Tagtraeumerin unregistriert
| Erstellt am 09.07.2009 - 10:16 |  |
Morgens, wenn das Schrillen des Weckers sie jäh aus dem Schlaf reißt, bedrängt sie gleich beim Erwachen der Gedanke an den langen Vormittag, der wie ein finsterer Tunnel vor ihr liegt Am liebsten möchte sie dann im Bett bleiben, sich wieder auf die Seite drehen und in die Betäubung des Schlafs zurückflüchten.
Ein paar mal schon hat sie dieser Versuchung nachgegeben und sich später telefonisch in der Schule krank gemeldet.
Immer, wenn sie ihre Klasse betritt, hat sie Angst, Angstvorder Wildheit und Aufsässigkeit einiger Jungen und Mädchen, die ihr das Unterrichten schwer machen.
Wer zur Unterrichtszeit über den Schulflur geht und am Raum der 4. Klasse vorbeikommt, kann den Lärm da drinnen, aber auch die Schreisprache von ihr nicht überhören.
Sie ist keine autoritäre Lehrerin. Sie schreit aus Hilflosigkeit, schreit mit hochrotem Kopf gegen die Unruhe und den Lärm in der Klasse an - und fühlt sich unglücklich dabei.
Wegen der Niederlagen, die sie ihr bereiten, haßt Frau R oft die Kinder. Die Kolleginnen und Kollegen sagen: Sie kann sich in ihrer Klasse nicht durchsetzen.
In den Pausen sitzt sie still und erschöpft im Lehrerzimmer, starrt vor sich hin und redet mit niemandem ein Wort.
Wenn das Klingelzeichen zum Pausenende ertönt, spürt sie wieder die Angst
Dabei war es mal ihr Traumberuf.
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