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Carpenoctem ...



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...   Erstellt am 08.06.2009 - 13:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Schrift ist eine der genialsten Erfindungen des Menschen.
Frühere Kulturen sahen in der Schrift ein Geschenk der Götter. Wer schreiben konnte, wurde bewundert und verehrt.
Orientalische Potentaten beschenkten einst die Schreiber schöner Handschriften überreichlich mit Gold.
Im alten China gehörte es zur Staatsprüfung eines jeden Beamten, ein Gedicht in künstlerisch vollendeter Form mit Pinsel und Tusche auf einen Bogen ausgesuchten Papiers zu schreiben.

Heute hat bei uns der Umgang mit Handy und Computer die Handschrift zu einem fast unleserlichen Gekritzel verwildern lassen.

Seit dem 19. Jahrhundert lautet die Devise: Schnell und richtig ist wichtiger als schön schreiben.

Das Formniveau der Schrift und des Schreibens verfiel im Laufe der letzten hundert Jahre unaufhaltsam. Die Einführung der Schulpflicht verminderte rapide die Zahl der Analphabeten; aus dem einstigen Wunder des Schreibens wurde eine Alltagspflicht. Schreibenkönnen entartete in Schreibenmüssen.

Die Kalligraphie, die Kunst des Schönschreibens, erstarrte in historisierender Ornamentik.

Und dennoch ist die Liebe zum Schreiben, zur persönlichen Gestaltung alphabetischer Grundformen, diese seltsame Lust, den abstrakten Gebilden der Buchstaben etwas vom eigenen Wesen mitzugeben, sie nach dem eigenen Geschmack zu formen bis heute lebendig geblieben.

Auch im 20. Jahrhundert sind in Deutschland Schriftkünstler, Meister der Kalligraphie, tätig. Walter Tiemann, von 1920 bis 1946 Rektor der Leipziger Akademie, erkennt „in dem unendlich weiten Garten der künstlerischen Gestaltungen die Kalligraphie als eines der reizvollsten, liebenswürdigsten Ziergewächse abendländischer Kultur."

Tiemanns handschriftlich gestaltete Titelseiten, Bucheinbände und Schutzumschläge, besonders für Publikationen des Insel Verlages, gehören mit zum Besten, was die Gebrauchsgraphik hervorgebracht hat.

Schriften von Walter Tiemann




Carpenoctem ...



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...   Erstellt am 09.06.2009 - 10:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Tiemann war es auch, der sich dafür einsetzte,
dass 1953 in Offenbach das Klingspor-Museum gegründet wurde.

Den Grundstock der heute umfangreichen Sammlung bildet die Privatbibliothek des Offenbacher Schriftgießereibesitzers Karl Klingspor.

Das Museum hat sich auf internationale Buch- und Schriftkunst des 20. Jahrhunderts spezialisiert und nimmt damit eine Sonderstellung unter vergleichbaren Sammlungen ein.

Es sind besonders die wertvollen Nachlässe der berühmten deutschen Schriftkünstler Rudolf Koch (1876 - 1934), Ernst Schneidler (1882 - 1956), Rudo Spemann (1905 - 1947), Emil Rudolf Weiss (1875 -1942), die immer wieder Besucher aus aller Welt anlocken. Wechselnde Ausstellungen, oft durch Leihgaben aus anderen Beständen ergänzt, repräsentieren das gesamte Spektrum der modernen Schriftkunst.

Homepage Klingspor Museum Offenbach





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