Pipasi 

Status: Offline Registriert seit: 01.03.2007 Beiträge: 242 Nachricht senden | Erstellt am 21.02.2009 - 16:44 |  |
In Indien ist vieles anders, mehr als nur Landschaft, Essgewohnheiten, Aussehen, Sprachen, Tänze, Religionen, Klima. Die wesentlichste Andersartigkeit aber ist das Unsichtbare, das was in den Menschen verborgen ist. Man sieht es erst auf den zweiten Blick.
Zum Beispiel das Namaskar. Nicht nur Tänzer praktizieren es, auch Handwerker, Ärzte, Steineklopfer, Bankangestellte, Briefmarkenverkäufer, Laden-, Teestand- und Restaurantbesitzer, Taxifahrer und die wilden Busfahrer nicht zu vergessen - alle verrichten das Namaskar vor der ersten Tat. Das sieht bei jedem ein wenig anders aus.
Die Steineschlepper berühren mit beiden Händen für einen versunkenen Augenblick den Stein, dann ihre Stirn, bevor sie den ersten Brocken auf Schultern oder Kopf hieven.
Der Taxifahrer hängt eine frische Jasmin-Girlande um den Rückspiegel und steckt anschließend duftendes Räucherwerk irgendwo in die Ritze des Armaturenbretts.
Vor einer größeren Reise ist es ein ganzes Bündel Räucherstäbchen, und das Lenkrad, Orientierung einer kurzen Meditation, wird mit ein paar Tupfer Farbpaste versehen. Dann erst lässt er den Motor an.
Im Hotel und Restaurant, auf der Post und der Bank, überall gibt es Ecken und Nischen, wo qualmende Räucherstäbchen, Jasmin-Girlanden und farbige Abbildungen von Gottheiten den heiligen Bezirk kennzeichnen, den man jeden Morgen von neuem schmückt und ehrt.
Es spielt keine Rolle, welcher Religion der kleine Altar gewidmet ist. Das uns allen bekannte Jesusoder Marienbild erfährt die gleiche sinnliche Verehrung wie Abbildungen des Krischnakinds oder des blauhäutigen Shiva.
Das Namaskar ist dem indischen Alltag so einverleibt wie essen, trinken und schlafen.
Namaskar ist auch die Begrüßung im Allgemeinen, man faltet die Hände vor der Brust und sagt zum andern: »Namaskar!«
|