Orgelsmann  Power User
    

Status: Offline Registriert seit: 25.01.2006 Beiträge: 104 Nachricht senden | Erstellt am 01.02.2006 - 22:52 |  |
Hallo Drehorgelfreunde!
Damit auch in dieser Sparte ein Diskussionsbeitrag Anreiz zum Meinungsaustausch erscheint, hier ein paar Bemerkungen zur Steuerung über bzw. mit dem Watterott-System.
Nachdem aus dem Hause Hofbauer zu vernehmen war, daß man dort die Steuerung der Drehorgeln per Funk nicht mehr weiter verfolgt, habe ich mich zum Kauf von Watterott-Komponenten für meine zwei 38er Hofbauer Harmonipan entschieden. Erworben habe ich zwei Empfänger (eingebaut), einen Sender/Steuergerät und ein separates funkgesteuertes Display. Nachdem ich mit dem Handling so einigermaßen klar kam, machte das Spielen schon ein wenig mehr Spaß.
Allerdings merkte ich sehr bald, daß ich auf ein paar liebgewordene Dinge verzichten muß, wenn ich dieses System benutze.
So kann ich z.B. nicht mehr 9 verschiedene Liedspeicher zu je bis 20 ausgewählten Stücken per Tastenfeld vorprogrammieren. Dies habe ich dann dadurch gelöst, daß ich mir vor dem "Einsatz" entsprechend die Smart-Media-Card beschreibe . Auch eine Start-Stop-Funktion während eines Liedes habe ich gelegentlich vermißt. Da habe ich ganz einfach das Lied neu gestartet und die Funkübertragung so lange abgeschaltet, bis ungefähr die richtige Stelle erreicht war. Hat aber nicht immer geklappt
Das Aufsucher der Speicherplätze in den verschiedenen Bänken etrfordert bei meinen nicht mehr ganz gelenkigen Fingern einige Übung, klappt aber heute schon viel besser. Auch hier kann man das einfacher haben, wenn man sich seine bevorzugten Stücke auf eine Bank oder je nach Themen auf einen Datenträger speichert.
Womit ich mich noch nicht ganz anfreunden kann, ist die Qualität der mitgelieferten Musik. Wobei ich wieder bei der Arbeit bin. Wer ein wenig PC-Kenntnisse besitzt und die richtigen Programme zur Verfügung hat, kann diese Musik entsprechend aufpäppeln. Siehe auch mein Beitrag über Midi's.
Bisher hat auch die Türinger Musikantenschmiede noch keine im Orchester spielbare Musik herausgebracht, obwohl die Technik hierfür lt. Hr. Watterott schon vorhanden sei. Wir werden sehen.
Derzeit bin ich der Meinung, daß das Watterott-System hervorragend für kleinere Gruppen und das Straßenspiel, kurz gesagt für Stimmungsmusik zu gebrauchen ist.
Bei anderen Ansprüchen an Musik und Störungsfreiheit ist wohl das System Hofbauer vorzuziehen. Obwohl - auch bei Watterott kann man zur Vermeidung von Fremdeinflüssen bei Funkübertragung auf eine Kabelverbindung zurückgreifen.
Entschuldigt, daß mein Beitrag so (kurz) geraten ist - doch soll er zur Diskussion anregen.
Schreibt mal was über Eure Erfahrungen, damit ich noch was lernen kann.
Herbert
Signatur Gemeinsam geht's besser!
Wer sich der Sonne zuwendet,
hat den Schatten hinter sich! |
Drehorgellui  User aus Leidenschaft
   

Status: Offline Registriert seit: 27.01.2006 Beiträge: 42 Nachricht senden | Erstellt am 02.02.2006 - 06:38 |  |
Guten Morgen Herbert,
was sollen wir Dir noch lernen, Du bist ja eh schon der Vollprofi..............ich werden mich daher in Zukunft immer an Dich wenden, wenn ich mal nichts weiß...........oder die Technik verrückt spielt.
Schönen Gruss aus dem arschkalten Regensburg
Ludwig sprich..........Drehorgellui
www.leierkasten.com
PS: Am 27.4.2006 feiere ich 10 Jahre "Regensburger Leierkastenmann"......ist das nicht schön................. ) )
Signatur Musik die von Herzen kommt !!! Oberpfälzer Drehorgelorchester |
Hans_Juergen_Erfurth  Administrator
    

Status: Offline Registriert seit: 13.11.2005 Beiträge: 83 Nachricht senden | Erstellt am 02.02.2006 - 10:12 |  |
Hallo Herbert,
der große Unterschied zwischen Hofbauer und Watterott ist für mich, dass letzterer ein offenes System der Musiksteuerung und Speicherung entsprechend der offenen Midi-Norm hat, wohingegen Hofbauer mit dem proprietären Kassettensystem Mikrobox 2000 Eingriffe von außen erschwert (gleiches gilt natürlich auch für die anderen elektronisch gesteuerten Orgeln wie z.B. Deleika). Daher muss Hofbauer in seine Steuerung mehr Möglichkeiten aufnehmen, die bei Watterott dann überflüssig sind, wenn ich bereit bin, mein Musikprogramm am PC vorher zusammenzustellen und ggf. auch zu bearbeiten. Dabei ist es jederzeit möglich, die Lieder zu verkürzen oder zu verlängern oder an anderer Stelle einzusetzen. Allerdings muss bei der PC-Bearbeitung darauf geachtet werden, dass die Liedtexte (ein großer Vorteil von Watterott, wie du ja auch in deinem anderen Beitrag geschrieben hast) nicht verloren gehen. Watterott geht daher von einem vorgeplanten Ablauf des Musizierens bzgl. der einzelnen Lieder aus (die Liedreihenfolge ist natürlich veränderbar, auch die Geschwindigkeit während des Spielens), wogegen der Orgeldreher bei anderen Systemen (Hofbauer, Deleika, Raffin) während des Spiels flexibler eingreifen kann. Für unterschiedliche Konzertarten ist es jederzeit möglich, die ggf. bearbeiteten Stücke jeweils auf einer eigenen (handelsüblichen) Speicherkarte abzulegen und bei Bedarf schnell und mit wenig Aufwand darauf zuzugreifen bzw. diese anzupassen.
Zum Orchesterspiel hat Watterott eine Systemerweiterung in der Schublade, dass Orgeln über unterschiedliche Kanäle (oder Spuren?) angesteuert werden können und somit auch beim gemeinsamen Spielen die Arrangements auf die einzelnen Orgeln abgestimmt werden können (so habe ich ihn zumindest verstanden). Dies ist dann ähnlich wie beim angesteuerten Schlagzeug und den Liedtexten, die ja heute schon eigenständig gesteuert werden.
Bzgl. Störanfälligkeit kann ich bei Watterott kaum Schwierigkeiten feststellen, vorausgesetzt, dass tatsächlich nur ein Sender eingeschaltet ist. Nur bei den Raffin-Midi-Steuerungen kommt es mit den speziellen Watterott-Funksendern/-empfängern sporadisch dazu, dass (abhängig von der Einschaltreihenfolge?) anfangs eine Orgel nicht reagiert. Daher empfiehlt sich - wie allerdings sonst auch empfehlenswert - ein Vorabtest. Gegenüber der Verkabelung ist die Funkübertragung sogar vorteilhaft, da diese nicht auf das funktional richtige Hintereinanderschalten der Orgeln angewiesen ist sondern jede Orgel per Funk direkt angesteuert wird. Ein Ausfall einer Orgel hat dann keine Auswirkungen auf die anderen. Auch eine Änderung der Aufstellung der Orgeln während des Spielens ist bei Funk natürlich leichter möglich als bei sequenzieller Verkabelung.
Weiterer Vorteil von Watterott ist natürlich die Orgelherstellerunabhängigkeit. Auch die Nutzung von Aufsetzern in die Notenbandorgeln ermöglicht ein einfaches und flexibles Aufrüsten ohne zusätzliche Orgeleingriffe, ohne das Notenbandspiel auszuschließen. Allerdings haben wir mit den Aufsetzern keine Erfahrung und wissen daher auch nicht, in wieweit diese sich in der Praxis bewähren. Deleika hat ja vor langer Zeit auch schon Aufsetzer im Programm gehabt (ob es diese heute noch gibt, können wir nicht sagen). Diese waren aber weit teurer als die Watterott-Systeme.
Nun das soll vorläufig genügen, um die Diskussion weiter zu treiben.
Hans-Jürgen
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Orgelsmann  Power User
    

Status: Offline Registriert seit: 25.01.2006 Beiträge: 104 Nachricht senden | Erstellt am 02.02.2006 - 11:44 |  |
Guten Tag Hans Jürgen!
Was man doch mit ein paar einfachen Sätzen alles so anregen kann. Kaum war die Tinte trocken, gibt es schon ausführliche Antworten. Ich kann Deinen Ausführungen nur voll und ganz zustimmen. Hoffentlich gibt es noch mehr Meinungen zu diesem Thema.
Insbesondere stimme ich Dir zu, das der Vorteil bei Watterott in der Systemübergreifenden Zusammenspiel-Möglichkeit liegt. Und wie Du richtig sagst, in der Schublade hat er schon die technische Einrichtung zur Übertragung von MIDI-Daten auf mehreren Kanälen. Mir hat Watterott gesagt, daß ihm dazu leider noch die entsprechende (Orchester-) Musik fehle.
Da braucht er wahrscheinlich nicht mehr lange zu warten, ich arbeite dran.
Eigentlich ist es schade, daß sich die verschiedenen Hersteller, entschuldige bitte: Orgelbauer, bisher nicht an unserem Forum beteiligen. Ob Du, oder ich, oder wir sie mal darauf aufmerksam machen könnten oder sollten?
Morgen oder übermorgen komme ich mit einem weiteren 'Reizthema', falls es nicht zuviel wird.
Gruß und frohes Schaffen!
Herbert
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