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...   Erstellt am 13.06.2007 - 19:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


»Welche Zukunft hat die Bond’sche Ersatzfamilie „M“, „Q“ und Miss Moneypenny im derzeitigen Franchise?«


War früher bei den drei oben genannten Mittlerfiguren immer gerne die Rede von einer Art Ersatzfamilie für die Figur des Filmagenten, so hat sich mit dem Einzug Barbara Broccolis als vollberechtigte Produzentin im Produktionsteam von EON in Sachen männlicher Chauvinismus und weiblicher Emanzipation vieles verändert.


Neues Konzept beginnt in der Brosnan-Ära

Nach dem das reale Leben es mit Stella Remington als echter Chefin des britischen Geheimdienstes vorgemacht hatte, entschied man sich anläßlich der Produktion von »GoldenEye« diesen realen Vorgang als personellen Wechsel neben der Verpflichtung eines neuen Hauptdarstellers in die Bond-Serie mit hinüber zu zunehmen.
Mit der Einstellung von Judy Dench als weibliche Chefin "M" fand ein gravierender Rollentausch in der Hierarchie des Bond’schen Film-Geheimdienstes statt. Dieses andersartige Beziehungsgeflecht schlug ein ganz neues Kapitel in den 007-Filmen auf. Judy Denchs „M“-Einsätze offenbarten für die fortlaufende Serie ein immer wiederkehrendes Highlight an schauspielerisch dramaturgisch eminent wichtigen Szenen. In dieser Hinsicht ergab sich somit 1995 gegenüber den alten Filmen einen Qualitätsschub, wie er sich ansonsten nur noch mit der Verpflichtung von Daniel Kleinmann als Nachfolger von Titeldesign-Gestalter Maurice Binder ergeben hat.

Beinhaltete Bernard Lees Interpretation von "M" noch die strenge Vaterfigur, der der Geheimagent Respekt zollte, verschob sich mit der weiblichen "M" die Konstellation des Respektes gegenüber der Vorgesetzenfigur um einiges. Im Gegenzug zum männlichen Vorgänger wird Bond von dieser mehr als Werkzeug und Tötungsmaschine begriffen und weniger als Mensch klassifiziert, während Bond in ihr weniger Rationalität als kaltblütiges emotionales Verhalten erkennen muß.

Konnte man die „Familien“-Szenen aus den Vorgängerfilmen (1962 - 1989) in Sachen Miss Moneypenny und „Q“ oft als Kabinettstückchen des kleinen Humors ansehen, stellten die Chefgespräche zwischen Bond und den (männlichen) „Ms“ oftmals nur Routine-Angelegenheiten dar, die in erster Linie die Handlung voran zu treiben hatten. Am Charakter und der beruflichen Qualifikation des Helden wurde weitaus weniger etwas ausgesetzt. Witze auf Kosten des Chefs kamen schon mal im Vorzimmer vor, wobei im umgekehrten Sinne auch mal die Sekretärin einen Vorgesetzen-Anraunzer abbekam. Dies entfiel nun im aktuell gestalteten Bond’schen Kosmos. Stattdessen machte die Sekretärin nun Witzchen auf Kosten der Hauptfigur.

Neu hinzu kam, daß neben den regulär bekannten Figuren das Büro-Ensemble des MI-6 in der Brosnan-Ära durch zusätzliche Charakteren verstärkt wurde, die auch der Zuschauer bewußt wahrnahm. Colin Salmon als Charles Robinson und Michael Kitchen als (neuer) Tanner kamen gleich mehrfach zum Einsatz. Weibliche Angestellte des MI-6, wie die Psychologin Carolinne (Serena Gordon) oder Dr. Molly Warmflash (Serena Sott Thomas) stellten in den 90er Filmen die Ursprungssymbiose eines männlich dominierten Büros früherer Tage auf den Kopf. Jetzt hatten die Frauen das Sagen im Hause und die Geheimagentenfigur in der Brosnan-Ära war auf einmal ausschließlich von Beurteilungen weiblicher Vorgesetzte abhängig, während die männlichen Kollegen in beratender Funktion in der Firmenhierarchie eher mit Bond simultan auf eine Stufe standen.
Auch Miss Moneypenny, die in der Lois Maxwell-Ära (1962 - 1985) eine Frauen-Typ dargestellt hatte, der den Agenten am liebsten an Heim und Herd bemuttert hätte, erfuhr eine neue charakterliche Aurichtung. Samantha Bond präsentierte eine Miss Moneypenny, die der Typ kleine eifersüchtige Schwester war, die durch andauernde Sticheleien versucht den großen Bruder (= Bond) bei Mama (= „M“) immer mal wieder in Misskredit zu bringen. Auf diese Art und Weise hatte im Bond’schen Universum die Emanzipation in den 90er Einzug im MI-6 Film-Büro gehalten.


Mit ein Grund hierfür dürfte der tragende Einfluß Barbara Broccolis innerhalb der Produzentenriege gewesen sein, die bei der Produktion von »GoldenEye« eine Gleichstellung erfahren hatte.In dieser neuen Ära galt/gilt anscheinend nicht nur hinter den Kulissen das Prinzip „Frau hat jetzt auch mal das Sagen“, sondern auch die Devise, ein durch die Serie verquer antiquiertes Frauenbild und -verständnis aus der Serie zu entfernen. Mag auch mancher Macho-Zuschauer jetzt bemängeln, daß das alte Rollenspiel in seinen Augen das schönere war, so hat sich doch gezeigt, daß diese von Barbara Broccoli in die Serie eingebrachte Ideen dem Franchise neuartige Schübe gegeben haben. Diese dominieren zwar nicht gleich das ganze Geschehen eines neuen Filmabenteuers der Agentenfigur, stellen aber in dieser Hinsicht oftmals qualitative Verbesserungen dar.

Das Barbara Broccoli bereit ist Risiken einzugehen, um verkrustete gedankliche Strukturen aufzubrechen und mit alten Klischees zu brechen, hat sie nun gerade mit der Verpflichtung Daniel Craigs bewiesen, der den altbekannten Vorstellung des Filmagenten James Bond in den Köpfen von Millionen von Zuschauern im Vorfeld überhaupt entsprechen mochte. Ihre Hartnäckigkeit in dieser Hinsicht stellt ihren bisher größten Coup dar und hat ihr diesbezüglich auch gewaltigen Respekt von vielen Fans eingebracht. In schauspielerischen Belangen ist die Serie einen gravierenden Schritt nach vorne gegangen. Auch wenn es Filmfans gibt, die von der Wahl Daniel Craigs zum neuen Bond nicht angetan sind, so sollte man bereit sein zu unterscheiden, was den neuen Schauspieler und die Rolle ausmachen. Der Charakter als solcher stand bekanntlich auch für andere Anwärter vor Verpflichtung der Bond-Rolle zur Disposition, nur schien Daniel Craig derjenige zu sein, der am weitesten diametral zur Interpretation Pierce Brosnans – nicht nur in optischer Hinsicht – stand.

Daniel Craig präsentiert(e) in dieser Art „Sonder-Ausgabe“ des Franchises einen Bond-“Noir“, der erst in den Nachfolgefilmen zu »Casino Royale« beweisen muß, ob er sich dem ursprünglichen Bild des Jet-Set Agenten der fiktiven Glamour und glitzerhaften Märchenwelt aus rund 40 Jahren Filmgeschichte anpassen wird. Ob Daniel Craig auf seine Art und Weise im methaphorisch übertragenden Vorgängerfilmbeispiel der »Star Wars -Episoden I - III« vom „symbolisch unreifen Anakin Skywalker-Charakter zur etablierten Mordmaschine Darth Vader“ wird, wird der Schauspieler hier in Sachen „Bond“ dann zu beweisen haben.




Versteckte Späße, die auf die Zukunft dieser Mittlerfiguren innerhalb der Serie hinweisen?

Was die MI-6-Standard-Besetzung der beliebten Figuren „M“, „Q“ und „Miss Moneypenny“ in »Casino Royale« anbetrifft, drängt sich dem Zuschauer innerhalb des Films immer mal der Verdacht auf, daß sich die Produktion mit dem Publikum einen Spaß erlaubt haben könnte.

Obwohl mit der neuen »Casino Royale-Verfilmung« (2006) das Franchise temporär zurück auf Anfang gestellt wurde, hat man Judi Dench als Chefin wiederverpflichtet und jegliche Regeln einer logischen Abfolge innerhalb des Re-Boots bewußt widersprochen. Den Produzenten ging es wohl weniger um Plausibilität innerhalb der Serie, sondern eher darum, die erstklassige schauspielerische Konstellation, die Judi Dench in der Rolle der "M" mit sich bringt, beizubehalten. [„Never change a winning team“ dürfte hier der Grund sein]

Die Zusatzverstärkung des Büros aus Brosnan-Film-Tagen scheint ad acta gelegt zu sein, und nach der Umkehrung der Vaterfigur „M“ zur Mutter „M“ findet in »Casino Royale« ein zweiter geschlechtlicher Rollenwechsel statt. Statt Miss Moneypenny hat die weibliche "M" nun einen männlichen Sekretär namens Villiers zugeschrieben bekommen . Die Figur Villiers tauchte zwar schon in früheren Bondfilmen vereinzelt auf, aber in anderer Funktion innerhalb des MI-6. Dieser Tatbestand dürfte auch Drehbuchautoren und Produzenten geläufig sein und trotzdem gab man dem Sekretär gerade diesen Namen.
Sollte die Rolle des Sekretärs Villiers in den zukünftigen Filmen beibehalten werden, würde er zu einer Art „Mister Moneypenny“ avancieren. Die Dialogebene zwischen Agent und Sekretär wäre demnach eine andere und es wird sehr interessant zu sehen, ob Villiers als Charakter noch eine Vertiefung erfährt. Ein homosexuell gearteter Sekretär beispielsweise – der sich nicht als typisch dämlich deutscher Comedy-Sick präsentiert – sondern ähnlich ernsthaft wie Desmond Llewelyns „Q“ über Bonds Liebesleben ausläßt, wäre ein neuartiger Twist (and Shout) für die Serie. Für zukünftige Drehbuchaufträge kein einfaches Unterfangen.

Deutliche Referenzen bezüglich Miss Moneypenny zeigt die neue »Casino Royale-Fassung« bei der ersten Begegnung von Vesper Lynd und James Bond im Zug auf dem Weg nach Montenegro. Nicht nur ein Wortspiel auf Moneypenny bezogen, sondern Vesper Lynds gesamter Textdialog präsentiert sich, als ob dieser Part für Samantha Bond, der ehemaligen Miss Moneypenny der Brosnan-Ära geschrieben worden wäre. Ein Doppler innerhalb des Films hätte da – verständlicherweise – wenig gut getan.


Der Daniel Düsentrieb des britischen Geheimdienstes – Major Boothroyd aka „Q“ – ist auf Grund einer dekadenlanger Präsenz in der Person von Desmond Llewelyn nun mal nicht einfach aus den Köpfen der Zuschauer wegzudenken. Aufgrund der Tatsache daß der immer älter werdende Darsteller nicht nur vor der Kamera sondern auch hinter den Kulissen zum Maskottchen der Serie wurde und auch privat zum lieben Onkel „Q“ für Jederman avancierte war für das Franchise ein ausgesprochener Glückfall. Obwohl der Mensch Desmond Llewelyn im wirklichen Leben völlig konträr zur Rolle des genialen Tricktüftlers stand, nahmen ihm die Zuschauer die Personifizierung der Figur des „Q“ ein Leben lang genauso ab, wie Sean Connery in den Sechzigern für alle Welt die Inkarnation des Film-Bonds wurde. John Cleese als neuen Nachfolger innerhalb des 007-Film-Franchises zu etablieren, stieß nicht unbedingt nur auf Gegenliebe, da seine Interpretation der Rolle eher ins „Monty Python“-Reich paßte, als der Bondserie zu wirklicher Ehre gereichte.
Interessanter Weise taucht auch in »Casino Royale« auch ein kurz grinsender namenloser Q-Verschnitt auf, als Bond nach einem Gespräch mit „M“ einen Minisender in den Arm implantiert bekommt. Einem neuen Interpreten der „Q“-Rolle müßte man jedenfalls ein anderes Dialogschema als Desmond Llewelyn zu kommen lassen, da ansonsten dieser Schauspieler nur zu einer schlechten Kopie des Originals mutieren würde und dies – außer als Karikatur – nie ein Gewinn für einen Film wird. Hauptrollen-Klone wie George Lazenby oder der neue Superman-Darsteller Brandon Routh haben auf Dauer immer nur das Nachsehen - und das gilt auch für solch’ eine Rolle.
Hier ist auf jeden Fall der Einfallsreichtum der Drehbuchautoren gefragt.

Aufgrund der Tatsache daß in den letzten Jahren vermehrt „Q“-Klone in Filmen wie beispielsweise „Van Helsing“ oder „Tripple X“ auftauchten, spricht dafür, daß man bei EON noch einen Film ohne die anstehenden „Q“-Problematik angehen möchte.
Entscheidend in dieser Hinsicht wird auch sein ob die nächsten Filme mehr der Realität verhaftet bleiben oder ob irgendwann wieder das bombastische Spektakel mit Weltzerstörer-Meriten angesagt ist was eigentlich immer der Fall war. Während sich der Einstiegsfilm eines neuen Darsteller erst mal immer auf den neuen Protagonisten konzentriert sorgt man beim anstehenden Nachfolgefilm für einen gewichtigen Gegenspieler, der diesen zweiten Film dominiert. Waren die Bösewichte in dieser Hinsicht in »From Russia with love« (1962) mit Robert Shaw als Red „Donovan“ Grant, in »The man with the golden gun« (1974) mit Christopher Lee als Francisco Scaramanga und in »Licence to kill« (1989) mit Robert Davi als Franz Sanchez ein absoluter Gewinn für das Franchise, entpuppte sich die Interpretation von Jonathan Carver als Elliot Carver in »Tomorrow never dies« als mittlere Katastrophe. Es bleibt dabei immer der Verdacht im Raum, daß man unbedingt Anthony Hopkins wollte, dieser aber durch seine Rolleninterpretation des Hannibal Lectors davon ausging, mit einer anderen Bösewichtsrolle diesen Nimbus nicht mehr toppen zu können.


Wer auch immer in zukünftigen Bond-Filmen die berühmten Mittlerfiguren des MI-6 spielen wird – so viel steht jedenfalls fest:
Wie bei jedem neuen Bond-Darsteller müssen auch diese Rollen-Interpreten einen anderen Ansatz erfahren. Ansonsten kann der/die Schauspieler(in) in der jeweiligen Mini-Rolle innerhalb dieses Bond-Cosmoses nur das Nachsehen haben. Robert Brown, Caroline Bliss und John Cleese stehen für dieses Nachsehen. Samantha Bond und Judi Dench erhielten andere Ansätze und waren somit keine Kopien ihrer Vorgänger(in). Denn wie bei der Figur Bond gilt auch hier am Ende die Devise:


– „M“, „Q“ and „Moneypenny“ will return –





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cyrus_poonawalla ...
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...   Erstellt am 13.06.2007 - 21:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Sehr schöner Essay. Lassen wir uns mal überraschen, inwieweit Deine Analyse sich als richtig erweisen wird...





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Invincible1958 ...
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...   Erstellt am 14.06.2007 - 12:21Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich finde, dass Judi Dench's 'M' in CR mehr mütterliche Gefühle für Bond aufbringt als das bei 'M' in der Brosnan-Ära vorkam. Zwischen Craigs Bond und 'M' wird es (meiner Vorraussage nach) eine engere Beziehung geben als dies je der Fall war in 45 Jahre Kino-007 mit irgendeinem MI6-Mitarbeiter.

Wenn Q früher ne Art Vaterfigur war, dann ist 'M' jetzt beides in einem - Mutter und Vater.





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