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Minotaurus ...
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...   Erstellt am 22.10.2006 - 12:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Was ist Kunst?

Diese Frage scheint nirgendwo besser aufgehoben als auf einer Plattform, die sich genau damit befaßt.

Kunst, was ist das überhaupt?
"Kunst kommt von Können", behaupten die Einen und berufen sich auf die etymologische Herkunft dieses Wortes.
"Alles Quatsch, Kunst ist, was berührt", meinen die Anderen und meinen damit die emotionelle Wirkung auf den Betrachter.

Aber diese beiden, vermeintlichen Gegenpole werfen einige Fragen auf:
Käme Kunst wirklich nur vom Können des Künstlers, so müßte unter diesen Aspekten auch jede technische Erfindung oder Problemlösung, aber auch jede gelungene Reparatur eines Handwerkers als Kunst bezeichnet werden.
(Ärzte sind davon natürlich ausgenommen, denn ihre Arbeiten werden schon seit jeher als Kunstfehler deklariert)
Andererseits: Wäre alles, was uns emotionell berührt bereits Kunst, so wäre jeder Zeitungsbericht über ein abscheuliches Verbrechen, jeder Farbklecks eines Schimpansen, oder jeder herzzerreißende Liebesbrief, bzw. Tagebucheintrag bereits Kunst. Ebenso jeder Sonnenaufgang oder jedes Vogelzwitschern.
Was ist dann mit den "schönen Künsten?" Kann etwas, das in dieser Kategorie nicht als "schön" empfunden wird, nicht ebenfalls Kunst sein? Oder ist alles, was "schön" ist, ganz automatisch Kunst?

Ist ein schlichter, aber ergreifender Tagebucheintrag bereits Kunst oder wird er erst dann zur Kunst, wenn er stilistisch überarbeitet und in eine literarische Form gebracht wurde?
Oder andersherum: Wird diesem Text dadurch etwas Wertvolles hinzugefügt oder wird er eher seiner Authentizität beraubt?

Was ist euere ganz persönliche Auffassung und Definition von Kunst? Unabhängig von den Definitionen unserer großen Denker wie z.B. Luther, Kant oder Leibniz.
Was berührt euch, wo findet ihr sie?

Gespannte Grüße vom Minotaurus


.

[Dieser Beitrag wurde am 22.10.2006 - 12:29 von Minotaurus aktualisiert]





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...   Erstellt am 22.10.2006 - 14:55Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Meiner bescheidenen Ansicht nach ist Kunst ein Ausdruck von Schönheit und Ästhetik.

Natürlich spielt eine gewisse Perfektion dabei eine große Rolle.

Egal, ob man als Koch, Autor oder Ingenieur agiert, das Zauberwort heißt Perfektion.

Esoterik und Humanität runden das geniale Bild ab.

Wenn man alle Komponente in einem Werk vereinen kann, kann man von Kunst reden.

Kunst verletzt keine Gefühle.

Kunst regt zum Denken an.

Kunst kann man sehen, erleben, fühlen, spüren, riechen oder schmecken.

Kunst kann zum lachen oder weinen anregen.

Kunst kann uns dazu beflügeln, unser ganzes Leben neu zu strukturieren.

Kunst kann unsere Augen öffnen für die Probleme Anderer.

Kunst kann unser Leben verändern.

Kunst kann aufklären.

Kunst kann glücklich oder traurig machen,

Kunst belebt.

Kunst ist positiv.

Kunst kann niemals töten.

In meinen Augen ist ein Künstler ein Mensch, der es schafft, mittels künstlerische Komponente (welche das auch immer sind) eine negative Situation in eine positive Situation umzuwandeln.

Künstlerische Komponente können alles Mögliche sein, je nach Situation.

Hambi kann mit wenigen Handgriffen (und mit noch wenigeren Zutaten) meine versaute Fischsuppe in eine herrliche Bouillabaisse verwandeln.
Ich kann einen Suizid gefährdeten Menschen mit nur 3 Fragen dazu bringen, wieder Freude am Leben zu haben.
Stefan kann mich mit seinem Bilder-Rückwärtsrätsel dazu bringen, sonntags schon morgens um 5 Uhr aufzustehen, um zu googlen.
Und du Mino, kannst so eine Bescheuerte wie mich dazu bringen, deine Internet-Seite als Bildschirmschoner einzurichten.

Kunst kann auch Kitsch sein. !985 erwarb ich ein Buch mit dem Titel „Kunst und Kitsch“ (http://www.amazon.de/Wie-erkenne-ich-Ku … 3763024638)
(dieses Buch wird anscheinend immer noch gehandelt)

Auf der Titelseite des Buches war ein in Rot bemalter Vorgartenzwerg abgebildet, dessen Anblick alleine schon einen Brechreiz auslösen konnte.

Damals befand ich mich gerade in einer neu orientierenden Phase.
Neben Job und Abendschule versuchte ich, mir etwas Bildung autodidaktisch anzueignen.
OK. das schweift jetzt zu sehr vom Thema ab.

Wie schon erwähnt, Kunst bedeutet für mich in der Quintessenz, etwas Negatives in etwas Positives zu verwandeln.





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...   Erstellt am 23.02.2007 - 17:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Jetzt muss ich mal meckern: Das hier ist ne Künstlerplattform und keiner meldet sich zu dieser Frage zu Wort? Das nenne ich mal ein echtes Armutszeugnis! SO!

Gut, es ist ne schwere Frage, aber schon vor Marinas Beitrag war für mich nach ca. 30 Sekunden überlegen klar, dass Kunst etwas mit Perfektion zu tun hat. Dann aber überlegte ich: Hat wirklich Kunst etwas mit Perfektion zu tun?

Ich selbst würde mich nicht als Kunstkennerin oder sonst was bezeichnen, erschreckenderweise habe ich mit Kunst nicht besonders viel am Hut. So peinlich es ist, insbesondere, da es zur Allgemeinbildung gehört: ich könnte spontan nicht mal Bilder von Warhol nennen oder bekannte Bildhauer, ich kenne nicht einen berühmten Fotografen, wenn ich nach gefragt werden würde. Mit Müh' und Not kann ich nen paar Autoren und Dichter nennen, wobei die Klassiker in der Schule schwer vernachlässigt wurden (Schimmelreiter? Wer reitet denn den Schimmel?), n paar Komponisten krieg ich auch noch hin, aber spätestens bei den Epochen bin ich raus. Ich kann sagen, mir gefällt ein Bild oder auch nicht, aber Pinselstriche, Epochen und das ganze Blabla (nicht hauen wegen dieser abfällig klingenden Bemerkung, bitte!) sind aber dann ja gar nicht mein Fall. Deswegen vermag ich auch nicht zu sagen, ob Kunst immer perfekt ist.

Aber ich kann sagen: ich kann einen Künstler nur ernst nehmen, wenn er sich um Perfektion bemüht.




Minotaurus ...
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...   Erstellt am 24.02.2007 - 17:17Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Alick schrieb
    Ich selbst würde mich nicht als Kunstkennerin oder sonst was bezeichnen, erschreckenderweise habe ich mit Kunst nicht besonders viel am Hut.

Hi Alick,

umso mehr freut es mich, wenn (gerade von einer Tiefstaplerin wie Dir) dieses Thema endlich wieder mal zur Sprache gebracht wird.
Ich hatte schon befürchtet, Deine Vermutung
Alick schrieb
    Das hier ist ne Künstlerplattform und keiner meldet sich zu dieser Frage zu Wort? Das nenne ich mal ein echtes Armutszeugnis! SO!

könnte wahr sein.

Übrigens hat sich auch zu diesem Thema (über das Schreiben)
http://www.razyboard.com/system/morethr … 439-0.html
bisher noch niemand zu Wort gemeldet.
Und das auf einer Plattform, die sich - zumindest bisher - überwiegend mit diesem Thema beschäftigt.

Ob Kunst immer "perfekt" sein muß, darüber bin ich mir nicht ganz im Klaren, denn dieser Begriff läßt sich - gerade in diesem Metiér - sehr individuell auslegen.
Ansonsten aber bin ich völlig Deiner Meinung, daß sich der Künstler zumindest darum bemühen sollte.
Außerdem gibt es ja nicht nur die hier angesprochenen Künste wie z.B. Malerei, Bildhauerei, Fotographie oder Musik, sondern auch noch die Philosophie, die Rhetorik, die Mathematik, die Geometrie, Astronomie und Astrologie, sowie die Lebenskunst (was immer man darunter verstehen möchte).
Aber auch die Kochkunst, die Liebeskunst oder die Diebeskunst sollten wir nicht völlig vergessen.
Unabdingbar für jede Art von Kunst scheint mir aber ein gewisses Geschick oder die Befähigung dafür zu sein.
Ob sich das allein nur durch Üben und Lernen bewerkstelligen läßt, wage ich zu bezweifeln. Ein gewisser Grundstock, ein Gefühl und Gespür dafür dafür sollte schon vorhanden sein. Nur das Interesse alleine scheint mir dafür nicht ausreichend zu sein.
Dazu ein Beispiel:
In diversen "Autorenforen" wurde schon des Öfteren die Frage aufgeworfen, ob nicht auch ein Legastheniker eine schriftstellerische Laufbahn einschlagen könne.
Gewiß, das Recht dazu würde ich ihm nicht absprechen, aber ob er damit erfolgreich sein kann, wage ich zu bezweifeln.

Zusammenfassend würde ich aber sagen: Kunst ist das, was andere Menschen berührt und das Streben des Künstlers nach Vollkommenheit.

Unvollkommene Grüße vom Mino

.

[Dieser Beitrag wurde am 24.02.2007 - 17:29 von Minotaurus aktualisiert]





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...   Erstellt am 24.02.2007 - 18:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Minotaurus schrieb


Ich arbeite das Forum mit System durch, um wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. Kurzgeschichten und Gedichte kommen zum Schluss. Wenn ich da bin, dann werd ich sicher auch wieder meinen Senf dazugeben *g* (wie du schon sagtest, Frauen können nicht die Klappe halten).

Minotaurus schrieb
    Ob Kunst immer "perfekt" sein muß, darüber bin ich mir nicht ganz im Klaren,...


Meine Gedanken haben sich seit gestern auch ein wenig weitergesponnen. Ich bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich "Kunst" und "Künstler" nur als zusammenhängendes Paar bewerten kann. Der Künstler strebt nach Perfektion. Kunst hingegen muss nicht perfekt sein. Denn Kunst ist - in Weiterentwicklung zu meiner vorherigen These - Ausdruck. Der Künstler bemüht sich um die perfekteste Art, sich auszudrücken. Insoweit hängt Kunst Perfektion zusammen, muss aber nicht perfekt sein.

Minotaurus schrieb
    Unabdingbar für jede Art von Kunst scheint mir aber ein gewisses Geschick oder die Befähigung dafür zu sein.


Nun, ich finde, dass die Befähigung und ein gewisses Geschick sind für mich dann wieder Kritikpunkte, die nicht die Kunst ausmachen, sondern ob jemand sich "Künstler" nennen darf. Aber ich bin ja auch ne kleine Haarspalterin. Dass beides in den gleichen Zopf gehört, darüber sind wir uns ja einig *g*.

Minotaurus schrieb

    ... ob nicht auch ein Legastheniker eine schriftstellerische Laufbahn einschlagen könne.

Beim Legastheniker würde ich ohne Zweifel sagen: JA, aber nicht ohne Hilfe. Wenn er das Talent(Geschick, Befähigung) hat, und es nur an der Schlechtschreibung mangelt, gibt es ja Möglichkeiten: Lektor, Geschichte diktieren und schreiben lassen,... Einzig eine Schreibschwäche sollte nicht an der Möglichkeit zum Ausdruck hindern - für die Einstufung als ernsthafter Künstler ist für mich eben u.a. das Streben nach Perfektion im Vordergrund und eine Schreibschwäche lässt sich mit ein bisschen Mühe überwinden (und ja, ich weiß, dass Legasthenie ein bisschen mehr als nur eine Schreibschwäche ist)

[Dieser Beitrag wurde am 24.02.2007 - 18:54 von Alick aktualisiert]




<Holly>
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...   Erstellt am 01.10.2007 - 17:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Da es für den Begriff Kunst keine wirklich eindeutige Definition gibt, erstaunt es, dass die Diskussion darum schon nach 4 Beiträge sanft entschlafen ist. In einem Forum verwunderlich, welches im Untertitel den Namen Künstler- und Autorenplattform trägt, scheint es wohl schon einen Konsens zum Thema zu geben mit dem alle zufrieden sind.

Nun werden zu dem Begriff sicher immer nur subjektive Antworten kommen.
Dennoch wäre es interessant in einer Diskussion dem Begriff noch ein wenig näher zu kommen, als es hier mit mit den Verweisen auf Perfektion und Verwandlung von negativem in positives geschah, eine Zusammenfassung die mir am Begriff vorbeizugehen scheint.

Manche sehen schon das kreative Machen als solches als Kunst an, was ich als zu kurz gesprungen ansehe, auch wenn es von dem Mann mit Hut aus Kleve so vehement vertreten wurde. Handwerkliches Können ist sicher ein wichtiger Aspekt, doch dies alleine führt in rein dekorative Arbeiten. Es muss sich also noch anderes dazugesellen, wie eine für viele Menschen aussagekräftige gültige Tiefe, dabei stimmig und authentisch, manchmal auch richtungsweisend.

Problematisch scheint mir bei alldem zu sein, dass das Wort "Kunst" oftmals für Dinge verwendet wird, die im engeren Sinn nichts mit Kunst zu tun haben, z.B. bei Kunsttherapie, in der es um ganz anderes geht, als um künstlerisches Arbeiten, sondern um das Malen als therapeutischer Selbstzweck. Hobby"künstler" ist man schnell: wenn ein paar Ostereier oder Wurzeln bemalt und in entsprechenden Ausstellungen vorgestellt werden.




Minotaurus ...
Hausherr und Gastgeber
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...   Erstellt am 01.10.2007 - 21:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo "Holly" (wer immer Du sein magst),

leider muß ich Dir zustimmen: Ich hatte ebenfalls nicht erwartet, daß diese Diskussion hier so schnell zum Erliegen kommen würde. Immerhin hatte ich angenommen, daß genau hier der richtige Platz für solche Diskussionen wäre.
Aber ich hatte mich wohl geirrt?

Daß es zu diesem Thema bereits einen Konsens gibt, wage ich zu bezweifeln; ich fürchte eher, daß entweder zu wenig Interesse oder zu wenig Kunstverständnis vorhanden ist. Möglicherweise auch beides.
Beides ist aber nicht sehr schmeichelhaft für unsere Plattform, die sich eigentlich überwiegend mit diesem Thema beschäftigen sollte. Die Schaffung einer reinen Literaturplattform war - zumindest von meiner Seite aus - nie beabsichtigt.
Um so mehr freut es mich, wenn sich wenigstens Gäste an dieser Diskussion beteiligen, wenn schon von Seiten der Mitglieder wenig Interesse vorhanden zu sein scheint.

Was dem Mann mit Hut aus Kleve angeht, so muß ich ganz ehrlich zugeben, daß mich weniger seine Kunstwerke, als vielmehr seine humanistische Gesinnung angesprochen hatte, obwohl er damals schon als einer der größten Künstler des Jahrhunderts bezeichnet wurde.
Ich glaube, es war Mitte der 70er, als ich zum ersten Mal von ihm hörte. Damals ging es um einem Fettfleck und um einen Rechtsstreit wegen einer "zweckentfremdeten" Badewanne. *grins*

Bei dieser Gelegenheit nahm ich ihn eher als Scharlatan, denn als Künstler wahr. Was mich natürlich abgehalten hat, mich näher mit seiner Auffassung von Kunst und mit seinen Werken zu beschäftigen.
Die Provokation schien der Selbstzweck und alleinige Mittelpunkt seiner Kunst zu sein, unberührt von irgendwelchem, handwerklichen Können.

Ein Irrtum?
Vielleicht.

Für mich jedenfalls ist das handwerkliche Können schon ein ganz elementarer Teil der Kunst, auch wenn es sicher nicht der einzige Aspekt ist, unter dem man Kunst betrachten sollte.
Die Auffassungen darüber, was Kunst überhaupt ist, dürften wahrscheinlich sehr individuell verschieden sein.
Vielleicht möchtest Du uns etwas näher erläutern, was Du unter "für viele Menschen aussagekräftige gültige Tiefe, dabei stimmig und authentisch, manchmal auch richtungsweisend" verstehst.
Wie lassen sich solche Begriffe definieren und erklären? Gibt es - bzw. hast Du - Beispiele dafür?

Was hingegen den Selbstzweck betrifft, so habe ich damit überhaupt kein Problem.
Ganz im Gegenteil: Ich bin der Meinung, daß jede Art von Kunst zunächst mal einem selbsttherapeutischen Zweck des Künstlers dient, weil er damit seine Stimmung, seine Gefühle zum Ausdruck bringt. Völlig egal, ob es sich dabei um einen Musiker, einen Bildhauer, einen Dichter oder um einen Maler handelt.
Warum diese Abwertung? Hat nicht jeder Künstler zunächt mal als "Hobbykünstler" begonnen?
Erst wenn das Publikum darauf aufmerksam wird und seine "Kunst" entsprechend würdigt und honoriert, wird daraus Kommerz.
Was uns bereits einen weiteren Fragenkomplex eröffnen würde: "Kann Kommerz noch Kunst sein?"

Auf angeregte Diskussionen freut sich zumindest der Mino.


Übrigens: Auch der Mann mit dem Hut aus Kleve hat mit den Materialien Fett und Filz lediglich seine eigenen, traumatischen Erlebnisse verarbeitet und daraus letztendlich "Kunst gemacht."
Das sollte uns zu denken geben.


.

[Dieser Beitrag wurde am 01.10.2007 - 22:23 von Minotaurus aktualisiert]





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<Holly>
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...   Erstellt am 02.10.2007 - 10:21Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Minotaurus

da hast du einen großen Koffer an Fragen aufgemacht, der in einem "Rundumschlag" nicht gut zu beantworten ist ...

So ganz verwunderlich ist es nun doch nicht, wenn ein solches Gespräch über die Frage "was ist Kunst" ein schnelles Ende findet. Ist es doch immer wieder festzustellen, dass genau solche Diskussionen von vielen mit den Sätzen eingeleitet werden: "ich versteh ja nichts von Kunst" oder "ich bin ein Kunstbanause". Das kann man auf Ausstellungen erleben, wenn man die Besucher fragt, die sich vorher mit offensichtlichem Interesse die Werke betrachtet haben. Geht man der Sache etwas auf den Grund, so stellt man fest, dass die Menschen eher Angst vor einer Blamage haben, obiges also meist eine Schutzbehauptung darstellt, denn üblicherweise treten bei der Frage immer "Kunstwissende" auf, die dann ihre intellektuellen kopfgesteuerten Kunst-Kopf-Turnübungen vorführen, die in ihrer elitären Art so unverständlich sind in Sprache und Inhalt, dass man die Angst versteht, schnell als ungebildet dazustehen.

Das scheint mir das Grundproblem zu sein: Die Definitionshoheit zum Thema Kunst sich haben einige wenige hochintellektuelle Kunsthistoriker, Feuilletonisten und natürlich die Galeristen gekrallt. Da bleibt das Publikum außen vor, darf allenfalls noch Beifall klatschen. Kunst und Kunstbetrachtung sollte aber niemals die Sache weniger "Spezialisten" sein, doch leider fährt der Zug schon länger in diese intellektuelle Richtung.
So ist es gefährlich als "Kunstbanause", der man ja nach dieser Sicht ist, einen der größten Künstler des Jahrhunderts (eine gewagte Bezeichnung!) als "Scharlatan" zu bezeichnen, bekommt man doch schnell das Etikett des naiven Bürgers angeklebt, der von Kunst nichts versteht. Woher auch, wird ja die schulische Ausbildung immer mehr der Wirtschaft angepasst, statt eine umfassende, die Kunst einschließende Allgemeinbildung zu vermitteln. In manchen Schulzweigen fehlt Kunstvermittlung sogar völlig.

Fazit: es fehlt entweder der Mut sich öffentlich zu äußern (im Un-Wissen, dass man nichts weiß oder vielleicht doch) oder das Interesse an bildender Kunst überhaupt (dagegen sprechen allerdings die hohen Besucherzahlen von so mancher Ausstellung)

Der "Konsens" war provokativ gemeint, denn eine Einigkeit über den Begriff wird es nicht geben. Dafür gibt es einfach zu viele Zugänge, die alle subjektiv gefärbt sind.
Es geht schon los bei der Strenge wie eng oder weit man den Begriff umreißt. So ich das aus den Texten lesen konnte, wird er hier weiter gesehen, als ich das zulassen würde. Für mich gibt es durchaus Grenzen, was nicht Kunst ist. So halte ich es eben nicht mit Beuys, der alles zur Kunst deklariert hat, jeden Handgriff, jedes Handeln, alles. Dies führt meiner Ansicht in einen Kunstbrei, weil der Begriff Kunst völlig unnötig aufgeweitet wird. Ein gut zubereitetes Essen (so sehr ich das schätze) ist keine Kunst, sondern ein mit vielen bewundernswerten Finessen ausgestattetes perfekt ausgeführtes Handwerk! Man sollte diesen beiden sehr verschiedenen Tätigkeiten, hervorragendes Handwerk oder wirkliche Kunstproduktion (die wiederum ihr eigenes Handwerk enthält), aber immer jeweils dieselbe hohe Wertschätzung entgegenbringen.


freundlich grüßt für dieses Mal

Holly




Minotaurus ...
Hausherr und Gastgeber
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...   Erstellt am 02.10.2007 - 14:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Holly schrieb
    da hast du einen großen Koffer an Fragen aufgemacht, der in einem "Rundumschlag" nicht gut zu beantworten ist ...

Tja, ich weiß, die Büchse der Pandora... *grins*

Holly schrieb
    Ist es doch immer wieder festzustellen, dass genau solche Diskussionen von vielen mit den Sätzen eingeleitet werden: "ich versteh ja nichts von Kunst" oder "ich bin ein Kunstbanause".

Nach der gängigen Definition bin ich ebenfalls ein Kunstbanause, denn ich habe keineswegs Kunstgeschichte studiert und ich habe auch keine Dissertation darüber geschrieben. Unser damaliger Malunterricht an der Schule (Herumklecksen mit Wasserfarben) war bestenfalls ein Beschäftigungsprogramm von gestreßten Lehrern für uns Schüler und der Werkunterricht war sehr Handwerks- bzw. Industriebezogen.
Dieser starke Bezug zum Handwerk hat mich in meiner weiteren, beruflichen Laufbahn begleitet. Dabei habe ich gelernt, daß ein Handwerker zunächst sein elementares Handwerkszeug beherrschen muß, wenn er im Berufsleben Erfolg haben möchte. Völlig unabhängig von seiner Sparte oder seiner fachlichen Ausrichtung.
Heute bin ich lediglich an Kunst interessiert, ohne mit dem nötigen Fachwissen dazu ausgestattet zu sein.

Aus gutem Grunde habe ich deshalb die "Grenzen der Kunst" auf dieser Plattform weit gesetzt, denn wer bestimmt diese Grenzen? Sind wir damit wieder bei der "Elite der Kunstsachverständigen?"
Meiner Meinung nach gibt es - so wie im "richtigen Leben" auch - ohnehin keine klaren Grenzen, sondern bestenfalls fließende Überänge. Grenzen haben nur wir Menschen in unseren Köpfen geschaffen. Vermutlich deshalb, weil sie uns eine Orientierung und Zuordnung erleichtern.
Nicht nur ironisch, sondern ganz bewußt habe ich weiter oben auch die Liebeskunst und die Diebeskunst angesprochen, denn auch die erfordern eine gewisse Geschicklichkeit in ihren jeweiligen Anwendungsbereichen, nicht nur die Handwerks- oder die Kochkunst.
Satt zu werden ist eine Sache, aber wenn man sich nach Jahren noch ganz genau an ein Menü erinnern kann, dann war es vermutlich Kunst. Ebenso verhält es sich mit anderen Künsten, auch wenn diese an keiner Kunstakademie anerkannt werden.
So gesehen hatte Beuys möglicherweise recht mit seiner provokativen Betrachtungsweise, obwohl ich seine Werke nie als "Kunst" empfinden konnte.
Trotzdem habe ich hier die "Koch-Kunst" nicht im Kunstbereich, sondern am Ende dieser Plattform im Diskussionsbereich angesiedelt.

Kunsthandwerk oder Handwerkskunst? Sind nicht auch hier die Übergänge eher fließend? Kann man Kunst und Handwerk überhaupt klar voneinander trennen? Ist nicht Handwerk an sich bereits Kunst im Sinne von Können?
Oder bewegen wir uns damit bereits im Bereich der Philosophie?
Zugegeben: Es ist schwierig und nicht umsonst trägt diese Plattform nicht den Namen "Kunstwerk" sondern "KUNST-WERK." Damit sollte der Bezug, bzw. die Verbindung von Kunst mit dem Begriff des Werkens - also etwas schaffen, anfertigen - ausgedrückt werden.

Der spanische Maler und Bildhauer Joan Miró z.B. ist als bedeutender Künstler anerkannt. Seine bekanntesten Gemälde, bzw. die Drucke davon sind heute in Ämtern, Krankenhäusern, Bahnhöfen und Arztpraxen zu finden, aber ich konnte in diesen Klecksen nie Kunst entdecken, obwohl ich den Surrealismus an sich sehr mag. Die Sichtweisen dazu sind wohl zu verschieden.

Eine kleine Episode fällt mir dazu ein: Vor mehreren Jahren besuchte ich mit meiner damaligen Partnerin das MMK, also das Museum Moderner Kunst in Passau. Dort hatte ein österreichischer Künstler gleich mehrere Räume mit seinen Bildern belegt, die jedoch nur Tiefschwarz waren. Sein Name ist mir nicht in Erinnerung geblieben, aber es mußte sich wohl um einen sehr bedeutenden Künstler handeln.
Vor seinen Werken standen tief andächtig und mit Kennermiene mehrere Besucher und nickten sich bedeutsam zu. Etwas abseits in der Ecke des größten Raumes stand eine dürre Frau mittleren Alters mit leicht säuerlichem Blick, vermutlich die Muse des Künstlers.
Auch ich nahm die Bilder etwas genauer in Augenschein, allerdings mehr in technischer Hinsicht. Ich betrachtete die Struktur, die Dichte und die Spiegelung. Ganz offensichtlich hatte jemand mit einem Farbroller schwarze Farbe aufgebracht und sie kreuz und quer auf der Leinwand verteilt, bis alles Schwarz war.
Auf meine erstaunte Frage hin, was uns denn der Künstler mit seinen Werken sagen möchte, traf mich ein strafender Blick und mit dem Tonfall tiefster Verachtung erklärte mir die säuerliche Dame, daß es sich dabei um Verdichtungen handle. Der Maler habe die gesamten Eindrücke seines Lebens so dicht übereinandergemalt, bis zum Schluß kein einiges Stück freie Leinwand mehr übrig blieb.

Aha!

Nun, der Künstler muß wohl - ebenso wie ich - in erster Linie über ziemlich viel schwarzen Humor verfügt haben. Wie sonst wären die vielen, tiefschwarzen Werke zu erklären gewesen.
Hmmm, oder war das vielleicht eine Spur zu ironisch?

Jedenfalls traf mich bei dieser Anmerkung aus den Augen der säuerlichen Dame ein weiterer, vernichtender Blick wie ein tödlicher Blitz und viele andere Besucher dieser Ausstellung schüttelten leicht den Kopf und blickten ebenso empört ob meines degenerierten Kunstverständnisses.
Wie konnte ich nur... Wo man doch sogar als Laie mühelos erkennen konnte, daß es sich hier um das verdichtete Leben des Künstlers handelte!

Lediglich ein älterer, graumelierter Herr am Ausgang schmunzelte vergnügt über diese Auseinandersetzung. Ihn hatte ich bereits vorhin beobachtet, als er kopfschüttelnd vor einem der Gemälde stand, aber - vermutlich aus Rücksicht auf seine Frau - sich nicht dazu äußern wollte.
Meiner Freundin war das Ganze natürlich ziemlich peinlich, immerhin hatte ich sie dort hingeschleppt und nun war sie in diesen heiligen Hallen in Begleitung eines Kunstbanausen, der nicht einmal Verdichtungen kannte.
Soviel zum Thema "Kunstverständnis", dem Umgang damit und der Angst vor einer Blamage.
Jedenfalls hatte ich seitdem nie wieder irgendwelchen Bezug zu Dichtung, bzw. Verdichtungen im künstlerischen (oder literarischen) Bereich.

Heute sehe ich diese Episode mit etwas anderen Augen. Die eigentliche Kunst bestand vermutlich darin, dem unbedarften Publikum diese vermeintlichen "Verdichtungen" als "Kunst" zu verklickern.
Als bekennender Kunstbanause habe ich jedoch nach wie vor kein Problem damit, so etwas als Verarschung zu bezeichnen, auch wenn es sich um anerkannte Koryphäen handelt. Picasso hatte das sogar zugegeben.
Hätten wir als Konsumenten weniger Angst, uns zu blamieren, so würde vermutlich viel weniger Müll als "Kunst" deklariert werden.

In der Literatur passieren ähnliche Vorgänge. Dort gibt es einen "Bösen Verein des Deutschen Buchhandels", mehrere Fachgremien und einen Literaturpapst, der darüber entscheidet, was als Literatur zu gelten hat und was nicht. Der verblüffte Zuhörer und Literaturbanause soll das empfohlene Zeug dann nur noch kaufen.
Und was ist mit Micky Maus?

Aber ich schweife ab, denn hier geht es nicht um Literatur, sondern um Kunst.
Wobei wir bei einer weiteren Frage wären: Ist auch Literatur eine Art von Kunst? Immerhin beinhaltet sie den gekonnten Gebrauch des elementaren Handwerkszeuges eines Autors: Ausdrucksweise, Logik, Sprache, Stil und Schrift. Zumindest sollte sie das tun.
Oder ist nur die sogenannte Kunstliteratur als solche anerkannt?

Ach ja: Was ist denn nun mit Micky Maus?

Dilettantische Smiliezergrüße vom Mino.





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(Marcel Reich-Ranicki)

<Holly>
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...   Erstellt am 02.10.2007 - 19:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mit einer Lockerheit, die schon amüsant ist, Minotaurus, wechselst du die Stellung. Einmal weißt du sehr genau, was keine Kunst ist, zumindest für dich (Beuys, Miro, der schwarze Maler in Passau), ziehst also eine klare Grenze, das andere Mal weitest du gutbeuysch den Kunstbegriff mit fröhlicher Mine auf (Erinnerungsessen u.a.).

Die kleine Erzählung über die schwarzen Bilder in Passau: eigentlich doch sehr interessant, wenn ausgerechnet im tiefschwarzen Passau diese Plagiate des schwarzen Quadrates von Malewitsch ausgestellt werden. War das damals von Malewitsch in seiner minimalistischen Form ein konsequenter und vor allem radikaler aber eben einmaliger Endpunkt einer der damals herrschenden Theorien zu moderner Kunst, so sind die monochromen Bilder heute nur noch eine Nachahmung (eine für viele kreativ Schaffenden bedauerliche Angelegenheit, dass je einfacher etwas in der Darstellung wird, es auch immer weniger Abwandlungen dazu gibt. Es hinterher mit einer (neuen) theoretischen Tiefe zu überfrachten ist zwar Mode, bringt aber nichts Neues. Außer man akzeptiert, dass nicht das Dargestellte wichtig ist, sondern die dazu gelieferte verbale Geistesturnübung... ob das Kunst ist?)

Natürlich gibt es keine wirklich klaren Grenzen, sie sind diffus wie alles in der menschlichen Kommunikation. Ich sehe aber keinen Grund, deshalb die Grenzen immer weiter nach außen zu schieben, weil es leider kein gutes Ersatzwort gibt für Koch"kunst", wenn man das hervorragende Handwerk hervorheben will. Ist es nicht eigenartig, dass die Menschen für jedes Wort eine klar umrissene Definition fordern, nur für das Wort Kunst will man eine quasi offene Weite. Die Forderung nach einer Definition der Wörter hat einen guten Grund, denn wenn jeder etwas anderes unter dem Wort versteht, versteht man sich bald untereinander nicht mehr. Für die "Kunst" wird aber die babylonische Sprachverwirrung als gegeben hingenommen und sogar nach Kräften verteidigt und verwendet.
Da wird dann sofort davon gesprochen eine Abgrenzung wäre elitär. Elitär ist der Umgang, aber nicht die Definition. So kann man dem Begriff Kunst schon nahe kommen ohne elitär zu sein, aber die Spreu vom Weizen trennt.
Dazu wäre es aber notwendig, die so leicht hingesagten Verbindungen mit dem Wort Kunst zu lassen, wenn es sich nur um sehr gute Handwerksarbeit handelt. Heute ist so vieles Kunst: der Kunstflieger, der Kunsttherapeut, der Kunstpfeifer, die Schnitzkunst usw, aber auch der Hobbykünstler (der meist gerade mal das Handwerk erlernt hat, dabei meist sehr spezifisch für eine einzige Malart, mehr nicht, von Kunst kann man da schon überhaupt nicht reden).
Das Wort Kunsthandwerk sagt auch heute nicht mehr, als dass hier ein hoher bis sehr Grad an Können zu finden ist. Das ist dekorativ auf hohem Niveau, aber eben noch keine Kunst. Ds Problem ist, dass Kunst im allgemeinen Sprachgebrauch fast ausschließlich von "können" abgeleitet wird, was aber zu wenig ist.

Vielleicht sollte man sich aber auch einigen über welche Art der Kunstausübung man überhaupt spricht. Denn die verschiedenen Künste haben auch verschiedene Kriterien, die oft nicht einmal wirklich vergleichbar sind. Literatur, bildende Kunst, Musik Theater, sind nebeneinander bestehende Dinge, die jedes eine einzelne Betrachtung erfordern, sonst würde man ihnen nicht die richtige Wertschätzung entgegenbringen.

Bis denne

Holly




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