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geist 
Der in Erfurt studierende Weimarer, der Mitglied in der linken Hochschulgruppe "Rot Erfurt" ist
............



Status: Offline
Registriert seit: 20.04.2005
Beiträge: 11
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...   Erstellt am 25.04.2005 - 17:09Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hab hier nen Artikel über unseren Hochschulverteiler bekommen: mal zu Diskussion - ist eigentlich ganz witzig...

So machen Studiengebühren Spaß

Fünf praktische Tipps von Studenten für Studenten zum Thema Gebühren. Ob man
einen Kredit aufnimmt, ein Stipendium schnorrt, einfach abwartet oder an die
Privatuni wechselt - für jeden findet sich hier die persönliche Lösung. Nur
eines sollte man unbedingt vermeiden - klaglos Gebühren zu zahlen
Tu nix!

Die Generation Pisa ist die erste Generation, der man durch eine
Bildungsstudie nachgewiesen hat, dass sie internationales Mittelmaß ist und
weder rechnen noch rechtschreiben und auch nicht recht lesen kann. Sie
bleibt lieber sitzen und rafft sich nicht mal mehr zum Demonstrieren auf.
Die Generation Pisa, zwischen Mitte der 70er- und Ende der 80er- geboren,
lebt in der Ungnade der späten Geburt. Alle an ihr begangenen
bildungspolitischen Fehler lassen sich nicht mehr ausbügeln. Eine ans
Mittelmaß verlorene Generation.

Nun ist es aber so, dass ebendiese Generation in die verantwortungsvollen
Posten der Gesellschaft nachrücken, Entscheidungen treffen und
Bildungspolitik machen wird. Allen Befürchtungen zum Trotz ist das kein
Grund zur Sorge, denn die Generation Pisa hat ja eines gelernt: sitzen
bleiben, ruhige Hand.

Anders gesagt, die irgendwie an die Macht gespülte Generation Pisa wird eine
einfache Rechnung aufmachen, die sie aus ihrer eigenen Erfahrung her kennt:
Sie wird nichts tun. Sie wird weder Eliteunis, Studiengebühren oder
Bildungskredite fordern. Die Agenda der Generation Pisa heißt schlicht:
Warten. Daher der Ratschlag an alle Studenten: Bleibt an der Uni, solange
ihr könnt, die Talsohle ist durchschritten, ab jetzt geht es bergauf, es
kann nur besser werden! Denn der demografische Wandel kommt unerbittlich!

Das Szenario ist wohlbekannt: Deutschland im Jahre 2050, jeder zweite
Deutsche ist über 50, jeder Dritte über 70, die Aktienfonds für
Stützstrümpfe und Schnabeltassen erzielen prächtige Gewinne. Deutschland ist
ein Altenheim aus leeren Einfamilienhaussiedlungen, leeren Schulen und -
leeren Universitäten.

Wer im Jahre 2050 noch Student ist, erntet die reifen Früchte einer
herbstlichen Republik: keine überfüllten Seminare, ein Professor für zwei
Studenten, die Bibliotheken sind Oasen der Ruhe, und nach dem Abschluss
werden die Absolventen gleich übernommen. Wozu Eliteunis schaffen? Der
demografische Wandel schafft sie ganz von selbst.

DANIEL STENDER
Verkauf dich!

Die Studiengebühren kommen, und ganz Deutschland muss bezahlen. Ganz
Deutschland? Nein, eine kleine Gruppe meist hochintelligenter Studenten
kommt ungeschoren davon. Für Schlaue und Parteiloyale gibt es eigene
Auffanggesellschaften, die Stiftungen und Bildungswerke. Du willst
dazugehören? Bewirb dich einfach für ein Stipendium!

Die verschiedenen Stiftungen, ob nun Konrad Adenauer, Friedrich Ebert, Rosa
Luxemburg oder Heinrich Böll, bezuschussen ihre Schäfchen einheitlich gemäß
den Bafög-Richtlinien, aber ohne Schuldschein. Stipendien müssen nicht
zurückgezahlt werden. Dazu gibt es ein Extra-Büchergeld von etwa 100 Euro.
Allerdings sind die zu erwartenden Studiengebühren nicht eingerechnet. Noch
nicht.

Aber die elf in der "Arbeitsgemeinschaft Begabtenförderungswerke"
zusammengeschlossenen deutschen Bildungswerke haben sich schon etwas
Schlaues für die Schlausten ausgedacht: Derzeit verhandeln sie mit dem
Bundesministerium für Bildung und Forschung über eine Entlastung der
Stipendiaten. Das Idealziel ist eine bundesweite Richtlinie zur
Gebührenbefreiung für ihre Stipendiaten. Denn die sollen fleißig studieren
und sich nicht die Zeit beim Kellnern um die Ohren schlagen.

Margret Lohmann vom Evangelischen Bildungswerk sieht gute Chancen, dass der
Antrag durchkommt. Denn so könnte sich der Staat eine Menge Aufwand und
Ärger ersparen. Da die Stiftungen staatlich gefördert werden, würde eine
Erhöhung der Zuschüsse zum Ausgleich für Gebühren nur bedeuten, dass
staatliche Gelder über tausend Ecken umverteilt werden müssten. Also ein
riesiger bürokratischer Aufwand, der am Ende mehr kostet, als dass er nützt.

Wer jetzt natürlich auf ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen
Volkes spekuliert, sollte schon einiges auf dem Kasten haben. Aber für
diejenigen, die lieber handeln als denken, gibt es in Deutschland ja noch
die politischen Stiftungen der Parteien. Ganz matt in der Birne sollte man
auch hier nicht sein, aber wer schon mal im richtigen Hochschulgremium sitzt
und mit der richtigen "Grundeinstellung" die Hand hebt, der kann sich seiner
Förderung ziemlich sicher sein. Auch noch nach der einjährigen Probezeit.
NICO STORZ
Kalkuliere!

Mit den Studiengebühren wird den Studenten ein ökonomisches Instrument an
die Hand gegeben, dessen sie sich bedienen sollten. Vergleicht einfach, wie
sich die Kosten des Studiums zu dessen erwartbarem Nutzen verhalten!

Gleich dreifachen Nutzen versprechen die Gebührenfans: wenn die Unis
zusätzliche Finanzmittel haben, verbessert sich erstens die Lehre. Wer
Studiengebühren zahlt, darf mitreden und wird gehört, heißt es zum zweiten.
Und drittens, zahlende Studis gehen sorgsamer mit dem knappen Gut Bildung um
und ziehen ihr Studium schneller durch. Profitieren die Studenten also von
Gebühren?

Nein, zumindest nicht, wenn sie dort bleiben, wo sie in der Mehrzahl
eingeschrieben sind: an den Massenunis. Denn hier herrscht keine "good
economy". Studiengebühren garantieren nicht automatisch eine bessere Lehre,
denn welche Löcher mit dem Geld gestopft werden, entscheiden nicht die
Studis, sondern Professoren und Politiker. Und dass die künftigen Einzahler
in den Uni-Haushalt mehr Mitsprache erhalten, ist nicht ernsthaft zu
erwarten. Sie werden ja keine Anteilseigner. Gebühren sind keine Aktien,
sondern gleichen eher Tabaksteuern für leere Bildungshaushalte.

Nur der Druck auf die Studenten wird größer, was unter Umständen zu
verkürzten Studienzeiten, sicher aber zu einer erhöhten Abbrecherquote
führt. Fazit: Die Studenten sollen mehr leisten, ohne mehr zu bekommen - ein
Verlustgeschäft.

Nein, wenn gezahlt werden muss, dann an die Richtigen: nämlich an private
Hochschulen. Die überzeugenden Nutzenargumente heißen bessere Lehre, größere
Einbindung der Studierenden und "sehr gute Karriereaussichten". Davon
schwärmen die Hochschüler, wenn sie von ihrer Privatuni berichten. Und sie
identifizieren sich in einem Maße mit "ihrer Uni", wie man es von Studenten
der FU Berlin wohl kaum erwartet. Warum also Tabaksteuern zahlen, wenn ich
mein Geld auch als Beteiligung an dem Erfolgsunternehmen "private Uni"
anlegen kann!

Private Hochschulen bieten übrigens nicht nur Studiengänge für künftige
Betriebswirtschaftler oder Manager, sondern auch für Kulturwissenschaftler.
Die Kalkulation: Den vergleichsweise höheren Kosten steht die Aussicht
gegenüber, neue Berufsfelder zu erobern. Die Privaten versuchen,
unerforschtes Land zwischen Wirtschaft und traditionellen
Geisteswissenschaften zu besetzen. Deshalb findet man unkonventionelle
Studiengänge am ehesten dort, zum Beispiel an der Uni Witten/Herdecke.

Einen Haken gibt es allerdings: Die Studenten müssen die Elite-Atmosphäre
mögen oder zumindest resistent dagegen sein. LEON WANSLEBEN
Geh zum Bund!

Eine blonde, lächelnde Beraterin hebt animiert die Arme in die Luft und
begrüßt die Studenten: "Bei uns müssen Sie keine Studiengebühren berappen,
sondern erhalten ganz im Gegenteil volle Gehaltszahlungen " Wunderbar!
Solche Frauen mit solchen Angeboten findet man nur auf der Internetseite der
Bundeswehr. Die Armee bietet nicht nur das Gratis-, nein, das bezahlte
Studium an. Doch die Crux folgt am Satzende: " Gehaltszahlungen, die Ihnen
als Offiziersanwärterinnen und Offiziersanwärter zustehen".

Man kommt also nicht drum herum: Um an einer der beiden
Bundeswehruniversitäten, in München oder Hamburg, studieren zu dürfen, muss
man eine Offizierslaufbahn einschlagen und sich für zwölf Jahre
verpflichten. Das heißt konkret: zwölf Jahre Befehle, Drill, Disziplin und
Versetzung ertragen. Selbst als Student muss man erst den Vorgesetzten um
Erlaubnis bitten, der Öffentlichkeit Auskunft über sein studentisches und
militärisches Leben geben zu dürfen.

Doch Melanie Riedel, Politikstudentin und Leutnant zur See, hat mit dieser
Hochschulordnung kein Problem. Sie hat sich "ganz bewusst" für die
Militäruni entschieden. Denn bei ihr ist militärischer Dienst
Familientradition. Auch ihr Vater ging zur Marine. Als es 2001 auch für
Frauen möglich wurde, bei der Bundeswehr zu studieren, bewarb sie sich
prompt und wurde angenommen.

Die Regelstudienzeit in München und Hamburg beträgt etwas mehr als drei
Jahre. Diese Zeit ist in Trimester unterteilt.

Melanie Riedel und ihre Kommilitonen lernen vormittags in Kleingruppen. Der
Nachmittag ist für Zielübungen auf Pappkameraden und andere militärische
Übungen reserviert.

Dietmar Strey, Sprecher der "Helmut-Schmidt-Universität" in Hamburg, betont:
"Forschungs- und Lehrinhalte sind frei von militärischem Einfluss." Was aber
verspricht sich die Bundeswehr davon, Studenten auszubilden, wenn sie doch
gar keinen Einfluss nehmen darf? Strey erklärt, dass die Idee auf den
Bundeskanzler und Verteidigungsminister a. D. Helmut Schmidt zurückgehe. Er
habe keine ungebildeten Verantwortungsträger gewollt. Schmidt hatte gesehen,
was "dumme Offiziere" im Zweiten Weltkrieg angerichtet hatten.

Doch nicht jeder Bewerber muss eine Offizierslaufbahn einschlagen. Es gibt
auch zivile Studenten; zur Zeit sind es genau 17. Einer dieser zivilen
Studenten ist Daniel Weida. Er ist ein so genannter "Industriestipendiat".
Daniel hatte bei einer Firma ein Praktikum absolviert und war so gut, dass
er nun auf Firmenkosten an der Militäruni in Hamburg studiert. In einem
Werbeblättchen wird er mit den Worten zitiert, dass es schon irgendwie
außergewöhnlich an der Uni sei.

Mit dem Flyer will die Universität Unternehmen ansprechen, um für zivile
Industriestipendien Partner zu finden. Doch die Uni wendet sich nur an
Firmen, nicht an etwaige Studenten: "Niemand kann sich bei uns auf ein
Industriestipendium bewerben", stellt Strey klar. Die Unternehmen
entscheiden allein, wer zum Vorstellungsgespräch kommen darf und wer
letztendlich zum Studium zugelassen wird.

Für die anderen gilt: zurück zu Variante A. "Kein anderer Arbeitgeber bietet
Ihnen Möglichkeiten wie wir!", wirbt die Blondine. Studieren bei der
Bundeswehr - eine bombige Alternative.

JENNY KRAMER, LEONIE NITSCHE
Leih dir was!

Einige Länder wollen Geld von den Studis. Die Studis haben kein Geld. Nun
ringen Bayern, das Saarland und diverse andere Gebührenfreunde mit dem
Problem, wie man Geld bekommen soll, von Leuten, die keines haben. Die
Antwort scheint so einfach. Die Studenten müssen eben Schulden machen. Doch
wer gibt den Studis Kredit?

Baden-Württemberg ist schon weit gekommen mit den Überlegungen in dieser
Frage. Ein Bildungskreditmodell eigens für das Ländle soll es geben, teilt
das Wissenschaftsministerium mit. Sozial gerecht, offen für jeden, und
bezahlt wird erst, wenn der Ex-Studi einen prima Job hat.

Doch wer soll die Sicherheiten übernehmen, für die armen Studis, die selber
keine bieten können? Das sei noch unklar, erklärt eine
Ministeriumssprecherin freundlich. Welche Bank die Kredite vergeben wird?
"Man ist noch in Gesprächen." Wann die Gespräche zu einem Ergebnis kommen?
"Das weiß man eigentlich auch noch nicht."

In Hamburg sind all diese Fragen glücklicherweise bereits geklärt. Die
Hanseaten brauchen gar kein eigenes Darlehensmodell, heißt es aus dem
Hamburger Wissenschaftssenat. Wieso sich Gedanken machen, wenn es doch
günstige Bildungsdarlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau gibt?

Genau zum richtigen Zeitpunkt hat die KfW damit begonnen, ein neues
Bildungskreditmodell zu entwickeln. Sie hat sich bereit erklärt, den
Studierenden Geld zu pumpen: 650 Euro Kreditrahmen im Monat soll jeder
Studierende ausschöpfen können. Fünf Jahre lang, unabhängig vom Fach gibt's
die Kohle. Offiziell soll das Geld nur dazu dienen, die
Lebensunterhaltskosten zu finanzieren. Doch "ob sich ein Student dafür
Kaviar kauft oder Studiengebühren bezahlt, ist uns letztendlich egal",
erklärt die Sprecherin der Kreditanstalt. Wer den Darlehensrahmen
ausschöpft, hat hinterher 39.000 Euro Schulden. Plus fünf Prozent Zinsen.

Diese Summe dürfte viele Studierende abschrecken. Zum Beispiel wird sich ein
Sozialpädagoge bei den momentanen Jobaussichten genau überlegen, schon in
jungen Jahren Schuldenberge anzuhäufen. Es besteht also das Risiko, dass
dieses Kreditmodell eines für die Sowieso-schon-High-Potentials aus der
Fraktion der BWLer und Juristen wird.

Der Stadtstaat Hamburg sieht das Modell jedoch als Lösung aller Probleme.
Mehr noch: Es könnte sogar ein Exportschlager werden. Schließlich sollen die
Studierenden deutschlandweit lernen, wie Kunden zu denken. Kleine
Jungunternehmer sollen sie sein und in ihr ganz persönliches Unternehmen
Zukunft investieren. Das Fremdkapital steht bereit. Zumindest theoretisch.
LEONIE NITSCHE, NADINE BÖS

taz Nr. 7638 vom 13.4.2005, Seite 18, 67 Zeilen (TAZ-Bericht), DANIEL
STENDER / NICO STORZ / LEON WANSLEBEN / JENNY KRAMER / LEONIE NITSCHE /
NADINE BÖS


Hier auch nochmal der Artikel direkt von der TAZ-Seite:
www.taz.de/pt/2005/04/13/a0218.nf/text.ges,1





Signatur
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär's, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
Mephisto, Faust I


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