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Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Ich bin mir ziemlich sicher, daß sich für Ratschläge und Tips in Zusammenhang mit dem Schreiben von Geschichten oder Kurzgeschichten aller Art einige Leute interessieren. Für diese habe ich einen Teil des Konzeptes hier zusammengefaßt. Es gibt dabei ein paar Dinge, von denen es auf keinen Fall schaden kann, sie einmal gehört zu haben, wenn man selbst Geschichten oder Kurzgeschichten schreiben möchte. Geschichten schreiben kann man eigentlich nicht lernen; weil es einfach auch ein Talent ist. Ein Talent aber, das - in einem gewissen Grad - fast jeder hat. Und es ist ein Talent, zu dem ein gewisses Handwerkszeug gehört, das man sich aneignen und das man verbessern kann. Was das Schreiben betrifft, ist der Austausch mit Anderen außerordentlich bereichernd. Das kann z.B. in Schreib-Workshops geschehen, die von diversen Einrichtungen immer wieder angeboten werden. Natürlich läßt sich nur allein mit Worten die Atmosphäre kaum einfangen, die z.B. einen Workshop ausmacht, der vor Energie nur so knistert und so sehr viele unterschiedliche Charaktere zusammenbringt. Und natürlich sind die vorbereiteten Schreibübungen nur in einem entsprechenden Rahmen sinnvoll, in dem sie auch ausführlich besprochen werden können; nicht für den Einzelnen. Aber auch eine Veröffentlichung in einem Forum für Hobby- Autoren kann dabei sehr hilfreich sein, falls dort nicht nur gelesen wird, sondern auch genügend konstruktive Rückmeldungen und Kritiken zu erwarten sind. Denn: Auch wenn man vielleicht zunächst noch gar nicht an eine Veröffentlichung denkt, ist Schreiben doch etwas, das man in erster Linie für Andere macht. Man faßt seine eigenen Erfahrungen, Erkenntnisse und Gefühle zusammen in der Hoffnung, daß sie Anderen etwas geben können. Daraus erklärt sich auch, daß Schreiben etwas ist, das man nur sehr schlecht theoretisch lernt, sondern am besten in der praktischen Anwendung. Wobei man dabei manchmal sogar aus eigenen und fremden Fehlern mehr lernen kann, als aus einer fast perfekten Geschichte. Was natürlich nicht heißt, daß man sich nicht gleich von vornherein darum bemühen sollte, eine gute Geschichte zu schreiben. Dabei sollte man sich einige Dinge vergegenwärtigen, bevor man mit dem Schreiben überhaupt erst beginnt: 1. Warum schreiben? Und für wen? 2. Notwendige Vorüberlegungen zu Zweck und Zielgruppe der Geschichte: a) Woher nehme ich die Ideen für eine Story? b) Was macht speziell z.B. eine spannende oder erotische Geschichte aus? c) Und was macht speziell eine Satire aus? 3. Einfach drauflos schreiben oder Arbeiten nach Konzept? 4. Wie ist ein Spannungsbogen aufgebaut, der das Interesse der Leser bis zum Schluß wach hält? 5. Die Qual der Wahl: Der Titel. 6. Hemmungen, Gefühle, Schilderung. a) Wie überwinde ich die Hemmungen, sensible, intime Dinge zu beschreiben? b) Wie erreiche ich den Schulterschluß intime Gefühle/rationale Schilderung? 7. Direktheit - oder lieber romantische Umschreibungen? Was ist wo wirkungsvoller? 8. Wie kann man ständige Wortwiederholungen und Klischees vermeiden? In welcher Form schreibe ich? Vergangenheit oder Gegenwart? Als Hauptperson in der Ich- Form oder als Beobachter? 9. Welche stilistischen Mittel hat ein Autor, in anderen Menschen Emotionen zu wecken und lebendig werden zu lassen? 10. Die erste Story ist fertig. Und nun? 11. Tips für Veröffentlichungsmöglichkeiten Schreiben, Kritik - und der Umgang damit. 1. Warum schreiben? Und für wen? Notwendige Vorüberlegungen zu Zweck und Zielgruppe der Geschichte. Warum schreiben? · Weil es Spaß macht. · Weil man gerne eine Geschichte von sich veröffentlicht sehen will. · Zur Selbstdarstellung. · Weil man den Partner mit einem ganz besonderen Geschenk überraschen will. · Weil man sich über etwas klar werden will. · Weil es ein Problem gibt, das nicht genügend verarbeitet werden konnte. · Weil man die Meinung anderer Menschen dazu hören möchte. · Weil etwas drängt, hinausgelassen zu werden. · Oder auch - weil man verletzt, wütend, boshaft oder geil ist und das gerne in Worten festhalten möchte. Daran sieht man also schon, es gibt viele Gründe zu schreiben und sie sind alle legitim - auch wenn man einige davon für moralisch verwerflich halten mag. Keiner hat jedoch das Recht, einem anderen Menschen vorzuschreiben, daß nur bestimmte Dinge, Gründe oder Anlässe das Schreiben rechtfertigen. Wie beispielsweise das Schaffen von „hoher Literatur." Es muß nicht alles ein zweiter "Faust" sein, um als Geschichte eine Lebensberechtigung zu haben. Der Begriff „Literatur" bezieht sich übrigens nur auf das geschriebene Wort, völlig unabhängig von der Qualität eines Textes. Allerdings: Je nachdem, was man mit der Geschichte vorhat, gibt es eben doch bestimmte Dinge, die man dabei beachten muß. Wer nur für sich selbst schreibt, weil es ihm Spaß macht, der ist natürlich am wenigsten irgendwelchen Beschränkungen ausgesetzt. Er kann wirklich schreiben, was er will und wie er will. Gerade im Bereich der lyrischen Dichtung kann dies sehr häufig beobachtet werden. Wer einmal mit dem Schreiben begonnen hat, wird aber fast unweigerlich irgendwann auch daran denken, die Geschichten anderen Leuten zu zeigen. Vielleicht Freunden und Bekannten - oder auch Fremden. Man denkt an eine Veröffentlichung im Internet oder anderswo. Und spätestens dann muß man gewisse Überlegungen für seine Geschichte anstellen. Man muß sie vom Stil her und Inhaltlich an das anpassen, wofür sie gedacht ist. Dafür gibt es jedoch keine starren Regeln. Und vor allem gibt es keine, die sich nicht mit ein wenig Nachdenken selbst erschließen. Wer beispielsweise eine Geschichte als Geschenk für den Partner schreiben möchte, wird versuchen, vor allem seine liebevollen Gefühle und seine Wertschätzung für ihn darin auszudrücken. Vielleicht Situationen zu schildern, wie er sie sich wünscht - oder wie man sie gemeinsam bereits erlebt hat. Wer für die breitere Öffentlichkeit schreibt, etwa für das Internet, muß natürlich vor allem darauf achten, daß die Geschichten handwerklich in Ordnung sind, daß er möglichst alle Rechtschreibfehler beseitigt, Wortwiederholungen und holprige Sätze spätestens beim Korrekturdurchgang ändert. Niemals sollte eine Geschichte ohne mindestens eine Korrekturlesung veröffentlicht werden. Eine saubere und interessante Gliederung und Satzumbrüche sind dabei unerläßlich. Sogenannte „Schusterjungen" (also einzelne Worte am Zeilenende oder Restsätze am nächsten Seitenanfang) sollten dabei auch korrigiert werden und die Geschichte durch Leerzeilen und Absätze klar und lesefreundlich gegliedert werden. (Layout) Es sollte dabei ein sogenanntes „Textbild" entstehen, deshalb sollte sowohl die wörtliche Rede, als auch Dialoge möglichst immer mit einer neuen Zeile begonnen und mit Anführungszeichen versehen werden. Ein „kursives" Schriftbild verstärkt dabei den Eindruck des gesprochenen Wortes. Dazwischen sollte am besten eine Leerzeile eingefügt werden, um dem Leser den Szenenwechsel bildhaft vor Augen führen zu können. Das macht die Geschichte übersichtlicher, außerdem wird durch diesen „Kunstgriff" im Kopf des Lesers derselbe Bildwechsel- oder Überblend-Effekt erzielt wie im Film mit einer Kamera. HÜTEN Sie sich!! - in EINEM zusammenhängenden Satz - vor der ANWENDUNG von allzu VIELEN Ausrufezeichen!!! und/oder Worten in GROSS-SCHRIFT!!! Damit erreichen Sie kaum die gewünschte Betonung, sondern es zerstört sehr oft nur den Lesefluß, wie Sie sicher deutlich erkennen konnten. Der Leser sollte ja nicht mit dem Entziffern der Schrift und dem Zuordnen von gesprochenen Sätzen beschäftigt werden, sondern es sollten ihm nach Möglichkeit in einer flüssigen Schreibweise bewegte Bilder vor Augen geführt werden. Auch die Interpunktion, bzw. Zeichensetzung sollte dabei natürlich korrekt sein. Nichts jedoch ist schlimmer zu lesen als ein langer Fließtext ohne jegliche Interpunktion, womöglich noch in konsequenter Kleinschreibung und gespickt mit vielen Rechtschreibfehlern. Falls Sie über ein gewisses „ästhetisches Empfinden" verfügen, dürften Ihnen diese Dinge ohnehin keine nennenswerten Schwierigkeiten bereiten. Auch vor der Verwendung von allzu vielen Ausrufezeichen kann ich immer wieder nur warnen. Durch Ausrufezeichen werden Worte oder Sätze ganz besonders betont und damit in ihrer Wichtigkeit vom übrigen Text herausgehoben. Betont man jedoch alles, so wird damit alles gleich wichtig, - oder eben gleich unwichtig. Ob man seine Geschichten nach alter oder neuer Rechtschreibung verfaßt, das bleibt dem persönlichen Empfinden des Autors überlassen. Aber auch dabei sollte man eine gewisse „Trittfestigkeit" an den Tag legen, nicht wahllos zwischen den beiden wechseln, sondern konsequent bei einer von beiden bleiben. Im Zweifelsfalle gibt es dazu eine Rechtschreibprüfung unter „WORD" oder den Duden. Die angesprochene Zielgruppe sollte dabei auch nicht völlig übersehen werden. Während ältere Menschen mit der alten Rechtschreibung noch wesentlich besser zurechtkommen, wirkt diese beim jüngeren Leser eher störend oder gar verwirrend. Vor allem aber ist es so, daß jemand eine Geschichte nur deshalb liest, weil er sich etwas davon erhofft. Und sei es ein wenig Ablenkung, ein wenig Spaß, Unterhaltung oder sexuelle Erregung. Aber auch eine philosophische Aussage, einen Erfahrungsbericht Anderer, eine Lebenshilfe, ein bißchen Romantik, Spannung oder aber auch Humor oder beißende Satire. Und diese Leser will man erreichen, will ihnen etwas sagen oder sie erheitern. Es muß also - über den direkten Spaß am Schreiben hinaus - einen Sinn haben, eine Geschichte zu schreiben, wenn sie für Andere gedacht ist. Dieser Sinn kann nur darin liegen, daß man den Lesern etwas Bestimmtes mitzuteilen, etwas Bestimmtes zu geben hat. Oder dies zumindest glaubt. Man sollte sich vorher entscheiden, welche der vielen möglichen Bedürfnisse der potentiellen Leser man erreichen und zufriedenstellen will und dann entsprechend planen. Man wird nie alle Leser erreichen können, deshalb ist es sinnvoller, die Zielgruppe, die man gewählt hat und erreichen möchte, auch wirklich gut zu bedienen. Dazu gibt es diverse Kategorien, die man wie Ordner oder Schubladen betrachten kann. Nirgendwo anders auf der Welt ist dieses Schubladendenken so ausgeprägt wie gerade bei uns in Deutschland. Ob es nun Liebesgeschichten, Erotik, Philosophie, Humor, Satire, Horror, Gedichte, Trauer, Weisheiten oder andere Bereiche sind - für beinahe alles gibt es eine Kategorie. Geschichten in Mischform, eine philosophische Aussage, die mit pornographischen Details geschmückt ist, ein Reisebericht, der mit erotischen Details angereichert ist, eine traurige Story, die locker-leicht geschrieben ist - all das ist natürlich ebenfalls möglich. Aber es ist sehr schwierig, diese Mischformen so zu gestalten, daß der Leser davon nicht abgestoßen wird durch die Widersprüchlichkeit darin. Deshalb ist es - vor allem zu Beginn - einfacher, sich auf eine bestimmte Art der Geschichte festzulegen und diese vorerst auch durchzuhalten. Und wenn man gerne experimentieren möchte - warum nicht erst eine Form probieren und dann die nächste? Später kann man sich ja immer noch auf das schwierige Feld der Mischformen begeben. Das schöne am Schreiben ist, man kann es fortsetzen, solange man Lust dazu hat. Keiner sagt, daß man nur eine einzige Art an Geschichten schreiben darf; nur weil die einzelne Geschichte sich besser an einer speziellen Art orientiert. Übersicht: 2. Notwendige Vorüberlegungen zu Zweck und Zielgruppe der Geschichte: a) Woher nehme ich die Ideen für eine Story? b) Was macht speziell eine erotische Geschichte aus? c) Was macht speziell eine Satire aus? a) Die Ideen: Meistens kommt die Lust am Schreiben, nachdem eine bestimmte Idee für eine Geschichte im Kopf bereits geboren wurde. Wenn es anders ist, oder wenn die erste Idee sich bei der Ausarbeitung als nicht brauchbar herausstellt, kann es natürlich sein, daß man ein wenig überlegen muß. Keine Angst - das, was man gemeinhin Schreibblockade nennt, die völlige Ideenlosigkeit, die trifft vorwiegend Menschen, die sehr viel und regelmäßig schreiben. Und sie ist meistens nur sehr vorübergehend. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, etwas mit Gewalt zu schreiben, denn genauso wird es sich dann später lesen. Oft ist es dabei sehr hilfreich, völlig aus der Thematik auszusteigen und irgend etwas anderem zu beschäftigen, Die Ideen kommen dann meistens von selber wieder zurück. Eigentlich ist es so, daß jeder Mensch einen unerschöpflichen Fundus an Ideen bereits in sich trägt. Und während er eine Geschichte schreibt, lebt er weiter - es kommen also ständig neue Ideen hinzu. Ja, Sie haben richtig verstanden - der erste Ideenlieferant ist das eigene Leben. Nicht umsonst heißt es, man soll beim Schreiben mit etwas anfangen, das man kennt. Weil man das einfach viel besser und lebendiger beschreiben kann und nicht erst die einzelnen Details recherchieren muß. Überlegen Sie sich, welche wunderschönen, besinnlichen oder auch erotischen Situationen Sie erlebt haben. Verändern Sie ein paar Details - denn schließlich wollen Sie ja kein Tagebuch schreiben, sondern sich nur inspirieren lassen durch die eigenen Erlebnisse. Ändern Sie vor allem auch die Namen, entfremden Sie sich selbst das Erlebte, damit Sie es auch als Betrachter von außen schildern können und nicht nur als hilflos darin gefangener Teilnehmer. Spinnen Sie das Erlebte fort; beginnen Sie mit dem, was wirklich war und - wählen Sie ganz bewußt ein anderes Ende. Eine weitere unerschöpfliche Quelle ist die eigene Phantasie. Schreiben Sie über Situationen, die Sie gerne einmal selbst erleben möchten, aber nie erlebt haben. Sie werden sehen - es ist vielleicht nie ganz so erfüllend wie die Realität - aber es ist wunderschön. Achten Sie dabei allerdings darauf, daß Sie realistisch bleiben. Kontrollieren Sie Ihre Phantasie. Denn durch das Schreiben tritt etwas aus der Phantasie hinaus in die Realität. Und in dieser - beim Schreiben ebenso wie beim Erleben - existieren Grenzen. Wer will, kann natürlich auch ohne Rücksicht auf diese Grenzen hemmungslos drauflos schreiben. Nur sollte er sich dabei sehr bewußt sein und bleiben, daß es unrealistisch ist, was er schreibt. Viele Menschen träumen beispielsweise davon, von einem anderen entführt zu werden, der nachher alle möglichen erotischen Dinge mit ihnen anstellt. Sie können das beschreiben - aber Sie müssen wissen, daß es jeglicher Realität entbehrt. Nichts ist schlimmer als ein Autor, bei dem die Grenzen zwischen irrealen Wünschen und Realitätsschilderung verschwimmen. Wenn Sie schreiben, lösen Sie bei Ihren Lesern etwas aus. Wollen Sie wirklich, daß ein Leser glaubt, eine echte Entführung könne romantisch oder erotisch sein? Sie tragen eine große Verantwortung; machen Sie sich das sehr klar. Schildern Sie Träume auch als Träume. Wenn es realer werden soll, wenn etwa die Entführung nur ein Spiel eines miteinander vertrauten Paares für ein Wochenende ist, beschreiben Sie die Dinge so, wie sie wirklich geschehen könnten; ohne übertriebene Phantastereien. Phantasie und Phantasterei - das eine braucht ein Schriftsteller; das andere ist mehr als gefährlich. Und wenn Sie wirklich pure Träume beschreiben wollen, weil es Ihnen Spaß macht - was selbstverständlich erlaubt ist -, verwenden Sie doch einen Trick: Betten Sie die Träume in eine reale Rahmenhandlung ein. Ein Paar verbringt einen Urlaub miteinander und während dieses Urlaubs erzählen Sie sich gegenseitig ihre intimsten Wünsche. Aber zurück zu den Ideen für eine Geschichte: Niemand ist mit dem Wissen zur Welt gekommen, das er heute hat. Jeder von uns hat alles, was er heute kann oder weiß, von einem anderen Menschen gelernt - oder geklaut. Viele Autoren klauen hemmungslos - und ich halte das für erlaubt. Solange - man nicht die Geschichten selbst bei anderen stiehlt. Aber ein kleiner Satz eines anderen, eine bestimmte Situation in einem Buch, das man liest, eine Filmszene können wie ein Funke sein, der ein Feuer an eigenen Ideen entfacht. Alles das wird dadurch zu einer eigenständigen Geschichte, daß es verändert wird, daß lediglich die Idee "entlehnt" wird, aus der nachher eine ganz neue Geschichte wird. Kein Autor, der wirklich ernst genommen werden möchte, wird jedoch die Geschichte eines „Kollegen" 1:1 kopieren, um sie dann als seine eigene zu veröffentlichen. Das verbietet schon der Anstand und - soweit vorhanden - das eigene Ehrgefühl. Zudem gibt es damit ernsthafte Probleme mit dem Urheberrecht! Das sollten Sie beachten. Ideen sind also überall. Sie liegen sozusagen auf der Straße. Man muß nur die Augen aufmachen. Wer diese nicht findet, sollte besser keine Geschichten schreiben. Übersicht: b) Und was macht nun speziell eine erotische Geschichte aus? Nun - die Erotik natürlich; die erotische Grundstimmung. Und zwar einmal die, die der Autor spürt während des Schreibens, aber vor allem auch die, die beim Leser entsteht. Wobei Erotik und Sex nur bedingt etwas miteinander zu tun haben. Erotik kann Sex einschließen, muß das aber nicht. Es besteht aus mehr, und dieses Mehr ist das Entscheidende. Das Kribbeln, das Prickeln, die warmen und aufregenden Gefühle. Das macht Erotik aus. Ob Sex überhaupt stattfindet, ist dabei zweitrangig. Eher schon geht Erotik in Richtung Spannung, Phantasie und Liebe. Wobei es sich dabei nicht um die lebenslange große Liebe handeln muß, die es ohnehin nicht gibt. Auch ein One-night-stand kann dieses Prickeln auslösen. Natürlich kommt es auch darauf an, weshalb und für wen man schreibt. In ganz bestimmten Situationen kann auch die pure mechanische Beschreibung sexueller Vorgänge sehr reizvoll sein. Allerdings - wer nur Autoerotik- Inspirationen - also Wichsvorlagen - schreibt, sollte sich dann auch nicht wundern, wenn sie von Anderen genau so genannt werden. Sie haben durchaus ihren Platz in der Literatur - aber eine große Kunst sind sie nicht. Wer vom Lesen und vom Schreiben etwas mehr erwartet als das, was jedes Sexhandbuch ausführlicher und lehrreicher schildern kann, der soll sich darauf konzentrieren. Wobei - ich denke, wir sind gerade bei diesem Satz auf den entscheidenden Unterschied zwischen Sex und Erotik gestoßen. Noch die simpelste Wichsvorlage ist allemal erregender als ein nüchternes Handbuch. Und warum? Weil eben doch ein wenig mehr drinsteckt als Sex. Ein paar Gefühle, ein wenig Rahmenhandlung, Romantik, Gedanken, Dialoge. Und je mehr davon eine Geschichte enthält, desto eher ist sie eine erotische Geschichte. Sie kann daneben auch eine erregende Geschichte sein - doch das muß sie keinesfalls, um erotisch zu wirken. Wenn Sie eine Geschichte lesen und diese in Ihnen diese ganz gewisse Sehnsucht weckt, nach einem Abend am Kaminfeuer, nach einem Erlebnis, das man so schnell nicht vergißt, nach diesem ganz bestimmten inneren Aufruhr, der noch den trübsinnigsten Regentag verlockend macht, weil es IHN gibt, oder weil es SIE gibt, nach einer Nacht, die den nächsten Tag zum Märchen macht, obwohl man tierisch müde ist - dann haben Sie eine erotische Geschichte vor sich. c) Und was macht eine Satire aus? Was ist Satire und was darf sie? „Alles", hat Kurt Tucholsky geschrieben. Satire ist eine..."mit Ironie, Sarkasmus und scharfem Spott menschliche Schwächen und Laster geißelnde Dichtung." Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird. Angriff, Sarkasmus, Zynismus, Kritik, Polemik, Spott, Didakt, Übertreibung, Verfremdung, Verzerrung und Ironie sind die wichtigsten Stilmittel einer Satire, nicht alle aber müssen gleichzeitig vorhanden sein. Zum Kern der Satire gehört der Angriff. Ursache sind die - nach Meinung des jeweiligen Autors - anklagenswerten Mißstände dieser Welt. Mittels Satire können Personen oder Zustände angeprangert, kann an ihnen Kritik geübt werden. Dieser Realitätsbezug ist für die Satire charakteristisch. Gleichzeitig kann sie auch ein Idealbild beinhalten, eine Utopie, wie es sein sollte. Dabei arbeitet die Satire mit Verfremdung. Sie gibt die Objekte ihrer Kritik durch Verzerrung und Übertreibung mit beißender Ironie oder Spott der Lächerlichkeit preis. „Ein Satiriker ist ein gekränkter Idealist", hatte schon Kurt Tucholsky gesagt. Ein anderes Zitat besagt: „Satiriker sind Menschen, die vor dem Leben aufgegeben haben." Dies muß aber nicht zwangsläufig so sein, obwohl es natürlich sehr gute Voraussetzungen wären, um Satire auch richtig „rüberbringen" zu können. Um Fehler und Mängel des Angegriffenen deutlich zu machen, schafft der Satiriker ungewohnte Sichtweisen, verbindet, was eigentlich nicht zusammengehört oder unterzieht sein "Opfer" einer ungewöhnlichen Behandlung. Aber der Satiriker sollte dabei auch sich selbst nicht völlig vergessen. Nur wer in der Lage ist, sich selbst mal „auf die Schippe" zu nehmen, wird auch dem Leser Satire richtig rüberbringen können. Satire wird von vielen Menschen sehr unterschiedlich gesehen. Manche lieben sie, während andere überhaupt keinen Zugang dazu haben. Es hängt also sehr vom persönlichen Humor und nicht zuletzt auch von der Bildung und der Intelligenz des Lesers ab, ob sie überhaupt bei ihm ankommt. Im allgemeinen bezeichnet man als Satire die Überzeichnung oder das Überspitzen von bestehenden Unzulänglichkeiten oder Zuständen, oft auch mit der Aussage ins Negative. Am leichtesten erschließt sich dieser Begriff mit der Satire eines Malers: Der Karikatur. Auch dort findet - im wahrsten Sinne des Wortes - eine oft maßlose Überzeichnung von tatsächlichen Gegebenheiten statt. Es gibt dabei die subtile und feinsinnige Art der Satire, die z.B. Mißstände nur kurz anreißt und oftmals erst eine gewisse Gedenkminute und/oder gute Kenntnisse der beschriebenen Situation erfordert, um überhaupt verstanden zu werden. Dabei werden sowohl die Fragen, als auch die Antworten, Schlüsse und Erkenntnisse nur angedeutet oder etwa in Halbsätzen ausgesprochen. Der Leser sollte dabei die Antwort in seinem Kopf selbst fertig formulieren. Oft werden die Mißstände dabei auch ins Gegenteil verkehrt und gelobt, statt kritisiert. Diese Art ist besonders gut z.B. für Kabarettisten geeignet, die ihre Stücke auf einer Bühne vortragen. (Bruno Jonas, Dieter Hildebrand, Loriot, u.A.) Es gibt aber auch die boshafte, grobe und derbe Art, die vor Polemik, Häme, Hohn und Spott nur so trieft, sofort „in die Vollen" geht und die oft auch die dazugehörige Antwort gleich selbst gibt. „Satire für Grobmotoriker" also. Ich halte beide Arten für legitim, aber natürlich auch alles, was dazwischen liegt. Eine kräftige Portion Zynismus ist jedoch für jede Art von Satire unabdingbar. Satire wird allgemein nur dann als gut empfunden, wenn sich dessen Inhalt ausschließlich auf Andere bezieht. Sobald man sich selbst darin wiederzuerkennen glaubt, wird sie oft als tiefe Kränkung, persönliche Verunglimpfung oder schlicht als Beleidigung empfunden. Es ist somit immer eine Frage des Humors und der persönlichen Selbstsicherheit des Lesers, ob er auch bereit ist, über sich selbst lachen zu können. Satiren über gesellschaftliche Randgruppen sind zwar überaus ergiebig, aber ebenfalls ein sehr heikles Thema. Merke: Echte Satire, die niemandem weh tut, gibt es nicht! So etwas ist im besten Falle nur seichte, humorvolle Unterhaltung. Auch die Karikatur eines Malers könnte ja nur die Vorzüge des Modells betonen, aber dann wäre es eben keine echte Karikatur mehr. Bei einer Satire ist der Schlußsatz der wichtigste, da dieser - wie beim Witz - die Pointe enthält. Übrigens sollte eine Satire - welcher Art auch immer - nicht allzusehr in die Länge gezogen werden, der Leser wird sonst leicht ermüdet und verliert das Interesse daran. Merke: In der Kürze liegt die Würze. Die besten Beispiele dazu sind die beiden Satiriker Gerhard Polt und „Loriot" alias Vicco von Bülow. Während die kurzen Sketche von beiden überaus erfolgreich waren, gerieten die Kalauer in den folgenden Spielfilmen etwas zu langatmig und ermüdend. Wer jedoch keinen Zugang dazu hat und somit auch keine Satire schreiben kann, wird diesen Begriff immer mit einer bunt gemischten Früchteschale interpretieren. Übersicht: 3. Einfach drauflos schreiben oder Arbeiten nach Konzept? Das muß jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt keine narrensichere oder patentierte Methode, eine gute Geschichte zu schreiben - es gibt nur Empfehlungen. Viele fühlen sich sicherer, wenn sie das Skelett einer Story bereits auf Papier festgehalten haben; die handelnden Personen, den Zeitrahmen, den Spannungsbogen, die innere Logik, den Ablauf der Geschehnisse und die Auflösung, bzw. das Ende. Daran kann man sich wunderbar orientieren und muß lediglich noch die einzelnen Szenen, das "Muskelfleisch" ausfüllen; sich aber keine Gedanken mehr darüber machen, was wie, wann und wo passieren soll. Der Nachteil ist, daß man sich selbst dabei womöglich so sehr einengt, daß man zu wenig in die Tiefe geht; die Personen nicht lebendig genug werden, sondern hölzern agieren. Weil man eben einem Drehbuch folgt und dabei auf ihren wahren Charakter und die feinen Nuancen wenig Rücksicht nehmen kann. Man zwängt die Geschichte praktisch in ein Korsett. Das macht zwar eine gute Figur - aber es beengt auch zugleich. Andere bevorzugen es, sich einfach hinzusetzen und sich von der Geschichte selbst führen zu lassen. Was jedoch keineswegs bedeutet, daß man auf innere Logik, Spannungsbogen etc. verzichtet - nur entsteht das alles nicht in einem greifbaren Konzept, sondern im Kopf. Diese Art hat den Vorteil, daß eine Geschichte lebendiger, detaillierter und authentischer wirkt, hat aber auch den Nachteil, daß man dabei leicht den „roten Faden" verliert und sich in Nebensächlichkeiten verzettelt. Die Geschichte muß im Nachhinein bereinigt werden. Mir ist die zweite Form trotzdem lieber. Wie im Leben auch, können damit in Geschichten Personen ihre ganz eigene Logik und Situationen ihre eigene Dynamik entwickeln, die ich so besser fassen kann. Außerdem bin ich viel zu faul, für jede Geschichte ein solch ausführliches Konzept auszuarbeiten. Das Arbeiten so ist freier - aber eben auch etwas schwieriger. Am besten probiert man aus, was einem selbst besser liegt. Übersicht: 4. Wie ist ein Spannungsbogen aufgebaut, der das Interesse der Leser bis zum Schluß wach hält? Eigentlich gilt für Geschichten grundsätzlich nichts anderes als für Sachartikel. Erstens: Man schreibt sie nur, wenn man inhaltlich wirklich etwas zu berichten hat. Und zweitens: Sie bestehen aus Einleitung, Hauptteil und Schluß. Die Unterschiede zwischen beiden Formen sind allerdings gravierend. Ein Artikel beschäftigt sich mit Fakten und Schlüssen, eine Geschichte mit Fakten und Gefühlen. Während es in einem Sachartikel durchaus erlaubt und manchmal auch nötig ist, längst bekannte Dinge schlicht noch einmal zusammenzufassen, ist eine Geschichte ganz ohne Überraschungen im Zweifel stinklangweilig. Auch der Aufbau der drei einzelnen Teile ist völlig verschieden. In einem Sachartikel wird in der Einleitung kurz ins Thema eingeführt und oft das Ergebnis des Nachfolgenden kurz zumindest angedeutet. Während bei einer Geschichte natürlich niemand gleich das Ende verrät. Bei einem Krimi z.B. wäre dies das Ende der Geschichte. Außerdem darf eine Einleitung zwar auch weiter ausholen, jedoch nie weitschweifig sein. Die ersten Sätze einer Geschichte, eines Romans sind jedoch entscheidend. Der Leser möchte gewissermaßen in die Geschichte „hineinfallen". Eines der typischen Merkmale einer Kurzgeschichte ist dieses „Hineinfallen" mitten in die Geschichte. Eine langwierige Einleitung zu schreiben, ist verpönt und stößt den Leser eher ab. Bei einer kostenlosen Geschichte aus dem Internet verhält sich natürlich das Leseverhalten etwas anders als bei einem Buch. Einerseits ist ein Leser eher bereit, mal in die Geschichte eines - ihm unbekannten - Autors hineinzulesen, andererseits kann man ihn auch viel schneller wieder verlieren, da er ja nicht dafür bezahlt hat und somit auch nicht hofft, trotz des schleppenden Anfangs eines Buches für sein Geld noch gut unterhalten zu werden. Es gibt Leser, die legen alles beiseite, wenn der Anfang sie nicht fesselt. Für mich z.B. entscheidet sich auf der ersten Seite, ob ich eine Story überhaupt weiterlese. Wenn man also etwas erzählen will, das den Ansprüchen eines Online-Lesers genügt, muß die Geschichte bereits mit dem ersten Satz richtig losgehen. Nicht zwingend mit dem eigentlichen Thema, aber mit etwas, das den Leser neugierig macht, weiterzulesen. Bringen Sie deshalb Spannung bereits in die ersten Sätze. Sie können die Geschichte aber auch mit einer interessanten Frage beginnen, denn auch dies ist ein gutes Stilmittel. Aber zurück zum Spannungsbogen: Welche Form der Erzählung man auch wählt - halten Sie sich nicht lange mit Vorreden auf. Wie alt die Person ist, was sie beruflich macht, was sie vorher erlebt hat - all das spielt vielleicht sehr wohl eine Rolle, aber Sie schreiben ja keinen Lebenslauf. Führen Sie die wichtige oder entscheidenden Dinge nach und nach eher beiläufig ein, nicht in einer langen Vorrede. Stürzen Sie sich sehr schnell in medias res. Packen Sie die Informationen in Nebensätze, und lassen Sie die Personen zunächst einmal handeln. Ein Beispiel: "Sie warf einen Blick auf die Uhr. Verdammt, schon wieder so spät! Der Schriftsatz ans Gericht war noch längst nicht fertig und einkaufen mußte sie auch noch. Schließlich kam Peter heute Abend." Damit befindet sich der Leser bereits mitten in der Geschichte, diese ersten Sätze sagen ihm mit wenigen Worten, daß die weibliche Hauptperson Anwältin ist, voll im Streß. Sie lebt allein, hat aber anscheinend einen Freund. Alles Dinge, die der Leser wissen muß. Nur - wie langweilig, wenn wir diese einfach in einer langen Einleitung erklären würden. Wer würde dann noch weiterlesen wollen? Deuten Sie in der Einleitung - noch während sie so interessant wie möglich die nötigen Fakten einführen - bereits das an, was die Geschichte ausmacht. Beginnen Sie mit dem Spannungsbogen. Etwas vereinfacht, können Sie das Wort Spannungsbogen mit "Konflikt" gleichsetzen. Eine Geschichte beschäftigt sich fast immer mit einem Konflikt. Das kann ein Äußerer sein, ein Streit zwischen zwei Personen, eine drohende Gefahr, Probleme von außen. Oder aber ein Innerer - wenn die Protagonisten sich über etwas unsicher sind und einen Weg aus der inneren Unsicherheit suchen. Mit diesem Konflikt beschäftigt sich der Hauptteil. Während die Einleitung sich auf Andeutungen beschränkte, wird der Konflikt nun nach und nach dem Leser vollständig enthüllt. Der Begriff Hauptteil ist dabei wörtlich zu nehmen. In dem geschickten Führen des Lesers durch verschiedene Wege, die manchmal auch bewußte Irrwege sein können, bis er schließlich den Konflikt in seinem vollen Ausmaß vor sich sieht, besteht die eigentliche Kunst des Schreibens. Wenn Sie hier nur in drei Sätzen beschreiben, worum es geht, können Sie sich die Geschichte auch sparen. Geben Sie sich Mühe mit den Details, und vor allem: Verlieren Sie nie den roten Faden aus dem Auge. Lenken Sie den Leser bewußt durch "falsche" Informationen ab, um die Spannung zu steigern - aber verlieren Sie sich nicht darin. Orientieren Sie sich selbst immer an dem wahren Konflikt, um den es in der Geschichte geht. Nehmen Sie den Leser an der Hand und führen Sie ihn durch die Geschichte. Behalten Sie den Überblick - auch wenn dieser dem Leser bewußt noch versagt wird. Alles andere ist eine Sache Ihrer Phantasie. Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich ein Spannungsbogen aussehen kann, auch wenn es um dasselbe Thema geht. Nehmen wir das Thema Eifersucht, das beim erotischen Schreiben eine große Rolle spielt. Der Konflikt kann hier einmal ein Außenkonflikt sein; darin liegen, daß ein Partner nicht weiß, ob der andere ihn betrügt. Die Geschichte wird deshalb bereits in der Einleitung seine ersten Zweifel zeigen, und sich dann damit befassen, was er alles auf der Suche nach der Wahrheit anstellt. Auch seine Gefühle werden geschildert, die Betonung liegt jedoch auf der quasi Detektivarbeit. Die abgeschlossen ist, wenn definitiv feststeht, ob es einen Seitensprung gibt oder nicht. Dieselbe Situation kann jedoch auch von innen beleuchtet werden. Der Seitensprung wird dabei als Fakt sehr schnell eingeführt, und der herauszuarbeitende Konflikt besteht in den Problemen des Partners, damit fertig zu werden. Seine Ängste und Unsicherheiten, seine Wut werden geschildert. In jedem Fall endet der Konflikt natürlich mit der Auflösung. Dies ist der Schluß der Geschichte. Anders als bei einem Artikel wird hier allerdings das Wesentliche, das vorher längst alles gesagt worden ist, nicht noch einmal zusammenfassend und ausblickend dargestellt. Der Schluß einer Geschichte ist vielmehr ein ganz eigenständiger Bestandteil, der - obwohl er viel kürzer ist - in der Bedeutung dem Hauptteil wenig nachsteht. Geben Sie sich deshalb Mühe mit der Auflösung des Konflikts. Machen Sie einen richtigen Höhepunkt daraus. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ein Happy-End als Abschluß wählen, ein trauriges Ende, oder ob Sie bewußt das Ende offen lassen. (French-End) In jedem Fall muß der Leser eine gewisse Befriedigung an genau dieser Form der Konfliktauflösung empfinden. Erst wenn eine Geschichte den Leser an die Hand nimmt, ihn in die Geschichte mitnimmt, ihm bewegte Bilder vor Augen führt und ihn zum Schluß - entweder befriedigt oder auch fragend - wieder daraus entläßt, entsteht der Eindruck: „Das war eine gute Geschichte." Versuchen Sie, wenigstens in den Details überraschend zu sein. Einfache Lösungen können nur selten wirklich fesseln. Kommen wir zurück zu unseren beiden Beispielen: Der Hobbydetektiv entdeckt entweder, daß sein Partner ihn wirklich betrogen hat, oder daß er unschuldig ist. Er macht eine Szene - oder er behält alles für sich. Das allein reicht aber nicht aus. Ein etwas mehr überraschender Schluß könnte beispielsweise der Beginn eines neuen Konfliktes sein. Auf der Suche nach Beweisen hat der Detektiv sich selbst verliebt und die ganze Wut, die er vorher spürte, schlägt um in Beschämung. Oder aber es kommt zu der Entdeckung, daß der Partner wirklich fremdgeht - aber erst jetzt, nachdem der Andere, vertieft in seine Suche, ihn vernachlässigt und verletzt hat. Ebenso kann die Hauptfigur auf der Forschungsreise in ihr Inneres am Ende den untreuen Partner verlassen oder ihm verzeihen. Wenigstens eine unerwartete Erkenntnis sollte allerdings die Faszination dieser Auflösung vertiefen. Vielleicht die Entdeckung, daß man sich die Erotik zu dritt gut genug vorstellen kann, um ein gemeinsames Treffen in die Wege zu leiten. Kurz zusammengefaßt sieht demnach ein Spannungsbogen so aus: In einer Einleitung werden die Fakten eingeführt, die zum Verständnis der Erzählung nötig sind. Soweit man sie nicht aus Gründen höherer Spannung zurückhält. Gleichzeitig wird der Konflikt, der die Geschichte beherrscht, bereits angedeutet und angelegt. Im Hauptteil der Geschichte wird dieser Konflikt herausgearbeitet, vertieft und zugespitzt. Vielleicht werden Zwischenlösungen gefunden, die sich als unzureichend herausstellen und letztlich den Konflikt doch nur verstärken. Der Schluß bringt dann die Auflösung des Konflikts. Sehr schwierig ist es, bei einer Fortsetzungsgeschichte, einer Serie oder einem Roman den Spannungsbogen über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grunde ist es oft leichter, eine Serie in viele Einzelgeschichten zu unterteilen. Das hat zwar den Nachteil, daß viele Erklärungen und Erläuterungen wiederholt werden müssen, hat aber den Vorteil, daß der Spannungsbogen der jeweiligen Einzelgeschichten wesentlich kürzer und somit interessanter gehalten werden kann. Wenn die Geschichte länger ist, muß man den Leser eventuell von Kapitel zu Kapitel locken. Geben Sie den einzelnen Geschichten einen vorläufigen Abschluß und machen Sie dann Appetit auf eine Fortsetzung, indem Sie den nächsten Konflikt kurz anreißen. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang: Beschränken Sie sich z.B. bei einer erotischen Geschichte niemals allein auf die Erotik. Aus Erotik allein läßt sich nämlich kaum ein interessanter Spannungsbogen gestalten. Legen Sie lieber eine Rahmenhandlung an, vielleicht an außergewöhnlichen Orten. Schreiben Sie, wie das Leben wirklich ist. Und das besteht nun einmal nicht nur aus Sex; auch wenn Sex unzweifelhaft viel wichtiger ist, als manche dies zugeben mögen. Hüten Sie sich vor allzu maßlosen Übertreibungen. Zehn oder gar zwanzig Orgasmen innerhalb einer einzigen Nacht sind nicht möglich, das weiß jeder. Ihre Geschichten laufen dabei Gefahr, nur mitleidig belächelt zu werden. Der Leser möchte sich selbst gerne wiedererkennen und beim Lesen nicht das Gefühl haben, daß der Autor bereits unter Wahnvorstellungen leidet oder er diese Geschichte gar schon im Fieberwahn geschrieben hat. Lassen Sie Ihre Hauptpersonen nicht im luftleeren, beziehungslosen Raum ausschließlich erotisch agieren. Das allein will keiner lesen, denn dabei geht es doch schließlich immer wieder um dasselbe. Und endlose Wiederholungen können eine Geschichte kaum so fesselnd machen, daß Andere sie gerne lesen möchten. Beschreiben Sie etwas, das über die Erotik hinausgeht. Das den Lesern auch wirklich etwas sagt. Übersicht: 5. Die Qual der Wahl: Der Titel. Viele wirklich gute Schriftsteller haben mit einer Sache Probleme: Mit der Wahl des Titels. Wobei die Bedeutung des Titels gar nicht genug betont werden kann. Viele Leser entscheiden zunächst einmal danach, ob sie mit dem Lesen einer Geschichte überhaupt beginnen. Um es in einer banalen Plattheit zusammenzufassen: Der Titel sollte knapp und aussagekräftig sein. Der Titel sollte immer etwas mit dem Kern der Geschichte zu tun haben. Vereinfacht gesagt sollte schon der Titel die Geschichte in Kurzform erzählen, am besten in einem Wort. Damit ist gleichzeitig alles und nichts gesagt. Letztlich ist hier eben die Phantasie gefragt. Manchmal ist es dabei einfacher, den Titel zuletzt zu wählen, wenn die ganze Geschichte bereits steht, weil er sich vielleicht daraus ergibt. Wobei der Titel "Gezeitenwechsel" für eine Pornogeschichte ebenso unpassend ist wie der Titel "Ein wunderschönes Wochenende" für eine halb-philosophische Abhandlung. Ich selbst habe oft genug auch Schwierigkeiten, einen guten Titel zu finden. Ich mag hier gerne Wortspielereien; z.B. „Die Wurst" als Titel für eine Kindheitsgeschichte, „Der Bastard" als Titel für eine Autobiographie oder „French Can-Can" für eine Erotik-Story. Aber die Titel können auch schlicht gekünstelt klingen, das macht gar nichts. Fragen Sie notfalls Freunde und Bekannte - die haben oft bessere Ideen als der Autor selbst. Orientieren Sie sich z.B. an der BILD Zeitung - auch wenn Sie dieses Blatt vielleicht nicht mögen. Je kürzer und reißerischer der Titel, um so größer das Interesse des Lesers. Schrecken Sie vor nichts zurück! Für eine beißende Satire kann man auch einen sehr provokanten Titel wie z.B. „Das Arschloch" benutzen. Das klingt zwar nicht gerade fein, weckt aber das Interesse des Lesers viel mehr als ein nichtssagender Titel wie z.B. „Nächtliche Kontroverse". Falls gar nichts anderes hilft, kann man einer Geschichte immer noch den Namen der Hauptfigur als Titel verpassen. Damit vermeidet man auf jeden Fall eine ungeschickte Wahl - auch wenn man damit sehr wenig aussagt. Übersicht: 6. Hemmungen, Gefühle und Rationalität. a) Wie überwinde ich die innere Hemmung, so sensible, intime Dinge zu beschreiben wie z.B. eine Liebesszene oder gar eine Autobiographie? b) Und wie erreiche ich den Schulterschluß zwischen tiefen, intimen Gefühlen und der Rationalität ihrer Schilderung? a) Hemmungen: Es gibt kaum eine Form des Schreibens, bei der sich der Autor zum Teil so sehr selbst überwinden muß wie das erotische Schreiben oder gar bei einer Autobiographie. Man schildert intimste Handlungsabläufe, intimste Gefühle - und gibt sie - sofern sie veröffentlicht werden - den Augen anderer Menschen preis. Das ist überhaupt nicht einfach. Und zwar ist es gleich in doppelter Hinsicht schwierig. Schwer ist es schon, diese Dinge überhaupt zu Papier zu bringen. Mindestens ebenso schwer ist es allerdings, sie Anderen zu offenbaren. Kommen wir zuerst zum zweiten Punkt - denn hier ist die Lösung einfacher: Man kann die Geschichten unter einem Pseudonym veröffentlichen. Das ist nicht nur im Internet gang und gäbe. Man verhindert damit, daß Bekannte und Freunde - vor denen einem das unangenehm wäre - von der eigenen Urheberschaft dieser Geschichten erfahren. Und man verhindert, daß völlig fremde Leser Rückschlüsse auf einen selbst als Person und auf das eigene Liebesleben ziehen können. Wie aber schaffen wir es nun, diese intimen Dinge in eine Geschichte zu fassen? Es ist wirklich schwer. Man schämt sich ein wenig - Sex ist in unserer Gesellschaft noch immer ein wenig unanständig. Man hat Probleme, dieses ganz besondere, unnachahmliche Prickeln wirklich zu beschreiben. Jetzt ist es aber ja so, daß wir ja darüber schreiben WOLLEN; die Lust am Schreiben überwindet so manches. Und da gibt es nur eins: Sich hineinstürzen ins kalte Wasser und zu schwimmen versuchen. Mit Übung kommt dabei immer auch größere Sicherheit. Falls es gar nicht gelingen will, ist das kein Beinbruch; man muß keine Geschichten schreiben, und man muß schon gar keine erotischen Geschichten oder eine Autobiographie schreiben. Versuchen wir einfach, ganz offen zu sein. Zensieren und die Geschichte nachher doch lieber in der Schublade verschwinden lassen statt sie zu veröffentlichen können wir ja immer noch. Zunächst aber müssen wir versuchen, an diesen Kern heranzukommen, der eigenen Lebenssituation oder erotischen Situationen - ob erträumt oder erlebt - so genau kennt und wiederzugeben, was sich darin befindet. Vergessen Sie die Scham - noch liest ja keiner, was wir schreiben. Es ist einfach wie Denken und Träumen; nur in einer etwas haltbareren Form. Und das ist ja genau auch das Reizvolle daran - was wir aufschreiben, das können wir immer wieder genießen. Wir können es lesen, wenn uns an einem kalten, nassen Novemberabend die Depression gepackt hat und uns daran freuen. Machen Sie sich auch von dem Gedanken frei, daß Sie einen Partner verraten, wenn Sie Dinge schildern, die Sie mit ihm erlebt haben. Es ist kein Verrat, schöne Dinge festhalten zu wollen. Und selbst wenn die eine oder andere Kritik einfließt - auch damit verraten Sie den Partner nicht. Womöglich schaffen Sie es erst durch das Schreiben, ein Problem in Ihrer Partnerschaft zu entdecken und anzugehen, vielleicht mit dem Partner gemeinsam. Falls es sich um einen Ex-Partner handelt, auf den Sie vielleicht sogar noch immer sauer sind: Auch das ist erlaubt, diese Emotionen zu haben, und sie in Worte zu fassen. Ich persönlich halte es sogar für erlaubt, als kleine Rache dafür, wenn er sich daneben benommen hat, dafür zu sorgen, daß er die Geschichte liest - und sich gründlich ärgert. Aber diese moralische Frage kann natürlich nur jeder für sich selbst beantworten. Jedenfalls: Erotische Situationen zu schildern ist nichts, dessen man sich schämen müßte; und auch nichts, mit dem man einen anderen Menschen verrät. Vor allem nicht, da Sie im Zweifel ohnehin kein Tagebuch einer Beziehung führen - falls Sie dies tun, muß selbstverständlich bei einer eventuellen Veröffentlichung Ihr Partner zustimmen -, sondern sich allenfalls ein wenig durch das tatsächlich Erlebte inspirieren lassen. Bei einer Autobiographie kann sich oft dieselbe Problematik stellen. Normalerweise wird eine Autobiographie in der Ich-Form geschrieben, es ist aber durchaus kein Beinbruch, eine solche aus der Sicht eines außenstehenden Beobachters zu schreiben, wenn Sie in der Ich-Form Hemmungen verspüren. Zudem bietet Ihnen die Form als außenstehender Berichterstatter wesentlich mehr Möglichkeiten, andere Sichtweisen und Emotionen darzustellen, da Sie nicht in der Rolle des Protagonisten - also in sich selbst - gefangen sind. Übersicht: b) Gefühle und Rationalität. Machen wir uns nichts vor - so romantisch und gefühlvoll der Inhalt einer Geschichte auch sein mag, das Schreiben selbst ist immer auch ein sehr rationaler, kontrollierter Vorgang. Wir stellen Vorüberlegungen an, wir planen den Ablauf, wir feilen an den Formulierungen. Ist das Beides nicht in gewisser Weise unvereinbar miteinander? Scheinbar ja. Aber: Gefühle in der Realität sind nur selten rein und scharf - meistens vermischen sich hier viele Dinge - wichtige und unwichtige - zu einem ganzen Komplex an Empfindung. Beim Schreiben jedoch werden Emotionen kanalisiert, verschärft und sozusagen geordnet. Im wahren Leben geschehen Dinge, die einem in einer Geschichte kein Mensch glauben würde. Das Lebens schert sich keinen Deut um Wahrscheinlichkeit, Logik und Ordnung. Impulsiv findet es einfach statt und reißt uns mit. Aber wenn wir darüber schreiben, müssen wir eine gewisse Wahrscheinlichkeit, Logik und Ordnung schaffen, um unsere Aussagen zu transportieren. Das Faszinierende ist, daß wir gerade durch das eigentlich unrealistische Herausarbeiten einer gewissen konzentrierten Schärfe die von uns selbst erlebten, wirren, überwältigenden Gefühle von der Emotionalität über die Rationalität beim Leser wieder in Emotionalität überführen können. Die Vernunft, die wir beim Schreiben einsetzen, ist ein Mittel, um etwas durch den Verstand eigentlich gar nicht Faßbares dennoch zu übermitteln. Und der Grund dafür ist die Vertrautheit dieser Gefühle. Jeder Mensch, jeder Leser kennt sie. Er weiß also, wovon die Rede ist. Die eigentlich unzureichenden Worte setzen deshalb seine eigene Phantasie in Gang und seine Erinnerung an ähnliche Situationen; holen die dabei erlebten Gefühle wieder hervor. Gefühle selbst kann man überhaupt nicht direkt kommunizieren. Man kann sie lediglich durch die Ausdrucksformen versuchen, indirekt zu übermitteln, die uns Menschen zur Verfügung stehen; nämlich Worte und Gesten. Die dem Anderen dennoch verständlich sind, weil er sie ebenfalls irgendwann einmal selbst erlebt hat. Das, was auf den ersten Blick so unmöglich erscheint, ist folglich nur etwas, an das wir im täglichen Leben ohnehin gewöhnt sind. Das wir konstant üben und tun. Dies ist allerdings nur die eine Seite der Medaille des scheinbaren Widerspruchs. Die Andere ist die enorme Herausforderung an einen Autor, Worte zu finden, die diesen Wiedererkennungseffekt in Gang setzen. Er muß es schaffen, das von Natur aus unvollkommene Transportmittel der Vernunft so vollkommen wie möglich auszunutzen. Das bedeutet nicht, daß er beim Schreiben allein den Verstand einsetzt. Nein - eigentlich kann man Gefühle nur schildern, wenn man zumindest einen Abglanz davon beim Schreiben selbst erlebt; wenn man selbst sehr intensiv empfindet. Nur wird diese reine Empfindungsebene überlagert von einer Beschreibungsebene, die analysiert, definiert, formuliert. Wie man den Schulterschluß dieser beiden Ebenen erreicht, das kann grundsätzlich nur jeder für sich herausfinden. Es gibt allerdings ein paar kleine Hilfsüberlegungen, die den Vorgang oft etwas erleichtern. Durchschreiten Sie diese beiden Ebenen zunächst einmal getrennt voneinander. Je öfter man dies geübt hat, desto leichter fällt es irgendwann, sie zusammenzuführen. Stellen Sie sich vor, Sie führen ein Tagebuch. Bei diesem Medium haben Menschen am wenigsten Schwierigkeiten, auch ganz intime Dinge offen zu beschreiben. Achten Sie dabei noch nicht auf Wortwahl, Formulierung und Stil - schreiben Sie einfach drauflos. Sie werden sehen - so schwer ist es gar nicht, über intime Gefühle zu schreiben. Lassen Sie dann das Geschriebene mindestens einen Tag lang unbeachtet, noch besser eine ganze Woche. Danach stellen Sie sich vor, Sie hätten die Aufgabe, aus einem fremden Tagebuch eine Geschichte zu machen, die veröffentlicht wird. Versuchen Sie zu vergessen, daß es Ihre eigenen Gefühle sind, über die Sie lesen. Stellen Sie die Gefühlsebene überhaupt weitgehend ab und gehen Sie sozusagen wissenschaftlich an die nötigen Korrekturen heran. Vielleicht haben Sie an einigen Stellen damit zu kämpfen, daß es Ihnen geradezu lächerlich vorkommt, was Sie jetzt vorfinden. Nein - Gefühle sind nicht lächerlich. Wenn Ihre Schilderung lächerlich ist, dann ist sie einfach nur noch nicht perfekt genug. Feilen Sie also ein wenig daran herum. Wiederholen Sie dieses Experiment ruhig ein paar Mal. Schon bald werden Sie beginnen, direkt beim ersten Schreibvorgang auch rationale Überlegungen anzustellen und Ihre Sprache so zu verbessern, daß die Gefühle deutlicher werden. Übersicht: 7. Direktheit - oder lieber romantische Umschreibungen? Was ist wo wirkungsvoller? Die Antwort darauf kann natürlich nur sein: Das kommt darauf an. Worauf? Darauf, was für eine Art Geschichte man schreibt. Was man damit erreichen will, und vor allem auch, wen man damit erreichen will. Beides hat seinen Platz; die Direktheit ebenso wie die Umschreibung. Es spricht nichts dagegen, einfach ganz direkt und offen bis ins letzte Detail darüber zu schreiben, was sie etwa alles mit seinem Schwanz anstellt. Andererseits bieten Umschreibungen den Vorteil, daß die Phantasie der Leser angeregt wird. Sie denken sich dazu, was nicht geschildert wird. So hat mancher mehr von einer Geschichte, weil sie in ihm selbst fortwirkt. Bedenken Sie aber dabei, daß eine allzu schemenhafte Umschreibung sehr antiquiert wirken kann. Dieser Schreibstil war im 17. Und 18, Jahrhundert sehr verbreitet und heutzutage kaum mehr zeitgemäß. Es besteht also die Gefahr, daß Sie deswegen nur belächelt werden. Eigentlich muß das jeder selbst für sich entscheiden, welche Art des Schreibens ihm eher liegt. Und wie auch an anderen Stellen, spricht hier ebenfalls nichts gegen Experimente mit verschiedenen Stilformen - in verschiedenen Geschichten. Übersicht: 8. Wie kann man ständige Wortwiederholungen vermeiden? Wie die Benutzung leerer Klischees? Die Antwort ist ebenso simpel wie kompliziert: Indem man an den Worten feilt. Oft ist es allerdings ganz geschickt, das erst beim Korrekturlesen zu tun und nicht bereits beim Aufschreiben der Geschichte, um den Inspirationsfluß nicht zu unterbrechen. Schreiben Sie ruhig anfangs in jedem Absatz fünfmal "Er küßte sie", wenn Ihnen zunächst nichts anderes einfällt. Aber merzen Sie diese Formulierung, die ebenso Wortwiederholung ist wie leeres Klischee, gnadenlos aus, sobald Sie den ersten Durchgang beendet haben und mit den Korrekturen beginnen. Wenn Sie damit Schwierigkeiten haben, betreiben Sie es als eine Art Denksportaufgabe. Für die Sie sich ruhig auch ein paar Stunden oder sogar Tage Zeit nehmen sollten. Schreiben Sie die abgegriffene Formulierung auf ein Blatt Papier und überlegen Sie sich Alternativen dazu. Sie werden erstaunt sein, was Ihnen alles einfällt. Hier zwei Beispiele dafür, wie man eine ausgelutschte, millionenfach gehörte und dadurch fast bedeutungslos gewordene Formulierung zumindest wieder mit ein wenig Leben füllen kann: "Er küßte sie" - "seine Lippen berührten ihren Mund, während sein warmer Atem ihre Wange streifte" "Er küßte sie" - "sein Gesicht kam immer näher, und mit einem kleinen Schauer dachte sie daran, was geschehen würde." Sie merken, es hilft, wenn man sich das, was man mit einem Klischee beschreibt, in den Details vorzustellen versucht; der warme Atem oder der kleine Schauer beispielsweise. Beschreiben Sie einfach eines dieser Details - jeder Leser weiß dann ebenso, was gemeint ist, aber er liest es lieber, weil es interessanter klingt. Vermischen Sie eine Beschreibung der Gefühle, die bei einer bestimmten Handlung aufkommen, mit der Schilderung der Handlung selbst. Auch das weckt viel größere Faszination. Finden Sie ungewöhnliche, ruhig auch altmodische Worte, die Sie neu kombinieren mit modernen - oder ruhig auch Teilen der Klischeebeschreibung. Suchen Sie nach ungewöhnlichen Vergleichen. Überlegen Sie viel. Das ist mit die schwerste Aufgabe eines Autors. Aber gleichzeitig ist es die, bei der nicht überragendes Talent gefragt ist, sondern die Fähigkeit zu denken und zu kombinieren. Also etwas, das man auf jeden Fall in den Griff bekommen kann; auch wenn es gewiß nicht immer leicht ist. Dies ist ein Bereich, in dem echte, teilweise wirklich mühsame Arbeit steckt. Aber wer sein Handwerkszeug in dem Punkt zu beherrschen lernt, hat Anderen viel voraus, die auf solche Dinge nicht achten. Einem Leser fällt womöglich anfangs gar nicht auf, wie sehr an einer Geschichte herumgefeilt worden ist. Er spürt nur, wie er mitgerissen wird von dem, was er liest. Während er ansonsten bei der x-ten Wiederholung der Formulierung "Er küßte sie" irgendwann anfängt zu gähnen und die Geschichte weglegt. Denn Klischees können keine Gefühle wecken, die ihn fesseln. Sie können eine Geschichte aus der Sicht einer der Hauptfiguren beschreiben, also in der Ich-Form, oder aber auch aus der Sicht eines neutralen Beobachters. Ersteres ist oft einfacher zu schildern, allerdings besteht dabei die Gefahr, daß man sich wiederholt, zu oft "ich", "mich", "mir", "er" oder "sie" schreibt. Insofern muß man beim Korrekturlesen sehr genau auf interessante und abwechselnde Formulierungen achten. Bei einer Geschichte aus neutraler Sicht haben Sie mehr Möglichkeiten, die Emotionen und Gedankengänge der einzelnen Protagonisten zu schildern, da Sie ja nicht in sich selbst gefangen sind, sondern als Erzähler außen vor bleiben. Jedoch kann es dabei passieren, daß man dabei den roten Faden verliert, die Geschichte also für den Leser verwirrend wird. Probieren Sie beides aus, experimentieren Sie. Es kann ungeheuer reizvoll sein, sehr intim die Sichtweisen mehrerer Personen zu schildern - und dazu müssen Sie in jede hineinschlüpfen, während Sie sich in der Ich-Form normalerweise nur auf eine einzige konzentrieren können. In welcher Zeitform (Vergangenheit oder Gegenwart) Sie Ihre Geschichten schreiben, bleibt Ihnen überlassen. Die dritte Zeitform - die Zukunft - scheidet als Schreibform natürlich aus. Sogar bei Science-fiction Storys, die zwar in der Zukunft handeln, aber trotzdem immer in der Gegenwartsform oder in der Vergangenheitsform erzählt werden. Achten Sie auch darauf, daß Sie die gewählte Zeitform nicht innerhalb der Geschichte wahllos wechseln! (außer bei Rückblendungen) Ebenso sollten Sie erste und zweite Vergangenheit nicht wahllos vermischen, das wirkt stilistisch sehr ungut. Übersicht: 9. Welche stilistischen Mittel hat ein Autor, in anderen Menschen Emotionen zu wecken und lebendig werden zu lassen? Leider gibt es insofern keine Patentrezepte, die den Autoren immer und auf jeden Fall helfen. Vor allem hat auch jeder seinen eigenen Stil und seine eigenen Mittel, das Geschriebene lebendig werden zu lassen. Zu diesem eigenen Stil findet man eigentlich nur durch Übung; immer wieder Übung. Allerdings gibt es ein paar Vorschläge, die man sich bei einer Geschichte durch den Kopf gehen lassen kann, um die Wirkung der eigenen Worte zu verbessern. a) Häufig verwendet werden Vergleiche. Wer erotische Aufregung, Verliebtheit, Erregung, Lust beschreibt, kann versuchen, andere Situationen zu finden, die ähnliche Emotionen hervorrufen. Was sich beispielsweise bei der Beschreibung des Gefühlsaufruhrs in einem devoten Partner anbietet, ist der Vergleich mit einer beschämenden Situation z.B. in der Schule: "Ich fühlte mich wie damals, als mein Physiklehrer mich beim Mogeln erwischte." b) Möglich ist es auch, das Ausmaß der erfaßten Gefühle deutlich zu machen, indem man ihre körperlichen Auswirkungen beschreibt. Zitternde Knie, schweißnasse Hände, Herzklopfen. Nur Vorsicht: Viele dieser Stilmittel wurden in der Literatur inzwischen so oft verwendet, daß sie nur mehr als inhaltslose Worthülse vom Leser aufgenommen werden und damit ihre Wirkung verloren haben. Um solche Beschreibungen wirklich zum Leben zu erwecken, kann allerdings eine Kombination mit Vergleichen hilfreich sein. Vor allem dann, wenn man sich mit der Wahl Mühe gibt und etwas ungewöhnlichere Vergleiche heranzieht. "Mein Herz hämmerte", das ist eine Formulierung, die flach klingt. "Mein Herz hämmerte wie ein Preßluftbohrer, der sich durch die Asphaltdecke meiner Lustlosigkeit arbeitete" ist zwar keineswegs ideal, klingt aber zumindest erheblich interessanter. c) Sehr wirkungsvoll kann es sein, Gefühle überhaupt nicht ausführlich zu beschreiben, sondern sich auf die Schilderung der Tatsachen zu beschränken; also dessen, was geschieht. Wer das lebendig tut, wird im Leser manchmal genau die Gefühle wecken können, auf die es ihm in der Situation ankommt; ohne sie auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Allerdings ist dies ein Stilmittel, das nur in sehr geringer Dosis seine Wirkung entfaltet; eine längere pure Beschreibung von Aktion und Reaktion ist schlicht langweilig. d) Wenn es gelingt, neue, weniger abgegriffene Worte für ein bestimmtes Gefühl zu finden, steigert dies ebenfalls die Emotionalität einer Beschreibung. Statt "Ich verliebte mich auf der Stelle in sie" könnte man vielleicht ein wenig anders beschreiben: "Ich sah sie an, und auf einmal erschien sie mir als der Inbegriff all dessen, was die schmerzhafte Leere in meinem Inneren füllen könnte." e) Übertreibung ist ein weiteres wichtiges Stilmittel. In der Realität ist nur selten etwas so überwältigend, wie der Kopf es sich am liebsten vorstellt. Auch verlaufen die Gefühlswellen und der Ablauf der realen Geschehnisse nicht immer synchron. Mitten in der schönsten Umarmung fällt einem die Steuererklärung ein, zum Beispiel, oder der Gedanke an das Lob eines Vorgesetzten schürt das positive Feuer. In Geschichten ist dies anders. Sie beschreiben oft Realität, zumindest mögliche Realität. Aber selbst dann ordnen sie alles - anders, als dies im wirklichen Leben der Fall ist. Die vielen Zufälle, die ganzen unterschiedlichen und zum Teil widersprüchlichen Schichten des Denkens und Fühlens werden eliminiert, jedenfalls aber bewußt als Stilmittel eingesetzt, nicht als etwas, das halt nun einmal im Leben so stattfindet. Dadurch können Emotionen viel klarer, deutlicher und schärfer hervortreten und vom Leser aufgenommen werden. Nutzen Sie dieses Phänomen, betonen und verstärken Sie es. Solche Übertreibungen sind nicht nur erlaubt, sondern oft sogar notwendig. Allerdings sollten Sie dabei nicht so weit übertreiben, daß es lächerlich wirkt. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, Sie hätten die Geschichte bereits im Delirium geschrieben. f) Ganz wichtig: Spielen Sie mit dem Leser; regen Sie seine eigene Phantasie an. Lassen Sie ihm Raum - schreiben Sie ihm nicht alles vor. Keiner will in allen Details wissen, was in den Hauptfiguren vorgeht. Bestimmen Sie den Rahmen, sichern Sie ihn so, daß der Leser nicht ausbrechen kann - aber lassen Sie ihn innerhalb des Rahmens mitagieren. g) Fragen sind manchmal ein sehr gutes Stilmittel, ganz besonders am Anfang einer Geschichte. Hüten Sie sich jedoch davor, diese Frage alle sofort selbst zu beantworten! Der Leser sollte selbst darüber nachdenken müssen, damit bleibt sein Interesse an der Geschichte erhalten. Es sollte aber auf keinen Fall eine Inflation an offenen Fragen geben, das verwirrt den Leser nur und vermindert somit sein Interesse. Übersicht: 10. Die eigene Story ist fertig. Und nun? Tips für Veröffentlichungsmöglichkeiten. Zunächst einmal: Den Traum, daß man irgendwann einmal das eigene Buch in Händen hält, schminkt man sich besser ab. Die Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin sind so groß, daß man sonst nur verzweifelt. Besser sind geringere, dafür aber realistische Erwartungen. Überall im Netz gibt es Webseiten, die ständig auf der Suche nach Kurzgeschichten sind und dabei auch nicht unbedingt nur hohe Literatur erwarten. Dort sollte man versuchen, seine ersten Geschichten unterzubringen. Adressen sind beispielsweise (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): www.e-Stories.de, www.erozuna.de, http://webstories.cc, www.kurzgeschichten-welt.de, www.autorenweb.de, www.storyparadies.de, www.leselupe.de, www.autorenecke.de, www.zyn.de und natürlich www.x-stories.tv. Auch www.domantik.de sucht immer nach erotischen Geschichten. Bei www.e-Stories.de bekommen Sie technisch die übersichtlichste und beste Plattform, sowie die meisten Leser geboten, aber leider die wenigsten Leserkommentare (und natürlich die wenigsten konstruktiven Kritiken). Das liegt aber nicht an den Lesern, sondern an dem neuen, komplizierten Registrierungsverfahren für fremde Kommentatoren und Gelegenheitsleser. (bereits mehrfach erfolglos angemahnt!) Außerdem hat sich das Niveau in der letzten Zeit drastisch verschlechtert. Bei www.kurzgeschichten-planet.de oder www.kurzgeschichten.de dagegen erhalten Sie z.B. relativ viele Kommentare von Mit-Autoren, allerdings hat man dort nur wenig Verständnis für Erotik und Satire. Diese beiden Begriffe sind dort nahezu unbekannt. Alles Andere können Sie aber dort einstellen. Allerdings sollten Sie die (überwiegend negativen) Kritiken nicht allzu ernst nehmen. Fast jeder Autor (und natürlich jeder Administrator oder Moderator) dort hält sich für Gottvater persönlich, sogar wenn er selbst auch nicht besser schreibt als Sie. Der „Mercedes" unter den Plattformen war - meiner Meinung nach - www.erozuna.de, allerdings nur im erotischen Bereich. Das Diskussionsforum aber wurde dort vor kurzem abgeschafft. Es eignet sich also nur noch zum Lesen, die Beiträge sind aber nach wie vor gut. Bei www.verlorene-werke.de sind die Beiträge auf nur wenige Seiten begrenzt. Falls Sie also längere Geschichten schreiben und diese anschließend nicht zerstückeln wollen, ist dieses Forum weniger gut geeignet. Für echte Kurzgeschichten aber durchaus eine Alternative. Außerdem sollten Sie darauf achten, daß es eine nachträgliche Editiermöglichkeit für Ihre Texte gibt. Das ist sehr hilfreich, wenn Sie spätere Korrekturen daran vornehmen möchten. Manche Betreiber ermöglichen sogar das Einfügen von Bildern oder Grafiken in Ihre Texte. Ob Sie darauf Wert legen, unerwünschte Kommentare und/oder Pöbeleien selbst löschen zu können, bleibt Ihrem persönlichen Geschmack überlassen. Während die Löschung von platten und hirnlosen Pöbeleien durchaus Sinn machen kann, tun Sie sich mit der Löschung von wirklich kritischen Kommentaren selbst keinen Gefallen. Reine Lobhudelei von „Kollegen" ohne Bezug zum Inhalt Ihrer Geschichte können Sie als echte Kritik ebenfalls vergessen. Sie soll nur dem Zweck dienen, daß Sie die Texte des Kommentators besuchen und ihn ebenfalls „beweihräuchern". Vergessen Sie es also. Sie sehen also, daß es die perfekte Plattform leider nicht gibt. Probieren Sie deshalb einfach aus, welche Ihnen am besten liegt, bevor Sie sich irgendwo „häuslich niederlassen". Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn Sie sich für unsere Künstler- und Autorenplattform KUNST-WERK entscheiden würden, denn hier werden Sie geholfen. In diesem Zusammenhang ein Rat: Verschenken Sie sich nicht. Auch wenn wir Schreiberlinge alle nicht Goethe sind - unsere Werke sind etwas wert. Sie sind mit Gefühl geschrieben und es hat Zeit und Mühe gebraucht, sie zu schaffen. Natürlich kann man nicht erwarten, dafür gleich bezahlt zu werden. Aber es muß auch nicht sein, daß man sie kostenlos hergibt dafür, daß die Betreiber anderer Seiten damit Geld verdienen. Ich persönlich würde deshalb nichts für Member-Seiten herschenken oder Seiten hinter AVS. (Adult Verification System) Etwas Anderes ist es allenfalls, wenn die Geschichte so handfest wird, daß sonst die Jugendschützer einschreiten könnten. Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||||||||
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sowie andere Gauner und Abzocker. Immer wieder die alte Frage unter Hobbyschreiberlingen: "Wie veröffentliche ich mein erstes Buch?" ![]() Ein gefundenes Fressen für sogenannte Druckkosten-Zuschußverlage. Unzählige solcher "Verlage" schreiben diese veröffentlichungswütigen Autoren inzwischen direkt an, loben ihre Werke in den schillernsten Farben und versprechen den (zumeist völlig ahnungslosen) "Autoren" das Blaue vom Himmel. In solcher Art und Weise hofiert und geschaukelt (bzw. verschaukelt) glaubt so manche Hausfrau und so mancher Verseschmied, daß in ihr oder ihm das verborgene Talent zum erfolgreichen Schriftsteller schlummert. Sogar dann, wenn betreffender Schreiberling kaum drei zusammenhängende Sätze fehlerfrei formulieren kann. Das ist auch gar nicht nötig, denn es geht hier um ein völlig anderes Geschäft: Das Geschäft mit der Eitelkeit. Nicht umsonst werden diese Verlage "Eitelkeitsverlage" ("Vanity-Press") genannt und die Geschäftsmasche mit geltungssüchtigen Schreiberlingen jeglichen Geschlechts scheint (im Gegensatz zum übrigen Verlagswesen) bestens zu funktionieren. So erkennen Sie dubiose Literaturagenten und Literaturagenturen:
Rodja Smolny und Lindbergh & Well: NDR berichtet über dubiosen Literaturagenten Ausschnitt aus einem Screenshot der angeblichen schwedischen Literaturagentur Lindbergh & Well, die deren Agent Rodja Smolny in Deutschland vertrat: Als deutscher Vertreter der angeblich aus Schweden stammenden Literaturagentur Lindbergh & Well versuchte Rodja Smolny Geld von arglosen Autoren abzukassieren. Viele seiner potenziellen Opfer fand er übers Internet. Allein anhand der uns vorliegenden Rückmeldungen von Autorinnen und Autoren, muss Smolny offenbar Dutzenden, wenn nicht gar Hunderten von Autoren Hoffnung auf Veröffentlichung ihrer Werke gemacht haben, wenn diese Geld für ein kostenpflichtiges Lektorat bezahlen. Dies natürlich bei einer Firma, an der Rodja Smolny selbst beteiligt war. Autoren sprechen in der Regel von um die 12.000 Euro, die für die Korrektur von oftmals nur knapp über 100 Manuskriptseiten anfallen sollten. Hier ein Bericht über Bauernfängerei unter arglosen Autoren: Auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete in seinem »Hamburg Journal« über die kreative Geschäftsidee des Literaturagenten Rodja Smolny von Lindbergh & Well. Die Sendung wurde im Regionalfenster Hamburg des NDR am Montag, 17.12.2007 um 19.30 Uhr ausgestrahlt. Die umfangreiche Recherche des NDR beruht dabei auf Erkenntnissen unter anderem des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), des Montségur Autorenforums, Romansuche.de, des Uschtrin Verlags, des Autorenschrittmacher-Weblogs, des literaturcafe.de und vieler Betroffener, die ihre Erfahrungen und Informationen dankenswerterweise geteilt haben. Per Live-Stream ist der Bericht weltweit auch im Internet zu sehen. Natürlich ist das kein Einzelfall, denn rührige und erfindungsreiche "Literaturagenten" und Verleger gibt es wie Sand am Meer. Bevorzugt wird inzwischen das Internet nach potentiellen Opfern abgegrast, denn gerade dort findet man in den letzten Jahren zunehmend diverse "Literaturportale" und in deren Dunstkreis damit auch die entsprechenden Opfer für solche Betrügereien. Diese Opfer sind in erster Linie geltungssüchtige Dichter und Autoren, die ihre "unvergleichlichen Werke der Literatur" natürlich endlich mal in gedruckter Form in Händen halten möchten. Selbstverständlich in gebundener Ausführung mit Hochglanzcover und einer eigenen ISBN-Nr. versehen, denn das schindet Eindruck. Na ja, zumindest im Bekanntenkreis, wo dann - mangels Nachfrage und Interesse auf dem öffentlichen Buchmarkt - anschließend die meisten dieser Eitelkeitsprojekte verschenkt werden müssen. Unter dem Bett ist schließlich kein Platz mehr für die anderen 99 Kisten voller unverkaufter Bücher, die der "nette Verlag" gegen eine kleine Vorauszahlung von einigen Tausend Euro geliefert hat. Dabei hätten vermutlich bereits fünf oder sechs Stück davon völlig ausgereicht, um auch noch die letzten Freunde und Bekannten des hoffnungsvollen Schreiberlings zu verprellen, falls er (oder sie) überhaupt noch Freunde hat. Und diese fünf oder sechs Stück hätte man entweder in einem Copyshop, bei BoD (Books on Demand) oder bei einer kleinen Druckerei vor Ort wesentlich günstiger erstehen können als bei einem der genannten Internet-Abzocker. Aber was soll's, das ist nun mal der Preis der Eitelkeit. ![]() Leider zeigt die Erfahrung, daß es nur wenig Sinn hat, neue Autoren in ihrer Euphorie auf diese Fußangeln hinzuweisen. Nicht selten werden solche Warnungen sogar als persönliche Beleidigung empfunden und gelegentlich erhält man auf wohlgemeinte Warnungen schnippische Antworten, oftmals sogar mit dem Hinweis, daß man ja immerhin soeben erst sein eigenes Buch (mit eigener ISBN) veröffentlicht habe und dieses nun über jede Buchhandlung zu beziehen wäre. Außerdem sei man von dem betreffenden Zuschußverlag bereits zu einer öffentlichen Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse eingeladen worden. Einer erfolgreichen Karriere als Schrifteller/in stehe somit überhaupt nichts mehr im Wege. Das wäre übrigens auch die Einschätzung des Verlages und die müssen es ja schließlich wissen. Oft erwecken diese Antworten den Anschein, als würde man dem Autor oder der Autorin nur ihren "Erfolg" nicht vergönnen (gerade Frauen sind in dieser Hinsicht ganz besonders beratungsresistent). Erst wenn er oder sie damit kräftig auf die Schnauze gefallen ist und das Kind bereits im Brunnen liegt, ist man bereit, ehrliche Zugeständnisse zu machen. Wobei es Frauen im Allgemeinen etwas leichter fällt, über ihre eigenen Fehler und Versäumnisse zu sprechen als Männern. Diese sitzen später auf einem Berg von unverkäuflichen Büchern, schweigen lieber verschämt und bereiten damit den fruchtbaren Boden für weitere Abzockereien. Dabei wäre es überhaupt kein Problem gewesen, sich vorher im Internet über die seltsamen Geschäftsgebahren solcher Pseudoverlage zu informieren. Hier ein Beispiel über die Frankfurter Verlagsgruppe, die bereits mehrere Prozesse (unter Anderem gegen Wikipedia.de) verloren hat, deren Anwälte aber trotzdem nicht müde werden, diverse Blog- und Forenbetreiber, sowie sogar namhafte Autorenverbände wie z.B. den Verband deutscher Schriftsteller gerichtlich einschüchtern zu wollen, um damit eine unliebsame Berichterstattung zu unterdrücken. Wer den bisherigen Links weiter folgt, der wird mühelos diese Zusammenhänge erkennen können. Wenn, ja - wenn man das überhaupt möchte. Oftmals aber ist der klare Blick bereits vernebelt durch geschicktes Lob über eigenes Geschreibsel, gemachte Versprechungen und die vermeintliche Aussicht, als Schriftsteller erfolgreich zu werden. Nirgendwo sonst auf der Welt ist dieses Verhalten von Hobbyschreiberlingen so ausgeprägt als gerade im "Land der Dichter und Denker." Das sollte uns zu denken geben. Aber gerade für neue Autoren, die mit Wort und Schrift gut umzugehen wissen, die über einen guten Schreibstil verfügen und damit (eventuell mit einem Nischenprodukt*) auf dem heißumkämpften Büchermarkt durchaus einen gewissen Erfolg als Buchautor haben könnten, stellt eine Erstveröffentlichung in einem Zuschußverlag bereits das berufliche "Aus" dar, noch bevor irgendjemand ihre Werke gelesen hat. Der Verband deutscher Schriftsteller zum Beispiel nimmt keine Autoren auf, die ausschließlich in Zuschußverlagen publiziert haben. *) unter dem Begriff "Nischenprodukt" würde ich z.B. Kinderbücher, Fachbücher, technische Literatur, Reiseführer und Kochbücher usw. einordnen, völlig unabhängig vom tatsächlichen Verkaufserfolg. Das tatsächliche Risiko für die eigene Karriere als Schriftsteller ist also weit höher als "nur" eben mal ein paar Tausend Euro in den Sand gesetzt zu haben. Wer jemals sein Werk in einem Zuschußverlag veröffentlicht hat, der bekommt im regulären Verlagswesen in aller Regel keinen Fuß mehr auf den Boden. Weder seriöse Literaturagenten noch seriöse Verlage werden sein Werk zur Kenntnis nehmen, das ist ein ungeschriebenes, aber eisernes Gesetz in dieser Branche. Eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller ist damit bereits zu Ende, bevor sie richtig begonnen hat. Dieser wichtige Aspekt wird leider immer wieder viel zu wenig beachtet. Ich hoffe aber, daß ich zukünftigen "Erfolgsautoren" damit ein paar wertvolle Tipps geben konnte. Für Gedichtsbände und Lyrik hingegen gibt es in Deutschland ohnehin keinen Markt. Auch dieser Aspekt sollte nicht völlig übersehen werden. Gerne kann hier über die einzelnen Ansichten und Gesichtspunkte ausgiebig diskutiert werden, denn das ist der Sinn dieses Forums. Literarische Grüße vom Mino. . [Dieser Beitrag wurde am 30.08.2009 - 23:45 von Minotaurus aktualisiert] Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||||||||
Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Hallo zusammen, Hier der Originalthread: ![]()
Anmerkung: Herr Steinmetz fungiert auf besagter Autorenplattform als Freischalter von Kurzgeschichten und er selbst hat dort bereits 91 Folgen von "Zwillingskind", 65 Folgen von "Frühlingskind", 46 Folgen von "Winterkind", sowie mehrere Folgen von "Clankind", "Die Geisterkinder von Mönchswies" und Adoptivkind Stefanie" veröffentlicht. Es handelt sich dabei um Romantitel mit jeweils ca. 12-25 DIN A-4 Seiten pro Folge! Cirka 280 Folgen insgesamt. Ein Unding für eine Internet-Plattform und damit eine Zumutung für den Leser, denn kaum jemand liest oder kommentiert Kurzgeschichten in diesem Umfang im Internet. Kommt aber trotzdem mal begründete Kritik, so wird sie entweder ignoriert oder sofort gelöscht. Aber auch eine bereits erfolgte Romanveröffentlichung über einen Eigenverlag (Bliestal-Verlag) ging kräftig in die Hosen, denn es gab anschließend keine Käufer für die Bücher und der "Bliestal-Verlag" mußte dicht machen. Also außer Spesen nix gewesen. Deshalb folgende Antwort:
Anmerkung: rosmarin hatte ich bereits mehrmals wegen ihrer konsequenten Kleinschreibung angesprochen, sowie ein entsprechendes satirisches Spottgedicht über sie verfaßt.
Mein Kommentar und die betreffenden Folgekommentare wurden anschließend - wie angekündigt - gelöscht. Aber weil ich ein schlaues Kerlchen bin und das bereits im Vorhinein weiß, speichere ich solche Beiträge immer ab. Sogar mit Uhrzeit und Datum. Tja, berechtigte Kritik gefällt eben nicht jedem; schon gar keinem Tlonk. Und "vernünftige Texte" stelle ich dort schon lange nicht mehr rein. Ganz im Gegenteil: Ich habe dort alle meine Kurzgeschichten wieder gelöscht! Der Mino mag nämlich keine eiapopeia Kuschelplattformen, auf denen bereits jeder literarische Furz wahre Begeisterungsstürme auslöst und wo jeder Autor nach Leibeskräften geschaukelt (und verschaukelt) wird. Jede ernsthafte Kritik hingegen wird sofort wieder gelöscht, um die "hochsensiblen Künstlerseelen" damit nicht allzu sehr zu belasten. "Gehässige" Grüße vom Mino. ![]() Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||||||||
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