Daisuke Dein Echolot
   

Status: Offline Registriert seit: 02.05.2004 Beiträge: 1214 Nachricht senden | Erstellt am 20.11.2004 - 10:45 |  |
autor: wie immer ich Genre: one-shot, depri teile: 1 Widmung: niemandem... glaub ich sonstiges: ähm.. ja... ein weiterer überflüssiger one-shot von mir
Wie du
Tränen fielen herab. Sie tropften fast lautlos auf das kalte Gestein. Leise Schluchzer waren zu hören. Es regnete. Erbarmungslos regnete es in Strömen. Die endlosen Tropfen vermischten sich mit den Tränen und es war als ob der Himmel mitweinte. Die Füße fingen an sich zu bewegen. Langsam schritten sie im Takt, ein Bein, dann das andere, ein Bein, das andere Bein… und immer so weiter. Die Schritte waren träg, das sah man. Träge und starr – vor Trauer und Hass. Vor Mitleid und Selbstmitleid. Kein Vogel zwitscherte, keine Sonne schien. Man hörte nur die trägen Schritte, wie sie gleichmäßig dumpf durch das Gemäuer hallten. Und natürlich den grauen Regen.
Es war ein junger Mann der da durch die Gegend ging. Sein Gesicht hatte keinen Ausdruck- es war kein Lächeln, keine Trauer, kein Hass und keine Langeweile zu sehen. Sein Gesichtsausdruck wirkte gespenstisch ausdruckslos, fast schon tot. Seine leeren Augen schauten stur geradeaus. Er blinzelte nicht. Sein Haar war nass und klebte ihm ebenso wie seine Klamotten am Leibe, es klebte genau so an seinem Leibe wie das Leid an seiner Seele.
Er dachte an nichts. Sein Kopf war leer wie ein schwarzes Loch. Jeder Gedanke war in dem schwarzen Loch verloren, ein gesogen und auf nimmer wieder sehen!
Er ging weiter… durch die Straßen, durch die Wege. Ganz unbewusst steuerte er eine Stelle an.
Plötzlich blieb er stehen. Seine Augen weiteten sich. Seine Hände verkrampften sich in den Innentaschen des Mantels und das schwarze Loch in seinem Kopf spuckte all das wieder aus, was er doch hatte vergessen wollen – für immer!
Schemenhaft sah er vor sich die Straße, zwei Personen kreuzten im strömendem Regen die Fahrbahn - ein Auto! Schnell und ohne Licht. Der Fahrer sah die Zwei erst im letzten Augenblick. Doch da war es schon zu spät. Man hörte kein Schreien, nur ein lautes Krachen. Jetzt stand da nur noch eine Person und ein roter Teppich weitete sich auf dem grauen Asphalt aus. Das Rot vermischte sich mit der Nacht, es wurde eins mit der Nacht, mit der Straße. Das Auto fuhr davon, hinter sich eine rote Spur hinterlassen, den der Regen wegwischte.
Dem jungen Mann lief es eiskalt den Rücken runter. Er meinte noch das Rot des Blutes zu sehen. Ihres Blutes.
Es kniete sich hin und taste vorsichtig die Straße ab. Hier war sie gestorben. Er schloss die Augen und dachte nach. Dann sah er sie in seiner Erinnerung wieder dort liegen. Langsam ließ auch er sich zu Boden sinken, so wie sie hier gestorben war. Hier wollte auch er sterben. Dunkel war es ja schon. Er legte sich hin… Atmete ein, atmete aus. Hier war sie gestorben – genau so – wie er jetzt lag. Nun lag er da, kam sich sehr hilflos vor- und wartete auf das nächste Auto, das ihn nicht sehen und überfahren würde - schmerzhaft aber sicher.
In der Ferne hörte er ein Brummen. Er sah zwei schwache Lichter in der Ferne. Nun musste er lächeln. Endlich war es soweit. Ein letztes Mal fühlte er sein Herz, ein letztes Mal atmete er ein und ein letztes Mal dachte er an sie ….
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