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Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Diese Frage scheint nirgendwo besser aufgehoben als auf einer Plattform, die sich genau damit befaßt. Kunst, was ist das überhaupt? "Kunst kommt von Können", behaupten die Einen und berufen sich auf die etymologische Herkunft dieses Wortes. "Alles Quatsch, Kunst ist, was berührt", meinen die Anderen und meinen damit die emotionelle Wirkung auf den Betrachter. Aber diese beiden, vermeintlichen Gegenpole werfen einige Fragen auf: Käme Kunst wirklich nur vom Können des Künstlers, so müßte unter diesen Aspekten auch jede technische Erfindung oder Problemlösung, aber auch jede gelungene Reparatur eines Handwerkers als Kunst bezeichnet werden. (Ärzte sind davon natürlich ausgenommen, denn ihre Arbeiten werden schon seit jeher als Kunstfehler deklariert) Andererseits: Wäre alles, was uns emotionell berührt bereits Kunst, so wäre jeder Zeitungsbericht über ein abscheuliches Verbrechen, jeder Farbklecks eines Schimpansen, oder jeder herzzerreißende Liebesbrief, bzw. Tagebucheintrag bereits Kunst. Ebenso jeder Sonnenaufgang oder jedes Vogelzwitschern. Was ist dann mit den "schönen Künsten?" Kann etwas, das in dieser Kategorie nicht als "schön" empfunden wird, nicht ebenfalls Kunst sein? Oder ist alles, was "schön" ist, ganz automatisch Kunst? Ist ein schlichter, aber ergreifender Tagebucheintrag bereits Kunst oder wird er erst dann zur Kunst, wenn er stilistisch überarbeitet und in eine literarische Form gebracht wurde? Oder andersherum: Wird diesem Text dadurch etwas Wertvolles hinzugefügt oder wird er eher seiner Authentizität beraubt? Was ist euere ganz persönliche Auffassung und Definition von Kunst? Unabhängig von den Definitionen unserer großen Denker wie z.B. Luther, Kant oder Leibniz. Was berührt euch, wo findet ihr sie? Gespannte Grüße vom Minotaurus ![]() ![]() ![]() . [Dieser Beitrag wurde am 22.10.2006 - 12:29 von Minotaurus aktualisiert] Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||||||
mam Moderatorin a.D. ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 29.06.2006 Beiträge: 572 Nachricht senden |
Meiner bescheidenen Ansicht nach ist Kunst ein Ausdruck von Schönheit und Ästhetik. Signatur Praesis ut prosis, non ut imperes (Stehe an der Spitze um zu dienen, nicht um zu herrschen) | |||||||
Alick ![]() Registriertes Mitglied ![]() Status: Offline Registriert seit: 22.07.2006 Beiträge: 143 Nachricht senden |
Jetzt muss ich mal meckern: Das hier ist ne Künstlerplattform und keiner meldet sich zu dieser Frage zu Wort? Das nenne ich mal ein echtes Armutszeugnis! SO! | |||||||
Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Hi Alick, umso mehr freut es mich, wenn (gerade von einer Tiefstaplerin wie Dir) dieses Thema endlich wieder mal zur Sprache gebracht wird. Ich hatte schon befürchtet, Deine Vermutung
könnte wahr sein. ![]() Übrigens hat sich auch zu diesem Thema (über das Schreiben) http://www.razyboard.com/system/morethr … 439-0.html bisher noch niemand zu Wort gemeldet. ![]() Und das auf einer Plattform, die sich - zumindest bisher - überwiegend mit diesem Thema beschäftigt. ![]() Ob Kunst immer "perfekt" sein muß, darüber bin ich mir nicht ganz im Klaren, denn dieser Begriff läßt sich - gerade in diesem Metiér - sehr individuell auslegen. Ansonsten aber bin ich völlig Deiner Meinung, daß sich der Künstler zumindest darum bemühen sollte. Außerdem gibt es ja nicht nur die hier angesprochenen Künste wie z.B. Malerei, Bildhauerei, Fotographie oder Musik, sondern auch noch die Philosophie, die Rhetorik, die Mathematik, die Geometrie, Astronomie und Astrologie, sowie die Lebenskunst (was immer man darunter verstehen möchte). Aber auch die Kochkunst, die Liebeskunst oder die Diebeskunst sollten wir nicht völlig vergessen. ![]() Unabdingbar für jede Art von Kunst scheint mir aber ein gewisses Geschick oder die Befähigung dafür zu sein. Ob sich das allein nur durch Üben und Lernen bewerkstelligen läßt, wage ich zu bezweifeln. Ein gewisser Grundstock, ein Gefühl und Gespür dafür dafür sollte schon vorhanden sein. Nur das Interesse alleine scheint mir dafür nicht ausreichend zu sein. Dazu ein Beispiel: In diversen "Autorenforen" wurde schon des Öfteren die Frage aufgeworfen, ob nicht auch ein Legastheniker eine schriftstellerische Laufbahn einschlagen könne. Gewiß, das Recht dazu würde ich ihm nicht absprechen, aber ob er damit erfolgreich sein kann, wage ich zu bezweifeln. Zusammenfassend würde ich aber sagen: Kunst ist das, was andere Menschen berührt und das Streben des Künstlers nach Vollkommenheit. Unvollkommene Grüße vom Mino . [Dieser Beitrag wurde am 24.02.2007 - 17:29 von Minotaurus aktualisiert] Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||||||
Alick ![]() Registriertes Mitglied ![]() Status: Offline Registriert seit: 22.07.2006 Beiträge: 143 Nachricht senden |
Ich arbeite das Forum mit System durch, um wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. Kurzgeschichten und Gedichte kommen zum Schluss. Wenn ich da bin, dann werd ich sicher auch wieder meinen Senf dazugeben *g* (wie du schon sagtest, Frauen können nicht die Klappe halten).
Meine Gedanken haben sich seit gestern auch ein wenig weitergesponnen. Ich bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich "Kunst" und "Künstler" nur als zusammenhängendes Paar bewerten kann. Der Künstler strebt nach Perfektion. Kunst hingegen muss nicht perfekt sein. Denn Kunst ist - in Weiterentwicklung zu meiner vorherigen These - Ausdruck. Der Künstler bemüht sich um die perfekteste Art, sich auszudrücken. Insoweit hängt Kunst Perfektion zusammen, muss aber nicht perfekt sein.
Nun, ich finde, dass die Befähigung und ein gewisses Geschick sind für mich dann wieder Kritikpunkte, die nicht die Kunst ausmachen, sondern ob jemand sich "Künstler" nennen darf. Aber ich bin ja auch ne kleine Haarspalterin. Dass beides in den gleichen Zopf gehört, darüber sind wir uns ja einig *g*.
Beim Legastheniker würde ich ohne Zweifel sagen: JA, aber nicht ohne Hilfe. Wenn er das Talent(Geschick, Befähigung) hat, und es nur an der Schlechtschreibung mangelt, gibt es ja Möglichkeiten: Lektor, Geschichte diktieren und schreiben lassen,... Einzig eine Schreibschwäche sollte nicht an der Möglichkeit zum Ausdruck hindern - für die Einstufung als ernsthafter Künstler ist für mich eben u.a. das Streben nach Perfektion im Vordergrund und eine Schreibschwäche lässt sich mit ein bisschen Mühe überwinden (und ja, ich weiß, dass Legasthenie ein bisschen mehr als nur eine Schreibschwäche ist) [Dieser Beitrag wurde am 24.02.2007 - 18:54 von Alick aktualisiert] | |||||||
<Holly> unregistriert |
Da es für den Begriff Kunst keine wirklich eindeutige Definition gibt, erstaunt es, dass die Diskussion darum schon nach 4 Beiträge sanft entschlafen ist. In einem Forum verwunderlich, welches im Untertitel den Namen Künstler- und Autorenplattform trägt, scheint es wohl schon einen Konsens zum Thema zu geben mit dem alle zufrieden sind. | |||||||
Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Hallo "Holly" (wer immer Du sein magst), Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||||||
<Holly> unregistriert |
Hallo Minotaurus | |||||||
Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Tja, ich weiß, die Büchse der Pandora... *grins*
Nach der gängigen Definition bin ich ebenfalls ein Kunstbanause, denn ich habe keineswegs Kunstgeschichte studiert und ich habe auch keine Dissertation darüber geschrieben. Unser damaliger Malunterricht an der Schule (Herumklecksen mit Wasserfarben) war bestenfalls ein Beschäftigungsprogramm von gestreßten Lehrern für uns Schüler und der Werkunterricht war sehr Handwerks- bzw. Industriebezogen. Dieser starke Bezug zum Handwerk hat mich in meiner weiteren, beruflichen Laufbahn begleitet. Dabei habe ich gelernt, daß ein Handwerker zunächst sein elementares Handwerkszeug beherrschen muß, wenn er im Berufsleben Erfolg haben möchte. Völlig unabhängig von seiner Sparte oder seiner fachlichen Ausrichtung. Heute bin ich lediglich an Kunst interessiert, ohne mit dem nötigen Fachwissen dazu ausgestattet zu sein. Aus gutem Grunde habe ich deshalb die "Grenzen der Kunst" auf dieser Plattform weit gesetzt, denn wer bestimmt diese Grenzen? Sind wir damit wieder bei der "Elite der Kunstsachverständigen?" Meiner Meinung nach gibt es - so wie im "richtigen Leben" auch - ohnehin keine klaren Grenzen, sondern bestenfalls fließende Überänge. Grenzen haben nur wir Menschen in unseren Köpfen geschaffen. Vermutlich deshalb, weil sie uns eine Orientierung und Zuordnung erleichtern. Nicht nur ironisch, sondern ganz bewußt habe ich weiter oben auch die Liebeskunst und die Diebeskunst angesprochen, denn auch die erfordern eine gewisse Geschicklichkeit in ihren jeweiligen Anwendungsbereichen, nicht nur die Handwerks- oder die Kochkunst. Satt zu werden ist eine Sache, aber wenn man sich nach Jahren noch ganz genau an ein Menü erinnern kann, dann war es vermutlich Kunst. Ebenso verhält es sich mit anderen Künsten, auch wenn diese an keiner Kunstakademie anerkannt werden. So gesehen hatte Beuys möglicherweise recht mit seiner provokativen Betrachtungsweise, obwohl ich seine Werke nie als "Kunst" empfinden konnte. Trotzdem habe ich hier die "Koch-Kunst" nicht im Kunstbereich, sondern am Ende dieser Plattform im Diskussionsbereich angesiedelt. Kunsthandwerk oder Handwerkskunst? Sind nicht auch hier die Übergänge eher fließend? Kann man Kunst und Handwerk überhaupt klar voneinander trennen? Ist nicht Handwerk an sich bereits Kunst im Sinne von Können? Oder bewegen wir uns damit bereits im Bereich der Philosophie? Zugegeben: Es ist schwierig und nicht umsonst trägt diese Plattform nicht den Namen "Kunstwerk" sondern "KUNST-WERK." Damit sollte der Bezug, bzw. die Verbindung von Kunst mit dem Begriff des Werkens - also etwas schaffen, anfertigen - ausgedrückt werden. Der spanische Maler und Bildhauer Joan Miró z.B. ist als bedeutender Künstler anerkannt. Seine bekanntesten Gemälde, bzw. die Drucke davon sind heute in Ämtern, Krankenhäusern, Bahnhöfen und Arztpraxen zu finden, aber ich konnte in diesen Klecksen nie Kunst entdecken, obwohl ich den Surrealismus an sich sehr mag. Die Sichtweisen dazu sind wohl zu verschieden. Eine kleine Episode fällt mir dazu ein: Vor mehreren Jahren besuchte ich mit meiner damaligen Partnerin das MMK, also das Museum Moderner Kunst in Passau. Dort hatte ein österreichischer Künstler gleich mehrere Räume mit seinen Bildern belegt, die jedoch nur Tiefschwarz waren. Sein Name ist mir nicht in Erinnerung geblieben, aber es mußte sich wohl um einen sehr bedeutenden Künstler handeln. Vor seinen Werken standen tief andächtig und mit Kennermiene mehrere Besucher und nickten sich bedeutsam zu. Etwas abseits in der Ecke des größten Raumes stand eine dürre Frau mittleren Alters mit leicht säuerlichem Blick, vermutlich die Muse des Künstlers. Auch ich nahm die Bilder etwas genauer in Augenschein, allerdings mehr in technischer Hinsicht. Ich betrachtete die Struktur, die Dichte und die Spiegelung. Ganz offensichtlich hatte jemand mit einem Farbroller schwarze Farbe aufgebracht und sie kreuz und quer auf der Leinwand verteilt, bis alles Schwarz war. Auf meine erstaunte Frage hin, was uns denn der Künstler mit seinen Werken sagen möchte, traf mich ein strafender Blick und mit dem Tonfall tiefster Verachtung erklärte mir die säuerliche Dame, daß es sich dabei um Verdichtungen handle. Der Maler habe die gesamten Eindrücke seines Lebens so dicht übereinandergemalt, bis zum Schluß kein einiges Stück freie Leinwand mehr übrig blieb. Aha! Nun, der Künstler muß wohl - ebenso wie ich - in erster Linie über ziemlich viel schwarzen Humor verfügt haben. Wie sonst wären die vielen, tiefschwarzen Werke zu erklären gewesen. Hmmm, oder war das vielleicht eine Spur zu ironisch? ![]() Jedenfalls traf mich bei dieser Anmerkung aus den Augen der säuerlichen Dame ein weiterer, vernichtender Blick wie ein tödlicher Blitz und viele andere Besucher dieser Ausstellung schüttelten leicht den Kopf und blickten ebenso empört ob meines degenerierten Kunstverständnisses. Wie konnte ich nur... Wo man doch sogar als Laie mühelos erkennen konnte, daß es sich hier um das verdichtete Leben des Künstlers handelte! Lediglich ein älterer, graumelierter Herr am Ausgang schmunzelte vergnügt über diese Auseinandersetzung. Ihn hatte ich bereits vorhin beobachtet, als er kopfschüttelnd vor einem der Gemälde stand, aber - vermutlich aus Rücksicht auf seine Frau - sich nicht dazu äußern wollte. Meiner Freundin war das Ganze natürlich ziemlich peinlich, immerhin hatte ich sie dort hingeschleppt und nun war sie in diesen heiligen Hallen in Begleitung eines Kunstbanausen, der nicht einmal Verdichtungen kannte. Soviel zum Thema "Kunstverständnis", dem Umgang damit und der Angst vor einer Blamage. Jedenfalls hatte ich seitdem nie wieder irgendwelchen Bezug zu Dichtung, bzw. Verdichtungen im künstlerischen (oder literarischen) Bereich. Heute sehe ich diese Episode mit etwas anderen Augen. Die eigentliche Kunst bestand vermutlich darin, dem unbedarften Publikum diese vermeintlichen "Verdichtungen" als "Kunst" zu verklickern. ![]() Als bekennender Kunstbanause habe ich jedoch nach wie vor kein Problem damit, so etwas als Verarschung zu bezeichnen, auch wenn es sich um anerkannte Koryphäen handelt. Picasso hatte das sogar zugegeben. Hätten wir als Konsumenten weniger Angst, uns zu blamieren, so würde vermutlich viel weniger Müll als "Kunst" deklariert werden. In der Literatur passieren ähnliche Vorgänge. Dort gibt es einen "Bösen Verein des Deutschen Buchhandels", mehrere Fachgremien und einen Literaturpapst, der darüber entscheidet, was als Literatur zu gelten hat und was nicht. Der verblüffte Zuhörer und Literaturbanause soll das empfohlene Zeug dann nur noch kaufen. Und was ist mit Micky Maus? ![]() Aber ich schweife ab, denn hier geht es nicht um Literatur, sondern um Kunst. Wobei wir bei einer weiteren Frage wären: Ist auch Literatur eine Art von Kunst? Immerhin beinhaltet sie den gekonnten Gebrauch des elementaren Handwerkszeuges eines Autors: Ausdrucksweise, Logik, Sprache, Stil und Schrift. Zumindest sollte sie das tun. Oder ist nur die sogenannte Kunstliteratur als solche anerkannt? Ach ja: Was ist denn nun mit Micky Maus? ![]() Dilettantische Smiliezergrüße vom Mino. ![]() Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||||||
<Holly> unregistriert |
Mit einer Lockerheit, die schon amüsant ist, Minotaurus, wechselst du die Stellung. Einmal weißt du sehr genau, was keine Kunst ist, zumindest für dich (Beuys, Miro, der schwarze Maler in Passau), ziehst also eine klare Grenze, das andere Mal weitest du gutbeuysch den Kunstbegriff mit fröhlicher Mine auf (Erinnerungsessen u.a.). | |||||||
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