Nicolai unregistriert
| Erstellt am 31.05.2006 - 19:29 | |
(vom Kalkstein-Monument)
Nicolai hatte Linus und die Wache abgehängt.
Zuerst fühlte er sich schuldig und töricht, doch als er sich dann auf einmal nach einem langen einsamen Ritt auf einer kleinen Lichtung im Wald wieder fand, da genoss er diese Stille und diese Einsamkeit. Natürlich wusste er, das er nicht richtig gehandelt hatte, machte sich doch Linus nun Sorgen. Aber für diesen Augenblick war es Nicolai einfach einmal egal. Er war wie ein kleiner törichter Junge, der einfach keinen Regeln folgen sollte. Auch wenn er wusste, dass er mit gutem Beispiel vorangehen musste. Aber irgendwie brauchte auch er mal Abstand und vor allem seine Ruhe und diese fand er nicht auf dem Schiff, nicht in seinem Zelt.
Er liess auf der Lichtung das Pferd grasen, in dem er die Zügel locker lies. Und dann seufzte er tief, zog die Luft langsam ein und schloss die Augen. Kaum etwas war zu hören, ausser das Schnauben des Pferdes, einigen Vögeln im Wald.
Diese Ruhe war sehr angenehm und Nicolai genoss sie mehr und mehr.
Er stieg nicht vom Pferd ab, da er mit seinem geschienten Bein eh nicht weit alleine kommen würde. Und dann dachte er nach.
Nicolai fiel auf, das ihm dass, was ihm auferlegt wurde und worauf man ihn ein Leben lang hin erzogen hatte, so gar nicht das war, was er wollte. Er wollte in diesem Moment kein Prinz sein und all diese Verantwortung tragen. Vielleicht rührte dies daher, dass er ahnte, dass es bald noch schlimmer kommen würde, wenn er König würde. Es war nicht so, dass er es sich nicht zutraute. Er wurde so erzogen, es zu können. Aber in diesem friedlichen Moment hier im Wald, wo er einfach mal versuchte, alle Sorgen hinter sich zulassen, spürte er, wie er einfach nur leben wollte. Ohne Sorgen, ohne Verantwortung und Pflichten.
Der Ausflug mit Mihalai und Atthelà hatte ihn sehr gut getan. Und davon wollte er auch zehren und Kraft schöpfen. Denn auch wenn er hier nun alleine war, er wusste, bald würde er zurückkehren in sein altes Leben und funktionieren. Er musste. Ob er wollte oder nicht und dann lachte er und schaute zum Himmel, als würde er ein stummes Zwiegespräch mit den Göttern führen.
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Nicolai unregistriert
| Erstellt am 31.05.2006 - 22:03 | |
Eine lange Zeit war verstrichen und Nicolai hatte sich ernsthafte Gedanken gemacht. Sehr ernsthafte sogar. Und er verspürte kaum mehr Trauer oder Sorgen. Sein Schicksal war eh zum Teil vorbestimmt, was sollte er da noch gross unternehmen, er hatte weniger Möglichkeiten, als er glaubte. Es lag nicht mehr in seiner Entscheidung, so sehr es ihn auch schmerzte. Egal, wie er liebte, dafür gehörten immer zwei. Und vielleicht hatte das Schicksal wirklich einen anderen Weg vorgesehen.
Nicolai war ein Kämpfer, durch und durch. Er hatte viele Schlachten gewonnen, für sein Volk. Für sich selber, da mochte er allerdings nicht dran denken. Er wusste es nicht und er merkte, das er auch nicht mehr kämpfen wollte.
Er hatte seiner Meinung nach immer um jeden und um alles gekämpft, doch nun war er müde. Und verletzt. Irgendwann hatte er dann auch genug von der Einsamkeit. Naja, das war gelogen. Gerne wäre er noch tiefer in den Wald hineingeritten, aber er wusste auch, dass dies nur eine Flucht war.
Nein, Nicolai hatte eine grosse Verantwortung und diese stellte er über seine eigenen, schmerzhaften Emotionen. Er hatte sich entschieden. Und wenn Deirdre ihn nicht mehr wollte, dann würde er damit eben klar kommen müssen ...
Ein gutes Gefühl hatte er nicht, aber so war es eben nun einmal.
Irgendwann dann nahm er die Zügel in die Hand, gab dem Pferd ein Zeichen, und so ritt er zurück in die Stadt.
(weiter: Hafenviertel)
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