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nico ...
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...   Erstellt am 17.03.2006 - 15:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Friedrich von Schiller:
Drama Wilhelm Tell

Das klassische Drama Wilhelm Tell des deutschen Dichters Friedrich von Schiller (1759 - 1805) hat ein großes Thema: Freiheit. Es wurde 1804 am Hoftheater in Weimar uraufgeführt und ist zweifellos die berühmteste literarische Bearbeitung der Sage vom Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell.

Wenn ich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell in dieser Literaturgeschichte der Schweiz anführe, dann soll damit keineswegs einer der größten deutschen Dichter für die Schweiz vereinnahmt werden. Das Drama Wilhelm Tell wird aber - seines Themas wegen - von vielen Schweizer Bürgern gewissermaßen als "Nationalepos" betrachtet und dürfte auch hierzulande häufiger aufgeführt werden als irgend ein anderes Schauspiel. Heute noch finden u.a. jährlich im Touristenort Interlaken die Tellspiele statt.

Zusammenfassung und Schlüsselzitate

Die ausserordentliche Bekanntheit und Beliebtheit des Stücks läßt sich nicht zuletzt auch daran messen, wie viele Verse daraus zu stehenden Redewendungen geworden sind oder bis heute als Sprichwörter benützt werden.

Erster Aufzug

Szenen der Unterdrückung
Erste Szene

Es lächelt der See, er ladet zum Bade.

Die Alp- und Seeidylle wird jäh gestört durch die Flucht des Konrad Baumgarten aus Unterwalden. Er erschlug den Burgvogt Wolfenschießen, weil dieser seine Frau schänden wollte. Ein Föhnsturm peitscht den See auf. Der Fährmann weigert sich, Konrad Baumgarten überzusetzen. Da taucht Wilhelm Tell auf und nimmt die Sache kurz entschlossen an die Hand, getreu seinem Motto:

Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt,
Vertrau auf Gott und rette den Bedrängten.

Zweite Szene

Stauffacher vor seinem Haus in Steinen (Schwyz).

Werner Stauffacher erzählt seiner Frau Gertrud, daß der Landvogt Geßler ihm das neuerbaute Haus neidet:

«Ich bin Regent im Land an Kaisers Statt
Und will nicht, daß der Bauer Häuser baue
Auf seine eigne Hand und also frei
Hinleb', als ob er Herr wär' in dem Lande ...

Der Rat der Stauffacherin: Stauffacher soll nach Uri zu fliehen und dort Gesinnungsgenossen suchen.

Dritte Szene

Öffentlicher Platz bei Altdorf.

Ein Fronvogt treibt Steinmetz und Handlanger an, die an einer neuen Festung arbeiten: Zwing Uri soll sie heißen. Ein Ausrufer des Landvogtes läßt einen Hut auf eine Säule setzen und befiehlt, ihm gleiche Ehre zu erweisen, als wär's der Kaiser selbst.

Werner Stauffacher trifft Wilhelm Tell und möchte mit ihm die Lage beraten. Doch dieser wehrt ab. Friedrich Schiller zeichnet den Stauffacher als Mann des Rates, den Tell dagegen als Mann der Tat, und obendrein als Einzelgänger, der nicht einmal seinen Freunden ganz vertraut:

Stauffacher:
Mir ist das Herz so voll, mit Euch zu reden.
Tell:
Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht.
...
Stauffacher:
Wir könnten viel, wenn wir zusammenstünden.
Tell:
Beim Schiffbruch hilft der einzelne sich leichter.
Stauffacher:
So kalt verlaßt Ihr die gemeine Sache?
[gemein = gemeinsam]
Tell:
Ein jeder zählt nur sicher auf sich selbst.
Stauffacher:
Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.
Tell:
Der Starke ist am mächtigsten allein.
Stauffacher:
So kann das Vaterland auf Euch nicht zählen,
Wenn es verzweiflungsvoll zur Notwehr greift?
Tell (gibt ihm die Hand):
Der Tell holt ein verlornes Lamm vom Abgrund,
Und sollte seinen Freunden sich entziehen?
Doch was ihr tut, laßt mich aus eurem Rat,
Ich kann nicht lange prüfen oder wählen;
Bedürft ihr meiner zu bestimmter Tat,
Dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.

Vierte Szene

Walter Fürsts Wohnung.

Arnold vom Melchtal, dem ein Knecht des Vogtes die Ochsen vor dem Pflug ausgespannt hatten («Wenn der Bauer Brot wollt' essen, mög er selbst am Pfluge ziehn!» und der diesem die Finger gebrochen hatte, versteckt sich bei Walter Fürst in Uri. Stauffacher tritt ein und meldet, daß der Vogt Landenberger den Vater Melchtals blenden ließ weil der Sohn entfloh. Die drei Männer beschliessen, Freunde für den Befreiungskampf zu gewinnen und mit ihnen ein heimliches Treffen auf dem Rütli abzuhalten.


Zweiter Aufzug
Der Rütlischwur
Erste Szene

Edelhof des Freiherrn von Attinghausen

Der alte Freiherr von Attinghausen pflegt traulichen Umgang mit seinen Knechten und misstraut dem Hause Habsburg, sein junger Neffe Rudenz sucht Kriegsruhm in habsburgischen Diensten und verachtet die Bauern seiner Heimat. Rudenz ist auch durch seine Beziehung zu Berta von Bruneck an die Habsburger gebunden.
Zweite Szene

Die Rütliwiese, von hohen Felsen und Wald umgeben

Vorbemerkung: Diese Szene ist dreimal so lang wie der Durchschnitt der übrigen, und sie hat es auch inhaltlich in sich!

Melchtal, Stauffacher und Fürst und ihre Mitstreiter aus Unterwalden, Schwyz und Uri treffen sich heimlich - statt, wie sie's gewohnt wären, zur offenen Landsgemeinde - um die Lage zu beraten:

Walter Fürst:
So müssen wir auf unserm eignen Erb'
Und väterlichen Boden uns verstohlen
Zusammenschleichen, wie die Mörder tun,
Und bei der Nacht, die ihren schwarzen Mantel
Nur dem Verbrechen und der sonnenscheuen
Verschwörung leihet, unser gutes Recht
Uns holen, das doch lauter ist und klar,
Gleichwie der glanzvoll offne Schoß des Tages.
Melchtal:
Laßt's gut sein. Was die dunkle Nacht gesponnen,
Soll frei und fröhlich an das Licht der Sonnen.

Sie wollen ein Bündnis beschwören, oder genauer - worauf Stauffacher Wert legt - erneuern:

Wir stiften keinen neuen Bund, es ist
Ein uralt Bündnis nur von Väter Zeit,
Das wir erneuern! Wisset, Eidgenossen!
Ob uns der See, ob uns die Berge scheiden
und jedes Volk sich für sich selbst regiert,
So sind wir eines Stammes doch und Bluts,
Und eine Heimat ist's, aus der wir zogen.

[Mit Volk ist hier die Bevölkerung je eines Urschweizer Kantons gemeint. Friedrich Schiller spielt darauf an, daß die Schweiz sich bis zur Gründung des modernen Bundesstaates von 1848 als losen Staatenbund von selbstständigen Kleinstaaten verstand]

Friedrich Schiller lässt Stauffacher in dieser Szene das Selbstverständnis der Eidgenossen von ihrer Freiheit und ihren ererbten Rechten vortragen, ohne daß dem jemand widersprechen würde:

Die andern Völker tragen fremdes Joch,
Sie haben sich dem Sieger unterworfen.
...
Doch wir, der alten Schweizer echter Stamm,
Wir haben stets die Freiheit uns bewahrt.
Nicht unter Fürsten bogen wir das Knie,
Freiwillig wählten wir den Schirm der Kaiser.
...
Denn herrenlos ist auch der Freiste nicht,
Ein Oberhaupt muß sein, ein höchster Richter,
Wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit.
Drum haben unsre Väter für den Boden,
Den sie der alten Wildnis abgewonnen,
Die Ehr' gegönnt dem Kaiser, der den Herrn
Sich nennt der deutschen und der welschen Erde,
Und, wie die andern Freien seines Reichs,
Sich ihm zu edlem Waffendienst gelobt:
Denn dieses ist der Freien einz'ge Pflicht,
Das Reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt.
...
Daheim regierten sie sich fröhlich selbst
Nach altem Brauch und eigenem Gesetz,
Der höchste Blutbann war allein des Kaisers.
Und dazu ward bestellt ein großer Graf,
Der hatte seinen Sitz nicht in dem Lande;
Wenn Blutschuld kam, so rief man ihn herein,
Und unter freiem Himmel, schlicht und klar,
Sprach er das Recht und ohne Furcht der Menschen.

Auch bei der Schilderung des Konflikts zwischen den Schwyzern und dem Kloster Einsiedeln um die Weiderechte im Hochmoor von Rothenturm bzw. zwischen den Nidwaldnern und Urnern mit dem Kloster Engelberg zu Beginn des 14. Jahrhunderts lässt Schiller Stauffachers "offizielle Schweizer Position" der Berufung auf altes Gewohnheitsrecht und des trotzigen Widerstandes unwidersprochen stehen:

Dem Kaiser selbst versagten wir den Gehorsam,
Da er das Recht zu Gunst der Pfaffen bog.
Denn als die Leute von dem Gotteshaus
Einsiedeln uns die Alp in Anspruch nahmen,
Die wir beweidet seit der Väter Zeit,
Der Abt herfürzog einen alten Brief,
Der ihm die herrenlose Wüste schenkte -
Denn unser Dasein hatte man verhehlt -
Da sprachen wir: «Erschlichen ist der Brief!
Kein Kaiser kann, was unser ist, verschenken.
Und wird uns Recht versagt vom Reich, wir können
In unsern Bergen auch des Reichs entbehren.»
- So sprachen unsre Väter! Sollen wir
des neuen Joches Schändlichkeit erdulden,
Erleiden von dem fremden Knecht, was uns
In seiner Macht kein Kaiser durfte bieten?
- Wir haben diesen Boden uns erschaffen
Durch unsrer Hände Fleiß, den alten Wald,
Der sonst der Bären wilde Wohnung war,
Zu einem Sitz für Menschen umgewandelt,
...
Unser ist durch tausendjährigen Besitz
Der Boden - und der fremde Herrenknecht
Soll kommen dürfen und uns Ketten schmieden
und Schmach antun auf unsrer eignen Erde?
Ist keine Hilfe gegen solchen Drang?

Bis hierhin ist Friedrich Schiller im Wesentlichen seinen Quellen, den Schweizer Chronisten Aegidius Tschudi (Chronicon Helveticum, 1550) und Johannes von Müller (Der Geschichten Schweizerischer Eidgenossenschaft 1. und 2. Buch, Winterthur 1786; Neuauflage des 1. Bandes nach dem Erscheinen von Schillers Tell, Leipzig 1806) und damit der spätmittelalterlichen Tradition gefolgt. Im Höhepunkt der Rede legt er nun dem Stauffacher die berühmten Worte in den Mund, die man als seine (Schillers) eigene Zusammenfassung der aufklärerischen Diskussion zu Naturrecht und Widerstandsrecht betrachten kann:

Nein eine Grenze hat Tyrannenmacht:
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträglich wird die Last - greift er
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel
Und holt herunter seine ew'gen Rechte,
Die droben hangen, unveräusserlich
Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst -
der alte Urstand der Natur kehrt wieder,
Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht -
Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr
Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben
Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen
Gegen Gewalt - Wir stehn vor unser Land,
Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder!

Wenn nun der Pfarrer Rösselmann aus Uri erwägt, die Hoheit der Habsburger anzuerkennen, dann ist dies reine Provokation, die ihre Wirkung nicht verfehlt: Die versammelten beschließen, wer unter ihnen ihnen von «Ergebung» spreche, solle «rechtlos sein und aller Ehren bar», - darauf der Pfarrer: «Jetzt seid ihr frei»

Der Tagespräsident Itel [Ital] Reding, Altlandammann von Schwyz, mahnt zur Ruhe:

Eidgenossen!
Sind alle sanften Mittel auch versucht?
Vielleicht weiß es der König nicht, es ist
Wohl gar sein Wille nicht, was wir erdulden.
Auch dieses letzte sollten wir versuchen,
Erst unsre Klage bringen vor sein Ohr,
Eh' wir zum Schwerte greifen. Schrecklich immer,
Auch in gerechter Sache, ist Gewalt;
Gott hilft nur dann, wenn Menschen nicht mehr helfen.

Darauf erwidert Konrad Hunn, der Abgesandte aus Schwyz, daß ihm der neue Kaiser [Albrecht I., ein Habsburger, gewählt 1298, ermordet von seinem Neffen Johannes Parricida in den habsburgischen Stammlanden bei Windisch, Kanton Aargau, am 1. Mai 1308] als einzigem die Bestätigung der Reichsfreiheit verweigert habe. Er erwähnt auch dessen Neffen Johannes, den er um sein Erbe betrogen habe. Friedrich von Schiller schließt sich damit der "traditionellen" Datierung der Chronisten an, die den Rütlischwur und die Tellengeschichte im Spätherbst 1307 ansetzen.

Schließlich formuliert Walter Fürst aus Uri ein - bei allem Widerstand - eigentlich recht konservatives und gemäßigtes Programm:

Abtreiben wollen wir verhaßten Zwang,
Die alten Rechte, wie wir sie ererbt
Von unsern Vätern, wollen wir bewahren,
Nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen.
Dem Kaiser bleibe, was des Kaisers ist,
Wer einen Herrn hat, dien' ihm pflichtgemäß.
...
Was sein muß, das geschehe, doch nicht drüber.
Die Vögte wollen wir mit ihren Knechten
Verjagen und die festen Schlösser brechen,
Doch, wenn es sein mag, ohne Blut. Es sehe
Der Kaiser, daß wir notgedrungen nur
Der Ehrfurcht fromme Pflichten abgeworfen.
Und sieht er uns in unsern Schranken bleiben,
Vielleicht besiegt er staatsklug seinen Zorn,
Denn bill'ge Furcht erwecket sich ein Volk,
Das mit dem Schwerte in der Faust sich mäßigt.

Hier spricht der reife Schiller der Klassik - Sturm und Drang sind schon fast vergessen. Soweit man das bei der eher dürftigen Quellenlage überhaupt beurteilen kann, dürften die Alten Eidgenossen in Wirklichkeit wohl eher Hitzköpfe und Draufgänger als Philosophen gewesen sein, die in solcher Weise abgewogen hätten, ob und unter welchen Randbedingungen ihr Widerstand gegen die Habsburger ethisch zu rechtfertigen sei.

Man einigt sich, nicht ziellos loszuschlagen, sondern koordiniert ans Werk zu gehen. Die konkreten Pläne zum Burgenbruch als konzertierter Aktion, die nun entwickelt werden, entsprechen zwar durchaus der Tradition der Chronisten, doch die Historiker gehen heute aufgrund der archäologischen Befunde und der noch erhaltenen Urkunden davon aus, daß eben eine solche Aktion zu Beginn des 14. Jahrhunderts nicht stattgefunden habe.
Pfarrer Rösselmann spricht die Schwurformel vor - biblische Anklänge ("Neuer Bund" sind unverkennbar:
Die Eidgenossen beim Rütlischwur Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon

Bei diesem Licht, das uns zuerst begrüsst
Von allen Völkern, die tief unter uns
Schwer atmend wohnen in dem Qualm der Städte,
Laßt uns den Eid des neuen Bundes schwören.
- Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr.
- Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
- Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.



Dritter Aufzug

Der Apfelschuß
Erste Szene

Hof vor Tells Hause

Tells Sohn Walter übt mit Pfeil und Bogen: "Früh übt sich, was ein Meister werden will."
Wilhelm Tell selbst hantiert mit einer Axt: "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann."
Seine Frau Hedwig hält ihm vor, daß er auf der Jagd, aber auch auf dem See bei Sturm zu viel wage.
Darauf Tell: "Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten."
Hedwig ahnt Schlimmes, sie rät Tell, nicht nach Altdorf zu gehen. Doch der Tell wäre nicht der Tell, wenn er sich abbringen ließe von dem, was er sich in den Kopf gesetzt.
Zweite Szene

Wilde Waldgegend. Berta im Jagdkleid und Rudenz.

Hier kommt nun die unvermeidliche Liebesgeschichte, die in keinem erfolgreichen Theaterstück oder Film fehlen darf, auch wenn sie zur eigentlichen Handlung wenig bis nichts beiträgt. Berta von Bruneck, eine reiche Erbin von Besitzungen in Uri, gehört zum Gefolge des Landvogts Gessler. Ulrich von Rudenz, der Neffe von Werner Freiherr von Attinghausen vertritt den Urner Landadel. Im Gegensatz zum alten Attinghausen verachtet er die Landbevölkerung. Er sucht nach Ruhm und möchte sich bei Berta durch eine Habsburg-freundliche Haltung einschmeicheln. Berta dagegen weiß wohl, daß man sie im Umfeld der Habsburger nur als Objekt der Heiratspolitik betrachtet. Ihr Herz schlägt auf der Seite der unterdrückten Landbevölkerung, sie möchte abseits der höfischen Ränkespiele unter den freien Schweizern auf ihren Gütern in den Waldstätten leben. Sie wäre einer Verbindung mit Rudenz nicht abgeneigt, wenn er nur zu seinem Volk und Land stehen statt mit den Habsburgern gemeinsame Sache machen würde:

Seid,
Wozu die herrliche Natur Euch machte!
Erfüllt den Platz, wohin sie Euch gestellt,
Zu Eurem Volke steht und Eurem Lande
Und kämpft für Euer heilig Recht.
...
Nach meinem Erbe strecken sie die Hand,
Das will man mit dem grossen Erb' vereinen.
Dieselbe Ländergier, die eure Freiheit
Verschlingen will, sie drohet auch der meinen!
...
Weh mir! Wie stünd's um mich,
Wenn ich dem stolzen Ritter müßte folgen,
Dem Landbedrücker, auf sein finstres Schloß
- Hier ist kein Schloß. Mich scheiden keine Mauern
Von einem Volk, das ich beglücken kann! ...
Es ist ein Feind, vor dem wir alle zittern,
Und eine Freiheit macht uns alle frei!

Ob sich das Volk von dieser Berta beglücken lassen möchte, bleibe dahin gestellt.
Dritte Szene

Wiese bei Altdorf. Geßlerhut auf der Stange.

Die Hutwachen sind verdrießlich, weil das Volk den sonst belebten Platz meidet, "seitdem der Popanz auf der Stange hängt". Da erscheint Wilhelm Tell mit seinem Bub Walter und philosophiert über das große ebne Land:

Das Land ist schön und gütig, wie der Himmel,
Doch die's bebauen, sie genießen nicht
Den Segen, den sie pflanzen.
...
Dort darf der Nachbar nicht dem Nachbar trauen.

Wilhelm Tell will, obwohl ihn der Knabe noch auf den Hut aufmerksam macht, achtlos am Hut vorbeigehen, da halten ihn die Wachen auf. Landleute kommen dazu, es kommt zu Aufruhr. Da erscheint der Landvogt Gessler mit seinem Gefolge. Wilhelm Tell versucht sich herauszureden, er habe aus Unbedacht gehandelt. Doch Gessler zwingt ihn dazu, mit seiner Armbrust einen Apfel vom Kopf seines Buben zu schießen. Alles Flehen hilft nicht, weder von Wilhelm Tell selbst, noch von Walter Fürst, nicht einmal von Berta von Bruneck vermag den Wüterich Geßler zu erweichen. Während Wilhelm Tell die Armbrust zum Apfelschuss ansetzt, spricht Rudenz Klartext, obwohl Gessler ihn schweigen heißt:

Ich will reden,
Ich darf's! Des Königs Ehre ist mir heilig,
Doch solches Regiment muß Haß erwerben.
Das ist des Königs Wille nicht - Ich darf's
Behaupten - Solche Grausamkeit verdient
Mein Volk nicht, dazu habt Ihr keine Vollmacht.

Wilhelm Tell und Landvogt Gessler: Apfelschuss Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon

Wilhelm Tell hat einen zweiten Pfeil im Göller bereit gehalten. Nachdem ihm der Vogt das Leben zugsichert hat, gibt er zu:

So will ich Euch die Wahrheit gründlich sagen.
Mit diesem zweiten Pfeil durchschoß ich - Euch,
Wenn ich mein liebes Kind getroffen hätte,
Und Eurer - wahrlich! hätt' ich nicht gefehlt.

Daraufhin läßt Geßer den Tell fesseln und auf dem Seeweg nach Küssnacht am Rigi bringen. Die Landleute protestieren:

Ihr wollt ihn außer Lands gefangen führen?
Das dürft Ihr nicht, das darf der Kaiser nicht,
Das widerstreitet unsern Freiheitsbriefen!

Doch Gessler läßt sich nicht beeindrucken:

Wo sind sie? Hat der Kaiser sie bestätigt?
Er hat sie nicht bestätigt - Diese Gunst
Muß erst erworben werden durch Gehorsam.
Rebellen seid ihr alle gegen Kaisers
Gericht und nährt verwegene Empörung.
Ich kenn euch alle - ich durchschau euch ganz -
Den nehm ich jetzt heraus aus eurer Mitte,
Doch alle seid ihr teilhaft seiner Schuld:
Wer klug ist, lerne schweigen und gehorchen.



Vierter Aufzug

Der Tyrannenmord
Erste Szene

Östliches Ufer des Vierwaldstättersees, heftiges Rauschen, Blitz und Donnerschläge
Wilhelm Tell springt vom Nauen auf die Tellsplatte Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon

Friedrich Schiller zeigt den Tellensprung vom Schiff auf die Tellsplatte nicht direkt. Er läßt vielmehr den Wilhelm Tell zwei Fischern begegnen, denen er von seiner Flucht erzählt. Im Föhnsturm wußten sich der Landvogt Gessler und seine Knechte nicht anders zu helfen, als Wilhelm Tell loszubinden und ans Steuer zu setzen. An der vorstehenden Felsplatte jedoch fasst er seine Armbrust, schwingt sich hoch und stößt das Schiff in die tobenden Wellen zurück.

Die Fischer sehen darin ein Wunder:

Tell, Tell, ein sichtbar Wunder hat der Herr
An Euch getan, kaum glaub ich's meinen Sinnen.

Zweite Szene

Edelhof zu Attinghausen.

Walter Fürst, Werner Stauffacher und Konrad Baumgarten sind um den sterbenden Freiherrn versammelt. Hedwig, Tells Frau, stürzt herein und beklagt sich:

O rohes Herz der Männer! Wenn ihr Stolz
Beleidigt wird, dann achten sie nichts mehr,
Sie setzen in der blinden Wut des Spiels
Das Haupt des Kindes und das Herz der Mutter!
...
Wo waret ihr, da man den Trefflichen
in Bande schlug? Wo war da eure Hilfe?
Ihr sahet zu, ihr ließt das Gräßliche geschehn,
Geduldig littet ihr's, daß man den Freund
Aus eurer Mitte führte - Hat der Tell
Auch so an euch gehandelt? Stand er auch
Bedauernd da, als hinter dir die Reiter
Des Landvogts drangen, als der wüt'ge See
Vor dir erbrauste? Nicht mit müß'gen Tränen
Beklagt' er dich, in den Nachen sprang er, Weib
Und Kind vergaß er und befreite dich -
...
Ach, in des Kerkers feuchter Finsternis
Muß er erkranken - Wie die Alpenrose
Bleicht und verkümmert in der Sumpfesluft,
So ist für ihn kein Leben als im Licht
Der Sonne, in dem Balsamstrom der Lüfte.
Gefangen! Er! Sein Atem ist die Freiheit,
Er kann nicht leben in dem Hauch der Grüfte.

Die Eidgenossen weihen den sterbenden Freiherrn von Attinghausen in ihre Pläne ein. Dieser stellt erstaunt fest, daß der Adel überflüssig geworden ist:

Hat sich der Landmann solcher Tat verwogen,
Aus eignem Mittel, ohne Hilf' der Edeln,
Hat er der eignen Kraft so viel vertraut -
Ja, dann bedarf es unserer nicht mehr,
Getröstet können wir zu Grabe steigen:
Er lebt nach uns - durch andre Kräfte will
Das Herrliche der Menschheit sich erhalten.
...
Der Adel steigt von seinen alten Burgen
Und schwört den Städten seinen Bürgereid;

Attinghausen stirbt. Rudenz kann ihm seinen Sinneswandel nicht mehr selbst zeigen.
Auch Berta wurde von Geßlers Leuten verschleppt. Rudenz drängt die Eidgenossen zu sofortigem Handeln.
Dritte Szene

Die hohle Gasse bei Küßnacht.

Wilhelm Tell legt sich auf die Lauer und kämpft mit seinem Gewissen, sucht sich zu rechtfertigen.

Durch diese hohle Gasse muß er kommen
...
Ich lebte still und harmlos - Das Geschoß
War auf des Waldes Tiere nur gerichtet,
Meine Gedanken waren rein von Mord -
Du hast aus meinem Frieden mich heraus
Geschreckt, in gärend Drachengift hast du
Die Milch der frommen Denkungsart mir verwandelt,
Zum Ungeheuren hast du mich gewöhnt -
< Wer sich des Kindes Haupt zum Ziele setzte,
Der kann auch treffen in das Herz des Feinds.
...
Du bist mein Herr und meines Kaisers Vogt,
Doch nicht der Kaiser hätte sich erlaubt,
Was du - Er sandte dich in diese Lande,
Um Recht zu sprechen - strenges, denn er zürnet -
Doch nicht, um mit der mörderischen Lust
Dich jedes Greuels straflos zu erfrechen:
Es lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen.

Stüssi, der Flurschütz tritt herzu und berichtet von allerlei Unglücksfällen, die als Vorzeichen für ein großes Landesunglück deutet, "Auf schwere Taten wider die Natur". Wilhelm Tell erwidert sarkastisch:

Dergleichen Taten bringet jeder Tag,
Kein Wunderzeichen braucht sie zu verkünden.
...
Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben,
Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.

Eine arme Frau mit ihren Kindern stellt sich dem Landvogt in den Weg klagt ihm ihr Elend, da ihr Mann wegen eines geringen Vergehens im Gefägnis schmachtet. Doch Geßler läßt sich nicht erweichen. Da stellt sie sich ihm in den Weg:

Nein, nein, ich habe nichts mehr zu verlieren.
- Du kommst nicht von der Stelle, Vogt, bis du
Mir Recht gesprochen - Falte deine Stirne,
Rolle die Augen, wie du willst - Wir sind
So grenzenlos unglücklich, daß wir nichts
Nach deinem Zorn mehr fragen -

Der Tyrannenmord: Das war Tells Geschoss! Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon Der Landvogt Gessler tobt:

Ein allzu milder Herrscher bin ich noch
Gegen dies Volk - die Zungen sind noch frei,
Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt -
Doch es soll anders werden, ich gelob es,
Ich will ihn brechen, diesen starren Sinn,
Den kecken Geist der Freiheit will ich beugen.
Ein neu Gesetz will ich in diesen Landen
Verkündigen - Ich will -
(Ein Pfeil durchbohrt ihn, er fährt mit der Hand ans Herz und will sinken)
...
Das ist Tells Geschoß.

Rudolf der Harras, Geßlers Stallmeister versucht die Situation vergeblich in den Griff zu kriegen - die Bittstellerin Armgard ist völlig pietätlos: "Seht, Kinder, wie ein Wüterich verscheidet!" und der Flurschütz Stüssi fällt Rudolf in den Arm:

Eu'r Walten hat ein Ende. Der Tyrann
Des Landes ist gefallen. Wir erdulden
Keine Gewalt mehr. Wir sind freie Menschen.

Totentanz. Spreuerbrücke, Luzern

Mit den letzten Versen dieser Szene spielt Schiller auf das im in der Barockzeit weit verbreitete Motiv des Totentanzes an:

Rasch tritt der Tod den Menschen an,
Es ist ihm keine Frist gegeben;
Es stürzt ihn mitten in der Bahn,
Es reißt ihn fort vom vollen Leben.
Bereitet oder nicht, zu gehen,
Er muß vor seinen Richter stehen!

Mehr zum Motiv des Totentanzes:

* Totentanz (Mittelalter-Seiten von www.jaduland.de )
* www.totentanz.de
* Josef Brülisauer und Claudia Hermann (hg.): Todesreigen - Totentanz. Die Innerschweiz im Bannkreis barocker Todesvorstellungen. Luzern: Raeber Verlag 1996
* Josef Brülisauer und Claudia Hermann (hg.): Die Spreuerbrücke in Luzern. Ein barocker Totentanz von europäischer Bedeutung. Luzern: Raeber Verlag 1996



Fünfter Aufzug

Freiheit! Freiheit!
Erste Szene

Öffentlicher Platz bei Altdorf; auf den Bergen brennen Signalfeuer

Ruodi der Fischer und Arnold von Melchtal berichten, dass der Tyrann ermordet und die Burgen gebrochen sind - nur die Twing Uri steht noch im Gerüst. Melchtal hat den Roßberg mit List erstiegen und angezündet und dann zusammen mit Rudenz die gefangene Berta aus den brennenden Trümmern gerettet - Friedrich Schiller überbietet selbst die alten Chroniken, wenn's um die Action geht! Den Vogt Landenberg hat man über den Brünig verjagt - nicht ohne ihn schwören zu laßen, dass er nie zurückkehren werde.

Der Gesslerhut wird von der Stange geholt. Einige wollen ihn verbrennen. Doch Walter Fürst wehrt es:

Nein, laßt ihn aufbewahren!
Der Tyrannei mußt er zum Werkzeug dienen,
Er soll der Freiheit ewig Zeichen sein!

Damit liefert Friedrich Schiller gleich noch eine kleine Ätiologie [sagenhafte Begründung], dass zu seiner Zeit in der Helvetischen Republik [offizieller Name der Schweiz von 1798-1815] nach dem Vorbild der französischen Revolution allerorten Freiheitsbäume gepflanzt und darauf Freiheitshüte gesetzt werden. Bekanntlich beriefen sich auch die Revolutionäre in Frankreich auf Wilhelm Tell.

Werner Stauffacher und der Pfarrer Rösselmann treten hinzu und bringen die Nachricht von der Ermordung des Kaisers Albrecht I. durch seinen Neffen Herzog Johann von Schwaben. Stauffacher nennt auch die Gründe:

Der Kaiser hielt das väterliche Erbe
Dem ungeduldig Mahnenden zurück;
Es hieß, er denk' ihn ganz darum zu kürzen, Mit einem Bischofshut ihn abzufinden.

Melchtal kommentiert sarkastisch:

So hat er nur seine frühes Grab gegraben,
Der unersättlich alles wollte haben!

Im Gegensatz zur Sage von Wilhelm Tell, für die es bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts keinerlei schriftliche Belege gibt, ist der "Vatermord" an Kaiser Albrecht I., vom 1. Mai 1308 historisch zweifelsfrei belegt. Johannes Parricida und seine Komplizen nutzten die Tatsache aus, daß der Kaiser beim Überqueren der Reuss mit einer Fähre bei Windisch [römisches Heerlager Vindonissa] bei Brugg im Aargau kurz von seinem Gefolge getrennt wurde. Die Habsburg, Stammsitz der Habsburger, befindet sich in unmittelbarer Nähe auf einer Anhöhe.

Für einen Aufruf der kaiserlichen Witwe, der alten Gunst zu gedenken, die man "von Rudolfs Fürstenhaus empfangen" habe, und die Mörder zu fassen und auszuliefern, haben die Eidgenossen wenig Verständnis:

Stauffacher:
Wir haben Gunst empfangen von dem Vater, [Rudolf I.]
Doch wessen rühmen wir uns von dem Sohn? [Albrecht I.]
Hat er den Brief der Freiheit uns bestätigt,
Wie vor ihm alle Kaiser doch getan?
...
Ihn rührte unsre Not nicht an - Ihm Dank?
Nicht Dank hat er gesät in diesen Tälern.
Er stand auf einem hohen Platz, er konnte
Ein Vater seiner Völker sein, doch ihm
Gefiel es, nur zu sorgen für die Seinen:
Die er gemehrt hat, mögen um ihn weinen!
Walter Fürst:
Wir wollen nicht frohlocken seines Falls,
Nicht dem empfangnen Bösen jetzt gedenken,
Fern sei's von uns! Doch, daß wir rächen sollten
Des Königs Tod, der nie uns Gutes tat,
Und die verfolgen, die uns nie betrübten,
Das ziemt uns nicht und will uns nicht gebühren.
Die Liebe will ein freies Opfer sein;
Der Tod entbindet von erzwungnen Pflichten,
- Ihm haben wir nichts weiter zu entrichten.
Melchtal:
Und weint die Königin in ihrer Kammer,
Und klagt ihr wilder Schmerz den Himmel an,
So seht ihr hier ein angstbefreites Volk
Zu eben diesem Himmel dankend flehen -
Wer Tränen ernten will, muß Liebe säen.

Gemünzt sind diese Aussagen auf die deutschen Fürsten und Könige zu Schillers Zeit, denen der Dichter mit dem historischen Stoff diskret und doch klar den Spiegel vor die Augen hält. Schillers Sprache mag wohl etwas antiquiert erscheinen, heute würde man vielleicht weniger von Liebe als von Good Governance sprechen. Doch daß solche Worte auch in heutiger Zeit noch Gültigkeit haben, dürften sich auch Verwaltungsräte, Manager und demokratisch gewählte Politiker (und solche, die es werden wollen) wieder einmal klarmachen ...

Zweite Szene

Tells Hausflur

[Parricida-Szene]

Hedwig und die Buben Walter und Wilhelm warten auf die Rückkehr Tells. Doch zunächst erscheint ein fremder Mönch, der sich merkwürdig verhält und vor dem Hedwig graut. Auch Wilhelm Tell schöpft sofort Verdacht und schickt Frau und Kinder weg. Johannes Parricida [parricida = lateinisch Vatermörder] sucht bei Wilhelm Tell Schutz vor seinen Verfolgern. Friedrich Schiller versucht hier, einen scharfen ethischen Gegensatz aufzubauen zwischen dem Vatermörder Johannes Parricida und dem Tyrannenmörder Wilhelm Tell.

Parricida:
Bei Euch hofft' ich Barmherzigkeit zu finden,
Auch ihr nahmt Rach' an Euerm Feind.
Tell:
Unglücklicher!
Darfst du der Ehrsucht blut'ge Schuld vermengen
Mit der gerechten Notwehr eines Vaters?
Hast du der Kinder liebes Haupt verteidigt?
Des Herdes Heiligtum beschützt? das Schrecklichste,
Das Letzte von den Deinen abgewehrt?
- Zum Himmel heb ich meine reinen Hände,
Verfluche dich und deine Tat - Gerächt
Hab ich die heilige Natur, die du
Geschändet - Nichts teil ich mit dir - Gemordet
Hast du, ich hab mein Teuerstes verteidigt.
...
Unglücklicher, wohl kannte dich dein Ohm,
Da er dir Land und Leute weigerte!
Du selbst mit rascher, wilder Wahnsinnstat
Rechtfertigst furchtbar seinen weisen Schluß.

Schiller rechtfertigt den Tyrannenmord des Wilhelm Tell damit, daß das Opfer, der Wüterich Gessler, selbst wider die Natur verstoßen habe, indem er einen Vater zwang, auf sein eigenes Kind zu zielen. Sein Wilhelm Tell vollstrecke durch den Tyrannenmord am Landvogt Gessler gewißermassen ein göttliches Urteil und bringe das Naturrecht zur Geltung.

Trotz seiner harten - zur eigenen Rechtfertigung ausgesprochenen - Worte will auch Schillers Tell die Habsburger der regierenden Linie nicht unterstützen und schickt den Parricida reichlich mit Proviant versehen durch die schreckliche Schöllenenschlucht nach Italien, wo er beim Papst seine Schuld beichten soll.
Dritte und letzte Szene

Talgrund vor Tells Haus

Berta von Brunegg und Rudenz werden in den Bund der Eidgenossen aufgenommen, Rudenz erklärt alle seine Knechte für frei.

Freiheit - damals und heute
oder: wie ist Freiheit zu gewinnen

Wilhelm Tell steht stellvertretend für die Alten Eidgenossen, er sieht den Tyrannenmord als gerechtfertigt an, wo der Despot in seiner Willkür Unmenschliches fordert. Freiheit wird als Abwesenheit von Tyrannei und Unterdrückung dargestellt. Daß damit nur die erste Hälfte des Problems der Freiheit gelöst ist, hätte auch Friedrich von Schiller zu seiner Zeit schon wissen können: Damals waren die Ereignisse der französischen Revolution hoch aktuell. Bekanntlich ging die Freiheitsbewegung von 1792 nur allzu schnell im Chaos von Anarchie und Terror unter.

Die zweite Hälfte des Problems der Freiheit besteht darin, eine verläßliche Ordnung zu errichten, die allen gleiche Rechte und gleiche Chancen garantiert. Dies ist - so paradox [widersprüchlich] es tönen mag - aber nur um den Preis von Einschränkungen der Freiheit zu haben: Meine Freiheit hört dort auf, wo sie die Freiheit meiner Mitmenschen verletzt. Wenn Friedrich von Schiller in seinem Drama - und mit ihm viele konservative Anhänger eines an Wilhelm Tell orientierten Freiheitsbegriffs - bloß die "ererbten Rechte" und ein "Widerstandsrecht gegen Tyrannei" betonen, dann greift dies zu kurz.

Wirkliche Freiheit ist immer nur zusammen mit ihrer Zwillingsschwester, der sozialen Gerechtigkeit zu haben. Hier ein stabiles und gerechtes Gleichgewicht zu finden, in dem auch die sozial Schwächeren nicht zu kurz kommen, das ist die Aufgabe des freiheitlich-demokratischen Rechtstaates, wie er in der Schweiz in Grundzügen seit 1848, als vollwertiger sozialer Wohlfahrtsstaat aber erst seit dem Ende des 2. Weltkriegs realisiert wurde.

Im Rechtsstaat aber ist kein Platz mehr für Selbstjustiz. Niemand darf sich anmaßen, sich wie Wilhelm Tell mit der Waffe in der Hand selbst Recht zu verschaffen. Alle - ob arm oder reich - haben sich den Entscheiden unterzuordnen, die auf demokratischem Weg zustande gekommen sind - nur so bleibt die Freiheit und Sicherheit aller gewährleistet.

Das sinnlose und schreckliche Attentat auf das Kantonsparlament von Zug am 27. September 2001, begangen von einem Amokläufer, der sich von den Behörden ungerecht behandelt fühlte, sollte uns dafür eine Mahnung sein. "Wer noch daran zweifelt, ob in unserem Land griffigere Bestimmungen über den Erwerb und den Besitz von Waffen nötig sind, dem sei der gestern veröffentlichte Schlussbericht der Zuger Untersuchungsbehörden über das Attentat vom September 2001 zur Lektüre empfohlen." (Werner Steinmann, Waffen nicht in falsche Hände, in: Neue Luzerner Zeitung, 24. 10. 2003, S. 35; zum Untersuchungsbericht vgl. auch Tages-Anzeiger, 24. 10. 2003, S. 9)
Mehr zur Entstehung, Interpretation und Wirkungsgeschichte von Friedrich Schillers Drama Wilhelm Tell.





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Ich hasse dieses buch! zum kotzen!
Haste das alles abgeschrieben oda hochgeladen?
wer macht sich schon die mühe, das alles abzuschreiben?!?





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Hab euch ganz doll lieb!!!!! =) macht spaß mit euch zu posten!

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ausm internet





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sons wärs auch extrem !





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Die Liebe wird kommen ! ^^

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ggenau das wollte ich damit ja sagen!





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aha !





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Die Liebe wird kommen ! ^^

<hui>
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...   Erstellt am 26.03.2009 - 17:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


[Zitat=nico]
Friedrich von Schiller:
Drama Wilhelm Tell
gut
Das klassische Drama Wilhelm Tell des deutschen Dichters Friedrich von Schiller (1759 - 1805) hat ein großes Thema: Freiheit. Es wurde 1804 am Hoftheater in Weimar uraufgeführt und ist zweifellos die berühmteste literarische Bearbeitung der Sage vom Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell.

Wenn ich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell in dieser Literaturgeschichte der Schweiz anführe, dann soll damit keineswegs einer der größten deutschen Dichter für die Schweiz vereinnahmt werden. Das Drama Wilhelm Tell wird aber - seines Themas wegen - von vielen Schweizer Bürgern gewissermaßen als "Nationalepos" betrachtet und dürfte auch hierzulande häufiger aufgeführt werden als irgend ein anderes Schauspiel. Heute noch finden u.a. jährlich im Touristenort Interlaken die Tellspiele statt.

Zusammenfassung und Schlüsselzitate

Die ausserordentliche Bekanntheit und Beliebtheit des Stücks läßt sich nicht zuletzt auch daran messen, wie viele Verse daraus zu stehenden Redewendungen geworden sind oder bis heute als Sprichwörter benützt werden.

Erster Aufzug

Szenen der Unterdrückung
Erste Szene

Es lächelt der See, er ladet zum Bade.

Die Alp- und Seeidylle wird jäh gestört durch die Flucht des Konrad Baumgarten aus Unterwalden. Er erschlug den Burgvogt Wolfenschießen, weil dieser seine Frau schänden wollte. Ein Föhnsturm peitscht den See auf. Der Fährmann weigert sich, Konrad Baumgarten überzusetzen. Da taucht Wilhelm Tell auf und nimmt die Sache kurz entschlossen an die Hand, getreu seinem Motto:

Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt,
Vertrau auf Gott und rette den Bedrängten.

Zweite Szene

Stauffacher vor seinem Haus in Steinen (Schwyz).

Werner Stauffacher erzählt seiner Frau Gertrud, daß der Landvogt Geßler ihm das neuerbaute Haus neidet:

«Ich bin Regent im Land an Kaisers Statt
Und will nicht, daß der Bauer Häuser baue
Auf seine eigne Hand und also frei
Hinleb', als ob er Herr wär' in dem Lande ...

Der Rat der Stauffacherin: Stauffacher soll nach Uri zu fliehen und dort Gesinnungsgenossen suchen.

Dritte Szene

Öffentlicher Platz bei Altdorf.

Ein Fronvogt treibt Steinmetz und Handlanger an, die an einer neuen Festung arbeiten: Zwing Uri soll sie heißen. Ein Ausrufer des Landvogtes läßt einen Hut auf eine Säule setzen und befiehlt, ihm gleiche Ehre zu erweisen, als wär's der Kaiser selbst.

Werner Stauffacher trifft Wilhelm Tell und möchte mit ihm die Lage beraten. Doch dieser wehrt ab. Friedrich Schiller zeichnet den Stauffacher als Mann des Rates, den Tell dagegen als Mann der Tat, und obendrein als Einzelgänger, der nicht einmal seinen Freunden ganz vertraut:

Stauffacher:
Mir ist das Herz so voll, mit Euch zu reden.
Tell:
Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht.
...
Stauffacher:
Wir könnten viel, wenn wir zusammenstünden.
Tell:
Beim Schiffbruch hilft der einzelne sich leichter.
Stauffacher:
So kalt verlaßt Ihr die gemeine Sache?
[gemein = gemeinsam]
Tell:
Ein jeder zählt nur sicher auf sich selbst.
Stauffacher:
Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.
Tell:
Der Starke ist am mächtigsten allein.
Stauffacher:
So kann das Vaterland auf Euch nicht zählen,
Wenn es verzweiflungsvoll zur Notwehr greift?
Tell (gibt ihm die Hand):
Der Tell holt ein verlornes Lamm vom Abgrund,
Und sollte seinen Freunden sich entziehen?
Doch was ihr tut, laßt mich aus eurem Rat,
Ich kann nicht lange prüfen oder wählen;
Bedürft ihr meiner zu bestimmter Tat,
Dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.

Vierte Szene

Walter Fürsts Wohnung.

Arnold vom Melchtal, dem ein Knecht des Vogtes die Ochsen vor dem Pflug ausgespannt hatten («Wenn der Bauer Brot wollt' essen, mög er selbst am Pfluge ziehn!») und der diesem die Finger gebrochen hatte, versteckt sich bei Walter Fürst in Uri. Stauffacher tritt ein und meldet, daß der Vogt Landenberger den Vater Melchtals blenden ließ weil der Sohn entfloh. Die drei Männer beschliessen, Freunde für den Befreiungskampf zu gewinnen und mit ihnen ein heimliches Treffen auf dem Rütli abzuhalten.


Zweiter Aufzug
Der Rütlischwur
Erste Szene

Edelhof des Freiherrn von Attinghausen

Der alte Freiherr von Attinghausen pflegt traulichen Umgang mit seinen Knechten und misstraut dem Hause Habsburg, sein junger Neffe Rudenz sucht Kriegsruhm in habsburgischen Diensten und verachtet die Bauern seiner Heimat. Rudenz ist auch durch seine Beziehung zu Berta von Bruneck an die Habsburger gebunden.
Zweite Szene

Die Rütliwiese, von hohen Felsen und Wald umgeben

Vorbemerkung: Diese Szene ist dreimal so lang wie der Durchschnitt der übrigen, und sie hat es auch inhaltlich in sich!

Melchtal, Stauffacher und Fürst und ihre Mitstreiter aus Unterwalden, Schwyz und Uri treffen sich heimlich - statt, wie sie's gewohnt wären, zur offenen Landsgemeinde - um die Lage zu beraten:

Walter Fürst:
So müssen wir auf unserm eignen Erb'
Und väterlichen Boden uns verstohlen
Zusammenschleichen, wie die Mörder tun,
Und bei der Nacht, die ihren schwarzen Mantel
Nur dem Verbrechen und der sonnenscheuen
Verschwörung leihet, unser gutes Recht
Uns holen, das doch lauter ist und klar,
Gleichwie der glanzvoll offne Schoß des Tages.
Melchtal:
Laßt's gut sein. Was die dunkle Nacht gesponnen,
Soll frei und fröhlich an das Licht der Sonnen.

Sie wollen ein Bündnis beschwören, oder genauer - worauf Stauffacher Wert legt - erneuern:

Wir stiften keinen neuen Bund, es ist
Ein uralt Bündnis nur von Väter Zeit,
Das wir erneuern! Wisset, Eidgenossen!
Ob uns der See, ob uns die Berge scheiden
und jedes Volk sich für sich selbst regiert,
So sind wir eines Stammes doch und Bluts,
Und eine Heimat ist's, aus der wir zogen.

[Mit Volk ist hier die Bevölkerung je eines Urschweizer Kantons gemeint. Friedrich Schiller spielt darauf an, daß die Schweiz sich bis zur Gründung des modernen Bundesstaates von 1848 als losen Staatenbund von selbstständigen Kleinstaaten verstand]

Friedrich Schiller lässt Stauffacher in dieser Szene das Selbstverständnis der Eidgenossen von ihrer Freiheit und ihren ererbten Rechten vortragen, ohne daß dem jemand widersprechen würde:

Die andern Völker tragen fremdes Joch,
Sie haben sich dem Sieger unterworfen.
...
Doch wir, der alten Schweizer echter Stamm,
Wir haben stets die Freiheit uns bewahrt.
Nicht unter Fürsten bogen wir das Knie,
Freiwillig wählten wir den Schirm der Kaiser.
...
Denn herrenlos ist auch der Freiste nicht,
Ein Oberhaupt muß sein, ein höchster Richter,
Wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit.
Drum haben unsre Väter für den Boden,
Den sie der alten Wildnis abgewonnen,
Die Ehr' gegönnt dem Kaiser, der den Herrn
Sich nennt der deutschen und der welschen Erde,
Und, wie die andern Freien seines Reichs,
Sich ihm zu edlem Waffendienst gelobt:
Denn dieses ist der Freien einz'ge Pflicht,
Das Reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt.
...
Daheim regierten sie sich fröhlich selbst
Nach altem Brauch und eigenem Gesetz,
Der höchste Blutbann war allein des Kaisers.
Und dazu ward bestellt ein großer Graf,
Der hatte seinen Sitz nicht in dem Lande;
Wenn Blutschuld kam, so rief man ihn herein,
Und unter freiem Himmel, schlicht und klar,
Sprach er das Recht und ohne Furcht der Menschen.

Auch bei der Schilderung des Konflikts zwischen den Schwyzern und dem Kloster Einsiedeln um die Weiderechte im Hochmoor von Rothenturm bzw. zwischen den Nidwaldnern und Urnern mit dem Kloster Engelberg zu Beginn des 14. Jahrhunderts lässt Schiller Stauffachers "offizielle Schweizer Position" der Berufung auf altes Gewohnheitsrecht und des trotzigen Widerstandes unwidersprochen stehen:

Dem Kaiser selbst versagten wir den Gehorsam,
Da er das Recht zu Gunst der Pfaffen bog.
Denn als die Leute von dem Gotteshaus
Einsiedeln uns die Alp in Anspruch nahmen,
Die wir beweidet seit der Väter Zeit,
Der Abt herfürzog einen alten Brief,
Der ihm die herrenlose Wüste schenkte -
Denn unser Dasein hatte man verhehlt -
Da sprachen wir: «Erschlichen ist der Brief!
Kein Kaiser kann, was unser ist, verschenken.
Und wird uns Recht versagt vom Reich, wir können
In unsern Bergen auch des Reichs entbehren.»
- So sprachen unsre Väter! Sollen wir
des neuen Joches Schändlichkeit erdulden,
Erleiden von dem fremden Knecht, was uns
In seiner Macht kein Kaiser durfte bieten?
- Wir haben diesen Boden uns erschaffen
Durch unsrer Hände Fleiß, den alten Wald,
Der sonst der Bären wilde Wohnung war,
Zu einem Sitz für Menschen umgewandelt,
...
Unser ist durch tausendjährigen Besitz
Der Boden - und der fremde Herrenknecht
Soll kommen dürfen und uns Ketten schmieden
und Schmach antun auf unsrer eignen Erde?
Ist keine Hilfe gegen solchen Drang?

Bis hierhin ist Friedrich Schiller im Wesentlichen seinen Quellen, den Schweizer Chronisten Aegidius Tschudi (Chronicon Helveticum, 1550) und Johannes von Müller (Der Geschichten Schweizerischer Eidgenossenschaft 1. und 2. Buch, Winterthur 1786; Neuauflage des 1. Bandes nach dem Erscheinen von Schillers Tell, Leipzig 1806) und damit der spätmittelalterlichen Tradition gefolgt. Im Höhepunkt der Rede legt er nun dem Stauffacher die berühmten Worte in den Mund, die man als seine (Schillers) eigene Zusammenfassung der aufklärerischen Diskussion zu Naturrecht und Widerstandsrecht betrachten kann:

Nein eine Grenze hat Tyrannenmacht:
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträglich wird die Last - greift er
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel
Und holt herunter seine ew'gen Rechte,
Die droben hangen, unveräusserlich
Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst -
der alte Urstand der Natur kehrt wieder,
Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht -
Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr
Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben
Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen
Gegen Gewalt - Wir stehn vor unser Land,
Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder!

Wenn nun der Pfarrer Rösselmann aus Uri erwägt, die Hoheit der Habsburger anzuerkennen, dann ist dies reine Provokation, die ihre Wirkung nicht verfehlt: Die versammelten beschließen, wer unter ihnen ihnen von «Ergebung» spreche, solle «rechtlos sein und aller Ehren bar», - darauf der Pfarrer: «Jetzt seid ihr frei»

Der Tagespräsident Itel [Ital] Reding, Altlandammann von Schwyz, mahnt zur Ruhe:

Eidgenossen!
Sind alle sanften Mittel auch versucht?
Vielleicht weiß es der König nicht, es ist
Wohl gar sein Wille nicht, was wir erdulden.
Auch dieses letzte sollten wir versuchen,
Erst unsre Klage bringen vor sein Ohr,
Eh' wir zum Schwerte greifen. Schrecklich immer,
Auch in gerechter Sache, ist Gewalt;
Gott hilft nur dann, wenn Menschen nicht mehr helfen.

Darauf erwidert Konrad Hunn, der Abgesandte aus Schwyz, daß ihm der neue Kaiser [Albrecht I., ein Habsburger, gewählt 1298, ermordet von seinem Neffen Johannes Parricida in den habsburgischen Stammlanden bei Windisch, Kanton Aargau, am 1. Mai 1308] als einzigem die Bestätigung der Reichsfreiheit verweigert habe. Er erwähnt auch dessen Neffen Johannes, den er um sein Erbe betrogen habe. Friedrich von Schiller schließt sich damit der "traditionellen" Datierung der Chronisten an, die den Rütlischwur und die Tellengeschichte im Spätherbst 1307 ansetzen.

Schließlich formuliert Walter Fürst aus Uri ein - bei allem Widerstand - eigentlich recht konservatives und gemäßigtes Programm:

Abtreiben wollen wir verhaßten Zwang,
Die alten Rechte, wie wir sie ererbt
Von unsern Vätern, wollen wir bewahren,
Nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen.
Dem Kaiser bleibe, was des Kaisers ist,
Wer einen Herrn hat, dien' ihm pflichtgemäß.
...
Was sein muß, das geschehe, doch nicht drüber.
Die Vögte wollen wir mit ihren Knechten
Verjagen und die festen Schlösser brechen,
Doch, wenn es sein mag, ohne Blut. Es sehe
Der Kaiser, daß wir notgedrungen nur
Der Ehrfurcht fromme Pflichten abgeworfen.
Und sieht er uns in unsern Schranken bleiben,
Vielleicht besiegt er staatsklug seinen Zorn,
Denn bill'ge Furcht erwecket sich ein Volk,
Das mit dem Schwerte in der Faust sich mäßigt.

Hier spricht der reife Schiller der Klassik - Sturm und Drang sind schon fast vergessen. Soweit man das bei der eher dürftigen Quellenlage überhaupt beurteilen kann, dürften die Alten Eidgenossen in Wirklichkeit wohl eher Hitzköpfe und Draufgänger als Philosophen gewesen sein, die in solcher Weise abgewogen hätten, ob und unter welchen Randbedingungen ihr Widerstand gegen die Habsburger ethisch zu rechtfertigen sei.

Man einigt sich, nicht ziellos loszuschlagen, sondern koordiniert ans Werk zu gehen. Die konkreten Pläne zum Burgenbruch als konzertierter Aktion, die nun entwickelt werden, entsprechen zwar durchaus der Tradition der Chronisten, doch die Historiker gehen heute aufgrund der archäologischen Befunde und der noch erhaltenen Urkunden davon aus, daß eben eine solche Aktion zu Beginn des 14. Jahrhunderts nicht stattgefunden habe.
Pfarrer Rösselmann spricht die Schwurformel vor - biblische Anklänge ("Neuer Bund") sind unverkennbar:
Die Eidgenossen beim Rütlischwur Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon

Bei diesem Licht, das uns zuerst begrüsst
Von allen Völkern, die tief unter uns
Schwer atmend wohnen in dem Qualm der Städte,
Laßt uns den Eid des neuen Bundes schwören.
- Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr.
- Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
- Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.



Dritter Aufzug

Der Apfelschuß
Erste Szene

Hof vor Tells Hause

Tells Sohn Walter übt mit Pfeil und Bogen: "Früh übt sich, was ein Meister werden will."
Wilhelm Tell selbst hantiert mit einer Axt: "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann."
Seine Frau Hedwig hält ihm vor, daß er auf der Jagd, aber auch auf dem See bei Sturm zu viel wage.
Darauf Tell: "Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten."
Hedwig ahnt Schlimmes, sie rät Tell, nicht nach Altdorf zu gehen. Doch der Tell wäre nicht der Tell, wenn er sich abbringen ließe von dem, was er sich in den Kopf gesetzt.
Zweite Szene

Wilde Waldgegend. Berta im Jagdkleid und Rudenz.

Hier kommt nun die unvermeidliche Liebesgeschichte, die in keinem erfolgreichen Theaterstück oder Film fehlen darf, auch wenn sie zur eigentlichen Handlung wenig bis nichts beiträgt. Berta von Bruneck, eine reiche Erbin von Besitzungen in Uri, gehört zum Gefolge des Landvogts Gessler. Ulrich von Rudenz, der Neffe von Werner Freiherr von Attinghausen vertritt den Urner Landadel. Im Gegensatz zum alten Attinghausen verachtet er die Landbevölkerung. Er sucht nach Ruhm und möchte sich bei Berta durch eine Habsburg-freundliche Haltung einschmeicheln. Berta dagegen weiß wohl, daß man sie im Umfeld der Habsburger nur als Objekt der Heiratspolitik betrachtet. Ihr Herz schlägt auf der Seite der unterdrückten Landbevölkerung, sie möchte abseits der höfischen Ränkespiele unter den freien Schweizern auf ihren Gütern in den Waldstätten leben. Sie wäre einer Verbindung mit Rudenz nicht abgeneigt, wenn er nur zu seinem Volk und Land stehen statt mit den Habsburgern gemeinsame Sache machen würde:

Seid,
Wozu die herrliche Natur Euch machte!
Erfüllt den Platz, wohin sie Euch gestellt,
Zu Eurem Volke steht und Eurem Lande
Und kämpft für Euer heilig Recht.
...
Nach meinem Erbe strecken sie die Hand,
Das will man mit dem grossen Erb' vereinen.
Dieselbe Ländergier, die eure Freiheit
Verschlingen will, sie drohet auch der meinen!
...
Weh mir! Wie stünd's um mich,
Wenn ich dem stolzen Ritter müßte folgen,
Dem Landbedrücker, auf sein finstres Schloß
- Hier ist kein Schloß. Mich scheiden keine Mauern
Von einem Volk, das ich beglücken kann! ...
Es ist ein Feind, vor dem wir alle zittern,
Und eine Freiheit macht uns alle frei!

Ob sich das Volk von dieser Berta beglücken lassen möchte, bleibe dahin gestellt.
Dritte Szene

Wiese bei Altdorf. Geßlerhut auf der Stange.

Die Hutwachen sind verdrießlich, weil das Volk den sonst belebten Platz meidet, "seitdem der Popanz auf der Stange hängt". Da erscheint Wilhelm Tell mit seinem Bub Walter und philosophiert über das große ebne Land:

Das Land ist schön und gütig, wie der Himmel,
Doch die's bebauen, sie genießen nicht
Den Segen, den sie pflanzen.
...
Dort darf der Nachbar nicht dem Nachbar trauen.

Wilhelm Tell will, obwohl ihn der Knabe noch auf den Hut aufmerksam macht, achtlos am Hut vorbeigehen, da halten ihn die Wachen auf. Landleute kommen dazu, es kommt zu Aufruhr. Da erscheint der Landvogt Gessler mit seinem Gefolge. Wilhelm Tell versucht sich herauszureden, er habe aus Unbedacht gehandelt. Doch Gessler zwingt ihn dazu, mit seiner Armbrust einen Apfel vom Kopf seines Buben zu schießen. Alles Flehen hilft nicht, weder von Wilhelm Tell selbst, noch von Walter Fürst, nicht einmal von Berta von Bruneck vermag den Wüterich Geßler zu erweichen. Während Wilhelm Tell die Armbrust zum Apfelschuss ansetzt, spricht Rudenz Klartext, obwohl Gessler ihn schweigen heißt:

Ich will reden,
Ich darf's! Des Königs Ehre ist mir heilig,
Doch solches Regiment muß Haß erwerben.
Das ist des Königs Wille nicht - Ich darf's
Behaupten - Solche Grausamkeit verdient
Mein Volk nicht, dazu habt Ihr keine Vollmacht.

Wilhelm Tell und Landvogt Gessler: Apfelschuss Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon

Wilhelm Tell hat einen zweiten Pfeil im Göller bereit gehalten. Nachdem ihm der Vogt das Leben zugsichert hat, gibt er zu:

So will ich Euch die Wahrheit gründlich sagen.
Mit diesem zweiten Pfeil durchschoß ich - Euch,
Wenn ich mein liebes Kind getroffen hätte,
Und Eurer - wahrlich! hätt' ich nicht gefehlt.

Daraufhin läßt Geßer den Tell fesseln und auf dem Seeweg nach Küssnacht am Rigi bringen. Die Landleute protestieren:

Ihr wollt ihn außer Lands gefangen führen?
Das dürft Ihr nicht, das darf der Kaiser nicht,
Das widerstreitet unsern Freiheitsbriefen!

Doch Gessler läßt sich nicht beeindrucken:

Wo sind sie? Hat der Kaiser sie bestätigt?
Er hat sie nicht bestätigt - Diese Gunst
Muß erst erworben werden durch Gehorsam.
Rebellen seid ihr alle gegen Kaisers
Gericht und nährt verwegene Empörung.
Ich kenn euch alle - ich durchschau euch ganz -
Den nehm ich jetzt heraus aus eurer Mitte,
Doch alle seid ihr teilhaft seiner Schuld:
Wer klug ist, lerne schweigen und gehorchen.



Vierter Aufzug

Der Tyrannenmord
Erste Szene

Östliches Ufer des Vierwaldstättersees, heftiges Rauschen, Blitz und Donnerschläge
Wilhelm Tell springt vom Nauen auf die Tellsplatte Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon

Friedrich Schiller zeigt den Tellensprung vom Schiff auf die Tellsplatte nicht direkt. Er läßt vielmehr den Wilhelm Tell zwei Fischern begegnen, denen er von seiner Flucht erzählt. Im Föhnsturm wußten sich der Landvogt Gessler und seine Knechte nicht anders zu helfen, als Wilhelm Tell loszubinden und ans Steuer zu setzen. An der vorstehenden Felsplatte jedoch fasst er seine Armbrust, schwingt sich hoch und stößt das Schiff in die tobenden Wellen zurück.

Die Fischer sehen darin ein Wunder:

Tell, Tell, ein sichtbar Wunder hat der Herr
An Euch getan, kaum glaub ich's meinen Sinnen.

Zweite Szene

Edelhof zu Attinghausen.

Walter Fürst, Werner Stauffacher und Konrad Baumgarten sind um den sterbenden Freiherrn versammelt. Hedwig, Tells Frau, stürzt herein und beklagt sich:

O rohes Herz der Männer! Wenn ihr Stolz
Beleidigt wird, dann achten sie nichts mehr,
Sie setzen in der blinden Wut des Spiels
Das Haupt des Kindes und das Herz der Mutter!
...
Wo waret ihr, da man den Trefflichen
in Bande schlug? Wo war da eure Hilfe?
Ihr sahet zu, ihr ließt das Gräßliche geschehn,
Geduldig littet ihr's, daß man den Freund
Aus eurer Mitte führte - Hat der Tell
Auch so an euch gehandelt? Stand er auch
Bedauernd da, als hinter dir die Reiter
Des Landvogts drangen, als der wüt'ge See
Vor dir erbrauste? Nicht mit müß'gen Tränen
Beklagt' er dich, in den Nachen sprang er, Weib
Und Kind vergaß er und befreite dich -
...
Ach, in des Kerkers feuchter Finsternis
Muß er erkranken - Wie die Alpenrose
Bleicht und verkümmert in der Sumpfesluft,
So ist für ihn kein Leben als im Licht
Der Sonne, in dem Balsamstrom der Lüfte.
Gefangen! Er! Sein Atem ist die Freiheit,
Er kann nicht leben in dem Hauch der Grüfte.

Die Eidgenossen weihen den sterbenden Freiherrn von Attinghausen in ihre Pläne ein. Dieser stellt erstaunt fest, daß der Adel überflüssig geworden ist:

Hat sich der Landmann solcher Tat verwogen,
Aus eignem Mittel, ohne Hilf' der Edeln,
Hat er der eignen Kraft so viel vertraut -
Ja, dann bedarf es unserer nicht mehr,
Getröstet können wir zu Grabe steigen:
Er lebt nach uns - durch andre Kräfte will
Das Herrliche der Menschheit sich erhalten.
...
Der Adel steigt von seinen alten Burgen
Und schwört den Städten seinen Bürgereid;

Attinghausen stirbt. Rudenz kann ihm seinen Sinneswandel nicht mehr selbst zeigen.
Auch Berta wurde von Geßlers Leuten verschleppt. Rudenz drängt die Eidgenossen zu sofortigem Handeln.
Dritte Szene

Die hohle Gasse bei Küßnacht.

Wilhelm Tell legt sich auf die Lauer und kämpft mit seinem Gewissen, sucht sich zu rechtfertigen.

Durch diese hohle Gasse muß er kommen
...
Ich lebte still und harmlos - Das Geschoß
War auf des Waldes Tiere nur gerichtet,
Meine Gedanken waren rein von Mord -
Du hast aus meinem Frieden mich heraus
Geschreckt, in gärend Drachengift hast du
Die Milch der frommen Denkungsart mir verwandelt,
Zum Ungeheuren hast du mich gewöhnt -
Wer sich des Kindes Haupt zum Ziele setzte,
Der kann auch treffen in das Herz des Feinds.
...
Du bist mein Herr und meines Kaisers Vogt,
Doch nicht der Kaiser hätte sich erlaubt,
Was du - Er sandte dich in diese Lande,
Um Recht zu sprechen - strenges, denn er zürnet -
Doch nicht, um mit der mörderischen Lust
Dich jedes Greuels straflos zu erfrechen:
Es lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen.

Stüssi, der Flurschütz tritt herzu und berichtet von allerlei Unglücksfällen, die als Vorzeichen für ein großes Landesunglück deutet, "Auf schwere Taten wider die Natur". Wilhelm Tell erwidert sarkastisch:

Dergleichen Taten bringet jeder Tag,
Kein Wunderzeichen braucht sie zu verkünden.
...
Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben,
Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.

Eine arme Frau mit ihren Kindern stellt sich dem Landvogt in den Weg klagt ihm ihr Elend, da ihr Mann wegen eines geringen Vergehens im Gefägnis schmachtet. Doch Geßler läßt sich nicht erweichen. Da stellt sie sich ihm in den Weg:

Nein, nein, ich habe nichts mehr zu verlieren.
- Du kommst nicht von der Stelle, Vogt, bis du
Mir Recht gesprochen - Falte deine Stirne,
Rolle die Augen, wie du willst - Wir sind
So grenzenlos unglücklich, daß wir nichts
Nach deinem Zorn mehr fragen -

Der Tyrannenmord: Das war Tells Geschoss! Gemälde in der Tellskapelle bei Sisikon Der Landvogt Gessler tobt:

Ein allzu milder Herrscher bin ich noch
Gegen dies Volk - die Zungen sind noch frei,
Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt -
Doch es soll anders werden, ich gelob es,
Ich will ihn brechen, diesen starren Sinn,
Den kecken Geist der Freiheit will ich beugen.
Ein neu Gesetz will ich in diesen Landen
Verkündigen - Ich will -
(Ein Pfeil durchbohrt ihn, er fährt mit der Hand ans Herz und will sinken)
...
Das ist Tells Geschoß.

Rudolf der Harras, Geßlers Stallmeister versucht die Situation vergeblich in den Griff zu kriegen - die Bittstellerin Armgard ist völlig pietätlos: "Seht, Kinder, wie ein Wüterich verscheidet!" und der Flurschütz Stüssi fällt Rudolf in den Arm:

Eu'r Walten hat ein Ende. Der Tyrann
Des Landes ist gefallen. Wir erdulden
Keine Gewalt mehr. Wir sind freie Menschen.

Totentanz. Spreuerbrücke, Luzern

Mit den letzten Versen dieser Szene spielt Schiller auf das im in der Barockzeit weit verbreitete Motiv des Totentanzes an:

Rasch tritt der Tod den Menschen an,
Es ist ihm keine Frist gegeben;
Es stürzt ihn mitten in der Bahn,
Es reißt ihn fort vom vollen Leben.
Bereitet oder nicht, zu gehen,
Er muß vor seinen Richter stehen!

Mehr zum Motiv des Totentanzes:

* Totentanz (Mittelalter-Seiten von www.jaduland.de )
* www.totentanz.de
* Josef Brülisauer und Claudia Hermann (hg.): Todesreigen - Totentanz. Die Innerschweiz im Bannkreis barocker Todesvorstellungen. Luzern: Raeber Verlag 1996
* Josef Brülisauer und Claudia Hermann (hg.): Die Spreuerbrücke in Luzern. Ein barocker Totentanz von europäischer Bedeutung. Luzern: Raeber Verlag 1996



Fünfter Aufzug

Freiheit! Freiheit!
Erste Szene

Öffentlicher Platz bei Altdorf; auf den Bergen brennen Signalfeuer

Ruodi der Fischer und Arnold von Melchtal berichten, dass der Tyrann ermordet und die Burgen gebrochen sind - nur die Twing Uri steht noch im Gerüst. Melchtal hat den Roßberg mit List erstiegen und angezündet und dann zusammen mit Rudenz die gefangene Berta aus den brennenden Trümmern gerettet - Friedrich Schiller überbietet selbst die alten Chroniken, wenn's um die Action geht! Den Vogt Landenberg hat man über den Brünig verjagt - nicht ohne ihn schwören zu laßen, dass er nie zurückkehren werde.

Der Gesslerhut wird von der Stange geholt. Einige wollen ihn verbrennen. Doch Walter Fürst wehrt es:

Nein, laßt ihn aufbewahren!
Der Tyrannei mußt er zum Werkzeug dienen,
Er soll der Freiheit ewig Zeichen sein!

Damit liefert Friedrich Schiller gleich noch eine kleine Ätiologie [sagenhafte Begründung], dass zu seiner Zeit in der Helvetischen Republik [offizieller Name der Schweiz von 1798-1815] nach dem Vorbild der französischen Revolution allerorten Freiheitsbäume gepflanzt und darauf Freiheitshüte gesetzt werden. Bekanntlich beriefen sich auch die Revolutionäre in Frankreich auf Wilhelm Tell.

Werner Stauffacher und der Pfarrer Rösselmann treten hinzu und bringen die Nachricht von der Ermordung des Kaisers Albrecht I. durch seinen Neffen Herzog Johann von Schwaben. Stauffacher nennt auch die Gründe:

Der Kaiser hielt das väterliche Erbe
Dem ungeduldig Mahnenden zurück;
Es hieß, er denk' ihn ganz darum zu kürzen, Mit einem Bischofshut ihn abzufinden.

Melchtal kommentiert sarkastisch:

So hat er nur seine frühes Grab gegraben,
Der unersättlich alles wollte haben!

Im Gegensatz zur Sage von Wilhelm Tell, für die es bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts keinerlei schriftliche Belege gibt, ist der "Vatermord" an Kaiser Albrecht I., vom 1. Mai 1308 historisch zweifelsfrei belegt. Johannes Parricida und seine Komplizen nutzten die Tatsache aus, daß der Kaiser beim Überqueren der Reuss mit einer Fähre bei Windisch [römisches Heerlager Vindonissa] bei Brugg im Aargau kurz von seinem Gefolge getrennt wurde. Die Habsburg, Stammsitz der Habsburger, befindet sich in unmittelbarer Nähe auf einer Anhöhe.

Für einen Aufruf der kaiserlichen Witwe, der alten Gunst zu gedenken, die man "von Rudolfs Fürstenhaus empfangen" habe, und die Mörder zu fassen und auszuliefern, haben die Eidgenossen wenig Verständnis:

Stauffacher:
Wir haben Gunst empfangen von dem Vater, [Rudolf I.]
Doch wessen rühmen wir uns von dem Sohn? [Albrecht I.]
Hat er den Brief der Freiheit uns bestätigt,
Wie vor ihm alle Kaiser doch getan?
...
Ihn rührte unsre Not nicht an - Ihm Dank?
Nicht Dank hat er gesät in diesen Tälern.
Er stand auf einem hohen Platz, er konnte
Ein Vater seiner Völker sein, doch ihm
Gefiel es, nur zu sorgen für die Seinen:
Die er gemehrt hat, mögen um ihn weinen!
Walter Fürst:
Wir wollen nicht frohlocken seines Falls,
Nicht dem empfangnen Bösen jetzt gedenken,
Fern sei's von uns! Doch, daß wir rächen sollten
Des Königs Tod, der nie uns Gutes tat,
Und die verfolgen, die uns nie betrübten,
Das ziemt uns nicht und will uns nicht gebühren.
Die Liebe will ein freies Opfer sein;
Der Tod entbindet von erzwungnen Pflichten,
- Ihm haben wir nichts weiter zu entrichten.
Melchtal:
Und weint die Königin in ihrer Kammer,
Und klagt ihr wilder Schmerz den Himmel an,
So seht ihr hier ein angstbefreites Volk
Zu eben diesem Himmel dankend flehen -
Wer Tränen ernten will, muß Liebe säen.

Gemünzt sind diese Aussagen auf die deutschen Fürsten und Könige zu Schillers Zeit, denen der Dichter mit dem historischen Stoff diskret und doch klar den Spiegel vor die Augen hält. Schillers Sprache mag wohl etwas antiquiert erscheinen, heute würde man vielleicht weniger von Liebe als von Good Governance sprechen. Doch daß solche Worte auch in heutiger Zeit noch Gültigkeit haben, dürften sich auch Verwaltungsräte, Manager und demokratisch gewählte Politiker (und solche, die es werden wollen) wieder einmal klarmachen ...

Zweite Szene

Tells Hausflur

[Parricida-Szene]

Hedwig und die Buben Walter und Wilhelm warten auf die Rückkehr Tells. Doch zunächst erscheint ein fremder Mönch, der sich merkwürdig verhält und vor dem Hedwig graut. Auch Wilhelm Tell schöpft sofort Verdacht und schickt Frau und Kinder weg. Johannes Parricida [parricida = lateinisch Vatermörder] sucht bei Wilhelm Tell Schutz vor seinen Verfolgern. Friedrich Schiller versucht hier, einen scharfen ethischen Gegensatz aufzubauen zwischen dem Vatermörder Johannes Parricida und dem Tyrannenmörder Wilhelm Tell.

Parricida:
Bei Euch hofft' ich Barmherzigkeit zu finden,
Auch ihr nahmt Rach' an Euerm Feind.
Tell:
Unglücklicher!
Darfst du der Ehrsucht blut'ge Schuld vermengen
Mit der gerechten Notwehr eines Vaters?
Hast du der Kinder liebes Haupt verteidigt?
Des Herdes Heiligtum beschützt? das Schrecklichste,
Das Letzte von den Deinen abgewehrt?
- Zum Himmel heb ich meine reinen Hände,
Verfluche dich und deine Tat - Gerächt
Hab ich die heilige Natur, die du
Geschändet - Nichts teil ich mit dir - Gemordet
Hast du, ich hab mein Teuerstes verteidigt.
...
Unglücklicher, wohl kannte dich dein Ohm,
Da er dir Land und Leute weigerte!
Du selbst mit rascher, wilder Wahnsinnstat
Rechtfertigst furchtbar seinen weisen Schluß.

Schiller rechtfertigt den Tyrannenmord des Wilhelm Tell damit, daß das Opfer, der Wüterich Gessler, selbst wider die Natur verstoßen habe, indem er einen Vater zwang, auf sein eigenes Kind zu zielen. Sein Wilhelm Tell vollstrecke durch den Tyrannenmord am Landvogt Gessler gewißermassen ein göttliches Urteil und bringe das Naturrecht zur Geltung.

Trotz seiner harten - zur eigenen Rechtfertigung ausgesprochenen - Worte will auch Schillers Tell die Habsburger der regierenden Linie nicht unterstützen und schickt den Parricida reichlich mit Proviant versehen durch die schreckliche Schöllenenschlucht nach Italien, wo er beim Papst seine Schuld beichten soll.
Dritte und letzte Szene

Talgrund vor Tells Haus

Berta von Brunegg und Rudenz werden in den Bund der Eidgenossen aufgenommen, Rudenz erklärt alle seine Knechte für frei.

Freiheit - damals und heute
oder: wie ist Freiheit zu gewinnen

Wilhelm Tell steht stellvertretend für die Alten Eidgenossen, er sieht den Tyrannenmord als gerechtfertigt an, wo der Despot in seiner Willkür Unmenschliches fordert. Freiheit wird als Abwesenheit von Tyrannei und Unterdrückung dargestellt. Daß damit nur die erste Hälfte des Problems der Freiheit gelöst ist, hätte auch Friedrich von Schiller zu seiner Zeit schon wissen können: Damals waren die Ereignisse der französischen Revolution hoch aktuell. Bekanntlich ging die Freiheitsbewegung von 1792 nur allzu schnell im Chaos von Anarchie und Terror unter.

Die zweite Hälfte des Problems der Freiheit besteht darin, eine verläßliche Ordnung zu errichten, die allen gleiche Rechte und gleiche Chancen garantiert. Dies ist - so paradox [widersprüchlich] es tönen mag - aber nur um den Preis von Einschränkungen der Freiheit zu haben: Meine Freiheit hört dort auf, wo sie die Freiheit meiner Mitmenschen verletzt. Wenn Friedrich von Schiller in seinem Drama - und mit ihm viele konservative Anhänger eines an Wilhelm Tell orientierten Freiheitsbegriffs - bloß die "ererbten Rechte" und ein "Widerstandsrecht gegen Tyrannei" betonen, dann greift dies zu kurz.

Wirkliche Freiheit ist immer nur zusammen mit ihrer Zwillingsschwester, der sozialen Gerechtigkeit zu haben. Hier ein stabiles und gerechtes Gleichgewicht zu finden, in dem auch die sozial Schwächeren nicht zu kurz kommen, das ist die Aufgabe des freiheitlich-demokratischen Rechtstaates, wie er in der Schweiz in Grundzügen seit 1848, als vollwertiger sozialer Wohlfahrtsstaat aber erst seit dem Ende des 2. Weltkriegs realisiert wurde.

Im Rechtsstaat aber ist kein Platz mehr für Selbstjustiz. Niemand darf sich anmaßen, sich wie Wilhelm Tell mit der Waffe in der Hand selbst Recht zu verschaffen. Alle - ob arm oder reich - haben sich den Entscheiden unterzuordnen, die auf demokratischem Weg zustande gekommen sind - nur so bleibt die Freiheit und Sicherheit aller gewährleistet.

Das sinnlose und schreckliche Attentat auf das Kantonsparlament von Zug am 27. September 2001, begangen von einem Amokläufer, der sich von den Behörden ungerecht behandelt fühlte, sollte uns dafür eine Mahnung sein. "Wer noch daran zweifelt, ob in unserem Land griffigere Bestimmungen über den Erwerb und den Besitz von Waffen nötig sind, dem sei der gestern veröffentlichte Schlussbericht der Zuger Untersuchungsbehörden über das Attentat vom September 2001 zur Lektüre empfohlen." (Werner Steinmann, Waffen nicht in falsche Hände, in: Neue Luzerner Zeitung, 24. 10. 2003, S. 35; zum Untersuchungsbericht vgl. auch Tages-Anzeiger, 24. 10. 2003, S. 9)
Mehr zur Entstehung, Interpretation und Wirkungsgeschichte von Friedrich Schillers Drama Wilhelm Tell.
[/Zitat]




<hey>
unregistriert

...   Erstellt am 26.03.2009 - 17:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ist gut, hast du das alles abgeschrieben oder nur kopiert.??????
Bei manchen Sachen würde ich ein bissen genauer drauf ein gehen.Wir haben das Buch vor 4 jahren gelesen, also in der 8. Klasse war ich da.Ich fand das Buch voll spannend und vor allem sehr sehr sehr sehr leicht im Gegensatz zu den anderen Bücher die man in der 12 Klasse liest.Ich kann das Buch jedem weiter empfehlen.
Manchmal hast du Rechtschreibfehler gemacht.




<AsBloodRunsBlack>
unregistriert

...   Erstellt am 17.04.2009 - 14:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Dieses Buch ist schrecklich, ich habe die ersten Seiten gelesen und möchte einfach nicht weiterlesen, weil es so uninteressant ist. Aber ich muss, weil wir bald eine Arbeit darüber schreiben. Was für eine Arbeit, weiß ich noch nicht, ich weiß nur, das sie schlimm wird.





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