Wege aus der Essstörung - das Forum für eine tolerante und offene Diskussion rund um das Thema und Erfahrungsaustausch über Wege aus der ES. ************************************************************************************************************************************************************************************************************************************* Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit Esssüchtigen, die auf dem Weg aus der Esssucht sind und mit ehemaligen Esssüchtigen, die dabei sind nach dem psychischen jetzt auch den körperlichen Ballast abzuwerfen. Wir wollen uns gegenseitig auf diesem Weg unterstützen. Führt Euer Online-Tagebuch bei uns, gebt Euch gegenseitig Tipps und Tricks und Feedback zu dem, was bei Euch so läuft. Gemeinsam sind wir stark!!

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Nora ...
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...   Erstellt am 02.08.2006 - 18:43Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich muss mal was loswerden: eine gute Freundin hat mir heute gesagt, dass ich die Angewohnheit habe, die Leute totzureden
Sie meint, es sei schwer mal einen Satz einzuschieben, immer würde ich mit meiner Argumentation vorgreifen, wüßte immer schon im voraus was die anderen sagen. Heute ist ihr der Geduldsfaden gerissen und sie hat mich am Telefon angeranzt, ob sie auch mal was sagen dürfe.
Jetzt sitze ich hier und fühle mich mies. Ich weiß, dass ich das im Job auch oft mache, die Leute verbal überfahre. Ich habe das bisher als ausgepägtes Dominanzverhalten beurteilt, was im Job gegenüber Männern, wo ich mich durchsetzen muss auch o.k. ist. Im privaten finde ich das aber nicht o.k. und es war mir auch nicht so bewußt.
Kennt das hier noch jemand von sich so ein Verhalten?
Nora





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Solitude ...
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...   Erstellt am 03.08.2006 - 06:35Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen



@ Nora…in meiner Therapie habe ich erfahren, dass es bestimmte Verhaltensweisen gibt, die Esssüchtige gemeinsam haben:

    - extremer Perfektionismus was die eigenen Leistungen angeht. Das Gefühl nie gut genug zu sein treibt sie immer weiter an.
    - Zwangshandlungen (zwanghaftes Essen, zwanghaftes Reden). Wer zwanghaft redet, versucht die Kontrolle über das Gesagte zu behalten.
    - Überhaupt der Versuch, Dinge unter Kontrolle zu halten – z.B. die eigenen Emotionen (Gefühle runterschlucken…)
    - Dazu passt, die Kontrolle nicht abgeben zu können – sei es bei der Arbeit schlecht delegieren zu können (man kann selbst alles besser erledigen) oder auch die Angst vor dem Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalten (sich in die Hände von jemandem begeben müssen, Vertrauen zu fassen…)

Wenn Du an Dir feststellst, dass Du zwanghaft redest, bedeutet das, dass Du versuchst, die Kontrolle über das Gespräch zu behalten.
Nur gute Freunde machen uns auf unsere „Macken“ aufmerksam – nimm den Hinweis Deiner Freundin positiv und versuch Dir Dein Verhalten bewusst zu machen und so die Chance zu nutzen, es zu modifizieren.

Ich selbst habe durch die Therapie viele meiner Verhaltensweisen sehr stark verändert, ich bin weitaus weniger dominant als früher, erheblich gelassener, kann besser delegieren und vor allem auch loslassen. Ich kann Dinge geschehen lassen, ohne sie zu beherrschen, und das macht mir keine Angst mehr. Ich habe gelernt, Vertrauen zu fassen.

Eine der bewegenden Erkenntnisse war, dass ich in einem selbst gemauerten Gefängnis aus Selbstzweifeln, übertriebenen Ansprüchen an mich selbst, Perfektionismus, Ängsten und zwanghaftem Verhalten gesessen habe und die Möglichkeiten da heraus zu kommen ausschließlich in mir selbst lagen und nicht – wie ich immer dachte – an meiner Familie und/oder Umgebung.

Es liegt soviel in uns – wir nutzen nur einen Bruchteil unseres Potentials, sowohl in intellektueller als auch in sensitiver Hinsicht.
Ein Therapeut ist so etwas wie der „Schlüsseldienst“, der uns im Idealfall dabei begleitet, den Schlüssel zu uns selbst zu finden.
Wenn Du also das Gefühl hast, dass Du den Weg aus den Zwangshandlungen heraus nicht alleine findest, und auch Dein Essverhalten wieder eher in alten Gleisen verläuft, solltest Du am besten noch einmal mit Deinem Therapeuten daran arbeiten.

Alles Liebe , Soli





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Der Weg zu mir selbst war der schwerste, den ich je gegangen bin aber auch der lohnendste, weil er mich auch zu Dir geführt hat.
(von mir für Dich )

Nora ...
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...   Erstellt am 04.08.2006 - 03:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So habe ich das noch nie gesehen, dass das "Totreden" daher kommt, dass ich die Kontrolle behalten möchte. Da ist aber was dran, macht für mich auch Sinn.

Das wurde übrigens bei uns zu Hause auch so gemacht, dass einer den anderen nie ausreden ließ. Ich habe es auch immer für eine (erlernte) schlechte Angewohnheit gehalten.

Wo Du auch auf jeden Fall ins Schwarze getroffen hast ist was anderes. Ich habe total Panik, wenn ich beim Arzt bin oder noch schlimmer ins Krankenhaus soll. Der blanke Horror der Gedanke, dort ausgeliefert zu sein

Du hast mir einiges zum Nachdenken gegeben...





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Sunny 
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...   Erstellt am 04.08.2006 - 23:36Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ist ja witzig, das Thema kommt mir auch bekannt vor. Mein Freund beschwert sich da manchmal drüber, dass er nicht zu Wort kommt
Bei mir ist das immer so, dass ich Gesprächspausen nicht gut aushalten kann. Ich denke dann irgendwie immer, dass ich das füllen muss. Auch bei Freundinnen übrigens. Manchmal ist dann eben auch so, dass der andere nur eine kurze Atempause gemacht hat, dann habe ich schon angesetzt und merke dann im Reden, dass der andere noch gar nicht fertig war.
Oder auch, dass ich zu weitschweifig bin. Er meint dann immer: Komm mal auf den Punkt. Aber ich denke, dass ist einfach auch ein Unterschied zwischen Männern und Frauen; Frauen sind einfach weitschweifiger und schmücken mehr aus.

@ Soli
Interessant jedenfalls dieser Zusammenhang zwischen zwanghaftem Essen und Reden, habe ich noch nie gelesen.

Die einzige Zwangshandlung, die ich an mir kenne ist, dass ich immer x-mal nachsehen muß ob ich abgeschlossen habe (Auto, Wohnung) oder ob der Herd aus ist

Mackige Grüße, Sunny




Sunny 
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...   Erstellt am 06.08.2006 - 22:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Solitude schrieb


    Ein Therapeut ist so etwas wie der „Schlüsseldienst“, der uns im Idealfall dabei begleitet, den Schlüssel zu uns selbst zu finden.



Ein geniales Bild
Ich überlege im Moment, ob ich auch mal wieder ein paar Stunden beim "Schlüsseldienst" brauche

Ist doch irgendwie nicht normal, dass ich immer so eines Zores mit meiner Mutter habe

Ich meine, wir haben ein enges Verhältnis aber irgendwie hasse und liebe ich sie gleichzeitig
Manchmal denke ich, ich brauche sie, dann denke ich wieder ich wäre besser dran ohne sie. Ach, ich weiß auch nicht irgendwie wirr.
Sie hat mich mal wieder mit ihren ungefragten Ratschlägen auf die Palme gebracht, sie mischt sich ein als ob ich ein Teenager wäre

Dann ärgere ich mich über mich selbst, dass sie mich überhaupt noch so auf die Palme bringen kann. Schließlich bin ich erwachsen und kann ohnehin machen was ich will.




Solitude ...
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...   Erstellt am 07.08.2006 - 01:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@ Sunny
Ich denke, dass Thema „Mütter“ ist vielen Esssüchtigen nicht unbekannt.
Esssüchtige sind oft mit ihren Müttern durch eine extrem enge Bindung verbunden.
Eine Verbindung zwischen gegenseitiger Abhängigkeit und Feindseligkeit. Beide so bedürftig und gleichzeitig so sehr darauf bedacht, die Kontrolle zu behalten. Beide nicht in der Lage, der jeweils anderen wirklich bei Schwierigkeiten zu helfen.
Ein ständiger Wechsel zwischen Geben und Nehmen, Essen spielt dabei häufig als Ersatz oder Beweis für Liebe eine wichtige Rolle.

Eine ungeklärte Mutter-Tochter-Beziehung ist sicher ein guter Anlass mit einem Therapeuten nochmal auf „Schlüsselsuche“ zu gehen





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