| Ersteller | Thema » Beitrag als Abo bestellen |  |
Justine_de_Farinot  Administrator


Status: Offline Registriert seit: 11.10.2005 Beiträge: 678 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 12:38 |  |
Ja, so ist es, ich tue mich bei historischer Kleidung sehr schwer mit fertigen Schnitten, ich gehe eigentlich generell nach originalen Vorlagen und vergrößere sie meist frei per Hand nur nach Maß des späteren Trägers. Die Schnitte waren in den Details ja auch damals alle recht unterschiedlich. Dann wird ein Probeschnitt gemacht und dieser wird der Figur angepaßt. Mit der Herrenkleidung habe ich noch zu wenig Erfahrung, aber ich denke, mit der Zeit kommt das auch so nach und nach...
Ich selbst trage im Empire auch kein Mieder, ich hatte mal darüber nachgedacht, kam aber zum gleichen Schluß wie Katja. Als Kind hatte ich ebenfalls Ballettunterricht und habe da im Prinzip auch eher die "Regenschirmhaltung"  Ich finde auch, der Sitz der Kleider mit Mieder wirkt etwas künstlich und verbreitert optisch eher als daß es schmälert. Ich denke, die richtige Silhouette der Gemälde und Modekupfer kann man durchaus auch ohne erreichen! Es mag Ausnahmen geben, aber mir gefallen die Kleider meist besser ohne Mieder drunter.
Signatur Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.
(Rousseau) |
|
|
Alessandra Ast


Status: Offline Registriert seit: 31.10.2005 Beiträge: 237 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 13:22 |  |
Das einzige Handicap was dabei auftritt: Personen ohne Parapluie, welche sich dann miederlos kleiden, und einen auf "Banane" machen...
Signatur Given two theories, take the one what is funnier. |
Elisabeth Ast


Status: Offline Registriert seit: 13.10.2005 Beiträge: 231 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 13:45 |  |
s'st immer die Frage , was ,in diesem fall frau, will;Heutzutage bezeichnet die Mode ja alles als Empire was schon 3 cm oberhalb der Taille liegt-
Das was heut zutage als "künstlich" anmutet,galt vor 200 Jahren als schön und erstrebenswert. Als natürlich galten griechische Statuten ,die in der Tat eine walzenförmige dralle Figur haben , Taillenweite und Hüftweite sollen in etwa gleichbreit sein. Der Busen soll apfelförmig und hochangesetzt sein und die Rundung des Bauches sich deutlich wölben. Sowas empfinden wir heutzutage nicht als attraktiv-
Korsett ja oder nein hängt davon ab,wie frau von Natur ausausschaut und was die Mode vorschreibt bzw wie sich frau dem Modediktat unterwerfen will. Auffallend ist ,daß sich auf dem überwiegenden Teil der Ingresportraits die Kanten der Korsetts unter den dünnen Stoffen abzeichnen, und das unabhängig von der Figur der Dargestellten.
Signatur der Unterschied zwischen Einbildung und Bildung besteht in Anstrengung und darin , daß man sich die Finger schmutzig macht ..... |
Justine_de_Farinot  Administrator


Status: Offline Registriert seit: 11.10.2005 Beiträge: 678 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 13:49 |  |
Alessandra schrieb
Das einzige Handicap was dabei auftritt: Personen ohne Parapluie, welche sich dann miederlos kleiden, und einen auf "Banane" machen...
|

Signatur Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.
(Rousseau) |
Justine_de_Farinot  Administrator


Status: Offline Registriert seit: 11.10.2005 Beiträge: 678 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 13:59 |  |
Mit künstlich meinte ich hier eher im Vergleich zu den zeitgenössischen Vorbildern. Aus heutiger Sicht mag für Nicht-Insider die gesamte Mode etwas seltsam anmuten  Nur mal als Beispiel fällt mir dazu ein, daß bei der Besetzung von der BBC-Verfilmung von "Stolz und Vorurteil" tatsächlich das Schönheitsideal der dargestellten Zeit berücksichtigt wurde. Susannah Harker als Jane entspricht dem gängigen Schönheitsideal um 1800. Aus heutiger Sicht gesehen, mit modernen Schönheitsidealen verglichen, versteht kaum jemand, was an ihr schön sein soll 
Signatur Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.
(Rousseau) |
Alessandra Ast


Status: Offline Registriert seit: 31.10.2005 Beiträge: 237 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 14:06 |  |
Sie sieht aus wie ein lebendig gewordenes Bild! Natürlich ist das schön!
Signatur Given two theories, take the one what is funnier. |
Justine_de_Farinot  Administrator


Status: Offline Registriert seit: 11.10.2005 Beiträge: 678 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 14:47 |  |
Alessandra schrieb
Sie sieht aus wie ein lebendig gewordenes Bild! Natürlich ist das schön!
|
Aber nur für Leute, die solche Bilder auch kennen! 
Signatur Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.
(Rousseau) |
Katja  Administrator


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 84 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 20:37 |  |
Danke für das Kompliment Suzette !
Da sind wir in der Diskussion ja schnell abgewichen- vom Sitz der Kleidung zum Thema Ästhetik.....
Die Frage ist: was wollen wir erreichen- historische Korrektheit? Also streng nach den Maßstäben die Modekupfer und Portraits zeigen.Aber auch da gibt es alles- tiefere Taillien (bei Königing Luise),höhere,Mieder,kein Mieder,Stoff der über den Brüsten spannt,Stoff der zwischen die Brüste fällt....
Oder Ästhetik? Unsere heutige (haben wir eine?) oder die von damals? Ästhetik ist ein eigenes Thema und hat meiner Meinung nach viel mit Erziehung und Sehgewohnheit zu tun,außerdem mit psychologischen Assoziationen. Was war damals ästhetisch? Wir haben nur die Quellen wie oben erwähnt und demnach komme ich zum gleichen Schluß.
Oder wollen wir einfach nur gefallen? Mädels- Ehrlichkeit! Wollen wir nicht erotisch sein?Nicht dem ein- oder anderen (oder eigenen) Kerl den Kopf verdrehen? Und sich damit das Selbstbewußtsein auf zu polieren oder einfach nur den Tag zu verschönen? Nun,dann muß die Wahl ja darauf fallen den Körper möglichst geschickt in Szene zu setzen,zu kaschieren was zu kaschieren ist,zu betonen was nett an zu schauen ist.....
Konklusio, ehe ich beginne zu langweilen: Einen Kompromiß aus Allem- Studium der Modekupfer,des eigenen Körpers und des eigenen Hirns was man will. Und schon hat man seinen eigenen Empirestil.
Das habe ich so gemacht und.....zufrieden bin ich immer noch nicht mit meinen Kleidern! Aber das werde ich wohl auch nie sein. Ich mag unter den von mir bevorzugten dünnen und feinen Stoffen das Mieder nicht,es malt sich ab.Ich mag die hohe Taillie nicht,damit sehe ich nicht antik aus sondern walzenförmig. Ich mag die Bilder von Boilly- die Frauen dort haben fließenden Gewänder,das Oberteil fällt zwischen die Brüste,die Stoffe sind durchsichtig und lassen den Betrachter den Körper zu Ende denken. Das ist mein Ideal,vielleicht erreiche ich es ja einmal!
Signatur Haute Niveau Culturel et Responsabilité |
Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 21:06 |  |
Eine liebe Freundin von mir hat einmal eine ganz wichtige Ausage gemacht: "Wenn ich in meiner historischen Kleidung in dieser Zeit über die Straße gehen würde und ich falle nicht auf" Ich habe da nur gedacht: besser kann man es nicht ausdrücken (auch wenn ich persönlich dafür immer auf ein Mieder od. Korsett aus gesundheitlichen Gründen verzichten muß).
|
MadameKaya  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 742 Nachricht senden | Erstellt am 05.01.2006 - 21:07 |  |
Je mehr ich mich mit dem Thema Empiremode beschäftige desto mehr zieht es mich zu den drapierten und nicht zu den "konstruierten" Kleidern. Oder das, was eigentlich den Frühstil des Empires bzw. Directoires ausmachte:
-sehr leichte Stoffe -die "geraffte" Optik -eine gestreckte Silhouette hervorgerufen durch die lange Schleppe - keine Muster -kein Besatz
Damals wie heute gabe es bestimmt so viele Geschmacksrichtungen wie es individuelle Menschen gab. Nicht zu vegessen die nationalen Unterschiede, schaut euch die Karikaturen über die Engländer in Paris an!
Tiefe Tallien, keine Schleppen , winzige Hüte, insgesamt im Vergleich mit der Pariserin geradezu ungraziös . Das muß ich zu den Benett Damen leider auch sagen , nett anzuschauen aber irgendwie bieder
Und wie seltsam mutet die praktikable aber doch den fließenden Faltenwurf des antiken Kleides unterbrechende, Erfindung des Spenzers an.
Es gibt doch nichts schmeichelnderendes als ein schön drapierter Kashmir , aber welche Dame will schon im Januar als Frileuse durch die Gegend huschen?
Katja hat uns ja tief in die weibliche Seele geschaut ( aber es wirkt )
[Dieser Beitrag wurde am 05.01.2006 - 21:12 von MadameKaya aktualisiert]
Signatur Es gibt kein echtes Leben im Falschen... |