George_MacGregor Administrator
    

Status: Offline Registriert seit: 14.08.2007 Beiträge: 690 Nachricht senden | Erstellt am 17.10.2007 - 15:43 | |
Hallo Highlander!
Bin ganz deiner Meinung, ein Kilt ist einfach dann ein echter Kilt, wenn er nach dem richtigen Schnitt hergestellt ist, egal in welchem Land er entstand. Auch muß er nicht unbedingt aus einem bestimmten Tartan sein, mir geht es da wie dir, wenn mir ein Tartan gefällt, ist es mir egal, ob es ein No Name, oder ein Clan Tartan ist. Daß ein echter Kilt aus Schottland stammen muß ist sowieso Unsinn, denn in den USA und Kanada leben Unmengen schottische Abkömmlinge und die lassen ihre Kilts im Land, also USA oder Kanada nähen, da es dort genügend hervorragende Kiltmaker gibt. Geht es nach jenen Puristen, die sich einbilden, daß ein Kilt nur dann ein echter Kilt ist, wenn er aus Schottland stammt, dann tragen all die US und kanadischen Schotten keinen Kilt. Schon allein die Vernunft sagt einem, daß das barer Unsinn ist.
Wir kennen beide unsere Syriel und wissen, daß sie hervorragende Kilts näht und sie hatte auch schon schottische Kunden, die von ihren Kilts begeistert sind. Ich denke, wenn selbst die Schotten vollauf zufrieden sind, haben wir den Beweis, daß ein echter Kilt nicht aus Schottland stammen muß.
Daß ich meine Kilts selbst nähe, weißt du ebenfalls und ich kenne keinen einzigen Schotten, der meine Kilts für nicht echt gehalten hätte, im Gegenteil, alle staunten, daß ich sie selbst herstelle.
Liebe Grüße,
George
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'S RIOGHAL MO DHREAM |
George_MacGregor Administrator
    

Status: Offline Registriert seit: 14.08.2007 Beiträge: 690 Nachricht senden | Erstellt am 17.10.2007 - 19:18 | |
Hallo zusammen!
Also was Schurwolle oder Mischgewebe betrifft, die Masse meiner Kilts ist aus Schurwolle und ich werde jetzt insgesamt so um die 50 haben, oder sogar mehr. Trotzdem sind auch einige mit Mischgewebe drunter und die sind deshalb nicht minderwertiger, im Gegenteil, sie kann man wenigstens gefahrlos waschen, was bei Schurwolle für den Kilt wenig empfehlenswert ist. Wenn ich euch sämtliche Kilts gemischt hinlege, wette ich mit euch, daß ihr mit freiem Auge niemals den Unterschied erkennen werdet. Wozu sollte ich also auf reine Schurwolle bestehen? Weil man die Kilts vor 300 Jahren so machte? Damals gab es keine Kunstfaser in Schottland, auch keine Baumwolle, also nahm man das Nächstliegende und das war nun mal Schurwolle.
Bei Reenactment sollte die Kleidung authentisch sein, das heißt der Schnitt, die Form, aber kein Mensch kann erkennen, ob im Tartan Kunstfaser enthalten ist. Die Kilts sehen, nur weil sie aus Schurwolle sind, nicht authentischer aus. Ich habe schon so viele Fotos von Reenactments gesehen, alle tragen Tartan aus reiner Schurwolle, als ob davon die Authentizität abhinge, aber sie tragen, außer sie haben Belted Plaids, moderne Kilts und dazu diese schmalen Sashes quer über die Brust, wie sie kein Highlander jemals tragen würde, denn die Dinger sollen nur einen Belted Plaid vortäuschen. Diese Sashes trägt man in Schottland heute nur über die linke Schulter gelegt zum Casual Kilt und Argyll Jacket, wenn man sie überhaupt trägt.
Am schlimmsten treiben es dann aber manche MA Gruppen, die sich auf nichts als ein paar alte Zeichnungen berufen können, aber glauben sie seien besonders authentisch, wenn alles aus Naturfaser ist, auch wenn kein Mensch den Unterschied merkt. Auch wenn man MA spielen will, wir leben nicht im Mittelalter, sondern im 21. Jahrhundert und kein Mensch, bis auf ein paar Fans, würde heute seine Wolle, oder Leinen selbst am Webstuhl herstellen. Keiner würde, wenn er Zahnschmerzen hat, zum Bader gehen um sich dort mit einer riesen Zange den Zahn reißen zu lassen. Und keiner der Schaukämpfer käme auf die Idee mit einem Schwert von 4000 Euro aufwärts, in die Schlacht zu ziehen. Da muß es dann plötzlich gar nicht mehr so authentisch sein ;o).
So lange ein Tartan nicht glitzert, als ob man einen Nylonsack an hätte, können mich ein paar Kunstfasern wirklich nicht stören und solchen Tartan habe ich nie verwendet. Ich habe etliche 8 Yard Traditionals aus reiner Schurwolle, aber auch welche mit Kunstfaser. Die sind deshalb nicht weniger wert, denn für mich zählt allein die Handarbeit, die ist ihr Geld wert, nicht der Stoff.
Meine Jacobite Waistcoats, mein Argyll Jacket, oder mein Sherriffmuir Doublet sind auch nicht aus Barathea Schurwolle, wo sollte ich die denn hier bekommen? Ich lebe nun mal nicht in Schottland und bei uns gibt es diese Wolle nicht. Keiner der Schotten, die mich in einem der Jackets kennen lernten, kam auf die Idee, daß das Material nicht "authentisch" sei. Wenn der Schnitt paßt, alles richtig genäht ist, dann ist das Jacket ok.
Blue Bonnets wurden ursprünglich aus normaler Wolle gestrickt und dann absichtlich verfilzt. Kein Mensch stellt sowas in Schottland heute noch her. Später wurden die Bonnets aus Material hergestellt, das dem Walkloden ähnlich ist, dem Material aus dem Baskenmützen und Baretts sind. Heute macht man die Balmorals, Tam O' Shanters und Bonnets aus Walkloden, was aber so gesehen nicht authentisch ist. Wen kümmert das wirklich? Ich stelle meine Bonnets aus hellem blaßblauem Mantelflees her, der genau wie Walkloden aussieht, aber weniger als die Hälfte dieses Materials kostet und genau so gut ist. Meine Jacobite Shirts nähe ich aus naturfarbener Baumwolle, statt aus Leinen, ganz einfach aus dem Grund, daß ich nicht bereit bin, Geld für teuren Leinen auszugeben, wenn ich den Meter Baumwolle für 3 Euro bekomme. Geht man danach, sind die Schotten selbst weitaus weniger authentisch, als jene auf dem Festland, die ihre Kleidung bevorzugen. Wo bekommt man in Schottland bei einem Kiltmaker heute noch ein Jacobite Shirt aus Leinen? Im Gegenteil, die werden aus relativ dünner Baumwolle hergestellt und sind nicht mal mehr im Schnitt authentisch.
Ich bin jetzt zwar etwas abgeschweift, aber ich wollte nur mal zeigen, wo es hinführt, wenn man meint, man sei authentischer, wenn man unbedingt reine Schurwolle trägt, obwohl darauf heute nicht mal mehr die Schotten selbst unbedingt bestehen. Klar, wenn sie sich den Kilt nur beim Verleiher borgen, um ihn 3 x im Jahr zu tragen, dann kann er ja aus reiner Schurwolle sein, in diesem Fall zahlen sie ja nur eine Leihgebühr.
Ich habe übers Net noch keine Tartans gekauft, aber in letzter Zeit bekam ich etliche Links mit sehr schönen und noch dazu preiswerten Tartans, die auch Kunstfaser enthalten. Warum sollte ich für einen 16 oz Tartan 50 Euro oder mehr ausgeben, wenn ich ihn mit Kunstfaser um 10 Euro bekomme und den Kilt dann noch dazu auch waschen kann?
Auf meiner HP sind etliche 8 Yard Traditionals zu sehen. Einige davon sind reine Schurwolle, andere mit Kunstfaser. Kein Mensch wird da einen Unterschied erkennen ;o).
Ich halte es mit den Tartans nicht nur wenn es um No Name oder Clan geht so, sondern auch mit dem Material. Wenn mir ein Tartan gefällt, nehme ich ihn, egal, ob der nun reine Schurwolle, oder mit Kunstfaser ist.
Also kann ich jedem nur raten, es nicht mit den reinen Schurwolletartans zu übertreiben. Wenn man einen sehr günstig bekommt, ok, warum nicht, da schlage ich auch zu. Ich habe einen Händler, wo ich ihn pro Meter um 3 Euro bekomme, da wäre ich dumm, wenn ich ihn nicht nehme, aber er hat halt keine große Auswahl. An meinen MacLeod Dress 16 oz kam ich auch auf diesem Weg. Aber ich würde ihn niemals um 50 Euro und mehr nehmen, wenn ich daneben den gleichen Tartan um sagen wir 20 Euro mit einigen Prozent Kunstfaser bekäme.
Und wieder mal ein Kurzromen ;o) aber jetzt reicht es.
Liebe Grüße,
George
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'S RIOGHAL MO DHREAM |
highlanddirk

Status: Offline Registriert seit: 08.10.2007 Beiträge: 118 Nachricht senden | Erstellt am 18.10.2007 - 11:32 | |
Hallo,
kann mich im Großen und Ganzen nur anschließen.
Ich selbst habe nur einen PV(polyviscose) kilt, mit dem ich aber völlig zufrieden bin. Vorteil eines solchen kilts ist, dass er keinen derartigen Wert darstellt, um nicht wirklich benutzt zu werden. Übrigens tragen Freunde von mir, die geborene Schotten sind und dort leben, so gut wie nie kilt, es sei denn zu Hochzeiten (dann Miet-kilts). Zum Rugby/Fußball oder zum Wandern benutzen die auch eher Budget-kilts, wenn überhaupt. Im xmarker-Forum war vor kurzer Zeit eine Diskussion über Feuergefahr bei Kunstfaser- kilts. Die Panik war schon fast lächerlich. Ich kann nur sagen, dass ich in meinem PVkilt sogar schmiede und bisher nicht ein einziges Loch durch Funken o.Ä. drin habe.
Bin ich nun also zu vorsichtig oder ist das typisch amerikanische Hysterie?
Nichtsdestotrotz werde ich mir demnächst einen 5yd Lochcarron Strome im Macneil of Barra ancient tartan kaufen. Ein 8yd wäre mir persönlich zu formell, zu schwer und vor allem zu teuer. Den Woll-kilt werde ich allerdings ganz bestimmt nicht zur Arbeit tragen!!!!!.
Ich denke aber, dass ein kilt nicht in erster Linie durch Material, Länge oder Tartan gemacht wird, sondern dass er anständig getragen wird, ohne zum Kostüm zu werden.
Gruß
Thomas
[Dieser Beitrag wurde am 18.10.2007 - 11:48 von highlanddirk aktualisiert]
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