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Scarlette ...
Götterkind // Schüler


...

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Registriert seit: 17.07.2011
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...   Erstellt am 07.09.2011 - 19:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


→ Leseprobe meiner ersten wirklich großen FanFic-Idee,
die ich auch durchziehen will! :P

Ob ich noch ein paar Wirte verlieren möchte? Nunja...vorerst nicht.
Wobei - eine Info habe ich für euch! Die Titel der einzelenen Kappis sind Titel bestimmter Songs.
Ich fand die Idee ganz lustig und suche pro Kapitel mit Jana immer passende Musik dazu heraus...^^
Nya...mehr oder weniger passend. Macht euch euer eigenes Bild.
Jetzt erstmal viel Spaß mit dem Prolog - ja,er ist echt kurz fällt mir auch gerade auf...



Prolog - I Write Sins Not Tragedies

Ihr wollt also unsere Geschichte hören?
Eine Geschichte ohne jeglichen Hokuspokus,ohne beeindruckende Special Effekts und sicherlich völlig ohne herzzerreissende Liebesszenen zwischen Vampiren und Menschen?
[Was allerdings nicht heißt,dass ihr hier auf wahre Gefühle,Schwierigkeiten, Zickenkrieg,Eifersucht,Mord und Totschlag und pure Lust verzichten müsst...]
Gut,dann lehnt euch zurück und lasst euch von diesen Zeilen einfangen.
In jeder einfachen aber effektiven Gesichte gibt es bestimmte Charaktere zu vergeben. Diese Rollen müssen ohne jede Schwierigkeit beherrscht werden,erst dann kann eine perfekte Geschichte kreiert werden.
Da wären einmal die Hauptpersonen,die ihr nach und nach kennenlernen werdet.
[Meine Wenigkeit zählt übrigens zu dieser Kategorie - welch Überraschung.]
Dann gibt es da noch die sogenannten One-Hit-Wonder...Menschen,die für kurze Zeit eine ganz wichtige Rollen in deinem Leben spielen und vorgeben diese Rolle niemals abtreten zu wollen. Sicher kennt jeder von uns mindestens eine solche Person.
Und nicht zu vergessen die einfachen,uninteressanten und für die Handlung doch notwendigen Nebencharaktere.
[Nicht dass ich irgendeine Person meiner Lebensgesichte als unwichtig empfinde.]
Hier sind all diese Plätze vergeben.Sogar doppelt bis dreifach - Euch wird es also hoffentlich an nichts mangeln.

Mein heutiger Morgen beginnt fast wie der Morgen eines jeden anderen auch.
Man macht die Augen auf,stellt mürrisch den Wecker ab und dreht sich noch einmal um.
Nun...wie gesagt,fast. Denn heute kann ich es kaum erwarten unter die Dusche zu springen,mich frisch zu machen und den Weg aus dem Haus zu finden.
Wie ich es als einfache Abiturientin geschafft habe die morgendlichen Schul-Depressionen hinter mir zu lassen? Davon will ich euch erzählen,denn das war nicht immer so.
Erst seit kurzer Zeit blicke ich ohne jegliche Zweifel und Unstimmigkeiten geradeaus,weil ich endlich weiß,dass ich alles gegeben und nichts unversucht habe stehen lassen.
Wen macht es nicht stolz zu wissen,dass man seinen Weg gefunden hat und niemals alleine ist? Natürlich warten sicherlich noch einige Rückschläge auf mich...doch die sind zweitrangig. Denn vorerst wartet dort draußen unter dem blauen Himmel,in mitten einer Horde von Fremden etwas ganz anderes auf mich.
Etwas,dass ich hoffentlich nie verlieren werde.
Etwas,dass mich wohl für immer lächeln lassen wird.
Oh,bevor ich es vergesse - Mein Name ist Suzie Hatcher,das war hoffentlich nicht unsere letzte Begegnung.





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Sorry, I'm busy!
→ Beziehungsstatus: Single aus Überzeugung!
Manage me - I'm a mess. Turn a page, I'm a book half unread.
And this is my reaction to everything I fear. 'Cause I've been going crazy,
I don't want to waste another minute here!
Dress for the Moment.




Ben ...
Mensch mit Gabe


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...   Erstellt am 07.09.2011 - 19:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


also, der prolog klingt echt gut :D
und ich hoffe, das war wirklich nicht unsere letzte begegnung mit suzie :3

one-hit-wonder, die beschreibung find ich echt super xD

also mir gefällts





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Up until now I've sworn to myself
that I'm content with lonliness

Beziehungsstatus -> Beschützerinstinkt//Lilly & Lea

[Loghan,Taecyeon,Eric,Drew,Matt,Keira,Siwon,William,Katelynn,Tiffany,Damon,
Eve,JiEun,Liam,SeoHyun,Dawn,Ian,Ame,Aaron,Noire,Lucas,Jade,May]

Rachel ...
Nymphe // Schüler


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...   Erstellt am 07.09.2011 - 19:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ich kann miki nur zustimmen :D

ich find deinen schreibstil echt gut, und der anfang (auch wenn es nicht allzu viel war) hört sich echt vielversprechend an





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•Just the ONE happy girl•

Josh ...
Dämon // Lehrer


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...   Erstellt am 08.09.2011 - 15:29Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


→ Auf Wunsch geht's weiter Viel Spaß.
*ihr gerade so auffällt dass sie ihren Schreibstil voll umgeworfen hat*
Mittlerweile bin ich ja dabei Kappii 13 zuende zu tippen...Gäbe es nur nicht so viel anderes zu tun.



Kapitel 1
Funny little world - Suzie Hatcher


Die besagte Geschichte fängt an dem Tag unseres Abschlusses der Mittelstufe an, den wir alle so sehr ersehnten, wie die Sonne ihren besten Freund den Mond treffen wollte.
[Die Geschichte kennt ihr doch alle, oder? Falls nicht...mir fallen sicher noch tausende von Vergleichen ein!]
Man könnte auch sagen, dass wir es uns so sehr wünschten wie eine gewisse Meerjungfrau sich aus heiterem Himmel Beine wachsen lassen wollte, um sich an Land den heißesten Stecher als Mann ihrer Kinder zu angeln. Doch...was wir nicht bedacht hatten: Das Leben ist kein Disney-Film. Und wir waren keine Meerjungfrauen mit mächtigen Vätern, die uns alles herzaubern konnten, was wir haben wollten.
Allerdings lenkten uns diese Tatsachen nicht vom Träumen ab.
„Denk bloß an die ganzen reifen Kerle, denen wir begegnen werden!“, träumte Jessy vor sich her. Ich konnte da nur zustimmen. Ja, auch ich konnte es kaum erwarten ein paar neue Popos unter die Lupe zu nehmen.
„Und die wilden Partys, die Abiturienten schmeißen.“, weitete ich die Vorstellungen grinsend aus. Ihr denkt es ist naiv sich alles so einfach und perfekt vorzustellen? Wenn ja...dann habt ihr vollkommen recht und seid wohl einfach intelligenter als wir es waren.
Im Grunde hatten wir uns insgeheim schon auf diesen Zeitpunkt gefreut seit unsere damaligen Zielobjekte die 10. Klasse abgeschlossen hatten und wir als die ältesten der Schule galten. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen wie öde das sein kann...
„Treffen wir uns später bei mir und lassen uns hier auf dem akademischen Abschluss gemeinsam blicken?“, ließ ich das Thema schließlich doch für einen Moment fallen und sah Jessy abwartend an. Diese nickte sogleich eifrig.
Auf Jessica Baker, meine Seelenverwandte und offiziell bessere Hälfte
[Das ist sie übrigens nicht nur im übertragenen Sinne - Sie verhält sich wirklich viel anständiger und vorbildlicher als ich.] ist immer Verlass. Zumindest, wenn ihr ein paar Pluspunkte bei ihr gesammelt habt - Schon möglich, dass das nicht schwer ist...doch solltet ihr welche verlieren, kommen diese nie wieder zurück. Ja, sie ist nachtragend. Also merkt euch dies und verscherzt es euch lieber nicht, falls ihr sie irgendwann einmal treffen solltet.
Unsere Sachen bereits zusammengepackt waren wir beide mal wieder diejenigen, die den Unterricht als erstes für beendet festlegten. Hätten bloß wir uns diese Freiheit herausgenommen wäre es wohl kaum aufgefallen, doch der bekannte Dominoeffekt bleibt bei so etwas selten aus...macht einer etwas mutiges vor, was dem Denken anderer entspricht, folgt der Rest - es ist ja immerhin auf dem Mist von anderen gewachsen.
„Auch wenn das euer letzter Tag ist, ich sage wann ihr gehen dürft!“, schallte die Stimme der Lehrerin verärgert durch den Raum. „Ihr beiden, ihr geht als letztes!“
Eine sehr milde Strafe im Gegensatz zu dem, was wir uns sonst schon so alles hatten anhören dürfen. Nachdem weitere Formalien, was die Feier unseres Abschlusses betraf, geklärt waren hatte man uns schließlich doch frei gelassen.
Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass wir auf diesen Fluren wohl nie wieder negativ auffallen würden, verließen wir das Gebäude. Doch siehe da...!
Wir fielen doch noch einmal negativ auf - wenn auch nur einer einzigen Person, die uns einen letzten genervten Blick schenkte und dann um die nächste Ecke bog und aus unserer Sicht verschwand.
[Hiermit lernt ihr das erste One-Hit-Wonder kennen: Nathalie Kork. Ein Mädchen, dass anderen keine Lebensfreude oder gar Glück gönnte ohne dies selbst zu besitzen. Doch das alles zu erklären würde zu einer anderen Geschichte führen, einer verdammt uninteressanten die ich - obwohl ich eine Frau bin und gerne rede - nicht weiter erwähnen möchte.]
Lachend schüttelten wir mal wieder den Kopf über sie und ließen den Schulhof und all seine Anhängsel hinter uns immer kleiner werden.


Gesagt, getan. Am Nachmittag war Jessy bei mir vorbeigekommen.
Wir hatten uns schick gemacht und uns in die engsten und vor allem höchsten und somit auch gleichzeitig gefährlichsten High-Heels gequetscht, die wir besaßen.
[Natürlich hatte man uns gewarnt, dass niemand an dem Tag seiner Zertifikatsverleihung einen - oder bei unserem Glück zwei - Genickbrüche miterleben wollte, doch das war uns egal. Wir wollten einen letzten Eindruck hinterlassen. Und wenn es bloß als die Mädchen mit den schönsten und doch gewagtesten Schuhen war. Manchmal mussten Frauen eben tun, was Frauen tun mussten!]
Unsere Kleider hatten wir dafür in einem schlichten Schwarz gehalten.
Bereits vor Beginn der eigentlichen Zeremonie standen erleichterte Schüler in der Halle und warten darauf, die Zeit hier hinter sich zu bringen um in eine gemeinsame Party-Nacht durchzustarten. Die Eltern hingegen freuten sich nicht im Geringsten auf den Überfluss an Alkohol und Minderjährige ohne Aufsicht. Doch sie gönnten es uns.
[Also...Nicht den Alkohol, ich rede von dem gelungenen Abschluss!]
Jessy und ich waren unsere Eltern schnell losgeworden. Sie hatten sich mit Leichtigkeit in eine Ecke auf freie Stühle abschieben lassen.
Zufrieden warteten wir vor der Tür auf die dritte Frau in unserem Bunde - Ana Pears.
[Mit der Pünktlichkeit nahm sie es nicht so eng, das war für uns nichts Neues.]
Über die Jahre hatten wir uns zu einem eingespielten Team entwickelt. Da führte kein Weg daran vorbei auch jetzt zusammenzusitzen. Auch wenn Jessy und ich durch sie wohl zu spät kommen würden.
Einmal im Leben wirklich Glück gehabt, marschierte Ana doch in letzter Minute ein - und wir fanden sogar noch drei gute Plätze, mitten im Getümmel.
„Ihr seht umwerfend aus Ladys!“, stieß sie erneut aus, als wir saßen. Sie konnte es wohl nicht oft genug sagen. Doch auch sie machte eine gute Figur in ihrem Kleid, das aufgrund seines Schnitts keinen BH duldete.
[Gut, dass die Schwerkraft in den ersten 20 Lebensjahren noch gnädig ist - ein guter Zeitpunkt, Gott dafür zu danken, oder Ana?]
Gefühlte Stunden vergingen, während nach und nach die Klassen auf die Bühne traten und nach und nach die einzelnen Schüler ihr Zeugnis überreicht bekamen.
Und kurz bevor unsere Klasse dran war und Ana wieder bei uns saß, passierte etwas worauf nur zu warten war - wenn man uns kannte. Ich würde für meine Ungeduld gestraft und blieb mit der ungefeilten Ecke meines Fingernagels in meiner Strumpfhose hängen...den Rest könnt ihr euch denken, hm?
[Laufmaschen sind wirklich das letzte. Die Biester gehören getötet! ]
Was ich tat? Nun...das war wohl jeder tun würde. Ich rutschte unelegant auf meinem Sitzplatz hin und her und quälte mich aus meiner Strumpfhose.
„Was tust du da? Man kann dich sehen!“, erinnerte mich Ana schockiert, Jessy für ihren Teil sagte nicht - sie war mit lachen beschäftigt.
„So kann ich da nicht hoch!“, fauchte ich genervt zurück und zuckte zusammen als ich eine Stimme hinter mir wahrnahm.
Unser Geschichtslehrer. Nicht alles, dass ich ihn nie hatte leiden können. Ich war auch noch nie gut in Geschichte.
„Ähm...“, hatte er sich zu Wort gemeldet und einen erschrockenen Blick von mir empfangen.
„Ich wollte ihnen für ihre Zukunft alles Gute wünschen, da ich nun bereits gehen muss.“, schleimte er unsicher. Wir nickten ihm höflich zu und bedankten uns lächelnd.
[Immerhin waren wir ja gut erzogen worden.]
Kaum zu glauben, doch kurz darauf meisterten Jessy und ich den Weg auf die Bühne und der Rest der Veranstaltung lief glatt. Niemand von uns brach sich ein Bein, oder andere wichtige Gliedmaßen und es wurden noch schnell ein paar Fotos mit Leuten geschossen, denen man nun das letzte Mal Freundschaft und Aufrichtigkeit vorspielen musste. Und als hätte man sie nicht gewarnt...auf dem Weg zum Auto um uns an den Ort des Verderbens fahren zu lassen, blieb Jessy zum Abschluss mit ihrem Absatz in einer Kuhle hängen. Doch keine Angst, ich hatte ja versprochen, dass sie niemand etwas gebrochen hatte und dabei bleibt es.

Lasst uns nun aber endlich zu dem eigentlichen Höhepunkt der Feier kommen.
Der Kirsche auf dem Sahnehäubchen - Dem Tüpfelchen auf dem I.
[Okay, ich sollte es nicht übertreiben - Immerhin kann ich mich nicht einmal eins zu eins an alles erinnern. So toll kann es also nicht gewesen sein, oder?]
Wo soll ich nur anfangen? Dabei, dass Jessy und ich unsere unbequemen Schuhen in Sneekers umgetauscht haben? Und die eleganten Kleider in freche Röcke und knappe Tops? Nein, lasst uns mit einer Einführung in die Gästeliste beginnen.
Zu der ultimativen Abschluss-Partynacht waren geladen:
Eine menge unwichtige Nebencharaktere.
[So unwichtig, dass ich an dieser Stelle nicht einmal ihre Namen erwähne.]
Unendlich viele One-Hit-Wonder, wie zum Beispiel das Mädchen, von dem ihr vorhin schon kurz hattet hören dürfen: Nathalie Kork. Außerdem waren mit von der Partie: Unser damaliger Klassenclown Alex - vielleicht gerne mal etwas abgehoben, aber eigentlich vollkommen erträglich. Das typische Durchschnittsmädchen, dass viel lieber auffallen wollte - Catherine und natürlich durfte eine Oberschlampe zur Belustigung aller auch nicht fehlen, in unserem Fall trägt diese den Namen Sibylle.
Und jetzt lernt ihr sogar noch ein paar Hauptcharaktere mehr kennen. Zumindest waren sie es für uns in dieser Nacht.
Das wären einmal Dean Havering, ein herzensguter Kerl dem die Mädchen nur zu gerne verfallen,
[Ja, einst war auch ich von ihm geblendet...doch heute zählt er zu der Sorte Ex-Freunde über die man seufzend den Kopf schüttelt, da man sie eher als kleine Hündchen und nicht als ernstzunehmende, starke Männer betrachtet.]
sein bester Freund - Marcus Worm und der eigentlich unwichtige Deon Donald. Wieso ich ihn aufzähle, wenn er eigentlich unwichtig ist? Er gehörte an diesem Abend einfach dazu.
[Außerdem lag er auf unserer persönlichen Rangliste einmal ziemlich weit oben, da Jessy sich damals schwer in ihn verguckt hatte und wir generell einmal alle ziemlich gut befreundet gewesen waren. Doch Miss Hatcher musste ja unbedingt alles kaputt machen, weil sie es bei ihrem damaligen Freund und seinen Untertanen nicht ausgehalten hat. Sie kam sich nun mal vor wie Rapunzel in diesem viel zu eintönigen, modrigen Turm - Nicht, dass irgendwas an ihm modrig war.]
Als wir eingetrudelt kamen, saßen die meisten schon zusammen um ein Lagerfeuer herum.
Man unterhielt sich und hatte angefangen die ersten Bierchen zu öffnen. Jessy, Catherine und ich seilten uns jedoch gleich etwas ab. Wir schienen die einzigen zu sein, die Sibylle nicht ohne mindestens einen Tropfen Alkohol ertrugen.
„Bier...das Zeug ist ja so langweilig.“, meldete sich Catherine schnell zu Wort und packte eine Flasche aus, in der sich eine verführerisch rote Flüssigkeit befand.
Sex on the Beach - damit ging der Wahnsinn los.
Die Flasche war schneller leer als gedacht...darauf folgten purer Wodka und Bacardi. Und ehe wir uns versahen, waren wir schlimmer dran als die anderen.
Catherine fing schnell an mir die Probleme ihres Lebens anzuvertrauen, obwohl ich sonst nie wirklich viel mit ihr erlebt hatte.
„Ich muss rennen!“, riss uns Jessy‘s schriller Schrei aus der Unterhaltung.
[Jessy betrunken. Eine Katastrophe - wieso? Das werde ich euch mitteilen, passt gut auf.]
Wir hatten alle nicht so schnell gucken können, wie sie aus dem Garten gerannt war und über die Wiese stolperte.
[Oh, ich hatte nicht erwähnt, dass wir in einem abgelegenen Garten feierten, der von Feldern und Wiesen umgeben war, oder? Nun, jetzt wisst ihr es.]
Und wer musste sie einsammeln? Natürlich - meine Wenigkeit.
Wie ich es geschafft habe ihr hinterher zu laufen und sie schließlich festzuhalten, kann ich euch nicht sagen. Ein Wunder, dass es funktioniert hat. Doch das hat es.
Und als wir auf dem Weg zurück waren eröffnete sich uns eine neue Welt.
Wir betraten zum zweiten Mal den Garten und sahen uns kurz um - mehr mussten wir nicht tun. Die Stimmung war gehoben, lässig und übermütig. Man lachte, alberte herum, tanzte, rannte durch die Gegend und grölte umher.
Wenn ihr mich fragt,mich erinnerte dies an eine Horde Affen während der Paarungszeit.
„Wow...die Wirkung von Alkohol ist doch immer wieder überraschend.“, murmelte ich grinsend und ließ Jessy erst jetzt los.
Jessy schien genau so verwundert zu sein wie ich selbst, doch auch ihr gefiel die Situation.
„It‘s Showtime!“, und schon ging sie voraus, gesellte sich erneut zu Catherine und sorgte für etwas Bier als Nachschub. Und natürlich, auch ich griff erneut zu.
Als es bereits dunkel wurde verzogen Jessy und ich uns in eine abgelegene Ecke und warteten darauf, dass alle sicher überlebten, während die Männer unter uns angetrunken versuchten den Grill zu beherrschen.
„Ich hab Hunger!“, jammerte Jessy seufzend und wankte kurz hin und her. Ihr Zustand hatte sich eindeutig nicht verbessert.
„Dauert bestimmt noch eine Weile.“, kurz nachdem ich ausgesprochen hatte, schloss sie kurz die Augen und atmete laut ein und aus.
„Alles okay?“, fragte ich sogleich verwundert und sah sie schief an. Ja, ich spürte den Alkohol auch bereits doch noch hielt sich alles in Grenzen - Ich wusste wann Schluss war.
Jessy schaute leidend aus der Wäsche und lehnte ihren Kopf sacht an meine Schulter.
Seufzend nahm ich sie in den Arm. Wie man mit Betrunkenen umgeht?
[Keine Ahnung, ich bin immerhin keine Krankenschwester. Aber solltet ihr es wissen, meldet euch bei mir.]
Doch lange musste ich mir über diese Frage keine Gedanken machen, da man uns wohl gesucht und dann auch gefunden hatte. Wir wurden zu den anderen zitiert und erblickten völlig neue Gesichter. Man hatte also neue Leute ins Boot gezogen? Für mich kein Problem.
„Huch...ich glaube ich fange an die letzten meiner Synapsen zu töten. Ich kann mich an so mache Leute, mit denen wir 5 Jahre verbracht haben, nicht mehr erinnern.“, murmelte Jessy und sah sich angestrengt um. Ich lachte leise - War sie nicht süß?
„Keine Sorge Mäuschen. Die kannst du nicht kennen.“, mehr hatte ich nicht vor ihr zu erklären, es wären verschwendete Worte gewesen.
Kaum hatten wir uns zu den anderen auf eine Bank gesetzt, fing Jessy wieder an zu jammern, sie habe Hunger, also stand ich auf um mich um dieses Problem zu kümmern - immerhin wollte ich mir das nicht den ganzen Abend lang anhören. Mir zwei Pappteller geschnappt, stellte ich mich zu den Jungs und stand eine gefühlte Ewigkeit bei ihnen rum.
„Hey, hey, hey!“, summte mir plötzlich jemand ins Ohr und nahm mich von hinten in die Arme. Da auch mein Kopf bereits etwas länger brauchte, verzog ich in ersten Moment bloß verwundert die Augenbrauen - Eigentlich war ich mir sicher darüber zurzeit zufrieden in der Single-Welt zu leben. Ja, sehr sicher sogar!
„Ähm...hey.“, verlor ich mich also in einer knappen Begrüßung und sah in das Gesicht von Marvin Poe .
[Ja, noch so eine Person deren Namen ihr nach diesem Kapitel wohl kaum erneut hören werdet.]
„Na? Gefällt dir der Abend bisher?“, fragte er grinsend und machte nicht den Anschein Abstand zu nehmen. Schief lächelnd nickte ich auf seine Frage.
Eigentlich hatten wir uns ja auch mit ihm einmal wirklich gut verstanden - solange man seiner Ehre nicht in die Weichteile tritt ist er wirklich freundlich und ein lustiger Zeitgenosse. Doch als herauskam, dass er es bei mir und Jessy parallel versuchte, hatten wir ihn abgehakt.
[Nun an alle Herren dort draußen; Mal ganz ehrlich...nur weil es heißt, dass beste Freundinnen sich alles teilen, darf man diese Aussage bei weitem nicht auf potentielle Partner beziehen.]
Und dafür bekam auch er dann seine Rechnung: Ich konnte gar nicht so schnell gucken, da war Jessy aufgebracht zwischen uns gestürmt und stieß ihn heftig zur Seite.
„Lass sie in Ruhe, du Perverser!“, schrie sie ihn heiser an. Marvin hob irritiert seine Hände zur Abwehr und holte ebenfalls zu einem verbalen Schlag aus.
„Verzieh dich, nach dir sucht keiner!“
„Steak?“, unterbrach Dean sie geschickt und sah mich kurz verwundert an. Dankbar lächelnd nahm ich ihm den Teller ab und schnappte mir Jessy, welche sich tatsächlich durch die Tatsache, endlich etwas Essbares abzubekommen, völlig ablenken und beschwichtigen ließ.
Verträumt machte sie sich über den Teller her und spülte gelegentlich mit etwas Bier nach.
„Köstlich, das hat mir gefehlt. Ich fühle mich schon viel besser!“ - Doch das sah man ihr nicht an. Ich für meinen Teil bekam nicht viel runter und schob meinen Rest bei ihr ab.
Und als auch die letzten Überbleibsel von ihrem Teller verschwunden waren, stand Jessy auch schon wieder auf den Beinen.
„Auf in Runde 2!“ - Ich hatte wirklich vorgehabt, sie davon abzuhalten...doch das war unmöglich - Wirklich!
„Cath? Her mit den Shots!“, doch Catherine musste passen. Ihren Anteil hatten wir bereits aufgebraucht. Nahezu geknickt, ließ Jessy den Kopf hängen.
„Aber soweit ich weiß verstecken die Jungs noch einiges. Ich komme mit!“
Und schon wurde ich von den beiden mitgezogen, um noch mehr Alkohol zu ergattern.
Dabei hätte ich nichts gegen eine Pause gehabt, immerhin waren wir gerade mal zwei Stunden hier gewesen und in weiteren zwei wollten ein paar Eltern doch einmal nach dem Rechten sehen. Würde es so weiter gehen, dann würde bis dahin keine von uns mehr leben...und ihr könnt euch vorstellen wie schlecht das wäre.
„Frag du!“, ein Teil der Jungs standen mit dem Rücken zu uns um einen vollgestellten Tisch herum und unterhielten sich amüsiert.
Ich hatte mich nicht einmal beschweren können, für etwas vorgeschickt zu werden, was nicht auf meinem Mist gewachsen war, da drehten sich Marcus, Alex und Dean auch schon zu uns um.
„Alles okay?“, wollte Alex munter wissen und hob sein Glas an, dessen Inhalt er dann mit einem Zug leerte. Kurz verzog er sein Gesicht, ich setzte zum Sprechen an - doch Natalie kam mir zuvor.
„Alex!“, rief sie ihn aus ein paar Metern Entfernung und fuchtelte heftig mit den Händen, was ihm wohl signalisieren sollte anzutanzen.
[Wenn ihr mich fragt...mich hätte das abgeschreckt. Aber auch er war nicht mehr nüchtern, daher blieb er wohl so ruhig.]
„Oh...entschuldigt mich kurz, ja?“, und weg war er. Wir sahen ihm nicht einmal nach.
Mein Blick traf stattdessen Dean‘s und ohne etwas zu sagen verteilte Marcus an jede von uns einen Shot.
„Auf einen unvergesslichen Abend!“ - Worauf er wetten konnte. Unvergesslich war er irgendwie wirklich gewesen,
[Oh, ja. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass bei mir ab diesem Moment, hätten die Alarmglocken läuten sollen...Hatte ich schon erwähnt für wie gutaussehend ich Dean einmal gehalten hatte? Oder tat ich das immer noch...?]
„Prost!“, und wieder wurde der Alkoholpegel gehoben.
[An dieser Stelle werde ich ca. eine Zeitstunde überspringen, in der sich nichts weiter spannendes ereignete. Oder wollt ihr hören wie die angehenden Abiturienten sich weiterhin hemmungslos volllaufen lassen und zusammenrücken? Wohl kaum...doch wo mache ich weiter? Ahhh! Natürlich, also.]
Ich stand noch immer - oder mal wieder, wie auch immer - bei Dean.
[Ein Wunder, dass wir uns unterhielten. Damals war es nicht sonderlich blendend gelaufen. Zumindest zum Ende hin nicht mehr und seitdem endgültig Schluss gewesen war, hatten wir kein Wort mehr miteinander gewechselt.]
Wir alberten unbeschwert herum und sprachen über Gott und die Welt.
[Ich will ganz ehrlich zu euch sein, ich kann mich an den Großteil unserer Gespräche nicht erinnern - doch es kommt noch schlimmer.]
Wo Jessy war? Auch darüber war ich mir nicht sicher, doch ich bekam sie schnell wieder zu Gesicht und zwar als sie sich an meine Seite stellte, sich verdächtig wacklig zu mir vorbeugte und sich sturzbetrunken alle Mühe gab leise und deutlich zu sprechen.
[Zu eurer Information: Nichts davon gelang ihr.]
„Isch muss ihn...küssen!“, nun wurde ich nahezu komplett aus meiner Benebelung gerissen und sah sie schockiert an. Auch Dean hatte die Augenbrauen zusammengezogen.
„Jessy, wen auch immer du meinst: Tu es nicht. Nicht in dem Zustand.“
„Doch, isch muss! Wirklisch!“, faselte sie aufgeregt.
„Ist dir noch nisch aufgefallen, wie nett Jamie heute Abend ist?“
„Er wäre ein Idiot, wenn er dich heute Abend nicht berücksichtigen würde.“
Ohne Jessy zu nahe treten zu wollen, sie war bei weitem am schlimmsten den Folgen des Alkohols verfallen... Wer Jamie ist? Oh, natürlich ebenfalls ein Klassenkamerad und gleichzeitig schon seid der Grundschule ein ziemlich guter Freund von Jessy.
Doch bevor ich noch etwas sagen konnte, war sie bereits voller Tatendrang wieder geflüchtet.
„Die Wirkung von Alkohol, hm?“, ergriff Dean das Wort. Ich griff mir an die Stirn und seufzte leise. Das war wirklich unglaublich.
Doch kaum war Jessy verschwunden, tauchte Jamie bei uns auf.
Und natürlich, ich warnte ihn. Doch Jessy schien sich so geschickt angestellt zu haben, dass er bereits von ihrem verdrehten Verstand Bescheid wusste und mir versicherte, auf sie aufzupassen.
Wann ich selbst Jessy wieder zu sehen bekam? Auf ihrem nächsten Höhepunkt.
Ich weiß bloß noch, dass Alex mich abgefangen hatte und wir es uns irgendwann zusammen auf der trockenen Wiese gemütlich gemacht hatten.
Ich lag locker bei ihm im Arm und unterhielt mich mit ihm, als plötzlich Natalie um die Ecke gestampft kam und ihre Krallen ausfuhr: „Anstatt dich hier an Alex ranzumachen, solltest du dich lieber mal um deine ach so tolle beste Freundin kümmern!“ - und weg war sie.
Alex und ich warfen uns einen überforderten Blick zu, und doch locke sie uns aus der Ruhe.
Was sich uns hinter der nächsten Ecke bot, erschrak mich etwas. Alex‘s nahm es gelassen und stolperte mit einem Lachen ins Geschehen.
„Spinnst du? Lass mich in Ruhe! Wo ist meine Brille?“, meckerte Deon aufgeregt.
„Du hast es gewagt mich zu verletzen, du bist das letzte!“, und wieder holte Jessy zu einer Ohrfeige aus, doch irgendwie schaffte sie es über ihre eigenen Beine zu stolpern und fiel auf die Knie. Ohne Luft zu holen kroch sie ihm nun jammernd hinterher - ein schrecklicher Anblick, daher kämpfte ich mich zu ihr hervor und half ihr wieder auf die Beine.
„Nimm sie bloß weg!“, rief Deon mir entgegen und suchte den Boden nach seiner Brille ab.
„Kaum zu glauben, dass ich meine Brille verloren habe.“
„Du hattest gar keine an, ich weiß es ganz genau! Ein mieser Trick, um Mitleid zu erwerben!“
Und mit diesem Satz zog ich sie endgültig aus dem Gewühl.
Es dauerte eine Weile sie wieder zu beruhigen, doch schließlich schafften Alex und ich es.
Was nach einem Höhenflug durch puren Alkohol einkommt? Müdigkeit, so auch bei Jessy, die es sich mit einer Decke bei Jamie gemütlich machte.
Ich jedoch wurde noch einmal von Alex zu einem Auslauf überredet und teilte mir mit ihm eine weitere Wodkaflasche. Irgendwann hatte er mich wegen einem Streit mit Natalie stehen lassen, und dann sprang auch schon Dean für ihn ein.
„Ich finde ja, wir sollten alle den Alkohol bei Seite stellen.“, und schon hatte er mir die Flasche abgenommen.
„Hey, gib die wieder her!“, forderte ich ihn auf und versuchte mein bestes sie ihm zu entreissen. Als mich plötzlich Jessy rief, hielt ich inne. Schlief sie nicht?
„Was tut ihr da draußen? Dean! Finger weg! Du hattest deine Chance!“
Erst jetzt bemerkte ich, dass wir den Garten verlassen hatte und wohl schon eine ganze Weile alleine auf dem weiten Feld standen. Wie wir dort hingekommen waren? Ich gebe es ja zu, ich hatte keine Ahnung.
Als man uns zurückholte, wurden wir bloß noch einmal richtig aufgemischt. Und zwar von ungeladenen Besuchern. Plötzlich wimmelte es um den Garten herum von Fremden Kerlen, die sich wohl etwas Unterhaltung suchten. Und genau das wollte auch Catherine, daher hatten wir einiges zu tun sie davon abzuhalten zu ihnen hinaus zu laufen und zu verschwinden.
Ich für meinen Teil hatte meinen Beschützer. Dean gab sich alle Mühe alles im Griff zu behalten und kaum waren sie vertrieben und Catherine hatte andere Beschäftigung mit einem, uns viel bekannteren Herren gefunden, kamen wir alle zu Ruhe.
Ich döste bei Dean auf der Liege für ein Paar Minuten ein, und als es hell wurde eröffnete sich und der Anblick des Chaos, welches wir hinterlassen hatten.
Kaputte Gläser und Teller, verschüttetes Essen, dreckige Kleidung und überall lag jemand tief schlafend.
Wie wir den Morgen verbrachten? Nun...Jessy, Marcus, Dean, Deon und ich saßen zusammen am Feuer und wärmten uns.
Mittlerweile merkte man, dass wir bei weitem nicht mehr so locker miteinander umgingen wie vorher. Und als es ans Aufräumen ging? Tja, da verzogen sich dann die meisten – Jessy und ich inbegriffen. Wer auf den zerbrochenen Flaschen, den verteilen Salaten und dem restlichen Müll sitzen blieb? Keine Ahnung. Aber das ist wohl auch nichts, was man sich nach einer solchen Nacht als erstes fragt. Und ich für meinen Teil habe es nicht einmal als letztes wissen wollen.

Zuhause konnte ich mich nicht entscheiden ob ich duschen oder schlafen wollte.
Da es noch verdammt früh war, schlief der Rest meiner Familie noch tief und fest und um einem möglichen Unfall - wie vor Müdigkeit einzuschlafen und unglücklich in der Dusche umzukippen und zu ertrinken - zu vermeiden, legte auch ich mich hin und verschlief den kompletten Tag.
Und ganz genau das war der letzte Tag unseres alten Lebens.
Jetzt konnten wir von vorne beginnen! Also, haltet euch fest.
[Ach? Ob ich etwas mit Dean hatte? Nun...das ist es ja. Die einen sagen ja, die anderen nein. Und was ich sage? Ich weiß es nicht - bis heute nicht.]
Oh, ihr wollt wissen wie es Jessy erging? Nunja, nicht anders als mir auch.
Nur, dass sie wohl die ein oder andere Stunde Schlaf mehr für sich beansprucht hatte.
[Ob ich Leute wie Jessy nach Vorfällen wie gestern Abend immer als vernünftig beschreibe? Nein, sicher nicht. Eigentlich ist sie wirklich ganz anders - doch sein wir mal ehrlich. Auch die vernünftigsten Menschen unter uns erleiden mal Tiefpunkte, oder?]





Signatur

✝ Joshua Conner - Any questions? ✝
→ Beziehungsstatus: Vergeben an Claire.

It was the type of feeling that can't be explained -
The way she moved her lips drove me insane.
It's getting hard, I know, believe me I feel you...
I can't fall asleep knowing you're not home.
Is it too much to ask, can't you just pick up the phone?




Josh ...
Dämon // Lehrer


...

Status: Offline
Registriert seit: 01.09.2011
Beiträge: 291
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...   Erstellt am 09.09.2011 - 18:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


→ Überraschung! :P
Vielleicht gibts hier jetzt bald alle Kapitel...XD



Kapitel 2 - Hello Fascination...(Suzie Hatcher)

Nun, es tut mir doch fast Leid diese Zeilen eintippen zu müssen.
Doch wo ich den Ausblick in unsere nahe Zukunft so wundervoll gestaltet habe und wir bloß mit positiven Gedanken losgezogen sind, heiße ich euch nun in der knallharten Realität willkommen, denn...es war eigentlich völlig anders.
Der erste Tag war voll, stickig, deprimierend, verwirrend und...verwirrend.
[Halt! Habe ich da gerade im Eifer meiner Erzählung ein trauriges, mitfühlendes „Ohhh“ von eurer Seite vernommen? - Nein, Mitgefühl möchte ich durch einen Einblick in das Leben der Suzie Hatcher und ihrer Freunde nicht erzielen! Also...werde ich wohl noch ein paar positive Adjektive aus dem Hinterstübchen meiner Erinnerung kramen müssen...]
Also muss ich zugeben, dass es doch auch aufregend, lustig und interessant war.
[Und siehe da, das ist nicht einmal gelogen!]
Aus unseren Action geladenen, einzigartigen Sommerferien gerissen trafen Jessy und ich uns an dem Ort, der uns verfluchen sollte.
„Wieso sind wir so früh hier? Ich hatte nicht einmal Zeit mich für den ersten tag hübsch zu machen!“, jammerte Jessy genervt und verschränkte die Arme als wir vor dem Haupteingang standen - umgeben von anderen müden und nervösen Neulingen.
„Hörst du mir überhaupt zu?“, rissen mich ihre Worte aus den Gedanken und somit packte ich schnell meine Bürste und den Lipgloss weg - ich hatte zugehört!
„Du hast doch wirklich die Ruhe weg...und wie immer wirst du dich schnell einleben und wohl fühlen. Ich wünschte, ich hätte es auch so leicht.“
Doch diesmal unterbrach ich ihr Meckern, ohne darauf einzugehen.
„Siehst du den Kerl da hinten? In dem blauen Pullover?“, wollte ich von ihr wissen und sah unauffällig in seine Richtung. Jessy sprang auf meine Masche an und verstummte sogleich.
„Ja, und?“, nun sprach sie automatisch leiser, gar so als dachte sie er könnte uns aus dieser Entfernung wirklich hören. „Das ist ein Beispiel dafür, was uns erwartet. Also entspann dich und genieße es!“, ich für meinen Teil würde diesen Tipp in die Tat umsetzen, Oberstufen-Schüler waren einfach nicht mit Mittelstufen-Bubies zu vergleichen.
„Nicht mein Typ.“, konterte sie jedoch wieder seufzend.
„Nicht dein Typ? Der Kerl ist Adonis für unsere Welt.“
[Über Geschmack lässt sich bekanntlich ja wirklich streiten, aber ganz ehrlich, wer konnte diesem Zusammenspiel von Gelassenheit, Coolness, Stil und Charme wirklich widerstehen?
Sein dunkelblondes Haar saß perfekt gegeelt über seinem sympathischen Gesicht, dass von einem neugierigen Lachen verziert war.]

„Erde an Jessy? Gaff nicht so, er ist bestimmt nicht blind!“
Im selben Moment öffneten sich die Türen und wir wurden in der Menge mitgerissen - durch das Gebäude ab in die Aula, wo Jessy und ich uns in der letzen Reihe bei und bereits bekannten Gesichtern niederließen.
„Ich will gar nicht wissen, mit wem ich das nächste Jahr verbringen muss.“, ich sah sie kurz an, als sie wieder redete, dann wanderte mein Blick durch den überfüllten Saal.
Ich für meinen Teil war wirklich neugierig, doch als auf einer schmalen Tribüne die neuen Lehrer vorgestellt wurden und man nach und nach die Schüler der jeweilige Klassen aufrief, machte sich auch in mir Nervosität breit.
Ich vernahm nach meinem eigenen Namen bloß den der drei Jungs, die bei uns saßen. Sie waren die einzigen, die ich kannte. Damals hatte ich mit ihnen ein paar Unterrichtsstunden zusammen gehabt - mehr jedoch nicht.
[Gut, dass ich mich durch meine letzte verflossene Beziehung jedoch auch in meiner Freizeit besser mit ihnen angefreundet hatte und mir daher sicher war, vorerst gut aufgehoben zu sein - an dieser Stelle ist es mal wieder zeit jemandem zu danken, also: Danke Dean für deinen damaligen Freundeskreis,der auch auf mich übergegangen war.]


Da ich mich in der A-Klasse befand, räumten wir auch als erstes den Raum und hinterließen leere Sitzplätze. Die Jungs nahmen mich wie erhofft munter mit, von Aufregung war bei ihnen keine Spur.
[Oh, ich hab sie euch ja noch gar nicht vorgestellt - Holen wir das also nach, damit ihr in Zukunft wisst, von wem ich spreche: Matt, Josh und Oliver. - Und nun noch eine kurze Charakterbeschreibung.
Matt war eindeutig der höflichste und zurückhaltenste von allen, ein lieber Geselle mit dem man eine Menge lachen konnte, wenn er aufgetaut war.
Josh war das genaue Gegenteil, auch sehr freundlich allerdings viel offener - er hatte keine Probleme mit neuen Gesichtern und ungewohnten Situationen. Seine Devise? Was nicht passt, wird passend gemacht - und ganz unter uns, schlecht sieht er nicht aus.
Und dann haben wir natürlich noch Oliver, der auf eine ganz andere Art zurückgezogen ist...er lebte für sein Hobby, die Musik, und gab sich lediglich mit Leuten ab, die er wirklich mochte.]

Kaum waren wir alle in einem kleinen Raum angekommen, der mit knapp 28 Schülern bereits total überfüllt wirkte setzten wir uns zusammen und ich konnte das erste mal einen intensiven Blick auf meine neuen Mitschüler werfen. Wir waren eine bunte Truppe - viele kannten sich bereits. Vom absoluten Mauerblümchen - davon findet ihr hier viele - bis hin zur Schul- High Society. Doch woran ich mich am besten erinnern konnte, ist wie unsympathisch ich meine Klassenlehrerin von Anfang an fand.
[Und um diese bittere Tatsache zu unterstreichen...lass mich euch mitteilen, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte und, dass sie gleichzeitig auch das Fach unterrichtete, in dem ich wohl am negativsten auffallen würde: Mathe.]
Als es verspätet klopfte, blickte sie streng auf: „So sollte man nicht auffallen.“
Die Tür wurde geöffnet und ich musste lediglich den dunkelblauen Stoff des Oberteils betrachten um zu wissen, wen ich nun wohl jeden Tag sehen dufte - Adonis höchste persönlich alias Mike Minore. Und er hatte sogar eine Art Gefolgschaft im Schlepptau.
Zwei unscheinbare Kerle, die neben ihm eigentlich bloß negativ auffallen konnten.
„Entschuldigung...wir sind nicht schnell genug aus dem Saal gekommen.“, ergriff Mike betroffen das Wort und dann setzten sie sich auch schon still und heimlich in unsere Runde. Zufrieden musterte ich ihn und schenkte ihm ein erstes Lächeln.

Die ersten beiden Stunden verliefen ruhig und doch etwas verkrampft. Man lernte sich spielerisch kennen und ich wurde mit neuen Namen und Informationen in Hülle und Fülle gefüttert, die ich mir sowieso unmöglich alle hätte behalten können.
Als wir schließlich in eine vorgezogene pause entlassen wurden, traf ich auf dem Flur Jessy, die wohl auf mich gewartet hatte. Ihr Klassenraum befand ich bloß ein paar Türen von meinem entfernt.
„Da bist du ja endlich, und wie ist es?“, wollte sie wissen, ihre Stimmung schien sich nicht deutlich verbessert zu haben.
„Vorerst bin ich mehr als nur zufrieden. Könnte interessant werden.“, antwortete ich und warf Mike einen Blick zu, als er an uns vorbei ging.
„Rate mal, wen ich in meiner Klasse habe.“, teilte ich ihr grinsend mit.
„Woher hast du dieses ständige Glück? Ich bin in einem Haufen Idioten gelandet!“
Daher ging es ihr also nicht besser...von einer Bezugsperson war für sie also keine Spur.
„Ach, das wird schon noch...das waren doch erst die ersten 90 Minuten.“, wollte ich sie aufmuntern, doch sie winkte geknickt ab.
„Sonst irgendwelche interessanten Kerle in deiner Klasse?“
Ich legte den Kopf bei ihrer Frage schief, wollte sie das wirklich wissen oder brauchte sie etwas Ablenkung von ihren eigenen enttäuschenden Gedanken?
„Nicht so interessant wie Mike, aber ja.“, ich begann ihr von dem ein oder anderen jungen Mann zu erzählen, doch auch diesmal sah sie mich streng an.
„Und was ist mit Dan?“ - als sie seinen Namen erwähnte, kam ich ins stocken. Ja, was war mit Dan?
Für euch stellt sich natürlich als erstes die Frage, wer Dan war. Nun, Dan Fox war meine kleine Sommer-Romanze gewesen - weiter waren wir nicht gekommen. Durch eine meiner Mädels hatte ich ihn auf einer Party kennen und bewundern gelernt und ja, wir waren uns schnell näher gekommen und sahen uns darauf hin den Sommer über des öfteren. Doch so schnell wie sich alles entwickelt hatte, war es auch wieder verfallen.
„Ich schätze er hat ebenfalls genug Frischfleisch gefunden.“, gab ich also trocken als Antwort und zuckte mit den Schultern.
Davor war ich von Anfang an gewarnt worden...Dan war nicht schüchtern und was er wollte nahm er sich, ohne Rücksicht auf andere. Und obwohl er sich nahezu jedes Wochenende ein neues Mädchen zur Unterhaltung griff, kam er bei den meisten gut an - man wollte nunmal immer das, was man nicht bekam oder behalten konnte.
Dieses Thema hatte schließlich auch meine Motivation angeknackst und so verlief die viel zu kurze Pause mit Jessy eher ruhig, bevor sich unsere Wege wieder trennten und jeder wieder in seinem Klassenraum verschwand.


Hello Fascination... -Part 2 (Jessica Baker)

Kaum hatte ich einen Schritt in den Raum gemacht, überkam mich wieder dieses schreckliche Gefühl des Unmutes. Wieso war ich hier gelandet?
Die Pause hatte mir zwar durchaus etwas Mut gemacht, da ich mich mit Suzie hatte unterhalten können und sie mir das Gefühl vermitteln wollte, dass alles halb so wild war, doch wenn ich mich hier umsah, glaubte ich nicht an ihre Worte.
Ich bekam schräge Blicke zugeworfen, als ich zu meinem Platz lief. Die Mädchengruppe, der ich wohl negativ aufgefallen war, kicherte kindisch herum und unterhielt sich laut über ihre ach so tollen Sommerferien.
Sie bestanden aus genau der Sorte Menschen, die ich auf den Tod nicht ausstehen konnte...kurze Röcke und ein dazu passender kurzer Verstand.
In unserem Klassenraum waren Tischreihen angebracht an denen wir uns willkürlich verteilt hatten und obwohl diese Mädchen sich wohl für angesagt hielten hatten sie sich weit weg von den Jungs gesetzt.
[Ja, hier herrschte strickte Geschlechtertrennung - Könnt ihr euch das vorstellen?]
Doch da ich ihr Gerede und das heisere Quietschen nicht lange ertrug, stand ich auf und fixierte mit meinen Augen genervt den einzigen Platz auf der anderen Seite des Raumes - mitten zwischen all den bereits jetzt schon vollgeschmierten Tischen der männlichen Vertreter dieses Versagerhaufens.
Zwar glaubte ich auch nicht daran hier etwas Interessantes zu finden, aber immerhin musste ich keine aufgedrehten Girly-Girls ertragen.
„Ziemlich mutig.“, ertönte neben mir eine tiefe Stimme, als ich meine Tasche abgestellt und mich gesetzt hatte. Irritiert blickte ich auf und sah in das Gesicht der ersten Person, die sich heute mit mir unterhielt.
„Wieso?“, folgten vorsichtige Worte meinerseits.
„Nunja...du bist das einzige Mädchen auf dieser Seite des Raumes. Ich dachte ihr Weiber braucht stets Unterstützung.“, er nickte zu der Gruppe hinüber, vor der ich geflüchtet war.
„Da bin ich nicht anders...aber die da würde ich nicht als Unterstützung bezeichnen.“
Und schon lachte er laut und herzlich, was mich komischer weise aufbaute.
[Glaubt mir... Bei Männern ist man besser aufgehoben, als so manch einer oder eine denkt...sie sind einfach viel zu faul - ich wollte das Wort dämlich vermeiden - um jemandem, den man nicht flach legen will, etwas vorzuspielen. Und genau diese einfache Art bevorzuge ich persönlich sehr.]
Meinen Sitzplatz hatte ich nun also endgültig gefunden. Besser spät, als nie.


Und auch in den nächsten Minuten wurde ich erneut angesprochen und stellte somit zufrieden fest,dass ich dieses eine Jahr hier wohl doch überstehen konnte.
„Ich bin übrigens Adrian und das ist Mitch.“,stellte der Junge,mit dem ich mich als nächstes recht gut unterhalten hatte,sich und seinen Kumpel vor. Zu meinem Glück schienen sie neben mir zu sitzen und somit erwartete mich keine unangenehme Überraschung,was einen möglichen Sitznachbar betraf.
„Freut mich - Ich heiße Jessica.“,stellte ich mich lächelnd vor.
Die beiden machten einen ziemlich bodenständigen Eindruck und passten hier irgendwie ins Bild,doch waren sie die ersten die mir positiv im Gedächtnis geblieben waren.
Als unsere Klassenlehrerin das Wort ergriff ging jedoch das ungewohnte Schweigen erneut los. Damals hatten Suzie und ich stets den Unterricht auf Trab gehalten,hier konnte man das wohl vergessen...doch kaum hatte ich in Erinnerungen geschwebt,stupste Adrian mich an. Ich sah in sein schmales Gesicht und die dunklen Augen,die von einer unauffälligen Brille umrahmt waren.
„Langweilig,hm? Lass uns was spielen...wir gehen nacheinander alle hier durch und halten unseren ersten Eindruck von ihnen fest.“
Ja,das war schon beinahe Jessy und Suzie - reif.Das gefiel mir.
Grinsend stimmte ich seinem Vorschlag zu und dann war auch schon das Eis gebrochen.
Zwar kamen wir zu dem Entschluss,dass jede andere Klasse wohl besser gewesen wäre aber ich wusste nun,dass ich mit dieser Einstellung nicht alleine war und immerhin für die lästigen 90 Minuten zwischen den ersehnten Pausen und dem schließlichen Schulschluss jemanden gefunden hatte,der versuchte mir mein Leid zu nehmen.
[...Oder es mindestens mit mir zu teilen.]





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✝ Joshua Conner - Any questions? ✝
→ Beziehungsstatus: Vergeben an Claire.

It was the type of feeling that can't be explained -
The way she moved her lips drove me insane.
It's getting hard, I know, believe me I feel you...
I can't fall asleep knowing you're not home.
Is it too much to ask, can't you just pick up the phone?




Chloe ...
Götterkind // Schüler


...

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...   Erstellt am 01.10.2011 - 18:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Langeweile? Ich helfe aus.


→ Kapitel 3 - Kill The Director! (Suzie Hatcher)

Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt verliefen die folgenden Tage ebenfalls ziemlich sperrig. Und meine Klasse war eine der ersten, die nach dem ersten Kennenlern-Tag mit dem Unterricht begann,als würden wir uns bereits auf die Abiturklausuren vorbereiten. Natürlich war das in so fern gut, da es nötig war und wir diese einmal erfolgreich schreiben wollten - doch wie Jugendliche nunmal so sind, bleibt die Begeisterung gerne auch einmal auf der Strecke, wenn es im den Ernst des Lebens geht.
Aber nach Worten wie diesen, die nicht gerade vor Euphorie gestrotzt haben, kommen wir doch einmal zu einem erfreulicherem Thema. Zumindest sollte man meinen, es wäre erfreulicher. Doch vorab eine wichtige Frage: Wer von euch glaubt an die wahre Liebe?
Und wohlbemerkt...ich spreche nicht von der Liebe zu jemandem, den man angetrunken in einem Club kennenlernt, und dessen Schlafzimmer man viel zu schnell von innen sieht...nein, ich spreche von dem Gefühl, dass einen ganz unerwartet überfällt, wenn man einen Menschen sieht, der einem ohne Grund plötzlich jegliche Sinne raubt. Man kann nicht schlafen, nicht essen und einfach nichts weitere tun ohne mindestens einen Gedanken an diese Person zu verlieren. Das Gefühl kennt ihr? Wundervoll! Ich nicht. Doch es bestand nach der ersten Zeit mit den neuen Leuten eine Chance darauf, dieses Gefühl zu erleben.

Seufzend trottete ich nach gefühlten 6 Stunden Mathematik in die Pause, zu der kleinen Gruppe, der sich Jessy und ich schnell angeschlossen hatten. Aus wem sie bestand? Oh, aus ein paar Jungs meiner Klasse, mit denen ich eigentlich noch nicht viel gesprochen hatte und Kerlen wie James Scott, der meinen damaligen Tanzpartner im Standarttanzen abgegeben hatte, und seinem kleinen Freund Lou, der sich gerne einmal wichtig machte. Wieso wir uns überhaupt bei ihnen aufhielten? Nun, Jessy und ich galten als unzertrennlich und ich hatte mich nahezu ständig von James abfangen lassen, da wir viel und gerne Zeit miteinander verbrachten. James gab einen typischen Vorzeigeschwiegersohn ab - nicht, dass ich etwas mit ihm am Laufen hatte oder so, nein - aber wenn man ihn sich so ansah, konnte man bloß dies von ihm denken. Meine Mutter zumindest würde ihm wohl zu Füßen liegen. Mal davon abgesehen, dass er nicht schlecht aussah mit seinen dunklen, etwas zerzausten und doch sehr gepflegten Haaren, der männlichen Statur und der durchaus sympathischen, ruhigen Ausstrahlung, war er obendrein noch mehr als nur gut in der Schule und generell ein sehr gewissenhafter und vernünftiger Mensch. Auch Jamie war immer mit von der Partie, ihn wiederrum kannten wir seit der Mittelstufe, nun gab er einen Klassenkamerat von James ab. Die beiden hatten sich von Anfang an gut verstanden, was alles nahezu perfekt zusammen führte.
[Und wenn ich diesmal von vernünftig rede, dann meine ich das auch zu 100% so wie ich es sage, da James weder zu Alkohol griff, noch rauchte. Außerdem konnte man sich stets auf ihn verlassen und er hatte sogut wie immer Zeit für seine Freunde.]
„Hey, was is los? So schlimm?“, empfing er mich sogleich wieder als erstes, als ich die Treppe hinabgestiegen war und in dem überfüllten Forum stehen blieb.
„Ich komme mir jedesmal vor, als würde ich im Russischunterricht sitzen.“, beschwerte ich mich wehmütig - Mathe arbeitete schon so lange ich denken konnte gegen mich.
„Ach komm schon, so schlimm ist es sicher nicht. Wenn du Fragen hast, ich helfe dir gerne.“, doch ich winkte dankbar ab. Vorerst stand keine Arbeit an, also hatte ich nicht vor meine Freizeit mit etwas zu füllen, vor dem ich insgeheim wirklich Angst hatte.
Als ich das Thema schließlich endgültig fallengelassen hatte,war mir aufgefallen,dass Jessy erst jetzt durchs Forum schritt und auf uns zu lief. An ihrem entschlossenen Gang und dem ungläubigen,verärgerten Gesichtsausdruck war nur zu gut zu erkennen,dass mal wieder etwas vorgefallen sein musste, was ihr sichtlich widersprach.
„Ich hasse diesen Ort von Tag zu Tag mehr!“,schimpfte sie gereizt und ließ ihre Tasche vor sich auf den Boden sacken. Verwundert blickten wir zu ihr auf, dass Lou belustigt zu grinsen begann fiel ihr nicht auf. Sie hatte mich mit ihrem Blick fixiert,was mir signalisierte,dass die anderen Anwesenden mit der folgenden Information entweder einfach nichts anfangen können würden oder diese sie einfach nicht zu interessieren hatte. Ich wagte trotzdem den Versuch, ihr die Worte hier zu entlocken.
Ohne meine Frage ausformuliert zu haben, schoss mir ihre Antwort bereits entgegen.
„Luke ist ein echter Idiot!“ - platzte es ihr heraus. Und das war erst der Anfang,der Rede.
„Nur weil das mit uns nicht funktioniert hat, behandelt er mich wie den letzten Dreck! Was fällt ihm ein,mich auf dem Flur rücksichtslos rumzuschubsen? Ein einfaches: Aus dem Weg hätte es auch getan,wäre zwar nicht höflich gewesen aber immerhin besser als die Tour eben.“ - Hier herrschte für sie also zusätzlich auch das Ex-Freund Problem...Gut,dass mein damaliges Herzblatt - falls man ihn so nennen kann - eine andere Wahl für die Oberstufe getroffen hatte. Doch was sollte ich dazu sagen? Luke war nie fair zu Jessy gewesen, damals waren sie zusammen gekommen, weil er eine Freundin - und somit einen neuen Zeitvertreib - gesucht hatte. Ach ja,und weil unsere damalige 5. Frau im Brunde mit einem sehr guten Freund zusammen gewesen war. Man hatte sie also erhofft immer zu 4. um die Häuser ziehen zu können und somit nicht nur den Partner oder die Partnerin dabei zu haben,sondern auch als Notfall-Stütze einen guten Freund.
[Ich für meinen Teil kann mich jedoch nicht an ein solches Treffen erinnern - Jessy war in der kurzen Beziehung ohnehin kaum mit ihm aus gewesen. Im Hier und Jetzt, dank der Revolution, werden oft sogar Beziehungen immer unpersönlicher - Welcher Mensch wollte bloß auch noch den letzten hauch Romantik an der Oberfläche durch die Erfindung des Internets zerstören? Ein Jammer.]
„Reg dich nicht weiter über ihn auf...“,wollte ich sie beruhigen - vergebens.
„Außerdem...was soll das mit der kleinen Blonden da?“,ich folgte ihrem Blick. Luke unterhielt sich angeregt mit einem Mädchen, dass ich noch nie gesehen hatte. Doch was meinte Jessy? Es war doch nichts weiter dabei...
„Er hat ne Freundin.Sindy, schon vergessen? Ich kann sie zwar nicht ausstehen,aber das hat sie nicht verdient.“, alleine aus dem Grund,dass Jessy ihren letzten Satz erkenntlich betont hatte,schaute ich wieder zu den beiden hinüber. Wer hätte gedacht,dass sie Recht hatte? Er hatte also wirklich 2 Freundinnen? Ohne,dass ich es merkte klappte mit die Kinnlade ein Stück weiter runter.
„Wer hätte ihm das zugetraut...?“,brachte ich erschrocken über die Lippen. Ihr müsst wissen, Luke befindet sich auf der Beliebtheits-Skala nicht sonderlich weit oben. Er sah nicht besonders gut aus und interessant war er auch nicht. Seine Divise? Schwimm mit dem Strom, sich selbst kenntlich machen ist zu anstrengend.
„Kaum ist Sindy ein halbes Jahr im Ausland,zieht er soetwas ab. Wer weiß,was er damals hinter meinem Rück getrieben hat. Er kann froh sein, dass ich damals nicht auf solche Ideen gekommen bin.“ - Ihr Gemecker wurde jedoch unterbrochen. Die Pause war bereits zuende und man drängelte sich das kleine Treppenhaus hinauf,zurück in die eigene Klasse. Jessy seufzte und griff ihre Tasche wieder.
„Ich muss los. Ein Wunder,wenn ich den richtigen Raum finde.“,mir ein missmutiges Lächeln zugeworfen, verschwand sie in der Menge. Und auch die andere waren bereits verschwunden,lediglich James stand noch bei mir.
„Wohin musst du jetzt?“,ergriff er das Wort,während ich mich angestreng umsah und mit ihm in Richtung Treppenhaus begab.
„Ähm...zu den Bio-Räumen.“ - Wo die waren? Keine Ahnung. Auch wenn ich hier nun schon 3 Wochen regelmäßig durch die Gänge schlenderte, hatte ich es mit der Orientierung noch lange nicht. Manchmal kam ich mir vor wie ein kleiner Goldfisch in einem riesigen Aquarium. Obwohl dieses Aquarium klein gehalten war und man nicht alleine war, fühlte man sich aufgeschmissen und vergaß nach 3 Sekunden bereits wieder jegliches Ecken an dem man schon gewesen war - genau so war es übrigens mit den fremden Gesichtern. Auf unserer alten Schule,die bei weitem kleiner gewesen war, kannte jeder jeden. Hier lief man jeden Tag hunderten von Menschen entgegen, die man noch nie gesehen hatte. Und ich wurde das Gefühl nicht los,dass sich das nicht ändern würde.
Dieses mal hatte ich allerdings Glück,James machte sich die Mühe und begleitete mich in den dritten Stock. Als ich die ersten Leute aus meiner Klasse erkannte, und er sich sicher war mich heil ans Ziel gebracht zu haben, machte auch er sich auf den Weg und verabschiedete sich von mir mit einer herzlichen Umarmung.
Meinen Pullover zurechtgezogen, holte ich tief Luft und machte mich, mit jedem weiteren Schritt auf meine neuen Leidensgenossen zu, bereit für die nächsten 90 Minuten purer Langeweile. Noch bevor ich mich zu Matt und Josh gesellen konnte,fing mich ein blondes Mädchen ab. Sie war mir seit dem ersten Tag als ziemlch gesellig aufgefallen und hatte mich schnell angesprochen, um sich etwas mit mir zu unterhalten.
„Hey.“,grüßte sie mich grinsend und passte ihren Schritt dem meinen an.
„Du und James...ihr kennt euch also?“, zur selben Zeit in der ich ihre Stimme vernahm, kramte ich in meinem Gedächtnis nach ihrem Namen. Als jedoch James‘ Name fiel, riss sie mich aus meinen Gedanken, und urplötzlich viel er mir wieder ein - Tia.
„Ja,schon eine ganze Weile.Durch Freunde,ihr euch auch,hm?“, sie nickte lächelnd.
„Ich war vorher mit ihm in einer Klasse.Ein echt netter Kerl, mittlerweile haben wir jedoch kaum noch Kontakt.“,erzählte sie mir munter, ohne dass ich nachfragen musste.
Mir fiel bloß flüchtig auf,dass unsere Biolehrerin uns bereits reingebeten hatte,also musste ich Tia unterbrechen. Bevor wir uns jedoch auf unsere Plätze setzten, hielt sie mich leicht am Arm fest und schenkte mir einen neugierigen Blick.
„Suzie? Ich muss das einfach loswerden,sonst frage ich mich das die komplette nächste Stunde...seid ihr wirklich ein Pärchen?“
Ihre Frage überraschte mich sichtlich. Den Kopf schief gelegt,rutschten meine schulterlangen,braunen Haare nach vorne.
„Nein,wir sind bloß Freunde. Wer erzählt sowas?“
„Ach,nein?“,griff ein Kerl meine Antwort auf und sah mich neckisch an.
An seinen Namen konnte ich mich beim besten Willen nicht erinnern...gesprochen hatte ich vorher auch noch nie mit ihm. Das einzige was ich wusste war, dass er in der Klasse als Überflieger galt. Die meisten Menschen hatten entweder ein abenteuerreiches Privatleben,oder gute Noten. Er zählte eindeutig zu der 2. Kategorie.
Ohne noch etwas zu sagen,lief er an uns vorbei und setzte sich an das andere Ende des Raumes. Auch mir blieb nicht die Möglichkeit geboten,weiter darauf einzugehen,da wir längst hätten auf unseren Plätzen sitzen sollen,also ließ Tia mich los und begab sich an den Tisch, hinter mir und Matt. Noch immer verwundert das Gesicht verzogen, setzte auch ich mich. Dieses Gerücht bereitete mir sorgen, immerhin war mir die Freundschaft zu James wirklich wichtig geworden. Und soetwas? Soetwas machte meist etwas kaputt.
[Doch wer hätte gedacht,dass das erst der Anfang des Unheils war und nicht diese frage etwas kaputt machen würde, sondern viel härtere Maßnahmen ergriffen wurden?]
„Mit wem bist zu zusammen?“,wollte schließlich auch Matt grinsend wissen,also wir die ersten Minuten in Schweigen verbracht hatten und einen Text aus dem Buch in Stillarbeit mit dem Tischnachbarn bearbeiten sollten.
„Du hast also gelauscht?“,stellte ich Kopf schüttelnd fest. Von Tag zu Tag verstand ich mich mit Matt besser, es machte unheimlich Spaß ihn aufzuziehen und mit ihm herumzualbern. Unschuldig hob er die Schultern auf meine Gegenfrage an,ließ sich jedoch nicht so einfach abwimmeln.
„Mit niemandem.Die haben da irgendetwas in den falschen Hals bekommen.“
Und siehe da,er glaubte mir. Zumindest machte es den Anschein.
Den Rest der Stunde vertrieb ich mir mit lockeren Gesprächen,die Matt und ich führten und jedesmal, wenn wir ermahnt wurden, leiser zu arbeiten versank ich für kurze Zeit in Gedanken. Ich wusste, dass James sich eine freundin wünschte...ein Mädchen, auf das er aufpassen konnte. Für die er da sein durfte und die ihn etwas aus dem Alltagsleben entführte. Als ich ihn vor ein paar Monaten Ana vorgestellt hatte, war sie hin und weg von ihm gewesen...somit hatte ich mich als gute Freundin der beiden dazu verleitet geführt sie zu ihrem Glück zu zwingen. Gelegentlich hatte ich Treffen arrangiert ,damit die beiden sich kennenlernen konnten. Doch,da sie sonst keinen Kontakt hatten war ich immer mit von der Patie gewesen. Ana hatte stets darauf bestanden, dass ich sie nicht alleine ließ, weil sie der Meinung war, alleine aufgeschmissen gewesen zu sein.
Durch diese Treffen hatte ich somit ebenfalls automatisch immer mehr mit James zutun gehabt, ob das ein Fehler gewesen war?
[Wir alle kennen doch mindestens einen Teenie-Film, in dem Verkupplungsversuche schlecht ausgehen, oder? Nun...mich verfolgte das Gefühl, ich hätte mir mal lieber einen solchen Film anschauen sollen, bevor ich das alles in Angriff genommen hatte - Im Nachhinein ist man immer schlauer...]
Immer wieder fiel mein Blick in den folgenden Minuten auf die Uhr, seit ich in der neuen Klasse saß spielte die zeit eindeutig gegen mich... unmöglich saßen wir hier nur 90 Minuten,mir kam es locker doppelt so viel vor. Und als sich in mir alte Muster breit machten und ich bereits ein paar Minuten zu früh einpackte,durfte ich mir sogleich anhören, wie unsittlich ein solches Verhalten hier war. Somit durfte ich alles wieder auf meiner Hälfte des Tisches ausbreiten, während andere einpacken durften. was war das bitte für eine Strafe? Gut,dass Frauen stets zu große Taschen mit sich herumschleppten, das machte es mir einfacher alles wieder einzusammeln, immerhin musste ich Bücher und Hefte nicht praktisch und platzsparend anordnen.
Matt hatte mir lachend zugesehen und war längst fertig, als ich aufstand.
„So geht das hier nicht mein liebes Fräulein.“,zog er mich amüsiert auf - und auch ich nahm es mit Humor,streckte ihm als Antwort seiner frechen Aussage die Zunge raus.
Auf dem Flur vor unserer Klasse, warf James mir einen Blick zu - sein Klassenraum war bloß ein paar Türen von meinem entfernt. Und da wir alle noch nicht sonderlich vertraut mit dem neuen Oberstufensystem waren,fiel für uns heute sogar die zweite Pause flach,da es im Klassenverband wohl einiges zu besprechen gab - ein Wunder,dass mich das nicht einmal störte...Ich wollte lediglich den Vormittag hinter mich bringen.
[Welch Ironie des Schicksals...damals hatte man sich auf die Pause gefraut,weil man sich gefühlt hatte,als würde man in einer glücklichen Familie leben,mit der man gerne Zeit verbrachte,zumindest hatte ich mich immer so gefühlt. Jetzt wartete man bloß noch die 15 Minuten zwischen den Doppelstunden ab und hoffte bald seine Freizeit genießen zu dürfen.]
„Und du sagst,da läuft nichts.“,meldete sich Matt erneut zu Wort.
„Ja,fall du mir auch noch in den Rücken...“,mir entfuhr ein Seufzen und bloß kurz darauf,vernahm ich erneut die Stimme des Jungen neben mir,der sich bereits in Bio ungefragt zu Wort gemeldet hatte.
„James ist ein Idiot.Ein Kerl ohne eigene Meinung und ohne sonstige Vorzüge.“
Nun kam ich dazu ihm einen verärgerten Blick zuzuwerfen,der seine Augen direkt traf.
„Vergiss ihn,glaub mir.“,er ließ sich nicht beirren und machte auch nicht den Anschein mich in Ruhe zu lassen,bis ich ebenfalls ein schlechtes Wort über ihn verlor.
„Ich wüsste nicht,was dich das angeht. Ich finde ihn wirklich sehr nett!“,meinen Kopf nun doch von ihm weggedreht,sah ich auf die andere Seite - in Matts ebenso verwunderte Augen. Matt hob die Augenbrauen an und zuckte mit den Schultern,womit er mir signalisierte,dass auch er nicht wusste worauf der Kerl hinaus wollte. Und als hätte er meine Gedanken gelesen,wand er sich ihm zu.
„Wie war doch gleich dein Name?“ - „Ted.“
Erst in unserem Klassenraum,verschand er in die vorderste Tischreihe, während Matt und ich ziemlich weit in der Mitte zusammen saßen. Und wie das Schicksal es so wollte,saß zu meiner Rechten Tia, sie mir bereits ein verschmitztes Grinsen zuwarf und ihre Tasche unter den Tisch schubste.
„Jetzt haben wir genug Zeit für einander - erzähl mir alles.“,forderte sie auf.
Eigentlich nervte mich das Thema ungemein - für mich war alles gesagt. Wieso kauten alle andere also weiter darauf rum, anstatt einfach hinzunehmen was ich sagte?
Tia jedoch schien ihre Fragerei alles andere als böse zu meinen...also übte ich mich in Geduld und verkaufte ihr so gut es ging die Wahrheit,am Ende der nächsten Doppelstunde hatte ich sie sogar so weit,dass sie mir galubte.
Als der Unterricht beendet wurde, packte ich - dieses mal auf die Minute genau - meine Sachen zusammen und wollte mich auf den Weg nach Hause machen, doch wieder wurde ich abgefangen, als ich überlegte, ob ich auf Jessy warten sollte um mit ihr gemeinsam zum Bahnhof zu laufen.
[Und ganz unter uns...in mir war in den letzten Minuten das dringende Bedürfnis aufgekommen, mit ihr zu reden. Schon damals hatte Jessy gesagt, ich solle mich in Acht nehmen, da sie vermutete, dass James eine heimliche Schwäche für mich hegte. Mir persönlich war das jedoch nie aufgefallen.]
„Suzie!“,rief mich ein mir bekanntes Geischt. Man winkte mich zu sich und ein paar weiteren Mädchen, die sich in meiner Klasse befanden. Die Fünf kannten sich alle aus vorherigen Jahren und bildeten eine kleine, freundliche Gruppe, die sich nicht um die Meinung anderer sorgte und einfach munter zeit miteinander verbrachte, so wie es sein sollte - Tia gehörte ebenfalls zu ihnen.
„Musst du zum Bahnhof? Du kannst mit uns kommen.“,schlug die kleine Rothaarige vor, der man ihre gute Seele sofort ansah. Eigentlich wäre ich gerne mit ihnen gelaufen, für mich klang das wie eine herzliche Einladung, sie alle besser kennenzulernen und mich mit Leichtigkeit einzuleben, doch wusste ich auch, über was wir uns vermutlich unterhalten würden...und danach war mir mittlerweile beim besten Willen nicht mehr, also suchte ich mir einen möglichen Fluchtweg und wollte mir bereits eine Ausrede zusammenlegen. Tia kannte die Fakten,sollte sie sie doch bitte verbreiten...
„Suzie?“,wieder ertönte mein Name, und selbst wenn ich die Stimme nicht erkannt hätte, hätte ich allein an der reaktion der Mädchen ablesen können, wer auf uns zulief.
„Das nächste mal vielleicht.“,gab ich ihnen also flüchtig als Antwort, sie winkten jedoch amüsiert ab und machten sich tuschelnd alleine auf den Weg. Mir blieb also nichts weiter übrig, als ihnen schon beinahe verärgert über ihre Reaktionen nachzusehen, dabei konnten sich nicht einmal etwas dafür...
[Und James in diesem sicher auch nicht - doch leider bekam er es ab.]
„Was?“,drehte ich mich schwungvoll zu ihm um und sah ihn mit verschrenkten Armen an.
„Ähm...“,hielt er inne. Ich hatte ihn sichtlich verunsichert - sein Optimismus und das fröhliche Lächeln schienen wie weggeblasen.
„Ich...wollte eigentlich bloß fragen,ob du und Jessy auch auf den geburtstag von Casey kommt.“ - von einem geburtstag hatte ich jedoch nichts gehört.
[Wer Casey war? Ein Kerl aus James Klasse. Ich hatten ihn in meinem Sportkurs bereits kennengelernt, er schien ständig überdreht und unansgelastet, war jedoch ganz nett.]
„Nein,immerhin kennen wir ihn kaum.“,ich zumindest hatte erst 2 oder 3 längere Gespräche mit ihm geführt. Ob Jessy überhaupt von seiner Existenz wusste, war für mich die nächste Frage, die sich mir stellte...
„Oh...okay.Ich dachte er hätte gesagt, dass er euch gerne dabei hätte.“, nun schien er wirklich deprimiert. Seine Hände vergrub er in den Hosentaschen.
Und als Jessy endlich auftauchte war ich heilfroh,dass sie es eilig hatte und mich somit aus der seltsam unangenehmen Situation rettete.
„Hey James,wir müssen los,sorry. Sonst verpasse ich meine Bahn.“,sie griff meine Hand und zog mich hektisch mit,ihre Tasche rutschte ihr immer wieder von der Schulter und als sie sich ein letztes mal zu James umdrehte um ihm entschuldigend zuzuwinken,rannte sie erneut jemandem in den Weg, vor Schreck hatte sie mich bei dem Zusammenstoß losgelassen und taumelte ein paar Schritte zurück. Ich war hatte ebenfalls erschrocken das Gesicht verzogen und sah den Kerl an,der Jessy nun wohl erneut an den rand eines Wutanfalls brachte,was für mich bedeutete, dass ich mir den Rest des Weges erneut anhören durfte wie schlimm dieser ort für sie war und wie gerne sie doch eine andere Schule besuchen würde.
Der rothaarige Junge stellte sich ziemlich unsicher an, streckte leicht die Arme nach Jessy aus und entschuldigte sich aufrichtig. Als sie den Kopf anhob und ihn ansah,wartete ich bereits auf ein bissiges Kommentar ihrer Seits, doch darauf hatte ich lange warten dürfen. Stattdessen schüttelte sie verlegen den Kopf.
„N-Nichts passiert.Das war meine Schuld, ich hätte aufpassen sollen, wohin ich aufe.“
Meine Augenbrauen zogen sich bei dem Klang ihrer Stimme irritiert zusammen - das klang nach Ärger. Oder nach Hoffnung,die Jessy nun wohl doch zuversichtlicher zur Schule leiten würden...ihr glaubt ich übertreibe? Nein,ich kenne Jessy. Dieser kleine,schlaksige Rotschopf schien es ihr angetan zu haben...und das obwohl sie ihn gar nicht kannte - so war Jessy. Und jetzt,wo ich ihn genauer betrachtete fiel mir auf,dass er durchaus in ihr Beuteschema passte.
[Auf was für Typen Jessy so stand? Nun... um Kerle würden wir uns wohl niemals streiten. Während ich selbstbewusste, freche Kerle bevorzugte suchte sie sich Kerle aus, die einen unschuldigen, braven Eindruck machte und stets Ruhe und Etikette bewahrten - im Grunde die perfekten Schwiegersohn-Typen.]
„Hast du dir auch nichts getan?“,wollte er erneut wissen,Jessy schüttelte heftik den Kopf und winkte ab. Ihre bahn schien sie völlig vergessen zu haben.
„Ähm...okay.Ich muss weiter,halt die Augen offen.“,lächelnt verabschiedete er sich und verschwund in dem Gebäude, das wir eben eilig verlassen hatten.
Jessy hatte ihm nachgesehen und als ihr Blick meinen traf,spürte ich ihre Verlegenheit.
„Lass...uns weiter gehen.“ - erneut wollte sie nach mir greifen,ich wich ihr jedoch aus und warf einen Blick auf den Display meines Handys,um die genaue Uhrzeit in Erfahrung zu bringen. Die bahnen würden wir nur mir großen Glück noch bekommen.
[Und wie ihr wissen,sind wir nicht gerade gut mit dem Glück befreundet,was hieß,dass wir sie wohl verpassen würden und eine geschlagene halbe Stunde am Bahnhof warten durften.]
„Ich habe eine bessere Idee.“,nun nahm ich ihre Hand in meine und bestimmte die Richtung. Jessy sah mich verdutzt an, wehrte sich jedoch nicht.
„Lass uns einen Kaffee trinken gehen und wie in alten Zeiten in Ruhe den Mittag ausklingen lassen - Außerdem gibt es ein bisschen was zu bereden!“
Ihr zugezwinkert,ließ ich sie los,als sie neben mir lief und wir in grundloses,unbeschwertes Lachen einstimmten - in diesem Moment fühlte ich mich in die Vergangenheit versetzt, damals waren wir regelmäßig zusammen nach der Schule unterwegs gewesen, hatten uns in unser Lieblingskaffee gepflanzt und Neuigkeiten bei einem frischen Eisbecher oder einem warmen Kaffee ausgetauscht - ein Stückchen Verganenheit steckt nunmal doch in jedem Moment der Gegenwart, wenn auch gut verborgen.





Signatur

✝ She always gets what she wants. ✝
There’s a place that I’ve found...
In a garden surrounded by fire and trees.
Through the smoke a silhouette I can barely see.
There’s a man with an axe standing in the rain.
Looked me straight in the eyes. This is what he had to say:
Never fall asleep,you won’t wake up. Destroy the guillotine - Before he does.




Alice ...



...

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...   Erstellt am 25.11.2011 - 20:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Noch immer nicht genug? Bitte sehr.

→ Kapitel 4 - Friends and alibis.


Da ich nun immer mal wieder das Wort Schicksal verwendet habe und vieles auf dessen Rechnung habe setzen lassen, werde ich es nun wieder aufgreifen.
Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass so etwas wie ein vorbestimmter Weg für uns existiert...wieso sonst sollte ich in diesem Moment kleine, verzierte, japanische Essstäbchen in meinen Fingern hin und her drehen, die mich auf die erste Party dieses neuen Lebensabschnitts führen wollten, die Party, auf die mich James erst vor ein paar Tagen angesprochen hatte. Nachdenklich betrachtete ich die schmale Schrift, welche mir verriet, wo man jegliche Gäste, wann erwartete.
„Du bist also auch eingeladen?“, Tia hielt mir ihre Stäbchen entgegen und schien zufrieden mit der Erkenntnis zu sein, dass wir uns wohl sehen würden. „Cool, wird sicher lustig!“
Kurz schweifte mein Blick von den Stäbchen ab, ehe ich sie auf dem Tisch vor mir ablegte.
„Eigentlich kenne ich den Gastgeber ja kaum...“, meine Worte waren ein leises, in Gedanken versunkenes Murmeln, da ich seit einer Weile in die Vergangenheit abdriftete und mich daran zurückerinnerte wie ich den jungen Mann kennengelernt hatte, der mich nun herzlich zu seinem Geburtstag eingeladen hatte.

„Ein Jammer, dass wir nicht einmal in den selben Sportkursen sind.“, seufzte Jessy leise.
Ich nickte geknickt und blickte auf den Zettel, auf dem stand in welchem Kurs ich mich befand - ich kannte weder die Lehrkraft noch wusste ich, wer mir dort alles begegnen würde...vielleicht ja sogar niemand, den ich schon einmal gesehen hatte.
„Vielleicht kann man den Kurs ja noch wechseln.“, murmelte ich und blickte Jessy fraglich an. Gar keine schlechte Idee, ich würde nach dem Unterricht wohl einfach das Sekretariat aufsuchen und mich erkundigen gehen...wurde immerhin Zeit, mal etwas Glück zu haben.
Kaum hatte ich mir diese Idee in den Kopf gesetzt, stand ich, ehe ich mich versah, auch schon wie geplant vor dem Lehrerzimmer und klopfte an.
Ein letztes Mal seufzend auf den Zettel der Sportkurse geblickt, wurde ich an der Schulter angetippt und sah nun in das Gesicht eines anderen Schülers. Er trug ausgefallene Klamotten und einen wirren Haarschnitt.
„Bist du auch hier, weil du den Kurs wechseln möchtest?“, fragte er mich aufgeregt.
Ihm nickend eine Antwort gegeben, warf er neugierig einen Blick auf meinen Zettel und zog seinen nebenbei aus der Hosentasche.
„Kurs 12...“, flüsterte er leise zu sich selbst, dann wurde sein Gesichtsausdruck jedoch von der Aufregung verlassen. Nun blickte er mich grinsend und ganz ungeniert an.
„Wir wollen da wohl alle raus.“, eine Feststellung seinerseits, die ich nicht gleich verstand.
„Ich kenne ein anderes Mädchen, das ebenfalls tauschen möchte.“, klärte er mich auf.
„Oh, okay. Und? Hat sie sich schon darum gekümmert?“
„Ja, aber ihr wurde gesagt, dass es nahezu unmöglich ist zu wechseln...die anderen Kurse sind angeblich bereits überfüllt.“
Und wieder kein Glück - es wäre zu schön gewesen.
Mich bereits darauf eingestellt, dass wir hier bloß unsere Zeit verschwendeten, packte ich meinen Zettel wieder weg.
„Huh? Hast du vor aufzugeben?“, wollte er von mir wissen.
„Ich glaube nicht, dass man bei uns eine Ausnahme machen wird.“, antwortete ich und streckte mich. Als uns dann auch noch mitgeteilt wurde, dass die Kursleiterin heute nicht da war, beschloss ich schließlich zu gehen und mich mit Kurs 12 abzufinden.
„Nunja...ich schätze, wir sehen uns dann nächsten Montag.“, verabschiedete ich mich freundlich von ihm, doch er hatte mich schnell wieder eingeholt.
„Ja, scheint so. Immerhin kenne ich nun schon zwei Personen. Ich bin übrigens Casey - wie heißt du?“, redete er auf mich ein. Für Plappermäuler hatte ich selten Nerven, doch er schien mir ein herzlicher Mensch zu sein, also fiel es mir nicht schwer ihn zu ertragen - ganz im Gegenteil, irgendwie unterhielt mich seine eigene, aufgekratzte Art sogar.
„Suzie, freut mich.“, stellte ich mich ebenfalls vor und schenkte ihm das erste mal ein aufrichtiges Lächeln.
Auf unserem gemeinsamen Weg nach draußen begegneten wir James und Jamie, die wohl ebenfalls gerade auf dem Heimweg waren.
„Hey!“, rief Jamie mir munter zu - auch ihn holte jedes mal nach den Schulstunden die pure Vorfreude darauf ein, keine Minute länger hier bleiben zu müssen.
Casey begrüßte die beiden ebenfalls und schnell durfte ich in Erfahrung bringen, dass er ebenfalls bei ihnen in der Klasse war und James und er sich schon länger kannten.
„Ihr wollt also euren Kurs wechseln?“, stieg James in das Gespräch ein, nachdem Casey ihn mit seiner typischen, hektischen Redensart aufgeklärt hatte.
„In meinen Kurs kommst du sicher noch, Su.“, wand er seine Worte an mich.
Natürlich...sein Kurs war Nummer 7. Einer der Kurse, die ich gleich ausgeschlossen hatte. Wieso? Leichtathletik - für mich ein absolutes No-Go.
„Danke, ich schätze da bin ich mit meinem doch besser bedient.“
Da begab ich mich für den Sportunterricht lieber für das erste Halbjahr in den Schwimmunterricht, bevor ich auf dem Sportplatz herumgehetzt wurde.
Wir liefen ein Stück gemeinsam weiter, ohne dass uns der Gesprächsstoff ausging - mit Casey war das einfach unmöglich. Und genau so hatte ich ihn kennengelernt.
Seit diesem Tag an, gesellte er sich gerne in den Pausen zu uns und verbrachte mit mir auch tapfer die Sportstunden, welche uns aufgezwungen wurden. Doch wir litten nicht alleine, da er Recht behalten hatte - niemand hatte diesen Kurs freiwillig gewählt.

„Du hast doch nicht vor abzusagen, oder? Ich würde mich echt freuen, wenn wir uns dort sehen würden.“, zog mich Tias Stimme zurück in die Gegenwart.
„Ich weiß noch nicht so genau...“, zögerte ich unsicher, doch da sie mich so flehend ansah und ich wusste, dass James und Jamie auch kamen und mich dort sehen wollten, ließ ich mich für meine Zusage breitschlagen. Was hatte ich schon anderes an diesem einen Abend, der noch recht weit in der Zukunft lag, vor?
Und auch nach diesen langatmigen Schulstunden, wartete ich auf Jessy, welche in ihren Händen dieselben Stäbchen herumtrug, wie ich sie heute schon all zu oft erblickt hatte.
Ihr Gesichtsausdruck alleine sprach Bände...


Cut - Jessica Baker (Rückblick)

[Nun, da ihr nun schon so viel von Suzie erfahren durftet, wird es jetzt an der Zeit euch auch einmal auf eine Reise in mein Leben zu entführen. Und genau an dieser Stelle, passt diese Idee wunderbar, da ich einiges über Casey zu erzählen habe! - Glaubt mir, so erträglich ist er nämlich eigentlich gar nicht!]
Wo fange ich am besten an? Wie ich ihn kennenlernen durfte - oder sollte ich sagen, musste? Ja, das dürfte die Geschichte am besten ins Rollen bringen.
Nachdem Casey sich jeden Montag an Suzie heftete und ich Suzies ständige Begleiterin war, lernte ich den aufgedrehten Kauz schnell selbst in einer der vielen Pausen kennen.
„Hey, Su.“, begrüßte ich meine bessere Hälfte fröhlich. Noch immer waren die Pausen für mich Lichtblicke, die es mir ermöglichten Mut zu sammeln und mich für 15 Minuten wohl zu fühlen, bei Leuten mit denen ich mich gerne abgab.
„Hey Jessy, kennst du schon Casey?“, stellte sie mir ihr neues Anhängsel vor, dem ich ein schiefes Lächeln schenkte - zu mehr war ich nicht im Stande.
Der Kerl war mir zwar nicht unsympathisch gewesen, es war aber auch nicht so, dass ich darauf gebrannt hatte, ihn kennenzulernen.
„Freut mich sehr dich kennenzulernen. In welcher Klasse bist du so? Ich hab dich vorher noch nie gesehen.“ - ich nahm ihn anfangs als gesellig auf, was ihm sogar Pluspunkte verlieh, da ich hier nicht viele Menschen treffen durfte, die sich angeregt mit mir unterhielten. Da ich auf seine Themen stets einging, stellte sich schnell heraus, dass wir die selbe Leidenschaft zu teilen schienen - das Zeichnen. Und was bescherte mir das? Noch mehr Gesprächsstoff.
[In den ersten Pausen mit Casey kam ich nicht einmal dazu in Ruhe mit Suzie zu sprechen, was mir schnell an die Nieren ging...und genau in solchen Momenten, in denen er sich mir aufdrängte und mir Dinge erzählte, die ich schon tausendmal gehört hatte, begann er Minuspunkte zu sammeln - doch das schlimmste stand mir am Nachmittag darauf erst noch bevor.]
Ich war nach der Schule nach Hause gekommen, hatte den Fernseher angeschmissen, mir etwas zu Essen besorgt und mir das Telefon geschnappt - ein typischer Tagesablauf eigentlich. Suzies Nummer gewählt, lauschte ich dem monotonen Piep-Ton bis sie endlich abhob. „Ich dachte schon, ich muss hier versauern.“, begrüßte ich sie frech.
„Tut mir Leid...hab das Telefon nicht gleich gefunden. Was gibt‘s?“
„Nichts weiter...ich dachte nur, ich würde dich so mal ganz ohne nervige Mitredner erwischen.“, während ich auf meinem Teller herumstocherte, lief im Hintergrund das leise Gemurmel eines Fernsehsprechers.
„Meinst du Casey? Ich dachte du findest seine Anwesenheit angenehm.“
Normalerweise kannte Suzie mich wie ihre eigene Westentasche...doch gerade schien es so, als würde sie lieber ohne Jacke rumlaufen.
„Ja...ähm...Nein.“, zögerte ich meine ehrliche Antwort heraus.
„Er kann ziemlich anstrengend sein, hm?“ - meiner Meinung nach untertrieb sie es.
„Ich musste ihn nun gerade mal 4 Tage ertragen, sprich; 8 Pausen...und ich sage dir eins, ich habe nie einen anstrengenderen Kerl erlebt. Der kaut einem die Ohren ab, unerträglich. Ich habe genug.“
„Ach, sei nicht so streng mit ihm. Notfalls musst du ihn halt etwas ausbremsen...“
Doch ausbremsen ließ er sich nicht, da war ich mir sicher. Suzie nicht, doch der Beweis wurde ihr schnell geliefert.
„Sag mal Jess, tu mir einen gefallen und schau auf der Schulhomepage, ob in den nächsten Tagen eine weitere Informationveranstaltung anliegt.“, bat Suzie mich und lenkte somit gekonnt vom Thema ab. Alles stehen und liegen gelassen, schleppte ich mich widerwillig an meinen PC.
Noch bevor ich in Ruhe die richtige Seite suchen konnte, sprang mir mein Posteingang aufgeregt entgegen - drei mal dürft ihr raten, wer mich nun auch in meiner Freizeit heimsuchte.
„Das darf nicht wahr sein...“, sprach ich leise und gab mir keine Mühe meine Abneigung zu verbergen. Casey hatte wirklich meine E-Mail Adresse in Erfahrung gebracht und schrieb mir nun am laufenden Band Mails, ob ich antwortete oder nicht.
Nach den ersten beiden Nachrichten, hatte ich keine Lust mehr gehabt und den Rest einfach in den Papierkorb verschoben.
„Casey entpuppt sich als Stalker.“, Suzie lachte jedoch nur über meinen Ärger.
„Su, das ist nicht lustig.“, mahnte ich sie genervt und holte zu einem verbalen Rückschlag aus, da sie es einfach nicht unterlassen konnte, sich über meine Situation lustig zu machen.
„Was läuft eigentlich zwischen dir und James, hm? Ich dachte du erzählst mir immer alles.“, ärgerte ich sie und hatte das Gefühl, dass sie mein breites Grinsen nahezu hören konnte. Natürlich wusste ich, dass zwischen den beiden nichts lief... doch ich wusste auch, dass es sie belastete, dass viele diesem Gerücht trauten - wer auch immer es anführte. „Das ist nicht lustig.“, fuhr sie mich nun an, hörte aber auf mir auf die Nerven zu fallen, somit hatte ich mein Ziel erreicht - Immerhin.
Ich hatte kaum zwei weitere Klicks ausführen können, da fing es schon wieder an zu blinken - Ich schwöre euch, ich denke mir nicht aus, dass der Kerl verrückt ist!
Vor mich her schimpfend, öffnete ich erneut eine Nachricht. Kaum hatte diese sich geöffnet, schrie mir der Inhalt bereits ungehalten entgegen: Wieso ignorierst du meine Nachrichten denn auf einmal? Ich habe gefragt, wie es dir geht...und ich weiß, dass du online bist ,bist du um diese Zeit doch oft, oder? Zumindest meintest du heute, dass du deinen Mittag zuhause verbringst...Nunja, eigentlich wollte ich nach der Schule noch einmal mit dir reden, aber du warst wohl schon weg, also sage ich es dir jetzt, Jessy, da ich es nicht länger für mich behalten kann und möchte. Wir beide, wir passen wunderbar zusammen, das hat die letzte Zeit gezeigt. Obwohl wir uns noch nicht lange kennen, weiß ich, dass ich dich glücklich machen könnte - Ich liebe dich, Jessy. Du bist die eine! - Gib mir eine Chance dir zu beweisen, dass ich auch der eine für dich bin und stell dich darauf ein, dass aus uns mehr als bloß eine Freundschaft wird! - Bis morgen mein Engel.
Die Zeilen ergaben in meinem Kopf keinen Sinn, also las ich sie wieder und wieder bis ich schließlich...laut zu lachen begann, wenn auch teilweise aus Angst.
„Mit was hast du mich da bekannt gemacht?!“, fuhr ich Suzie plötzlich an, ich hatte kurze Zeit völlig vergessen, dass sie noch am Telefon gewesen war. Und als ich ihr erzählte, was sich soeben ereignet hatte, war ihr Schweigen endgültig verloren, jetzt machte sie sich erneut über mich lustig - und über Casey.
[Mal ganz ehrlich Leute...der Kerl kannte mich nicht einmal richtig! Ich hätte eine perverse Massenmörderin sein können, die gerade untergetaucht war und nicht auffallen wollte! ]
Wie ich mit dieser Situation umging? Nun...ich löschte auch diese Mail und sprach in der Schule nicht mehr mit ihm, immer wieder ging ich ihm geschickt aus dem Weg, bis zu dem Tag, als er auch mir eine seiner Einladungen in die Hand drückte...ob ich zusagte? Ja. Wieso? Nun...Suzie und ich waren lange nicht mehr Feiern gewesen. Außerdem wurde erzählt, dass seine Partys immer gelungen gewesen sein sollen! Nur weil ich auf seine Party ging, hieß das ja noch lange nicht, dass ich mich bereit erklärte, seine Freundin zu sein - dachte ich.

Zurück in die Gegenwart mit euch (Suzie Hatcher)

[Nun... da ihr jetzt erfahren durftet, dass weder Jessy noch ich eine klare Absage über die Lippen bringen konnten, gab es für uns keinen Weg mehr zurück.]
„Wieso ziehst du eine Jeans an?“,fragte Jessy mich erschrocken und zog mir die Hose aus der Hand um sie kurz zu betrachten.
„Wir gehen feiern! Sogar ich hab mich in einen kurzen Rock geschmissen,das hier kommt nicht in Frage!“,schimpfte sie mich und gab sich dabei alle Mühe ernstzunehmend zu klingen,doch hörte man den flehenden Unterton heraus.
„Gib mir die Hose wieder,Jess. Ich bleibe dabei, wieso ohne Grund rausputzen?“
„Weil ich es auch getan habe und keine anderen Klamotten mehr in meine Tasche gepasst haben?“,gab sie schlagartig zurück und verzog beleidigt das Gesicht.
Seufzend nahm ich die Jeans wieder an mich und warf nun doch einen nachdenklichen Blick auf meinen Kleiderschrank, was Jessy nicht entging.
„Das karierte, kurze Kleid ist mein Lieblingsstück. Das sieht super aus, zieh doch das an.“
In den Schrank gegriffen,zog ich kurz an dem Stoff des besagten Kleidungsstücks.
„Immer wenn ich dieses Kleid zum ausgehen trage, passiert irgendetwas...“, murrte ich zögernd. Ja,das letzte mal hatte ich damit Dan kennengelernt. Und das in HighSpeed. Davor war auf dem Geburtstag einer meiner besten Freundinnen, ein Kerl auf den Zauber dieses Schmuckstückes reingefallen und mir zu nahe gekommen - viel zu nahe,sodass ich mich sogar dazu entschied die Fluch zu ergreifen. Dabei war es bloß ein einfaches Sommerkleidchen. Schwarz/weiß-Kariert,ohne Träger,eng anliegend und vielleicht hier und dort ein kleinwenig knapp - Daher verzichtete ich nie auf eine dünne Strickjacke und mindestens eine Strumpfhose, die vor zu tiefen Einblicken stützen sollten.
„Du trägst es ja auch immer, wenn ich nicht dabei bin. Ich passe schon auf dich auf,keine Sorge. Also los, sonst kommen wir wirklich noch zu spät.“, Jessy klatschte - stolz über sich und ihre Überredenskünste - kurz in die Hände, während ich mich von ihr herzen ließ und in Windeseile umzog. Zu Highheels griff ich heute jedoch auf keinen Fall, dazu würde auch Jessys Hundeblick mich nicht überreden können - nicht heute.
Nachdem wir das besagte Haus gefunden hatten, empfing uns an der Tür eine freundliche Frau mittleren Alters und wies uns den Weg die Treppe hinauf.
„Bis es nicht mehr weiter hoch geht.“,waren ihre Worte, an die wir uns hielten.
Bereits nach den ersten Treppen, konnte man die Musik vernehmen, die oben wohl gespielt wurde, weiter oben waren bereits die ersten Stimmen wahrzunehmen.
Jessy hatte vor mir den Treppenabsatz erreicht und öffnete vorsichtig die Tür,wie bei einem Auftritt in einem albernen Film, drehten sich alle Köpfe gleichzeitig zu uns um, die Musik wurde ebenfalls leiser - oder hatte ich mir das eingebildet?
„Hey Mädels! Schön, dass ihr da seid!“,eilte uns sogleich Casey entgegen,den ich grinsend musterte. Heute sah er sogar noch eigener aus als sonst und natürlich sprang mir in Gedanken mal wieder seine Mail an Jessy entgegen, die mich nun wohl auf ewig verfolgen würde. Als er sich um etwas zu trinken für uns kümmern wollte,stieß ich Jessy leicht meinen Ellenbogen in die Seite - ich konnte es mir einfach nicht verkneifen.
„Da hat sich heute aber jemand hübsch gemacht.“,ärgerte ich sie lachend, doch wenn ich gewusst hätte, dass ich es zurückbekommen würde, hätte ich es wohl gelassen.
Noch bevor sie mit einem bissiges Kommentar ihren wütenden Gesichtsausdruck unterstreichen konnte, kam ihr ein Fremder zuvor,der neben uns an der Theke mit der Musik kämpfte und uns wohl kurz beobachtet hatte.
„Stimmt,ihr seht wirklich sehr schick aus. Aber sind die Röckchen nicht etwas kurz?“, sein selbstbewusstes, ungehaltenes Grinsen warf mich um ehrlich zu sein für den ersten Moment etwas aus der Bahn, da ich damit nicht gerechnet hatte. Auf meine Schlagfertigkeit musste er fürs erste also verzichten. Jessy schien es nicht anders zu gehen, denn auch sie schwieg.
„Ignoriert ihn einfach,der ist schon den ganzen Abend so drauf.“,schaltete sich ein Mädchen ein, die vor ein paar Wochen noch zu unserer damaligen Parallelklasse gezählt hatte, Marry. „Du auch hier?“, grüßte ich sie herzlich und ließ mich von ihr in den Arm nehmen, Jessy und sie sprachen jedoch kaum ein Wort miteinander, es hatte gerade mal für ein trockenes Hallo gelangt.
„Kla,ich kenne den komischen Vogel seit dem ersten Tag. Immerhin bin ich ebenfalls bei ihm in der Klasse.“, als sie sprach,klang sie motiviert und freundlich,sie schien sich also wirklich gut mit Casey zu verstehen,keine Spur von überbelasteten Nerven...
„Du auch? Wieso bin ich nicht auch bei euch gelandet...ich scheine aus eurer Klasse nahezu alle zu kennen, in meiner sind mir bis auf 3 alle völlig fremd.“, jammerte ich seufzend, obwohl ich zugeben musste,dass ich auch in meiner Klasse wirklich gut klar kam und gespannt war wie es wohl weitergehen würde.
„Suzie! Du bist ja wirklich da, sehr gut.“,sprang mich Tia beim passenden Stichwort aufgedreht an. „Ich hatte doch zugesagt.“, versicherte ich ihr schief lächelnd und stellte sie den Mädchen vor.
Nach und nach füllte dich der Raum, größtenteils mit Leuten,die Jessy und ich noch nicht einmal gesehen hatten, doch so war das auf den meisten guten Partys.
Nahezu als letztes fanden sich auch James und Jamie ein und stellten sich mit frischen Getränken zu uns, nachdem sie alle ihnen bekannten Gesichter begrüßt hatten.
„Nette Outfits.“,lobte James uns grinsend,ich musste über seinen Kommentar und den passenden Gesichtsausdruck herzlich lachen...Männer, im Grunde waren sie alle gleich.
„Das ist ja wirklich unglaublich...den Rock zieh ich nie wieder an.“, Jessys Reaktion unterschied sich völlig von meiner. Sie schien es mittlerweile ernsthaft zu störe immer wieder auf die mangelnde Lände ihres Rockes aufmerksam gemacht zu werden und begann immer wieder verkrampft an ihm herum zu zupfen. Doch auch dieses mal brachte Casey bei ihr das Fass zum überlaufen.
„Wo hast du diese Beine versteckt Jessy? Das kann sich sehen lassen!“, waren seine Worte,als er mir und ihr ein kaltes Bier reichte.
[An dieser Stelle möchte ich erwähnen,dass ich wirklich versucht habe nicht zu lachen...und die Jungs auch, aber es ging einfach nicht anders! Oder hättet ihr euch beherrschen können?]
Nachdem Jessy kurz durchgeatmet hatte und man ihr ansah,dass sie ihre Wut heruntergeschluckt hatte,drehte sie sich elegant von ihm weg und deutete in die Ecke des Raumes auf eine kleine,gemütlich wirkende Couch. „Setzen wir uns!“, und schon stampfte sie voraus. Die Couch war auf schwarzem Leder und bot gerade so Platz für uns vier, wenn man sie genauer betrachtete hätte man meinen können, dass sie die junge Tochter einer luxuriöseren Ausgabe war und erst noch groß und stark werden musste.
„Casey scheint sich seiner Sache ziemlich sicher zu sein,hm?“, wagte sich James übermütig in die Höhle des Löwen und beugte sich etwas nach vorne um Jessy anblicken zu können, doch um ihm zu signalisieren, dass das wirklich keine gute Idee war, drückte ich mein Bein leicht gegen seines, da ich neben ihm saß, sodass er seinen Blick an mich wendete und kurz verstummte. Jessy war das nicht aufgefallen. Sie saß zu meiner Linken, ihre Arme waren trotzig verschränkt, auf der anderen Seite von ihr saß Jamie, der noch immer belustigt drein schaute.
„Woher weißt du davon?“,wollte sie von James wissen und fixierte Casey am anderen Ende des Raumes mit warnendem Blick. Ohne auf mein Signal geachtet zu haben,plapperte James amüsiert und bereitwillig weiter.
„Ach komm schon, dass er sicher ist, dass du es auch auf ihn abgesehen hasst weiß doch mittlerweile dank ihm der halbe Jahrgang.“, noch bevor James ausgesprochen hatte,entschied ich mich mein Signal zu verschärfen - irgendwie musste ich ihn ja retten - und stieß mit meinem Bein nun gegen seins,als er dann jedoch seine hand auf meinem Oberschenkel platzierte und mich verwundert anschaute,gab ich völlig auf.
„Alles okay?“,fragte er ohne auch nur zu ahnen,was er da verzapft hatte. Ich antwortete nicht auf seine Frage, wartete bloß auf Jessys Explosion und legte seufzend die Hand an meine Stirn. „So schwer von begriff kann man doch gar nicht sein.“,rutschte es mir leise über die Lippen, dann war Jessy dran.
„Ich lege ihn um,wenn ich auch nur einmal gefragt werde ob oder wie lange ich schon mit ihm zusammen bin!“,nun klang sie sogar noch verärgerter.
„Oh...“,fiel es James nun wie Schuppen von den Augen,doch wand er sich diesmal an mich nicht an Jessy. „Das...hätte ich wohl besser für mich behalten?“,worauf ich entschieden nickte,aber jetzt war es sowieso zu spät. Nun konnte man bloß noch beobachten,wie die Stimmung weiter belastet wurde und alles von Minute zu Minute drohte schlimmer zu werden.
„Jessy,schau ihn nicht so wütend an. Ignorier ihn einfach und lass uns einen schönen Tag haben,ja?“,versuchte ich es noch einmal, vergebens. Jessy hatte stur gestellt und wand den Blick nicht von ihm ab - ein Fehler.
Zwar ist mir bis heute nicht ganz klar,was er an ihrer Haltung nicht deuten oder gar falsch verstehen konnte - doch er tat es und spielte erneut mit dem Feuer.
„Wieso sitzt ihr hier so alleine? Macht ruhig etwas Stimmung!“,rief er uns zu und steuerte auf die ohnehin viel zu überfüllte Couch zu. Ganz ungeniert stand er vor Jessy und Jamie und warf sich lachend zwischen die beiden,sodass Jamie weggedrängt wurde.
Verdutzt warf er James und mir einen Blick zu,zuckte dann jedoch mit den Schultern und verzog sich - jetzt hatte Casey eindeutig einen Feind mehr gewonnen.
Bei seiner Aktion,war James näher zu mir gerutscht und nahm die Hand dabei von meinem Oberschenkel weg,um mir den Arm völlig um die Schultern zu legen. was das für mich bedeutete? Nichts, oder sollte es? Wie gesagt, wir waren gute Freunde, da konnte man jawohl auch einmal etwas enger nebeneinander sitzen.
Vielleicht machte ich mir darüber aber auch bloß keinerlei Gedanken und ging nicht dagegen an,weil mir die gespannten Blicke der anderen nicht auffielen, die bloß darauf zu warteten schienen bis wir mit der Sprache herausrückten und uns als Paar outeten.
Und auch Casey fasste diese unauffällige Bewegung von James als zierlichen Anmachversuch auf und tat es ihm gleich indem er sich streckte und seinen Arm stolz um Jessys Schultern platzierte - nun konnte es erst richtig losgehen.
Mein Blick traf Jessys,der überrumpelt wenige Sekunden auf Caseys Hand geruht hatte,dann schlug sie diese weg,als wäre sie irgendein ekliges Insekt, welches an ihrer Schulter nichts zu suchen hatte.
„Was fällt dir ein,verzieh dich endlich du Nervensäge!“,fuhr sie ihn nun an und packte in diese Worte nahezu all ihre Abneigung. Man warf den beiden fragliche Blicke zu,dann griff Jessy meine Hand. „Ich muss auf die Toilette,nimm deine Tasche mit und komm!“
Ich hatte gerade so den Henkel meiner Tasche greifen können,da wurde ich auch schon mitgezogen, ab ins Badezimmer. Hinter mir warf Jessy lautstark die Tür zu.
Ich blickte kurz zurück,lies meine Tasche dann auf den Boden sinken und setzte mich auf einen kleinen Absatz,der die geöffnete Dusche umringte.
„Ich nehme an,wir sind nicht hier weil du Hilfe brauchst?“
Jessy deutete auf meine Tasche,ich reichte sie ihr.
„Der Kerl ist echt die Höhe.“,schimpfte sie weiterhin vor sich her und zog eine Flasche Wodka aus meiner Tasche. Wieso ich Wodka in der Tasche hatte? Wir hatten noch etwas von der letzten Party übrig gehabt und für den Notfall, hatte Jessy gesagt, bräuchten wir etwas als Motivationsspritzte. Wahrscheinlich hatte sie geahnt, wie es laufen würde.
Einen großzügigen Schluck genommen,reichte sie mir das durchsichtige Gift und auch ich zimperte nicht herum. Nach einer ruhigen Aussprache fühlte Jessy sich sichtlich besser,sie saß Locker auf dem geschlossenen Toilettendeckel und packte die Flasche gerade weg,als ich mich im Ton vergriff.
„Vielleicht magst du ihn ja irgendwann wirklich, also reg dich nicht auf.“, eigentlich hatte ich meine Aussage nicht böse gemeint,doch bei ihr war sie wohl so angekommen.
„Was soll das denn jetzt heißen?!“,fuhr sie mich an und fiel wieder in das vorherige Muster zurück. „Vielleicht mag James dich ja auch mehr als du glaubst und ihr seid das nächste Pärchen!“, ich seufzte tief und wollte mich gerade bei ihr entschuldigen,als sie aufsprang und das Bad verließ, ich folgte ihr schweigend.
„Oh La La,kann ich das nächste mal auch mitkommen?“,fing uns ein Kerl ab. Er sah nicht schlecht aus,war jedoch weder Jessys noch mein Typ.
„Ähm,nein?“,bekam auch er die volle Breitseite ihrer Laune ab.
Während Jessy sich um ihr nächstes Bier kümmerte und sich einen Moment alleine an die Theke begab,lief ich zu James zurück,bei dem auch Jamie wieder saß.
„Was habt ihr so lange da drin getrieben?“,wollten die beiden wissen,ich winkte lediglich ab. Es war besser,wenn wir das für uns behielten.
Mich auf die Armlehne gesetzt,sah ich die beiden gelangweilt an - irgendwie fand die Party nicht den richtigen Schwung.
„Komm mal her.“,forderte James mich lächelnd auf,als er bemerkte wie ich enttäuscht in die müde wirkende Menge blickte.
Mich dazu überreden lassen aufzustehen,schlich ich wieder an seine Seite und stützte den Kopf in den Hände ab,welche wiederum auf meinen Beinen lagen.
„Wir hätten eine eigene Party schmeissen sollen. Wäre wesentlich amüsanter gewesen.“,fing nun auch Jamie an zu jammern, ich hatte in mit meiner Laune wohl angesteckt. Als ich bemerkte,die James Finger über meinen Rücken streichelten, kribbelte meine Haut unter der Berührung leicht, sodass ich mich wegdrehte. „Lass das, das kitzelt.“
Jessy hatte ich auch wieder zu uns gesellt und nippte an ihrem Bier.
„Macht mal Platz.“, und schon saßen wir wieder eng aneinander gepresst in einer Ecke,in der man sich einen guten überblick schaffen konnte. Wir vertrieben uns die Zeit damit Leute zu analysieren,uns über die ein oder anderer Kleidungsauswahl lustig zu machen und ein wenig die Musik mit zu summen. Bis ich mich dazu entschied mich kurz zu Tia zu gesellen, die ich seit wir angekommen waren nicht mehr gesprochen hatte.
Ohne ein weiteres Wort stand ich also auf und lief den Raum nach ihr ab. Sie saß mit ein paar anderen Leuten zusammen auf einem anderen Sofa,welches um einiges mehr Platz zu bieten schien. Die kleine Rothaarige - Jenna, war ihr Name - aus meiner Klasse war auch zu meiner Überraschung auch hier und grüßte mich sogleich grinsend,als sie mich erblickte. Ohne mich großartig in ihre Gespräch einzuklinken,setzte ich mich zu Tia auf das Sofa und platzierte meinen Kopf auf ihren Beinen. Meine Beine warf ich über die Armlehne. Schnell erhaschte ich die Namen der anderen, die bei uns saßen und konnte mit ihnen über jegliche belanglose Themen sprechen, bis ein - meiner Meinung nach - bereits viel zu durchgekautes Thema Jennas Lippen verließ.
„Suzie? Sag mal...hast du wirklich keine Gefühle für James?“,meine Augenbrauen zogen sich zusammen,mein Blick wirkte abweisend.
„Nein,natürlich nicht. Meint ihr etwa man kann nicht einfach nur mit einem Jungen befreundet sein?“,stellte ich ihnen als Gegenfrage,worauf Tia die Schultern zuckte und Jenna kurz wegsah,ohne das ich darauf achtete wohin genau.
„Ich glaube ja,er hat sich in dich verguckt. Immerhin schaut er andauernd zu dir rüber und auf Kuschel-Kurs geht ihr schließlich auch.“,ich konnte es wirklich nicht mehr hören,also verdrehte ich bloß die Augen und entschied mich einfach dafür nicht mehr auf das Thema einzugehen, irgendwann würde es ihnen sicher langweilig werden - oder?
Doch ich musste zugeben,dass ich mich heimlich dabei erwischte,wie ich prüfte ob sie Recht hatte und somit zu James und den anderen hinübersah und siehe da,unsere Blicke trafen sich. Sicher alles bloß Zufall,redete ich mir gut zu und schüttelte leise lachend über mich selbst den Kopf.
„Sicher kommt er auch gleich rüber.“,setzte Jenna noch einen oben drauf - zu schade,dass sie wieder recht behielt.
Es verflogen nicht viele weitere Minuten,da kam James zu uns rüber trottete und tippte meine Beine an,da er sich zu uns setzten wollte und ich meine Beine dazu mindestens kurz anziehen musste,was ich jedoch nicht tat.
„Ich will mich setzen.“,informierte er mich kurz und blieb wartend vor mir stehen.
„Ich will so liegen bleiben.“,gab ich zurück und musste dabei wohl ziemlich trotzig geklungen haben, obwohl das ganz sicher nicht gewollt war...das Thema James lag mir einfach mal wieder etwas zu schwer im Magen.
Anstatt locker zu lassen und sich einen anderen Platz zu suchen,beugte er sich zu mir vor und stützte sich mit einem Arm auf der Rückenlehne ab.
Sein Gesicht war bloß wenige Zentimeter von meinem entfernt,seine Stimme war leise.
„Was ist los? Ist was vorgefallen?“,hakte er, fürsorglich wie er war, nach.
Doch wieder zeigte ich ihm die kalte Schulter,schüttelte kurz den Kopf und wich seinem Blick aus - nun gab er doch seufzend auf und suchte das Weite.
Die Mädchen hatten so getan, als hätten sie gar nicht bemerkt,dass er sich zu uns gesellt hatte,gaben diese Rollen jedoch auf, als er außer Reichweite war.
„Ich sag es ja! was hat er dir zugeflüstert?“,überfielen sie mich neugierig mit fragen und zwangen mich so doch dazu aufzustehen.
„Ladys, ich hol mir was zu trinken.“,wimmelte ich sie rücksichtslos ab und schenkte ihnen bloß noch ein letztes Grinsen,welches sie interpretierten wie sie wollen.
Ich hatte mitbekommen,dass es nichts brachte mich vor ihnen zu rechtfertigen, also gab ich auf. Wozu weitere Worte an das Thema verschwenden?
Mich ohne Gesellschaft auf einen Hocker an die Bar gesetzt, warf ich dem DJ einen Blick zu, der den Kerl darstelle, der uns bereits zu Anfang frech angesprochen hatte.
„Was kann ich für dich tun meine Liebe?“, sprach er mich an und wartete auf eine Antwort,während er nebenbei mit dem Laptop beschäftigt war.
„Du könntest mir einen Kaugummi anbieten,falls du welche bei dir hast.“
Irgendwie musste ich den giftigen Wodkageschmack loswerden,sonst war ich bloß dazu verführt erneut danach zu greifen - jetzt hatte auch ich einen Grund. Ich wollte das James-Thema endgültig loswerden.Während er in seinen Hosentaschen kramte,sah er mich grinsend an. „Wieso sitzt du hier eigentlich so alleine und nicht bei deinem Freund?“
Mir wurde klar,dass ein Kaugummi mir nicht half das Thema aus meinen Gedanken zu verbannen,da jeder darauf rumritt und die Aussagen langsam Knospen bildeten.
Ich verzog das Gesicht,schob seine Hand,in der sich der Kaugummi befand weg und stand auf. „Jessy? Ich muss mal!“ - und schon war sie sichtlich erfreut bereit mir auf die Tiolette zu folgen,natürlich mit meiner Tasche im Schlepptau.
So ergatterten wir, nach unserem zweiten gemeinsamen Besuch auf dem stillen Örtchen, auch hier, unter den Menschen,die wir nicht kannten, den Stempel als wirklich unzertrennlich und vielleicht auch als etwas...anders.
Langsam fing sogar der Alkohol an in unser Blut zu rasen und zog uns aus unserer bedrückten Stimmung auf höhere Flüge - ab in die Unbeschwertheit.
Doch gab es für mich da in den Folgen des Abends noch etwas zu klären, James war mir strickt aus dem weg gegangen, was mir alles andere als gefiel - ich stritt nicht gerne mit ihm. Zumindest nicht, wenn ich die Schuld für seine gedrückte Stimmung zu 100% auf mich nehmen musste, also passte ich ihn ab, als er kurz alleine an einem Tisch stand.
Ihn von hinten umarmt - ganz egal, wer nun wieder darauf schwor etwas zu sehen, was nicht existierte - ,sah ich unschuldig zu ihm hinauf.
„Ich hab‘s nicht so gemeint.“,entschuldigte ich mich kleinlaut.
[Wenn ich in etwas wirklich schlecht war,dann im entschuldigen...]
„Schon okay.“,schob er das Thema jedoch unbeeindruckt auf die Seite und sah mich dabei nicht einmal an. Männer konnten ja solche Zicken sein!
Die Augen unauffällig verdreht,schlich ich mich an seine Seite,sodass er mich ansehen musste. „Hatte nichts mit dir zu tun - die Party ist doof.“, suchte ich mir eine passende Notlüge aus, welche sogar zu ziehen schien. Er warf seinen Arm um meine Schulter und lehnte seinen Kopf an meinen.
„Wie gesagt, schon okay.“, mit diesem schon okay konnte ich leben, da es bei weitem zufriedener und glaubhafter klang, also beließ ich es dabei.
Meine Arme noch immer um ihn geschlungen,unterdrückte ich ein schläfriges Gähnen und vergrub meinen Kopf schließlich an seiner Schulter,bis jemand in ein Mikrofon sprach und ich aus reiner Neugier aufblickte.
Casey hatte also die Idee gehabt hier etwas Schwung reinzubringen - hörte sich wunderbar an. An der Umsetzung jedoch haperte es gewaltig,da er sich wohl Party-Spiele ausgedacht hatte,die an einen Kindergeburtstag erinnerten.
„Suzie! Ich muss mal.“, ertönte mein Stichwort und schon verdünnisierten wir uns erneut.
Lachend schlossen wir die Tür hinter uns ab und kamen so zu unserer dritten Sitzung zusammen. Jessy schien nahezu bester Laune - da sollte noch mal jemand sagen Alkohol war böse! Während wir die Glasflasche herumreichten, quatschten wir uns in Ruhe aus und ließen uns von den Stimmen und dem Lachen der anderen nicht irritieren.
„Su...ohne es böse zu meine oder so - was ist mit dir und James?“,erkundigte Jessy sich vorsichtig. Jessy war die einzige,die das Recht hatte mich darauf anzusprechen ohne eine motzige Antwort zu erhalten,also holte ich tief Luft um ihr eine solche zu schenken.
„Keine Ahnung...das Gerede der anderen stimmt mich einfach vorsichtig.“
Jessy nickte verständnisvoll und nahm den nächsten Schluck ohne das Gesicht zu verziehen. „Ich hab dir von Anfang an gesagt,pass auf. Du weiß, ich halte immer zu dir, aber ich bin als deine beste Freundin auch dazu verpflichtet ehrlich zu dir zu sein und ich sage dir was,er ist in dich verliebt. Schon länger.“
„Wie kommst du darauf? Hat er etwas gesagt?“, wollte ich wissen, Jessy schüttelte den Kopf. „Nicht direkt. Aber wie er dich ansieht und anfasst... außerdem muss er nichts genaueres sagen, er redet generell genug über dich.“
Ich wollte gerade etwas erwidern,als von draußen plötzlich unsere Namen ertönten.
„Suzie und Jessica - Kommt sofort daraus,sonst gibt es beim nächsten Spiel kein Entkommen!“, brüllte man ins Mikrofon, dann ertönte Gelächter. Doch wer hätte es gedacht, die Drohung zog.
Wir gesellten uns also wieder zu den anderen und saßen nun mit mehreren zusammen auf der größeren Couch. Mal wieder hatte ich mich zu James gesetzt. Jessy saß bei Tia und unterhielt sich einen Moment lang mit ihr über Casey, da Jessy nicht oft genug über ihre Probleme sprechen konnte und die anderen ihre Wort aufsaugten,als wären sie überlebensnotwendig, was ihr natürlich gefiel. Außerdem witterte sie die Chance einiges klarzustellen. Durch das gemütliche Sitzen und die ruhige Musik,die zur Abwechslung gespielt wurde erzielte der Alkohol, der durch meine Venen raste, die Wirkung,dass ich unheimlich müde wurde. Mich also an James gelehnt,der mich schneller wieder im Arm hielt als ich gucken konnte,schloss ich für einen Moment die Augen und öffnete sie erst wieder, als ich spürte wie seine Finger über mein Bein streichelten.
Die Müdigkeit war vielleicht keine gute Folge des Wodkas, doch ich hatte durch ihn erreicht,dass ich mir keine Gedanken mehr darüber machte, was andere dachten oder sahen. Also wimmelte ich James nicht ab. Sein Atem streifte meinen Nacken,als ich mich streckte und ich weiß nicht mehr ganz genau wer wirklich Schuld daran trug, - entweder hatte ich mich wirklich ungünstig bewegt, oder er hatte es herausgefordert - auf jeden Fall rutschte seine Hand ein mutiges Stück zu weit mein Bein hinauf, unter den leichten Stoff meines Kleides. Ich begegnete seinem Blick und erkannte keinerlei Zögern in diesem.
Als ich ihn ohne Worte in seine Schranken wies und meine Beine wegzog, lachte er mir herausfordernd ins Ohr und gab mir einen Kuss auf die Stirn, als ich meinen Kopf erneut in seine Richtung neigte.
„Wartet‘s nur ab!“,rissen Jessys Worte uns aus der Zweisamkeit. Ich blickte irritiert auf und sah gerade noch wie Jessy aufgesprungen war und sich zu dem Kerl setzte, den sie früher am Abend vor dem Bad noch angefahren hatte. Schnell war zu erkennen,dass sie Casey eine auswischen wollte und sich daher an den Kerl ranschmiss.
Ihr Plan ging auf, von der bar aus beobachtete der arme Casey das Schauspiel geknickt und als er meinen Blick bemerkte winkte er mich zu sich.
„Jetzt darf ich mir was anhören...“,murmelte ich leise und stand auf um mich zu ihm zu begeben. „Sag mal...Jessy hat doch nichts mit Rey am Start,oder?“,fragte er mich beinahe panisch,worauf hin ich unwissend zu den beiden hinüberschaute.
„Noch nicht.“,antwortete ich knapp und merkte wir drei Kerle mich musterten,sie mussten Freunde des DJs gewesen sein.
„Das langt,der kann sich was anhören.“,und weg war Casey. Er nahm sich Rey zur Seite und verließ kurz mit ihm den Raum,was Jenny sichtlich amüsierte. Ob ich mich um rey sorgte? Nein,Casey gehörte keineswegs zu der Sorte Kerlen,die ihre Fäuste sprechen lassen würden...gegen Rey hätte er ohnehin keine Chance.
„Nicht dein Freund,ja? Darf ich also auch ein wenig mit dir kuscheln?“,ich hatte im Grunde bloß auf ein Kommentar des DJs gewartet, jedoch war mir nicht bewusst gewesen, dass man uns eben beobachtet hatte. Mein Gesichtsausdruck musste ihn jedoch mächtig verunsichert haben, da er plötzlich einen Rückzieher machte.
„Ich kuschel nur mit echten Kerlen.“,nun konnte er meine Schlagfertigkeit doch noch kosten und auf meine Worte folgte das laute Gelächter seiner Kumpels, als ich zurück zu den anderen ging. James richtete sich auf, als ich mich wieder zu ihm setzte und mich zu ihm beugte. Meine Lippen hielten an seinem Ohr.
„Behalte die Finger lieber bei dir.“,forderte ich locker und lehnte mich dann wieder gemütlich zurück. „Schüchtern,hm?“,nun wurde auch er frech,lehnte sich ebenfalls zurück und zog mich näher an sich heran.
Sein Gesicht in meinem Haaren vergraben,traf ich Jennas stolzen Blick, der mich nun doch wieder verunsicherte.

Lasst ich euch eines versichern...ich war wahrscheinlich noch nie so froh gewesen von einer Party abgeholt worden zu sein. Doch als Jessy mich aufforderte mit ihr zu gehen, sah ich ihre Worte als Rettungsring an und stand schwungvoll auf.
Mich mit einem freundlichen Winken von den Gästen verabschiedet und mich von James ein letztes mal für diesen Abend in den Arm nehmen lassen,zog ich meine Jacke über und begab mich in Richtung Ausgang.
Eines musste jedoch noch erledigt werden - sein Blick wollte es nicht anders.
Ich gab Jessy einen Stubser und lief zur Bar herüber,die Jungs sahen und erwartungsvoll an,als ich mich vorbeugte einen Stift griff und meine Nummer auf einem Bierdeckel notierte. Jessy den Stift hingehalten,spielte sie bereitwillig mit - dann verzogen wir uns.
Als wir die Treppe hinab stiegen,sah ich zu ihr hinter.
„Hast du ihnen deine richtige Nummer dagelassen?“,wollte ich wissen.
„Spinnst du? Natürlich nicht. Du etwa?“ - „Sicher nicht.“, dann ertönte unser Lachen den Flur. Draußen begegneten wir Rey und Casey,von denen wir und kurz verabschiedeten - zumindest galten meine Worte beiden,Jessys jedoch waren wohl nur an Rey gerichtet.
Was mir den restlichen Abend durch den Kopf ging?
Wieso fühlte ich mich plötzlich so ungewohnt wohl in James Gegenwart? Und wieso vermisste ich ihn plötzlich, obwohl ich wusste, dass ich ihn in der Schule jeden tag zu Gesicht bekam?



[Dieser Beitrag wurde am 25.11.2011 - 21:32 von Alice aktualisiert]





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...   Erstellt am 25.11.2011 - 21:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


→ Kapitel 5 - My second part?


Suzie Hatcher

Nachdem sich also zu den leeren Wodkaflaschen in unserem kleinen Versteck eine weitere vom Vorabend dazugesellt hatte, war das nächste das ich wahr nahm das laute Klingeln meines Handys. Verschlafen öffnete ich die Augen und blinzelte durch mein Zimmer, welches bereits von Sonnenlicht geflutet wurde. War heute nicht Sonntag? Hatte ich vergessen meinen Wecker abzustellen? Doch noch bevor ich mir länger Gedanken machen konnte, war mein Handy wieder verstummt. Mich durch die Kissen gewühlt, suchte ich das kleine Monster, das mich unsanft aus dem Traumland gerissen hatte.
Kaum hatte ich es in die Finger bekommen, blinkte mir James Namen auf dem Display entgegen und lies mich das Gesicht fraglich verziehen:
Guten Morgen mein Schatz, gut geschlafen? Ich hatte keine Lust mich bis Montag zu gedulden und dachte mir, ich melde mich jetzt schon einmal bei dir. Hast du heute schon was vor? Wir könnten was unternehmen.
Mal ganz davon abgesehen, dass mich bereits das vierte Wort mächtig verwunderte, hatte ich generell dank der verkorksten Party meinen Standpunkt in Sachen James vergessen.
Da konnte nur eine Person helfen. Bevor ich mich also ans Antworten machte, sprang ich im Schlafanzug aus dem Bett, lief aus meinem Zimmer und klaute mir ohne ein Wort zu verlieren unser Telefon. „Guten Morgen.“, vernahm ich die Stimme meiner Mutter, die mit meiner kleinen Schwerster an Frühstückstisch saß. Beide sahen mich neugierig an - man sah nahezu wie ihnen die Frage auf den Lippen brannte, wie es gestern Abend so war und was ich nun vorhatte. Ich ignorierte diese Vermutung jedoch, zwang mich zu einem flüchtigen Morgen und verschwand dann auch schon wieder hinter meiner Zimmertür.
Jessys Nummer eingetippt und mich wieder auf mein Bett fallen lassen, lauschte ich dem monotonen Tuten und hoffte, sie würde bereits wach sein und abheben.
„Hmm?“, grummelte sie zu meiner Überraschung ins Telefon, als ich auflegen wollte.
„Ahh, du bist also wach, wunderbar!“, begrüßte ich sie freudig, steckte sie mit meiner Laune jedoch nicht an. „Jetzt bin ich es...was ist los? Es ist erst 11 Uhr.“
Jessy war eine Langschläferin durch und durch, wenn man sie weckte konnte man davon ausgehen, dass man ihr den Tag über bloß mit schlechter Laune begegnete.
„Tut mir leid...ich brauche deinen Rat.“
„Ich hoffe sehr, dass es wirklich wichtig ist...also?“
„Wie war das doch gleich mit dem Daten von guten Freunden?“, rang ich mich leise zu der Frage vor und wartete ihre Reaktion ab.
„Moment!“, jetzt klang sie plötzlich hellwach. „Wer datet hier wen?“
„Niemand datet irgendjemanden.“, wich ich ihr seufzend aus und hielt in meiner freien Hand den Grund für meinen Anruf. Gar so, also würde ich vermuten, dass ich mir seine SMS eingebildet hatte, überflog ich die Zeilen noch einmal.
„Lüg mich nicht an! Was ist passiert?“, Jessy würde sich jetzt wohl kaum mehr abschütteln lassen, also konnte ich auch fortfahren.
„Eigentlich ist es ja kein Date. Ich frage nur für den Notfall - falls es in weiter Zukunft mal soweit kommen sollte...“, setzte ich wieder zu sprechen an, doch sie unterbrach mich ungeduldig. „Es geht um James.“, stellte sie trocken fest.
„Er will was unternehmen.“ - „Heute? Nach eurem Kuschelkurs der Extraklasse? Viel Spaß.“, die Ironie in ihrer Stimme verpasste mir nahezu eine Ohrfeige.
„Aber vorher waren wir doch auch oft unterwegs.“, verteidigte ich James und drehte mich nachdenklich auf die Seite. „Wieso rufst du mich dann an, um dir einen Rat zu holen?“
Sie hatte Recht...Wieso? Ich beantwortete ihre Frage mit einem tiefen Seufzen.
„Verstoße niemals gegen die wichtigste aller Regeln!“
Diese Worte ließen mich nachdenken. Lebensregeln? Da vielen mir spontan bloß zwei ein:
Kein Sex mit dem Ex! - Das konnte sie jedoch nicht meinen, immerhin hatte ich vorher nie etwas mit James gehabt.
Habe niemals ungeschützten Geschlechtsverkehr! - Ob sie das meinte? Ich hoffte nicht.
„Welche meinst du?“, gab ich also schließlich auf und wartete gespannt ab, was sie zu sagen hatte. „Die beste Freundin muss immer bestens informiert sein!“
Ich musste lachen. Ein erleichtertes Lachen. Wenn es bloß das war...kein Problem.
„Daran halte ich mich sowieso.“, versicherte ich ihr.
„Ich will es hoffen, meine Liebe. Und jetzt mach dich fertig und schnapp dir, was dir gut tut.“ Im ersten Moment fiel mir nicht ein, was ich dazu sagen sollte, also widersprach ich nicht. „Ich ruf dich heute Abend an.“, verabschiedete ich mich von ihr und legte sogleich auf, um mich bei James zu melden und mit ihm abzusprechen, dass wir uns in wenigen Stunden in der Stadt treffen würden.

Als ich aus der Bahn stieg, zog ich meine Jacke enger um mich. Dafür, dass die Sonne schien, war es eindeutig viel zu frisch... Den schmalen Bahnhofsweg entlang geschlendert, biss ich mir unschlüssig auf der Unterlippe herum. Wieso fühlte sich das so komisch an? Es kam mir fast so vor, als würde ich jemanden treffen, den ich vorher noch nie alleine gesehen hatte. Eindeutig kein gutes Zeichen.
Bereits nach der Hälfte der Strecke, erblickte ich James. Lächelnd kam er mir entgegen gerlaufen und nahm mich zur Begrüßung etwas zu lange in den Arm.
„Freut mich, dass du Zeit hast.“, seine Stimme klang munter und keineswegs verunsichert. Nickend machte ich mich mit ihm auf den Weg durch die Straßen und stieg in alte Muster zurück. Wir begannen schnell wieder warm miteinander zu werden, sodass sich das mulmige Gefühl in mir legte und ich wie gewohnt mit ihm umgehen konnte...anfangs zumindest.

→ Unterdessen bei Jessica Baker.

Während Suzie sich also schick machte, bewegte ich mich erst langsam aus dem Bett und schlenderte mit zerzaustem Haar und müdem Blick in die Küche, um mir einen Kaffee zu machen. Meine Eltern waren arbeiten, meine Schwester mit dem Hund draußen - was für mich bedeutete, dass ich einen Moment der Ruhe genießen und langsam wach werden konnte. Mich an den Küchentisch gesetzt und die warme Tasse mit dem heißen Inhalt mit beiden Händen umschlossen, erinnerte ich mich an die Zeit zurück in der wir James kennengelernt haben. Bereits als ich ihn das erste mal mit Suzie hatte sprechen sehen, war mir klar gewesen, dass die beiden zueinander finden würden. Oder zumindest, dass er heimliches Interesse für Suzie hegte.
Stolz darüber, dass ich Recht behalten hatte, stand ich grinsend auf und bewegte mich mit meinem Kaffee in der Hand zurück nach oben in mein Zimmer.
Wenn ich nun ohnehin bereits wach war, konnte ich auch meinen PC anschmeissen und auf die Schnelle meine Mails checken. Ohne eine böse Vorahnung gehabt zu haben, fiel mir mein Schicksal in den Rücken...wie ein paar Tage zuvor schon einmal.
In meinem Posteingang wartete eine Nachricht von Rey auf mich:
Du bist wirklich unglaublich...wieso hast du dich gestern Abend so aufgeregt, wenn du nun doch die Freundin von Casey spielst? Dir ist klar, dass ich mir umsonst den restlichen Abend seine Vorwürfe anhören durfte? Frauen...
„Seine Freundin?!“, stieß ich laut und wütend aus und hatte gar nicht bemerkt, dass meine Schwester hinter mir im Türrahmen stand und nun erschrocken zusammenfuhr.
„Wer ist wessen Freundin?“, wollte sie von mir wissen, ich kam jedoch nicht zu einer Antwort...wenn ich das nun erklären musste, würde ich explodieren.
„Spätestens morgen in der Schule ist er tot!“, fuhr ich meinen PC an und machte mich bereit Casey eine letzte Mail zu schreiben, in der ich all meinen Frust hemmungslos auslassen konnte...und wollte: [Folgender Inhalt ist leider nicht für Leser unter 18 Jahren geeignet.]
„Lass dir das eine Lehre gewesen sein und sprich bloß nie wieder mit mir!“

→ Back to Suzie Hatcher

Mit einem Kaffee in der Hand schlenderte ich durch einen gemütlichen Laden an vollen Bücherregalen vorbei. Hier und dort blieb ein Blick an einem auffallenden Titel hängen.
„Willst du was kaufen?“, nahm ich plötzlich James Stimme hinter mir wahr und merkte, wie seine Hände meine Hüften vorsichtig hinauf schlichen und mich leicht an sich drückten. Sein Atem streifte meinen Nacken, mein Blick war nervös auf das Regal gerichtet. Immer wenn ich über James und mich als Pärchen nachdachte, baute sich in mir automatisch eine gewisse Abwehr auf...wir waren gute Freunde - so etwas setzte man nicht aufs Spiel! Wieso ich nicht davon ausging, dass es mit ihm ernst sein und mich glücklich machen könnte? Nun, wie bereits erwähnt. Ich war noch nie wirklich verliebt gewesen [Im Nachhinein ist man immer schlauer.] und eigentlich glaubte ich auch nicht an das mysteriöse Gefühl, dass Menschen aus heiterem Himmel durchdrehen ließ.
Den Kopf geschüttelt, machte ich ein paar Schritte auf die Seite und befreite mich somit aus der sanften Nähe ohne ihn anzusehen. Seufzend schob er die Hände in die Hosentaschen, ich spürte wie er mich nachdenklich ansah, doch nippte ich bloß gespielt nichts ahnend an meinem warmen Kaffee. Ohne großartig weitere Worte zu verlieren, verließen wir den Laden wieder - und schon war die anfängliche Unsicherheit zurückgekehrt. Doch schien sie diesmal nicht bloß mich überfallen zu haben.
Mittlerweile war es etwas wärmer geworden und in der schmalen Einkaufsstraße tummelten sich immer mehr Leute, die das Ende ihres Wochenendes genießen wollten.
„Weißt du...“, setzte James leise zu reden an und zwang mich so, kurz zu ihm hinüber zu sehen, doch diesmal sah er mich nicht an. „...es gibt da so ein Mädchen...ich glaube, sie würde perfekt zu mir und meinem Leben passen und mich ein wenig aus meinem Alltagstrott herausziehen.“, wir steuerten auf eine Bank zu, während ich ihm gezwungen zuhörte und mir für den Notfall einen Fluchtweg zusammenbraute. Als wir kurz vor der Bank anhielten, stieg ich auf den breiten Holzbalken, der die Sitzfläche darstellen sollte und missbrauchte anstatt diesen die Kante der Rückenlehne als Sitzplatz. James Stimme war in meinen Gedanken fast völlig untergegangen, erst als er mich direkt ansprach, blickte ich wieder auf: „Hörst du mir überhaupt zu?“, nun klang er sogar etwas beleidigt.
„Natürlich höre ich dir zu!“, entgegnete ich ihm sogleich und ließ ihn nicht mehr zu Wort kommen, da ich die Feigheit siegen ließ und mich vor einer möglichen, weiteren Beziehungskrise retten wollte: „...du brauchst einfach eine Freundin. Wer ist denn das Mädchen, an das du denkst? Sicher eine aus dem Training, hm?“, ich wusste, dass ich ihm den Mut nehmen konnte mich zu nennen, wenn ich ihm klarmachte, dass ich eigentlich nicht auf der Suche nach einer Beziehung war und ihn einfach auf ein anderes Mädchen schubste. Zufällig war mir auch bekannt, dass er mit seinen Jungs in den Ferien gerne einmal seiner Leidenschaft, dem Sport, nachging und sie dazu für ein paar Wochen zusammen in eine Art Trainingslager fuhren, um ihr Hobby zu teilen und einen drauf zu machen - und letztes Jahr waren die Herren nicht unter sich geblieben. Frauen waren bei Männern nunmal genauso ein Gesprächsthema, wie andersrum.
„Ähm...nein, eigentlich kommt von denen keine in Frage. Du hast mir doch nicht zugehört.“
Wie Recht er doch hatte...doch das würde ich mir jetzt sicher nicht anmerken lassen, erstrecht nicht jetzt, wo er mir mehr und mehr zu denken gab.
„Ich glaube ja eine von ihnen wäre perfekt. Ich meine...das selbe Hobby habt ihr dann immerhin auf jeden Fall. Außerdem würdet ihr zusammen ins Trainingslager fahren.“
Ob ich auch nur eine Minute daran gedacht hatte, dass es dämlich war, ihn auf eine andere scharf zu machen, weil ich ihn genauso hätte wollen können, wie er mich? Nein, wie ihr seht habe ich das nicht. „Geh sie doch in Gedanken einfach noch einmal in Ruhe durch. Es ist sicher eine dabei, die dir gefallen könnte - der du auch gefällst.“
Ich für meinen Teil ging in meinem Plan vollsten auf und lächelte ihn aufbauend an, doch leider schien ich ihn wenig überzeugen zu können, da er sich dicht vor mich stellte und meine freie Hand griff. Grinsend schüttelte er den Kopf und fuhr mit den Fingern langsam über die warme Haut meiner Handfläche. Und obwohl in meinem Kopf bereits die Alarmglocken angesprungen waren, blieb ich ruhig sitzen und gab mir alle Mühe locker zu wirken. „Nein, wohl kaum. Ich weiß, dass ich keine von ihnen will.“
Als er seinen Kopf anhob und mich direkt anschaute, sagte keiner von uns etwas. Ich für meinen Teil wagte mich kaum zu atmen und schluckte schwer. Was machte ich hier?
Und vor allem...was machte er hier? Verfolgten Männer nicht die Regel, dass man die Finger von guten Freundinnen lassen sollte?

→ Schauen wir vorerst noch einmal bei Jessica Baker vorbei.

Ich war trotzig und vor mich her schimpfend ins Bad gelaufen und hatte mich zu einer kühlen Dusche entschlossen. Meinem PC wollte ich von nun an auf ewig den Rücken kehren, das Teil schubste mich immer und immer wieder ins Verderben!
Mich viel zu lange im Bad aufgehalten und meine Schwester immer wieder von der Tür weggescheucht, kam ich frisch und putzmunter erst gefühlte Stunden wieder hervor.
„Ich muss auch duschen! Ich hab dir gesagt, dass ich weg wollte...wegen dir komm ich viel zu spät!“, meckerte Julie mich beleidigt an, ich streckte ihr jedoch bloß uninteressiert die Zunge raus. Die Idee zu Duschen hatte mich zwar wieder in einen zivilisiert aussehenden Menschen verwandelt, doch meine Wut hatte ich nicht abwaschen können.
Seufzend war ich zurück in mein Zimmer gegangen und ließ mich aufs Bett fallen. Zu gerne hätte ich nun Suzie angerufen, doch die hatte im Moment besseres zu tun, als sich meine Laune anzuhören...und wo ich mit den Gedanken schon bei Suzie war...wie es ihr wohl erging? Ob James bereits zugegeben hatte, dass er sie auserkoren hatte?
Noch bevor ich länger hatte darüber nachdenken können, leuchtete mein Bildschirm auf. Wer meldete sich denn nun? Ich rechnete mit dem Schlimmsten, zog ein Kissen an mich heran und vergrub meinen Kopf darin, um einen lauten Schrei loszulassen, den niemand anderes zu Ohren bekommen sollte. Doch es half ja alles nichts...also zwang ich mich dazu aufzustehen und nachzusehen, wer es wagte meine Nerven zu strapazieren.
Allerdings war das, was ich sah das Letzte, womit ich gerechnet hatte... jemand ganz anderes hatte sich bei mir bemerkbar machen wollen - zu meiner Freude.
Das erste, was mir auf dem Bild seiner Seite einer Online Community aufgefallen war, waren seine unverwechselbaren, gepflegten Haare. Na, wisst ihr, um wen es sich handelt? Ganz genau, der nette Herr in den ich blind links reingerannt war.
„Hey. Bist du nicht die Kleine, die unachtsam Menschen umrennt? Wir gehen, wie es aussieht, auf die selbe Schule, hoffentlich sehen wir uns noch mal - würde mich wirklich freuen. Außerdem scheinst du einen netten Musikgeschmack zu haben, ich hab mich auf deiner Seite ein wenig umgeschaut.“
Ich konnte mich genau an das Gefühl erinnern, das er in mir ausgelöst hatte, als sich unsere Blick das erste mal getroffen hatte...und selbst wenn ich vergessen hätte, wie es sich angefühlt hatte, mit der Tatsache, dass er sich wohl hatte bei mir melden wollen und ich genauso Eindruck auf ihn hinterlassen hatte, wie er auf mich, rief beinahe alles wieder auf. Natürlich hätte es mich viel eher beeindruckt, noch einmal seine Stimme zu hören und ihn lächeln zu sehen...doch fürs erste langte mir diese Geste. Jetzt war meine Wut vergessen - völlig. Und es schien so, als würde nicht nur Suzie bald glücklich werden!

→ Doch so einfach sollte Suzie Hatcher es nicht haben.

Noch bevor James mir zu nahe kommen konnte, hatte ich meine Hand weggezogen.
„Nun...wie du meinst. Ich finde trotzdem, du solltest einem dieser Mädchen die Chance lassen, sich dir zu beweisen.“, irritiert über meine Worte verzog James das Gesicht und als ich aufstand und meinen Becher leerte, schien ich ihn nicht glücklicher zu machen.
„Ich glaube, ich nehme die nächste Bahn. Ich muss Zuhause noch ein bisschen was erledigen, aber es war wirklich schön dich heute zu sehen.“
Ein munteres Lächeln aufgesetzt, nahm ich ihn kurzer Hand schwach in den Arm und wand mich zur Flucht um. „Und denk dran, du kannst dich immer bei mir melden. Ich bin jeder Zeit für dich da, ja?“, doch brachte er nicht mehr als ein überfordertes Ähm über die Lippen und sah mir ungläubig nach. Kaum hatte ich ihm den Rücken zugedreht, fiel mir das Lächeln aus dem Gesicht. Hatte ich da gerade wirklich James stehen lassen, weil ich davon ausging, dass er unsere Freundschaft ins Unglück stützen wollte? Herrje.
Der Rest des Tages verlief viel zu langsam. Es kam mir vor, als würde die Zeit gegen mich arbeiten und einfach nicht vergehen wollen, nur damit ich mehr und mehr Gedanken an meine Gefühlslage verschwendete. Auch bei Jessy meldete ich mich nicht mehr, doch zu meiner Verwunderung ließ auch sie nichts von sich hören. Vielleicht war es jedoch besser so... immerhin musste ich so nicht den ganzen Mittag in Form einer ausführlichen Erzählung Revue passieren lassen. Es genügte schon, dass ich ihr alles am nächsten Morgen in der Schule erzählen durfte. Zur Überraschung von uns beiden kam ich jedoch nicht mit meiner ach so spannenden Story durch, da uns jemand in die Quere kam.

„Kaum zu glauben, dass ihr auf einmal ausgeht...“, sprach Jessy grinsend und ließ mich seufzen. Wie recht sie doch hatte, ich glaubte es auch kaum.
„Und das schlimmste ist, dass ich nun anfange deinen Worten zu glauben.“
„Welche Worte genau meinst du?“, wollte sie wissen, doch wurde ich unterbrochen, als ich zur Antwort Luft holte.
„Jessy?“, sprach sie eine männliche Stimme an, die mir bloß flüchtig bekannt kam. Doch das Gesicht dazu erkannte sich sofort. Mr. Redhead? Was wollte der denn?
Doch mein verwunderter Gesichtsausdruck wurde bei weitem von Jessys übertroffen, die sich überrascht umgedreht hatte und ihn nun verträumt und überfordert zugleich anblickte. Was hatte der Kerl mit ihr gemacht? Nicht alles, dass sie anfing zu sabbern.
„Ja?“, antwortete sie mit viel zu hoher Stimme und wand den Blick gar nicht mehr von ihm ab. Höflich lächelnd zog er einen Stick aus seiner Hosentasche und hielt ihn ihr entgegen.
„Das dürfte dir gefallen. Ein bisschen Musik, die deinem Geschmack entsprechen sollte.“
Moment...! Woher kannte er ihren Musikgeschmack? Und wieso machte er sich überhaupt die Mühe? Hatte ich etwas verpasst? Mein Mund klappte gleichzeitig mit Jessys auf - jedoch aus einem wohl anderen Grund.
„Danke, ich höre mal rein und gebe dir den Stick morgen wieder.“, er nickte und verschwand dann auch so schnell wieder, wie er erschienen war.
„Jessy? Was sollte das denn? Musst du mir was erzählen?“, doch leider war keines meiner Wörter zu ihr durchgedrungen, noch immer starte sie ihm benebelt nach.
„Er ist perfekt!“
Meine Hand angehoben winkte ich mit dieser vor ihrem Gesicht herum.
„Erde an Jessy? So toll ist er gar nicht, was hat er dir eingepflanzt?“
„Nichts. Er hat sich bloß gestern bei mir gemeldet.“, erst jetzt sah sie mich wieder an und grinste stolz. Wie ein Kind, dass gerade von seinen neuen Geburtstagsgeschenken erzählte. „Einfach so?“, das war wirklich eine Überraschung. Nun sah auch ich in die Richtung, in die er gegangen war. Ihn bekam ich jedoch nicht mehr unter die Augen.
„Ja, einfach so!“, erneut eine Aussage puren Stolzes. Es schien ganz so, als könnte sie nun nichts mehr erschüttern - doch ich irrte.
„Guten Morgen Ladys.“, hallte uns unerwartet Caseys Stimme entgegen. Und schon rutschte Jessy der Stolz aus dem Gesicht.
„Verzieh dich du Vollidiot!“, holte sie zum ersten verbalen Schlag aus.
„Huh? Was ist los?“ - „Was los ist?! Du nervst mich halb zu Tode, das ist los!“
Caseys Blick wich zu mir herüber und suchte Schutz, ich jedoch drehte mich schnell weg und sah daher James auf mich zukommen...das war genau so schlecht, also ließ ich den Blick auf meine Füße sinken. So konnte ich keine unangenehmen Situationen erblicken.
„Wieso erzählst du, dass ich deine Freundin bin? Als würde ich mit jemandem wie dir zusammen sein wollen! Was auch immer du nimmst, nimm weniger davon!“
Und damit war für sie alles gesagt und Casey schien vor allen Leuten, die in unserer Nähe standen blamiert, da Jessy sich nicht die Mühe gemacht hatte leise zu sprechen.
„Wieder Ehekrieg, hm?“, mischte sich James mutig ein, als er neben mir angekommen war.
„Ehekrieg?! Von wegen! Bekomm du erstmal selbst auf die Reihe, was du willst...dann misch dich in meine Angelegenheiten ein, die dich aber eigentlich ohnehin nichts angehen!“, bekam er nun das Nachbeben ab, und als ich aufblicken wollte hatte Jessy mich bereits am Arm gepackt und mitgezogen.
„Kaum zu glauben...“, schimpfte sie vor sich hin, als wir die Treppe zu unseren Klassenräumen hinauf stiegen.
„Der wird schon sehen, wessen Freundin ich bald bin!“, jetzt musste ich lachen. Jessy schien sich ihrer Sache ziemlich sicher. Hoffentlich fiel sie nicht auf die Nase, denn wie sagte man so schön? Hochmut kommt vor dem Fall.
„Weißt du was wir dieses Wochenende machen, Su? Wir gehen feiern.“
„Schon wieder Alkohol? Das überlebe ich nicht Jessy.“
„Kein Alkohol Dummerchen. In der Stadt steigt ne kleine Feier. Da treten unbekannte Bands auf. Unteranderem von Leuten unserer Schule. Da gehen viele hin...und wir auch.“
„Was heißt viele? Mr. Redhead auch?“, natürlich. Woher sonst sollte diese Idee stammen?
„Klar kommt er auch. Und du nimmst James mit! Er freut sich sicher.“, mir zugezwinkert ließ sie mich los und begab sich auf den Weg in ihre Klasse.
Ich sollte James mitnehmen? Natürlich...hatte sie mir überhaupt zugehört? Ich war geflüchtet bevor er anständig hatte zu Wort kommen können. Außerdem wollte ich nichts von James...oder?





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...   Erstellt am 25.11.2011 - 22:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 6 - Can I take you home?

Suzie Hatcher

„Ich glaube, du solltest dich langsam wieder auf den Weg machen.“
Mein Blick wanderte auf den Boden, meine Arme hatte ich verkrampft verschränkt.
„Ich hab alle Zeit der Welt.“, sprach James vorsichtig und ließ seinen Blick auf mir ruhen.
„Aber es fängt an zu regnen.“, stellte ich als Widerspruch auf. Ich wollte, dass er wieder ging! Ich hatte eindeutig einen riesigen Fehler gemacht...und wenn er jetzt so schnell wieder verschwand, wie er aufgetaucht war, konnte ich die leise Hoffnung hegen, dass ich es nicht noch schlimmer machen würde. Doch er bewegte sich nicht einen Millimeter.
„Alles in Ordnung, wirklich. Ich hab ohnehin nichts mehr zu sagen.“ - Geredet hatte ich genug für heute. Zumindest mit ihm. „Wie du meinst.“, ergriff er erst nach einem weiteren Moment der Stille und zuckte mit den Schultern. Langsam begriff er wohl, dass ich ihn genau so ernsthaft wieder loswerden wollte, wie ich ihn am Anfang des Abends hatte hier haben wollen. Den silbernen Ständer seines Fahrrads weggeschoben, schenkte er mir einen letzten eindringlichen Blick, den ich zögernd erwiderte. Und als er mich so anschaute und ich über Jessys Worte nachdachte,handelte ich das erste mal für heute ohne zu zögern - Hatte mich doch bloß jemand aufgehalten...
[Lasst mich an dieser Stelle eingreifen, um Suzies Stolz zu verteidigen...! Für gewöhnlich verhält sich Suzie Hatcher nicht so wieder an diesem Abend - ganz sicher nicht! Suzie würde niemals auf die Idee kommen, jemanden von sich aus zu küssen...wie es sich für ein braves Mädchen gehört, wartet sie stets den ersten Schritt des Jungen in diese Richtung ab...Doch wie wir alle wissen: Sag niemals nie - denn gerade hatte sie es doch getan...]
Als ich meine Hand von seiner Wange zurück zog und einen Schritt nach hinten trat, damit er losfahren konnte, machte es jedoch kurz den Anschein, als wolle er doch nicht gehen.
Überrumpelt sah er mich an, schüttelte dann jedoch grinsend leicht den Kopf und warf mir ein ermutigendes Lächeln zu, als ich ihm signalisierte sich nun endlich auf den Weg zu machen. „Bis dann. Pass auf dich auf.“, waren seine leisen Abschiedsworte,dann verschwand er auf dem bloß leicht beleuchteten Weg. Ich hatte mich dazu gezwungen sein Lächeln zu erwidern und nickte auf seine Worte kaum merklich. Und noch ehe er um die erste Kurve gebogen war und ich ihn nicht mehr sehen konnte, rutschte mir das Lächelnd völlig aus dem Gesicht. Was zur Hölle hatte ich da bitte gerade getan?!
Die kleinen Regentropfen fingen bereits an meine dünne Jacke zu durchweichen, als ich mich entschied Jessy zu suchen und den Abend zu beenden,doch nicht ich fand sie - sie fand mich. „Su, wie ist es gelaufen? Ich stand vorhin an der kleinen Brücke hinter dem Gebäude und konnte euch kurz sehen. Das hat wirklich eine halbe Ewigkeit gedauert!“
Ich winkte jedoch bloß ab und lief an ihr vorbei, zurück in das Gebäude aus dem laute Musik dröhnte und holte meine Tasche, um mich auf den Heimweg zu machen...
Wie ich hier gelandet war? Deprimiert und gedemütigt? Okay, weil ihr es seid werde ich diesen Teil der Geschichte dort anfangen, wo ich es zu Beginn der Seite bereits hätte tun sollen...

„Kein Alkohol Mädels, verstanden? Und ihr seid spätestens um 24 Uhr wieder Zuhause.“
Die Stimme meiner Mutter drang streng durch das Auto zu uns hinter, ich verzog auf ihre Worte jedoch bloß albern das Gesicht und brachte Jessy so zum Lachen.
„Hey! Das ist mein voller Ernst!“, verschärfte sie ihre Worte und warf uns durch den Rückspiegel einen warnenden Blick zu. „Okay, Mum.“, beschwichtigte ich sie seufzend und öffnete als der Wagen hielt sogleich die Tür, um auszusteigen.
Sie erwiderte meine Worte mit einem weiteren tiefen Seufzer, sagte aber nichts mehr und ließ uns somit ziehen. Grinsend lief ich um das Auto herum und begab mich mit Jessy den Weg entlang, der in eine kleine Halle führte wo heute verschiedene, unbekannte Bands des Umkreises auftraten und muntere Zuhörer sich einen netten Abend machen wollten.
„Hast du mit James gesprochen?“,wollte Jessy wissen, als wir durch die Eingangstür den abgedunkelten Raum betraten.
„Nein, ich hab dir doch gesagt, dass ich nicht will, dass er kommt.“ - Lüge.
„Doch, tust du. Ich kenne dich, Suzie. Und ich kenne den Blick mit dem ihr euch schon die ganze Schulwoche in den Pausen anschaut. Zwischen euch beiden knistert es, das sieht selbst ein Blinder.“ - Wahrheit.
„Selbst wenn...heute Abend will ich nichts von ihm hören. Lass uns einfach einen drauf machen,wir waren lange nicht mehr unbeschwert feiern.“ - Zwei Lügen auf einen Schlag.
„Ruf ihn an. Sofort. Notfalls tue ich es! Er sucht ununterbrochen deine Nähe...und hättest du dich nicht so quer gestellt, hätte er dir das bereits alles selbst gesagt. Du hast ihn total entmutigt...jetzt wartet er, bis du auf ihn zugehst.“ - „...Ob ich es überhaupt tue...Nicht bis ich es tue.“, Jessy schenkte mir einen genervten Blick und öffnete gerade den Mund zum sprechen,als Oliver sie jedoch unterbrach. „Hey ihr beiden, heute auch hier? Cool!“
Erleichtert ließ ich mich von Oliver zur Begrüßung in den Arm nehmen und versuchte mit alle Mühe ein Gespräch mit ihm aufzubauen, damit er bloß nicht gleich wieder verschwand und Jessy keine Chance hatte ihren Willen durchzusetzen...lange konnte ich nämlich nicht standhalten. Ich wusste, dass sie Recht hatte. Und um ehrlich zu sein, ging mir James ohnehin nicht mehr aus dem Kopf.
„Ich muss hinter die Bühne. Immerhin treten Josh und ich heute auch auf.“, die Zeit verflog viel zu schnell und zu meinem Unglück hatten mein Smalltalk Oliver nicht vom Gehen abhalten können...und Jessy war obendrein aufgefallen, was ich vorhatte.
Sich vor mir aufgebaut, stemmte sie streng die Hände in die Hüften.
„Ruf ihn an und sprich mit ihm. Stehe dazu, dass du dich in James verliebt hast und gib ihm eine Chance! Er will doch selbst nichts anderes.“, ging ihr Vortrag weiter.
Wer oder was konnte mich jetzt noch retten? Ich musste auf ein Wunder hoffen...welch ein Glück, kam dieses gerade die Tür hinein.
„Schau mal, da ist dein Mr. Redhead.“ - lenkte ich gekonnt vom Thema ab und schon hatte Jessy den Faden verloren und sah sich neugierig um.
„Nenn ihn nicht so, er heißt Patrick!“, ihre Stimme war leiser geworden, gar so als dachte sie er könne uns vielleicht hören, was mich sichtlich amüsierte.
„Okay,ich mach es dir vor! Ich werde jetzt da rüber gehen und ihn ansprechen! Und wenn ich es geschafft habe meine Mut zusammen zu nehmen, tust du das gefälligst auch!“
Die Wette gefiel mir. Bis heute hatte sie sich nicht einmal getraut ihm den Stick zurück zu geben,da sie immer der Meinung war keinen angemessenen Zeitpunkt zu finden um auf ihn zuzugehen. „Abgemacht.“, ging ich zufrieden grinsend darauf ein und zuckte lässig mit den Schultern. „Gut, dann mal los! Bringen wir es hinter uns!“
Für einen kurzen Moment hatte sie mich überzeugt und leicht ins Schwitzen gebracht...wie sie so vor mir stand, ihre Haare ein letztes mal richtete und tief Luft holte bevor sie los lief.
Ich stand in sicherer Entfernung und wartete nervös darauf,dass sie doch umdrehte und kniff...damit würde sie mich zumindest retten. Und wofür waren beste Freundinnen da, wenn nicht unteranderem fürs Retten der besseren Hälfte?
„Hey, Suzie!“, sprang mich plötzlich aus dem Nichts Julie, Jessicas kleine Schwester, an und nahm mich fröhlich in den Arm. „Wo ist Jess?“, wollte sie wissen und folgte dem dem Blick meinem Finger, der in ihre Richtung deutete. Noch immer schlich Jessy unauffällig in der Nähe von Patrick herum, doch als ihr auffiel,dass wir sie beobachteten wollte sie wohl wirklich ernst machen. Sie ballte die Hände zu Fäusten und fixierte ihr Opfer wie eine Raubkatze auf der Jagt. Ihre Schritte beschleunigten sich und es schien so,als könne sie nichts von ihrem Ziel ablenken - doch mit dieser Annahme irrten wir.
Als sich ein blondes Mädchen vor ihr an Patricks Seite schlich und ihn offenherzig ansprach, legte Jessy eine unelegante 180° Drehung hin und machte sich feige und entmutigt aus dem Staub. „Hoffnungsloser Fall.“,lachte Julie schadenfroh und schüttelte den Kopf. Ich für meinen teil vergaß das lachen und dankte der schlanken Blondine innerlich. „Ich geh zu ihr, viel spaß noch heute Abend kleines.“, kaum hatte ich Jessy ausfindig gemacht traf mich ein völlig von Selbstzweifel überfallener Blick.
„Diese blöde Kuh! Was fällt ihr ein...? Ich hätte es wirklich fast getan!“, jammerte sie betroffen. Nun ging es mir nicht mehr um unsere kleine Wette, jetzt tat sie mir lediglich Leid. Schweigend setzte ich mich zu ihr auf die Bank am Rand des Saals und streichelte ihr kurz aufbauend über den Oberarm. „Okay...ich mach den ersten Schritt.“
Wieso ich nun nachgab? Auf der einen Seite wusste ich,dass es Jessy Mut machen würde...und auf der anderen musste ich zugeben,dass mir danach war James zu sehen und mit ihm über meine möglichen Gefühle zu sprechen bevor eine andere ihn mir wegschnappte. Mein Handy aus der Hosentasche gezogen, suchte ich bereits nach seiner Nummer, während Jessy mich bloß überrascht ansah.
„Wenn du mich fragst, solltest du dich auch etwas ins Zeug legen. Von nichts kommt nichts.“, und schon hatte ich die Nummer gefunden und klingelte mein Unglück seufzend an. Was ich ihm sagen wollte? Ich hatte nicht die geringste Ahnung.
Während mich die Erkenntnis einholte, dass nicht nur Jessy mich hatte vor einer Blamage retten können,sondern auch James selbst indem er - wie gerade der Fall - nicht abhob, wanderte Jessys Blick nachdenklich durch den Raum.
Mein Handy wieder in die Hosentasche geschoben,hob ich die Schultern an.
„Scheint unterwegs zu sein.“, auf der einen Seite stellte es mich zufrieden...doch irgendwie...ärgerte ich mich auch darüber. Jetzt wo ich wirklich diesen Schritt gewagt hätte, gab er mir nicht die Chance dazu - das Timing war wirklich erbärmlich.
„Kerle sind das letzte. Und jetzt? Ist der Abend schon gelaufen bevor er angefangen hat?“
Ohne etwas zu antworten suchte ich nach einer möglichen Rettung...und wieder stach mir Patrick ins Auge. Er stand alleine an der Bühne und lauschte den ersten Klängen der ersten Band des Abends. „Geh zu ihm. Noch ist er alleine, und diesmal...beeil dich.“
Jessy auf die Beine gezogen,schubste ich sie sacht in seine Richtung...und siehe da,sie lief wirklich vor und diesmal erwischte sie ihn auch. Zufrieden grinsend beobachtete ich das Geschehen und spürte wie sich Neid in mir aufbaute. Nicht,weil ich es ihr nicht gönnte...lediglich, weil ich mir jetzt - wo sich mir die Chance heute Abend nicht mehr zu bieten schien - nichts mehr wünschte, als Jessys Rat doch durchzuziehen und ehrlich mit James über uns zu sprechen... So wie es im Moment lief konnte es immerhin auch nicht weiter gehen. Man merkte stets,dass etwas zwischen uns in der Luft lag und wir gingen ganz anders miteinander um, als ich es eigentlich gewohnt war...und obwohl es anders war. Gefiel es mir. Ich wollte nicht, dass mir die Chance von meiner ersten glücklichen Beziehung davon lief. „Su?“, nahm ich Marrys Stimme wahr. Als ich mich schwungvoll umdrehte, sah ich direkt in ihr freundliches Gesicht und grüße sie herzlich.
„Bist du nicht mit James hier? Ich dachte ihr seid in letzter Zeit nur noch zusammen aufzufinden.“ - es wäre doch zu schön gewesen, aber so war es wohl nicht.
„Ach, unsinn.“,gab ich leise lachend zurück und vernahm plötzlich das Klingeln meines Handys. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr etwas unbedingt durchziehen wollt und es nicht funktioniert...doch wenn sich euch auf einmal doch die Möglichkeit dazu bietet,würdet ihr doch am liebsten kneifen? Nein? Tja...zu schade,sonst wüsstet ihr wie ich mich fühlte als ich James Namen auf dem Display meines Handys erkannte. „Ich...muss da ran.“, entschuldigte ich mich bei Marry und hob schweren Herzens ab. „Hallo?“
„Suzie? Hey. Du hattest mich angerufen...ich hab mein handy nicht gehört, sorry. Was gibt‘s denn?“, wollte er fröhlich klingend wissen. Jetzt oder nie. Meine Augen zusammengekniffen und mir nervös durchs Haar gefahren, legte ich mir im Kopf passende Worte zusammen, die nur angestrengt meine Lippen verließen.
„Ja, ich...wollte mit dir reden. Es ist wichtig...glaube ich.“
„Ähm...jetzt? Am Telefon?“, er hörte sich unsicher an. Doch meine Unsicherheit übertraf seine mit Leichtigkeit. Ich rannte in mein Verderben...in unser Verderben.
„Jetzt wäre perfekt. Allerdings...ist es am Telefon etwas ungünstig.“
Verlangte ich gerade,dass er hier vorbei kam? Nein,das konnte ich wohl kaum.
„Wo bist du? Soll ich vorbei kommen? Hier liegen schon alle im Bett...ich schnapp mir mein Fahrrad und fahre schnell zu dir rüber, wenn du möchtest.“
„Das...musst du nicht. Ich bin auch gar nicht Zuhause. Ich bin mit Jessy unterwegs. Auf der Feier, von der wir in der Schule geredet haben. Erinnerst du dich? In der Stadthalle.“
„Okay,schon verstanden. Ich komm kurz rüber.“ - „Nein,schon okay!“
Und schon hatte er leise lachend aufgelegt und ich starrte ungläubig auf den hell erleuchteten Bildschirm. Kam er wirklich vorbei? Und wenn ja, was sollte ich sagen?
„Ich hab es gepackt! Puuuh! Und wir haben uns ganz nett unterhalten...ich bin zwar geflüchtet,als Schweigen eingebrochen ist,weil ich es nicht ertragen konnte aber...immerhin. Wenn das mal nicht mindestens ein klein wenig Eindruck gemacht hat.“
Jessy hatte sich von hinten an mich heran geschlichen und grinste mich nun stolz an.
Von ihren Selbstzweifeln keine Spur mehr...welche Macht Männer doch haben konnten.
Sie schief angegrinst versteckte ich mein Handy hinter meinem Rücken und stand verkrampft vor ihr,was ihr jedoch erst auf den zweiten Blick aufzufallen schien.
„Alles okay? Hat James noch mal angerufen? Oder was hast du hinter dir in der Hand?“
„N-Nichts! Ich...also...eigentlich...Naja.“, stammelte ich kleinlaut vor mich her.
„Su...komm schon. Raus mit der Sprache!“
„Wir haben nur kurz telefoniert. Aber er kommt nicht vorbei.“
„Was? Wieso nicht? Hast du ihn nicht darum gebeten?“
„Nein, wozu auch? Es ist spät und außerdem...“
„Gib mir dein Handy du feiges Huhn!“,unterbrach sie mich ungeniert und streckte ruckartig die Arme aus, um mir mein Handy zu entreissen. „Lass das!“, forderte ich und schlug abwehrend ihre Arme weg, dadurch bekam sie jedoch die Hand zu greifen in der sich mein Telefon befand. „Alleine scheinst du es ja nicht auf die Reihe zu bekommen!“
„Doch, ich hab es doch versucht, aber das kann ich nicht verlangen. Ich rede wann anders mit ihm!“ - „Von wegen! Jetzt hab ich dich endlich soweit, da musst du es auch jetzt tun...morgen streitest du wieder alles ab und ich kann mit meinen Reden von vorne anfangen!“, schimpfte sie verärgert. Und kaum hatte ich einen Moment nicht richtig aufgepasst, hatte sie mein Handy in ihren Griffen. „Ha!“
„Su?“, erneut ertönte Marrys Stimme hinter mir, ich signalisierte ihr jedoch, dass ich gerade nicht konnte. „...Was macht James draußen?“, bei diesen Worten hielten Jessy und ich jedoch plötzlich in unserer Rangelei inne und drehten unsere Köpfe gleichzeitig zu ihr hinter. „James ist hier?“, fragte ich sie erschrocken und merkte, wie sich die pure Panik in meiner Magengegend durch leichte Magenkrämpfe breit machte.
„Guter Junge!“, stieß Jessy glücklich aus und warf mir mein Handy wieder zu.
„Und jetzt raus mit dir, tu was du tun musst. Ich zähle auf dich. Und keine Panik...alles wird gut. Ich verspreche es dir meine Liebe.“, sie nahm mich aufbauend in den Arm und schickte mich dann erneut raus in die Dunkelheit.
Es dauerte einen Moment bis ich mir vor der Halle einen Überblick geschaffen hatte...überall standen Jugendliche. Sie tranken, kifften, lachten, brüllten...
Und als ich gerade wieder reingehen wollte,weil ich dachte, dass Marry sich geirrt haben musste traf mein Blick James‘.
Mir auf die Unterlippe gebissen, sah ich ein, dass es kein Entkommen mehr gab und lief zu ihm hinüber. Ob ich auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht hatte, was ich ihm sagen wollte? Nein, und genau das würde sich gleich bemerkbar machen.
„Du hättest nicht kommen müssen...“, ergriff ich das Wort unsicher noch bevor ich vor ihm stand. James sah mich an und zuckte gleichgültig mit den Schultern: „Ich weiß.“
Meinen Blick gesenkt, suchte ich bereits jetzt nach Worten,die den Anfang machen sollten.
Genau aus diesem Grund machte ich so etwas nicht...dazu hatte ich nicht die Eier in der Hose. Zwar war ich eine Frau und wunderbar im Reden, doch mit der Gefühlsduselei hatte ich es nicht so. Die Freiheit offen und ehrlich über meine Gefühle zu sprechen hatte ich als Kind eindeutig nicht mit Löffeln gefressen...
„Es hat sich wichtig angehört...also? Was ist los, Su?“
„Also...ich...Ich bin nicht gut in so was. Und eigentlich hab ich auch nicht darüber nachgedacht,was genau ich dir sagen wollte. Das war...mehr eine spontan Aktion.“, verrannte ich mich in Worte, während er sich an sein Fahrrad lehnte und mich geduldig anblickte. „Zwischen uns hat sich einiges geändert...zumindest werde ich das Gefühl nicht los und...ich hab dich wirklich sehr gerne.“, nach diesem Satz hielt ich inne und holte tief Luft, mein Blick hing noch immer am Boden.
„Und wer weiß...vielleicht könnte das mit uns...“, und wieder kam ich nicht gleich weiter.
„Ja?“,hakte er nach einem Moment nach. Doch anstatt weiter zu sprechen, sah ich ihn an und verzog ratlos das Gesicht, was ihn auf eine seltsame Art und Weise zu unterhalten schien. Anstatt weiter nachzufragen griff er meine Hand und zog mich in den Arm.
„So kenn ich dich gar nicht. Sonst stellst du dich nicht so an.“
„Ja, mach dich noch lustig über mich. Streu richtig Salz in die Wunde, darauf steh ich.“
„Ich mache mich nicht lustig über dich. Ich versuche dir nur zu vermitteln,dass es keinen Grund gibt, dass du so um Worte rangst.“, seufzend vergrub ich mein Gesicht an seiner Brust und atmete ruhig bis ich mich etwas entspannt hatte.
„Okay, also...was ich dir sagen wollte.“, fing ich erneut an und ließ von ihm ab.
„Ich glaube, dass das mit uns mittlerweile mehr ist als bloß eine gute Freundschaft.“
Und obwohl es reine Worte waren, die ich da sprach fühlte es sich an, als würden sie bloß aus meinem Mund strömen um mich innerlich zu verprügeln...James ließ mich nun nicht einmal mehr weiter sprechen,als ich erneut Luft holte.
„Ich weiß nicht mehr genau,was das mit uns ist. Du bist einer der wichtigsten Menschen meines Lebens. Und ich könnte es nicht ertragen ohne dich zu sein, Su. Aber...seit wir letzte Woche gesprochen haben, habe ich viel nachgedacht. Und vielleicht hast du Recht. Vielleicht bringt es nichts dir deine Freiheit zu rauben und ich sollte nach den Mädchen schauen,die direkt vor meiner Nase herumtanzen.“, ich zog angestrengt die Augenbrauen zusammen. Moment...hatte er mir gerade gesagt,dass mein letzter Plan aufgegangen war und ich ihm eine andere schön geschwätzt hatte? Das war nicht sein Ernst...
„Das habe ich eigentlich gar nicht so gemeint...eigentlich meinte ich,dass...“
„Vielleicht sollten wir noch einmal in Ruhe reden, wenn wir beide sicher wissen was wir wollen. Halbe Sachen sind nicht so mein Ding.“
„Ich glaube, dass ich dich will!“, nu wurde meine Stimme lauter.
„Ja...ich glaube auch,dass ich dich will. Aber glauben ist nicht wissen. Und wer weiß, vielleicht liegt es mir auch besser mein Singelleben zu genießen.“
Seine Worte ließen mich fast aus den Schuhen kippen, ich hatte nichts was ich darauf sagen konnte,also schwieg ich und verschränkte bloß nachdenklich die Arme.
[Und damit wären wir wieder am Anfang des Kapitels angelangt...jetzt habt ihr alle Hintergrundinformationen des Abends und miterlebt,wie ich meinen ersten Korb ausgeteilt bekommen hatte. Es war nicht so,dass ich sauer auf ihn war. Oder ihn nicht verstand. Nein,ganz im Gegenteil - Ich verstand ihn sehr gut. Und eigentlich war ich auch bloß sauer auf mich...und meine Feigheit. Hätte ich bloß vor einer Woche nicht gekniffen! Aber das hatte ich...und dadurch hatte ich meine James-Freikarte in eine Menge von wildfremden Mädchen geworfen, die sich nun darum schlagen durften. Wieso ich mich doch dazu durchrang ihm zum Abschied einen Kuss aufzudrücken? In Filmen half das doch immer, oder? Hätte man mich mal lieber ein weiteres mal daran erinnert,dass das Leben kein Film war, denn da stand ich nun, als James wieder gefahren war. Alleine im Regen - perfekt.]
„Su...du hast ihn geküsst,stimmt‘s? Ich wollte nicht schauen...aber ich war so neugierig. kaum zu glauben, dass du wirklich immer bekommst was du willst. Bei jedem Kerl davor war es auch so. Ich muss mir echt Nachhilfe von dir holen, Su. Du bist mein großes Vorbil-!“ - „Er will keine Beziehung. Ich habe verloren, nicht gewonnen.“, unterbrach ich ihr aufgeregtes Gerede trocken und wich ihrem Blick aus.
„W-Was?“, flüsterte sie leise und schraubte ihre Aufregung zurück.
„Nein,das ist unmöglich...die Zeichen waren so eindeutig.“
„Anscheinend ja nicht.“, entgegnete ich ihr nun fast schon giftig. Merkte sie nicht,dass ich nicht darüber reden wollte? Dass ich schlechte Laune hatte? Dass der Abend der wohl schlimmste für mich seit langem war? „Ich hasse Männer.“
Und noch bevor Jessy passende Worte fand, klingelte mein Handy erneut - Percy.
„Was gibt‘s?“,hob ich missmutig an und machte mir keine Mühe freundlich zu klingen.
„Süße! Guten Abend!“,hallte mir seine Stimme angeheitert und laut entgegen.
„Hast du niemand anderes gefunden, den du besoffen anrufen kannst?“
„Wir sind auf dem Weg zu euch. Jessy hat mir vor ein paar Tagen gesagt, dass ihr heute feiern geht. Und wir haben ein bisschen vorgeglüht und wollen nun mit euch die Nacht zum Tag machen, also kommt raus. Wir sind gleich da.“ - Und schon hatte er wieder aufgelegt. „Wer war das?“, wollte Jessy gleich wissen und traf meinen nachdenklichen Blick. Eigentlich war ich alles andere als in feier Stimmung... doch irgendwie klang das besser als nach Hause zu fahren und zu schmollen.
„Percy, wir sollen rauskommen. Er wartet mit irgendjemand anderes auf uns.“
„Percy? ich dachte du willst nichts trinken heute Abend...“
„Da hatte man mich auch noch nicht überraschenderweise abserviert.“

Von Stunde zu stunde wurde das getummel vor der Halle großer.
Jessy und ich hatten uns auf überdachte Fahrradnständer gesetzt und unsere dünnen Jacken enger gezogen. Mittlerweile hatte es heftiger begonnen zu regnen und von den Jungs war noch keine Spur...„Vielleicht haben sie sich betrunken verlaufen.“, überlegte Jessy laut und warf einen Blick auf die Uhr. „In einer Stunde werden wir abgeholt und müssen wieder Heim. Das lohnt sich sowieso nicht.“ Mein Kleid zurecht gezogen und die Leggins betrachtet, die ich trug entfuhr mir ein leises Seufzen.
„Mädels!“, rief man uns überraschender Weise übermütig entgegen.
Sie hatten sich also doch nicht verlaufen. Percy schwangte munter auf uns zu, gefolgt von einem mir unbekannten brünetten Kerl, der noch um einiges sicherer auf den Beinen zu stehen schien. „Das ist Tobi.“, klärte mich Jessy kurzer Hand auf, da sie Percy öfter sah als ich und seine Freunde dementsprechend besser kannte. Kaum standen die beiden vor uns ließ Percy sich feierlich empfangen und stellte seinen Rucksack vor uns auf dem Boden ab. „Okay, also...damit ihr bescheid wisst - Der Inhalt ist heilig!“
Lachend beobachtete ich Percy beim sprechen und schüttelte den Kopf über ihn.
Tobi stellte sich mir zurückhalten vor und vergrub seine Hände in den Jackentaschen. Er schien um einiges ruhiger und schüchterner zu sein als Percy, vielleicht brauchte er aber auch bloß einen Moment um aufzutauen.
„Und was hast du uns mitgebracht?“ - „Ne menge...wir haben Bier,Met und natürlich darf euer bester Freund,der Wodka nicht fehlen. Entweder ihr trinkt ihn pur, oder ihr missbraucht zum Mischen unsere Cola. “, Percy zog eine Flasche nach der anderen aus dem Rucksack und stellte sie behutsam vor uns auf den Boden.
„Ich bleibe unserem Wodka treu.“, legte Jessy fest und beäugte die Flaschen skeptisch.
Nickend öffnete Percy die Flasche und reichte sie Jessy, die einen Schluck nahm und das verführerische Gift dann weitergehen ließ.
„Ein Wunder, dass dir nicht kalt ist.“, richtete Tobi die ersten Worte an mich und begutachtete mein schwarzes Stoffkleidchen,welches mir bis zur Mitte meines Oberschenkels reichte. „Leggins halten warm.“, gab ich lächelnd zurück. Leider hatte er jedoch recht...es war durchaus frisch. „Du frierst immer. Selbst im Sommer - hier.“
Percy hatte im null komma nichts seine Lederjacke ausgezogen und legte sie mir um die Schultern. Sie lag schwer auf mir und war so lang wie mein Kleid.
Ohne mich zu wehren grinste ich ihn an und schlüpfte mit den Armen bereitwillig in die viel zu langen Ärmel. Mich wieder gesetzt, ging der typische Smalltalk los, während wir uns immer wieder an dem vorhandenen Alkohol bedienten.
Die Zeit verflog wie am Schnürchen und sogar meine Gedanken ließen mich langsam los.
Doch hatte Alkohol eine ganz einfache Wikung auf mich...bereits nach den ersten Tropfen fing ich an zu reden, wie ein Wasserfall. Und so kam mein Problemchen schnell wieder auf den Tisch und auch Jessy erfuhr endlich die ganze Geschichte.
„Er ist ein Arsch, vergiss ihn.“, mischte sich Tobi ein, Percy stimmte ihm zu.
„Nein, unsinn! Du hättest nun mal nicht sagen sollen, dass du bloß glaubst ihn zu wollen. Lerne Klartext zu sprechen, Mäuschen!“
Die Augen verdreht, ließ ich meinen Kopf kurz angestrengt auf die Schulter von Tobi fallen, der neben mir saß. „Das hilft bei so Kerlen eh nicht. Such dir jemand anderes.“, widersprach Tobi ihr. Meinen Kopf wieder angehoben, nahm ich noch einen Schluck aus der Wodkaflasche und lauschte ihrer Diskussion.
„Du kennst ihn doch garnicht Tobi, er ist kein schlechter Mensch!“
„Mir langt, was ich gehört habe. Was sollte das?“
„Du übertreibst...er war sicher auch bloß unschlüssig.“, Jessy drehte den Kopf patzig von Tobi weg und sah mich streng an. „Noch ist nichts verloren!“ - doch ich hörte sie garnicht.
Ich machte mir meine eigenen Gedanken...aufgeben? Das war nichts für mich. Ich würde ihn schon noch bekommen! Irgendwie...Irgendwann...
„Suzie-Schatzchen!“,mischte sich plötzlich lautstark Percy ein und zog mich zu sich auf die Beine. Grinsend kam er meinem Gesicht mit seinem Näher und legte mit den Arm um die Schulter. „Merkst du nicht,was Tobi versucht? Er bietet sich dir an. Nimm doch ihn.“
Und noch bevor ich etwas sagen konnte,hatte er mich zu ihm geschubst,sodass ich ihm geradewegs in die Arme fiel. „Percy! Lass den Unfug!“, schimpfte ich ihn und rutschte wieder von Tobi weg. „Genau, das ist Schwachsinn!“, stärkte mich Jessys Stimme, doch unser Schauspiel wurde von einem lauten Hupen unterbrochen.
„Huh?“,unsere Köpfe drehten sich gleichzeitig auf die Seite. Jessys Stiefvater war bereits hier und wartete darauf uns einzusammeln uns Taxi spielen zu können.
„Oh, Mist! Hoffentlich steht er noch nicht lange da...komm Su.“, Jessy war schnell aufgesprungen und vorgelaufen, mich hielt Percy jedoch fest.
„Bleib doch noch ein bisschen. Wir bringen dich später Heim.“
„Achja? Und wie? Laufen können wir nicht,zu mir ist es zu weit. Und zum Fahren bist du nciht mehr fähig.“ - „Wir legen etwas Geld zusammen und fahren mit nem Taxi.“
„Su, kommst du?“, rief mit Jessy zu und winkte mich zum Auto hinüber. Zögernd biss ich mir auf die Unterlippe und sah die beiden Jungs abwechselnd an.
„Würde uns freuen.“, Tobi sprach leise und lächelte mich schief an.
Mir kurz das Haar über die Schultern geworfen,sah ich zu Jessy und hob die Schultern an.
„Die Jungs nehmen mich mit heim. Frag doch,ob du auch noch etwas bleiben darfst. Dann nimmt er halt jetzt nur deine Schwester mit.“ - doch Jessy durfte nicht und so blieben wir zu dritt zurück, was bedeutete, dass wir eindeutig zu viel Alkohol vorhanden war. Zu unserem Unglück...nach ein paar weiteren Schlücken, einer Menge Gesprächsstoff und unauffälligen Annährungen, fand ich mich irgendwann im Arm von Tobi wieder. Mittlerweile befand sich kaum noch jemand vor oder in der Halle und auch ich begann müde zu werden. „Jungs? Lasst uns gehen.“, dass ich um 12 bereits hätte Zuhause sein sollen und nun viel zu spät ankommen würde war mir egal...auf ein bisschen mehr Ärger an diesem Abend kam es auch nicht mehr an. Wir bestellten uns also ein Taxi, quetschten uns zusammen auf die Rückbank und unterhielten uns bestens mit dem Fahrer. Ich wurde zuerst bei mir abgesetzt und verabschiedete michi dankbar bei den beiden Jungs, die sich alle Mühe gegeben hatten meine Laune zu heben. „Und denk dran, Su. Du bist ein Mensch,der das Glück hat immer zu bekommen, was er will. Lass dich also bloß nicht unterkriegen.“, Percy tätschelte mir grinsend den Kopf, dann ließ man mich gehen.
Mir alle Mühe gegeben leise zu sein, schlich ich durchs Treppenhaus hinauf in unsere Wohnung. Nicht einmal meine Schuhe ausgezogen, schloss ich die haustür auf und gab mir alle Mühe leise zu sein. Ohne das Licht anzuschalten tapste ich durch unser Esszimmer, um in den Flur und dann in mein Zimmer zu gelangen. Von dem Esszimmer aus konnte man in unser Wohnzimmer blicken,wo ich meine Mutter auf der Couch eingenistet hatte und schlief. Immer diese Aufpasser...seufzend pustete ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wollte weiter gehen. Zu meinem Unglück stoplerte ich über meine eigenen Füße und konnte mich nur schwer vor einem Sturz bewahren...und um alles noch schlimmer zu machen,weckte ich meine Mutter durch meine Ungeschicktheit auf und durfte mir einen langen Vortrag über die Gefahren der Nacht anhören. „Das war es mit dem Weggehen für dich!“, waren ihre letzten Worte und ich flüchtete endgültig in mein Zimmer...Hausarrest. Wenn ich Glück hatte,musste ich auch nicht in die Schule. James wollte ich ohnehin nicht sehen...





Signatur

✝ Joshua Conner - Any questions? ✝
→ Beziehungsstatus: Vergeben an Claire.

It was the type of feeling that can't be explained -
The way she moved her lips drove me insane.
It's getting hard, I know, believe me I feel you...
I can't fall asleep knowing you're not home.
Is it too much to ask, can't you just pick up the phone?




Josh ...
Dämon // Lehrer


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Kapitel 7 - I don‘t know about you!

Suzie Hatcher

Wie ihr euch sicher denken könnt, musste ich in die Schule. Hausarrest war wirklich eine dämliche Erfindung... von wegen Zuhause bleiben. Als am Montagmorgen mein Wecker klingelte und mich unsanft aus dem Schlaf riss, vergrub ich meinen Kopf im Kopfkissen und wäre am liebsten liegen geblieben. Nicht nur, weil ich ein absoluter Morgenmuffel war und lieber ausschlafen würde - wie der Rest der Schüler dieser Welt wohl auch -, nein, auch weil ich James nicht unter die Augen treten konnte...alleine bei dem Gedanken daran bekam ich Bauchschmerzen. „Hey, bist du schon wach? Du musst aufstehen, los.“, unterbrach meine Mutter die grausamen Gedanken und zwang mich dazu die warme Decke wegzuschieben und mich unter die Dusche zu schleppen.

Wir fuhren mit dem Wagen vor und als ich die Autotür missmutig aufschob, fuhr mir frostiger Wind durchs offene Haar. Das Wetter passte zu meiner Stimmungslage.
Wortlos warf ich die Tür hinter mir wieder zu und seufzte tief bevor ich mich auf das Schulgebäude zubewegte. Ich hatte mir fest vorgenommen James heute einfach strickt aus dem Weg zu gehen. Was blieb mir auch anderes übrig? Hier konnte ich wohl kaum mit ihm über den Vorfall am Wochenende sprechen, wann hatte man in der Schule schonmal seine Ruhe? Und so tun als wäre nichts gewesen, das würde ich nicht schaffen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht wollte, dass es so lief - Große Taten ließ man nicht einfach untergehen...und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie groß diese Tat für mich gewesen war... „Suzie!“, rief mich plötzlich eine Stimme und ließ mich zusammenzucken.
„Oh, hab ich dich erschreckt? Entschuldige.“, ich hatte nicht bemerkt, wie Tia hinter mir hinterhergehechtet war. Schwer atmend stand sie vor mir und zog ihre Tasche zurecht.
„Du siehst bedrückt aus, alles okay?“, fragte sie, als sie wieder genügend Luft hatte und wir zusammen weiter liefen. Sah man mir das wirklich an?
Nervös fing ich an mit den Händen herumzuwedeln und wollte ihre Frage kurz und knapp abhandeln: „Nein, nein. Alles bestens, wirklich. Mir geht‘s prima!“
Verwundert verzog sie die Augenbrauen und griff während ich sprach nach meinen Armen, um diese fest zu halten und meine Hände zur Ruhe zu bringen. Lachend traf sie meinen Blick und ließ mich erst wieder los, als wir den Haupteingang erreicht hatten.
„Wirklich schade, dass du mir nicht die Wahrheit sagst... dabei bin ich doch so furchtbar neugierig.“, welche Frau war das nicht? Und als ich so in ihr aufrichtiges Gesicht sah, prasselten die Worte aus mir heraus.
[Eigentlich hatte ich nicht über meinen Untergang sprechen wollen, wirklich nicht. Doch hatte ich es auch nicht einhalten können...es kam einfach hoch...wie...wie...Wortkotze! Ist euch so etwas noch nie passiert?]
„Du hast James geküsst?“, fragte sie auf dem Flur ungläubig und riss die Augen erstaunt auf. Erschrocken hielt ich ihr die Hand vor den Mund und legte meinen Zeigefinger an meine Lippen, um ihr zu signalisieren leiser zu sein. „O,‘tschuldige. Wie geht‘s weiter?“
„Wie soll was weiter gehen? Dann ist er nach Hause gefahren. Wir haben uns nicht mehr gesprochen.“, ich zuckte mit den Schultern und ließ meinen Blick über den Gang schweifen. Er war nicht zu sehen, gut für mich.
„Wieso nicht? Du musst noch mal mit ihm reden! Das ist wichtig! Immerhin bist du in ihn verliebt...sag ihm einfach, dass er sich entscheiden soll, weil du dir jetzt sicher über deine Gefühle bist.“, als Tia das so aussprach klang alles ganz einfach. Doch mir kam es vor, als würde ich als Matheloser den schwierigsten Mathetest der Welt mit einer glatten Eins abschließen müssen - das war unmöglich. Ich hatte bereits bewiesen, wie schwer es mir fiel über Gefühle zu sprechen, insbesondere über meine eigenen, es war also unmöglich das erneut zu versuchen...außerdem fiel es mir generell noch immer unheimlich schwer einzusehen, dass ich mir wirklich mehr als eine reine Freundschaft von ihm wünschte.
„Da vorne ist er, geh schon hin!“, Tia griff aufgeregt meinen Arm und schob mich den Flur entlang in seine Richtung. Meine Reaktion hatte mal wieder geschlafen, sodass ich mich erst wehrte als sich James‘ und mein Blick trafen. „Nein, lass mich los!“, fuhr ich sie an und machte hektisch Kehrt, um in unseren Klassenraum zu flüchten, doch bei diesem ungeschickten Fluchtversuch rannte ich Ted um, der mich skeptisch beäugte.
„Kein Grund rot zu werden.“, neckte er mich frech und ließ mich dann einfach stehen.
„Hey!“, die Hände zu Fäusten geballt, folgte ich ihm in die Klasse.
„Das liegt sicher nicht an dir!“, noch immer fauchte ich wie eine beleidigte Katze durch die Gegend und brachte so manch einen damit zum lachen - unbeabsichtigt.
„Suzie? Alles okay?“, wollte nun Matt sichtlich belustig wissen.
„Alles bestens.“, nun bekam auch er es ab, doch hob Matt lediglich grinsend die Hände und wollte so seine Unschuld signalisieren ohne mich ernst zu nehmen.
Seufzend ließ ich mich neben ihn auf meinen Platz sinken. Nach und nach füllte sich die Klasse und schließlich traf auch unsere Klassenlehrerin pünktlich ein. Ihr Gesicht war von einem breiten Grinsen geziert, was nichts Gutes verhieß.
„Ich habe eine ganz wundervolle Idee, wie ich euch besser zueinander finden lasse...“, verkündete sie stolz und zog einen Stapel Karten aus ihrer Tasche.
„Die ersten Wochen sind um und noch immer habe ich das Gefühl, dass sich überall Gruppen bilden, die ohne Hilfe nicht zusammen finden. Ich möchte, dass ihr euch kennenlernt und miteinander beschäftigt. Damit das passiert, losen wir eine neue Sitzordnung.“ Ihre nett gemeinte Idee traf bei uns eindeutig nicht auf fruchtigen Boden.
Es folgte lautes, missmutiges Seufzen und Widersprüche aller Art. Auch ich wollte nicht weg hier...wir saßen doch alle perfekt. Außerdem würden wir nächstes Jahr sowieso in Kurse eingeteilt werden, wieso also in einem Jahr großartig kennenlernen?
„Keine Widersprüche, steht alle auf und los geht‘s!“
Nach und nach wurden Karten gezogen und so die Reihenfolge der Schüler an den Tischen festgelegt. Das positive an meinem Sitzplatz war, dass ich nicht in der ersten Reihe Platz nehmen musste, eigentlich hatte ich sogar einen netten Platz in der Mitte gefunden. Der Nachteil? Ich durfte neben Ted sitzen...bisher war ich einfach nicht warm mit ihm geworden und alles was er tat, war mich aufziehen...auf eine gemeine, schadenfrohe Weise. Doch half jeglicher Protest mir nicht weiter, also setzte ich mich neben ihn und warf meine Tasche unter meinen Tisch.
„Wir werden jetzt wohl eine menge Spaß zusammen haben.“, fing Ted schon wieder an, ich warf ihm jedoch bloß einen wütenden Blick zu.
„Wage es nicht, mir auf die nerven zu gehen.“, doch auf meine ernsten Worte lachte er bloß laut. Das Gesicht verzogen, wand ich den Blick ab und traf Matts.
Matt hatte eigentlich einen viel schlimmeren Platz gefunden...direkt vor dem Lehrerpult, zwischen zwei Mädchen, die aufgeregt und kindisch herumalberten und ihn einfach völlig ignorierten. Ihm aufmunternd zugelächelt, drehte er sich wieder um, als unsere Lehrerin ihr Werk stolz betrachtete. Und um meine Freude noch weiter anzuheben und den Tag noch schlimmer zu gestalten, durfte ich nun eine Doppelstunde Mathe ertragen. Bei der wohl schlimmsten Frau der Welt, die alles berücksichtigte...bloß keine Mädchen mit einer akuten Mathephobie. Oh, ich hatte nicht erwähnt, dass ich darüber hinaus nun auch neben dem mit Abstand Besten in Mathe saß, oder? Und natürlich genoss Ted sein Können neben mir bloß noch mehr...was er mir die nächsten 90 Minuten immer wieder unter die Nase rieb.

„Was tust du da?“, fragte Ted skeptisch und folgte meinem Blick um die Ecke auf den Flur. Die anderen liefen bereits an uns vorbei aus der Klasse, ich war jedoch an der Tür stehen geblieben und wollte prüfen, ob die Luft rein war. „Das geht dich nichts an!“
„Na komm schon, raus damit. Vor wem versteckst du dich?“, Ted ließ nicht locker und lehnte sich neben mir an den Türrahmen.
„...Verzieh dich endlich.“ - Was war los bei diesem Jungen? Hatte er keine anderen Hobbies, als mir auf die Nerven zu gehen, wenn sich die Chance bot?
„Vor James?“ - Volltreffer. Verblüfft sah ich ihn an. Zum ersten Mal fiel mir keine trotzige oder gar schlagfertige Antwort ein, die ich ihm an den Kopf werfen konnte...was ihn auf eine neue Art und Weise triumphierend grinsen lies. „Das ist dann wohl ein Ja.“
Ich drehte den Kopf beleidigt weg und ließ meine Haare in mein Gesicht fallen.
„Was findest du nur an dem Kerl...und wieso gehst du ihm aus dem Weg? Das ist feige. Und wenn du mir eins glauben kannst, vor ihm musst du dir durch nichts schlecht vorkommen.“, Ted verschränkte die Arme und sah nachdenklich den Flur entlang.
Hatte er gerade wirklich mit mir geredet ohne einen Witz über mich zu reißen?
„Was meinst du?“, hakte ich vorsichtig nach und musterte seine Gesichtszüge irritiert.
„Er ist ein Vollidiot...jeder ist besser als er.“, als er ausgesprochen hatte, grinste er wieder wie gewohnt und tätschelte mir lachend den Kopf, wobei er meine Haare absichtlich verwuschelte. „Sogar du, Kleines.“ - und da war der schlechte Witz, den ich vermisst habe.
„Du bist ein viel größerer Idiot!“, giftete ich und schlug seine Hände wie ein kleines Kind weg. „Suzie? Kommst du endlich?“, ich hatte übersehen, dass Matt bereits auf mich wartete und nickte ihm eifrig zu. Ted stehen gelassen und ihm keinen weiteren Blick geschenkt, lief ich zu Matt hinüber und begab mich mit ihm runter in die überfüllte Pausenhalle. Matt steuerte gezielt auf das Grüppchen zu, in dem wir sonst auch immer zusammen standen. Er kannte Jamie und Jessy immerhin auch schon eine ganze Weile und verstand sich gut mit ihnen. Und gegen die anderen, die vereinzelt bei uns herumstanden, hatte er auch nichts...typisch Matt, er kam so gut wie mit jedem aus.
„Ähm...Matt.“, wollte ich ihn davon jedoch hektisch abhalten und griff nach seinem Ärmel.
Verwundert blieb er stehen und drehte sich zu mir um: „Was?“
„Wollen...wir nicht...raus gehen? Es ist so furchtbar stickig hier.“, schlug ich nervös vor und sah, wie Matts Blick immer fraglicher wurde, als er durch die große Glastür hinaus sah.
„Dir ist klar, dass es regnet Su?“, jetzt schaute auch ich hinaus - verdammt!
„...Ja, und?...Stell dich nicht so an! Bist du eine Maus oder ein Mann?“
„Ich wollte bloß Rücksicht auf deine Frisur nehmen...sonst verfluchst du Regen doch immer.“, doch ließ Matt sich überreden und machte sich mit mir auf den Weg nach draußen. Und obwohl die Idee so gut gewesen war und alles zu klappen schien, kam ich nicht davon...Ted spielte erneut Nervensäge und drängelte sich zwischen Matt und mich, um mich festzuhalten. „Was willst du denn schon wieder?“, wollte ich genervt von ihm wissen, er reagierte jedoch nicht auf mich. Stattdessen sah er an mir vorbei und winkte irgendjemandem zu. „Hier ist sie doch!“, folgte sein Rufen, erst dann sah er zu mir runter.
„Du kannst nicht entkommen. James hat nach dir gefragt. Und jetzt komm schön brav mit, dann wird das hier nicht noch peinlicher für dich.“
Hilflos sah ich zu Matt und hoffte darauf, dass er eingreifen würde...doch er tat nichts. Also musste ich mich von Ted mitschleppen lassen. Bei den anderen blieben wir stehen, als er mich los ließ, verpasste er mir einen Stoß, sodass ich James entgegen stolperte.
„Sei dankbar.“, richtete Ted trockene Worte an James und während dieser mich in den Arm nahm, lachte er bloß über Ted: „Dir? Als ob.“
Dieses winzige Wortgefecht irritierte mich beinahe noch mehr als James‘ momentane Nähe. Nichts ahnend sah ich die beiden abwechselnd an, dann fanden meine Augen Jessys, doch diese schien genau so ratlos.
„Wo warst du so lange?“, sprach James nun wieder in gewohnter Tonlage und drückte mich leicht an sich. Den Mund zu einer überforderten Antwort verzogen, fiel mir keine bessere Lüge ein: „Matt wollte kurz an die frische Luft, ihm geht‘s nicht so gut.“
Matt hatte gerade in sein Frühstücksbrot gebissen, als sich die Blicke auf ihn richteten.
„Ähm...sicher. Jetzt ist aber schon wieder alles okay, danke Su.“, auf die letzten beiden Worte setzte er eine gewisse, strenge Betonung - dennoch spielte er mit.
„Und was steht so dieses Wochenende an?“, ließ James zu meinem Vorteil das Thema fallen und sah in die Runde, jedoch hatte keiner eine spontane Idee - und genau jetzt kam Casey wieder ins Spiel: „Ich hätte eine Idee!“, mischte er sich mit lauter Stimme ein und kam nicht auf die Idee Abstand von Jessy zu nehmen, sondern stellte sich dicht neben sie.
„Am Wochenende eröffnet ein Jahrmarkt am Rand der Stadt.“, und obwohl Jessy ihm eben noch unsanft den Ellenbogen in die Seite gedrückt hatte, um ihn weiter von sich weg zu schieben, sah man nun in ihren Augen, wie gut dieser Vorschlag bei ihr ankam.
„Abgemacht.“, sprang auch James darauf an und sah dann zu mir runter: „Oder?“
Ich zuckte zögernd mit den Schultern, doch Jessys Blick drohte mir förmlich, sodass ich mit einem okay antwortete, um auch dieses Thema nicht weiter zu diskutieren.

Nach der Schule traf ich Jessy vor dem Vertretungsplan, als ich mich gerade auf den Heimweg machen wollte. Der Rest der Pause war ruhig verlaufen...man hatte sich locker unterhalten und niemand war auf James Arm um meiner Hüfte eingegangen.
Würde ich euch jetzt erzählen, dass es mich gestört hätte, würde ich lügen...natürlich mochte ich seine Nähe. Doch hatte mich sein Verhalten auch umso mehr verwirrt.
„Su!“, rief mich Jessy und stand dann auch schon neben mir, um sich mit mir auf den Weg zu machen. „Sag mal, bist du sicher, dass du James da letztens richtig verstanden hast?“, wollte sie grinsend wissen. Natürlich war ihr aufgefallen, dass er alles andere als unsicheren Abstand nahm. „Ganz sicher.“, antwortete ich nickend.
„Und was war das in den Pausen dann bitte? Das sah mir nicht nach einem Korb aus.“
„Keine Ahnung...und eigentlich will ich mir auch den Kopf nicht weiter drüber zerbrechen.“
„Ich hab ja gesagt, du musst es noch einmal probieren!“, und wieder fing das an.
Die Augen verdreht, machte ich mir gar nicht erst die Mühe zu widersprechen.
„Ich muss hier lang. Wir sehen uns morgen.“, doch noch bevor ich weiter gehen konnte, rief sie mich erneut zurück. „Du kommst doch am Wochenende mit, ja?“
Auf ihre Frage musste ich lachen, dann folgte meine einfache Antwort: „Nein, keine Lust.“
Und das war mein voller Ernst.

Lass uns nun einen Blick in Jessys Kopf werfen.

Im ersten Moment hatte ich vor gehabt ihr hinterher zu rufen, sie umzustimmen. Wieso kniff sie? Es lief doch bestens..! Okay, zugegeben...James hatte sich vielleicht etwas widersprüchlich ausgedrückt. Aber vielleicht hatte er sich das restliche Wochenende über wirklich Gedanken gemacht und war zu dem Entschluss gekommen, dass Suzie doch perfekt für ihn war. „Dir wasche ich schon noch den Kopf...“, murrte ich jedoch bloß leise und wand mich seufzend zum gehen um. Kaum hatte ich meinen Blick auf den Weg gerichtet, ließ mich das, was ich sah innerlich durchdrehen. Meine Schritte verlangsamten sich automatisch und ich merkte, wie mein Körper aufgeregt verkrampfte. Ganz ruhig...
„Oh, hey.“, sprach Patrick mich an, als er bloß noch wenige Meter von mir entfernt war. Nun blieb ich ganz stehen und gab mir alle Mühe ihm mein süßestes Lächeln zu schenken. „Hi!“, meine Stimme überschlug sich vor Aufregung wieder halb und da ich nicht wusste, was ich mit meinen Händen machen sollte, schob ich diese einfach in die Hosentaschen meiner Jeans, wo ich einen kleinen Gegenstand ertastete.
„Ahh, da fällt mir was ein!“, entfuhr es mir und schon hatte ich seinen Stick aus meiner Hosentasche gezogen. „Hier, den dürftest du vermissen. Die Musik ist wirklich gut, danke.“
Lächelnd nahm er das kleine Ding entgegen und nickte mir lässig zu.
„Das freut mich, wusste ich doch, ich hab ein bisschen was auf dem Pc, das dir gefallen könnte.“ Mit strahlenden Augen nickte ich zufrieden. Hatte ich jemals einen Jungen getroffen, der so perfekt schien? An ihm stimmte einfach alles...sein wirres und doch stets gepflegtes Haar. Dieser Duft. Seine angenehme Stimme. Und von seinem wundervollen, schiefen Lächeln wollen wir gar nicht erst anfangen...
„Jessy!“ - Und nun stelle ich euch erneut das genau Gegenteil von Patricks Perfektion vor: Casey - Da war wirklich jemand scharf aufs Sterben.
„Du musst zum Bahnhof, oder? Ich begleite dich, komm.“
„Lass mich in Ruhe, ich unterhalte mich gerade.“, wollte ich ihn absägen, doch wie wir Casey alle kannten...das half nicht im Geringsten.
„Aber so verpasst du noch deine Bahn und musst ne halbe Stunde umsonst warten!“
Ich gab mir alle Mühe gelassen zu wirken und nicht schon wieder die Fassung durch Casey zu verlieren, doch machte er es mir sehr schwer.
„Ist schon okay.“, schaltete sich Patrick plötzlich ein und hob die Schultern leicht an.
„Mach dich lieber auf den Weg, ich muss auch weiter. Man sieht sich. Viel Spaß noch.“
Und schon war er an mir vorbei gegangen und mir blieb nichts anderes übrig, als ihm wehmütig nachzusehen. „Du bist der Teufel!“, fauchte ich Casey an, als Patrick weit genug entfernt war. „Ich wollte dir nur den Gefallen tun und dich begleiten...“
Er wollte mir einen Gefallen tun? Wieso ließ er sich dann nicht einfach lebendig begraben?! „Gefallen? Damit tust du mir keinen Gefallen!“
Und schon schritt ich zielstrebig voran - in der Hoffnung ihn abzuhängen, vergeblich.
„Geh endlich weg!“, versuchte ich es erneut, als mir auffiel, dass er mir wieder wie ein kleines verlorenes Hündchen nachlief.
„Das hier ist ein freies Land, ich kann tun und lassen was ich will!“, fing er jetzt sogar an noch kindischer zu werden? Himmel...
Also gut. Das hier war ein freies Land? Dann musste ich ja auch nicht mit ihm reden. Suzie war die Königin des Ignorierens, jetzt konnte ich testen, ob ich über die Jahre von ihr gelernt hatte. Und nur nach wenigen Minuten sprang er darauf an.
„Hör auf mich zu ignorieren, was hab ich dir getan, Jessy?!“
Ich konnte den Mund einfach nicht halten...
„1. Du erzählst ich wäre deine Freundin, hallo? Erde an Casey, soweit kommt es niemals! 2. Ich weiß, was du versuchst...du willst mir bei Patrick dazwischen funken - vergiss es!
Ich habe gelernt dich zu hassen! Und daran bist du alleine Schuld!“
„Du hasst mich nicht! Sonst wärst du nicht hier bei mir!“
„Willst du mich auf den Arm nehmen?! Du bist mir nachgerannt, nicht andersrum!“
Als wir am Bahnhof ankamen, nahm ich eine Stufe nach der anderen und kochte dank ihm innerlich wieder. Und noch immer hatte er nicht genug und wagte es mir sogar bis an mein Gleis zu folgen. „Ich weiß, dass du mich liebst!“, rief er mir nach, und bereits die ersten Leute drehten sich nach uns um... „Das langt...“, sprach ich leise und holte Luft.
Meine Bahn war bereits zu sehen - perfektes Timing also.
„Als ob ich jemanden wie dich lieben würde! Du bist unerträglich! Sieh endlich ein, dass das mit uns niemals etwas wird! Und jetzt verschwinde, bevor ich dich hier und jetzt eigenhändig erschlage!“, und genau in diesem Moment hielt meine Bahn und die Türen öffneten sich. Jetzt waren wir wirklich aufgefallen. Man tuschelte und lachte über uns...oder eher...über ihn, immerhin hatte er eben den Korb seines Lebens bekommen. Und wenn er sich nicht änderte würde das wohl kaum der letzte gewesen sein.

Zurück zu Suzie Hatcher.

Ja, ich hatte gesagt, dass ich nicht kommen würde...dieser blöde Jahrmarkt konnte mir gestohlen bleiben. Immerhin war ich schon tausend mal auf so etwas gewesen. Als Kind hatte ich Jahrmärkte gehasst. Sie waren überfüllt und wirr. Doch gerade hasste ich sie aus einem anderen Grund...und zwar aus dem, dass ich nun doch bei Jessy stand und mit ihr wartete. Wartete, bis wir von den Jungs abgeholt wurden und mit ihnen zusammen über den ausgeschmückten Platz streiften und uns die Stände und Fahrgeschäfte genauer anschauen konnten...außerdem hatte ich mir den ganzen Rest der Woche alle Mühe der Welt gegeben nicht alleine mit James zu enden. Ich wollte eigentlich gar keine Beziehung mehr...ich hatte plötzlich wieder diese akute Angst,alles zu zerstören. Und genau das hatte ich Jessy bei jedem unserer Telefonate gesagt, bei denen sie mich immer wieder hatte umstimmen wollen heute Abend doch zu kommen...und sie hatte es wirklich geschafft.
Und soll ich euch noch etwas erzählen? Immer wenn ich gesagt hatte, dass ich mich mit einer Freundschaft doch zufrieden geben würde, hatte sie gelacht...!
„Zieh nicht so ein Gesicht.“, forderte sie mich erneut auf und lächelte mich breit an.
„Ich für meinen Teil liebe Jahrmärkte!“, doch damit heiterte sie mich sicher nicht auf.
„Su, was soll das? Nutze doch einfach deine Chance...und außerdem...was hast du zu verlieren? Die Freundschaft ist jetzt sowieso schon hinüber...jeder sieht euch bereits als Paar, keiner mehr als gute Freunde - nicht mal ihr selbst!“
Ich hasste es, wenn sie Recht hatte und Diskussionen, die ich gewinnen wollte, gewann.
„...Du hast ja Recht.“, gab ich also schließlich kleinlaut zu.
„Ich weiß, und jetzt streng dich etwas an, okay? Wo ist die ungeschlagene Kämpferin geblieben?“, und wieder hatte sie Recht. Eigentlich war ich kein missmutiges, grummeliges Häufchen Elend...und schon hatte sie es geschafft mich doch zum Grinsen zu bringen. „Du glaubst also wirklich noch, dass ich ihn kriegen kann?“, wollte ich wissen. Die Frage schien Jessy zu wundern, doch nickte sie.
„Ich habe nie aufgehört das zu glauben.“ - Und schon war mein Kampfgeist und mein Selbstbewusstsein aus unerklärlichen Gründen wieder zum Leben erweckt worden.
Wo waren also die Kerle...?
Es dauerte keine weiteren 5 Minuten, da gab Jessy auf und beschloss, dass wir bereits selbst eine Runde drehen sollten.
„Sie sind zu spät. Wenn sie uns suchen, rufen sie sicher an.“, das war ihre Meinung, die ich Schultern zuckend annahm. Bestimmt hatte sie Recht.
Mit Jessy an meiner Seite schlenderte ich also voraus, es roch nach Süßem und überall sprangen aufgeregte Kinder herum, die es ihren Eltern schwer machten sie nicht in dem Getümmel aus den Augen zu verlieren. „Lass uns in den Freefalltower steigen!“, lenkte Jessy meine Aufmerksamkeit verwundert auf die Meter hohe Attraktion.
Hier gab es einen Freefalltower? Nicht übel. Doch seid wann fuhr Jessy so etwas? In Achter bahnen jeder Art bekam man sie schnell...aber mir grausiger Höhe hatte sie es nicht. In einer Achterbahn fällt man immerhin nicht bloß in die Tiefe.
„Sicher, dass du das willst?“, hakte ich verblüfft nach und sah zu, wie der Wagon in die Tiefe raste. Lautes Geschrei übertönte uns, sodass ich Jessys Antwort nicht verstand.
Doch die Tatsache, dass sie bereits vorgelaufen war um Karten zu kaufen erklärte wohl alles. Ihr gefolgt bezahlte ich meine eigene und stellte mich mit ihr an. Die Schlange war nicht lang, die meisten standen ein paar Meter entfernt und beobachtete das Geschehen unschlüssig darüber, ob sie es selbst ausprobieren wollten.
„Jetzt hab ich doch Angst...“, murmelte sie plötzlich nervös vor sich her und sah zu wie die letzten Gäste ausstiegen und man die Absperrung für die nächsten Opfer öffnete - und zu diesen gehörten bereits wir. „Das fällt dir wirklich früh ein.“
Ich erinnerte mich noch ganz genau daran, wie es sich anfühlte solch ein Teil zu fahren. Damals war ich mit Freunden unterwegs gewesen und nach spontanen Überlegungen hatten wir uns den erstbesten Freizeitpark in der Nähe ausgesucht und beschlossen ihn unsicher zu machen. Das war ein Tag... Zwischen zwei Kumpels hatte ich mich in einen solchen Turm platziert und festgeschnallt. Eigentlich war alles genau so gewesen wie jetzt auch, nur dass dieser Turm hier bei weitem nicht so hoch war, wie der eines waschechten Freizeitparks. Bis heute werde ich von den beiden Jungs jedes mal aufgezogen, wie sich beim Schreien meine Stimme überschlagen hatte und was für ein erschrockenes Gesicht ich auf dem Foto gemacht hatte, als der Wagon plötzlich fallen gelassen wurde. Wer kommt auch auf die Idee, die Kamera auf diesen Moment auszurichten...?
Jessy saß nun also festgeschnallt neben mir und krallte sich nervös an meine freie Hand.
„Können wir nicht doch wieder aussteigen? Bitte...“, doch das war leider unmöglich, da wir im selben Moment angehoben wurden und in die Höhe stiegen.
Oben angekommen ist nicht zu verachten, dass es doch wirklich hoch war und mein einen perfekten Überblick auf den restlichen, beleuchteten Markt geboten bekam.
Ich wollte gerade zu Jessy rüber sehen, als diese kurz locker ließ und sich mit beiden Händen durch die Haare fuhr...hätte sie das mal lieber verschoben, denn passend auf die Sekunde rastete der Wagon mit einem lauten klick aus und wir hoben von den Sitzen ab. Man hörte nichts außer schrille Schreie und auch ich klammerte mich nun erschrocken fest. Der Wind peitschte uns entgegen, doch so schnell wie alles angefangen hatte, war es auch schon wieder vorbei und die Sicherheitsgute öffneten sich von selbst.
„Unglaublich!“, stieß ich begeistert aus und sprang auf die Beine.
Jessy war sitzen geblieben und atmete schwer. Ihre Haare verdeckten ihr Gesicht und wuselten wirr auf ihrem Kopf herum. Jetzt sollte sie, sie sich richten...
„Jess?“,sprach ich sie direkt an, doch kam mir ein junger Mann zuvor, der vor Jessy stehen geblieben war und ihr die Hand reichte. Er arbeitete hier und hatte zuvor unsere Sicherheit überprüft. „Alles okay kleines? Komm schon,ich helfe dir auf.“, bot er freundlich an, jetzt blickte Jessy auf, doch konnte man ihre Augen nicht sehen...eigentlich blieb sogar ihr gesamtes Gesicht verborgen. Doch griff sie seine Hand und wollte schwungvoll aus dem Sitz rutschen...Baaaam!....hatte sie sich jedoch unelegant den Kopf an den Sicherheitsbügel über ihr gestoßen und fiel kurz wieder zurück. Jammernd legte sie die Hand an die schmerzende Stelle, der Kerl verkniff sich das Grinsen mit aller Mühe und zog sie nun ohne ihre Hilfe auf die Beine. „Nicht so stürmisch.“, warnte er sie und ließ sie zwinkernd wieder los, als er die anderen für die nächste Fahrt reinlassen musste.
Ich gab mir nicht die Mühe, nicht zu lachen. Dafür hatte das viel zu komisch ausgesehen!
„Ohje, Jessy. Was machst du nur immer?“, ich griff lachend ihren Arm und zog sie weg von dem Tower. „Das ist nicht komisch! Ich hab mich zu Tode blamiert!“ - zu Tode wohl kaum, immerhin lebte sie noch. Aber blamiert hatte sie sich durchaus. „Bloß ein bisschen.“, zwinkerte ich ihr zu, als sie sich endlich um ihre Haare kümmerte und ich ihr wieder ins Gesicht schauen konnte. „Noch immer keine Spur von ihnen...“, wechselte Jessy das Thema, doch im selben Moment erblickte ich zwischen den fremden Gesichtern das von James, der lächelnd auf uns zugelaufen kam.
„Da ist James.“, informierte ich Jessy sogleich und winkte ihm grinsend zu. Überrascht sah sie in seine Richtung, erkannte ihn jedoch nicht gleich. „Alleine? Wo ist Jamie?“, nach Casey fragte sie erst gar nicht. „Hey ihr beiden.“, begrüßte er uns strahlend, als er bei uns angekommen war, dann folgte auch schon seine Erklärung: „Casey lässt sich dank dir nicht hier blicken, Jess. Und Jamie konnte nicht... ich hab euch angerufen, aber irgendwie war das keine hilfreiche Idee.“, mein Handy aus der Tasche gekramt, warf ich einen Blick auf den Display. Er hatte wirklich angerufen - Upps.
„Naja, kein Problem. Ich hab euch ja gefunden. Freunde von mir warten an dem großen Zelt hinten, lasst uns mal rüber gehen.“, nickend ließen wir uns überreden und folgten ihm den schmalen Weg entlang, der eindeutig viel zu überfüllt war. Nach Jessys Hand gegriffen, um sie nicht zu verlieren, drängelte sie sich kleinlaut voran und zog mich hinter sich her. Im Schneckentempo kamen wir einem großen weißen Zelt näher, als James sich umdrehte und stehen blieb, um uns vorzulassen. „Geht ihr vor. Dann hab ich euch besser im Auge und verliere keine.“, Jessy war bereits sichtlich genervt davon,dass wir bloß so stockend voran kamen und immerwieder angerempelt wurden.
Seufzend sank auch meine Laune durch dieses langsame Gedrängel, ob James noch hinter mir war wusste ich nicht...jetzt durften wir also aufpassen, ihn nicht zu verlieren.
Doch kaum hatte ich mich umgedreht, um nach ihm zu sehen, rannte er mich fast um.
„Oh, Entschuldige.“, lachend sah er zu mir herunter und legte die Arme um meine Hüfte.
Zufrieden über diese selbstbewusste Tat, trotteten wir weiter, ohne dass ich auch nur einen Millimeter von ihm wegrutschte...und wie das Leben so spielte - kaum hatte ich den Punkt erreicht, in dem ich noch Stunden so hier hätte mit ihm herumlaufen können, kamen wir an und er ließ mich los, um seinen uns unbekannten Freunden zuzuwinken.
„Da drüben, kommt. Ich stell euch vor.“, vor dem Zelt standen junge Leute in unserem Alter, drin wurde mächtig gefeiert. „Wenigstens sind wir aus dieser Gasse raus, das war ja unerträglich.“, Jessy hatte meine Hand noch nicht losgelassen, erst als wir vorgestellt und sogleich offenherzig gedrückt wurden. Nun standen wir bei zwei weitern Kerlen und einem süßen, blonden Mädchen, die wohl die Freundin einer der jungen Männer darstellte.
„Warst du schon mal drin gucken, James?“, wollte einer von ihnen grinsend wissen und trank dann einen Schluck des Bieres, welches er lässig in der Hand schwänkte.
„Nein...viel zu voll. Da drin ist es unmöglich, ihr über den Weg zu laufen.“, er zuckte mit den Schultern und warf einen verstohlenen Blick in die Richtung des Zelteingangs.
Moment! ...unmöglich ihr über den Weg zu laufen? Wer war ihr?
Die Augenbrauen zusammengezogen warf ich Jessy einen skeptischen Blick zu.
„Auf wen wartet ihr denn noch?“, sprang Jessy an und erkundigte sich in meinem Namen unauffällig. „Unwichtig.“, winkten die beiden nahezu gleichzeitig ab und begannen dann ertappt zu lachen. Irgendetwas war hier faul und das ging mir gewaltig gegen den Strich.
„Auch ein Bier?“, bot man uns an, um das Thema wohl fallen zu lassen. Jessy griff bereitwillig zu, doch ich nahm ihr die Flasche schnell wieder ab und stellte sie zurück.
„Nein, schon okay. Eigentlich wollten wir uns auch noch mal umsehen. Das ist doch okay, oder? Wir sind gleich zurück.“, ohne auf eine Antwort zu warten, schleppte ich Jessy ein paar Meter weit mit. „Wer ist diese ihr? Hat er dir was gesagt?“, sprudelte es neugierig aus mir heraus, als wir weit genug von ihnen entfernt waren.
„Ganz ruhig, Su. Keine Ahnung, wer sie ist. Vielleicht eine gute Freundin.“
„Ich kenne seine guten Freundinnen, Jess.“
„Jetzt mal nicht den Teuel an die Wand. James ist nicht gerade ein großer Aufreisser. Vielleicht wars auch irgend ne Maus von dem anderen Typen. Du überreagierst.“
Vielleicht hatte sie Recht...nur passte mir das Gesprächsthema von eben, nachdem mein Selbstbewusstsein und mein Mut gerade wieder ihren Dienst antraten, sehr schlecht.
„Okay...du hast Recht. Alsob er nun doch plötzlich eine andere im Auge hätte...albern, nicht?“ - „Ja, keine Panik. Lass uns zurück gehen. Vielleicht finden wir das ja noch raus.“
Und so blieben wir wirklich nur wenige Minuten weg und gesellten uns lächelnd wieder zurück zu der kleinen Gruppe.
„Und? Habt ihr wen gefunden?“, wollte das Mädchen lächelnd wissen, als wir zurück waren und wartete auf eine Antwort. Sie besaß eine sympathische Ausstrahlung, die mich irgendwie beruhigte. „Ja, waren kurz drüben bei Freunden.“, gab ich ihr ihre ersehnte Antwort und erfand eine kleine Gesichte über ein imaginäres Gespräch.
Natürlich entging mir nebenbei nicht, wie James an seinem Handy gehongen hatte und stur den Bildschirm betrachtete. Dabei war er kein typischer Handy-Mensch. Er benutzte es sogar äußerst selten...und wieder ertappte ich mich dabei, wie Eifersucht in mir hochkam - wobei, nein! Eifersucht? Unmöglich. Ich war noch nie wegen eines Kerls eifersüchtig gewesen...vielleicht war ich auch einfach nur überneugierig.
„Sie wollte sich melden...“, richtete er leise Worte an seinen Kumpel, der fraglich die Schultern anhob. Noch bevor sein Blick meinen traf, wich ich aus und wand mich wieder der Kleinen zu. „Wie lange seid ihr eigentlich schon hier?“, wollte ich von ihr wissen und hoffte, so den Anschein zu vermitteln, dass ich mich vollstens auf sie und unsere Unterhaltung konzentrierte. Doch auch diesmal lauschte ich nicht ihren Worten, sondern James‘: „Ich stehe bloß für sie hier rum. Vielleicht gehe ich doch kurz mal rein.“
Stopp - jetzt wollte er ihr suchen?! Weil er wegen ihr hier stand? Sicher nicht!
„Also wir sind schon echt lange hier!“, stieß ich seufzend aus.
„Eigentlich hätten wir schon vor ner Stunde zuhause sein sollen.“ - Moment? Wir waren wenn es hoch kam erst 2 Stunden hier? Eine schwache Lüge...Egal...
„Und es wird langsam auch echt kalt!“, Jessy sah irritiert zu mir herüber, verstand dann aber was ich vorhatte und spielte vorsichtig mit.
„Ja, stimmt...lass uns zum Bahnhof gehen, Su. Bevor es noch Ärger gibt.“ - sehr gut, hatte sie das gemacht, genau das wollte ich erreichen!
„Ja, wir sollten gehen.“, nun sah uns auch die Kleine verwundert an.
„Aber es ist doch erst 23 Uhr.“, murmelte sie leise, dann schaltete sich James ein.
„Schon? Aber so lange seid ihr doch noch nicht hier... bleibt doch noch etwas. Ihr wisst nicht einmal, wo der Bahnhof ist.“, ich griff seine Worte zufrieden auf und zuckte mit den Schultern. „Meine Eltern sind noch wegen letztem Wochenende sauer. Es ist etwas spät geworden, deswegen soll es jetzt früher werden.“, das war nicht einmal gelogen. Zwar hatte ich Hausarrest aufgeschwatzt bekommen, doch diese Strafe war über die Woche schnell in Vergessenheit geraten, jetzt musste ich bloß vor 1 Uhr Zuhause sein. Sonst durfte ich ausgehen. Außerdem waren meine Eltern immer beruhigt, wenn sie wussten, dass ich mit James unterwegs war...
„Alleine finden wir nie zum Bahnhof.“, jammerte Jessy plötzlich zu meiner Überraschung. In diesem Moment hätte ich sie am liebsten geküsst - manchmal war sie wirklich die beste Schauspielerin der Welt, sie wusste einfach immer, was ich vor hatte und wie man dies gekonnt erreichte. James sah ein letztes mal zurück, seufzte dann leise und packte sein Handy wieder weg. „Okay, ich komme mit.“
Als ich mich zum Gehen abwand zierte ein triumphirendes Lächeln meine Lippen. Jessy hatte Recht...wäre dieses andere Mädchen wirklich so wichtig gewesen, hätte er sie nicht einfach alleine in diesem Zelt feiern lassen - ich an seiner Stelle hätte es zumindest nicht getan. „Dann kommen wir auch schon jetzt mit.“, beschloss das blonde Mädchen plötzlich und zog ihren Freund mit, der sich durch das Versprechen bei ihr Übernachten zu dürfen bereitwillig locken ließ. Und so machenten wir uns also zu fünft erneut durch das Gedrängel, diesmal jedoch ohne überschüssige Nähe, das störte mich jedoch nicht. Mich beruhigte im Moment die Tatsache, dass ich mir umsonst Sorgen gemacht hatte genug.
Auf unserem Weg zum Bahnhof begegneten wir einigen betrunkenen Jugendlichen, die sich uns lachend anschlossen und durch die Dunkelheit führen ließen. Wahrscheinlich wäre ihnen nicht einmal aufgefallen, wenn wir sie hätten verschleppen wollen...wenn man selbst keinen Alkohol angerührt hatte und es mit Betrunkenen zu tun bekam, fiel einem doch immer wieder auf wie erbärmlich Menschen werden konnten...
Als wir an unserem Ziel angekommen waren, hatte sich vor dem Fahrkartenautomat eine Schlange gebildet, sodass wir beschlossen schwarz zu fahren - wir hatten es immerhin nicht weit. „Die Bahn kommt in 5 Minuten.“, ergriff James das Wort, als er seine Jacke auszog und mir um die Schultern warf. „Mir ist nicht kalt.“, protestierte ich sogleich und sah verwundert zu ihm rüber. „Dir ist immer kalt.“, wahre Worte. Und auch jetzt fühlte sich der warme Stoff auf meinen Schultern angenehm an, doch schüttelte ich trotzdem den Kopf.
James zog mir die Jacke also seufzend wieder von den Schultern, reichte sie zwinkernd Jessy und tätschelte mir unvorsichtig den Kopf. „Dann frier halt. War bloß nett gemeint.“
Wieso ich seine Jacke nicht behalten hatte und sie nun Jessy trug? Aus dem ganz einfachen Grund, dass Jessy wirklich zu frieren schien...und irgendwie musste ich sie ja für ihren verlässlichen Einsatz belohnen,auch wenn das bloß der kleine Vorgeschmack meiner Belohnung war.
Lautstark traf unsere bahn schließlich ein. Es drängelten sich gefühlte Zehntausende in ein Abteil, doch zu unserem Glück fanden wir schnell noch einen freien Viererplatz, auf dessen Sitze wir uns verteilten. Da wir jedoch zu fünft waren, zog James mich auf seinen Schoß. Die letzten Unterhaltungen in unserem kleinen Kreis waren bloß noch oberflächliches gerede, bis Jessy und ich aussteigen mussten, uns verabschiedeten und uns auf den Heimweg machten. Das letzte Stück zu mir war alles andere als weit,doch lief ich besonders nachts nicht gerne in der Gegend von Bahnhöfen herum, irgendwie hatte das stets etwas unheimliches ansich. Jessy hatte die Jacke zurückgegeben und verschrenkte nun die Arme, um sich etwas warm zu halten.
„Wo blieb der Abschiedskuss?“, zog sie mich herzlich auf und fing sich so einen sachten Sto ßin die Rippen ein, wir lachten beide. Ich hatte einmal von mir aus geküsst und war mir beinahe sicher, es nie wieder zu tun!
Als wir die Haustür betraten herrschte in der Wohnung schon völlige Stille. Alle schienen bereits zu schlafen, so stand Jessy und mir also eine ruhige Nacht bevor. In meinem Zimmer zogen wir uns als erstes bequemere Klamotten an und kuschelten uns dann in unsere Decken ein um aufzuwärmen. „Ahh,ich hab noch was nettes für dich.“
Wieder aufgesprungen, verließ ich kurz das Zimmer und kam wenige Minuten später mit zwei kleinen Gläsern wieder in der sich eine Menge Eis und eine hellbraune Flüssigkeit befand. Whisky - Jessy liebte das Zeug. Ich hasste es...der Geschmack war mir zu wieder, doch da sie sich heute so wundervoll verhalten hatte, stieß ich mit ihr an und schluckte das Zeug - diesmal ohne zu jammern - herunter.





Signatur

✝ Joshua Conner - Any questions? ✝
→ Beziehungsstatus: Vergeben an Claire.

It was the type of feeling that can't be explained -
The way she moved her lips drove me insane.
It's getting hard, I know, believe me I feel you...
I can't fall asleep knowing you're not home.
Is it too much to ask, can't you just pick up the phone?




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