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<NorbertSchneider>
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...   Erstellt am 26.11.2004 - 16:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mit Speck fängt man Mäuse
Immer mehr Mittelständler geben Anleihen und Genussscheine im Alleingang aus. Doch so risikolos, wie die Anlagen scheinen, sind sie nicht
von Frank Stocker

Schwarzwälder Schinken? Oder doch lieber eine Anleihe? Die Zimbo-Unternehmensgruppe, Deutschlands größter Anbieter von SB-Wurstwaren, sorgte mit ihren Schuldverschreibungen in den letzten Monaten für Aufsehen. Vorbei an allen Banken holte sich Unternehmenschef Reinhold Zimmermann auf diesem Weg Geld von privaten Investoren, um das weitere Wachstum zu finanzieren. Auch auf den Vertrieb durch die Institute verzichtete er dankend. "Das hätte drei bis fünf Prozent Provision gekostet", so Zimmermann. Stattdessen warb er in Zeitungsanzeigen für seinen Siebenprozenter und stellte einige Mitarbeiter zum Vertrieb der Anleihe ab. Weit über zwei Drittel der Tranche wurden schon an den Mann gebracht.


Zimbo ist kein Einzelfall. Immer mehr Mittelständler gehen solch ungewöhnliche Wege, um an Geld für das weitere Unternehmenswachstum zu kommen. "Gerade in den letzten Monaten gibt es ein verstärktes Interesse von mittelständischen Unternehmen an derartigen Formen der Finanzierung", stellt Rolf Kobabe fest. Der Rechtsanwalt aus Göttingen berät die Firmen dabei, wie sie ihren Weg zu privatem Kapital konkret ausgestalten.


Die Ursache ist klar: Die Geldinstitute knausern mit neuen Krediten. "In den letzten Jahren sehen leider viele Banken in der klassischen Unternehmensfinanzierung immer weniger ihr Haupttätigkeitsfeld", drückt sich Reinhold Zimmermann noch diplomatisch aus. Die Zahlen sprechen da ein klareres Bild: Das Volumen der Kredite an das verarbeitende Gewerbe ist in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.


Die Anleihen von Zimbo oder auch vom Duisburger Rohstoffhändler PCC treffen auf eine private Anlegerschar, die seit dem Ende des Aktienbooms ihr Geld nur noch in sichere, festverzinsliche Papiere investiert. Und dabei wird auf jedes Zehntel Prozent geschielt. Sieben bis acht Prozent Rendite wecken da leicht Appetit.


Doch so risikolos, wie es auf den ersten Blick scheint, sind derartige Anleihen keineswegs. Letztlich gewährt der Anleger dem Unternehmen einen Kredit. Im Konkursfall ist das Geld daher weg. Wie hoch das Risiko ist, kann der Anleger bei den Mittelständlern kaum einschätzen, denn die wenigsten lassen sich von einer der bekannten Ratingagenturen wie Moody's oder S.& P bewerten. Zimbo und PCC verweisen zwar auf die Bonitätseinstufung durch den Wirtschaftsinformationsdienst Creditreform. Doch Creditreform bewertet lediglich die aktuelle Kreditwürdigkeit, was für Lieferanten wichtig ist. Für Investoren spielt die Punktezahl bei Creditreform keine Rolle, denn sie sagt nichts darüber aus, ob das Unternehmen die Anleihe in einigen Jahren zurückbezahlen kann. Die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West wurde folglich für eine ähnliche Werbung schon einmal vom Bundesverband der Verbraucherzentralen abgemahnt.


Noch häufiger versuchen Mittelständler über die Ausgabe von Genussscheinen an Kapital zu kommen. So wirbt beispielsweise die Rendsburger Getreide AG, ein Agrarhändler, zu dem auch Nahrungsmittelfabriken gehören, derzeit für ihre Papiere. Sie laufen über sechs und zehn Jahre und sollen 7,5 Prozent Zinsen abwerfen. "Diese Form ist vom Gesetzgeber am wenigsten reglementiert, so dass der Unternehmer hier am meisten Spielraum bei der Gestaltung hat", nennt Rechtsanwalt Kobabe den Vorteil dieses Finanzierungsinstruments für die Unternehmen. Für den Anleger heißt dies jedoch: noch genauer hinschauen. Denn meist wird die Rendite nur gezahlt, wenn das Unternehmen Gewinn macht. Deshalb werden Genussscheine oft auch als eine Mischform von Aktien und Zinspapieren bezeichnet. Zudem kann das Unternehmen die Höhe der Rendite auch noch an andere Kriterien binden, wie den Umsatz oder auch an das allgemeine Zinsniveau. Daher sollte der Anleger die Bedingungen im Emissionsprospekt genau lesen, bevor er sich den "Genüssen" hingibt.


Genau beachten sollten Anleger auch die Verkaufsprovisionen, die von den Unternehmen erhoben werden. Eine üppig klingende Rendite kann dadurch nämlich leicht auf ein Niveau gesenkt werden, das für das erhöhte Risiko nicht mehr angemessen ist.


Ein weiterer Nachteil all der Papiere, die Mittelständler ausgeben, ist schließlich die Illiquidität. Sie sind nicht an der Börse notiert, und ein Handel findet nicht statt. Auch wenn in den Emissionsprospekten von "frei handelbaren Wertpapieren" die Rede ist, fehlen meist Markt und Käufer dafür. Es bleibt einem dann nichts anderes übrig, als das Papier bis zum Ende von dessen Laufzeit zu halten.


Diese Wartezeit kann sich immerhin für denrecht angenehm gestalten, der Genussscheine des Weinguts Sybille Kuntz zeichnet. Die Moselwinzerin bezahlt die Zinsen nämlich in Form von Naturalien. Einmal im Jahr bekommt der Anleger ein Päckchen mit Riesling. Genuss im wahrsten Sinne!


Artikel erschienen am 18. Jan 2004

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<Addy>
unregistriert

...   Erstellt am 14.07.2008 - 18:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Interesssant...





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