, doch musste ich erkennen, dass mir das bereits schwer fiel.
„Okay, das erste Gebiet nennt sich Mathematik!“, verkündete Julie und gab sich alle Mühe nicht über unsere Gesichtsausdrücke zu lachen. Mathe? Wo war ich hier? In der Schule...?! Seufzend sah ich sie an und wollte protestieren, doch dazu ließ sie mir keine Zeit: „10*3?“, fragte sie belustigt. Sie ritt eindeutig auf unserer akuten Mathephobie herum.
Unheimlich jedoch war viel mehr, wie lange wir überlegen mussten...ja, wir waren absolute Versager in Mathe. Doch so schlimm war es nicht! Dieses peinliche Ereignis konnte ich also getrost auf den Alkohol schieben. „30...?“, antwortete Jessy vor mir zögernd, was Julie dazu verleitete laut zu lachen: „Ihr seid so unglaublich schlecht in Mathe...“, brachte sie hervor, und krümmte sich leicht. „Aber du hast Recht. Su, trink!“, sie schien Gefallen an ihrer Rolle der Ansagerin zu fressen und ich tat, was sie sagte.
„12*6?“, und wieder Mathe, was mich und Jessy erneut die Augen verdrehen ließ.
„72!“, rettete ich jedoch meine Ehre, doch Jessy widersprach und so überdachte ich meine Rechnung. „Sie hat recht...“, doch Julie sah man ebenfalls an, dass Jessy sie verwundert hatte. „Nein, 74!“ - und schon begannen Julie und ich zu lachen. Es dauerte einige Sekunden bis Jessy ihren Fehler einsah und beschämt wegsah: „Okay, okay...ich trinke.“ - gesagt, getan.
Es folgten weitere Fragen und andere Spielchen bei denen Julie uns immer weiter an den Abgrund führte und als Jessy bloß noch am Lallen, laut Lachen und Meckern war, verzog sich Julie genervt. Ich hatte ihr grinsend nachgesehen und Blicke auf mein halbvolles Glas nieder. Das würde ich nie im Leben alles noch trinken können...
„Su?“, vernahm ich plötzlich Jessys Stimme, die nur noch ein angestrengtes Flüstern war. Ich hatte den Kopf gehoben und sie angesehen. Ihre Augen waren rot und ich war mir sicher, dass das nicht am Alkohol lag. Sie hatte mir von Patrick und ihren Sorgen erzählt, als ich unbeschwert gespielt hatte. „Er will mich nicht mehr. Ich habe meine Chancen nicht genutzt und deswegen gewinnt eine andere...ich hätte nicht immer so feige flüchten sollen, sobald eine Sekunde des Schweigens eintrat...“, und dann fing auch Jessy an zu weinen. Seufzend nahm ich ihr das Glas ab und stellte meines ebenfalls weg, um sie in den Arm nehmen zu können. Erschreckenderweise fühlte ich mich plötzlich wieder viel besser. Als hätte mich ihr Zusammenbruch zurück auf den Boden geschubst und mich dazu gezwungen, klar im Kopf zu werden. Wir waren sonst nie gleichzeitig betrunken, damit eine immer auf die andere aufpassen konnte. Ihr behutsam übers Haar gestrichen, suchte ich nach den richtigen Worten, doch ich fand keine. Wir hatten beide selbst Schuld an unserer Situation...ich hatte James damals loswerden wollen, jetzt wollte ich nichts mehr als ihn behalten. Und Jessy? Tja, Jessy hatte stets darauf gewartet, dass Patrick auf sie zuging und hatte selbst nur viel zu selten den Schritt gewagt. Jetzt konnte es zu spät sein.
Doch diese Gedanken behielt ich lieber für mich, da sie keineswegs aufmunternd waren.
„Ich habe alles kaputt gemacht...“, schluchzte sie ungehalten und lehnte den Kopf an meine Schulter. Und auch ich konnte nicht anders, als mich von ihrer Laune anstecken zu lassen und erneut den Tränen freien Lauf zu gewähren.
Als die Tür zu ihrem Zimmer erneut aufgerissen wurde, sah keine von uns beiden auf.
Julie stand erneut im Türrahmen und beäugte uns verständnislos.
„Ich hasse Alkohol.“, schimpfte sie genervt: „Ihr habt echt einen an der Klatsche!“, und schon flog die Tür wieder zu.

Wo wir nach weiteren Minuten der Sentimentalität endeten?
Dreimal dürft ihr raten...es hatte keine 20 Minuten gedauert, da war ich mit Jessy im Schlepptau ins Badezimmer gestolpert und hatte sie über der Kloschüssel platziert, die sie bereitwillig und dankbar umarmte. Nicht alles, dass sie im Bad eingeschlafen war...
Und natürlich blieb unsere Privatparty nicht unentdeckt, da Jessy nachdem sie sich ausgeschlafen hatte auch am Morgen noch hektisch das Bad aufgesucht hatte.
Doch Ärger hatten wir keinen bekommen...unsere Eltern verließen sich auf uns. Und auch wenn wir gerne einmal einen Drauf machten und das nicht selten vorkam. So schlimm waren wir sonst nie gewesen...und passiert war uns auch nie etwas.

Das war der Abend der Jessy die Vorliebe für Whisky gestrichen hatte.
Und er brachte noch etwas Gutes zum Vorschein...wenn man sich erst einmal so richtig ausgeheult hatte - ob nun betrunken oder nicht - fühlte man sich gleich viel stärker. Ich wusste jetzt, was ich wollte! Ich wollte James entweder endgültig vor die Wahl stellen und ihn an meiner Seite sehen...oder ihn bluten lassen. Und dreimal dürft ihr raten, was mir von Anfang an besser gelang...

→ Jessica Baker

Am Abend hatte ich mich endlich wieder besser gefühlt.
Und ganz heimlich hatte es mich wieder vor den PC gezogen.
Eine gefühlte Ewigkeit hatte ich Patricks Anzeigebild in meiner Kontaktliste angestarrt und auf ein Wunder gehofft. Doch nichts passierte. Mitten in der Nacht hatte mich schließlich die Müdigkeit übermannt und ich war missmutig unter die Bettdecke geklettert.
Wo nahm Suzie den plötzlichen Mut her? An meiner Einstellung hatte sich nichts geändert...noch immer war mir zum Weinen zumute, doch ich gab mir alle Mühe mich zurückzuhalten und zog die Decke enger um mich. Hatte ich wirklich schon verloren...?





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✭ I'm Jason - Interested? ✭
→ Beziehungsstatus: Kompliziert

Smack it up, smack it up - If you act a bitch to me.
Stack it up, stack it up - If you fuckin' rich as me.
This ain't a love song...This ain't a broken heart homie
singin' only 'cause he's lonely.




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...   Erstellt am 07.12.2011 - 19:20Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kappii 10 - Pain...?

→ Suzie Hatcher

Ja, wir hatten Ärger dank der 2-Mann-Party bekommen.
Und ja, seitdem hasste Jessy Whisky mehr als das blonde Mädchen an Patricks Seite.
Ich hatte Hausarrest aufgebrummt bekommen - da Jessys Eltern mittlerweile gute Freunde meiner Eltern waren und schadenfroh gepetzt hatten [...wenn ihr schlau seid, lasst es niemals so weit kommen - befreundete Eltern machen nur Ärger!...] -, doch war es für meine Eltern üblich, dass sie solche Strafen nicht lange durchzogen und nach einer Entschuldigung alles wieder vergaßen - So also auch diesmal. Jessys Eltern waren strenger...und so hatten wir uns dazu entschieden, uns zurückzuhalten und eine nächste Übernachtung aufzuschieben.
Normalerweise endeten wir beide alleine nicht in solchen Situationen, doch hatten wir unsere Gründe gehabt...ihren Geburtstag und die unheimliche Macht unserer Emotionen.
Die folgenden Tage liefen also eher eintönig ab. Ich saß viel zuhause herum, drückte mich um jegliche Schulaufgaben und fiel meiner kleinen Schwester auf die Nerven. Doch gibt es auch Positives zu berichten...ich hatte es geschafft James gnadenlos zu ignorieren. Er hatte einige verständnislose Anläufe versucht, um mir zu entlocken, was mich so handeln ließ - doch hielt ich dicht. Sollte er sich ruhig den Kopf zerbrechen. Wobei, eigentlich lag es doch auf der Hand, oder? [Wieso gehen Kerle eigentlich immer davon aus, dass beste Freundinnen sich nicht wirklich alles erzählten, sondern diesen Spruch nur aus Höflichkeit äußerten? Jessy und ich schwiegen uns jedenfalls nicht an...davon abgesehen, dass wir kleine Plaudertaschen waren, waren Themen wie dieses wichtig. Das behielt man nicht für sich und ließ die jeweils andere ins offene Feuer rennen.]
Doch irgendwann hatte er es morgens geschafft mir so auf die Nerven zu gehen, dass die Worte wütend und rücksichtslos aus mir herausplatzten - so war Wortkotze nunmal, knallhart. „Tu nicht so, als gäbe es keinen Grund für mich dich auf immer zu verabscheuen!“, hatte ich ihn angebrüllt. Zwar hatte er mich von den anderen weggezogen und sich ein paar Meter mit mir entfernt, doch ging ich davon aus, dass man uns hören konnte. Mich zumindest: „Ich bin Geschichte, okay? So behandelt man keine Leute, die einem angeblich wichtig sind!“, perplex sah er mich an, während ich sprach, was mich noch wütender machte. „Beruhige dich und sprich normal mit mir...“, doch ich ignorierte auch diese Bitte. Normal sprechen? Wir waren hier nicht bei Wünsch dir was - wären wir dort gewesen hätten Jessy und ich längst bekommen was wir wollten. Patrick und James.
„Ich rede mit dir, wie ich will! Am besten du lässt mich ein für alle mal in Ruhe! Du hast mit dem ganzen Unsinn angefangen! Ich bin doch nicht deine Bettgeschichte für zwischendurch!“, er zog die Augenbrauen zusammen und öffnete die Lippen, um zu protestieren wobei er meinen Arm griff und leicht festhielt - wahrscheinlich wollte er mich beruhigen, doch war ich völlig in Fahrt gekommen. Und wenn ich erst einmal loslegte, beruhigte ich mich erst dann, wenn ich mich dazu entschied...und das war eindeutig noch nicht jetzt. Meinen Arm weggezogen, funkelte ich ihn warnend an: „Fass mich nicht an, verzieh dich! Lass dich am besten von Gina trösten!“, dann suchte ich das Weite. Jessy hatte noch nicht bei den anderen gestanden, kam mir aber gerade nichts ahnend entgegen. Sie abgefangen, sprach mein Blick wohl Bände, also sagte sie nichts und begab sich mit mir auf den Pausenhof für eine Notsitzung - ich brauchte Beistand, dachte sie. Dabei fühlte ich mich gerade wirklich gut.
„Soll er nur sehen, wer ihm wichtiger ist...“, grummelte ich leise. Ja, sie oder ich!
Und damit war das Thema für die nächsten Tage durch. Weder sprechen noch sehen musste ich James, da er nun auch mich mied. Anfangs ging mir die ganze Situation näher, als ich zugeben wollte...und gerade als ich mich daran gewöhnt hatte, erwartete mich eines weiteren Morgens eine Überraschung. Ich war ohnehin spät dran gewesen und lief über den leeren Schulweg auf das Gebäude zu. Bereits von weitem hatte ich James erkannt und nahezu automatisch hatte sich mein Schritttempo verringert. Was nun? Wartet er auf mich? Ich zögerte und überlegte krampfhaft, wie ich reagieren sollte. Ich biss mir auf die Unterlippe und senkte den Blick, sodass mir die Haare ins Gesicht fielen. Wieso jetzt? Ich war kurz davor gewesen mit dem Theater abzuschließen.
Und als ich drauf und dran war einfach an ihm vorbei zu gehen, blieb ich plötzlich doch auf seiner Höhe stehen und drehte ich seufzend zu ihm: „Was willst du?“, ich hatte gemerkt, wie er mich angeschaut hatte und als ich aufsah, trafen sich unsere Blicke endlich. Er sah unsicher und deprimiert aus. Sehr deprimiert...
„Hör mal, ich kann nicht ohne dich, Su. Bitte lass uns in Ruhe reden.“
„Eigentlich habe ich keine Lust zu reden.“, antwortete ich trotzig und drehte den Kopf weg.
„Sei nicht so stur...bitte. Du hast ja keine Ahnung, wie wichtig du mir bist...ich dachte nur immer...“, und weiter kam er nicht, da ich ihn unhöflich und feige unterbrach.
„Hör mal, ich bin echt spät dran...ich muss rein.“, eine lahme Ausrede. Immerhin hatte er genau so Unterricht, wie ich. Doch ich ließ mich nicht davon abbringen und schritt eilig davon, bevor er noch etwas sagen konnte.

→ Jessy Baker on her way.

Auch ich war an dem besagten Morgen zu spät...normalerweise traf ich Suzie oft vor dem Unterricht, dann suchten wir beide unsere Klassen auf, da wir nach den ganzen Wochen noch immer keinen Überblick in den neuen Schulgängen fanden.
Doch dieses Mal traf ich nicht Jessy an, ich traf James an. Kaum hatte er mich gesehen, bewegte er sich langsam auf mich zu. Ich zog die Augenbrauen zusammen. Er hatte mich völlig aus dem Konzept gebracht. Gerade hatte ich mir noch Mut zugeredet, Patrick heute abzufangen...vielleicht würde ich ja nach der Schule ein Stück mit ihm laufen können. Und wenn er in eine andere Richtung musste - auch kein Problem. Ich würde einfach so tun, als wäre unser Heimweg derselbe.
„Jessy? Warte mal kurz.“, hatte James das Wort ergriffen und ich blieb stehen.
Er sah aus, als hätte er drei Tage nicht geschlafen. Seine Stimme klang leise und vorsichtig, beinahe so als könnte ich ihn bei jedem möglichen falschen Wort anfallen.
„Was...?“, zwang ich mich seufzend dazu, ihm eine Chance zu geben.
„Es tut mir Leid...wirklich. Ich wollte niemandem wehtun - erstrecht nicht Suzie. Ich hatte nur Angst um unsere Freundschaft und deswegen...“, versuchte er mir zu erklären und sah vor sich auf den Boden. Wie ein kleiner Junge, der gerade gestand, dass er eine wichtige Regel gebrochen hatte und deswegen hilflos seiner Strafe ins Auge blickte.
In meiner Magengegend machte ich auf einmal unheimliches Mitleid breit...so kannte ich James gar nicht. Zerbrechlich und verletzt. Ich kramte in meinem Oberstübchen nach aufmunternden Worten, doch war ich darin nicht besonders gut...erstrecht nicht James gegenüber, da das positive Bild, das ich von ihm hatte, bei mir völlig ins Negative abgerutscht war. „Suzie geht‘s gut...“, versicherte ich ihm also schief lächelnd.
Und dann das unerwartete...als er aufblickte, hatte er Tränen in den Augen.
Ich blinzelte überfordert, und dachte im ersten Moment, dass meine Wahrnehmung mir einen Streich spielte. Vielleicht musste ich zum Augenarzt...
Doch als ihm die erste Träne heimlich über die Wange lief, ergriff mich mein schlechtes Gewissen völlig. Der arme Kerl litt! Streit hin oder her...wir waren einmal Freunde gewesen und das hier konnte ich nicht mit ansehen - Suzie musste geschimpft werden!
„Hey, nicht weinen. Halb so wild, lass ihr einfach erstmal etwas Zeit.“
„Jessy? Pass auf Suzie auf, ja?“, und dann drehte er sich um und lief davon. Ich war schockiert zurückgelassen worden und schluckte schwer, wobei ich mich selbst dabei erwischte, Tränen zu unterdrücken. Was war nur alles kaputt gegangen? Sie hatte es tatsächlich geschafft. [Ich habe es euch ja gesagt, Suzie bekam immer was sie wollte!]
Als ich mich wieder gefangen hatte, schüttelte ich den Kopf, als wäre alles bloß ein Traum gewesen, doch wusste ich, dass es wirklich passiert war. Meine Beine bewegten sich wie von selbst, trugen mich die Treppe hoch und bogen in den Flur in dem Suzie bereits mit ein paar Leuten ihrer Klasse stand. Sie hatte mir den Rücken zugewandt, was sie erschrocken herumfahren ließ, als ich ihren Unterarm grob griff und mitzog: „Ich muss mit dir reden - JETZT.“, mein Weg führte ins Mädchenklo, wo sich um diese Uhrzeit noch niemand befand. Und es roch sogar noch überraschend...menschlich annehmbar.
„Was ist los...?!“, hatte sie die paar Meter über protestiert und wollte sich losmachen, doch gelang es ihr nicht.
„Wie machst du das eigentlich...jeder deiner Kerle heult sich bei mir aus!“, schimpfte ich los und verschränkte die Arme. Damals hatte Dean bereits bei mir geweint, nachdem Suzie Schluss gemacht hatte. Und eigentlich griff Suzie sich keine Heulsusen, ganz im Gegenteil...sie verwandelte nur jeden Typ in eine.
„James, richtig?“, er hatte also auch schon sie abgefangen? Ich war mir nicht sicher, ob ich wissen wollte, was sie ihm an den Kopf geworfen hatte, dass ihn zum Weinen gebracht hatte. „Ich habe nichts getan, er ist der Übeltäter - das weißt du. Ich habe ihm unten lediglich gesagt, dass ich weder Zeit noch Interesse an einer Aussprache habe.“
Ich legte den Kopf schief. Tja, manchmal konnten auch kleine Worte das Fass zum überlaufen bringen, es mussten nicht immer Schläge unter die Gürtellinie sein.
„Er hat geweint!“, Suzie hatte wild vor mir herum gestikuliert, hielt bei meinen ernsten Worten jedoch abrupt still: „...was?“, brachte sie schwach über die Lippen.
„Du hast mich schon verstanden, er bereut was er getan hat...du hättest ihn mal sehen müssen. Er ist total fertig, das ist schrecklich! Ich wusste, dass er in dich verliebt ist!“
Doch Suzie war nicht ganz so einfach zu überzeugen.
„...ich meine das ernst, rede mit ihm. Du machst ihn kaputt. Ihr wart immer füreinander da und jetzt? Jetzt gibst du ihm das Gefühl ein verhasster, ungeliebter Vollidiot zu sein.“
„Seit wann nimmst du ihn in Schutz?! Er hat es verdient...du weißt, wie ich mich gefühlt habe!“, ich seufzte leise und verdrehte genervt die Augen. Ja, ich war auf ihrer Seite – immer noch. Doch jetzt wussten wir, wie er litt. Und dass sie ihm wichtig war - so wichtig wie sie es sein wollte. Genügte das nicht?
„Es war einfach unheimlich traurig mit anzusehen...so traurig, dass ich beinahe mitgeweint hätte.“, sprach ich kleinlaut aus und wich ihrem Blick aus. Ich wusste, was jetzt kam...und siehe da meine Befürchtungen wurden wahr: Sie lachte.
Und weil sie es laut und ungehalten tat, konnte auch ich mich nicht zurückhalten und stimmte in ihr Lachen ein. Plötzlich war meine Wut auf sie und meine Sorgen über ihn vergessen. Suzie würde das schon regeln...oder?

→ Let‘s listen to Suzie.

Zugegeben...ich war ziemlich schockiert über Jessys Neuigkeiten.
Und wie das bei Frauen so war, redete ich darüber. Es war nicht so, dass ich es rumerzählte. Eigentlich hatte ich es auch bloß Tia anvertrauen wollen, um ihre Meinung zu hören...sollte ich ihm eine Chance geben und hatte ihn genug zappeln gelassen oder war er womöglich doch einfach der Falsche für mich?
Doch irgendwie schien das Thema Suzie&James zu viele Interessenten zu finden, sodass auch Personen, die ich nicht direkt darauf angesprochen hatte, ihre Ohren dort platzierten, wo sie auch bloß kein Detail verpassten.
„Er hat wirklich geweint?!“, platzte es Jenna auf dem Heimweg heraus und somit ließ sie mich diese Frage erneut seufzend mit einem Nicken beantworten.
„James...? Wow...so kenne ich ihn garnicht.“ - Ja, das hatten auch alle erwähnt.
„Moment,du hast ihn zum weinen gebracht?!“, mischte sich nun auch Ted ein, der oft mit uns lief, da er in die selbe Richtung musste. Ted und Jenna waren soetwas wie beste Freunde, hatte ich in Erfahrung bringen dürfen. Und wenn Jenna wirklich schockiert über meine Neuigkeiten gewesen war, würde sie Ted früher oder später sowieso davon erzählen - Plappern war typisch für Frauen, wie gesagt. Lachend warf Ted einen Arm um mich und drückte mich leicht an sich, was mich irritiert zu ihm hochsehen ließ.
„Ich fange an, dich immer mehr zu mögen!“, lobte er mich stolz und ließ dann auch schon wieder von mir ab. Zugegeben...ich hatte auch lachen müssen. Aber eigentlich eher aus Verblüffung. Jetzt, wo ich länger über die Umstände nachgedacht hatte, machte es mir doch zu schaffen. „Rede endlich mit ihm und erlöse ihn von seinem Leid!“, Jenna stieß mir ihren Ellenbogen in die Seite und ließ mich zusammenzucken.
Doch ich fand nicht den Mut dazu...
Den gesamten Rest der Woche setzte ich meine Flucht vor James fort.
„Suzie! So machst du es nur noch schlimmer.“, seufzend verschränkte Jessy die Arme und sah auf mich herab. Sie stand ungeduldig vor mir, während ich mich auf die ersten Stufen einer Treppe des Schulgebäudes gesetzt hatte: „Wovor drückst du dich?“
Wovor...? Eigentlich wusste ich das selbst auch nicht so genau.
Vielleicht vor einer plötzlichen Beziehung mit einem guten Freund?
Vielleicht aber auch vor der Möglichkeit, dass wir uns nicht zusammenrauften und für immer mit Ignoranz strafen würden...wollte ich ihn überhaupt noch?
„Ich weiß nicht, ob ich ihn noch will...“, bei diesen Worten verengten sich Jessys Augen prüfend. „Süße...wann hast du das letzte Mal so einen Aufstand wegen einem Kerl geprobt? Lass mich überlegen...“, sie legte den Kopf schief und sah gespielt nachdenklich in die Luft: „...ahh! Noch nie. Als ob du ihn nicht wollen würdest...du leidest ganz einfach unter akuter Bindungsangst. Du siehst einen Kerl, willst ihn unbedingt haben und wenn er dich auch will, verlierst du den Mut und schließlich das Interesse.“
Jessy hatte Recht...ich war gegen Beziehungen. Woher das kam? Tja, vielleicht von den Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit bisher gesammelt hatte. Man malte sich alles nahezu perfekt aus und im Endeffekt wurde einem bloß jegliche Freiheit geraubt und keine Luft zum Atmen gelassen. Und weil ich ein Mensch war, für den es unmöglich schien 24 Stunden mit ein und der selben Person zu verbringen, weil ich auch mal meine Ruhe brauchte, war ich mir in jeder Beziehung vorgekommen, als hätte man mich in Ketten gelegt... und mal ganz ehrlich, wer wehrte sich nicht gegen ein solches Gefühl und verlor die Lust?
Aber das schlimmste an der ganzen Sache war eindeutig, dass ich rücksichtlos anfing um mich zu schlagen, wenn ich mich eingeengt fühlte. Und dabei wurden oft Gefühle verletzt.
„Du weißt, wo das enden wird...“, seufzte ich leise und legte den Kopf auf den Knien meiner angezogenen Beine ab. „Schon möglich, dass es nicht hält und in die Brüche geht...aber dann hast du es wenigsten probiert. Und denk immer daran - Schnewittchen hatte vor ihrem Prinzen auch erst sieben Zwerge!“, Jessy sah mich grinsend an und schaffte es mal wieder mich aufzumuntern und mir ein halbherziges Lachen zu entlocken.
„Vielleicht ist er ja gar nicht so anhänglich und besitzergreifend, wie deine vorherigen Kerle es waren.“, Jessy zuckte mit den Schultern und streckte sich, als die ersten sich wieder in ihre Klassen begaben. Und so musste auch ich aufstehen und zu den letzten beiden Stunden antreten - Mathe. Herrlich...

Kaum war der Freitag vormittag abgeschlossen, hatte ich mich Zuhause in meinem Zimmer aufs Bett geworfen und nachdenklich an die Decke gestarrt.
Die Zeit arbeitete gegen mich und verflog viel zu langsam. Was den vielen Gedanken in meinem Kopf alle Zeit der Welt verschaffte, durch meinen Kopf zu jagen.
Ohne es wirklich zu bemerken war ich eingeschlafen und von dem Klingeln meines Handys geweckt worden. Mürrisch verzog ich das Gesicht und setzte mich mit zerzausten Haaren auf. Auf dem Display meines Handys blinkte der Name von Percy. „Huh?“
Mir kurz die Augen gerieben, hob ich ab und nahm Percys freudige Begrüßung wahr.
Wir unterhielten uns nicht lange,da er schnell zum Punkt kam: „Hast du Lust heute abend vorbeizukommen? Ich habe endlich eine eigene Wohnung und dachte, wir weihen sie mit einer kleinen Privatparty ein.“, im ersten Moment wusste ich nicht was ich antworten sollte. Eine Privatparty? Nur er und ich? Das klang nach Unanständigkeiten...und darauf würde ich mich was percy betrifft sicherlich niemals einlassen. Es gibt diese Menschen bei denen man sagt,dass man niemals etwasmit ihnen haben würde - und am Schluss kam doch alles anders. Doch zwischen Percy und mir würde garn sicher niemals etwas laufen!
„Ähm...alleine?“,hakte ich skeptisch nach und legte mir bereits eine mögliche Ausrede zurecht. „Nein,Dummchen. Jessy ist auch herzlich eingeladen. Und Tobi ist auch schon hier.“ - zu 4. also. Klang nicht nach einer großen,spannenden Feier...doch da ich ohnehin nichts vorhatte und percy mich nicht alleine empfangen würde,stimmte ich schließlich zu und klärte alles weiter ab. Jessys Nummer eingetippt, als ich aufgelegt hatte, konnte ich auch sie schnell überzeugen und so wurden wir um 22 Uhr von Tobi und Percy abgeholt um den nächsten Absturz zu erleben.

Percys Wohnung bot mir den Anblick eines typischen Männerhaushalts.
Zwar hatte er uns versichert für uns aufgeräumt zu haben, doch schien es so, als würden Kerle den Begriff Ordnung weitaus lockerer bewerten.
Meine Tasche abgestellt, schritt ich durch den schmalen Flur in einen Raum, der groß genug war, um das Wohn- und Esszimmer darzustellen. In einer verborgenen Ecke, die man erst auf den zweiten Blick bemerkte, hatte eine moderne Einbauküche ihren Platz gefunden. Stolz lächelnd hieß Percy uns in seinem trauten Heim willkommen und bot uns einen Platz auf dem Sofa an, den wir zufrieden annahmen. Nicht luxuriös, doch durchaus gemütlich und ausreichend. Besonders für heute Abend - oder Nacht - waren wir gut untergebracht. Jessy rutschte neben mir auf dem Polster rum und sprang dann auch schon wieder auf die Beine, da sie mal wieder nicht still sitzen konnte. Sie entschied sich, Percy mit den ersten Getränken und dem Knabberzeug zu helfen, welche sie eigentlich jedoch genaustens unter die Lupe nahm.
In der Zeit hatte Percy uns alle mit Bier versorgt. Ich hielt die geöffnete Flasche in der Hand und beobachtete die beiden, wobei mir Tobis Blick entging, der wohl die ganze Zeit über auf mir gelegen hatte. „Auf einen spannenden Abend!“, gab Jessy zufrieden von sich, als sie sich die erste Tüte Nachos gegriffen hatte, einen Schluck Bier nahm und sich dann begann mit dem Knabberzeug vollzustopfen. Sie hatte gemütlich neben mir gesessen und in kleiner Runde genehmigten wir uns unter lässigen Gesprächen Bierchen für Bierchen.
„Ich wusste nicht, dass du uns bloß eingeladen hast, um uns abzufüllen.“, ich begutachtete die Flaschen, die er auf der Theke der offenen Küche verteilt hatte.
„Nichts davon müsst ihr trinken.“, Schulternzuckend war er meinem Blick gefolgt.
Und dann sprach er an, worauf ich insgeheim schon die gesamte Zeit über wartete: „Wie läufts mit James?“ Percy kannte James eigentlich bloß vom Sehen, da James und ich damals nahezu ständig gemeinsam unterwegs gewesen waren und dabei das ein oder andere mal zufällig auch Percy getroffen hatten. Über den Reinfall unseres DVD-Abend-Plans wusste Percy mittlerweile auch Bescheid, da er mit seiner Fragerei - was nun aus ihm und mir geworden war - nicht locker gelassen hatte und ich irgendwann so genervt gewesen war, dass ich ihm den Vorfall geschildert hatte. Seufzend legte ich den Kopf in den Nacken.
„We oft werde ich diese Frage noch hören? Ich hab keine Ahnung, wie es läuft...“
„Eigentlich läuft es ja beschissen, weil Suzie noch immer feige vor ihm flüchtet, wenn’s drauf ankommt und sich endlich mal etwas tun könnte...“, mischte sich Jessy frech ein.
„Such dir nen anderen Kerl - Tobi ist single.“, lachend nickte Percy zu Tobi rüber, der schweigsam in einem Sessel saß und uns zugehört hatte. Ich zog die Augenbrauen grinsend zusammen, Tobi warf Percy einen verärgerten und doch verschämten Blick zu.
„Ich glaube...ich lasse noch eine Weile die Finger von Kerlen, bis mir der Richtige über den Weg läuft.“, winkte ich schief lächelnd ab, doch wieder meldete sich Jessy zu Wort: „Seit wann glaubst du an den Richtigen?“
Ich sah sie warnend an und schon verstummte sie entschuldigend.
„Für diese Begegnung hast du noch Zeit, du bist jung. Und wer weiß...vielleicht entpuppt sich ja jemand auf den zweiten Blick als diese eine Person.“, Percy ließ mal wieder nicht locker und ging in dem Thema auf, wie eine Blume im Frühling.
„Wie du schon gesagt hast, ich bin jung...ich habe Zeit.“, hakte ich das Thema Schulterzuckend ab und griff zur Ablenkung zu der Wodkaflasche.
„Ich bin dafür, dass wir anfangen zu mischen und mit ein paar Trinkspiele die Party etwas in Gange bringen!“, schlug ich vor und mein Plan ging auf - alle sprangen darauf an und das - mir unangenehme - Thema fiel unter den Tisch.
Es verging Runde um Runde und schnell stellte sich heraus, dass ich das Glück auf meiner Seite hatte, da ich höchtens zweimal zu meinem Glas greifen musste. Jessy hingegen verlor ständig und leerte den Inhalt der Flasche beinahe im Alleingang.
Doch hatte ich nicht gelogen, denn durchs Jessys überhebliche Art, die gelegentlich durch den Einfluss von Alkohol ans Tageslicht kam, wurden wir bestens unterhalten.
Irgendwann war sie jedoch nicht mehr in der Lage wirklich klar zu denken und auch wir drei machten langsam schlapp, also beschlossen wir, die Trinkspielchen bei Seite zu legen und uns anders zu beschäftigen. Der Nachteil an Alkohol? Man wurde bei einer leichten Überdosis auch gerne etwas sentimental...so auch Jessy. Ihre Laune schwang von einem Moment zum anderen um und plötzlich wirkte sie deprimiert und tief traurig.
Percy hatte sich zu mir aufs Sofa gesellt und einen Arm um mich gelegt, sodass ich mich bequem an ihn anlehnen konnte. Tobi pflanzte sich wieder in den Sessel. Bloß Jessy saß noch immer auf dem Boden vor den leeren Shot-Glässchen und füllte diese hochkonzentriert nach, wobei jedoch nicht alles dort landete, wo es sollte.
„Mach halblang, Kleines.“, warnte Percy sie grinsend vor und hatte sich noch ein Bier geöffnet, das er nun hielt.
„Nein...! Du bist Schuld daran, dass isch wieder überempfindlisch werde...“, brachte sie angestrengt heraus und bemühte sich klar und deutlich zu sprechen - doch scheiterte sie auch darin. Ich verdrehte die Augen, da mir völlig klar war was nun geschah: Wir würden uns erneut alles mögliche über ihren Rotschopf anhören dürfen, was sie bereits gefühlte tausend mal erwähnt hatte und dann...dann würde sie erkennen, dass er doch irgendwie nicht zu ihr und ihrem Leben passte und kein tiefergehendes Interesse an ihr hegte als eine mögliche Freundschaft. Tja und wo diese Erkenntnis endet können sich wohl alle vorstellen, die wissen, wie sich zerbrechende Hoffnung anfühlt...genau, in Tränen.
Dabei hatte ich eigentlich vorgehabt herzukommen, um mal abzuschalten.
„Isch weiß nischt, was isch machn‘ soll...!“, und schon fing Jessys Gejammer an.
Percy hatte sich die ersten Minuten geduldig angehört, genauso wie Tobi und ich. Doch war er der Einzige, der irgendwann aufstand und zu ihr ging, um sie zu unterbrechen und auf die Beine zu ziehen: „Das ist ja nicht mit anzusehen...lasst uns einen Spaziergang machen.“ Meine Augen verengten sich skeptisch. Einen Spaziergang?
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass es bereits mitten in der Nacht war und Percy an einem abgelegenen Waldstück wohnte. Am Rande der Stadt.
„Aber...es ist kalt!“, hatte ich dagegen einzuwenden, doch da hatte er schon einen Pulli griffbereit, den er mir zuwarf: „Der dürfte dich warm halten. Oder hast du einfach nur Angst?“, er grinste mich herausfordernd an - was er besser hätte sein lassen sollen. Wenn man mich herausforderte oder Wetten mit mir abschloss, tat ich alles um zu gewinnen...also war der Gedanke zu kneifen und in der warmen, sicheren Wohung sitzen zu bleiben gestrichen. Die Wangen beleidigt aufgepustet, zog ich mir den Pulli über und schritt durch den Flur aus der Wohnungtür heraus. Tobi war mir gefolgt, Percy brauchte mit Jessy jedoch einen Moment länger, da er ihr erst noch in den Pulli half und sie mit ihren Schuhen eine gefühlte Ewigkeit brauchte. Ich schob die Hände in die Taschen meiner Jeans und seufzte leise. Warten war nicht meine Stärke...erstrecht nicht jetzt, wo ich davon ausging, dass wir, wenn wir früher loszogen, auch schneller Zuhause waren.
„Lass uns vorgehen.“, schlug ich Tobi vor und wartete nicht einmal auf eine Antwort. Seine Schritte waren Zustimmung genug. Wir liefen das Treppenhaus hinunter und gelangten schließlich vor dem Haus an. Die Luft war feucht und kalt. Auch die Beleuchtung ließ zu wünschen übrig. Kurz gefröstelt, zog ich den Pulli enger um mich und bewegte mich mit langsamen Schritten voraus. Tobi wich nicht von meiner Seite, wie sich das gehörte.
„Ich schätze, die beiden kommen so schnell nicht nach, wollen wir echt vorgehen?“, fragte er und sah kurz zurück. Ich verzog unentschlossen den Mund, worüber er lachen musste.
„Sie werden uns schon finden.“, sprach ich locker und grinste nun wieder munter, Tobi nickte. Kaum waren wir schweigend ein paar Meter nebeneinander hergelaufen, ergriff er vorsichtig das Wort. „Dieser James ist ein Arsch. Percy hat Recht, lass die Finger von ihm...er denkt, er kann sich seine Mädchen mal eben nach Lust und Laune aussuchen.“
Verwundert sah ich zu ihm rüber. Er kannte James garnicht...außerdem fehlten ihm wichtige Details der Geschichte. Es stand ihm nicht zu über ihn zu urteilen.
Doch anstatt James zu verteidigen schwieg ich. Noch immer lag mir das Gina-problem schwer im Magen - was ich jedoch niemals zugeben würde. Nicht einmal Jessy wusste, dass ich mich gelegentlich noch immer dabei erwischte, mich selbst darüber zu bemittleiden. Tja, ich war zwar gut im reden...allerdings nur, wenn es nicht um meine eigenen Gefühle ging. Darüber schwieg ich lieber. es war nunmal einfacher zu lächeln als zu erklären, wieso man traurig war...
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als mir plötzlich der Boden unter den Füßen wegrutschte und ich vor Schreck schrill quietschte. Tobi hatte schnell reagiert und mich am Arm festgehalten, sodass ich nicht stürzte. Lachend musterte er mich und als ihm klar war, dass ich bloß mit einem leichten Schreck davon gekommen war ließ er mich zögernd wieder los und ging vorsichtig weiter: „Es hat geregnet...der halbe Wald steht unter Wasser. Du solltest aufpoassen, wohin du gehst.“ Ihm erschrocken nachgesehen, musterte ich den matschigen Boden unter meinen Füßen, ehe ich wieder aufsah. Tobi war bloß wenige Schritte von mir erntfernt, doch konnte ich bloß noch schwache Umrisse erkennen. Woher sollte ich so wissen, wohin ich lief?! „Warte!“, forderte ich ihn auf und schritt unsicher auf ihn zu. Er hatte mir seinen Arm hingehalten, den ich bereitwillig griff. Schlammcatchen war heute abend sicherlich nicht drin!
„Vielleicht sollten wir zurück...“, nun begann ich doch zu zweifeln. Percy würde Jessy hier sowieso nicht durchbekommen, ohne dass sie stürzte...
„Dort ist eine Bank, nicht weit weg von hier...da können wir einen Moment warten und ihnen ein bisschen Angst machen.“, die Idee verlockte mich, also ließ ich mich überreden.
Und kaum saßen wir auf der Bank, begann ich trotz Percys Pulli zu frieren. Tobi legte aufmerksam einen Arm um mich und plötzlich hörte ich es in meinem Kopf klicken.
Kennt ihr diese Momente, bei denen ihr einfach spürt, wie freundschaftliche Absichten plötzlich zu mehr werden? Ich kannte sie. Oft musste ich jemanden bloß wenige Sekunden betrachten und seinen Blick kreuzen, da war mir klar, ob sich mit dieser Person herumalbern ließ ohne sich Sorgen machen zu müssen, oder ob ich Abstand wahren sollte - zu meiner eigenen Sicherheit. Und gerade konnte ich Annährungen wirklich als letztes gebrauchen. Es gab in den Arm nehmen und...in den Arm nehmen. Und das hier würde eindeutig gefährlich. Hätte ich Percys Sprüche ernstnehmen sollen...?
Tobis Finger streichelten sanft über meinen Oberarm, während ich mir auf die Unterlippe biss und stur geradeaus in die Dunkelheit sah.
„Du bist was besonderes, Suzie. Das ist mir von anfang an aufgefallen.“, säuselte er leise, sodass ich kurz überlegen musste, ob ich es mir nicht vielleicht bloß eingebildet hatte.
„Ähm...Unsinn. Eigentlich bin ich ein schlechter Mensch. Vorlaut, stur, anstrengend...“, und mal wieder setzte ich in meiner Verzweiflung die feigste Waffe ein - das Ausreden. Doch so wie es damals bei James schon nicht geholfen hatte, half es auch bei Tobi nicht.
„Sag soetwas nicht. Du hast dieses gewisse Etwas...und etwas Temperament ist nie verkehrt, oder?“ Vielleicht hätte ich ihm auch einfach ein anderes Mädchen einreden sollen. Doch leider kannte ich ihn dazu zu schlecht...ich hatte keine Ahnung, welche Leute er so kannte und wo er eine potentielle Patnerin antreffen könnte.
„Ich bin verliebt.“, platzte es mir plötzlich kleinlaut heraus.
Und dann sprach ich ihn direkt auf die Situation an. Darauf, dass ich das Gefühl hatte, dass er dabei war zu viel Gefallen an mir zu finden. Eigentlich äußerte ich solche Vermutungen nicht...immerhin konnte man mit Vermutungen auch schwer falsch liegen und sich selbst ziemlich dämlich dastehen lassen. Doch behielt ich in Sachen Tobi Recht.
„Er hat dich nicht verdient. Ich sage nicht, dass ich es tue...aber...ich würde dich besser behandeln als er, versprochen.“ - „Du musst mir nichts versprechen. Wir beide...das wird nichts, tut mir leid, aber das musst du dir aus dem Kopf schlagen. Besonders im Moment habe ich genügend andere Probleme.“, vielleicht war ich ziemlich unsensibel gewesen, doch das lag daran, dass ich plötzlich Panik bekam. Ich verspürte eine innere Platzangst und fühlte mich in seiner Nähe auf einmal gänzlich unwohl.
Das erste mal seit langem freute ich mir ein Loch in den Bauch darüber, dass mein Handy plötzlich klingelte: „Geh nicht ran.“, bat Tobi mich, doch ich hob ab - Percy.
„Wo zur Hölle seid ihr?!“ - „Ähh...noch im Wald auf der Bank, wo seid ihr?“
Percy kannte den Wald zu unserem Glück benahe auswendig und versicherte uns, dass er und Jessy bei uns auftauchen würden - wir sollten bloß warten. Ich hatte Jessys aufgeregte Stimme im Hintergrund vernommen, doch genau verstanden hatte ich sie nicht. Es schien ihr besser zu gehen. Mein Handy wieder eingesteckt, rutschte ich ungeduldig auf der Bank hin und her. „Sie kommen gleich, hm?“, ich beantwortete seine Frage mit einem Nicken. Er seufzte laut und stand auf. Unter ihm gab der Boden schmatzende Geräusche von sich, als er ein paar Schritte machte. Natürlich tat er mir leid...ich hatte ihn verletzt und er gab sich nicht die Mühe, es zu verbergen. Aber mal ganz unter uns: Selbst wenn es James nicht geben würde...Tobi passte nicht zu mir. Ich brauchte jemand, der selbstbewusst gegen meine stürmische Art ankämpfte...Tobi würde ich in der Luft zerfetzen, wenn ich mich langweilte oder schlechte Laune hatte.
Mir kam es vor, als hätten wir uns Stunden lang angeschwiegen, als Percy und Jessy endlich angewatschelt kamen. Schwer atmend ließ Jessy sich neben mich auf die Bank sinken und streckte die Beine von sich.
„Seid ihr irre einfach zu verschwinden?!“, fuhr sie mich an und gab dabei Preis, dass ihre Koordination noch immer zu wünschen übrig ließ, da sie stark hin und her wankte.
Ihren Kopf schließlich an meine Schulter gelehnt, seufzte sie tief.
Percy hatte sich gleich zu Tobi gestellt, wahrscheinlich bloß um ihn aufzuziehen, dass er mich gekonnt entführt hatte...doch blieben die beiden länger von uns entfernt und tuschelten leise. Natürlich wusste ich genau, worum es ging...Jessy blickte fraglich auf und sah mich angestrengt in der Dunkleheit an: „Worüber reden die?“, wollte sie wissen und flüsterte nicht einmal, sodass die beiden sie sicher gehört hatten.
„Psst!“, machte ich leise und ließ sie erschrocken die Hände anheben, womit sie mir versichern wollte, dass sie leise sein würde.
„Ich erkläre es dir morgen...“, jetzt würde sie das bloß noch mehr überfordern und ich wollte nicht, dass Jessy in ihrem Zustand unangebrachte Komentare abließ.
„Der Kerl will was von dir, stimmt‘s?“, nahm sie mir meine Mühe jedoch schnell ab.
„Woher...?“, setzte ich verwundert an und musterte die Umrisse ihres Gesichts - ich hätte schwören können, sie breit grinsen zu sehen. „Percy hats mir erzählt...Tobi hat ein Auge auf dich geworfen, seit er dich damals das erste Mal gesehen hat. An dem Abend an dem du James zur Rede gestellt hast.“, ich wusste genau, welcher Abend gemeint war. Wie konnte ich diese mittlere Katastrophe vergessen?
Ohne Jessy weiter auszufragen, da ich keine besondere Lust darauf hatte, stand ich auf.
„Lasst uns endlich gehen. Es ist kalt und ich werde müde.“
Die Jungs waren beide verstummt und willigten ein. Percy führte uns auf dem schnellsten Weg zurück,Tobi verlor kein Wort mehr und Jessy...tja, die plapperte munter vor sich hin und stolperte gelegentlich über ihre eigenen Füße.

Percys Wohnung erneut betreten, zogen wir die schmutzigen Schuhe und unsere Jacken - beziehungsweise die geliehenen Pullis aus. Diesesmal sicherte ich mir den Platz im Sessel und griff nach meinem angebrochenen Bier, dass ich zurückgelassen hatte.
Jessy ließ sich auf das Sofa fallen und breitete sich ungeniert und laut gähnend aus.
Irgendwann müssen mir die Augen zugefallen sein, da ich mich bloß noch daran erinnern kann, wie ich morgens aufgewacht bin und alle um mich herum noch schliefen. Die Sonne schien bereits in das Zimmer. Ich brauchte einen Moment, richtig wach zu werden und auch Jessy schlief bloß ein paar Minuten länger.
Kaum waren wir wieder auf den Beinen, erklärte Percy sich bereit dazu, Jessy und mich Heim zu fahren. Tobi hatte er schlafen gelassen und sogar aufräumen wollte er alleine.
Also stolperte ich, nachdem man mich Zuhause ausgesetzt hatte, das Treppenhaus hinauf in unsere Wohnung, zog mich um und legte mich erneut hin, um etwas Schlaf nachzuholen. In meinem eigenen, gemütlichen Bett...dass mein Handy kurz darauf klingelte und ich einen wichtigen Anruf verpasste, fiel mir erst später auf...





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✭ I'm Jason - Interested? ✭
→ Beziehungsstatus: Kompliziert

Smack it up, smack it up - If you act a bitch to me.
Stack it up, stack it up - If you fuckin' rich as me.
This ain't a love song...This ain't a broken heart homie
singin' only 'cause he's lonely.




Terry ...



...

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...   Erstellt am 10.12.2011 - 21:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 11 - Ever fallen in Love...?


→ Good morning,Suzie Hatcher.

Als ich die Augen öffnete, blinzelte ich Sonnenstrahlen entgegen.
Nachdenklich und noch immer müde war ich im Bett liegen geblieben und hatte Löcher in die Decke gestarrt. Ich musste einen Entschluss fassen! James war Geschichte. Noch länger durfte ich mir von ihm einfach nicht die Laune vermiesen lassen...mittlerweile war es nämlich mal wieder so weit. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem mich meine eigene Stimmung nervte...ständig saß ich rum und wusste nichts mit mir anzufangen. Meine Gedanken drehten sich seit Wochen um dasselbe Thema, dass ich tief in meinem Inneren noch immer nicht hatte abschließen wollen. Jetzt war es soweit!
Mich aufgesetzt, schob ich entschlossen die Bettdecke zur Seite und kletterte aus meinem Bett. Mein Blick fiel auf den Kalender auf der anderen Seite des Zimmers - dieses mal sprach die Zeit für mich. Bloß noch eine Woche, dann standen bereits die Ferien an...das erste halbe Jahr an der neuen Schule war also fast geschafft. Und es war eine Katastrophe gewesen. Blieb zu hoffen, dass es nicht noch schlimmer wurde...
Unter die Dusche gesprungen und mir etwas Frisches übergezogen, warf ich eigentlich bloß beiläufig einen Blick auf mein Handy. Und schon folgte die nächste imaginäre Ohrfeige meines Schicksals...James hatte versucht mich zu erreichen? Herrje...wenn er sich weiterhin solche Mühe gab, würde ich nicht standhalten und ihn aus meinem Kopf jagen können. Seufzend löschte ich diese Beweise, sodass ich seinen nicht empfangenen Anruf in meiner Anrufliste nicht mehr fand und entschied mich dazu, den restlichen Samstag zu genießen - falls das möglich war. Doch während ich mein Handy in der Hand hielt und überlegte, kam mir sofort ein Name in den Sinn, eigentlich zwei - Seth und Jenny. Jenny kannte ich bereits seit ich Laufen konnte. Sie hatte vor kurzem ihren Führerschein gemacht und war genau 2 Jahre älter als ich. Seth wiederum war einer ihrer besten Freunde und dadurch auch ein sehr guter Freund von mir. Ich tippte schnell eine knappe SMS und ließ mich kurz darauf von den beiden abholen. Wir verbrachten einen lockeren Tag im Einkaufszentrum, bummelten und waren in Ruhe Kaffee trinken. Keiner der beiden wusste von der Geschichte mit James. Zwar erzählte ich ihnen sogut wie alles, doch dafür hatte ich bisher weder Zeit noch Motivation gefunden.
„Dich bedrückt was, meine Süße.“, stellte Seth fest, als er einen Schluck seines Kaffees nahm und sich neben mich setzte: „Sonst bist du nicht so still.“
Ich wollte die lockere und aufmunternde Stimmung zwar nicht mit dem alten, abgestanden Thema belasten, doch packte ich schnell mit der Geschichte aus.
Es tat gut mit den beiden zu reden. Jenny wusste immer, was in mir vorging und was gut für mich war - manchmal schien sie mich besser zu kennen, als ich es selbst tat.
Es war anders mit ihr zu reden als mit anderen Freunden. Man konnte sagen, was man wollte, doch spürte man den Unterschied der Jahre die man bereits miteinander geteilt hatte - Ob es nun 14 waren oder 8...es machte wirklich etwas aus. Und Jennys und meine Freundschaft hatte bereits die stolzen 14 Jahre geknackt.
„Seit wann ist das schon aktuell und wie kommt es, dass ich es erst jetzt erfahre?“, Jenny sah mich beinahe vorwurfsvoll an und stellte ihren Becher kurz ab.
„Ich wollte mit dem Thema nicht am Telefon rausrücken...du hast viel um die Ohren gehabt, da dachte ich, ich warte auf einen passenden Zeitpunkt.“
Mit den Schultern gezuckt, nahm ich selbst noch einen Schluck, als ich plötzlich Seths Hand an meiner Schulter spürte.
„Schätzchen...du musst mit ihm sprechen. Der arme Kerl bemüht sich wirklich, du hast ihn genug zappeln lassen. Es wird Zeit ihm dein Herz auszuschütten.“
Ich lachte über die Leichtigkeit mit der er diese Worte über die Lippen brachte.
„Seth hat Recht. Vielleicht ist er ja der Richtige...es wird Zeit, dass du mal anständige Beziehungserfahrungen sammelst.“, Jenny war schon immer der Meinung gewesen, dass ich viel zu schlecht über Beziehungen und die Liebe dachte. Dabei war sie, bevor sie Tony getroffen hatte, mit dem sie nun fast 5 Jahre zusammen war, nicht anders gewesen.
Ständig hatte sie Kerle abserviert, die sie eigentlich gewollt hatte...und irgendwann war sie Tony begegnet. Nie hätte sie gedacht, dass es mit ihnen beiden so weit hätte kommen können, doch das tat es. Sie waren wohl das, was man ein perfektes Pärchen nannte...vielleicht auch gerade, weil zwischen ihnen nicht immer alles perfekt war.
Sie stritten und zankten, wie sich das gehörte. Doch nie fehlte es an einer Aussprache und der folgenden Versöhnung.
„Ihr habt leicht reden...“, seufzte ich wehleidig.
„Das hättest du auch! Ihr wart doch Freunde. Du solltest offen mit ihm sprechen können.“
„Das kann ich ja...nur nicht darüber...“
„Wieso nicht? Weil es eure Freundschaft kaputt macht? Das hat es doch schon längst...was hast du also zu verlieren?“
Es stimmte, was sie sagten. Doch fiel es mir schwer alles einzugestehen.
Abends hatte ich mich von den beiden wieder Heim fahren lassen.
Ich war früh zu Bett gegangen und schlief unruhig. Mein Wochenende war mal wieder eine Berg und Talfahrt gewesen...ich wusste, wie sich alles ändern ließ. Und ich wusste, dass ich es in Angriff nehmen musste. Diese Ungewissheit war zum Haare raufen.
Ich brauchte ein Machtwort von ihm...entweder ein klares Ja, lass es uns versuchen oder ein Nein, ich habe absolut keine Gefühle für dich. Solange ich keinen dieser Sätze von ihm persönlich hören würde, würde ich nicht zur Ruhe kommen...und somit war der Plan der ewigen Ignoranz bis ich ihn vergessen hatte gescheitert.

→ Let‘s take a look at Jessy.

Auch mein Restwochenende verflog weiterhin unspektakurlär.
Nach dem Abend bei Percy hatte ich eine Menge Schlaf nachgeholt und wurde nachmittags von meiner Schwester unsanft aus meiner Traumwelt gerissen, um mit dem Hund eine Runde zu gehen. Sie hatte keine Lust die Arbeit ständig selbst machen zu müssen - Ja, ich kümmerte mich weniger um den Hund als sie. Aber ich hatte als ältere Schwester jawohl eher das Recht dazu, öfter mit Freunden um die Häuser zu ziehen als sie, oder? Schlecht gelaunt kroch ich aus meinem Bett, während Suzie schon längst auf Achse war, davon wusste ich jedoch nichts.
Dem kläffenden Köter die Tür geöffnet trottete ich ihm gelangweilt nach - ab in den Wald.
Nach einer guten halben Stunde war ich zurück. Es zog mich zu einem ausgiebigen Frühstück in die Küche, meine Laune war noch immer nicht gerade glänzend. Es wäre also besser gewesen, mir aus dem Weg zu gehen, doch Julie fing mich gleich wieder ab. Zu meiner Verwunderung war auch sie nicht gut drauf.
„Ich war mit dem Hund, zufrieden?“, giftete ich sie an, da ich vermutete, dass sie noch immer von meiner Wochenend-Faulheit genervt war.
„Darum geht es nicht, halt die Klappe!“, fauchte sie zurück und setzte sich zu mir an den Tisch, während ich mein Toast verspeiste.
Ich machte nicht den Anschein etwas sagen zu wollen, bis ich aufgegessen hatte.
Den Teller schließlich jedoch weggeschoben und meine Tasse Kakao gegriffen, musterte ich ihr Gesicht: „Was ist los?“, hakte ich also doch nach, da ich vermutete, dass sie darauf brannte mir zu erzählen, was sie bedrückte.
„Wir gehen die Ferien nach Thailand. Zu Dad...er hat die Tickets schon gekauft.“, platzte es ihr heraus und ich verschluckte mich fast. Was? Unser Vater hatte sich gemeldet? Ihr müsst wissen...unsere Eltern sind schon Jahre lang getrennt und mein Dad war damals nach Thailand ausgewandert - das Land aus dem meine Mom kommt. Dort hatten sich die beiden kennengelernt. Sein leben hier in Deutschland hatte mächtig zu wünschen übrig gelassen, und da ihm dort drüben der Erfolg und die junge Frauen zuzufliegen schienen, konnte ihn hier nichts mehr halten. Er meldete sich nicht oft und verhielt sich eigentlich auch nicht so, wie sich ein Vater verhalten sollte...oft genug meckerte er an uns herum. Ob nun an unseren Charakteren oder daran, dass wir ihm nicht hübsch genug waren. Ja, stellt euch vor...er hat und sogar schon einmal Schönheits- Op’s angeboten, seitdem er dort drüben in Geld badete...deprimierend, hm? Daher hatte er auch nicht gerade die beste Stellung in unserem Leben...nicht mehr. Damals war er immer mein Held gewesen. Vielleicht war er das jetzt auch noch, doch das war schwer zu beurteilen nach solch einer langen Zeit in der ich nichts von ihm gehört hatte.
„Ich will nicht nach Thailand...“, jammerte ich. Ich wollte meine Zeit hier verbringen. Mit Freunden und vorallem Suzie...durch die Schule sahen wir uns meiner Meinung nach bloß noch viel zu selten alleine. Und ein Partyabend mit reichlich Alkohol konnte man wohl kaum zu einem netten Abend mit der besten Freundin zählen.
„Glaubst du ich? Ich hatte auch besseres vor, aber es ist beschlossene Sache...“, missmutig erhob sich Julie und vergrub sich den Rest des Tages mit dem Telefon in ihrem Zimmer. Wahrscheinlich klagte sie ihren Freundinnen einer nach der anderen ihr Leid.
Und auch mir war danach...doch konnte ich Suzie nicht erreichen.
Nachdem ich unzählige Male versucht hatte, sie zu erreichen, hatte ich aufgegeben und mich an den PC gesetzt, um zu warten bis sie online kam.
Nebenbei erledigte ich aus Langeweile restliche Hausaufgaben und übersah dabei für einen Moment, dass nach mir verlangt wurde.
Mein Kopf hob sich an und ich glaubte meinen Augen nicht trauen zu können - Patrick!
Mein Herz machte einen freudigen, naiven Hüpfer ehe ich seine Nachricht gelesen hatte.
Wir verfielen in lockeren Smalltalk und erzählten uns von unserem Wochenende, wobei ich ihm meinen Absturz jedoch verschwieg...er musste ja nicht alles wissen. Noch nie hatte sich Smalltalk so gut angefühlt!
„Du warst also ein bisschen mit Freunden feiern? Wir sollten auch mal abends zusammen um die Häuser ziehen, wäre sicher lustig.“ - Natürlich war mir nichts lieber als das! Und meine Hoffnungen wuchsen mit jedem Wort weiter...
„Am Anfang der Ferien macht der Club in der Stadt neu auf. Wäre cool, wenn man sich dort treffen würde.“- und schon hatte ich meine Zustimmung eingetippt und abgesendet.
Vor lauter Vorfreude, hatte ich völlig vergessen, dass Thailand rief...
In meinem Übermut hatte ich sogar vergessen es Suzie zu erzählen, sodass sie die Neuigkeit erst erfuhr, als sie mich auf die bevorstehenden Ferien ansprach.

→ Suzie wants you back!

Ich hatte mich in der Pause nach James umgesehen. Mal wieder.
Die letzten Tage hatte ich ihn einfach nicht zu Gesicht bekommen. Jessy war noch immer schlecht auf ihn zu sprechen, daher erzählte ich ihr vorerst nichts von meiner Idee einer Aussprache und einer möglichen Versöhnung.
Zum verrückt werden...immer wenn man jemanden brauchte, schien diese Person wie verschollen. Und wenn man jemanden meiden wollte, lief man ihm oder ihr ständig über den Weg. Leise seufzend gab ich auf und wand mich Jessy zu.
„Bloß noch ein paar Tage, dann habe wir zwei Wochen Ruhe. Was steht in den Ferien an?“ ,und dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Jessy fing aufgeregt an wie ein Wasserfall zu plappern. Sie erzählte mir, dass ihr Vater sie und Julie nach Thailand zitierte ohne gefragt zu haben, ob sie überhaupt wollten oder gar konnten.
„Die gesamten Ferien?“, wollte ich wissen. Das gefiel mir gar nicht.
„Ja...ich komme am letzten Freitag der Ferien abends zurück.“, murmelte sie geknickt.
Ihre Laune schien nach dem Motivationsschub, den Patrick freigesetzt hatte von diesem Thema gewaltig in den Keller gedrängt zu werden. Und nun saß die eigentliche Freude auf das mögliche Glück in der Liebe alleine und verlassen wie ein kleines Kind in einem dunklen, staubigen Raum unter der Erde und wurde von der Dunkelheit, die aus Familienproblemen bestand fast restlos erdrückt.
„Ach, wir haben auch nach den Ferien noch ne Menge Zeit. Vielleicht wird’s ja lustig.“, versuchte ich sie aufzumuntern - vergebens, also ließ ich das Thema lieber unbeachtet unter den Tisch fallen. Ich schien sie nicht aus diesem Loch ziehen zu können, Patrick hingegen schaffte es...mit einem einfachen Lächeln und einem freundlichen Hallo, das er im Vorbeigehen an sie richtete. Und schon strahlte Jessy wieder.

Die letzten Schultage verflogen schnell und schmerzlos.
Es tat mir nicht einmal Leid, meine Klasse zwei Wochen lang nicht zu sehen.
Obwohl ich die Leute lieb gewonnen hatte und wir viel gemeinsam lachten, hatten sie sich noch keinen tiefgründigeren, wichtigen Platz in meinem Herzen erkämpft - außer vielleicht Tia, die ich vorhatte in den Ferien das ein oder andere Mal zu treffen.
Bevor Jessy zum Flughafen aufbrach, hatten wir ein letztes Mal ausgiebig telefoniert. Sie versprach mir zu schreiben und mich von dem Telefon ihres Vater aus anzurufen: „Ist mir egal, wie viel er dafür zahlen darf - selbst schuld!“, hatte sie geschimpft.
Tja, und dann legte ich auf und pflanzte mich vor den Fernseher. Es war bereits Abend und ich hatte mir vorgenommen etwas Geld zu verdienen. Meine Mutter hatte Nachtdienst und arbeitete von zuhause aus. Sie vermietete Autos und kümmerte sich um Unfälle...all der Stuss, der nunmal anstand, wenn man in einer Autovermietung arbeitete. Und wenn sie Nachtdienst hatte und genug los war, konnte ich später Aufträge für sie in den PC eingeben und abschicken. So kam man schnell und einfach an kleines Geld, besser als nichts.
Allerdings sah es nicht sonderlich gut für mich aus...das Telefon klingelte wenig und auch das Faxgerät schien scheintot. Also machte ich mich auf den Weg in mein Zimmer.
Ich würde im Gegensatz zu Jessy meine Ferien Zuhause verbringen...
Und während sie auf ihren Flieger wartete und mit ihrer Schwester den Flughafen unsicher machte, machte ich mir in Ruhe die Nägel, drehte die Musik auf und fuhr den PC hoch.
Der stimmige Rhythmus wurde jedoch von einem unpassenden Ton unterbrochen. Ich hatte eine Nachricht bekommen, kaum dass ich online gegangen war...und wer hätte es gedacht - James. Ausgerechnet jetzt, wo ich nicht auf Jessys heimliche Unterstützung bauen konnte...das konnte ja was werden.
Und ausgerechnet jetzt warf er mir Worte entgegen, die ich hören wollte und die mich beinahe auf der Stelle schwach werden ließen: „Ich vermisse dich. Jeden Tag.“
Mehr musste er nicht sagen, damit ich mich bereitwillig meldete und mit ihm ins Gespräch kam. Wir schrieben nicht viel...ich hörte mir lediglich seine ellenlangen Entschuldigungen an und ließ mich schließlich sogar zu einem Treffen breitschlagen. Und soll ich euch noch etwas verraten? Ich freute mich ihn zu sehen...wirklich. Jessy würde mich für meine Nachgiebigkeit ohrfeigen, doch in einigen Stunden würde sie beinahe am anderen Ende der Welt sitzen...also ging das schon okay, oder? Außerdem, war es doch bloß ein kleines Treffen und eine ruhige Aussprache, oder? Nicht besonderes...das würde ich schon meistern.

Und so kam es dazu, dass ich mich in der ersten Ferienwoche nicht nur mit Freunden traf und mit Seth oder Jenny unterwegs war, ich traf auch James.
Anfangs war unser Verhältnis angespannt gewesen. Er erschien mir vorsichtig und zurückhaltend, doch da ich den alten, lockeren James vermisste, nahm ich seine Entschuldigung schließlich an und gab mein bestes mit ihm umzugehen wie vorher. Wir fingen schnell wieder an zu lachen und ausgelassener zu Sprechen. Sogar über Gina sprach er mit mir...darüber, dass er sie nicht wollte. Dass er sich in ihr geirrt hatte und sie ihm doch nicht genug bedeutete - nicht so viel wie ich es tat. Doch es blieb bei diesen Worten, etwas Festes entwickelte sich über die Ferien nicht aus uns. Doch somit blieb es nicht bei einem Treffen...ich sah ihn beinah regelmäßig. Und wenn wir uns nicht sahen, meldete er sich abends entweder mit einer süßen SMS oder einem Anruf.
Meine Sorgen und meine Wut waren völlig verflogen...Gina kam mir nicht mehr in den Sinn. Ich schien freie Bahn zu haben, doch wenn ich ehrlich war brauchte ich keine feste Beziehung...so wie es jetzt war gefiel es mir.
Ana sah ich ebenfalls oft, gelegentlich trafen wir uns sogar zu dritt, da auch sie sich bestens mit James verstand und sogar eine mögliche Beziehung befürwortete.
Ob Jessy das auch so leicht hinnehmen würde?

→ Let‘s take a closer look at Jessys Holidays.
(Written by Jana - einmalig und nur für euch!)


Beinahe verloren standen meine kleine Schwester und ich am Flughafen in Bangkok, warfen uns überforderte Blicke zu und hofften inständig auf ein Wunder – in diesem Fall, dass unsere VIP- Kraft mal schneller machte und hier aufkreuzte. [Tja, habt ihr euch schon gewundert, warum Fräulein Hatcher nicht erzählt? Haha! Ihr habt nun das ehrwürdige Privileg einen Einblick in Jessica Bakers Leben zu gewinnen, wenn sie nicht gerade bei ihrer besseren Hälfte ist!]
„Ich hab gar keine Lust Dad zu sehen…können wir nicht wieder ins Flugzeug einsteigen und zurückfliegen?“, Julie war ziemlich pampig, seit unser Vater damals auf ihrem Emo-Style rumgehackt und sie als Lesbe abgestempelt hatte. Um euch unser Leben mal ein wenig näher zu bringen: Warum wir gerade in Thailand auf dem Flughafen verharrten? Nun, unsere Mutter kam ursprünglich aus dem Land der aufgehenden Sonne [Natürlich gehört dieser Beiname nicht zu Thailand, aber ich würde mich schlecht fühlen, es auf den Punkt zu bringen und es ‚Land, in dem man alles mit Geld kaufen kann’ nennen würde.] und wie jede asiatische Frau aus diesem Bereich, hatte sie sich einen reichen Europäer gesucht, ihn geheiratet, Kinder gekriegt, sich von ihm scheiden lassen, weil ihr irgendetwas nicht gepasst hatte und dann eine Menge Unterhalt verlangt. Was hatte unser Vater dagegen unternommen? Seine 7 Sachen gepackt und in das Land ausgewandert, aus dem unsere Mutter kam. Wie man auf so eine Idee kam? Das weiß ich bis heute nicht.
„Jetzt mecker nicht rum…sind doch nur 2 Wochen.“ Um es Mal ausgesprochen zu haben: Ich hatte genauso wenig Lust auf diesen ‚Urlaub’, wie meine Schwester. Das hatte einen simplen Grund – morgen würde es bei uns in der Nähe eine Abi-Party geben und so schlau, wie ich nun mal war, hatte ich Patrick darauf angesetzt, Freunde zusammenzutrommeln und dorthin zugehen…mein Lockmittel? Na, meine Anwesenheit! Okay....vielleicht war das nicht der Grund, warum er zugesagt hatte, aber die Hoffnung saß tief in mir verankert und die Tatsache, dass ich mich auf einem ganz anderen Kontinent befand, während der Kerl meiner Träume in einem Club auf mich wartete…ihr wisst schon. Um es milde auszudrücken: Ich hätte Kotzen können.
Eine etwas dicklichere Frau mit Brille, komplett in lila gekleidet, kam uns entgegen und sammelte uns ein, um uns zu unserem Vater zu begleiten. Normalerweise hätte es Stunden gedauert, bis wir durch die Passkontrollen gekommen wären [Wenn wir überhaupt den Weg dorthin gefunden hätten.], doch wer einen Dad hatte, der sich VIP-Service leisten konnte…der war eindeutig im Vorteil, denn die Zeit, die wir am Flughafen verbrachten, lag genau bei 10 Minuten. Und 4 Minuten davon war die Frau in lila zu spät gewesen. „Hey…fängt doch mal gar nicht so schlecht an.“, wand ich mich Julie grinsend zu, die allerdings noch keinen Deut besser gelaunt zu sein schien. Kaum hatten wir den Landebereich verlassen und waren bei den wartenden Menschen gelandet, die alle sehnsüchtig auf ihre Lieben warteten, fiel uns sofort unser Dad auf. Nicht, weil er ein Europäer war und in der Masse von Asiaten herausstach, nein, vielmehr erregte die Anwesenheit seiner Begleiterin unsere Aufmerksamkeit. „…Jessy…seine Freundin…“ – „Sag’s nicht…“ Sie sah nicht viel älter aus als ich. [Zur Erinnerung: Ich bin frische 17.]
„Oh Happy Day…“, Julie schritt voran und ließ sich von unserem Dad in den Arm nehmen. Ich wurde gleich danach begrüßt und schon begann die Vorstellungsrunde. Als hätten wir es nicht geahnt – die Freundin unseres Dads war gerademal 21, damit 4 Jahre älter als ich und volle 30 Jahre jünger als der gute Mann, der gerade unsere Koffer für uns ins Taxi hob. „Und? War der Flug in Ordnung?“, fragte mein Dad mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Im Gegensatz zu uns, hatte er sich in den letzten 3 Jahren nicht sonderlich verändert. Er war nichtmal braun geworden.
Meine Schwester hatte es geschafft, ihn die ganze Fahrt über gekonnt zu ignorieren und begutachtete die Autobahnlandschaft Bangkoks, während ich Smalltalk mit ihm und seiner Freundin hielt. Das Eis war weder gebrochen, noch schien es schmelzen zu wollen, aber was tat man nicht alles für seine Eltern?
Das Taxi fuhr in eine Einfahrt, die meinen Mund aufklappen ließ – und selbst das Schweigen meiner Schwester brach. „WOW!“ Nicht, dass sie sich gleich aus dem Fenster lehnte. Wir waren direkt in eines der Viertel gefahren, in dem nur die Leute wohnten, die es sich auch leisten konnten. Das Haus unseres Vaters hatte eine endlos lange und vor allem breite Einfahrt, die hinter einem riesigen Tor versteckt lag, die von Security bewacht wurde. Der Taxifahrer ließ uns aussteigen und schon stürmte meine Schwester auf die massive Eingangstür zu. „Jessy…! Jessy!“, rang sie nach Worten. Mir ging es nicht anders, nur dass ich erst gar nicht versuchte, zu sagen, was ich gerade dachte. Unser Dad schien das mehr als Stolz zu machen. Vor genau 2 Jahren hatten wir ihn das letzte Mal zu Gesicht bekommen und da hatte er nicht in einem Haus gewohnt, sondern in einer Einzimmerwohnung mit seiner damaligen Freundin [Und die war damals 24 gewesen.] „Tja, da staunt ihr. Hereinspaziert.“ Er öffnete die Tür und ließ uns eintreten. Der Eingangsbereich war so groß, wie die Einfahrt, weiß gefliest und bot eine Meeeenge Stauraum für Schuhe – und von denen hatte ich in der Regel nicht wenige. Links führte eine Treppe nach oben. Rechts führte ein Weg zur Küche, dem Essensbereich mit Bar und zum Wohnzimmer…das auch mit einer Bar ausgestattet war. Was mich viel mehr interessierte, war aber der riesengroße Spiegel, der im Eingangsbereich eine ganze Wand ausfüllte und – wie ihr später vielleicht merken werdet – zu meinem besten Freund wurde. „Euer Zimmer ist ganz oben“, erklärte unser Dad, „Die Koffer bringt ihr am besten gleich hoch. Zieht euch hübsch an, dann gehen wir aus.“ Okay, jetzt stellt euch eine Treppe vor, die vom Erdgeschoss in den 4. Stock führt und in jedem Stock noch eine Zwischenetappe beherbergt…wir hatten wirklich 15 Minuten gebracht unsere doch sehr schweren Koffer hochzubringen. Mit hübsch machen war da nicht mehr viel. Irgendwie hatten wir es dann aber doch geschafft, uns mindestens kurz abzuduschen und in Klamotten zu schlüpfen, die keinen 12- Stundenflug überdauert hatten.
„Dad…du willst uns verarschen!“, meckerte Julie und warf sich halb über den Esstisch, der so lang war, dass locker 18 Leute daran Platz nehmen konnten. „Wetten, du hast einen Aufzug versteckt, den du nimmst, um in den 3. Stock zu kommen? Wie schaffst du das?“ „Er schläft immer auf der Couch, so schafft er das.“ Mai, die Freundin unseres Dads, lachte kurz [Um euch auch hier vor Verwirrung zu schützen: Sie sprach stets in einem gebrochenen Englisch- Thai]. „Das erklärt so einiges.“, meinte ich lachend. An dieser Stelle schien das Eis gebrochen. Und auch beim Abendessen war die Stimmung um einiges besser.
Was danach kam, schaffte es, meine Schwester wieder ihre giftige Abwehrhaltung einnehmen zu lassen. Unser Dad hatte uns in seine Stammbar geschleppt, mir einen Jackie-Cola in die Hand gedrückt und selber mit seinen Arbeitskollegen einen gehoben. Julie, die strikt gegen Alkohol war [Sie hatte all das, was ein normaler 17-Jähriger unternahm bereits im Alter von 11 ausgelebt und mittlerweile gehörig die Schnauze voll davon], hatte sich in eine Ecke zurückgezogen und geschmollt.
Mit dem Jackie fühlte ich mich gänzlich unwohl – ihr könnt euch den Grund sicher denken. Ich sag nur: Jessy’s gelungene 2-Mann Geburtstagsparty! Nach dem 3. Glas ließ ich mich vom Wirt bereitwillig dazu überreden, ein Wetttrinken gegen den Mitbewohner und Geschäftspartners Nr. 1 unseres Dads zu bestreiten. Und wer hatte weder Erwarten gesiegt? Ich. [Fragt mich nicht, wie ich das geschafft habe…immerhin wisst ihr ja mittlerweile, dass ich nicht sonderlich viel vertrage.] „Wow, den hast dus gegeben. Long Island Icetea für Seymour-Junior aufs Haus!“ Seymour war der Name meines Dads, den ich am heutigen Abend so oft hören durfte, dass ich mich langsam fragte, ob er nur hier war, weil hier jeder mit oder über ihn sprach. Den Long Island Icetea schob ich recht schnell bei seinem Geschäftspartner ab, da ich nicht sonderlich der Fan dieser Seifen-Mischung war. Und kaum war der stockbesoffen, schaltete meine Schwester sich ein, setzte sich gegenüber von ihm und fing an, mit ihm sein Leben auszudiskutieren. Und das nicht auf eine nette Art und Weise. Der Abend ging in die Geschichte der Bar ein. Der Abend, an dem Rolph von einer 14- Jährigen vor allen anderen gedemütigt und fertiggemacht wurde, bis er entrüstet das Gebäude verließ, um sich woanders ins Delirium zu saufen. Dad versicherte uns, dass er morgen Mittag wieder bei ihm zuhause aufkreuzen würde…immerhin wohnte er schon eine Weile bei ihm, nachdem seine Frau ihn verlassen hatte. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, mit Mai Pool zu spielen. Naja, wir versuchten es zumindest. So angetrunken, wie wir beide waren, konnte keine von uns mehr einen Ball treffen, ohne ihn durch die ganze Bar zu feuern.

Der nächste Morgen war alles andere, als angenehm. Es war halb 9, als Dad uns mit einem Jetlag aus dem Bett schmiss und uns dazu nötigte, zu frühstücken, nur, um sich gleich danach wieder im Wohnzimmer hinzulegen und bis Mittags zu schlafen, um dann zu arbeiten und Abends wieder einen draufmachen zu gehen. Dass er und Mai nach unserem Barausflug noch in ein paar Discotheken vorbeigeschaut hatten, schockierte mich geradezu. Kein Wunder, dass er dann den halben Tag verpennte. Julie hatte sich 4 Stühle vom Esstisch zusammengeschoben und darauf ein Nickerchen gemacht, während Rolph, der sich an sogut wie nichts mehr vom Vorabend erinnern konnte, an seinem Laptop arbeitete und Mai und ich damit beschäftigt waren, uns anders zu unterhalten. Sie hatte mir den Arbeitslaptop meines Dads aus dem Schlafzimmer stibitzt und so saßen wir nun an dem Flimmerkasten und durchforsteten das World Wide Web. Und siehe da – wer meldete sich denn bei mir? Das Anzeigebild eines roten Schopfes sprang mir entgegen und ich seufzte kurz verträumt, während ich den Inhalt seiner Nachricht an mich sorgfältig durchlas.Hey! Du kommst doch heute Abend? Ich freu mich auf dich! „Was ist?“, Mai lehnte sich über meine Schulter. „Oh! Der ist ja süß!“ Sie grinste breit, während sie den Inhalt zu lesen versuchte, allerdings kein einziges Wort verstand. „Das ist…jemand besonderes.“, erklärte ich, blickte dann aber eher bedrückt drein. „Wir wollten uns heute Abend in einem Club treffen…aber ich bin hier. Nichts mehr mit Club, hm?“ Ich setzte mich ein wenig enttäuscht ans zurücktippen. Hey…ehm, nee, mir ist da was dazwischengekommen…befinde mich gerade auf einem anderen Kontinent. Die Antwort danach kam rasend schnell. Auf einem anderen Kontinent? Was zur Hölle machst du da?! Familiäre Gründe…Ich mach das wieder gut. Soll ich dir was mitbringen? Hmm…Okay, bring mir was schönes mit. Überrasch mich. PS: Muscheln find ich cool. Als mir angezeigt wurde, dass er sich ausgeloggt hatte, war ich gerade dabei deprimiert zu sein. „Weißt du was…?“ Mai sah mich aufmunternd an. Sie hatte mich die ganze Zeit über aufmerksam beobachtet und mitgekriegt, wie mir das zu Schaffen machte. „Wir gehen heute Nachmittag Shoppen. Das muntert immer auf.“ Und wie Recht sie da hatte.
Als ich in der riesigen Halle stand, in der es um die 200 Stände mit verschiedensten Waren von Dessous, bis hin zu Kuscheltieren und Obst, hatte ich meinen Kummer vergessen und mich von Stand zu Stand gekämpft. Meine Schwester hatte es mir gleichgetan und da unser Dad nicht gerade geizte, fuhren wir als es bereits dunkel war, mit ganzen 2 Taxis zurück, weil eins nicht mehr gereicht hätte. „Ich hab sie nicht gefunden…“, jammerte ich, während ich auf der Rückbank inmitten von vollgestopften Einkauftüten hockte und über den Rückspiegel Blickkontakt mit meinem Dad suchte, der nur seufzte. „Ich hab dir gesagt, hier gibt es keine Muscheln. Warte bis in 2 Tagen ab, da fahren wir nach Phuket an den Strand und gut ist. Da gibt’s Muscheln, die kannst du schon gar nicht alle einpacken. Wozu brauchst du die überhaupt?!“ Ich seufzte ebenfalls und verschränkte die Arme. „Nur so.“, gab ich bissig zurück. Wenn ich zurückkam und Patrick keine Muscheln mitbrachte…dann konnte ich mich auch gleich erhängen.
Zuhause angekommen, hatte ich schon gar keine Lust mehr meine neuen Klamotten anzuprobieren und mit Mai und Julie Modenshow vor dem Spiegel in der Eingangshalle zu spielen. Stattdessen setzte ich mich ins Fernseherzimmer zu meinem Dad, der wieder auf der Sofa eingenickt war, und studierte den Wetterbericht, der zwischen der ein oder anderen Asian-Drama-Soap gelaufen war.
Es würde regnen – nonstop. Damit wäre dann der Urlaub nach Phuket gelaufen. „Dad….Dad!“ Ich stupste ihm mit einem Kugelschreiber, der auf dem Couchtisch gelegen hatte, in die Wange. Er schnarchte kurz wütend und drehte sich um. „Menno…“ Deprimiert ließ ich mich in den Sessel sinken und schaute mir doch noch eine der Soaps an. Manchmal fühlte man sich selber, wie als wäre man Teil einer Soap. Ich wusste, wie sich die Protagonistin gefühlt hatte…

Als hätte ich es nicht gewusst gehabt. Da unser Ausflug an den Strand wegen des Wetters gecancelt war und sogar unser Ausflug in den Freizeitpark darunter leiden musste, waren die Tage so verstrichen, wie wir es geahnt hatten. Schlafen, morgens früh raus nur um zu frühstücken, vor sich hinvegetieren, mittags was essen, nachmittags bis abends shoppen und anschließend ging es dann wieder in irgendeine Bar und danach wieder nach Hause. Während wir den ein oder anderen Koffer zusätzlich kaufen mussten, weil unsere Schränke geradezu überqollen, konnte ich von meiner Laune nicht unbedingt behaupten, dass sie gerade vor Euphorie überströmte. Ich hatte sogut wie jeden Laden in Bangkok durchforstet (und war stattdessen in haufenweise Merchandising-Laden gelandet, in denen ich mein Taschengeld verprasste…), aber kein einziger Verkäufer hatte mir sagen können, wo ich Muscheln fand. Irgendwann mittags hatte ich mich an den Esstisch gesetzt und geschmollt, als mein Dad fuchsteufelswild die Treppe runtergestapft kam. „Sie ist immer noch nicht da! Ich wette die zieht sich jetzt wieder irgendeinen kranken Scheiß rein und macht sich das Leben kaputt! Ich hab sie gewarnt! Wenn sie hier noch einmal unter Drogeneinfluss reinkommt, werf ich sie raus!“ Rolph und Julie blickten von den Notebooks. „Drogeneinfluss?“ Meine Schwester zog die Augenbrauen zusammen. „Bestimmt nicht.“ Ja, unser Bild von Mai war mittlerweile mehr als gut gewesen. Sie verhielt sich zwar nicht wie eine Mutter, jedoch war sie für uns wie eine sehr, sehr gute Freundin gewesen. Und wie aufs Stichwort öffnete sich die Haustür und reingestolpert kam eine völlig fertige Mai. Sie sah aus, als hätte man sie gezwungen 48 Stunden wach zu bleiben. Ihr Gesicht war kreidebleich gewesen und ihre Augen wirkten irgendwie ungesund. Außerdem zitterte sie und von normal reden war nicht mehr die Rede. Dad nahm sie sich gleich zur Brust und zog mit ihr nach oben ab. Julie warf mir einen ungläubigen Blick zu. Von oben hörte man Brüllen, lautes Weinen und dann plötzlich wie ein harter Gegenstand gegen die Wand flog und zerbrach. Wer sein Handy liebgewonnen hatte, wusste, dass gerade Handys durch die Gegend geflogen waren. Was danach kam, war eine aufgerissene Tür und lautes Poltern. Dad schob Mai vor sich her und zog einen Koffer die Treppe runter. Die Haustür flog auf und beide flogen raus. Koffer und Mai. „Dad…Dad, was machst du?!“ Julie schaltete sich gleich ein. „Ich hab ihr die Bedingungen klar und deutlich gesagt. Drogen und sie fliegt raus! Ich kann dieses ganze Jabba & Ice Zeug zum Tod nicht ausstehen!“ Gut, Crystal Meth war wirklich keine Alternative gewesen, mal davon abgesehen, dass ich nicht verstand, warum Mai Drogen konsumierte, aber irgendwie mussten wir uns für sie stark machen.
Es hatte 2 Stunden dauerhaftes Einreden gebraucht, bis wir unseren Vater soweit hatten, Mai wieder ins Haus zu lassen, damit die beiden sich aussprechen konnten und 3 Tage, bis er ihr verziehen hatte und ihre eine Chance gab [An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass sie bis heute die Finger von dem Zeug gelassen hat].
Zu meinem Glück, wenn man es so betrachtete…denn sonst wäre folgendes nicht passiert:

Die 2 Wochen vergingen wie im Flug und am vorletzten Tag hatte ich immer noch kein Geschenk für Patrick auftreiben können. Die letzte Hoffnung war deshalb der Nachtmarkt in Sukhumvit gewesen. Also hatte ich mich ein weiteres Mal dazu überwinden können hinzugehen. Nichts gegen Nachtmärkte – nein, ich liebte sie sogar! Aber der in Sukhumvit war mir aus 2 Gründen absolut unsympatisch. 1. Er war total überteuert und 2. waren mir die Leute dort absolut suspekt. Warum? Das werdet ihr jetzt erfahren. Der Nachtmarkt in Sukhumvit war riesig und normalerweise fand man dort sogut wie alles, was man suchte. Von Klamotten, Koffern, Souveniers, bishin zu Taschenmessern, andere Waffen und Pornos. [Nicht, dass ich mich für irgendetwas davon interessierte. Ich war keine durchgedrehte Massenmörderin! Oder…Perverse!]
Die Stände standen dicht an dicht aneinander, was nicht unbedingt viel Raum zum Gehen oder Stehen bei dem Andrang ermöglichte. Dad und Julie torkelten uns gemütlich hinterher, Mai und ich bildeten die Sturmfront in dem Gedränge. „Jessy, mir fällt gerade was ein…wir haben noch nichts, was wir Fab und Colin mitbringen können…“ Fabian und Colin waren unsere Stiefbrüder. „Und das fällt dir jetzt ein? Na super.“ Das hieß also, ich musste nicht nur nach Muscheln Ausschau halten, sondern auch nach passenden Geschenken für die beiden? Seufzend blieb ich an einem T-Shirt-Stand stehen. „Wir bringen ihnen am besten ein paar T-Shirts mit, die ihnen gefallen könnten.“, schlug ich vor und durchforstete den Stand nach ein paar Motiven von Harley Davidson, die eventuell Colin gefallen könnten. „Entschuldige…“ Ein Kerl, der mindestens 30 Jahre älter war als ich, lehnte sich neben mir an dem Stand an und grinste mich an. „Kann ich dich zu einem Drink einladen?“, fragte er unverhohlen und machte keine Anstalten zu gehen, als ich ihn ignorierte. Und Leute, das lag nicht nur an dem Turban, den er aufhatte oder dem extrem vollen Bart. „Hey, ich hab dich was gefragt!“ Langsam wurde er ungemütlich, als drehte ich mich zu ihm und setzte ein Lächeln auf. „Nein danke und wenn sie keine Anzeige wegen Sexueller Belästigung einer Minderjährigen am Hals haben wollen, gehen sie jetzt lieber.“ Sein Grinsen fiel ihm aus dem Gesicht und schon wurde er wütend. „Du Mist-“ „Nanana…“ Mein Dad baute sich hinter mir auf und der komische Kerl von eben suchte schnell das Weite. „Mit so Kerlen solltest du erst gar nicht reden.“, tadelte Dad mich und zog mich von dem Stand weg, um weiterzugehen. So, nun wisst ihr, warum ich Sukhumvit nicht wirklich leiden kann. Der Kerl war nämlich kein Einzelfall. Während wir auf der Suche nach Geschenken waren, war mir nicht ein einziger Stand aufgefallen, der die passenden Waren verkaufte. Ich sah mich gerade erneut in einem T-Shirt-Stand um, als ich Mais Ellbogen in meinen Rippen spürte. „Ouch!“, machte ich und verzog das Gesicht. Mai zeigte ein paar Stände weiter vor. Da saß ein Kerl, der etwa in meinem Alter sein sollte. Er sah unverschämt gut aus, wie er da in seinem offenen Hemd auf dem Hocker saß und am Strohhalm seiner Softdringpackung nickte. Mich brachte vor allem diese perfekt sitzende Frisur zum staunen, die ihn wie einen asiatischen Boygroubsänger aussehen ließ. „Vergiss deinen Freund in Deutschland, der hier ist doch viel besser.“ Mai kicherte leise und zog mich in seine Richtung. Kaum hatte er uns erblickte, grinste er uns frech entgegen. Ich blieb sofort stehen. „Nein, lassen wir das.“, meinte ich hektisch und da schaltete sich erneut mein Dad ein. „Geht weiter. Ich hab keine Lust mehr auf Shopping.“ Grummelnd zog er mit Julie an uns vorbei und so blieb mir nichts anderes, als den beiden mit Mai im Gefolge hinterherzugehen. An der nächsten Straßenecke, blieben wir dann stehen. „Julie, wir gehen jetzt zusammen zum Biergarten dadrüben. Mai, du gehst mit Jessy weiter nach diesem blöden Zeug suchen. Okay?“ Julie nickte, anscheinend war ihr die Lust aufs Einkaufen ebenfalls vergangen. „Okay, dann los.“ Mai packte mich an der Hand und zog mich wieder in das Einkaufsgetümmel. Dad und Julie waren längst nicht mehr zu sehen, als ich mich nach ihnen umdrehte. Als ich mich wieder in Blickrichtung drehte, stand mir ein großgewachsener, dunkelhäutiger Amerikaner gegenüber, in den ich fast hineingerannt war. Er blickte mit einem strahlendweißen Lächeln auf mich hinab. „Hey Süße.“ Und schon vorbei. Er war mir unsympatisch. Ich zog den Kurzarmbolero über meinem hellblauen Top ein weniger weiter zusammen, um von da oben nicht zu viele Ausschnitteinblicke zu ermöglichen. Mai zog mich schnell von dem Kerl weg. „Du scheinst die hier echt anzuziehen.“, meinte sie allmählich genervt, „Ich werde nicht halb so oft, wie du, hier angemacht.“ Ich zuckte entschuldigend mit den Schultern und hakte mich bei ihr ein, damit wir uns nicht verloren. „Wo wir jetzt alleine sind…wollen wir wieder zu dem Typen von eben?“, fragte Mai aufgeregt und sah mich erwartungsvoll an. „Lieber nicht. Dad will nicht, dass ich mir einen Freund hier zulege.“, versuchte ich das Thema vom Tisch zu räumen, aber sie ließ nicht locker. „Wir müssen es Seymour ja nicht sagen…ich will dich mit ihm verkuppeln, das wäre echt süß! Meine kleine Schwester habe ich auch mit ihrem jetzigen Freund verkuppelt, aber da war das nicht so lustig, du bist viel hübscher, da hat man mehr Auswahlmöglichkeiten.“ Ich sah Mai mit einem entsetzten Blick an. „Wow, ich fühl mich wie ein Stück Fleisch, mit dem du Hunde anlocken willst.“ Sie lachte kurz darüber und beließ es dabei, aber ich merkte schon, dass sie weiterhin nach gutaussehenden Kandidaten Ausschau hielt. Mich tippte jemand von hinten an und stand im nächsten Augeblick bereits neben mir. „Hey Süße, Lust ein wenig zu plaudern?“ Der Amerikaner meldete sich zurück zum Dienst. Ich schüttelte rasch den Kopf und versuchte ihn zu ignorieren, da wurde Mai auf einmal richtig wütend. „Alter, lass sie in Ruhe, ja! Wenn du meine Tochter noch einmal anmachst, dann hast du ein Problem!“, fuhr sie ihn an und er schaute sie genauso geschockt an, wie ich. „Lass uns gehen!“ Mai lief ihm Schnellschritt weiter und zog mich neben ihr her. „Das gibt’s nicht…der lässt nicht locker.“ Mir kurz über die Schulter geblickt, sah ich, wie der Kerl uns folgte. „Ohman…“ Die nächsten 3 Straßen war er uns gefolgt und so war es nicht besonders einfach gewesen, nach T-Shirts zu gucken, weil er bei jedem Stand ebenfalls anhielt, um mir wieder und wieder dieselbe Frage zu stellen. Wir waren längst wieder auf dem Rückweg, ohne jegliche Ausbeute, das hatte der Kerl gut zu verhindern gewusst, als mir der Geduldsfaden riss und ich ihn beinahe lauthals anbrülllte. „Jetzt hör mir mal zu! Ich-bin- vergeben! Lass mich bitte in Ruhe! Danke!“ Ich blieb vor einem weiteren Stand stehen, an dem es T-Shirt zu kaufen gab und griff nach einem x-beliebigen, als er mich an der Schulter packte und mich zu sich umdrehte und mich weiterhin angrinste. „Mir ist egal, ob du einen Freund hast oder nicht. Wir können auch einfach nur befreundet sein…lass uns nur ein wenig…reden.“ Mai funkelte ihn wütend an, da fasste mich jemand am Handgelenk und zog mich von ihm weg und zu sich. Mein Gesicht wurde auf einmal gegen eine gutgebaute Brust gedrückt und ein Arm lag fest um mich. Ich blickte in die geschockten Gesichter von Mai und dem Amerikaner, als die Person anfing zu reden, die mich im Arm hielt „Lass die Finger von meiner Freundin, verstanden?“ Unsicher blickte ich hinauf in das Gesicht des Typens, mit dem mich Mai verkuppeln wollte. Sie hatte uns also wieder hierher gelotst? Gerade dankte ich ihr innerlich dafür. Der Amerikaner winkte sogleich mit den Händen ab. „Okay, tut mir sehr leid, kommt nicht wieder vor!“, versprach er und verzog sich schnell. Kaum war er weg, drückte ich mich von meinem Retter weg. „D-Danke.“, stotterte ich und stotterte rücklings über einen Schlauch, der mitten im Weg lag, doch bevor ich hinfliegen konnte, hatte mein Retter mich schon am Handgelenk gepackt und zurückgezogen. Na toll, jetzt hatte er mich schon ganze 2 Mal gerettet. „Ich muss dann…los!“ Ich zog die Hand zurück, drehte mich um und eilte davon, mitten ins Gemenge, nur um von ihm wegzukommen. Ein paar Stände weiter, blieb ich stehen. Ich war außer Sichtweite, doch Mai hatte mich gerade noch zwischen all den Leuten sehen können. „Jessy! Was soll der Mist?!“ Sie hatte mich bereits erreicht und stemmte vor mir die Hände in die Hüften. „Er hat dich gerettet! Du hättest ihm wenigstens sagen können, wie du heißt!“, meckerte sie, doch ich schüttelte rasch den Kopf. „Nein, hätte ich nicht…das war…eine totale…Blamage.“ Mit der Situation war ich einfach absolut überfordert gewesen. Das kam mir mehr vor, wie in einer dieser Liebeskomödien oder so. Total kitschig und total unreal. Umso erschreckender war es, dass es sowas tatsächlich gab. „Wir gehen zurück.“, entschied Mai und ich nickte. „Ja, gehen wir zu Dad und Julie zurück.“, stimmte ich ihr zu, nur hatte ich sie leider missverstanden. „Nicht zu den beiden…zu ihm!“ Ich lachte, als hätte Mai gerade einen Witz gemacht. „Ähh…nein. Lassen wir das. Das wird einfach nur peinlich.“ Im Grunde wäre ich gerne hingegangen, aber ich sah meine Chancen bereits als vertan an, da ich mich vorhin einfach nur total daneben verhalten hatte. Mai schüttelte seufzend den Kopf und zog mich einfach durch das Gedränge zurück zu dem Stand, an dem mein Retter mich vorhin vor dem Amerikaner beschützt hatte. Er saß wieder lässig auf seinem Hocker und sprach mit einem Jungen, der ihn ziemlich ähnlich sah, nur hatte der blond gefärbte Haare. An dem Stand gegenüber blieb Mai stehen und sah sich eines der T-Shirts an. „Leg das weg…“, zischte ich ihr zu. „Das ist total hässlich…am Ende denkt er noch, wir hätten keinen Geschmack.“ Mai schenkte mir einen ‚Du-bist-so-ein-Anfänger’-Blick. „Er wird sich wohl kaum für das T-Shirt interessieren.“ Ein älterer Herr gesellte sich zu uns. „Die T-Shirts kosten 80 Baht pro Stück.“, fing er das Gespräch mit uns an. „Wir sind nicht wegen den T-Shirts hier.“, erklärte Mai und warf einen Blick über ihre Schulter, um dem Mann zu signalisieren, dass wir wegen dem Jungen in dem weißen Hemd da waren. „Ahh…soll ich ihn herholen?“, fragte der Mann, der nun ein herzliches Lächeln auf den Lippen hatte. „Nein!“ „Ja!“ Unsere Antworten kamen zeitgleich, doch Mai schickte den Mann sofort los. „So, Liebes. Egal was passiert…du nimmst seine Nummer, nicht er deine. Viel Glück.“ Und weg war sie. Mein Retter stellte sich direkt neben mich, während ich beschämt die Shirts vor mir inspizierte. „Hey.“, begrüßte er mich und als ich ihm einen Blick zuwendete, sah ich, dass auch er zu den Shirts runterschaute. Er lächelte breit und irgendwie ermutigte mich das. „Hi.“, erwiderte ich und lächelte, da blickte er auch mir entgegen. „Deine Mom ist echt lustig.“, fing er an. Ich wollte ihm widersprechen, dass Mai nicht meine Mutter war, doch ich beließ es dabei. Sollte er eben denken, dass sie es war. „Achja…warum?“, fragte ich ihn daraufhin und er lachte kurz. „Naja…sie versucht dich mit mir zu verkuppeln, dass ist dir schon klar?“ Ich wurde schlagartig rot und sah schnell weg. „Naja…sie macht manchmal was sie will. Ich hab sie nicht drum gebeten.“, versuchte ich mir rauszureden. „Achso ist das. Schade…ich dachte, du könntest mir vielleicht deine Nummer geben und wir schauen, was draus wird.“ Er hatte immer noch ein zuversichtliches Lächeln auf den Lippen. „Weißt du was?“ Ich sah ihn wieder direkt an. „Vielleicht hat meine Mom ja recht. Aber…du gibst mir deine Nummer, einverstanden?“ Er sah mich zuerst verunsichert an, rief seinem Sitzpartner von eben aber sofort zu, ihm einen Stift und Papier zu organisieren. Als es ein wenig länger dauert, wurde er nervös und machte Hektik. „Ähm…mein Bruder kommt gleich. Hab ein wenig Geduld.“ Ich lachte kurz auf und schüttelte nur den Kopf darüber. „Du hast wohl Angst, dass ich dir weglaufe.“ Er wollte noch etwas erwidern, doch da kam sein Bruder schon und er schrieb mir schnell seine Nummer auf einen Zettel, den er mir dann übergab. „Ruf mich an, ja?“, flüsterte er mir noch zu und lehnte sich vor, dann ging er aber wieder zu seinem Bruder rüber und ließ mich alleine stehen. Ich suchte auch recht schnell wieder das Weite und wurde von einer aufgeregten Mai abgefangen. „Uuuuuund? Wie ist es gelaufen?“, wollte sie gleich wissen und ich hielt ihr den Zettel triumphierend lächelnd entgegen. Sie quietschte kurz auf und umarmte mich stürmisch. „Mach den Zettel auf, ich will wissen wie er heißt.“, drängte sie mich und ich tat, wie mir befohlen. „Du…Mai…“, fing ich an. Mir war die ganze Freude aus dem Gesicht gefallen. „Was denn?“, fragte sie mich verunsichert. „Ich glaube…er hat mich verarscht.“ Mais Gesicht spiegelte Entsetzen wieder. „Wieso?“, wollte sie wissen. „Über der Nummer steht Joke.“, antwortete ich geknickt. Mai seufzte, schüttelte den Kopf und gab mir dann eine Kopfnuss. „Das ist sein Name, du Nuss.“
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Das war sein Name?
[Hier ein kleiner Einwurf. Er hieß eigentlich Chok. Wer den Film Hangover 2 gesehen hat, wird sich an den Milchreis erinnern, mit dem Stu so oft verglichen wurde. Ja, das war Chok. ]
„Wir rufen ihn an! Heute Abend noch!“ Und wie wir das tun würden.

Wir saßen mit Julie zusammen auf meinem Bett. „Ey, ein Wunder, dass Dad davon nichts mitbekommen hat.“, meinte Julie und lehnte sich gegen das Kopfstück des Bettes und begutachtete die Nummer in ihren Händen. „Er heißt echt Joke?“
Ja, ich konnte das auch noch nicht so wirklich glauben. „Mai, darf ich ihn von deinem Handy aus anrufen?“, fragte ich sie und sie warf mir ihr Handy zu. Da Dad ihr altes durch die Gegend geworfen hatte, war Mai jetzt im Besitz eines ganz neuen Models. Damit klarkommen tat sie trotzdem noch nicht. „Machs nur nicht kaputt.“ Mir die Nummer von Julie zurückgeholt tippte ich sie ein und drückte auf das grüne Zeichen. Es gab ein Freizeichenton…und noch eins. Als dann keiner abnahm, legte ich auf und seufzte. „Ich glaube, er hieß doch nicht Joke.“, meinte ich und ließ den Kopf resigniert hängen. „Nein, er ist bestimmt einfach nur beschäftigt oder so.“, versuchte mich Mai aufzumuntern, da klingelte das Handy auf einmal. Vor Schreck warf ich es weg von mir und quietschte kurz auf, Mai quietschte ebenfalls, aber mehr, weil sie ihr Handy vor dem sicheren Sturz retten wollte. Es aufgefangen, drückte sie es mir in die Hände „Nehm ab – und werf es ja nicht wieder durch die Gegend!“ Ich nickte eifrig und nahm ab, „Hallo?“, sprach ich unsicher in den Hörer. „Hey…bist du die Kleine von heute Abend?“, fragte die Stimme am anderen Ende. Ja, das war Joke gewesen. „Japp, du bist genau richtig.“, antwortete ich und musste kurz lachen, wenn auch mehr aus Nervosität. „Gut, verrätst du mir deinen Namen?“ „Jessica. Aber du kannst mich Jessy nennen.“ Joke lachte kurz. „Jessy also. Hübscher Name. Wie alt bist du?“
Mir war klar gewesen, dass die Frage früher oder später kommen würde. Aber ich wollte zuerst wissen, wie alt er war. „Für wie alt hältst du mich denn?“, stellte ich also als Gegenfrage und er überlegte kurz. „21? So im Dreh.“ 21…?! Hatte der Tomaten auf den Augen gehabt? „Ich glaube ich bin doch nicht die von heute Abend…wieso 21? Ich bin nicht 21. Ich bin 17!“, gab ich entrüstet von mir. „17? Ich hab dich für älter gehalten! Ohman…ich bin 25.“ Mir fiel fast das Handy aus der Hand. „25…? Ich hab dich für wesentlich jünger gehalten.“ Darüber lachten wir jetzt beide. Und trotz des Altersunterschieds, unterhielten wir uns noch eine halbe Ewigkeit über alles mögliche. „Wie lange bleibst du noch hier?“, fragte er mich schließlich. „Nicht mehr lange…morgen ist der letzte Tag.“ „Morgen schon? Das ist ja blöd…hast du Lust Morgen den Tag dann noch mit mir zu verbringen?“, fragte er dann und ich hörte, wie erwartungsvoll er war. „Ähm…“ Ich überlegte und wollte ihm zustimmen, da piepte das Telefon urplötzlich und schaltete sich ab. „Nein! Verdammt!“, fluchte ich und blickte auf den schwarzen Display. „Mai! Dein Handy! Der Akku! Ich brauch ein Aufladekabel!“ Mai und ich stürzten zeitgleich aus der Tür und rannten die Treppen runter zu ihrem Schlafzimmer, um dort ein Aufladekabel aufzutreiben. Das Handy angesteckt, ging es wieder an und ich tippte schnell wieder Jokes Nummer ein. Julie war in der Zwischenzeit auch in das Zimmer eingetrudelt. Ein Freizeichenton, bis mir jemand etwas ins Ohr faselte. „Ihr Guthaben beträgt 0 Baht und…“ Aufgelegt, warf ich Mai einen grimmigen Blick zu. „Dein Guthaben ist leer.“ „Oh…mist. Dann müssen wir schnell eine neue Handykarte kaufen. Blöd, dass ich kein Geld mehr habe.“ Mai überlegte. „Frag einfach Dad nach Geld.“, schlug Julie vor. „Ich geh ihn fragen. Mai gibt er seit der Sache vor einer Woche kein Geld mehr.“ Und so sollte es sein. Ich schlich mich die Treppe runter ins Fernsehzimmer und piekste Dad mal wieder in die Wange. „Dad.“, zischte ich ihm zu. „Dad…ich brauch Geld.“ Er grummelte, öffnete dann aber ein Auge und kramte in seiner Tasche nach seinem Geldbeutel. Einfach nach Geld gegriffen, hielt er mir 500 Baht entgegen. „Hier. Und jetzt lass mich schlafen.“ Ihm das Geld abgenommen, freute ich mir bereits ein Loch in den Bauch. „Dankeschön.“ Grinsend huschte ich wieder hoch in den 4. Stock zu Julie und Mai, das Geld siegreich in den Händen haltend. „Lasst uns los, ich brauche Geld um Joke anzurufen!“, verkündete ich. „Ich bleib hier, fahrt ihr nur ruhig.“ Julie räkelte sich genüsslich auf dem Bett. „Wenn ich mitkomme, muss ich sonst wieder die 4 Stockwerke hier hoch…“ Wir lachten und huschten durch das Treppenhaus. Uns auf Mais Motorroller geschwungen, fuhren wir zum nächsten 7-Eleven um dort die Handykarte zu kaufen. „Wir haben mehr als genug Geld…kaufen wir noch irgendwas Süßes oder Chips.“, schlug Mai vor und schob mich in das Süßwarenabteil. „Ich geh vorne Zigaretten für Seymour kaufen, dann steh ich ein wenig besser bei ihm.“ Ihr zugenickt, widmete ich mich den Süßigkeiten. Auf Chips hatte ich nicht wirklich Lust. Mir eine Packung Pockys aus dem Regal gezogen, musste ich unwillkürlich an eine gewisse Person denken. Patrick. Ich hatte ihn völlig vergessen. Ich hatte kein Geschenk und war drauf und dran meinen letzten Tag mit jemand anderen zu verbringen mit völlig falschen Gedanken im Hinterkopf. Mir einen Einkaufskorb geholt, stopfte ich so viel Süßkram in ihn, wie es nur ging und kam mit dem Korb vor an die Kasse, wo Mai schon auf mich wartete. „Warum um alles in der Welt hast du so viel Süßzeug geholt?“ Sie sah mich verwundert an. „Die sind für…Patrick.“, antwortete ich und übergab dem Kassierer das ganze Zeug. Mit den Tüten bewaffnet fuhren wir wieder zurück und nachdem Mai ihr Handy aufgeladen hatte, konnte ich Joke endlich anrufen und ihm antworten. Ich lehnte zwar ab, meinen letzten Tag mit ihm zu verbringen, jedoch nahm er mir das Versprechen ab, ihn in den nächsten Ferien zu besuchen und damit ich ihn ja nicht vergessen würde, schickte er mir noch ein paar Fotos auf mein Handy rüber. Im Austausch dafür bekam er auch eins von mir, was er als letzten Anlass sah mich anzurufen und mir erneut das Versprechen abzunehmen.

→ Let‘s stay with Jessy - But now it‘s Steph‘s work again.
(An dieser Stelle noch einmal Danke an Jeychan. Gute Arbeit!
Ich hoffe euch hat die kleine Überraschung so gefallen wie mir.)

So groß die überraschende Wende unseres Urlaubs auch gewesen war, ich war heilfroh endlich wieder Zuhause zu sein. Und auch Julie ging es nicht anders.
Sie war gleich nach oben in ihr Zimmer gestürmt und verbrachte ihre Zeit mal wieder damit, die Telefonrechnung in die Höhe zu treiben. Meine Gedanken kreisten ebenfalls darum Suzie anzurufen und ihr alles zu erzählen. Außerdem wollte ich wissen, wie es ihr ergangen war. Doch leider war es bereits 22 Uhr und ich erreichte sie nicht... vielleicht war sie feiern. In 3 Tagen würde es nämlich bereits Goodbye Ferien und Nice to see you again Schulalltag heißen...deprimiert und irgendwie auch verärgert darüber, dass Suzie zwar wusste, dass ich bereits zurück sein musste, sich aber nicht bei mir meldete, kippte ich meinen Koffer auf meinem Bett aus und warf einen Blick auf den Berg aus neuen Klamotten. Ein Wunder, dass ich alles hatte einpacken können. Kaum schubste ich den Koffer wieder vom Bett, landete er mit einem lauten Klappern auf dem Holzboden und dann klingelte mein Handy plötzlich. Ich zuckte erschrocken zusammen. Innerlich betete ich, dass Suzie doch an mich gedacht hatte...und so war es. Ihr Name leutete auf dem Display und dann hörte ich auch schon ihre muntere Stimme: „Su!“, stieß ich mit ungehaltener Freude aus. Zwar hatte ich ihr eine nette Postkarte schreiben können, doch telefoniert hatten wir nicht einmal...anders als versprochen. Irgendwie hatte es nie funktioniert...entweder hatte ich keine Zeit gefunden, oder sie war nicht zu erreichen gewesen. Daher war ich nun umso glücklicher ihre Stimme zu hören, doch bevor ich zu plappern began,n ergriff sie das Wort: „Komm mal raus.“, ich stockte erstaunt. Raus...? War sie etwa...? „Du bist hier?!“, rief ich überrascht aus und wartete auf eine Antwort.
„Leg endlich auf und tu, was ich dir sage!“, lachte sie am anderen Ende und schon hatte ich das Handy weggeschmissen und war die Treppe heruntergestürmt. Meine Mutter war mit auf dem Flur begegnet und sah mir irritiert nach. Doch ohne sie zu beachten, schlüpfte ich in meine Schuhe und riss die Tür auf. Der Vorgarten lag in völliger Dunkelheit und als der Hund aufgeregt an mir vorbei stürmte und freudig bellte, vernahm ich Suzies Stimme.
Kaum hatte sie einen Fuß auf den Rasen gesetzt, sendeten der Bewegungsmelder ein Signal und die schwachen Lampen erleuchteten. Sie war tatsächlich hier!
„Suzie!“, ungehemmt stürmte ich auf sie zu und stolperte dabei beinahe über meine eigenen Füße. Im Augenwinkel erblickte ich auch Percy, der sie wohl hergefahren hatte...doch für diesen Moment war er bloß Nebensache. Ich nahm meine beste Freundin fest in den Arm, gar so als wäre ich Jahre lang von ihr getrennt gewesen. Lachend hatte sie mich abgefangen und begrüßte mich ebenso herzlich.
Am liebsten hätte ich vor Freude geweint - okay, um ganz ehrlich zu sein...Tränen hatte ich in den Augen: „Ich dachte schon, du hast mich vergessen...bei dir Zuhause ist die ganze Zeit über niemand rangegangen. Und Julie hat schon fast alle ihre Freunde durchtelefoniert. Ich wollte als erstes dich erreichen.“, plapperte ich los und konnte die gelungene Überraschung noch immer kaum glauben.
„Als ob ich dich vergessen würde.“, erneut schloss Suzie mich kurz in ihre Arme, dann meldete sich Percy schief lächelnd zu Wort.
„Hey Ladys...nur dank mir seht ihr euch heute Abend.“, wieder stimmten Suzie und ich in ein ansteckendes Lachen an und dann nahm ich auch Percy endlich in den Arm, jedoch bei Weitem nicht so übermütig wie Su.
Ohne zu zögern nahm ich die beiden mit rein und führte sie gleich in mein Zimmer, wo ich als erstes in dem Chaos die Geschenke für Suzie heraus suchte.
Ich hatte an natürlich auch an sie gedacht und immer brav alles gegriffen, was ich mit ihr verband. Highheels, Oberteile, eine Tasche und sogar ein sexy Nachthemd hatte ich ihr mitgebracht. Freudig nahm sie ein Mitbringsel nach dem anderen an und begutachtete sie stolz und zufrieden. „Du bist ein Schatz!“ - das konnte ich nur zurückgeben.
Ich muss sicher nicht erwähnen, dass der Abend sehr lang wurde und Suzie so lange wie nur irgend möglich bei mir blieb. Gegen 3 Uhr morgens bestand Percy jedoch darauf, sie endlich wieder nach Hause zu fahren, da er selbst müde wurde und bei unserem Gequatsche ohnehin kaum zum Wort kam und bloß gelangweilt auf meinem Schreibtischstuhl saß. So wurde ich also meine Erzählungen über den Urlaub endlich los. Suzie erzählte mir auch von ihren Ferien - jedoch verschwieg sie mir das wohl wichtigste. Dahinter kam in erst am Abend darauf, als ich mich kurzfristig dazu entschied bei ihr zu übernachten.

Wir hatten zusammen bis spät in die Nacht vorm Fernseher gesessen und uns die neusten Filme zusammen angeschaut, wie wir es beinahe regelmäßig taten - wenn wir Zeit fanden. Kaum war der Fernseher wieder aus, saßen wir auf ihrem Teppich und wickelten uns beide in unsere Decken ein. Endlich konnte ich ohne Mithörer mit ihr sprechen...natürlich kamen wir auf James und Patrick zurück und kurz darauf ließ sie die Katze endlich aus dem Sack: „James und ich...wir treffen uns wieder regelmäßig und verstehen uns echt gut. Ich würde schon fast sagen besser als vorher.“, mir rutschte beinahe alles aus dem Gesicht. Hatte ich richtig gehört? Ihre Wut und die Entschlossenheit sich einen Kerl zu suchen, der anständig mit Frauen umging und ihr gewachsen war, schien wie weggeblasen. „Und das erzählst du mir erst jetzt?! Wie kam es dazu?!“, wollte ich schockiert wissen und setzte mich völlig auf, um sie besser ansehen zu können. „Er hatte sich noch einmal bei mir gemeldet...er hat mich vermisst und du weißt, dass ich auch ihn vermisst habe. Das war alles nicht ganz so leicht, wie ich immer gesagt habe. Außerdem habe ich ziemlich lange mit Jenny und Seth darüber geredet, sie waren auch dafür, dass ich ihn nicht länger strafen soll, da er seine Lektion wohl bereits gelernt hat.“, sie zuckte gleichgültig mit den Schultern. Ich wollte, dass sie glücklich war und meiner Meinung nach hatte James bewiesen, dass er sie nicht glücklich machen würde...doch wusste ich auch, dass ich ihn ihr nicht ausreden konnte. Also nahm ich die Neuigkeiten hin und entschied mich dazu, ihr nicht in ihre Entscheidung reinzureden.
„Ich halte trotzdem nichts mehr von ihm...“, waren meine einzigen Worte, doch etwas anderes schien sie nicht erwartet zu haben. Ob ich wütend war, dass sie es mir verschwiegen hatte? Irgendwie schon, ja. Doch war ich mir auch sicher, dass ich es wohl kaum weiterhin so streng betrachten würde, wenn ich diese Überraschung verdaut hatte...falls man es Überraschung nennen konnte...
Und wie sich herausstellte, musste ich meinen Groll auf James sogar schneller loswerden, als noch am selben Abend vermutet.





Signatur
♣ Life can't be a Fairytale - Ask her,she knows. ♣
→ Beziehungsstatus: Zur Einsamkeit bestimmt?
Dress for the Moment.


Terry ...



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...   Erstellt am 10.12.2011 - 23:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 12 - Love me or leave me!

→ Suzie Hatcher

Nach den Ferien, die das Gleichgewicht unserer Freundschaften wieder grob hergestellt hatten, verlief der erste Schultag beklemmt. Man fand sich im Gedränge wieder und erblickte sogar vereinzelt neue Gesichter. Jessy gab sich Mühe, normal mit James umzugehen, wobei man bemerkte, dass sie sich nur sehr skeptisch wieder an ihn herantastete. James verhielt sich mir gegenüber wie in den Ferien auch. Offen, freundlich und zufrieden. Und auch die Tatsache, dass Jessy ihn nicht mehr zu verabscheuen schien, freute ihn sichtlich.
Wir hatten uns darauf geeinigt, uns gemeinsam für die wenigen freien Minuten der Pause auf den Pausenhof zu verziehen, da im Gebäude die pure Hektik herrschte.
Matt hatte sich auf dem Weg nach draußen an meine Seite gesellt und mich grinsend gemustert. Heute morgen in den ersten beiden Stunden war er mir schon begegnet, doch erst jetzt rückte er mit der Sprache raus, da er sich unbeobachtet fühlte: „Habt ihr euch endlich geeinigt?“, wollte er wissen und nickte unauffällig zu James hinüber, der gerade mit Zac sprach, einem guten Freund von ihm, der ebenfalls in meiner Klasse gelandet war.
„Geeinigt?“, hakte ich nach, doch konnte ich mir denken, was er meinte. Das ewige Hin und Her war wohl kaum jemandem entgangen, der James und mich auch nur ein kleines bisschen kannte. „Darauf, dass ihr es doch probiert.“, als er auf eine Beziehung zu sprechen kam, musste ich lachen und schüttelte den Kopf: „Wir sind nicht zusammen.“, Doch was waren wir eigentlich? Freunde...? Wohl kaum, dazu war zu viel passiert...außerdem merkte man anscheinend, dass etwas zwischen uns in der Luft lag, da ich heute Morgen schon einmal von Tia darauf angesprochen wurde. James hatte mich morgens nämlich abgefangen und zu meinem Klassenraum begleitet.
Kurz zu ihm hinüber gesehen, bemerkte ich, dass auch er mich angeschaut hatte und schob die Gedanken seufzend zur Seite - mir persönlich hatte vor kurzem eine Beziehung noch widersprochen, doch wenn ich ihn so anschaute und mich dazu zwang, ehrlich zu mir zu sein, kam ich mittlerweile zu dem Entschluss, dass es mir gefallen würde, wenn es nun doch drauf hinauslief. Ich meine...was würde sich schon großartig ändern? Nichts. Wir gingen jetzt schon vertrauter miteinander um, als manches Pärchen. Und Jessy pflegte zu sagen, dass unsere Freundschaft wohl eine der erotischsten war, die sie kannte...immerhin enden nicht täglich zwei gute Freunde nachts auf einem umfunktionierten Billardtisch und kamen sich gefährlich nah. Doch über diese freche Aussage schwieg ich jedes Mal, wenn Jessy sie äußerte.
Matt hatte meine Antwort einfach hingenommen und die Lust daran verloren, mich auszufragen, also gesellte er sich zu Jessy und Ted, die gerade lautstark diskutierten, da Ted sie wohl mal wieder aufgezogen hatte. Ich hingegen drängelte mich zu James und Zac. Es dauerte nicht lange, da gesellte sich ein weiter Freund von James zu uns den ich jedoch nicht besonders gut kannte - Lou. Auch Jamie ließ nicht mehr lange auf sich warten und somit waren wir wieder komplett.
Als sich eine kurze Pause in das Gespräch der Jungs legte,
schenkte James mir ein herzliches Lächeln und warf seinen Arm sacht um meine Schultern, während sie sich weiter unterhielten und ich mich mit meinem Handy beschäftigte - Seth wollte mich nach der Schule sehen. Wahrscheinlich war er neugierig, was es Neues zu erzählen gab.

Gesagt, getan. Der Rest des Vormittags verlief locker und unerwartet angenehm.
Tia saß in den letzten beiden Stunden neben mir und malte gelangweilt auf ihrem Block herum. Ich beobachtete ihr Gekritzel und verspürte den inneren Drang für etwas Unterhaltung zu sorgen: „Tia...? Wir sprechen so viel über mich. Wie steht’s bei dir mit den Kerlen?“, wollte ich grinsend wissen und schien sie an der Angel zu haben. Sie hatte aufgeblickt und den Stift sinken gelassen. „Huh? Also...eigentlich ist niemand in Sicht. Ich bin schon eine ganze Weile wieder auf dem Markt.“, die lässige und doch irgendwie verlegen wirkende Art mit der sie sprach, brachte mich zum lachen.
„Okay...und welcher Kerl gefällt dir aus der Klasse am besten?“, Tia zog die Augenbrauen zusammen und vermutete wohl, dass ich scherzte. Doch als sie sah, wie auch mein Blick prüfend von einem Jungen zum anderen glitt, tat sie es mir nachdenklich gleich.
„Ich schätze Marc.“, murmelte sie und auch mein Blick legte sich auf ihn.
Obwohl ich mich mit allen aus der Klasse verstand und wir uns über die ersten Monate kennengelernt hatten, war Marc einer der Fälle, den ich nicht zuordnen konnte. Keine Frage, wenn man genauer hinsah hatte er seine Vorzüge. Groß, gebräunt, trainiert...doch ihm fehlte das gewisse Etwas. Immer wieder ging er zwischen den einfachsten Kerlen unter und wurde übersehen. Anders als Ian, der neben ihm saß und mal wieder einen lockeren Spruch laut in die Klasse warf und uns somit alle zum Lachen brachte.
Er schien sich ebenfalls zu langweilen und legte sich daher mit der Lehrerin an, die ihn unbeholfen in seine Schranken weisen zu versuchte.
„Wenn ich mich entscheiden müsste, würde meine Wahl mittlerweile wohl auf Ian fallen.“, gab ich breit grinsend zu. Ian war beliebt und selbstbewusst. Stets hatte er einen frechen Spruch auf Lager und spielte sich auf eine sympathische Art und Weise in den Mittelpunkt.
„Er sieht gut aus, keine Frage...aber er würde mir schnell auf die Nerven gehen...so selbstverliebt wie der ist.“, sprach Tia skeptisch. Ich sah das ganz anders...mich sprach seine Optik nicht unbedingt an [es war ähnlich wie bei Marc, dass seine Vorzüge einem erst auf den zweiten Blick ins Auge sprangen]. Was mich interessierte war sein Charakter. Mit Langweilern oder gar schüchternen, ruhigen Kerlen konnte ich nichts anfangen...kleine vorlaute Rebellen oder aufgeweckte Machos mit Herz fingen mein Interesse stets ein - wie das Laternenlicht die Motten. Rein optisch gefiel mir noch immer Mike am besten [ihr erinnert euch bestimmt an ihn, bereits im zweiten Kapitel hatte sein Aussehen mich mächtig beeindruckt], doch er zählte wohl zu den uninteressanteren Persönlichkeiten. Ruhig und bedacht. Zwar konnte man sich gut mit ihm unterhalten und er war ein wirklich höflicher Mensch aber...das war’s dann leider auch schon wieder. Das genaue Gegenteil von ihm - zumindest äußerlich - war Marcus. Er trug kurze dunkle Haare, sein Gesicht wurde von einem lässigen Drei-Tage-Bart geziert und die dunklen Augen stellten eindeutig einen Blickfang dar. Seine Bewegungen schienen stets lässig und auch er machte den Eindruck, eine Menge Selbstbewusstsein zu besitzen - ja, auch er gefiel mir. Doch mit Marc war er der zweite Fall, den ich nicht einschätzen konnte und mit dem ich mich bisher wenig beschäftigt hatte. „Sei froh, dass du James hast. Die Jungs hier lassen zu wünschen übrig, wenn man Charakter und Aussehen beachtet.“, lachte Tia frech. Sie hatte Recht - ich war mit meiner Wahl, die gerade jedoch in einem anderen Klassenraum saß, zufrieden.
„Vielleicht ändert das ja der neue Kerl, der im Laufe der nächsten Wochen zu uns kommen soll.“, flüsterte Tia vorfreudig. Wir würden also Zuwachs bekommen?
„Damon O‘Malley.“, hakte sich plötzlich Linda ein, die auf der anderen Seite neben mir saß.
Sie war ziemlich ruhig und vermittelte den Eindruck sich für etwas Besseres zu halten. In unserer Klasse sprach sie bloß gelegentlich mit Tia, Jill oder mir - sie schien heil froh, bald nicht mehr mit den ganzen Chaoten in einem Raum sitzen zu müssen.
„Er ist ganz in Ordnung. Ich war schon vorher mit ihm in einer Klasse. Er ist einer der besten Freunde von Ian und Marcus.“, wir hatten sie angesehen und ihr beinahe gebannt zugehört. Einer der besten Freunde von Ian und Marcus? Dann war er wohl auch einer der beliebten und interessanten Sorte, die sich gerne mal aufspielte?

Nach den letzten Minuten eintönigen Unterrichts und ein paar weiteren amüsanten Sprüchen, die Ian über die Lippen gerutscht waren, wurden wir entlassen.
Zu meiner Überraschung holte mich Seth gleich von der Schule ab und entscheid sich dazu mit mir in die Stadt zu fahren. Wie immer munterte mich seine Gegenwart auf, auch wenn ich nicht einmal deprimiert war. Auf dem Rückweg in seinem Auto wagte er es endlich mich nach James zu fragen: „Was antwortest du, wenn er endlich mit der Sprache rausrückt, eine Beziehung zu wollen?“, wollte er wissen und klang dabei wie ein Regisseur, der einen beliebigen Schauspieler streng nach seinem auswendig gelernten Text fragte. Seth akzeptierte kein Nein - nicht in James Fall. Auch wenn er wusste, dass tief in mir eine ernstzunehmende Bindungsangst schlummerte.
„Ich antworte: Ja, ich will.“, zog ich ihn lachend auf, doch er schien das nicht ganz so lustig zu finden. „Suzie...du bekommst Ärger von mir, wenn du im letzten Moment einen Rückzieher machst!“, es gelang mir jedoch ihn zu beruhigen, bevor er mich Zuhause aussetzte. Kaum war ich die Treppe hinaufgelaufen und hatte meine Tasche abgestellt, klingelte mein Handy - James. „Gutes Timing...“, murmelte ich zu mir selbst, bevor ich abhob: „Hey Suzie...“, setzte er zögernd an und klang bedrückt.
„Sag mal...hast du heute noch Zeit? Ich würde gerne persönlich mit dir sprechen. Meine Bahn zu dir kommt in 15 Minuten, ich bleibe auch nicht lange.“, überfuhr er mich. Ich verzog das Gesicht und warf einen Blick auf die Uhr an meiner Zimmerwand - 16 Uhr.
Zeit hatte ich also durchaus noch...doch war ich mir nicht sicher, ob ich hören wollte, was er zu sagen hatte. Nachdem er jedoch ein leidendes Bitte in den Hörer gejammert hatte, gab ich nach und lud ihn zu mir ein. Allerdings schaffte ich es nicht ruhig herumzusitzen und auf ihn zu warten. Im Kopf ging ich alle möglichen Szenarien durch und entschied mich schließlich, die letzen Minuten Jessy anzurufen und mir Beistand von ihr einzuholen: „James kommt gleich vorbei. Er hat sich angehört, als wäre es wirklich wichtig...“ - „Er kommt bei dir vorbei? Ohje...wenn das mal nicht bedeutet, dass er seinen Mut zusammengetrommelt hat.“, Jessy klang aufgeregt, jedoch nicht begeistert.
„Was ist, wenn...“, setzte ich zögernd an und wagte es gar nicht auszusprechen.
„Dann antwortest du das, was dich glücklich macht.“ - wieso klang das immer so einfach, wenn andere das sagten...? Noch bevor ich weiter mit ihr sprechen konnte klingelte es an der Haustür. Ich war alleine zuhause und trat unsicher meinem Schicksal entgegen.
„Viel Glück.“, wünschte sie mir und wollte bereits auflegen, doch hielt ich sie davon ab.
„Ruf in einer Stunde wieder an, falls ich ihn loswerden will...okay?“, Jessy lachte laut ins Telefon: „Du brauchst immer einen Notfallplan, hm? Aber...okay, kannst dich auf mich verlassen.“ Und damit war das Gespräch endgültig beendet, sodass ich James die Tür öffnen konnte.
James begrüßte mich erleichtert und betrat unsere Wohnung.
„Ich hab aber nur ne Stunde...“, warnte ich ihn feige vor und wollte ihm etwas zu Trinken anbieten, doch er lehnte dankbar ab. Ich für meinen Teil schenkte mir ein Glas Cola ein, auch wenn ich dadurch nur erhoffte, Zeit zu schinden...erbärmlich. Hätte er nicht direkt hinter mir gestanden und mich beobachtet, hätte ich über mich selbst den Kopf geschüttelt.
Aber das war erst der harmlose Anfang. Bis 16.40 Uhr spielte ich mit aller Mühe Homeentertainer und quatschte ihn mit langweiligem Smalltalk voll, bis er mich schließlich unterbrach. „Suzie...eigentlich bin ich hier, um mit dir über etwas anderes zu sprechen.“
Und da waren sie wieder - Ich bekam Magenschmerzen vor Aufregung. Und vor lauter Sorge. „...über uns. Was empfindest du für mich?“
Seine direkte Frage überforderte mich maßlos. Ich rutschte nervös auf meinem Schreibtischstuhl hin und her. Ich hatte mich extra nicht zu ihm aufs Bett gesetzt - Sicherheitsabstand war heilig. Zumindest im Moment.
„Ich...ähm...also...eigentlich...ähhh...“, stammelte ich leise vor mich her. Was verlangte er da von mir? Er wusste, wie schlecht ich in so etwas war! Es gab nur eine Sache in der ich noch schlechter war, als darin, ehrlich über meine eigenen Gefühle zu sprechen - und zwar im Entschuldigen. Mein Gesicht und meine Reaktion grinsend gemustert, sah er kurz vor sich auf den Boden und erlöste mich von meiner Qual: „Ich liebe dich.“
Diese drei Worte schnürten mir fast die Kehle zu. Natürlich erleichterten sie mich...und sie machten mich stolz. Die ganzen letzten Wochen hatte ich nichts dringender gewollt, als dass er Gefühle dieser Art für mich entwickelt...und nun? Tja, nun bekam ich wieder zu spüren, wie viel Angst diese kleinen Worte, mit der um so größeren Bedeutung, in mir auslösten. Ein aufrichtiges ich liebe dich war immer mit großer Verantwortung verbunden.
Verantwortung, die ich in vorherigen Beziehungen nie hatte übernehmen können...
„Du läufst große Gefahr verletzt zu werden.“, doch er kannte mich und diese Geschichten bereits. Den Kopf geschüttelt, seufzte er laut und klopfte neben sich auf das Sofapolster.
„Komm mal her.“, zögernd erhob ich mich und setzte mich nun doch zu ihm.
„Ich hatte eine andere Antwort erhofft und weiß um ehrlich zu sein nicht so genau, was ich nun dazu sagen soll.“, sprach er nachdenklich und sah mich direkt an.
„Du weißt, wie schwer mir solche Gespräche fallen...gib mir etwas Zeit. Ich meine...man weiß nie, wie es in einer Beziehung wirklich laufen würde. Und ich möchte solch große Worte nicht in den Mund nehmen, wenn alles noch in den Kinderschuhen steckt.“, zu meinem Glück verstand er mich und nickte einsichtig. Es war also doch von Vorteil etwas mit guten Freunden anzufangen...man ersparte sich lange erklärungen, da sie einen schon nahezu bestens kannten. Seine Finger strichen nachdenklich über meinen Handrücken. Meine Hände wiederum lagen angespannt auf meinen Oberschenkeln.
„...Glaubst du, wir haben eine Chance und sollten es versuchen?“
Als ich ihn so ansah, kam mir Seth in den Kopf. Zwar antwortete ich nicht mit einem selbstbewussten und unbestrittenen Ja,ich will aber ich nickte lächelnd.
„Ich finde, das sollten wir. Wo es endet, werden wir sehen.“ Und noch bevor er mein Lächeln erleichtert erwiderte und näher an mich heran rutschte, klingelte das Telefon.
Jessy war ein paar Minuten zu früh dran, doch ich war ihr dankbar...der Schock musste erst einmal sacken, noch immer war ich viel zu angespannt. „Entschuldige.“, schob ich ihn also ab und sprang auf die Beine um abzuheben: „Hallo?“
„Und? Hatte ich Recht? Hat er es gesagt?“, löcherte sie mich neugierig.
„Ahh,hi Jessy - Ja.“, sprach ich beiläufig und ließ mir nichts davon anmerken, dass Jessy längst Bescheid wusste und darauf brannte, mir die News zu entlocken, die ihr eigentlich noch hätten unbekannt sein sollen.
„Oh mein Gott! Und du hast ihm gesagt, dass auch du ihn liebst?“
„Nein, nicht wirklich.“
„Moment...du hast doch nicht etwa gekniffen, oder?“
„Nein!“, lachte ich leise.
„Also verweilst du nicht länger unter den Singles?“
„Natürlich erkläre ich dir Mathe, hab ich doch versprochen...einen Moment, ich hole schnell mein Buch raus.“
„Antworte mir gefälligst eindeutig, du blöde Kuh!“, lachte nun auch sie.
„Ja...“
„Was ja? Ja, du bist vergeben?“
„Mhm...genau, das stimmt soweit. Nur das zweite Ergebnis war falsch, soweit ich mich erinnere. Allerdings weiß ich das Richtige nicht mehr...“
James saß die Zeit über skeptisch an Ort und Stelle und lauschte meinen Worten.
„Soll ich helfen?“, mischte er sich ein. Tja, blöd gelaufen, dass mir als erstes Mathe in den Sinn gekommen war...mein schlechtestes und sein bestes Fach...
„Ähm, nein. Schon okay.“, winkte ich schief grinsend ab.
„Ach, er ist noch da?! Soll ich euch noch 20 Minuten geben...?“
„Nein! Ich...muss mir das bloß nochmal anschauen. Das ist eine der wenigen Aufgaben gewesen, die ich verstanden habe und rechnen konnte.“
„Ähm...“, gab Jessy am anderen Ende überfordert von sich.
„Das war also ein nein,,ja? Ist es nicht unhöflich, ihn da so sitzen zu lassen...? Endgültig abwimmeln musst schon du ihn. Ich meine...natürlich ich könnte ihn auch verekeln, aber...auf mich wird er wohl kaum hören. Außerdem kann ich mich in den ersten Minuten eurer Beziehung nicht gleicht mit deinem Freund anlegen.“
Sie wollte ihn verekeln? Hmm...da kam mir eine Idee. Ich schob es einfach komplett auf Jessy: „James? Wie gesagt...ich hatte nur die Stunde...und ich hab Jessy versprochen, ihr in Mathe etwas zu helfen...“, doch wollte er es mir nicht so leicht machen.
„Sie soll Jamie anrufen, der ist so gut in Mathe wie ich. Außerdem sind die beiden doch auch befreundet.“, er machte nicht den Anschein gehen zu wollen und lehnte sich gelangweilt zurück. Ich verzog das Gesicht und biss mir leicht auf der Unterlippe herum.
„Tja...und was sagst du jetzt dazu, Su?“, machte sie Jessy gleichzeitig über mich lustig.
„Du wusstest, dass ich nicht lange kann...außerdem kommen meine Eltern gleich wieder.“
„Ach...? Sie kennen mich. Und es wäre mir neu, dass sie striktes Männerverbot für euch ausgehängt haben.“, meine Eltern mochten James. Und zu meinem Nachteil wusste er, dass sie nicht sonderlich streng waren. Wir hegten eigentlich sogar ein sehr gutes freundschaftliches Verhältnis. Seufzend gab ich für den Moment also auf: „Jessy? Ich ruf dich gleich zurück...“, erneut lachte sie über James Widerworte und legte dann auf.
Wie ihr euch sicher denken könnt, bin ich ihn wirklich nicht gleich losgeworden. Meine Mutter war gegen halb 6 in mein Zimmer gestürmt und hatte uns vorgefunden. Sie schien erfreut darüber, James zu sehen und bot ihm an noch einen Moment zu bleiben...also verabschiedete er sich erst gegen 19 Uhr. Ich brachte ihn an die Tür und begann langsam, mich mit dem Gedanken nun als seine feste Freundin betitelt zu werden, anzufreunden.
Zum Abschied hatte ich ihn aus purer Gewohnheit in den Arm genommen. Lachend drückte er mich an sich, ehe er mein Gesicht in seine Hände nahm und mich sanft küsste.
Noch bevor er sich wieder von mir löste, wurde die Tür, vor der wir standen aufgezogen. Ich hatte extra einen Schritt mit ihm nach draußen gemacht, um neugierige Blicke abzuwenden - tja, das war wohl nichts. Mein Vater hatte uns erschrocken angesehen, stimmte dann aber in ein Lachen ein.
„Tut mir Leid.“, entschuldigte er sich frech und stellte seine Schuhe in das kleine, ordentliche Schuhregal neben uns. Ich warf ihm einen missmutigen Blick zu, doch er ignorierte diesen einfach und verschwand hinter der Tür wieder nach drin.
Kaum war er weg, musste zu meiner Verwunderung auch James lachen und ließ völlig von mir ab: „Wir sehen uns morgen, ja? Bis dann.“
Ich hatte ihm nachgesehen und war erst nach einem kurzen Moment wieder nach drin gegangen. Mein Vater stand bei meiner Mutter in der Küche, in die man von der Haustür aus blicken konnte. Die beiden Köpfe hatten sich neugierig in meine Richtung gedreht.
Ich sah die beiden skeptisch an und brachte ein leichts Grinsen hervor, als ich die Tür zugeschoben hatte. „Und...?“,wollte meine Mutter gleich wissen.
„Gibt es was zu erzählen?“, ich lachte über ihre neugierige Frage und dennoch neugierigeren Blick. Typisch...
„Keine Ahnung.“, spannte ich sie auf die Folter. Mein Dad war in der Zeit zu mir gelaufen und hatte mir zufrieden den Kopf getätschelt und mir dabei absichtlich die Haare zerzaust, um mich aufzuziehen: „James geht in Ordnung.“, gab er mir die Erlaubnis, was mich ihn irritiert ansehen ließ. „Achja? Na da bin ich aber beruhigt.“, für meinen Dad ging eigentlich fast jeder Kerl in Ordnung, solange er den Anschein machte auf mich aufpassen zu können.
„Ihr seid also ein Pärchen? Seit heute?“, hakte sich meine Mutter erneut ein.
Gleichzeitig hatten mein Vater und ich den Mund zum sprechen geöffnet: „Sei nicht so neugirig!“, sprachen wir beide, was uns sichtlich amüsierte...bloß meine Mom lachte nicht mit. Doch schließlich klärte ich auch sie auf.

Wieder in meinem Zimmer angekommen, rief ich Jessy wie versprochen zurück und musste diesmal nicht darauf achten, was ich erzählte. Bis ins kleinste Detail durfte ich ihr erzählen, was passiert war. Wer was gesagt hatte und wer wie auf was reagiert hat.
„Ich werde ihm nur für dich noch eine Chance geben!“, ergriff Jessy nachdem ich ausgesprochen hatte das Wort. Mehr verlangte ich von ihr gar nicht.
„Was gibt es bei dir so neues?“, wollte ich dann wissen und schon begann Jessy zu erzählen. Ihre Klasse war genau so wie vor den Ferien auch...langweilig und nervig. Noch immer ging sie nicht gerne zur Schule und freute sich auf das Kurssystem, das nächstes Jahr anstand: „Hoffentlich haben wir ein paar Kurse zusammen.“, murrte sie leise. Ich hoffte es zwar auch, doch hatten mich auch die Zweifel gepackt. Die Chancen waren nicht besonders groß, da es von jedem Fach mindestens vier Kurse geben würde.
„Und wir haben einen neuen in der Klasse...ich glaube er ist ganz nett. Aber nicht der gesprächigste.“, erzählte sie weiter, was mich kurz an unseren mir noch unbekannten Neuzugang erinnerte, den ich nächste Woche kennenlernen durfte. Vielleicht rückte ja etwas Interessantes nach...wobei, ich galt nun als glücklich vergeben. Also konnte mir das eigentlich egal sein.

Und so kam es dazu, dass ich die nächsten Wochen vergeben durch die Welt lief.
Ich hatte in den ersten Tagen viele neugierige Mäuler stopfen dürfen und es stellte sich heraus, dass James und ich wirklich gut harmonierten. Wir sahen uns regelmäßig - nicht nur in der Schule. Oft kam er unter der Woche bei mir vorbei und am Wochenende war ich entweder bei ihm oder wir waren mit gemeinsamen Freunden aus.

→ What‘s going on in Jessys life?

Während sich für Suzie herausstellte, dass sie überraschend gut mit dem neuen Zustand klar kam und zufriedener war als gedacht, wurde ich von Tag zu Tag missmutiger.
Durch James bekam ich sie wochenlang nicht alleine zu Gesicht.
Entweder es hieß: „Sorry, da bin ich mit James verabredet.“ oder „Ja, da können wir uns sehen. Kann James auch kommen?“ - es gab die beiden bloß noch im Doppelpack. Umso blöder für mich, dass ich bloß Interesse an ihr hatte...wozu sollte ich unnötig Zeit mit James verschwenden? Zwar hatte sich mein Bild von ihm seit dem Vorfall, der den großen Streit damals ausgelöst hatte, gebessert aber es würde nie wieder völlig ins Reine kommen.
Ich ging davon aus, dass sich dieser Zustand mit der Zeit legen würde...und das tat er zum Glück auch. Bei Suzie zumindest.
Kaum war die erste Aufregung, die man in einer frischen Beziehung anfangs verspürte, abgeebbt, suchte sie Freiraum, den James ihr jedoch nur bedingt bot. Und da sie ihn nicht enttäuschen und eine gute Freundin abgeben wollte, stimmte sie seinen Verabredungen stets zu, wenn sie wirklich Zeit hatte. Doch schlug sie selbst nichts mehr vor - seine Vorschläge genügten für beide.
Doch noch immer hatte ich das Gefühl, bloß beiläufig Rolle in Suzies Leben zu spielen. Wir unterhielten uns nicht einmal ausgiebig über das Geschenk, das ich für Patrick geschlagene zwei Wochen herumschleppte, ohne mich zu trauen es ihm zu überreichen.
Als ich ihn irgendwann nach der Schule abfing und Suzie mal wieder nicht aufzufinden gewesen war, nutzte ich meine Chance Zeit zu haben und ihn alleine anzutreffen.
„Patrick?“, holte ich ihn aus seinen Gedanken und empfing sein freundliches Lächeln, das mir erneut den Atem raubte und mich vergessen ließ, wieso ich ihn überhaupt angesprochen hatte. „Was gibt‘s?“, wollte er grinsend wissen und blickte auf das kleine ,hübsche Tütchen in meinen Händen nieder - damit fiel mir alles wieder ein. Ich war seinem Blick hinab auf sein Geschenk gefolgt und streckte ihm die Arme entgegen: „Das ist für dich.“, brachte ich leise Worte über meine Lippen und gab mir alle Mühe selbstbewusst zu wirken, doch ich versagte wohl. Nickend nahm er seine Mitbringel entgegen und beäugte sie skeptisch. Tja...in diesem Moment hatte ich es für eine süße Idee gehalten, einem Jungen, der einem etwas bedeutete - obwohl man ihn eigentlich garnicht kannte und ihm langsam auffallen wollte...positiv - etwas zu schenken...doch sollte ich lernen, dass solche Taten auch abschrecken konnten. Es dauerte nicht lange, da wurde ich das Gefühl nicht mehr los, dass er anfing mir aus dem Weg zu gehen. Er sprach nicht mehr mit mir und sah mich auch nicht mehr an, was mir auch sein Lächeln verbarg.
Patrick tat es mit der Zeit Suzie gleich...Er schien alles um sich herum stehen und liegen zu lassen und seine Aufmerksamkeit immer mehr auf die Blondine zu richten, die schon länger aktuell in seinem Leben gewesen war, ohne dass ich es wusste. Der einzige Anhaltspunkt, den ich zu dieser Vermutung hatte, war die Tatsache, dass er in den Pausen seit neustem mit dieser langweiligen Person händchenhalten durch die Gegend rannte.
Und so vergaß er wohl auch mich völlig und bekam nicht mit, wie sehr ich ihn vermisste.
Mit wem ich darüber sprach, dass sein Verlust mich innerlich aufzufressen drohte und wirklich belastete, da ich mir noch immer ausmalte, dass er an meine Seite passen und gehören würde? Mit niemandem...Suzie hatte ich kaum noch für mich alleine. Vorhalten wollte ich es ihr nicht - sie war glücklich. Das gönnte man der besten Freundin doch...oder? Unsere Gespräche zu zweit beschränkten sich mittlerweile auf eine Begrüßung ein lockeres Wie geht‘s dir so? die darauf folgenden Antworten und ein zaghaftes Lächeln. Also hielt ich meinen Gemütszustand im Verborgenen und lernte mit der Zeit zu lächeln, statt traurig zu sein - das war einfacher, als vor allen erklären zu müssen, wieso man Tränen der Enttäuschung in den Augen hatte.





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Terry ...



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...   Erstellt am 12.12.2011 - 16:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Viel Spaß an alle süßen Mitleser! Langsam wird es aktuell :P

Kapitel 13 - Uh-Hhu!

→ Jessica Baker is continuing.

Ihr liegt ganz richtig mit der Vermutung, dass mir irgendwann der Kragen geplatzt ist.
Natürlich wollte ich auch nach den ersten Wochen der Beziehung von Suzie und James noch immer, dass Su glücklich war. Und wenn sie die Meinung vertrat, er würde sie wirklich glücklich machen, war das okay. Doch nutzte James seinen Platz an ihrer Seite gekonnt aus. Er ließ sich von ihr überall hin mitschleppen und drängte mich mehr und mehr in den Hintergrund - ob nun beabsichtigt oder nicht ist mir egal - Tatsache war, dass es so war...und das störte mich gewaltig. Als mir Suzie nach der Schule alleine auf dem Gang begegnete, da wir beide früher aus dem Unterricht erlöst worden waren seufzte ich erleichtert aus, da James nicht zu sehen war und lief auf sie zu.
„Hey Fremde.“, begrüßte ich sie zwar schnippisch, doch konnte man mir ansehen, dass ich mich freute mit ihr zu sprechen ohne lästige Anhängsel und Mithörer.
„Huh?“, hatte sie gemacht und den Kopf zur Seite gedreht, um mich ansehen zu können.
„Du weißt genau, was ich meine...wir bekommen uns gar nicht mehr zu Gesicht!“, antwortete ich auf ihr fragendes Gesicht, lächelte sie dann jedoch an und entschied mich plötzlich um. Ich wollte keine Diskussion oder gar einen Streit mit ihr anfangen...nicht in den ersten Minuten der Zweisamkeit seit Tagen. Zu meiner Überraschung nahm sie mir die Worte, die mich belasteten jedoch ab: „Oh...das meinst du. Ja, ich weiß. Tut mir wirklich Leid Jessy...James klammert ziemlich. Glaube mir, wenn es nach ihm ginge würde er wohl bei uns Zuhause einziehen.“, Suzie lachte leise. Ein verbittertes und irgendwie erschöpftes Lachen. Ich verzog verwundert das Gesicht. Er ging ihr also langsam auf die Nerven?
Ihr dürft mich nicht falsch verstehen...es war nicht so,dass es mich freute, dass sie zur Besinnung kam und ich wieder die alte Suzie vor mir stehen hatte aber...wobei,doch...eigentlich war es so - ich freute mich ganz heimlich und leise.
„Ein Wunder, dass du es überhaupt so lange ausgehalten hast ohne dich zu beschweren.“, normalerweise legte Suzie viel Wert auf ihre Freiheit. In den letzten Wochen war mir das nicht so vorgekommen. Weder in der Schule, noch in ihrer Freizeit hatte sie ihre Ruhe und konnte tun und lassen was sie wollte.
„Nunja...ich will nicht wieder eine Beziehung boykottieren und jemanden verletzen.“, sie zuckte leicht mit den Schultern und schob die Tür des Haupteingangs auf, um über den Schulhof in Richtung Bahnhof laufen zu können. Ich hatte für einen Moment bloß ihre Rückseite sehen können und musste kurz über Dean und Suzie nachdenken. Der arme Kerl hatte nicht das Glück erleben dürfen, sie so oft um sich herum haben zu können wie James nun. Gegen Deans Anhänglichkeit hatte sie sich stets strikt gewehrt.
„Sag mal Suzie...glaubst du echt, dass er der Richtige sein könnte?“, wagte ich mich vorsichtig in die Höhle des Löwen, als ich wieder neben ihr lief. Auch darüber hatte ich mit ihr, seit James ununterbrochen an ihr klebte, noch nicht geredet.
Suzie warf mir einen kurzen Blick zu, sah dann jedoch wieder weg. Und somit hatte ich meine Antwort - sie zögerte. Das deutete auf ein Nein hin.
„Ich weiß es nicht. So etwas stellt sich mit der Zeit raus...für solche Überlegungen sind wir ohnehin etwas jung, oder?“, wich sie geschickt aus. Ich hatte also recht mit meiner Vermutung. James schien nicht der Richtige für sie zu sein. Wenn man sich überlegte, welch einen Aufriss sie für ihn gestartet hatte...und das alles um herauszufinden, dass ihre Gefühle möglicherweise doch nicht ausreichten? Er konnte einem fast Leid tun.
„Hast du schon verlernt ehrlich zu mir zu sein?“, zog ich sie grinsend auf, da sie wohl wusste, dass ich ihre eigentliche Antwort bereits kannte.
„Sag mal Su...du hast es ihm aber nicht gesagt, oder?“
„Dass ich mir etwas Abstand wünsche? Klar. Er hat meinte, dass das kein Problem sei...allerdings...scheint er trotzdem nicht locker zu lassen.“, erzählte sie mir seufzend und zog ihren Pullover zurecht. Sie hatte also bereits mit ihm geredet und er nahm ihre Bitte nicht an? Tja...da schien sich jemand sein eigenes Grab zu schaufeln. Wenn man Suzie zu sehr einengte, verlor sie schnell jegliche Lust...er hätte ihre Warnung schätzen und einsehen sollen. Dean hatte damals zwar auf ihre Warnungen geachtet, allerdings bloß für ein paar Tage. Wie auch immer - Jedenfalls hatte ich mit meiner Frage nicht diesen Umstand gemeint: „Nein, das meinte ich nicht...ich meinte...du weißt schon, die magischen drei Worte.“,denn wie ihr mitbekommen haben solltet...die Worte Ich liebe dich gingen Suzie nicht leicht über die Lippen. Um genau zu sein, sie hatte es noch nie gesagt. Und das obwohl sie schon mehrere Beziehungen geführt hatte.
„Oh...oh!“, machte sie und schüttelte schnell den Kopf.
„Nein...anfangs hatte ich es sagen wollen. Aber ich glaube das war bloß, weil ich so unheimlich stolz und erleichtert war, doch bekommen zu haben, was ich wollte...“, als wir am Bahnhof angekommen waren, kämpfte Suzie kurz mit dem Automaten und ließ sich eine Fahrkarte ausspucken. In der Zeit schwiegen wir beide. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass sie deprimiert wirkte, auch wenn sie sich alle Mühe gab es zu überspielen.
Vorhin hatte ich mir eigentlich noch erhofft, sie am Wochenende zu mir einzuladen...doch jetzt hatte ich eine bessere Idee. Ich wollte die Situation selbst beurteilen. James schoss sich selbst mehr und mehr ins Aus...er würde mir Suzie nicht mehr lange wegnehmen können, wenn er so weiter machte. Mit diesem Hintergedanken überwand ich mich schließlich, meine Idee in die Tat umzusetzen und schaute Suzie aufmunternd an: „Su? Was hälst du davon, wenn wir das Wochenende etwas zusammen machen? Du kannst James mitnehmen. Jamie könnte ich auch einladen...“,überlegte ich laut. Jamie war einer der wenigen Personen gewesen, der sich noch immer um mich sorgte. Er war in den Pausen mein Suzie-Ersatz geworden...doch leider konnte er ihr nicht annährend das Wasser reichen.

→ Let‘s aks for Suzie Hatcher

James Hand griff nach meiner und zog mich sacht, aber bestimmend in seine Arme.
Ich kicherte leise, als seine Finger meine Seite entlang schlichen: „Das kitzelt, lass das.“, wollte ich ihn abwimmeln und sah auf mein Matheheft nieder, das vor mir auf dem Bett lag. „Du wolltest mir bei den Hausaufgaben helfen, so werde ich bis morgen nie fertig.“
Er seufzte leise und vergrub das Gesicht in meinen offenen Haaren: „Dann muss ich einfach etwas länger bleiben.“, mein Blick wanderte auf die Uhr an der Wand. 17.00 Uhr...in einer halben Stunde musste er Zuhause sein, da sein Stiefbruder eigentlich bloß für ihn zu Besuch kam. „Das kommt nicht in Frage, du bekommst Besuch, schon vergessen?“, außerdem hatte ich diesem spontanen Treffen bereits zugesagt, war das nicht genug? Zwar bedrückte mich innerlich noch immer, dass er begann an meinem Nervenkostüm zu ziehen, doch holte mich mein schlechtes Gewissen immer erst dann ein, wenn ich ihn wirklich los war und ich meine Ruhe hatte. „Er gehört zur Familie...ich könnte ihn jeden Tag sehen.“, konterte er und zuckte mit den Schultern, als er mich los ließ und sich auf den Rücken drehte. „Keine Widerrede!“, für mich gab es nichts zu diskutieren.
James drehte den Kopf zu mir und lachte über meine strengen Worte.
„Okay, okay.“, gab er auf und streckte erneut die Hand aus, um den Arm um mich legen zu können. Ich ließ ihn gewähren und stützte den Kopf an seiner Brust ab.
„Ich dachte mir, wir könnten am Wochenende zusammen ins Kino gehen...etwas essen...und dann komme ich mit zu dir.“, er schwelgte also bereits in der Wochenendplanung, doch die musste ich ihm durchkreuzen: „Ahh! Jetzt wo du es erwähnst...Jessy hat uns zu sich eingeladen.“, seine Augenbrauen hoben sich fraglich an.
„Ja, und? Sag ihr, wir kommen gerne nächstes Wochenende vorbei. Dieses Wochenende gehörst du mir allein.“, er kniff mir leicht in die Seite und lachte frech, doch kam seine Aussage bei mir nicht ganz so gut an ,wie er wohl vermutet hatte...
„Ich habe bereits zugesagt. Immerhin sehe ich Jessy kaum noch...damals waren wir ständig alle zusammen unterwegs. Ich finde es wird Zeit, das mal wieder in Angriff zu nehmen.“, ich klang bei weitem nicht so munter wie er - eher stur und vielleicht sogar ein wenig verärgert. James richtete sich auf und sah mich unentwegt an.
„Du siehst sie ständig, also bitte...“, zickte er stur, was mich bloß noch mehr ärgerte.
„Im Moment nicht mehr. Dich sehe ich ständig.“
„Ach? Und das stört dich auf einmal?“
„...Es stört mich nicht. Manchmal ist es lediglich...ein wenig viel. Du kennst mich, ich brauche gelegentlich etwas Abstand.“, und schon geriet ich in Erklärungsnot, da ich mein Vorhaben, ihn nicht zu verletzen und mir Mühe zu geben eine glückliche Beziehung zu führen drohte, zu zerstören.
„Suzie, das hättest du dir wirklich vorher überlegen sollen. So ist das in einer anständigen Beziehung nun mal.“
„Jeder vertritt andere Ansichten...“, und damit wollte ich das Thema nicht weiter bearbeiten. Es würde bloß zu einem Streit führen und dann würde ich Dinge sagen, die ich eigentlich gar nicht sagen wollte...Wut war eine viel zu starke Emotion.
„Gut, wenn du dich bereits gegen unser gemeinsames Wochenende entschieden hast...da lässt sich wohl nichts machen.“, ob ich mich von ihm überreden lassen würde, auf einen Abend bei Jessy zu verzichten? Nein, sicher nicht. Nicht schon wieder...ich vermisste sie.

Und so kam es, dass James und ich am nächsten Freitag bei Jessy vor der Haustür standen und klingelten. Zwar hatte es so ausgesehen, als hätte er seinen Groll vergessen und sich mit dem bevorstehenden Abend zufriedengegeben, doch ließ sich nicht bestreiten, dass Unmut zwischen uns beiden in der Luft zu liegen schien.
Jessy riss die Tür nach nur wenigen Sekunden, die wir hatten warten müssen, auf und sprang mir freudig entgegen. Ich hatte sie zur Begrüßung genau so stürmisch in den Arm genommen und meine Tasche fallen lassen. James wurde kurz nach mir begrüßt, jedoch bei weitem zurückhaltender: „Ich hab oben schon alles zurechtgemacht, bringt eure Sachen einfach schonmal rauf, ich komme gleich nach.“, nickend streifte ich mir im Flur die Schuhe von den Füßen und stieg die Treppe hinauf, James folgte mir schweigend.
Im oberen Stockwerk hatten Julie und Jessy praktisch eine eigene kleine Wohnung. Hier gab es ein kleines Badezimmer, die beiden Schlafzimmer von ihnen und ein geräumiges Wohnzimmer, dass heute unseren Schlafplatz darstellen sollte.
Meine Sachen auf der großen Matratze, die auf dem Boden unter dem umgebauten Sofa stand, fallen gelassen, seufzte ich zufrieden. Ich blickte optimistisch und völlig zufrieden drein, doch als ich James Gesicht sah, verdrehte ich beinahe genervt die Augen.
„Ist es wirklich so schrecklich?“, fragte ich in einem schnippischen Ton nach.
James ließ sich auf das Sofa sinken und stützte die Arme auf den Oberschenkeln ab, als er mich ansah: „Nein, schon okay. Vielleicht wird es ja wirklich ganz lustig.“, winkte er ab. Und obwohl ich wusste, dass seine Worte nicht völlig das ausdrückten, was er dachte, zuckte ich mit den Schultern und ließ das Thema fallen.
Wir schwiegen uns die gesamte Zeit über an und schließlich betrat auch Jamie den Raum und unterbrach endlich das bedrückende Schweigen.
„Guten Abend, die Herrschaften!“, begrüßte er uns bestens gelaunt.
Ich schnekte ihm ein Lächeln, jedoch kam er schnell dahinter, dass der Haussegen zwischen James und mir schief zu hängen schien: „Alles okay bei euch?“, wollte er verwundert wissen und zog die Augenbrauen skeptisch zusammen. Das erstemal waren James und ich uns an diesesm Abend völlig einig und bejaten seine Frage schleunigst.
„Ich bin dafür, dass wir uns jetzt erst einmal um das Abendessen kümmern!“, platzte Jessy in unsere Mitte und reichte ein kleines Bestellprospekt einer Pizzaria der Nähe herum.
Als mich die Karte erreichte, überflog ich kurz die Auswahl. Jessy stellte sich hinter mich und tat es mir gleich: „Lachsnudeln.“, man hätte schon fast sagen können, dass das Bestellen von Lachsnudeln bei uns eine Art Ritual darstellte. Wenn es ums Essen bestellen ging, fiel unsere Wahl selten auf etwas anderes.
„Gut...ich bestelle Frutti di mare. Und dann teilen wir.“, sie nahm mir den Stift und die Karte aus der Hand und machte sich munter ans Bestellen.
Und so verbrachten wir den Anfang des Abends gemütlich in unserer altbekannten Runde - wie lachten, alberten herum und ließen es uns schmecken. Als wir dabei waren die erste DVD einzulegen und es auf dem Bett und der übergroßen Mattratze gemütlich machten,schien auch James wieder ganz der Alte zu sein. Er hatte sich bereits während des Vorpanns zu mir geschlichen, sich neben mich gelegt und mich in den Arm genommen. Jessy und Jamie verzogen sich beide auf die Matratze, da sie wohl dem Vorurteil nachgingen, dass Paaren nicht gestört werden wollten. Was mich betraf war diese Behauptung mittlerweile völliger Schwachsinn...anfangs hatte ich die zeit alleine mit James genossen. Doch gerade begann es mich wieder zu stören, dass er an mir haftete wie Uhu-Superkleber und man annahm, dass wir lieber alleine wären - solch ein Schwachsinn. Wozu hatte ich aus dem anfangs geplanten Wochenende zu zweit eines zu viert gemacht? Doch verlor ich kein Wort darüber. Ich wollte keinen Unmut verbreiten. Oder zumindest nicht noch mehr, als ich es James gegenüber ohnehin schon getan hatte.
Die Zeit verging und kurz vor dem Ende der ersten DVD klingelte plötzlich Jessys Handy. Erschrocken sprang sie auf und griff nach dem Gerät. Wer um die Zeit wohl anrief? Ihr müsst wissen...Jessy war alles andere als ein handyfixierter Mensch. Eigentlich besaß sie es nur für äußerste Notfälle...und selbst dann funktionierte es meistens nicht, oder sie trug es nicht mit sich. Abgehoben, stand Jessy schweigsam in der Mitte des Raumes und lauschte der Stimme am anderen Ende. Jamie hatte sich in der Zwischenzeit die Fernbedinung geschnappt und die Lautstärke verringert, um ihr das Telefonieren zu erleichtern. Ich unterdrückte ein genüssliches Gähnen und löste mich schon fast schläfrig aus James inniger Umarmung. Als Jessy endlich auflegte, hatte sie noch immer kein Wort gesagt...vermutlich hatte sich jemand einen dämlichen Spaß erlaubt, zu dem man nichts sagen musste oder sich einfach verwählt. Doch für solch eine unbedeutende Kleinigkeit wirkten ihre Gesichtszüge viel zu nachdenklich und streng.
„Wer wars?“, wollte Jamie wissen und unterbrach die Stille. Im Hintergrund vernahm man bloß schwach die zarte Melodie des Abspanns, der bereits eingesetzt hatte.
„Nicht so wichtig.“, winkte Jessy ab und ließ einen Moment zu lange den Kopf hängen. Den Jungs mag es nicht aufgefallen sein, doch ich kannte diesen Blick - diese Reaktion.
„Jessy?“, ergriff nun ich das Wort und klang unbeschwert und wieder hellwach.
Ich kletterte von dem schmalen Bett und streckte mich kurz, als ich auf den Beinen stand.
„Lass uns etwas zu Knabbern holen.“, schlug ich vor, doch Jessy schien zu wissen was ich vorhatte und konterte schnell: „Wir haben hinten auf dem Tisch Chips liegen. Die dürften ausreichen.“ Missmutig verzog ich für wenige Sekunden das Gesicht.
„Nein...ich habe keine Lust auf Chips, lass uns unten doch mal schauen gehen.“
Diesmal ließ ich sie nicht antworten, sondern lief gleich an ihr vorbei, griff nach ihrem Unterarm und zog sie sacht hinter mir her. Als wir den Raum verlassen hatten, schob ich hinter uns die Tür zu und machte ein paar Schritte mit ihr auf dem Flur, bevor ich stehen blieb und mich zu ihr umdrehte: „Okay, was ist wirklich gewesen?“,kam ich gleich auf das Thema zu sprechen und sah sie neugierig an. Ausreden waren sinnlos!


→ What happened to Jessica Baker?

Wer am Telefon gewesen war? Meine kleine Schwester, Julie.
Was sie mir erzählt hatte? Dass aus der Vermutung, die ich eigentlich im hintersten Eck meines Bewusstsein versteckt hatte, die untröstliche Wahrheit wurde. Patrick war vergeben und ich nicht umsonst abgeschrieben. Das erinnerte mich an damals...einmal in meinem Leben hatte ich bisher wirklich einen Jungen gewollt - mehr als jeden anderen. Deon. Mit Patrick war es endlich wieder dasselbe gewesen. Nach Jahren in denen ich mich stets nach einer stützenden Schulter umgesehen hatte, weil mir die Welt oft viel zu groß und einsam vorkam, hatte ich in Patrick meinen Rettungsring gefunden. Mein Lichtstrahl in der Dunkelheit. Ich war morgens aufgestanden, weil ich fast alles dafür gegeben hätte, ihn lächeln zu sehen oder seine Stimme zu hören. Und das obwohl wir uns nicht einmal kannten – verrückt, oder? Vielleicht ist auch er der Grund, weshalb ich an Liebe auf den ersten Blick glaubte...wobei...streicht das vielleicht. Oft hatte ich mir erhofft und womöglich sogar eingeredet, dass er dasselbe spürte. Diese Vertrautheit, wenn sich unsere Blicke trafen. Die angenehme Nervosität gepaart mit der ungehaltenen Freude, wenn wir uns direkt anschauten und nach einem Gesprächsthema suchten, dass uns einige gemeinsame Minuten schenken würde. Doch anscheinend konnte man sich doch irren...ihm schien es nicht ansatzweise aufgefallen zu sein, dass meine Welt heimlich
begonnen hatte, sich um ihn zu drehen. Umso mehr schmerzte es jetzt aus Gründen, die für Aussenstehende kindisch und naiv klingen mögen. Für mich allerdings war es Fakt, dass es sich anfühlte als hätte man mich im Regen stehen gelassen. Alleine und ohne Zufluchtsort. „Patrick hat eine Freundin.“, brachte ich leise über die Lippen und sah vor mir auf den Boden. Es war albern, wie ich mich anstellte, doch konnte ich nichts daran ändern.
„Huh? Woher...?“, setzte Suzie verwundert an und ließ mich nicht aus den Augen. Ich spürte, dass sie nicht wusste, wie sie mit mir umgehen sollte.
„Er war mit ihr in der Stadt unterwegs. Julie hat sie gesehen - keine Zweifel.“, mehr musste ich nicht erklären. Das wollte ich auch garnicht. Suzie konnte sich den Teil denken, der es eindeutig machte, dass sie sich ein Pärchen nannten.
„Okay...?“,mehr erwiderte Suzie nicht. Betretendes Schweigen gewann die Oberhand...
Und ich bin noch heute der festen Überzeugung, dass ich die Tränen der Enttäuschung hätte runterschlucken können - hätte Suzie mich nicht tröstend in ihre Arme geschlossen.
„Wieso passiert das immer mir...?“, schluchzte ich leise und vergrub mein Gesicht an ihrer Schulter. „...ich bekomme nie was ich will. Womit habe ich das verdient?“
Suzie seufzte laut und streichelte mir behutsam über den Rücken.
„Dann sollte es einfach nicht sein. Glaub mir, du findest jemanden, der dich so richtig aus den Schuhen hebt.Viel mehr als Patrick es jemals gekonnt hätte.“, versuchte sie mich lächelnd aufzumuntern, als ich mich von ihr gelöst hatte. Natürlich meinte sie es bloß gut mit mir...doch wusste sie nicht, wie sehr er mich bereits in seinen Bann gezogen hatte. Er hatte mich nicht bloß aus den Schuhen gehoben. Er hatte mich mit den alltäglichsten Kleinigkeiten und purer Höflichkeit bereits praktisch auf den Mond geschossen.
Blieb bloß die Frage, wie ich nun wieder lebend auf die Erde gelangen sollte...
Wir standen noch einen Moment draußen, bis ich mich wieder gefangen hatte. Doch der Abend war gelaufen. Missmutig versuchte ich ein Lächeln aufzusetzen und den Jungs etwas vorzumachen, was mir wohl kaum gelang. Sie fragten nicht einmal, als wir ohne Knabberzeug zurück kamen. Mehr als eine weitere DVD und etwas Gequatsche hielten wir nicht stand, also schnappten wir uns ein paar Stunden später sämtliches Bettzeug und verkrochen uns aus dem Wohnzimmer in mein Zimmer. Gut, dass ich ein großes Doppelbett besaß...zwar rückten wir etwas zusammen, doch konnten wir alle dort schlafen. Während Suzie sich darüber beschwerte nicht müde zu sein und Jamie und James wach hielt war ich die ganze Nacht über still und gab mich meinen Gedanken hin ohne einen Laut von mir zu geben.
Nach so viel Spannung hätte man meinen sollen, dass ich hundemüde gewesen wäre, doch so war es nicht...und das sollte erst der Anfang vom Ende sein. Gleich am nächsten Morgen, nachdem die Jungs zusammen den Heimweg antraten und Suzie und ich alleine in übergroßen Nachthemden auf dem Flur standen, traf mich die nächste überraschende Aussage: „Ich glaube, das mit James und mir hält nicht mehr lange. Ich sollte wohl Schluss machen.“ - Natürlich hatte ich diese Entscheidung auch für richtig gehalten. Die letzten Monate schien Suzie nicht mehr Suzie zu sein, doch niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass sie diesen Entschluss in kürzester Zeit fassen würde.
„Er engt mich zu sehr ein und ändert es einfach nicht...James ist wirklich perfekt. Wenn man ein kleines Mäuschen ist und sich nach Schutz sehnt. Ich sehne mich jedoch nach Freiraum...und nach meinen Freunden.“ Da seht ihr es, sobald man Suzie begann zu nerven war mit ihr nicht mehr lange gut Kirschen essen - ich dachte mir das nicht aus.
Seufzend ließen wir uns beide nebeneinander auf die Stufen der Treppe sinken und starten nachdenklich geradeaus: „Es ist besser so. James ist nicht der Richtige für dich, Su.“, woraufhin sie schweigsam nickte. Mehr fiel mir dazu nicht ein.
Während ich eine mir wichtige Person gestern Nacht also hatte abschreiben können, kam eine andere endlich wieder zurück in mein Leben - immerhin ein Lichtblick.
Bei Suzie sollte es nicht anders sein - Eine Person wurde gestrichen, wärend eine neue bereits auf dem Weg zu ihr war.





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...   Erstellt am 18.12.2011 - 17:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kappii 14 - March on!

→ Suzie Hatcher

Ich hatte durch das letzte Wochenende endlich wieder meinen Weg zu Jessy gefunden. Zwar war mir spät aufgefallen, dass ich sie vermisst hatte, doch besser spät als nie, oder? Jessy schien selbst ziemlich froh darüber zu sein, dass sie wieder die ungeschlagene Nummer eins für mich darstellte, auch wenn ihr der Verlust von Patrick noch Tage lang schwer im Magen lag. In der Schule ging sie ihm strikt aus dem Weg - genauso wie ich James. Wieso? Ich wollte nicht einfach voreilig Schluss machen...ich wollte einfach vorerst etwas Abstand gewinnen und vielleicht sogar lernen, ihn zu vermissen. Denn wenn mir dies gelang, würde das bedeuten, dass es fürs Aufgeben noch zu früh war.
Den Satz Wer nicht hören will, muss fühlen haben wir als Kinder sicher alle schon einmal gehört. Und der ein oder andere mag ihm eventuell auch heute noch begegnen. Ich hatte mich das erste Mal in meinem Leben für diesen Satz entschieden und seinen Sinn wirklich begriffen - damals war ich bloß genervt von solchen Möchtegern-Elternweisheiten. James hörte nicht auf mich, wenn ich ihn darum bat mir etwas Ruhe zu gönnen, also musste ich sie mir einfach nehmen. Die ersten weiteren Schultage zogen schnell an uns vorbei. Natürlich hatte James mich angerufen und mir geschrieben, um herauszufinden was los war. Ich für meinen Teil stellte jedoch nicht um - ich blieb bei der Abstandsidee.
Und wie bereits verraten, ereigneten sich an einem der folgenden Schulmorgen unerwartete Situationen...

→ Let‘s listen to Jessica first.

Erleichtert betrat ich das Schulgelände. Heute stand kein Unterricht an sondern ein gemeinsamer Ausflug, was für mich hieß, dass ich nicht ständig auf der Flucht vor einem möglichen Gefühlszusammenbruch sein musste. Meine Klasse sollte sich auf dem Schulhof treffen, wo ich die ersten verschlafenen und unbeeindruckten Gesichter entdeckte.
Museumsbesuche zählten nicht zu den Freuden des Schulalltags...doch war es angenehmer als trockener Unterricht in einem ungemütlichen Klassenzimmer. Zu meinem Glück war auch Adrian schon da.
Ich gesellte mich zu ihm und seinem Kumpel Mitch - den einzigen Leuten meiner Klasse, mit denen ich mich wirklich blendend verstand.
„Sag bloß, du freust dich aufs Museum?“, hakte Adrian kurz nachdem wir uns überhaupt begrüßt hatten nach. Man sah mir meine Erleichterung also an?
„Besser als Unterricht, hm?“, konterte ich lachend und zuckte mit den Schultern.
Nach und nach trafen immer mehr unserer Mitschüler ein, sodass wir uns pünktlich auf den Weg machen konnten. Mit der Bahn fuhren wir in die Stadt. Zu meiner Verwunderung hing ein neuen Gesicht beinahe ununterbrochen an Adrian und Mitch - Matthieu. Und obwohl er immer wieder versuchte mich freundlich in deren Gespräche einzubinden, hielt ich mich lieber im Hintergrund. Zwar ging ich schon eine Weile mit ihm in eine Klasse, doch war es mir unangenehm mit ihm zu sprechen, da er mir vorher nie weiter aufgefallen war und ich nicht einmal seinen Namen kannte.
In wirrem Gedränge quetschten wir uns schließlich hektisch aus der Bahn, als wir im Herzen der Stadt angekommen waren. Da ich vor lauter Füßen meine eigenen kaum noch im Blick gehabt hatte, war ich - dooferweise - auf die des Unbekannten getreten: „Oh, mist. Entschuldige!“, ergriff ich betroffen das Wort, doch winkte er mit einer noch genauso freundlichen Miene wie zuvor ab: „Nichts passiert. Nach dir.“, er ließ mich erst aus der Bahn steigen und wartete mit mir auf Adrian, der im Gedränge untergekommen war. Vielleicht hatten wir ihn auch einfach übersehen - Sonderlich groß war er immerhin nicht.
„Hey, jetzt kommt endlich! Was steht ihr da so rum?“, ich fuhr leicht zusammen, als ich sein Rufen plötzlich hinter mir vernahm. Also doch - übersehen.
Ich drängelte mich also mit meinem männlichen neuen Aufpasser zu unserer Gruppe vor. Die gesamte Zeit über wich mein blonder Klassenkamerad mir nicht von der Seite. Was ich dazu zu sagen hatte? Nunja...es gefiel mir. Nach diesen angesammelten Niederlagen, die ich durch Patrick hatte ertragen dürfen, tat es gut zu wissen, dass man doch eine Rolle im Leben spielte und es noch immer Menschen gab, die einen wirklich kennenlerenen wollten.
Und mal ganz unter uns...auch rein optisch zog mich irgendetwas an ihm an.
„So, ich zähle jetzt noch einmal durch und gehe dann zuerst alleine nach drinnen, um die Gruppenkarte einzulösen. Benehmt euch, verstanden?“, machte sich unsere Lehrerin bemerkbar, als wir vor dem großen Gebäude stehen blieben. Weit und breit war niemand zu sehen. Morgendliche Schulausflüge kollidierten selten mit den Zeiten, in denen normale Menschen unterwegs waren. Und dann standen wir da. „Vielleicht haben wir ja Glück und die lassen uns nicht rein.“, scherzte Adrian hoffnungsvoll. Und was dann? Zurück zur Schule und zum Unterricht antanzen? Bitte nicht.
Die Arme verschränkt wurde ich unwillkürlich erneut an Patrick erinnert. Wurde ich den Kerl nun nie mehr aus meinem Kopf los? Nicht in die Schule..., betete ich heimlich.
„Ist dir kalt?“, riss mich Blondi plötzlich aus meinen Gedanken und hatte mir im nächsten Moment auch schon behutsam seine Jacke über die Schultern geworfen.
„Hör auf so zu schleimen, Matthieu!“, lachte ihn Mitch frech aus. Ich selbst war zu verwundert, um mich zu Wort zu melden. Matthieu? Immerhin kannte ich nun seinen Namen. „Danke.“, rutschte es mir vorsichtig über die Lippen, als die Jungs aufgehört hatten ihn aufzuziehen. Wenn mich nicht alles irrte, lag in seinem Blick Stolz und vielleicht sogar etwas Verlegenheit, als er lächelnd abwinkte und mir versicherte, dass er diese Geste als selbstverständlich sah.
Den Rest des Vormittags über trug ich seine Jacke und hielt mich in Matthieus Gegenwart auf. Wir verstanden uns bestens - das Eis war also gebrochen. Immer wieder erntete ich verwunderte Blicke, wenn wir über einen Spruch beide zu lachen begannen und die anderen nicht wussten, was in uns vorging. Ich fühlte mich wohl. Und wenn er mich so ansah, hatte ich endlich wieder das Gefühl interessant genug zu sein. Selbst wenn es bloß für ihn war. Wen kümmerte schon Patrick? Sollte er doch sehen, wie er ohne mich zurecht kam! Er würde bestimmt irgendwann zurückkommen...wenn er einsah, dass ich doch etwas besonderes war und seine Freundin ihn halb zu Tode langweilte. Doch...was dann? Ich wusste insgeheim, dass eine einfache Begrüßung von ihm mich jedes mal aus den Schuhen hob. Und ich wusste auch, dass ich nicht auf seiner persönlichen Ersatzbank sitzen wollte. Doch das tat ich. Und es fühlte sich an, als hätte man mir Sekundenkleber unter den Allerwertesten geschmiert, der schon lange getrocknet war. Ich kam einfach nicht los!
„So öde war es doch garnicht.“, hallte Matthieus Stimme lachend an mir vorbei.
„Machst du Witze? Ich wäre fast eingeschlafen!“, jammerte Adrian gähnend und streckte sich genüsslich, als wir endlich wieder in der Bahn saßen. Die Zeit war verflogen wie am Schnürchen. „Ich fand es wirklich schön.“, diese Worte ließen mich aufsehen und unsere Blicke trafen sich erneut. Irgendetwas sagte mir, dass ich vorsichtig sein sollte...doch auf der anderen Seite - Wozu? Was sollte schon passieren? Vielleicht hieß mein Schicksal ja Matthieu. Außerdem war er nicht gerade von der gefährlichen Sorte...
[An dieser Stelle spreche ich euch mal wieder direkt an: Jessy war auf der verzweifelten Suche nach dem Richtigen. Schon immer. Sie glaubte an die wahre Liebe und daran, dass man den potentiellen Partner bereits in der Oberstufe treffen konnte. Wenn ich mich frag - totaler Unsinn.]
„Ich kann auch nicht klagen.“, gab ich auf seine Worte lächelnd zurück und lehnte mich leicht an ihn, was ihm den Freifahrtschein überreichte den Arm lässig um mich zu legen. Adrian und Mitch warfen mir einen irritierten Blick zu, schwiegen jedoch. Sie wussten, dass jegliche Frage gerade ziemlich ungünstig war. Nicht nur, weil ich ohnehin keine Antwort auf meinen plötzlichen Umschwung und mein Verhalten hatte, auch weil ihnen klar war, dass ich Matthieu gerade nicht einfach mit einem unbeschwerten: Zwischen uns würde nie etwas laufen, mein Herz gehört einem anderen (,der es eigentlich garnicht will...oder verdient hat),abhaken würde - auch nicht wenn diese Worte wahr gewesen wären.
Doch irgendwann konnte ich ihnen nicht mehr ausweichen, da auch die Rückfahrt ein Ende nahm und unsere Gruppe sich nach und nach auflöste. Auch Matthieu musste ich verabschieden. Bevor ich mich ebenfalls auf den Weg machen wollte, gab ich ihm seine Jacke zurück und bedanken mich ein letztes mal. Er schenke mir erneut ein herzliches Lächeln und nahm mich zum Abschied behutsam in den Arm, ehe er verschwand.
„Du spinnst doch.“, stellte Adrian frech fest, als Matthieu außer Reichweite war.
Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn an,als würde ich nicht wissen, was er meinte.
„Seit wann sagt dir Matthieu zu? Was ist mit dem anderen Kerl?“ - und schon wieder war Patrick da ohne überhaupt anwesend zu sein, das war zum Haare raufen...
„Mit dem anderen Kerl? Nichts, was soll da sein...er ist bloß ein Bekannter.“, winkte ich stur ab, doch biss Adrian nicht an.
„Bis heute Morgen hast du noch nie ein Wort mit Matthieu gewechselt. Ein Wunder, dass du überhaupt seinen Namen kanntest!“ - erwischt, doch ließ ich mir nichts anmerken.
„Vielleicht hat er mir ja vorher schon gefallen.“, schwindelte ich grinsend.
„Auf keinen Fall.“, damit hatte er Recht. Matthieu war nicht mein Typ. Doch wie sagte man so schön? Der Charakter zählte. Vielleicht passte es ja. Noch standen alle Türen offen.
„Wie auch immer. Ist ja nicht so, als wären wir plötzlich ein Pärchen.“, ließ ich das Thema schließlich fallen. Genug davon.
„Ich muss los. Suzie ist bestimmt auch gerade auf dem Heimweg, vielleicht erwische ich sie noch.“, ohne mich noch einmal zu Adrian umzudrehen, lief ich los. Obwohl ich Suzie erst 24 Stunden nicht gesehen hatte, fehlte sie mir schon wieder. Außerdem gab es Neuigkeiten!

→ Good mornin‘ Suzie Hatcher.

Mich rettete heute leider kein Ausflug. Für mich hieß es rücksichtslos: Schulbank drücken.
Als hätte es nicht ausgereicht, dass ich heute Morgen nicht aus dem Bett gekommen war und mächtig verschlafen hatte, nein...mir standen drei Stunden Mathematik bevor. Wieso? Nunja...unsere Klassenlehrerin/Mathelehrerin hatte es so beschrieben: Mathematik ist das wohl Wichtigste in eurem Leben. Jede freie Minute wäre eine Verschwendung! Ich für meinen Teil hätte nichts dagegen gehabt 135 Minuten des heutigen Morgens zu verschwenden. Doch mich fragte ja niemand.
Meine Mutter hatte mich erschrocken ins Badezimmer gescheucht, als sie mitbekommen hatte,dass ich nicht aufgestanden war und fuhr mich eilig zur Schule - es gab kein Entkommen. Und da ich ein wenig Angst vor der Frau hatte, die das wohl schlimmste Schulfach überhaupt unterrichtete, hechtete ich die Treppen des Schulgebäudes hinauf und übersah dabei wie Ian um die Ecke bog: „Vorsicht.“, ergriff er das Wort im rechten Moment grinsend und erinnerte mich somit rechtzeitig ans abbremsen.
„Oh, tut mir Leid. Ich hab dich nicht gesehen.“, es ließ sich bisher an einer Hand abzählen wie oft ich bereits mit Ian geredet hatte. Wir saßen zwar jeden Morgen im selben Raum und durften uns dasselbe Gerede anhören, dennoch würde ich beim Zählen nicht einmal auf fünf mal kommen.
„Nicht gesehen? Das nehme ich dir aber übel.“, für einen kurzen Moment nahm ich ihn beim Wort. Er war beliebt und selbstbewusst. Somit war wohl klar, dass er stets von allen gesehen wurde, weil jeder ihn sehen wollte. Oder zumindest...fast jeder. Mir kam es zumindest so vor.
Zwinkernd lief er um mich herum in die Richtung aus der ich gerade gekommen war.
Hatte ich bereits erwähnt, wie gut Ian aussah? Bestimmt.
Dabei konnte ich mich daran erinnern, dass er mir in den ersten Schultagen nicht im Geringsten aufgefallen war. Bis er sich irgendwann in der Klasse albern aufgespielt hatte und seinen Charme einsetzte, um seinem Rufe alle Ehre zu machen.
Damals hatte ich bloß Augen für Mike gehabt. Den reizenden Herren in dem blauen Pullover. Erinnert ihr euch? Falls nicht, auch kein Problem. Es stellte sich mit der Zeit nämlich heraus, dass er bloß gut aussah. Sonst war er eher ruhig und vernünftig. Der perfekte Schwiegersohn. Leider bevorzugte ich die Sorte Mann, die das Gegenteil verkörperte.
Frech, selbstbewusst, arrogant und draufgängerisch. Außerdem stand ich auf Musiker.
Wieso? Ich hatte keine Ahnung...aber ich kann mich an eine Unterhaltung mit der besten Freundin meiner Mutter erinnern, die mir damals von Musikern abgeraten hatte: Kind, du stehst bloß auf solche Kerle, weil du automatisch zu ihnen aufschauen musst, wenn sie auf der Bühne stehen. Sie ergreifen intollerant das Kommando in einer Beziehung und nutzen es aus zu wissen,wie beliebt sie sind!, hatte sie mich damals gewarnt - ohne Erfolg. Was war schlimm daran als Mann seine Rolle des stärkeren Geschlechtes zu übernehmen und etwas Gegenwind zu bieten? Nicht, dass ich unterdrückt werden wollte...manchmal jedoch musste ich es einfach werden, da ich sonst die Gefahr lief aus den Fugen zu geraten.
[Somit ist es auch hier wieder einmal bewiesen: Ich tickte völlig anders als Jessy. Ich gab mich mit dem Hier und Jetzt zufrieden. Niemals wirde ich auf die Idee kommen, mir jetzt schon gedanken über den Richtigen und mögliche Beziehungen bis an mein Lebensende zu machen. Was unteranderem James ein Dorn im Auge zu sein schien, da er Beziehungstyp Nummer drei abgab: Den Warmherzigen(oder wenn ihr es unfreundlich ausdrücken wollt: Der Klammerer.) Seine Merkmale lassen sich schnell zusammenfassen: Sensibel, tollerant, emotional, treu, verlässlich, begeisterungsfähig, ungerne alleine und Nähe suchend. Meine Wenigkeit hingegen war wohl eher Typ Nummer eins: Der Einzelgänger/Vermeider oder Nummer vier: Der Charismatische – Kritisch, individualistisch, vermeidet tiefgründige Emotionen, zynisch, explusiv und klammert sich stets an das tiefe Verlangen nach Freiheit. Wenn ihr mich Fragt...Jessy gehörte ebenfalls eher Typ 3 an.]
Ian nachgesehen hatte ich meinen Schritt verlangsamt und ging nun gemächlich auf den Raum zu,der unser Klassenzimmer darstellte. Die Tür war verschlossen, also klopfte ich lautstark, da ich bereits wusste, dass meine Klassenkameraden sich nur ungerne zur Tür begnügten um zu öffnen, wenn sie gelassen zusammen saßen und sich unterhielten oder herumblödelten. Zu meiner Überraschung machte man mir jedoch schnell auf...allerdings stand vor mir niemand meines Alters. Nein, es war die Frau die mir bereits einen Schauer über den Rücken jagte, wenn ich nur an sie dachte. Streng und verärgert sah sie mich an: „Zu spät. Sehr schlechter Stil! Außerdem könnten sie ruhig sanfter mit der Tür umgehen!“, tadelte sie mich ungehalten. Ich entschuldigte mich kleinlaut und wollte mich zu meinem Platz begeben, doch hielt sie mich auf.
„Nun Suzie...wo sie schoneinmal stehen, können sie auch nach vorne kommen und versuchen die Aufgabe zu lösen an der wir gerade sitzen.“, und schon folgte der nächste Schlag. Ich hatte gerade meine Tasche abgestellt, da begegnete mein Blick Teds, der bereits grinsend auf dem Platz neben meinem saß und sich offensichtlich das Lachen verkneifen musste. „Ähm...“, setzte ich hilfesuchend an. Es war unmöglich, dass ich die Hyroglyphen entziffern würde. Nicht einmal wenn ich 60 Minuten Zeit geschenkt bekommen würde, oder zuhause daran arbeiten durfte mit allen bloß erdenklichen Hilfmitteln...warum gab es eigentlich keine Taschenrechner, die mit Variablen rechneten?
„Entschuldigung...ich schätze ich muss passen. Ich hatte bereits Probleme mit den Hausaufgaben.“, entzog ich mich der Blamage und durfte mich setzen.
„Autsch...nicht dein Tag heute, was?“, wandte sich Ted mir zu und lachte nun endlich.
„Ich wünsche dir auch einen wundervollen guten Morgen.“, gab ich bissig zurück und packte missmutig mein Buch und mein Heft aus.
Als die Tür plötzlich wieder aufging, kam Ian in den Raum geschlichen. Er warf der Lehrerin ihre Schlüssel zu und platzierte den Overheadprojektor an der richtigen Stelle. Ian saß in unserem Klassenraum direkt vor mir, somit trafen sich unsere Blicke, als er sich setzen wollte: „Danke für die Warnung...“, zischte ich ihm leise zu, er nahm es locker.
„Was hätte dir eine Warnung geholfen?“, vielleicht, dass ich eine Kehrtwende vorgenommen hätte und doch wieder Heim gegangen wäre? Doch jetzt war es ohnehin zu spät.
Die ersten beiden Stunden vor der Pause zogen sich wie Kaugummi. Und zu allem Überfluss fing James mich in den 15 Minuten, in denen ich von Zahlen erlöst war, ab und stellte mich zur Rede: „Suzie...sprich mit mir. Was ist los zwischen uns? Irgendetwas läuft gewaltig schief und ich komme einfach nicht drauf was es ist. Hat Jessy schon wieder Stress geschoben?“, er sah mich mit wehmütigem Blick an, was mich tief seufzen ließ. Nicht auch noch das...Ted hatte Recht behalten. Das war eindeutig keine meiner Sternstunden.
„Nein, Jessy hat nichts damit zu tun. Ich...finde nur gerade heraus, wie gut wir beide wirklich harmonieren. Ob das wirklich der richtige Weg für uns ist.“ - eine schwache Ausrede.
„Wie willst du das herausfinden, indem du mir ständig aus dem Weg gehst?“, nun klang er schon fast vorwurfsvoll und wütend.
„Hör mal...ich brauche einfach etwas Zeit, okay? Lass uns das nicht hier besprechen. Und nicht jetzt.“
[Da seht ihr es. Der typische Fluchtweg eines Menschen der Beziehungstyp Nr. 1 abbildet: „Ich brauche bloß etwas Zeit.“ was eigentlich so viel heißen sollte wie: „Ich glaube, das mit uns geht den Bach runter.“]
„Wann dann? Heute nach der Schule? Bei mir fallen die letzten beiden Stunden aus...und du hast doch auch nicht so lange. Das würde perfekt passen, oder?“, wieder fühlte ich mich in die Enge getrieben und überrannt. Ich wollte keinen Schlusstirch ziehen...und was ich noch viel weniger wollte war es, mir von Minute zu Minute sicherer zu werden, dass ich es tun musste...
„Heute ist schlecht, ich kann nicht.“, wich ich ihm also erneut feige aus.
„Ich muss meiner Mom helfen. Sie...hat irgendetwas vor wobei sie mich braucht.“, gelogen hatte ich auch schon einmal besser.
„Nunja...ich muss hoch – Mathe.“, informierte ich ihn knapp und wollte mich auf den Weg machen. James nickte geknickt und hatte sich gerade auf mich zugebeugt, um mich zum Abschied kurz zu küssen, doch ich drehte ihm bloß meine Wange hin.
Als ich das zweite mal den Flur entlang lief, stand erneut niemand vor der Tür.
„Das darf nicht wahr sein...“, murmelte ich erschrocken und beschleunigte mein Tempo, wobei ich einen Jungen einholte, der gelassen denselben geraden Flur entlangschritt.
Vor der Tür hielt ich abrupt an und klopfte - diesmal vorsichtiger. Es wurde zwar nicht so schnell geöffnet wie heute morgen, doch überhörte man mich auch nicht. Tia hatte sich erhoben und stand mir nun lächelnd gegenüber. Ich zog die Tür hinter mir zu und lief mit ihr ans Fenster: „Ohje, Süße...heute Morgen war ja wirklich schrecklich, hm? Vergiss es einfach. Halb so wild.“, wollte sie mich aufmuntern, doch half es nichts. Ganz im Gegenteil sie erinnerte mich bloß wieder an den Moment, der mich erneut nützliche Punkte meiner Mathenote gekostet hatte.
„Lass uns nicht mehr darüber reden, ja?“, ich lachte nervös,Tia nickte.
„Wie läuft es mit James?“, kaum sprach sie dieses Thema an, bekam ich Bauchschmerzen. Auch Jenna schaltete sich plötzlich neugierig ein: „Das würde mich auch interessieren!“
Wunderbar. Was sollte ich sagen? Dass ich nach wenigen Monaten unzufrieden war und nicht mehr bloß mit dem Gedanken spielte Schluss zu machen, sondern es mittlerweile sogar schon festgelegt hatte. Sicher nicht - also log ich: „Alles bestens.“
Das war wohl das erste Mal,dass mir das Gegröle unserer Mitschüler, Ian und Josh, zusagte und mir den Hintern rettete. Wir drehten unseren Kopf in deren Richtung und verstummten somit allesamt. Die Jungs waren vor die Tür gestürmt und schienen jemanden zu begrüßen...jemanden, von dem sie geglaubt haben mussten, er sei verstorben. Ich kannte solch eine Reaktion bloß unter besten Freundinnen, die sich eine Woche nicht gesehen hatten und ungehalten aufeinander zustürmten.
„Oh, das muss Damon sein.“, sprach Tia grinsend und wandte den Blick nicht von der Tür ab, in der Hoffnung den Neuling zu erspähen. Ich schien die Einzige zu sein, die nicht sonderlich neugierig war. Wozu auch? Es sah so aus so als würden wir lediglich einen weiteren Spaßvogel, der viel von sich hielt, dazuzugewinnen. Einen, der Ians Gefolgschaft angehörte.
Erst als ich die Stimme unserer Mathelererin vernahm, trat Ruhe ein und alle wanderten zu ihren Plätzen. Damon betrat als letztes den Klassenraum und unterhielt sich angeregt mit Ian. Ich schien richtig gelegen zu haben...Damon passte irgendwie zu Ians Leben. Er wirkte ebenso aufgedreht und selbstbwewusst. Irgendetwas an ihm erschien mir jedoch auch tiefgründig. Zumindest tiefgründiger als Ian es war. Doch verschwendete ich keinen weiteren Gedanken daran. Wie gesagt - in weniger als einem Jahr würde sich diese Klasse auflösen und in Kurse eingeteilt werden. Wir sahen uns wahrscheinlich alle bloß flüchtig hin und wieder einmal. Und solange niemand wirklich meine Aufmerksamkeit erweckte, wollte ich nicht damit anfangen mich zu sehr einzuleben. Lediglich Tia würde ich wohl wirklich vermissen. Aber sie ging ja nicht verloren.
„Ich möchte, dass ihr da weiterarbeitet, wo wir aufgehört haben. In den Gruppen, die ich eingeteilt hatte. Damon? Sie setzen sich am besten zu Ian, er wird ihnen auf die Sprünge helfen.“, und somit fand Damon seinen Platz neben Ian und saß ebenfalls genau in meinem Blickfeld. Mehr Zeit schenkte sie ihm nicht. Wenn er sich vorstellen wollte, würde er Zeit dafür finden - davon ging sie zumindest aus.
„Also, ich erkläre euch das noch einmal...“, unterbrach Ted die Stille. Ja, ich war mit Ted in einer Gruppe gelandet. Und mit Josh. Josh war mir als ziemlich angenehm erschienen, vielleicht lag das daran, dass er in Mathe mindestens genau so aufgeschmissen war wie ich und sich nicht anders als mit dämlichen Sprüchen, die mich immer wieder zum Lachen brachten, zu helfen wusste.
„Ted.Gib‘s endlich auf. Wir sind zwei hoffnungslose Fälle.“, unterbrach Josh ihn in seiner Erklärung, als es erneut kompliziert für Menschen wurde, die nicht mit mathematischem Verständnis gesegnet waren. Ich schob mein Heft entschieden zur Seite und sah von der Aufgabenstellung auf. Mein Blick traf Joshs, der mich belustigt angrinste und dabei eine amüsante Grimasse zog. Doch traf ich nicht nur das Augenpaar von Josh...auch Damon hatte in unsere Richtung gesehen. Bevor sich meine Augenbrauen verwundert zusammenzogen, wandte ich mich wieder Ted zu, der endlich aufgegeben hatte.
„Ja, ihr seid hoffnungslos...am besten wäre es, wenn ihr euch mit Damon zusammen tut. Der war ein Jahr im Ausland und hat sich wohl kaum mit Mathematik beschäftigt. Wobei sogar er euch zum Verhängnis werden würde, da Ian ihm schnell auf den neusten Stand bringen wird.“ - „Vielleicht ist Ian einfach der bessere Lehrer.“, ärgerte Josh Ted bissig und lachte laut über seinen eigenen Witz.
Dass Ted auch diesmal Recht behalten würde, sollte mir jedoch erst später bewusst werden. Damon würde mir durchaus zum Verhängnis werden...und das lag nicht am schlimmsten Fach der Welt - Eigentlich hatte es etwas mit dem einfachsten der Welt zu tun...der Anziehungskraft.





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♣ Life can't be a Fairytale - Ask her,she knows. ♣
→ Beziehungsstatus: Zur Einsamkeit bestimmt?
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...   Erstellt am 21.12.2011 - 22:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 15 - The first Time.

→ Good morning Suzie Hatcher.

„Vor wem versteckst du dich?“, ließ mich Teds Stimme zusammenfahren, als ich hinter der Säule des Flurs hervorgeschaut hatte, um mich zu vergewissern, dass der Unterricht nicht bereits begonnen hatte und meine Mitschüler noch immer müde im Gang vor der Tür unseres Klassenraumes standen. „Vor niemandem - Verzieh dich Ted.“, fuhr ich ihn genervt an. Zwar gab es Momente in denen ich rein gar nichts an seiner Anwesenheit auszusetzen hatte, doch dieser gerade war keiner davon. Ich hatte wirklich keine Lust mir seine unsensiblen Sprüche über die scheinbar unrettbare Beziehung von James und mir anzuhören. „Schlechte Laune, hm? Lass mich raten...James geht dir auf den Geist.“
Ted ließ nicht locker und folgte meinem prüfenden Blick kurz.
Ich hatte mich ertappt zu ihm umgedreht und überlegte kurz, ob ich mich bei ihm über James beklagt hatte. Ich konnte mich nicht an einen solchen Moment erinnern. Wahrscheinlich war es bloß auffällig, dass James und ich uns kaum noch zusammen blicken ließen. „Er geht mir nicht auf den Geist.“, stritt ich schon beinahe beleidigt ab und zog meine Tasche zurecht, die mir schwer über die Schulter hing.
„Sicher...“, Ted nickte leicht und seufzte kurz darauf tief - Er glaubte mir kein Wort.
„Ich kenne seine Exfreundinnen.“, wollte er mich locken und dreimal dürft ihr raten - Es funktionierte. „Und?“, reagierte ich so wie er es wohl erwartet hatte, als wir uns langsam auf den Weg zum Klassenzimmer machten. Mittlerweile hatte eine Lehrkraft sich dazu durchgerungen die Tür aufzuschließen, sodass wir nicht länger auf dem Gang herumstehen mussten.
„Nunja...soweit ich weiß wurde nach ein paar Monaten jedes mal mit ihm Schluss gemacht. James war jedem der Mädchen zu anhänglich. Und so wie ich dich einschätze, lässt du dir wohl kaum deine Freiheit nehmen und sägst ihn auch bald ab. Bloß eine Frage der Zeit.“
Ich war im Türrahmen stehen geblieben und hatte Ted entsetzt nachgesehen. Besaß er wirklich die Frechheit das so ungeniert auszusprechen? Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte...wütend und eingeschnappt oder doch ertappt und wehleidig. Als ich auf einmal sacht angerempelt wurde und einen Schritt zur Seite taumelte, hatte ich mich entschieden, und zwar für wütend und eingeschnappt: „Hast du keine Augen im Kopf?!“, fuhr ich den Übeltäter an und sah in die Augen von Damon, der über meine Reaktion und den Tonfall meiner Stimme genauso erschrocken schien, wie ich selbst.
„Tut mir Leid, war keine Absicht.“, entschuldigte er sich knapp und schritt an mir vorbei ohne mich noch einmal anzusehen.
[Und genau das war der Moment in dem ich das erste mal mit Damon geredet hatte - wenn ihr mich fragt, fühlte es sich ebenso nach dem letzten mal an.]
Als ich mich endlich wieder gefangen hatte, setzte ich mich in Bewegung und zog hinter mir die Tür zu, da wir vollzählig schienen.
Jegliche Verspätung einer Lehrkraft versetzte Jungs wie Damon, Ian, Josh und Marcus in pure Euphorie. Sie hatten sich zusammengestellt, unterhielten sich angeregt, lachten laut und pöbelten herum. Immerhin schien ich Damons Selbstbewusstsein nicht angeknackst zu haben - Er strahlte vor guter Laune. Anscheinend wusste Ian wirklich wie man Motivation verbreitete und den Gruppenführer spielte. Ich konnte ein leichtes Grinsen bei dieser Erkenntnis nicht unterdrücken und setzte mich schließlich.
Gerade als Tia aufgesprungen war und mir munter zulächelte, als sie die ersten Schritte machte, klopfte es an der Tür. Sie hielt in ihrem Gang inne und öffnete diese verwundert. Vor ihr stand ein alter Mann mit einem Sehstock bewaffnet. Er sah freundlich aus, doch irgendwie auch Fehl am Platz. Einige meiner Mitschüler schienen ihn bereits zu kennen und setzten sich zurück auf ihre Plätze - auch Tia.
„Guten Morgen. Ihr seid ja mächtig laut gewesen...ich hoffe im Unterricht darf ich mit der selben Begeisterung rechnen.“, die Stimme des Mannes klang laut und bestimmend. Irgendwie passte sie nicht zu seinem Erscheinungsbild.
Meinen Kopf geneigt, saß nun auch Ted wieder neben mir und begegnete meinem fraglichen Blick mit einer nicht gerade begeisterten Antwort: „Scheint unser neuer Geschichtslehrer zu sein. Ich selbst hatte ihn noch nicht, aber er soll unheimlich streng sein.“, informierte er mich leise und kramte etwas aus seiner Jackentasche hervor.
„Immerhin kann man sich bei ihm ungestört anderweitig beschäftigen.“
Ich richtete meinen Blick wieder nach vorne. Unsere alte Geschichtslehrerin erwartete ein Baby, was sie aus dem Beruf zurücktreten ließ. Dabei war sie die erste Frau gewesen, die dieses ach so öde Fach angenehm hatte herüberbringen können. Doch musste ich zugeben, dass Ted recht hatte. Auch mein Handy hielt nun nichts mehr in der Hosentasche und während unser blinder Lehrer sich alle Mühe gab einen Sitzplan mit uns zu erarbeiten, machte ich mich daran SMSn zu beantworten und zu verschicken. Wieso wurde ich das Gefühl nicht los, dass dies eine besonders lange Doppelstunde werden würde?

→ Hurry up Jessica Baker!

„Another memory, when you first looked at me. I hit pause and then love hit me back - under attack stopped me in my tracks. There you go again, your eyes give me a flashback.“ - Mürrisch hatte ich nach meinem Wecker ausgeholt und ihn abgestellt.
War es denn wirklich schon morgen? Ich fühlte mich, als hätte ich gerade mal 4 Stunden geschlafen gehabt. Moment...es war 07:30 Uhr...ich hatte bloß 4 Stunden geschlafen.
Doch heute war ein besonderer Tag, daher fiel es mir überraschend leicht aufzustehen und mich zurecht zu machen. Was für ein Tag? Mein Lieblingsfeiertag - Valentinstag.
Suzie hasste ihn. Ich hingegen konnte es kaum erwarten einmal im Jahr verliebte Pärchen zu beneiden und meine eigenen Gefühle nicht zu verstecken. Was ich mir vorgenommen hatte? Oh, das ist schnell erklärt...ich wollte diesen Tag als meine endgültige letzte Chance sehen und nutzen. Stundenlang hatte ich gestern am Herd gestanden und Pralinen zubereitet. Die schönsten unter ihnen waren mit einer kleinen Botschaft in einem Kästchen gelandet, welches mit einer hübschen Schleife verschlossen und verziert wurde.
Ich war überzeugt von der Idee, dass ich Patrick doch noch für mich gewinnen konnte...bestenfalls würde er seine Freundin verlassen und mich wollen. Das Wichtigste war nun, dass ich ihm endlich meine Gefühle gestand. Immerhin hatte er nie Worte von mir dazu vernehmen dürfen. Ich hatte länger als sonst im Badezimmer gebraucht und die genervten Rufe meiner kleinen Schwester, die sich ebenfalls frisch machen wollte, einfach ignoriert. Schließlich stolperte ich aus dem Raum, griff mir meine Tasche und das Päckchen und machte mich auf den Schulweg.
In der Klasse hatte man meine Idee entweder bewundert oder belächelt.
„Zieh es durch!“, bestärkte mich Adrian zuversichtlich und klopfte mir auf die Schulter.
„Wenn man etwas wirklich will, muss man sich bemerkbar machen, klare Zeichen setzen und viel Mut aufbringen. Du kriegst das hin!“
Seine Worte bestärkten mich unheimlich. Und so konnte ich es kaum erwarten, dass die ersten beiden Schulstunden endlich verflogen und ich meine Idee in die Tat umsetzen konnte. Es war Valentinstag! Da musste das Glück einfach auf meiner Seite sein!
Vor laute Vorfreude übersah ich jedoch auch so manchen Blick, der mein Vorhaben nicht befürwortete...ganz im Gegenteil. Matthieu hatte mein Geschenk bloß grimmig gemustert, als er erfuhr, dass es nicht für ihn gewesen sei.
[Böse Zungen reiben mir heute noch unter, dass er sich vor Freude fast ins Hemd gemacht hatte, als er mich mit dem Päckchen erspähte.]
Als wir endlich freigelassen wurden, packte mich die übliche Nervosität, wenn es um Patrick ging. Doch war ich fest entschlossen! Ich würde nicht kneifen - Nicht schon wieder!
Unauffällig hatte ich mich durch die Menge gedrängelt, die die Treppe hinabschritt um in den Vorraum zu gelangen, wo man seine Pause verbringen konnte.
Ich würde ihn am besten am Fuß der Treppe abfangen. Tief durchgeatmet, umschloss ich das Geschenk, meine letzte Hoffnung, fest mit beiden Händen.
Und dann konnte ich ihn plötzlich sehen. Er bog ab, um die Treppe herunterzukommen.
„Jessy, da bist du ja endlich...hör mal,ich muss dir-“, unterbrach mich Suzie in meinen Gedanken, in denen ich gerade ein letztes Mal versucht hatte, mein Vorhaben Schritt für Schritt durchzugehen: „Ähm...“, wollte ich mich zu Wort melden und sah an ihr vorbei. Keine Spur mehr von Patrick. Hatte ich ihn wirklich verpasst? Oder hatte er sich plötzlich in Luft aufgelöst? Verdammt!
„Was hast du da?“, erst bei dieser Frage wandte ich mich wieder an Suzie, die skeptisch das kleine Päckchen beäugte.
„Nein, Jessy...vergiss es...das ist nicht dein Ernst, oder? Tu das nicht!“, ich musste nichts sagen. Suzie wusste genau, was ich vorhatte.
„Das ist meine letzte Chance, heute ist Valentinstag!“, kurz schien Suzie zu überlegen und schlug sich dann leicht mit der Handfläche auf die Stirn: „Oh, Mist...natürlich...das hatte ich völlig vergessen.“, murmelte sie mehr zu sich selbst, dann griff sie plötzlich nach dem Packet und zog es mir aus den Händen.
„Hör mal Jess...das hier wird Patrick nicht erreichen, oder? Er hat eine Freundin. Ich bin auch dafür, dass er sich für dich entscheidet. Aber der Weg ist der falsche...damit machst du dich unbeliebt. Und wenn du Pech hast nicht nur bei seiner Freundin.“
[Wie würdet ihr reagieren,wenn ihr frisch in einer Beziehung steckt und plötzlich etwas zum angeblich romantischsten Tag des Jahres von einer eigentlich fremden Person geschenkt bekommt? Und beachtet bitte auch - egal wie süß und naiv diese Idee sein mag. Wir leben in der Realität. Nicht in einem Teenagerliebesfilm, in denen man seinen Schwarm durch die verrücktesten Aktionen für sich gewinnt.]
Und dann musste ich mit ansehen, wie sie den Deckel abhob und hineinsah. Ihr Seufzen machte alles noch schlimmer...meine Idee war zerbrochen, plötzlich kam ich mir albern vor. Und verzweifelt. Suzie hatte Recht. Er hatte eine Freundin. Zwar hatte ich es die ganze Zeit über gewusst...doch war es mir gelungen diesen Störfaktor runterzureden und auszublenden - mehr oder weniger: „Gib das wieder her!“, fuhr ich sie plötzlich an, als hätte man einer glücklichen Mutter, das Kind weggenommen.
„Ohje, Jess...“, murmelte Suzie und hatte auch den Zettel nicht übersehen, auf dem neben ein paar netten Worten meine Handynummer geschrieben stand.
„Tu das nicht. Ich kann dich zwar von nichts abhalten...aber ich rate dir, lass es langsam wieder anlaufen und nutze den Valentinstag nächstes Jahr.“
Das erste mal seit kurzem war ich froh darüber, dass James sich angeschlichen hatte und Suzie unterbrach, da er alleine mit ihr reden wollte. Sie warf mir einen letzten Blick zu und dann verschloss ich das Kästchen auch schon wieder. Und somit auch meine Hoffnung.
„Hey Jessy.“, begrüßte mich Jamie kurz darauf und begutachtete, was ich in der Hand trug.
„Was ist das? Valentinstagsschokolade?“, auch er wusste von meinem Valentinstagsfimmel. Aber nicht von meiner grandiosen Idee - davon würde ich ihm auch sicher nicht berichten, da ich mich mittlerweile bloß noch dafür schämte. Ich schreckte Patrick gewaltig ab...mich zumindest würde ich abschrecken.
„Mhm...für Suzie.“, log ich mich also aus der Situation heraus und wich seinem Blick aus.
Dass ich mit dem Päckchen nach der Schule auf der Couch endete und die liebevoll geformten Schokoherzen alleine in mich hineinfraß, bekam Jamie nicht mit. Eigentlich wusste niemand davon. Und somit war der nächste Tiefpunkt erreicht.

→ What about Suzie Hatcher?

Jessy und ich waren nicht umsonst beste Freundinnen. Oftmals war es so, dass mein Tiefpunkt nicht lange auf sich warten ließ, wenn ihrer sich bereits ereignet hatte. So auch heute. James hatte mich mitgeschleppt und wehleidig aus der Wäsche geschaut.
„Okay, weißt du was. Es langt mir. Geh mir nicht länger aus dem Weg.“, kurz hob ich erstaunt die Augenbrauen an. Wollte er Schluss machen? Doch seine letzten Worte ließen mich das bezweifeln: „Lass uns heute Abend weggehen. Ich lade dich ins Kino ein.“, schlug er vor und sah mich nun hoffnungsvoll an. Ich musste an Teds Worte denken. Insgeheim wusste ich, dass er Recht hatte. Zu lange spielte ich schon mit dem Gedanken von der Beziehung zurück in eine Freundschaft zu finden - falls das möglich war. Doch wollte ich ihm nicht zustimmen...ich wollte, dass zwischen James und mir alles wieder so war wie es am Anfang war! Doch musste ich mir auch eingestehen, dass es mir als unmöglich erschien, da ich mich nicht einmal mehr an das Gefühl erinnern konnte,dass er vor einigen Wochen noch in mir ausgelöst hatte.
„Okay, gerne.“, stieß ich mich ins mögliche Verderben. Ich wollte mir Mühe geben! Mehr Mühe als in meiner letzten Beziehung. Was mich zu einem ja verpflichtete...auch wenn ich eigentlich weder Lust auf Kino heute Abend hatte, noch auf - so schlimm es auch klingen mag - meinen Freund. Falls ich ihn noch so nennen konnte...oder wollte.

„Hey! Suzie?“, Ians Stimme ließ mich aufschauen, als wir in den letzten Schulstunden wieder im Klassenraum saßen. Welch Wunder, es stand eine dritte Stunde Geschichte an, da unser neuer Lehrer als Vertretung eingesprungen war. Zwar hatten mich die Neuigkeiten, dass Mathe ausfallen würde mehr als nur erfreut...doch sagte mir dieser Unterricht mindestens genauso wenig zu. Mal wieder hatten wir die Aufgabe bekommen sämtliche Seiten im Buch durchzulesen, die wir nach ein paar Minuten in der Klasse zusammenfassen sollten. Doch schien nicht nur ich keinen Blick ins Buch zu werfen.
Ian hatte sich umgedreht und zu mir gebeugt, als er mich im Flüsterton angesprochen hatte. Ich hatte ihn skeptisch angeschaut und darauf gewartet, dass er weiter sprach, doch schwieg er: „Was?“, brachte ich endlich über die Lippen. „Dir ist sicher auch langweilig, oder?“, ergriff er erneut das Wort. Ich hob daraufhin mein Handy an. Zwar war mir durchaus langweilig, doch ließ sich die Zeit recht gut überbrücken.
„Massierst du mich?“, bei dieser Frage klappte mir der Mund leicht auf. Im ersten Moment dachte ich, dass ich mich verhört hatte, Ians Blick jedoch schien unbeirrt und belehrte mich somit eines besseren.
„Vergiss es, sie ist meine Tischnachbarin. Wenn dann massiert sie mich!“, schaltete sich Ted lachend ein und drehte mir bereits den Rücken zu.
Mein Blick wanderte von Teds Schulterblättern zu Ian hinüber. War es in einer solchen Situation unhöflich oberflächlich zu sein? Bestimmt. Ich war es trotzdem.
Ians Rücken war weitaus trainierter und muskulöser als Teds. Außerdem hatte ich sicher nichts dagegen ein Schwätzchen mit ihm aufzubauen. Ich meine...hey, wir waren schon eine ganze Weile in ein und derselben Klasse und hatten eigentlich kaum ein Wort gewechselt - es wurde Zeit das zu ändern! Außerdem hatte Ian ja recht...ich hatte ohnehin nichts zu tun. Und da mich zusätzlich eine böse Schwäche für männliche Rücken und breite Kreuze heimsuchte, bot sich Ian dafür nahezu perfekt an.
„Okay, rutsch her.“, flüsterte ich zurück und nickte ihm grinsend zu.
„Hey...“,murrte Ted beleidigt, und auch Damon, Ians Tischnachbar, schaltete sich ein.
„Und was ist mit mir?“, wollte er wissen und hatte verschlafen über seine Schulter zu mir gesehen. Damon? Nein, danke...ich verzichtete gerne. Damon war absolut nicht mein Typ...mit ihm hatte ich sogar noch weniger gesprochen als mit Ian. Wahrscheinlich hätte ich sogar Ted ihm vorgezogen. Ich überhörte seine Worte also einfach und drehte mich leicht in Ians Richtung, als dieser endlich neben mir Platz genommen hatte.
Und so verflogen die letzten Minuten plötzlich unerwartet schnell. Ich erfuhr ein wenig über Ian...neben den Neuigkeiten, dass er mit Damon in einer Band spielte und wahnsinnig gerne feiern ging, erzählte er mir außerdem von dem nächsten Auftritt, der bald für die Jungs anstehen würde.

„Biiiitte! Tus für mich!“, ich flehte sie schon fast an. Doch meine kleine Schwester erbamte sich einfach nicht meiner: „Was hab ich davon?“, motzte sie frech zurück.
„Du kannst eine Freundin mitnehmen...außerdem hattest du heute Abend doch sowieso nichts vor!“, noch immer schüttelte sie unbeeindruckt den Kopf. Und schon rutschte ich noch tiefer ab. Tiefer als ich es bereits war...Ich meine, seht mich an. Ich bettelte gerade ernsthaft bei meiner kleinen Schwester darum, dass sie mit ins Kino kommen würde. Nur weil ich ein paar Stunden vor meinem Treffen mit James doch kalte Füße bekommen hatte. „Ich zahle.“, jetzt sah sie mich wieder an und grinste zufrieden: „Abgemacht, ich hör mich mal um wer sonst noch so mit kann.“ Schneller als ich gucken konnte, war sie von ihrem Bett aufgesprungen, hatte die Zeitschriften beiseite geschoben und griff nach dem Telefon. „Ich zahle aber nur für dich!“ Ein Wunder, wenn mein Geld dafür langte...
„Wenn niemand anderes kann, komm ich nicht mit!“, stellte sie gleich klar und tippte nebenbei die erste Nummer ein. „Ich will euch nicht beim Rummachen den ganzen Abend zusehen müssen.“ - wenn sie wüsste. Das war einmal. Doch, da ich ihre Drohung wahrnahm stand ich auf und suchte nach meinem Handy. Ich musste Ana erreichen. Sie sollte mich begleiten, auf sie war immerhin immer Verlass!
Keine halbe Stunde später hatte ich Anas Zusage ergattert und freute mir fast schon ein Loch in den Bauch. Nicht nur, weil sie mich vor einem unangenehmen Abend rettete...auch, weil ich Ana wirklich vermisste und lange nicht mehr gesehen hatte.
Jetzt musste ich bloß noch James die Neugikeiten verkaufen. Und ich musste zugeben...er tat mir fast schon Leid. Was mutete ich ihm bloß zu? Aus reiner Feigheit.

Um punkt 20 Uhr trafen wir uns als versammelte Gruppe nach und nach vor dem Kino.
Meine kleine Schwester, Vivien, hatte sich ihre beste Freundin zur Verstärkung geholt - ein ruhiges Mädchen. Zu dritt schritten wir die ersten Stufen zu dem großen Kinogebäude hinauf. James wartete bereits. Am Telefon hatte er sich verärgert und missmutig angehört - verständlicherweise - , doch kaum trafen sich unsere Blicke, schenkte er mir ein stolzes Lächeln. Anscheinend hatte er sich mit der Tatsache abgefunden, dass man es mit mir nicht leicht hatte: „Guten Abend.“, grüßte er mich zuerst und gab mir einen sanften Kuss, den ich schweigsam über mich ergehen ließ. Die beiden jüngeren musterte er nach mir freundlich und nickte ihnen zur Begrüßung zu,meine Schwester kam ihm jedoch zuvor und gab ein munteres Hi von sich, bevor sie sich wieder abwandte und in ein Gespräch mit ihrer Unterstützung verfiel. Mal wieder ließ Ana geschlagene 10 Minuten auf sich warten, doch hatte sie ihre Verspätung angekündigt und als ich sie endlich erblickte riss ich mich vorsichtig von James los und machte ein paar freudige Schritte auf sie zu. Ana jedoch blieb stehen als sie mich sah und musste breit grinsen - kurz darauf kam sie auf mich zugerannt und fiel mir lachend um den Hals: „Suzie! Ich hab dich ja so vermisst!“, quietschte sie herzlich und drückte mich fest an sich. Tja...und somit war James Hoffnung darauf, mich doch mindestens ein paar Minuten für sich alleine zu haben geschwunden - die beiden Jüngeren ließen sich gut selbst beschäftigen und zeigten kein großes Interesse daran an unserer Seite zu kleben. Ana jedoch hakte sich unbeirrt bei mir ein und ließ mich sogut wie nicht mehr aus den Augen. Nachdem wir unsere Karten gekauft hatten und ich Vivi heimlich das Geld für ihre Karte zugesteckt hatte, sorgten wir für reichlich Knabberzeug und begaben uns in den Saal. Das nächste Problem: die Sitzordnung. Doch zu James Erleichterung konnte er sich den Platz neben mir ergattern und somit saß ich zwischen Ana und James.
[Insgeheim habe ich mich danach gesehnt, dass meine kleine Schwester um den zweiten Platz neben mir kämpfen würde, doch diese zeigte nicht das geringste Interesse.]
Die gesamte Werbung über quatschten Ana und ich munter durch. Immer wenn ich das Gefühl hatte, dass das Gespräch Gefahr lief abzubrechen, warf ich eine weitere Aussage hinein, die neuen Gesprächsstoff lieferte. Doch ewig ging es natürlich nicht so weiter, da Ana James schon länger kannte und schätzte - irgendwann beugte sie sich leicht nach vorne und richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihn. Beleidigt war er neben mir im Sitz versunken und sah erst auf, als Ana seinen Namen erneut aussprach.
[Ihr dürft mich nicht falsch verstehen...oder gar verurteilen. Wenn ich heute auf damals zurückblicke bin ich sicher nicht stolz auf mein Verhalten. Doch weiß ich auch, dass ich nichts anders machen würde, wenn sich die Zeit zurückspulen ließ. Ich kam mir gefangen vor. Gefangen in einem Irrgarten meiner eigenen Gefühle. So sehr hatte ich James gewollt...und nun? Nun wollte ich nichts mehr, als ihn loswerden. Oder besser noch...ich wollte,dass er mich loswerden wollte.]
Als der Film endlich anlief und Ana in gespanntes Schweigen verfiel, sah James diesen Moment wohl als Freifahrtschein. Seinen Arm locker um meine Schulter gelegt, zog er mich an sich heran und gab mir einen Kuss aufs Haar. Diese Momente waren es anfangs gewesen,die mich glücklich und zufrieden gestimmt hatten. Jetzt machten sie mich unglücklich und verursachten starke Magenschmerzen.
Den gesamten Film über, geschlagene zwei Stunden also, wimmelte ich James nicht ab und gab mir alle Mühe vielleicht durch etwas Nähe, der ich nicht entkommen konnte zu ihm zurückzufinden - vergebens.





Signatur
✭ Wanna hang around with me? ✭
→ Beziehungsstatus: Glückliche Singel.
Maybe you started to compare to someone who's not there.
Maybe you want it maybe you need it,
maybe it's all you're running from.
But remember - Perfection will never come...


[Weitere Charas: Alice,Miaka,Jason,Kim,Maria usw.]

Nate
unregistriert

...   Erstellt am 17.01.2012 - 19:34Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 16 - You&Me?

→ Suzie Hatcher.

Es war eine Katastrophe - Ich konnte es nicht oft genug erwähnen.
Und als wäre es nicht schlimm genug gewesen, dass ich beinahe verzweifelt Ablenkung suchte,um nicht über das Unglück nachzudenken, in das ich James und mich lachend gerissen hatte. Sogar meiner kleinen Schwester fiel mehr und mehr auf, dass etwas nicht stimmte: „Su...du gehst mir auf die Nerven. Seit Tagen klebst du ununterbrochen an mir! Hast du kein eigenes Zimmer? Telefonier mit Ana oder Jessy. Ich habe zu tun!“, schimpfte sie, als ihr der Kragen platzte. Mal wieder hatte ich in ihrem Zimmer gesessen und erst versucht ihr ein unbedeutsames Gespräch aufzuzwingen, bis ich endlich begriffen hatte, dass sie keinerlei Interesse zeigte in lockeren Smalltalk einzusteigen. Also hatte ich mich bei ihr auf die Couch gepflanzt und den Fernseher eingeschaltet. Wieso ich nicht bei mir im Zimmer vor mich herlebte? Nunja...meine eigenen vier Wände waren zu einem Käfig geworden. Sobald ich die Tür schloss, hatte ich das Gefühl alleine mit meinen Gedanken zu sein und gerade das wollte ich vermeiden. Auch wenn Vivien mich stur ignorierte beruhigte es mich, dass sie einfach nur da war.
Ihre genervten Worte ließen mich zusammenzucken und als sie mir plötzlich die Fernbedienung aus den Händen nahm, sah ich perplex zu ihr hinauf. „Ich möchte telefonieren. Ohne Zuhörer.“, erklärte sie mir seufzend und schien nun doch ein wenig Mitgefühl aufzubringen. Wahrscheinlich hatte mein Blick sie ebenso erschrocken, wie mich ihr kleiner Ausbruch. „Okay, okay.“, gab ich schließlich nach, erhob mich wortlos und verließ ihr Zimmer. Meine Beine trugen mich beinahe automatisch geradeaus.
Bloß ein paar Meter weiter lag mein Zimmer. Die Tür war geschlossen.
Spontan entschied ich mich dazu, sie nicht zu öffnen und bog um die Ecke ins Wohnzimmer ab, wo meine Mutter mit einer Zeitung auf dem Sofa saß. Sie schien mich nicht gehört zu haben, da sie erst überrascht aufsah, als ich mich zu ihr setzte. „Liebes. Alles okay?“, unterbrach sie die Stille und schob das übergroße Papierbündel zur Seite. Ich nickte leicht - Mir war nicht nach reden. Doch meine Mutter war ein Mensch, der es nicht bei knappen Antworten beließ. Ich weiß nicht, ob diese Eigenart alle Mütter besaßen oder ob bloß ich damit zu kämpfen hatte.
„Raus damit, was bedrückt dich? Du bist seit Tagen so still? Wie läuft es mit James?“, natürlich traf sie den Nagel in den ersten Sekunden auf den Kopf. Noch etwas, womit ich stets rechnen durfte. Immer wieder überraschte sie mich mit Vermutungen, die völlig ins Grüne trafen, ohne dass ich ihr hatte Tipps geben müssen.
„Ich halte es nicht mehr aus!“, brach es im nächsten Moment aus mir heraus.
„Unsere Beziehungserwartungen sind viel zu verschieden. Ich brauche meinen Freiraum...von ihm bekomme ich ihn bloß, wenn ich hart darum kämpfe.“, meine Stimme klang verzweifelt und vielleicht sogar etwas wütend und verständnislos.
Meine Mutter hatte sich etwas zurück gelehnt und mich zögernd angeblickt. Sie mochte James. Sehr sogar. Sie hielt ihn für freundlich, charmant, humorvoll und irgendwie...ziemlich perfekt. Perfekt für einen typischen Schwiegersohn, der rund um die Uhr auf die eigene Tochter achtete und sie vor jeglichen Dummheiten bewahren wollte.
Wieso verstand niemand, dass ich Dummheiten machen wollte? Ich brauchte sie.
Dummheiten sind es, die einen belehren.
Dummheiten sind es, die Freunde und mich amüsierten und uns näher brachten.
Dummheiten sind es, die das Leben manchmal außergewöhnlich machen.
[Natürlich ist hier bloß die Rede von kleinen Dummheiten.]
„Er langweilt dich.“, stellte meine Mutter nach kurzem Schweigen fest.
„Du erinnerst mich immer mehr an mich selbst.“, zu meiner Überraschung begann sie leise zu lachen und streichelte mir kurz behutsam übers Haar.
„Kein Junge hatte es mir damals recht machen können. Egal wie sehr ich ihn wollte, immer wenn ich ihn bekommen hatte, wurde ich das Gefühl nicht los, dass dort draußen noch Besseres auf mich warten könnte.“
Ich legte den Kopf schief und seufzte gequält. Wieso hatte sie mir einen Charakterzug wie diesen vererbt? Konnte ich nicht einfach mal vollkommen zufrieden mit allem sein - so wie es war? „Du solltest Schluss machen. Mach nicht den Fehler auf mögliche Gefühle zu warten.“ - Zu spät. „Denn glaube mir...darauf kannst du lange warten. Sie werden nicht kommen.“ Und wieder hatte mir jemand bestätigt, wie sinnlos alles war.
Meine Mutter kurz nachdenklich angesehen, erhob ich mich wieder: „Danke.“, sie hatte ja Recht. Jetzt musste ich bloß noch den richtigen Zeitpunkt finden.

Mir blieben noch wenige Minuten, bis der Unterricht begann, doch konnte ich mich einfach nicht dazu bewegen mich auf den Weg in den ersten Stock zu machen.
„Su!“, überraschte mich Jessy grinsend. Sie war also mal wieder pünktlich erschienen.
Mit zerzaustem Haar kam sie lächelnd auf mich zugelaufen und blieb außer Atem vor mir stehen. „Guten Morgen.“, lachte ich sie an und streckte die Hand aus, um eine ihrer Haarsträhnen zu greifen und in die richtige Position zu bringen, da sie ungünstig abstand.
„Ich habe schon wieder verschlafen...“, jammerte sie angestrengt und kämpfte mit ihrer überfüllten Tasche, die einfach nicht richtig sitzen wollte.
„Hey.“,nahm ich neben mir eine bekannte männliche Stimme wahr, bevor ich Jessy hatte antworten können. Gleichzeitig hatten wir den Kopf geneigt. Ich konnte sie nicht gleich zuordnen, doch hatte ich Ian sogleich erblickt. Er schenkte uns ein munteres Lächeln und zog meinen Blick somit völlig auf sich. Mir war nicht aufgefallen, dass er nicht alleine an uns vorbeigelaufen war. Damon und Marcus waren ihm gefolgt.
Ich lächelte ihm zur Begrüßung zurück und wandte mich dann wieder Jessy zu, hatte jedoch völlig vergessen, worüber wir gesprochen hatten, doch auch ihr schien es nicht weiter wichtig: „Sag mal...wer war der Kerl mit den braunen, längeren Haaren hinter Ian?“, wollte sie von mir wissen und zwang mich somit ihnen noch einmal nachzusehen. Erst jetzt erblickte ich Damon. „Oh, das ist Damon. Er ist neu in meiner Klasse. Ziemlich beliebt bei Ian und seinem Gefolge.“, lachte ich leise. Noch immer staunte ich über Ians scheinbaren Status an dieser Schule. Egal an wem er vorbei ging, er wurde stets gegrüßt und man sah ihm nach. Besonders die Mädchen machten keinen Hehl daraus, wie sehr sie ihn bewunderten. Kichernd alberten sie mit ihm herum und folgten ihm auf Schritt und Tritt. Ian sonnte sich natürlich in dieser Aufmerksamkeit und schien stets darauf bedacht, seinen Bekanntenkreis weiter auszubauen.
„Ich verstehe nicht, was alle an Ian finden...“, seufzte Jessy über meine Wortwahl.
„Damon ist interessant. Und irgendwie...erinnert er mich an dich. Wenn er nicht dein nächstes Opfer ist, dann darf man mich nicht länger deine beste Freundin nennen.“, Jessy grinste mich breit an und stieß mir ihren Ellenbogen in die Seite, als wir uns ebenfalls in Bewegung setzten. Damon mein nächstes Opfer? Das unterhielt mich.
„Bist du wahnsinnig? Er ist überhaupt nicht mein Typ!“, gab ich kopfschüttelnd zurück.
„Warte es nur ab. Ich habe einen Blick für so etwas, nimm dich lieber vor seinem versteckten Charme in Acht, sonst überfällt er dich schneller als du denkst.“
Jessy lachte zufrieden, als hätte sie eine einschlagende Entdeckung gemacht, die sie gleichzeitig amüsierte und auch stolz machte.
Mir fiel nichts weiter ein, als meine Augen zu verdrehen, ehe ich um die nächste Ecke bog und mich auf meinen Klassenraum zubewegte. Vor der Tür war kein bekanntes Gesicht zuerkennen, was mich verwundert den Kopf schief legen ließ. Zu Englisch war doch sonst niemand pünktlich...irgendetwas stimmte da nicht: „Suzie, warte!“
Ich hatte die Stimme gleich erkannt und drehte mich schwungvoll zu Matt um, um ihm ein seelenruhiges Lächeln zu schenken. Er hingegen schien ziemlich abgehetzt und rannte fast schon auf mich zu.
„Auch zu spät? Das gibt Ärger!“, schimpfte er und atmete schwer.
„Seit wann legt irgendjemand wert auf Pünktlichkeit, was die ersten beiden Stunden Englisch betrifft?“, fragte ich noch immer irritiert und zog mein Tempo an, um Matt Schritt zu halten. Er war nicht stehen geblieben, sondern beim Reden einfach eilig weiter gelaufen. Kaum hatte ich meine Frage gestellt, warf er mir einen Blick über die Schulter zu und musste grinsen: „Du bist unglaublich, Su.“, sein Tonfall klang irgendwie vorwurfsvoll und doch belustigt. „Sie hat doch heute Prüfung - Ob sie sich für die Oberstufe eignet oder nicht.“, ich schwieg bis wir endlich an der Tür ankamen und Matt vorsichtig klopfte.
Als uns geöffnet wurde, schauten wir in das verärgerte Gesicht unserer jungen Englischlehrerin und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Sie durchlief noch immer ihre letzten Prüfungen und hatte uns den Besuch des Direktors und zwei weiteren Personen bereits letzte Woche angekündigt. Man wollte den Unterricht beobachten und ihre Kompetenz später beurteilen.
Beinahe flehend hatte sie uns angesehen und gebeten, dass wir pünktlich kamen und ihr keine Schwierigkeiten einbrachten. Upps...
Entschuldigend schlichen wir uns an ihr vorbei in den Raum.
Die anderen saßen bereits an Gruppentischen zusammen und gaben das Bild gewillter, vorbildlicher Schüler ab - vollkommen vollzählig waren wir jedoch noch nicht.
„Immerhin sind wir nicht die letzten.“, sprach Matt meinen Gedanken erleichtert aus und setzte sich auf einen beliebigen freien Platz, ich gesellte mich zu ihm.
Nach und nach traf auch der Rest ein, bis wir ungefähr zehn Minuten nach dem offiziellen Unterrichtsbeginn komplett waren.
„Ich würde euch nun bitten eine Karte von denen auf euren Tischen zu ziehen. Durch diese Karten werden neue Gruppen zusammengestellt, die die nächsten Tage an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten werden.“, wies man uns nach den üblichen Worten der Begrüßung lächelnd ein. Von uns schien zwar niemand wirklich begeistert, doch hielten wir uns - anders als sonst - höflich zurück.
„Wenn wir Glück haben, enden wir in derselben Gruppe.“, Tia hatte sich auf ihrem Stuhl umgedreht und saß nun direkt hinter mir.
Mir persönlich war es eigentlich egal mit wem ich zusammenarbeiten musste, doch angenehm wäre es durchaus gewesen.
Mir eine der umgedrehten Karten gegriffen, brach in der Klasse wieder lautes Geschwätz aus. Hier und dort wurde um Karten gefeilscht, andere begannen lediglich aus dem Nähkästchen zu plaudern.
„Verteilt euch jetzt bitte in eurer Gruppe an die Tische!“, machte sich unsere Lehrerin bemerkbar und blickte zufrieden drein, als wir aufs Wort gehorchten und uns schnell neu ordneten. Ich saß an einem Tisch mit Amy, Hanna und Edgar.
Ich hatte nun die Chance diese Tatsache entweder positiv zu sehen, da ich mit Leuten zusammenarbeiten musste, mit denen ich sonst rein garnichts am Hut gehabt hatte oder ich sah es negativ und hielt mich zurück, da es mir ohnehin so schien, als würden wir uns nicht auf derselben Wellenlänge befinden. Ich entschied mich für Option 2. Und auch Edgar schien wenig begeistert. Lediglich Amy und Hanna unterhielten sich angeregt miteinander, da sie sich bereits von vorher kannten und ziemlich gut befreundet waren.
„Ihr hättet euch ruhig aus Gruppe 4 outen können!“, schimpfte plötzlich jemand neben mir, zog den Stuhl zur Seite und nahm ebenfalls in unserer unglücklichen Runde Platz. Ich hatte als erstes bemerkt, wie Edgars Augen sich mit Hoffnung gefüllt hatten, ihm schien unser letztes Mitglied sehr zuzusagen. Amy und Hanna reagierten nicht einmal auf ihn.
„So Su, mach mal ein wenig Platz auf dem Tisch.“, lachte die männliche Stimme und schob kurzerhand meine Tasche zur Seite, die ich auf dem Tisch abgelegt hatte. Erst in diesem Moment erhob ich den Kopf und erkannte Damon, der zufrieden vor sich her lächelte und in seinem Mäppchen herumwühlte. Unwillkürlich musste ich an Jessy‘s Worte denken und verzog das Gesicht - Sie lag sowas von falsch!
„Ich würde sagen, je schneller wir die erste Aufgabe anfangen, desto schneller sind wir fertig.“, Damon gab somit gleich den Ton an und da es niemanden zu stören schien, nickten wir alle lediglich stumm.
Auch ich bewegte mich endlich dazu, meinen Block und etwas zu Schreiben auszupacken, als Edgar mich unfreundlich unterbrach.
„Ich hab nichts zu schreiben mit.“, verkündete er desinteressiert und gelangweilt.
Sein Blick traf meinen: „Su, reich mal ein Blatt rüber - Heute noch.“
Seine Art zu sprechen löste in mir pure Abneigung aus.
„Ich hab besseres zu tun, als dich zu versorgen.“, entgegnete ich stur und wandte den Blick wieder ab, um mir die erste Aufgabe durchzulesen.
„Weib! Sprich gefälligst nicht so mit mir!“, nun klang Edgar sogar noch genervter, doch das sollte mir egal sein. Ich war praktisch Meister im Ignorieren, also würde ich einfach so tun, als würde er nicht mit uns am Tisch sitzen. Als er jedoch wie ein kleines Kind begann mich unter dem Tisch zu treten, da er mir gegenüber saß, sah ich verärgert wieder auf: „Lass den Blödsinn! Wir sind doch nicht im Kindergarten!“, und schon erwischte er mein Bein wieder. Im selben Moment, als ich mich wegdrehte und kurz nicht aufpasste, krallte er sich einfach meinen Block. „Hey!“, protestierte ich lautstark, doch schien ich keinen mächtigen Eindruck auf ihn zu machen. Jetzt ignorierte er mich.
„Edgar, lass den Unsinn!“, schaltete sich nun auch Damon ein. Damon klang streng und bestimmend, als er den Arm ausstreckte und den Block von Edgar zurückverlangte. Kurz fragte ich mich, ob er bloß auf mich so einen autoritären Eindruck machte. Vielleicht lag es daran, dass er gut zwei Köpfe größer war als ich...vielleicht aber auch einfach an seinem Blick. Er hatte Edgar angesehen, als würde er ihn in der Luft zerfetzen, wenn er nicht täte, was Damon verlangte. Als Edgar begann etwas vor sich her zu murmeln und den Block wirklich wieder herausrückte, hatte ich meine Antwort.
„Danke.“, gab ich kleinlaut von mir, als Damon mir den Block zufrieden lächelnd reichte.
„Ist doch selbstverständlich. Hau einfach zu, wenn er sich irgendwann wieder mal so aufführt. Er ist nicht so gefährlich, wie er immer tut.“, ich wusste nicht, ob er scherzte oder es ernst meinte, also schwieg ich einfach.
„Mich hauen? Wage es bloß nicht, sonst wirst du deines Lebens nicht mehr froh!“, drohte Edgar sogleich und verschränkte die Arme.
„Keine Sorge. Ich schlage sicher niemanden, der mich fester zurückschlägt.“, mal davon abgesehen, dass ich mich generell nicht prügelte.
Fester ist gar kein Ausdruck.“, verschärfte Edgar meine Aussage grinsend. Nun schien er fast stolz. „Solltest du sie schlagen, wirst du deines Leben nicht mehr froh.“, schaltete sich Damon erneut ein. „Wenn er zurückschlägt, sag mir Bescheid...dann kümmere ich mich um ihn.“
Damon war wirklich nicht mein Typ. Doch musste ich zugeben, dass ich seine Worte als unheimlich stark und männlich auffasste, was ihn in meinen Augen, zumindest für diesen Moment, ziemlich attraktiv wirken ließ.

„Ich habe gehört, dass sie sich ziemlich daneben benommen haben!“, bekamen wir in der letzten Schulstunde des heutigen Tages direkt von unserer Klassenlehrerin vorgeworfen.
„Ich werde sie die nächsten Tage nicht mehr sehen, lasse mich darauf ein, dass wir keinen Unterricht machen und sie? Sie blamieren mich.“, schimpfte sie streng und wanderte mit verengten Augen ein Gesicht nach dem anderen ab. Selbst Ian war verstummt und wich ihrem Blick beinahe verängstigt aus. Diese Frau hatte etwas von Hades höchstpersönlich. Solange man nach ihrer Pfeife tanzte, spielte sie die nette Tutorin...doch widersprach ihr auch nur ein einziges Wort, ging sie erbamungslos an die Decke. Keiner befand sich freiwillig in ihrer Nähe...Hercules gilt wirklich zu bewundern.
Beinahe automatisch hatte ich nebenbei begonnen auf meinem Blatt rumzuschmieren. Eine übliche Szene saß in meinem Kopf. Eine Prinzessin, die von einem Prinzen gerettet werden sollte und von dem Turmfenster aus zu ihm herabblickte. Allerdings wandelte ich dieses Bild während ihrer Moralprädigt völlig ab: Es war eine ganze Gruppe junger Leute, die sich um einen Platz am Fenster stritten. Nicht um hinauszu ehen. Eher um vor purer Angst vor dem wütenden Drachen, der sie alle in dem Turm gefangen hielt, lieber in den sicheren Tod zu spriungen als gefoltet zu werden [...vorausgesetzt ein Drache konnte wirklich foltern.]. „Ich hoffe, sie lassen sich das durch den Kopf gehen!“, war ihr Abschlusssatz.
„Ich muss sie nun noch einmal alleine lassen und kurz ins Lehrerzimmer zurück. Denken sie sich besser eine Entschuldgung für die nächste Englischstunde aus. Wenn ihnen das gelungen ist...dann genießen sie unser letztes Zusammentreffen. Damon? Zac? Hatten sie nicht eine Idee zur Belustigung der Gruppe? Übernehmen sie das Steuer bis ich zurück bin.“, es entspannten alle gleichzeitig, als sich die Tür hinter ihr schloss.
Ein paar der Mädchen hatten Kuchen gebacken, den sie nun auspackten und verteilten.
Die Tische stellten wir zu einer Art Sitzkreis auf, in dem ich mich zu Tia und Jenna gesellte.
„Das war ja mal wieder gruselig.“,stieß Tia seufzend aus und streckte sich genüsslich.
Ich stimmte ihr da gerne zu - das taten wir sicher alle.
Jenna hatte sich inzwischen die Mühe gemacht die Leckereien auf dem Tisch vor uns hübsch anzurichten und warf uns dann einen fröhlichen Blick zu: „Möchtet ihr Kuchen? oder ein paar Kekse?“, bot sie uns an, doch wir winkten vorerst ab.
„Ein Wunder, dass sie als Strafe kein Mathe mit uns macht.“, murmelte ich beiläufig und sah durch den Raum. Mein Blick blieb an Zac und Damon hängen, die beide in der anderen Ecke des Raumes saßen und Instrumente ausgepackt hatten. Zac baute gerade seelenruhig sein Keyboard auf, während Damon seine Giratte stimmte und interessiert von Ian, Marcus, Oliver und Josh umringt wurde. Anscheinend war ihnen die Idee des kleinen Privatkonzerts ebenso neu wie mir.
„Er ist nett, nicht?“, riss mich Tia aus den Gedanken und zwang mich praktisch dazu, den Kopf in ihrer Richtung zu drehen. Ich erblickte ein freundliches Lächeln, dass ebenfalls in die Richtung der Jungs zeigte.
„Damon?“, hakte ich verwundert nach und bemerkte, wie sie leicht nickte.
„Keine Ahnung. Ich habe sogut wie nichts mit ihm am Hut.“, ich hob die Schultern leicht an und ließ sie dann wieder sinken.
„Ich eigentlich auch nicht. Er scheint sich nicht großartig für die Klasse zu interessieren. So wie Ian und Marcus. Aber ich finde er macht einen sehr sympatischen Eindruck.“
Bildete ich mir das bloß ein,oder sprach in meiner Gegenwart plötzlich jeder gut von ihm?
Mich bei einem amüsierten Grinsen erwischt, griff ich nun doch nach einem Keks.

Wir saßen den Anfang der Stunde einfach gemütlich beisammen.
Nach einigen Minuten war Mrs. Ich-Bin-Noch-Immer-Wütend-Auf-Ihre-Arbeitsmoral zu uns zurückggekehrt und hatte sich zu Zac und Damon gesellt, die kurz darauf zu spielen beginnen sollten. Zac lieferte eine gekonnte Vorlage ab. Konzentriert spielte er eine Note nach der anderen fehlerfrei. Wir alle waren ziemlich beeindruckt von seinem verborgenen Talent gewesen und hatten ihn mit beeindrucktem Applaus übersäht.
Mich beeindruckte Damon jedoch viel mehr. Ihm hätte ich viel weniger zugetraut, ein Musikinstrument gekonnt zu spielen. Doch blieb es nicht beim alleinigen Spielen auf der Gitarre. Ian hatte sich schnell zu Wort gemeldet und immerwieder einen Liedtitel eingeworfen, der mir jedoch vollkommen unbekannt war.
Kaum hatte sie auch Josh lautstark eingemischt, schien Damon überredet und stimmte den ersten Ton ein.
Nicht alles, dass mir fast der Mund leicht aufgeklappt war. Er konnte singen? Das schien mir alles andere als gut. Ob Jessy recht hatte? Musste ich aufpassen?
[Wieso? Das ist schnell erklärt...werfen wir einmal einen Blick zurück auf meine Exfreunde, oder generell Typen,die mir durchaus sehr gut gefallen hatten: Alles Musiker und Sportler.]
Den Kopf geschüttelt versuchte ich diesen Gedanken bei Seite zu schieben.
Darüber durfte ich erst garnicht nachdenken. Doch jetzt war es wahrscheinlich bereits zu spät.
Ich atmete beinahe erleichtert aus, als Damon verstummte und die sanfte Melodie ausklang. Wieso wurde ich das Gefühl nicht los, dass allein der Songtext noch eine Weile in meinem Kopf festsitzen würde: Doch das ändert nichts daran, dass du für mich die Schönste bist. So wie ich damals das Zeichnen begonnen hatte, um mindestens auf dem Papier frei sein zu können und Gefühle auf spezielle Art und Weise ausdrücken zu können, schien Damon zur Musik gefunden zu haben.
Genau in diesem Moment war es entschieden: Ich sah ihn in einem anderen Licht.
Plötzlich erschien er mir durchaus interessant und irgendwie tiefgründiger als Ian und seine anderen Freunde.

→ Jessica Baker want‘s to talk to you!

Meine Klasse benahm sich selten daneben. Okay, das war untertrieben. Wir taten es nie.
Ich hatte oft das Gefühl von wirklich gewillten, strebsamen Abiturienten umzingelt zu sein, die mir immer wieder beweisen wollten, wie sehr ich hier Fehl am Platz war. Lediglich Adrian erinnerte mich immer wieder daran zurück, dass es mehr als bloß Unterricht und Schule auf der Welt gab. Genauso gelangweilt wie ich kritzelte er auf seinem Block herum und erhob erst den Kopf, als unsere Physiklehrerin uns ermahnte: „Ich ersehne den Tag, an dem ich einen von euch beiden etwas Qualitatives zum Unterricht beitragen höre!“
Auch als sie begann im Plural zu sprechen, was mich einschloss, erhob ich den Kopf noch nicht von meiner Kritzelei. „Das ist doch wirklich unglaublich!“, schimpfte sie weiter.
Als ich spürte wie Adrian mir unterm Tisch mein Bein mit seinem anstieß, riss es mich zurück ins Hier und Jetzt. „Ich würde ihnen wirklich gerne 0 Punkte in Physik verpassen, doch das geht leider nicht. 1 Punkt muss es leider werden, da sie beide immerhin anwesend sind.“, meine Augen hatten sich erschrocken geweitet, als ich endlich begriff wovon sie redete. Und vorallem was sie redete.
„Aber...!“, wollte ich entsetzt einwenden, wurde jedoch rücksochtslos unterbrochen.
„Nichts aber. Sie sind selbst Schuld an diesem Unglück!“
Und somit hatte auch ich für heute meine Standpauke weg.
Mach der letzten Stunde hatte ich unten im Forum mal wieder auf Suzie gewartet, die einige Minuten zu spät aus dem Unterricht entlassen wurde.
Als erstes hatte ich Matt, Josh und Oliver flüchten sehen, dann kamen mir endlich Suzie und Tia entgegen: „Beeil dich etwas, sonst verpasse ich meine Bahn!“, drängelte ich ungeduldig und hüpfte auf der Stelle unruhig auf und ab.
Suzie schien die Ruhe in Person und verabschiedete sich erstmal ausgiebig von Tia.
Als diese weitergegangen war, verzog ich das Gesicht: „Beeilen sieht anders aus.“
Suzie ließ sich jedoch nicht beirren und schenkte mir lediglich ein munteres Lachen.
Kaum hatte ich mich umgedreht und die ersten schnellen Schritte gesetzt, galt es einer Gruppe Jungs auszuweichen, die sich neben uns versammelt hatten und den Ausgang unbeabsichtigt blockierten.
„Können die nicht woanders unnütz rumstehen?!“, meckerte ich gleich weiter und seufzte laut. In meiner Eile hatte ich nicht weiter darauf geachtet, wer genau uns im Weg stand[...was eindeutig besser gewesen ist],doch als ich Suzies Hand gegriffen hatte, um sie hinter mir herzuziehen, blieben wir abrupt stehen, als laute Begrüßungen ausgesprochen wurden. Unsere Köpfe eilten synchron in die Höhe. Ich erkannte seine melodische Stimme sofort wieder - Patrick. Er hatte sich also so ungeschickt mit seinen Freunden platziert.
Plötzlich war all meine Hektik und der Ärger vergessen. Es konnte schließlich mal passieren, dass man im Weg stand!
„Geh schon weiter!“, drängelte nun plötzlich Suzie. Wir schienen den Gemütszustand ausgetauscht zu haben. Mir war meine Bahn auf einmal egal.
Ich spielte sogar mit dem Geganken extra langsamer zu gehen, damit er mich draußen zu Gesicht bekam und abfing. Doch ließ Suzie mir keine Wahl, was meinen Blick verwundert weiterwandern ließ. Jetzt war auch das Gesicht zu erkennen, das von Patrick so munter begrüßt wurde - Damon. Er musste kurz nach Suzie den Klassenraum verlassen und die Treppe hinuntergeschritten sein.
„Was hast du denn plötzlich?“, wollte ich genervt wissen.
Für Suzie mochte es wo wirken, als wäre ich noch immer in der vorherigen Stimmlage festgehalten. Dabei war ich jetzt lediglich darüber genervt, dass sie mir meine heutige Chance damit verbaut hatte, mich mit hinauszuschieben und mit schnellen Schritten vom Schulgelände zu eilen.
„Du hast doch gesagt, du verpasst sonst deine Bahn!“, das Gesicht verzogen nahm ich ihre Aussage hin.
Vielleicht, weil ich zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt war.
Vielleicht, weil ich ihr abgekauft hatte,dass Damon nichts für sie war.
Vielleicht klang sie in diesem Moment aber auch einfach zu überzeugend.
Außerdem war sie vergeben - da kamen keine anderen Kerle in Frage. Egal wie schlecht es lief...oder?
Ob ich heute morgen mit meiner Unterstellung ohnehin bloß Spaß gemacht hatte? Nein, absolut nicht. Hinzu kam jedoch, dass ich mittlerweile beinahe jeden Jungen für geeigneter hielt ihren festen Freund abzugeben.

→ Suzie got the last word

Kaum hatte ich mich dazu entschieden mich nicht weiter beirren zu lassen, war Damon mir erneut vor die Füße gerannt und hatte mir zum Abschied ein aufrichtiges Lächeln geschenkt. Beinahe genervt war ich geflüchtet - Wo genug war, war genug.
Ich brauchte eindeutig eine Pause, meine Nerven schienen völlig überlastet.
Es war unmöglich, dass ich plötzlich anfing mir einzubilden, dass fremde Kerle, die mich vorher keineswegs interessiert hatten, mir den Kopf verdrehen konnten. Suzie Hatcher ließ sich nicht so einfach beeindrucken - Niemals!
Kaum verschwendete ich - ohne es zu merken - weitere Gedanken an Damon,erschien James‘ Gesicht in meinen Vorstellungen. Wo er sich wohl den ganzen Tag versteckt hatte?
Und schon wurden die scheinbar neuen Sorgen durch alte ersetzt...James. Ich hatte beinahe völlig meinen Entschluss vergessen. Geistig war ich bereits wieder frei.




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