ART 

Status: Offline Registriert seit: 13.12.2006 Beiträge: 1997 Nachricht senden | Erstellt am 06.01.2008 - 13:03 |  |
Die Welt braucht Frauen, weil ohne sie das Bruttosozialprodukt im Keller wär, und in den Führungsetagen die sprichwörtlich zementierte Männerherrschaft dies sehr wohl erkannt hat.
Mit der legalen Diskriminierung der Frau in der Arbeitswelt war es 1977 in Deutschland dank Alice Schwarzer und ihren Mitstreiterinnen vorbei.
Durch das öffentlich machen, wurde zwar die sichtbare Ungleichheit abgebaut, doch die Ideologie des weiblichen Nebenverdienstes besteht noch immer fort.
Die Weltwirtschaft braucht Frauen, um nicht unterzugehen.
Es sind Männer, die bestimmen, was Frauen wert sind.
Dahinter steckt die Vorstellung, Frauen brauchten nicht wirklich zu arbeiten; aus ihrem Einkommen werde nicht der Lebensunterhalt bestritten wie Miete oder Essen, sondern nur überflüssige Extras wie Kosmetik, Fitness oder Friseur.
Auf diesem Vorurteil hat die Arbeitsmarktstruktur ihr Fundament gegossen, das in unserer Gesellschaft Frauen die Karrieren verbaut.
Obwohl die Wirtschaftsbosse sehr genau wissen, dass die Frauen schon immer Arbeit leisten, die für die Weltwirtschaft von fundamentaler Bedeutung ist.
Schon immer sind Frauen in aller Welt als Händlerinnen, Bäuerinnen, Unternehmerinnen aufgetreten - in allen Berufen, die auszuüben waren.
Ihr Beitrag von herkömmlichen Wirtschaftsinstitutionen wurde schon deshalb nicht gewürdigt, weil er größtenteils nichtmonetär war.
Jene weiblichen Ökonomen, die nach dem Zweiten Weltkrieg neue Methoden der Bemessung entwickelt hatten, wurden nie medienwirksam erwähnt.
Heutzutage ist ein gebräuchlicher Ausdruck für nichtmonetäre Arbeit »Inaktivität«.
Wenn kein Geld aus der einen Tasche in die andere fließt, geht unser Staatshaushalt davon aus, dass nichts dahinter steckt.
Diese Einstellung führt dazu, dass Frauenarbeit unsichtbar geworden ist.
Kein Wunder, dass »Gleichbehandlung« zum Markenzeichen der Frauenbewegung wurde!
Wenn von Menschenrechten die Rede ist, sind meist politische Freiheiten und Bürgerrechte gemeint - beispielsweise Redefreiheit, Religionsfreiheit, Unverletzlichkeit des Eigentums und so weiter. Das sind elementare Grundrechte, zugegeben, aber wir Männer und Frauen sollten die UNO-Charta der Menschenrechte einmal weiterlesen:
Zu ihnen gehört das Recht auf eine eigene Familie, das Recht auf Entspannung und Freizeit, das Recht auf einen adäquaten Lebensstandard, das Recht auf eine KuIturgemeinschaft.
Diese ökonomischen, sozialen und kulturellen Grundrechte sprechen die besonderen Bedürfnisse der Frau an.
Sie sind nicht weniger bedeutsam als die Freiheit der Rede. Wie wichtig sie für die Gesellschaft sind, zeigt sich schon daran, dass es im Allgemeinen Frauen sind, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, die den Haushalt und Kinder versorgen, Pflegedienste in der Familie übernehmen und sich ehrenamtlich sozial arrangieren.
Mein Traum von Gleichbehandlung ist die Eigenmacht der Frau.
Paula
Wir müssen von unseren eigenen Werten ausgehen und deren Einfluss auf die der Männer verstärken
Petra Kelly
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<Besucherin> unregistriert
| Erstellt am 06.01.2008 - 13:16 |  |
Das Beispiel Yunus
Seit der Idee von Muhammad Yunus, eine Bank für arme Leute zu gründen, müssen nicht mehr Milliarden Menschen von Finanzierungsquellen ausgeschlossen sein. Das Ziel des in den USA promovierten Wirtschaftsprofessors aus Bangladesh ist es, armen Menschen eine Chance zu geben, sich selbst aus ihrer mißlichen Lage zu befreien. Bevor Yunus seine Bank gründete, versuchte er verschiedenste Banker davon zu überzeugen, den Armen Kredite zu geben. "Nicht kreditwürdig!" lautete die gleichlautende Antwort aller Bankiers. Arme, Analphabeten, womöglich noch Frauen, waren im Banksystem einfach nicht vorgesehen.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma konnte nur die Gründung einer Bank für arme Leute eröffnen. Mit 27 Dollar Startkapital gründete Yunus 1983 die Grameen Bank, die ausschließlich an Mittellose Kredite vergibt (im Durchschnitt etwa 200 DM pro Person). "Grameen Bank" heißt auf bengali soviel wie "Dorfbank". Der anfängliche Finanzbedarf war nur mit ausländischer Hilfe zu decken. Seit Erhalt der offiziellen Banklizenz wurden unter der Leitung von Yunus über 16 Millionen Kleinkredite ohne materielle Absicherung ausgegeben. Als neuartige Risikoabsicherung führte er ein Bürgschaftssystem ein, bei dem jeweils fünf Kreditnehmer sich zu einer Gruppe zusammenfinden. Wenn ein Mitglied nicht pünktlich zahlt, müssen die anderen dessen Zahlungen übernehmen (es ist wie bei den Delphinen).
Der Erfolg gab Yunus recht. Mit einer Rückzahlungsquote von 98 % erwiesen sich die Ärmsten als kreditwürdiger als alle anderen Bevölkerungsgruppen. Die Grammen Bank gibt bevorzugt Kredite an Frauen, wobei Yunus dies so begründet: "Frauen sorgen dafür, daß das Geld zum Wohle der ganzen Familie eingesetzt und zurückgezahlt wird". Die Hälfte der Frauen schaffte es, nach rund acht Jahren die Armutsschwelle zu überwinden, weitere 27 % gelangten in diesem Zeitraum bis zur Armutsschwelle. Die Frauen sind aber nicht nur die Schuldner der Bank, sondern auch die Eigentümer. Wenn die Ersparnisse des Gruppenfonds einen bestimmten Betrag erreicht haben, kauft die Gruppe für jede der fünf Frauen eine Aktie. 95 % der Bank gehören den Sparern, die restlichen 5 % hält die Regierung.
Heute ist die Grameen Bank in mehr als der Hälfte aller Dörfer von Bangladesh vertreten. In Bangladesh verhalf die Bank bisher mehr als zwei Millionen Menschen durch Mobilisierung der eigenen Kräfte dazu, daß sie die Armutsgrenze hinter sich lassen konnten. Die Grameen Bank hat auch ein eigenes Krankenkassensystem aufgebaut. Das besondere hierbei ist die Tatsache, daß die Bank diese Leistung mittlerweile ohne fremde Mittel erbringen kann. Der Grund: 1995 hat sich die Bank durch Ausgabe von Obligationen 150 Millionen Dollar auf dem Geldmarkt beschafft und ist seitdem unabhängig.
Damit die Erfahrungen in Bangladesh weltweit genutzt werden können, gründete Yunus 1989 den Grameen Trust. Mittlerweile starteten bereits mehr als 50 Länder den Versuch mit Mikrokreditprogrammen. Im Februar 1997 fand in Washington D.C. ein Mikrokredit-Gipfel statt, der sich zum Ziel setzte, bis zum Jahr 2005 die Zahl der Kleinstkreditnehmer auf weltweit 100 Millionen Menschen auszudehnen. Der Gedanke, diesen Gipfel zu veranstalten, wurde von John Hatch an Yunus herangetragen, der ihn sofort akzeptierte.
Das neueste Projekt von Yunus ist, die Armen in ganzen Land mit Handys auszurüsten und in den Dörfern Internet-Kioske einzurichten. Er ist Mitbetreiber des Mobilfunknetzes "GrameenPhone". Auch das Internet-Unternehmen "Grameen Cybernet" hat bereits die Arbeit aufgenommen. Die Möglichkeit zur Kommunikation und zur Telearbeit über das Internet eröffnen den Menschen in Bangladesh die Möglichkeit, in den Dörfern zu bleiben und gleichzeitig für Unternehmen in den Städten zu arbeiten. Das gesamte Datenmanagement wird hierbei dezentral von den Dörfern aus koordiniert. Weitere Pläne von Yunus betreffen die Stromerzeugung, da jeder Computer und jedes Handy Energie benötigt. Das Projekt "Dorfenergie" errichtet dezentrale Photovoltaikanlagen.
Diese "Projekte für Subjekte" beweisen, daß es durchaus möglich ist, durch soziale Innovationen das Gesicht der Armut zu verändern. Kernelement der Yunusschen Strategie ist es, die Menschen als Teilnehmer in Netzwerke einzubinden: in Kommunikationsnetze, Wissensnetze und Energienetze. Auch zum Projekt Lampsacus gehört die kostenlose Vergabe von mit Funkverbindung und Solarzellen ausgerüsteten Internet-Stationen. Lampsacus hat unabhängig von Yunus gleichartige Vorschläge auf globaler Basis gemacht und erweist sich heute als ein natürliches Kind des Yunusschen Gedankenimperiums.
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Lavida 

Status: Offline Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3293 Nachricht senden | Erstellt am 06.01.2008 - 14:46 |  |
Sehr informativ,was Du schreibst, "Besucherin"
Hast du einen Weblink auf eine Organisation, die auf dieses Thema aufmerksam macht?
Gibt es Frauen und oder Männer, die verbündet haben?
mein Lächeln für Dich
Lavida
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Lavida 

Status: Offline Registriert seit: 14.12.2006 Beiträge: 3293 Nachricht senden | Erstellt am 06.01.2008 - 15:49 |  |
Danke. Wir haben eine Forianerin, die ist zur Zeit in Indien. Seit Jahren ist sie Aktivistin, und leistet dort Hilfe zur Selbsthilfe.
Wir erwarten sie in 2 Wochen zurück und sind gespannt darauf, was sie uns zu berichten hat.
Deinen Link werde ich mir später intensiver ansehen.
Lavida
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<Tikala > unregistriert
| Erstellt am 06.01.2008 - 18:25 |  |
Für mich sind wir Frauen nicht die besseren Menschen.
Für mich haben wir Frauen lediglich eine andere Sicht, einen anderen Zugang zum Weltgeschehen,
zu Börsen, Aktien, Kapital.
Wie viele Frauen sehe ich Geld als Macht an, das bestimmt, regiert und Kriege führt.
Obwohl 50% der Weltbevölkerung Frauen sind, leisten sie Zweidrittel der Arbeitsstunden, erhalten ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen lediglich ein Hundertstel des Eigentums der Welt.
Die Zahl der Frauen in Führungsetagen beträgt nicht mehr als 0.7%. Frauen und Macht ist eine ambivalente Beziehung.
Mehr zu diesem Thema findet Ihr im ersten Frauenonlinemagazin
http://www.ceiberweiber.at
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