Lego

Status: Offline Registriert seit: 14.01.2005 Beiträge: 3 Nachricht senden | Erstellt am 14.01.2005 - 10:32 |  |
Greez all the PeoPLes!!!!
Trance
Um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, möchte ich zunächst mit einem Paradoxon aufräumen. Trance hat als Begriff für einen eigenständigen Musikstil eigentlich nie eine Daseinsberechtigung gehabt. In der Musikgeschichte gab es wohl selten einen verwirrenden Term, der so zur freien Interpretation eingeladen hat. Kein Wunder: Wir leben in einer Zeit, in der sich die Konsumgesellschaft in einer rotierenden Spirale der Schnellebigkeit bewegt und von deren Auswüchsen oft rechts überholt wird. Die Musik ist ein Gebiet, auf dem man diese grotesken Verzerrungen besonders deutlich verfolgen kann: Immer kleinere Nischen werden gesucht, um den trendheischenden Konsumenten etwas präsentieren zu können, das zumeist nur noch scheinbar neu ist.
So war es vor allen Dingen das Verdienst von Printmedien außerhalb der Szene und einer Schar von nachplappernden A&R Managern, daß Trance ab Sommer 1992 in Deutschland in einem unerträglichen Maße als Stempel auf alles mögliche gedrückt wurde. Und wenn das Kind einmal seinen Namen hat, kriegt man ihn bekanntlich nur schwer wieder weg. Auch die schärfsten Kritiker des Begriffes bzw. der damit bezeichneten Musik kommen nicht um die Benutzung des Begriffes herum, weil er sich als Bezeichnung für einen gewissen Bereich von Techno nun einmal eingebürgert hat.
Trance wird seit jeher als Beschreibung für einen menschlichen Bewußtseinszustand gebraucht, der sowohl in religiösen und rituellen als auch in psychologischen Kontexten auftritt. Trancezustände können sowohl aktiv als auch passiv erreicht werden, z.B. mittels Hypnose. Auch in den Übergangsstadien zwischen Wachphase und Schlaf befindet man sich in einem Zustand, den man mit Trance bezeichnet. Die Saat des vermeintlichen Genres Trance war in Deutschland schon im Frühjahr 1992 auf fruchtbaren Boden gefallen. Damals machten sich die ersten Abnützungseffekte in der noch relativ jungen Technoszene bemerkbar, eine von der "Immer schneller, immer härter" Entwicklung gefrustete Klientel nabelte sich teilweise ab und begann nach Alternativen zu suchen. In der Juni Ausgabe 1992 unternahm das "Groove-Magazin" den ersten Versuch, den plötzlich inflationär auftauchenden Begriff zu hinterfragen wobei schon damals verhindert werden sollte, Trance gleichbedeutend mit Techno oder House als neuen Stil zu manifestieren. Das Wort Trance sagt bereits aus, daß es sich um einen Bewußtseinszustand handelt, den der Mensch mit allen Tricks zu erleben sucht, seit es die Abfahrt gibt. Es geht hauptsächlich darum, das Alltagsbewußtsein für eine gewisse Zeit zu verlassen.
Von unseren Dance Kollegen, den Indianern und Eingeborenen, kennt man dazu die altbewährte Formel: Rhythmus + Wiederholung (heutzutage + Lautstärke) = Trance. Einer der ersten der mit Trance in Berührung und später auch berühmt wurde war DJ Dr. Motte, der gerade mit dem Track "Der Klang der Familie", einem der wichtigsten Clubhits des Jahres 1992, quasi über Nacht zu einem neuen Idol der deutschen Technoszene geworden war. Er ist sowohl als DJ wie auch als Producer ein eingefleischter Vertreter des Minimalismus. Es war die Berliner Antwort auf Detroit. Hart, ohne schnell zu sein, kompromißlos einfach, aber immer mit diesem gewissen Feeling.Dr. Motte nannte seinen Stil damals "Heartcore". Er war übrigens auch der Initiator der Love-Parade in Berlin, was ihn zusätzlich noch zu einem Star der Techno Szene machte, was er bis heute auch noch ist.
Auch ein Star der Techno Szene bis heute ist der Frankfurter Sven Väth. Er eröffnete bereits 1987 seinen ersten Techno Club in Frankfurt, das Omen. Dieser entwickelte sich schnell zum europäischen Techno-House Tempel, busweise werden Raver aus Amsterdam angekarrt, der Partytourismus erlebt erste Höhenflüge, lange bevor an Mayday und Love Parade zu denken ist. Klar, daß es nur eine Frage der Zeit sein konnte bis Sven Väth sich seinen eigenen musikalischen Projekten widmete. Mit Eye Q-Records und Harthouse gründete er zwei Labels, die sich einer Mischung aus harten Techno Rhythmen und sanften Trance-Teppichen widmeten. Der Starruhm hatte an die Tür geklopft. Mit "Accident In Paradise" trat Sven schließlich ein. Ein ganz und gar ruhiges Trance Album, mit dem es ihm als erstem Diskjockey gelang, einen weltweiten Plattenvertrag zu erlangen.
Ein weiterer Vertreter der Trance-Urväter war DJ Dag, der sich im Frankfurter Flughafen-Disco-Club Dorian Gray einen Namen machte, da er zwischen 1989 und 1993 seine Anhängerschaft in den sonntäglichen Morgenstunden immer wieder in Verzückung durch harmonische Sphärenklänge, gebettet in stringlastige Klangteppiche und unterlegt mit extrem tanzbaren Grooves. Bekanntlich beginnt die physische Leistungskraft der Spezies Raver nach 6 a.m. zwar langsam abzusinken, das Musik-Erleben wird dafür um so tiefer, die Aufnahmebereitschaft für subtileren bzw. ruhigeren Sound steigt. Tracks wie "Higher In The Sky" von Mackenzie "Age Of Love" von The Age Of Love, oder "Choice" von Orbital waren Meilensteine dieser Ära. Heute gehört diese Ära der Vergangenheit an. Dag verließ im Sommer 1993 das Dorian Gray und wechselte ins Omen. Das Sounduniversum von einst ist im Zuge der Evolution und Aufsplittung der Stile einer Supernova gleich explodiert. Das musikalische Spektrum von Techno und House hat sich zu einer solchen Komplexität entwickelt, daß die Stämme, die sich in der Zwischenzeit aus den ehemaligen Ästen bildeten, mittlerweile meilenweit voneinander entfernt sind. Um so mehr muß dies für unseren leidigen Zwitterbegriff gelten. War das Spektrum, das man 1990/91 unter Trance faßte gerade noch überschaubar, ist der Gebrauch heute so subjektiv und undefiniert geworden, daß man sich wünschte, dieses Wort hätte niemals Einzug in den Sprachgebrauch der Szene gehalten.
Begriffskombinationen wie Happy Trance, Trance House, Acid Trance, Hardtrance und Trancecore, um nur die gebräuchlichsten Verbindungen zu nennen, machten die Verwirrung endgültig komplett. Alle möglichen Elemente und Einflüsse vermischen sich zu immer neuen Kombinationen, und die musikalische Entwicklung sorgte für die üblichen Abnützungseffekte. Schließlich waren dann gerade jene Elemente, die dem Laien implizieren, daß es sich um Trance handelt, dafür verantwortlich, daß sich Techno-Mainstream und Euro-Dancefloor-Pop 1994 gegenseitig befruchten konnten. Die typischen Flächen (Strings), die Sequenzen und die Harmonien mutierten immer mehr zu instrumentalen Hooklines, die auf einmal den Spirit des 84er Italo House wiederaufstehen ließen und in den Kontext von 1994 übertrugen. In Deutschland waren Produzenten wie die Berliner Cosmic Baby und Paul van Dyk, die die Stücke derart discomäßig aufpeppten, daß sie langsam aber sicher immer glatter und charttauglicher wurden. Das war auch der Grund warum die deutsche Technoszene spätestens ab "Loops Of Infinity" schwere Identifikationsprobleme mit dem ehemaligen Trance-Vorzeige-Act Cosmic Baby bekam.Das Jahr 1994 war, mit seine Fluten an Major-Trance-Compilations, der Fusion mit den Charts und der kommerziellen Abnützung, das Jahr des absoluten Ausverkaufs.
Im Technobereich wurde nach wie vor extrem trancige und hypnotische Musik produziert nur daß diese in den meisten Fällen nichts mehr mit sülzigen Flächen und Sequenzen gemein hatte, sondern mit minimalen und monotonen Strukturen. Der Begriff Trance wird noch lange in der Szene herumgeistern, aber die Zeiten, in denen man ihm die Bedeutung eines eigenen Musikstils zumaß, sind vorbei.
Selbst bin ich tekkNoId und finde aber einem jedem das seine und von dem nicht zu wenig!!!!!
Quelle: Charly Lownosie!!!
[Dieser Beitrag wurde am 14.01.2005 - 11:13 von Lego aktualisiert]
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Martinez  Weekend Trancer


Status: Offline Registriert seit: 13.01.2005 Beiträge: 162 Nachricht senden | Erstellt am 14.01.2005 - 12:47 |  |
Aha, interessante Ansichten der Herrn Lownoise. Also das ist mir jetzt neu, dass Trance als Bezeichung für melodischen Techno als verpönt gilt, hab ich bis jetzt noch nie gehört.
Wenn man die Ansichten von Charly weiterspinnt, dann gibt es eigentlich nur Techno und alle Unterarten dienen nur der Verwirrung. Auch ein bisschen zu einfach, oder?
Ich hab ja die Entwicklung des Techno so ab Ende 80er mitbekommen, da wurden die melodiösen Sachen auch noch unter Techno geführt (siehe die ersten Techno Trax Compilations von ZYX). Es entwickelten sich dann aber die Stile ein bisschen auseinander. Auf der einen Seite wurde es immer härter und schneller (Happy Hardcore bis hin zu den ganzen Gabber-Geschichten), auf der anderen Seite entwickelte sich der melodiöse Teil und wurde sehr bald als Trance bezeichnet.
Ich habe mit dem Begriff absolut kein Problem, im Gegenteil, er beschreibt meiner Meinung nach die Musik sehr gut, eine melodiöse, teilweise sphärische Musik, die zum träumen oder zum verweilen in einem traumähnlichen Zustand, eben Trance einlädt.
Ich bin nicht der Typ für Genrediskussionen und wenn ich es mir noch einfacher mache, sage ich einfach, das ist alles elektronische Musik.
Wichtig für mich ist, wenn ich Trance sage, dass jeder der sich ein bisschen damit beschäftigt weiß, welche Musik ich meine und das ist es, was für mich zählt.
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Martinez  Weekend Trancer


Status: Offline Registriert seit: 13.01.2005 Beiträge: 162 Nachricht senden | Erstellt am 17.01.2005 - 08:16 |  |
Bezüglich Jean Michel Jarre würde ich sogar noch ein wenig weitergehen und ihn als einen der Urväter der elektronischen Musik bezeichnen.
Es stimmt schon, die meisten seiner Nummern waren eher melodiös und sphärisch angelegt, also früher Trance oder Chill Out wenn man so will.
Natürlich gab es bezüglich elektronischer Musik schon Leute, die vor Jean Michel mit Synthesizern zu experimentieren begonnen haben, aber die Perfektion die Mr. Jarre darin erreichte und seine genialen Live-Shows, mit denen er seine Musik visualisierte machten ihn eben einem breiten Publikum bekannt.
Schubladendenken ist auch nicht meins, sicher braucht man gewisse Begriffe, damit man Musik beschreiben kann, aber wenn man darüber zu streiten beginnt, finde ich das irgendwie sinnlos.
Bezüglich Sven Väth: Für alle die es interessiert und die's noch nicht wissen. Er hatte vor seinem Durchbruch als Trance-Produzent auch schon unter dem Namen OFF 2 Hits (Electrica Salsa und La Casa Latina). Die L'Esperanza war für mich auch ein Hammer-Titel, leider hat sich seine Musik im Laufe der Zeit dann von meinem Geschmack wegentwickelt.
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Martinez  Weekend Trancer


Status: Offline Registriert seit: 13.01.2005 Beiträge: 162 Nachricht senden | Erstellt am 09.02.2005 - 08:33 |  |
Da ist was dran. Wenn jemand aus Überzeugung eine Musikrichtung hört weil er sie einfach gut findet, dann ist das völlig in Ordnung für mich, auch wenn mir diese Richtung überhaupt nichts gibt.
Mir sind nur jene Leute suspekt, die eben nur eine gewisse Richtung hören, weil's gerade "in" ist oder weil es eben cool oder hart ist, diese Musik zu hören. Das ist für mich ein Mangel an Selbstdefinition.
Ich lasse mir keine Musikrichtung aufzwingen, ich such mir meine Musik selbst aus. Ob da jetzt ein anderer meint, diese Richtung sei Scheiße, juckt mich nicht weiter, er muss sie ja nicht hören.
Man findet über die Musik ohnehin zu Gleichgesinnten (wie hier im Forum) und wenn jetzt einer meint, er muss sich über Trance das Maul zerreißen wie du sagst, dann soll er. Es wird nichts daran ändern, dass mir Trance einfach sehr viel gibt und ich diese Musik wahnsinnig gern höre.
Zu Jean Michel Jarre: Also momentan stehe ich total auf das "Revolutions" Album. Bin auch ein großer Fan von ihm, bin über Magnetic Fields und Equinoxe zu ihm gekommen.
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