bevly  Schreiberling
    

Status: Offline Registriert seit: 30.12.2006 Beiträge: 327 Nachricht senden | Erstellt am 12.05.2008 - 20:44 |  |
Ooookay... +nachdenk+ Ähm. +gedanken ordne+
Es ist nicht in DEM Sinne Science Fiction, es könnte genauso gut in einer anderen Welt spielen. Aber ehrlich gesagt hab ich es mir immer als eine Art Zukunftsort ausgemalt, den Spielort meine ich.
Ich habe hiemit endlich mal wieder einen Roman begonnen. Und ich bin so so fest entschlossen, ihn diesmal auch zu beenden!
Es geht darin/dabei nicht so sehr um den Inhalt, der nun nicht derartig grandios ist ^^, sondern vielmehr um die Sprache. Kurze Erklärung: Alles ist im Präsens, bis auf die Flahbacks, das lyrische Ich spricht eine bestimmte andere Person durchgehend mit "du" an, es gibt keine Namen, es ist nicht erzählend, sondern "denkend" geschrieben - kp ob das verständlich ist - und es soll unkonventionell sein. ^^ Achja:
Das lyrische Ich und das Du bekommen "Symbole" zugeordnet, mal sehen ob ihr sie erkennt (man merkt es mehr beim Du bisher). Öhm.
Und achtet auf den Titel, also das Wort "Wir" - wenn ihr den Plot nicht selbst versteht, erklär ich ihn euch am Ende. 
Bisher habe ich Prolog und erstes Kapitel.
Der Übersichtlichkeit halber setze ich beides in zwei verschiedene Posts. Ich würde mich riesig über Kommentare freuen, da ich bisher noch fast keine bekommen habe.
Also... have fun. [Wer einen Rechtschreibfehler im Beschreibungstext findet, darf ihn behalten. ^^]
[Dieser Beitrag wurde am 18.05.2008 - 19:39 von bevly aktualisiert]
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Jane Austen - Pride & Prejudice |
bevly  Schreiberling
    

Status: Offline Registriert seit: 30.12.2006 Beiträge: 327 Nachricht senden | Erstellt am 12.05.2008 - 20:45 |  |
Prolog
Feuer. Wandert am Streichholz hinab, begierig alles verschlingend, was ihm in den Weg kommt. Kurz bevor es deine Hand erreicht hat, pustest du es aus. Ein paar winzige Aschekrümel fallen auf deine Haut. Meine Augen lassen das Hölzchen nicht los, als du mit der rußigen Spitze Muster aus meinen Arm zu malen beginnst. Greife danach. Halte es gegen den Sonnenuntergang. Meine dunklen Haare wehen mir ins Gesicht.
Du greifst nach einer Strähne. „Bei dem Licht sehen sie richtig blutrot aus.“
Starre das verkohlte Holz an, als könnte ich es allein dadurch wieder zum Brennen bringen.
Du streckst dich auf dem warmen, harten Boden aus. Ich kann deine Blicke auf der Haut spüren.
Wenn ich das Streichholz genau vor die Sonne halte und die Augen etwas zukneife, scheint das Feuer wieder da zu sein.
Im letzten Tageslicht liegt auf dir ein orangener Schimmer, als du mich zu dir herumdrehst. „Hörst du mir überhaupt zu?“
Ich rücke nur stumm an dich heran. Rolle mich an deiner Seite zusammen; du legst den Arm um mich. Hänge am Feuerschein deiner Augen fest.
Als du sie mit einem Lächeln schließt, verschwindet die Sonne hinter dem Horizont.
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Status: Offline Registriert seit: 30.12.2006 Beiträge: 327 Nachricht senden | Erstellt am 12.05.2008 - 20:50 |  |
Kapitel 1
Es fing an mit dem Mond.
In seinem Licht eilten meine beiden Begleiter und ich geduckt an der Mauer entlang. „Hier ist es“, sagte der eine, deutete nach oben. Das Fenster stand offen, als würde man uns schon erwarten.
Der größere von beiden holte einen Haken an einer Schnur hervor. Schwang die Apparatur ein paar Mal geübt im Kreis, warf sie. Ich hörte Metall über Stein kratzen, als er das Seil spannte. Griff danach. Zog mich hoch, stützte die bloßen Füße an der Wand ab. Arbeitete mich auf diese Art immer weiter hinauf. Endlich angekommen, sprang ich fast lautlos in den Raum.
Ich zog das Messer aus meinem Gürtel. Sah mich um. Ein großes Himmelbett, prunkvoll, prahlerisch. Darin etwas, das wie ein Stoffbündel aussah. Näher heranschleichen. Das Messer heben. Die Decke zurückziehen.
Es war ein Stoffbündel.
„Suchst du zufällig mich?“
Ich fuhr herum. Im Sessel saß jemand.
Die Sonne kletterte über den Rand der Welt. Erste Strahlen warmen Lichts fielen durch das Fenster, vertrieben den Schein des vor Neid erblassten Mondes.
Damals sah ich dich zum ersten Mal.
***
Ich wache davon auf, dass du aufstehst. Du ziehst dich an. Gibst dir eindeutig Mühe, leise zu sein. Weißt nicht, dass ich eh wach bin.
„Musst du schon weg?“ Eigentlich will ich nicht so verletzt klingen. Natürlich täusche ich dich nicht.
Deine Lippen auf meinen. Tröstend. „Es tut mir leid. Wenn Vater merkt-“
„Schon gut.“
Schweigen.
Du fährst dir durch die Haare. Sie sehen trotzdem noch genauso zerzaust aus.
„Also dann…“, setzt du an. Brichst ab.
Mein Lächeln scheint dich nicht zu überzeugen.
„Hör mal, wenn mein Vater nicht wäre, dann hätte ich dich schon längst gefragt, ob du meine Frau werden willst. Aber er ist nun mal der Lord und-“
„Wie gesagt, schon gut.“
Ich halte das Lächeln fest, bis du das Zelt verlassen hast. Eigentlich müsste ich jetzt auch los. Es kostet Überwindung, mich aufzurappeln.
Auf dem Weg zum Hauptquartier starrt von allen Seiten dein Vater von Plakaten herrisch auf mich herab. Propaganda. Völlig unsinnig, wenn man mal darüber nachdenkt.
Kein Untertan ist begeistert von der Herrschaft des Lords. Aber das ist mit Tyrannen ja immer so. Erst recht, wenn sie sich selbst eingesetzt haben.
Ich schaue mich um, ob auch kein Soldat in der Nähe ist, bevor ich dem Bild deines Vaters ein paar nette Details hinzufüge. Kichere. Wenigstens sieht er dir jetzt überhaupt nicht mehr ähnlich.
Schnell weiter, bevor jemand kommt.
Das Hauptquartier verdient den Namen eigentlich kaum. Ich frage mich jedes Mal, wann es einfach einkracht. Auf jeden Fall sollte man die Tür nicht zu kräftig zuschlagen.
Der kleine Raum dahinter ist gut gefüllt; ich bin die letzte. Husche mit gesenktem Kopf zum einzigen freien Platz. Der Anführer schenkt mir einen tadelnden Blick.
„Da wir nun endlich vollzählig sind, können wir ja anfangen.“
Schon nach diesen Worten schalte ich ab. Widerstandsbewegung hin oder her, eine Revolution bekommen wir eh nie zustande. Völlig aussichtslos.
Der Anführer redet dauernd vom Auserwählten, der irgendwann auftauchen wird. Da kann er noch lange drauf warten, wenn man mich fragt.
Meine Sitznachbarin stößt ihren Ellenbogen in meine Seite. Aus irgendeinem Grund starren mich alle an. Peinlich.
„Ähm…“ Ja, sehr wortgewandt. „Tut mir leid, was ist los?“
Räuspern. Hüsteln.
Der Anführer schaut pikiert. „Ich sagte gerade, dass es so nicht weitergehen kann. Wir müssen wieder etwas wagen. Meines Erachtens nach“, er wendet sich wieder an alle, „brauchen wir einen erneuten Attentatsversuch. Wir haben uns weiter entwickelt, diesmal wird er funktionieren.“
„Wird er nicht.“ Die Blicke huschen zu mir.
„Und warum nicht?“ Zurück zum Anführer. Als würden wir uns einen Ball zuwerfen.
„Sie sind zu gut vorbereitet. Ohne den Auserwählten wird nie was aus der Sache.“ Das heißt, es wird nie was aus der Sache.
Mal ganz abgesehen davon, würde ich dich sowieso warnen.
Wieder einmal löst sich der Verschwörerzirkel auf, ohne irgendetwas erreicht zu haben. Ein, zwei wollen „Tod dem Tyrannen“ an eine Mauer pinseln. Das war dann auch schon die ganze Rebellion.
Ich fühle mich wie eine Verräterin, als ich zu unserem Treffpunkt zurückkehre. Schlüpfe ins Zelt. Leer. Lasse mich auf die Matten fallen.
Warum läuft das Leben immer so verquere Bahnen?
Du schiebst den Stoff am Eingang beiseite. Die Sonne steht in deinem Rücken. Fast als würdest du selber scheinen. Weiter oben am Himmel hängt schon der Mond.
Weder du noch ich sprechen je ein Wort, nachts. Hier und jetzt bin ich nur ich, und du nur du. Hier und jetzt gibt es keinen Lord. Keinen Widerstand. Nur zwei Menschen. Zumindest für den Moment ist das ein schöner Gedanke.
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bevly  Schreiberling
    

Status: Offline Registriert seit: 30.12.2006 Beiträge: 327 Nachricht senden | Erstellt am 08.07.2008 - 11:44 |  |
Kapitel 2
Was? Wieso hattest du mich erwartet? Woher wusstest du…?
Du hobst langsam die leeren Hände – Geste des Friedens? „Ich will dir nichts tun. Ich war nur sowieso auf und du musst verstehen, dass ich nicht zulassen werde, dass du mich umbringst. Tut mir leid.“ Du lächeltest mich an. Kranker Mensch.
„Okay, ich bitte dich jetzt, zu schreien.“
Hä? „Was?“
„Tu’s einfach. Los!“
Ich schrie. Und du zogst eine Pistole aus dem Gürtel. Verdammt.
Aber aus irgendeinem Grund richtetest du sie auf eine Wand. Ein Schuss. Diesmal brauchtest du mich nicht aufzufordern, zu schreien. Du wirbeltest herum und warfst dich gegen eine Wand. Stießest dabei einen Stuhl weg, der polternd umfiel.
Ich stand und starrte.
Du holtest aus. Schlugst deine bewaffnete Hand gegen meine. Das Messer flog in hohem Bogen aus dem Fenster. Du lächeltest mich unter zerzausten Haaren hervor an. Schwer atmend. „Deine Freunde warten auf dich und wir zwei werden hier gleich nicht mehr allein sein. Also beeil dich.“
Ähm. Was?
Ach so. Klar. Abhauen. „Danke.“
Verwirrung. Drehte mich trotzdem um und kletterte schnell aus dem Fenster. Über meinem Kopf jagte ein Schuss hinaus.
Auf halber Höhe ließ ich mich fallen. Meine Begleiter starrten mich ungläubig an.
„Ich erklär es euch später. Lauft!“
Und das taten wir. Alle drei.
***
„Morgen geht die Welt unter.“
„Was?“
„Nichts. Ich wollte nur schauen, ob du mir zuhörst.“
Du runzelst die Stirn und wendest dich wieder deinen Zetteln zu. Ich spucke mein Kaugummi auf den Boden.
Schweigen.
„Würdest du mir mehr Beachtung schenken, wenn ich mich ausziehe?“
Du schleuderst den Stift weg. Er fliegt geradewegs gegen die Zeltwand und prallt von ihr wie von einem Trampolin ab. Leider schafft er nicht den Weg bis zurück in deine Hand. „Verdammt, was willst du eigentlich von mir?“
„Was willst du von mir? Ich dachte halt, bevor wir uns nur anschweigen, schlafen wir miteinander. Immerhin das kriegen wir ganz gut hin.“ Ich versuche gar nicht, den Vorwurf in meiner Stimme zu unterdrücken.
Du sagst meinen Namen. Leise. Bittend. Beruhigend.
Will mich nicht beruhigen. Springe auf und renne aus dem Zelt. Mein Kaugummi bleibt zurück. Werd doch mit ihm froh.
Was will ich hier? Zu dieser Tageszeit hält sich doch niemand im Hauptquartier auf, dessen Gesellschaft ich ertragen könnte. Nur der Anführer und vielleicht der Doktor. Egal. Besser als nichts. Besser als weiter durch die Gassen zu irren.
Schaue mich um, bevor ich durch den Türspalt husche.
Kaum beleuchtet. Brauche kurz, bis ich etwas erkennen kann.
Der Neue sitzt auf einem Sessel und blättert in einem Buch. Kann mich noch daran erinnern, wie es war, das erste Mal eines in den Händen zu halten. Klar, dass der Lord sie verboten hat. Fantasie ist die Nahrung der Rebellion. Wissen ist Macht.
Er wirft mir einen Blick zu, der Neue. Ist sehr spät zu uns gekommen, schon älter als ich. Blonde Locken. Grüne Augen. Breites Grinsen – manchmal zumindest. So wie jetzt. Winkt mich zu sich herüber.
Ich folge der Einladung. Ohne nachzudenken. Setze mich ihm gegenüber. Lächle. Überkreuze die Beine. „Hi.“
„Hi. Was tust du denn hier?“ Er legt das Buch weg. Kinderroman.
Lachen. „Dasselbe könnte ich dich auch fragen.“
Sehe ihn einen Moment lang an. Sehe ihn zum ersten Mal wirklich an.
Blonde Locken. Dunklere Strähnen darin. Vielleicht kinnlang, kann ich nicht sagen. Steht ja in alle Richtungen ab.
Grüne Augen. Ein helles Grün. Frühlingsgrün. Muss lächeln.
Lange Wimpern. Dichte Augenbrauen. Gerade Nase. Volle Lippen. Schmales Gesicht. Breite Schultern. Nicht wirklich muskulös, nicht wirklich unmuskulös. Keine Ahnung.
Graues T-Shirt. Dunkle Hose. Bloße Füße.
Ich hasse Frust-Aktionen. Vom Flirten hält mich das allerdings nicht ab. Auch nicht davon, mit ihm ins Hinterzimmer zu gehen.
Ich bin bescheuert.
Seine Lippen schmecken anders als deine. Ungewohnt. Gut? Schlecht?
Seine Hände fühlen sich anders an auf meiner Haut. Kein Feuer. Keine Explosion.
Lasse es zu, dass er sie unter mein T-Shirt schiebt. Lasse es zu, dass er mich an sich zieht. Halte die Augen geschlossen.
Lippen. Atem. Hände.
Du-
Nein.
Er. Verdammt. Schüttele den Kopf.
„Was?“ Der Neue ist von mir abgerückt. Merkwürdiger Blick. Verletzt?
Will nicht weitermachen. Will weitermachen. „Nichts. Tut mir leid.“
Ziehe seinen Kopf wieder zu mir heran. Lippen. Atem. Hände. Die Welt verschwimmt.
Leer.
Was ich mir dabei gedacht habe? Nichts. Ich hab nicht gedacht. Das ist es ja. Schwache Erklärung.
Muss ich es erklären? Wem denn? Dir?
Ich schulde dir keine Rechenschaft. Ich muss mich vor niemandem verantworten. Vor niemandem, vor niemandem, vor niemandem.
Nur vor mir.
Ich hasse Frust-Aktionen.
Hoffentlich ist ihm klar, dass das eine einmalige Sache war. Vielleicht wird es ihm klarer, wenn ich gehe.
Stehe auf. Suche meine Kleider. Verlasse leise den Raum.
Der Neue schläft.
Der Andere.
Wohin? Zu dir? Jetzt? Nein.
Wohin? Nach Hause? Zu den Eltern? Wohl kaum.
Die Hotels der Stadt sind fast alle geschlossen oder für Normalsterbliche nicht bezahlbar. Könnte auf der Straße schlafen. Will nicht dabei erwischt werden. Wie spät ist es? Gilt die Sperre schon? Könnte zur Freundin gehen. Hoffentlich ist sie da.
Will mir eine Zigarette anstecken. Verdammter Wind. Hab noch ein bisschen Weg vor mir und es ist dunkel. Beeilen.
Beschissener Tag.
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