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Krischi ...
...die mit den vielen M's


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...   Erstellt am 27.05.2014 - 11:01Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Was machst du, wenn du ein Teenager und schwanger bist?

Was machst du, wenn sich deswegen alle von dir abwenden?

Was machst du, wenn du nicht mehr weißt, wie es weitergehen soll?

Was machst du, wenn du dir nicht sicher bist, ob du das Baby behalten möchtest? Darfst? Sollst?

Was machst du, wenn deine Eltern dir reinreden – oder gar nicht mehr mit dir reden?

Wo gehst du hin, wenn deine Eltern dich aus dem Haus schmeißen?

Wo gehst du hin, wenn dein Bruder dich schlägt, weil du schwanger bist?

Wo gehst du hin, wenn du jemanden zum Reden brauchst?

Oh und was passiert eigentlich, wenn das Baby erst mal auf der Welt ist?!



F A M I L I E N Z E N T R U M * B E C K E R





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13. Februar 2012 Merlino & Murian 14. Februar 2012
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Mareike 2007 & Mileah 2009 & Moana 2009 & Mathilda 2015

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...   Erstellt am 27.05.2014 - 12:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Madeleine ist zusammen mit zwei anderen Mädchen seit der Eröffnung des Familienzentrums im September 2013 bei uns. Bei ihrer Aufnahme war sie erst 15 Jahre alt und schon Mutter. Ihre Tochter Paula ist am 29. Juli 2013 zur Welt gekommen.
Madeleines Eltern haben sich offenbar in die Ignoranz geflüchtet, denn bis die Wehen einsetzten, lebten sie alle zusammen, ohne dass es Streit gab. Als Madeleine sagte, dass sie ins Krankenhaus muss, weil das Baby kommt, sind die Eltern ohne Vorwarnung ausgeflippt. Madeleine rief geistesgegenwärtig einen Krankenwagen und kam nach der Entbindung bei ihrer besten Freundin und deren Mutter unter, bis das Familienzentrum eröffnet wurde.

Paula ist schon seit Oktober letzten Jahres im Kinderhaus, damit Madeleine die Schule beenden kann. Für die Mädchen ist es keine Pflicht, so schnell wieder in die Schule zu gehen. Madeleine möchte ihrer Tochter aber etwas bieten können, auch wenn die Eltern/Großeltern nicht für sie da sind und so hängt sie sich richtig rein. Mit der Geburt von Paula hat Madeleine der Ehrgeiz gepackt.

An einen Auszug von Madeleine und Paula ist noch nicht zu denken, obwohl die Kleine bald schon ein Jahr alt wird. Madeleine ist so behütet aufgewachsen, dass sie vollkommen unselbstständig ist. Aus Erzählungen von Kollegen weiß ich, dass sie in den ersten Wochen öfters bockig in der Küche saß, weil sie nicht einsehen konnte, dass weg von Mama niemand mehr die Müslischale für sie aus dem Schrank holt. Umso unverständlicher bleibt es für mich, dass ihre Eltern sie plötzlich aus dem Haus haben wollten.

Trotz aller Bemühungen von uns und Madeleine, hat Paula ihre Großeltern noch nicht kennen gelernt. Zu ihrem Vater hat sie aber glücklicherweise inzwischen einen guten Kontakt, den Madeleine auch zulässt.

[Dieser Beitrag wurde am 07.01.2015 - 18:52 von Krischi aktualisiert]





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...   Erstellt am 27.05.2014 - 14:57Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Fiona ist der absolute Härtefall hier im Familienzentrum. Auch sie ist wie Madeleine und ein weiteres Mädchen bereits seit September letzten Jahres hier. Im letzten Jahr fiel ihr Geburtstag auf einen Freitag. Endlich Teenager! Es war die erste richtige Party, die sie geben durfte. Mit Musik im Partykeller. Die große Schwester hatte alkoholfreie Cocktails gemixt. Die Eltern hatten versprochen, oben zu bleiben. An diesem Abend bekam Fiona ihren ersten Kuss. Heimlich, in einer dunklen Ecke, und sie sollte es niemandem erzählen. Denn er war ein Freund ihrer großen Schwester und bereits 17 Jahre alt.
Es endete, wie es kaum anders hätte sein können: Anfang August erlebte Fiona ihr erstes Mal und schon kurz darauf wurde ihr klar, dass es ganz dumm gelaufen sein musste, damit sie nicht schwanger war. Es passierte einen Tag vor ihrem Eisprung. Ihre Regel hatte sie vor zwei Monaten zum ersten Mal bekommen.

Fiona vertraute sich ihrer Mutter an, eine Katholikin, und ich kann einfach nicht begreifen, wie man seine Tochter so fallen lassen kann. "Wenn das stimmt, dann ist es besser, wenn du nicht mehr hier wohnst. Du bist Abschaum.", soll sie gesagt haben. Fionas Schwester Felizitas half ihr bei den schwierigen Wegen zum Frauenarzt, zum Jugendamt und zu Beratungsstellen. Zuhause wurde sie geduldet, bis sie eine neue Unterkunft gefunden hatte, aber nicht mehr geliebt. Das Jugendamt vermittelte sie an das Familienzentrum. Sie ist hier erwachsen geworden.

Vor knapp zwei Wochen, am 15.5., brachte sie Leo Marcel gesund per Kaiserschnitt zur Welt. Die beiden erholen sich noch im Krankenhaus und werden wohl zu Himmelfahrt in ihr neues Leben im Familienzentrum starten. Hoffnungsvoll hat Fiona dem Kleinen als Zweitnamen den Namen seines Papas gegeben. Besucht wurden sie und Leo von ihm aber noch nicht. Auch die Eltern/Großeltern ließen sich nicht im Krankenhaus blicken und klangen gleichgültig, als ich sie per Telefon über die Geburt informierte. Nur eine stolze Tante hat Leo. Und eine starke junge Mama.





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...   Erstellt am 28.05.2014 - 19:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Annika ist das dritte Mädchen, das bereits im September eingezogen ist. Für ihre 16 Jahre ist sie sehr reif, sie wollte sogar schon ein Baby, ist also gewollt schwanger geworden. Dem Vater hat sie gesagt, dass sie die Pille nimmt und so ist es passiert.

Als Annika ihren Eltern von der Schwangerschaft erzählte, waren sie geschockt, versprachen aber, für sie da zu sein und den (ungewollt) werdenden Vater zur Zahlung von Unterhalt zu verdonnern. Daraufhin gestand Annika, dass er sich sicher fühlte und sie ihn belogen hatte. Sie erzählte auch, dass sie das Kind wollte und sich auf es freut. Diese Nachricht war zu viel für die zukünftigen Großeltern und sie baten ihre Tochter, die gemeinsame Wohnung zu verlassen.

Annika macht sich sehr gut, sie hat sich nie über ihre Situation beschwert und jammert nicht mal jetzt, wo sie schon zwei Tage über dem Entbindungstermin ist und unheimliche Rückenschmerzen haben muss. Ihr Ex-Freund weiß noch immer nichts von seinem Glück und wenn es nach ihr geht, wird er das auch nie erfahren. Sie möchte das Kind alleine großziehen, hätte aber gerne wieder die Unterstützung ihrer Eltern. Bei ihr sieht es - im Gegensatz zu den meisten Mädchen - auch ganz gut dafür aus, dass ihre Eltern ihr bald verzeihen werden und sie wieder aufnehmen. In den regelmäßigen Eltern-Kind-Gesprächen, an denen immer eine Erzieherin teilnimmt, ließen sie jedenfalls durchblicken, dass sie ihr Enkelkind kennen lernen wollen. Solche Aussichten sind die schönsten bei der Arbeit.

Aktualisierung
Am 2. Juni kam Leon auf die Welt. Heute ist der 16. Juni und Annika ist seit zwei Wochen Mutter, seit zwei Wochen lebt sie mit Leon zusammen in ihrem Zimmer im Familienzentrum und macht sich unglaublich gut. Sie liebt ihre neue Rolle und geht voll darin auf.
Am vorletzten Wochenende wurden die beiden auch von Annikas Eltern besucht. Man sah ihnen richtig an, wie gerne sie wütend auf Annika sein wollten und wie sehr sie sich trotzdem sofort in ihren kleinen Enkel Leon verliebt haben. Es wird noch einige Zeit dauern, bis das Verhältnis zwischen Annika und ihren Eltern wieder so entspannt ist, dass sie bei ihnen wohnen kann. Aber die drei sind auf einem richtig guten Weg und werden es sicher schaffen, für Leon eine heile Familie zu sein.

[Dieser Beitrag wurde am 16.06.2014 - 14:53 von Krischi aktualisiert]





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...   Erstellt am 30.05.2014 - 09:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Merle und Lara sind für das Familienzentrum ein ganz besonderes Pärchen. Nachdem Merle am 4.10.2013 mittags als Notfall ins Familienzentrum kam, war alles zu viel Aufregung für sie und keine zwei Stunden später hatte sie starke Wehen. Der Entbindungstermin wäre erst zwei Wochen später gewesen! Lara, also die Chefin höchstpersönlich, ist sofort mit ihr ins Krankenhaus gefahren, wo sie zweieinhalb Stunden nach Einsetzen der Wehen eine gesunde Tochter zur Welt brachte. Aus Dankbarkeit dafür, dass Lara die ganze Zeit bei ihr gewesen ist - und weil sie noch gar nicht daran gedacht hatte, dass das Baby ja einen Namen braucht - nannte sie die Kleine Lara.

Schuld an dem ganzen Stress war Merles Vater, der ihre Unterschrift gefälscht hatte, um eine sofortige Adoption nach der Geburt zu bewirken. Als Merle am 4. Oktober morgens einen Anruf vom Jugendamt bekam, weil es zu dem - von ihrem Vater ausgefüllten - Formular eine Rückfrage gab, fiel sie aus allen Wolken. Nachdem sie der Dame vom Jugendamt am Telefon erklärt hatte, dass sie nie einen solchen Antrag ausgefüllt hat und ihr Vater auch gleich gestand, hielt das Jugendamt es nach kurzer Rücksprache für besser, wenn Merle und ihr Vater sich vorübergehend trennen.

Eine Annäherung gab es noch nicht wieder. Merle ist natürlich enttäuscht, so hintergangen worden zu sein, aber sie ist auch stur und möchte ihrem Vater nicht verzeihen. Am meisten leidet dabei Merles Mutter, die sie bei jedem Eltern-Kind-Gespräch fleht, zurück zu kommen. "Nur, wenn Papa auszieht.", antwortet Merle dann immer.
Positiv ist bei Merle und Lara, dass der Kindsvater sich sehr um die beiden bemüht, oft zu Besuch ins Familienzentrum kommt und nicht nur Lara etwas schenkt, sondern auch oft Blumen für Merle dabei hat. Daniel ist ein Vorzeigepapa und ich hoffe sehr für Lara, dass er und Merle irgendwann versuchen, eine Familie zu sein.

Aktualisierung
Kurz nach ihrem 18. Geburtstag ist Merle am 18.8.2014 mit Lara aus dem Familienzentrum ausgezogen. Der Wieder-Freund und Papa Daniel hat eine 3-Zimmer-Wohnung am Stadtrand von Königs Wusterhausen sehr hübsch eingerichtet. Natürlich musste (und wollte, hihi) ich sie mir vor dem Einzug von unseren beiden Schützlingen ansehen. Besonders Laras Wohl muss ja sichergestellt sein. Zuerst war der Auszug etwas holprig: in der ersten Nacht hat Merle (die große) Lara aus dem Bett geklingelt, in der zweiten Nacht hat sie sich dann an die Abmachung gehalten und im Familienzentrum angerufen, damit Lara ihren wohlverdienten Schlaf bekommt. Die Telefonate wurden die Woche über jeden Abend kürzer, bis sie am Wochenende gar nicht mehr angerufen hat. Daniel geht in seiner Vaterrolle voll auf und Merle und Lara werden uns und die anderen Mädchen im Familienzentrum sicher noch oft besuchen.
Gesichert ist auch Merles psychische Betreuung. Sie kann jederzeit anrufen oder für ein Gespräch vorbeikommen.

[Dieser Beitrag wurde am 25.08.2014 - 12:09 von Krischi aktualisiert]





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...   Erstellt am 30.05.2014 - 09:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Nora kam zusammen mit ihrer Schwester Marie am 12. Januar 2014 ins Familienzentrum. Beide waren schwanger und vernachlässigt. Ihre Eltern haben ein schweres Alkoholproblem und waren schon Jahre nicht mehr dazu in der Lage, ihre Töchter zu erziehen. Die beiden machten gute Miene zum bösen Spiel, sie haben sich vieles selbst beigebracht. Nora hat jeden Tag für alle gekocht, während Marie aufgeräumt hat. Sie sind regelmäßig in die Schule gegangen. Dort gerieten sie leider in die falschen Kreise. Alkohol und Drogen, Diebstahl und Partys.

Nora ist sehr hübsch und hat das leider ausgenutzt. Nach der Geburt muss daher ein Vaterschaftstest klären, welcher der drei Männer der Vater des Babys ist. Für eine damals 17jährige ist das ziemlich traurig und ich frage mich oft, ob sie und Marie je erfahren haben, was Liebe ist.

Aktualisierung
Am 14. August 2014 um Punkt 20 Uhr brachte Nora ihre kleine Ada auf die Welt. Bei der Geburt war meine Kollegin Karen dabei. Nora und Ada werden nun einige Tage im Krankenhaus bleiben, bevor sie zurück ins Familienzentrum kommen und hier in ihre gemeinsames Leben starten. Morgen werden wir die drei möglichen Väter kontaktieren und um einen DNA-Test bitten. Ich hoffe, dass sie sich nicht weigern. Und ich hoffe noch viel mehr, dass derjenige, der sich als Adas Vater herausstellt, es nicht nur auf dem Papier sein wird.

[Dieser Beitrag wurde am 14.08.2014 - 20:29 von Krischi aktualisiert]





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...   Erstellt am 30.05.2014 - 09:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Marie wird ihr Baby noch vor Nora bekommen, obwohl sie gerade erst 15 Jahre alt geworden ist. Als sich innerhalb kurzer Zeit sowohl Nora als auch Marie der gemeinsamen Frauenärztin vorstellen, meldet sie die Situation dem Jugendamt. Dieses schaute unangekündigt bei den Schwestern und ihren Eltern vorbei und musste gar nicht die ganze Wohnung sehen, um die Mädchen sofort mitzunehmen und ins Familienzentrum zu bringen. Trotz der Mühen der Mädchen, soll die Wohnung ein einziges Schlachtfeld gewesen sein. Dazu kam der beißende Geruch von Marihuana, der dazu führte, den Eltern das Sorgerecht zu entziehen.

Marie hatte selbst keine richtige Kindheit und wird in nicht mal einem Monat die Verantwortung für einen kleinen Jungen haben.

Der Vater des Babys konnte ausfindig gemacht werden, er ist 17 Jahre alt und kommt aus ähnlichen Verhältnissen wie Nora und Marie. Zu holen ist dort also nichts und Interesse hat er an seinem Sohn leider auch nicht.

Aktualisierung
Marie brachte am 22. Juni einen gesunden Sohn namens Evan zur Welt. Sie waren nur drei Tage im Krankenhaus und durften dann bereits (zurück) ins Familienzentrum. Marie macht sich gut. Sie ist sehr offen für Ratschläge im Umgang mit Evan und fragt auch von sich aus viel nach. Manchmal ist sie schon zu vorsichtig, aber lieber das als wenn sie den Kleinen vernachlässigen oder falsch mit ihm umgehen würde.
Als eine Kollegin den Kindsvater angerufen hat, um ihm mitzuteilen, dass sein Baby da ist, hat dieser leider sehr unschön reagiert. Unter anderem hat er ins Telefon geschrien, dass er nie wieder von uns angerufen werden möchte. Eine Situation, von der wir Marie bis heute nichts erzählt haben.

[Dieser Beitrag wurde am 27.07.2014 - 17:14 von Krischi aktualisiert]





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...   Erstellt am 01.06.2014 - 21:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Am 19. April habe ich zum ersten Mal eine Neuaufnahme miterlebt. Es handelte sich dabei um Lamia, eine junge Deutsch-Türkin.
Angekündigt und gebracht wurde sie von der Polizei, was eher ungewöhnlich ist, denn meistens kümmert sich das Jugendamt. Dazu kam, dass es Ostern war und somit nur zwei Kollegen zur Zeit Dienst hatten. Mein Kollege Ruben und ich haben der Ankunft des Mädchens entgegengezittert, wir hatten ja noch gar keine Infos zu ihr.

Als die Polizei dann mit dem Mädchen auf den Hof fuhr und alle drei ausstiegen, sah ich ein Häufchen Elend vor mir. Sie hatte rot unterlaufene Augen vom vielen Weinen, einen Verband an der linken Hand, einen zarten Babybauchansatz und auf dem Kopf ein Tuch.

Nachdem sie am Abend zuvor von ihrer Familie auf ihren wachsenden Bauch angesprochen wurde, musste sie ihnen beichten, dass sie schwanger ist. Daraufhin drohte ihr der drei Jahre ältere Bruder und verletzte sie leicht an der linken Hand. Die Hand war allerdings nur eine Kleinigkeit im Verhältnis dazu, was er ihr psychisch angetan hat. Lamias Mutter brachte sie ins Krankenhaus und hielt es für das beste, wenn sie sich bis auf weiteres von ihrem Bruder fern hielt. Den Vater schätzen Lamia und ihre Mutter nicht als Gefahr ein.

An diesem ersten Tag mit Lamia fielen Worte wie "Ehrenmord" und "Verstoßen".
Hier im Familienzentrum ist sie nun erst mal sicher vor ihrem Bruder, der nicht weiß, wo sie ist.

Nachdem sie den Gedanken an das Baby, die Verantwortung und die vielen Gespräche in den ersten Wochen der Schwangerschaft verdrängt hatte, hat sie ihr Leben inzwischen super in die Hand genommen: sie war beim Frauenarzt und kam mit Tränen in den Augen und einem Ultraschallbild in der Hand wieder heraus. "Es wird ein Junge!", hat sie gerufen und die anderen Frauen im Wartezimmer haben sie angelächelt, als ich aufsprang und sie in den Arm nahm.
Sie hat auch mit dem Kindsvater gesprochen, für den es selbstverständlich war, für das Baby aufzukommen, wenn es auf der Welt ist. Er scheint ein anständiger junger Mann zu sein.





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Nachdem Lara Namensgeberin der kleinen Lara von Merle war, habe ich seit gestern auch mein erstes Familienzentrum-Baby. Aber von vorne:

Lara kam gestern um halb 12 zu uns ins Familienzentrum und wir haben uns erst alleine, später mit Annika zusammengesetzt. Wir hielten es für das beste, die Geburt einleiten zu lassen. Das Baby wäre sonst zu groß geworden und Annika hatte große Angst vor einem Kaiserschnitt. Kein Wunder, sie sieht ja seit letztem Donnerstag, wie Fiona mit der Naht zu kämpfen hat... Darauf haben wir sie vorbereitet und dann sind Annika und ich zu ihrem Termin um 14:20 Uhr ins Krankenhaus gefahren. Ihre Eltern bei der Geburt dabei zu haben, fand sie peinlich und der Kindsvater weiß weiterhin nichts von der Schwangerschaft. Als auch die Ärzte und Annikas Hebamme eine Einleitung befürworteten, bat sie mich, nicht wegzugehen. Ich blieb also. Den ganzen Tag, den ganzen Abend, die ganze Nacht.
Um 23:34 Uhr war Leon mit einer Verspätung von sieben Tagen endlich da. Zuerst gab er keinen Ton von sich, weswegen der Arzt ihn direkt persönlich in den Nebenraum brachte, wo eine Krankenschwester das Fruchtwasser absaugte. Das waren die schlimmsten Minuten des Tages, Annika hat schrecklich geweint und ich hatte natürlich auch Angst um ihn. Zehn Minuten später brachte die Krankenschwester ihn aber freudestrahlend wieder und dann konnte die frischgebackene Mama ihren Sohn endlich in den Arm nehmen.
"Wäre es ein Mädchen geworden, ich würde sie Leonie nennen!", hat Annika gesagt. "Aber das wolltest du wohl nicht, mein kleiner Leon."

Als die beiden kuschelten, habe ich Annikas Eltern angerufen. Sie wollen heute ins Familienzentrum kommen und ihren Enkel begrüßen.

Ich hätte Annika und Leon direkt in der Nacht mit ins Familienzentrum nehmen können, aber Annika war zu kaputt, um zum Auto zu laufen. Wir blieben also bis heute Morgen und jetzt habe ich die beiden gerade bei den Kollegen abgeliefert, die mich dann glücklicherweise nach Hause schickten.

Chris hat die Kinder zuhause super unter Kontrolle gehabt und sie heute auch ins Kinderhaus gebracht. Ich bin also alleine und werde jetzt erst mal ins Bett fallen.

So eine Geburt ist schon was wunderschönes.
Herzlich Willkommen auf der Welt, Leon!





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Alltag. Was ist schon Alltag? Sieben junge Mädchen, vier kleine Babys - bald werden es fünf sein, denn Marie hat am Montag Entbindungstermin - versuchen, ihr Leben in geregelte Bahnen zu bringen. Versuchen, Kontakt zu ihren Eltern und anderen Verwandten zu haben, versuchen, den Kindsvater von ihrem gemeinsamen Glück zu überzeugen, kämpfen um Geld von Behörden, um ihre Schulbildung und um ein gutes Leben. Die ungewisse Zukunft: wie wird es wohl sein mit Baby, wenn sie nicht mehr hier im Familienzentrum leben? Wenn die Unterstützung durch das Personal wegfällt, wenn sie sich ganz alleine um ihren Alltag kümmern müssen?

Alltag war für diese Mädchen noch vor einem Jahr zur Schule gehen, Freunde treffen, Partys feiern, von Mama oder Papa bekocht werden und unbeschwert sein. Mit der Schwangerschaft kam die plötzliche Verantwortung. Im Familienzentrum ist Besuch nur mit Voranmeldung erlaubt, nicht nur Partys, sondern auch jeglicher Alkohol sind selbstverständlich verboten, denn entweder sind die Mädchen schwanger oder sie stillen noch, kochen müssen die Mädchen selbst. Sie halten ihre Zimmer und die Gemeinschaftsküche sauber, auch ihre Wäsche müssen sie selbst waschen - nicht weil wir sie ärgern wollen, sondern weil in den Wäschebergen die eigenen Klamotten nicht wiedergefunden werden würden.

Das Familienzentrum ist kein Hotel. Es ist die Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben mit Kind, eine Möglichkeit, Freundinnen zu finden, die ihr Schicksal teilen. Die Mädchen lernen von einander: Marie beobachtet Merle bei der Zubereitung und beim Füttern von Brei und stellt viele Fragen, wenn Fiona den kleinen Leo stillt.
Gleichzeitig ist Marie auch selbst eine große Hilfe für die anderen Mädchen. Durch ihre Situation zuhause mit den alkoholabhängigen Eltern haben sie und ihre Schwester Nora früh gelernt, zu kochen. Sie können viele Gerichte aus dem Kopf zaubern und haben Ordner voller Rezepte. Sie zeigen den anderen Mädchen, was sie später für ihre Kinder kochen können, um sie gesund zu ernähren.

Alltag heißt im Familienzentrum, dass man zusammen lacht und für einander da ist, wenn jemand weint. Dass man zusammen einkauft und kocht, eine Regelmäßigkeit erreicht, gemeinsame Rituale pflegt und von einander lernt - positiv wie negativ.

Alltag heißt, während der Fußball-WM abends, wenn die Babys schlafen, zusammen vor dem Fernseher zu sitzen und die heißesten Spieler der Teams zu küren. Wenn Nora aufschreit, weil ihr Baby sie getreten hat und alle Mädchen wie automatisiert ihre Arme ausstrecken und am Bauch fühlen. Wenn das Team am Abend eine Runde Eis ausgibt, weil es draußen so heiß ist. Alltag heißt auch, dass es mal Streit gibt, die unbeteiligten Mädchen schlichten und man sich wieder verträgt.

Die Mädchen sind in keiner normalen Situation. Das Schicksal, als Teenager schwanger zu werden, teilen nur wenige. Bei uns finden die wenigen zusammen und leben ihren eigenen, ganz besonderen Alltag.





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