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Pipasi ...



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...   Erstellt am 11.05.2007 - 12:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mittags hatte ich ihn zuletzt gesehen, er hastete über den Korridor, als ob er sich verstecken wolle, verschwand in seinem Zimmer, ohne meinen Gruß zu erwidern, irgend etwas musste passiert sein, und um ihn herum war eine Aura, die nur eines signalisierte: Lasst mich bitte in Ruhe!

Als ich abends an seinem Zimmer vorbeikam, brannte noch Licht - nun trat ich doch ein, »störe ich?« - er blickte auf, nein, sagte er, ich käme wie gerufen, denn er habe gerade erfahren, dass ein Kollege an ihm »vorbeigezogen« sei, hinauf auf die nächste Stufe der Hierarchie, zwar nicht in den Olymp, wo alle Macht und Herrlichkeit des Managements versammelt ist, aber doch immerhin in den Vorhof zur steilen Karriere.
Und er selbst? Er sei wieder einmal leer ausgegangen, und er könne sich das nicht erklären, wo er doch ...

Was nun folgte, war eine Aufzählung all dessen, was er für die Firma geleistet habe. »Das hätte man doch berücksichtigen müssen.« Er konnte Daten und Taten, die er sich im Kopf längst zurechtgelegt hatte, fast tabellarisch nachbeten, als
es beim Chef das entscheidende Gespräch gab - mit dem niederschmetternden Ergebnis.
Was ich dazu sagen würde, wollte er nun wissen - in mein Schweigen hinein kam seine Frage wie ein Pistolenschuss.

Sollte ich ihm sagen, was ich schon all die Jahre gedacht hatte?
Da war einmal sein Lavieren zwischen allen »Fronten«, die es in einer Firma irgendwo immer gibt, ja, geben muss, beim Streit um »die Sache«.
Hatte er nicht bei den Konferenzen zu oft seine Fahne in den Wind gehängt? Wenn er spürte, wo die stärkeren Bataillone waren, dann war er genau dort flugs zur Stelle, manchmal sogar wider seine eigene Überzeugung.
Da war zum zweiten seine Fähigkeit, wegzutauchen, wenn es schwierig wurde, um erst wieder aufzutauchen, wenn die Entscheidung längst gefallen war. Wurde er bei einer kniffeligen Frage um eine Stellungnahme gebeten, redete er gerne »mit Fontane«, das sei »ein weites Feld«.
Seine Meinungen waren so grau wie die Anzüge. die er mit Vorliebe trug.

Und nun musste er erleben: Alle Schmiegsamkeit und Biegsamkeit hatte nicht verhindert, dass ein anderer »vorbeizog«, wie er nun volle: Verachtung nochmals lautstark sagte.

Natürlich wusste er insgeheim, dass er nicht jener:
Typ ist, den man heute gerne als »Top-Manager« beschreibt, also voller sprühender Dynamik und mit allen Wassern gewaschen.
Aber Erfolge »in seinem Beritt«, die hatte er doch nun wirklich vorzuweisen.

Was er aber übersehen hatte - und das sagte ich ihm nun doch -, war nur eine Kleinigkeit, aber eben doch eine sehr wichtige Kleinigkeit: dass es eben mehr auf das Agieren und Argumentieren ankommt als auf das Lavieren, bei dem er -zugegeben - eine gewisse Meisterschaft erreicht hatte.

Und dass das Bild, das man von sich selbst in sich trägt, niemals deckungsgleich ist mit dem Bild, das sich andere von einem machen.

Man kann es auch kürzer sagen: Er vergaß das eherne Gesetz, das da lautet:
Wer laviert, der verliert - was immer er sonst auch tun mag.





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