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Greenhill 

Status: Offline Registriert seit: 10.11.2007 Beiträge: 29 Nachricht senden | Erstellt am 04.12.2007 - 19:06 |  |
"Unter Beobachtung II" ist die direkte Fortsetzung von "Unter Beobachtung". Damit ihr den Zusammenhang versteht, solltet ihr also zunächst den ersten Teil lesen (Teil I ist eine Short-Story und somit nicht sonderlich lang; dieser Teil ist um einiges länger! )
Titel: Unter Beobachtung II
Autor: Greenhill
Rating: R
Genre: Reallife meets Mittelerde, Drama, Nachdenkliches, Action, ein wenig Romantik darf natürlich auch nicht fehlen! *smile*
Charaktere: Elsandriel (eigener Chara), Legolas, Gimli, u.a.
Inhalt: Stell dir vor, dir wird die Möglichkeit gegeben, ein neues Leben zu beginnen - in Mittelerde. Du freust dich und denkst "Nun wird alles besser". Doch was ist, wenn dem nicht so ist? Wenn du spürst, dass dir niemand vertraut und es den Anschein hat, als könnten alle dich nicht leiden? Wie gehst du mit der Situation um? Was denkst du? Elsandriel - die Hauptperson meiner ff - durchlebt diesen Alptraum. Auch ein gewisser blonder Elb ist nicht gerade angetan von ihr ...
Disclaimer: Die erwähnten Figuren und Orte, in dieser Geschichte, mit Ausnahme des Hauptcharakters, gehören Tolkien. Ich verdiene mit dieser Story kein Geld
A/N: Bitte schreibt mir eine Kleinigkeit drunter, wenn ihr die ff lest. Mir reicht auch ein Satz. Hauptsache, ich weiß, dass sie gelesen wird. Es steckt viel Arbeit in dieser Geschichte. So, nun geht's aber auch endlich los. Viel Spaß!
Unter Beobachtung II
Kapitel I
Legolas deutete eine leichte Verbeugung an und fragte mich: „Seid Ihr bereit?“ Mehr Worte bedurfte es nicht. Es war alles gesagt und ich wusste, dass ich nun nach Hause gehen würde. Mein grünes Buch nahm ich dankend und glücklich wieder an mich und legte es beiseite.
Wir alle drei wussten, dass es einer gegenseitigen Vorstellung nicht bedurfte. Jeder war über seine Bestimmung im Bilde und wusste das Nötigste über den anderen. Die beiden über mich und ich über sie. Ich lächelte den Elb schüchtern an und nickte. Es war alles so irreal. Aber ich war ohnehin vollkommen benebelt und stand wie unter Trance. Deshalb schüttelte ich kurz den Kopf, um ihn wieder einigermaßen klar zu bekommen.
„Alles in Ordnung mit Euch, mein Kind?“ Ich schaute hinunter zu Gimli, der anscheinend meine Unsicherheit bemerkt hatte. Ich nickte erneut, dieses Mal allerdings doch etwas stockender. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie der Elb einen Schritt auf mich zu kam. Er stand nun nur ein paar Fuß breit von mir entfernt. Mir fiel auf, dass er einen ganzen Kopf größer als wie ich. Verlegen schaute ich zur Seite. Ich kannte die beiden schließlich gar nicht, nur aus dem Brief. Wie sollte ich mich verhalten? Instinktiv wich ich einen Schritt zurück. Doch plötzlich fühlte ich seine Hand an meinem Handgelenk, welche einen weiteren Schritt meinerseits nach hinten verhinderte. Er suchte meinen direkten Blick. Eigentlich versuchte ich nach Möglichkeit, direkten Augenkontakt zu vermeiden, da ich mich unwohl dabei fühlte. Auf der anderen Seite wollte ich allerdings auch nicht unhöflich wirken. Also wandte ich meinen Blick entschlossen in seine Richtung. Ich spürte, wie sein Griff um mein Handgelenk ein wenig fester wurde. Er wollte anscheinend dem, was er mir nun sagen würde, mehr Ausdruck verleihen. Durch den leichten Druck wanderte mein Blick reflexartig zu seinen Augen, um ihn fragend anzuschauen, was er damit bezwecken wollte. Was ich dort sah, war allerdings etwas anderes, als eigentlich erwartet. Habe ich nicht dem tiefen Blau seiner Augen für einen kurzen Moment ein siegreiches Wissen entnehmen können? Eine Art erfahrenes Lächeln, so, als wenn er gewusst hatte, dass, wenn er etwas mehr Druck auf meine Hand ausübte, ich ihn automatisch ansehen würde? Gewieft war der Elb, das musste ich zugeben! Dieser Ausdruck war allerdings nur für den Bruchteil einer Sekunde sichtbar und verschwand sodann schnell hinter einer Fassade eines ernsten, festen Blicks, der unnachgiebig meine Augen fesselte.
„Elsandriel, ich hoffe, Ihr könnt uns verzeihen, dass wir Euch zur Eile drängen, gerade bei einer so wichtigen Entscheidung. Doch ist die Pforte, die uns zurück in unsere Heimat geleitet, nur für kurze Zeit begehbar, da Gandalf, ein Zauberer aus unserer Welt, sie nur für einen gewissen Zeitraum geöffnet halten kann.“ Seine Hand glitt von meinem Handgelenk herab zu meiner Hand. Er umfasste sie und zog mich bereits etwas in Richtung Tür. Anscheinend interessierte ihn meine Meinung zu der momentanen Situation nicht sonderlich, denn eine Reaktion von mir auf seine Entschuldigung schien er gar nicht zu erwarten. Trotzig blieb ich stehen und ließ mich von dem langhaarigen Kerl einfach nicht mehr weiter ziehen. Das ging mir nun doch alles ein wenig zu schnell! Mit einer gedrehten Handbewegung befreite ich meine Hand aus seiner und schaute mich etwas irritiert und hilfesuchend in der Wohnung um. Entdecken konnte ich allerdings nur Gimli, der auf meinem Couchtisch eine Schale mit Weihnachtsgebäck entdeckt hatte. Genüsslich saß er in meinem Sessel und knabberte an einem Spekulatius herum. Legolas schaute mich kurz durchdringend an, setzte daraufhin auch an, etwas zu sagen, ließ es aber dann doch zunächst auf sich beruhen.
Fasziniert schaute ich zwischen den beiden doch sehr unterschiedlichen Wesen hin und her. Auf der einen Seite dieser graziöse, edle Elb, der mit seinem engelsgleichen Gesicht und seiner Unschuldsmiene aussah, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Allerdings vermutete ich, dass dies täuschte und er es faustdick hinter den spitzen Ohren hatte! Stille Wasser sind schließlich tief. Auch seine ausstrahlende Ruhe stand vermutlich im Gegensatz zu seiner uneinschätzbaren Stärke.
Auf der anderen Seite ein Zwerg, wie er im Buche steht: Klein, frech, der lange Bart, einfach das komplette Erscheinungsbild eben! Doch auch er strahlte eine ungeheure Stärke aus.
Ich schaute wieder zu Legolas hinüber, der inzwischen weiter in meine Wohnung hinein getreten war.
„Gimli, erinnere dich an Gandalfs Worte. Er sagte, wenn beide Zeiger oben stehen!“ Dabei schaute er mit einer lang andauernden Intensität auf meine Wanduhr, so, als wenn er angestrengt über etwas nachdachte und die Antwort irgendwo auf den Zeigern finden würde. Ein lautes Poltern und Plärren ließ mich abrupt herumfahren und meinen Blick zu Gimli wandern. Mit stark aufgerissenen Augen war er aus dem Sessel aufgesprungen und ließ meinen alten Holzboden unter seinem doch beträchtlichen Gewicht knarzen. Auch sein Blick galt nun der Uhr, allerdings in einem weitaus kürzeren Maße, als der des ungeduldigen Elbs.
„Wie ist das möglich?! Der Zeiger ist ja nur noch drei Finger breit von dem anderen Zeiger entfernt! Legolas, wir müssen los!“ Gimli schnappte sich noch ein paar der Kekse und lief dann herüber zur Tür. Doch als der blonde Elb ihn anhielt zu bleiben, stoppte er und schaute seinen Freund fragend an. Ich beobachtete das ganze Schauspiel aus sicherer Entfernung.
„Es ist zu spät. Wir schaffen es in der kurzen Zeit nicht mehr die Treppe herunter und um das ganze Haus herum. Wir nehmen das Fenster.“ Er ging bereits herüber, um es zu öffnen. Ungläubig schaute ich ihm dabei zu. Was meinte er damit, „wir nehmen das Fenster“? War ihm während des Treppensteigens nicht aufgefallen, dass sich meine Wohnung im dritten Stock befand? Gimli schien das nicht weiter zu stören. Schnellen Schrittes stapfte er zu Legolas, zog sich einen Stuhl heran, da er zu klein war, um direkt aus dem Fenster zu schauen, stellte sich auf besagten und schaute hinunter. Zufrieden sah er in Legolas’ Richtung. „Du hast recht, alter Freund. Es ist dort.“ Entsetzt sah ich zu, wie Gimli sich auf die Fensterbank stellte, während Legolas zu mir herüber rief: „Bitte kommt schnell!“ und diese Worte zusätzlich noch durch eine Handbewegung unterstrich. Ich schaute hinüber zur Wanduhr, nur noch zwei Minuten bis Mitternacht, zu meinem Geburtstag.
Gut, ich hatte inzwischen verstanden, dass sich die Pforte anscheinend hier in der Nähe meiner Wohnung öffnen und um Mitternacht schließen würde. Doch noch war ich in meiner Welt und mir war klar, dass ich für mein neues Zuhause keinen Selbstmord begehen würde, indem ich aus dem Fenster sprang!
Ich blickte zu dem Elb, der inzwischen bemerkt hatte, dass ich keine Anstalten machte, zu ihm herüber ans Fenster zu kommen. Er sah etwas säuerlich und angespannt aus, wenn ich das von meiner Entfernung aus richtig wahrgenommen hatte. Doch das war mir ehrlich gesagt relativ egal. Ich besaß immerhin noch meinen Verstand, der mich daran hinderte, mich aus dem dritten Stock in die Ungewissheit springen zu lassen.
Sodann musste ich feststellen, wie Legolas schnellen Schrittes auf mich zukam, mich dabei keine Sekunde aus den Augen ließ und auch vor meinem Sofa keinen Halt machte, sondern einfach darüber stieg. Ich sah, wie er sich während des Gehens die Ärmel hochkrempelte und meinen Beistelltisch mitsamt Vase aus dem Weg fegte. Dies tat er alles, ohne hinzusehen. Im Auge hatte er dabei nur mich. Sein Blick war regelrecht fixiert. Er hatte nur ein Ziel, und das war ich!
Ich stolperte rückwärts an der Wand entlang, riss dabei diverse Topfpflanzen, die ich auf dem Boden stehen hatte, um und strauchelte weiter zurück. Halt fand ich dann an dem Sessel, in welchem Gimli zuvor gesessen hatte. Schnell zog ich mich hoch. Dann hörte ich einen lauten Schrei, der allmählich immer leiser wurde, aber trotzdem konstant andauerte – Gimli war gesprungen! Legolas schaute kurz zum Fenster herüber - meine Chance, zur Tür zu sprinten. Doch als ich dort ankam, prallte ich gegen etwas, nein, gegen jemanden. Es war Legolas. Wie kam er so schnell dorthin?! Er schlang seinen Arm um meinen Bauch, hob mich etwas an und trug mich mühelos den ganzen Weg bis vor das Fenster. Ich war so perplex, dass ich in dem Moment nichts sagen konnte. Er hingegen hätte bestimmt noch etwas sagen können, hielt dies aber anscheinend für unnötig. Legolas ließ mich kurz los, stieg hinauf aufs Fensterbrett, packte mich unter den Armen und zog mich hoch. Er stand nun hinter mir und schlang seine beiden Arme um mich. Ich war momentan mehr an ihn gelehnt, als das ich selbst stand – genau wie damals im Zug, als Legolas mir zum ersten Mal sozusagen mein Leben gerettet hatte. Wir schauten beide hinunter in die Tiefe. Keine Spur von Gimli. Nur ein Busch war zu sehen, der sich dort heute Morgen noch nicht befunden hatte … er glitzerte merkwürdig. Außerdem schien das Grün bei näherem Betrachten zu verschwimmen. Legolas drückte mich fester an sich. Sein Gesicht näherte sich meinem, so wie damals im Zug. Er sagte: „Es wird Euch nichts geschehen. Atmet noch einmal tief ein, denn dies wird nun der letzte Moment für Euch auf dieser Welt sein.“ In dem Augenblick ertönte meine Wanduhr. Wir hatten Mitternacht. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Ich atmete noch einmal tief durch, dann sprangen wir.
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Greenhill 

Status: Offline Registriert seit: 10.11.2007 Beiträge: 29 Nachricht senden | Erstellt am 09.12.2007 - 17:13 |  |
Kapitel II
Es war dunkel. Ich fiel in die Tiefe, ins schwarze Nichts. Ich hatte Angst. War ich gerade tatsächlich aus dem dritten Stock in diesen … Busch gesprungen? Legolas hielt mich weiterhin fest. Wir fielen immer tiefer. Es glitzerte überall, wie durch Zauberhand. Entfernt hörte ich ein leises Schreien, womöglich Gimli. Ich hingegen brachte keinen Ton heraus. Ich musste mich irgendwo festhalten, sonst würde es mich zerreißen. Da es nicht sonderlich viel Auswahl gab, blieb mir niemand anderes übrig, als der Elb. Ich drehte mich in seiner Umarmung um, legte meine Arme um Legolas’ Hals, drückte mich vor lauter Angst fest an ihn und schloss die Augen. Plötzlich spürte ich, wie seine Hand über meinen Hinterkopf strich und ich vernahm leise beruhigende Worte, die er mir zuflüsterte. Sie klangen melodisch und waren für weltliche Verhältnisse wohl eher kitschig. Doch mich beruhigten sie ungemein, zumal ich sie verstand. Die Sprache an sich kannte ich jedoch nicht.
Nach einer mir endlos vorkommenden Zeit wurden wir schließlich langsamer. Auch schien sich die Richtung zu ändern. Es ging nicht mehr senkrecht hinab, sondern eher geradeaus. Gimli war inzwischen verstummt. „Wir sind gleich am Ziel“, sagte Legolas zu mir. Langsam öffnete ich die Augen und drehte meinen Kopf in die Richtung, auf die wir zusteuerten. Es war nicht mehr so dunkel wie zu Beginn. Am Ende des Tunnels konnte ich etwas Weißes leuchten sehen. Kurze Zeit später waren wir dann endlich am Ziel. Ich ließ von Legolas ab, auch wenn ich zugeben musste, dass ich es bei ihm noch etwas länger ausgehalten hätte …
Ein grelles weißes Licht leuchtete mir entgegen. Es blendete mich so stark, dass ich meine Augen abschirmen musste. Legolas hingegen schien die Helligkeit nicht sonderlich zu stören. Er schaute direkt hinein und strahlte: „Gandalf, wir haben es geschafft!“ Das Licht wurde schwächer und nun konnte auch ich die Person, zu der Legolas gesprochen hatte, erkennen. Dies war also der Zauberer, der die Verbindung der beiden Welten ermöglicht hatte. In der Hand hielt er einen Stab, auf dessen oberen Ende eine Art Glaskugel befestigt war. Und aus dieser kam auch das gleißend helle Licht, welches nun langsam erlosch.
„Ich sag dir eins Legolas, so eine Tortur mach’ ich nicht noch einmal mit! Wenn nochmals so etwas vorkommen sollte, kannst du dir einen anderen Gefährten suchen, der mit dir geht!“ Gimli saß mit einem hochroten Kopf neben Gandalf auf dem Boden und fächerte sich Luft zu. Er hatte die rasante Reise durch die Pforte anscheinend nicht gut verkraftet. „Gimli, du hast es überstanden. Gleich geht es dir bestimmt besser.“ Legolas, der neben mir stand, lächelte dem aufgebrachten Zwerg aufmunternd zu. Dann bedeutete er mir, zu Gandalf herüber zu gehen. Der alte Mann sah sehr weise aus, das erkannte ich, und wahrscheinlich auch jeder andere, der ihm zum ersten Mal begegnete, direkt auf Anhieb. Allerdings hatte ihn diese Öffnung zu einer anderen Welt vermutlich viel Kraft gekostet, denn er wirkte erschöpft.
Seine erfahrenen Augen musterten mich von oben bis unten und er lächelte mich freundlich an. „Elsandriel, ich heiße Euch herzlich in Mittelerde willkommen!“ Höflich, wie ich war, streckte ich ihm meine Hand entgegen. Allerdings lächelte Gandalf nur erneut freundlich und nickte mir zu. Von einem Händedruck schien man hier also nicht viel zu halten. Schnell zog ich meine Hand zurück und nickte ihm ebenfalls kurz zu.
Stand ich gerade wirklich vor einem Zauberer? Ich wunderte mich sehr über mein unbekümmertes Verhalten ihm gegenüber. Schließlich gab es so jemanden auf der Erde nicht. Jedoch hatte ich ohnehin bereits immer daran geglaubt. „Lasst uns aufbrechen. Eure Eltern warten bereits sehnsüchtig auf Euch!“ Daraufhin entfernte er sich von uns, stieg auf sein edles weißes Ross, das ein paar Meter weiter auf einer Wiese neben drei anderen Pferden graste, und ritt los.
Legolas und Gimli schien dieser plötzliche Aufbruch Gandalfs nicht sonderlich zu stören. Ich hingegen hätte es höflich gefunden, wenn er uns kurz darüber aufgeklärt hätte, warum er nicht auf uns wartete und nun so übereilt verschwand. Nach kurzem Überlegen deutete ich die Situation jedoch dann so, dass sich Legolas und Gimli über seinen plötzlichen Abgang nicht wunderten, da sie bereits wussten, wo er hin wollte.
Gimlis Gesicht hatte inzwischen wieder eine normale Farbe angenommen. Er stand nun neben dem kleinsten der drei Pferde und stieg mehr oder weniger elegant auf. Ich unterdrückte mir das Auflachen, schließlich hatte ich selbst noch nie auf einem Pferd gesessen und wollte gar nicht wissen, wie es bei mir aussehen würde. Ich schaute mich um. Die Pferde sahen so aus, wie auf der Erde, ebenso ein Teil der Bäume. Auch die Blumen schienen Ähnlichkeit zu haben, soweit ich dies in der Dunkelheit erkennen konnte. Jedoch schien die Vielfalt hier in Mittelerde beträchtlich größer zu sein. Ebenso gab es hier den Mond, der uns zu dieser späten Stunde die Umgebung erleuchtete. Hinter uns waren einige Hügel. Wir selbst standen auf einer kleinen ebenen Wiese. Etwa 30 Meter entfernt begann ein Weg, in dessen Richtung Gimli wahrscheinlich gleich sein Pferd lenken würde. Die beiden anderen Pferde waren vermutlich Wildpferde oder gehörten anderen Reitern. Legolas und ich, so nahm ich gutgläubig an, würden vermutlich gleich von einem motorisierten Gefährt abgeholt werden … Gab es hier Autos? Züge? Hubschrauber? Ich hoffte es doch inständig. Meine Augen hielten nun Ausschau nach dem graziösen Elb. Bei den Hügeln war er nicht, bei Gimli auch nicht. Ich drehte mich um die eigene Achse und stand dann plötzlich direkt vor ihm, so nah, dass ich senkrecht nach oben schauen musste, um ihm ins Gesicht blicken zu können.
Legolas lächelte mich charmant an und deutete neben sich. „Dies ist Eures. Darf ich Euch aufhelfen?“ Ich schaute auf das Ungetüm neben ihm. Eines der beiden übrigen Pferde. Nun begriff ich, was ich eben nicht wahrhaben wollte und versucht hatte, mit lächerlichen Ausflüchten zu verdrängen: Drei Pferde. Eines für Gimli, eines für Legolas und eines für mich. Es war alles geplant. Anscheinend nur nicht, dass ich nicht reiten konnte!
Legolas deutete meinen missmutigen Blick in Richtung des Pferdes richtig und legte seinen Kopf ein wenig schief. „Gehe ich richtig in der Annahme, dass Ihr nicht reiten könnt?“ Ich verneinte und entschuldigte mich verlegen, dass ich ihr Vorhaben durcheinander brachte. Doch Legolas machte nur eine abwertende Handbewegung, klopfte dem Pferd aufs Hinterteil, sodass es wegtrabte, und sah mich aufmunternd an.
„Die Pferde gehören zu meinen Stallungen. Es findet den Weg allein zurück. Ihr reitet bei mir mit.“ Dann deutete er mit einem leichten Kopfnicken in Richtung des dunkelbraunen Pferdes und bedeutete mir, vorzugehen. Sein Auftreten wirkte zuvorkommend und galant, doch gleichzeitig bestimmt. Auch wenn es nur wie eine höfliche Geste aussah, dass er mich vorgehen ließ, und dies auch nicht gezwungenermaßen, so hatte ich doch letztlich das Gefühl, dass wenn ich ihm nun widersprochen hätte, er mir deutlicher zu verstehen gegeben hätte, mich in Richtung des Pferdes zu begeben. Doch diese Vermutung wollte ich nicht unbedingt austesten, also setzte ich mich brav in Bewegung in Richtung des Tieres.
Mit ihm, diesem Schönling, auf einem Pferd?! Na, das konnte ja heiter werden! Wieso überhaupt bei ihm und nicht bei Gimli? Obwohl … wenn ich mir Gimlis Reitstil so ansah, schied diese Möglichkeit wohl eher aus. Der kleine Kerl schwankte beim Reiten doch beachtlich hin und her, was mir dann letztlich etwas zu unsicher schien.
Ich war gerade erst bei dem braunen Tier angelangt, da spürte ich plötzlich zwei Hände an meiner Hüfte, die mich wie ein Federgewicht hochhoben. Verdutzt blickte ich hinter mich nach unten. „Nun ein Bein herüber, junge Dame,“ grinste Legolas zu mir hoch und hielt mich weiter in der Luft. Was dachte er sich dabei? Ich tat, was er sagte, obwohl mir dies auch ohne seinen schlauen Spruch in den Sinn gekommen wäre. Sein plötzlicher Überfall hatte mich verständlicherweise nur etwas irritiert. Er hätte schließlich auch mal fragen können! Ich saß kaum richtig auf dem Pferderücken, da saß Legolas auch schon hinter mir. Wie er so schnell hoch gekommen war, blieb mir ein Rätsel. Er legte einen Arm um mich, an dem ich mich sofort festhielt. „Habt keine Angst, es ist nicht schlimm. Ihr werdet Euch schnell daran gewöhnen,“ bekam ich noch kurz zu hören, dann ging es auch schon los – und zwar im Galopp. Wie rücksichtsvoll … Sie schienen es ja ganz schön eilig zu haben. Schade, dass ich nicht hinter Legolas Platz nehmen konnte, dann hätte ich mich wenigstens richtig festhalten können. Aber da der Robin Hood-Elb einen Köcher mit diversen Pfeilen auf dem Rücken trug, ging dies schlecht. Ich schaute herüber zu Gimli. Trug er auch Waffen bei sich? Entdecken konnte ich dann eine nicht gerade kleine Axt, die er an einem Gürtel befestigt bei sich trug.
So langsam kamen mir leichte Bedenken über meine zugegebenermaßen nicht ganz freiwillige Entscheidung. Hatte dem Elb denn niemand beigebracht, dass der erste Eindruck immer der Wichtigste war? Oder stellte ich für ihn nur eine Art Ware dar? Wie wurden die beiden in dem Brief, der auf meiner Fensterbank gelegen hatte, noch gleich genannt? Gefährten … was ich mit „Weggefährten“ gleichsetzte. Legolas war also anscheinend mein Weggefährte, bis wir meine leiblichen Eltern erreicht hatten. Darin bestand offenbar seine Aufgabe und diese hatte er vermutlich ohne Wenn und Aber zu erfüllen. Zunächst versuchte er es auf die höfliche Art und wenn die nicht fruchtete, wurden eben andere Maßnahmen ergriffen. Ich hatte ihn durchschaut!
Wir ritten schnell, der Wind pfiff mir um die Ohren. Ob ich mich jemals daran gewöhnen würde, blieb fraglich. Wie viel Uhr wir inzwischen wohl hatten? Ich löste meine Hand von seinem Arm und warf einen Blick auf meine Armbanduhr. Sie zeigte Mitternacht. Die Uhr funktionierte in dieser Welt nicht und war stehen geblieben.
„Habt keine Angst, es wird Euch nichts geschehen.“ Legolas sprach erneut in dieser melodischen Sprache zu mir. Doch meiner Meinung nach wiederholte er sich. So etwas Ähnliches hatte er mir bereits eben gesagt. Außerdem konnte man meinen Gefühlszustand nicht als Angst bezeichnen. Es war eher Verwirrtheit und Unbehagen darüber, dass ich nicht wusste, was auf mich zukam. Zusätzlich vielleicht ein wenig Wut, dass es niemand für nötig hielt, mich aufzuklären.
Gimli konnte das hohe Tempo erstaunlicherweise gut mithalten. Er schloss nun zu uns auf, sodass er neben uns herritt und deutete mit einer Kopfbewegung auf das bevorstehende Stück Weg. Gimlis Blick sah ernst und angespannt aus. Legolas’ Reaktion hierauf konnte ich nicht erkennen. Jedoch spürte ich, wie er seinen Griff um mich verstärkte. Ich schaute nach vorne, um zu sehen, was es dort denn Schlimmes gab. Alles, was ich zu Gesicht bekam, waren Bäume, ergo ein Wald. Wälder gab es bei uns auch; doch musste man sich davor fürchten? Ich verstand mal wieder nichts.
Der braune Hengst wurde langsamer, auch Gimli drosselte sein Pferd. „Was ist …“ Weiter kam ich nicht, da mein Mitreiter schnell seine Hand auf meinen Mund presste und mich anhielt, keinen Laut von mir zu geben. Langsam trabten wir auf den Anfang des Waldes zu. Er war groß … überaus groß. Die wirklichen Ausmaße übertrafen wahrscheinlich meine Vorstellungskraft. Das Blätterdach war so dicht, dass das Mondlicht nicht imstande war, es zu durchdringen. Ich sah die eigene Hand vor Augen nicht. Auch Gimli konnte ich nicht mehr erkennen. Es wurde kühler. Zudem war es dunkel, sehr dunkel, um nicht zu sagen düster. Düsterwald wäre wohl ein guter Name für diesen Ort. Keiner sagte einen Ton. Legolas hatte inzwischen seine Hand wieder von meinem Mund genommen. Doch da er mit Gimli noch keine Worte wechselte, schwieg auch ich weiterhin. Wir ritten immer tiefer hinein. So langsam wurde mir unwohl, oder war es bereits schon Angst, die in mir hoch kroch? Das Einzige, was ich an Geräuschen hörte, waren die Hufe der beiden Pferde, die auf dem erdigen Weg zu vernehmen waren. Ansonsten herrschte absolute Stille.
Ich konzentrierte mich, um wenigstens irgendetwas wahrzunehmen. Doch da war nichts. Kein Blätterrascheln, keine Eule, kein Röhren eines Hirsches. Eine kalte Leere umfing mich und die Tatsache, dass ich nichts sehen konnte, machte mich wahnsinnig! Allein die Wärme, die ich im Rücken verspürte, weil Legolas ja hinter mir saß, und sein Arm um meine Taille ließen mich wissen, dass jemand bei mir war, dass jemand mit mir zusammen dieses unbehagliche Gefühl durchstand, der mich sogar vielleicht beschützen würde, falls etwas passierte. Wenn ich doch wenigstens etwas sagen dürfte.
Wir ritten und ritten, es nahm kein Ende. Ich schätzte, dass wir bereits zwei Stunden dem schmalen Weg, der vor dem Wald begonnen hatte, folgten. Die ganze Zeit über wurde kein einziges Wort gewechselt. Inzwischen hatte ich mich einigermaßen an die Dunkelheit gewöhnt, obwohl ich immer noch nichts sehen konnte. Das ungute Gefühl hingegen blieb bestehen.
Ich musste zugeben, dass mir derweil ziemlich langweilig geworden war und ich anfing, mir darüber Gedanken zu machen, warum die beiden keine Lampen dabei hatten. Taschenlampen wären hier wohl das Praktischste. Denn mit offenem Feuer, wie zum Beispiel einer Fackel, durch einen Wald zu reiten, wäre wohl nicht wirklich angebracht gewesen. Oder konnten sie etwa im Dunkeln sehen? Zumindest der Elb. Und wenn er es konnte, warum dann ich nicht? Ich dachte an einen Eintrag aus meinem kleinen grünen Buch. Auch in der Hinsicht war mir bereits ein Zufall passiert. Ich erinnerte mich an folgende Situation:
Eines Abends im Sommer war ich mit dem Fahrrad unterwegs. Es war eine eher abgeschiedene Straße mit nicht viel Verkehr, auf der zudem keine Straßenbeleuchtung existierte. Es war bereits dunkel und ich befand mich auf dem Heimweg. Einen Igel, der gerade die Straße überqueren wollte, hatte ich umschlängelt, sodass ihm und meinem Reifen nichts geschehen war. Auch weitere Hindernisse stellten kein Problem dar, was nicht weiter verwunderlich war, schließlich besaß ich eine Fahrradlampe. Nach einer Weile kam dann ein vereinzeltes Auto vorbeigefahren und wollte mir etwas durch Lichthupe signalisieren. Ich verstand nicht, was es wollte. Wollte es mich darauf aufmerksam machen, dass ich ohne Licht fuhr? Meine Lampe war doch an, sonst hätte ich schließlich nichts sehen können. Ich hielt an, beugte mich vornüber, um einen Blick auf meine Fahrradlampe zu erhaschen. Sie war aus.
Sie war aus und ich hatte trotzdem alles sehen können. Doch war dies eine einmalige Situation gewesen. Ich konnte meine Fähigkeit, die ich bis vor kurzem noch als Zufall abtat, nicht kontrollieren.
Wäre jetzt, hier, in der richtigen Welt, nicht ein günstiger Zeitpunkt, um meine elbische Fähigkeit zu trainieren? Ein weiterer Grund, es nun auszuprobieren, war wohl auch, mich von der mich überkommenden Müdigkeit abzulenken. Ich schaute in die Richtung, wo sich in etwa meine Hand befinden müsste und fixierte sie. Starr blickte ich minutenlang ins Schwarze. Doch nichts geschah. Mein zweiter Versuch bestand darin, den Bereich vor mir nicht einfach nur zu fixieren, sondern mich konkret auf ihn zu konzentrieren. Sodann versuchte ich, alles um mich herum zu vergessen, um meine komplette Konzentration zu bündeln. Ich wusste nicht, ob es nun Einbildung gewesen war oder vielleicht ein kleiner Mondschimmer durch das Blätterdach, doch erhellte sich vor meinen Augen für einen kurzen Moment die Sicht. Dann wurde jedoch alles wieder dunkel.
Die Konzentration, die ich aufgewendet hatte, hatte mich jedoch schwer angestrengt und ich kniff für einen kurzen Moment meine Augen zusammen. Als ich sie öffnete, konnte ich im wahrsten Sinne des Wortes meinen Augen nicht trauen: Ich erkannte plötzlich deutlich die Mähne des Pferdes! Mein Blick wanderte zu meinen Händen, die sich noch immer an Legolas’ Arm festhielten. Auch das konnte ich genau erkennen. Begeistert über meine erste erlernte elbische Fähigkeit erhob ich strahlend meinen Kopf, um mir den Wald etwas näher anzuschauen. Doch was ich dort sah, ließ mich zu Tode erschrecken!
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Greenhill 

Status: Offline Registriert seit: 10.11.2007 Beiträge: 29 Nachricht senden | Erstellt am 16.12.2007 - 19:33 |  |
Kapitel III
Augen, ich sah überall Augen! Gelbe Augen! Sie schauten uns an, beobachteten uns. Ich schrie los und konnte, wollte mich nicht mehr auf dem Pferd halten, in diesem gemächlichen Trab. Wir mussten hier weg! Da war ich ja zu Fuß noch schneller! Ich entdeckte Gimli, der seinem Pferd anscheinend blind vertraute, denn er wirkte nicht so, als ob er viel sehen konnte. Er schaute mich entsetzt an und bedeutete mir, ruhig zu bleiben. Doch ich schlug um mich. Die Kreaturen wollten nicht verschwinden. Legolas hatte alle Mühe, mich ruhig zu stellen. Das Pferd unter uns wurde durch mein Gezeter unruhig und ließ sich von Legolas nicht mehr so leicht führen. Durch meinen Widerstand verpasste ich dem Elb versehentlich mehrere Kinnhaken. „Elsandriel, beruhigt Euch!“ Er versuchte mir wieder den Mund zu verbieten, doch dieses Mal ließ ich es nicht zu. Ich wehrte mit aller Kraft seine Hand ab, mit der er meinen Mund verschließen wollte. „Shht. Ihr bringt uns in Gefahr!“ Legolas versuchte vergeblich, meine Arme einzufangen oder mich anders festzuhalten. Doch hielt er mich nicht allzu stark dabei fest, da er mich nicht verletzen wollte. Dadurch konnte ich ihm immer wieder entwischen. Ich wollte nur noch runter von diesem Pferd und wegrennen. Der braune Hengst schnaubte inzwischen hörbar auf. Sein Trab war nicht mehr gleichmäßig. Ich strampelte und fuchtelte wie wild. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sich mir die gelben Augen näherten. Ich schrie wie am Spieß. War ich hier in einem Alptraum gelandet?!
Nun meldete sich Gimli zu Wort, der angsterfüllt um sich blickte: „Herrgott Legolas, nun tu doch endlich was! Du hast gegen Hunderte von Orks gekämpft, doch dieses Mädchen bekommst du nicht gebändigt?!“
Nach diesen klaren Worten von Gimli war Schluss mit den rücksichtsvollen Versuchen des Elben, mich zu beruhigen. Was mischte der Zwerg sich da überhaupt ein? Noch ein paar Sekunden länger und ich hätte das Pferd zum Steigen gebracht, sodass Legolas und ich dann beide auf dem Boden gelandet wären und ich die Flucht hätte ergreifen können. Doch leider nahm sich Legolas Gimlis Worte sehr zu Herzen und sein Arm schnellte unter meinem hervor und packte mich nicht gerade zimperlich am Hals. Sein Unterarm presste mich indes fest gegen ihn, sodass mein kompletter Oberkörper bewegungsunfähig war. Durch seinen Griff am Hals musste ich meinen Kopf nach oben strecken, sodass mein Hinterkopf nun an seiner Schulter lag. Er drückte seine Hand, die an meinem Hals lag, sogar etwas zu, sodass ich nicht mehr schreien konnte. Ich merkte jedoch, dass er weiterhin darauf achtete, mir nicht wehzutun. Es war zwar ein unangenehmes Gefühl, doch Schmerzen verspürte ich nicht. Mit meinen beiden freien Händen versuchte ich seinen harten Griff zu lösen, doch er ließ nicht locker. Mit seiner freien Hand schnappte er sich meine Hände und hielt sie fest. Ich konnte nichts mehr tun, er hatte mich im Griff.
„Na also, geht doch. Gut gemacht, Legolas! Sogar schneller, als ich erwartet hatte“, feixte Gimli. Er schien erleichtert zu sein, konnte ich doch aus den Augenwinkeln erkennen, wie er sich eine Schweißperle von der Stirn wischte.
Dann spürte ich, wie Legolas’ Gesicht sich meinem näherte. Kurz darauf vernahm ich seinen heißen Atem an meinem Ohr. Mein Ohr war empfindlich; er sollte gefälligst aufpassen, was er tat! Gefährlich leise zischte er mir zu: „Was macht Ihr für Sachen? Wollt Ihr uns alle umbringen?! Noch einmal so ein Gezeter und Ihr könnt Eure Eltern verschnürt und geknebelt begrüßen! – Und jetzt möchte ich keinen einzigen Ton mehr von Euch hören, bis ich Euch die Erlaubnis dazu erteile. Haben wir uns verstanden?“ Das saß. Und er meinte es ernst. Daran gab es keinen Zweifel. Ich hätte zwar gerne noch etwas erwidert, doch zum einen sah ich, dass sich die vielen Augen wieder langsam entfernten, allerdings nur bis zu einem gewissen Abstand. Dort verharrten sie und verfolgten uns weiter. Zum anderen konnte ich nichts sagen, da seine Hand immer noch nicht gerade zärtlich meine Kehle umfasste. Langsam beruhigte ich mich wieder und nickte als Zeichen dafür, dass ich ihn verstanden hatte. Auch der Hengst spürte, dass sich die Situation nun wieder normalisierte und nahm einen gleichmäßigen Trab auf. Aber darauf warten, bis der Herr Elb mir die Erlaubnis zum reden erteilte?! Befehlen zu gehorchen war wohl eher bei einem König oder einem Prinzen angebracht. Doch nicht bei diesem Schnösel!
Seine Hand löste sich langsam von meinem Hals. Auch meine beiden Hände ließ er los. Ich spürte, wie er hinter mir tief durchatmete. Aber was hätte ich denn tun sollen? Ich hatte mich zu Tode erschreckt! Zum ersten Mal sah ich bewusst etwas in der Dunkelheit und dann gleich dieser hässliche Anblick der vielen gelben Augen. Wie konnten die beiden dabei nur so ruhig bleiben? Allerdings war mir aufgefallen, dass sie bereits den ganzen Ritt über sehr angespannt wirkten. Angewidert und angsterfüllt schüttelte ich mich. Diese Bewegung hätte ich allerdings lieber lassen sollen, da Legolas es direkt als erneuten Widerstand von mir wertete. Direkt schnellten seine Hände vor und hielten meine Handgelenke fest. Doch mit einer beruhigenden Geste konnte ich ihn von dem kleinen Missverständnis überzeugen.
Wir nahmen das regelmäßige Tempo von eben wieder auf und trotteten weiter den Weg entlang. Nach ein paar Metern hörte ich Gimli leise in Legolas’ Richtung flüstern: „Meinst du, es ist noch mal gut gegangen?“ Doch eine Antwort darauf gab es nicht, denn in dem Moment schoss ein Pfeil haarscharf an Gimlis Kopf vorbei. Die nächsten folgten umgehend und waren in meine Richtung gelenkt. „Orks!“, rief Gimli nur. Dann sah ich, wie die Geschöpfe aus dem Dickicht hervortraten. Es waren ekelige Monster, die mit Keulen auf uns zukamen! Legolas hatte inzwischen seinen Bogen vom Rücken geschnallt und schoss mehrere der Kreaturen nieder. Da wir mit unseren Pferden mitten auf dem Weg standen und umgeben von Bäumen waren, konnten uns diese Bestien von allen Seiten angreifen.
Legolas legte kurz eine Hand auf meine Schulter und bedeutete mir, mich flach auf das Pferd zu legen und meine Hände um den Hals des Tieres schlingen, um Halt zu finden. Er wollte somit die Angriffsfläche auf mich verringern, da ich vollkommen unbewaffnet war. Meine Wange lag nun auf der Mähne und ich konnte sehen, dass Gimli vom Pferd gestiegen war und den Biestern mit seiner Axt zu Leibe rückte. Ich war verblüfft, wie locker er mit der schweren Axt herumhantierte. In kürzester Zeit hatte er drei Angreifer niedergeschlagen. Legolas hatte derweil das Pferd so herumgelenkt, dass es frontal zu den Angreifern stand, sodass ich vor Pfeilen, die von vorne kamen, geschützt war. Ich hörte, wie die Pfeile von allen Seiten neben mir hersurrten. Mal von den Orks, mal von Legolas geschossen. Es waren so viele Angreifer; wie wollten die beiden Krieger bloß alle bewältigen? Ich kam mir nutzlos vor. Den einzigen Hoffnungsschimmer sah ich darin, dass diese Orks anscheinend etwas dämlich zu sein schienen. Denn anstatt, dass sie uns umzingelten, griffen sie nur aus einer Richtung an. Zudem waren sie so besessen darauf, zuerst die bewaffneten Gegner zu Fall zu bringen, dass sie mich außer Acht ließen.
Legolas war inzwischen vom Pferd gesprungen und kämpfte nun ebenfalls am Boden. Er schaute kurz zu mir herüber. Ich gab ihm zu verstehen, dass bei mir alles in Ordnung war. Seine Pfeile gingen zur Neige und ich sah, wie er den Köcher von seinem Rücken losschnallte und wegwarf. Zum Vorschein kamen zwei darunter versteckte lange Dolche, die über Kreuz dort befestigt waren. Mit den letzten beiden Pfeilen löschte er noch zwei Orkleben aus. Dann warf Legolas auch seinen Bogen weg und holte mit beiden Händen die zwei Dolche hervor. Ich schaute in sein Gesicht. Sein Blick und seine Gesichtszüge waren kalt. Seine Augen verengt. Seine Wangenknochen traten hervor. Mit ihm war momentan nicht zu spaßen, das sollten auch seine Angreifer spüren. Ich schaute auf die vielen Leichen. Es mussten um die dreißig sein. Etwa acht Orks waren noch übrig. Doch anstatt, dass sie aufgaben und sich zurückzogen, gingen sie siegessicher auf den Elb und den Zwerg los. Drei auf den Zwerg und fünf auf den Elb. Die Axt und die Dolche wurden geschwungen und es dauerte nicht lang und auch diese acht leisteten ihren Artgenossen auf dem Boden Gesellschaft.
Gimli klopfte Legolas auf den Rücken, „Gut gemacht, alter Freund!“ woraufhin dieser leicht erschöpft, aber strahlend erwiderte: „Es ist schon eine Weile her, dass wir so in Bedrängnis geraten sind. Aber wir haben uns gut geschlagen.“
Ich war inzwischen von dem Pferd abgestiegen und kämpfte mich vorsichtig über die ganzen Leichenberge hinweg zu meinen beiden Begleitern durch. Ich war schockiert. So etwas sah ich schließlich zum ersten Mal. Allerdings kamen nun auch Schuldgefühle in mir hoch. Wäre die Situation schließlich ohne meinen Aufstand nicht dermaßen eskaliert. Doch wunderte es mich, dass die Orks nicht schon viel früher angegriffen hatten; wir waren schließlich bereits seit etwa zwei Stunden unterwegs.
Legolas kam auf mich zu und schaute mich prüfend an. „Geht es Euch gut?“ - „Ja, alles in Ordnung. Ich glaube, ich muss mich bei Euch entschuldigen. Ich habe das Gefühl, dass ich Schuld an dem Angriff gewesen bin …“ Mit gesenktem Kopf stand ich vor den beiden. Mir war die Situation äußerst peinlich. Gimli kam angestapft, holte eine Pfeife aus einer seiner Taschen und stützte sich auf seine Axt. „Ist ja noch mal gut gegangen. Und außerdem war es nicht direkt Eure Schuld.“ Dann qualmte er genüsslich und würdigte Legolas eines scharfen Blickes: „Nicht wahr, Herr Elb?“ Ich schaute zwischen den beiden, mal wieder etwas irritiert, hin und her. Legolas sah seinen Kämpfgefährten mit einem undeutbaren Blick an. Dann zog er seine Dolche aus den leblosen Körpern und ging haarscharf an mir vorbei, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen. Sodann nuschelte er etwas von: „Ich reinige meine Dolche vom Blut“, und verschwand hinter den Pferden. Anscheinend wollte er sie dort auf dem am Boden wachsenden Moos abstreichen. Ich schaute ihm hinterher, bis er nicht mehr zu sehen war. Dann wanderte mein Blick fragend zurück zu Gimli. Doch dieser zuckte nur mit den Schultern und machte sich schnell aus dem Staub. So stand ich nun da, mutterseelenallein im Wald zwischen den blutverschmierten Orkleichen. Ich kannte niemanden hier, musste mich auf diese zwei Kerle verlassen, die ich nur aus einem Brief kannte und die sich mir gegenüber so merkwürdig verhielten. Mir war zum Heulen zumute. Doch würde das jetzt auch nichts bringen.
Wenn ich nur wenigstens aus diesem schrecklichen Wald heraus wäre. Jedoch musste ich mir eingestehen, dass ich ohne die beiden vermutlich nicht lange überleben würde, sodass ich beschloss, mich einfach auf einen am Wegesrand liegenden Stein zu setzen und abzuwarten, was sie nun vorhatten.
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Greenhill 

Status: Offline Registriert seit: 10.11.2007 Beiträge: 29 Nachricht senden | Erstellt am 16.12.2007 - 19:34 |  |
Kapitel IV
Es musste inzwischen eine weitere viertel Stunde vergangen sein. Ich saß immer noch auf dem Stein und schaute betreten auf den Boden. Schlanke, aber erkennbar durchtrainierte Beine erschienen in meinem Blickfeld und machten kurz vor mir Halt. Eine Hand bot mir an, mir aufzuhelfen. Ich schaute nach oben und sah in Legolas’ Gesicht. Man konnte an seiner Miene nicht erkennen, wie seine momentane Laune aussah. Nur seine Mundwinkel waren etwas nach oben gezogen. Es wirkte auf mich wie ein aufmunterndes, kleines Lächeln. Doch seine Augen sprachen eine andere Sprache. Ich ließ mich von ihm hochziehen.
„Ist es in Ordnung für Euch, wenn wir nun weiterreiten? Ich würde vorschlagen, dass wir dann, sobald die Orkleichen aus unserem Blickfeld verschwunden sind, eine Rast einlegen. Ihr seid gewiss müde. Schließlich ist es mitten in der Nacht. Auch die Pferde bräuchten sicherlich eine Pause.“ Erstaunt schaute ich ihn an. So viel hatte er noch nie an einem Stück mit mir geredet! Ich wartete einen Moment, um zu sehen, ob seine Frage rhetorisch gemeint war oder ob er wirklich eine Antwort von mir erwartete. Tatsächlich schaute er mich seelenruhig an und wartete geduldig auf meine Meinung. Da ich wirklich kurz vor dem Einschlafen war und gegen seinen Vorschlag nichts einzuwenden hatte, bejahte ich. Hatte Legolas ein schlechtes Gewissen wegen seinem ungehobelten Verhalten? Oder hatte er mich vielleicht falsch eingeschätzt und versuchte nun, seine Meinung über mich zu ändern? Die Antwort blieb abzuwarten, doch hoffte ich, dass es eine der beiden Möglichkeiten war.
Gimli kam gerade mit seiner ebenfalls gesäuberten Axt herbei, sodass wir uns dann nach etwa 200 Metern die wohl verdiente Rast gönnten. Legolas blieb auf, um die Nachtwache zu halten, obwohl Gimli meinte, dass dies eigentlich nicht nötig sei. Ich war froh, dass ich meine Jacke immer noch anhatte, sonst hätte ich vermutlich stark gefroren. Sodann lehnte ich mich einfach an den nächstbesten Baum und machte es mir einigermaßen gemütlich. Ich musste zugeben, dass ich mir die erste Nacht in meiner neuen Heimat doch etwas anders vorgestellt hatte. Jedoch war ich so müde, dass ich bestimmt auch in dieser unbequemen Lage Schlaf finden würde. Gimli tat es mir gleich.
Ich wollte gerade meine Augen schließen, als ich sah, dass Legolas auf mich zukam. Mit großen Augen schaute ich ihn an. Er kniete sich neben mich und sagte: „Orks greifen nie nach kurzer Zeit zweimal an der gleichen Stelle an. Und schon gar nicht, wenn dort noch Leichen liegen. Deshalb meinte Gimli eben, dass eine Nachtwache nicht nötig sei. Doch brauche ich ohnehin nicht viel Schlaf, sodass es mir nichts ausmacht, wach zu bleiben. Ihr könnt also beruhigt schlafen.“ Dann schenkte er mir noch ein abschließendes Lächeln, stand auf und verschwand.
Ich musste zugeben, diese Erklärung hatte mich doch tatsächlich enorm beruhigt und ich war ihm dankbar dafür, dass er sich die Zeit genommen hatte, mir diese klärenden Worte zu schenken. Ich schlief daraufhin direkt tief und fest ein.
~---~
Am nächsten Morgen vernahm ich das Wiehern der Pferde und wachte auf. Auch sie waren anscheinend gerade erwacht. Was mir als Erstes auffiel, war die Helligkeit. Verwundert sah ich hoch und konnte doch tatsächlich den Himmel erkennen. Legolas hatte uns also auf eine Lichtung geführt, was mir gestern Nacht durch meine Müdigkeit gar nicht aufgefallen war. Ich streckte mich, atmete tief ein und genoss für einen Moment die Wärme der Sonnenstrahlen, die sich auf mein Gesicht legten. Dann hielt ich Ausschau nach den anderen. Entdecken konnte ich nur Gimli, der mir munter zuwinkte und auch bereits auf dem Weg zu mir war. „Guten Morgen Elsandriel! Ich hoffe, Ihr konntet einigermaßen gut schlafen.“ Ich bejahte und ließ mich von seiner guten Laune anstecken. Doch entstand bereits nach dieser kurzen Begrüßung zwischen uns eine Gesprächspause. Denn sagte Gimli zunächst nichts Weiteres, sondern sah mir lediglich einen langen Moment in die Augen. Fragend blickte ich ihn an. Hatte ich etwas im Gesicht? Doch dann schaute er um sich, als ob er jemanden suchen würde. Danach drehte er sich erneut zu mir und gab mir zu verstehen, dass ich mich zu ihm herunter beugen sollte. Ich folgte seiner Bitte und er begann, die Unterhaltung fortzusetzen:
„Elsandriel, es ist wegen gestern … Ihr wisst schon … die Sache mit den Orks. Legolas und ich sind nicht immer einer Meinung. Doch ich finde, Ihr solltet über die Situation aufgeklärt werden. Ihr musstet in den letzten Stunden bereits so viel durchmachen, da finde ich seine Heimlichtuerei etwas unpassend.“
Jetzt war ich neugierig geworden. Gimli wollte mir nun tatsächlich etwas anvertrauen, dessen Wissen mir der undurchsichtige Elb unterbinden wollte. Er sprach weiter: „Nun, fangen wir ganz vorne an. Legolas hatte sich ja bereits in unser beider Namen dafür entschuldigt, dass wir Euch so übereilt aus Eurer Welt geholt haben. Doch war dies notwendig, da Gandalf nicht in der Lage ist, eine Pforte in eine andere Welt lange offen zu halten. Es kostet ihn Unmengen an Kraft. Nur weil er so ein mächtiger Zauberer ist, kann er diesen Kräften, die ihm in der Zeit der Öffnung entgegenwirken, standhalten.“
Ja, das hatte ich mir, als ich Gandalf sah, bereits gedacht. Sein erschöpfter Zustand war nicht zu übersehen gewesen. Allerdings hatte er vehement versucht, seinen angeschlagenen Zustand vor mir zu verbergen. „Gandalf braucht nun ein wenig Ruhe, um neue Energie zu schöpfen. Wenn er wieder bei Kräften ist, wird er sich auf den Weg machen und Euren Eltern von der geglückten Mission berichten.“
Der Zwerg schaute sich erneut um. Dann sprach er weiter: „Gandalf hat mit Hilfe seines Hokuspokus“, Gimli fuchtelte dabei wild mit seinen Händen hin und her, „einen unsichtbaren Schutzwall um uns errichtet. Die Orks konnten zwar sehen, dass sich etwas auf dem Weg bewegte, doch konnten sie nicht erkennen, ob es sich um Eindringlinge oder um ihresgleichen handelte. Dies war auch der Grund, weshalb wir den ganzen Ritt über schwiegen.“ Ich biss mir auf die Unterlippe und nuschelte vor mich hin: „Deshalb griffen sie erst nach meinem hysterischen Schreianfall an …“ - „Ja, Elsandriel. Dies war nicht gerade vorteilhaft für unsere Situation gewesen. Denn dadurch wussten sie, dass es sich um Eindringlinge handelte und der Zauber war dahin. Allerdings muss ich dazu sagen, dass, wenn wir Euch sogleich vor dem Losritt darüber aufgeklärt und Euch in diesen Zauber eingeweiht hätten, Ihr sicherlich nicht so ein Theater gemacht hättet. Ich möchte meinem besten Freund nicht in den Rücken fallen, doch habe ich soviel Ehrgefühl, jemandem reinen Wein einzuschenken, wenn ich es für nötig halte.“
Jetzt war mir wenigstens einiges klarer. Ich bedankte mich bei Gimli für seine Offenheit. Nun war momentan eigentlich nur noch eine Frage offen: Warum vertraute Legolas mir nicht? Gimli klopfte mir freundschaftlich auf den Arm. Bis zur Schulter reichte seine Größe nicht. Dann entfernte er sich von mir. Einen Moment lang blieb ich noch nachdenklich stehen.
Kurze Zeit später kam Legolas zurück. Er hatte ein paar Beeren und andere essbare Dinge aus dem Wald mitgebracht. Wir frühstückten also und machten uns danach weiter auf den Weg. Nach einer Weile begann der launische Elb sodann eine Unterhaltung mit mir.
„Ihr könnt nun also in der Nacht sehen.“ Ich bejahte. „Versteht mich nicht falsch, Elsandriel. Doch ich hätte mir gewünscht, dass Ihr diese Fähigkeit erst etwas später erlernt hättet.“ Seine Stimmlage klang etwas niedergeschlagen, so, wie wenn man etwas geplant hat, der Verlauf dann allerdings eine andere Wendung nimmt, und zwar nicht zum Guten hin. „Dann wäre Euch der Anblick dieser Kreaturen zunächst erspart geblieben.“ Er machte eine kurze Pause. „Als ich auf der Erde war, habe ich dort einige Wälder besucht. Doch ist mir nichts Schreckliches begegnet.“ Ich lachte leise. „Da habt Ihr wohl Recht. Ich hätte gerne noch ein paar Tage auf die Kunst des Nachtsehens verzichtet, wenn ich diese Augen dafür nicht hätte sehen müssen! Bei uns auf der Erde gibt es keine Orks. Es gibt allgemein keine menschenähnlichen Wesen, die Menschen angreifen würden. Auch Elben und Zwerge gibt es dort nicht. Wir unterscheiden anders als Ihr …“ Und so begann ich, Legolas das weltliche Leben etwas näher zu bringen. Er hörte aufmerksam zu und stellte auch Fragen zu Dingen, die er bei seinem kurzen Ausflug in meine damalige Heimat nicht verstanden hatte. Gimli, der ab und zu ein paar Worte davon aufschnappte, unterhielt uns daraufhin mit den Dingen, die er auf der Erde erlebt hatte. Es wurde viel gelacht und die ganze Atmosphäre war sehr entspannt. Die Zeit verging wie im Fluge, sodass wir nach schätzungsweise drei weiteren Stunden endlich ans Ende des Waldes gelangten. Es gab auch keine weiteren Orkangriffe, da Legolas mir erklärte, dass Orks es bevorzugten, nachts anzugreifen.
Wir gelangten auf eine Art Weide, die wir querfeldein in rasantem Galopp überquerten. Schließlich warteten meine Eltern bereits auf mich. Ich hatte durch die Hektik noch gar keine Zeit gehabt, mir über das erste Aufeinandertreffen mit ihnen Gedanken zu machen. Wie würde es wohl sein? Hatte ich Ähnlichkeit mit ihnen? Würden alle meine Fragen beantwortet werden? So langsam wurde ich etwas nervös, da mir Legolas gerade mitgeteilt hatte, dass wir bald am Ziel waren.
Ich dachte kurz über mein Verhältnis zu Legolas und Gimli nach. Legolas war auch ein Elb, so wie ich. War er vielleicht mein Bruder? Verheimlichte er mir deshalb etwas? Doch tat ich diesen Gedanken direkt wieder ab. Irgendwie klang es zu absurd. Wieso sollte er mir verheimlichen, dass ich seine Schwester war? Zum anderen hatte er blonde Haare und ich schwarze. Auch von den Gesichtszügen sahen wir uns nicht ähnlich. Er mit seinem schmalen Gesicht und den strahlend blauen Augen. Ich, mit meinen hellbraunen Augen und meinem blassen Teint. Doch die Tatsache, dass er mir nicht gerade unauffällig Dinge verheimlichte, verletzte mich schon ein wenig. Nicht nur meine Seele, sondern auch meinen Stolz, weshalb ich etwas wütend auf ihn war. Zudem empfand ich sein Verhalten mir gegenüber als unhöflich.
Mal abgesehen von Legolas’ unberechtigt unfreundlichem Verhalten waren jedoch beide nett zu mir, das musste ich zugeben, doch hatte Gimli weitaus nicht so starke Stimmungsschwankungen, wie der Herr Elb! Manchmal, in eher selten gesäten Momenten, war Legolas jedoch sehr zuvorkommend und freundlich. Doch direkt im darauffolgenden Augenblick wurde er abweisend und distanzierte sich auffallend von mir. Er war zudem auch nicht besonders zimperlich, wenn er gerade eine seiner schlecht gelaunten Phasen hatte. Ich dachte daran, wie er mich einfach gepackt und mit sich gezogen hatte. Widerworte, die ich ihm gab, überhörte er geflissentlich. Doch wie sollte ich mich ihm gegenüber nun und in Zukunft verhalten? Sollte ich einfach alles so hinnehmen? Sollte ich mich von ihm distanzieren, um seine rasant wechselnde Gemütslage zu umgehen? Oder sollte ich mir sein Verhalten nicht gefallen lassen und ihm gar Paroli bieten?
„Elsandriel,“
Gimli war da ganz anders. Er hatte immer die gleiche Laune. Etwas rabiat, etwas laut, von Zeit zu Zeit etwas grummelig, jedoch immer ehrlich, geradeheraus. Das gefiel mir.
„Elsandriel?“
Wobei Gimli mir ja auch erst im Nachhinein reinen Wein eingeschenkt hatte … Doch wieso verzieh ich ihm schneller, als dem Elb? Wieso machte ich mir überhaupt so viele Gedanken über ihn??
Eine Hand legte sich auf meine Schulter und übte sanften Druck aus. Ich erwachte aus meinen Gedanken.
„Elsandriel, seid Ihr nun wieder bei uns?“ Legolas’ Worte wirkten amüsiert. „Ich habe Euch mehrfach angesprochen, jedoch keine Antwort erhalten.“ Er entfernte seine Hand langsam von meiner Schulter und legte sie indes zurück um meine Taille. „Eure Gedanken waren bestimmt bei Euren Eltern, nicht wahr?“ Rhetorische Frage, ich antwortete nicht. „Ich wollte Euch nur mitteilen, dass wir unser Ziel erreicht haben.“ Er zeigte nach vorne auf eine Art Dorf. Anders konnte ich es nicht bezeichnen. Es gab keine Häuser, die einbetoniert auf dem Boden standen. Nein. Mein Blick richtete sich nach oben. Es waren kokonartige Gebilde, die an vereinzelt stehenden, sehr großen, stämmigen Bäumen hingen. Jeweils um die Bäume herum schlängelte sich eine Art Treppe, wobei die einzelnen Stufen Holzbretter zu sein schienen, die in der Luft schwebten. Erst bei näherem Hinsehen konnte man erkennen, dass die einzelnen Bretter alle an dem Baum befestigt worden waren. Der Stamm war dementsprechend komplett vorhanden und besaß in etwa die dreifache Breite eines weltlichen Baumes. Nach etwa vier Metern, in der Höhe wo die Treppe endete, verschwand der Baum sodann vollständig in dem kokonartigen Gebilde. Fragend schaute ich zu Gimli herüber. „Elbenhäuser,“ sagte er kopfschüttelnd, so als wenn er nicht verstehen würde, wie man so etwas nur bauen konnte. Ich suchte das Ortsschild, fand jedoch keines. Gerade wollte ich zur Frage ansetzen, da sagte Legolas zu mir: „Willkommen in Düsterwald, Elsandriel!“
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Greenhill 

Status: Offline Registriert seit: 10.11.2007 Beiträge: 29 Nachricht senden | Erstellt am 27.12.2007 - 21:39 |  |
Kapitel V
Wir trabten zwischen den vielen Elbenhäusern hindurch. Immer, wenn uns Leute, also Elben, begegneten, verbeugten sie sich vor uns. Ich grüßte freundlich mit einem Kopfnicken zurück. Nachdem wir eine Art Marktplatz, auf welchem sich in der Mitte ein Brunnen befand, passiert hatten, verringerte sich die Anzahl der elbischen Behausungen, bis sodann nach etwa 300 Metern keine mehr zu sehen war. Wir ritten nun einen schmalen Weg entlang, der nach schätzungsweise zwei Kilometern vor einem Tor endete. Eine große Mauer umgab das dahinter liegende Gebiet. Vor dem Tor waren zwei elbische Wachen postiert. Sie trugen dunkelrote, lange Gehröcke, die vorne drei goldene Knöpfe besaßen. Die Wachmänner hatten dunkelblonde, lange Haare und wirkten auf mich mit ihrer Uniform wie Hotelpagen. In der Hand hielten sie jeweils einen langen Speer. Gab es in Mittelerde Hotels? Bewachte Hotels?
Als die beiden Wächter Legolas erblickten, verbeugten sie sich tief und öffneten direkt das Tor. Er schien hier bekannt zu sein und Einfluss zu haben, stellte ich fest. Als das Tor geöffnet wurde, glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Mein Blick nahm den schönen Garten mit den palmenartigen Gewächsen gar nicht wahr. Er schweifte direkt zu dem riesigen Palast, der ebenfalls in luftiger Höhe befestigt und gleich mit zehn dieser großen Bäume verbunden war. Zu dem Palast bekam man über verschiedene Treppen Zugang. Die Stufen waren allerdings nicht aus einfachem Holz, wie die vorigen, die ich gesehen hatte, sondern aus edlem Marmor. Zig verschiedene Rankengewächse, efeuähnlich, schlängelten sich an dem goldverzierten Gebäude entlang. Es sah von dieser Entfernung so aus, als ob der komplette Palast in der Luft schweben würde! Auch der ganze Vorplatz war mit weißem Marmor bedeckt. Edel gekleidete Elben liefen leichtfüßig über den Platz. Andere kamen eine der vielen Treppen herab oder stiegen sie hinauf. Es wirkte, als würden sie schweben. Ich bekam meinen Mund kaum wieder zu, so überwältigt war ich von dem Anblick, der mir geboten wurde.
Ein Elb mit der gleichen roten Dienstuniform, wie die beiden Wächter vor dem Tor, kam zu uns herüber, verbeugte sich tief und bot an, uns die Pferde abzunehmen. Legolas stieg ab und half mir herunter. Gimlis Herunterkommen konnte man wohl eher mit einem Absprung, als einem Abstieg bezeichnen. Ich flüsterte Legolas zu: „Ich nehme an, dass es sich bei diesem Bauwerk um eine Art Palast handelt. Gibt es in Mittelerde Könige und Prinzen?“ Ich beachtete ihn gar nicht und redete einfach weiter. „Bei uns daheim ist es so, dass sich fast alle Mädchen wünschen, einen Prinzen zu heiraten!“ Da ich meine Aussage amüsant fand, kicherte ich leicht vor mich hin und wartete auf Legolas’ Reaktion. Er hatte ein sehr breites Grinsen im Gesicht, sah mich spitzbübisch an und sagte: „Das ist hier nicht anders, meine Liebe …“
Etwas verwirrt über seinen verschmitzten Gesichtsausdruck wandte ich meinen Blick ab und sah, wie erneut der Bedienstete auf uns zukam. Er hatte nun gerade die Pferde weggebracht und wollte uns anscheinend noch weiter zur Verfügung stehen. Erneut verbeugte er sich und sprach zu Legolas: „Prinz Legolas, ich heiße Euch herzlich in Eurem Reich zurück. Der König von Gondor und seine Gemahlin wissen über Eure Ankunft bereits Bescheid und werden sogleich hier eintreffen.“
ER, ein Prinz?! ER wohnte in diesem prächtigen Palast?! ER hatte Untertanen?!
Und ich machte auch noch Scherze darüber … wie peinlich! Unauffällig entfernte ich mich etwas von Legolas.
Der Prinz bedankte sich mit einem freundlichen Nicken bei dem Bediensteten und drehte sich dann belustigt zu mir. „Interesse?“ Ich lief knallrot an, lächelte beschämt und hoffte inständig, dass der Marmorboden einen Riss bekam und ich sodann in der Spalte verschwinden konnte. Doch nichts geschah.
Gimli, der inzwischen seine Pfeife wieder ausgepackt hatte, war bereits voran gegangen. Wenigstens hatte er nichts von der Blamage mitbekommen. Legolas nickte mit dem Kopf in Richtung seines Palastes und forderte mich schmunzelnd auf, mitzukommen. Mit genügend Sicherheitsabstand trottete ich hinterher. Als wir mitten vor dem Anwesen standen und ich hochschaute, konnte ich mit meinen scharfen Augen erkennen, dass sich zwei Personen, eine Frau und ein Mann, den Weg in unsere Richtung bahnten …
Nervös ließ ich die beiden Gestalten, die elegant die Treppe herunterschritten, nicht mehr aus den Augen. Auch Legolas und Gimli hatten die beiden ins Visier genommen. Das mussten sie sein, meine Eltern. Je näher sie kamen, desto mehr Details konnte ich erkennen. Sie hielten sich an den Händen. Die Frau trug ein edles, weißes Kleid. Um die Taille hing eine braun-rote dicke Kordel, eine Art Gürtel. Das Kleid war mit feinen Goldfäden durchzogen, die durch die strahlende Sonne, die auf die Frau schien, anfingen zu glitzern. Um ihren Hals trug sie einen langen, in einem blassen rot schimmernden, Seidenschal, dessen Enden nach hinten gebunden waren und nun beim Hinabsteigen im Wind wehten. Die Frau hatte einen blassen Teint und lange schwarze Haare. Sie erinnerte mich ein wenig an Schneewittchen – und an mich. Zu ihrer Rechten stolzierte, hoch erhobenen Hauptes, ein Mann. Er besaß markante Gesichtszüge, war rasiert und seine braunen, wellenden Haare sprangen schwungvoll auf und ab, bei jeder Stufe, die er nahm. Der Mann trug eine dunkelbraune Hose und darüber eine rote Tunika. Drei goldene Zierketten hingen in Höhe der Brusttasche untereinander und schmückten das Gewand. Es war ein faszinierendes Paar. Doch was mir am meisten imponierte, war der Kopfschmuck. Beide trugen eine Krone.
Automatisch wich mein Blick für einen kleinen Moment zur Seite und musterte Legolas kurz. Von der Kleidung her hatte er nichts Königliches an sich. Sein eng anliegendes Beinkleid und seine dunkelgrüne Tunika, über welche er einen breiten ledernen Gürtel trug, wirkten nicht sonderlich hoheitlich. Ebenso wenig seine Armschienen, die fast den kompletten Unterarm bedeckten. Und das Wichtigste für eine königliche Hoheit: Wo war seine Krone?
Doch waren dies nur Äußerlichkeiten. Allein seine ehrwürdige Ausstrahlung, sein beharrlicher Blick und seine hoheitsvolle Haltung zeigte bereits mehr Erhabenheit, die manch ein König nie besitzen würde.
Anscheinend hatte Legolas bemerkt, dass ich ihn beobachtet hatte, denn als ich wegsah, spürte ich, wie er mich sodann musterte. Konnte es sein, dass er mich gerade mit der Frau Königin verglich?
Der König kam auf mich zu. Eine Träne lief über sein Gesicht. Ich schaute ihn mit großen Augen an. Er blickte hinüber zu seiner Gemahlin. „Schau sie dir an, Arwen. Sie ist dir wie aus dem Gesicht geschnitten!“ Sein Blick konzentrierte sich wieder auf mich. Ich sah, dass er Schwierigkeiten hatte, die richtigen Worte zu finden. „Elsandriel, es gibt keinen Zweifel. Ihr seid meine Tochter!“ Dann kam er auf mich zu und umarmte mich herzlich. Er wollte mich gar nicht mehr loslassen. Mir stiegen ebenfalls Tränen in die Augen. Ich brachte kein einziges Wort heraus. Nach endlos langer Zeit ließ er mich los und trat ein Stück beiseite. Nun kam die Frau mit den langen dunklen Haaren auf mich zu, nahm mein Gesicht in ihre Hände und küsste mich auf die Stirn, ganz zart, elbengleich. Auch sie weinte bitterlich und schloss mich sodann in ihre Arme. Etwas entfernt vernahm ich ein lautes Prusten. Gimli hatte ein riesiges Taschentuch aus seiner Hose hervorgeholt und schniefte geräuschvoll hinein. Sogar Legolas’ Augen schimmerten leicht, wobei er jedoch keine Träne meinetwegen vergoss. Wir alle hatten Freudentränen in den Augen, nur der Blick des blonden Elben wirkte eher verhalten.
Nach einem endlos andauernden Moment, als sich die erste Euphorie einigermaßen gelegt hatte, trat mein leiblicher Vater einen Schritt auf mich zu und stellte mir sich und seine Gattin vor: „Das ist Arwen, meine Frau. Mein Name ist Aragorn. Wir sind König und Königin von Gondor und verweilen nur vorübergehend hier in Düsterwald. Prinz Legolas hast du ja bereits kennen gelernt. Er regiert dieses Land und ist ein guter Freund von uns.“ Aragorn legte väterlich einen Arm um mich und wir gingen hinein in diese außergewöhnliche Residenz. „Komm mit, es gibt viel zu erzählen…“
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Greenhill 

Status: Offline Registriert seit: 10.11.2007 Beiträge: 29 Nachricht senden | Erstellt am 27.12.2007 - 21:41 |  |
Kapitel VI
Den ganzen restlichen Tag hatte ich mit Aragorn und Arwen verbracht. Wir verstanden uns sehr gut und es gab eine Menge zu berichten. Sie erzählten, dass ich eine Halbelbin sei, es einen Ringkrieg gab, dass gefährliche Bestien hier ihr Unwesen trieben, über ihre Liebe zueinander, wie sie sich kennen gelernt hatten, wie das Leben in Mittelerde verlief und anderes. Auch waren sie interessiert, wie es in meiner damaligen Heimat zuging, ob alle so angezogen waren wie ich und ob dort auch Elben lebten. Ich gab gerne Auskunft.
Ich freute mich, dass ich mich mit ihnen so gut verstand, dass es jemanden gab, der sich über meine Rückkehr freute. Doch umso trauriger stimmte es mich, dass diese Freude anscheinend nicht alle empfanden.
~-------~~~--------~
Durch eine stark blendende Sonne, die sich durch die lukenartige Öffnung an der Wand einen Weg in mein Gesicht bahnte, wurde ich wach. Ich hatte gut geschlafen. Kein Vergleich zur letzten Nacht. Als ich aufwachte, galten meine ersten Gedanken dem gestrigen Tage und … Legolas.
~Rückblick~
Aragorn hatte väterlich einen Arm um mich gelegt. „Komm mit, es gibt viel zu erzählen …“
Er führte uns in eine Art Wohnstube, in welcher sich zwei lange schmale Sitzgarnituren aus Holz befanden, die sich gegenüber standen. Die elbisch verzierten Bänke besaßen keine Sitzbezüge, wie man es von der Erde kannte. Viele verschiedene bunte Leinentücher hingen stattdessen locker über den hölzernen Lehnen. Auf den Sitzflächen lagen flache bunte Kissen. Die Farbenpracht erinnerte mich ein wenig an etwas Orientalisches. Gelb, orange, rot und lila bildeten die Hauptfarben. Ein kleiner geschnitzter Holztisch mit diversen Gravuren befand sich an einem Ende einer dieser Sofabänke. Diesen, wie bei uns in die Mitte zwischen die beiden Bänke zu stellen, war hier anscheinend nicht üblich. Es gab eine zweite Tür am Ende des Raumes, die in ein anderes Zimmer zu führen schien. Große Pflanzengewächse waren vor den Wänden zu finden, die in einem hellen zitronengelb gehalten waren.
Wir nahmen nicht direkt Platz, sondern unterhielten uns zunächst im Stehen, da Gimli andeutete, nicht mehr lange bleiben zu können. So kam es dann, dass er sich bereits nach kurzer Zeit von uns verabschiedete. Zum einen, damit ich ungestört mit meinen leiblichen Eltern reden konnte. Zum anderen, weil er im Laufe des Tages bereits wieder in seine Heimat abreisen wollte und sich hierfür noch Proviant besorgen musste.
Da Gimli nicht wusste, ob er mich später noch antreffen würde, verabschiedete er sich bereits jetzt von mir. Er gab mir die Hand, - diese menschliche Geste hatte er sich anscheinend noch gemerkt, als ich Gandalf meine Hand zur Begrüßung entgegen gestreckt hatte -, drückte allerdings etwas fester als üblich zu, sodass ich nur unter Schmerzen ein freundliches Lächeln hervor bringen konnte. Dann sagte er in leicht betrübtem Tonfall: „Es war eine interessante Reise mit Euch und diese aufregende Zeit möchte ich nicht missen. Es war schön, noch einmal mit meinem alten Freund Legolas durch die Wälder zu streifen, ganz wie in alten Zeiten!“ Dabei zwinkerte er dem Elb zu, der dieses Lob durch ein Nicken in Richtung des Zwerges lächelnd bestätigte. Doch dann wurde Gimlis Blick ernst. Dieser bittere Ausdruck in seinem Gesicht passte gar nicht zu diesem robusten, zähen kleinen Mann, der wohl eher für seine Unbekümmertheit bekannt war. „Passt auf Euch auf, Elsandriel. Bleibt so, wie Ihr seid.“ Ich verstand nicht, was dieser ernste Blick zu bedeuten hatte und hielt seine letzten Worte für eine gewöhnliche Abschiedsfloskel. „Das werde ich, Gimli. Ich wünsche Euch eine gute Heimreise!“ Er drückte noch ein letztes Mal feste meine Hand und marschierte sodann in Richtung der zweiten Tür. Ich musste zugeben, dass ich ihn nach dieser kurzen Zeit bereits in mein Herz geschlossen hatte, weshalb es mich traurig stimmte, dass er jetzt schon in seine Heimat abreisen wollte.
Auch Legolas war im Begriff zu gehen, wollte auch er uns anscheinend zunächst einmal ein wenig Privatsphäre gönnen. Er hatte hinter mir gestanden und trat nun langsam ein paar Schritte um mich herum, sodass er direkt vor mir zum Stehen kam. Für einen langen Moment schaute er mich einfach nur an. Ich weiß nicht, was er in meinem Blick suchte. Jedenfalls konnte ich seinen zunächst in keinster Weise deuten. Mit einem gleichgültigen, gar emotionslosen Ausdruck sagte er zu mir: „Ich heiße Euch noch einmal in meinem Reich Willkommen, Elsandriel und wünsche Euch einen schönen Aufenthalt hier …“ Seine Worten klangen kalt. Die erneute Begrüßung kam mir vor, als wenn er es nur aus reiner Formsache in Gegenwart des Königs und der Königin getan hatte. „…solange es dauern mag“, fügte er sodann in einem leisen, jedoch bestimmten Ton hinzu. Diese letzten Worte waren beinahe geflüstert und schienen nur für meine Ohren bestimmt. Seine Augen verengten sich beim Sprechen für einen kurzen Moment zu schmalen Schlitzen und schauten mich scharf mahnend an. Allein die Kraft seines Blickes, in welchem deutlich die Verwarnung zu lesen stand, ließ mich innerlichen Abstand von ihm nehmen. Ich wäre beinahe nur aufgrund des harten Ausdrucks in seinen Augen einen Schritt zurückgetreten. Aragorn und Arwen hatten seinen Blick nicht sehen können, da sie hinter Legolas standen. Verständnislos schaute ich ihn an. Wieso um alles in der Welt drohte er mir? Eine klärende Information erfolgte nicht, er sagte nicht, worin seine Warnung bestand.
Wieso hatte er überhaupt gesagt, „solange ES dauern mag?“ Wenn er sich auf meinen Aufenthalt hier bezogen hätte, wäre wohl die richtige Formulierung eher „solange ER dauern mag“ gewesen. Die einzige plausible Erklärung, die ich dafür fand, war, dass er sich nicht auf den Aufenthalt, sondern auf das Wort „schön“ bezog. „… solange mein SCHÖNER Aufenthalt dauern mag.“ In Anbetracht seines bösen Blickes wohl eher kurz. Na toll.
Als ich mich nach ein paar Sekunden wieder soweit gefangen hatte, um ihn um eine Erklärung zu bitten, war es zu spät. Denn Legolas ließ mich einfach mit dieser kärglichen Aussage stehen, machte auf dem Absatz kehrt und verließ hastig den Raum. Auch Aragorn schien nun verwirrt und versuchte, eine plausible Erklärung für diesen schnellen Abgang zu finden. Dann räusperte er sich entschuldigend und meinte: „Er hatte sicherlich noch etwas Wichtiges zu erledigen …“
Schön wär’s …
Fassungslos starrte ich die Tür an.
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Nachdenklich saß ich im Bett und grübelte noch eine Weile vor mich hin. Dann zog ich das Gewand an, welches Arwen mir gestern Abend noch hatte bringen lassen, und trat aus meinem Zimmer heraus. Ich brauchte Abstand von allem und entschied, ein wenig die Gegend auszukundschaften. Als ich um eine Ecke bog, umfasste plötzlich jemand meinen Ellenbogen und zog mich ein Stück mit sich. Es war Gimli.
„Es tut mir leid, dass ich Euch hier so einfach überfalle, aber ich wollte Euch vor meiner Abreise noch etwas sagen – es ist wichtig!“ Nach ein paar Metern schien sich der Zwerg dann sicher zu fühlen, blickte noch einmal rundherum um sich und bedeutete mir wieder, mich etwas zu ihm herab zu beugen. „Elsandriel, Ihr könnt Euch sicher schon denken, über was bzw. wen ich mit Euch sprechen möchte …“ Diese Andeutung ließ keinen Zweifel offen und ich sagte in festem Ton: „Legolas.“ Gimli nickte. “Elsandriel, ich besitze eine gute Menschenkenntnis. Zwerge, Elben und Menschen sind sich vom Wesen her im Groben und Ganzen eigentlich sehr ähnlich. Ich hatte nun in den letzten Tagen, wenn auch nur kurz, die Möglichkeit, Euch näher kennen zu lernen. Ich weiß nicht, wie es in Eurem Inneren aussieht, Elsandriel, doch scheint Ihr eine nette junge Frau zu sein.“ Verwundert über seine Aussage nickte ich nur leicht. Dann fuhr er fort: „Es gibt da ein paar Dinge, die Ihr zu gegebener Zeit erfahren werdet, doch ist es mir nicht erlaubt, mit Euch darüber zu sprechen. Doch darum geht es mir auch nicht. Ich möchte lediglich vermeiden, dass Ihr einen falschen Eindruck von Legolas bekommt, nur weil er sich so merkwürdig Euch gegenüber verhält. Ihr sollt wissen, dass Legolas aus berechtigtem Grund Vorurteile gegen Euch hat. Diese Vorurteile versucht er vehement zu widerlegen. Ich weiß, dass er gegen sein voreingenommenes Verhalten Euch gegenüber ankämpft. Er hat eine schlechte Meinung über Euch, weshalb er Euch sehr misstrauisch gegenübersteht. Nehmt ihm sein Verhalten nicht übel. Glaubt mir, wenn Legolas nicht einen Funken Hoffnung darin sehen würde, dass er sich in Euch getäuscht haben könnte, dann würdet Ihr nicht hier stehen …“ Er räusperte sich kurz, „Ich erspare mir hierzu nähere Erläuterungen.“ Wir schauten uns einen Moment an und er sah an meinem bestürzten Gesichtsausdruck, dass ich verstanden hatte, worauf er hinaus wollte. Legolas war ein Krieger, das durfte ich nicht vergessen. „Elsandriel, wenn er Euch nicht mögen würde, würde er nicht so oft freundlich zu Euch sein und in Eurer Nähe verweilen. Legolas scheint Euch nicht aufzugeben.“
OFT freundlich?! Redeten wir hier von dem gleichen Elb?! Nun gut, ich behielt meine Äußerung für mich und hörte ihm stattdessen weiterhin aufmerksam zu. „Elsandriel, ich möchte ehrlich sein. Auch ich bin Euch gegenüber misstrauisch, hätte ich sonst Legolas schließlich bei seinen Verheimlichungen Euch gegenüber nicht unterstützt. Jedoch bin ich im Gegensatz zu Legolas nur für mich selbst verantwortlich und kann meine Meinung über Euch schneller ändern. Ich sehe keinen Grund darin, mich nicht in aller Freundschaft, egal was kommen mag, von Euch zu verabschieden. Doch konnte ich dies nicht vor dem Elb tun, da es für ihn sonst so ausgesehen hätte, als wäre ich ihm in den Rücken gefallen.“
Ja, ich konnte seine Bedenken verstehen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, wenn Gimli, anstatt mit mir dieses klärende Gespräch zu führen, mit Legolas ein ernstes Wörtchen geredet hätte. Jedoch war ich froh, dass er überhaupt zu mir gekommen war.
Abschließend sagte der Zwerg sodann zu mir: „Jeder geht anders mit Vorurteilen um. Der eine lässt sich von ihnen leiten, ein anderer nicht. Vorurteile können unbegründeter Unfug sein, oder aber die Wahrheit widerspiegeln. Vielleicht sind sie berechtigt, vielleicht auch nicht. Die Zeit wird es zeigen. In diesem Sinne, macht es gut, Elsandriel … und bleibt so wie Ihr seid.“
… Bleibt so, wie Ihr seid … diese Worte hatte er mir nun bereits zum zweiten Mal mit auf den Weg gegeben.
Gimli schien es sehr ernst mit seinem Hinweis zu sein. Hätte er sich ansonsten sicherlich nicht noch einmal bemüht, mich so kurz vor seiner Abreise erneut aufzusuchen. Ich spürte, dass Legolas und auch ich diesem liebenswürdigen Zwerg sehr am Herzen lagen. Aufgrund seiner Bemühungen, mir deutlich zu machen, dass es triftige Gründe für Legolas’ Verhalten gab, nahm ich mir fest vor, mich dem Prinzen gegenüber weiterhin tolerant zu verhalten. Zumindest würde ich es versuchen …
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Greenhill 

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Kapitel VII
Nachdenklich stieg ich eine der Treppen des Palastes hinunter ins Freie und machte mich auf den Weg zum Tor, durch welches wir auch tags zuvor gekommen waren. Die Wächter waren dieselben wie gestern. Sie erkannten mich, nickten mir zu und ließen mich passieren. Ich entschloss, mir Düsterwald etwas genauer anzuschauen und spazierte den schmalen Weg entlang. Verlaufen konnte man sich nicht, denn es gab nur diesen einen Pfad zurück zum Schloss.
So sehr ich auch versuchte, meine Gedanken nicht dem gestrigen Tag und dem heutigen Gespräch mit Gimli zu widmen, gelang es mir nicht. Momentan dachte ich über die Unterhaltung mit meinen Eltern nach. Sie hatten mir so viele Dinge erzählt und mich über allerlei Sachen ausgefragt. Doch wenn ich nun so darüber nachdachte, waren es eigentlich eher Banalitäten, Belanglosigkeiten gewesen, über die wir uns ausgetauscht hatten. Alltägliches, allgemeines. Nicht das, was eigentlich von Bedeutung für mich gewesen wäre: Warum war ich weggegeben worden?
Ich erinnerte mich an den Brief, der auf meiner Fensterbank gelegen hatte.
… Das mächtige Auge des Sauron war an der Macht und ließ jedes Neugeborene, welches ihm später einmal gefährlich werden konnte, töten. Durch ein Abkommen zwischen einem Zauberer namens Gandalf und Saruman, ein zur dunklen Seite gewechselter Magier, wurde bestimmt, dass Ihr nach Eurer Geburt unsere Welt verlassen müsst und erst nach einer gewissen Zeit, beginnend mit Eurer Volljährigkeit, zurückkehren dürft. …
Worum ging es in diesem Abkommen? Ich wollte erfahren, was genau dahinter steckte. Wurde mir nun etwas verschwiegen oder bildete ich es mir nur ein? War ich bereits so davon besessen, dass ich an eine Verschwörung gegen mich glaubte? Konnte es nicht einfach nur sein, dass sie mich am ersten Tag meiner Ankunft nicht mit solch einer dramatischen Geschichte belasten wollten? Wollten sie mich vielleicht nur schonen? Diese Theorie war leicht zu überprüfen. Ich würde einfach ein paar Tage abwarten. Wenn sie mir sodann nicht von selbst reinen Wein einschenkten, würde ich sie direkt darauf ansprechen.
Ich spazierte den Weg entlang und versuchte, die Landschaft dieser neuen, unbekannten Welt zu genießen. Nach kurzer Zeit vernahm ich ein Geräusch. Ich hörte zwei Personen reden, konnte aber niemanden entdecken. Eine der beiden Personen sprach in einem Flüsterton. Sie konnte also nicht weit entfernt sein, sonst würde ich die Unterhaltung schließlich gar nicht verstehen können … oder?
Ich lauschte. „Gut, dass ich Euch hier treffe! Ich hätte da noch …“ - „Shht! Nicht jetzt, ich werde mich darum später kümmern. Lasst mich nun bitte allein …“, flüsterte die zweite Person, deren Stimme mich irgendwie an Legolas’ erinnerte. Ich hielt überall nach ihm Ausschau, doch entdecken konnte ich ihn nicht. Doch wieso konnte ich sein Geflüster hören? Es schien, als hätte ich nun auch die elbische Fähigkeit des Hörens erlangt. So langsam kam ich mir vor wie eine richtige Elbin. Wirklich freuen darüber konnte ich mich momentan jedoch nicht, war ich doch zu verwirrt über das, was ich gehört hatte. Warum flüsterte Legolas? Wollte er nicht entdeckt werden? Versteckte er sich eventuell sogar vor mir? Beobachtete er mich? Ich zuckte mit den Schultern und beschloss, mir nicht von diesem merkwürdigen Elb den Tag vermiesen zu lassen. Vielleicht bildete ich es mir schließlich nur ein.
Nach kurzer Zeit erreichte ich den Marktplatz von Düsterwald. Ein gräuliches Steinpflaster säumte den Platz. In der Mitte befand sich ein schöner Springbrunnen, der mit elbischen Symbolen verziert war. Nicht weit davon entfernt, reihten sich verschiedene elbische Stände, die ihre Ware anpriesen. Ich erinnerte mich an den Weihnachtsmarkt. So ähnlich sah es hier aus. Die Stände waren kleine Hütten, die normal auf dem Boden standen. Anscheinend wurden nur die Wohnhäuser in luftiger Höhe gebaut. Ich spazierte durch die Straße. Niemand schaute mich auffällig an, niemand machte irgendwelche Scherze über meine Ohren. Hier wirkte ich normal, ich war eine von ihnen.
~~~ Zorn ~~~
Eine elbische Magd kam auf mich zu und fing ein Gespräch mit mir an: „Mae govannen. Ich habe Euch hier noch nie gesehen. Seid Ihr neu hier?“ Ich kam nicht zum antworten, es war anscheinend mal wieder eine rhetorische Frage gewesen. „Irgendwie seht Ihr nicht so aus, als ob Ihr hier hingehören würdet.“ Sie musterte mich abschätzig von oben bis unten. „Ihr seht nicht gerade elbisch aus … Vermutlich stammt Ihr aus ärmeren Verhältnissen.“ Sie lachte gehässig auf. Fragend schaute ich sie an. Was wollte diese Magd von mir?! War sie auf Streit aus? Sie umfasste mein Kleid, das meine Mutter mir geschenkt hatte und zog es unsanft ein Stück nach oben, sodass meine Turnschuhe zum Vorschein kamen. Arwen hatte mir zwar elbische Schuhe bereit gestellt, doch musste ich mich erst an sie gewöhnen, um mit ihnen weite Strecken gehen zu können. „Was haben wir denn da? Was soll das denn sein? So etwas habe ich ja noch nie gesehen!“ Laut lachte sie über meine Schuhe und über mich. Dann besaß sie auch noch die Frechheit, andere Elben auf mich aufmerksam zu machen und führte mich regelrecht vor. Ich war so perplex, dass ich gar nicht wusste, wie ich auf so jemanden reagieren sollte! Ich entriss mein Kleid aus ihren Fingern und trat sicherheitshalber ein paar Schritte zurück. Mit einem verständnislosen Blick schaute ich sie an, schüttelte nur den Kopf und ging in einem großen Bogen an ihr vorbei. Ich stand den Tränen nahe. Wie konnte jemand völlig grundlos nur so kaltherzig sein? Andere Leute an meiner Stelle hätten sicherlich einen Aufstand gemacht und der Hetzerin harte Widerworte gegeben. Doch das war nicht mein Stil. Ich versuchte, Ärger aus dem Weg zu gehen und mich auf keinen Fall auf das Niveau meines Feindes zu begeben. Dann spürte ich plötzlich einen harten Griff in meinem Haar. Mein Kopf wurde nach hinten gezogen und eine Stimme zischte an mein Ohr: „Ich war noch nicht fertig mit dir.“ Sie war inzwischen zum „Du“ übergegangen. Ich umfasste Ihre Hände und versuchte, sie aus meinen Haaren zu befreien. Es schmerzte und ich schrie auf. Doch damit nicht genug. Sie ließ mich los, stellte sich provokant vor mich und schlug mir mit der flachen Hand ins Gesicht! Eine schmerzhafte Ohrfeige. Meine Wange glühte durch diesen Schlag. Ich schüttelte meinen Kopf, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Dann sah ich, wie sie provozierend auf mich zukam und mich anschrie: „Schlag doch zurück, wenn du dich traust!“ Und schon holte sie zum nächsten Schlag aus. Doch ihre Arme wurden plötzlich gepackt und sie wurde von mir weggezogen. Die Magd zeterte, war sie doch gerade erst richtig in Fahrt gekommen. Jedoch wurde ihr keine Chance mehr gegeben, in meine Nähe zu gelangen. Die Wange haltend schaute ich die Person an, die dieses Biest von mir fern hielt. Ich staunte nicht schlecht, als ich Legolas erkannte.
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Greenhill 

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Kapitel VIII
Legolas stand da, hielt diese Furie fest und sah sie mit einem verständnislosen, strengen Blick an. Sein Ausdruck genügte, um die Magd zum Schweigen zu bringen. Danach wandte der Prinz sich an mich und trat sachte auf mich zu. Sein Blick wurde weicher. Er fasste unter mein Kinn, hob es behutsam ein wenig an und begutachtete meine Wange. Besorgt fragte er: „Alles in Ordnung mit Euch?“ Fürsorge und Trauer spiegelten sich in seinem Gesicht wieder. Mein betrübter Anblick schien ihn sichtlich zu verletzen. Doch wieso ging ihm der Vorfall so nahe? Bis auf meine brennende Wange hatte ich schließlich keine weiteren Verletzungen davon getragen. „Ja, Legolas, ich danke Euch für Eure Hilfe.“ Traurig lächelte er mich an, strich sanft mit seinen Fingern über die gerötete Stelle und trat dann ein paar Schritte zurück. „Ich werde mich nun mal um Eure Angreiferin kümmern …“ Der blonde Elb nickte mir abschließend zu, packte die Magd unsanft am Oberarm und zog sie mit sich fort. Ich schaute den beiden noch so lange nach, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Unbewusst fasste ich mit meiner Hand an die Stelle, an der gerade noch Legolas’ Finger meine Haut berührt hatten.
Die anderen Elben, die den Kampf interessiert beobachtet hatten, aber es nicht für nötig gehalten hatten einzugreifen, widmeten sich nun wieder ihren Aufgaben. Wieder einmal vollkommen verwirrt über das gerade Geschehene entschloss ich mich, den Heimweg anzutreten. Denn mit einer Elbin, die in eine Prügelei verwickelt war, wollte hier sicherlich niemand etwas zu tun haben. Des Weiteren hatte ich kein Geld, oder mit was auch immer man hier zahlte, dabei, um mir etwas kaufen zu können.
Plötzlich vernahm ich wieder diese mir bekannte Stimme. Es war Legolas, ich war mir sicher. Die Stimme sprach aufgebracht: „Was sollte das gerade?! So war es nicht vereinbart gewesen. Ihr habt sie verletzt! Wie weit wäret Ihr noch gegangen, wenn ich nicht eingeschritten wäre?!“ Dann verschwand die Stimme in dem Wirrwarr der Elben, die wieder begannen, ihre Ware lautstark anzupreisen. Doch ich hatte genug gehört. Er steckte mit dieser Magd unter einer Decke! Sie sollte mich absichtlich provozieren, mich wütend machen. Doch zu welchem Zweck?
Diese ganze Geheimniskrämerei um mich herum störte mich gewaltig. Was sollte ich nur tun? Ich hatte keinen Verbündeten, niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte. Sogar meine Eltern schienen Geheimnisse vor mir zu haben.
Ich sann darüber nach, ob es denn wirklich niemanden gab, der mir helfen könnte, der ein wenig Licht in meine dunkle Vergangenheit bringen konnte. Jemanden, der über mich Bescheid wusste und der von sich aus dazu bereit war, mich über das Geschehene aufzuklären. - Ich musste herausfinden, von wem der Brief stammte, der auf meiner Fensterbank gelegen hatte …
Um das gerade Vorgefallene zu verdrängen, richtete ich all meine Gedanken auf den Verfasser des Briefes, während ich schnellen Schrittes zum Palast zurückging. Ich musste mich ablenken, sonst würde ich an den Begebenheiten der letzten Tage zugrunde gehen. Ich wusste nicht, ob mein verwirrter Geist und mein Körper diese Angespanntheit und Ungewissheit noch lange verkraften konnten. Zuerst wurde ich völlig überraschend aus meinem alten Leben gerissen, dann kam die unfreiwillige Bekanntschaft mit diesen grässlichen Orks, die Aufregung über meine erste Begegnung mit meinen leiblichen Eltern, das Realisieren dieser völlig neuen Welt, der Angriff der Magd, das teilweise verletzende Verhalten des Prinzen, das ungute Gefühl, nicht akzeptiert zu werden. Es war zuviel in zu kurzer Zeit geschehen.
Ich atmete tief durch und grübelte vor mich hin. Hinter mir vernahm ich nach einer Weile das Getrappel von Hufen. Es dauerte nicht lange und ein brauner Hengst erschien in meinem Blickfeld. Er trabte neben mir her. Ich schaute hinauf und sah, wie der Reiter mir eine Hand reichte. Es war der Elb, den ich von allen Elben, die es hier geben mochte, am wenigsten sehen wollte. „Steigt auf, ich nehme Euch mit“, sagte er. Wie sollte ich mich ihm gegenüber bloß verhalten? Sollte ich mir anmerken lassen, dass ich sein Gespräch mit der Magd hatte hören können? Doch entschied ich mich dagegen. Wenn Legolas etwas vor mir verheimlichen wollte, würde er das, was er zu der Magd gesagt hatte, ohnehin abstreiten.
„Nein, danke“, war somit alles, was der Herr Elb von mir zu hören bekam. Ich richtete meinen Blick stur geradeaus und trottete weiter den Weg entlang.
„Dies war keine Frage, Elsandriel. Ihr habt keine Wahl“, bekam ich in einem markanten Tonfall zu hören.
Natürlich hatte ich eine Wahl! Ich hatte klar und deutlich verneint! Trotzig ging ich weiter geradeaus. Der braune Hengst blieb unnachgiebig an meiner Seite. Legolas begann erneut: „Entweder Ihr kommt nun freiwillig mit oder ich befehle es Euch!“
Kleinlaut musste ich mir eingestehen, dass ich wohl doch keine Wahl hatte … Ich konnte mich schließlich nicht einfach dem Befehl eines Prinzen widersetzen! Kurze Zeit später saß ich sodann grummelnd hinter dieser machtausspielenden Hoheit auf dem Pferd.
Wir ritten eine Weile, ohne dass einer von uns beiden etwas sagte. Dann begann der Prinz ein Gespräch: „Ihr seid eben sehr ruhig geblieben.“ Es war mehr eine Feststellung seinerseits als eine Frage, doch wusste ich, dass er hierauf eine Antwort erwartete. Also erwiderte ich: „Ja, das ist meine Art.“ Die Aussage schien ihm irgendwie nicht zu genügen. Er ging weiter darauf ein. „Sie hat Euch ziemlich provoziert. Wieso habt Ihr Euch nicht gewehrt?“ Dafür gab es mehrere Gründe: Ich war so überrascht von ihrem Angriff gewesen, dass ich so schnell gar nicht reagieren konnte, ich war so überrascht über ihre Unmenschlichkeit, dass ich mit ihr nichts zu tun habe wollte, ich war so überrascht, dass sie mich ansprach, obwohl wir uns vorher nie begegnet waren, dass ich vermutete, sie verwechselte mich mit jemandem. Ich war erst so kurze Zeit hier, dass ich nicht direkt einen schlechten Eindruck hinterlassen wollte. Und prügeln wollte ich mich schon gar nicht!
Argumente gab es unendlich viele für mein Verhalten, doch sagte ich sie ihm nicht. Stattdessen meinte ich knapp: „Ich sah keinen Grund darin.“ Legolas merkte anscheinend, dass es nichts brachte, mich weiterhin darüber auszufragen. Auch seine weiteren Fragen hätte ich so kurz beantwortet. Ich schaltete auf stur. Schließlich hatte er auch Geheimnisse vor mir.
Kurze Zeit später erreichten wir das Tor. Wir trabten über den Marmorplatz und stiegen ab. Nachdem ein Bediensteter Legolas den Rappen abgenommen hatte, drehte der Prinz sich zu mir und sagte: „Wenn Ihr gerade nicht mit mir geritten wäret, wäret Ihr nicht durch das Tor gelassen worden. Es hat einen Wachwechsel gegeben; die neuen Wachen kennen Euch nicht.“ Er zwinkerte mir zu und ging in Richtung des Palastes. Ich nuschelte ein „danke“ vor mich hin. Als Legolas bereits die Marmortreppe erreicht hatte, drehte er sich zu mir um und rief: „Wir sehen uns dann heute Abend!“ Nach ein paar weiteren Stufen war er im Gebäude verschwunden. Was meinte er damit, dass wir uns heute Abend sehen würden?
Ich machte mich auf die Suche nach meinen Eltern und traf meine Mutter auf einem der Gänge im Schloss. Sie hatte mich bereits ebenfalls gesucht. Zusammen gingen wir in das Zimmer, in welchem wir gestern gesessen hatten und nahmen auf der Sofabank Platz. Ein Hausmädchen brachte uns einen aromatisch duftenden Tee und eine Kleinigkeit zu essen. Es war kein Tee, wie ich ihn von der Erde her kannte. Bei uns hatten die meisten Tees den Duft und Geschmack von Früchten. Doch hier trank man Tee, der nach Blumen duftete. Also Rosenblättertee, Lilienblättertee und weitere. Auch die Farben waren viel intensiver als bei uns. Das Mädchen hatte uns einen Lavendelblättertee gebracht, der stark lila schimmerte.
Ich erzählte Arwen von meinem Ausflug und dass Legolas mich mitgenommen hatte. Von dem Vorfall erzählte ich nichts.
„Legolas sagte, dass wir uns heute Abend sehen würden. Weißt du, was er damit gemeint haben könnte?“ - „Natürlich. Heute Abend auf dem Fest.“ Wie selbstverständlich sagte meine Mutter dies. Dann erklärte sie: „In Mittelerde ist es üblich, dass am 24.12. und an den Folgetagen gefeiert wird. Ich habe mir sagen lassen, dass der 24.12. auf der Erde ein heiliger Tag ist. So ist es hier in Mittelerde auch. Es ist ein Feiertag, der auf alte elbische Bräuche zurückzuführen ist.“ Ich verstand, heute war also praktisch der erste Folgetag, sprich der 25.12. Dabei fiel mir ein, dass gestern mein Geburtstag gewesen war, was ich durch die ganze Aufregung völlig vergessen hatte. Doch war ich anscheinend nicht die Einzige, die sich daran nicht erinnerte.
Das Hausmädchen, das uns eben den Tee gebracht hatte, riss mich aus meinen Gedanken, indem sie mich schüchtern ansprach: „Verzeiht mir die Unterbrechung. Darf ich Euch bitten, mir zu folgen?“ Fragend schaute ich zu ihr hoch und dann zu Arwen. Sie wusste anscheinend auch nicht, was sie wollte, zuckte nur mit den Schultern und bedeutete mir mitzugehen. Das Mädchen blieb vor meiner Zimmertür stehen, öffnete sie und bat mich einzutreten.
„Auf Wunsch des Prinzen habe ich hier eine kleine Auswahl an Gewändern für Euch, von denen Ihr Euch eines für den heutigen Abend auswählen könnt.“ Dann verließ sie den Raum und ließ mich allein. Ich schaute auf das Bett und sah dort drei Kleider liegen. Auf dem Boden stand ein Paar Schuhe. Ein Paar, das notgedrungen zu allen drei Kleidern passen musste. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass ich mich hier auf einem Schloss befand, stellte ich fest. Ich betrachtete die drei in Frage kommenden Stücke. Die Kleider hatten einen ähnlichen Schnitt, waren einfarbig und gingen etwa bis zum Knöchel. Es gab ein grünes, ein vanillefarbenes und ein rotes. Entscheiden tat ich mich für das vanillefarbene, da mir die anderen beiden Töne zu kräftig erschienen. Ich probierte es an und es passte. Es war zwar nicht viel schöner, als das einfache Gewand, welches ich von Arwen bekommen hatte und gerade trug, aber anscheinend reichte es für die Festlichkeit. Legolas musste es schließlich wissen.
Trotz der Differenzen, die ich momentan mit dem blonden Elben haben mochte, musste ich doch zugeben, dass mich diese kleine Aufmerksamkeit des Prinzen sehr freute. Zeigte es mir doch, dass ich ihm nicht vollkommen egal war. Ich fand es sehr löblich und fühlte mich geehrt, dass er sich, bei all dem Stress, den er nun wegen den Vorbereitungen haben mochte, doch tatsächlich darum kümmerte, dass ich etwas Vernünftiges zum Anziehen bekam. Schließlich wäre dies eigentlich eher die Aufgabe meiner Mutter gewesen. Möglicherweise hatte er auch ein schlechtes Gewissen und betrachtete diese Gabe als eine Art Wiedergutmachung. Ein Friedensangebot?
Ich schaute mich im Spiegel an. Schlichter Anblick. Meiner Meinung nach passte es zu mir. Ich zog mir wieder mein normales Gewand an und aß dann mit meinen Eltern zu Mittag. Meine Mutter berichtete mir, dass sie mir auch Kleider zur Verfügung gestellt hätte, doch Legolas darauf bestanden hätte, sich selbst darum zu kümmern.
Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile. Danach zeigten die beiden mir das komplette Schloss, die hauseigene Bibliothek, den Garten und die Stelle, wo heute Abend das große Fest stattfinden würde. Da die Festlichkeit nicht nur für die Schlossbewohner ausgerichtet wurde, sondern auch für das Volk, befand sich das Festzelt in der Nähe des Marktplatzes. Als wir gestern hier hergeritten waren, hatte ich nichts von einer Feier mitbekommen. Es war schließlich mitten in der Nacht gewesen und die Feier somit zuende.
Nun sah ich, wie Elben fleißig die Reste von gestern aufräumten, alles sauber machten und neue Getränkekaraffen füllten. Ich entschied, noch ein wenig zu bleiben, um ihnen beim Aufräumen zu helfen. Es machte Spaß und alle waren freundlich zu mir. Jedoch stieg ein unangenehmes, mir sehr bekanntes, Gefühl in mir hoch. Das Gefühl beobachtet zu werden …
Vielleicht lag es auch an meinen neuen elbischen Fähigkeiten, dass ich darauf sensibler reagierte. Auf jeden Fall wurde ich heimlich angesehen. Ich war in letzter Zeit so oft beobachtet worden, dass ich ein Gespür dafür entwickelt hatte, wenn mich jemand im Verborgenen betrachtete. Ich dachte an den Vorfall im Zug, wo mir versehentlich mein Buch aus der Hand gefallen war und Legolas mich dort beobachtet hatte. Oder das Geschehnis von heute Vormittag auf dem Weg zum Markt. Auch dort hatte ich mich beobachtet gefühlt. Dabei hatte ich Legolas’ Stimme gehört, die einen Störenfried verscheuchte. War er es, der mich nun gerade beobachtete? Nein, er hatte doch sicherlich besseres zu tun, als einer Halbelbin aus einer anderen Welt hinterher zu spionieren. Oder etwa nicht?
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Greenhill 

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Kapitel IX
Sowie die gröbste Arbeit geschafft war, machte ich mich auf den Rückweg. Es war inzwischen später Nachmittag. Ich hatte ganz schön viele der schweren Karaffen herumgetragen, sodass ich momentan leichte Rückenschmerzen hatte. Ich entschloss deshalb, mich ein wenig auszuruhen.
Als es dann auf den Abend zuging, zog ich mir mein neues Kleid an und wartete draußen auf meine Eltern. Es dauerte nicht lang und sie erschienen vor dem Palast. Eine Kutsche fuhr vor, die uns hinunter zum Ort der Feierlichkeit brachte.
~~~Neid~~~
Während wir fuhren, sah ich, wie Arwen mein Kleid musterte. Sie wirkte etwas überrascht, sagte jedoch nichts. Ich besah mir daraufhin ihres. Es war eine prachtvolle dunkelrote Robe mit aufwendigen Stickereien. Dazu trug sie eine hell-bronzene Kette, die mit schwarzen Granit-Elementen durchsetzt war. Sie sah umwerfend aus. Dass meine Mutter in ihrem Kleid glanzvoller wirkte als ich, stellte für mich eine Selbstverständlichkeit dar. Schließlich war Arwen eine Königin und musste etwas Herausragendes tragen, weshalb ich nicht verstand, warum sie mich nun mit einem fast mitleidigen Blick ansah.
Als wir ausgestiegen waren, hörte man von allen Seiten staunende und bewundernde Worte in Richtung der Königin. Mein Vater nahm sie bei der Hand und beide gingen gemächlichen Schrittes, wie man es von einem Königspaar erwartete, mit königlicher Haltung in Richtung des Festzeltes. Ich hielt mich dezent im Hintergrund und verschaffte mir einen Überblick. Es waren viele Gäste anwesend. Unter ihnen befanden sich sogar ein paar Menschen. Da Aragorn ebenfalls ein Mensch war, nahm ich an, dass sie zu seiner Garde gehörten und Arwen und ihn begleitet hatten, als er hierher nach Düsterwald gekommen war.
Das große Zelt war in zwei Bereiche aufgeteilt. In dem hinteren Teil waren Tische aufgestellt und in dem vorderen befand sich eine Tanzfläche. Es lag elbische Musik in der Luft. Melodische Lieder, die das Ambiente untermalten. Ein Tisch stach durch seine festlichen Blumengestecke unter den vielen anderen besonders hervor. Es handelte sich eindeutig um den Königstisch, auf den meine Eltern auch direkt zusteuerten.
Mir fiel auf, dass man hier als Elbin von Hosen nicht viel hielt oder gar in Düsterwald überhaupt nicht kannte. Jede Elbin, die ich sah, trug ein Kleid. Elegante, aufwendig verzierte Gewänder, die sich passend an die Figur der jeweiligen Trägerin schmiegten. Manche waren einfarbig und mit bunten Fäden durchzogen; ähnlich, wie ich es auch bei meiner Mutter schon gesehen hatte. Allerdings zierten ihr Kleid Goldfäden, was ich hier bei keiner anderen Elbin feststellen konnte. Ich vermutete daher, dass Gold- und Silberfäden allein der Königin vorbehalten waren. Andere Kleider waren mehrfarbig und schimmerten, je nachdem, wie das warme Licht der Fackeln, die überall an den Festzeltseiten befestigt waren, auf das Kleid trafen. Ich bewunderte die Kleider und ihre Trägerinnen, die in ihren Gewändern überaus ansehnlich aussahen. Mein Kleid hingegen besaß keine einzige Verzierung. Kein Gürtel, kein Muster, keine Knöpfe, nichts. Im Großen und Ganzen passte hier wohl der Ausdruck „schlicht“ am besten. Und wie ich kurze Zeit später feststellen konnte, waren die Trägerinnen der Gewänder, die ich bis jetzt gesehen hatte, nur das normale Volk.
Aragorn drehte sich zu mir herum und winkte mich heran. Er legte den Arm um meine Taille und wir gingen zusammen hinüber zu dem Königstisch. Die dort bereits Anwesenden standen auf und begrüßten das Königspaar überschwänglich. Als der Blick sodann auf mich fiel, musterte man mich von oben bis unten. Besonders die Damen gaben sich keine große Mühe, ihre Missbilligung meines Kleides zu verbergen. Ich sah an mir herunter und musste zugeben, dass ich gegen diese Elbinnen mit ihren noch prunkvolleren und aufwendiger bestickten Kleidern aussah, wie ein Kartoffelsack auf zwei Beinen. Ein leichtes Unbehagen machte sich in mir breit. Nicht aus dem Grund, dass ich ihnen ihre Kleider nicht gönnte. Ich verspürte keinen Neid auf sie. Die Situation war mir lediglich peinlich.
Jeder an dem Tisch hatte seinen festen Platz. Ich war umringt von elbischen weiblichen Schönheiten. Wieso hatte man mich nicht bei meinen Eltern sitzen lassen? Meinem Vater war diese Ungereimtheit ebenfalls aufgefallen und winkte einen der Bediensteten heran, der ihn hierüber aufklären sollte. Ich hörte, wie dieser meinem Vater daraufhin zuflüsterte: „Prinz Legolas wollte es so.“
Der schon wieder! Ich verdrehte die Augen, nahm Platz und fragte mich, was der Elb damit schon wieder bezwecken wollte. Meinem Vater hingegen schien durch diese kurze Aussage des Bediensteten nun einiges klarer zu sein, ließ er die Sache immerhin nur aufgrund des kleinen Hinweises, dass Legolas die Sitzordnung so arrangiert hatte, auf sich beruhen. Hatte dieser Elb denn überall die Finger im Spiel?! Geschah hier gar nichts mehr ohne seine Anweisungen? Und meine Eltern nahmen diese Tatsache auch noch leichtfertig hin. Mir schien es, als hätten sie eine geheime Absprache mit dem Elb, dass er freie Hand bei mir hatte und mit mir machen konnte, was er wollte. Allein der gleichgültige Ausdruck, der momentan auf dem Gesicht meines Vaters lag, sprach Bände und bedeutete in etwa soviel wie „Legolas wird schon wissen, was er tut.“
Die Stimmung im Festzelt war ansonsten gut. Es gab reichlich zu trinken und zu essen und jeder durfte sich den Abend über bedienen, so viel und so oft er wollte. Allerdings wurde mit dem Essen bis auf das Erscheinen des Prinzen gewartet, der das Büffet eröffnen sollte. Dem Königstisch würden die Speisen jedoch aufgetragen werden, sodass wir uns nicht an den einzelnen Ständen anzustellen brauchten. Allerdings war von Legolas weit und breit noch nichts zu sehen, weshalb man sich zunächst einmal zu unterhalten begann.
Es dauerte auch nicht lange und die höfischen Damen hatten ein Gesprächsthema gefunden. Zu meinem Bedauern konnte ich daran nicht teilhaben, da ich es war, über die sie sich tuschelnd unterhielten. Da sie selbst Elben waren, wussten sie, wie man miteinander sprechen konnte, ohne, dass eine andere Elbin dies mitbekam. Doch erkannte man an ihren spöttischen Gesichtsausdrücken, worüber sie redeten. Beschämt schaute ich weg.
Wehmütig sah ich an das Ende des Königstisches, wo meine Eltern Platz genommen hatten. Sie bekamen von meiner misslichen Lage hier hinten nichts mit, da sie zu weit entfernt saßen und gerade Gespräche mit ihren Tischnachbarn führten. Allerdings musste ich mir schmerzlich eingestehen, dass sie, auch wenn sie meine verhöhnende Behandlung mitbekommen hätten, wohl nicht eingegriffen hätten und die Demütigung weiterhin über mich hätten ergehen lassen. Ich dachte daran, wie mitleidig meine Mutter mich wegen meines Kleides betrachtet hatte. Es wäre für sie ein Leichtes gewesen, mir ein neues Gewand besorgen zu lassen, doch hatte sie dies nicht getan. Sie wusste schließlich, dass Legolas es ausgesucht hatte. Alles, was er mit mir anstellte, so schien es, ließen sie einfach durchgehen. Mir fiel jedoch auf, dass meine Eltern keine Einzelheiten darüber wussten, was Legolas mit mir vorhatte. Man merkte nur ab und zu, dass sie sich über die merkwürdigen Anordnungen des Prinzen wunderten. Doch ließen sie ihn gewähren.
Es war nun schätzungsweise eine halbe Stunde vergangen, da bemerkte ich, wie eine nach der anderen der elbischen Damen ringsum mich herum ihren Blick zum Eingang wandte. Also schaute auch ich dorthin. Ein Elb betra |