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Shaz 
Jay Mod!
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...   Erstellt am 09.01.2007 - 16:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


The Hope After the End
Leise ging ich durch die Nacht. Stumm rannen die Tränen über mein Gesicht und kein einziger Ton kam aus meinem Mund. Ich schaute nicht nach hinten, nicht zur Seite. Nur nach vorne. Hinter mir war es dunkel geworden, wie auch neben mir. Ich hoffte wenigstens vor mir ein Lichtblick zu finden. Doch dort war es noch finsterer. So lief ich weiter durch die Kälte, in der Dunkelheit. Alleine gelassen und einsam. Ohne jeglicher Hoffnung in mir. Nur mit Hass, Traurigkeit, Wut und doch zugleich Verständnis. Alles Gefühle, die mich fast verrückt machten, sowie die Erinnerungen die mich nicht schlafen ließen. Weshalb ich draußen war. Ich war geflüchtet – vor meinen Problemen und Sorgen und – ja- auch vor meinen Gefühlen. Doch selbst hier konnte ich ihnen nicht entfliehen. Sie verfolgten mich und versuchten mich zu zerstören. Doch das konnte ich nicht zulassen. Ich wollte leben. Auch wenn ich dies längere Zeit nicht wollte und einfach nur hoffte zu sterben. Zu viel war passiert. Zu viel wurde mir genommen ohne Rücksicht auf mich zu nehmen. Ohne daran zu denken, wie mich das verletzte.
Ich setzte mich auf eine Bank und blinkte weiter in die Dunkelheit, ohne etwas wirklich zu erkennen. Niemand anderes lief hier lang. Jeden Tag, sehr spät am Abend war ich draußen. Ich ging nur in der Dunkelheit raus und meidete es, anderen Menschen zu begegnen. Auch wenn ich es nicht immer verhindern konnte. Immerhin musste ich einmal die Woche einkaufen gehen. Aber ansonsten war ich alleine. Ich nahm mein Handy aus der Tasche, hatte aber keine große Hoffnung eine Nachricht vorzufinden. Warum auch. Ich hatte ja so gut wie niemanden mehr. Nur noch meine family. Doch die waren in Deutschland und ich in London. Hierher war ich geflüchtet, nachdem ich es nicht mehr aushielt. Nun wohnte ich seit einiger Zeit in einem kleinen Apartment, am Rand von London für mich alleine. Niemand kam mich besuchen, außer Lee. Aber auch diese Besuche waren nicht sehr häufig, da er viel arbeiteten musste. Doch trotzdem freute ich mich immer, wenn er dann mal da war. Er war es gewesen, der mich zusammen mit seinen Freunden aus der Hölle rausholte. Mich einfach mitnahm und nach London brachte. Hier hatte er mir das Apartment, das etwas außerhalb der zentralen Stadt lag, besorgt und für mich gesorgt, da ich mit meinen Nerven am Ende war, als ich hierher kam. Ich zog mich von der Außenwelt zurück und ging nur selten raus. Dachte sogar an Selbstmord und hätte es auch getan, wenn Lee mich nicht aufgehalten hätte. Er hatte mir in letzter Sekunde die Tabletten aus der Hand gerissen und sie im Klo runter gespült. Danach hatte er mich ganz fest in den Arm genommen und versucht mich zu beruhigen, da ich wie verrückt geheult hatte. Ich sackte in mich zusammen. Innerlich und Äußerlich war ich fertig. Irgendwann war ich dann in seinem Arm eingeschlafen.
Bei dieser Erinnerung liefen mir die Tränen in strömen das Gesicht runter auf meine Jacke und sickerten dort ein. Was würde ich bloß ohne ihn machen? Er sagte immer, ich sollte vergessen, was geschehen war und nach vorne blicken. Doch vor mir war es genauso dunkel, wie hinter mir. Und außerdem - wie konnte man so etwas vergessen?
Jedes mal fragte ich mich, warum sie mir das angetan hatten. Warum sie mich für alles beschuldigten und warum sie mich alleine ließen, als ich sie am nötigsten gebraucht hatte. Jeden Tag, Jede Minute, Jede Sekunde kamen diese Fragen in meinen Gedanken vor. Doch ich wusste keine Antworten darauf.
So langsam fühlte ich mich sogar selber schuldig. Als ich dies Lee erzählte war er entsetzt gewesen und meinte ich sollte niemals mehr, auch nur einen Gedanken daran verschwenden. Denn ich war nicht schuldig.
Doch so ganz konnte ich diesen Gedanken nicht verdrängen. Auch wenn meine Vernunft mir sagte, dass ich dies aber tun sollte – mein Gewissen sagte mir immer etwas anderes und siegte meistens über meine Vernunft. So war es auch heute. Ich machte mir Vorwürfe. Auch wenn ich wusste, dass dies falsch war. Ich konnte keine klaren Gedanken fassen und hoffte, dass dies nur ein Traum war. Und wenn ich wieder aufwachte, dass dann alles wieder so war wie früher. Doch es war kein Traum. Es war die Realität und sie tat weh. Verdammt weh sogar. Ich hatte mir niemals träumen lassen, dass ich einmal so leben würde. So alleine und ohne Freunde. Ok. Ich hatte noch Lee. Doch er war mehr als nur ein Freund. Er war wie ein Bruder - Mein Bruder. Und ich liebte ihn über alles, so wie ich auch meine richtige Familie liebte. Auch wenn ich ihn nicht oft sah. Aber meine Familie sah ich ja auch nicht oft…
Ich fror am ganzen Körper und hatte eine Gänsehaut, doch ich hatte wenig Lust aufzustehen. Sollte ich doch hier erfrieren. Dann hätte ich wenigstens keine Probleme und Sorgen mehr. Doch diesen Gedanken vergas ich ziemlich schnell, da mein Handy klingelte. Ich hatte eine SMS empfangen.
Hey Sweety,
wo biste denn schon wieder? Stehe vor deiner Haustür und frier mir alles ab.
Lee XxX
Ein kleines Lächeln zauberte sich auf mein Gesicht. Ich stand auf und ging in richtung meines Apartments. Nebenbei schrieb ich Lee zurück, damit er sich nicht Sorgen machte und dachte, mir wäre was passiert.
Hey Großer,
bin grad unterwegs, bin aber gleich zuhause.
In Love Shaz
Nachdem ich die SMS abgeschickt hatte, lief ich etwas schneller, damit mir wärmer wurde.
Schon von weitem sah ich Lee. Er saß auf einer der Treppenstufen und hatte seinen Kopf in seinen Händen versteckt. Ich machte das Tor auf, was etwas quietschte und ging auf Lee zu. Der erhob den Kopf und sah auf. Als er mich sah, stand er auf und lief sofort auf mich zu. „Hey Sweety. Ist alles ok bei dir?“ Kam es von ihm ohne dass er luft nahm. „Hmm… Es geht schon. „Erwiderte ich. „Hast du geweint?“ fragte er mich besorgt und sah mich an. „Nein“ Dabei starrte ich auf den Boden. „Sweety du sollst mich nicht anlügen. Komm. Schau mich bitte an“ In seiner Stimme lag etwas flehendes. Ich schaute ihn an und es rannen mir wieder Tränen über das Gesicht. Sie stoppten an meinem Kinn und fielen hinunter. Lee sah sie und nahm mich in den Arm. „Oh Sweety. Nicht weinen. Es wird wieder alles gut“. Das glaubte ich zwar nicht, aber es tat trotzdem gut, es zu hören. Und es tat auch gut wieder in Lee´s Armen zu sein. Jemanden wieder bei sich zu haben und nicht mehr allein zu sein. „Komm lass uns rein gehen. Es nicht unbedingt warm hier draußen und so langsam glaube ich, das mir alles abgefroren ist“. „ok“ Ich griff in meine Jackentasche und suchte meinen Schlüssel, den ich dann auch fand. Ich schloss die Tür auf und wir beide gingen ins Wohnzimmer. Dort setzte ich mich aufs große Sofa und neben mich Lee. „Wie war es auf der Tour?“ fragte ich Lee. Er hatte mit seinen Freunden ne Band gegründet und war vier Wochen lang mit ihnen durch ganz Britannien getourt. „War schon ganz lustig. Und auch ziemlich Chaotisch.“ Ich musste etwas lächeln, als ich an die anderen Jungs dachte. Die waren schon ein verrückter Haufen. Auch wenn ich kaum etwas mit ihnen zu tun hatte, mochte ich sie doch sehr. Vor allem weil sie Lee geholfen hatten, mich hierher zu holen.
„Wie war es bei dir hier? Was hast du die ganze Zeit gemacht?“ „Nichts“ antwortete ich ihm und mein lächeln war wieder fort. „Das glaub ich dir nicht, dass du nichts getan hast“ erwiderte er. „Es ist aber so“ gab ich zurück. Wieder kamen Tränen. Doch nun konnte ich sie aufhalten. Zumindest im moment noch. Sollte ich Lee etwa sagen, dass ich mir immer noch jedes Mal für die vergangen Geschehnisse die Schuld gab und daran dachte?! Oder sollte ich lieber schweigen? Doch Lee erleichterte mir diese Entscheidung. „Du hast wieder die ganze Zeit an die Geschehnisse gedacht, stimmts?“ Ich blickte auf den Boden und nickte leicht. „Und du hast dir auch die Schuld dafür gegeben. Hab ich Recht?“ Ich bemerkte seinen eindringlichen Blick, doch ich schaute immer noch nicht auf. Stattdessen schaute ich weiter auf den Boden und nickte wieder. Er seufzte leise und schüttelte den Kopf. „Oh Sweety. Was soll ich den noch tun, um dir klar zu machen, dass dich keine Schuld trifft?“ fragte er mich. Darauf wusste ich keine antwort. Mittlerweile konnte ich die Tränen nicht mehr aufhalten und sie kullerten wieder nach unten. Ich legte mein Gesicht schützend in meine Hände und konnte ein schluchzen nicht unterdrücken. Lee rückte zu mir hin und nahm mich wieder in den Arm. Ich schaute kurz auf, vergrub dann mein Gesicht in seinem Pulli und heulte drauf los. Ich heulte meinen ganzen Frust, Wut und Enttäuschung raus. Lee strich mir sanft über meinen Rücken und irgendwie hatte es etwas beruhigendes, so dass meine Tränen langsam versickerten und ich aufhörte zu weinen. Trotzdem schaute ich nicht auf und blieb so bei Lee im Arm. Ich hielt meine Augen geschlossen und kuschelte mich mehr an Lee. „Ich habe jetzt für zwei Wochen Urlaub. Wie wäre es, wenn ich so lange bei dir bleibe und hier wohne?“ Jetzt schaute ich auf und in das Gesicht von Lee. Er lächelte mich lieb an. „Das wäre schön“ kam es von mir, auch wenn ich es nur leise sagte, verstand er es. „Dann werde ich gleich kurz nach Hause gehen und meine Sachen holen, ok?“ Ich nickte und er stand auf. „Möchtest du vielleicht mit?“ Seine Frage war mit Hoffnung verbunden. Mit der Hoffnung, dass ich mit unter Menschen komme. Doch das wollte ich nicht und schüttelte daher den Kopf. Wieder seufzte er leise. Das tat er immer, wenn er enttäuscht war. „Na gut. Dann geh ich jetzt schnell. Bis gleich sweety“. Er kam noch mal zu mir zurück und gab mir ein Kuss auf die Stirn. Dann war er auch schon durch der Tür nach draußen verschwunden. Es tat mir schon etwas leid, dass ich ihn so enttäuschen musste, aber ich konnte es doch nicht ändern. Oder etwa doch?
Ich machte mir darüber keine weiteren Gedanken. Lee würde es hoffentlich schon verstehen. Ich nahm mir die Fernbedienung vom Tisch und schaltete den Fernseher an. Ich zappte einige Zeit lang durchs Abendprogramm, bis ich ein Fantasie Film fand, den ich mir anschaute. Ich liebte Fantasie Filme, da man sich in ihnen reinträumen und um sich herum alles vergessen konnte. Und jedes Mal tauchte ich bei so einem Film in eine andere Welt hinab. Dort war immer alles toll und jeder Fröhlich. Hier konnte ich alle meine Sorgen, Probleme und Gefühle für einen kleinen Moment vergessen und einmal in meinem Leben glücklich sein.
Nach einiger Zeit kam Lee zurück. Anscheinend hatte er sich den Schlüssel mitgenommen, da er von alleine rein kam. „Da bin ich wieder. Ich hab uns Pizza mitgebracht. Hoffe du hast hunger“ kam er an. „Ein bisschen.“ „Das ist gut. Dann tu ich die mal in Ofen“, Er ging in die Küche. Nach ein paar minuten stand er wieder vor mir. „Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber ich musste noch kurz was bei einem der Jungs abholen“. „Ist schon ok“ gab ich nur von mir. Lee setzte sich wieder zu mir und ich kuschelte mich an ihn. „Hey ist dir kalt?“ fragte er mich plötzlich. „Nein eigentlich nicht. Warum fragst du?“ „Weil du eine Gänsehaut hast“ „Hmm…“ mehr sagte ich nicht. Daraufhin setzte sich Lee kurz auf und nahm eine Decke vom Sofa. Mit dieser deckte er uns beide dann zu.
Es war schon ein schöner Abend. Ich lag bei Lee in den Armen, auf dem Sofa und sah mit ihm fern. Irgendwie schliefen wir beide dort auf dem Sofa ein. Und für diesen Augenblick hatte ich jeden schlimmen Gedanken vergessen und fühlte mich einfach nur wohl.

Ich wachte auf. Mir war irgendwie komisch und ich konnte nicht richtig atmen und mich nicht bewegen. Es war kalt und mir fröstelte es. Ich vernahm Stimmen um mich herum, doch sie hörten sich weit entfernt an und konnte sie nicht verstehen. Langsam öffnete ich meine Augen, was mir schmerzen bereitete, genau wie das atmen. Es brannte in meinen Augen und in meinem Hals. Ich konnte nicht klar denken und sah alles wie hinter einem Schleier. Und mir war schwindelig, dass ich glaubte, mich gleich übergeben zu müssen. Dann wurde meine Sicht klarer und ich erkannte einen Mann, der sich über mich gebeugt hatte. Doch ich kannte ihn nicht. Er sagte irgendetwas zu mir, doch ich verstand ihn nicht. Hinter ihm war überall schwarzer Rauch und hektisch liefen fremde Personen rum und riefen sich gegenseitig was zu, das ich auch nicht verstand… Dann schlief ich wieder ein…




Shaz 
Jay Mod!
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...   Erstellt am 09.01.2007 - 16:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Schweißgebadet wachte ich auf und öffnete meine Augen. Ich sah alles leicht verschwommen und es dauerte eine Weile, bis ich die Gegend um mich herum klar erkennen konnte. Ich sah mich etwas um und musste feststellen, dass ich mich in einem etwas größeren Raum befand. In einer Ecke stand ein kleiner viereckiger Tisch mit zwei Stühlen. Ansonsten war er leer. Abgesehen noch von dem Bett, indem ich lag. Die Wände waren weiß gestrichen und mit einer Kälte gefüllt, die mich frieren ließ. Ich fühlte mich unwohl. Alles war so kahl. Nirgendwo war etwas Buntes zu sehen. Nur weiße, nackte, kalte Wände, die durch ein großes Fenster und einer Tür gegenüber getrennt worden war. Das Licht, das den Raum erhellte, war wie ein Strahl kaltes Wasser, das über mich ergossen wurde. Und diese Stille – Es war so still, dass es mich schon fast erdrückte. Ich schaute nach draußen, doch dort war es finster und nur selten sah man ein Licht in der Dunkelheit. Ich fühlte mich alleine und war verwirrt. Langsam stand ich auf, doch mir wurde schwindelig und schwarz vor Augen, so dass ich mich wieder setzen musste. Ich saß auf der Bettkante und legte mein Gesicht schützend in die Hände. So verweilte ich eine Zeit lang, bis es aufhörte, sich alles zu drehen. Dann stand ich wieder langsam auf, musste mich aber noch am Bett abstützen. Ich fühlte mich erschöpf und schwach und konnte kaum einen Schritt gehen. Immer noch nicht, wusste ich wo ich war. Alles erinnerte mich an ein Krankenhaus. Aber was tat ich hier?
Ich hatte die Tür erreicht und öffnete sie vorsichtig. Nun befand ich mich auf einem hell erleuchteten Flur, auf dem sich ab und zu unbekannte Personen drauf bewegten. Immer noch stand ich an der Tür und stützte mich an ihr ab, als plötzlich eine Frau neben mir stand. „Miss was machen sie hier? Sie dürfen noch nicht aufstehen. Kommen sie, ich bringe sie wieder in ihr Bett“, sagte sie und brachte mich stützend in das Zimmer zurück. Ich wollte etwas sagen, doch brachte kein Wort heraus. Stattdessen legte ich mich wieder ins Bett. „Bitte bleiben sie im Bett. Ich werde schnell einen Arzt holen“. Es begann sich wieder alles zu drehen und so schloss ich meine Augen. Ich hörte wie sie das Zimmer verließ und wieder war ich allein.

Die Tür ging auf und ich öffnete meine Augen wieder. „Ah… Sie sind endlich wach. Sehr erfreulich“. Der Arzt kam zu mir ans Bett und Untersuchte mich. „Was… was ist passiert? Warum bin ich hier? Wo ist Lee?“ Ich sprach die Fragen aus, die mir seit meinem Erwachen im Kopf schwirrten. Eine Zeit lang sagte er nichts. Erst nachdem er mich untersucht hatte, begann er mit dem sprechen. „Bei ihnen in der Wohnung hat es gebrannt und sie wurden bewusstlos und mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht.“ „Und was ist mit Lee?“ gebannt sah ich ihn an. „Dem Herrn Bailey hat einige leichte Prellungen, da er sie aus der brennenden Wohnung bringen wollte. Ihm geht es den Umständen entsprechend“ sagte er knapp. „Was heißt das? Was ist jetzt mit ihm?“ Ich hatte mich aufgesetzt und sah den Arzt eindringlich an. „Bitte legen sie sich wieder h…“ Ich unterbrach ihn „Sagen sie schon… Wie geht es Lee?“ Meine Stimme wurde etwas lauter und ungeduldig. „Ich sagte ihnen doch schon, es geht ihm den Umstä… „ „Verdammt noch mal. Jetzt sagen sie schon, was mit Lee ist“. Ich hatte das schon fast geschrieen. Der Arzt guckte mich an. Dann.. „Der Herr Bailey erlitt eine schwere Rauchvergiftung und liegt auf der Intensivstation“. „Warum? Was ist mit ihm?“ Angst überkam mich. „Er… Wir müssen leider sagen, dass die Rauchvergiftung um einiges schlimmer war, als ihre. Und… er zurzeit im Koma liegt“. Geschockt blickte ich den Arzt an. Ich konnte es nicht glauben – wollte es nicht glauben, was er da sagte. „Das… das ist ein… ein schlechter scherz von ihnen, oder?“ Er schüttelte mit dem Kopf und sah mich betreten an. „Ich fürchte nein!“. Ich konnte nicht mehr. Tränen liefen mir stumm über das Gesicht und immer noch starrte ich geschockt gerade aus. Nach einiger Zeit sprach der Arzt wieder. „Ich werde sie jetzt alleine lassen. Und ich bitte sie, sich auszuruhen.“ Er ging zur Tür, doch wandte sich mir noch mal kurz zu: „Für sie steht besuch vor der Tür. Wenn sie wollen, dann schicke ich sie zu ihnen rein.“ Ich nickte leicht. Er machte die Tür hinter sich zu und ließ mich mit meinem Schmerz und Tränen alleine.

Die Tür ging wieder auf und herein kamen Sam und Mus. Beide hatten rot unterlaufende Augen und sahen ziemlich fertig aus. Es war das erste Mal nach drei Monaten, dass ich die beiden wieder sah. Beide setzten sich auf die Bettkante und schauten mich schweigend an. Niemand sagte ein Wort. Es war wieder diese Stille, die mir Angst machte und die Blicke der beiden. Ich fragte mich, ob sie mir für den Unfall die Schuld gaben. Dann durchbrach Mus die Stille. „ Sandy, wir…“. Er brach ab. Man sah ihm an, dass er nicht wusste was er sagen sollte und gegen die Tränen anzukämpfen versuchte. Bedrückt schaute er auf die Bettdecke. Es tat mir leid ihn so zu sehen. Ich wusste, dass Mus es nicht verkraften würde, wenn Lee sterben würde, da er sein bester Freund ist. „Mus… Sam… Ich.. Es tut mir so leid….“ Ich brach ab. Ich wusste nicht, warum ich mich bei ihnen entschuldigte. Ich wusste nur, dass ich es nicht länger aushalten würde, wenn es weiter so still im Zimmer ist. Jetzt, zum ersten Mal schaute Sam mich nicht an. Tränen kamen wieder in mir hoch und liefen leise an meinem Gesicht herunter. Ich wischte sie mir mit einer Hand schnell weg, so dass keiner der beiden sie sah. Warum ich das tat, weis ich nicht. Es wäre ja nicht das erste Mal gewesen, das sie mich weinen sahen. Aber aus irgendeinem Grund wollte ich dieses Mal nicht, dass sie es mit bekamen. Wieder war es still im Zimmer. Auf meine Entschuldigung sagte keiner was. Und ich hatte immer mehr Angst, dass sie mir die Schuld gaben. Ganz tief in mir drin, hoffte ich aber, dass sie dies nicht taten und dass der Grund für das Schweigen, nur Lee’s jetzige Situation war.
Immer noch liefen die Tränen runter und sickerten lautlos auf die Decke und diesmal wischte ich sie nicht weg. Ich hatte einfach keine kraft mehr dafür. Mir wurde plötzlich klar, dass, wenn Lee sterben würde, ich auch den letzten meiner Freunde verloren und dann niemanden mehr hatte. Und die ganze Zeit verfolgte mich dieser Gedanke. Ich musste immer mehr heulen und schluchzte nun auch. Ich wusste nicht mehr was ich tun sollte. All diese Tränen und die Gedanke an Lee vernebelten meine Sinne und Hilflosigkeit bekam ich zu spüren. Und nun stellten sich mir wieder die Fragen, warum passierte immer mir sowas? Warum konnte ich nicht einmal in meinem Leben Glück haben und ruhe meine Zeit, mit den Menschen die ich liebte, verbringen? Warum.. Warum bloß das alles? Ich hatte doch gar nichts gemacht? Hasste Gott mich so sehr, dass er mir dies alles antat oder weshalb konnte ich nicht glücklich sein?
Auf keiner dieser Fragen wusste ich eine Antwort und niemals würde ich darauf antworten bekommen. Das wurde mir nun klar. Auch wenn ich hoffte, es würde passieren… Jedes Mal würden nur noch mehr Fragen ans Licht treten und die anderen zur Seite schieben und verdrängen. Beantwortet werden, würden sie aber nie, sondern nur von einem Platz zum Nächsten verschoben werden.
Als mir dies alles klar wurde, richtete ich mich hoch und stand auf. Sam und Mus schauten zu mir auf, sagten aber nichts und hielten mich auch nicht auf. Ich nahm die Decke und wickelte mich dort ein, bevor ich aus dem Zimmer ging. Geradewegs ging ich den Gang entlang, zu der Intensiv Station. Missachtete alle Aufkleber an den Türen, die mich darauf hinwiesen, dass ich dort nicht lang durfte und keinen Zutritt hatte. Ging nur weiter gerade aus, direkt auf den Arzt zu, der mich untersucht hatte.
In meinem Kopf wirbelten tausende Gedanken. Ich hatte Angst, dass der Arzt mich nicht zu Lee lassen würde. Kurz bevor ich ihn erreicht hatte, drehte er sich zu mir um. Etwas überrascht schaute er auf mich und dann kam die Frage. „Hatte ich ihnen nicht Bettruhe erteilt?“ „Darf ich zu Lee?“ konterte ich seine Frage mit meiner. Immer noch schaute er auf mich und musterte mich ausführlich. Es kam mir wie eine Prüfung vor, die ich versuchen musste zu bestehen, um zu Lee zu können. Nach einer langen Minute Musterung, nickte er leicht mit dem Kopf und ging den Gang entlang. Ich hinterher. Er machte eine Tür auf und ich trat ein. Ich bekam ein schock. Lee lag dort auf dem Bett – doch es sah nicht aus wie Lee. Der Lee, den ich dort sah, war Leichen blass im Gesicht und überall waren Schläuche, die von verschiedenen Geräten zu ihm führten. Das einzige bisschen Farbe, was er besaß, waren die wenigen kleinen Verbrennungen, die von verbänden verdeckt wurden und die dafür zahlreichen blauen Flecke, die seine Prellungen darstellten und zeigten. Ich trat langsam auf das Bett zu und blieb davor stehen. Ich schaute ihm, in sein eins hübsches lebendiges Gesicht, das mich schon so oft angelacht und damit getröstet hatte. Doch nun war dort nichts zu sehen. Es war voll kommen leer. Ich setzte mich auf einen der beiden Stühle, die neben dem Bett standen und rückte so nah daran, wie es nur ging. Wie ich da so saß, schossen mir wieder tausende Gedanken durch den Kopf und alle drehten sich um Lee. Ich trauerte um ihn, doch diesmal weinte ich nicht. Keine einzige Träne verließ mich und kullerte mein Gesicht runter. Ich brauchte keine Tränen verbrauchen, denn ich war jetzt bei ihm. Konnte ihm zur Seite stehen und helfen. Sanft strich ich ihm durch sein Haar und über das Gesicht, das nur wenig wärme ausstrahlte. Dann platzierte ich mein Kopf neben seinen Körper und nahm seine Hand in die meine. Ich verweilte lange Zeit so bei ihm und immer wieder redete ich leise, beruhigende Worte zu Lee. Auch wenn ich mir bewusst war, das er sie nicht hören konnte. Doch wenigstens die Hoffnung hatte ich, dass er mich verstehen könnte und niemand würde mir diese Hoffnung nehmen können. Denn ich hatte das Gefühl, dass ich so für ihn da sein konnte, so wie er sonst immer für mich da gewesen war. Nebenbei hörte man die Geräusche der Geräte, an die Lee angeschlossen war.

Ich versank in einem Wachtraum und in eine andere Welt – eine bessere Welt. Wo alles in Ordnung war und es Lee noch gut ging. Ich träumte wie wir durch den Park gingen und die ganze Zeit am lachen waren. Auch die restlichen Jungs waren da. Sie gingen neben uns her und jedes einzelne Gesicht war mit einem fröhlichen lächeln verzaubert. Keiner meiner Sorgen berührte dort mein Herz oder konnte meine gute Laune trüben. Es war einfach nur ein…
…ein Traum. Und jeder Traum hatte mal ein Ende. So auch dieser.

Ich spürte eine Hand, die auf meiner Schulter ruhte und schreckte aus meinem Traum. Ich drehte mich zu dem Besitzer der Hand und blickte in das trübe und traurige Gesicht von Mus. Ich tastete mich mit meiner Hand zu seiner und umfasste sie. Die andere Hand hielt immer noch Lee´s Hand und ließ diese auch nicht los. Erst schwieg Mus doch dann. „Komm Sandy. Wir dürfen nicht länger bleiben – zumindest für heute nicht“ fügte er hinzu, da ich ihm zornig und auch empört anstarrte. Doch dann entspannte sich mein Gesichtszug etwas und stand auf. Nun musste ich Lee´s Hand loslassen, was mir mehr als schwer fiel. Doch Mus half mir und brachte mich zurück in mein Zimmer.
Dort setzte ich mich auf die Bettkante und starrte auf den Boden. Mus hockte sich neben mich und ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Wieder war diese Stille im Raum, die alles leiden nur noch schlimmer machte. Ich hielt mich an der Kante des Bettes fest, wo sich meine Hände dran verkrampften, vor lauter Trauer. Und dann waren auch die Tränen wieder da und liefen lautlos drauf los, um dann doch noch als erstes den Boden zu erreichen. Es war wie ein Wettrennen, das jede einzelne Träne gegen die anderen führte und versuchte zu gewinnen. So schnell kullerten sie mein Gesicht herunter.
Ich schaute zu Mus auf und entdeckte das gleiche Schauspiel auf seinem Gesicht. Ich nahm seine Hand und drückte sie sanft, worauf er seinen Blick mir zuwandte. Dann nahm er mich in den Arm. Ich fühlte wie er am ganzen Körper zitterte und drückte ihn nur umso fester. Beide heulten wir und trauerten so um unseren besten Freund Lee.
Ein paar Tage später, wurde ich entlassen. Doch ich mochte nicht gehen, da ich bei Lee bleiben wollte. Außerdem hatte ich eh kein zuhause mehr. Also wo sollte ich bleiben? Diese Frage stellten sich wohl auch die Jungs und machten sich darüber Gedanke. Schließlich kamen sie zu dem Ergebnis, dass ich bei Jay wohnen sollte, da er eine große Wohnung und außerdem zu viel platz hatte. *g* =)

Die nächsten 1 ½ Wochen war ich jeden Tag bei Lee und saß an seinem Bett. Strich ihn sanft über das Gesicht und durch seine Haare. Doch nie war ich alleine bei ihm. Immer war einer der Jungs dabei und saß mit mir zusammen an seinem Bett. Nur selten wechselten wir ein Wort miteinander. Alle hingen wir unseren selben Gedanken hinter her. Doch ich war jedes Mal froh, nicht alleine zu sein. Am meisten freute ich mich, wenn Mus, Jay oder Stu da waren, da meistens auch die Freundin von Stu dabei war. Sie hieß Steffi und ich verstand mich von Tag zu Tag immer besser mit ihr und konnte mit ihr über Gott und die Welt quatschen.
Ich war so froh darüber, endlich wieder eine gute Freundin zu haben, mit der ich über alles reden konnte, dass es mir doch etwas besser ging. Ich dachte nicht mehr so viel über meine alten Probleme nach, sondern war im Hier und Jetzt und nicht mehr in meinen alten Leben mit meinen Gedanken. Das machte es für mich leichter, diese Situation durchzustehen und damit klar zu kommen.




Shaz 
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...   Erstellt am 09.01.2007 - 16:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


17 Tagen nach dem Brand hatte sich der Zustand von Lee etwas gebessert, doch aufgewacht war er immer noch nicht. Der Arzt sagte, dass es aber gute Chancen gab, dass er bald wieder wach wurde und so hofften wir und warteten alle sehnsüchtig auf diesen Tag. Und immer noch saß ich jeden Tag bei ihm am Bett im Krankenhaus, bis ein Tag später Mus und die anderen kamen und mich raus schlürften. Ich wehrte mich, doch es half nichts. Sie bestanden darauf, dass ich mit kam und etwas zusammen mit ihnen unternahm. „Du kannst eh heute nichts mehr für ihn tun. Und außerdem hat der Arzt meine Handynummer und er wird sofort anrufen, wenn es was Neues gibt. Also komm.“ (Mus) Also ging ich mit. Obwohl ich nicht wollte und ich keine Nerven für so was hatte, guckten wir DVD’s bei Jay (und mir) zuhause. So wirklich bekam ich eigentlich nichts von den Filmen mit und war lieber in meinen Wachträumen. Doch irgendwann wurde ich unbeabsichtig da raus gerissen, als Mus aufstand um sich was zu trinken zu holen. So saß ich erst mal alleine dort auf dem Sessel und irgendwie fühlte ich mich so verlassen und unwohl. Die ganze Zeit rutschte ich hin und her und versuchte es mir bequemer zu machen. Doch es klappte nicht. Irgendwann kam Jay zu mir und setzte sich auf Mus platz. Er rückte zu mir hin und ich machte es mir bei ihm gemütlich. Bis er schließlich den Arm um mich legte und ich mich an ihn richtig dran kuschelte konnte. Irgendwie fühlte ich mich bei ihm richtig wohl – sogar noch wohler als bei Lee oder Mus. Und das sollte schon was heißen. Ich drehte mich etwas zur Seite und schaute zu Steffi. Sie lag bei Stu im Arm und war eingeschlafen. Es war so süß die beiden so zu sehen. Sie passten einfach zusammen. Dann schaute ich zu Jay hoch, weil ich mich beobachtet fühlte und sah, dass er mich anschaute. Ich sah in seine Augen und mein Herz machte einen kleinen Hüpfer, kaum spürbar, aber doch vorhanden. Er lächelte mich lieb an und ich lächelte etwas zurück. Dann schweiften meine Gedanken wieder zu Lee und wieder kam meine Hoffnung…

Am nächsten Tag wachte ich relativ früh auf und konnte dann auch nicht mehr einschlafen. Also stand ich auf und ging in die Küche um mir nen Tee zu machen. Ich kam mir in diesem Moment etwas verlassen vor, wie ich da so am Tisch saß. Aber ich wollte auch niemand wecken, nur damit ich Gesellschaft hatte. Es würde noch früh genug jemand aufwachen und sich zu mir setzte. Und wenn nicht, dann wäre es eh nicht so schlimm, da ich gleich zu Lee wieder wollte. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ihm geht. Was ja auch verständlich war.
Nach einer halben stunde war noch immer keiner wach, also zog ich mich an und machte mich auf den Weg zum Krankenhaus. Ich wollte gerade gehen, als mich jemand festhielt. Vor lauter Schreck entfuhr mir ein keiner Schrei und zuckte zusammen. Daraufhin wurde mir eine Hand vorm Mund gehalten, damit ich ruhig blieb und wurde schließlich umgedreht. Dann wurde wieder von mir abgelassen und ich schaute zu dem Jemand. „Man Jay. Du hast mich zu Tode erschreckt.“ „Sorry. Aber ich wollte wissen, wo du hin wolltest“ Er sah mich entschuldigend und mitleidig an. „Hmmm… Zu Lee.“ „Oh. Wartest du kurz auf mich, dann komme ich mit?!“ „Ja ok. Aber beeil dich bitte“. Er lief schnell in sein Zimmer und machte sich fertig. Bald kam wieder zu mir. „Wir können“. „sollten wir den anderen nicht sagen, wo wir sind?“ etwas verunsichert sah ich ihn an. „Ne. Die werden sich das schon denken können.“ „Na dann.“ Wir waren gerade auf dem Parkplatz angekommen, als mir einfiel, dass ich meinen Autoschlüssel drinnen vergessen hatte. „Em- Jay wart mal kurz. Ich muss noch mal kurz rein und mein Schlüssel fürs Auto holen.“ „Ne brauchst nicht. Wir fahren mit meinem Auto.“ Er zog mich zum Auto und ich setzte mich auf den Beifahrersitz. Jay ließ das Auto an und fuhr aus der Einfahrt.
Die ganze Fahrt über sprachen wir kein Wort miteinander. Er konsentrierte sich auf den Straßenverkehr, während ich schweigend aus dem Fenster sah. So langsam fing es an zu Schneien. Der erste Schnee in diesem Jahr. Immer mehr und dickere Flocken kamen vom Himmel und so langsam hatte Jay so seine Schwierigkeiten, irgendetwas auf der Straße zu erkennen. Schon allein deshalb, weil es ziemlich nebelig war. Trotzdem schafften wir es heile zum Krankenhaus zu kommen. Einigermaßen erleichtert stiegen wir beide aus und sprinteten zum Eingang.
Auf dem Weg zu Lees Zimmer schaute ich immer mal wieder aus einem der Fenster und mittlerweile schneite es draußen so heftig, dass man nicht mehr sehr weit sehen konnte. Überall war es weis und nebelig. Wenn es Weihnachten auch so schneien sollte, dann wäre das wirklich schön, dachte ich mir. Die letzten beiden Jahre, war keine weiße Weihnacht gewesen, was ich ungemein schade fand, denn ich liebte Schnee. Wir waren bei Lee am Zimmer angekommen und gingen hinein. Jay zuerst. Doch kurz darauf blieb er auch schon stehen und ich rannte voll in ihn rein. „Mensch was ist den los Jay? Warum bleibst du stehen?“ „Sandy. Sind wir wirklich im richtigen Zimmer?“ fragte er mich nur. Ich ging noch mal zur Tür und schaute auf die Nummer. Es war die richtige. Ich ging zu Jay zurück und sagte ihm das. „Das kann aber nicht sein“ „Und warum nicht? Jay was ist denn los?“. „Lee ist nicht hier!“ Endgeistert schaute ich ihn an. „Was soll denn der Müll, von wegen Lee ist nicht da? Willst du mich jetzt verarschen oder was?“ „Nein ganz und gar nicht. Schau doch selber.“ Das tat ich dann auch und was ich da sah, verwirrte mich der maßen, dass ich nicht wusste, was ich davon halten soll. Das Bett, in dem Lee eigentlich liegen sollte war leer. Und es sah auch so aus. Als wäre es schon seit längerem so verlassen. Es war nicht zerwühlt verlassen worden, sondern war ordentlich gemacht und anscheinend auch frisch bezogen worden. „Wie… Wie kann das sein?“ stotterte ich vor mich hin. „Ich weis es nicht. Aber ich werde jetzt zum Arzt gehen und nachfragen, wo Lee ist“. Antwortete Jay kurz angebunden. „Brauchen sie nicht. Ich bin schon hier“. Wir drehten uns um und vor uns stand der Arzt. „Wo ist Lee?“ „Warum ist er nicht in diesem Zimmer?“ fragten Jay und Ich durcheinander. „Immer mit der Ruhe, bitte. Also erst mal, wurde Herr Bailey in ein anderes Zimmer verlegt, was sie aber nicht wissen konnten, da dies erst vor einer Stunde geschehen ist.“ „Und warum wurde er verlegt? Geht es ihm etwa wieder schlechter?“ redeten wir ihm ins Wort. „Also wenn sie mich nicht ausreden lassen, dann kann ich ihnen auch nicht erzählen, was passiert ist“. Schon gleich verstummten wir Beide und warteten nun gespannt auf die Erklärung. „Also wie schon gesagt, wurde Herr Bailey in ein anderes Zimmer verlegt. Und ich darf ihnen freudig kundtun, dass Herr Bailey gestern am späten Abend aus dem Koma erwacht ist…“ Weiter kam er nicht wirklich, weil ich einen Freuden Schrei los ließ, der Jay und den Arzt zusammen zucken ließ. Dann sprang ich Jay um den Hals und drückte ihm fast die Luft weg. „Ist das jetzt ihr ernst?“ Jay war noch etwas ungläubig und starrte unsicher den Arzt an. „Ja das ist mein ernst. Und wenn sie wollen, dann dürfen sie ihn jetzt besuchen. Nur nicht so lange, weil er immer noch ziemlich schwach ist und sich nicht so anstrengen darf.“ Er setzte sich in Bewegung und ich ging ihm hinter her. Jay starrte immer noch Löcher in die Luft und regte sich kein Stück. Ich nahm ihn bei der Hand und zog ihn hinter mir her.

Endlich waren wir an dem Zimmer angekommen. Der Arzt öffnete sie und trat dann zur Seite. „Ich werde jetzt wieder gehen. Aber wird nachher noch mal nach ihm sehen.“ „Ja danke“ gab Jay zur Antwort und der Arzt verschwand. Etwas unsicher geworden, blieb ich an der Tür stehen und traute mich gar nicht rein. Jay ging es genauso. Doch dann überwand sich Jay und betrat das Zimmer. Langsam, zurückhaltend und mit Angst erfüllt, ging ich ihm nach. Nun standen wir am Bett und sahen zu Lee. Dieser lag mit zuhen Augen im Bett und bewegte sich nicht. Er sah genauso aus, wie vorher. Nur das diesmal keine Schläuche an ihm hingen. Jay nahm sich den einzigen Stuhl, der im Zimmer stand und setzte sich genau neben das Bett. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Stehen bleibe wollte ich nicht, aber mich auf die Bettkante setzten wollt ich ebenso wenig. Immer noch stand ich neben Jay und irgendwie merkte er wieder, so wie am Abend zuvor, dass ich mich nicht wohl fühlte und nahm mich an der Hüfte und zog mich an ihn ran. Ich platzierte mich auf seinen Schoß und zusammen schauten wir Lee an. So gerne wir beide mit ihm gesprochen hätten, wollten wir dennoch nicht ihn aufwecken. Liebevoll strich ich Lee durch sein Haar und wanderte dann über sein Geicht. Dann nahm ich seine Hand in meine und drückte sie leicht, und diese Hand erwiderte den Händedruck. Überrascht schaute ich von der Hand zu dessen Besitzer auf und sah, wie Lee langsam seine Augen öffnete. Ich hielt den Atem an und auch Jay verschlug es die Sprache. „Hey Sweety.!“ Lee wollte noch mehr sagen, doch er war noch zu schwach um mehr heraus zu bringen. Doch mir genügte schon dass und rutschte näher zu Lee ans Bett. „Lee.. Ich…“ Ich konnte nicht sprechen. Tränen rannen mir wieder in Strömen über das Gesicht. Doch diesmal waren es Freuden Tränen, die ich nicht zurück halten konnte. Zu viel war einfach in den letzten 2 ½ Wochen, dass nun alle meine Sorgen und Probleme in der Form von Tränen aus mir raus kam. Erleichterung machte sich in mir breit. Und immer noch liefen die Tränen ohne halt. Auch Jay hatte Tränen in den Augen, doch konnte diese zurück halten. „Hey ihr beiden. Nicht weinen.“ Lee drückte aufmunternd meine hand, mit der ich immer och seine Umfasst hatte. „Oh man scheiße Lee. Wir haben uns total die Sorgen gemacht.“ Brachte nun auch Jay heraus. „Das wollte ich nicht. Aber jetzt habt ihr mich ja wieder.“ Er versuchte zu lächeln, doch seine Kraft ließ ihn immer wieder im Stich. Dann konnte ich nicht mehr. Alles wurde schwarz vor meinen Augen und ich rutschte kraftlos von Jays schoss und wurde grad noch rechtzeitig von ihm festgehalten, bevor ich auf dem Boden aufschlug.

„Was ist mit ihr?“ „Warum ist sie umgekippt?“ Ich vernahm Stimmen um mich herum, konnte sie aber nicht zuordnen. Schließlich machte ich die Augen auf und starrte an eine weiße Decke. Na klasse, jetzt lieg ich schon wieder im Krankenhaus, dacht ich mir und neigte meinen Kopf etwas zur Seite um zu sehen, wer dort sprach. Ich erkannte Jay und den Arzt und um die Beiden herum standen noch weitere Menschen, die sich als Mus, Kenz, Olli, Stu und Steffi, Marcel, Tom, Chris und Sam heraus stellten. Jay, der die ganze Zeit zu mir rüber geblickt hatte, kam auf mich zu, nachdem er sah, dass ich wach war. „Hey mauz, wie geht’s dir?“ Er hockte sich neben das Bett und strich mir über die Haare. Dabei empfand ich ein leichtes kribbeln in meiner Magengegend und musste etwas lächeln. „Geht schon!“. Er lächelte zurück und nahm meine Hand. „Du hast mich und Lee ganz schön erschreckt, als du so plötzlich umgekippt bist.“ Darauf wusste ich nicht, was ich sagen sollte und blieb stumm. „Wie geht es Lee?“ „Dem geht’s gut. Ist noch etwas wackelig auf den Beinen und darf sich nicht so anstrengen, aber ansonsten ist der quietsch lebendig.“ Bei diesem Ausdruck musste ich etwas lachen. „Quietsch lebendig? Ja… Das hört sich ganz nach meim Lee an!“ grinste ich.
„Was ist eigentlich passiert, als wir beide bei Lee waren? Ich weis nur noch, dass auf einmal alles schwarz wurde und ich nichts mehr wahrnehmen konnte“. „Genau weis ich es auch nicht, aber der Arzt meinte, dass dich alles in den letzten Wochen zu angestrengt hat und dein Kreislauf dann zusammen gebrochen ist. Diese vielen Sorgen, die du in dich hinein gefressen hast, nur weil du mit niemanden von uns darüber geredet hast, haben dich von innen heraus kaputt gemacht, ohne dass du es gemerkt hast. Und irgendwann hat dein Kreislauf nicht mehr mitgemacht und du bist zusammen geklappt. Aber der Arzt meinte, du müsstest ein, zwei Tage hier bleiben und dann dürftest du wieder gehen.“ Ich sagte zu dieser Erklärung nichts, sondern starrte ihn nur mit großen Augen an. In meinen Kopf schwirrte immer noch der Satz nur weil du mit niemanden von uns darüber geredet hast, den er zwischen der Erklärung von sich gegeben hatte. War das etwa eine Anschuldigung gewesen oder was? Konnte ich etwas dafür, wenn mir meine ganzen Sorgen und Probleme über Kopf stiegen und ich nichts mehr dagegen tun konnte? Am liebsten hätte ich ihm das jetzt vorn Kopf geworfen, doch ich brachte es nicht fertig. Einerseits, weil ich keine Lust hatte zu streiten und anderseits mochte ich ihn viel zu sehr und war mir sicher, dass er dies nur gesagt hatte um mir klar zu machen, dass ich auch mit ihm oder den anderen über alles reden konnte. Ich beließ es also bei den Gedanken und wandte mich stattdessen anderen Sachen zu….

Drei Wochen war Lee noch im Krankenhaus geblieben, bis er nun endlich wieder nach Hause durfte. Mein Leben hatte sich wieder so einigermaßen normalisiert und ich dachte nur noch wenig an meine Sorgen und Probleme, die mich so kaputt gemacht hatten. Ich fand mich damit ab, dass ich von meinen Freunden aus Deutschland im Stich gelassen und verletzt worden war. Es interessierte mich nicht mehr. Ich hatte neue- bessere und vor allem Freunde, die mich niemals alleine ließen. Im moment waren sie auch nicht auf Tour, da Lee sich noch immer nicht viel machen durfte und ausruhen sollte. So saßen wir 12 fast jeden Abend zusammen bei einem in der Wohnung oder liefen quer durch London. Hatten unseren Spaß zusammen und genossen jede Stunde, Minute und Sekunde miteinander.
Heute war mal ein Tag, wo ich mich nicht mit den anderen traf, sondern nur blöd zu hause rum saß und nicht wusste, was ich machen sollte. Eigentlich wollte ich zu Lee, doch als ich bei ihm angerufen hatte, sagte mir seine Mum, dass er am Schlafen sei. Und da ich ihn nicht wecken wollte, blieb ich also zu hause. Zu Steffi konnte ich auch nicht, da sie mit Stu im Kino war. Und den anderen konnte ich ja auch nicht ständig auf den Geist gehen, da sie bestimmt auch mal alleine was unternehmen wollten. OK Ich könnte noch Jay fragen, doch irgendwas hielt mich davon ab, bei ihm anzurufen und ihn um ein Treffen zu bitten. Ich hatte ja auch eigentlich kein Grund dafür. Und nur ihn zu fragen, weil ich Langeweile hatte, schien mir irgendwie kein Grund zu sein. Also saß ich weiter im Wohnzimmer und gammelte vor mich hin. Ich hatte seit fast 2 Wochen wieder eine eigene Wohnung und hatte mich auch schon dort einigermaßen eingelebt. Doch so ganz wohl fühlen konnte ich mich in ihr nicht. Sie war für meinen Geschmack doch etwas zu groß und ich wäre lieber bei Jay wohnen geblieben, doch ich konnte ja nicht einfach so bei ihm bleiben. Außerdem musste ich mein Leben alleine auf die Reihe bringen und wollte nicht ständig die Hilfe der anderen beanspruchen. Sie hatten schon viel zu viel für mich getan, als das ich das je wieder gut machen konnte.
Mittlerweile war mir so fürchterlich langweilig, dass ich beschloss, doch einfach zu Lee zu gehen. Jetzt sollte er wohl so langsam wieder wach sein. Und wenn nicht, dann konnte ich immer noch wieder gehen und was anderes machen. Ich stand auf und zog mir meine Jacke über, bevor ich meine Wohnung verließ und zu Lee lief. Bei ihm zu hause angekommen, wurde ich von seiner Mum mit einer Umarmung begrüßt, was ich total süß fand. Dann schickte sie mich zu Lee hoch ins Zimmer. Ich klopfte vorher, bevor ich hinein ging und staunte nicht schlecht, als ich Jay auf seinem Sofa sitzen sah. „Oh. Em.. Stör ich etwa? Ich kann auch wieder gehen!“ sagte ich und wollte schon wieder gehen, als ich festgehalten wurde. „Warte Sweety. Kannst ruhig hier bleiben.“ Kam es von Lee, der mich auch festgehalten hatte. Ich wurde von ihm zu seinem Bett gezogen und dann darauf platziert. „Erzähl, was treibt dich her zu mir?“ fragte Lee. „Ich wollt nur mal vorbei schauen. Und sehen wie es dir geht.“ Sagte ich. „Aha. Ist das der einzigste Grund?“ er sah mich abschätzend an. „Ja“ Ein kurzer Augenblick war stille. Dann. „Nein. Ok. Mir war langweilig und ich saß wie so ne blöde in meiner neuen Wohnung, in der ich mich nicht richtig wohl fühle und wusste nicht was ich tun sollte.“ Gab ich von mir. „Wusste ich es doch. Dann Willkommen im Club. Jay wusste nämlich auch nicht, was er tun sollte und ist deshalb hier. Außerdem hatte er gehofft jemanden hier vorzufinden“ Fügte er noch dahinter und grinsend schaute er mich an. Jay verpasste Lee einen Knuff in die Seite und wurde rot im Gesicht. So ganz hatte ich die Aussage jetzt nicht kapiert, weil ich zurzeit etwas schwer von begriff war, doch ich hatte so den verdacht, dass es irgendwas mit mir zutun hatte. Doch ich ging vorerst nicht darauf ein. „Em… Und was macht ihr gerade?“ wechselte ich das Thema. „nicht viel. Wir überlegen gerade, ob wir uns ein Film anschauen sollen. Doch wir wissen noch nicht so ganz welchen wir uns anschauen wollen.“ Kam es von Jay. Ich schaute ihn an, direkt in seine Augen und wieder durchzog ein kleiner Blitz mein Körper, so dass ich etwas zusammen zuckte. „Alles ok?“ fragte Lee, da er das mitbekommen hatte. „Was? Ne. Is alles ok. Also was gucken wir jetzt für ein Film? Das heißt, wenn ihr mich überhaupt dabei haben wollt.“ „Klar wollen wir dich dabei haben. Was denkst du denn Sweety.“ „Na dann. Welche Filme stehen denn zur Auswahl?“ Fragte ich neugierig. „Em.. Naja nicht unbedingt viele. Also wir hätten Ghost Ship, Shrek2, Alle Teile von Herr der Ringe oder Ice Age.“ Zählte Jay sie auf. „Mehr Filme haben wir im moment nicht, da ich die anderen alle ausgeliehen und sie noch nicht wieder bekommen hab.“ Fügte Lee noch dazu. „Na dann lasst uns doch erst Ghost Ship gucken und falls wir dann noch nicht am Pennen sind, können wir uns ja noch Shrek2 oder Ice Age ansehen.“ Trug ich mein Kommentar dazu bei. „Hmm.. Ich denke so können wir das machen. Oder was sagst du dazu Jay?“ Wir schauten beide Jay an. „Können wir meinetwegen so machen.“ Antwortete er und schon stand Lee auf und schob die DVD von Ghost Ship in Player. Dann setzten wir uns drei zusammen auf Lee´s Bett und machten es uns dort gemütlich. Teils hatte ich mich bei Jay angekuschelt und teils bei Lee, da ich zwischen den beiden saß und wir uns alle eine große Wolldecke teilten. So saßen wir etwas eingequetscht, aber trotzdem bequem. Das erinnerte mich irgendwie alles an den Abend des Unfalls. Als ich mit Lee bei mir auch so angekuschelt saß und Fern gesehen hatte. Und dann daran, dass ich fast meinen besten Freund verloren hatte. Mir huschte eine kleine Träne das Gesicht runter. Ich wollte sie wegwischen, doch Jay hatte sie gesehen und fuhr vorsichtig und zärtlich mit seiner Hand über mein Gesicht und entfernte sie. Ich schaute ihm in die Augen und näherte mich seinem Gesicht. Kurz bevor ich seine Lippen traf, stand Lee auf und ich fuhr erschrocken hoch. Lee war bereits raus gegangen. Wahrscheinlich kurz auf die Toilette und plötzlich ärgerte mich das. Warum hätte er nicht noch einen Augenblick warten können. Ich wusste nicht, was dann geschehen wäre. Doch ich wusste, dass ich das nach holen wollte, was eben eigentlich passieren sollte. Und das möglichst schnell.




Shaz 
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...   Erstellt am 09.01.2007 - 16:53Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Am nächsten Morgen wurde ich durch einen sanften Kuss aus meinen Träumen geholt. Ich öffnete meine Augen und sah Jay über mir gebeugt. „Guten Morgen“ Er lächelte mich an. „Ich sollte dich zum Frühstück holen und Lee meinte ich sollte dich sanft wecken. Und das lass ich mir ja nicht nehmen.“ Sagte er und wollte wieder aufstehen. Doch ich hielt ihn am T-Shirt fest, zog ihn zu mir runter und gab ihm einen Kuss. Etwas verwirrt schaute er mich an, doch erwiderte dann meinen Kuss. Eine ganze Weile lagen wir so auf dem Sofa, auf dem ich geschlafen hatte und küssten uns leidenschaftlich. Irgendwann vernahmen wir ein husten, dass von der Tür kam und wir lösten uns voneinander. Wir schauten gemeinsam in die Richtung und erblickten Lee, der vor sich hin grinste. „Oh tut mir leid. Ich wollt euch nicht stören…. Ich hab mich nur gefragt, wo ihr denn bleibt. Obwohl… Ich hätts mir ja auch denken können.“ Lachte er und ging dann wieder aus dem Zimmer. Jay und Ich standen auf und machten uns, Hand in Hand, auf den Weg nach unten, um zu Frühstücken. Im Stillen, wussten wir beide, das wir nun zusammen waren. Auch wenn es niemand von uns laut aussprach.
Als wir in die Küche kamen, saßen bei Lee noch Mus, Chris und Sam und alle vier grinsten uns um die Wette an. So als ob wir nichts bemerkt hätten, gingen wir zum Tisch und setzten uns nebeneinander.
„Und was habt ihr beiden heut so schönes vor?“ fragte uns Sam. „Weis nicht. Haben wir schon was vor?“ richtete ich meine Frage an Jay. „Nö. Eigentlich nicht.“ „Kommt ihr vielleicht mit ins Freibad?“ Alle sahen sie uns an. „Klar!“ Und so machten wir uns fertig und gingen Schwimmen.

In den nächsten Wochen hatte ich jede menge spaß und vergaß sogar alle meine Sorgen. Fast jeden Tag war ich bei Jay oder bei Lee. Wobei ich lieber bei Jay war, als bei irgendjemand anderen. Nur heute machte ich mit keinem etwas, da ich schlecht drauf war. Es war Freitagabend und ich ging etwas genervt durch den Park und genoss meine Ruhe. Ich hatte mich mit Jay gestritten und wusste gar nicht genau warum ich das überhaupt getan hatte. Ich hatte aber so das Gefühl, das es so ein bisschen an mir lag. Naja wie auch immer. Auf jedenfall war Jay sauer auf mich und es tat mir total weh. Doch ich konnte mich nicht bei ihm entschuldigen, da er erstens nich zuhause war und ich anderseits auch keine Lust hatte zu streiten. Also ging ich weiter genervt durch den Park und langweilte mich. Irgendwie war mir langweilig, nur wusste ich nicht, was ich machen sollte. Ich holte mein Handy aus der Tasche und las mir alle SMS durch, die ich besaß. Hauptsächlich waren sie von Jay oder Lee. Nur eine Nicht. Es war eine SMS von meiner besten Freundin aus Deutschland. Sie war die einzigste gewesen, die dort nach all dem Scheiß noch zu mir gehalten hatte. Doch ich hatte leider kein Kontakt mehr zu ihr. Warum wusste ich auch nicht. Ich hatte sie in meinem Kummer einfach ganz vergessen. Und auf einmal tat es mir richtig Leid und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Vor allem, weil ich ohne etwas zu sagen, einfach mit Lee nach London gegangen bin. Ich hatte sie einfach im Stich gelassen, obwohl sie das niemals mit mir gemacht hatte und jetzt schämte ich mich total dafür. Doch ich wollte es wieder gut machen. Und am Besten sofort. Ich nahm mir vor, sobald ich zuhause bin, sie anzurufen und ich hoffte, dass sie noch die Telefonnummer hatte und nicht eine andere. Ich ging so schnell es ging zu meiner Wohnung und nahm mir das Telefon zur Hand. Ich wählte sie Vorwahl von Deutschland und dem Ort und dann ihre Nummer. Ich wusste sie noch ganz genau, obwohl ich sie seit bestimmt einem dreiviertel Jahr nicht mehr angerufen hatte. Doch diese Nummer ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Es klingelte und Nervosität machte sich in mir breit. ?Neele O.?!? Ich brachte kein Wort heraus. ?Hallo? Wer is denn da?? Ich legte auf. IC h konnte doch nicht einfach denken, das ich alles bei einem einzelnen Telefonat wieder gut machen konnte. Das ging einfach nicht. Ich musste es anders machen und ich wusste auch schon wie.


Vier tage später stand ich am Flughafen und wartete auf meinen Flug. Ich war total nervös und schmiegte mich etwas näher an Jay. ? Bist du sicher, dass du das machen willst?? fragte mich Lee nun schon zum tausendsten Mal.Ich muss. Und ich kann jetzt auch nicht mehr zurück. Das wäre nicht fair. ?Hmm? Ok. Wenigstens nimmst du Jay mit, dann brauch ich mir nicht solche Sorgen zu machen. AM Liebsten würd ja ich selbst mit fliegen.? Er nahm mich in den Arm und drückte mich ganz fest. ?Wir sind ja in drei Tagen wieder hier? beruhigte ihn Jay. Ins Geheim wünschte ich, wir würden schon eher wieder in London sein, aber ich konnte jetzt nicht kneifen. Unser Flug wurde aufgerufen und ich musste mich, zusammen mit Jay von den anderen verabschieden. Dann gingen wir zum Eincheck und umso näher ich meinem heutigen Ziel kam, desto nervöser wurde ich. Meine Beine waren wie Pudding und ich war froh, mich im Flugzeug endlich hinsetzen zu können. Jay setzte sich neben mich und nahm meine Hand. Dann starteten wir auch schon.
Denn ganzen Flug über wirbelten absurde Gedanken in meinem Kopf herum, so dass ich nicht mal für einen kleinen Augenblick schlafen konnte. Jay war schon seit bestimmt einer halben stunde am Pennen, nur ich brachte es nicht fertig meine Augen zu schließen. Naja was soll?s. Wir würden eh bald landen und passend zu meinem Gedanken, wurde der Landeanflug angekündigt. Ich weckte Jay mit einem Kuss und schnallte mich dann an.
Wir standen in der Halle und warteten auf unser Gepäck. Ich war nicht wirklich bei der Sache, so dass ich meine Reisetasche verpasste und Jay sie für mich holte. ?Mensch Sweety. Wo bist du denn wieder mit deinen Gedanken?? ?Was?? Ich schreckte hoch. ?Du hast grad bestimmt 3-mal deine Tasche an dir vorbei ziehen lassen.? ?Oh. Tut mir leid. Ich war so in Gedanken!?
?Ich merks. Los komm mal her. SO schlimm kann es ja nicht werden.? ?Hast du ne Ahnung. Schon schlimm genug, dass ich wieder in Deutschland bin, obwohl ich mir geschworen hab. Nie wieder hier hin zu kommen!? Einen kurzen Moment musterte mich Jay, dann nahm er mich in den Arm.

Wir saßen in dem, von Jay gemieteten Auto und hörten Radio, als das Lied Roses von Outkast kam. Ich drehte es etwas lauter und sang leise dabei mit. Dass war das Lieblings Lied von Nelly und mir kam es wie ein Zeichen- ein gutes Omen vor, für das, was ich nun vorhatte. Jay bog in eine Straße ein und schon waren wir am Haus angelangt. Er fuhr auf den Parkplatz und stieg aus. Ich blieb noch kurz sitzen und atmete noch mal tief durch, bevor mir Jay die Tür aufmachte und ich wohl oder übel aussteigen musste?

Ich stand vor der Tür und drückte vorsichtig auf die Klingel. Man hörte sie nur wenig. Ich schaute nach links oben, zu einem kleinen Fenster, denn ich wusste noch von früher, dass sie meistens dort raus schauten und guckten, wer an der Tür war. So auch jetzt. Das Fenster öffnete sich und eine mir wohlbekannte Person schaute auf Jay und mich hinunter. Es war Nelly. Sie war geschockt und stieß das Fenster wieder zu. Kurz danach kam sie zur Tür und machte sie mit zitternden Händen auf. Nun standen wir uns gegenüber und ich traute mich nicht, irgendetwas zu sagen. Ich hatte angst, dass sie mich zur Hölle jagen würde, weil ich damals ohne etwas zu sagen, mit Lee nach London geflüchtet war. Hatte Angst davor, meine beste Freundin noch mal zu verlieren und dazu meine Hoffnung. Ich sah sie an. Sie war blass im Gesicht und ihr Gesichtsausdruck war von Ungläubigkeit und Verwirrung geprägt. Jay wusste auch nicht, was er tun sollte und stand unbeholfen neben mir, doch stupste er mir in die Seite. Daraufhin kam ich in die Realität zurück, doch immer nicht wusste ich, was ich sagen sollte. „Sandy…!“ kam es plötzlich von ihr. Sie hatte es nur geflüstert, doch es dennoch zu hören. Ich konnte nichts sagen. Mir war die Kehle zugeschnürt und drückte mir, die zum Sprechen benötigte Luft ab. Stattdessen nickte ich nur leicht mit dem Kopf. Ohne vorwarnung umarmte sie mich und fing an zu heulen. Kurz war ich geschockt, doch erwiderte dann die Umarmung. „Ich… Ich hab dich so vermisst. Wo warst du die ganze Zeit? Warum hast du dich nicht gemeldet?“ Sie heulte was das Zeug hielt und auch bei mir liefen tausende von Tränen. Wir lösten uns von einander und ich schaute ihr direkt ins Gesicht. Nun musste ich ihr wohl oder übel alles erzählen, doch mittlerweile tat ich es gerne.
„Also warum ich damals gegangen bin… Ich konnte- einfach nicht mehr. Dieser ganze Stress, die Leute, der Tod von Colin, einfach alles hat mich total fertig gemacht. Ich- Ich war den ganzen Tag nur noch am Heulen, Hatte meine Hoffnung verloren und… und auch kein Willen mehr zum Leben. Ich wollte- nur noch hier raus und dann hatte mich Lee mit nach London genommen. Ich war in der zeit einfach froh, hier weg zu sein, dass ich alles andere vergaß, was- was mir total Leid tut. Vor allem, dass ich mich nie bei dir gemeldet hab. Es… Es tut mir einfach alles Leid und- ich- ich weis auch nicht wie ich dass je wieder gut machen soll…“ Beim erzählen, brachen wieder alte Wunden auf, die selbst nach dieser langen Zeit noch weh taten und mir Tränen in die Augen trieben. Ich musste aufhören zu erzählen, doch Nelly verstand mich auch so und nickte nur kurz. Dafür war ich ihr dankbar. Einfach dafür, dass sie nicht weiter fragte, sondern es bei dieser winzigen Erzählung beließ. Bald würde sie eine weitere und bessere Erklärungen bekommen, doch bis dahin müsste mein Schmerz weniger werden, damit ich weiter reden konnte…

Jay und Ich unterhielten uns mit Nelly noch ziemlich lange. Und immer mehr bekam ich das Gefühl, wieder zuhause zu sein. Dieses Gefühl war einfach nur schön und ich hatte es so sehr vermisst. Endlich war ich wieder in einer vertrauten Umgebung und nichts oder niemand konnte mich hier wieder raus reißen.
Irgendwann machten Jay und ich uns dann mal langsam auf den Weg nach Hause. Morgen wollten wir uns wieder mit Nelly treffen und ich konnte es kaum erwarten. Denn ich hatte eine Überraschung für sie und nur ihre Eltern, Ich, Jay und die restlichen Jungs in London wussten davon.
Bei meinem alten Zuhause angekommen, wurde ich von meiner ganzen Family ordentlich gedrückt und auch Jay kam nicht zu kurz, nachdem ich ihn vorgestellt hatte. Meine Eltern kannten ihn zwar schon, aber nur vom Namen her und auch nur von Telefonaten, die sie geführt hatten. Doch trotzdem nahmen sie ihn herzlich auf. Jay und ich gingen zusammen nach oben in mein altes Zimmer. Es sah noch genauso aus, wie ich es vor Monaten verlassen hatte. Es hatte dieselben blau/gelb gestrichenen Wände und selbst meine vielen Riesenposter hangen noch so, wie ich sie dort an die Wand gepinnt hatte. Ich setzte mich auf mein Bett und blickte im Zimmer herum. „Es ist noch genauso wie ich es verlassen hab.“ Ich sah Jay an und er hockte sich neben mich. „Freust du dich, wieder hier zu sein?“ Er sah mich ernst an. Einen Moment zögerte ich. „Schon. Aber es tut auch weh!“ Ich lehnte mich an seine Schulter und kuschelte mich an ihn…

Nach drei Tagen saßen wir wieder in einer Maschine, wieder Richtung London. Es tat weh, Nelly und meine Family wieder in Deutschland zu lassen, aber nachdem was ich da erlebt hatte, wollte ich nicht mehr in Germany bleiben. Der Tod meines besten Freundes Colin tat immer noch weh, obwohl es schon über 8 Monate her war. Das schlimmste daran war aber, das all seine Freunde, und zum großen Schock, meine Ebenfalls mich für den Tod verantwortlich machten. Nur Nelly nicht… Sie hielt immer noch zu mir. Sie hatte mich nicht für den Tod von Colin verantwortlich gemacht. Und dafür war ich ihr mehr als dankbar.

Nach einer stunde Flug waren wir endlich wieder in London. Wir holten unser Gepäck und gingen zum Ausgang. Dort wurden wir auch schon von Lee, Mus und Chris erwartet. Ich ließ meine Reisetasche fallen und lief zu Lee und schloss ihn so fest ich nur konnte in meine Arme. Die drei Tage in Deutschland waren schön gewesen, aber auch so voller Schmerz, dass ich nun froh war wieder da zu sein und die Person wieder in die Arme schließen zu können, die mir in den letzten Monaten so viel Trost gespendet hatte. Lee ging es wohl nicht anders. Denn er drückte mich nur noch fester. Dann begrüßte ich auch Mus und Chris und ging mit Jay zusammen zum Auto.
Die Fahrt über sprachen wir alle nicht viel. Jay war eingeschlafen und auch ich war nicht gerade in Top form. Ich war so müde und konnte kaum meine Augen offen halten. Immer wieder kamen mir die Geschehnisse in den Kopf, die in den letzten paar tagen so passiert waren. Es war so komisch… Dieses Gefühl… Ich konnte es kaum beschreiben. Jedes Mal durchfuhr es mich wie ein Blitz und ich zuckte immer wieder etwas zusammen. Ich konnte es einfach kaum fassen, das ich das nun getan hatte. Das ich den Mut gehabt habe, nach Deutschland zurück zu fliegen und mich bei meiner besten Freundin Nelly zu entschuldigen. Es war ein so schönes und zugleich ein sehr beunruhigendes Gefühl, das ich nicht wusste wie mir geschah.
Ohne es zu merken, schmiegte ich mich mehr an Jay, der immer noch am schlafen war. Ich fühlte mich bei ihm immer mehr beschützt und wohler.

Die Jungs ließen mich nicht bei meiner Wohnung raus, sondern bei Jay. Denn keiner von Ihnen wollte, das ich jetzt alleine war. Ich war mir zwar sicher, dass mich der Aufenthalt in Germany sehr mitgenommen hatte, aber andererseits war ich mir auch sicher, dass ich keine Dummheiten machen würde. Die Jungs waren da aber wohl anderer Meinung und setzten mich erst vor Jay’s Haustür ab. Ich hatte keine große Lust mit Lee darüber zu streiten, sondern nahm Jay bei der Hand und ging zu seiner Wohnung. Erst als jay hinter uns beiden die Tür geschlossen hatte, fuhren die Jungs weiter zu sich nach Hause. Sie wollten eben auf Nummersicher gehen, das ich auch bloß nichts anstellte.

Tot müde ließ sich Jay auf sein Bett fallen, stand aber gleich wieder auf, als er bemerkte dass ich nicht hinter her gekommen war. Etwas verwirrt lief er zur Flurtür und sah mich auf dem Boden sitzen.
Mir liefen die Tränen über meine Wangen und sickerten dann in meinen Pulli. Ich wusste nicht warum ich weinte. Ich wusste nur, dass es gut tat. Es war, als würde mir eine große Last genommen werden. Je mehr ich weinte, desto besser wurde das Gefühl in mir. Und irgendwie brachte ich es sogar fertig zu Jay zu blicken und ihm ein sanftes Lächeln zu widmen. Jay sah noch verwirrter rein, als er mich so sah, doch ich konnte ihm keine Erklärung geben. Ich konnte nicht mal aufhören zu weinen, während ich zwischendurch immer mal wieder lächeln musste…




Shaz 
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...   Erstellt am 09.01.2007 - 16:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Die ganze Nacht lang blieb ich auf dem Flur sitzen. Ich wusste immer noch nicht, warum ich geweint hatte. Eigentlich weinte ich immer noch. Stumm und für mich ganz alleine. Jay hatte sich schon vor geraumer Zeit neben mich gesetzt, da ich Stur auf dem Flurboden sitzen geblieben war. Auch das wusste ich nicht, warum ich das tat. Ich hatte das Gefühl, das es nur schlimmer werden würde, wenn ich mich jetzt an einen anderen Ort begeben würde. Das klingt zwar verrückt, aber so ganz konnte ich mir das auch nicht erklären.
Also saß ich nun da… Auf dem Flur in Jay’s Wohnung und weinte… Weinte einfach alles raus. Und immer noch verstärkte sich das Gefühl der zufrieden- und Geborgenheit in mir. Und jetzt… wo auch noch Jay bei mir war, wurde es mir richtig warm ums Herz. Das erste Mal… das erste Mal nach 8 Monaten war ich wirklich wieder so richtig glücklich in meinem Herzen. Ich konnte mir nicht erklären, warum das ausgerechnet jetzt so war, aber ich freute mich. Mir entwich ein zufriedenes Lächeln, was nur ich selbst mitbekam, denn Jay war neben mir schon längst eingeschlafen.
Doch plötzlich wich die Freude wieder aus meinem Herzen und die Trauer, Wut und Verzweiflung kam wieder. Sie stürmte so sehr und so plötzlich auf mich ein, dass ich fast zusammen brach. Sie traf mich mit voller Wucht und ich hielt es plötzlich nicht mehr aus. Ich musste raus… raus aus der Wohnung und einfach nur weg. Ich stemmte mich vom Boden hoch und lief zur Tür. Kurz drehte ich mich noch mal zu Jay um, der immer noch am schlafen war und es nicht mitbekam, wie ich mich aus dem Staub machen wollte. Wieder liefen Tränen bei mir. „Bitte verzeih mit Jay. Ich wollte nicht das es soweit kommt“, flüsterte ich leise und ging dann zur Tür hinaus.
Ich lief zur Brücke, zu dem Ort an dem ich oft zuflucht gesucht hatte. Genau wie im Park. Ich blickte auf das Wasser und sah sich den Mond darin spiegeln. Meine Gedanken waren verwirrt. Es herrschte ein gnadenloses Chaos in mir und ich sah nur noch eine Lösung, das alles zu beenden….
Doch wollte ich es so beenden? War dies die einzig richtige Lösung? Ich wusste es nicht. Doch ich sah auch keine andere Option, die mir geholfen hätte. Ich wollte nicht sterben und doch eigentlich war ich das schon. Nach dem Tod von Colin und dem Verrat meiner Freunde war ich innerlich gestorben.
Doch zwischendurch verspürte ich leben in mir. Immer dann wenn ich bei Lee war und nun bei Jay. Es war ein schönes Gefühl. Doch waren sie auch stark genug, um meinen Schmerz zu bezwingen?
Ich setze mich auf die Steinmauer der Brücke und ließ meine Gedanken noch mal über alles streichen…
Ich hatte so viele schöne Momente in meinem Leben gehabt, doch genauso viele schlechte, die so voller Schmerz waren, das mir wieder die Tränen kamen. Ich weinte… weinte noch mal meine Schmerz heraus und kam dann zu einem Entschluss…

Als Jay entdeckte dass ich nicht mehr da war, lief er zu Lee und zusammen suchten sie mich. Sie liefen zu jeden Platz, von denen sie wussten, das ich da gerne war. Doch keiner von Ihnen kam auf die Idee mich an der Brücke zu suchen. Nicht mal Lee. Obwohl er der jenige war, der mir diesen schönen und ruhigen Ort gezeigt hatte, als es mir schlecht ging.
Erst später viel es Lee wider ein… die Brücke. So schnell sie konnte, rannten sie den Weg zur Brücke und hofften, dass sie nicht zu spät kommen würden. Sie wussten nicht was ich hatte, doch jeder der beiden war sich sicher, dass es nur eines zu bedeuten haben könnte... Dieser Gedanke verlieh den beiden noch mehr viel kraft und bewegte sie dazu noch schneller zu laufen, obwohl sie schon längst ihre Grenzen überschritten hatten…

Unentschlossen stand ich immer noch auf der Brücke und meine Gedanken wurden förmlich zerrissen, durch den Schmerz der immer noch in mir Tobte. Wie ein gewaltiger Sturm, der sich nicht so bald abschwächen würde. Meine Gedanken waren durcheinander… und immer noch rang mein Gewissen mit meinen Gefühlen… Sollte ich springen? Einfach springen und mein Leben und alles andere zurück lassen, was ich eins mal so sehr geliebt hatte oder immer noch liebte? Sollte ich mich wieder in ein Leben begeben, in der ich eins so viel Schmerz erdulden musste und wo ich keine Hoffnung mehr für mein Leben sah?
Vor Verzweiflung, Wut und auch Trauer rannten mir Tränen über das Gesicht und spiegelten nur noch mehr meine Gefühle und Verzweiflung nieder, die ich nun nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ich wusste nicht mehr was ich tat oder was ich tun sollte.
Bei jeder weiteren Minute die ich dort oben stand, fiel es mir schwerer eine Entscheidung zu treffen. Schmerzen… So viele die ich nicht ertragen konnte. Ich wollte diese Bürde nicht weiter tragen, doch was sollte ich tun? Mein Leben war mir immer so viel Wert gewesen und jetzt wollte ich alles einfach aufgeben. Einfach so über Bord werfen. Wie Abfall? Wieso wollte ich das? Wieso tat ich das?
Diese Gedanken kamen so plötzlich und waren so ernüchternd, das ich gar nicht beschreiben konnte, was nun wieder in mir los war. Meine Gedanken waren durcheinander, aber nicht so wie vorher. Es war… Anders.
Langsam drehte ich mich um… Wandte meinen Blick von der Spiegelklaren Wasseroberfläche und schaute auf die Häuser Londons.
Ich liebte dieses Bild was mir hier Bot. London bei Nacht. Die vielen Lichter, die sich in der Themse wieder spiegelten und die nie zu erlöschen schienen. Aber selbst der Anblick erleichterte mir die Entscheidung nicht. Im Gegenteil. Ich hatte das Gefühl das es dadurch meine Last nur noch schwere wurde und mich zu erdrücken drohte.
Ich musste endlich eine Entscheidung treffen. So schwer sie mir auch fiel. Also tat ich das einzig richtige, wie es mir in dem Moment erschien. Ich sprang…

Ich sprang in die Dunkelheit, hinunter in das unbekannte.
Der Aufprall war nicht so schlimm wie ich erwartet hatte, aber die Kälte war dafür umso schockierender. Ich bekam kaum Luft und rang nach Atem. Langsam wurden meine Finger von der Kälte taub und auch meine Beine versagten nach einiger Zeit ihren Dienst, so dass ich nur noch auf dem Wasser trieb. Doch auch das verging. Ganz langsam, ohne dass es mir bewusst wurde trieb ich direkt in einen kleinen Strudel hinein. Und selbst wenn ich es bemerkt hätte – Ich wollte es gar nicht verhindern.
Ich wurde in die Tiefe gezogen, wie von einer unsichtbaren hand und sah die Tiefen des Wassers. Es wurde immer dunkler um mich, bis ich gar nichts mehr um mich wahrnahm….

Als Lee und Jay die Brücke erreichten war ich nicht mehr da. Die beiden waren am Ende. Dies war der letzte Ort an dem sie suchen konnten. Und auch hier hatten sie mich nicht gefunden. Was sie nicht wussten war, dass ich nur ein paar hundert Meter von ihnen geradewegs in einen Strudel hinein trieb.
Jay hielt es nicht mehr aus. Er war verzweifelt. Wollte die Suche nicht aufgeben, doch auch er wusste, wie Lee, das es keinen Ort mehr gab an dem sie suchen konnten. Er fing an zu weinen, wie er es noch nie in seinem Leben getan hatte.
Lee dagegen war ruhig. Er weinte ebenfalls, doch im Stillen. Dann tat er was ihnen als einziges noch blieb. Er rief die Polizei, die noch in der Nacht anfingen mich zu suchen.
Jay hoffte darauf noch, dass sie mich fanden. Doch Lee wusste das sie mich nicht mehr lebend finden würde. Er wusste immer, das ich genau das tat was ich für richtig hielt. Und er wusste auch dass ich nichts ohne Grund tat. Es versetzte ihm einen Stich, denn er hatte immer gedacht dass er mir mit seiner Art helfen würde. Doch in seinem Innersten wusste er, das es irgendwann mal passieren würde. Das ich mich irgendwann für den Weg entscheiden würde, der mich schon so lange verfolgt hatte, ohne das ich ihn benutzt hatte.

Kurz vor Sonnenaufgang wurden Lee und Jay von der Polizei nach Hause geschickt. Jay versuchte zu widersprechen, er müsste bei der Suche mit helfen. Doch irgendwann gab er auf. Zusammen mit Lee ging er zu ihm nach Hause. Von dort aus warteten sie auf den Anruf der Polizei, der kurz vor Mittag eintrat. Lee sprang auf und nahm den Hörer ab…
Bei jedem Wort das er hörte, flossen die Tränen mehr und mehr. Ja, sie hatten mich gefunden – doch nicht so wie sie es gerne wollten.
Nachdem Lee wieder aufgelegt hatte, weinte er bittere Tränen. Obwohl er schon geahnt hatte, was passiert war konnte er es nicht fassen. Er wollte es nicht begreifen. Doch was am Schlimmsten für ihn war – er wusste nicht, wie er dies Jay erklären sollte. Er hatte Angst um seinen Freund und rief deshalb Chris an. Er erzählte ihm was passiert war und wartete darauf dass er vorbei kam. Erst dann erzählte Lee Jay alles.
Jay sank in sich zusammen und weinte. Nachdem Lee ihm es erzählt hatte, konnte er einfach nicht mehr. Er konnte und wollte nicht begreifen wie ich so etwas tun konnte. Er machte sich Vorwürfe dass er daran schuld wäre. Und selbst Chris konnte ihn nicht davon abbringen.
Nach ein paar Stunden stand die Polizei vor der Tür. Sie befragten Lee über mich uns wollten auch Jay dazu holen, doch er konnte nicht. Zu sehr war am Trauern. Zu sehr schmerzte es ihn über mich zu reden. Denn nun würde er mich nicht nie mehr wieder sehn. Das Begriff er nun. Und es tat weh. Mehr als alles was er je erdulden musste. Und er wusste nicht wie er so weiter leben sollte. Ohne mich. Doch eins wusste er… Irgendwann einmal – wenn seine Zeit gekommen ist – würden wir beide wieder zusammen sein und dann würde uns auch nichts mehr von einander trennen.

Ende





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