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DelFina18 ...
~Kraine no Aikosha~
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...   Erstellt am 30.07.2007 - 14:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 10: Die ewige Stadt des Winters – Ohne Schnee

Auch Raine war von dem schlechten Wetter nicht verschont geblieben. Sie hatte fast die Brücke erreicht gehabt, als es angefangen hatte, zu regnen. Das war ungefähr vor einer Stunde gewesen. Inzwischen fror sie am ganzen Körper, ihre Kleidung klebte und sie musste ständig niesen.
„H-H-H-Hatschi!!!“
Gesundheit! Hoffentlich bekommst du keine Erkältung… Du solltest schnell einen Unterschlupf suchen!
„Izoold ist ja nicht mehr weit weg… Ich hoffe nur, dass der Regen bald aufhört… So komme ich nicht voran!“, beschwerte sich Raine.
Sieh es positiv! Die anderen kommen bestimmt auch nicht schneller voran.
Raine fühlte sich ein wenig unwohl, weil sie einfach so gegangen war. Aber es war wohl das Beste. Sie wollte nicht, dass die anderen wegen ihr in Gefahr waren. Immerhin wäre Kratos wegen ihr fast gestorben. Dieses Schuldgefühl und ihre Angst, dass ihren Freunden doch noch etwas zustoßen könnte, ließen sie noch schneller laufen.
Meine Güte… Vielleicht solltest du dir mal überlegen, bei einem Lauf-Marathon mitzumachen… Du rast ja förmlich…
„Komm mir bloß nicht mit solchen Bemerkungen! Je schneller wir in Izoold sind, desto besser.“
Ich habe ja auch nichts dagegen, dass du so schnell bist, im Gegenteil! Ich wollte es nur mal gesagt haben…
„Spar dir solche Sprüche, dafür bin ich jetzt nicht in Stimmung…“, meinte Raine niedergeschlagen.
Ist ja schon gut…
Als Raine Izoold erreichte, hatte es immer noch nicht aufgehört, zu regnen. Tatsächlich gab es viele, die sie erkannten und ziemlich schnell war sie von einer kleinen Gruppe umgeben, die sie nicht gehen lassen wollten. Es war überhaupt ein Wunder, dass sie bei so einem Wetter nach draußen gingen.
Wahrscheinlich sind die meisten nur wegen dir herausgekommen.
Warum? Ich bin doch keine große Persönlichkeit… Und ich will es auch nicht sein! Ich will einfach nur meine Ruhe haben, nichts weiter!
Dann erkläre das mal den Leuten…
Aber das erwies sich als nicht so einfach. Keiner schien ihr zuzuhören. Als alle sich darum stritten, wer jetzt das nächste Autogramm von Raine bekommen sollte, kroch sie durch die Beine der Leute aus der Menge und ging zum Gasthaus. Keiner schien bemerkt zu haben, dass sie sich davongeschlichen hatte.
„Wenn das so weitergeht, verkleide ich mich…“, seufzte Raine und warf sich auf ein Bett.
Sie war so müde, dass sie fast augenblicklich einschlief. Aber durch ihre Alpträume wachte sie relativ schnell wieder auf.
„Juell, wie lange habe ich geschlafen?“, fragte sie ein wenig erschrocken.
Ungefähr zwei Stunden.
„Hat es inzwischen aufgehört zu regnen?“
Ja. Aber der Himmel ist mit dunklen Wolken überzogen, wer weiß, ob es nachher nicht noch wieder regnet…
„Dann breche ich jetzt auf“, meinte Raine entschlossen.

Lloyd und die anderen waren jetzt fast sieben Stunden unterwegs. Sie waren froh, dass es aufgehört hatte, zu regnen. Sie hatten auch so keine einzige trockene Faser mehr am Körper. Die Brücke hatten sie gerade überquert. Nach Izoold würden sie dann, wenn sie sich beeilten, drei Stunden brauchen. Sie würden erst mitten in der Nacht in Iselia ankommen. Ob sie danach sofort mit den Rheairds weiterfliegen würden, war noch nicht geklärt. Einerseits wollten sie Raine so schnell wie möglich einholen, andererseits brauchten sie auch ein bisschen Schlaf.
„Wir könnten doch bei Paps übernachten und wenn nur für ein paar Stunden“, schlug Lloyd vor.
„Denkst du, ich kann schlafen, wenn meine Schwester sich womöglich in Gefahr befindet?“, fragte Genis.
„Aber Lloyd hat Recht, wir sollten uns zumindest für ein paar Stunden ausruhen. Es nützt uns nichts, wenn wir vor Müdigkeit fast von den Rheairds fallen. Außerdem darfst du nicht vergessen, dass Raine auch Schlaf braucht, vielleicht sogar mehr als wir. Wir wissen ja nicht, wann sie aufgebrochen ist, aber ich vermute mal, mitten in der Nacht, sonst wäre bestimmt einer von uns aufgewacht“, meinte Kratos.
„Nun, das können wir ja immer noch regeln, wenn wir da sind. Wir haben noch einen langen Weg vor uns…“, sagte Lloyd.
Das Wetter schien ihnen jetzt wenigstens gnädig zu sein, denn, obwohl dunkle Wolken den Himmel verdeckten, fing es nicht wieder an, zu regnen. In Izoold erfuhren sie dann, dass Raine vor ungefähr fünf Stunden dort angekommen war und danach unbemerkt verschwunden war. Die Inhaberin des Gasthauses hingegen sagte aus, dass sie vor drei Stunden aufgebrochen war, nachdem sie zwei Stunden geschlafen hatte.
„Vor drei Stunden… Dann dürfte sie gerade in der Nähe von Triet sein…“, murmelte Genis.
„Ich habe da eine Idee, wie wir sie schneller aufholen könnten…“, meinte Lloyd auf einmal.
„Und was für eine?“, fragte Colette.
„Nju?“
Njujin schaute ihn gespannt an.
„Die Rheairds!“, sagte Lloyd stolz.
Seine Freunde fielen vor Ungläubigkeit fast um. Da dachten sie, er hätte wirklich eine gute Idee und dann kam so etwas.
„Lloyd, was meinst du, warum wir nach Iselia wollen? Weil dort die Rheairds stehen!“, meinte Genis.
„Das weiß ich doch! Ich meine ja auch nicht DIE Rheairds! Vielleicht hat Yuan ja noch welche…“
„Selbst wenn er noch welche hat, er ist gerade wahrscheinlich im Stützpunkt von Tethe’alla“, warf Kratos ein.
„Aber im Sylvarant-Stützpunkt befinden sich bestimmt noch einige Abtrünnige, die uns helfen können!“, widersprach Lloyd.
„Hmm… Es wäre eine Möglichkeit… Dadurch würden wir uns vier Stunden sparen… Aber wir sollten trotzdem noch nach Iselia. Wir müssen zu Dirk und gucken, ob neue Briefe angekommen sind“, bemerkte Kratos.
„Ach ja… Briefe… Hatte ich schon fast vergessen!“, meinte Lloyd lachend.
„Übernachten wir trotzdem bei Dirk?“, fragte Genis.
„Gut möglich. Wenn die Abtrünnigen noch Rheairds für uns haben, sind wir zwar recht schnell in Sybak, aber wenn wir Triet erreichen, wird es schon Abend sein“, antwortete Kratos.
„Wieso in Sybak?“, fragte Lloyd irritiert.
„Weil sich dort der nächste Dämon aufhält, deswegen!“, meinte Genis seufzend.
„A-Ach so… D-Das habe ich gewusst! Ich… hatte es nur vergessen!“
„Natürlich, Lloyd…“, sagte Genis ironisch.
Also brachen sie wieder auf. Allerdings hatte auch Kratos einige Fans, die sie noch kurze Zeit aufhielten. Kratos fragte sich nur, wie es Raine ergangen war. Sie musste ja von noch mehr Fans umgeben gewesen sein, immerhin hatte sich ihr Ruf als Tänzerin auch ausgebreitet. Aber das konnte womöglich ein Vorteil für ihn und die anderen sein. Wenn sie so berühmt war, kam sie mit Sicherheit nicht so schnell voran. Es sei denn natürlich, sie verkleidete sich.
„Ach Raine…“, murmelte Kratos.

Wenigstens hatte Raines Ruf Tethe’alla noch nicht erreicht. Sheenas Gruppe hatte davon noch nichts erfahren.
„Wann beantworten die anderen endlich unseren Brief?“, fragte Zelos aufgebracht.
Seit Tagen warteten sie jetzt schon auf Antwort. Sie hatten soweit herausgefunden, wo sich Dämonen befanden. In Sybak und Flanoir stand es fest. Allerdings gingen sie davon aus, dass die Dämonen auf Sylvarant und Tethe’alla gleichmäßig verteilt waren, was bedeuten würde, dass es noch einen weiteren in Tethe’alla geben musste. Aber sie hatten alle Städte besucht, sich auch auf den einsamsten Inseln und in den unerreichbarsten Gegenden umgesehen. Aber ihnen war nichts Außergewöhnliches aufgefallen. Also hatten sie ihren Freunden einen Brief geschickt und darin nach dem Stand der Dinge gefragt und von dem Kristall erzählt, der anscheinend seine Kraft verlor und immer schwächer leuchtete. Außerdem sorgte sich die Tethe’alla-Gruppe immer noch um das Wohl von Raine, denn sie wussten nicht, dass sie schon wieder gesund war.
Natürlich hätten sie auch einfach nach Sylvarant fliegen können. Immerhin hatten sie in Tethe’alla sowieso nichts mehr zu tun. Aber sie wussten ja nicht, wo sich die Gruppe gerade befand, außerdem wollten sie Yuan auch bald noch einmal besuchen, um zu schauen, wie weit er mit der Entzifferung und Übersetzung der Schriftrolle war.
„Sie könnten sich wirklich langsam melden…“, stimmte Sheena zu.
„Wahrscheinlich kommen sie nicht oft zu Dirk“, bemerkte Regal.
„Wozu haben wir dann ausgemacht, dass wir die Briefe dorthin schicken? Das macht dann doch gar keinen Sinn, wenn sie fast nie da sind!“, meinte Zelos.
„Aber zu welchem Ort hätten wir die Briefe denn sonst schicken sollen?“, fragte Presea.
„Dirks Haus ist schon in Ordnung. Aber sie sollten einfach mal öfters dort auch vorbeischauen!“, warf Sheena ein.
„Ich bin mir sicher, sie werden in den nächsten Tagen antworten“, versicherte Rya.
„Aber ich habe dieses Warten satt! Lasst uns doch morgen schon zu Yuan aufbrechen!“, schlug Sheena vor.
Die anderen hatten nichts dagegen.

Gegen Abend hatte Raine Iselia erreicht. Um nicht erkannt zu werden, hatte sie sich in Triet noch einen schlichten Umhang mit Kapuze gekauft. Sie hatte auf dem Weg gesehen, dass die Ruine wieder verschwunden war. Sie war wie vom Erdboden verschluckt.
Raine überlegte, ob sie noch Dirk, Phaidra und Frank besuchen sollte, entschied sich aber dagegen. Sie hatte keine Zeit dafür. Außerdem würde sie sich eine Ausrede einfallen lassen müssen, warum sie alleine reiste. Also stieg sie einfach auf einen Rheaird und flog in Richtung Flanoir. Sie hatte sich überlegt, dass sie dadurch womöglich noch einen größeren Vorsprung hätte, denn die anderen würden wahrscheinlich erst nach Sybak fliegen. Allerdings würde Raine aufpassen müssen, denn nach Flanoir wollte sie genau dorthin. Nur, wenn sie Pech hatte, flog sie den anderen direkt in die Arme. Natürlich hätte sie als nächstes auch nach Heimdall fliegen können. Aber sie wollte sich ihre Heimat für den Schluss aufheben. Das Wetter war dort ja auch in Ordnung, wahrscheinlich hatte keiner etwas gegen den Sonnenschein auszusetzen. Anders sah es aber in Flanoir und Sybak aus. In Flanoir schmolz auf Grund der Hitze, die der Dämon dort ausstrahlte, das ganze Eis, was für Überschwemmungen sorgte. In Sybak hingegen gewitterte es die ganze Zeit. Wahrscheinlich taten den Bewohnern von dem ganzen Donnern die Ohren und die Augen von den vielen Blitzen weh. Das war der Grund, warum Flanoir und Sybak Raine wichtiger erschienen als Heimdall.
Ich denke, mit Kalf Stax solltest du keine Probleme haben. Du wirst nur ganz schön ins Schwitzen kommen auf Grund seiner Hitze. Du solltest also versuchen, ihn aus der Ferne anzugreifen, denn je näher du an ihn herankommst, desto heißer wird dir werden.
„Moment, Kalf Stax? Der Name kommt mir so bekannt vor…“, murmelte Raine.
Das ist ja auch kein Wunder. Er ist der Gegenspieler und Erzfeind von Fron Stax, dem Dämonen, den wir in der Ruine in der Nähe von Triet begegnet sind.
„Fron Stax, genau… Das hieß Kälteschock, oder? Heißt Kalf Stax dann Hitzeschock?“
Ja. Heh, du lernst wohl langsam die uralte Elfensprache, was?
„Ich würde es ja gerne… Aber ich weiß ja nicht einmal, was die Zaubersprüche bedeuten, die ich gegen die Dämonen einsetze…“, seufzte Raine. (Ich schon XD)
Das weiß ich auch nicht…
„Tja, wie soll ich dann die Sprache lernen?“
Was weiß ich… Du hast doch sonst in so vielen Sachen Talent!
„Ja, leider…“
Innerhalb weniger Minuten hatte sie Flanoir erreicht. Tatsächlich erkannte man die Stadt nicht wieder ohne den weißen Schnee, der sonst die ganze Gegend bedeckte. ‚Ewige Stadt des Winters’ konnte man Flanoir jedenfalls nicht mehr nennen. Unsicher betrat sie die Stadt. Sie wusste nicht genau, wo sich der Dämon aufhielt und dabei musste sie an ihren kleinen Bruder denken, dessen Fähigkeit, den genauen Aufenthaltsort der Dämonen zu spüren, sie jetzt gut hätte gebrauchen können. Aber er war nicht hier und das war auch besser so. Raine würde den Dämonen auch so finden.
In der Stadt ging es recht geschäftig zu. Die Einwohner waren vollkommen verwirrt, denn so ein Wetter waren sie natürlich nicht gewohnt. Viele hatten keine passende Kleidung für die Hitze und so war es nicht weiter verwunderlich, dass viele zusammenbrachen. Das war zwar viel Arbeit für den Arzt, aber auch sehr gewinnbringend für ihn. Ganz anders verhielt es sich bei dem Gasthaus. Die Touristen blieben nämlich aus, weil der Schnee, wegen dem sie kommen würden, nicht mehr vorhanden war.
Viele wussten nicht recht, was sie von diesem plötzlichen Klimawandel halten sollten. Die einen freuten sich darüber, weil sie die ewige Kälte nicht mehr ertrugen, während die anderen unter der Hitze litten. Dann gab es auch noch welche, die der Meinung waren, dass es ein Anzeichen war, dass der Herr der Hölle aus den Tiefen heraufstieg und die Welt zerstören wollte. Stündlich trafen sich die gläubigen Bewohner, um gemeinsam mit dem Priester zu Martel zu beten, damit sie sie alle vorm Untergang rettete. Geldgierige Händler verkauften alle möglichen Sachen, mit denen man den Höllenfürsten angeblich für sich gnädig stimmen konnte. Tatsächlich fielen die Leute auch noch darauf herein und kauften die Sachen zu viel zu hohen Preisen.
„Es ist unglaublich, wie die Leute hier ausgebeutet werden…“, meinte Raine kopfschüttelnd.
Sie sind doch selber Schuld, wenn sie so naiv sind. Sie müssen die Dinge ja nicht kaufen!
„Es ist nur traurig, wie geldgierig manche Leute sind und solche Situationen und die Angst der Bewohner ausnutzen, um Geld zu verdienen…“
Nun, besiege den Dämonen und das alles hat ein Ende…
„Ich wünschte, es wäre so einfach… Aber sie werden denken, dass diese nichts bringenden Talismane und Amulette wirklich geholfen haben, wenn es wieder kälter wird. Außerdem geschieht so was überall auf der Welt. Habgier und Rücksichtslosigkeit liegt in der Natur der intelligenten Lebewesen…“, seufzte Raine. (Ich würde ja zu gerne Menschen sagen, aber wer sagt, dass Elfen, Halbelfen und Zwerge nicht auch habgierig sein können?)
Meine Güte! So sind doch nicht alle!
„Aber die meisten… Manchmal denke ich, es wäre besser, wenn Pflanzen und Tiere die einzigen Lebewesen wären… Diese bekriegen sich nicht, bringen einander nicht aus nichtigen Gründen um und leben friedlich zusammen. Natürlich fressen sie sich teilweise gegenseitig, aber das ist nun einmal der natürliche Ablauf. Fressen oder gefressen werden. Töten, um zu überleben… Und aus welchen Gründen töten wir? Habgier, Rache, Eifersucht… Es ist einfach schrecklich!“ (Könnte einigen bekannt vorkommen… XD So was Ähnliches hab ich auch im Philosophie-Forum geschrieben)
Ach Raine… So war es schon immer und so wird es auch immer bleiben. Du solltest dir über solche Dinge keine Gedanken machen. Außerdem töten Tiere manchmal auch, um ihr Revier zu verteidigen oder um Anführer eines Rudels zu werden oder so…
„Aber viel seltener!“, widersprach Raine.
Lass uns das Thema wechseln, ich bekomme davon Kopfschmerzen… Am besten suchen wir jetzt nach dem Dämonen!
„Ja, du hast Recht!“
Raine vermutete, dass sich Kalf Stax nicht direkt in der Stadt aufhielt. Als Versteck bot sich am besten der Tempel des Eises an. Also ging Raine dort hin. In der Tat wurde es immer wärmer. Die Gegend sah ohne den Schnee recht ungewöhnlich aus. Wie ein Berg mit einer Höhle. Links gegenüber dem Höhleneingang war ein kleiner Teich.
„Man erkennt die Gegend echt nicht wieder…“, meinte Raine erstaunt.
Was hast du erwartet? Dass der Schnee hier von der Wärme verschont geblieben ist?
Raine betrat die Höhle und sie traf fast der Schlag. Draußen war die Wärme ja noch erträglich gewesen, aber hier drinnen war es einfach nicht zumutbar. Es war stickig und heiß, denn die Luft stand fast und die Hitze staute sich gut hier drinnen. Raine lief der Schweiß in Strömen hinab.
„Wenn ich hier erst einmal draußen bin und den Dämon besiegt habe, nehme ich sofort ein Bad…“, murmelte sie.
Hast du überhaupt Zeit dafür?
„Glaube mir, die nehme ich mir schon…“
Raine ging einen kleinen Weg hinauf und sah sofort einen kleinen See. Es handelte sich um die große Wassermenge, die sie damals mit Hilfe der Pflanze namens ‚Celsius’ Träne’ gefroren hatten, um auf die andere Seite zur Siegelkammer zu kommen. Und mitten drin – Raine blieb fast der Atem weg vor Verblüffung – saß Kalf Stax auf einem Schwimmring und las ein Buch. Er sah so friedlich aus, dass Raine schon Zweifel überkamen, dass das, was sie vorhatte zu tun, wirklich notwendig war.
Denke an die armen Leute, die in Flanoir zurzeit ausgebeutet werden!
„J-Ja…“, murmelte Raine.
Auf dem Weg zum Ufer des Sees sah sie überall Bücherhaufen. Sie blieb stehen und rief mit lauter Stimme nach dem Dämonen. Dieser sah kurz auf von seinem Buch auf und sagte: „Habe mich schon gefragt, wann du kommst, Dämonenjägerin. Ich möchte dich nur bitten, dass du mich noch das Buch zu Ende lesen lässt, bevor du mich besiegst. Es ist wirklich sehr spannend. Ich bin auch schon fast fertig.“
Raine meinte, sich verhört zu haben. Sie wollte ihn töten und seine einzige Sorge war, dass er das Buch nicht mehr zu Ende lesen konnte? Das war so lächerlich, dass Raine tatsächlich fast angefangen hätte, zu lachen, wenn ihr nicht vor lauter Verwirrung die Kehle wie zugeschnürt gewesen wäre.
Ich habe ja gesagt, Kalf Stax wird kein Problem sein… Er liegt meistens nur auf der faulen Haut und liest irgendwelche Bücher.
Trotzdem war Raine auf der Hut. Es konnte ja auch eine Taktik von ihm sein. Vielleicht wartete er nur auf eine Gelegenheit, um sie anzugreifen, wenn sie unachtsam war. Also ließ sie ihn keine Sekunde aus den Augen.
Es ist ja löblich, dass du so misstrauisch bist, aber in diesem Fall ist das wirklich nicht notwendig… Warte einfach, bis er fertig ist mit lesen.
Nach einer halben Stunde schlug Kalf Stax das Buch zu.
„Ah, ein wirklich großartiges Buch! Solltest du auch lesen. Nun gut, bringen wir es hinter uns. Schade, dass ich nicht noch mehr Bücher lesen kann“, seufzte er.
Er hatte es sich auf seinem Schwimmreifen bequem gemacht und schien nicht die Absicht zu haben, Raine in irgendeiner Weise anzugreifen.
„W-Was soll ich tun?“, fragte Raine leicht verwirrt.
Natürlich wusste sie, dass sie den Dämonen besiegen musste, aber er erschien ihr so friedlich, dass sie es fast nicht übers Herz brachte. Die anderen Dämonen hatten sich ja wenigstens noch gewehrt. Die einzige Ausnahme bildete Rin Tor, bei dem sie komischerweise keine Zweifel gehabt hatte. Dass sich Kalf Stax einfach so besiegen lassen wollte, irritierte sie und verärgerte sie zu gleich. Sie fühlte sich total fehl am Platz. Sie sollte gefährliche Dämonen besiegen und nicht menschenähnliche Leseratten.
„Bestimmt heckt er irgendetwas aus, ganz sicher…“, murmelte Raine.
Darauf kannst du lange warten… Er würde dich wahrscheinlich nur angreifen, wenn du seinen Büchern etwas antun würdest…
Das war es! Wenn er sie von selbst wirklich nicht angreifen wollte, dann würde sie ihn halt provozieren, indem sie Seiten aus seinen Büchern riss. Davon lagen hier immerhin genügend herum. Sie schnappte sich vollkommen wahllos eins, schlug es auf und ihre zitternden Hände hielten eine Seite fest. Sie atmete noch einmal tief ein und mit einem lauten RATSCH zerriss sie die Seite. Sie hasste sich dafür. Normal würde sie ein Buch niemals so behandeln, egal um welches es sich handelte. Aber genauso wenig wollte sie einen Dämonen besiegen, der so friedlich war wie Kalf Stax.
Raine, was machst du da?! Bist du jetzt vollkommen übergeschnappt?! Du bringst ihn nur auf die Palme!
„Genau das will ich ja! Ich kann ihn nicht besiegen, wenn er sich nicht wehrt… Das bringe ich nicht übers Herz…“, erklärte Raine und riss noch eine Seite aus dem Buch.
Woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel? Bei Rin Tor hattest du auch keine Bedenken…
„ARGH! Meine schönen Bücher! Wie kannst du nur?!“, schrie Kalf Stax wütend.
Er sprang ins Wasser, welches auf Grund seiner Hitze sofort zu brodeln begann und schwamm unglaublich schnell auf Raine zu. Diese war doch ein wenig von seiner Schnelligkeit und seinem Gemütswandel überrascht und stand wie gelähmt da.
Du hättest es so einfach gehabt… Ich verstehe dich einfach nicht…
Sobald der Dämon ihr näher kam und ihr wärmer wurde, kam Raine wieder zu sich. Jetzt befand sie sich in einem richtigen Kampf, so, wie sie es hatte haben wollen. Geschickt wich sie seinen Hitzewellen aus, die er wie Feuerbälle aus seinen Handflächen abschoss und suchte nach einem günstigen Zeitpunkt, um ihn zu besiegen. Als die ersten Bücher in Flammen aufgingen, war es soweit. Kalf Stax versuchte, das Feuer zu löschen, welches seine Hitzewellen ausgelöst hatten, was ihm allerdings nicht gelang.
„Tarim syrax faboyo, sen danave mana ju wedin firmo ko sen sileve murix alic tromium!“, rief sie mit lauter Stimme.
Ihre Augen hielt sie geschlossen. Sie wusste, was jetzt passieren würde, sie hatte es schon oft gesehen. Als die Temperatur sank, wusste sie, dass Kalf Stax besiegt war.
Kannst du es dir wirklich verzeihen, dass deinetwegen Bücher zerstört worden sind? Vielleicht waren ja einige seltene Werke unter ihnen?
Raine blickte erschrocken auf. Die Bücher hatte sie ganz vergessen! So schnell es ging löschte sie das Feuer mit dem Wasser aus dem See, der langsam wieder zu gefrieren begann.
„Oh nein, was habe ich nur getan?“, fragte sie, als sie ein Häufchen Asche in der Hand hielt.
Gute Frage… Vielleicht bist du krank? Du hast dich wirklich merkwürdig verhalten…
„Nein, mit mir ist alles in Ordnung… Ich denke, ich war einfach nur verwirrt…“
Nun, dann lass uns gehen. Wenn ich mich recht erinnere, wolltest du noch ein Bad nehmen, richtig?
Raine nickte. Auch in Flanoir hatte man den Temperaturabstieg bemerkt. Deswegen waren die Leute aus dem Häuschen und feierten ein Fest, bei dem sie Martel dankten, dass sie sie vor dem Höllenfürsten gerettet hatten. Eine fröhliche Melodie wurde gespielt, es wurde gesungen, getrunken und gegessen und keiner schien irgendwelche Sorgen mehr zu haben. Im Gegensatz zu dieser gut gelaunten Menge wirkte Raine wie die schlechte Laune in Person. Mit desinteressiertem Blick ging Raine in Richtung Gasthaus.
„Warum so schlecht gelaunt? Solltest du nicht am meisten von allen feiern, Raine?“, fragte sie eine Stimme.
Erschrocken drehte sich Raine zu allen Seiten um, sah aber niemanden, der sie angesprochen haben könnte. Irritiert schüttelte sie den Kopf.
„Zwei Dämonen musst du noch besiegen… Ach ja, wie die Zeit doch vergeht…“
Raine blieb fast die Luft weg. Sie kannte diese Stimme. Aber das konnte nicht sein!
„G-Goril…“
Ihre Stimme war fast nur ein Hauchen. Sie war am ganzen Körper gelähmt. Das konnte nicht sein. Goril konnte noch nicht wieder zurückgekehrt sein! Oder etwa doch? Jetzt, wo sie darüber nachdachte, fiel ihr auf, dass sie gar nicht wusste, wann genau Goril wieder auferstehen würde.
„Bitte, nenn mich doch Kooma, der Name gefällt mir besser…“
Raines Blick streifte durch die Gegend – und endlich sah sie ihn. Er schaute sie mit seinen saphirblauen Augen aus einem Spiegel heraus an.
„Nicht mehr lange und wir sehen uns in Wirklichkeit wieder! Ich kann es kaum erwarten… Ich werde dich zu meiner Frau machen und gemeinsam werden wir die Welt regieren!“, sagte er überzeugt. (Träum weiter, Junge… XD)
„W-Was?!“ Mehr brachte Raine nicht heraus, so bestürzt war sie. „Deine Frau werden?! Niemals! Eher sterbe ich!“, schrie Raine.
Die Leute sahen sich verwirrt nach ihr um, sofern sie nicht zu betrunken waren.
„So? Wenn das so ist, werde ich dir diesen Wunsch natürlich erfüllen. Du sollst nur mir gehören und keinem anderen! Noch hast du Zeit, deine Meinung zu ändern. Solltest du allerdings mein Angebot immer noch ablehnen, wenn wir uns richtig begegnen, werde ich dich töten. Hahaha!“
Auf einmal war er verschwunden. Raine zitterte am ganzen Körper. Warum wollte er sie zu seiner Frau machen? Sie war doch seine größte Feindin!
Scheint so, als hätte er Gefallen an dir gefunden… Jedenfalls hast du das Richtige getan. Hey, kann es sein, dass du gar nicht mehr in ihn verliebt bist?
„Ich… Ich weiß es nicht… Er macht mir Angst… Diese Kaltherzigkeit, die er ausstrahlt… Sie macht mir Angst!“, schluchzte Raine.
Nun, ich denke, das ist das Beste. Immerhin ist er dein Feind und du musst ihn töten.
„Ja…“
Ich glaube nicht, dass sie Probleme haben wird, ihn zu töten… Aber da gibt es natürlich noch das andere Problem… Und wie sie damit fertig werden soll, weiß ich nicht…

Lloyd und die anderen hatten Glück gehabt. Die Abtrünnigen hatten noch Rheairds übrig gehabt, die frisch gewartet waren. Inzwischen waren sie bei Dirk angekommen.
„Wo ist denn Rrraine?“, fragte Dirk verwundert.
„Heh. Sie meint, sie müsste wieder einmal alles allein regeln und ist ohne uns nach Tethe’alla aufgebrochen“, antwortete Kratos mit verschränkten Armen.
„Paps, sind irgendwelche Briefe angekommen?“, fragte Lloyd.
„Ja, einerrr von eurrren Frrreunden und einerrr von Yuan“, meinte Dirk und reichte die Briefe Lloyd.
„Lies vor, Lloyd!“, forderte Colette.
Aber Lloyd schwieg und starrte auf das Blatt Papier, das er in den Händen hielt.
„Nun mach schon!“, drängte Genis.
„Würde ich ja gerne, aber ich kann die Schrift nicht entziffern…“
„Gib mal her…“, seufzte Genis. „Wie geht es Raine? Sagt mir, dass es ihr gut ist, ich halte diese Schmerzen nicht länger aus! Beachtet das einfach nicht, das hat Zelos geschrieben… Aber wir machen uns natürlich alle Sorgen um Raine. Wir haben den Kristall vom Forschungsinstitut abgeholt. Er ist wirklich mysteriös… Er verliert langsam aber sicher seine Kraft und sein Leuchten wird auch immer schwächer. Sonst haben die Forscher nur herausgefunden, dass er schon sehr alt ist. Wir hoffen, dass wir bald von euch hören!“, las Genis vor.
„Wir haben vergessen, ihnen zu sagen, dass Raine schon wieder gesund ist…“, bemerkte Lloyd.
„Die sind jetzt bestimmt sauer auf uns…“, sagte Genis.
Danach las Genis auch noch den Brief von Yuan vor: „Ich habe etwas Interessantes gefunden, dass auf der Rückseite der Schriftrolle mit unsichtbarer Tinte geschrieben war. Ich habe es bereits entziffert und übersetzt: ‚Manchmal hält das Schicksal Aufgaben für uns bereit, denen wir ohne Hilfe nicht gewachsen sind. Auch die Dämonenjägerin soll bei ihrer Aufgabe Hilfe bekommen. Unter ihren Freunden befinden sich ein Schutzengel mit einer geheimen Mission, ein Dämonenaufspürer, ein Junge mit einer schrecklichen Vision, göttliche Zwillinge, ein magisches Wesen und... Diese unterstützen sie, wo sie nur können. Aber am Ende wird die Dämonenjägerin ohne diese Hilfe auskommen müssen, denn die Entscheidung, die die Welt rettet oder zerstört kann nur sie treffen.’ Ihr solltet also nach diesen Freunden suchen, sofern sie nicht schon unter euch sind. Welche Person nach dem magischen Wesen erwähnt wird, konnte ich leider nicht entziffern.“
„Ein Schutzengel mit geheimer Mission? Ich denke, damit ist Juell gemeint. Bei dem Dämonenaufspürer handelt es sich ohne Zweifel um Genis. Das magische Wesen ist Njujin“, vermutete Kratos und Njujin stimmte ihm durch ein „Nju“ zu. „Aber ich weiß nicht, bei wem es sich um den Jungen mit der schrecklichen Vision und die göttlichen Zwillinge handeln soll…“
Lloyd senkte den Blick. „Ich denke, ich bin dieser Junge…“, murmelte er.
„Wie kommst du darrrauf?“, fragte Dirk.
„Ich hatte zweimal exakt denselben Traum… Es war sehr realistisch… Es muss eine Vision gewesen sein! Trotzdem hoffe ich, dass er nicht wahr wird…“, erzählte Lloyd.
„Wovon handelte er denn?“, fragte Genis neugierig.
Lloyd wich seinem Blick aus. Er konnte ihnen unmöglich von dem Traum erzählen. Sie würden keine ruhige Minute mehr haben, sofort aufbrechen wollen und nach einem Weg suchen, Raine vor dem Tod zu bewahren. Aber das Schicksal war unabwendbar nach Lloyds Meinung. Was vorherbestimmt war, würde auch geschehen. Auch wenn Lloyd dieser Ansicht war, so hoffte er natürlich, dass Raine trotzdem nicht sterben würde. Er wollte nicht, dass die Schwester seines besten Freundes starb und er wollte auch keine andere Lehrerin haben. Außerdem sah es fast so aus, als würde sie bald zu seiner Stiefmutter werden. (Sorry, konnte ich mir nicht verkneifen >. ) Der Kuss zwischen ihr und Kratos in Izoold konnte nicht nur geschauspielert gewesen sein. Und ihr ganzes Gestreite war auch nicht wirklich aus Hass. ‚Was sich neckt, das liebt sich.’ Dieser Spruch war selbst Lloyd bekannt. (Wow, hätte ich jetzt nicht gedacht! XD) Aber Lloyd hatte nichts dagegen. Ihm würde es sogar gefallen, wenn Raine seine neue Mutter werden würde. Er mochte sie, auch wenn sie nicht kochen konnte, teilweise zu brutal war und gerade mal sechs Jahre älter als er war. Er kannte sie immerhin schon ein paar Jahre und – wenn er jetzt so darüber nachdachte – hatte sie schon immer eine mütterliche Rolle in seinem Leben eingenommen. (Nun ja… Ich weiß ja nicht, ob andere da meine Meinung teilen, aber ich finde, das trifft schon ein wenig zu…)
„LLOYD!“, rief Genis und wedelte mit seiner Hand vor Lloyds Gesicht herum.
Dabei sah er ihn genauso vorwurfsvoll an, wie Raine es immer tat, wenn er wieder einmal im Unterricht eingeschlafen war. Immer noch den Blick von Genis abgewandt, sagte er: „Das… kann ich euch nicht sagen… Es ist zu schrecklich…“
„Woher sollen wir dann wissen, dass du dir das Ganze nicht nur ausdenkst?“, fragte Genis misstrauisch.
„Warum sollte ich das tun?!“
„Keine Ahnung… Vielleicht hältst du dich dadurch für cool?“
„So etwas habe ich nicht nötig!“, widersprach Lloyd.
„Pah! Wie du das sagst, klingt es fast, als wolltest du sagen, dass du sowieso schon total cool bist!“, rief Genis.
„Und wenn es so wäre?!“, fragte Lloyd wütend.
Bevor Genis antworten konnte, ging Kratos dazwischen.
„Schluss jetzt, ihr beiden! Nehmen wir einmal an, Lloyd sagt die Wahrheit - “
„Natürlich tue ich das!“, unterbrach Lloyd seinen Vater.
„Lass mich ausreden!“ Sofort wurde Lloyd ruhig.
„Also, wenn Lloyd die Wahrheit sagt, dann brauchen wir immer noch diese göttlichen Zwillinge. Hat jemand eine Ahnung, wer das sein könnte?“, fragte Kratos die anderen.
Die Gruppe schüttelte den Kopf.
Kratos seufzte. Er hatte nichts anderes erwartet.
Sie schickten noch eine Antwort an die Tethe’alla-Gruppe, in der sie berichteten, was bis jetzt alles passiert war und dass sie am folgenden Tag nach Tethe’alla kommen würden und gingen dann ins Bett.





Signatur


Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

© by DelFina18



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Kapitel 11: Lichtschwert gegen Flammenschwert

Am nächsten Morgen wachte Colette von einem Klopfen auf. Anscheinend stand jemand vor der Tür. Da die anderen noch schliefen, ging Colette so leise wie möglich zur Tür und öffnete sie. Zu ihrem Pech mussten die Scharniere dringend geölt werden und so war ein lautes Knarren beim Öffnen zu hören. Colette zuckte zusammen und sah sich nach den anderen um, die aber immer noch fest zu schlafen schienen. Sie ging nach draußen und schaute sich verwirrt um. Sie sah niemanden. Doch dann bemerkte sie ein Kind, das am Boden lag. Es war abgemagert, ziemlich erschöpft und dreckig, aber trotzdem erkannte Colette sofort, um wen es sich handelte. Die grünen kurzen Haare genügten zur Identifikation.
„Sary!“, rief Colette besorgt. „Was machst du denn hier?“
Aber Sary war zu müde, um zu antworten. Unversehens trug Colette Sary rein und rief: „Wacht auf!“
Eine halbe Stunde später hatten sich alle besorgt um Sary versammelt.
„Wie geht es dir?“, fragte Genis, als sie aufwachte.
„Mir ging’s schon besser…“, war die Antwort.
„Du hast doch bestimmt Hungerrr?“, fragte Dirk.
„Ja, sehr großen sogar…“
Dirk reichte ihr eine Schüssel mit heißer Suppe und eine Scheibe Brot.
„Aber jetzt sag mal, warum du hier bist!“, meinte Lloyd.
Sary hielt mit in ihrer Bewegung inne und senkte den Kopf. Auf einmal fing sie an zu weinen.
„Hey, was ist denn?“, wollte Colette wissen.
„M-Mein Vater… Er ist an einer Krankheit gestorben…“, erklärte Sary unter Tränen.
„Was? Das ist ja schrecklich…“, meinte Lloyd schockiert.
„Ich habe niemanden mehr und wusste nicht, wohin… Dann habe ich mich an euch erinnert und bin mit meinem letzten Geld hierher gekommen…“
„Da hast du aber Glück gehabt. Wir sind eigentlich nur zufällig hier. Wir wollten heute weiter reisen“, erzählte Genis.
„Um die Dämonen zu besiegen?“, fragte Sary.
„Ja. Es fehlen nur noch zwei. Allerdings - “
Bevor Lloyd seinen Satz beenden konnte, fiel Sary ihm ins Wort.
„Wo ist eigentlich Raine?“
„Heh. Sie meint, sie müsse alles alleine machen und ist ohne uns nach Tethe’alla aufgebrochen“, brummte Kratos mit verschränkten Armen. (Ich habe ein Déjà-vu… Genau das Gleiche hat Kratos in Kapitel 10 gesagt XD)
„Echt? Jedenfalls möchte ich mit euch kommen! Ich werde es diesen Dämonen schon zeigen!“ (-.- Würdest du vielleicht gerne, tust du aber nicht…)
„Du solltest dich erst einmal erholen und wieder zu Kräften kommen!“, widersprach Colette.
„Ach was, das geht schon!“, versprach Sary.
„Auf deine Verantwortung“, meinte Kratos.
„Dad!“, rief Lloyd vorwurfsvoll.
„Wir haben jetzt keine Zeit für großartige Diskussionen. Abgesehen davon würde sie uns wahrscheinlich sowieso folgen.“
„Hehe, voll durchschaut…“, gab Sary zu und kratzte sich am Hinterkopf.
Sobald alle startklar waren, brachen sie auf.

Sheena und die anderen waren gerade kurz vor Flanoir, als sie meinten, einen anderen Rheaird in der Ferne zu sehen, der ziemlich schnell in Richtung Sybak flog.
„Haltet mich für verrückt, aber ich habe das Gefühl, dass das Raine auf dem Rheaird war…“, meinte Zelos.
„Das kann nicht sein! Selbst wenn Raine wieder gesund wäre, würde sie doch nicht ohne die anderen fliegen! Das wird wahrscheinlich ein Abtrünniger gewesen sein“, vermutete Sheena. (Wie sehr man sich doch irren kann… XD)
Den Stützpunkt der Abtrünnigen erkannten sie fast nicht wieder. Wo sie auch hinsahen, überall lagen Bücher. Hektisch liefen die Abtrünnigen herum und suchten nach dem Buch, das Yuan gerade für die Übersetzung brauchte. Es war ein heilloses Durcheinander und wenn Raine das hätte sehen können, wie die Bücher behandelt wurden, wäre sie mit Sicherheit durchgedreht. (Wenn die wüssten, was Raine getan hat… XD) Verunsichert bahnte sich die Gruppe einen Weg zu Yuan.
„‚Fris’… ‚fris’… Was zum Teufel heißt ‚fris’?! Wann kommt endlich das richtige Buch?!“, fragte Yuan gereizt.
„Sofort!“, rief ein Abtrünniger.
„Hallo Yuan!“, sagte Sheena.
„‚Antaras’… Was könnte das wohl bedeuten? Verdammt noch mal, wo bleibt das Buch?!“, schrie Yuan, der die Gruppe gar nicht zu bemerken schien.
„Ähm… Yuan?“, versuchte Sheena es erneut.
Aber immer noch kam keine Reaktion. Sheena hasste es, ignoriert zu werden, ballte die Fäuste und schrie: „YUAN!“
Dieser fiel fast vom Stuhl, so erschrocken war er.
„Sheena… Ich habe euch gar nicht kommen hören…“
„Das haben wir gemerkt…“, meinte Zelos.
„Tut mir Leid. Aber ich habe den Text jetzt endlich fast übersetzt. Zum Glück ähnelt die uralte Elfensprache der Alten sehr. Auch gibt es noch einige Bücher mit Bruchstücken dieser komplizierten Sprache. Bis morgen sollte ich den Text dann ganz übersetzt haben“, erklärte Yuan.
„Soll das heißen, wir können gehen?!“, fragte Zelos verärgert.
„Ähh… Nun, wenn ihr nichts Anderes von mir wolltet, dann… Ja!“
„Okay, dann kommen wir morgen noch einmal wieder…“, meinte Sheena enttäuscht und kurz darauf flogen sie mit den Rheairds in Richtung Meltokio. Sie waren fast angekommen, als sie diesmal eine Gruppe von Rheairds sahen, die genau in ihre Richtung flogen.
„Das kann sich jetzt aber wirklich nicht mehr um Abtrünnige handeln, so wie Yuan die beansprucht…“, meinte Zelos.
„Das sind auch keine Abtrünnigen, das sind Lloyd und die anderen!“, rief Presea begeistert.
Lloyds Gruppe hatte die anderen gesehen und so landeten alle jetzt vor dem Stadteingang.
„Hmm. Anstatt uns einen Brief zu schreiben, kommt ihr also gleich, oder wie?“, fragte Sheena gekränkt.
„Wir haben euch gestern doch einen Brief geschickt!“, widersprach Lloyd.
„Heute morgen war noch kein Brief da“, meinte Zelos.
„Wir haben jetzt keine Zeit für so etwas! Raine ist…“, wollte Genis sagen, wurde aber von Zelos unterbrochen.
„Was ist mit Raine?! Wo ist sie?! Ihr habt sie doch wohl nicht etwa allein gelassen in ihrem kranken Zustand?!“
„Tse. Raine geht es gut. Zu gut, könnte man meinen. Es ist nicht so, dass wir sie zurückgelassen haben, sondern umgekehrt. Sie meint, sie müsse die letzten Dämonen ohne uns besiegen“, erklärte Kratos.
„Alles Weitere könnt ihr im Brief lesen, wir müssen jetzt weiter!“, drängte Genis und war schon dabei, wieder auf seinen Rheaird zu steigen.
„Moment, wollt ihr uns einfach hier zurücklassen?!“, fragte Sheena aufgebracht.
„Nju…“, meldete sich Njujin in Sarys Armen zu Wort.
„Ah, wie süß!“, rief Rya begeistert und fing sofort an, Njujin zu streicheln.
Jetzt, wo Sary und Rya direkt nebeneinander standen, weiteten sich die Augen aller. Die beiden sahen bis auf die Frisur und Sarys abgemagerten Zustand so identisch aus, dass es sich bei ihnen nur um Zwillinge handeln konnte.
„D-D-Die… Die göttlichen Zwillinge!“, rief die Sylvarant-Gruppe verblüfft.
„Was?“, fragten Sary und Rya gleichzeitig, als sie merkten, dass sie die Aufmerksamkeit aller hatten.
Sie schauten sich an und dann wurde ihnen klar, warum alle sie anstarrten.
Die göttlichen Zwillinge wurden gefunden. Jetzt muss nur noch aus zwei eins gemacht werden.
Diesmal konnten alle Njujins Stimme hören.
„Was war das für eine Stimme?“, fragte Regal verwirrt.
„Vermutlich war das die Stimme, die Raine damals beim Kampf gegen den Dämonen in Izoold gehört hat“, vermutete Kratos.
„Also ist das Njujins Stimme?“, fragte Genis nachdenklich.
„Eeeeeeeh?! Njujins Stimme?! Ja, das würde Sinn machen…“, meinte Lloyd, der sich an die Stimme erinnerte, die er gehört hatte, nachdem er das zweite Mal die Vision gehabt hatte.
„Aber aus zwei eins machen? Was ist damit gemeint?“, fragte Sheena.
Geht zum Tor der Welten, wenn ihr soweit seid. Dort wird der Welt etwas zurückgegeben werden, was lange verloren war.
„Kann es sein, dass dieses Wollknäuel in ziemlichen Rätseln spricht?“, fragte Zelos und zeigte mit seinem Zeigefinger auf Njujin, was er besser nicht getan hätte, denn überraschenderweise biss Njujin zu.
Wurden dir keine Manieren beigebracht? Man zeigt nicht mit dem Zeigefinger auf andere Personen und man bezeichnet magische Wesen auch nicht als Wollknäuel!
„Wow! Das war jetzt unerwartet!“, meinte Lloyd lachend.
„Hehe, der gefällt mir, der ist putzig!“, kicherte Sheena.
„Habt ihr denn gar kein Mitleid mit mir? Mein makelloses Antlitz… Für immer ausgelöscht… Und seht nur! Ich verblute!“
Während Zelos eine theatralische Show ablieferte, stiegen die anderen auf die Rheairds.
„Lassen wir ihn einfach hier…“, schlug Sheena vor.
„Gute Idee!“, stimmte Lloyd ihr zu.
„H-Hey! Ihr könnt doch nicht einfach ohne mich los fliegen!“, rief Zelos empört.
„Tut mir Leid, aber für Schwerverletzte haben wir hier wirklich keinen Platz mehr!“, bemerkte Lloyd ironisch.
„Ach was, ich bin doch nicht schwer verletzt! Diesen Kratzer nehme ich doch mit links! Indianer kennen keinen Schmerz!“, sagte Zelos zuverlässig. (Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die dort überhaupt Indianer kennen XD)
„Indianer? Nun ja, vom Aussehen her fehlt ja nicht mehr viel…“, flüsterte Sheena Presea zu, worauf diese losprustete.
„Können wir dann jetzt?“, fragte Kratos genervt.
„Ja!!!“, riefen alle gemeinsam.
Kratos seufzte. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich fast denken, das hier sei ein Schulausflug… Schlimmer! Ein Kindergartenausflug…

Zu dieser Zeit war Raine schon längst auf dem Weg nach Heimdall. Turl Lig, den Dämonen in Sybak, hatte sie relativ schnell besiegt gehabt. Er hatte immer wieder wütend nach ihr geschlagen (und sie natürlich verfehlt) und war schnell erschöpft gewesen. Diesen Moment hatte Raine genutzt, um ihren Zauber zu sprechen. Innerhalb weniger Sekunden war nur noch ein Häufchen Asche übrig gewesen, ein wolkenloser Himmel und, das Wichtigste überhaupt, eine wunderbare Stille ohne Donnergrollen.
Aber wenn Raine ehrlich sein sollte, war sie schon ein wenig enttäuscht. Zwar hatte Turl Lig wenigstens nicht gezögert, sie anzugreifen, so wie Kalf Stax es erst getan hatte, aber trotzdem hatte sie ein bisschen mehr erwartet.
Pass auf, Sirn Rah wird nicht so leicht zu besiegen sein. Du solltest auf jeden Fall vorsichtig sein.
„Ja, klar…“, antwortete Raine monoton.
Sie war total müde. Letzte Nacht hatte sie kaum geschlafen, was nicht nur an den Alpträumen, sondern auch an ihrer Begegnung mit Goril lag.
Ach Raine, nicht mehr lange, dann hast du es hinter dich gebracht!
„Du meinst wohl eher, dann steht der letzte Kampf an…“, meinte Raine.
Nun, um den wirst du natürlich nicht herum kommen. Aber nach dem Kampf kannst du dann wieder machen, was du willst! Lesen… Unterrichten… Oder was du sonst tun willst!
„Die Vorraussetzung ist natürlich, dass ich den Kampf überlebe…“
Natürlich wirst du das! Wenn du stirbst, ist die Welt wirklich dem Untergang geweiht… Goril wird sie zu Grunde richten…
„Woher willst du das eigentlich wissen? Soweit ist es doch noch nie gekommen, oder?“
Nein. Aber einmal wäre es fast soweit gewesen, als…
Daraufhin schwieg Juell.
„Als was?“, fragte Raine neugierig.
Ich weiß nicht, ob ich dir das sagen darf…
„Das hört sich ja fast so an, als würde dir jemand das verbieten!“
Nun ja…
„Juell, verschweigst du mir etwas?“
Etwas ist gut… Ich muss dir so vieles verschweigen und dir so viele Lügen auftischen…
Q-Quatsch! Warum sollte ich? Hahaha… Ha…

„Sehr verdächtig…“, meinte Raine misstrauisch.
In diesem Moment erreichten sie den Ymir Wald. Die Sonne schien gleißend hell, so dass Raine ihre Augen mit der Hand schützen musste. Nach einiger Zeit hatte sie sich an das Licht gewöhnt und ging weiter nach Heimdall. Die Halbelfen durften die Stadt jetzt jederzeit betreten und wurden wie alle anderen auch behandelt.

Als die Gruppe in Sybak ankam, merkten sie sofort, dass alles wieder normal war. Also musste Raine den Dämonen schon besiegt haben.
„Lasst uns als Nächstes nach Flanoir fliegen“, schlug Genis vor.
Aber auch dort schien der Dämon schon besiegt worden zu sein.
„Hmpf. Dann ist sie in Heimdall. Dort befindet sich der letzte Dämon“, sagte Kratos.

Da Raine weder im Ymir Wald noch in Heimdall etwas Außergewöhnliches gesehen hatte, vermutete sie, dass sich Sirn Rah im Torent Wald, dem heiligen Wald der Elfen, aufhielt. Sie wusste den Weg zu dem Elementargeist Origin nicht auswendig (dort vermutete sie Sirn Rah) und war so auf die Hilfe der Eichhörnchen angewiesen. Da sie aber den Mana-Ring nicht bei sich hatte, musste sie die kleinen Tierchen mit Steinen aus den hohlen Baumstämmen, die ihnen als Versteck dienten, scheuchen. Vollkommen ruhig ging sie durch den Wald. Bei dieser Atmosphäre konnte man gar nicht nervös sein.
„Wenn ich hier so lang gehe, vergesse ich fast die Aufgabe, die ich erfüllen muss…“, murmelte Raine.
Solange, bis du Sirn Rah dann gegenüber stehst…
Raine seufzte. „Ja…“
Als sie die Lichtung erreichte, wo Origins Stein stand, hielt Raine die Luft an. Sirn Rah war ein weiblicher Dämon! Sie hatte feuerrote Haare, die ihr bis zur Taille reichten, einen Stein von der gleichen Farbe auf der Stirn, trug ein gelbes Kleid und tanzte vergnügt.
„I-Ich wusste gar nicht, dass es auch weibliche Dämonen gibt…“, murmelte Raine.
Klar gibt es die! Warum denn auch nicht?
„Ich weiß nicht… Es überrascht mich halt…“
Vollkommen ruhig drehte sich Sirn Rah um.
„Willkommen, Dämonenjägerin!“, begrüßte Sirn Rah sie.
Dabei klang ihre Stimme so freundlich, dass Raine nicht verstand, warum sie sich ausgerechnet vor ihr in Acht nehmen sollte. Ihr erster Eindruck war, dass sie sich genau wie Kalf Stax besiegen lassen würde.
„Würdest du gerne tanzen?“, fragte Sirn Rah liebenswürdig.
„Was?“
Raine war total irritiert. Aber schon hatte Sirn Rah ihre Hand ergriffen und sie drehten sich im Kreis.
„Tanzen ist eine wunderbare Beschäftigung, findest du nicht auch?“, wollte Sirn Rah wissen.
„Ich habe noch nie drüber nachgedacht…“, meinte Raine.
Langsam wurde ihr schwindelig.
Raine, lass dich nicht von ihr täuschen! Sie wartet nur auf eine Gelegenheit, dich anzugreifen!
„Hmm… Hast du Hunger? Ich habe hier Kuchen und Tee“, sagte Sirn Rah und bot Raine beides an. (Keine Ahnung, wo die das her hat, ist ja auch eigentlich egal… XD)
Tatsächlich hatte Raine seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und das war auch sehr mager gewesen. Zögernd griff sie nach einem Stück.
Raine! Was ist, wenn es vergiftet ist?
Aber letztendlich war Raines Hunger stärker als ihre Vernunft und innerhalb weniger Sekunden hatte sie drei Stücke Kuchen verspeist. (Respekt! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass sie da schon… Nun, den Rest kann ich nicht sagen! XD)
„Ach, es ist schön, wenn man Gäste hat…“, sagte Sirn Rah lächelnd.
Sirn Rah benahm sich so anders, dass Raine sie fast nicht mehr als Dämon ansah, trotz der grauen Haut und dem roten Stein auf ihrer Stirn. Sie benahm sich wie eine Dame und je länger Raine Sirn Rah betrachtete, desto weniger wollte sie diesen Dämonen vernichten. Es musste doch noch eine andere Möglichkeit geben.
Raine, du darfst ihr nicht trauen! Meine Güte, wenn ich dir sage, dass Dämonen nichts Hinterhältiges im Sinn haben, bist du misstrauisch und wenn ich dir sage, dass sie nur auf eine Gelegenheit warten, dich zu töten, dann vertraust du ihnen! Da ist irgendetwas verkehrt!
Juell, sei endlich still!, dachte Raine wütend.
Sie würde Sirn Rah nichts antun können. Dafür war sie viel zu nett.
Raine! Sie gehört zu den Dämonen! Sie will dich töten!
„Ich habe gesagt, du sollst still sein! Hör endlich auf, dich in meine Angelegenheiten einzumischen!“, rief Raine.
Raine… Sie scheint dich wohl schon um ihren kleinen Finger gewickelt zu haben…
„Tut mir Leid. Ich musste nur einer lästigen Person in mir die Meinung sagen“, erklärte Raine Sirn Rah.
„Schon gut. Komm mit, ich zeige dir was!“, meinte Sirn Rah und zog Raine mit zu einem kleinen See.
Sie schnipste mit den Fingern und kurz darauf erschienen alle möglichen Tiere.
„Wie du siehst habe ich hier schon viele Freunde gefunden.“
„Sie sind alle so zahm… Das hat bestimmt viel Zeit gebraucht…“, meinte Raine beeindruckt und streichelte ein Reh.
„Allerdings…“, meinte Sirn Rah.
Jetzt, wo Raine ihr den Rücken zugewandt hatte, kam aus Sirn Rahs Hand eine Flamme, die kurz darauf zu einem feurigen Schwert wurde.
„Zeit ist ein gutes Stichwort. Ich fürchte, deine ist abgelaufen. Du hättest vielleicht auf diese innere Person hören sollen!“
Erschrocken drehte sich Raine um. Sie sah schon das Schwert auf sie zukommen, als auf einmal jemand ihren Namen rief.
„Raine!“
Jemand landete direkt vor ihr und zog sein Schwert.
„Kratos!“
„Sieh an, sieh an… Eigentlich sollte die Dämonenjägerin in der Lage sein, sich selber zu beschützen und sollte keinen Beschützer haben“, sagte Sirn Rah.
„Wer spricht hier von einem?“
Nach und nach landeten Genis, Lloyd und die anderen auf der Lichtung. Nur einer schaffte es, genau im See zu landen und damit die Tiere zu verschrecken – Zelos.
„Dieser Idiot…“, seufzte Sheena.
„Beschützer? Das ich nicht lache! Die meisten von euch scheinen mir noch Kinder zu sein!“
„Was hat das damit zu tun?! Ich werde meine Schwester mit all meiner Macht beschützen!“, schrie Genis wütend.
„Soso, du bist also ihr Bruder…“, murmelte Sirn Rah.
„Ihr solltet wegrennen! Ich will euch nicht unnötig in Gefahr bringen!“, rief Raine.
„Vielleicht solltest du erst einmal lernen, dich nicht selber in Gefahr zu bringen. Denn sobald du in Gefahr bist, werden wir kommen, um dich zu beschützen!“, sagte Kratos.
„Ich schaff das schon allein!“, meinte Raine von sich selbst überzeugt.
„Raine, es geht nicht darum, ob du es schaffst oder nicht! Du sollst nur nicht immer alles auf deine Schultern nehmen! Wir sind als deine Freunde immerhin verpflichtet, dir zu helfen!“, rief Sheena.
Raine, auch wenn sie nicht viel bewirken können, solltest du ihre Hilfe annehmen!
„Aber was ist, wenn ihnen etwas passiert?“
Du wirst ihnen vertrauen müssen.
„Seid ihr jetzt fertig mit eurem unwichtigen Gespräch? Ich langweile mich…“, gähnte Sirn Rah.
„Greif doch an, du Monster!“, rief Genis.
„Na warte, Knirps! Eine Dame einfach Monster zu nennen! Dafür wirst du büßen!“, schrie Sirn Rah und ging bedrohlich auf Genis zu.
„Bäh!“, sagte Genis und streckte ihr die Zunge heraus.
„Raine, konzentrier du dich nur auf deinen Zauber, verstanden? Wir lenken sie solange ab!“, sagte Kratos.
„Aber…“
„Kein aber!“
Raine versuchte, ihren Zauber einzusetzen. Doch die Angst um ihre Freunde war so groß, dass sie sich einfach nicht mehr an die Worte erinnern konnte.
Raine, beruhige dich! Du musst ihnen vertrauen! Ihnen passiert schon nichts!
Aber es brachte nichts. Der Kampfeslärm, den sie hörte verunsicherte sie nur noch mehr und sie fiel mit geschlossenen Augen, den Händen auf den Ohren und mit Tränen im Gesicht auf die Knie und murmelte: „Ich kann es nicht… Ich kann es einfach nicht…“
Verdammt noch einmal, reiß dich zusammen! Du hast es doch sonst auch immer geschafft, egal ob die anderen dabei waren oder nicht! Haben Nub Elds Illusionen immer noch so großen Einfluss auf dich? Das ist doch lächerlich! Du weißt, dass es nur eine Illusion war!
„Und der Angriff auf Kratos? Das war keine Illusion!“, protestierte Raine.
Aber es war nichts Schlimmes!
„Es hätte aber schlimmer ausgehen können!“
Meine Güte, Raine! Das war Glück! Warum vertraust du diesem Glück dann jetzt nicht?
Tse, jetzt spreche ich auch schon von diesem Glück… Dabei sollte sie hoffen, dass die Schutzengel ihre Arbeit gut machen…

„Glück? Was ist Glück? Sonst heißt es doch immer, mein Leben wäre schon vorherbestimmt, wie soll ich dann Glück oder Pech haben können? Was bringt es dann noch, zu hoffen, wenn es sowieso nichts ändert?“
Raine, hör auf, zu philosophieren, dafür haben wir jetzt keine Zeit. Du willst doch nicht, dass deinen Freunden etwas passiert, oder? Dann solltest du jetzt vielleicht langsam mal Sirn Rah besiegen, sonst kann es gut sein, dass sie verletzt werden.
Kaum hatte Juell das gesagt, als Colette stolperte und fast von dem Flammenschwert durchstochen worden wäre, hätte Zelos sie nicht im letzten Moment in Sicherheit gebracht. (Mal nicht Lloyd XD)
„Vielleicht hast du Recht…“, murmelte Raine.
Nein, Raine! Nicht ‚vielleicht’! Ich habe Recht!
Neuer Mut ergriff Raine. Wenn sie nicht bald etwas tun würde, würden ihre Freunde mit Sicherheit verletzt werden. Raine schloss die Augen und blendete alle Geräusche aus. Sie hörte nur noch ihren regelmäßigen Atem, das wilde Klopfen ihres Herzens und das Rauschen ihres Blutes, welches sie zur Dämonenjägerin machte. Sie hatte einen klaren Kopf und zum ersten Mal in ihrem Leben sah sie nicht durch ihre Augen, sondern durch ihr Herz. Allerdings wäre es ihr lieber gewesen, sie hätte nichts gesehen. Lloyd kämpfte alleine gegen Sirn Rah. Die anderen wollten ihm helfen, wurden aber von den Tieren aufgehalten, die Sirn Rah inzwischen in Monster verwandelt hatte. Es dauerte nicht lange und Lloyd verlor beide Schwerter. Das Flammenschwert kam ihm bedrohlich nahe. Raine schrie innerlich auf. Sie wollte nicht, dass Lloyd etwas geschah. Die uralten Worte, deren Bedeutung sie immer noch nicht kannte, kamen ihr über die Lippen.
„Tarim syrax faboyo, sen danave mana ju wedin firmo ko sen sileve murix alic tromium!“
Aber anders als sonst, schoss kein Lichtblitz auf den Stein an der Stirn des Monsters zu, sondern im nächsten Moment hielt Raine ein Schwert aus purem Licht in der Hand.
„W-Was soll das? Ich habe doch den gleichen Zauber benutzt wie immer…“, wunderte sich Raine.
Ich denke, du hast dich diesmal stärker konzentriert und deswegen ist der Lichtblitz diesmal zu einem Schwert geworden.
„Aber was soll ich damit? Ich kann mit einem Schwert nicht umgehen!“
Ich fürchte, dass wir darauf jetzt keine Rücksicht nehmen können. Du bist die Einzige, die dieses Schwert benutzen kann. Und es ist zu spät, den Zauber jetzt noch einmal anzuwenden. So wie es aussieht, hast du nämlich gerade die allgemeine Aufmerksamkeit auf dich gezogen.
Juell hatte Recht. Jeder, egal ob Mensch, Dämon, Monster oder sonst was, starrte sie an. Raine seufzte, nahm das Schwert in beide Hände und rief: „Sirn Rah! Lass meine Freunde in Ruhe, oder ich werde deinen Tod besonders schmerzvoll machen!“
Aber eigentlich war das eine Lüge. Raine zitterte am ganzen Körper. Sie hatte noch nie mit einem Schwert gekämpft und war sich ziemlich sicher, dass sie in einem Zweikampf keine Chance hatte, zu gewinnen.
So etwas darfst du dir gar nicht erst einreden, Raine! Du schaffst das bestimmt!
Schön, wenn wenigstens eine so optimistisch ist…, dachte Raine angespannt. (Fällt euch was auf? Jetzt ist es genau umgekehrt, Juell ist die optimistische, in Kapitel 6 war es noch Raine XD)
„Hahaha! Du willst mir einen schmerzvollen Tod bereiten? Dass ich nicht lache! Du kannst mit einem Schwert doch gar nicht umgehen!“, rief Sirn Rah selbstsicher.
„Lass dich nicht einschüchtern, Raine!“, ermutigte Genis sie.
Sirn Rah kam auf Raine zu. Als Erstes versuchte sie, Raines linke Schulter zu treffen, aber diese konnte noch rechtzeitig parieren. Sie schien überhaupt gar nicht so schlecht zu sein, wie sie zuerst gedacht hatte. Ohne Mühe parierte sie jeden Hieb des Flammenschwertes, fast sah es so aus, als wüsste sie im Voraus schon, wo Sirn Rah versuchen wollte, sie zu treffen.
So ist es richtig! Versuche, nicht mit deinen Augen zu sehen, sondern mit deinem Herzen, so wie du es vorhin getan hast! Deine Augen können dich täuschen, dein Herz jedoch nicht. Und vergiss nicht, dass du eins bist mit deinem Schwert! Es ist deine Macht, deine Energie. Es kann nur von dir geführt werden.
Raine schloss die Augen und ließ sich nur noch von ihrem Herzen leiten. Im ersten Moment zogen die anderen scharf die Luft ein, aber als sie sahen, dass Raine auch im ‚blinden’ Zustand den Angriffen ihrer Gegnerin mühelos ausweichen konnte, beruhigten sie sich wieder. Sirn Rah konnte noch so viele Finten anwenden, Raine wich ihnen allesamt aus und so war es nun an Sirn Rah, langsam zu verzweifeln. Ihre Angriffe wurden zögerlicher und letztendlich fand Raine eine passende Gelegenheit, um Sirn Rah den Garaus zu machen. Das Lichtschwert ragte aus dem Bauch des weiblichen Dämons, der Stein auf ihrer Stirn zersprang selbstständig und mit einem Schrei zerfiel Sirn Rah zu Asche.
„Das war es, oder? Wir haben alle Dämonen besiegt, nicht?“, fragte Lloyd in Feierlaune.
„Ja… Die Dämonen sind alle besiegt… Trotzdem war dies nicht der letzte Kampf…“, murmelte Raine.
„Was meinst du damit?“, fragte Zelos.
„Moment mal… Hat damals Loh Sou nicht gesagt, dass die Rückkehr von irgendeinem Kerl bevorsteht? Vielleicht müssen wir den auch noch besiegen?“, vermutete Genis.
„Dass du dich daran noch erinnerst… Ja, es stimmt. Goril wird bald zurückkehren. Er war es, der die Dämonen erschaffen hat. Aber einer meiner Vorfahren hat es geschafft, seine Seele in einem Kristall zu versiegeln“, erklärte Raine.
„In einem Kristall? Du meinst doch nicht etwa…“ Bevor Sheena ihren Satz beenden konnte, fiel Raine ihr ins Wort.
„Doch, es ist der Kristall, den ich in der Ruine in der Nähe von Triet gefunden habe…“
„Wird er vielleicht schwächer, weil Gorils Seele aus dem Kristall schwindet?“, fragte Regal.
„Er wird schwächer? Ja, das kann gut damit zusammenhängen. Gorils Seele scheint aus dem Kristall zu fliehen… Aber wohin?“, fragte Raine.
„Es gibt wahrscheinlich einen Körper, in den er flieht“, sagte Genis so, als wäre das eine ganz einfache Schlussfolgerung. (Was es ja auch war XD)
„Das ist mir schon klar! Aber wo befindet sich dieser Körper gerade?“, fragte Raine.
„Ist doch auch egal. Wir werden es ja wohl früh genug mitbekommen“, meinte Lloyd, der ahnte, in welchen Körper Gorils Seele floh.
„Aber wenn wir den Körper finden würden, könnten wir verhindern, dass Goril Besitz von dem Körper ergreift, indem wir ihn töten…“, erklärte Raine.
„Du würdest einen unschuldigen Menschen dafür umbringen?“, fragte Sheena schockiert.
„Wenn mir keine andere Wahl bleibt. Es ist immerhin, um…“
Mitten im Satz brach Raine ab. Sie überkam auf einmal eine Gänsehaut. Irgendetwas veränderte sich. Dunkle Wolken zogen auf, aber es war totale Windstille. Kein Geräusch war zu hören.
„Hmm… Anscheinend wird’s gleich regnen… Wir sollten hier weg, ich will nicht nass werden!“, sagte Zelos.
„Ja, ist ja schon gut… Wir haben hier sowieso alles erledigt…“, seufzte Sheena.
Während die anderen sich zum Gehen bewegten, blieb Raine auf der Stelle stehen. Sie konnte nicht sagen, was, aber sie spürte, besser gesagt wusste sie, dass sich etwas näherte. Und zwar nichts Gutes. (Mensch, sie kann so etwas irgendwie immer spüren XD)
„Raine, was ist denn nun? Willst du etwa wieder krank werden?! Das lasse ich nicht zu!“, rief Genis und wollte sie schon mitziehen, aber Raine wehrte sich.
„Seid mal leise!“, rief sie den anderen besorgt zu.
Auch wenn sie nicht genau wussten, warum, waren alle für eine Weile still.
„Ich höre ein Flüstern… Aber… Es ist zu leise, um Worte verstehen zu können…“, murmelte Raine.
„Ganz sicher, dass das nicht der Wind ist?“, fragte Zelos.
„Schon bemerkt, dass kein Wind geht, Idiot?“, meinte Sheena und verpasste ihm eine Kopfnuss.
„Aua! Dafür musst du mich doch nicht gleich schlagen!“, beschwerte sich Zelos.
Mit einem Mal war es stockfinster. Man konnte die eigene Hand vor Augen nicht sehen. Und jetzt konnten alle ein lautes Flüstern wahrnehmen. (Ah mann, es ist nicht direkt ein Flüstern… Es hört sich so ähnlich an wie Shadows Stimme…)
„Ich werde… euch alle töten!“





Signatur


Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

© by DelFina18



DelFina18 ...
~Kraine no Aikosha~
...............

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...   Erstellt am 30.07.2007 - 14:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 12: Das Loch der Angst und Verzweiflung

„Ich werde… euch alle töten!“
Es waren weniger die Worte, sondern diese unheimliche Stimme, die allen einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Finsternis und sie konnten wenigstens Schemen erkennen.
„Was war das für eine Stimme?“, fragte Presea gefasst.
„Ich weiß es nicht…“, antwortete Raine.
Das war Nuriel, der König der Dämonen und Herr der Finsternis.
Njujins Stimme war wieder einmal für alle zu hören.
„Der König der Dämonen?! Wie kann das sein?! Wir haben doch alle besiegt, oder etwa nicht?!“, fragte Lloyd irritiert.
Nuriel… Das ist der Name von Gorils Vater!
„Was?! Aber dann… dann… ist Goril der Sohn eines Dämonen? Aber ich dachte, er hätte die Dämonen erschaffen!“, rief Raine.
Auch die anderen waren von dieser Nachricht geschockt.
Es stimmt, Nuriel ist Gorils Vater. Auch wenn Nuriel ein Dämon ist, so ist er doch anders als die, die ihr bis jetzt getroffen habt, da die anderen künstlich geboren worden sind. Er hat nicht den Schutz, die Gorils Dämonen hatten, dass heißt, jeder, der stark genug ist, kann ihn besiegen. Allerdings solltet ihr euch vor ihm in Acht nehmen! Mit ihm ist nicht zu spaßen! Vor allem solltet ihr euch vor den Klauen, die er ab und zu heraufbeschwört, hüten. Sobald er euch gefasst hat, wirft er euch in Loch, das durch Angst und Verzweiflung entstanden ist. Bis jetzt ist noch niemand aus diesem Loch zurückgekehrt, weder tot noch lebendig.
„Das wird schon werden…“, meinte Lloyd, aber seine Stimme war nicht so ruhig, wie er es gerne gehabt hätte.
„Wo ist denn Nuriel überhaupt?“, fragte Zelos nervös.
Er versteckt sich in den Schatten. Er versucht, euch zu überraschen.
„Wir sollten uns möglichst ruhig verhalten und auf jedes Geräusch achten. Haltet eure Waffen bereit“, flüsterte Kratos.
„Ich habe Angst…“, meinte Rya.
„Hey, Rya, ich bin doch bei dir! Ich werde nicht zulassen, dass dieser Kerl dir zu nahe kommt!“, munterte Sary sie auf.
Aber in Wirklichkeit war hatte sie selber Angst und ihre Knie zitterten. Es war eine grausame Zeit des Wartens. Nichts tat sich und alle wurden langsam ungeduldig. Es war für sie nicht das Schlimmste, zu wissen, dass in den Schatten ein gefährlicher Gegner lauerte, sondern nicht zu wissen, wann er angreifen würde. Während alle die Augen offen hielten und sich fast nicht trauten, zu blinzeln, sah Raine wieder einmal mit ihrem Herzen – eine Fähigkeit, die sich wieder einmal als nützlich erwies. Denn nur so sah sie, dass sich eine riesige Klaue Rya und Sary näherte, die dicht aneinander gedrängt standen. Ohne weiter nachzudenken, rannte Raine los und schubste die beiden zur Seite. Gerade noch rechtzeitig, denn schon im nächsten Moment spürte sie eine Klaue um ihren Körper. Unter ihren Füßen tat sich ein Loch auf. Sie spürte, wie sie losgelassen wurde. Wie in Zeitlupe fiel sie in das Loch. Sie sah nur noch die erschrockenen Blicke ihrer Freunde, danach wurde sie von Dunkelheit umhüllt und sah nicht mehr, wie einer ihrer Freunde ihr hinterher sprang, ohne zu zögern und wohl auch ohne darüber nachzudenken.

Es ist vorbei… Jetzt hat alles ein Ende…
Das waren die einzigen Gedanken, die Raine hatte. Sie war befreit von ihrer Aufgabe, denn diesen Sturz würde sie nicht überleben. Und mit ihr würde die Welt sterben. Fast erleichtert ließ sich Raine einfach fallen. Sie fragte sich, ob der Aufprall wohl schmerzvoll sein würde, ob es überhaupt einen Aufprall geben würde. Vielleicht würde sie auch für alle Ewigkeit fallen. Aber eigentlich interessierte Raine das nicht. Sie war an ihrer Aufgabe gescheitert und konnte sich jetzt endlich wieder entspannen. Trotzdem spürte Raine eine tiefe Traurigkeit. Sie würde ihre Freunde nie wieder sehen, nie wieder eine Ruine betreten können und nie mehr ein Buch lesen können. Was würde wohl aus ihrem Bruder werden? Er war doch noch ein Kind. Aber er hatte wenigstens Freunde, die sich um ihn kümmerten. Raine hatte damals niemanden gehabt, als sie mit elf Jahren ihren Bruder hatte alleine aufziehen müssen. Sie war allein gewesen, genau wie jetzt. Im Stich gelassen von der Welt. Warum sollte dann ausgerechnet sie die Welt retten? Wie man sah, war sie für diese Aufgabe wirklich nicht geeignet. Warum hatte das Schicksal sie ausgesucht? Es musste sich um einen Irrtum handeln. Deswegen sollte sie jetzt auch sterben. Sie war der Aufgabe, die Welt zu retten nicht würdig. Bei diesem Gedanken wurde sie wütend. Um die Dämonen zu besiegen war sie wohl noch gut genug, aber um es mit Goril aufzunehmen etwa nicht?! Das Schicksal hatte mit ihr gespielt; sie war eine Puppe gewesen. Und wie ein kleines Kind ein Spielzeug wegwarf, weil das Neue viel toller war, so schmiss das Schicksal sie weg, weil sie seiner Meinung nach der Aufgabe nicht gewachsen war. Dabei hatte sie doch die Dämonen besiegt, so wie es von ihr verlangt worden war. Was hätte sie denn noch tun sollen?
„Das ist ungerecht… Das ist einfach ungerecht!!!“, schrie sie und Tränen rannten über ihr Gesicht.
„Beruhige dich, Raine. Es wird alles gut!“, sagte eine sanfte Stimme zu ihr.
Langsam öffnete sie die Augen. Zuerst war alles verschwommen und sie sah nur ein buntes Bild an Farben, aber dann sah sie wieder scharf und erkannte, wer sich, mit der blauen Kerze in der Hand, über sie gebeugt hatte.
„Lloyd… Was machst du hier? Wo genau sind wir?“ (Haha, damit habt ihr nicht gerechnet, oder?! Es ist mal nicht Kratos oder Genis! Nein, es ist Lloyd! ^^)
Ein wenig beschämt rieb Lloyd sich den Kopf.
„Ich habe nicht nachgedacht und bin einfach in dieses Loch gesprungen… Irgendjemand muss dich doch beschützen…“ (Fällt euch was auf? Richtig, er duzt sie. Komisch zum Schreiben, es passt einfach nicht zu Lloyd… Aber ich will etwas erreichen… Und dann ist es besser, wenn Lloyd Raine duzt. Abgesehen davon kennen sie sich schon lange genug und Raine ist ja auch nur sechs Jahre älter als er…)
„Ach Lloyd…“, murmelte Raine und sah ihn sanft an.
„Dank meiner Flügel konnte ich unseren Fall abbremsen. Aber ich glaube nicht, dass ich uns zur Oberfläche fliegen könnte. Der Weg ist zu lang und außerdem hat sich das Loch geschlossen, nachdem ich rein gesprungen bin…“
„Heißt das, wir kommen hier nicht mehr raus?“, fragte Raine besorgt.
Natürlich kommt ihr hier raus! Du hast eine Aufgabe zu erfüllen, Raine! Und wehe, du denkst noch einmal, dass das Schicksal dich weggeworfen hat! Es gibt nun einmal gewisse Hindernisse, die du überwinden musst. Das müssen alle Helden! Und wenn ich zu dir hätte vordringen können, hätte ich dir das vorhin schon gesagt!
„Juell!“, rief Raine erstaunt, denn sie hatte sie schon fast wieder vergessen gehabt.
Es ist mir ein Rätsel, wie du mich ständig vergessen kannst…
„Tut mir Leid…“
„Ich bin mir sicher, dass zumindest du hier raus kommst, Raine“, meinte Lloyd.
„Wie kannst du dir da so sicher sein?“, fragte Raine.
„Weil… Weil ich eine Vision hatte, in der du vorkamst…“, meinte Lloyd, der den Blick zum Boden gesenkt hatte.
„Eine Vision? Wovon handelte sie?“
Lloyd schwieg eine Weile. Dann sagte er: „Ich weiß nicht, ob ich dir das sagen sollte…“
„Oh, verstehe schon… Es ist keine Gute, was?“
Hast du schon einmal gehört, dass jemand eine gute Vision hatte? Visionen sind grundsätzlich schlecht. Aber sie zeigen immer nur einen Teil der Zukunft. Selbst wenn der Teil, den man sieht, schlecht ist, so heißt das noch lange nicht, dass das Ende auch schlecht ist.
„Also gut“, sagte Raine und stand auf, „Ich denke, wir sollten langsam einen Weg nach draußen finden.“
Die blaue Kerze war das einzige Licht, dass sie hatten. Sie gingen einen engen Höhlengang entlang, der sich nicht zu verändern schien. Selbst nachdem sie - ihrer Meinung nach - schon seit Stunden liefen, hatte sich nichts verändert. Der Stein war noch immer grau und rau, ein Ende immer noch nicht in Sicht.
Njujin hat gesagt, dass das Loch aus Angst und Verzweiflung entstanden ist. Ich denke, dass dieser Gang ebenfalls diese Gefühle wiedergibt. Wer den Sturz überleben sollte, so wie ihr, muss durch diesen Gang endloser Verzweiflung gehen… Die meisten würden an so etwas wahrscheinlich zu Grunde gehen.
„Ich weiß nicht, ob mich das jetzt aufgemuntert hat…“, meinte Raine trocken.
Ach Raine, du schaffst das schon, du bist stark genug.
„Das meinst DU…“, seufzte Raine.
Bis jetzt hast du mich noch nie enttäuscht!
„Der Gang scheint kein Ende zu haben… Ob wir die anderen jemals wieder sehen werden?“, fragte Lloyd traurig.
„Lloyd! Natürlich werden wir das! Du darfst nicht aufgeben!“, rief Raine aufmunternd.
Lloyd blieb stehen. „Aber es scheint so ausweglos zu sein… Es ist… zum verzweifeln! Es gibt kein Licht, kein Essen und Trinken und kein Ende! Wir werden hier sterben!“
Siehst du, bei ihm zeigt dieser Gang schon seine Wirkung.
„Wir haben doch die blaue Kerze! Das ist doch immerhin etwas! Und ein paar Stunden ohne Essen und Trinken wird uns ja wohl auch nicht gleich umbringen! Was das Ende betrifft… So bin ich mir sicher, dass es bald kommt! Du wirst sehen, bald sind wir wieder an der Oberfläche, wo alle auf uns warten!“
„Das ist doch nur ein Traum… Die Realität sieht anders aus…“
„Hör mir zu, Lloyd! Ich habe noch nie erlebt, dass du aufgibst! DU warst es immer, der uns aufgemuntert hat, weiterzumachen! Zum Beispiel als Sheena den Pakt mit Volt schließen musste, hast DU ihr geholfen, ihre Angst zu überwinden! DU hast deinem Vater klar gemacht, dass er sein Leben nicht aufgeben soll! Egal in welchen Situationen wir waren, DU warst es, der uns gesagt hat, dass alles wieder gut wird! Und du hast damit bis jetzt immer Recht gehabt! Das Wort „aufgeben“ sollte es in deinem Wortschatz gar nicht geben! Selbst als Kratos auf Derris-Kharlan war und es keine Möglichkeit zu geben schien, ihn wieder zurückzuholen, hast du trotzdem daran geglaubt, dass es einen Weg gibt! Du hast nicht aufgegeben, also reiß dich jetzt gefälligst zusammen!“, schrie Raine mit Tränen in den Augen.
Lloyd starrte sie mit aufgerissenen Augen an. Sie hatte Recht. Er durfte jetzt nicht aufgeben.
„Aber als Dad auf Derris-Kharlan war, haben Genis und du mir geholfen… Ihr habt mir gesagt, dass ich nicht aufgeben darf.“
„Scheint so, als müsse man dir das in letzter Zeit öfters sagen…“, meinte Raine lächelnd und wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Ich verspreche, ab jetzt werde ich nicht aufgeben, was auch immer passiert!“, schwor Lloyd.
„Das ist die richtige Einstellung!“
Mit neuer Hoffnung gingen sie weiter. Tatsächlich veränderte sich nach einer Weile etwas. Der Gang führte langsam nach oben und mit jedem Schritt wurde es heller.

Für Lloyd und Raine mochten Stunden vergangen sein, aber auf der Oberfläche war es erst ein paar Sekunden her, dass Raine ins Loch gefallen und Lloyd ihr hinterher gesprungen war.
„LLOYD! RAINE!“, schrie Kratos.
Genis fiel ohne ein Wort auf die Knie. Den anderen hatte es ebenfalls die Sprache verschlagen. Sie wussten, dass sie ihre beiden Freunde nie wieder sehen würden. Sie wussten auch, dass die Welt jetzt dem Untergang geweiht war, da Raine tot war.
„Selber Schuld, Dämonenjägerin! Musst dich ja nicht für die anderen opfern!“, sagte Nuriel mit seiner rauen, heiseren Stimme.
Er kam zum Vorschein. Er trug einen schwarzen Kapuzenumhang. Eine seiner skelettartigen Hände hielt eine Sense und die andere eine Sanduhr.
„D-Der Tod!“, rief Zelos erschrocken.
Das ist nicht der Tod, sondern Nuriel. Das ist eine seiner Lieblingserscheinungsformen, weil sich die meisten so den Tod vorstellen. Je mehr Angst er verbreitet, desto besser ist es für ihn. Er nährt sich von Angst, Verzweiflung, Wut, Hass, Trauer, kurz gesagt von allen negativen Gefühlen. Deswegen hat es auch noch keiner geschafft, ihn zu besiegen. Es ist mir bis heute ein Rätsel, warum sich Gorils Mutter, die eine Elfe war, mit ihm eingelassen hat.
„Eure Zeit ist gekommen!“, rief Nuriel, was sich auf Grund seiner leisen, wispernden Stimme eher so anhörte, als ob er das sagte.
„Du musst aber zugeben, dass er recht überzeugend wirkt…“, meinte Zelos ängstlich.
Das mag sein, aber letztendlich ist auch er nur ein ‚normaler’ Gegner.
„Wen nehme ich mir denn als nächstes vor?“, fragte Nuriel.
Im nächsten Moment war er wieder verschwunden.
„Wo ist er hin?“, fragte Presea, die Genis eine Hand auf die Schulter gelegt hatte. (Wie süß ^^)
„Seid vorsichtig! Nicht, dass noch mehr dieser Kralle zum Opfer fallen!“, rief Regal.
„Hmm… Ich glaube, als Nächstes muss der rothaarige Kerl, der aussieht wie ein Mädchen dran glauben… Dir werde ich einen besonders schmerzvollen Tod bereiten, nicht einen so Angenehmen wie der Dämonenjägerin“, war Nuriels klanglose Stimme zu vernehmen.
Keiner wusste, aus welcher Richtung er kommen würde, aber jetzt wussten wenigstens alle sein Ziel und so scharrten sie sich um Zelos, um ihn zu beschützen. Dieser hatte gemischte Gefühle. Einerseits freute er sich, mal wieder Aufmerksamkeit zu bekommen, andererseits fand er es gar nicht lustig, dass er das nächste Opfer sein sollte. Die Einzigen, die sich nicht um Zelos versammelt hatten, waren Kratos, der nicht glaubte, dass Nuriel auch wirklich das tat, was er angekündigt hatte und Genis, der immer noch am Boden saß und sich nicht rührte. Raines angeblicher Tod war ein so großer Schock für ihn gewesen, dass er regelrecht wie gelähmt war. Nie im Leben wäre er auf die Idee gekommen, dass er seine Schwester von einem Tag auf den anderen verlieren würde. Sein Schmerz schien grenzenlos zu sein und genau das war es, was Nuriel am liebsten hatte. Kratos wusste das und stand deswegen ganz bewusst in Genis’ Nähe. Er hatte Raine vielleicht nicht beschützen können, aber er würde nicht zulassen, dass ihr Bruder ebenfalls starb. Was Lloyd betraf, so verstand er nicht, warum er hinterher gesprungen war, wo Njujin doch vorher noch gesagt hatte, dass keiner aus dem Loch zurückkommt. Er hatte praktisch Selbstmord begangen. Nur war Kratos sich nicht ganz sicher, ob Lloyd das in dem Moment bewusst gewesen war. Trotzdem machte sich Kratos Vorwürfe. Er hätte seinen Sohn aufhalten müssen.
„Hmm… Was nehme ich denn mal? Schmerzen oder Schuldgefühle? Beides so verlockend…“, flüsterte Nuriel.
In diesem Moment wurde Kratos klar, dass er einen Fehler begangen hatte. Er durfte jetzt nicht an Raine oder Lloyd denken, sondern er musste sich auf den Kampf gegen Nuriel konzentrieren, den er nur gewinnen konnte, wenn er nur positive, am besten gar keine Gefühle zeigte. Er musste sein Herz erkalten lassen, so wie er es früher immer getan hatte, um von anderen nicht verletzt zu werden. Seit er seinen Sohn und seine Freunde kennen gelernt hatte, war er viel zu warmherzig geworden.
Mit seinem Engelsgehör vernahm Kratos ein leichtes Rascheln, dass vermutlich von Nuriels Umhang kam. Er zog sein Schwert und stellte sich vor Genis – gerade noch rechtzeitig, denn mit seinem Schwert hatte er gerade noch die Sense abhalten können, die ansonsten Genis’ Arm abgetrennt hätte.
„Gar nicht mal so übel… Und wie ich merke, versuchst du, dir ein Herz aus Eis zu schaffen… Hmm… Du könntest ein würdiger Gegner sein…“, bemerkte Nuriel mit seiner rasselnden Stimme.
„Ganz genau. Ich bin dein Gegner. Die anderen lässt du da raus!“, rief Kratos.
„Hahaha! Und du glaubst, da würde ich mich dran halten? Warum sollte ich?“
„Weil du sonst einen sehr schmerzvollen Tod erleben wirst!“
„Aha. Dieser Hass in deiner Stimme gefällt mir. Mach weiter so!“
Kratos knirschte mit den Zähnen. Er hatte seine Gefühle immer noch nicht im Griff.
„Nun gut. Ich denke, ich werde auch mit dir fertig, ohne dass ich deinen Freunden dafür etwas antun muss. Aber nach deinem Tod kann ich nicht versprechen, dass ich sie in Ruhe lasse“, meinte Nuriel siegessicher.
„Soweit wird es nicht kommen“, sagte Kratos ruhig.
„Bin ich nicht mehr das Opfer?“, fragte Zelos ein wenig irritiert.
„Nein, so wie es aussieht, hast du Glück gehabt“, antwortete Sheena.
„Wir sollten Genis dort wegholen. Wenn die beiden gleich kämpfen, ist es dort zu gefährlich“, bemerkte Regal.
„Da hast du Recht!“, stimmte Colette zu.
Regal trug Genis zu dem kleinen See, wo sie ihn hinlegten. Er war inzwischen ohnmächtig geworden und hatte Fieber. Sie legten ihm ein nasses Tuch auf die Stirn, aber mehr konnten sie auch nicht tun.
„Der Arme… Er hat seine Schwester und seinen besten Freund verloren…“, meinte Sheena mitfühlend.
„Ich weiß nicht genau wie… Aber ich bin mir sicher, dass Lloyd und Professor Raine noch am Leben sind… Beide sind stark. Ich bin mir sicher, dass sie bald wieder hier sind…“, sagte Colette überzeugt.
„Ach Colette… Wie sehr ich mir wünsche, dass du Recht hast…“, seufzte Presea.
Währenddessen begann der Kampf zwischen Kratos und Nuriel. Njujin hatte sich auf Kratos’ Schulter positioniert, um ihm eventuell hilfreiche Tipps zu geben.
Nuriel griff Kratos an, aber dieser konnte den Schlag leicht parieren.
„Du hast ja einen ziemlich lebensmüden Sohn – vielleicht sollte ich eher sagen, du hattest! Hahaha!“ (Woher der nun weiß, dass Kratos Lloyds Vater ist, weiß ich auch nicht so genau… Er ist halt gut informiert ^^)
„Wenn du versuchst, mich zu provozieren, so wird dir das nicht gelingen“, meinte Kratos.
Gut so. Seine Stärke liegt nicht in seinen Angriffen, sondern in seinen Worten, die bei den meisten negative Gefühle auslösen.
„Begeht einfach Selbstmord… Nun ja, um so einen Dummkopf ist es bestimmt nicht schade.“
„Quatsch nicht, sondern kämpfe!“, rief Kratos und versuchte, Nuriels Seite zu treffen, aber im nächsten Moment war er verschwunden.
„Du hast ihn nicht einmal davon abgehalten, zu springen. Was für ein mieser Vater du doch bist!“, hauchte Nuriel höhnisch in Kratos’ Ohr.
Aber als Kratos sich umdrehte, sah er niemanden.
„Du bist doch auch kein besserer Vater! Wenn du deinen Sohn richtig erzogen hättest, wäre die Welt jetzt nicht dem Untergang geweiht!“, konterte Kratos.
„Wer sagt, wann eine Erziehung richtig oder falsch ist? Vielleicht wollte ich ja, dass er so wird, wie er ist? Abgesehen davon lag es nicht an der Erziehung, sondern an seinem Blut, das eine Mischung aus Dämonen- und Elfenblut ist. Beide Arten sind magisch und in den meisten Fällen vertragen sie sich nicht und… Ach, ich komme vom Thema ab! Wenn du die Welt hättest retten wollen, hättest du vielleicht die Dämonenjägerin beschützen oder sie davon abhalten sollen, sich für ihre Freunde zu opfern!“
Das war ein wunder Punkt bei Kratos. Er hätte nicht nur seinen Sohn, sondern auch Raine vorm Tod bewahren können, wenn er anders gehandelt hätte. Er spürte, wie das Herz aus Eis, was er mühsam versucht hatte, zu erschaffen, langsam schmolz. Er hatte seine Gefühle einfach nicht im Griff und sobald Nuriel wieder auftauchte, griff er wütend und ohne Sinn und Verstand an.
Nein, Kratos, nicht! Du darfst ihn nicht im Zorn angreifen! Das verschlimmert die Sache nur!
Aber Kratos hörte Njujin nicht mehr. Er verspürte nur noch Wut und Hass auf Nuriel und wollte ihn einfach nur töten. Als er Nuriel dann endlich das Schwert durch die Brust rammte, dachte er schon, er hätte sein Ziel erreicht, doch er musste feststellen, dass es Nuriel nichts auszumachen schien und er sah auch nirgendwo Blut. Er war einen Moment verblüfft und er sah dadurch eine Finte von Nuriel nicht. Im nächsten Moment flog das Schwert aus seiner Hand und er lag am Boden.
„Aah, was für wundervolle Gefühle das sind! Hass… Wut… Verzweiflung… Ich könnte mich stundenlang daran ergötzen! Aber ich fürchte, es warten noch andere Opfer auf mich… Also lass uns diesen Kampf zu Ende bringen!“
Nuriel hob die Sense. Kratos hatte die Augen geschlossen. Gleich würde alles vorbei sein, sein Kopf würde rollen. Er hörte, wie die anderen erschrocken die Luft anhielten. Langsam senkte sich die Sense. Kratos wurde langsam ungeduldig. Es schien eine Ewigkeit zu dauern.
„Hey, Dämon! Willst du dich nicht mit einem würdigen Gegner anlegen?!“, rief eine Stimme und aus dem Wald traten zwei nur zu bekannte Personen.
„Raine! Lloyd!“, riefen alle verwundert.
„Ihr lebt ja!“, sagte Sheena verblüfft.
„Denkst du etwa, so ein kleines Loch würde uns umbringen? Dafür sind wir zu zäh!“, meinte Lloyd.
„Genau wie ich gesagt habe!“, freute sich Colette.
„Sehr merkwürdig… Das kann eigentlich nicht sein. Aber du bist ja auch die Dämonenjägerin, da ist es ja nicht einmal so verwunderlich“, sagte Nuriel, der die Sense immer noch drohend über Kratos’ Hals hielt.
„Lass ihn sofort gehen, Nuriel!“, rief Raine mit ernster Stimme.
„Raine, das geht schon…“, meinte Kratos.
„Was soll das heißen, ‚das geht schon’?! Du wirst hier fast geköpft und du meinst, das geht schon?! Das geht gar nicht!“
„Ach, komm schon, Raine! Ich hatte alles unter Kontrolle!“, rief Kratos.
„Alles unter Kontrolle?! Ich glaube, du hast einen Schlag auf den Kopf bekommen! Nichts hast du unter Kontrolle! Man kann dich echt nicht aus den Augen lassen!“
„Aber dich, was?! Man passt eine Sekunde mal nicht auf und schon fällst du in irgendein Loch!“, konterte Kratos.
„Entschuldigung, dass ich mich für Rya und Sary geopfert habe! Aber du hast ja nicht mal mit deinem Engelsgehör gemerkt, dass er sich den beiden nähert!“
„Ähm… Was ist jetzt mit dem Kampf?“, fragte Nuriel ein wenig kleinlaut.
„Halt die Klappe! Wir müssen das hier erst regeln!“, schrie Raine.
„Ich kann mich ja nun nicht um alles kümmern!“, rief Kratos.
„Wann hast du dich denn mal um was gekümmert?! Bis jetzt warst du mir nur im Weg!“
„Wisst ihr, irgendwie mag ich euren Streit nicht… Er ist nicht wie ein normaler Streit sein sollte… Irgendwie so, als wäre er…“, murmelte Nuriel, aber keiner schien ihn zu hören.
„Gut, wenn du das so siehst, kann ich ja gehen!“, meinte Kratos, stand auf und schob die Sense zur Seite, als wäre es nur ein Brotmesser.
„Hey, du kannst doch jetzt nicht einfach gehen!“, beschwerte sich der Herr der Finsternis.
„Wie du siehst!“
Auch die Freunde waren ein wenig irritiert. Nuriel verhielt sich nicht mehr so, wie er sich vor einigen Minuten verhalten hatte und Kratos und Raine stritten sich zu einem der ungünstigsten Zeitpunkte, die es gab.
„Tse. Du hast dich nicht einmal gefreut, dass ich noch am Leben bin…“, murmelte Raine.
Kratos blieb stehen.
„Glaubst du wirklich, ich hätte mich nicht gefreut?“, fragte er und drehte sich um. „Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht, weil ich dich und Lloyd nicht habe beschützen können!“
„Wirklich?“, fragte Raine.
„Der Streit… ist nicht aus Hass… sondern aus Liebe! Bah, das ist ja widerlich! Hört sofort auf damit, da geht man ja bei ein!“, rief Nuriel angewidert.
„Raine, versprich mir, dass du ab jetzt in keine so gefährlichen Situationen kommst!“, forderte Kratos.
„Ich denke nicht, dass…“, wollte Raine protestieren, aber Kratos sagte: „Versprich es mir einfach!“
„In Ordnung, ich verspreche es. Aber ich verspreche nicht, dass ich mein Versprechen nicht breche!“
Kratos lachte. „In Ordnung.“
„Hört auf, hört auf, hört auf! Ich ertrage das nicht mehr länger! Warum könnt ihr nicht einfach Angst haben oder verzweifelt sein? Hasst mich doch wenigstens!“, rief Nuriel verärgert.
„Warum sollten wir? Ich bin mir sicher, dass du nichts dafür kannst, dass du so bist, wie du bist. Vielleicht ist ja auch dein Sohn daran Schuld?“, fragte Raine.
„Mein Sohn, mein Sohn… Ja verdammt, er ist an allem Schuld! ER hat seine Mutter mit 5 Jahren getötet und nicht die geringste Reue verspürt! ER hat mir die Haut vom Leib gerissen, das Blut aus den Adern gesaugt, meine Organe entfernt und damit seine Dämonen erschaffen! Und er hatte nicht einmal die Güte, mich zu töten, nein! Er hat mich mit seiner Magie am Leben erhalten und mich zu einem Gerippe gemacht, dass sich von den negativen Gefühlen der Lebewesen ernährt!“, erklärte Nuriel und nahm die Kapuze ab.
Tatsächlich war er nur noch ein Skelett, das lebte. Die Freunde versuchten, ihre Angst zu unterdrücken, denn das hätte Nuriel wieder stark gemacht.
„Du bist schon arm dran, Nuriel! Aber du kennst ja sicherlich den Spruch ‚Besser arm dran als Arm ab’“, meinte Zelos und klopfte ihm auf die Schulter, worauf der ganze Skelettarm abfiel. „Upps, das wollte ich nicht, tut mir Leid!“ (XD)
„Schon gut, das passiert mir in letzter Zeit häufiger… Aah, ich glaube, ich muss gehen… Bei euch fühl ich mich einfach nicht wohl…“
„Hey, das kannst du doch nicht machen!“, rief Sheena.
„Wie du siehst!“, meinte Nuriel.
„Nun… Dann haben wir wohl keine andere Wahl…“, meinte Sheena und ein Grinsen machte sich über ihr ganzes Gesicht breit.
„Was meinst du damit?“, fragte Lloyd.
„Nun, wir können ihn nicht einfach gehen lassen. Und da unser kumpelhaftes Benehmen wohl noch nicht ausgereicht hat, um ihn zu töten, müssen wir wohl eine Stufe höher gehen…“
„Woher willst du wissen, dass wir ihn so töten können?“, fragte Zelos.
„Schau ihn dir doch an! Mit einer Waffe geht es nicht, das haben wir ja schon gesehen! Außerdem ist er ziemlich geschwächt dadurch, dass wir eher positive Gefühle hatten. Und da unsere beiden Turteltäubchen einfach nicht zu Gange kommen, muss eben ein wenig nachgeholfen werden!“, meinte Sheena und schubste Raine in Kratos’ Richtung, worauf ihre Lippen genau auf Kratos’ landeten.
„Wow, hätte nicht gedacht, dass es sogar so gut funktioniert…“, meinte Sheena überrascht. „Hey, Nuriel, sieh dir das hier mal an!“
Nuriel drehte sich verwundert um. Als er Kratos und Raine sah, schrie er wie am Spieß und zerfiel langsam zu Asche.
„So, das Problem wäre erledigt“, meinte Sheena und klatschte in die Hände.
„Sheena…“, sagte Raine ruhig und als Sheena sich umdrehte, lief ihr auf einmal ein kalter Schauer über den Rücken.
Vorsichtig wich sie schon einmal ein paar Schritte zurück.
„Sheena, dafür wirst du mir noch büßen!“
Jetzt rannte Sheena weg, die wütende Raine hinter sich.
„Warum denn? Es war doch notwendig, um Nuriel zu besiegen…“, verteidigte sich Sheena.
„Warum hast du dann nicht Zelos oder so geküsst?“
„Das hätte nicht gewirkt! Das ist keine Liebe!“, erklärte Sheena.
„Und wie kommst du darauf, dass… dass…“
„Raine, keiner von uns hat Tomaten auf den Augen!“, meinte Sheena.
Sheena schaute nach hinten, um Raine mit einem hochroten Kopf zu sehen. Dadurch sah sie allerdings nicht, wohin sie rannte und landete im nächsten Moment im Wasser.
„Geschieht dir recht!“, meinte Raine lachend.
„Ich muss tot sein, ich höre Raines Stimme…“, murmelte auf einmal Genis, der immer noch am Rand des Sees lag.
„Genis!“, rief Raine besorgt.
Er öffnete die Augen. „Jetzt sehe ich sie auch noch… Bin ich im Himmel?“
„Nein, den Himmel stelle ich mir etwas anders vor… Dort sind bestimmt weniger Nervensägen“, sagte Raine mit einem Blick auf Sheena.
Hast du eine Ahnung…
„Aber wie…? Du warst doch tot, oder nicht?“, fragte Genis.
„Wie du siehst bin ich genauso lebendig wie Lloyd“, antwortete Raine.
„Ihr seid beide am Leben?!“, fragte Genis irritiert.
„Klar! Wir können dich doch nicht allein lassen!“, meinte Lloyd grinsend.





Signatur


Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

© by DelFina18



DelFina18 ...
~Kraine no Aikosha~
...............

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...   Erstellt am 30.07.2007 - 15:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 13: Ein Wettbewerb, das Schutzmedaillon und die Liebe

„Ich denke, wir sollten diesen Ort jetzt endlich verlassen…“, sagte Zelos, „Die Sonne geht schon unter.“
Die Wolken hatten sich verzogen und die letzten Sonnenstrahlen tauchten den Wald in ein goldenes Licht. Die Tiere, die Sirn Rah in Monster verwandelt hatte, waren schon längst wieder zu Tieren geworden und verschwanden jetzt langsam zurück in ihre Unterschlüpfe.
„Wieso habt ihr euch eigentlich gestritten?“, fragte Rya auf dem Rückweg.
„Ich dachte, damit könnten wir Nuriel vielleicht ablenken. Es ist euch vielleicht nicht aufgefallen, aber bevor wir aus dem Wald gekommen sind, hat Njujin unsere Anwesenheit bemerkt und ist zu uns gekommen. Er hat uns erzählt, dass Kratos in der Klemme steckt. Ich habe ihm dann gesagt, dass Kratos einen Streit anfangen soll“, erklärte Raine.
„Das heißt, nichts davon war ernst gemeint?“, fragte Sary.
„Ich hätte das wirklich auch alleine geschafft…“, murmelte Kratos.
„Das, mein Lieber, nehme ich dir nicht ab!“, sagte Raine fröhlich.
„Genis, hast du das gehört? Sie hat ihn ‚mein Lieber’ genannt!“, flüsterte Sheena grinsend Genis zu.
„Ja, ich bin nicht taub! Die Zeichen sind mehr als deutlich… Fragt sich nur, wann sich die beiden ihre Gefühle endlich mal eingestehen…“, flüsterte Genis zurück.
„Übrigens waren wir heute bei Yuan. Er meinte, morgen hätte er die Schriftrolle fertig übersetzt“, erzählte Regal.
„Gut. Für diese Nacht bleiben wir dann in Heimdall und morgen früh fliegen wir dann gleich zum Stützpunkt“, beschloss Kratos.
Sary und Rya blieben stehen. „Nein, das geht nicht! Wir müssen noch zum Tor der Welten, nicht wahr, Njujin?“, fragte Sary.
„Nju!“, stimmte Njujin zu.
„Zum Tor der Welten? Warum dass denn?“, fragte Raine, die noch nichts von den ‚Göttlichen Zwillingen’ wusste.
„So genau wissen wir das auch nicht. Wir wissen nur, dass sie die ‚Göttlichen Zwillinge’ sind. Yuan hat uns etwas geschickt; dort steht, von wem du alles Unterstützung bekommst“, erzählte Genis und kramte den Brief aus seiner Tasche, „Moment… Ich lese es vor: ‚Manchmal hält das Schicksal Aufgaben für uns bereit, denen wir ohne Hilfe nicht gewachsen sind. Auch die Dämonenjägerin soll bei ihrer Aufgabe Hilfe bekommen. Unter ihren Freunden befinden sich ein Schutzengel mit einer geheimen Mission, ein Dämonenaufspürer, ein Wahrsager, göttliche Zwillinge, ein magisches Wesen und... Diese unterstützen sie, wo sie nur können. Aber am Ende wird die Dämonenjägerin ohne diese Hilfe auskommen müssen, denn die Entscheidung, die die Welt rettet oder zerstört kann nur sie treffen.’ Das sind wahrscheinlich Juell, ich, Lloyd, Sary und Rya und Njujin. Aber die Beschreibung der letzten Person konnte Yuan nicht entziffern.“
Interessant… Ein Schutzengel mit einer geheimen Mission… Das passt wie die Faust aufs Auge…
„Was für eine geheime Mission hast du denn?“, fragte Raine in der Hoffnung, jetzt endlich einmal alles zu erfahren.
Wenn ich es dir erzählen würde, wäre sie ja nicht mehr geheim, oder?
Raine seufzte. Sie wusste, dass Juell ihr nichts sagen würde. „Und was hat die ganze Sache jetzt mit dem Tor der Welten zu tun?“, fragte sie an Genis gewandt.
„Als Sary und Rya aufeinander stießen, hat sich Njujin wieder einmal bemerkbar gemacht und gesagt, dass die Göttlichen Zwillinge gefunden wurden und jetzt nur noch aus zwei eins gemacht werden muss… Dazu müssen wir wohl zum Tor der Welten.“
„Dann lasst uns doch dorthin gehen, bevor wir zu Yuan fliegen“, schlug Raine vor.

Sie waren alle ziemlich müde, als sie Heimdall erreichten. Aber an schlafen konnte noch keiner denken. Kaum hatten sie das Elfendorf erreicht, sahen sie, wie die Elfen hektisch Tische, Stühle und Kochutensilien zu einer großen Wiese brachten. Auf die Frage, was denn los sei, erhielten die Freunde die Antwort, dass an diesem Abend ein Kochduell stattfinden sollte.
„Nichts für mich…“, meinte Raine gähnend.
„Nun, eine Halbelfe wie Sie es sind, ist bestimmt keine gute Köchin“, sagte ein Elf hochnäsig.
Anscheinend hielt er sich selber für einen Spitzenkoch.
„Was hat das bitteschön damit zu tun?“, fragte Raine gereizt.
„Ich habe also Recht. Sie können nicht gut kochen.“
„Schon, aber das hat nichts damit zu tun, dass ich…“
„Ich bin mir sicher, meine Schwester kann immer noch besser kochen als so ein aufgeblasener Schnösel wie Sie!“, rief Genis aufgebracht.
„Genis!“, wollte Raine ihn beschwichtigen.
„So? Wenn das so ist, sollte sie am Kochwettbewerb teilnehmen. Wenn sie bis zum Finale kommt, hat sie vielleicht sogar die Ehre, gegen mich antreten zu dürfen“, sagte der Elf.
„Das ist keine gute Idee. Sie wollen doch, dass die Jury am Leben bleibt, oder?“, wandte Kratos ein, wofür er von Raine augenblicklich eine Kopfnuss verpasst bekam.
„Aber ehrlich gesagt denke ich auch nicht, dass das…“
Wieder einmal wurde Raine unterbrochen: „Nun, wenn Sie es sich nicht zutrauen… Halbelfen sollten wirklich nicht den Kochlöffel schwingen…“
„Also gut, ich mache es!“, rief Raine.
Der Elf lächelte. „Dann bis nachher“, sagte er und ging zu seinem Haus.
„Raine, hältst du das wirklich für eine gute Idee?“, fragte Kratos, der sich seinen Kopf rieb.
„Das sind mit Sicherheit alles Profis. Selbst für Regal wäre es vielleicht schwer geworden“, meinte Sheena.
„Ach was, Raine schafft das schon!“, sagte Genis überzeugt.
Seit sie seiner Meinung nach von den Toten auferstanden war, traute er ihr alles zu.
„Ihr habt Recht… Worauf habe ich mich da bloß eingelassen? Ich habe keine Chance!“, sagte Raine und schüttelte den Kopf.
„Dein Stolz ist einfach zu groß…“, seufzte Kratos.
„Du scheinst dir heute Schläge einhandeln zu wollen…“, murmelte Raine und drohte ihm mit der Faust.
„Ist doch auch egal. Wenn Regal Raine zeigt, wie sie die Gerichte wenigstens einigermaßen lecker macht, blamiert sie sich nicht allzu sehr“, meinte Lloyd, der die Arme hinterm Kopf verschränkt hatte. (Ich hoffe, jeder weiß damit, was ich meine…)
„Das war jetzt wirklich sehr aufmunternd, Lloyd… Danke…“, seufzte Raine.
„Kein Problem!“, grinste dieser.
„Ich glaube, das war ironisch gemeint, Lloyd…“, meinte Genis.
„Ironisch? Was meinst du damit?“, fragte Lloyd blinzelnd.
Genis schlug sich nur mit der Hand an die Stirn. Er hätte sich denken können, dass er mit so einem Begriff nichts anfangen konnte. „Schon gut, Lloyd…“
„Würdest du mir denn helfen, Regal?“, fragte Raine.
„Klar. Wann fängt der Wettbewerb denn an?“, fragte er.
„In zwei Stunden“, antwortete ein Elf, der gerade mehrere Töpfe trug und zufällig Regals Frage gehört hatte.
„Wir sollten auch noch uns über Regeln informieren“, meinte Regal.

Während Regal Raine also kochen beibrachte, vertrieben sich die anderen die Zeit, indem sie schliefen. Sie hatten Njujin gesagt, er solle sie wecken, sobald der Wettbewerb begann. Nur Kratos konnte nicht schlafen. Es gab eine Sache, die ihm schon die ganze Zeit zu schaffen machte. Wenn Goril von seinem Körper Besitz ergreifen sollte, was ja wahrscheinlich der Fall war, wäre es dann nicht besser, wenn er sich vorher umbringen würde? Damit würde er Raine vermutlich einen schweren Kampf ersparen. Um besser nachdenken zu können, ging er nach draußen. In dem kleinen Dorf herrschte ihm zu viel Trubel und deswegen verschwand er im Ymir Wald, wo er von einer angenehmen Ruhe ergriffen wurde. Er hatte sowieso schon viel zu lange gelebt. Schon viel zu oft war er dem Tod entkommen. Vielleicht war es wirklich an der Zeit, für immer von dieser Welt zu verschwinden. Langsam zog er sein Schwert. Es glänzte in dem Sonnenlicht, das inzwischen blutrot geworden war. Das Schwert zeigte sein Spiegelbild: Ein junger Mann mit roten, stachelförmig abstehenden Haare und müden, braunen Augen. Niemand, der ihn nicht kannte, würde auf die Idee kommen, dass er schon über 4000 Jahre gelebt hatte. Genauso wenig könnte man glauben, dass er der Vater eines 17-jährigen Jungens war, wo er selber noch so jung wirkte. Es war ein Fluch, den er sich selber auferlegt hatte. Er würde nie altern, die Zeit würde einfach an ihm vorüberrasen. Immer wieder würde er miterleben müssen, wie Personen, die er liebte, alt und grau wurden und letztendlich starben, während er jung blieb. Genau das war auch der Grund gewesen, warum er sich damals ein Herz aus Eis geschaffen hatte und keinen mehr an sich heran gelassen hatte. Er wollte weder sich noch andere verletzen. Aber dann hatte er Anna, Lloyds Mutter getroffen. Diese Begegnung taute sein Herz ein Stückchen auf und ließ zu, dass er sich in sie verliebte. Es wäre wohl alles anders gekommen, wenn nicht der Tag gekommen wäre, an dem Anna in ein Monster verwandelt worden war und Kratos sie hatte töten müssen, um Lloyd zu beschützen. Und es wäre auch anders gekommen, wenn Lloyd nicht zusammen mit Noishe die Klippe heruntergestürzt wäre und Kratos die beiden gefunden hätte. Aber das alles, dieses ganze Leid, war wohl notwendig gewesen, damit Kratos jetzt darüber nachdachte und den Entschluss fasste, dieses Leben zu beenden. Er hob sein Schwert und wollte es sich in den Bauch rammen, als er mitten in der Bewegung inne hielt. Er fing an, zu zögern. War es wirklich das Richtige? Was würde aus Lloyd und Raine werden? Hatte er nicht noch Pflichten? Konnte er diese Welt wirklich einfach so verlassen, sein Leben einfach so aufgeben? War das nicht genau das, was Lloyd eben nicht wollte?
Wie ich sehe, zögerst du. Sehr schön, dann muss ich ja nicht mehr allzu viel Überzeugungsarbeit leisten.
„Was machst du hier, Njujin?“, fragte Kratos ruhig.
Dich davon abhalten, dass du Dummheiten begehst. Es bringt niemandem etwas, wenn du dein Leben jetzt beendest, im Gegenteil! Es macht die Sache für Goril nur einfacher! Von einem toten Körper kann er viel leichter Besitz ergreifen als von einem Lebenden! Der Lebende kann sich wehren, der Tote nicht. Vielleicht solltest du das auch bedenken. Den Kampf wird Raine so oder so bestreiten müssen, ob du nun tot bist oder nicht. Aber du kannst ihr nur helfen, zu gewinnen, wenn du lebst!
„Aber wie soll ich ihr helfen, wenn dieser Kerl Besitz von mir ergriffen hat?“, fragte Kratos verzweifelt.
Du wirst einfach versuchen, die Kontrolle über deinen Körper zurück zu bekommen. Vor allem aber musst du Raine vertrauen. Es wird für euch beide nicht leicht werden. Und vergiss nicht: Goril ist stark, aber eure Liebe ist stärker! (Wie schön du das sagst, Njujin T-T…)
Damit war Njujin verschwunden.
„Liebe, was?“, murmelte Kratos und legte sich eine Hand auf die Stirn. „Das es wieder einmal soweit kommen musste…“
Kratos blieb noch eine Weile auf einem Baumstamm sitzen und beobachtete, wie es langsam dunkel wurde.

„In Kürze beginnt der Wettbewerb! Wir bitten alle Teilnehmer, nach vorne zu kommen!“, rief ein Jurymitglied, dessen Stimme dank der Einnahme eines bestimmten Krauts so laut geworden war, dass man ihn auch in den hintersten Ecken gut verstehen konnte.
„Vergiss nicht, Raine, keine Zutaten zu nehmen, die nicht zum Gericht passen, verstanden?“, fragte Regal.
Raine nickte. Sie war ziemlich nervös.
Keine Angst, Raine. Ich werde dir helfen.
„Danke…“, murmelte sie und begab sich nach vorne.
Ihre Freunde hatten sich nach vorne gedrängelt, um eine gute Sicht zu haben. Aufmunternd winkten sie ihr zu. Raine lächelte schüchtern. Aber eine Person sah sie nicht: Kratos.
Auch wenn er meint, dass ich keine Chance habe, hätte er trotzdem kommen können…, dachte Raine beleidigt.
Er kommt bestimmt noch. Du solltest deswegen nicht unruhig werden.
Unruhig? Wer ist denn hier unruhig? Soll er meinetwegen doch bleiben, wo der Pfeffer wächst…
Dafür schaust du dich aber ziemlich nervös nach ihm um…
Unsinn! Ich schaue bloß, wer so alles da ist…
Klar. Du kennst ja auch alle Elfen aus dem Dorf, nicht? Raine, du kannst mich nicht anlügen.
Ach, sei einfach still!
„Ich bitte nun die Kandidaten, mit dem ersten Gericht zu beginnen: Nudelauflauf!“, rief einer der Juroren und sofort begannen alle Teilnehmer, sich von dem Käse, der Pasta und der Milch zu nehmen. Keiner hatte vorher gewusst, welches Gericht dran kommt, aber alle waren gut vorbereitet. Etwas unsicher bereitete Raine das Gericht so zu, wie Regal es ihr geraten hatte. (Er war mit ihr alle Gerichte, die man aus dem Spiel kennt, durchgegangen)
Er hatte ihr auch gesagt, dass sie möglichst keine anderen Zutaten hinzu zu mischen sollte, weil sie damit einfach noch zu wenig Erfahrung hatte. Aber sie wusste, dass sie so nicht gewinnen konnte. Aber war es denn so wichtig, zu gewinnen? Musste sie unbedingt allen zeigen, dass sie kochen konnte? Sie wollte schon fast zufällig irgendwelche Zutaten hinzu geben, als jemand rief: „Raine, konzentrier dich!“
Sie blickte auf. Es war Kratos, der sich zu den anderen gesellt hatten und ihr aufmunternd zu lächelte.
Raine, jetzt wo dein Liebster endlich da ist, könntest du die Erdbeeren aus der Hand nehmen?! Die gehören nun wirklich nicht in einen Nudelauflauf! (XD)
„Was? Oh, ja, natürlich nicht!“, rief Raine erschrocken und legte die Erdbeeren auf den Tisch.
Fleisch passt ganz gut zum Nudelauflauf. Vielleicht kannst du es auch noch ein wenig würzen.
Könnte man nicht auch noch… Ich meine…
Was?!
Könnte man als Nachtisch nicht noch eine Schüssel mit Nudeln und Zimt und Zucker nehmen? (Ein Freund von mir isst das immer XD)
Nudeln mit Zimt und Zucker? Wie kommst du denn darauf?
Das habe ich mal gehört… Soll gut schmecken…
Hmm… Ich weiß nicht… Du solltest es nicht übertreiben…
Aber wie soll ich weiterkommen, wenn ich nicht irgendetwas Außergewöhnliches mache? Die anderen haben auch alle Fleisch dazu genommen!
Da hast du wohl Recht… Mach es von mir aus. Wenn du verlierst, ist es immerhin nicht meine Schuld.
Raine war gerade fertig geworden, als der Juror auch schon die Kandidaten bat, ihre Aufläufe in Teller zu füllen, damit die Juroren davon kosten konnten.
Nervös trat Raine von einem Bein auf das andere. Gleich würde sich herausstellen, ob Nudeln mit Zimt und Zucker eine gute Idee gewesen waren. Als sich der erste Juror ihr Essen in den Mund schob, kniff sie die Augen zusammen. Sie wollte nicht sehen, wie ihm schlecht wurde.
„Hmm… Hmm… Ja, das schmeckt köstlich! Besonders diese Nudeln mit Zimt und Zucker, einfach köstlich!“, schmatzte der Juror.
Verwundert öffnete Raine die Augen. Jetzt nahmen auch die anderen Juroren von ihrem Teller und alle stimmten dem ersten zu.
„10 Punkte!“, verkündeten alle vier.
Raine war so verblüfft, dass sie nicht recht verstand, was vor sich ging. Sie hörte nur, wie ihre Freunde jubelten, wie der hochnäsige Elf, der natürlich auch noch im Rennen war, sie interessiert musterte und wie Juell etwas zu ihr sagte. Aber sie war zu perplex, um das alles wirklich zu realisieren. Nur langsam wurde ihr klar, dass sie weiter war. Sie hatte volle Punktzahl erreicht.
Die nächsten Runden fielen ihr viel leichter. Juell war ihr eine große Hilfe und hielt sie immer wieder davon ab, ungewöhnliche Zutaten ins Essen zu schmeißen. Sie bekam vielleicht nicht jede Runde volle Punktzahl, so wie der Elf, der sie herausgefordert hatte, aber sie kam immerhin bis ins Finale. Jetzt würde sich entscheiden, wer von ihnen der bessere Koch war. Egal ob Raine gewinnen würde oder nicht, sie war froh, dass sie überhaupt so weit gekommen war. Es war doch regelrecht ein Wunder.
Als letztes Gericht stand Curry an. Als Raine das Rote Satay in der Hand hielt, fiel ihr ein, dass so alles begonnen hatte. Sie war nach Triet gegangen, um Rotes Satay zu kaufen, was sie für Curry brauchte und hatte die Ruine gefunden. Ihre Hand zitterte ein wenig.
Raine, du solltest jetzt nicht darüber nachdenken!
Aber was wäre gewesen, wenn ich nicht hätte kochen wollen oder zumindest etwas anderes? Dann hätte ich niemals den Kristall gefunden und die Welt wäre jetzt nicht dem Untergang geweiht… Habe ich überhaupt die Zeit dafür, um hier an einem Kochwettbewerb teilzunehmen? Wer weiß, wann Goril zum Leben erwacht…
Raine, was man angefangen hat, sollte man auch beenden. Deswegen solltest du dich jetzt auf diesen Wettbewerb konzentrieren und für ein paar Stunden dein Schicksal vergessen!
Du hast Recht.
Aufgemuntert machte sich Raine ans Werk und zauberte in Windeseile ein Curry, dass auch optisch zum Anbeißen war. Den Juroren fiel es schwer, zu entscheiden, wer gewinnen sollte. Sie fanden beide Gerichte hervorragend.
„Es ist wirklich eine schwere Entscheidung…“, meinte einer der Juroren.
„Ich verzichte freiwillig auf den Sieg. Ich habe schon so oft gewonnen, dass ich es mir für ein Jahr ruhig mal leisten kann, nur zweiter zu werden“, meinte Raines Konkurrent.
„Wie bitte?“, fragte Raine irritiert.
Auch die Juroren schienen ein wenig überrascht. „Also gut. Hiermit verkünden wir, dass Raine Sage den diesjährigen Kochwettbewerb gewonnen hat und überreichen ihr den ‚Goldenen Kochlöffel’!“
Das Publikum jubelte, allen voran natürlich ihre Freunde, die in diesem Moment nach vorne stürmten. Innerhalb weniger Sekunden war sie von ihnen umringt.
„Ich wusste, du schaffst es!“, rief Genis fröhlich.
„Ich wünschte nur, du hättest schon eher mal so gut gekocht…“, meinte Kratos, der einen Bissen vom Curry genommen hatte.
Jetzt dachte erst recht keiner mehr ans Schlafen. Alle wollten sie wegen Raines grandiosen Kochkünsten feiern. Auch wenn Raine sich freute, gewonnen zu haben, so machte sie sich doch ihre Gedanken, wie es weitergehen sollte. Sie wollte eigentlich alleine reisen. Und so beschloss sie, so zu tun, als würde sie ins Bett gehen, in Wirklichkeit schlich sie sich aber nach kurzer Zeit aus dem Gasthaus und ging in die Richtung, wo der Ymir Wald lag. Sie war so sehr in Gedanken, dass sie nicht merkte, wohin sie lief und so stieß sie gegen jemanden. Es war der Elf, der auf den Sieg freiwillig verzichtet hatte.
Sie murmelte eine Entschuldigung und wollte an ihm vorbeigehen, aber er hielt sie am Handgelenk fest.
„Für eine Halbelfe bist du recht ungewöhnlich. Auch wenn ich spüre, dass du keine reine Elfe bist, so spüre ich auch, dass du trotzdem mehr Magie als wir besitzt. Ich frage mich, woher das kommt…“, sagte er, ohne sie loszulassen.
Sie merkte, dass er betrunken war.
„Das muss Zufall sein…“, meinte Raine ein wenig beunruhigt.
Ihr Handgelenk schmerzte langsam und jeglicher Versuch, sich mit Gewalt zu befreien, scheiterte.
„Zufall gibt es nicht… Nur Schicksal!“, sagte er und zog sie zu sich. „Du bist auch recht hübsch… Du hast sowieso in jeder Art eine anziehende Wirkung auf mich!“
Er presste seine Lippen auf ihre. (Waaaaaah!!! Ich hasse diese Stelle! T-T Warum, warum muss ich so was immer schreiben?)
Raine, verdammt, nun schrei doch endlich um Hilfe oder setz deine Magie ein!
Aber das war nicht mehr nötig.
„Ich würde dir raten, sie sofort loszulassen oder deine Hände werden von nun an ein getrenntes Leben von dir leben“, meinte Kratos ruhig und hielt sein Schwert auf ihn gerichtet. (Wahahaha! ^-^)
„Woah! Immer mit der Ruhe! Wir haben uns nur nett unterhalten!“, sagte der Elf nervös und hob seine Hände in den Himmel.
„Das sah eben aber ganz anders aus. Verschwinde lieber, bevor ich es mir anders überlege!“
Der Elf ließ sich das nicht zweimal sagen und war schon verschwunden.
„Geht es?“, fragte Kratos Raine.
„Ich… Ich hätte das auch alleine geschafft…“, murmelte sie.
Kratos lachte. „Musst du mich zitieren? Was machst du hier überhaupt? Du wolltest doch ins Bett gehen, wenn ich mich nicht irre!“
„Ich… Ich…“, stotterte Raine.
Sie hatte auf einmal einen Kloß im Hals und starrte zu Boden. Vielleicht war es eine dumme Idee gewesen, die Sache wieder einmal alleine durchführen zu wollen.
„Du wolltest wieder alleine weiterreisen, stimmt’s?“, fragte Kratos.
„J-Ja…“
„Ich verstehe dich nicht. Warum willst du unbedingt alles auf deine Schultern nehmen?“
„Ich will euch nicht in Gefahr bringen… In Hima wärst du wegen mir fast gestorben… Rya und Sary wären vorhin fast Opfer von Nuriel geworden… Lloyd ist mir hinterher gesprungen und könnte jetzt ebenfalls tot sein… Und ihr alle müsst mich immer beschützen, weil ich nicht selber dazu in der Lage bin…“, sagte Raine weinend.
„Dafür sind wir doch da! Wir müssen dich beschützen, weil du die Einzige bist, die die Welt retten kann! Und weil wir dich alle nicht verlieren wollen!“
„Aber ihr sollt nicht eure Leben für mich opfern!“, rief Raine.
„Wenn uns nichts anderes übrig bleibt, werden wir auch das tun. Wie dem auch sei… Wenn du gehen willst, dann geh. Ich werde den anderen Bescheid sagen, dass du die Sache alleine regeln willst.“
„Was?“, fragte Raine ungläubig.
„Du kannst gehen, wenn du willst“, wiederholte Kratos.
Nun… Damit hätte selbst ich nicht gerechnet… Aber ich halte es immer noch für keine gute Idee, es alleine mit Goril aufzunehmen. Die Dämonen waren eine Sache, aber Goril ist etwas ganz anderes!
„Gut, dann gehe ich“, meinte Raine, die Juells Worten keine Beachtung schenkte.
Sie nahm ihre Sachen und betrat den Ymir Wald.
Warum hast du sie gehen lassen?
Njujin hatte sich in einem Gebüsch versteckt.
„Weil ich mir sicher bin, dass sie zurückkommt. So wie ich vorhin gezögert habe, mich umzubringen, so wird sie zögern, es alleine mit Goril aufzunehmen. Außerdem wird sie etwas finden.“
Soweit zumindest die Theorie, was? Nun, wir werden ja sehen…

Raine, ist dir eigentlich schon einmal aufgefallen, wie oft die anderen dich schon gerettet haben, allen voran Kratos? Du bist auf ihre Hilfe angewiesen!
„Sie werden sich wegen mir nur ins Verderben stürzen. Und ist es nicht ganz allein meine Aufgabe, die Welt zu retten?“
Sie musste vorsichtig gehen, damit sie nicht ins Wasser fiel, das an den Seiten des Holzweges war. Alle Tiere schienen zu schlafen und es war eine wunderbare Stille im Wald. Der Mond schien durch die Baumkronen und beleuchtete den Weg.
Niemand kann eine solche Aufgabe allein bewältigen! Denke doch an das, was Yuan geschickt hat! Es ist die Bestimmung von uns allen, dir zu helfen! Aber wie sollen wir das tun, wenn du alles alleine in die Hand nimmst?
Raine blieb stehen. „Reicht es nicht, wenn du bei mir bist?“
Raine, wenn du angegriffen wirst, kann ich dich nicht beschützen! Das können nur solche, die körperlich vorhanden sind wie Kratos, Genis, Lloyd oder sonst jemand lebendes!
Raine seufzte. Sie wollte gerade weitergehen, als sie etwas Ungewöhnliches sah. Mitten in der Luft schien etwas Goldenes zu schweben. Als Raine näher kam, erkannte sie, dass es sich um das Schutzmedaillon handelte, das an einem Ast hing. Als sie es abnahm, sah sie, dass es leicht geöffnet war. Sie fand eine Nachricht darin: „Vergiss nicht, dass dich immer jemand beschützen wird.“
„Wann… Wann hat er das hier aufgehängt? Er wusste doch nicht, dass ich gehen wollte…“
Das musst du ihn schon selber fragen.
Unentschlossen stand Raine da. Das Schutzmedaillon hielt sie fest in der Hand. Sie wollte unbedingt Antworten auf ihre Fragen haben, vor allem interessierte sie, warum Kratos das Schutzmedaillon abgenommen hatte. Außerdem fiel ihr ein, dass Kratos auch verletzt werden konnte, wenn sie nicht da war und wenn sie das Schutzmedaillon hätte, könnte nicht einmal das sein Leben retten.
Er wird sich ja wohl verteidigen können! Vorher ist er auch ohne das Schutzmedaillon ausgekommen!
„Das mag zwar sein, aber… Seit es ihm das Leben gerettet hat, bin ich einfach beruhigter, wenn ich weiß, dass er es trägt…“
Tja, jetzt trägt er es nicht mehr.
„Ja…“
Du willst nicht, dass er dich beschützt, also gibt er dir einfach seinen Schutz, der eigentlich sowieso dir gehört…
„Er… gibt mir seinen Schutz…“
Ja, das sag ich doch! Egal wie, er möchte dich beschützen! Meine Güte, Raine, kannst du nicht einfach mal auf deine Gefühle anstatt auf deinen Verstand hören und zurückgehen?! Und außerdem könntest du auch mal auf mich hören! Wie oft hast du jetzt schon nicht auf mich gehört und wärst besser dran gewesen, wenn du es getan hättest?
Es lässt sich jetzt sowieso nicht mehr ändern, dass die beiden sich lieben… Also sollte sie besser die Zeit, die ihr noch vor dem letzten Kampf bleibt, mit ihm verbringen… Außerdem wird sie es nicht schaffen, Goril zu besiegen, wenn ihre Freunde nicht bei ihr sind…

„Ich soll auf meine Gefühle hören? Was für Gefühle meinst du denn?“
Meine Güte, Raine! Du liebst ihn, er liebt dich! Das wissen alle! Vielleicht solltest du es dir langsam mal eingestehen!
„Das ist doch gar nicht…“
Versuche jetzt nicht, es abzustreiten! Ich sage es noch einmal: Du kannst mich nicht anlügen! Ich kann deine Gedanken lesen und auch deine Gefühle sehen! Keiner kennt dein Herz so gut wie ich! Auch wenn du versuchst, es abzustreiten, im Grunde genommen weißt du, dass es wahr ist!
„Vielleicht hast du Recht…“, murmelte Raine.
Raine, dieses ‚vielleicht’ bringt mich irgendwann noch um den Verstand! Wann siehst du es ein? Ich HABE Recht! Also lauf endlich zurück oder ich übernehme die Kontrolle über deinen Körper!
„In Ordnung. Aber ich habe noch eine Frage an dich und ich möchte, dass du sie mir ehrlich beantwortest! Warum liebst du Kratos nicht mehr?“
Heh, die Frage musste ja irgendwann kommen… Ich habe ihn geliebt, als ich ein Kind war. Nun ja, ob es wirklich Liebe war, weiß ich bis heute nicht… Wir waren halt verlobt und haben und ganz gut verstanden. Aber er musste das Dorf verlassen und die Jahre vergingen. Irgendwann lernte ich dann Gion kennen und verliebte mich in ihn. Ich bin mir sicher, wir hätten noch lange glücklich zusammen gelebt, wenn ich nicht gestorben wäre.
„Und warum hast du am Anfang dann so getan, als würdest du ihn lieben?“
Hey, du hast gesagt, du hättest nur eine Frage an mich!
„Komm schon, Juell! Bitte!“
Also gut… Ich hielt es für besser. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es nicht wirklich was bringt… Und jetzt renn endlich zurück!
Raine nickte und rannte zurück nach Heimdall.

Bist du sicher, dass sie zurückkommt? Sieht nicht gerade danach aus…
„Sie kommt zurück, ich weiß es“, sagte Kratos ruhig und streichelte Njujin am Kopf.
Naja, du kannst ja weiter warten, ich werde zu den anderen zurückkehren.
„Du wirst ihnen doch nichts sagen, oder?“
Ich?! Ich schweige wie ein Grab! Nun ja… Ich werde ihnen zumindest nicht sagen, dass Raine gehen wollte…
Mit diesen Worten war Njujin verschwunden.
„Egal wie lange, ich werde warten…“, murmelte Kratos.
Aber er musste nicht lange warten, denn schon nach ein paar Minuten kam Raine aus dem Wald, das Schutzmedaillon fest in der Hand.
Kratos lächelte. „Ich wusste, du würdest zurückkommen.“
„Aber wann hast du das Schutzmedaillon dort aufgehängt? Du konntest doch nicht wissen, dass ich gehen wollte…“, meinte Raine.
„Wissen nicht… Aber ahnen.“
„Aber warum hast du es abgenommen? Es soll dich doch beschützen!“
„Erstens ist es deins und zweitens möchte ich, dass du es trägst. Es könnte Situationen geben, in denen ich dich nicht beschützen kann“, erklärte Kratos.
„Solche Situationen kann ich mir gar nicht vorstellen…“, murmelte Raine.
„Ich leider schon…“, meinte Kratos bedrückt. Aber dann schüttelte er den Kopf und sagte: „Komm, lass uns zu den anderen zurückkehren!“
Er hatte sich gerade umgedreht und wollte gehen, als er spürte, dass Raine ihn festhielt und ihren Kopf auf seinen Rücken legte.
„Lass uns noch etwas hier bleiben…“, flüsterte sie.
Kratos drehte sich um und schloss sie in seine Arme. Nach einer Weile fing Raine anscheinend ohne Grund an zu weinen.
„Was ist los, Raine?“, fragte Kratos besorgt.
„Nichts. Ich bin einfach nur glücklich. Glücklich, weil ich bei dir sein kann. Ich weiß, dass, wenn du in meiner Nähe bist, ich alles schaffen kann. Wenn du vorhin nicht doch noch gekommen wärst, hätte ich nicht gewonnen! Ich… Ich liebe dich!“
Na also, geht doch!
„Ich liebe dich auch“, sagte Kratos und küsste sie.


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Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
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...   Erstellt am 30.07.2007 - 15:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 14: Die Worte der Prophezeiung

„Das wurde ja auch mal Zeit!“, flüsterte Sheena, die sich zusammen mit den anderen im Gebüsch versteckt hatte.
Njujin hatte zwar gegenüber Kratos so getan, als würde er nicht glauben, dass Raine zurückkommt, aber in Wirklichkeit hatte er es schon längst gespürt. Daraufhin hatte er den anderen gesagt, sie sollten sich im Gebüsch verstecken, ruhig sein und abwarten.
So wie es aussah, hatte es sich gelohnt.
„Ha-Ha-Ha…“
„Genis, nicht jetzt, das ist ungünstig!“, flüsterte Lloyd und alle hielten ihm die Nase zu, damit er nicht nieste.
„Es geht wieder, danke…“, meinte Genis und rieb sich die Nase.
„Es ist schrecklich, dass ihr alle so furchtbar neugierig seid…“, seufzte Raine.
„Heh. Allerdings… Ihr könnt ruhig rauskommen, wir haben euch schon lange bemerkt!“, rief Kratos.
„Was?! Wie das denn?“, fragte Sheena flüsternd die anderen.
Die zuckten alle nur mit den Schultern.
„Ihr seid nicht so leise, wie ihr vielleicht meint!“, sagte Raine, die sich jetzt direkt über sie gebeugt hatte.
Vor lauter Schreck kippte so mancher zurück.
„R-Raine!“, rief Lloyd.
„Man sollte euch für eure Neugier echt bestrafen…“, sagte Raine ernst, fügte mit einem Lächeln aber hinzu: „Aber für heute lasse ich euch so davon kommen.“
Alle atmeten erleichtert aus.
„Na los, kommt! Immerhin müssen wir doch feiern!“, rief sie guter Laune.
„Yeah!“, stimmten ihr alle zu.

Am nächsten Morgen waren alle noch recht müde. Aber sie wussten, dass sie früh aufstehen mussten.
„Wir hätten gestern Abend nicht so lange feiern sollen…“, meinte Sheena, die schwankend aufstand.
„Gestern Abend?! Es wäre in Ordnung gewesen, wenn es nur bis gestern Abend gegangen wäre, aber leider ging es bis heute morgen!“, sagte Zelos, der tierische Kopfschmerzen hatte.
„Seid froh, dass wir keinen Alkohol getrunken haben, sonst wäre so manch einer jetzt wohl nicht in der Lage, aufzustehen!“, bemerkte Raine, die gerade versuchte, Genis, Lloyd, Colette, Presea, Sary und Rya zu wecken.
„Wer sagt, dass wir keinen Alkohol getrunken haben?“, fragte Zelos und es war deutlich, dass er sehr wohl etwas getrunken hatte.
„Wo ist eigentlich Kratos?“, fragte Regal.
„Der bestellt schon einmal Frühstück. Soweit ich weiß, ist Njujin auch bei ihm“, antwortete Raine, die Genis energisch an der Schulter rüttelte.
„Müssen wir schon los?“, fragte er schläfrig.
„Nein, jetzt gibt es erst einmal Frühstück…“
Kaum hatte Raine das gesagt, war Lloyd hellwach.
„Frühstück? Prima, ich habe einen Bärenhunger!“, rief er und sprang auf.
„Boah, wie kannst du nur schon so rumturnen, wo wir kaum geschlafen haben?“, fragte Sheena verblüfft.
„Ich brauche nicht viel Schlaf“, meinte Lloyd.
„Ist ja auch kein Wunder, du hast dir ja schon einen Jahresvorrat davon geholt…“, meinte Genis, der langsam wach war.
„Ach, du bist doch bloß neidisch…“, sagte Lloyd.
„Nein, dafür bin ich zu müde…“
„Ihr könnt ja schon einmal runtergehen, ich werde jetzt versuchen, die letzten Schlafmützen auch noch zu wecken…“, bemerkte Raine.
Also gingen die Freunde, allen voran Lloyd, die Treppe runter. (Gibt es in dem Gasthaus überhaupt einen 2. Stock? Wenn nicht, dann wurde der halt gerade gebaut! XD Das Dorf musste ja sowieso wieder aufgebaut werden, insofern…)
Kurz darauf folgten Presea und Colette.
Rya und Sary schliefen dicht beieinander. Seit sie wussten, dass sie Zwillinge waren, waren sie unzertrennlich.
„Hey, ihr beiden! Wacht auf!“, sagte Raine sanft und wollte gerade beide an der Schulter rütteln, als sie von einer unsichtbaren Macht zurückgeschleudert wurde. Verwirrt setzte sie sich auf. Noch immer schlafend, riefen die Zwillinge auf einmal das gleiche Wort: „Ruthal!“
Raine erschrak noch mehr, als sie auf einmal sah, wie jeweils am rechten Arm der beiden auf einmal eine Wunde entstand. Aber das Blut lief nicht einfach den Arm hinab, sondern flog direkt über die beiden, wo es sich ansammelte und langsam eine Form annahm. Dann auf einmal schlossen sich die Wunden wieder und das Blut war zu einem Dolch geworden. (Yeah, ich habe doch gesagt, dass ich es irgendwie mit Dolchen habe XD) Er hatte eine blutrote Klinge, die Parierstange war golden und mit einem roten, tropfenförmigen Stein und mit mehreren kleinen, schwarzen Steinen versehen. Das Heft war mit einem schwarzen Leder umwickelt und der Knauf bestand ebenfalls aus einem blutroten Stein. Die Klinge war mit dem gleichen Wort versehen, das die beiden gerufen hatten: Ruthal. Auf der anderen Seite stand die Übersetzung: Blutdolch. Noch immer schwebte der Dolch, der von einem rötlichen Schein umgeben war, in der Luft. Auch wenn es Raine unheimlich war, so nahm sie ihn in die Hand. Im gleichen Augenblick wachten die Zwillinge auf. Sie schienen von alledem nichts mitbekommen zu haben.
„Wo sind denn alle?“, fragte Rya gähnend.
„Die…“ Raine musste sich erst räuspern, um fortfahren zu können: „Die sind schon unten…“
„Was hast du da?“, fragte Sary und zeigte auf den Dolch in ihrer Hand.
„Das wüsste ich auch gerne… Sagt euch das Wort ‚Ruthal’ etwas?“, fragte Raine.
Die beiden schüttelten den Kopf.
„Sehr merkwürdig…“, murmelte Raine.
Warum meldest du dich eigentlich gar nicht zu Wort, Juell?
Sie bekam keine Antwort.
Juell?!
Hmm… Ich kann dir dazu auch nichts sagen, Raine. Vermutlich liegt es daran, dass sie die Göttlichen Zwillinge sind, aber… Warum das ausgerechnet jetzt passiert ist, weiß ich auch nicht. Aber du solltest den Dolch aufheben. Er scheint wichtig zu sein. Außerdem ist er aus dem Blut dieser beiden entstanden.
Ja, da hast du Recht…
„Kommt, lasst uns zu den anderen gehen!“, meinte Raine und ging mit den beiden nach unten.
„Da seid ihr ja! Dad meinte, wir sollten nicht ohne euch anfangen… Ich verhungere gleich!“, meinte Lloyd.
„Tut mir Leid…“, sagte Raine.
„Raine, ist alles in Ordnung? Du siehst so blass aus! Außerdem habe ich eben komische Geräusche gehört…“, bemerkte Kratos besorgt.
„Es ist nichts, ich bin nur gestolpert…“, log Raine.
Den Dolch hatte sie in ihrer Tasche versteckt.
Vertraust du ihm nicht oder warum sagst du ihm nicht die Wahrheit?
Ich sage es ihm nachher noch, aber ich will das nicht allen erzählen und schon gar nicht beim Frühstück!
Aber es bot sich keine passende Gelegenheit, in der Raine Kratos von den komischen Ereignissen hätte erzählen können, denn sie brachen direkt nach dem Frühstück zum Tor der Welten auf.
Dort angekommen, lief Njujin voraus. Die anderen folgten ihm gespannt. Njujin saß ganz still da. Seine Augen waren geschlossen und sein Horn fing wieder an, zu leuchten. Es wurde spürbar kälter und dunkler. Mit einem Mal war nicht mehr Tag, sondern Nacht und der volle Mond schien am Himmel. Normal wäre dies der Moment gewesen, in dem sich das Tor nach Sylvarant öffnete, aber seit Sylvarant und Tethe’alla eine Welt waren, funktionierte das Tor nicht mehr. Jetzt schien die Kraft des Mondes auf Njujin überzugehen. Im nächsten Moment wurden Sary und Rya von einem seltsamen Licht umschlossen. Die beiden fielen auf die Knie und schienen Schmerzen zu haben und Raine wurde klar, dass sie gerade das Gleiche durchmachten, was Raine in Izoold widerfahren war.
„Ihr dürft nicht eingreifen, so schlimm sich das auch anhören mag!“, rief sie den anderen zu.
Das fiel allen natürlich schwer, besonders als die Zwillinge ohnmächtig wurden und sich nicht mehr rührten. Auch Raine bekam langsam ihre Zweifel, ob alles noch so ablief, wie es ablaufen sollte.
Nur mit der Ruhe. Ich denke, das gehört alles dazu.
Wie du immer so ruhig bleiben kannst, wundert mich echt…
Jetzt schwebten Sary und Rya in der Luft, immer noch von dem Licht umgeben, dass von Njujins Horn ausging. Sie schwebten auf einander zu und auf einmal entstand ein heller Lichtblitz, so dass alle ihre Augen für ein paar Sekunden schließen mussten.
Aus zwei wurde eins gemacht.
Die Freunde öffneten die Augen. Inzwischen war wieder Tag geworden. An der Stelle, wo Sary und Rya hätten sein sollen, schwebte allerdings jemand anderes. Eine erwachsene Frau mit langen, grünen Haaren und grünen Augen.
„Martel!“, riefen alle verwundert.
Sie landete sanft auf dem Boden und sagte: „Nein, ich bin nicht Martel. Ich bin Sarya, ihre Zwillingsschwester.“
Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Keiner hatte gewusst, dass Martel eine Zwillingsschwester hatte.
„Aber wie…?“, fragte Genis, der zu verblüfft war, um seine Frage zu Ende zu stellen.
„Ihr fragt euch bestimmt, warum ihr nichts von mir wisst, oder?“, fragte Sarya.
Die Gruppe nickte.
„Vor vielen Jahren“, begann Sarya, „lebte ich mit meiner Schwester Martel zusammen im Himmel. Wir wachten über alle Lebewesen auf der Welt. Wir kamen auch öfters auf die Welt, um uns die Welt von Nahem anzusehen. Jeder wusste, dass es uns gab und man achtete uns. Wie dem auch sei… Eines Tages begegnete ich einem Mann und verliebte mich in ihn. Er nannte sich Kooma.“
Raine blieb fast die Luft weg, als sie diesen Namen hörte. Die anderen wandten sich überrascht zu ihr um.
„Das… Das…“, mehr brachte sie nicht heraus.
„Richtig, Raine. Es war der gleiche Mann, der sich auch dir erst als Kooma vorgestellt hat. Sein richtiger Name lautet Goril!“
Nun fingen die anderen auch an, zu begreifen, warum diese Nachricht Raine so schockiert hatte.
„Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht“, fuhr Sarya fort, „Ich traf mich öfters mit ihm und letztendlich wurde ich von ihm schwanger. Meine Schwester hatte die ganze Zeit etwas gegen ihn gehabt und hat mir immer wieder gesagt, dass mit Kooma nicht alles in Ordnung war. Aber Liebe macht ja bekanntlich blind und so entschloss ich mich, bei Kooma zu bleiben und nie wieder in den Himmel zurückzukehren. Ich gebar Zwillinge und unser ganzes Leben schien perfekt zu sein. Aber dann beschloss ich einmal, ihn bei der Arbeit zu besuchen, denn ich war neugierig. Er hat mir nie verraten, was er arbeitet. Es war der schrecklichste Tag in meinem ganzen Leben. Ich musste mit ansehen, wie er seinem Vater die Haut vom Leib riss, das Blut aussaugte und die Organe entfernte… Das alles verwendete er zusammen mit heiligen Steinen und seiner Magie, um seine Diener, die Dämonen zu schaffen. Seinen Vater erhielt er ebenfalls mit seiner Magie am Leben und schuf somit den Herrn der Finsternis. Mir war bis zu diesem Tag nicht einmal klar gewesen, dass Kooma zur Hälfte ein Dämon war. Ihr müsst wissen, damals gab es Dämonen wie heutzutage Elfen. Aber sie waren selbst zu dieser Zeit schon längst in Vergessenheit geraten. Ganz früher haben sie allerdings friedlich mit den anderen Lebewesen zusammengelebt. Ich war jedenfalls so schockiert, dass ich wegrannte, ich wusste nicht einmal wohin. Schließlich kam ich nachts hier an. Es war Vollmond und ich vergoss bittere Tränen. Ich wollte nicht mehr Leben und brachte mich mit einem Dolch um. Dieser Dolch hatte außerdem die Kraft, meine Seele in zwei Hälften zu teilen. Jahrtausende suchten diese Seelenhälften passende Körper. Und vor acht Jahren hatten sie sie schließlich gefunden. So wurden Rya und Sary geboren. Ihre Eltern trennten sich aber letztendlich und so wuchsen Rya und Sary getrennt auf.“
„Wow, das ist…“, wollte Zelos sagen.
„…schockierend!“, beendete Sheena den Satz.
„Genau!“, meinte Zelos.
„Dieser Dolch, von dem du gesprochen hast…“, fing Raine an, aber Sarya wusste sofort, worauf sie hinaus wollte.
„Ja, das ist der, den du jetzt in deinem Besitz hast. Ruthal, der Blutdolch. Er ist damals mit meinen beiden Seelenhälften verschmolzen.“
„Blutdolch? Wovon redet ihr?“, fragte Kratos.
Raine holte den Dolch mit der blutroten Klinge aus ihrer Tasche.
„Ich bin heute Morgen nicht gestolpert. Ich bin von einer unsichtbaren Macht zurückgeschleudert worden, als ich Sary und Rya wecken wollte. Auf einmal blutete jeweils ihr rechter Arm und daraus entstand der Blutdolch. Aber die beiden konnten sich an nichts erinnern…“, erzählte Raine.
„Wow, ist ja heftig…“, meinte Lloyd.
„Bewahre ihn gut auf, Raine. Du könntest ihn noch gebrauchen“, sagte Sarya.
„Natürlich“, war Raines Antwort und sie packte ihn wieder zurück in ihre Tasche.
„Jetzt sollten wir vielleicht…“
Genis konnte seinen Satz nicht beenden, denn auf einmal hörten sie ein Fiepen, dass aus Njujins Richtung kam. Er lag erschöpft auf dem Boden und allen wurde klar, dass etwas nicht mit ihm stimmte.
„Njujin, was ist mit dir?“, fragte Raine und nahm ihn in die Arme.
„Er stirbt. Er hat seine Aufgabe erfüllt“, erklärte Sarya. (T-T NJUJIN!!!)
„Was?! Aber können wir ihn nicht retten?“, fragte Genis besorgt.
Sarya schüttelte den Kopf.
Macht euch… keine Sorgen um mich… Das stand… schon lange fest… Ich habe nur… auf diesen Moment gewartet…
„Aber Njujin…“, sagte Raine und Tränen liefen ihr übers Gesicht, „Du kannst uns doch nicht einfach verlassen! Wir brauchen dich doch!“
Raine, ich werde… immer bei dir sein… Ich habe dir… in Izoold einen Teil… meiner Macht gegeben… Außerdem sind wir… durch unser Blut verbunden… Denn in Wirklichkeit… bin ich Dyax Rubb…
WAS?! Aber wie… wie kann das sein?
„Wie kann das sein? Wie kannst du einer meiner Vorfahren sein? Noch dazu derjenige, der Gorils Seele in dem Kristall versiegelt hat?“, fragte Raine.
Goril hatte noch… mit letzter Kraft… einen Fluch auf mich gewirkt… Meine Seele trennte sich… von meinem Körper, der sich… auflöste… Ich sollte für immer… eine einsame, wandernde Seele bleiben… Aber dann fand mich Martel… Sie gab mir diesen Körper und die Aufgabe… die beiden Seelenteile von Sarya… wieder zusammenzufügen, wenn es soweit war… Dann würde ich endlich erlöst werden… und sterben, wie ich es schon längst hätte tun sollen…
„Trotzdem kannst du nicht einfach gehen!“, protestierte Raine.
Ich kann nichts… daran ändern… Es ist mein Schicksal… So, wie es deins ist… gegen Goril zu kämpfen… Vergiss nicht, dass ich immer… bei dir… b… in…
Seine Augen schlossen sich und er bewegte sich nicht mehr.
„Njujin…“, flüsterte Raine und vergaß stille Tränen.
Sie drückte seinen weichen Körper fest an sich. Auch die anderen sahen ziemlich bedrückt aus. Sie hatten Njujin alle ins Herz geschlossen. (Wer nicht? T-T)
„Raine…“, sagte Kratos und legte ihr eine Hand auf die Schulter, „Wir müssen weiter…“
„Er… Er schien immer genau gewusst zu haben, was man gerade vorhatte… Manchmal hatte ich fast das Gefühl… dass er Gedanken lesen konnte… Er wusste immer schon im Voraus, wenn jemand kam… Er hat mir so oft geholfen… Er… Er… kann doch jetzt nicht einfach tot sein!“, schluchzte Raine.
„Nicht alles ist immer so, wie wir es uns wünschen, Raine… Er wusste, dass er sterben würde, wenn er seine Aufgabe erfüllt hat. Es war sogar sein Wunsch. Das solltest du akzeptieren und ihm nicht nachtrauern. Ich glaube nicht, dass er das wollte. Außerdem ist er bei dir, wie er selber schon gesagt hat. Wirklich sterben kann er nicht, solange wir uns an ihn erinnern“, munterte Kratos sie auf.
„Du hast Recht… Außerdem habe ich ebenfalls eine Aufgabe zu erfüllen“, sagte Raine, wischte sich die Tränen aus den Augen und stand auf. „Aber ich möchte, dass wir ihn noch begraben!“
Sie begruben ihn direkt am Fuß der mittleren Steinsäule. Aber Raine fand das Grab noch zu schlicht, es sollte etwas Besonderes sein genau wie Njujin selbst. Also nahm sie sich einen Stein und legte ihn auf das Grab. Mit dem Blutdolch stach sie sich in den Zeigefinger und fing an, mit ihrem Blut einen Spruch auf den Stein zu schreiben. Als sie fertig war, stand sie zufrieden auf.
„Das Schicksal hält für uns alle eine Aufgabe bereit. Wer sie erfüllt, erlangt Erlösung so wie unser Freund. Möge er in Frieden den nächsten Weg gehen und uns immer beistehen“, las Raine vor.
„Das hätte ihm bestimmt gefallen…“, meinte Genis.
„Ja… Bestimmt. Lasst uns jetzt gehen“, sagte Raine gefasst.
„Wenn es euch nichts ausmacht, komme ich mit euch“, ertönte Saryas Stimme.
„Natürlich macht es uns nichts aus!“, rief Zelos begeistert, „Schöne Frauen sind immer willkommen!“
Sheena rollte nur die Augen und verkniff sich jeglichen Kommentar.

„So ist das also… Es gibt keinen Zweifel mehr…“, murmelte Yuan, der sich über die Schriftrolle gebeugt hatte.
„Aber vielleicht sollte ich erst einmal alleine mit ihm darüber reden…“
„Wollen sie ein Glas Wasser, Lord Yuan?“, fragte einer der Abtrünnigen.
„Ja, gerne… Ihr könnt die Bücher auch wieder wegräumen, ich brauche sie nicht mehr…“
Kaum hatte er das gesagt, schon konnte man ein aufgebrachtes Gemurmel hören.
„Na toll! Erst sollen wir die Bücher alle raussuchen, dann braucht er die Hälfte doch nicht und schmeißt sie durch die Gegend und jetzt sollen wir diese ganze Unordnung wieder aufräumen!“, flüsterte ein Abtrünniger.
„Anstatt dass er selber mal mit anpackt, bleibt er einfach sitzen und träumt vor sich hin!“, beschwerte sich ein anderer im Flüsterton.
„Sind wir seine Diener?!“, fragte wieder ein anderer.
Aber Yuan nahm sie alle nicht wahr. Er war in Gedanken immer noch bei der Schriftrolle. Ihm gefiel nicht, was er herausgefunden hatte.
„Lord Yuan? Lord Yuan?“
Einer der Abtrünnigen wedelte mit seiner Hand vor Yuans Gesicht.
„Was ist?!“, fragte dieser gereizt.
„Ihre Freunde sind da.“
„Ah. Bring sie hierher…“
„Hallo Yuan! Hast du den Text übersetzt?“, fragte Lloyd.
Aber Yuan gab keine Antwort.
„M-Martel!“, hauchte er, als er Sarya sah.
„Nein, das ist nicht Martel. Das ist Sarya, ihre Zwillingsschwester“, erklärte Genis.
„Aber Martel hatte doch keine Zwillingsschwester!“, protestierte Yuan.
„Doch. Die Martel, die du kanntest, war meine Zwillingsschwester. Genau wie ich hat auch sie öfters die Welt besucht. Eines Tages fand sie ein kleines Baby und sie beschloss, es wie ihren kleinen Bruder großzuziehen“, erzählte Sarya.
„Das war Mithos, oder?“, fragte Genis.
Sarya nickte. „Aber später herrschte dieser schreckliche Krieg und letztendlich opferte sich Martel, um den Großen Kharlan-Baum zu beschützen. Danach verschmolz sie mit dem Göttlichen Keim und den Rest der Geschichte kennt ihr ja.“
„Das heißt Mithos und Martel sind gar nicht miteinander verwandt?“, fragte Lloyd.
„Nein. Aber er hatte trotzdem eine Schwester. Eine Zwillingsschwester sogar. Wie sie hieß, ist unrelevant, interessant ist aber, dass es sich dabei um eine Vorfahrin von Raine handelte“, erzählte Sarya und schaute dabei Raine an.
Sie hieß Maina… Maina und Mithos… Meine beiden Kinder…
„Was?“, hauchte Raine. „Mithos war dein… Sohn?“
Die Freunde schauten Raine verwundert an.
„Richtig, Mithos war Juells Sohn. Der Vater, Gion, gab aber seinen Kindern die Schuld dafür, dass Juell gestorben war und setzte sie aus“, erklärte Sarya.
Dieser Idiot! Wie konnte er das tun?!
„Aber war Juell nicht an einer Epidemie gestorben?“, fragte Kratos.
„An einer Epidemie, die fast nur junge Mütter befiel.“
„Aber woher weißt du das alles, Sarya? Warst du zu dem Zeitpunkt nicht schon längst tot?“, fragte Colette.
„Ja. Aber ich habe trotzdem alles mitbekommen, was auf der Welt vorging.“
„Nun ja, immerhin bist du ja auch eine Göttin…“, meinte Sheena.
„Nein, das stimmt nicht. Ich bin keine Göttin und Martel auch nicht. Wir sind die Schutzgeister dieser Welt. Unsere Aufgabe ist es, auf das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Lebewesen zu achten. Aber ich vernachlässigte diese Aufgaben und brachte mich letztendlich um, wodurch ich in Vergessenheit geriet und die Lebewesen fingen langsam an, Martel als Göttin zu bezeichnen“, seufzte Sarya. „Aber jetzt solltet ihr euch anhören, was in der Schriftrolle steht.“
Yuan, der immer noch wie gebannt Sarya anstarrte, schaute sich verwirrt um, als alle ihn auf einmal erwartungsvoll anblickten.
„Was… Oh, ach ja, die Schriftrolle…“, murmelte er und fuhr dann gefasster fort: „Ich werde euch erst einmal den Text in der uralten Elfensprache vorlesen:
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

„Hmpf. Warum habe ich mir das bloß schon gedacht?“, murmelte Kratos.
„Oh, du kennst die Worte, nicht wahr, Kratos? Erst als ich den Text übersetzt hatte, fiel mir wieder ein, dass du mir von dieser Prophezeiung schon einmal erzählt hattest“, sagte Yuan.
„Hab ich das?“, fragte Kratos irritiert.
„Du kannst dich nicht daran erinnern?!“, fragte Yuan perplex.
„Nein… Ich kann mich an diese Worte sowieso nur erinnern, weil ich Träume hatte, in denen meine Schwester mir von dieser Prophezeiung erzählt hat. Leider kann ich mich aber an die Übersetzung nicht erinnern…“
„Na dann sei froh, dass ich die herausgefunden habe…“, meinte Yuan und kramte einen kleinen Zettel aus einer Tasche.
Ein Kristall, der das Böse in sich beherbergt;
Ein legendärer Held, der dem Bösen verfällt;
Eine Frau, mit ihr unbekannten Vorfahren und einer schwierigen Aufgabe;
An einem stürmischen Tag wird sich das Schicksal entscheiden!

Kaum hatte Yuan das gesagt, sahen sie einen Blitz und kurz darauf ertönte ein Donnergrollen. Außerdem schien draußen ein Schneesturm zu herrschen.
Mit einem Mal konnte sich Kratos wieder an alles erinnern. Er wusste jetzt wieder, warum er damals Ayshal hatte verlassen müssen. Aber er wollte es nicht sagen.
„Die Frau ist Raine, das ist klar… Aber wer ist mit dem ‚legendären Helden’ gemeint?“, fragte Sheena.
„Ja, das ist eine gute Frage… Mithos kann es nicht sein…“, bemerkte Genis.
„Ach, das erfahren wir doch noch früh genug! Ich finde, wir sollten nach ihm suchen!“, meinte Lloyd, der ganz genau wusste, um wen es sich bei dem ‚legendären Helden’ handelte.
„Wie willst du nach ihm suchen, wenn du nicht einmal weißt, wer er ist? Und vor allem wo?“, fragte Zelos.
„In meiner Vision… waren wir auf dem Gipfel des Fooji-Gebirges…“, erzählte Lloyd bedrückt.
„Und du bist dir sicher, dass sich deine Vision jetzt erfüllt?“, fragte Genis.
„Ja… Goril kam darin vor…“
Kratos blickte auf.
„Also gut. Dann lasst uns zum Fooji-Gebirge fliegen…“, seufzte Raine.
„Kratos, kann ich noch kurz mit dir alleine reden?“, fragte Yuan.
Kratos nickte den anderen zu und sie gingen schon einmal nach draußen.
„Du hast den Verdacht, dass ich in der Prophezeiung erwähnt werde, richtig?“, fragte Kratos.
„Einen Verdacht?! Junge, ich wäre froh, wenn es nur ein Verdacht wäre! Nein, ich weiß es! Die Zeichen sind mehr als deutlich! Es ist ein Wunder, dass die anderen nicht darauf gekommen sind! Du berührst den Kristall und schon passiert etwas Merkwürdiges! Hinzu kommt, dass du ein Nachfahre von Goril bist und als ‚legendären Helden’ kann man dich auch bezeichnen! Der Grund, warum Raine ihre Aufgabe so schwer fallen wird, ist bestimmt, weil ihr euch liebt! Ja, ich habe gesehen, wir ihr auch angesehen habt! Aber der Grund, warum ich so genau weiß, warum du in der Prophezeiung erwähnt wirst, liegt hier!“, rief Yuan und zeigte ihm die Bilder auf der Schriftrolle.
Kratos’ Augen weiteten sich. Der Mann, der auf der Schriftrolle zu sehen war, war damals nicht sonderlich gut zu erkennen gewesen, aber jetzt sah man deutlich sein rotes Haar.
„Ich habe bemerkt, dass das Bild nur etwas dreckig war… Und als ich es gesäubert hatte, da wusste ich Bescheid!“, erzählte Yuan.
„Hmm… Dieses Bild war einer der Gründe gewesen, warum ich Ayshal verlassen musste. Der andere Grund war, dass ich mich merkwürdig verhalten habe, als ich den Kristall das erste Mal gesehen habe. Wenn meine Schwester mich nicht noch davon abgehalten hätte, den Kristall zu berühren, wäre Goril vermutlich schon damals zurückgekehrt. Wer weiß, vielleicht wäre es dann Juells Aufgabe gewesen, die Welt zu retten? Die Dorfbewohner jedenfalls wussten von da an, dass ich eine Gefahr darstellte und wollten mich umbringen. Aber in der Nacht bevor ich sterben sollte, schmuggelte mich meine Schwester aus dem Dorf und verlangte, dass ich nie wieder komme… Zwar wusste sie genauso gut wie die anderen Dorfbewohner, dass ich die Welt in Gefahr brachte, aber sie hatte noch die Hoffnung, dass ich dem Kristall nicht mehr zu nahe kommen würde… Ich frage mich nur, wie ich das alles über die Jahre vergessen konnte…“
„Was wirst du jetzt machen?“, fragte Yuan besorgt.
„Ich werde wohl…“
Kratos schnappte nach Luft. Auf einmal verspürte er einen ungeheuren Schmerz in seiner rechten Hand, der sich langsam über seinen Körper ausbreitete.
„Ich denke… bald werde ich nicht mehr ich selbst sein…“, keuchte er.
„Dann solltest du vielleicht vor den anderen zum Fooji-Gebirge fliegen, damit sie deine Verwandlung nicht mit ansehen müssen“, schlug Yuan vor.
„Ja…“
„Du kannst den Hinterausgang nehmen. Dort steht auch ein Rheaird. Ich werde versuchen, die anderen noch ein wenig hinzuhalten.“
„Danke, Yuan…“, murmelte Kratos und so schnell es ging rannte er aus dem Raum.
Gerade noch rechtzeitig, denn schon im nächsten Moment betrat Raine den Raum.
„Wo bleibst du, Kratos?“, fragte sie und sah sich verwirrt um, als sie ihn nirgends sah.
„Ähm… Kratos ist nur noch einmal für kleine Jungs… Er kommt gleich…“, versuchte Yuan sich herauszureden.
„Lüg mich nicht an, Yuan! Wo ist er?!“, fragte Raine ernst.
„Warum sollte ich lügen? Dafür habe ich doch gar keinen Grund… Hahaha…“
Raine schloss die Augen. „Ich sehe, dass er wegfliegt. Warum?“
„Wie… Wie kannst du das sehen?“, fragte Yuan überrascht.
„Ich habe mehrere Fähigkeiten, die außergewöhnlich sind. Sag mir jetzt, warum er wegfliegt oder ich…“
Dann sah Raine das Bild des Mannes auf der Schriftrolle, die immer noch auf dem Tisch lag. Yuan folgte Raines Blick und ärgerte sich, dass er die Schriftrolle nicht weggepackt hatte. Raine wich erschrocken zurück.
„Er… Er war mit dem ‚legendären Helden’ gemeint?!“
„Ich denke, es macht keinen Sinn mehr, es zu leugnen…“, meinte Yuan.
„Na klar. Jetzt macht alles Sinn! Deswegen hat Juell gesagt, es wäre besser für mich, wenn ich mich von Kratos fernhalte… Deswegen ist die Aufgabe für mich so schwierig… Deswegen hat Kratos gemeint, es könnte Situationen geben, in denen er mich nicht beschützen kann! Weil Goril Besitz von ihm ergreift und ich ihn töten muss! Und ihr beide habt das gewusst, Juell!“, rief Raine wütend und Tränen liefen ihr übers Gesicht.
Raine… Du darfst trotzdem nicht deine Aufgabe vergessen…
„Immer diese blöde Aufgabe! Ich kann ihn nicht töten! Ich liebe ihn!“
Aber wenn du es nicht tust, wird Goril die Welt vernichten…
„Sag mir, Juell, gibt es vielleicht einen Weg, Goril zu töten, ohne dass ich Kratos auch töten muss?“
Mir ist kein solcher Weg bekannt…
Raine vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Jetzt kamen auch die anderen herein.
„Raine, was ist los? Wo ist Kratos?“, fragte Genis besorgt.
„Wir haben eben einen Rheaird wegfliegen sehen, war er das?“, fragte Sheena.
Raine nickte.
„Aber warum? Will er es etwa alleine mit Goril aufnehmen?“, fragte Zelos.
„Wir sollten nicht hier rum sitzen, sondern ihn einholen, bevor ihm noch was passiert!“, meinte Sheena.
„Es hat alles keinen Sinn… Ich werde die Welt nicht retten können…“, schluchzte Raine.
Lloyd, der bis jetzt bedrückt den Blick zu Boden gesenkt hatte, blickte jetzt auf.
„Was sagst du da, Raine?! Du kannst doch nicht einfach aufgeben! Ich denke, ich weiß, wie schwer deine Aufgabe in Wirklichkeit ist, meine Vision hat es mir gezeigt! Aber egal wie schlimm sie auch aussieht, ich bin mir sicher, es wird alles gut!“, rief Lloyd.
Lloyd hat Recht, Raine. Ich habe dir doch auch schon gesagt, dass Visionen immer nur einen Teil zeigen. Er mag etwas Schlimmes gesehen haben, aber trotzdem kann alles gut werden. Ich mag keinen Weg kennen, wie du Kratos retten kannst, aber das heißt nicht, dass es keinen gibt!
„Ihr habt Recht… Ich darf jetzt nicht aufgeben…“, sagte Raine und stand auf. „Worauf wartet ihr? Wir müssen zum Fooji-Gebirge!“
Also brachen sie auf, um den letzten Kampf zu bestreiten.


[Dieser Beitrag wurde am 08.08.2007 - 21:02 von DelFina18 aktualisiert]





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...   Erstellt am 30.07.2007 - 15:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 15: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Es war schwierig, mit den Rheairds zu fliegen, denn es stürmte heftig und der Regen peitschte ihnen entgegen. Sie mussten auch vorsichtig sein, als sie den Berg hoch wanderten, denn die Wege waren nur schmal und glatt. Als sie am Gipfel ankamen, wartete ein schwarzhaariger Mann auf sie.
„Wie ich sehe, seid ihr also endlich angekommen. Oh! Sarya ist ja auch dabei! Raine, ich hoffe, du hast deine Meinung noch einmal geändert. Werde meine Frau und ich lasse deine Freunde am Leben!“
„Ich habe dir damals schon sehr deutlich gemacht, dass ich nichts von diesem Angebot halte! Aber ich warne dich, wenn du meinen Freunden auch nur ein Haar krümmst, dann…“, drohte Raine.
„Wirklich schade. Wenn du wütend bist, gefällst du mir sogar noch besser. Aber da du deine Meinung nicht geändert hast, werde ich wohl dich und deine Freunde umbringen müssen…“, seufzte Goril.
Lloyd ahnte, dass Genis gleich auf Goril zu rennen würde und tatsächlich geschah es innerhalb weniger Sekunden.
„Ich werde nicht zulassen, dass du meiner Schwester auch nur ein Haar krümmst, du Monster!“, rief er und bereitete einen Zauber vor.
„Hah! Was für eine Witzfigur!“, lachte Goril und zog sein Schwert.
Lloyd wusste, was jetzt geschehen würde. Aber selbst wenn er gewollt hätte, er hätte sich nicht bewegen können, denn er war wie gelähmt. Er konnte nicht einmal den Blick abwenden. Im nächsten Moment stand Raine schon zwischen den beiden, überseht von kleinen Eiszapfen und erstochen von dem Schwert, dessen Spitze aus ihrer Brust ragte. In diesem Moment war absolut nichts zu hören. Weder das Stürmen, noch der Regen oder das gelegentliche Donnergrollen.
„Er… ist zu stark für dich… Genis…“, sagte Raine und als Goril das Schwert aus ihrem Körper zog, brach sie zusammen.
Genis’ Augen weiteten sich vor Entsetzen. Diesmal konnte Raine nicht überleben. Sie würde sterben und es war seine Schuld.
Wie gelähmt waren jetzt auch die anderen. Es konnte nicht sein, was da eben passiert war. Raine durfte nicht sterben, sonst wäre die Welt dem Untergang geweiht.
„NEIN!!!“, schrie Goril, fiel auf die Knie und hielt sich den Kopf.
Seine Haare fingen an, sich rötlich zu verfärben und erst jetzt fiel den Freunden auf, dass er Kratos’ Kleidung trug. In diesem Moment wurde ihnen klar, dass Kratos der ‚legendäre Held’ der Prophezeiung war und sie wussten jetzt auch, warum Raine deswegen so fertig gewesen war.
„Raine…“, murmelte Kratos, der wieder die Kontrolle über seinen Körper hatte.
„Kratos… Nimm das Medaillon… Es konnte… mich nicht beschützen… Aber ich bin mir sicher… dass es dich wieder beschützen kann… Mir… nützt es sowieso nichts mehr…“, flüsterte sie und drückte ihm das Medaillon in die Hand.
„Raine, sag so etwas nicht! Du wirst leben! Wir werden Goril zusammen besiegen!“, rief Kratos.
„Nein… Ich habe… es nicht geschafft… meine Aufgabe… zu erfüllen… Diese Welt… ist dem Untergang geweiht… Es tut mir Leid… Ich habe… euch alle… im… Stich ge…lassen…“, flüsterte Raine, dann lag sie ganz ruhig da.
„Raine! Wach auf, Raine! Du darfst nicht sterben!“, schrie Kratos verzweifelt.
Aber Raine war tot. Sie würde nicht mehr aufwachen.
Eine Weile bewegte sich keiner. Kratos hielt Raines toten Körper in den Armen und vergoss stumme Tränen. Er würde sich niemals verzeihen können, dass Raine gestorben war. Er spürte das kalte Medaillon in seiner Hand und öffnete es. Die Nachricht an Raine war immer noch darin.
„Vergiss nicht, dass dich immer jemand beschützen wird… Ha… Haha… Hahaha!“, lachte Kratos. „Letztendlich war es eine Lüge… Ich habe sie nicht beschützen können, genauso wenig wie das so genannte Schutzmedaillon…“
Dann fiel er ohne ersichtlichen Grund in Ohnmacht.
„Dad!“, rief Lloyd besorgt.
„Die Welt wird untergehen… Raine wird nicht mehr zurückkommen… Was macht es noch für einen Sinn, in dieser Welt zu leben? Vielleicht sollte ich auch sterben…“, murmelte Genis, der mit geweiteten Augen auf dem Boden saß.
Lloyd ging zu ihm hin und verpasste ihm eine kräftige Ohrfeige.
„Denkst du, das ist es, was Raine gewollt hätte? Dass wir ihr alle in den Tod folgen? Wollte sie nicht viel mehr, dass wir leben?“
„Ist doch jetzt auch egal… Raine wird es nicht mehr kümmern, ob wir tot sind oder leben…“, meinte Genis gleichgültig.
„Ich fasse nicht, dass du so etwas sagst! Ich fasse es nicht, wie du einfach die Hoffnung aufgeben kannst!“, rief Lloyd.
„Von was für einer Hoffnung sprichst du, Lloyd?“, fragte Sheena niedergeschlagen.
„Die Hoffnung, dass Raine wieder leben wird! Hat uns Raine nicht immer wieder überrascht? Sie hat sogar den Kochwettbewerb gewonnen!“
„Das ist doch etwas vollkommen anderes, Lloyd…“, meinte Zelos bedrückt.
„Das mag sein. Aber im Prinzip war es auch ein Wunder. Warum sollte nicht heute auch eins geschehen?“, fragte Lloyd die anderen.
„Weil es Wunder nicht gibt!“, ertönte eine Stimme hinter ihnen.
Sie drehten sich erschrocken um und sahen Goril, der wieder die Kontrolle über Kratos’ Körper hatte.
„Wunderbar! Die Dämonenjägerin ist tot und dieser Kerl, der sie unbedingt beschützen wollte, hat sich selber aufgegeben! HAHAHA!“

Raine hatte das Gefühl, zu schweben. Wo war sie? Wer war sie? War sie nicht nur ein Teil des Nichts? Frei und ohne Sorgen? Aber wenn sie zum Nichts gehörte, wie konnte sie dann denken? Ein Nichts dachte doch nicht. Also konnte sie nicht das Nichts sein. Aber wer oder was war sie dann? Warum wollte sie das überhaupt wissen? War es nicht egal? Wen kümmerte es schon, wer sie war? Sie war hier, wo auch immer das sein mochte, ganz allein. Allein und einsam. Sie fragte sich, wie lange sie schon hier war. Ein paar Minuten, Stunden, vielleicht sogar ihr ganzes Leben? Aber was war das Leben überhaupt? Konnte man das hier ‚Leben’ nennen? War es nicht eher ein Übergang zwischen Leben und Tod? Aber das würde bedeuten, dass sie gestorben war. Dabei konnte sie sich nicht einmal an ihr Leben erinnern. Was hatte sie gemacht, was für eine Person war sie gewesen? Lauter solcher Fragen schossen ihr durch den Kopf. Moment, hatte sie überhaupt einen Kopf? Hatte sie überhaupt einen Körper? Raine spürte nichts. Sie konnte sich nicht bewegen, schwebte hilflos in der Luft. Sie bekam Angst. Sie wollte nicht an diesem Ort sein, wo sie sich nur Fragen stellte, auf die sie keine Antworten bekam. Sie wollte nicht mehr allein sein.
„Bitte… Ich will, dass jemand kommt!“
Wie konnte sie überhaupt reden? Aber diese Frage verwarf sie gleich wieder. Es ging halt irgendwie. Genauso würde sie irgendwie wieder in ihr Leben zurückkehren. Sie wollte nicht tot sein. Sie hatte das Gefühl, dass sie noch eine Aufgabe zu erledigen hatte.
Aber was für eine Aufgabe?, fragte eine Stimme in ihr.
„Ich muss die Welt retten…“, antwortete Raine.
Du? Die Welt retten? Schau dich doch mal an! Du schaffst es ja nicht einmal, dich zu bewegen, wie willst du dann die Welt oder deine Freunde retten?
Ihre Freunde? Jetzt wo sie darüber nachdachte, erinnerte sie sich an sie. Es waren tolle Freunde gewesen, auf die man sich jederzeit verlassen konnte.
Ach wirklich? Waren es nicht dein Bruder und Kratos, die dich getötet haben?
„Das stimmt nicht! Es war Gorils Schuld!“, rief Raine.
Und wieso ziehst du Goril dann nicht zur Rechenschaft?
„Ich komm hier doch nicht weg…“
Ich komm hier doch nicht weg..., äffte ihre innere Stimme Raine nach. Wenn du wirklich hier weg willst, dann schaffst du das auch! Merkst du eigentlich, dass die ganze Zeit jemand versucht, mit dir zu reden?
Jemand wollte mit ihr reden? Aber wer?
Raine…
Die Stimme war sehr leise, aber trotzdem wusste Raine gleich, um wen es sich handelte.
„Juell!“, rief sie.
Raine, endlich komme ich mal zu dir durch! Hey, öffne mal die Augen!
Aber sie hatte doch gar keine Augen! Sie hatte doch überhaupt keinen Körper oder etwa doch? Andererseits schien sie einen Kopf zu haben und einen Mund auch. Warum dann nicht auch einen restlichen Körper?
Als sie die Augen öffnete, hatte sie das Gefühl, in einen Spiegel zu schauen.
„Juell?“, fragte Raine benommen. „Wo sind wir?“
In einer Dimension zwischen dem Reich der Lebenden und dem Reich der Toten. Aber jetzt hör mal, du machst mir echt schöne Sachen! Lässt dich einfach niederstechen, ich fass es nicht… Wie meinst du, kannst du die Welt retten, wenn du tot bist?
„Ich weiß es nicht…“
Ja, das habe ich gemerkt! Und ich darf alles wieder einmal ausbaden…
„Du kannst mir mein Leben zurückgeben?“, fragte Raine erstaunt.
Ja. Allerdings werde ich danach für immer verschwinden, auch im Reich der Toten werde ich nicht mehr zu finden sein. Ich werde sozusagen richtig tot sein, ich werde nicht mehr existieren. Ich hoffe, du weißt es zu schätzen, dass ich meine Existenz für dein Leben opfere!
„Natürlich tue ich das!“
Gut. Dann mach dich bereit! Und, Raine?
„Ja?“
Vergiss mich nicht!
„Wie könnte ich das?“, meinte Raine traurig.

„Wie sollen wir Goril besiegen?“, fragte Sheena ahnungslos.
„Ich weiß es nicht!“, rief Zelos.
„Ihr könnt mich nicht besiegen. Ich bin unsterblich!“, schrie Goril hochmütig.
„Das werden wir ja sehen!“, meinte Lloyd und griff ihn mit seinen beiden Schwertern an.
Aber es dauerte nicht lange und er lag hilflos am Boden. Goril hatte sein Schwert auf ihn gerichtet.
„Ihr seid alle solche Schwächlinge!“, sagte Goril verächtlich und wollte Lloyd schon sein Schwert in die Seele rammen, als eine Stimme rief: „Dann leg dich doch mit mir an!“
Vollkommen gesund stand Raine da. Den anderen hatte es die Sprache verschlagen. Nur Lloyd grinste und sagte: „Ich wusste es! Es gibt eben doch Wunder!“
Selbst Goril war einen Moment perplex. Aber dann fing er an zu lachen.
„Nun, das macht das Ganze spannender. Aber auch du wirst mich nicht töten können!“
„Das wirst du ja noch sehen“, meinte sie ruhig.
„Wirst du es auch übers Herz bringen, deinen geliebten Kratos umzubringen?“
Diese Frage versetzte Raines Herz einen Stich. Wie sollte sie es schaffen, Goril zu töten, wenn sie dabei auch Kratos töten musste? Sie wusste es nicht. Aber dann fiel ihr etwas ein, dass Juell gesagt hatte, nämlich, dass es das Wichtigste für Dämonenjäger wäre, Gefühle aus dem Spiel zu lassen. Also dachte Raine nicht mehr an Kratos. Sie vergaß ihren Bruder und ihre Freunde und baute eine Barriere in ihrem Inneren auf. Das Einzige, was zählte, war, dass sie ihre Aufgabe erfüllte und das war der Moment, in dem die wahre Dämonenjägerin in ihr zum Vorschein kam. Sie hatte keine Gefühle mehr.
Goril richtete sein Schwert gegen Raine und Lloyd rannte zu den anderen.
„Siehst du, Genis? Ich habe dir doch gesagt, dass sie wieder leben wird!“
Aber Genis konnte nicht antworten. Er konnte immer noch nicht glauben, dass Raine nicht mehr tot war.
„Wo ist eigentlich Sarya?“, fragte Zelos auf einmal.
In der Tat war sie nirgendwo zu sehen.
„Vielleicht sollten wir Raine helfen!“, schlug Sheena vor.
Die anderen stimmten ihr zu und nahmen ihre Waffen in die Hand.
„Raine, wir lenken ihn ab!“, rief Lloyd.
Aber von Raine kam keine Antwort. Dafür sprintete sie los und wich Gorils Hieben und Stichen geschickt aus. Sobald sie den Blutdolch in der Hand hielt, ritzte sie sich damit in die rechte Handinnenfläche, beschmierte die Klinge mit ihrem Blut, nahm den Dolch in die blutende Hand und rannte damit auf Goril zu. Sie hatte immer noch die Schnelligkeit, die sie Njujin zu verdanken hatte und deswegen konnte Goril den Angriff nicht rechtzeitig abwehren. Trotzdem lachte er, obwohl der Dolch in seiner Brust steckte.
„Ich bitte dich! Jetzt versuchst du, mich mit einem einfachen Dolch umzubringen! Es funktioniert nicht, sieh es ein!“
„Dieser Dolch wird deine Seele zerschneiden und meine Magie wird sie endgültig zerstören“, sagte Raine gefühllos.
„Das glaube ich erst, wenn es so weit ist“, meinte Goril.
„Ris ruthal sola ju nade kirnes, sen sileve murix alic fri!“
Goril erschrak, denn er spürte, wie der Zauber wirkte.
Stumm zog Raine den Blutdolch aus Gorils Brust. Ihre Aufgabe war erfüllt. Goril, der jetzt wieder Kratos war, fiel tot auf die Erde.
In diesem Moment wurde Raine wieder sie selbst. Sie sah, was sie getan hatte und sie fiel auf die Knie. Weinend lag sie auf Kratos’ Brust.
„Dad…“, murmelte Lloyd traurig.
„Kratos… E-Es muss einen Weg geben, ihn wieder zum Leben zu erwecken…“, schluchzte Raine.
„Den gibt es. Es ist ein ähnlicher Zauber, wie der, den Juell verwendet hat, um dich zu retten“, sagte eine Stimme hinter ihnen.
Als sie sich umdrehten sahen sie Martel und Sarya, die gerade auf der Erde landeten.
„Aber… hätte Juell mir dann nicht gesagt, dass man damit Kratos retten kann?“, fragte Raine.
„Für eine Person, die noch nicht gestorben ist, gibt es keinen Weg, diesen Zauber einzusetzen. Aber du bist bereits gestorben und deswegen ist dir dieser Weg offen. Allerdings… wirst du ein Opfer bringen müssen. Wie dieses Opfer aussieht, können wir allerdings nicht sagen. Es kann sein, dass du dein Leben verlierst oder noch schlimmer, deine Existenz, genau wie Juell. Es steht nur fest, dass du etwas verlieren wirst. Willst du es trotzdem versuchen?“, fragte Martel.
„Ja.“
„Raine, tu es nicht! Ich will dich nicht noch einmal sterben sehen müssen!“, rief Genis flehend.
„Ich werde schon nicht sterben, Genis.“
„Woher willst du das wissen?“
„Weil doch jemand auf dich aufpassen muss“, meinte Raine und legte ihm eine Hand auf den Kopf.
„Versprichst du es mir?“, fragte Genis.
„Klar. Versprochen!“
„Also gut… Und wehe, du brichst das Versprechen!“
Raine schloss die Augen. Eine innere Ruhe kehrte in ihr ein. Sie reckte ihre Hände zum Himmel und beschwor ein uraltes Wesen.
„Ist es normal, dass es so lange dauert?“, fragte Lloyd nach ein paar Minuten.
„Es kommt drauf an, wie lange der Körper schon tot ist. In diesem Fall dauert es wirklich ziemlich lange… Wenn Raine so weiter macht, verliert sie bald ihre Lebensenergie“, erklärte Sarya.
„Wir müssen sie aufhalten!“, rief Genis erschrocken.
„Das können wir nicht. Sie hat eine Barriere um sich gelegt“, sagte Martel.
Genis aber rannte auf Raine zu und wurde in hohem Bogen zurückgeschleudert.
„Au… Raine, hör auf!“, rief er seiner Schwester zu, als er wieder aufgestanden war.
„Genauso wenig kann sie uns hören“, meinte Sarya.
„Raine…“, murmelte Genis.
„Keine Angst, Genis. Sie schafft das schon!“, munterte Lloyd ihn auf.
„Du hast Recht!“
Auf einmal tauchte ein riesiger roter Vogel mit goldenen Schwingen auf – ein Phönix. Raine wusste, dass dieses Tier Kratos zurück ins Leben holen würde. Nach ein paar Minuten schlug sein Herz wieder und Raine verwendete ihre letzte Kraft dazu, um seine Wunde zu schließen. Sie sah noch, wie Kratos sich aufrichtete, dann fiel sie vor Erschöpfung in Ohnmacht.

Raine wachte davon auf, dass sie etwas im Gesicht kitzelte.
„Nicht… Ich will noch schlafen…“, murmelte sie müde.
„Hey, hast du dir den Spruch bei Lloyd abgeguckt?“, fragte eine Stimme lachend.
Auf einmal war sie hellwach und öffnete die Augen.
„Kratos!“, rief sie glücklich und umarmte ihn heftig.
„Ich freu mich ja auch, aber du brauchst mir nicht gleich deswegen das Genick zu brechen…“, meinte er.
Vor Freude kamen Raine die Tränen.
„Also andere weinen, wenn sie traurig sind und nicht, wenn sie lachen sollten!“
„Ich weiß…“, lachte Raine und wischte sich die Tränen eilig weg.
„Komm, die anderen fragen sich schon, wann du endlich aufwachst!“, sagte Kratos, nahm ihre Hand und zog sie mit nach draußen.
Sie erkannte sofort, dass sie in Meltokio waren. Kratos führte sie von Zelos’ Haus aus vor das Schloss, wo die anderen sich versammelt hatten.
„Raine!“, rief Genis begeistert und stürmte auf sie zu.
„Siehst du, ich habe mein Versprechen nicht gebrochen!“, sagte sie fröhlich.
„Findet ihr nicht, wir sollten das Ganze feiern?“, fragte Zelos.
„Du immer mit deinen Feiern!“, meinte Sheena und schüttelte den Kopf.
„Warum denn nicht? Grund genug hätten wir dazu“, sagte Raine.
„Du solltest dich erst einmal ausruhen, Raine“, wandte Kratos ein.
„Ach was, mir geht es prima!“
Aber kaum hatte sie das gesagt, sank sie auf die Knie.
„Ich bin nur noch ein wenig wackelig auf den Beinen, das ist alles…“, sagte Raine beschwichtigend.
„Du solltest es trotzdem nicht übertreiben, Raine. Du hast Glück gehabt, dass du noch am Leben bist. Solange, wie du die nach dem Phönix gerufen hast hast, ist es regelrecht ein Wunder. Aber trotzdem war der Preis kein geringer. Du merkst es vielleicht selber. Du hast deine ganze Magie verloren, nicht nur die der Dämonenjägerin, sonder auch die Elfische. Und das heißt, dass du äußerlich zwar noch was Elfisches an dir haben magst, aber eigentlich jetzt eher ein Mensch bist“, erklärte Sarya.
„So ist das also…“, murmelte Raine. „Aber das war es wert!“
Sie stand auf und umarmte Kratos.
„Nun… Wir werden wieder in den Himmel verschwinden und euch von dort aus beobachten…“, meinte Martel und langsam stiegen sie und Sarya nach oben.
„Macht’s gut!“, rief Sheena winkend.
„Danke für alles!“, rief Genis.
„Hoffentlich sehen wir uns mal wieder!“, schluchzte Zelos.
„Was machen wir eigentlich mit dem Kristall?“, fragte Sheena und holte ihn heraus.
„Irgendwie bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich ihn nur sehe…“, meinte Raine.
„Mir geht es nicht anders… Ich will mit diesem Teil nichts mehr zu tun haben!“, sagte Kratos und zerstörte ihn mit seinem Schwert.
„Was hast du getan? Es war immer noch ein wertvolles Artefakt! Mir war zwar ein wenig unheimlich, wenn ich ihn sah, aber ich wollte ihn trotzdem noch untersuchen!“, meinte Raine schockiert.
Alle mussten lachen. Letztendlich schien Raine immer noch Raine zu sein.
„Tut mir Leid… Aber sieh nur, kannst du ihn jetzt nicht fiel besser untersuchen? Du brauchst ihn immerhin nicht mehr auseinander zu nehmen…“, versuchte Kratos sich rauszureden.
„Hahaha! Das war ein Scherz, Kratos! Denkst du, ich habe wirklich den Nerv, dieses Teil zu untersuchen, wo es so viel Unheil angerichtet hat?“
Bei Kratos’ perplexem Gesichtsausdruck kriegten sich so einige nicht mehr ein vor lauter Lachen.

Ein paar Tage später waren Kratos, Lloyd, Raine und Genis in Ayshal, um Weezl und Kijon zu besuchen.
„Da seit ihr ja endlich!“, rief Weezl aufgeregt, als er sie kommen sah.
„Hallo Weezl!“, meinte Raine fröhlich.
„Raine, Genis, ich habe euch so vermisst!“, rief Weezl und tanzte um die beide herum.
„Ah, schön, euch mal wieder zu sehen…“, meinte Kijon, der sich auf einen Stock stützen musste. „Weezl hat mich jeden Tag mit der Frage genervt, wann ihr endlich wieder kommen würdet…“
„Wirklich?“, fragte Raine amüsiert.
„Gar nicht wahr! Es war nur fast jeden Tag!“, meinte Weezl beleidigt.
„Ihr kommt jedenfalls genau rechtzeitig zum Essen“, sagte Kijon.
„Geht schon einmal vor, ich habe noch etwas zu erledigen. Kijon, warte… Ich muss dich noch was fragen…“, sagte Raine.
„Na dann, schieß los!“, meinte Kijon, als die anderen verschwunden waren.
„In welchem Haus hat Juell gelebt?“
„Hmm… Das müsste das dort hinten gewesen sein, das, welches so verlassen aussieht. In diesem Haus lebten seither nur die Dämonenjäger, die die direkten Nachfahren von Tretch Rubb waren, der dieses Dorf gegründet hat. Seit Juell gestorben war und ihre Kinder verschwunden waren, hat niemand mehr dieses Haus betreten, geschweige denn darin gelebt.“
„Gut, danke!“, sagte Raine und eilte zu dem verlassenen Haus.
Vorsichtig öffnete sie die Tür. Als sie das Haus betrat, sah sie fast nur Staub und Spinnenweben. Raine wurde von einer tiefen Trauer erfasst, als sie die Treppenstufen hinauf stieg. Fast schien es ihr, als wäre sie schon einmal in diesem Haus gewesen. Aber sie wusste natürlich, dass das nicht sein konnte. Trotzdem wusste sie genau, wo Juells Zimmer sich befand. Deswegen vermutete sie, dass es damit zusammen hing, dass sie Juells Wiedergeburt war. Der Fußboden knarrte, als sie das Zimmer betrat. Viel gab es in dem Zimmer nicht. Nur ein Bett, einen Schrank, einen kleinen Tisch, einen Nachttisch und ein paar Bilder. Raine hängte die Kleidung der Dämonenjägerin in den Schrank. Irgendwie hatte sie das Bedürfnis gehabt, sie diesem Haus, indem Juell und so viele andere Dämonenjäger gewohnt hatten, zurückzugeben. Viel anfangen konnte sie sowieso nicht mehr damit und sie war der Meinung, dass sie auch das Recht nicht mehr hatte, sie zu tragen. Ihr wurde leicht schwindelig und sie musste sich kurz auf das Bett setzen. Anscheinend hatte sich ihr Körper immer noch nicht daran gewöhnt, keine Magie mehr zu haben. Als sie eine Schublade in dem Nachttisch fand, packte sie ihre Neugier und sie machte sie auf. Sie fand Juells Tagebuch darin und fing an, es zu lesen. Aber ihr wurde schnell langweilig, denn wirklich was Spannendes stand nicht drin. Sie legte es auf den Tisch und wollte schon gehen, als sie auf einmal hörte, wie etwas auf den Boden fiel. Es war das Tagebuch. Aber wie konnte das sein? Es hatte auf der Mitte des Tisches gelegen. Es hatte nicht runterfallen können.
Raine sah, dass es aufgeschlagen auf dem Boden lag. Zögernd ging sie näher hin. Die Seiten waren leer. Auf einmal bekam Raine eine Gänsehaut. Ihr war das Ganze unheimlich, aber sie konnte nicht gehen. Irgendetwas hielt sie in einem Bann. Ihre Augen weiteten sich, als langsam Buchstaben auf einer der leeren Seiten erschienen. Vor lauter Schreck stolperte sie rückwärts und fiel auf den Boden.
„Hallo Raine“, stand jetzt auf der Seite.
Wäre Raine nicht zu entsetzt gewesen, wäre sie glatt in Ohnmacht gefallen. Wieder erschienen neue Worte: „Bitte habe keine Angst.“
Keine Angst haben war gut. Ihr Herz pochte wie verrückt, ihr Blut gefror und ihr einziger Gedanke war, dass das alles nur Einbildung sein konnte.
„Diese Art des Redens ist wirklich etwas komplizierter…“, waren die nächsten Worte, die im Tagebuch erschienen.
„Juell?“, flüsterte Raine erschrocken.
„Ja. Gefällt dir mein Haus?“
„Es ist ein wenig… eingestaubt…“, meinte Raine immer noch schockiert.
„Nach über 4000 Jahren ist das auch kein Wunder, Raine.“
Anscheinend hatte sie ihren Humor nicht verloren und das beruhigte Raine ein wenig.
„Wie kann es sein, dass du mit mir reden beziehungsweise schreiben kannst?“
„Ich weiß es nicht genau. Wahrscheinlich bin ich in einer Art Dimension zwischen dem Tod und dem Nichts. Ich bin also erst dabei, zu verschwinden.“
„Das heißt, du wirst mir nicht für immer schreiben können?“, fragte Raine traurig.
„Nein. Bald werde ich wirklich verschwunden sein. Aber ich bin froh, dass ich noch mit dir reden kann. Wie geht es den anderen?“
„Denen geht es gut… Die anderen sind wieder nach Hause gegangen. Nur Kratos, Lloyd, Genis und ich sind hier in Ayshal…“, erzählte Raine.
„Wie eine Familie. Aber das seid ihr ja auch mehr oder weniger. Hahaha!“
„Ja…“
Raine winkelte ihre Beine an und umschloss sie mit ihren Armen.
„Raine, könntest du dieses Tagebuch zerstören, sobald ich verschwunden bin?“
„Warum das?“
„Es bildet ein Tor zu dieser Dimension. Nicht auszudenken, was alles passieren könnte! Stell dir mal vor, es würde in die falschen Hände gelangen…“
„Ist gut…“
„Ich denke… es ist Zeit… Ich fange an… mich aufzulösen…“
„Was? Kannst du nicht noch ein bisschen bleiben?“, fragte Raine.
„Ich habe… keinen Einfluss… darauf… Aber es war schön… noch einmal… mit dir sprechen zu können… Lebe wohl, Raine…“
„Juell!“
Aber es kam keine Antwort mehr. Traurig nahm Raine das Tagebuch, ging die Treppe hinunter in das Wohnzimmer, zündete im Kamin ein Feuer an und warf das Tagebuch in die Flammen. Sie blieb davor sitzen und beobachtete, wie es langsam verbrannte. Letztendlich schlief sie ein.
„Raine, wach auf!“, weckte Genis sie.
„Das Tagebuch… ist es verbrannt?“, fragte sie müde.
„Was für ein Tagebuch?“, fragte Lloyd.
„Wenn du diese Asche hier meinst, würde ich sagen: ja“, meinte Kratos und zeigte in den Kamin, dessen Feuer schon erloschen war.
„Gut…“, murmelte Raine, drehte sich um und schlief weiter.
„Raine, du kannst doch nicht einfach wieder einschlafen!“, rief Genis empört.
„Lass sie. Wer weiß, was sie heute alles erlebt hat“, sagte Kratos lächelnd und deckte sie zu.


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...   Erstellt am 02.08.2007 - 00:10Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Endlich bin ich fertig... Es sind letztendlich doch 5 Spezialkapitel geworden... ^^" (Kann man das dann überhaupt noch "Spezial"kapitel nennen? Egal... XD)
Viel Spaß damit! ^-^

Kapitel 16: Meroluna, das Reich der Fischmenschen (1. Spezialkapitel)

Sie rannte durch einen Wald. Sie rannte um ihr Leben. Noch nie hatte sie sich so sehr gewünscht, an einem anderen Ort zu sein wie jetzt. Wenn wenigstens jemand bei ihr gewesen wäre! Aber sie war ganz allein, allein in diesem unheimlichen Wald, mitten in der Nacht. Nebel stieg langsam auf und sie hörte die Krähen krächzen. Fahles Mondlicht beleuchtete ihren Weg. Ihr Atem ging schnell und unregelmäßig. Sie wusste nicht, wie lange sie schon rannte, sie wusste nur, dass sie nicht aufhören durfte. Sie wollte, dass dieser Spuk endlich ein Ende hatte. Warum kam ihr niemand zu Hilfe? Sie hatte mehrmals schon verzweifelt gerufen, aber niemand schien sie gehört zu haben.
Plötzlich stolperte sie und fiel der Länge nach hin. Ihr Fuß schmerzte und sie konnte nicht mehr aufstehen. Panisch versuchte sie, sich weiter zu bewegen, aber sie wusste, dass es nichts brachte. Sie würden sie gleich eingeholt haben und dann wäre ihr Leben zu Ende.
„Sieh mal einer an…“, sagte eine kalte Stimme, „Da ist sie ja!“
Aus dem Schatten trat ein Wesen mit schwarzer, lederner Haut. Seine scharfen Klauen waren blutbefleckt. Anscheinend hatte er auf dem Weg durch den Wald Tiere getötet. Hauchdünne, große Flügel waren auf seinem Rücken. Seine glühenden, roten Augen sahen aus wie Feuer und sie hatte das Gefühl, dass sie jede ihrer Bewegungen genau sahen. Es hatte keinen Sinn, auch nur daran zu denken, wegzulaufen. Kurz darauf tauchten auch andere seiner Art auf. Sie war von diesen Wesen umzingelt.
„Dieser Wald wird zu deinem Grab werden!“, rief einer von ihnen.
„Nein…“, flüsterte sie und Tränen liefen ihr übers Gesicht, „Lasst mich in Ruhe!“
„Haha! Du kannst nichts gegen uns ausrichten!“, lachte einer und packte sie an der Kehle.
Sie spürte, wie sich seine andere Klaue in ihren Magen bohrte. Warmes Blut lief ihren Körper hinab.
„NEIN!!!“, schrie Raine und wachte aus diesem Alptraum auf.
Sie keuchte heftig und brauchte einen Moment, bis sie sich einigermaßen beruhigt hatte.
„Alles in Ordnung, Raine?“, fragte Kratos beunruhigt, der neben ihr lag.
„Ja, es war nur ein Alptraum…“, meinte Raine und kuschelte sich an ihn.
Ein Monat war vergangen, seit sie Goril besiegt hatten. Kratos, Raine, Genis und Lloyd waren zusammen in ein Haus in Iselia gezogen, das groß genug für sie alle war.
Als Raine am nächsten Morgen aufwachte, war ihr speiübel. Schwankend ging sie in die Küche, wo Genis schon Frühstück machte.
„Morgen, Raine! Hast du gut geschlafen?“, fragte er.
„Nicht wirklich…“, murmelte sie.
„Du, ich glaube, die Eier sind nicht mehr gut… Sieh mal!“, meinte er und zeigte ihr sie.
Sie waren total faul. Raine hielt sich die Hand vor den Mund, rannte ins Badezimmer und übergab sich.
„Deswegen musst du dich doch nicht gleich übergeben…“, murmelte Genis und deckte den Tisch.
„Morgen…“, brummte Kratos.
„Guten Morgen!“, rief Genis fröhlich.
„Genis, bitte schrei heute morgen nicht so…“, sagte Raine, die sich aus dem Bad schleppte.
„Wie siehst du denn aus? Du bist ja ganz blass!“, sagte Kratos besorgt.
„Mir ist auch hundeelend…“, seufzte Raine.
„Also mir geht’s prima!“, meinte Lloyd, der in die Küche kam.
„Wow, du hast es sogar geschafft, zum Frühstück aufzustehen!“, bemerkte Genis beeindruckt.
„Ich habe ja auch Hunger!“, sagte Lloyd grinsend.
Während alle anfingen, sich von den Brötchen zu nehmen, saß Raine nur still auf ihrem Stuhl.
„Wilft u…“, wollte Lloyd mit vollem Mund fragen, entschloss sich dann aber doch noch, alles runterzuschlucken und stellte seine Frage dann ganz: „Willst du nichts essen, Raine?“
„Nein… Ich habe keinen Hunger…“
„Nicht, dass du krank wirst!“, meinte Genis besorgt.
Raine schüttelte den Kopf.
„Mmh, dieser Schinken ist lecker…“, sagte Lloyd.
Wieder musste Raine ins Badezimmer rennen und sich übergeben.
„Also, irgendwoher muss diese Übelkeit doch kommen…“, meinte Genis.
„Vielleicht hat sie was Falsches gegessen“, vermutete Lloyd.
„Oder es ist eine Nachwirkung des Alptraums, den sie letzte Nacht hatte…“, bemerkte Kratos nachdenklich.
„Ah, jetzt geht’s mir schon viel besser…“, seufzte Raine, „Und irgendwie habe ich jetzt Hunger…“
Aber anstatt sich von den Brötchen zu nehmen, holte sie sich Eis aus dem Kühlschrank und saure Gurken aus einem Schrank. Sie setzte sich an den Tisch, tunkte eine Gurke in das Eis und stopfte sie sich in den Mund.
„Mmh… Einfach köstlich!“, rief sie und nahm sich noch eine Gurke.
„Raine, wie kannst du so etwas nur schon am Morgen essen?“, fragte Genis, der gerade nach einem weiteren Brötchen greifen wollte, es sich dann aber doch noch anders überlegte. „Da vergeht einem ja glatt der Appetit!“
„Ich kann doch auch nichts dafür! Ich habe auf einmal Hunger darauf!“
Innerhalb weniger Minuten hatte sie den ganzen Behälter mit Eis und das Glas mit den sauren Gurken geleert.
„Mmh… Davon muss ich nachher unbedingt mehr kaufen… Das schmeckt köstlich!“, rief Raine.
„Der Fall ist klar: Sie leidet unter Geschmacksverirrung!“, flüsterte Genis kichernd zu Lloyd.
„Das habe ich gehört, Genis!“, meinte Raine verärgert und verpasste ihm eine Kopfnuss.
Auf einmal fing sie an, zu schluchzen.
„Immer seid ihr so gemein zu mir…“
„Eeeehhh?! Was ist denn jetzt mit ihr los?!“, fragte Genis erstaunt.
„So gemein…“, schluchzte Raine immer noch.
„Raine, beruhige dich…“, meinte Kratos ein wenig unbeholfen.
Auf einmal sprang sie auf.
„Kommt, wir müssen in die Schule!“, rief sie, als wäre nichts gewesen.
„Ähm… T-Traust du dir das denn zu?“, fragte Genis ein wenig zögernd.
„Was soll das denn heißen?“, fragte Raine mit blitzenden Augen.
„N-nichts!“, meinte Genis beschwichtigend.
„Das will auch meinen! Wir sollten dann jetzt… ge… hen…“
Auf einmal schwankte sie. Bevor sie umkippen konnte, fing Kratos sie auf und legte sie ins Bett.
„Irgendetwas stimmt nicht mir ihr…“, meinte Kratos beunruhigt.
„Das würde ich aber auch sagen!“, stimmte Genis zu.
„Vielleicht sollten wir einen Arzt holen…“, schlug Lloyd vor.

Der Arzt hörte sich in Ruhe an, was sie ihm zu berichten hatten, untersuchte Raine und nickte mit dem Kopf.
„Ist es etwas Schlimmes?“, fragte Genis besorgt.
„Nein, das ist es nicht.“
„Ist es ansteckend?“, fragte Lloyd.
„Ansteckend? Hahaha! Nicht das ich wüsste…“, lachte der Arzt. „Allerdings wird sie jetzt wohl öfters unter Übelkeit leiden und Heißhungerattacken auf recht merkwürdige Dinge haben. Auch Stimmungsschwankungen sind nicht ungewöhnlich.“
„Wird sie denn bald wieder gesund werden?“, fragte Kratos.
„Nun… Es wird wohl noch eine Weile andauern… Da werden sie ein wenig Geduld zeigen müssen…“, meinte der Arzt.
„Können sie eigentlich auch mal Klartext reden?“, fragte Lloyd verärgert.
„Haha! Nun, ich denke, ihr müsst selber draufkommen, was mit ihr los ist. Auf Wiedersehen!“, sagte der Arzt und verschwand.
„Toll! Jetzt sind wir genauso schlau wie vorher!“, seufzte Genis.
„Wir sollten sie jetzt erstmal schlafen lassen“, meinte Kratos.

Am Mittag wachte Raine auf. Sie wusste, dass etwas anders war als sonst. Aber sie wusste nicht, was. Sie hatte das Gefühl, dass sich etwas mit ihrem Körper änderte, ganz langsam und allmählich. Es fühlte sich fast so an, als wäre ein zweites Leben in ihr und wenn sie es nicht besser gewusst hätte, hätte sie gesagt, dass Juell wieder in ihrem Körper war. Aber das konnte natürlich nicht sein. Aber sie war sich ganz sicher, dass es ein ähnliches Gefühl war wie damals. In diesem Moment wurde ihr klar, was mit ihr los war und sie musste lächeln. (Vielleicht etwas unwahrscheinlich, dass sie es so schnell herausfindet… XD)
Da niemand im Haus war, ging sie nach draußen. Gleich kam ihr jemand freudig entgegen – Noishe. Glücklich wedelte er mit dem Schwanz und umkreiste sie.
„Hey, ist ja gut!“, lachte sie, „Wo sind denn die anderen?“
Sofort lief Noishe um das Haus herum und Raine folgte ihm. Kratos und Lloyd trainierten, während Genis ein Buch las.
„Raine, geht es dir besser?“, fragte Genis, der sein Buch wegleckte.
„Ja“, meinte Raine fröhlich.
„Der Arzt wollte uns nicht wirklich sagen, was für eine Krankheit du hast… Er meinte nur, es sei nichts Schlimmes und nicht ansteckend“, sagte Lloyd.
„Du kannst ‚es’ ja auch nicht als eine Krankheit bezeichnen!“, meinte Raine.
„‚Es’?“, fragte Kratos und sah sie irritiert an.
„Ja, ‚es’.“
„Willst du uns denn nicht sagen, was dieses ‚es’ ist?“, wollte Lloyd wissen.
„Hmm… Ich weiß nicht…“, meinte Raine nachdenklich.
„Komm schon, wir machen uns sonst nur Sorgen!“, drängte Genis.
„Also gut, ich gebe euch einen Tipp. ‚Es’ ist ein Geschenk des Himmels.“
„Ehehehe… Das hilft uns jetzt sehr weiter…“, sagte Genis ironisch.
„Meine Güte, so schwer ist es ja nun auch nicht! Kratos, wenigstens du solltest doch wissen, was mit mir los ist!“, rief Raine verärgert.
„Ähm… Sollte ich das?“, fragte dieser ein wenig verwirrt.
„Argh! Männer! Ich gehe jetzt einkaufen!“, rief sie und stapfte wütend davon.
Raine kaufte sich einen riesigen Vorrat an sauren Gurken und Eis. Schon auf dem Weg nach Hause fing sie an, davon zu essen.
„Hallo Professor Raine! Geht es Ihnen schon besser?“, fragte Colette, die sie zufällig sah.
„Hm? Ja… Nein, eigentlich nicht! Es regt mich einfach auf!“, meinte Raine und stopfte sich noch eine Gurke in den Mund, natürlich nicht, ohne sie vorher ordentlich in Eis getunkt zu haben. (Öhh… Wie macht sie das eigentlich? O.o Gurkenglas in der einen Hand, Eisbehälter in der anderen… Wie kann sie dann eine Gurke in das Eis tunken? Egal, es geht irgendwie, muss jetzt gehen XD)
„Was denn?“, fragte Colette und sah ein wenig irritiert zu, wie sich Raine noch eine Gurke in den Mund stopfte.
„Dass sie nicht dahinter kommen, was mit mir los ist! Die Zeichen sind doch wohl mehr als deutlich!“ (-.- Ach wirklich? XD)
„Warum sagen Sie es ihnen nicht einfach?“
„Weil sie ruhig selber darauf kommen können! Zumindest Kratos! Er hat so was doch schon mal erlebt! Mmh… Das schmeckt gut… Willst du auch etwas?“, fragte Raine.
„N-nein, danke… Was genau ist denn mit Ihnen los?“, wollte Colette wissen.
„Ich denke, dir kann ich es sagen… Ich bekomme ein Baby!“ (Hihi ^-^)
„Wow, herzlichen Glückwunsch!“
„Danke“, sagte Raine lächelnd.
„Die anderen werden bestimmt auch noch darauf kommen!“, meinte Colette aufmunternd.
„Ja, du hast Recht… Nun gut, ich werde dann mal nach Hause gehen…“
„Bis bald! Und überanstrengen Sie sich nicht!“
„Nein, keine Sorge!“
Nach dem Abendbrot verschwand Raine ohne ein Wort in einem Zimmer, wo sie alte Sachen aufbewahrten. Die Tür war nur angelehnt und Kratos, Genis und Lloyd beobachteten sie heimlich durch den kleinen Schlitz.
„Was macht sie da?“, fragte Lloyd flüsternd.
Raine holte aus einem Schrank verstaubte Puppen und alte Klamotten.
„Hey, das sind meine alten Klamotten! Ich wusste gar nicht, dass sie sie noch aufgehoben hat…“, murmelte Genis.
„Aber wozu holt sie sie jetzt wieder heraus?“, fragte Kratos.
„Ich denke, ich weiß jetzt, warum sie sich so komisch benommen hat! Sie…“
Aber Genis wurde von Lloyd unterbrochen.
„Sie will sie natürlich aussortieren! Das muss es sein!“
„Unsinn, du Dussel! Sie…“
Doch wieder konnte Genis nicht ausreden.
„Was ist das?! Doch wohl nicht etwa… Raine, pass auf!“, schrie Kratos und stürmte in das Zimmer.
Aber es war zu spät. Eine Schlange hatte Raine gebissen.
„Das ist eine Giftschlange!“, rief Genis panisch.
„Wo kommt die auf einmal her?!“, fragte Lloyd und wollte sie mit seinem Schwert in zwei Teile spalten, aber die Schlange bahnte sich ihren Weg durch ein Kistenlabyrinth und im nächsten Moment hatte Lloyd sie verloren.
„Holt schnell einen Arzt!“, rief Kratos und legte Raine auf ein Bett.
„Kratos… Ich habe Angst… Was ist, wenn ihm etwas passiert?“, fragte Raine ängstlich.
„Ihm? Raine, was meinst du damit?“
„Unserem Baby! Was ist, wenn unser Baby das nicht überlebt?!“
„Du… Du bist schwanger?“, fragte Kratos ein wenig überrascht.
Raine nickte. Kratos streichelte sanft ihren Kopf und lächelte.
„Keine Angst. Ich bin mir sicher, unser Baby ist genauso stark wie seine Mutter!“
„Was gibt es diesmal?“, fragte der Arzt, den Genis und Lloyd geholt hatten.
„Sie wurde von einer Giftschlange gebissen, das haben wir doch schon gesagt!“, rief Genis wütend.
„Ihr habt wild durcheinander gesprochen und ich habe kein Wort verstanden!“, bemerkte der Arzt kopfschüttelnd. „Zunächst muss ich wissen, was für eine Giftschlange es war.“
„Ich glaube, sie war schwarz…“, meinte Lloyd.
„Unsinn, sie war gelb!“, widersprach Genis.
„Das könnte dann entweder eine Norukil Sapolem oder eine Amerunna Sapolem gewesen sein… Aber solange ich nicht genau weiß, was für eine Schlange es war, kann ich ihr kein Gegengift geben!“, sagte der Arzt.
„Können sie ihr nicht einfach ein Wundermittel verabreichen?“, fragte Kratos.
„Um Himmels Willen, nein! Wundermittel helfen nur bei dem Gift von Schlangenmonster und anderen Statusveränderungen, aber nicht bei dem Gift einer gewöhnlichen Schlange!“
„Also müssen wir die Schlange finden, oder?“, fragte Lloyd.
„Ja und ich würde euch raten, euch zu beeilen!“, sagte der Arzt und Genis und Lloyd rannten eilig in das Zimmer, wo die Schlange Raine gebissen hatte und räumten die Kisten beiseite.
Raine ging es hingegen immer schlechter. Sie bekam hohes Fieber und schlief immer wieder ein, nur um kurz darauf aus Alpträumen aufzuwachen. Das Einzige, was Kratos tun konnte, war, ihr ein nasses Tuch auf die Stirn zu legen, es nach einer Weile wieder in eine Schüssel mit Wasser zu tauchen und Raines Hand zu halten.
„Das Baby… Das Baby…“, murmelte Raine immer wieder und drehte ihren Kopf unruhig von einer Seite auf die andere.
„Schhhhh. Es wird alles gut“, flüsterte Kratos ihr beruhigend zu.
„Verdammt, wo kann sie bloß sein?!“, fragte Genis wütend und trat eine Kiste beiseite.
„Genis, bleib ruhig! Wir finden diese Schlange schon!“, sprach Lloyd ihm aufmunternd zu.
„Ich hoffe nur bald!“, rief Genis und wollte gerade eine Puppe treten, als Lloyd rief: „Warte, Genis! Dort ist sie!“
Sie hatte sich um die Puppe gewickelt und beobachtete die beiden aus ihren roten Augen. Sie zischte wütend. Sie war schwarz-gelb gestreift, so dass sowohl Genis als auch Lloyd Recht gehabt hatten.
„Diesmal entkommst du mir nicht!“, sagte Lloyd und packte sie am Kopf, so dass sie ihn nicht beißen konnte.
„Wir haben sie!“, rief Genis dem Arzt zu.
„Das ist eine Kerumilo Sapolem! In Ordnung, dann kann ich ihr jetzt das passende Gegengift geben!“, sagte der Arzt und holte eine Spritze hervor. „Sie wird jetzt erst einmal ruhig schlafen. Morgen sollte sie wieder vollkommen gesund sein.“
„Wird der Schlangenbiss irgendwelche negativen Auswirkungen auf das Baby haben?“, fragte Kratos noch, bevor der Arzt ging.
„Nein, da brauchen sie sich keine Sorgen zu machen!“, sagte der Arzt und ging nach draußen.
„Baby? Raine ist schwanger?“, fragte Lloyd verblüfft.
„Habe ich es mir doch gedacht! Deswegen hat sie meine alten Klamotten aus dem Schrank geholt und die Puppen!“, rief Genis fröhlich.

In den nächsten Tagen wurde schon einmal ein Zimmer für das Baby hergerichtet. Raine blühte regelrecht darin auf, wenn es darum ging, Möbel auszusuchen. Auch war das Baby inzwischen mit genügend Kleidung versorgt, denn auch die Freunde, die inzwischen erfahren hatten, dass Raine schwanger war, hatten Einiges dazu beigetragen.
„Das reicht ja sogar für Zwillinge!“, meinte Genis immer.
„Nun, man muss immer davon ausgehen…“, antwortete Raine dann lachend.
Morgens musste Raine sich immer noch übergeben, genauso wurde sie auch sehr oft von Heißhungerattacken geplagt. Ihre Stimmungsschwankungen hatten ein wenig nachgelassen, aber inzwischen hatten alle ein Gefühl dafür, wann sie Raine nicht reizen durften.
„Warum unternehmen wir nicht mal wieder was?“, fragte Lloyd eines Morgens.
„Ja, wie wäre es mit einer Schiffsfahrt? Heute ist das Wetter perfekt dafür!“, rief Genis begeistert.
„S-Schiffsfahrt?! Ohne mich…“, meinte Raine, der allein vom Gedanken schon schlecht wurde.
„Ach komm schon, Raine! Das macht doch Spaß! Und was soll schon großartig passieren?“, fragte Genis fröhlich. (Ja, was nur… XD)
„Du weißt, dass ich seekrank bin… Außerdem hasse ich Schiffe!“
„Ob du dich nun hier übergibst oder auf dem Schiff, das ist doch nun vollkommen gleich!“, drängte Genis weiter.
„Stell dir nur mal vor: Du kannst dich entspannt auf eine Liege legen, ein Buch lesen, den Fahrtwind genießen… Und keiner wird dich stören, nicht wahr, Genis?“, fragte Lloyd.
„Genau! Du hast endlich deine wohlverdiente Ruhe!“
„Kratos, was meinst du denn dazu?“, fragte Raine, in der Hoffnung, dass Kratos die Idee ablehnen würde.
„Mir egal“, meinte dieser nur.
„Komm schon, Raine!“, riefen Lloyd und Genis gleichzeitig.
Raine seufzte. Sie hatte wohl keine andere Wahl, als dem Ganzen zuzustimmen.
„Also gut…“
„Yeah!“, riefen Genis und Lloyd begeistert.
Das Schiff fuhr in der Nähe von Triet ab und fuhr in Richtung Izoold, um von dort aus wieder zurückzukehren. Widerwillig betrat Raine das Schiff. Sie hatte kein gutes Gefühl dabei. Irgendwie spürte sie, dass etwas passieren würde und zwar nichts Gutes. Sie sollte Recht behalten. In der Nähe von Izoold bewölkte sich der Himmel und es wurde windiger.
„Das sieht stark nach einem Gewitter aus…“, meinte Genis gelassen.
„Eher nach einem Sturm…“, sagte Lloyd ruhig.
„Wie könnt ihr da so ruhig bleiben?!“, fragte Raine panisch.
„Wären wir ernsthaft in Gefahr, wäre schon längst die Durchsage gekommen, dass wir uns Schwimmwesten anziehen sollen“, erklärte Genis.
>Wir möchten alle Gäste darauf hinweisen, dass es etwas stürmisch werden könnte, aber es droht keine ernsthafte Gefahr. Wir werden in Kürze den Hafen von Izoold erreichen. (Ehehehe… *Hust*)
Das war die Lautsprecherdurchsage. (Also, mein Kommentar gehört da natürlich nicht zu XD)
„Siehst du, Raine? Wir kommen gleich in Izoold an…“, sagte Lloyd fröhlich.
Trotzdem war Raine mulmig zumute und das lag nicht an der Übelkeit, die sie schon die ganze Zeit verspürt hatte.
„Du brauchst keine Angst zu haben“, munterte Kratos sie auf und umarmte sie.
Im nächsten Moment blitzte es und Raine wurde klar, dass nicht alles in Ordnung war. Es war jetzt nicht nur eine Ahnung, sondern sie wusste es. Sie wusste, etwas Schreckliches würde passieren und deswegen klammerte sie sich noch fester an Kratos. Das Meer wurde unruhiger, die Wellen schlugen höher und schwappten über die Reling. Auf einmal kippte das Schiff zur einen Seite. Raine wurde aus Kratos Armen gerissen und fiel über die Reling.
„Kratos!“, rief sie und streckte die Hand nach ihm aus, dann umströmte sie das kühle Nass und sie wurde ohnmächtig.
„RAINE!!!“, schrie Kratos und wollte ihr schon hinterher springen, aber diesmal kippte das Schiff zur anderen Seite und Kratos prallte gegen die Wand.
„Raine…“, flüsterte er, dann wurde ihm schwarz vor Augen.
Auch Genis und Lloyd war es nicht besser ergangen und so konnte keiner versuchen, Raine aus der Tiefe des Meeres zurückzuholen.

Raine öffnete ihre Augen. Sie hatte das Gefühl, zu fallen. Sie bekam keine Luft und wusste, dass sie am Ertrinken war. Aber sie konnte sich nicht bewegen. Auf einmal spürte sie, wie etwas sie am Arm packte und sie noch weiter in die Tiefe zog.
Das ist diesmal wohl wirklich das Ende…, dachte sie. (-.- Wer’s glaubt…)
Umso erstaunter war sie, als sie im nächsten Moment wieder Luft bekam. Hustend und spuckend lag sie auf dem Boden. Ein menschenähnliches Wesen hatte sich besorgt über sie gebeugt. Es hatte grün-blaue Haut und Hände und Füße waren mit Schwimmhäuten versehen. Die Haare waren lang, ebenfalls grün und sahen aus wie Algen. Es trug ein beiges Oberteil, dessen kurze Ärmel blau waren, eine Hose, die aus einem schwarz-grauen Material zu bestehen schien und eine Muschelkette.
„Wer bist du? Wo bin ich?“, fragte Raine.
„Ich bin Ski’ra. Du bist in Meroluna, dem Reich der Fischmenschen!“, antwortete der weibliche Fischmensch. „Aber wer bist DU?“
„Ich bin Raine… Hast du mich gerettet?“
„Ja, das habe ich, Raine. Wieso bist du so tief getaucht? Ich dachte, die Landbewohner bleiben lieber an der Oberfläche.“
„Ich bin nicht getaucht! Wir sind mit dem Schiff in einen Sturm geraten und ich bin über die Reling gefallen…“
„Oh, schlimme Sache… Hmm… Jetzt, wo ich dich so betrachte… Du könntest die Frau aus unseren Legenden sein…“, meinte Ski’ra nachdenklich.
„Ich glaube eher nicht… Wie komme ich bloß wieder an die Oberfläche?“, fragte Raine.
„Och, indem du einfach schwimmst!“, sagte Ski’ra so, als wäre es selbstverständlich.
„Aber ich kann so lange nicht die Luft anhalten!“
„Tja, das ist dein Pech. Chiol, der König hätte der Frau aus den Legenden bestimmt etwas gegeben, womit sie wieder zur Oberfläche kommt… Aber da du das nicht bist, kann man da nichts machen…“, seufzte Ski’ra und ging in Richtung einer Stadt.
Erst jetzt fiel Raine auf, dass alles von einer riesigen Kuppel umschlossen war, in der Luft gefüllt war, deswegen konnte sie auch unbeschwert atmen.
„Warte! Wo gehst du hin?“, fragte Raine.
„Nach Hause, natürlich“, war die schlichte Antwort.
„Was ist, wenn ich die Frau aus den Legenden bin? Was muss ich machen?“, fragte Raine.
„Das darf nur der Frau aus den Legenden gesagt werden.“
„Und was ist, wenn ich diese Frau bin?“
„Eben hast du noch gesagt, du wärst nicht diese Frau“, meinte Ski’ra.
„Was steht denn in euren Legenden?!“, fragte Raine verärgert.
„‚Eine Frau aus der Oberwelt wird kommen. Weiße Haare, blaue Augen, spitze Ohren, ohne jegliche Magie, aber mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Sie kommt, wenn das Volk sie am dringendsten braucht’“, erzählte Ski’ra.
„Damit kann nur ich gemeint sein…“, meinte Raine ein wenig überrascht.
„Sag ich doch. Aber du wolltest mir ja nicht glauben. Ich bringe dich am besten zum König, der wird dir erzählen, was du tun musst.“
Sobald sie Aloros, die Hauptstadt von Meroluna betraten, erhielt Raine neugierige und erstaunte Blicke. Raine gefiel es nicht, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen.
„Prinzessin Ski’ra! Euer Vater sucht Euch schon überall!“, rief eine der mit einem Dreizack bewaffneten Wachen, als sie vorm Palast standen, der aus riesigen Korallen gebaut war.
„Prinzessin?!“, fragte Raine überrascht.
„Ach, macht er sich wieder einmal Sorgen, dass mir etwas passieren könnte?“, fragte Ski’ra und schüttelte den Kopf.
„Ihr seid nun einmal seine jüngste Tochter!“, meinte die Wache.
„Ja, ich weiß, ich weiß… Aber ist das ein Grund, mich wie ein kleines Kind zu behandeln?“
Die Wache zuckte mit den Schultern und Ski’ra betrat seufzend den Palast. Raine folgte ihr staunend. So einen Palast hatte sie natürlich noch nie gesehen.
„Du hast mir gar nicht gesagt, dass du eine Prinzessin bist!“, sagte sie.
„Tut mir Leid. Aber ich gehöre nicht zu denen, die meinen, dadurch etwas Besonderes zu sein, im Gegensatz zu meinen Schwestern, die fest davon überzeugt sind…“
Sie gingen einen langen Gang entlang, dessen Wände mit den unterschiedlichsten Muscheln verziert waren. Raine blieb immer wieder stehen, um sie genauer zu betrachten.
„Faszinierend!“, rief sie begeistert.
„Findest du? Es sind einfach nur Muscheln…“
Sie betraten einen riesigen Thronsaal. Durch die Fenster der südlichen Wand konnte man das Wasser und die Fische sehen. Der Saal wurde durch kleine Lampen erhellt, die anscheinend nicht durch Feuer entzündet worden waren. Zu gerne hätte Raine sie näher untersucht, aber Ski’ra ging weiter, bis sie vor dem Thron stand, auf dem der König saß. Er sah älter aus als Ski’ra, seine Haut war faltiger und seine gelben Augen sahen müde aus. Seine algenartigen Haare waren kürzer als Ski’ras und sie waren von einem dunkleren Grün.
„Ski’ra! Ich habe dich schon gesucht! Wo hast du dich wieder herumgetrieben?“, fragte er seine Tochter.
„Ich war draußen und habe Ritero-Fische gejagt. Nun sieh mal, wen ich gerade noch so vorm Ertrinken retten konnte!“
„Meine Güte! Eine Frau aus der Oberwelt mit weißen Haaren, blauen Augen… Ist das die Retterin unseres Volkes?“
„Ja, das ist Raine. Sie möchte wieder nach Hause“, erklärte Ski’ra.
„Ich fürchte, dass sich das im Moment als schwierig erweisen dürfte. Die Xari-Schoten sind aufgebraucht und die nächste Ernte steht erst in einem halben Jahr an“, berichtete der König zögernd.
„Xari-Schoten?“, fragte Raine.
„Damit könntest du ohne Probleme unter Wasser atmen“, erklärte Ski’ra.
„Das heißt, ich muss mindestens ein halbes Jahr hier bleiben? Das geht nicht, ich muss zurück zu meiner Familie!“, rief Raine.
„Ich fürchte, wir können nichts daran ändern… Aber du könntest die Zeit nutzen und unser Volk vor dem Untergang retten!“
„Was muss ich dafür tun?“, fragte Raine halbwegs abwesend.
Die Nachricht, erst in einem halben Jahr an die Oberfläche zurückkehren zu können, hatte sie sichtlich geschockt. Ski’ra schaute sie mitleidig an und schaute dann bedrückt auf den Boden.
„Du musst die drei Teile der Turamba-Maske finden, die seit tausend Jahren verloren sind und sie hierher bringen. Damit können wir die Meerhexen vertreiben, die seit Jahren versuchen, Meroluna zu erobern. Allerdings haben wir keine Ahnung, wo sich die Teile der Maske befinden…“
„In Ordnung. Aber ich bleibe höchstens so lange, bis ich wieder nach Hause kann!“
„Ski’ra, zeige ihr doch, wo sie schlafen kann!“, forderte der König seine Tochter auf.
„Komm mit, Raine“, sagte Ski’ra und führte sie eine Treppe nach oben.
„Dieses Zimmer liegt direkt neben meinem. Du möchtest dich bestimmt erst einmal ausruhen“, meinte Ski’ra und verließ das Zimmer.
Raine warf sich auf das Bett, das aus einer Haut bestand, welche über ein Gestell aus Korallen gespannt war. Es war nicht so bequem wie eine Matratze, aber das störte Raine nicht weiter. Sie fragte sich nur, wie sie es ein halbes Jahr lang hier aushalten sollte ohne ihre Familie, ohne die Sonne, ohne Wiesen und Bäume und ohne den Himmel. Warum musste so etwas immer passieren, wenn sie gerade glücklich war? Erst der Schlangenbiss und jetzt war sie verschollen in der Tiefe des Meeres und konnte den anderen nicht einmal sagen, dass es ihr gut ging.
„Kratos… Genis… Lloyd…“, murmelte sie und so weinte sie sich in den Schlaf.

Mit Kopfschmerzen wachte Kratos auf. Er lag auf einem Bett in einem Gasthaus.
Raine!
Das war der erste Gedanke, der ihm kam. Er stand auf und ging aus dem Zimmer.
„Dad! Geht es dir soweit gut?“, fragte Lloyd, der sich gerade mit Genis unterhalten hatte.
„Wo ist Raine?“, fragte Kratos.
Sowohl Genis als auch Lloyd wichen seinem Blick aus.
„Wir wissen es nicht… Wir haben nur noch gesehen, wie sie über die Reling gefallen ist…“, sagte Genis traurig.
„Wir müssen nach ihr suchen!“, rief Kratos und stürmte nach draußen.
Lloyd und Genis folgten ihm. Sie befanden sich in Izoold. Sie kauften sich ein Boot, mit dem sie aufs Meer hinausfuhren.
„Hier… Hier ist sie über die Reling gefallen…“, murmelte Kratos und stand auf, so dass das kleine Boot schaukelte.
„Dad, was hast du vor?“, fragte Lloyd ein wenig irritiert.
„Ich werde tauchen.“
Das tat er dann auch. Genis und Lloyd machten es ihm anfangs nach und so suchten sie unter Wasser nach Raine – ohne Erfolg. Genis und Lloyd kehrten schließlich ins Boot zurück.
„Vielleicht sollten wir gucken, ob sie irgendwo an Land gespült wurde?“, schlug Lloyd vor.
„Ja, das ist eine gute Idee!“, rief Genis.
Kurz darauf tauchte Kratos wieder auf, um Luft zu holen. Gerade als er wieder untertauchen wollte, rief Lloyd: „Warte, Dad! Was ist, wenn Raine irgendwo an Land gespült wurde?“
Kratos hielt inne. Das war natürlich eine Möglichkeit.
„Ja, das könnte sein…“
„Dann sollten wir die Gegend um Izoold nach ihr absuchen!“, meinte Genis.
Den Rest des Tages suchten sie am Strand von Izoold und auf einer Insel in der Nähe nach Raine, aber sie fanden sie nicht. Letztendlich ging die Sonne unter und Lloyd und Genis drängten darauf, erst einmal nach Iselia zurückzukehren und die nächsten Tage wieder nach Raine zu suchen. Kratos, der eigentlich noch weiter suchen wollte, gab schließlich nach. Auch er musste sich ausruhen. Doch auch in den nächsten Tagen fanden sie keine Spur von Raine – weder auf dem Land noch im Wasser. Aber die drei gaben nicht auf. Sie hatten vor, demnächst mit spezieller Ausrüstung zu tauchen, die sie von Yuan erhalten hatten. Damit konnten sie tiefer tauchen und würden vielleicht endlich Erfolg haben.





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Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

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~Kraine no Aikosha~
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...   Erstellt am 02.08.2007 - 12:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 17: Die Suche beginnt (2. Spezialkapitel)

Inzwischen begann Raines Suche nach den Teilen der Turamba-Maske. Der König hatte gesagt, dass er mindestens einen Teil in den Überresten einer antiken Stadt ihrer Vorfahren vermutete.
„Die Ruine liegt außerhalb der Stadt, deswegen solltest du das hier anziehen!“, sagte Ski’ra und reichte ihr die gleiche Kleidung, die auch sie trug. „Die Hose ist aus Haifischhaut und sehr stabil. Das Oberteil besteht aus einer wolligen Pflanzenart (ich weiß, das klingt komisch XD), aus der wir sehr feste Kleidung herstellen können. Diese Kleidung saugt sich nicht so schnell mit Wasser voll und hält außerdem warm. Zudem solltest du eine Tasche mitnehmen, falls wir einen Teil der Maske finden.“
„Moment einmal, wir müssen ins Wasser? Aber wie soll ich da draußen denn atmen? Diese Xari-Schoten sind doch aufgebraucht!“, wandte Raine ein.
„Ähm… Für diese kurzen Strecken haben wir Virno-Schoten. Sie wirken nicht so lange wie die Xari-Schoten. Du isst eine davon und bekommst Kiemen. Sobald du wieder in einen luftgefüllten Raum kommst, verschwinden die Kiemen wieder“, erklärte Ski’ra nervös.
„Warum kann ich damit dann nicht zur Oberfläche schwimmen?“, fragte Raine.
„Wie gesagt, sie sind nur für kurze Strecken. Bis zur Oberfläche ist es aber ein weiter Weg.“
„Aber ich bin doch gar nicht so weit gesunken…“
„Jetzt wo du es erwähnst… Eigentlich hättest du längst ertrunken sein müssen, als ich dich gefunden habe… So tief kann ein Mensch unmöglich kommen, wenn er nicht spezielle Ausrüstung dabei hat! Du scheinst ein Wunder der Natur zu sein… Aber immerhin bist du auch die Retterin unseres Volkes!“
Ein Wunder der Natur…
Aber so wirklich glauben konnte sie das nicht. Sie hatte nicht einmal mehr Magie, wie hatte sie es dann geschafft, so tief zu kommen, ohne zu ertrinken?
„Du solltest dir noch eine Waffe mitnehmen. Die Haie hier in der Gegend können recht aggressiv sein“, bemerkte Ski’ra.
„Oh, ich habe noch einen Dolch…“, meinte Raine und holte den Blutdolch aus ihrer Tasche. Sie hatte ihn immer bei sich.
„Hmm… Er sieht recht interessant aus… Wie hast du ihn bekommen?“, fragte Ski’ra neugierig.
„Das ist eine lange Geschichte…“, sagte Raine.
„Nun, ich würde sie zu gerne hören…“
Aber Raine kam nicht dazu, die Geschichte Ski’ra zu erzählen, denn im nächsten Moment stürmte ein kleiner Junge ins Zimmer und fiel Ski’ra um den Hals. Seine Haare waren schon fast schwarz und standen wirr ab.
„Wo gehst du hin, Ski’ra?“, fragte er.
„Looki, musst du mir immer fast den Hals brechen?“, fragte Ski’ra genervt.
„Wer ist das?“, wollte Raine wissen.
„Das ist Looki, mein nerviger, kleiner Bruder…“
„Ich bin nervig?“, fragte Looki und es war nur eine Frage der Zeit, bis er anfangen würde, Tränen zu vergießen.
Ski’ra verdrehte die Augen und sagte: „Nein, natürlich bist du das nicht…“
Looki fing an zu grinsen.
„Aber jetzt sag mir, wo du hingehst! Sag’s mir! Sag’s mir!“
„Wir gehen zu den Ruinen der Stadt…“
Kaum hatte Ski’ra das gesagt, hüpfte Looki vor Freude durch das Zimmer.
„Ich will mit, ich will mit!“, rief er begeistert.
„Das ist viel zu gefährlich für einen kleinen, neugierigen Jungen!“, sagte Ski’ra.
„Ach, ich pass schon auf!“
Dabei musste Raine an Genis denken und sie schaute bedrückt drein.
„Raine, was ist mit dir?“, fragte Ski’ra, die bemerkte, dass sie niedergeschlagen war.
„Es ist nichts… Lasst uns jetzt gehen…“
„Das heißt ich darf mit?“, fragte Looki begeistert.
„Na gut… Bedank dich bei Raine…“
„Danke, Raine!“, rief Looki mit einem strahlenden Gesicht und umarmte Raine.
„S-Schon gut…“, sagte Raine ein wenig unbeholfen.

Das Wasser war kalt und Raine brauchte erst eine Weile, bis sie sich an die Temperatur gewöhnt hatte. Vorher hatte sie noch eine von den Virno-Schoten gegessen und hatte jetzt Kiemen, womit sie unter Wasser atmen konnte. Natürlich hatte Raine erst gezögert, in das Wasser zu gehen. Aber letztendlich blieb ihr nichts anderes übrig, wenn sie irgendwann wieder nach Hause wollte.
Es war für Raine etwas ganz Neues, zu tauchen und so viele unterschiedliche Fische zu sehen. Eins stand fest: Wenn sie in einem halben Jahr zur Oberfläche zurückkehren würde, hätte sie keine Angst mehr vor Wasser
„Dort vorne ist es!“, rief Ski’ra ihr zu, nachdem sie eine Weile geschwommen waren.
Raine nickte nur. Sie sah Mauerreste und umgestürzte Säulen. Sie waren mit komischen Zeichen versehen und schneller, als Ski’ra und Looki schwamm sie darauf zu und untersuchte sie begeistert.
„Solche Dinge gefallen dir wohl, oder?“, fragte Ski’ra lächelnd.
„Ja.“
Sie sahen eine Art Tempel, der noch recht gut erhalten war. Sie öffneten die Tür und betraten ihn. Sobald sie drin waren, schloss sich die Tür wieder. Als sie die nächste Tür öffneten, lief das Wasser ab.
„Interessant…“, sagte Raine, als das Wasser abgelaufen war.
„Nun… wenn du meinst…“, meinte Ski’ra, die dem Ganzen nichts abgewinnen konnte.
Sie kamen in einen großen Raum, dessen unterer Bereich mit Wasser gefüllt war. Vor ihnen führte eine Treppe nach unten, während links und rechts Wege zu verschiedenen Räumen führten.
„Hmm… So wie es aussieht, müssen wir das Wasser erst ablassen, wenn wir nach unten wollen…“, murmelte Raine und suchte nach einem Hebel oder Ähnliches.
„Ach was, wir können doch einfach tauchen!“, rief Looki und er wollte schon eine Virno-Schote essen (die Fischmenschen haben nämlich keine Kiemen und sind ebenfalls auf die Schoten angewiesen ^-^) und ins Wasser springen, aber Ski’ra hielt ihn zurück.
„Warte! Siehst du das dort? Das sind Skelette!“
„Ja, und?“, fragte Looki, der seine Schwester nicht verstand.
„Das könnte ein Zeichen sein, dass das Wasser vergiftet ist“, sagte Raine ruhig.
„Oh…“, war das Einzige, was Looki dazu einfiel.
Raine ging nach rechts und sah sich die Räume an, fand aber nichts, das nach einem Mechanismus zum Ablassen des Wassers aussah. Auch auf der linken Seite wurde sie nicht fündig.
„Irgendwo muss doch etwas sein…“, meinte sie ärgerlich.
„Und wenn nicht?“, fragte Looki gelangweilt.
„Dann finde ich eben so einen Weg! Darin habe ich schon Erfahrung…“, antwortete Raine und dachte daran, wie sie damals in die Ruine in der Nähe von Triet gekommen war. „Nein, diesmal finde ich bestimmt den richtigen Weg…“
„Nun… Hier gibt es ja nicht sehr viele Stellen, wo sich ein Hebel befinden könnte…“, bemerkte Ski’ra.
„Was ist, wenn man das Wasser gar nicht ablassen kann? Vielleicht war das Wasser ja nicht immer da!“, warf Looki ein.
„Nein. Seht ihr diese Stelle an der Wand?“, fragte Raine und deutete auf die gegenüberliegende Wand. „Dort sind Ritzen, was bedeutet, dass sich dort eine Tür oder Ähnliches befindet. Aber die anderen Türen, die wir hier überall sehen, sehen ganz anders aus. Deswegen vermute ich, dass sie zum Ablassen des Wassers da ist.“
„Ja, gut. Dann wissen wir jetzt schon einmal, durch welche Tür das Wasser abgelassen wird, aber…“, wandte Looki ein, wurde aber von Raine unterbrochen: „… aber wir haben immer noch keinen Schalter gefunden, ich weiß! Am logischsten wäre es, wenn er direkt über der Tür wäre…“
Raine ging zur gegenüberliegenden Seite und seufzte, da sie partout nichts fand.
„Es ist nur eine Wand“, meinte Ski’ra.
„Es muss einen Weg geben… Ich werde nicht aufhören, nach einem Hebel zu suchen! Wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es, nicht aufzugeben, auf Wunder zu hoffen und auf mein… Herz zu hören…“
Kaum hatte sie dies gesagt, wurde sie nachdenklich. Sie fragte sich, ob sie immer noch die Fähigkeit hatte, mit ihrem Herzen zu sehen. Sie wusste nicht genau, ob es zur Magie der Dämonenjägerin gehörte oder ob sie die Fähigkeit von Njujin bekommen hatte. Letztendlich konnte sie es nur ausprobieren und so schloss sie die Augen.
„Raine?“, fragte Ski’ra irritiert.
„Seid für einen Moment ruhig. Ich muss mich konzentrieren.“
Looki und Ski’ra warfen sich verwirrte Blicke zu, stellten aber keine weiteren Fragen. Raine blendete alles aus und konzentrierte sich darauf, mit ihrem Herzen zu sehen. Tatsächlich meinte sie, ein schwaches Bild zu sehen, aber es war längst nicht so deutlich, wie die Bilder früher es gewesen waren. Sie konzentrierte sich noch stärker. Die Fähigkeit, mit dem Herzen zu sehen, hatte sie wohl wirklich von Njujin erhalten, aber ihre Magie hatte ihr wahrscheinlich dabei geholfen, schärfere Bilder zu sehen. Doch sie gab nicht auf. Vielleicht dauerte es ohne Magie einfach länger, bis sie die Fähigkeit richtig nutzen konnte. Langsam sah sie die Wand vor sich deutlicher – und den Hebel, der dort angebracht war. Sie lächelte, hielt die Augen aber geschlossen. Womöglich konnte sie den Hebel nur betätigen, wenn sie mit ihrem Herzen sah. Als sie jetzt nach ihm griff, spürte sie das kalte Metall. Sie hörte, wie es klickte, als sie ihn betätigt hatte und kurz darauf hörte man, wie sich eine Tür öffnete und das vergiftete Wasser ablief. Als sie jetzt die Augen öffnete, sah sie, wie Ski’ra und Looki sie wie ein Wesen aus einer anderen Welt betrachten.
„Wie… Wie hast du das gemacht?“, fragte Ski’ra verblüfft.
„Ich habe mit meinem Herzen gesehen“, antwortete Raine, „und den Hebel betätigt.“
„Also ist dort wirklich ein Hebel?“, fragte Looki und suchte mit seiner Hand die Wand ab.
Aber für ihn war sie glatt.
„Ohne Magie, aber mit ungewöhnlichen Fähigkeiten… Ja, ich denke, das trifft zu… Und wenn man bedenkt, dass du es bis nach hier unten ohne Ausrüstung geschafft hast…“, murmelte Ski’ra.
„Nun… Dass ich geschafft habe, ist mir selber noch ein Rätsel… Womöglich ist das ebenfalls eine Fähigkeit, die ich von Njujin habe…“, vermutete Raine.
„Njujin? Wer ist das?“, fragte Looki neugierig.
„Er war ein guter Freund…“, sagte Raine und ging die Treppe nach unten.
Looki wollte ihr noch weitere Fragen stellen, aber Ski’ra schüttelte den Kopf.
„Sie wird uns schon noch alles erzählen, wenn sie bereit dazu ist.“
Unten angelangt, sahen sie nur eine Tür, durch die sie gingen. (Die Wasser-Ablassungs-Tür ist ja nicht zum Durchgehen bestimmt)
Im nächsten Raum angelangt, sahen sie riesige blaue Steine, die ein sanftes Licht abgaben.
„Unglaublich!“, rief Raine begeistert und fing sofort an, sie genauer zu betrachten.
„Solche Steine findest du fast überall. Sie sind eine gute Lichtquelle“, erklärte Ski’ra seufzend.
„Die Lampen im Palast werden ebenfalls mit diesen Steinen betrieben, oder? Faszinierend… Ich muss einen haben!“
„Tu dir keinen Zwang an…“, seufzte Ski’ra.
Raine nahm einen kleinen Stein, der eine fast herzförmige Form hatte und packte ihn in die kleine Tasche, die sie links an der Hüfte trug. Auf einmal hörten sie ein leises Kichern und im nächsten Moment waren sie von kleinen, menschenähnlichen Monstern umgeben. Sie waren dürr und hatten eine grünliche Hautfarbe. Sie trugen nichts weiter als einen Lendenschurz und sahen nicht besonders kräftig aus.
„Kirays. Nervige, kleine Biester!“, sagte Ski’ra und holte einen Haken aus ihrer Tasche.
Auch Looki bewaffnete sich. Allerdings holt er eine Schleuder aus seiner Tasche.
Scheint so, als wären Schleudern in diesem Alter beliebt…, dachte Raine amüsiert und erinnerte sich an ihre erste Begegnung mit ihrem Cousin Weezl.
Dann holte sie den Blutdolch aus ihrer Tasche. Die Kirays hatten keine Waffen, aber sie hatten sehr lange und scharfe Fingernägel, die genauso gefährlich sein konnten wie ein Messer. Raine stürzte sich auf eines der kleinen Wesen und stach ihm in die Brust. Es zerfiel zu Wasser und Schlamm. Raine blieb einen Moment überrascht stehen und griff dann die anderen Wesen an. Innerhalb weniger Sekunden waren sie alle zu Wasser und Schlamm geworden. Ski’ra und Looki standen mit offenen Mündern da. Raine war so schnell gewesen, dass sie ihre Bewegungen gar nicht richtig gesehen hatten.
Ski’ra schüttelte den Kopf. „Du… Du hast doch eben noch neben mir gestanden… Und jetzt…“
„Oh… Ich scheine wohl immer noch schnell zu sein… Nun… Es ist ja auch ebenfalls eine Fähigkeit, die ich von Njujin erhalten habe…“, murmelte Raine, der ihre Schnelligkeit gar nicht aufgefallen war.
„Normal sind die Kirays ziemlich flink, weswegen es schwer ist, welche von ihnen zu verwunden… Aber wenn wir dich bei uns haben, sind die Biester kein Problem!“, meinte Looki und grinste.
Sie gingen eine Treppe nach unten, die neben den leuchtenden Steinen war. Sie erschraken bei dem, was sie im nächsten Raum fanden: Einen riesigen, lebenden Drachen! Seine Schuppen waren blau-silbern, er war länglich und hatte große Flügel. Seine Augen waren geschlossen, aber dann öffneten sie sich und er sah die drei ruhig an. Er schien nicht vorzuhaben, sie anzugreifen und deswegen beruhigten sich die drei wieder.
„Ich bin Syuun, der Wächter eines alten Schatzes. Wenn ihr ihn haben wollt, müsst ihr erst mein Rätsel lösen. Schafft ihr es nicht, werde ich euch verspeisen“, sagte er mit einer ruhigen, sanften Stimme.
„Wie lautet das Rätsel?“, fragte Raine gefasst.
„Raine, denkst du, dass das eine gute Idee ist? Wenn wir eine falsche Antwort geben, sind wir Geschichte!“, wandte Ski’ra ein.
„Soll ich eurem Volk helfen oder nicht? Der Schatz ist bestimmt ein Teil der Turamba-Maske! Außerdem können wir uns das Rätsel doch auch nur anhören!“
„Sobald ihr es euch anhört, müsst ihr auch eine Antwort geben“, sagte Syuun.
„Oh… Nun, dann geben wir eben die richtige Antwort!“, rief Raine zuversichtlich.
„Wie kannst du bloß so optimistisch sein? Also gut, wir haben ja wohl keine andere Wahl…“, seufzte Ski’ra.
„Ich rette Leben und bin doch kein Arzt. Ich kann fliegen und bin doch ein menschliches Wesen. Ich bin tot und bin doch am Leben. Was bin ich?“, fragte Syuun.
Raine brauchte nicht lange, dann wusste sie die Antwort. „Ein Schutzengel. Er rettet Leben, ist aber kein Arzt. Er kann fliegen, aber er ist trotzdem ein menschliches Wesen. Er ist tot und doch in gewisser Weise am Leben – nur eben in der Welt der Toten“
„Das ist richtig! Ihr habt euch den Schatz verdient“, sagte Syuun und gab eine Schatztruhe frei.
Raine kniete sich nieder und öffnete die Truhe. In ihr lag der linke Teil einer goldenen Maske. Das Auge bestand aus einem Smaragd und der Rand war mit Muscheln verziert.
„Ha! Der erste Teil der Turamba-Maske!“, rief Raine triumphierend und packte den Schatz in die große Tasche auf ihrem Rücken.
„Wow! Jetzt fehlen nur noch zwei!“, meinte Ski’ra begeistert.
„Könntet ihr mir noch einen Gefallen tun?“, fragte Syuun ruhig.
„Was für einen?“, wollte Raine wissen.
„Jetzt, da ihr das Rätsel gelöst habt und den Schatz an euch genommen habt, habe ich keine Aufgabe mehr. Seit Jahrhunderten warte ich schon darauf, endlich diese Ruine verlassen zu können. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Aber ich bin zu groß, um hier herauszukommen. Deswegen möchte ich euch bitten, nach speziellen Früchten zu suchen. Zum einen nach der Liko-Frucht, die mich schrumpfen lassen kann und zum anderen nach der Gera-Frucht, die mich wieder wachsen lässt. Beide kann man hier irgendwo in der Ruine finden“, erzählte Syuun.
„In Ordnung“, sagte Raine.
„Ich will nach Hause…“, meinte Looki gelangweilt.
„Das ist wieder einmal typisch! Erst willst du unbedingt mitkommen und dann wird es dir langweilig und willst doch wieder nach Hause! Tja, da hast du jetzt Pech gehabt, wir suchen jetzt erst einmal nach diesen Früchten!“, schimpfte Ski’ra.
„Irgendwie kommt mir das bekannt vor…“, murmelte Raine und dachte an Lloyd, dem auch schnell langweilig wurde.
„Hast du was gesagt?“, fragte Ski’ra.
„N-Nein… Nichts… Wir sollten jetzt nach diesen Früchten suchen. Syuun, weißt du, wie sie aussehen?“, fragte Raine den Drachen.
„Die Liko-Früchte sind gelb und klein, sie hängen immer zu mehreren zusammen. Die Gera-Früchte sind grau auf der einen und blau auf der anderen Seite. Sie sind länglich.“
Raine nickte und sie gingen und suchten nach den Früchten. Nachdem sie sie gefunden hatten, kehrte sie zu Syuun zurück. Er aß eine von den Liko-Früchten und schrumpfte auf die Größe einer kleinen Schlange.
„Wenn es euch nichts ausmacht, werde ich euch begleiten!“, sagte er.
Keiner hatte etwas dagegen und so machten sie sich auf den Weg zum Palast. Als sie dem König den Teil der Maske zeigten, ließ er sofort ein Fest vorbereiten.
„Wäre es nicht angemessener, erst zu feiern, wenn ich alle Teile gefunden habe?“, fragte Raine ein wenig verlegen.
„Ach was!“, rief Ski’ra lachend. „Wir müssen doch feiern, dass du den ersten Teil gefunden hast!“
„Nun, wenn du meinst…“
Etwas zurückhaltend betrachtete sie das Essen, das fast nur aus Fisch, Muscheln und Meeresfrüchten bestand.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ihr auch Fisch esst…“, meinte Raine und schälte eine kleine, rote, stachelige Frucht.
„Natürlich. Wir können uns ja nicht nur von Früchten ernähren!“, sagte Looki schmatzend.
„Hmm… Schmeckt gar nicht schlecht… Aber es geht nichts über saure Gurken mit Eis!“, rief Raine und holte sich genau das aus einer Tasche.
Selbst auf dem Schiff hatte sie auf ihre neue Lieblingsspeise nicht verzichten wollen.
„Was ist das?“, fragte Looki neugierig.
Raine hielt ihm das Glas mit den Gurken hin und Looki machte es ihr gleich und tunkte eine in das Eis. Angewidert verzog er das Gesicht.
„So etwas esst ihr da oben?“, fragte er.
„Nun… Eigentlich nicht…“, meinte Raine lächelnd.
Nach dem Essen wollte Raine in ihr Zimmer gehen, aber Looki hielt sie zurück.
„Warte, Raine! Erzähl uns deine Geschichte!“
„Ich glaube nicht, dass das so interessant ist…“, warf Raine ein.
„Doch, bestimmt! Wir hören immer nur langweilige Geschichten von irgendwelchen Meeresabenteuern! Wir wollen mal eine Geschichte anderer Art hören!“, drängte Looki.
Raine seufzte und setzte sich auf den Boden. Die Fischmenschen versammelten sich in einem Halbkreis um sie und Raine fing an, als Erstes die Geschichte von der Welterneuerungsreise zu erzählen. Die Fischmenschen hörten ihr interessiert und geduldig zu.
„Und wie hast du den Blutdolch bekommen?“, fragte Ski’ra, als Raine fertig war mit der Geschichte.
„Zu dieser Geschichte komme ich jetzt. Es fing damit an, dass ich zur Wüstenstadt Triet ging, um Rotes Satay zu kaufen. Als ich die Stadt verließ, sah ich eine Ruine. Aber die Triet-Ruinen lagen im Süd-Westen. Von meiner Neugier gepackt, ging ich also näher hin…“
Raine machte gelegentlich kurze Pausen, damit die anderen ihr folgen konnten. Sie endete damit, dass sie erzählte, wie sie mit dem Schiff in einen Sturm geraten waren und sie über die Reling gefallen war.
„Es ist einfach unglaublich, was du schon alles erlebt hast! Und einfach nur erstaunlich, wie du das alles überleben konntest!“, rief Ski’ra und sah Raine bewundernd an.
„Es… Es war mein Schicksal, denke ich…“, murmelte Raine.
Da es schon spät in der Nacht war, gingen alle ins Bett. Aber Raine konnte nicht schlafen. Lange lag sie wach auf ihrem Bett. Letztendlich setzte sie sich auf und holte ein goldenes Medaillon unter ihrer Kleidung hervor. Das Medaillon, das sie bei Koton gekauft hatte, besaß immer noch Kratos, aber er hatte genau das Gleiche noch einmal gesehen, es gekauft und ihr gegeben. In das Innere hatte er ein Bild von sich gelegt und in dem, was er hatte, war ein Bild von Raine.
„So sind wir immer zusammen“, hatte er gesagt.
Jetzt, wo Raine sich daran erinnerte, fing sie an, zu weinen. Schluchzend betrachtete sie sein Bild. Sie vermisste ihn so sehr, dass ihr Herz schmerzte und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als seine Nähe zu spüren, seine Wärme. Eine Träne fiel auf das Medaillon und auf einmal fing es an, zu leuchten. Raine war kurz erschrocken, aber das Leuchten beruhigte sie auf eine geheimnisvolle Weise. Das Medaillon fest umschlossen, rollte sie sich auf dem Bett zusammen und fiel langsam in einen Dämmerschlaf, in dem sie meinte, ein leises Flüstern zu hören.
„Raine… Raine… Raine…“, hörte sie.
„Kratos…“, murmelte sie und schlief dann richtig ein.

Sie wusste nicht, dass Kratos zur gleichen Zeit sein Medaillon geöffnet hatte, das ebenfalls angefangen hatte zu leuchten. Er stand am Strand und lauschte dem Rauschen der Wellen. Die Sterne waren in dieser Nacht sehr klar zu sehen. Ein leichter Wind wehte. Kratos betrachtete Raines Bild.
„Ich werde dich finden, Raine. Ich verspreche es.“
Er wusste, dass Raine am Leben war. Es war nicht nur eine Ahnung oder eine Hoffnung, nein, er wusste es einfach. Und deswegen hatte er sich entschlossen, so schnell wie möglich mit der Ausrüstung zu tauchen. Er konnte nicht bis zum nächsten Tag warten. Lloyd und Genis hatte er von seinem Vorhaben nichts erzählt. Yuan hatte sie davor gewarnt, dass es keine Garantie gäbe, dass die Ausrüstung einwandfrei funktionierte und Kratos wollte nicht, dass die beiden sich in solche Gefahr begaben. Er hatte ihnen eine Nachricht geschrieben, dass er alleine nach Raine suchen würde und entweder mit ihr zurückkommen würde oder gar nicht. Er atmete noch einmal tief ein, dann stieg er in das kleine Boot, mit dem er zu der Stelle fuhr, wo Raine über die Reling gefallen war. Von dort aus würde er ins Meer tauchen. Kratos war sich sicher, dass er das Richtige tat. Er wusste, dass er verrückt werden würde, wenn er nicht nach Raine suchte. Er hatte noch nie zu der Sorte gehört, die einfach nur da saß und darauf wartete, dass sich etwas änderte. Er musste etwas tun. Und genau deswegen nahm er jetzt die Sauerstoffflasche, befestigte sie an seinem Rücken und sprang ins Wasser. Das Wasser war kalt, aber das machte Kratos nichts aus. Er tauchte immer tiefer und es wurde immer dunkler. Aber er war vorbereitet. Er hatte sich eine blaue Kerze vom Forschungsinstitut in Meltokio geholt und diese beleuchtete jetzt seinen Weg. Auf einmal kam etwas auf ihn zu. Es war ein Hai. Er schien Kratos angreifen zu wollen. Kratos zog sein Schwert, aber er spürte gleich, dass er mit dem Schwert nicht viel anrichten konnte. Das Wasser hinderte ihn daran, richtig anzugreifen. Er konnte damit gerade mal verhindern, dass der Hai ihm den linken Arm abbiss. Aber trotzdem wurde er verwundet. Er konzentrierte sich und setzte Judgment ein, worauf hin der Hai schnell davon schwamm. Kratos begutachtete seine Verletzung. Die Wunde war nicht tief, aber sie tat weh und das Wasser um Kratos hatte sich inzwischen blutrot gefärbt. Er wusste, dass er jetzt erst recht mit Haien rechnen musste, denn das Blut würde sie anlocken. Kratos schwamm weiter und behielt seine Umgebung genauestens im Auge. Doch auf einmal bekam er keine Luft mehr. Dabei konnte die Sauerstoffflasche noch nicht leer sein, so lange tauchte er noch nicht. Erst jetzt sah er, dass die Flasche ein Loch hatte. Kratos sah noch, wie sich ihm zwei weitere Haie näherten, dann verlor er das Bewusstsein.

Als Lloyd morgens in die Küche kam, hatte Genis schon Frühstück gemacht.
„Morgen…“, gähnte er und sah sich verwirrt nach Kratos um. „Ist Dad noch nicht wach?“
„Nein, sieht nicht so aus.“
„Das sieht ihm aber gar nicht ähnlich, so lange zu schlafen… Ich werde ihn wecken“, sagte Lloyd und ging aus der Küche.
Genis deckte gerade den Tisch, als er einen Zettel entdeckte. Seine Augen weiteten sich, als er die Nachricht gelesen hatte.
„LLOYD!“, rief er beunruhigt, „Komm schnell her!“
„Genis, Dad scheint doch schon aufgestanden zu sein, sein Bett ist…“
Stumm hielt Genis Lloyd den Zettel hin. Als Lloyd die Nachricht gelesen hatte, hatte er Mühe, sich zu beherrschen.
„Das ist wieder einmal typisch für ihn! Immer muss er alles auf eigene Faust machen! So ein Sturkopf!“
„Wir sollten aufbrechen und nach ihm suchen!“, meinte Genis, als die Tür aufgeschlagen wurde.
Yuan trat ein. Er sah besorgt und beruhigt zugleich aus.
„Ein Glück, ich hatte schon Angst, dass ich zu spät komme… Wir haben festgestellt, dass die Sauerstoffflaschen Löcher haben. Irgendein Monster muss sie angenagt haben“, erklärte er.
Lloyd wurde bleich wie eine Wand. Yuan sah ihn ein wenig irritiert an und merkte jetzt erst, dass Kratos nicht anwesend war. Er konnte sich seinen Teil denken.
„Sagt mir, dass ich mich irre… Kratos ist schon aufgebrochen?“
Lloyd und Genis nickten bedrückt.
„Dieser Idiot… Dass er nicht einmal warten kann…“, seufzte Yuan.
„Wir wollten gerade los und nach ihm suchen…“, meinte Lloyd.
„Das wird euch nichts bringen. Die Sauerstoffflaschen könnt ihr nicht benutzen und so werdet ihr ihn nie finden. Aber wir bauen gerade an einem Unterwasserboot. Wenn wir Glück haben, ist es in den nächsten Tagen fertig!“ (*Hust*)
„Dann können wir bis dahin wohl nur warten…“, sagte Lloyd niedergeschlagen.
„Ich fürchte schon. Ich halte euch auf dem Laufenden“, versprach Yuan und verließ das Haus.
Aber letztendlich war das U-Boot auch nach drei Monaten noch nicht fertig. Lloyd und Genis verließ langsam die Geduld und Yuan behandelte die Abtrünnigen immer schlechter. Es war ein Wunder, dass sie überhaupt noch arbeiteten und nicht streikten. Aber sie wussten, dass das U-Boot dringend gebraucht wurde und so ließen sie so einiges über sich ergehen.





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Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

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...   Erstellt am 02.08.2007 - 17:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 18: Das Geisterschiffswrack (3. Spezialkapitel)

Die Fischmenschen hatten keinen Hinweis, wo sich der nächste Teil der Maske befinden könnte und nach drei Monaten hatte Raine ihn immer noch nicht gefunden.
Niedergeschlagen schleppte sich Raine eines Morgens zum Frühstück. An das Essen hatte sie sich inzwischen voll und ganz gewöhnt und so griff sie nach einem der beliebten Brötchen, das aus Algen und anderen Zutaten gemacht war und bestrich es mit einer Marmelade, die aus einer süßen Meeresfrucht gemacht war. Gedankenverloren stopfte sie es sich in den Mund. Sie musste die ganze Zeit seufzen. Sie hatte das Gefühl, dass es keinen Sinn machte, weiter nach den Teilen zu suchen.
„Ich will ja nichts sagen, Raine… Aber bist du irgendwie… Ich meine… Es kommt mir so vor… Ich kann mich auch irren… Aber bist du vielleicht ein winzigkleines bisschen dicker geworden?“, fragte Syuun vorsichtig.
Der kleine Drache hatte sie die letzten Monate ständig begeleitet und Raine konnte sich ein Leben ohne ihn schon gar nicht mehr vorstellen.
„Kann sein…“, seufzte Raine und griff inzwischen nach ihrem dritten Brötchen.
„Raine… Ich denke, Syuun hat Recht… Du solltest vielleicht weniger essen…“, meinte Ski’ra, die irritiert dabei zusah, wie Raine innerhalb weniger Sekunden das Brötchen verdrückt hatte und sich das Nächste nahm.
„Ach was… Das ist normal… Ich muss viel essen…“
„W-Wieso das denn?“, fragte Ski’ra.
„Na wegen dem Baby…“
„Baby?“, fragte Looki neugierig.
Ski’ra sah sie ungläubig an. Sie dachte, sie wüsste inzwischen alles über Raine, aber da hatte sie sich wohl geirrt.
„Du bist schwanger?! Warum hast du das noch nicht gesagt?!“, fragte Ski’ra mit lauter Stimme, so dass sich ihre Familiemitglieder, die selber in eigene kleine Gespräche verwickelt waren, sich irritiert zu ihr und Raine wandten.
„Muss ich vergessen haben… Ist das denn so wichtig?“, fragte Raine seufzend.
„Meine Güte! Das ist verdammt wichtig! Wir müssen Kleidung finden, die dehnbar ist und wir müssen besser auf dich aufpassen, wenn wir nach dem zweiten Teil der Maske suchen!“
„Macht es überhaupt Sinn, danach zu suchen? Drei Monate ist es jetzt her, seit wir den ersten Teil gefunden haben… Es kommt mir alles so sinnlos vor… Und… Ich will einfach nur nach Hause…“, sagte Raine und sie fing an, zu weinen.
„Raine, du wirst doch wohl nicht aufgeben?! Du findest schon noch den zweiten Teil und den dritten auch! Und in drei Monaten kannst du wieder nach Hause!“, rief Ski’ra aufmunternd, aber sie sah selber ein wenig bedrückt aus.
„Nicht weinen, Raine! Es wird alles gut!“, sagte Looki und umarmte sie.
„Ihr habt Recht… Ich darf jetzt nicht aufgeben!“, schluchzte Raine. „Machen wir uns auf den Weg!“
„Das ist die richtige Einstellung!“, rief Syuun und flog auf ihre Schulter.
„Die Frage ist nur, wo wir noch suchen sollen. Wir haben doch schon die ganze nähere Umgebung abgesucht!“, warf Raine ein.
„Nun ja… Eine Stelle gäbe es da vielleicht noch…“, meinte Looki kleinlaut.
„Welche?“, fragte Raine.
„Raine, dort können wir nicht hin!“, rief Ski’ra erschrocken, denn sie wusste ganz genau, welche Stelle ihr Bruder meinte.
„Wieso das denn nicht?“
„Es ist ein Geisterschiffswrack!“, antwortete Looki begeistert.
„Es ist verflucht! Niemand, der bis jetzt dort war, ist je wieder zurückgekehrt!“, schrie Ski’ra beinahe hysterisch.
„Verflucht oder nicht, wir müssen dort hin“, sagte Raine ruhig.
„Das kann nicht dein Ernst sein?! Ohne mich!“, protestierte Ski’ra.
„Ach komm schon, Ski’ra! Du brauchst doch keine Angst zu haben, wir sind doch bei dir!“, versuchte Looki, seine Schwester zu überzeugen.
„Looki, ich werde nicht erlauben, dass du mitkommst. Ich sehe ein, dass es notwendig ist, dass Raine sich dorthin begibt und natürlich muss sie jemand begleiten. Aber für dich ist das viel zu gefährlich, Looki!“, warf der König ein.
„Ich will aber mit! Ich will das Geisterschiffswrack sehen!“, quengelte Looki.
„Keine Widerrede!“
„Du bist gemein! Ständig verbietest du mir die Sachen, die den meisten Spaß machen!“, schrie Looki mit Tränen in den Augen und rannte davon.
Der König seufzte. „Ski’ra, Syuun. Ich möchte euch bitten, Raine zu begleiten!“
„Wird erledigt, euer Hoheit!“, meinte Syuun unbeschwert.
„Vater, das kann nicht dein Ernst sein! Ich… Ich will dort nicht hin!“, widersprach Ski’ra.
„Ski’ra! Es ist ein Befehl!“
Ski’ra schaute bedrückt zu Boden. „Jawohl, Euer Hoheit…“
Sie brachen auf. Je näher sie dem Schiffswrack kamen, desto unruhiger wurde Ski’ra. Als sie vor ihm schwammen, klammerte sie sich ängstlich an Raine.
„Ski’ra, eigentlich sollst du mich beschützen und nicht umgekehrt!“, lachte Raine.
„I-Ich weiß… Ach, Raine, müssen wir denn wirklich dort rein?“, fragte Ski’ra, die schon bei dem kleinsten ungewöhnlichen Geräusch zusammenfuhr.
„Natürlich“, sagte Raine und schwamm in das Innere.
Ski’ra folgte ihr zögernd. Das Schiff schien schon sehr lange hier unten zu sein, was Raine wunderte, denn sie hätte nicht gedacht, dass es vor tausend Jahren auch schon Schiffe gab. Zumindest nicht solche wie dieses. Es war zwar aus Holz gebaut und sah fast so aus wie das Dampfschiff, welches sie auf ihrer Reise zur Erneuerung der Welt in Palmacosta gesehen hatten, schien aber nicht durch die üblichen Treibstoffe wie Dampf oder Windkraft betrieben worden zu sein. Raine wollte sich gerade die Brücke anschauen, als Ski’ra ängstlich quiekte.
„Was ist denn?“, fragte Raine alarmiert.
„E-E-E-Ein… G-G-Geist!“, stotterte Ski’ra, deren Augen geweitet waren.
Raine folgte ihrem Blick, konnte aber weit und breit nichts erkennen. Allerdings hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden.
„Das hast du dir nur eingebildet“, versicherte sie der Verängstigten, schaute sich aber selber noch einmal um.
Während Ski’ra sich noch dichter an sie drängte und panisch die Umgebung nach einem Geist absuchte, überlegte Raine, mit was dieses Schiff betrieben worden sein könnte.
„Mit heiligen Steinen, nehme ich an“, sagte Syuun, der ihre Gedanken erraten zu haben schien.
„Meinst du? Hmm… Schon möglich…“
Raine seufzte. Leider hatte sie keine Zeit, um sich weiter damit zu beschäftigen. Sie musste den zweiten Teil der Maske finden. Deswegen schwamm sie in die Schatzkammer, wo sie neben gewöhnlichen Schätzen aber nichts weiter fand.
„Das war doch klar! Der Teil der Maske wurde hier ja auch erst versteckt, als das Schiff schon gesunken war! Wer würde denn einen solchen Schatz in der Schatzkammer verstecken? Das wäre doch viel zu einfach!“, meinte Syuun, der immer wieder überzeugt nickte.
„Ja, du hast Recht… Aber wo könnte er dann sein?“, fragte Raine nachdenklich.
„Ich weiß es nicht…“, antwortete Syuun.
„R-Raine…“, meldete sich Ski’ra auf einmal zu Wort.
„Was ist denn jetzt schon wieder? Sag bloß, du hast schon wieder einen Geist gesehen!“
Ski’ra nickte langsam. Raine verdrehte die Augen und wollte aus der Schatzkammer schwimmen, als ein unheimliches Geheul ertönte.
„Huuuuuu…. Huuuu…. HUU!“
Ski’ra klammerte sich erschrocken an Raine. Diese ging nur unbeeindruckt zu der Stelle, aus der das Geheul gekommen war und holte hinter einer Kiste den kichernden Looki hervor.
„Looki! Warst du das etwa?!“, fragte Ski’ra wütend.
„Hahahaha! Ich hab dich noch nie so ängstlich gesehen!“, lachte Looki.
„Na warte, du kleines Monster!“, schrie Ski’ra genervt und wollte ihrem Bruder eine Kopfnuss verpassen, aber dieser konnte ihr ausweichen und schnitt ihr Grimassen.
„Schluss jetzt, ihr beiden! Looki, was machst du hier? Dein Vater hat dir doch eindrücklich verboten, hierher zu kommen!“, meinte Raine verärgert.
„Na und? Ich wollte nun einmal unbedingt dieses Schiffswrack sehen!“, erklärte Looki und verschränkte die Arme hinterm Kopf.
Raine seufzte. Sie hatte jetzt keine Zeit für solchen Kinderkram. Schweigend schwamm sie zur Kapitänskajüte. Looki und Ski’ra folgten ihr streitend. In der Kajüte fand sie dann in einer kleinen Kiste endlich das, was sie suchte: den zweiten Teil der Turamba-Maske. Es war die rechte Hälfte, die wie die Spiegelung der linken Hälfte aussah. Erfreut packte sie ihn in die Tasche an ihrem Rücken.
„So ihr zwei! Jetzt können wir gehen!“, sagte sie zu Looki und Ski’ra, die sich vor der Kajüte immer noch stritten.
„Heißt das, du hast den Teil der Maske gefunden?“, fragte Looki gelassen.
Raine nickte.
„Ein Glück… Endlich können wir hier weg!“, seufzte Ski’ra und wandte sich zum Gehen.
„Argh!“, kam es aus Raines Richtung.
Ski’ra, Looki und Syuun sahen sie verwirrt an.
„Was ist mit dir, Raine?“, fragte Looki irritiert.
Aber Raine konnte nicht antworten. Sie bekam keine Luft mehr. Irgendetwas hatte sie am Hals gepackt und war dabei, sie zu ersticken. Es konnte nur ein Geist sein, denn es war niemand zu sehen. Verzweifelt versuchte Raine, ihren Hals von der unsichtbaren Hand zu befreien, aber es brachte nichts. Inzwischen waren die anderen neben sie geschwommen, wussten aber nicht recht, was sie tun sollte. Mit letzter Kraft griff Raine nach dem Blutdolch und versuchte damit, den Geist zu verwunden. Immerhin konnte der Dolch Seelen zerschneiden, warum dann nicht auch Geister? Tatsächlich funktionierte es. Der Geist heulte erschrocken auf und schleuderte sie über die Reling (Kommt einem bekannt vor XD). Raine war allerdings zu benommen, um dies wirklich wahrzunehmen und sie sank weiter in die Tiefe.
„Raine!“, riefen ihre Freunde erschrocken.
Sie wussten jetzt, dass Raine von irgendetwas angegriffen worden war und holten ihre Waffen hervor. Aber sie wussten, dass sie sich vor einem unsichtbaren Angreifer nicht schützen konnten.
„Syuun! Kümmere dich um Raine!“, rief Ski’ra dem kleinen Drachen zu.
Syuun nickte und schwamm davon.
Ängstlich standen Looki und Ski’ra dicht beieinander. Sie wussten nicht, wann der Geist wieder angreifen würde. Auf einmal meinte Ski’ra, etwas aus dem Augenwinkel zu sehen. Als sie nach links sah, sah sie einen kleinen Geisterjungen. Dieses Bild reichte schon aus, damit sie in Ohnmacht fiel.
„Ski’ra! Das ist jetzt echt nicht die richtige Zeit!“, rief Looki erschrocken und versuchte, seine Schwester zu wecken.
„Warum seid ihr hierher gekommen? Jetzt wird er euch töten“, sprach der Geisterjunge ihn auf einmal an.
Er schien nur ein paar Jahre älter als Looki zu sein.
„W-Wir hatten etwas zu erledigen…“, murmelte Looki irritiert.
„Nun, egal… Nicht mein Problem“, sagte der Geist und er wollte schon verschwinden, aber Looki musste ihn noch etwas fragen: „Wen meintest du mit ‚er’?“
„Na, den Geisterschatten, wen denn sonst? Nachdem dieses Schiff gesunken ist, hat er sich hier breit gemacht und die Geister der Crew gefressen. Außerdem hat er jeden Eindringling getötet. Irgendwann wird er auch mich fressen, aber bis jetzt hat er mich noch verschont.“
„Warum fliehst du dann nicht?“
„Wo soll ich schon hin? Außerdem ist dieses Schiff mein zu Hause. Ich bin hier aufgewachsen“, erklärte das Gespenst.
„Aber das ist doch…“
Mitten im Satz brach Looki ab. Er spürte ein Kribbeln im Nacken, wie wenn jemand hinter ihm stünde. Er drehte sich um, sah aber niemanden.
„Er spielt mit dir. Das macht er sehr gerne.“
„Wie kann ich mich nur gegen ihn zur Wehr setzen?“, fragte Looki ängstlich, der jeden Moment damit rechnete, angegriffen zu werden.
„Mit deiner Schleuder wirst du jedenfalls nicht viel anrichten können. Versuch es doch einmal hiermit! Er scheint ja geholfen zu haben!“, rief der Geisterjunge und warf Looki den Blutdolch zu, der auf dem Boden gelegen hatte.
Looki fing ihn auf und fuchtelte damit vor seinem Gesicht herum, in der Hoffnung, den Geisterschatten zu erwischen. Tatsächlich ertönte wieder ein Geheul, so dass Looki eine ungefähre Ahnung davon bekam, wo sich der unsichtbare Gegner befand und stach noch einmal kräftiger zu. Dann schnitt er von oben nach unten. Das Geheul wurde lauter und erstarb dann mit einem Mal. Looki fiel auf den Boden, da der Widerstand auf einmal verschwunden war.
„Hmm… Scheint so, als hättest du ihn getötet. Glückwunsch! Dann habe ich ja endlich meine Ruhe vor diesem Monster…“, bemerkte der Geisterjunge, der sich zum Gehen wandte. (Nun ja, eigentlich schwebt er ja XD)
„Warte! Wie heißt du eigentlich?“, fragte Looki.
„Fyan. Und du?“
„Ich bin Looki. Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen!“
„Hmm… Wenn du meinst. Ich werde jetzt wieder in mein Zimmer gehen.“ (Und er schwebt immer noch XD)
„Warte, Fyan! Willst du nicht mit uns kommen?“
„Wohin?“, fragte Fyan skeptisch.
„Nach Meroluna, dem Reich der Fischmenschen!“, antwortete Looki begeistert.
„Warum sollte ich mein zu Hause verlassen? Zudem würde man mich dort bestimmt nicht akzeptieren und fürchten, genau wie sie mich fürchtet!“, seufzte Fyan und deutete auf Ski’ra, die immer noch bewusstlos war.
„Ach, Ski’ra bildet die Ausnahme! Die anderen Fischmenschen haben keine Angst vor Geistern!“, behauptete Looki.
„Wenn dem so ist, warum kommen dann nur so selten welche hierher? Doch bestimmt, weil sie meinen, dass es in diesem Schiffswrack spukt, womit sie ja auch Recht haben.“
„Nun ja…“
„Siehst du! Deswegen werde ich hier bleiben.“
„Aber willst du nicht einmal etwas anderes sehen? Wenn ich dich richtig verstanden habe, bist du doch schon dein ganzes Leben hier! Ist dir nicht manchmal langweilig? Bist du nicht furchtbar einsam? Wenn du mit nach Meroluna kommst, könnten wir jeden Tag spielen und Abenteuer erleben!“, versuchte Looki, den Geist zu überzeugen.
Fyan dachte einen Moment nach. Er war tatsächlich sehr einsam und er sehnte sich danach, endlich einmal etwas anderes zu sehen und Freunde zu haben. Er seufzte.
„Aber wie willst du mit mir spielen? Ich bin ein Geist…“
„Spielt das eine Rolle? Es gibt viele Spiele, bei denen auch ein Geist mitspielen kann! Nun komm schon!“
„Warum bist du so verbissen darauf? Du hast doch bestimmt schon genug Freunde!“, wandte Fyan ein.
„Man kann nie genug Freunde haben! Abgesehen davon hatte ich noch nie einen Geist zum Freund!“
Fyan gab auf. Dieser Fischmensch war einfach zu hartnäckig und Fyan wusste, dass er es nicht mehr länger hier aushalten würde. „Also gut, ich komme mit euch… A-Aber sollte mir langweilig werden, dann kehre ich wieder zurück, verstanden?“
„Jaaaaaaa!!!“, rief Looki enthusiastisch.
Langsam wachte Ski’ra auf. Sie setzte sich auf und schaute sich gedankenverloren um. Alles war verschwommen, wurde aber immer schärfer.
„Was ist passiert?“, fragte sie benommen.
„Du bist ohnmächtig geworden, als du Fyan gesehen hast! Fyan ist jetzt mein neuer Freund!“, grinste Looki.
„Fyan? Wer…“
Sie erschrak, als sie Fyan erblickte, der sie etwas schüchtern anschaute.
„E-E-Ein G-Geist!“, stotterte Ski’ra wieder einmal.
„Das ist Fyan! Merk dir seinen Namen, er wird mit uns kommen!“, meinte Looki beleidigt.
„Das ist nicht dein Ernst, oder?“, fragte Ski’ra, die total blass im Gesicht war.
„Doch.“
Ski’ra atmete tief ein und aus. Ihr Bruder hatte einen Geist als Freund. Er würde mit ihnen kommen. Sie wusste, Looki würde sich das nicht ausreden lassen. Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf gehabt.
„Was sagst du dazu, Raine?“
Ski’ra blickte sich verwirrt um. Erst jetzt fiel ihr ein, dass Raine ja von dem unsichtbaren Angreifer über die Reling geschleudert worden war.
„Looki, wo ist Raine? Und wo ist dieses Monster, dass sie angegriffen hat?“, fragte sie panisch.
„Wo Raine ist, weiß ich nicht, aber den Geisterschatten habe ich getötet.“
„Was? Wie das denn?“, fragte Ski’ra ungläubig.
„Mit Raines Dolch.“
„Ach, auch egal! Wir müssen nach Raine und Syuun suchen!“, meinte Ski’ra und so schwammen sie dorthin, wo sie die beiden vermuteten.

Müde öffnete Raine die Augen. Sie wusste nicht, wo sie war. Auf einmal sah sie ein freundliches Gesicht, das von blauen, langen Haaren umrahmt wurde. Die sanften, ultramarinblauen Augen strahlten sie an, als sie sich aufrichtete. Verwirrt sah Raine das junge Mädchen an, das vor ihr schwamm. Erst jetzt sah sie, dass das Mädchen ab der Hüfte abwärts einen silbern schimmernden Schwanz hatte. Es war eine Meerjungfrau.
„Wer bist du?“, fragte Raine verwundert.
„Das ist Aino. Sie hat dich vor ein paar Haien durch ihren wunderschönen Gesang gerettet“, erklärte eine Stimme.
„Syuun!“, rief Raine, als sie den kleinen Drachen sah.
„Du bist Raine, richtig? Syuun hat mir schon alles erzählt“, meinte Aino lächelnd.
„Danke, dass du mich gerettet hast!“, sagte Raine.
„Kein Problem. Diese Haie sind in letzter Zeit echt aggressiv. Wahrscheinlich hetzen die Meerhexen sie auf.“
„Die Meerhexen?“, fragte Raine irritiert.
„Ja. Sie suchen ebenfall nach den Teilen der Turamba-Maske. Ich habe gehört, dass auch sie eine Legende haben, in der gesagt wird, dass ein Mann aus der Oberwelt kommt, um ihnen zu helfen“, erklärte Aino.
„Das heißt, ich habe einen Rivalen?“
„Es scheint so.“
„RAINE!!! SYUUN!!!“, ertönte es auf einmal von weiter oben.
„Ski’ra! Looki! Hier sind wir!“, rief Raine.
Den beiden folgte eine kleine, durchsichtige Gestalt – ein Geist.
„Oh… Ein Geist…“, murmelte Raine ruhig.
„Wie kannst du bloß so gelassen bleiben? Er ist ein Geist, Raine, ein G-E-I-S-T!“, meinte Ski’ra schluchzend.
„Er ist mein Freund und heißt Fyan!“, korrigierte Looki beleidigt.
Aino kicherte.
„Nanu, eine Meerjungfrau? Euch sieht man aber selten hier!“, bemerkte Ski’ra und ihr Blick verengte sich.
„Das ist Aino. Sie hat mich vor Haien gerettet“, erklärte Raine.
„Dafür sind wir dir dankbar! Wir konnten Raine leider nicht gut genug beschützen…“, seufzte Ski’ra schuldbewusst.
„Ski’ra, mach dir keine Vorwürfe“, sagte Raine und legte ihr die Hand auf die Schulter.
„Aber Aino, es ist wirklich merkwürdig, dass du so weit draußen bist! Das Reich der Meerjungfrauen ist doch ziemlich weit weg von hier!“, wandte Syuun ein.
Aino nickte. „Ich weiß. Ich bin hierher gesandt worden, um Raine zu helfen.“
„Um mir zu helfen?“, fragte Raine verwundert.
„Ja. Wir Meerjungfrauen wissen, wo sich der letzte Teil der Turamba-Maske befindet“, berichtete Aino und spielte mit einer Haarsträhne.
„Wirklich? Das würde uns natürlich die Suche ersparen!“, rief Ski’ra erfreut.
„Aber wir haben eine Bedingung…“, fügte Aino hinzu.
„Oh… Das war ja klar, es musste ja irgendwo einen Haken geben… Warum sollten uns die Meerjungfrauen auch freiwillig helfen, wo sie den Kontakt zu unserem Volk tunlichst meiden?!“, fragte Ski’ra verärgert.
„Das stimmt nicht, wir meiden euch nicht. Es ist eher umgekehrt, ihr meidet uns, weil ihr Angst davor habt, dass wir euch mit unserem Gesang beeinflussen.“
„Geht das denn?“, fragte Raine interessiert.
„Nein. Wir können nur die Tiere damit beeinflussen. Aber auf menschliche Wesen hat unser Gesang keinerlei Auswirkungen“, erklärte Aino.
„Oh, da habe ich aber ganz andere Geschichten gehört!“, widersprach Ski’ra misstrauisch.
„Aber diese Geschichten beinhalten keinen Funken Wahrheit“, sagte Aino ruhig.
„Das meinst DU!“
„Das ist doch jetzt nicht so wichtig! Was ist die Bedingung, von der du gesprochen hast?“, fragte Syuun, um aufs eigentliche Thema wieder zurückzukommen.
Aino fuhr sich gelassen durch ihre langen Haare.
„Die Meerjungfrauen wollen zusammen mit den Fischmenschen in Meroluna leben.“
Ski’ra war entsetzt. Mit so einer Bedingung hatte sie nicht gerechnet. Aber es war einfach lächerlich! Die Fischmenschen und die Meerjungfrauen konnten unmöglich zusammenleben, dafür waren die beiden Völker einfach zu unterschiedlich. Außerdem schienen sie sich nie wirklich für die Fischmenschen interessiert zu haben. Als die Fischmenschen wieder einmal Krieg gegen die Meerhexen geführt haben und der damalige König – es war Ski’ras Großvater gewesen – die Meerjungfrauen um Hilfe gebeten hat, haben sie sich einfach abgewandt und den Fischmenschen kein bisschen geholfen. Und nun forderten sie, mit den Fischmenschen zusammenzuleben. Ski’ra schäumte vor Wut. Als sie vorhin die Meerjungfrau gesehen hatte, hatte sie ihren Hass und ihre Wut unterdrückt, weil Aino Raine das Leben gerettet hatte. Aber nun konnte sie sich nicht mehr beherrschen.
„Niemals!!!“, schrie sie.
Raine sah sie verwundert an. Warum regte sich ihre Freundin so auf? Was hatte sie dagegen, mit den Meerjungfrauen zusammenzuleben?
„Du bist die Prinzessin von Meroluna, oder? Ich fürchte, nur der König kann die Entscheidung treffen“, meinte Aino gelassen.
Unglaublich! Sie ist wirklich die Ruhe in Person!, dachte Raine beeindruckt.
„Er wird es genauso ablehnen, wie ich es tue!“
„Ski’ra…“, murmelte Looki beunruhigt.
Er wusste, warum sie die Meerjungfrauen so sehr hasste. In dem Krieg war ihr Großvater gestorben. Ski’ra hatte eine besondere Beziehung zu ihm gehabt und seinen Tod nie wirklich überwinden können. Sie gab den Meerjungfrauen die Schuld an seinem Tod, denn wenn sie den Fischmenschen geholfen hätten, könnte Ski’ras Meinung nach ihr Großvater noch leben.
„Du wirst keine andere Wahl haben, als mich zu dem König zu bringen“, sagte Aino.
„Und ob ich die habe! Wir lassen dich einfach hier! Komm, Raine!“, rief Ski’ra und nahm Raines Hand.
„Warte, Ski’ra!“, sagte Raine und entwand sich Ski’ras Griff. „Wir müssen wissen, wo der letzte Teil der Turamba-Maske ist!“
„Ach, den finden wir auch so!“, behauptete Ski’ra.
„Aber es wird viel länger dauern! Ich habe keine Lust, wieder drei Monate sinnlos zu suchen, wenn wir den Teil schon längst gefunden haben könnten und ich wieder zu Hause bei meiner Familie sein könnte!“, rief Raine wütend.
Ski’ra knirschte mit den Zähnen. Sie wusste, dass Raine Recht hatte. Genauso gut wusste sie, wie sehr Raine nach Hause wollte. Ski’ra war deswegen immer noch bedrückt, denn sie und ihr Vater hatten Raine nicht ganz die Wahrheit gesagt, was die Xari-Schoten anbelangten. Aber sie wollte die Meerjungfrau trotzdem nicht mitnehmen.
„Wenn du sie nicht zu deinem Vater bringst, dann mache ich es“, sagte Raine entschlossen.
„Was? Aber Raine…“
„Sie hat doch wenigstens eine Chance verdient, findest du nicht? Vielleicht hat sie ja auch noch andere Argumente, warum die Meerjungfrauen mit den Fischmenschen zusammen leben wollen!“
„Also gut…“, brummte Ski’ra und warf Aino böse Blicke zu.
„Na dann… Komm mit, Aino!“, sagte Raine lächelnd zu der Meerjungfrau.
Als sie zurück nach Meroluna schwammen, herrschte eine gespannte Stille.
„Ach, hier, Raine! Damit konnte ich den Geisterschatten töten, der dich angegriffen hat!“, grinste Looki und gab ihr den Blutdolch zurück.
„Nun… Das war ja auch zu erwarten. Er kann immerhin Seelen zerschneiden, da ist es kein Wunder, dass er auch irgendwelche Geisterwesen töten kann“, meinte Raine lächelnd.
Looki nickte strahlend.
„Dann sollte ich mich wohl besser von dem Dolch fernhalten…“, murmelte Fyan beunruhigt.
Raine lachte. „Keine Angst, ich werde ihn sicher bei mir aufbewahren.“
„Unglaublich… Einfach unglaublich… Ein Geist und eine Meerjungfrau… Heute ist einfach nicht mein Tag…“, brummte Ski’ra mürrisch.
Looki seufzte. „Warum kannst du Fyan nicht einfach wie einen normalen Jungen behandeln?“
„Weil er das nicht ist!“, fauchte Ski’ra.
Fyan sah bedrückt zu Boden.
„Ski’ra! Er mag vielleicht ein Geist sein, aber auch er hat Gefühle!“, wies Raine sie zurecht.
„Ach, lass mich doch in Ruhe! Wegen dir haben wir diese Meerjungfrau am Hals!“
„Jetzt reicht es aber, Ski’ra! Ich weiß nicht, was du für Gründe hast, die Meerjungfrauen so zu hassen, aber Aino hat dir nichts getan und sie hat mir sogar das Leben gerettet! Und lass deine Wut nicht an mir aus!“, rief Raine verärgert.
Ski’ra hielt an.
„Ich will aber meine Wut an dir auslassen! Du bist an allem Schuld! Du bist daran schuld, dass ich zu diesem unheimlichen Geisterschiffswrack musste und insofern bist du auch daran schuld, dass wir diesen Geist mitnehmen müssen! Und dann auch noch diese Meerjungfrau, die nichts Besseres zu tun hat, als die ganze Zeit mit ihren blöden Haaren rumzuspielen! Und einen kleinen Drachen, der den Hunger von einem Wal hat, müssen wir auch noch durchfüttern! Wegen dir wurde dieses riesige Fest gefeiert, bei dem unnötig viele Fische sterben mussten! Sie wurden ja nicht einmal alle aufgegessen, sondern weggeschmissen! Du bringst unser ganzes Leben durcheinander!“, schrie Ski’ra wütend.
„So?! Tu ich das?! Weißt du was? Dann seht doch zu, wie ihr ohne mich zurechtkommt! Ich habe nicht darum gebeten, hierher zu kommen und diese blöden Maskenteile für euch zu suchen!“, rief Raine mit Tränen in den Augen und wütend schwamm sie in Richtung Palast.
„Raine, warte!“, rief der kleine Drache Syuun und schwamm ihr eilig hinterher, was sich als schwierig erwies, denn Raine war auch im Schwimmen sehr schnell.
„Ganz toll gemacht, Ski’ra!“, rief Looki wütend und schwamm zusammen mit Fyan ebenfalls zum Palast.
„E-Es tut mir Leid… Das ist mir so rausgerutscht…“, murmelte Ski’ra bedrückt.
„Denkst du nicht, das solltest du Raine sagen?“, fragte Aino sie, obwohl sie selber auch eine Entschuldigung verdient hatte.
Aber ihr war das nicht so wichtig. Sie konnte verstehen, dass Ski’ra sie nicht leiden konnte. Seit dem Krieg zwischen den Fischmenschen und den Meerhexen, in dem die Meerjungfrauen den Fischmenschen nicht geholfen hatten, obwohl sie sie mehrmals darum gebeten hatten, waren die Fischmenschen ihnen aus dem Weg gegangen. Natürlich auch wegen den unwahren Gerüchten ihres Gesangs, aber doch hauptsächlich wegen dem Krieg. Aino folgte Looki und Fyan und ließ Ski’ra alleine zurück.
„Ich bin so ein Trottel…“, schimpfte Ski’ra mit sich selbst.
Aber sie wollte noch nicht zum Palast. Sie konnte Raine noch nicht in die Augen sehen, sie musste erst einige Zeit nachdenken und so schwamm sie zu einer kleinen Höhle, zu der sie immer schwamm, wenn sie über etwas nachdenken musste.

Lloyd und Genis saßen stumm in der Küche und kauten lustlos an ihren Brötchen. Seit Raine und Kratos weg waren, war das Haus einfach trostlos. Lloyd und Genis hatten kaum noch Lust auf irgendetwas und sie konnten auch nicht mehr vernünftig schlafen. Von Yuan kamen auch keine guten Nachrichten und so hockten die beiden den ganzen Tag im Haus und taten rein gar nichts. Jemand klopfte an die Tür, aber die beiden nahmen es nicht wahr.
„Ähm… Hallo? Lloyd? Genis? Seid ihr da?“, fragte eine ihnen bekannte Stimme.
Schnell öffnete Lloyd die Tür.
„Colette!“, rief er überrascht. „Was machst du hier?“
„Ich habe mir gedacht, euch könnte ein wenig Abwechslung mal gut tun und habe mir überlegt, dass wir ein Picknick machen könnten!“, rief Colette begeistert und zeigte ihnen einen Korb, der mit den leckersten Nahrungsmitteln gefüllt war.
„Keine Lust…“, murmelte Genis.
„Ich auch nicht…“, stimmte Lloyd seufzend hinzu.
Aber so leicht ließ Colette sich nicht abwimmeln.
„Es tut euch nicht gut, wenn ihr den ganzen Tag nur im Haus sitzt! Ihr müsst mal wieder nach draußen in die Sonne, ihr seid schon ganz blass!“, meinte sie besorgt.
„Und wenn schon… Wir müssen warten“, sagte Genis und starrte Löcher in die Luft.
Colette seufzte. „Nur für ein paar Stunden… Kommt einfach mit!“
Sie nahm Genis und Lloyd an der Hand und zog sie mit nach draußen. Die beiden konnten sich nicht wirklich wehren. Aber dann stolperte Colette über einen Stein und so landeten alle drei auf dem Boden.
„Au… Upps, tut mir Leid!“, entschuldigte sich Colette, die auf Lloyd gelandet war.
„Könntest du dann bitte runter gehen? Ich bekomme gleich keine Luft mehr…“, beschwerte sich Lloyd keuchend.
„Tut mir Leid…“
„Colette, entschuldige dich nicht ständig!“, rief Genis seufzend, der aufstand und sich die Kleidung säuberte.
„Entschuldigung!“, sagte Colette lächelnd.
Genis seufzte. Es hatte keinen Sinn, ihr zu sagen, dass sie sich nicht entschuldigen sollte, denn dann entschuldigte sie sich dafür, dass sie sich entschuldigte.
„Wo machen wir denn überhaupt das Picknick?“, fragte Lloyd.
„Öhm… Oh, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht! Tut mir Leid!“, meinte Colette und lächelte verlegen.
Lloyd und Genis seufzten.
„Wir wäre es, wenn wir es am Teich machen?“, fragte Colette fröhlich.
„Am Teich?! Da liegt unser altes Haus…“, murmelte Genis und man sah ihm an, dass er das für keine gute Idee hielt.
„Ähm… Dann vielleicht vor der Schule?“, schlug Colette vor.
„Spinnst du?! Wir haben Ferien! Da will ich dem Schulgebäude nicht zu nahe kommen!“, rief Lloyd und hob die Hände abwehrend in die Luft.
„Hmm…“
Colette dachte nach. Auf einmal sprang ein Wesen auf sie zu und sie fiel zu Boden. Sie spürte, wie das Wesen ihr das Gesicht ableckte.
„Noishe!“, rief sie erfreut und streichelte das hundeähnliche Wesen.
„Noishe, komm runter von ihr!“, befahl Lloyd und sofort sprang Noishe ihn an. „Hey, das sollte nicht heißen, dass du dich auf mich stürzen sollst!“, lachte Lloyd.
„Du musst ihm einfach bessere Manieren beibringen…“, seufzte Genis.
„Yeah… Hey, wie wäre es, wenn wir unser Picknick bei Paps machen?“, fragte Lloyd, der sich endlich von Noishe hatte befreien können.
„Gute Idee, Lloyd!“, rief Colette begeistert.
„Meinetwegen…“, brummte Genis.





Signatur


Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

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~Kraine no Aikosha~
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...   Erstellt am 02.08.2007 - 17:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 19: Unerwartetes Wiedersehen (4. Spezialkapitel)

Raine lag auf ihrem Bett und weinte. In ihr herrschte ein regelrechtes Gefühlschaos. Sie war wütend auf Ski’ra und genauso konnte sie sie nicht verstehen. Außerdem hatte der Streit Erinnerungen an Kratos geweckt, weswegen sie noch bedrückter war.
„Ich kann mir mein Schicksal verdammt noch mal nicht aussuchen…“, murmelte Raine.
„Sie hat es bestimmt nicht so gemeint“, sagte Syuun, der neben ihr saß.
„Ach, Syuun… Warum kann ich nicht einmal ein ganz normales Leben führen?“, fragte sie schluchzend.
„Ich weiß es nicht… Aber ich bin mir sicher, das wirst du bestimmt noch!“
„Ich vermisse sie so… Kratos, Genis und Lloyd…“
„Du wirst sie bald wieder sehen!“, munterte Syuun sie auf.
„Bald?! Ich kann erst in drei Monaten zurück! Drei Monate… Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll…“
„Sieh es doch so: Drei Monate hast du schon hinter dich gebracht!“
Aber das hätte er vielleicht nicht sagen sollen, denn dadurch musste Raine nur noch mehr weinen. Ihr wurde bewusst, wie lange sich ihre Familie schon um sie Sorgen machen musste. Sie wusste, dass Kratos, Genis und Lloyd sie nicht aufgegeben hatten. Dafür war Raine schon zu oft zurückgekommen. Dicke Tränen rannen ihr Gesicht hinab.
„Raine, nun beruhige dich doch!“, rief Syuun unbeholfen.
Er hatte keine Ahnung, wie er Raine aufmuntern konnte. Der kleine Drache schaute sie so verzweifelt an, dass Raine aus irgendeinem Grund an Njujin denken musste, wodurch ein neuer Schmerz in ihr entfacht wurde und die Tränen gar nicht mehr aufhören wollten.
„Raine, bitte!“, schluchzte Syuun.
Weinend nahm Raine Syuun in die Arme und drückte ihn an sich. So saß sie auf ihrem Bett und beruhigte sich langsam wieder.

Ski’ra saß seufzend in der Höhle. Sie musste sich dringend bei Raine entschuldigen, sie hatte es sowieso schon nicht leicht. Aber als sie die Höhle verließ, schlug ihr jemand mit einem harten Gegenstand auf den Kopf und sie wurde ohnmächtig.
„Ich fühle mich immer noch unwohl dabei…“, murmelte ein Mann, der einen langen schwarzen Umhang mit Kapuze trug. (Muss unter Wasser komisch aussehen, aber das macht das Ganze irgendwie spannender, finde ich XD) „Eine Sünde mehr, die ich begehe… Und die Liste ist sowieso schon so lang…“
„Haha! Meine ist auch nicht gerade kurz! Du weißt, dass wir keine andere Wahl haben…“, seufzte eine Frau neben ihm, die ebenfalls in einen Umhang mit Kapuze gehüllt war.
Sie fesselten und knebelten die bewusstlose Ski’ra und schwammen mit ihr vor den Stadteingang, wo sie warteten.
„Hoffentlich macht sie alles richtig… Sie ist immerhin noch ein Kind…“, seufzte die Frau.
„Du weißt, dass sie sehr klug ist, obwohl sie noch so jung ist. Und ihre Aufgabe ist nun wirklich nicht schwer!“, wandte der Mann ein.
„Auftrag erledigt!“, rief eine fröhliche Mädchenstimme und eine kleine Gestalt, die genauso gekleidet war wie die beiden anderen, tauchte auf.
„Gut. Dann lasst uns jetzt gehen“, sagte der Mann, der noch einen kurzen Blick auf den Palast warf, den man in der Ferne sah. Er hielt seinen Blick regelrecht in einem Bann, was aber nicht daran lag, dass er so beeindruckend aussah. Nein, es war irgendetwas anderes, auch wenn der Mann nicht sagen konnte, was. Auf einmal wurde er aus den Gedanken gerissen.
„Wollen wir mal hoffen, dass ihnen das Leben der Prinzessin etwas wert ist…“, seufzte die Frau und die drei mysteriösen Personen verschwanden.

Als Raine sich wieder beruhigt hatte, ging sie mit Syuun in den Thronsaal, wo heftig gestritten wurde.
„Looki, ich habe dir ausdrücklich verboten, zu dem Geisterschiffswrack zu schwimmen! Du könntest jetzt tot sein!“, rief König Chiol.
„Wie du siehst, bin ich das nicht! Aber Ski’ra wäre jetzt tot, wenn ich nicht da gewesen wäre!“, verteidigte sich Looki.
„Und dann bringst du auch noch einen Geist mit!“
„Du benimmst dich schon genauso wie Ski’ra! Wie oft denn noch, er heißt Fyan und ist mein Freund! Wann kapiert ihr das endlich?!“, schrie Looki wütend.
„Looki…“, murmelte Fyan bedrückt.
„Was macht überhaupt diese Meerjungfrau hier?!“, fragte der König, der sich gar nicht mehr beruhigen wollte.
„Wir wissen, wo sich der letzte Teil der Maske befindet und bieten unsere Hilfe an. Aber als Gegenleistung verlangen wir, hier leben zu dürfen“, erklärte Aino ruhig, die inzwischen Beine hatte.
Anscheinend konnten die Meerjungfrauen das beliebig ändern. (Musst ich ja so machen, mit ihrem Fischschwanz kann sie ja nur im Wasser bleiben XD)
„Fischmenschen und Meerjungfrauen in einem Gebiet?! Das geht doch niemals gut!“, rief der König aufgebracht.
„Eure Majestät, wir sind auf die Hilfe der Meerjungfrauen angewiesen. Ich habe keine Lust, sinn- und erfolglos nach dem letzten Teil zu suchen, wenn wir ihn schon längst haben könnten“, mischte sich Raine ein.
„Raine!“, rief Looki begeistert.
„Ich weiß nicht, warum die Fischmenschen die Meerjungfrauen so sehr hassen und ich weiß auch nicht, warum die Meerjungfrauen unbedingt in Meroluna leben wollen. Ich weiß nur, dass ich nach Hause möchte und die Zeit, die ich noch hier bleiben muss, sinnvoll verbringen möchte“, erklärte Raine seelenruhig.
Der König atmete tief durch und setzte sich auf seinen Thron.
„Also gut. Wir haben ja wohl keine andere Wahl…“, sagte er gerade, als eilig eine Wache in den Saal gestürmt kam.
„Eure Majestät! Prinzessin Ski’ra… Sie ist entführt worden!“, rief er.
„Was?!“, schrie der König.
„Hier, lesen sie die Nachricht!“, sagte die Wache und reichte dem König einen kleinen Zettel.
„‚Bringt die beiden Teile der Turamba-Maske in die erste Höhle der nahe gelegenen Tiefseeschlucht oder eure Prinzessin wird sterben müssen!’“, las der König laut vor.
„Das ist wohl ein Werk der Meerhexen“, seufzte Aino.
Damit hatte sie nicht gerechnet. Jetzt würde sie den König nicht mehr überzeugen können, die Meerjungfrauen in Meroluna wohnen zu lassen. Ihre Mission war gescheitert. Ihre Mutter würde enttäuscht von ihr sein.
„Ich mache mich sofort auf den Weg!“, rief Raine, die ganz blass geworden war.
„Halt! Wir können den Meerhexen nicht die beiden Teile der Turamba-Maske überlassen! Sie werden uns vernichten!“, warf der König ein.
„Aber sie brauchen dafür doch noch den dritten Teil!“, protestierte Syuun.
Aino schüttelte den Kopf. „Den haben sie bereits…“
„Dann können wir ihnen die beiden Teile erst recht nicht überlassen!“, rief der König.
„Soll das heißen, Ihr wollt Ski’ra einfach im Stich lassen?! Sie ist Eure Tochter!“, schrie Raine ungläubig.
„Aber die Meerhexen werden uns vernichten…“
„Das werde ich schon nicht zulassen! Aber als Erstes gilt es, Ski’ra zu retten!“
„Genau!“, stimmte Looki zu.
„Ihr habt Recht. Sie ist immer noch meine Tochter und ich kann sie nicht einfach sterben lassen. Ich möchte, dass ihr alle Raine begleitet!“, befahl der König und sah dabei die Gruppe an, die aus Syuun, Looki, Fyan und Aino bestand.
„Natürlich!“, rief Looki grinsend.
„Gut. Dann lasst uns gehen“, sagte Raine entschlossen und die kleine Gruppe machte sich auf den Weg.

„HMM!!!“
Ski’ra hatte immer noch den Knebel im Mund. Sie saß an eine Wand angelehnt in einer Höhle. Ihre Entführer, die immer noch in die Umhänge gehüllt waren, saßen um sie herum und beobachteten sie. Der Mann nahm ihr den Knebel aus dem Mund.
„Wo bin ich?! Warum habt ihr mich entführt?!“, fragte Ski’ra aufgebracht.
„Du bist in der Tiefseeschlucht. Wir brauchen dich als Geisel“, erklärte die Frau.
„Argh! Deswegen hasse ich es, Prinzessin zu sein! Man hat nur Nachteile davon!“, brummte Ski’ra.
Der Mann musste lachen. „Ja, da könnte was Wahres dran sein…“
„Wie lange müssen wir noch warten?“, fragte die kleinste Gestalt mit der Mädchenstimme. „Mir ist langweilig!“
„Ich weiß. Aber sie werden bestimmt bald kommen“, seufzte der Mann und wandte sich dann an Ski’ra: „Hast du Hunger?“
„Von eurem Essen nehme ich nichts! Es ist bestimmt vergiftet!“, rief Ski’ra, obwohl sie wirklich Hunger hatte.
„Ha! Was hätten wir davon, dich jetzt schon zu vergiften?“, lachte die Frau.
Ski’ra starrte die Gestalten vor ihr böse an.
„Ihr könntet mir wenigstens eure Gesichter zeigen!“, forderte Ski’ra.
„Hmm… Nein, besser nicht…“, meinte die Frau.
„Sie kommen! Ihr wisst, was ihr zu tun habt!“, sagte eine Stimme und kurz darauf erschien eine Frau in der Höhle.
Sie war etwas dicker und hatte lange, schwarze Haare und braune Augen. Von ihr ging etwas Magisches aus. Ski’ra wusste sofort, dass es sich um eine Meerhexe handeln musste.
„Verstanden, Morgrary“, sagten die Entführer zur gleichen Zeit.
Der Mann verschwand in einem Nebengang der Höhle und die Frau zerrte Ski’ra unsanft nach oben, schnitt ihre Fesseln durch und hielt ihr ein Messer an die Kehle.
Jeden Moment würden die Retter der Prinzessin hier auftauchen.

„Wartet. Ich habe das Gefühl, dass wir in eine Falle laufen werden“, sagte Raine beunruhigt.
„Was sollen wir tun?“, fragte Syuun.
„Syuun, du wirst dich irgendwo verstecken… Und du solltest diese hier mitnehmen, für alle Fälle!“, meinte Raine und drückte ihm eine Gera-Frucht und eine Liko-Frucht in die Klauen. „Du, Aino, wirst dich ebenfalls verstecken. Looki, Fyan, ihr kommt mit mir“, erklärte Raine und alle nickten.
Während die anderen weiter zur Höhle schwammen, blieb Raine noch einen kurzen Moment zurück. Sie spürte, dass sie noch eine Fähigkeit hatte, die sie noch nicht benutzt hatte. Gerade jetzt kam sie ihr gelegen.
Syuun drehte sich verwirrt um. „Raine, kommst du?“, fragte er.
„Ja, sofort“, rief Raine und schwamm eilig zu ihren Freunden. „Noch etwas: Egal was mir gleich passieren mag, ihr dürft nicht eingreifen, verstanden?“, fragte sie sie.
„Kannst du in die Zukunft sehen?“, fragte Looki neugierig.
„Nein. Aber ich habe so das Gefühl, dass etwas bestimmtes passieren wird…“, murmelte Raine beunruhigt und sie schwammen in das Innere der Höhle.
Vor ihnen waren zwei in schwarze Umhänge gehüllten Gestalten und eine rundliche Frau mit langen, schwarzen Haaren und braunen Augen. Die eine Gestalt hielt Ski’ra fest und drückte ihr ein Messer an den Hals, während die kleinere nur da stand.
„Da seid ihr ja endlich! Ich hoffe, ihr habt die beiden Teile der Maske dabei!“, rief die Gestalt, die Ski’ra festhielt.
„Natürlich. Aber wir geben sie euch nur, wenn ihr Ski’ra frei lasst!“, rief Raine mit lauter Stimme.
„Wir versprechen es. Leg die Maskenteile auf den Tisch dort hinten.“
„Raine, tu es nicht!“, rief Ski’ra erschrocken.
Aber Raine ignorierte Ski’ra und tat, wie ihr geheißen. Sie sah den letzten Teil der Maske, der ebenfalls auf dem Tisch ruhte. Es war das mittlere Stück.
Ski’ra wurde los gelassen und diese stürmte sofort auf ihren Bruder.
„Gut. Und jetzt… Töte sie!“, befahl die rundliche Frau und zeigte auf Raine.
„Aber…“, wollte die große, verhüllte Person protestieren, aber als sie den Blick der schwarzhaarigen Frau sah, wusste sie, dass sie keine andere Wahl hatte.
Sie rannte auf Raine zu und wollte sie mit ihrem Messer angreifen, aber auf einmal wurde sie von einem Schwert abgeblockt. Vor Raine stand eine weitere verhüllte Person, die sie beschützt hatte.
„Was tust du da?! Es ist mein Befehl, dass sie getötet wird! Sie ist immerhin deine Rivalin!“, rief die dicke Frau wütend.
„Sie ist die Frau, die ich liebe!“, widersprach der Mann und nahm den Umhang ab.
Raines Augen weiteten sich, als sie die rot-braunen Haare sah.
„K-Kratos!“, rief Raine überrascht.
„Raine!“, sagte er, drehte sich um und schloss sie in seine Arme.
„Ich habe dich so vermisst…“, schluchzte sie.
„Ich dich auch…“, murmelte Kratos und strich ihr liebevoll über den Kopf.
„Trotzdem muss sie getötet werden. Sie ist ein Hindernis für uns Meerhexen!“, rief die dicke Person und schnappte sich die kleinste, verhüllte Person, die sich bis jetzt noch nicht zu Wort gemeldet hatte. Ihre Kapuze fiel ihr vom Kopf und man sah, dass es ein kleines Menschenmädchen mit langen, blonden Zöpfen und lila Augen war, die von Angst erfüllt waren. Drohend hielt die schwarzhaarige Frau ihre Hand über die Brust des kleinen Mädchens.
„Kratos, du weißt, dass ich sie auf der Stelle töten kann! Rikinos Leben gegen ihres!“, rief sie und deutete auf Raine.
„Krat!“, rief das kleine Mädchen verängstigt.
„Riki! Morgrary, das kannst du nicht tun!“, schrie Kratos verzweifelt.
„Und ob ich das kann! Du wirst dich entscheiden müssen!“
„Morgrary, lass Riki gehen! Sie ist doch noch ein Kind!“, rief die Frau, die nun auch ihre Kapuze abnahm.
Sie war ebenfalls ein Mensch, schien in Raines Alter zu sein, hatte kurze, rote Haare und tannengrüne Augen.
„Ob Kind oder nicht, das spielt keine Rolle! Sie ist ein perfektes Druckmittel. Das solltest du dir merken, Serena!“, rief Morgrary lachend.
Kratos stand unentschlossen da. Riki war wie eine Tochter oder eine Schwester für ihn, er konnte sie nicht sterben lassen. Aber er konnte Raine auch nicht sterben lassen. Je länger er darüber nachdachte, desto verzweifelter wurde er.
„Ist schon gut, Kratos. Ich werde mich opfern“, sagte Raine ruhig.
Ihre Freunde sahen sie verwirrt an.
„Raine, das kann doch nicht dein Ernst sein!“, schrie Ski’ra irritiert.
„Das kannst du nicht machen, Raine!“, rief Kratos und sah sie eindringlich an.
„Doch. Ich hätte sowieso schon längst tot sein sollen“, meinte Raine und zog den Blutdolch aus ihrer Tasche.
Sie wollte ihn sich gerade in die Brust rammen, als Kratos ihre Hände festhielt.
„Raine, das… das kann ich nicht zulassen!“
„Kratos, lass sie! Oder willst du etwa, dass Riki etwas passiert?“, fragte Morgrary mit einem zuckersüßen Lächeln auf dem Gesicht.
Kratos sah, dass Riki weinte. Sie schien furchtbare Angst zu haben.
„Vertrau mir, Kratos“, flüsterte Raine und sah ihm ernst in die Augen.
Sie schien einen Plan zu haben und deswegen ließ Kratos ihre Hände schweren Herzens los. Raine rammte sich den Blutdolch in die Brust und fiel langsam auf den Boden.
„RAINE!!!“, schrie Ski’ra erschrocken.
„Jetzt!“, rief Aino Syuun zu, die sich beide versteckt hatten.
Syuun aß die Gera-Frucht und bekam seine ursprüngliche Größe wieder. (Muss eine sehr große Höhle sein XD)
Morgrary ließ Riki erschrocken los und diese rannte schnell zu Serena, die sie beruhigend in die Arme nahm.
Während Aino die Meerhexe ablenkte, schlichen sich Looki und Fyan von hinten an sie heran und fesselten sie.
„Das soll dir eine Lehre sein!“, rief Looki grinsend.
Syuun aß die Liko-Frucht und schrumpfte wieder.
„Aber was ist mit Raine?“, fragte Fyan bedrückt.
Kratos saß neben ihrem toten Körper und schüttelte immer wieder den Kopf. Er konnte es nicht glauben, dass Raine schon wieder gestorben war. (Ja, oder? Ich kann es auch immer wieder nicht fassen… XD)
„Was macht ihr denn für Gesichter?“, fragte eine Stimme.
Erstaunt sah die Gruppe zum Höhleneingang. Dort stand putzmunter, wenn auch ein wenig erschöpft, Raine und lächelte ihre Freunde an.
„Aber…“, murmelte Kratos, doch als er jetzt auf den Boden vor sich schaute, war nichts von der toten Raine zu sehen.
„Ganz schön anstrengend, eine lebensechte Illusion so lange aufrecht zu erhalten…“, meinte sie grinsend.
„Eine Illusion? Aber… Aber…“, stotterte Ski’ra verwirrt.
„Haha! Das ist unsere Raine! Immer für neue Überraschungen gut!“, rief Syuun lachend.
„Raine!“
Kratos stürmte auf sie zu und küsste sie.
Serena ballte die Fäuste und sah die beiden wütend an. „Wie romantisch! Aber Kratos, ich denke, du hast noch eine Aufgabe zu erfüllen!“
Sie deutete auf die Maskenteile, die nur noch darauf warteten, zusammengefügt zu werden.
Raine ging auf den Tisch zu. Jetzt konnte sie endlich ihre Aufgabe erfüllen und in drei Monaten zusammen mit Kratos zurück zur Oberfläche schwimmen. Aber als sie die Teile in die Hand nehmen wollte, hielt Kratos sie ab.
„Warte, Raine. Es ist meine Aufgabe, sie zusammenzufügen.“
„Was redest du da? Ich muss sie zusammenfügen, damit die Fischmenschen die Meerhexen besiegen können!“, rief Raine.
„Raine, die Fischmenschen sind böse!“, sagte Kratos.
„Das ist doch Unsinn, die Meerhexen sind böse!“, protestierte Raine.
„Morgrary ist vielleicht hinterhältig, aber sie tut das alles nur für ihr Volk! Du hast die anderen Meerhexen nicht gesehen, du hast nicht gesehen, wie sehr sie leiden!“
„Aber…“
„Die Fischmenschen haben uns aus Meroluna vertrieben. Aus Meroluna, dem Reich, in dem WIR ursprünglich lebten!“, rief die gefesselte Morgrary.
„Das ist nicht wahr!“, schrie Ski’ra.
„Und ob das wahr ist! Genauso wahr ist es, dass die Fischmenschen vor sehr langer Zeit sich geweigert haben, den Meerjungfrauen zu helfen, als sie ihre Hilfe am dringendsten hätten gebrauchen können! Deswegen haben die Meerjungfrauen im letzten Krieg den Fischmenschen auch nicht geholfen!“, erklärte Morgrary.
„Das… Das kann nicht…“, meinte Ski’ra verwirrt.
„So wie ich die Fischmenschen kenne, haben sie doch auch bestimmt behauptet, dass die Xari-Schoten aufgebraucht sind und dir gesagt, dass es noch andere Schoten gäbe, mit denen man aber nicht ganz so lange unter Wasser atmen kann. Dabei gibt es nur Xari-Schoten, die man im Übrigen das ganze Jahr ernten kann. Hast du dich noch nicht gefragt, warum du so lange unter Wasser atmen kannst, wenn die Xari-Schoten doch angeblich aufgebraucht sind?“, fragte Morgrary an Raine gewandt.
„Unsinn! Das sind nicht die Xari-Schoten, die nächste Ernte ist erst wieder in drei Monaten!“, widersprach Raine.
„Das haben sie dir gesagt, um dich hier festzuhalten. Aber es ist nicht die Wahrheit“, sagte Morgrary.
Raine schaute Ski’ra und Looki fragend an, aber diese wichen ihrem Blick aus und Raine wusste, dass Morgrary die Wahrheit gesagt hatte.
„Ihr… Ihr habt mich angelogen… Ich könnte schon längst wieder zu Hause sein… Ihr habt doch gesehen, wie sehr ich gelitten habe!“, schrie Raine.
„Raine, wir brauchten dich!“, rief Ski’ra.
„Wenn… Wenn Morgrary die Wahrheit sagt… dann stand ich die ganze Zeit auf der falschen Seite…“, murmelte Raine erschrocken.
„Raine, du darfst ihr nicht glauben! Wir haben dich angelogen, was die Xari-Schoten betrafen, ja! Aber wir brauchen dich wirklich! Die Meerhexen bedrohen Meroluna!“, versuchte Ski’ra, sie zu überzeugen.
„Wir wollen nur unser Reich zurückerobern“, sagte Morgrary ruhig.
„Raine, hilf mir, den Meerhexen zu helfen“, forderte Kratos.
Raine fiel auf die Knie. Sie wusste nicht mehr, wem sie glauben und was sie tun sollte. Sie war zu verwirrt und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
„Raine! Wir sind doch Freunde!“, rief Looki.
„Freunde… Freunde sollten sich nicht anlügen!“, schrie Raine.
„Raine, sie haben vielleicht einen Fehler begangen, aber…“, sagte Syuun, wurde aber gleich von Raine unterbrochen: „Und auf wessen Seite stehst du?!“
„Auf deiner Seite, Raine“, antwortete der kleine Drache ruhig.
„Ich bin mir sicher, dass die Fischmenschen nichts Böses vorhaben“, meinte Aino, die bis jetzt still zugehört hatte und – wieder einmal – mit einer ihrer Haarsträhnen gespielt hatte.
„Du musst uns vertrauen, Raine!“, rief Ski’ra und schaute sie flehend an.
„Solltest du nicht eher mir vertrauen, Raine?“, fragte Kratos, der neben ihr stand.
Raine schluchzte. Noch nie hatte sie sich so sehr gewünscht, dass Juell wieder in ihrem Körper war und ihr sagte, was sie tun musste.
Was soll ich bloß tun?, fragte sie sich.
Sie hatte das Gefühl, eine Antwort zu bekommen.
Hör auf dein Herz.
Hör auf dein Herz, das sagte sich so leicht, aber Raine war einfach zu aufgewühlt, um auf diesen Rat zu hören.
Du solltest nicht vergessen, dass du eine Aufgabe hast, sagte eine Stimme in ihr.
Irgendwie hatte sie immer eine Aufgabe. Das ging ihr langsam auf die Nerven. Aber jetzt wusste sie wenigstens, was sie tun musste. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen, die ihr die Wangen hinab gelaufen waren und stand gefasst auf.
„Hast du dich entschieden?“, fragte Kratos.
„Ja. Ich werde den Fischmenschen helfen.“
„Was?! Aber, Raine…“, wollte Kratos protestieren, aber er wurde von ihr unterbrochen.
„Es geht nicht darum, wem ich mehr vertraue, Kratos. Es ist meine Aufgabe, den Fischmenschen zu helfen und die werde ich erfüllen. Wir werden die beiden Maskenteile, die uns gehören wieder mitnehmen. Wenn ihr sie haben wollt, werdet ihr darum kämpfen müssen, so wie wir um euer Teil kämpfen werden!“, sagte Raine und packte die beiden Teile wieder in ihre Tasche.
„Hey, halt! Dann müssen wir wieder jemanden als Geisel behalten!“, rief Serena.
„Davon würde ich euch tunlichst abraten. Wenn ihr meinen Freunden auch nur zu nahe kommt, bekommt ihr es mit mir zu tun!“, sagte Raine bedrohlich. (OHO! XD)
Sie wandte sich zum Gehen, aber Kratos hielt sie fest.
„Raine…“
„Kratos, es wäre das Beste, wenn wir uns die nächsten Tage nicht sehen“, meinte Raine scheinbar unbekümmert und entzog sich seinem Griff. (Ach Mensch, warum musst du so etwas sagen, Raine? T-T)
Zusammen mit ihren Freunden verließ sie die Höhle.
„Könnte einer von euch jetzt die Güte haben, mich loszubinden?!“, fragte Morgrary gereizt.
„Schon gut…“, murmelte Kratos und ging zu ihr hin.
„Nein, Krat, tu es nicht!“, rief Riki ängstlich. (Krat, ich find das soooo süß! ^-^)
„Keine Angst, Riki. Ich bin mir sicher, sie wird dir nichts mehr tun. Nicht wahr, Morgrary?“, fragte Kratos die Meerhexe.
„Warum sollte ich?“, brummte sie.
Trotzdem versteckte sich Riki hinter Serena, als Kratos Morgrary die Fesseln löste.
„Das Ganze habe ich mir irgendwie anders vorgestellt!“, rief Morgrary wütend.
„Nicht alles kommt immer so, wie man es sich wünscht…“, murmelte Kratos abwesend.
„So ein liebeskranker Trottel…“, seufzte Morgrary.
„Ja, leider…“, flüsterte Serena und betrachtete Kratos, der niedergeschlagen zu sein schien. Sie konnte nicht nachvollziehen, warum er diese Raine so sehr liebte. Serena mochte sie kein bisschen. (Kein Wunder, sie ist ja auch auf sie eifersüchtig XD)

„Raine, weinst du?“, fragte Syuun, der neben Raine schwamm.
„Unsinn!“
„Du lügst. Das Wasser um dich herum ist salziger“, bemerkte der kleine Drache.
„Es ist nur… Endlich sehe ich Kratos wieder und dann muss ich ihn wieder verlassen… Ich halte das einfach nicht mehr aus…“
Die Freunde blieben still. Sie wussten, dass sie Raine nicht trösten konnten. Darüber musste sie alleine hinweg kommen. Nach einer Weile erreichten sie den Palast.
„Ski’ra! So ein Glück!“, rief der König beruhigt und schloss seine Tochter in die Arme.
„Hehe! Wir haben aber trotzdem noch die beiden Maskenteile!“, platzte Looki fröhlich raus.
„Aber wie das?“, fragte der König verwundert.
„Das ist nicht so wichtig. Die Meerhexen werden um diese beiden Teile kämpfen. Genauso, wie wir um ihren Teil kämpfen werden“, sagte Raine abwesend, die aus dem Fenster schaute und die Fische beobachtete.
Der König sah die Freunde etwas verwirrt an.
„Kratos ist derjenige, der den Meerhexen hilft“, erklärte Ski’ra ihrem Vater. (Der war natürlich auch dabei gewesen, als Raine ihre Geschichte erzählt hat.)
„Das tut mir Leid, Raine. Aber so wie es aussieht, müssen wir jetzt wohl jederzeit mit einem Angriff der Meerhexen rechnen“, meinte König Chiol bedrückt.
„Ja, das fürchte ich auch…“, murmelte Raine.
„Das heißt, die Fischmenschen müssen kämpfen, oder? Dabei werden so viele getötet werden…“, meinte Ski’ra traurig.
„Wir haben keine andere Wahl…“
Aino lächelte, denn sie sah eine Chance, ihre Mission doch noch erfolgreich abzuschließen.
„Aber die Meerhexen sind in der Mehrzahl“, bemerkte sie ruhig.
„Das mag sein, doch bis jetzt haben wir jede Schlacht erfolgreich gewonnen!“, sagte der König.
„Hmm… Dieser Kratos sah mir nach einem erfahrenen Krieger aus. Wenn er mitkämpft, haben Eure Truppen bestimmt nichts zu lachen“, setzte Aino nach.
Raine fing an, zu schluchzen.
„Was willst du, Meerjungfrau?“, fragte der König.
„Das solltet Ihr wissen“, sagte Aino und spielte mit ihrem blauen Haar, „Wir Meerjungfrauen wollen hier in Meroluna leben.“
„Mich würde nur einmal interessieren, warum!“, wandte Ski’ra ein.
Aino hörte auf, mit ihrem Haar zu spielen und machte ein ernstes Gesicht.
„Unsere Stadt wird in letzter Zeit häufig von einem Kraken angegriffen. Wir sind dort nicht mehr sicher. Deswegen hat meine Mutter, Königin Eria, mich hierher geschickt“, erklärte Aino.
„Du bist auch eine Prinzessin?“, fragte Ski’ra irritiert.
„Ich mache mir da nicht viel draus.“
Ski’ra sah Aino musternd an. Sie mochte vielleicht eine Meerjungfrau sein, aber Aino schien es genauso wenig wie ihr zu gefallen, eine Prinzessin zu sein. Langsam wurde ihr die Meerjungfrau doch noch sympathisch.
„Nun… Wir haben wohl keine andere Wahl… Schwimm zurück zu deinem Volk und verkünde ihm, dass es hier leben darf, wenn sie uns im Krieg gegen die Meerhexen helfen!“, sagte der König.
Aino nickte zufrieden und machte sich sofort auf den Weg.
„Ich werde jetzt die Truppen vorbereiten“, meinte der König und verschwand ebenfalls.
Raine stand immer noch am Fenster.
„Was machst du jetzt, Raine?“, fragte Ski’ra vorsichtig.
„Ich werde in mein Zimmer gehen und schlafen…“, meinte diese ruhig.
„Schlafen? Es ist doch noch früh!“, rief Looki.
„Ich bin müde…“
„Bist du noch sauer, weil wir dich angelogen haben?“, fragte Ski’ra bedrückt.
„Nein. Es lässt sich jetzt sowieso nicht mehr ändern.“
„Es tut mir trotzdem Leid… Auch wegen dem Streit vorhin… Ich war nicht nett zu dir…“
„Schon gut. Ich denke, jeder hat mal einen schlechten Tag…“, sagte Raine, setzte ein gezwungenes Lächeln auf und begab sich, von Syuun gefolgt, in ihr Zimmer.
„Komm, Fyan! Wir spielen etwas!“, rief Looki begeistert.
„Und was?“, fragte Fyan verlegen.
„Wie wäre es mit… Verstecken?“
„Ich denke nicht, dass…“, wollte Fyan einwenden, wurde aber von Looki unterbrochen: „Komm schon!“
„Also gut… Aber beschwere dich nicht, wenn ich ständig gewinne!“
Ski’ra seufzte. Es würde lange dauern, bis sie sich an den Geisterjungen gewöhnt haben würde.

In der Nacht konnte Kratos nicht schlafen. Er musste die ganze Zeit an Raine denken. Zu wissen, dass sie in der Nähe war und dass es ihr gut ging, beruhigte ihn irgendwie, aber gleichzeitig ärgerte es ihn, denn es kam ihm vor, als wäre Raine meilenweit weg. Er wollte sie sehen und konnte es doch nicht.
„Kannst du nicht schlafen, Krat?“, fragte Riki verschlafen und fiel ihm um den Hals.
„Nein… Nicht wirklich…“
„Da bist du nicht der Einzige…“, murmelte Serena, die in dem Bett neben ihm lag.
„Jetzt wo wir alle wach sind, könnten wir doch eine Kissenschlacht machen!“, rief Riki begeistert.
Kratos streichelte ihr den Kopf. „Besser nicht, Riki. Wir sollten versuchen, zu schlafen.“
„Schade…“, murmelte Riki traurig.
„Ein andermal, versprochen!“, sagte Kratos.
„Jaaaaa!“, rief Riki begeistert und umarmte ihn. „Ich hab dich lieb, Krat…“ (T-T Ui, das ist sooooo süß!!!)
Im nächsten Moment war sie wieder eingeschlafen. Kratos legte sie zurück in ihr Bett.
„Sie hängt wirklich sehr an dir“, sagte Serena flüsternd.
„Ja…“
„Was wirst du machen, wenn du zum Land zurückkehrst? Wirst du sie mitnehmen?“
„Nun… Ich denke schon… Sie hat immerhin keine Eltern mehr. Und sonst auch niemanden“, meinte Kratos.
„Ich werde euch vermissen…“
„Warum kommst du nicht auch mit uns? Ich bin mir sicher, wir finden irgendwo ein Haus für dich und du könntest uns jederzeit besuchen kommen!“
Ich will mit dir zusammenleben! Aber du denkst ja nur an deine Raine…
„Nein, ich denke, dass ich hier bleiben werde…“, seufzte Serena.
„Wirklich?“, fragte Kratos verwundert.
„Ja. Ich bin jetzt schon so lange hier… Bei den Meerhexen… Es ist mein zu Hause geworden.“
Serena lebte schon seit Jahren bei den Meerhexen. Ähnlich wie Raine war sie bei einem Sturm über Bord gefallen. Allerdings war sie noch ein Kind gewesen. Die Meerhexen hatten sie gefunden und sie aufgezogen. Sie war es auch gewesen, die Kratos gefunden und vor den Haien gerettet hatte. Ohne sie wäre er jetzt nicht mehr am Leben.
„Aber denkst du nicht, dass sich deine Verwandten Sorgen machen?“
„Nach über zehn Jahre werden sie bestimmt denken, dass ich tot bin, Kratos. Selbst wenn ich zurückkehren würde, sie würden mich bestimmt nicht erkennen…“
„Da könntest du Recht haben…“, murmelte Kratos.
„Du solltest jetzt auch schlafen, Kratos…“
Kratos nickte und legte sich wieder in sein Bett. Als er sich sicher war, dass Serena schlief, holte er sein Medaillon hervor und öffnete es. Er hoffte, dass Raine ihres auch öffnen würde. Er vermutete, dass beide Medaillons irgendwie magisch verbunden waren und sie immer dann leuchteten, wenn beide geöffnet waren. Tatsächlich gab es nach einer Weile ein Licht ab und Kratos wusste, dass Raine genauso wenig wie er schlafen konnte.





Signatur


Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

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