PumpisUndCo  Administrator
    

Status: Offline Registriert seit: 15.04.2006 Beiträge: 184 Nachricht senden | Erstellt am 05.03.2007 - 10:13 |  |
Insulinpumpen können Diabetikern helfen, die ihre Blutzukerwerte trotz mehrer Spritzen täglich nicht in den Griff bekommen.
Wie funktioniert die Pumpe?
Die Pumpe gibt wie die Bauchspeicheldrüse rund um die Uhr kleine Menge Insulin ab, um den Grundbedarf des Körpers zu decken. Das zu den Mahlzeiten zusätzlich benötigte Insulin ruft der Pumpenträger per Knopfdruck ab. Über einen dünnen Schlauch und eine Stahl- oder Teflonkanüle, die im Unterhautfettgewebe – meist im Bauch – liegt, gelangt es in den Körper. Den Katheter wechselt der Pumpenträger etwa alle zwei Tage. Das benötigte Insulin (Normalinsulin oder schnell wirkendes Analoginsulin) gibt es in vorgefüllten Patronen, oder es wird aus einer normalen Insulinampulle in eine Spezielle Pumpenampulle aufgezogen.
Welche Vorteile hat die Pumpe gegenüber der Spritzentherapie?
Bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) spritzt der Diabetiker zu den Mahlzeiten ein schnell wirkendes Insulin, dessen Dosis und Zeitpunkt er selbst festlegt. Den Grundbedarf an Insulin deckt ein lang wirkendes Insulin (Basalinsulin). Wegen der langen Wirkdauer sind unter Umständen Zwischenmahlzeiten nötig. Wer spontan Sport treiben möchte, muss zusätzlich Kohlenhydrate essen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Außer dem reicht die Wirkung des Basalinsulins nicht immer bis in den Morgen. Daher ist mancher Diabetiker gezwungen, früh aufzustehen und Insulin zu spritzen, um einen Blutzuckeranstieg aufzufangen.
Pumpenträger brauchen kein lang wirkendes Insulin. Die Pumpe enthält nur kurz wirkendes Insulin, von dem sie ständig eine kleine Menge abgibt, die den Grundbedarf des Körpers deckt. Wie hoch diese „Basalrate“ ist, ermittelt der Diabetiker mit dem Arzt. Dank Basalrate kann man ausschlafen, ohne die schlechte Werte zu riskieren. Auch Spontan Sport zu treiben ist leichter möglich. Dazu wird einfach vorher die Basalrate gesenkt. Zwischenmahlzeiten sind meistens unnötig. Wer 100mg/dl hat, isst etwas und ruft zusätzlich Insulin ab. Weil der Diabetiker die Insulinmenge bekommt, die er gerade benötigt, schwanken die Werte insgesamt weniger.
Wer profitiert von der Pumpentherapie?
Eine Insulinpumpentherapie ist für den Typ I Diabetiker sinnvoll, die trotz einer ICT keine befriedigende Blutzuckereinstellung erreichen. Etwa weil sie in den frühen Morgenstunden besonders viel Insulin brauchen oder einen sehr unregelmäßigen Tagesablauf haben, beispielsweise Schicht arbeiten. Auch Diabetiker, die häufig schwere Unterzuckerungen haben oder Unterzuckerungen nicht wahrnehmen, profitieren von der Pumpe. Eben so die Diabetiker, bei denen optimale BZ-Werte besonders wichtig sind, etwa Frauen, die eine Schwangerschaft planen, oder Patienten mit Folgeerkrankungen.
Können auch Typ II Diabetiker eine Insulinpumpe bekommen?
Die Pumpe ist in erster Linie eine Therapie für Typ I Diabetiker, bei denen die Bauchspeicheldrüse ja kein eigenes Insulin mehr produziert. Bei übergewichtigen Typ II Diabetikern ist das Problem zunächst ein anderes: Das Insulin kann nicht mehr genügend Zucker aus dem Blut in die Körperzellen schleusen, weil diese unempfindlich gegenüber dem Hormon geworden sind. Diese Insulinresistenz lässt sich durch Bewegung, vernünftige Ernährung, Abbau von Übergewicht, und falls das nicht ausreicht, blutzuckersenkende Tabletten bessern. Allerdings kann auch beim Typ II die Insulinproduktion im Laufe der Jahre so stark nachlassen, dass Insulin gespritzt werden muss. Weil die Insulinproduktion oft nicht völlig versiegt, haben Typ II Diabetiker seltener mit stark ausgeprägten BZ-Schwankungen zu kämpfen, als manche Typ I Diabetiker. Das ist einer der Gründe, warum Kassen die Pumpentherapie bei Typ II nur in Einzellfällen bezahlen. Dazu gehören beispielsweise Typ II Diabetiker, deren Insulinresistenz so ausgeprägt ist, dass sie mehr als 100 oder 200 Einheiten Insulin Spritzen. Durch die feinere Abstimmung der Insulintherapie mit der Pumpe werden die Zellen wieder empfindlicher gegenüber Insulin. Der Insulinbedarf kann drastisch sinken. Auch manche Typ II Diabetiker mit Folgeerkrankung können von einer Pumpe profitieren.
Habe ich mit der Pumpe immer normale Blutzuckerwerte?
Nein. Die Pumpe regelt den BZ nicht automatisch. Nur wer lernt, mit dem Gerät richtig umzugehen, profitiert davon. Die Pumpentherapie ist nicht einfacher als die Spritzentherapie und erfordert viel Disziplin und Motivation. Dazu gehören auch die regelmäßige Kontrolle und Dokumentation der BZ-Werte. Wer dazu nicht bereit ist, eignet sich nicht für die Pumpe.
Gibt es auch Risiken?
Weil in der Pumpe nur kurz wirkendes Insulin verwendet wird, kann sich bei der Unterbrechung der Insulinzufuhr schneller ein Insulinmangel entwickeln. Dann gelangt nicht mehr genügend Zucker in die Zellen, und der BZ steigt. Die Zellen greifen zur Energiegewinnung auf die Fettreserven zurück. Dabei entstehen Ketonkörper, und es droht eine gefährliche Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose)
Wird der Katheter zu lange getragen oder die Einstichstelle vor dem Legen des Katheters nicht richtig desinfiziert, kann sie sich entzünden, oder es bildet sich sogar ein Abszess, der ärztlich behandelt werden muss.
Wie wird die Pumpe getragen?
Tagsüber kann sie beispielsweise an Gürtel, BH oder in der Hosentasche getragen werden. Nachts kann die Pumpe frei im Bett liegen. Die Katheterpflaster kleben so gut, dass die Kanüle kaum herausreißen kann. Anders als viele Pumpenneulinge befürchten, ist die Kanüle meist nicht zu spüren. Pumpen sind Robust und Stoßfest, manche sogar Wasserdicht. Mit abkoppelbaren Kathetern kann die Pumpe beispielsweise beim Sport abgelegt werden, ohne dass danach eine neue Kanüle gelegt werden muss.
Wie bekomme ich die Pumpe?
Klären Sie im Gespräch mit einem in der Pumpentherapie erfahrenen Diabetologen, ob die Pumpe für Sie in Frage kommt. Voraussetzung für eine Pumpe ist, dass Sie die ICT beherrschen. Lassen Sie sich die Verschiedene Modelle zeigen, und probieren Sie mit welchem Sie am besten zurechtkommen. Die Schulung findet ambulant in einer Diabetes-Schwerpunktpraxis oder stationär in einer spezialisierten Klinik statt.
Was kostet die Pumpe?
Die Pumpe kostet zwischen 3000 und 4000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Verbrauchsmaterialien wie Katheter und Ampullen. Mit etwa zwölf Euro pro Tag ist die Pumpentherapie ungefähr doppelt so teuer wie ICT. Vorraussetzung für die Kostenübernahme durch die Kasse ist das Gutachten eines Diabetologen. Wegen hohen Kosten verlangen die immer mehr Kassen einen Beweis dafür, dass die Pumpentherapie notwendig ist, und sich die Diabeteseinstellung durch die Pumpe tastsächlich gebessert hat.
Quelle: Diabetiker Ratgeber 3/2007
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