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Rumpelstilz Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 08.03.2006 Beiträge: 8 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 09:54 |  |
Mich würde interessieren, ob Hüte in aller Regel zum Kleid assortiert (dh. aus gleichem Stoff gefertigt/verziert) waren oder ob ein Hut einfach einigermassen zum Kleid passen sollte?
Wurden ev. Verzierungen je nach Kleid gewechselt? War es ein fauxpas, mit einem nicht assortieren Hut zu gehen?
Oder waren all diese Dinge einfach eine Frage der finanziellen Möglichkeiten und des Anlasses (z.B. assortierter Hut zum Hochzeitskleid, aber ev. "nur" einigermassen passend für den Kirchgang etc.)
Gab es Hüte, die für bestimmte Gelegenheiten obligat waren oder war z.B. das bekannte Bonnet für praktisch jede Gelegenheit passend?
Wisst ihr etwas darüber?
Besten Dank für allfällige Auskünfte!
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Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 13:19 |  |
Nach den Bildern die ich kenne, lässt sich deine Frage pauschal nicht beantworten.
Es kommt fast genau auf das Jahr an, um das es geht. Natürlich passen schwarze Hüte beispielsweise zu allem. Vom Stoff der Kleider überzogene Hüte bei Damen, finde ich nicht sehr schön und glaube ich auch noch nicht oder zu selten gesehen zu haben, als dass ich mich dessen so recht entsinnen könnte.
1795-1800
Die einzige Periode mit der ich mich überhaupt in der Zukunft beschäftige. Die meisten Portraits zeigen bei Herren schwarze, seltener anders farbige Filzhüte. Da ich mich auf Frankreich beschränken will, würde ich sagen, sind die Verzierungen meistens ohnehin politisch motiviert, weshalb die Kokarden eher nie in korrespondierender Farbe zur Kleidung gemacht sind. Es gibt vermutlich noch pelzbezogene Jockey-Hüte. Die Farbenfrohheit der 1780er, wenn man der denn noch huldigt, verbietet eigentlich eine korrespondierende "Bespannung" von Hut wie Kleid in selber Farbe gar selbem Stoff.
Die Bilder woher ich stoffüberzogene Hüte bei Damen wie Herren noch am ehesten kenne, sind Gemälde von karnevalistischen Maskeraden eher der Mitte denn des Endes des 18.Jh..
Abgesehen von solchen Anlässen finde ich stoffüberzogene Hüte meistens recht albern, aber das ist auch mein persönlicher Geschmack.
Ich denke, um einen ähnlich geschmückten Hut wie Kleid zu haben, musste man schon zur Marchande de Mode gehen und sich von ihr alles aus einem Guss machen lassen. Das stelle ich mir etwas teuer vor. Überlege mal! Wenn beides gleich verziert ist und du es selber machen willst, solltest du Stoffreste zu Hause einlagern. Hätte das eine Dame gemacht? Wenn ja wieviele?
Ich nehme an, wenn man Geld genug für die Verzierungen hatte, dann gab es auch genügend Hütchen für jedes Kleid. Außerdem gab es für eine richtige Dame selbstverständlich spezielle Hüte für Spaziergang und Jagdkleidung, die dann ohnehin passend verziert waren, was eine genaue farbliche Abstimmung auf das Kleid recht unnötig macht.
Man sollte sich Gedanken machen, wer denn den Hut in die Hände bekam, an Handwerkern, und ob die selbe Person auch den Stoff oder das Kleid zu Gesicht bekam.
Signatur ... Das Sturmläuten, das nun anheben wird, ist kein Alarmsignal, es bedeutet den Generalangriff auf die Feinde des Vaterlandes. Um sie zu besiegen, brauchen wir Mut, meine Herren, Mut und nochmals Mut; dann ist Frankreich gerettet. |
Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 14:10 |  |
*Schüttelt jetzt mal erstaunt den Kopf!*
Hüte mit Stoff zu überziehen ist seit Jahrhunderten eine allgemein übliche Herstellungsvariante.
Das kann auch passend zum Kleid oder zum Mantel sein
Varianten:
-Grundform aus Stroh,die mit Stoff überzogen wird
-Grundform aus Hutdraht, die mit Stoff überzogen wird
(und dann Dekorieren oder auch nicht)
gefilzter Hut:
Mit Hilfe von Wasserdampf wird der Hut auf einem "Stumpen " in Form gebracht
Varianten:
-nur mit Bindebändern
-nur Dekoration (Blumen, Schleifen, Perlen, Federn...) + bindebänder
-kann aber auch mit Stoff überzogen werden
Strohhut
-geflochtene Strohbänder werden in der passenden Form zusammengenäht
-Hut wird direkt in Form geflochten
Hier gilt auch: entweder allemögliche Deko oder garkeine oder es dient als Grundform für einen Stoffüberzug.
Jede Frau hat darauf geachtet, das der Hut zur restlichen Ausstattung passt, genau wie Schuhe, Schirm, Handschuhe und so weiter und wenn vom Stoff für das Spencer noch etwas übrig war: warum nicht einen Hut daraus machen? Das war eigentlich eine allgemein übliche Taktik weibl. Raffinesse und Sparsamkeit (es war ja nicht jede mit einem Nabob verheiratet )
Wie Republicain schon richtig erklärte: Zu jedem Anlaß gehörte der passenden Hut, wenn man es sich leisten konnte. Ansonsten konnte der Hut fürs nachmittagspicknick auch schon mal die Kirche am Sonntagmorgen von innen sehen.
[Dieser Beitrag wurde am 06.04.2006 - 14:13 von Nanny aktualisiert]
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Alessandra Ast


Status: Offline Registriert seit: 31.10.2005 Beiträge: 237 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 14:36 |  |
Einfachste Art, passende Kopfbedeckung zu haben: Möglichst schlichter Hut und dann mit Bändern, Federn, Blumen Abwechslung reinbringen.
Zu den Hüten allgemein - einen durchwegs Roten Faden (z.b. Bonnet über alles) kommt erst spät auf - es gibt viele nette Bilder um 1804 welcher alles mögliche (über Turban, Bonnet, Hut à la umgekehrter Papierkorb mit lila Band) alles möglich ist.
http://digital.nypl.org/mmpco/browseFTresults.cfm?trg=1
Signatur Given two theories, take the one what is funnier. |
Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 15:56 |  |
Mit überzogenen Hüten, meine ich natürlich diejenigen,welche mit dem Stoff des Kleides überzogen sind. Da ich mich hauptsächlich mit der früheren Zeit (der guten Zeit ) auskenne, in der noch Hauben, Stroh- wie Filzhüte getragen wurden, kann mein Blick auch ein wenig vernebelt sein. Ah ja Mrs. Graham hat, glaube ich, einen stoffüberzogenen Hut in Farbe vielleicht sogar Material des Kleides.
In der Gallerie des Modes sieht man hauptsächlich schwarze Filzhüte, welche durch dichte Bänder verziert sind und große Tücher, die sie ebenfalls bedecken. Im 18.Jh sind für Damen Hüte eher aus Stroh und Filz, so meine Erfahrung, nach den Originalen gehend, die ich in Paris und anderswo gesehen habe. Auch einen Jockeyhut für Damen aus Pappe, der von Stoff überzogen ist, wäre mir noch geläufig.
Leider kenne ich mich aber dann schon eher mit Herrenmode aus.
An Nanny: Wer hat solche Hüte überzogen, wenn sie mit dem Stoff des Kleides überzogen wurden? Der Hutmacher? Die Putzmacherin? Der Schneider? Wer konnte sich das leisten? (mein Ernst)
[Dieser Beitrag wurde am 06.04.2006 - 16:00 von Republicain aktualisiert]
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Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 15:59 |  |
... aber du interessierst dich für alles und das kann nicht schädlich sein 
[Dieser Beitrag wurde am 06.04.2006 - 16:26 von Nanny aktualisiert]
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Republicain  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 14.10.2005 Beiträge: 522 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 16:03 |  |
Ah ich hatte recht mit meiner Erinnerung!
http://www.faculty.de.gcsu.edu/~rviau/i … am1775.jpg
Das nenne ich eine echte Lady! 
[Dieser Beitrag wurde am 06.04.2006 - 16:04 von Republicain aktualisiert]
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Suzette  Zweig


Status: Offline Registriert seit: 26.10.2005 Beiträge: 164 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 17:30 |  |
In der Tat Republicain, eine sehr hübsche Lady..... 
Auch auf die Gefahr der Wiederholung :
Zur Frage der Abwandlung der Hüte vermute ich mal, dass man - sofern genügend Kleingeld zur Verfügung stand - die Putzmacherin aufsuchte. Aber wohl in den meisten Fällen, gerade bei Strohhüten oder auch Filzhüten, die Hüte oftmals selber "aufgeputzt" wurde - was Nanny ja schon erwähnte und auch Alessandra vorgeschlagen hat. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, ist ja auch bei Jane Austen gelegentlich davon die Rede, dass Schuten auseinandergenommen und neu "geputzt" wurden - war es in P&P? Die Jane Austen Spezialistinnen mögen mir bitte zu Hilfe kommen.
Auf die Variationsbreite von Kopfbedeckungen im Empire hat Alessandra ja schon hingeweisen - offenbar ganz nach Gutos der Trägerin. Bei gleichem Material fällt mir immer das gelbe Seidenkleid - ich glaube es in den Fashionbänden von Taschen - ein: Gelb mit passender am Hinterkopf sitzender "Baskenmütze". Das wird wohl eines meiner nächsten Projekte....
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Rumpelstilz Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 08.03.2006 Beiträge: 8 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 17:55 |  |
Besten Dank für die ausführlichen Beiträge!Wie es mir scheint, gabe es sehr viele Möglichkeiten.
Ich bin bisher schlicht davon ausgegangen, dass in vielen Haushalten selber genäht wurde. Und dann liegt es eigentlich nahe, auch einen Hut noch mit vorhandenen Stoffresten zu dekorieren bzw. zu überziehen.
Auch meine ich gelesen zu haben, dass es üblich war, Hutrohlinge aus Buckram oder Stroh oder eben Strohbänder zu kaufen.
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Nanny  Dieses Baums Blatt


Status: Offline Registriert seit: 12.10.2005 Beiträge: 656 Nachricht senden | Erstellt am 06.04.2006 - 20:03 |  |
Oh ja, die gelbe Baskenmütze! Die hatte ich ja auch noch im Auge , aber jetzt werde ich mich wohl lieber auf ein anderes Modell stürzen!
Deine Erinnerung trügt dich nicht - es waren die jüngeren Töchter, die da Hüte am auseinandernehmen waren.
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