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Republicain ...
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...   Erstellt am 29.06.2006 - 11:34Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Auch wenn falscher Thread:
Wenn ich Oberschicht mache und nicht die Freunde bzw. selber das Können/den Willen selber zu nähen habe wird es schon teuer.
Wie du schon gesagt hast, Adolphe, es müssen verschiedene Anzüge für mehrere Anlässe her. Da ist man schnell bei einigen mehr Tausend Euronen, als du für die Militärdarstellung angibst. 1000 € für einen Anzug sind wohl als normal anzunehmen, wobei Hemd, Strümpfe, Schuhe, Hüte, Mäntel pipapo fehlen. Bei ein par Anzügen sind wir schon bald ohne die Services bei einer Summe, welche schon den gehörigen Atem finanz. Art verlangt.

Allerdings stimme ich dir zu. (andere Hobbies sind ebenso teuer, denk ich bei vielen Sportarten an Ausrüstung, Anmeldegebühren usw.) Deswegen habe ich mir ja auch eine Rolle ausgesucht wie auch Deiner einer, die ein Minimum an Ausrüstung über die Kleidung hinaus erfordert.

Da ich soweit ins Sammeln nicht gehen kann und genug Reenactments mit statischem u. langweiligen Ablauf mitgemacht habe, sind mir
- historisch belegbares Rollenverhalten
- sich am Sprachjargon der Zeit orientierende Gespräche
(wenn ich mal von meinem Herren auf einen Ball mitgenommen werde)
- standesbewusstes Auftreten
- Freude zum Spiel
- Wissen um die eigene Rolle
- Wissen um die zeitgenössischen Geschehnisse
(soweit dies von der Rolle zu erwarten)
sehr wichtig. Ich muss zugeben, dass mich Möchtegerngrafen prinzipiel nicht stören. Wer in meinen Augen nicht glaubhaft (auch ein Hochstapler kann glaubhaft sein) rüberkommt, der wird von mir nicht in der Form bedient, wie sie dem von ihm ausgesponnen Stand entspräche. Auf Verdrießlichkeiten darob, weiß ich meistens sachlich zu antworten.

Es wäre schön, wenn die Diskussion ein bisschen konkreter werden würde. Mittelaltermärkte und Zuschauersprüche sind, meines Erachtens, genug breit getreten.

S et F

Le vrai Republicain

[Dieser Beitrag wurde am 29.06.2006 - 11:36 von Republicain aktualisiert]





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... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet.

Catherine ...
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...   Erstellt am 18.07.2006 - 08:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Republicain schrieb

    sind mir
    - historisch belegbares Rollenverhalten
    - sich am Sprachjargon der Zeit orientierende Gespräche
    (wenn ich mal von meinem Herren auf einen Ball mitgenommen werde)
    - standesbewusstes Auftreten
    - Freude zum Spiel
    - Wissen um die eigene Rolle
    - Wissen um die zeitgenössischen Geschehnisse
    (soweit dies von der Rolle zu erwarten)
    sehr wichtig.



Die Punkte sind sehr gut, nur die Praxis ist schwierig. Als Einzeldarsteller oder in sehr kleiner "Gruppe" (Herr und Diener) mag die Umsetzung noch recht einfach zu machen sein, in größeren wird es jedoch schwieriger.

Bei uns im CE gibt es z.B. von einigen Leuten die Bestrebungen nach Hierarchie zu arbeiten (also historrisch korrekt), der andere Teil ist da jedoch strickt dagegen. So entstehen zwangsläufig Diskussionen darüber ob die "Sozialaufgaben" (abspühlen, Holz holen, etc.) von allen gemacht werden sollen oder von denen bei denen es zur Rolle gehört. Ich bin mir sicher, das dies in anderen Gruppen ähnlich sein wird. Heißt das nun, das Einzeldarstellungen besser sind in Fragen A?



Sprachjargon:
Wie soll man den historrisch korrekt ausleben? Bitte kein Marktsprech!!! Als am ehesten verwertbar dafür sind die erhaltenen Briefe. ABER ob man tatsächlich so gesprochen wie geschrieben hat, halte ich für fraglich. Schau sich heute einer Geschäftspost an...so spricht auh kein Mensch und der Jargon in Mail´s oder SMS läst auch oft zu wünschen übrig.


zeitgenössigen Geschehnisse
Den Punkt halte ich auch für kritisch, da wir die Geschehnisse meist aus unserem heutigen Blickwinkel heraus sehen -> siehe z.B. Diskussion um Personen wie Marie Antoinette hier und in anderen Foren.
Für z.B. einen ländlich bürgerlichen Kreis dürften die Gemeindethemen (wer hat eine neue Kutsche, was hat Frau M. zu Herrn F. gesagt.....) viel interessanter sein. Dazu braucht es nicht viel. Wichtiger ist viel mehr, das man moderne Themen der Moderne überläßt -> nicht über den Reifenplatzer auf der Autobahn sprechen sondern über den Radbruch der Kutsche.





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"Ich were erstickt, wenn ich dieses nicht gesagt hätte" Liselotte von der Pfalz

Nanny ...
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...   Erstellt am 18.07.2006 - 09:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Catherine schrieb




    zeitgenössigen Geschehnisse
    Den Punkt halte ich auch für kritisch, da wir die Geschehnisse meist aus unserem heutigen Blickwinkel heraus sehen -> siehe z.B. Diskussion um Personen wie Marie Antoinette hier und in anderen Foren.
    Für z.B. einen ländlich bürgerlichen Kreis dürften die Gemeindethemen (wer hat eine neue Kutsche, was hat Frau M. zu Herrn F. gesagt.....) viel interessanter sein. Dazu braucht es nicht viel. Wichtiger ist viel mehr, das man moderne Themen der Moderne überläßt -> nicht über den Reifenplatzer auf der Autobahn sprechen sondern über den Radbruch der Kutsche.


Guter Punkt! Bei manchen Aspekten muß man nämlich total über seinen Schatten springen, wenn man sich in die Denkweise und moralischen Vorstellungen der damaligen Zeit hineinversetzen will. Aus der heutigen Sicht ist das nämlich in manchen Fällen arg erschreckend.

(MmeK.: "Stimmt es, das bei ihren Indianern die Federn aus dem Kopf wachsen?" Mrs M.: "Oh Nein, die Wilden stecken sie in ihre Haare." Mme K.: "Oh, Sie haben schon einmal einen gesehen?" Mrs. M.: "Ein paar gibt es noch bei uns, aber die sind zivilisiert worden - der Rest ist wohl tot.")

PS: ich brauche wohl nicht zu erwähnen, das Mrs. M lieber über einen Kutschen-Radbruch geredet hätte! Aus heutiger Sicht! Die moderne Person schämt sich nämlich immer noch für diesen lapidaren Spruch über den beginnenden Völkermord

[Dieser Beitrag wurde am 18.07.2006 - 12:42 von Nanny aktualisiert]




Elisabeth 
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...   Erstellt am 18.07.2006 - 12:18Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


die gesellschaftliche Hierarchie ist eine Tatsache , die sich wohl kaum vermeiden lassen wird, will man überzeugend vergangene Epochen darstellen-
Das sog. Rollenspiel soll aber nicht eine miese Behandlung , die Drückebergerei oder Ausnutzerei von Mitspielenden bemänteln......
Haben wir Vorteil grosses in Reenactment gegenüber Realität :
-Profilneurotikern laufen sowieso auf kurz oder lang die Leut' davon





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der Unterschied zwischen Einbildung und Bildung besteht in Anstrengung und darin , daß man sich die Finger schmutzig macht .....

Catherine ...
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...   Erstellt am 19.07.2006 - 15:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Elisabeth schrieb

    -Profilneurotikern laufen sowieso auf kurz oder lang die Leut' davon


Die Sache bei uns ist aber eher, das moderne Menschen des 21. Jh sich meist nicht bedienen lassen wollen.

Wie gesagt es gibt bei uns genügend - mich eingeschlossen - Personen die gern auch mal einen Diener, eine Zofe etc. spielen würden. Der Gedanke dabei war, die Rollen von Veranstaltung zu Veranstaltung mal zu wechseln, damit jedder einmal der Diener und der Herr sein kann.

Aber wie gesagt schwieriges Terain.......





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Elisabeth 
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...   Erstellt am 19.07.2006 - 17:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


mich bedienen lassen ist mir auch ultra unangenehm , das ist allerdings wahr.
Genauso peinlich ist's mir , mich von HofImmen umschwirren und umsumsen zu lassen oder für die Königin Honig zu sammeln, von dem ich dann doch nix zum Schlecken bekomme....
- Catherine , Du kennst sicher das Gemälde von Winterhalter:
Es zeigt Kaiserin Eugenie in der Runde ihrer Hofdamen (ok ist aus einer späteren Epoche , illustriert aber genau das was ich meine ;- ) -

Bewunderswert ,die Herrschaften die gerne dienstbare Geister darstellen , habe da wenig Erfahrungen gemacht, die ich wiederholen würde- sowas führt über missinterpretierte Solidarität und viel viel Frust letztlich zu der Erkenntnis , dass es moi vorzieht im Kreise der Egalité zu agieren .....
Aber das ist nur meine subjektive Ansicht-

[Dieser Beitrag wurde am 19.07.2006 - 17:33 von Elisabeth aktualisiert]





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...   Erstellt am 20.07.2006 - 11:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Catherine schrieb


    Die Sache bei uns ist aber eher, das moderne Menschen des 21. Jh sich meist nicht bedienen lassen wollen.

    Wie gesagt es gibt bei uns genügend - mich eingeschlossen - Personen die gern auch mal einen Diener, eine Zofe etc. spielen würden. Der Gedanke dabei war, die Rollen von Veranstaltung zu Veranstaltung mal zu wechseln, damit jedder einmal der Diener und der Herr sein kann.

    Aber wie gesagt schwieriges Terain.......


Es gibt halt Leute mit denen kann man Living-History betreiben und welche mit denen man es nicht kann. Würde mein Herr anfangen Holz von A nach B zu tragen, wäre er für mich auf einen Schlag unglaubwürdig und mir würde das ganze keinen Spaß mehr machen.

Das mit dem Wechseln der Rolle von Veranstaltung zu Veranstaltung stelle ich mir sehr kostenintensiv vor. Das hieße ja, dass jeder zugleich die gesamte Ausrüstung einer Herschaft und eines Dieners hat. Das wäre mir zuviel.
Ich befürchte allerdings, dass es ohnehin kaum einer weiß, was obiges bedeutet.

[Dieser Beitrag wurde am 20.07.2006 - 11:59 von Republicain aktualisiert]





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...   Erstellt am 26.07.2006 - 08:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Elisabeth schrieb

    mich bedienen lassen ist mir auch ultra unangenehm , das ist allerdings wahr.
    Genauso peinlich ist's mir , mich von HofImmen umschwirren und umsumsen zu lassen oder für die Königin Honig zu sammeln, von dem ich dann doch nix zum Schlecken bekomme....


Das wir ein Problem mit "Rundum-Bedienung" haben liegt an unserer Erziehung. Wer wird heute nicht von seinen Eltern frühzeitig auf Selbständigkeit getrimmt!? Auf der anderen Seite wird man aber auch zu selbstbewusten Menschen erzogen, die sich nicht unterbuttern lassen. Damit wird es für beide Parteien nicht ganz leicht:

Der Diener muss das dienen lernen, umsichtig und stets parat und der Herr muss das sich bedienen lassen lernen (kleiner Hang zur Faulheit hilft da vielleicht [img]www.empirekultur.de/gruebeln.gif[/img ).

Eine Ausnutzung einer Partei kommt meist nur dann zustande, wenn nicht jeder etwas in die Beziehung einbringt: z.B. Herrschaft bezahlt für Dienerschaft die Verpflegung. Des weiteren muss man sich schon sehr genau vorher absprechen, damit das Spiel dann auch natürlich wirkt und es keine Mißverständnisse gibt.

Problematisch an der ganzen Sache ist meist nur, das man sehr selten Personen findet, die dieses Spiel miteinander betreiben können. Wird die Gemeinschaft gar größer als 2 Personen wird es noch schwieriger alle Charaktere unter einen Hut zubringen ohne das jemand sich vor den Kopf gestoßen fühlt.

Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, das nur ein ordentliches Spiel mit den historischen Strukturen wirklich korrekt ist. Alle egalitär funktioniert nicht, egal in welcher Bevölkerungsschicht (selbst Bettler haber ihren Bettelkönig).





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Justine_de_Farinot ...
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...   Erstellt am 26.07.2006 - 11:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich glaube auch, man sollte die Gesprächsthemen eher auf Alltägliches beschränken, wir wissen nicht genau, wie viel man damals vom Weltgeschehen überhaupt mitbekam, wir sind heutzutage überinformiert!
Die Damen reden also über Mode, Tanz, Kinder und was an Alltagsthemen sonst noch zu übernehmen ist.
Die Herren reden über Militärisches, Zigarren, Weine etc., der Alltag bzw. Beruf artet als Gesprächsthema ja meist ins Moderne aus

Ja, die Rolle Herr und Diener, ich glaube, manche bekommen es hin, andere werden immer wieder daran scheitern.
Ich habe und werde ganz sicher auch weiterhin meine Schwierigkeiten haben, mich der Rolle entsprechend zu verhalten, die Gleichberechtigung - auch die der Frau - ist mir bereits als Kind eingeimpft worden!
Eigentlich seltsam, die meisten der Frauen, die unser Hobby betreiben sind moderne Frauen, emanzipiert, teils sogar etwas dominant
Trotzdem begeben sie sich in die Rolle der Frauen der letzten Jahrhunderte.
Und wen man auch fragt, niemand will damals wirklich gelebt haben
Romantische Vorstellungen?





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Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.
(Rousseau)

Catherine ...
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...   Erstellt am 01.01.1970 - 01:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Justine_de_Farinot schrieb

    Und wen man auch fragt, niemand will damals wirklich gelebt haben
    Romantische Vorstellungen?



Wobei das ganz sicher daran liegt, das wir die heutige mit der damaligen Zeit vergleichen können. Wir können quasi wählen, wie lange wir auf Zentralheizung, fließend Warmwasser, den Supermarkt um die Ecke, das Auto etc. verzichten wollen. Das macht die Darstellung ungemein leichter. Jeder von uns weiß, wenn ihm ernsthaft etwas passiert auf einer Veranstaltung (z.B. Reitunfall o.ä.) ist sofort moderne medizinische Hilfe zur Stelle. Einzigster Nachteil daran ist, das wir eben durch dieses moderne Bewußtsein nie wirklich fühlen werden können, wie ein Mensch damals mit allen Vor- und Nachteilen lebte.





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