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Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 569 Nachricht senden | Erstellt am 27.03.2007 - 15:21 |  |
Traum-Zauber-Nacht
Es ist längst Mitternacht, als ich meine Augen aufschlage und mich auf der Wiese hinter dem Haus wiederfinde. Ein warmes Glücksgefühl steigt in mir auf, denn ich weiß, dass ich wieder träume. Ich bin mir nicht sicher, was dieser Traum bedeutet, weiß nur, dass er wunderschön ist.
Mein Blick irrt über die Wiese. Ja, du bist schon da und wartest auf mich. Wie auch in der vergangenen Nacht tänzelst du kraftvoll auf der Stelle und scharrst mit deinen schweren Hufen den Boden auf. Du schlägst ungeduldig mit deinem edlen Kopf und forderst mich schnaubend auf, näher zu kommen.
Das feuchte Gras unter meinen nackten Füßen spüre ich kaum, als ich auf dich zu gehe. Du bist so schön und ich kann meinen Blick nicht von dir lösen. Trotz deiner beeindruckenden Größe und Wildheit habe ich keine Angst vor dir. Ich kann im Mondlicht jede deiner Muskelbewegungen unter deinem schwarz glänzenden Fell erkennen, sehe deine lange, gewellte Mähne und deinen fast den Boden berührenden Schweif.
Als ich vor dir stehe und die Hand nach deinen Nüstern ausstrecke, wendest du mir den Kopf zu. Ich sehe mein Spiegelbild in deinen Augen, sehe, was du sehen musst. Ich bin nur bekleidet mit dem Hauch von Nichts, mit dem ich mich abends schlafen gelegt habe und meine Haare bedecken lang und ein wenig zerzaust meine bloßen Schultern.
Ganz zart berührst du mit deiner Nase meinen Arm, schnaubst ungeduldig, willst, dass ich endlich auf deinen Rücken klettere. Die feinen Haare rund um deine Nüstern kitzeln mich, bringen mich fast zum kichern. Ich spüre deinen Atem auf meiner Haut, sehe ihn in kleinen Wölkchen in die Nacht aufsteigen, obwohl es nicht kalt ist. Du bist so groß und mächtig und ich fühle mich so klein neben dir. Doch trotzdem schaffe ich es, mich an deiner Mähne hoch zu ziehen und ein Bein über deinen Rücken zu schwingen.
Ich setze mich auf deinem Rücken zurecht und mehr als deutlich spüre ich deinen warmen Körper und dein seidiges Fell zwischen meinen Schenkeln. Ich lehne mich nach vorn und umfasse deinen Hals. Wie sehr habe ich mir diesen Augenblick der Zweisamkeit gewünscht! Ich vertraue dir, schließe meine Augen und presse meine Wange an deine seidige Mähne. Schon spüre ich die Anspannung deiner Muskeln und der Ritt in meine Traum-Zauber-Nacht kann beginnen. Ich klammere mich an deinen starken Hals und traue mich nicht, meine Augen zu öffnen. Als ich aber merke, dass die Bewegungen fließender werden, weiß ich, dass wir den Boden unter den Füßen verloren haben. Meine Anspannung löst sich und ich kann nun meine Augen öffnen und mich aufrichten. Meine Finger sind zärtlich in deiner Mähne verflochten, die im Wind genauso flattert, wie meine Haare. Staunend und unsäglich berührt schaue ich mich um. Vor uns der Himmel, durch den Vollmond in ein unwirkliches Licht getaucht und unter uns liegt ein See, in dem sich der Mond silbern widerspiegelt. Sanft trägst du mich über die glitzernde Wasseroberfläche… sind es Minuten oder Stunden?
Als ich merke, dass mir die ersten Tränen in die Augen treten, schmiege ich mich wieder an deinen Hals und meine Tränen benetzen deine flatternde Mähne. Ich weiß nicht, warum ich weine… ist es, weil die Situation so unwirklich ist? Dieser Flug ist ein Geschenk, doch ich darf dieses Geschenk nur einen kurzen Augenblick genießen. Du hast die Zeit dafür gestohlen… für mich. Oder weine ich vielleicht vor Freude? Ich bin ja glücklich, denn ich bin frei… wenigstens für diesen gestohlenen Moment. Ich werde übermütig und presse dir auffordernd meine bloßen Hacken in die Seiten. Möchte dich ewig unter mir fühlen, möchte, dass dieser Flug niemals aufhört. Doch das geht nicht… denn ich habe dich nur in dieser einen Nacht ganz für mich allein. Ich möchte alles in dieser Nacht und erwarte nichts für die Zukunft. Schneller! Schneller! Bitte… flieg schneller!
Deine Hufe vollführen einen wahren Tanz in der Luft, als du meinen Wunsch erfüllst. Doch viel zu schnell endet der Flug auf deinem Rücken und als deine Hufe wieder den Boden berühren und du schon längst ganz still stehst, spüre ich noch immer die kraftvollen Bewegungen unter mir. Meine Knie sind weich, doch ich schaffe es irgendwie, von deinem Rücken zu gleiten.
Lange stehen wir nebeneinander, meine Arme haben sich wie von selbst um deinen Hals gelegt und mein Gesicht ist in deiner Mähne vergraben… Du wendest deinen Kopf nach mir, umfängst mich sanft mit deinem Hals und ich fühle mich unsäglich beschützt von dir. Gedankenverloren spiele ich mit deiner Mähne und du genießt meine Zärtlichkeiten mit geschlossenen Augen. Ach könntest du mich doch halten, mich küssen, mich mit zärtlichen Fingern berühren…
Ich spüre deine Verwandlung, noch ehe ich sie sehe. Jetzt habe ich Angst, doch ganz fest schmiege ich mich an dich und sekundenspäter umklammern meine Arme deinen menschlichen Körper. Ungläubig öffne ich die Augen und löse meinen Kopf von deiner Schulter. Nicht begreifend starre ich dich an. Mein Blick irrt über deine Wangen, deine Lippen, bleibt an deinen Augen hängen… versinkt in ihnen. Leicht lächelnd erwiderst du meinen Blick. Liebevoll betrachtest du mein Gesicht. Deine Augen streicheln zärtlich meine Stirn, meine Wangen, meine Lippen… als ich deinen Blick auf der zarten Haut unter meinen Ohren spüre, richten sich die feinen Härchen in meinem Nacken und auf meinen Armen auf. Wohlige Schauer rieseln über meinen Körper. Meine Augen folgen den deinen und als sich unsere Blicke wieder kreuzen, kann ich nicht mehr verhindern, dass du bis auf den Grund meiner Seele blicken kannst. Wie sonst soll ich erklären, dass du auf meinen unausgesprochenen Wunsch nach einem Kuss reagierst, indem du deinen Kopf zu mir herunter neigst und leise murmelst: „In dieser Nacht ist alles erlaubt.“
Mein Herz klopft wie verrückt und schon wieder brennen die Tränen in meinen Augen, als du deine Arme um meine Taille legst und mich sanft an dich ziehst. Immer möchte ich so stehen bleiben und von dir gehalten werden… Ich schließe die Augen, schmiege mich an dich und stelle mich auf die Zehenspitzen. Ich spüre deinen Atem auf meiner Haut, als deine Lippen meine Augenlider berühren. Zärtlich gleiten sie über meine Wangen, kosten von meinen Tränen, hauchen Küsse dahin und dorthin. Ich drehe meinen Kopf, suche deine Lippen, will sie endlich auf meinen spüren. Mit leicht geöffnetem Mund empfange ich deinen Kuss. Die Berührung ist hauchzart, warm und weich. Auf deinen Lippen schmecke ich meine Tränen und irritiert bemerke ich, dass sich in meinem Bauch eine alles verschlingende Hitze ausbreitet.
Über den See wird sanfte Musik zu uns herüber getragen. Du hebst den Kopf und lauschst, löst dich von mir, ziehst dich zurück. Plötzlich ist mir kalt und fröstelnd umschlinge ich mit den Armen meinen Körper. Was ist los? Ist es denn schon so spät? Ich möchte noch nicht aufwachen! Ich habe Angst, Angst davor, dich zu verlieren. Du darfst mich noch nicht verlassen! Mit großen Augen sehe ich dich an, versuche in deinem Gesicht zu lesen. Ich bin ein wenig irritiert, als ich erkenne, dass du mich belustigt anlächelst und deine Augen strahlend auf mein Gesicht geheftet hast. Noch mehr verunsichert es mich, als du deine Hand nach meiner ausstreckst, mit deinem Arm meine Taille umfängst und „Tanz mit mir…“ flüsterst. Noch während ich darüber nachdenke, wie ich dir erklären soll, dass ich gar nicht tanzen kann, führst du mich schon in einer leichten Drehung über die taufeuchte Wiese. Warum mache ich mir Gedanken? Das ist meine Traum-Zauber-Nacht und in der ist alles möglich!
Es macht Spaß, mit dir zu tanzen. Zart aber bestimmt hältst du mich in deinen Armen und ich spüre den leichten Druck, den deine Hand auf meinen Rücken ausübt. Unsere Bewegungen verschmelzen miteinander und immer schneller wirbelst du mich über die Wiese. Es ist schön, meine Hand von deiner so beschützend umfangen zu wissen, deinen warmen Körper an meinem zu spüren. Du willst mir Freude schenken, mich glücklich machen. Und das bin ich, denn ich darf bei dir sein.
Das Lied ist zu Ende. Schwer atmend lasse ich mich ins Gras sinken und ziehe dich mit mir. Dein liebevoller Blick ruht auf meinem erhitzten Gesicht, als du vor mir kniest. Ich spüre ein fast schmerzhaftes Verlangen nach dir und ich weiß doch, dass ich diesem Verlangen niemals nachgeben darf. Dein Blick ist ernst geworden, als du mir in die Augen siehst und mir zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streichst. Weißt du, wie ich empfinde? Ich spüre deine Finger zart wie Schmetterlingsflügel an meiner Schläfe, an meiner Wange und an meinen Lippen. Sanft ziehst du ihre Konturen nach. Deine Augen lösen sich von meinen, folgen der Spur deiner Finger, die nun von meinem Kinn über meinen Hals eine brennende Spur legen, bis ich deine Hand auf meiner Schulter spüre. Dein Blick gleitet weiter hinab. Ich bin immer noch ganz atemlos und aufgeregt hebt und senkt sich meine Brust unter dem dünnen Stoff. Ich fühle mich schutzlos deinen Blicken ausgeliefert und doch bin ich erregt. Ich schlucke, als du deine warme Hand auf meine Brust legst. Du fühlst mein Herz wild schlagen, weißt, was ich für dich empfinde.
Ich will mich dir öffnen, will mich dir schenken, will die Geborgenheit in deinen Armen kosten, doch ich weiß plötzlich, dass du deinen Gefühlen nicht nachgeben wirst, es gar nicht kannst. Obwohl ich weiß, dass du mir mit allem, was du für mich bisher getan hast und wohl auch noch tun wirst, eine Art der Liebe zeigen willst, macht mich das unendlich traurig. Träume sind manchmal einfach nicht dafür da, um sie auch leben zu dürfen. Trotzdem bin ich dir unendlich dankbar für die Geborgenheit, die ich durch dich erleben darf.
Ich möchte dir meinen Schmerz nicht zeigen, wende mich ab und umklammere meine hochgezogenen Knie. Ich will nicht weinen, nicht schon wieder… Doch als ich deine Umarmung spüre, kann ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sanft umfängst du mich von hinten und ziehst mich eng an dich heran. Du legst dein Kinn auf meine Schulter, deine leicht kratzende Wange liegt an meiner. Ich spüre deine Lippen, deinen Atem und höre die beruhigenden und tröstenden Worte, die du leise an meinem Ohr murmelst. Ich lehne mich an dich und merke, dass ich mich ganz langsam wieder entspannen kann.
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Wie lange haben wir dort am Wasser gesessen? Und wie bin ich nach Hause gekommen? Ich weiß es nicht. Es ist auch nicht wichtig, nur eines zählt für mich. Ich kann dir vertrauen. Du hast mir versprochen, dass du immer für mich da sein wirst und vielleicht… aber nur vielleicht… wird es noch mehr Traum-Zauber-Nächte für uns geben.
[Dieser Beitrag wurde am 27.03.2007 - 15:22 von Daggi aktualisiert]
Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...
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