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| Erstellt am 12.11.2006 - 18:06 |  |
So, am trüben Herbstabend serviere ich euch ein letztes Mal ein Textbuch von Anno Tobak - das Stück, mit dem alles anfing...
WINNETOU: Abenteuer im Wilden Westen / von Ludwig Körner und Roland Schmid.
2.Aufl., 1959
gespielt in Bad Segeberg 1952, 1953, 1957 und 1971, in Elspe 1958 und 1967 sowie an verschiedenen anderen Orten, die mir aber nicht bekannt sind
Vorlage?
Bild I-III stammen aus „Winnetou I“, Bild IV ist aus „Winnetou III“ und „Der Ölprinz“ entlehnt.
Überarbeitungen?
Die ursprüngliche Fassung von „Winnetou“ von Roland Schmid ist erstmals 1947 gespielt worden, 1950 überarbeitete Ludwig Körner das Stück (laut „Karl May am Kalkberg“). Es gab später noch mehr Überarbeitungen.
So stimmen die Rollen bei den Segeberger Aufführungen nicht mit denen in diesem Textbuch überein.
Z.B. wurde aus dem Siedler „Winklay“ „Brinklay“ und „Brinkley“ und aus „Karl Hellmann“ „Karl Hillmann“ und weitere Siedler und Indianer wurden mit Namen versehen. Zusätzlich gab es in Bad Segeberg die Rolle des Sioux-Häuptlings „Ko-itscheh“, offensichtlich anstelle des „Tangua“ im Bild IV. 1952 und 1957 gab es in Bad Segeberg sogar noch die Rolle „Old Firehand“ .
Einleitung?
Die 1.Auflage sei 1950 erschienen.
Diese 2. sei v.a. im letzten Bild verändert, d.h. klarer und besser gestaltet worden.
Das Stück sei schon an mehreren Orten gespielt worden, darunter sei Bad Segeberg mit sogar weit über 100 000 Besuchern im Jahr 1952 erwähnt.
Je nach Bühne müsste man Auftrittsrichtungen natürlich selbst bestimmen. Es werden ein paar Empfehlungen gegeben, z.B. dass man ein kleines Zelt für die Vermessungsarbeiter aufstellen und das danach als Trage verwenden könne. Bei den Schusswechseln sollten besser keine Pferde zugegen sein!
In Bild I soll „Old Shatterhand“ etwa 22 Jahre alt und bartlos sein. Ab Bild III trägt er Leder und einen Stetson, im Bild IV trägt er einen kurzen Vollbart.
Es gibt ein überschwängliches Vorwort von Carl Zuckmayer aus dem Karl-May-Jahrbuch 1930!
Handlung?
I. Bild - Pueblo der Mescalero-Apatschen [Anfang 1860er Jahre]:
Nscho-tschi und Winnetou im Gespräch: Er höre den Todesschrei des roten Mannes usw., Landdiebe seien gekommen, unter ihnen Old Shatterhand, der den Grauen Bären mit dem Messer erlegte, den Büffel jagte und jeden mit der Faust besiegen könne, dessen Zunge aber genauso falsch wie die aller Weißer sei. Der große Geist habe Winnetou und Intschu-tschuna vom Baum befreit. Sie hätten viele Kiowas, Old Shatterhand und seine 3 Freunde gefangen und sie verhört – Nscho-tschi verteidigt Old Shatterhand, den sie pflegte.
Die vier Freunde kommen an den Marterpfahl, Nscho-tschi trauert – Winnetou teilt das Wettschwimmen mit, die Kiowas hätten Lösegeld bezahlt und würden heute abziehen – Intschu-tschuna hält Schauanklage, Tangua will Shatterhand Apachenhass und Skalpierungsabsicht in die Schuhe schieben
Das Wettschwimmen findet hinter der Bühne statt, Old Shatterhand gibt sich unterwegs schon mal ängstlich. Ein Apachenkrieger berichtet dem gefesselten „Kleeblatt“ vom Verlauf – Jubel, Erstaunen!
Die vier Freunde werden frei gelassen. Old Shatterhand zeigt die Locke Winnetous
Tangua tobt, will aber plötzlich von seiner Herausforderung nichts wissen, muss dann aber antreten
Durch dessen Umdrehen zerschießt Old Shatterhand beide Knie Tanguas, drohend wird er von den Kiowas weggetragen – Intschu-tschuna ruft die Blutsbrüderschaft aus
II. Bild – Pueblo der Mescalero-Apatschen [einige Stunden später]:
Old Shatterhand und Winnetou im Gespräch – Winnetou: ...lass uns nie über Glauben sprechen! – Aber: Shatterhand möge ihm Freund und Lehrer zugleich sein! – „Kleeblatt“ kommt, Sam Hawkens hat mit Klinua-ai geflirtet und trägt nun neuen Rock aus dem Bärenfell -
Shatterhand geht Jagen, Nscho-tschi und Winnetou sprechen über Shatterhand, Winnetou rät ihr Gang in den Osten und will es Intschu-tschuna vorschlagen – Sam Hawkens Turtelei ist dank Perücke geplatzt
Old Shatterhand steckt sich Pfeife an (!), Intschu-tschuna macht ihm Bleiben bei den Apachen schmackhaft. Shatterhand möge Vermessungen abschließen. Man werde Gold holen und dann alle zusammen in den Osten reiten
III. Bild – Freie Gegend, fern vom Apatschen-Pueblo [etwa 14 Tage später]:
Santer behauptet gegenüber Dick Stone und dem wiederkommenden Old Shatterhand, dieser habe den Grizzly (seinen zweiten!) nicht mit dem Messer getötet, habe diesen nur gereizt und sei an Rollins Tod schuld. Santer zieht schließlich den Revolver und wird von Shatterhand schließlich niedergeschlagen
Santer, Clay, Summer und Gates (man hatte ihnen gestern Abend Lager gewährt) müssen gehen , Intschu-tschuna (der mit den anderen Apatschen dem Grizzly auf der Spur war) schickt ihnen aber Späher nach -
Winnetou erfragt, ob Sam den Fremden vom Reiseziel erzählt hätte. Sauer, weil diese jetzt was vom Gold ahnen könnten
Shatterhand ist mit dem Vermessen fertig und soll jetzt mit den anderen vorausreiten – Intschu-tschuna, Winnetou und Nscho-tschi (umarmt noch Shatterhand) gehen zum Nugget-Tsil – Sam, Dick und Will haben Santer rumschleichen gesehen, man geht auf Kundschaft
Santer hat tatsächlich gelauscht und legt sich mit seinen Kumpanen auf die Lauer – sie halten die drei Apachen an, die sind unerschrocken, Santer eröffnet das Feuer
Winnetou und der herbeieilende Old Shatterhand erschießen Summer, Clay und Gates, Santer entkommt – Nscho-tschi stirbt
Old Shatterhand muss Winnetou von Schwur gegen alle Weißen abhalten – Old Shatterhand will Santer folgen, die Apachen tragen die Leichen davon
IV. Bild – Talkessel am Rande der Prärie [etwa 10 Jahre später]:
Santer (jetzt mit Bart), Tangua (von Kriegern getragen) und Poller wollen den Treck, den dieser führt, hier im Todestal überfallen - Santer will Dick Stone und Will Parker vorher vom Treck weglocken
Der erste Planwagen kommt mit dem Krämer Winklay, seiner Tochter Mary, zwei Farmern, Dick, Will und Poller – Dick und Will misstrauen Poller wegen dieses Ratsplatzes
Santer kommt, er sei ein Fellhändler namens „Butler“, wäre bei den Kiowas gefangen gewesen, hätte gehört, dass sie die Eisenbahnstation Echo-Cañon überfallen wollen und hätte fliehen können....
Poller drängt Will u. Dick loszureiten, die glauben „Butler“ aber nicht – beleidigt greift „Butler“ Will an, der ihn aber zu Fall bringt
Poller tobt, auch gegen die „Rothaut“ (Winnetou), die auftaucht – Winnetou will trinken und bei Winklay einkaufen, Winklay behandelt ihn geringschätzig, wird aber beim Goldnugget sofort gierig, will ihm aber keine Munition verkaufen, wofür ihn Winnetou das Messer auf die Brust setzt, sich zu erkennen gibt und geht
Sam Hawkens kommt und gerät gleich mit dem jähzornigen „Butler“ aneinander, worauf das „Kleeblatt“ „Butler“ und den tobenden Poller überrumpelt - „Butler“ jedoch kann davoneilen, rennt aber Old Shatterhand in die Arme und wird samt Poller gefesselt – Old Shatterhand ahnt Überfall, zwingt Poller durch Armumdrehen zum Geständnis und erkennt Santer
Santer kann sich aber mit verstecktem Messer befreien und Mary Winklay als Geisel nehmen, doch auf der Höhe tötet ihn der zurückkehrende Winnetou mit einem Kopfschuss!
Mit in der Nähe wartenden Apachen will Winnetou Kiowas zurückschlagen – die restlichen Siedler kommen, voran die sächselnde Rosalie und Emil Ebersbach und Karl Hellmann, der staunt, dass sein Bekannter von früher Old Shatterhand ist – Geplänkel Sam/Rosalie
Winnetou will mit Shatterhand auf Kundschaft, da singen die Auswanderer das Ave Maria und Winnetou verharrt – das Kleeblatt geht stattdessen auf Kundschaft – Winnetou hat Todesahnung, reißt sich schließlich los, drückt Shatterhand an sich und eilt, die Apachen zu holen – „Kleeblatt“ hat seltsam tiefe Kiowa-Spuren entdeckt (von Tanguas Trägern), Shatterhand geht mit dem Kleeblatt noch mal selbst hin
Poller reizt Rosalie Ebersbach und bringt sie dazu, ihn freizulassen
Lagerleben – die Kiowas überrumpeln die Auswanderer, Tangua schickt Krieger wegen des „Kleeblattes“, die ja her sein sollten, los – Schüsse im Hintergrund, sterbender Kiowa ruft Warnung vor den Apachen – das Lager wird umstellt, Winnetou fordert Kapitulation, da reißt Tangua blitzschnell das Gewehr hoch und erschießt Winnetou, wird aber im nächsten Moment von Old Shatterhand erschossen
Apachen und „Kleeblatt“ im Handgemenge gegen die Kiowas und verfolgen sie – Sam (zurück): Es seien alle, auch Poller, ausgelöscht! – Shatterhand: Auch dieser hier wird auslöschen! Winnetou sagt den Siedlern, dass am Metsur-Fluss Gold läge und bittet ums Ave Maria – er sei ein Christ, er stirbt
Schlussworte Old Shatterhands
Fazit?
Insgesamt: interessant. Natürlich ist es Sprechtheater und dramaturgisch in dem Stil heute nicht mehr geeignet. In Gesprächen werden vorhergehende Ereignisse für den Zuschauer rekapituliert. Außer dem Handgemenge am Schluss gibt es keine sichtbare Action. Das Stück schreibt keinerlei Ritte vor!
Gerade Winnetou muss mehrere lange Monologe sprechen. Er und Old Shatterhand erhalten viel Raum, um über ihre Freundschaft, Rot und Weiß usw. zu sprechen. Ebenso erhält das „Kleeblatt“ Zeit für seine Kabbeleien und gewinnt somit viel Profil (ich kenne Dick Stone und Will Parker höchstens als Mini-Rollen). Nicht mal erwähnt wird dagegen Klekih-petra!
Handlung, Sprache und Stil sind sehr nah am Roman. Nur bei Bild III und IV musste ich staunen, dass man sich damals (R.Schmid war immerhin vom Karl-May-Verlag) solche Freiheit nahm, die Grizzly-tötet-Mann-Episode hinter die Pueblo-Episoden zu stellen und dann noch ein Crossover mit „Der Ölprinz“ zu machen.
In der Grizzly-Episode übernimmt Santer als Lagergast den Part von Rattler und wird somit sinnbringend in die Geschichte eingeführt.
Bemerkenswert ist auch, dass Winnetou noch deutlich härter ist als in den heutigen Karl-May-Spielen, z.B. zuerst noch richtigen Hass gegen die Weißen zeigt und den Oberschurken noch eigenhändig und kaltblütig erschießt (statt nur indirekt an seinem Ende schuld zu sein oder die Eliminierung einfach jemandem anderen zu überlassen, wie es heute ständig praktiziert wird!).
Sonstige Entleihungen aus anderen Büchern?
Das Motiv „Santer, der Fellhändler“ mag aus „Winnetou II“ entlehnt sein. „Winklay“ und die Einkaufsszene mit Winnetou stammen aus der „Deadly-Gun“-Erzählung aus „Old Surehand II/Kapitän Kaiman“. Aus „Im Tal des Todes“ stammt die Szene, in der Winnetou Dick Stone und Will Parker mit den Apachen-Spitznamen „Itseh“ (=Hölzer) und Sam Hawkens mit „Tschi-kone“ (=Leuchtnase) begrüßt.
Eigenartig?
In Bild III bittet Winnetou seinen neuen Blutsbruder, nie vom Glauben zu sprechen. Aber: „Dein Christenglaube mag der richtige sein, aber wir roten Männer können ihn nicht verstehen. Der Unterdrückte kann nicht glauben, dass die Religion dessen, der ihn langsam aber sicher tötet, eine Religion der Liebe ist.“ ....aber trotzdem die richtige? Vielleicht steht das bei May, es ist mir trotzdem nicht schlüssig.
Bild IV, Nscho-tschi und Intschu-tschuna sind tot: Winnetou wirft „beide Arme hoch und stürzt sich mit einem Aufschrei an Shatterhands Brust) Scharlih! Du weißt, wen ich verloren habe, sei du mir Vater und sei du mir Schwester zugleich! Ich habe jetzt niemand, nur dich! Nur dich!“ .....und der Satz war in den 50ern noch nicht zu schwülstig? Versuche mir vorzustellen, ein heutiger Winnetou würde das bringen
[Dieser Beitrag wurde am 12.11.2006 - 18:17 von AlNo aktualisiert]
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