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DelFina18  ~Kraine no Aikosha~
    

Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 246 Nachricht senden | Erstellt am 29.07.2007 - 22:31 |  |
So... kommen wir zu meiner neusten Geschichte. Sie ist ziemlich lang, seid also gewarnt! *grins*
Das erste Logo is von mir, das zweite hat Gaara für mich gemacht. *Gaara ganz doll dankbar sei* ^-^


Prolog: Juells Mission
Wie jeden Tag ging Juell ihrer Arbeit als Schutzengel nach und wie jeden Tag machte es ihr Spaß. Ihrer Meinung nach konnte man nach dem Tod keine bessere Arbeit bekommen. Immerhin rettete man Leben, fast wie Ärzte. Vielleicht wäre sie ja einmal Ärztin geworden, wenn sie nicht schon so früh an einer Epidemie gestorben wäre. Heute jedenfalls sollte sie ein kleines Kind davor bewahren, sich bei dem Sturz von einem Baum zu viele Knochen zu brechen. Professionell ging sie ans Werk und bremste den Sturz so gering ab, dass es keiner merkte, aber so, dass der Junge einigermaßen heil unten landete. Ein paar Schrammen, blaue Flecke und einen Schock, mehr hatte er nicht.
„Tijo!“, rief seine Mutter besorgt, die angerannt kam, „Da hast du aber noch einmal Glück gehabt! Ab jetzt kletterst du nicht mehr auf Bäume, verstanden?!“
Pah! Von wegen Glück! Das war das Werk eines professionell ausgebildeten Schutzengels!, dachte Juell ein wenig beleidigt.
Aber die Lebenden konnten ja nichts dafür, dass sie solche Dinge entweder dem Glück oder Pech zuschrieben, anstatt auf die gute oder schlechte Arbeit eines Schutzengels. Sie wussten ja nicht, dass es welche gab.
„Ja, Mama!“, antwortete der Junge brav.
Bei seinem Anblick wurde Juells Herz ganz weich. Sie hatte selber zwei Kinder gehabt, es waren Zwillinge gewesen, aber sie hatte sie leider nicht mehr aufwachsen sehen. Dabei war sie so glücklich gewesen, als sie ihren Sohn und ihre Tochter in den Armen gehalten hatte. Selbst im Himmel war sie ihnen noch nicht begegnet. Aber nur wenige hatten die Chance, ihre Verwandten zu sehen.
Seufzend flog Juell in den Himmel zurück, um den nächsten Auftrag abzuholen.
„Juell! Martel möchte dich sehen!“, rief Wayx, der Engel, der sich um die Verwaltung kümmerte und die Aufträge verteilte.
„Martel? Warum das denn?“, fragte Juell verwirrt.
Normale Schutzengel hatten eigentlich nur wenig mit Martel zu tun.
Wayx zuckte mit den Schultern. „Anweisung von ganz oben.“
Also machte sich Juell auf den Weg zu Martel.
„Juell! Schön, dich zu sehen!“, begrüßte Martel sie.
„Ja, finde ich auch… Aber was verschafft mir die Ehre?“
„Nun, weißt du… Du kannst dich doch noch bestimmt an die Prophezeiung des Kristalls erinnern?“
Juell nickte. Wie hätte sie die auch vergessen können? Ihr ganzes Leben hatte immerhin etwas damit zu tun gehabt.
„Unglücklicherweise wird sie sich bald erfüllen…“
„WAS?!“, rief Juell entsetzt.
Natürlich hatte sie gewusst, dass sie irgendwann eintreten würde. Und wenn sie so darüber nachdachte, war es auch schon mehr als 6500 Jahre her, dass sie prophezeit worden war. Aber trotzdem konnte Juell es nicht fassen.
„Ja. Wir möchten dich bitten, dich für die nächste Zeit in einen Körper einzunisten, sozusagen als Zweitseele.“
„Warum ausgerechnet ich? Ich bin nur ein einfacher Schutzengel… Naja gut, mit professioneller Ausbildung natürlich, aber…“
„Es handelt sich um eine deiner Nachfahrinnen. Mehr noch, um deine Wiedergeburt!“
„Oh…“, sagte Juell nur, zu mehr war sie nicht in der Lage.
„Du wirst ihr beistehen und ihr bei ihrer schweren Aufgabe helfen. Aber du darfst ihr nichts von ihrem Schicksal sagen und dich auch sonst nicht in ihre Bestimmung einmischen. Du darfst nur versteckte Ratschläge geben. Und du darfst auch erst auftauchen, sobald sie ihre Rolle vollkommen angenommen hat. Ich denke, du weißt, wann das sein wird“, meinte Martel.
„Ja… Natürlich weiß ich das…“, murmelte Juell.
„Gut, dann kannst du dich jetzt auf den Weg machen.“
Langsam ging Juell zur Tür.
„Ach warte, da ist noch etwas!“, rief Martel und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
„WAS?!“, fragte Juell ein wenig bestürzt.
Martel nickte traurig. „Es wird wirklich nicht leicht für sie werden. Sie wird am Ende eine schwere Entscheidung treffen müssen…“
„Also sehe ich ihn wieder… Nach so langer Zeit… Das letzte Mal waren wir noch Kinder!“, meinte Juell.
„Ja, ich weiß… Aber du liebst ihn nicht mehr, oder?“, fragte Martel.
„Nein. Wie gesagt, das letzte Mal, als wir uns gesehen haben, waren wir noch Kinder. Und danach habe ich Gion kennen gelernt.“
„Dann mach dich jetzt auf den Weg“, sagte Martel, worauf Juell das Zimmer verließ und sich auf den Weg zur Welt der Lebenden machte.
[Dieser Beitrag wurde am 30.07.2007 - 20:33 von DelFina18 aktualisiert]
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Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 246 Nachricht senden | Erstellt am 29.07.2007 - 22:33 |  |
Kapitel 1: Eine interessante Entdeckung
Sechs Monate waren vergangen, seit die Welten Sylvarant und Tethe’alla vereint worden waren. Inzwischen herrschte überall wieder Alltag – auch in der Schule von Iselia.
„Wer kann mir sagen, welche Stadt die neue Hauptstadt ist?“, fragte Raine ihre Schüler.
Alle Hände bis auf eine gingen nach oben. Doch Raine beachtete diese nicht weiter.
„Lloyd, kannst du mir die Antwort geben?“, fragte sie den Schüler, dessen Hand als Einzige nicht nach oben geschnellt war.
Lloyd hörte Raine nicht. Er war in seinen Gedanken versunken.
Wie es Dad wohl geht? Ich vermisse ihn… Ich hätte ihn nicht gehen lassen dürfen…
„LLOYD!!! Es ist schon schlimm genug, dass du manchmal im Unterricht einschläfst, aber musst du jetzt auch noch tagträumen?!“, rief Raine und bewarf ihn mit einem Kreidestück, das ihn direkt an der Stirn traf. (Wer die erste OVA-Folge gesehen hat, kann es sich bildlich vorstellen XD)
„Woah! Ähm… Wie war die Frage?“, fragte Lloyd.
„Ahh… Es ist immer das Gleiche mit dir…“, seufzte Raine und schüttelte den Kopf.
Lloyd widmete sich wieder seinen Gedanken, während Raine jemand anderes bat, die Frage zu beantworten.
„Na gut, dann machen wir für heute Schluss!“, sagte Raine schließlich.
Sofort packten alle Kinder ihre Sachen ein und gingen aus dem Zimmer. Nur Lloyd saß weiterhin auf seinem Platz und schien nicht zu merken, dass der Unterricht zu Ende war.
„Lloyd! Du kannst gehen, der Unterricht ist vorbei!“, rief Raine ihm zu.
„Was?!“
„Lloyd, muss ich mir Sorgen machen? Seit Tagen scheinst du abwesend zu sein. Das ist schon fast schlimmer, als wenn du einfach nur schlafen würdest. Dich beschäftigt doch irgendwas!“
„Es tut mir Leid… Ich muss nur ständig an Dad denken… Wie es ihm geht und was er macht… Ob ich ihn überhaupt wieder sehen werde…“
„Du vermisst ihn sehr, oder?“
„Ja...“
„Ich bin mir sicher, dass es ihm gut geht. Pass auf, vielleicht steht er ja irgendwann einfach vor deiner Tür!“, versuchte Raine Lloyd aufzumuntern.
„Aber wie soll er denn auf die Erde kommen? Es funktioniert nicht einmal mit dem Ewigen Schwert, ich habe es ausprobiert…“
„Du wirst ihn schon noch wieder sehen, da bin ich mir sicher. Wunder geschehen immer wieder!“, sagte Raine überzeugt, „Aber jetzt solltest du nach Hause gehen. Oder willst du etwa länger als nötig in der Schule bleiben?“
„Stimmt, ich sollte wirklich nach Hause gehen!“, rief Lloyd, packte seine Sachen und rannte zusammen mit Noishe, der wieder einmal auf ihn gewartet hatte, durch den Wald von Iselia nach Hause.
„So… Ich werde jetzt erstmal die Zutaten kaufen, die Genis mir aufgeschrieben hat. Diesmal werde ich es bestimmt schaffen, das Gericht genießbar zu machen!“
Energisch packte Raine ihre Sachen und holte einen kleinen Zettel aus ihrer Jackentasche.
„Hmm… Rotes Satay… Das bekomme ich am schnellsten in Triet. Na dann mal los!“
Mit dem Roten Satay in der Tasche verließ sie Triet. Plötzlich fiel ihr in der Wüste etwas auf. Nördlich von Triet sah sie eine Art Tempel. Allerdings schien er zerstört zu sein. Es war eine Ruine. Aber die Triet-Ruinen konnten es nicht sein, denn diese lagen im Süd-Westen. Wie kam es also, dass dort eine Ruine war und Raine und die anderen sie noch nie bemerkt hatten? Sie konnte ja nicht einfach vom Himmel gefallen sein. Raine verspürte den Drang, sich die Ruine genauer anzusehen, aber sie war ihr ein wenig unheimlich und außerdem wartete Genis darauf, was zu essen zu bekommen. (Wer’s glaubt… ^^)
Aber wenn die Ruine auf einmal auftauchte, vielleicht verschwand sie dann auch bald wieder? Möglicherweise war das eine einmalige Gelegenheit. Also entschloss sich Raine, die Ruine zu erkunden. Genis würde schon warten können.
Entgegen Raines Erwartungen hatte Genis keineswegs vor, wieder einmal Raines Küche ertragen zu müssen. Nur äußerst widerwillig hatte er Raine die Zutaten aufgeschrieben. Besser sie hatte die richtigen Zutaten und versuchte dem ganzen ihren eigenen Stil zu geben, als wenn sie vollkommen experimentierfreudig irgendwelche Zutaten zusammenwürfelte, die gar nicht zusammenpassten. Da Genis aber wusste, er würde so oder so mit Bauchschmerzen im Bett landen, hatte er sich entschlossen, Lloyd und Dirk zu beten, vorher bei ihnen mitessen zu dürfen, um bei Raine sagen zu können, dass er keinen Hunger habe, aber trotzdem nicht mit leerem Magen ausging.
„Ach komm schon, Genis! Sei mutig, so schlimm kann es doch nicht sein! Ihr Essen wird dich schon nicht umbringen, zumindest wäre das nicht ihre Absicht gewesen!“, ärgerte Lloyd Genis.
„Hm, was meinst du, wie Raine sich freut, wenn ich ihr sage, dass du heute mit uns essen willst?“, fragte Genis mit einem fiesen Lächeln im Gesicht und einem Blitzen in den Augen.
„O-Okay, du kannst mit uns essen!“, antwortete Lloyd schnell.
Zufrieden setzte sich Genis auf einen Stuhl.
„Zum Glück bleibt mir noch ein bisschen Zeit, bis Raine mir ihre Version von Curry auftischt…“, seufzte Genis.
„Curry, heh… Dabei muss ich irgendwie an Sheena denken…“
„Du meinst, weil sie Curry immer mit Ananas kocht?“
„Ja… Ich frage mich, wie es ihr geht…“
„Nun ja, ich denke, sie wird viel zu tun haben als Oberhaupt von Mizuho“, vermutete Genis.
„Findest du nicht, wir sollten uns alle mal wieder treffen? Immerhin haben wir die anderen jetzt schon ein halbes Jahr nicht mehr gesehen…“
„Meinst du mit alle denn wirklich alle?“, fragte Genis.
„Nun ja…“
„Lloyd… Ich weiß, wie gerne du Kratos wieder sehen möchtest… Aber wir haben keine Möglichkeit, ihn auf die Erde zu holen. Wenn es mit dem Ewigen Schwert nicht geht, würde ich sagen, geht es gar nicht.“
„Ja, du hast wohl Recht… Das wird wohl ein Traum bleiben…“
„Lloyd… Tut mir Leid… Das hätte ich nicht sagen dürfen. Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben! Vielleicht gibt es einen uns unbekannten Weg, auf dem man Kratos zurückholen kann!“
„Danke, Genis… Aber ich muss auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es diesen Weg nicht gibt.“
„Seit wann bist du so pessimistisch? Der Lloyd, den ich kenne, gibt nicht so schnell auf!“
Lloyd lächelte.
„Ja. Ja, du hast Recht! Ich darf nicht aufgeben!“
Kratos’ Tag begann damit, dass er nach Exspheres suchte und diese ins All schüttete. Allerdings wusste er nie so genau, ob Tag oder Nacht war, denn Derris-Kharlan sah immer gleich aus. Natürlich hatte er es satt, jeden Tag das Gleiche zu machen und das immerhin schon ein halbes Jahr lang. Aber als Mitglied von Cruxis hatte er sich das zur Aufgabe gemacht und er bereute es kein bisschen. Andererseits vermisste er Lloyd und auch die anderen. In ihm machte sich langsam der Wunsch breit, zurückzukehren. Aber abgesehen davon, dass er nicht wusste, wie, wollte er es nicht tun, solange er seine Aufgabe nicht beendet hatte. Wie üblich machte er seine Runde, auf der Suche nach noch nicht entdeckten Exspheres. Doch diesmal fiel ihm etwas Ungewöhnliches auf. An einer Wand wuchs eine Pflanze mit kleinen, runden, roten Beeren. Sie waren Kratos noch nie aufgefallen. Auf einmal packte ihn die Neugier. Er pflückte welche und untersuchte sie genauer. Was war, wenn sie giftig waren? Immerhin konnte Kratos nicht sagen, um was für Beeren es sich handelte, obwohl er schon mehr als 4000 Jahre lang lebte und schon vieles gesehen hatte. Trotzdem konnte er sich nicht bremsen und aß kurzerhand die Beeren. Sie schmeckten bitter, so dass Kratos sein Gesicht verzog.
„Igitt!“, sagte er, als er sie endlich runtergeschluckt hatte.
Auf einmal wurde ihm schwindelig und alles vor seinen Augen verschwamm.
Also waren sie doch giftig…
Das war das Letzte, woran Kratos dachte, dann fiel er krachend auf den Boden und bewegte sich nicht mehr.
Raine sah sich sorgfältig nach einem Eingang um. Der Tempel war halbwegs im Sand versunken, aber trotzdem gab Raine nicht auf. Es wäre doch Ironie des Schicksals, wenn sie auf einmal eine Ruine fand, die noch nie zuvor jemand bemerkt hatte und sie dann keinen Eingang finden könnte.
„Es muss hier doch irgendwo sein!“, rief sie wütend, während sie die Ruine umrundete.
Aber keine einzige Öffnung war zu sehen. Wie um Raine zu verspotten, hielt die Ruine ihr Innerstes geheim.
„Argh! Ich finde schon einen Eingang!“, schrie Raine und stapfte mit dem Fuß auf den Boden.
Kurz darauf fing der Boden an zu beben und unter Raines Füßen tat sich ein Loch auf.
„AAH!!!“, schrie Raine während sie in die Dunkelheit fiel.
Unsanft landete sie auf dem Boden. Genau unter dem Loch war ein Sandhaufen gewesen, der ihren Sturz wohl einigermaßen abgefangen hatte. Das einzige Licht im Raum kam durch das Loch, durch das Raine nach unten gelangt war. Ein wenig wackelig auf den Beinen stand sie auf und rieb sich, so gut es ging, den Sand von den Kleidern.
„Hoffentlich gibt es auch noch einen Ausgang… Mit Sicherheit! Es muss noch einen anderen geben!“, machte sich Raine selber Mut.
„Nun, wenigstens habe ich das erreicht, was ich erreichen wollte, ich bin drinnen. Aber ohne Licht komme ich hier nicht weiter… Vielleicht ist ja eine Lampe oder etwas Ähnliches unter den Sachen, die ich immer dabei habe… Mal sehen…“
Raine leerte ihre gesamten Taschen in dem kleinen Lichtstrahl, der von oben kam.
„Ein Schwert… Eine Krone… Das sind alles wertvolle Artefakte… Die nützen mir nicht viel… Toll, wie soll ich dann weiterkommen?“
Sie packte ihre Sachen wieder ein, setzte sich auf den Boden und steckte gedankenverloren ihre Hände in die Jackentaschen. Dort spürte sie auf einmal einen Gegenstand. Sie holte ihn heraus und ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Es war die blaue Kerze. Sie trug sie nun schon bei sich, seit sie und die anderen den Tempel der Finsternis verlassen hatten. Raine wollte die Kerze genauer untersuchen, aber letztendlich war sie noch nicht dazu gekommen. Das war genau der Gegenstand, den sie jetzt brauchte. Sie entsandte kurz ein Dankesgebet an Martel und ging dann mit der blauen Kerze in der Hand weiter. Doch schon nach ein paar Schritten blieb sie stehen und ihr Gesicht war eine Miene des Entsetzens. Vor ihr lagen haufenweise Skelette.
„D-Das hat nichts zu bedeuten… Sie haben einfach nur nicht den Ausgang gefunden… Oder sie wurden von Monstern hierher gejagt…“
Auf einmal überkam sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Aber niemand außer ihr war in diesem Raum. Das Ganze wurde ihr irgendwie unheimlich.
„Ich leide wohl langsam unter Verfolgungswahn… Hier ist niemand. So, Raine, jetzt reiß dich zusammen! Es gilt, eine unbekannte Ruine zu erforschen!“
Nachdem sie neuen Mut und neue Begeisterung geschöpft hatte, ging sie weiter.
Kratos träumte derweil einen komischen Traum.
Raine war in einer Ruine in der Wüste, allerdings waren es nicht die Triet-Ruinen. Ganz allein und nur mit der blauen Kerze in der Hand ging sie weiter den Weg entlang. Kratos beobachtete das Ganze, ging sogar neben Raine her, konnte aber nichts sagen, noch sonst irgendwie auf sich aufmerksam machen. Er war nur ein stiller Beobachter. Er wusste nicht, dass das, was er gerade träumte, zur gleichen Zeit auf der Welt passierte. Genau genommen wusste er nicht einmal, dass er träumte, er dachte viel mehr, dass er zu einem Geist geworden war, der über Raine wachen sollte, warum auch immer. Je weiter er mit Raine mitging, desto mehr hatte er das Gefühl, die Ruine zu kennen. Aber er konnte sich nicht daran erinnern, schon einmal dort gewesen zu sein.
Obwohl Raine niemanden sah, verließ sie das Gefühl nicht, beobachtet zu werden. Aber sie kümmerte sich nicht weiter darum und ging weiter. Auf dem Weg begegneten ihr kleine Schlangenmonster, die Raine aber schon fast abwesend besiegen konnte. Als sie weiter ging, konnte sie sich gerade noch davor retten, in ein Loch voller Spieße zu fallen. Raine schimpfte mit sich selber, da sie eigentlich mit Fallen gerechnet hatte und jetzt fast in eine gelaufen wäre. Sie holte tief Luft, presste sich an die Wand und schob sich auf dem schmalen Sims vorsichtig weiter. Als sie es heil auf die andere Seite geschafft hatte, ging sie vorsichtig weiter, um nicht in die nächste Falle zu stolpern.
Die Luft war ziemlich stickig und Raine hatte immer mehr Mühe, ordentlich zu atmen. Sie machte kurz eine Pause und lehnte sich an die Wand.
Solche kleinen Abenteuer haben schon was an sich…, dachte Raine.
Nachdem sie sich ein wenig erholt hatte, ging sie weiter – und trat prompt auf einen Bodenschalter, der zugleich die nächste Falle auslöste: Pfeile, die aus den Wänden schossen. Mit größter Mühe kam Raine durch den Pfeilhagel durch, doch trotzdem streifte ein Pfeil sie am Arm. Zum Glück war es nur ein Kratzer und nicht besonders tief. Ihr Herz raste wie wild und sie keuchte heftig.
„Warum können… es nicht… einfach nur Monster sein? Warum… solche Fallen?“
Aber keiner war da, der Raine eine Antwort hätte geben können – und das war ihr auch lieber so. Langsam ging sie weiter.
Ja, solche kleinen Abenteuer haben schon was an sich… Vorausgesetzt, man überlebt sie…
Mit ihren Blicken suchte sie Boden, Wände und Decken nach neuen Fallen ab und sie atmete erleichtert aus, als sie keine fand. Schließlich kam sie in einen Raum, in dessen Mitte eine Art Altar war. Dort lag auf einem blauen Kissen ein Kristall, der türkises Licht von sich gab. Er war wunderschön und Raine vergaß ihre Vorsicht und ging näher heran. Als sie ihn berühren wollte, wurde sie zurückgeschleudert. Anscheinend wurde der Kristall von einer Art Barriere geschützt.
„Wie kann ich die Barriere brechen? Es muss doch einen Weg geben…“
Sie versuchte es mit dem Lichtzauber Photon, aber es bewirkte nichts. Mit roher Gewalt war also anscheinend nichts auszurichten.
Unterhalb des Altars fand sie ein goldenes Schild, auf dem in Elfenrunen geschrieben stand: ‚Kit eleo cunal firmium, slia rixis peral.’
„‚Wenn das Licht die Dunkelheit besiegt, verschwindet aller Widerstand’“, übersetzte Raine.
In diesem Moment fielen ihr auch lampenähnliche Gegenstände auf, die im ganzen Raum verteilt standen. Bis jetzt hatte der Kristall ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
„Verstehe… Wenn ich alle Lampen anzünde, verschwindet die Barriere? Aber ich habe nichts, womit ich die Lampen anzünden könnte…“
Aber dann kam ihr eine Idee. Die Lampen sahen nicht wie normale Lampen aus und schienen auch nicht mit Öl oder etwas anderem Brennbarem gefüllt zu sein. Wenn sie sich also nicht mit Feuer anzünden ließen, dann vielleicht mit Licht. Also setzte Raine noch einmal Photon ein, diesmal auf eine der Lampen. Es funktionierte. Nach wenigen Sekunden leuchtete die Lampe so hell, dass Raine die blaue Kerze nicht mehr brauchte. Nachdem sie auch die restlichen Lampen angezündet hatte, war es in dem Raum so hell, dass Raine im ersten Moment davon geblendet wurde. Sie hörte ein kleines Klicken und vermutete, dass die Barriere verschwunden war. Sie nahm den Kristall in die Hand und betrachtete ihn. Er war kühl und hatte eine beruhigende Wirkung auf Raine.
Wenigstens hat es sich gelohnt, hierher zu kommen…
Doch auf einmal hörte sie, wie die Tür, aus der sie gekommen war, scih schloss. Erschrocken drehte sie sich um. Diese Tür würde sie per Hand nicht aufbekommen. Leider schien es in dem Raum auch keine andere Tür zu geben.
„Bloß nicht panisch werden, Raine! Es gibt schon noch einen Ausgang…“, machte sie sich selber Mut.
Zu allem Übel floss jetzt auch noch Wasser in den Raum und Raine wusste, dass sie ertrinken würde, wenn ihr nicht bald etwas einfallen würde. Das immer höher ansteigende Wasser machte sie noch panischer, so dass sie nicht mehr klar denken konnte. Sie setzte Photon gegen die Tür ein, die Wände, den Boden und schließlich die Decke. Aber es brachte nichts. Schließlich stand sie nur noch da und wartete auf ihr Ende. Das Wasser hatte inzwischen ihren Bauch erreicht.
Genis… Es tut mir Leid… Warum muss ich bloß in jede Ruine rennen, die ich entdecke? Warum habe ich bloß diesen Kristall an mich genommen und dabei jegliche Vorsicht vergessen?
Das Wasser hatte ihre Brust erreicht.
Warum muss ich ausgerechnet ertrinken? Das ist der Tod, den ich am wenigsten sterben wollte…
Nach einer Weile hatte das Wasser ihr Kinn erreicht. Doch jetzt fiel Raine auf einmal auf, dass sie in der Decke doch einen kleinen Riss mit ihrem Photonzauber hinterlassen hatte. Die Hoffnung war also noch nicht verloren. Sie setzte Photon gegen die rissige Stelle in der Decke ein, aber da sie sich jetzt auch noch über Wasser halten musste, verließen sie ihre Kräfte noch schneller. Sie hatte es fast geschafft, als sie nicht mehr konnte und das Wasser ihr nur noch einen kleinen Spalt zum Atmen ließ, der nach kurzer Zeit auch mit Wasser gefüllt war. Jetzt würde Raine ertrinken.
Ich kann jetzt nicht aufgeben! Nicht jetzt!, dachte Raine und sammelte alle Kraft, die sie noch in irgendeiner Weise in ihrem Körper hatte. Auf einmal fing der Kristall an, stärker zu leuchten und als Raine das letzte Mal Photon einsetzte, entstand in der Decke ein Loch, durch das Raine durchklettern konnte. Sie stand wieder draußen in der Wüste. Nass, total erschöpft, aber am Leben, fiel sie auf den Boden und schlief ein.
Kratos wachte mit Kopfschmerzen auf. Er wusste nicht, dass das, was er eben geträumt hatte, die Wirklichkeit gewesen war.
„Was sind das bloß für Beeren? Um die werde ich in Zukunft einen großen Bogen machen…“, murmelte er.
Er legte sich auf sein provisorisches Bett, da er mit den Kopfschmerzen wohl nicht weiter arbeiten konnte. Er dachte noch einmal über den Traum nach. Er hatte sich unbehaglich gefühlt, als er den Kristall gesehen hatte. Irgendetwas sagte ihm, dass er Unheil anrichten würde, zumindest, wenn das Ganze kein Traum gewesen wäre. Aber das war es ja, Kratos’ Meinung nach. Hätte er gewusst, dass er sich darin täuschte, hätte er nicht so ruhig auf seinem Bett liegen können.
Es war schon Nacht, als Raine aufwachte. Sie fror, denn nachts war es in der Wüste kalt. Sie war müde und hatte keine Ahnung, warum sie hier war. Doch dann fiel ihr alles wieder ein: Die Ruine, der Kristall, ihr Kampf ums Überleben. Aber wie hatte sie es eigentlich geschafft, sich aus dem Raum zu befreien? Die Decke hatte einen Riss gehabt und sie hatte versucht, mit Photon den Riss zu einem Loch zu machen. Aber dann hatte sie doch keine Kraft mehr gehabt. Wie hatte sie es also doch noch geschafft?
„Der Kristall…“, murmelte sie, denn ihr fiel wieder ein, wie der Kristall zu leuchten angefangen hatte, als sie ihre letzten Kräfte gesammelt hatte.
„Hat er meine Kräfte vielleicht verstärkt? Ich weiß es nicht… Ich sollte jetzt nach Hause gehen, Genis macht sich bestimmt schon Sorgen…“
„Raine! Was ist passiert?“, fragte Genis besorgt, als sie in Iselia ankam.
Anscheinend hatte er die Wachen angebettelt, ihn trotz der Nachtsperre nach draußen zu lassen.
„Ich habe eine neue Ruine gefunden…“, murmelte sie müde.
„Was? Aber wo?“
„In der Nähe von Triet… Ich wollte es erst nicht glauben, immerhin waren wir schon so oft in der Gegend gewesen und haben außer den Triet-Ruinen keine weiteren Ruinen gesehen… Aber sie war auf einmal da…“
„Du solltest dich jetzt erst einmal ausruhen. Erzähl mir den Rest morgen“, sagte Genis und stützte Raine auf dem Weg zu ihrem Haus.
Als Raine am nächsten Morgen aufwachte, hatte Genis schon Frühstück gemacht und Lloyd und Colette unterhielten sich mit ihm.
„Raine! Geht es dir wieder besser?“, fragte Genis.
„Ja, danke.“
„Aber jetzt erzählen Sie einmal, was in der Ruine passiert ist!“, forderte Lloyd ungeduldig.
Raine erzählte ihr kleines Abenteuer und zeigte den handgroßen, türkis leuchtenden Kristall.
„Wow! Der ist wunderschön!“, staunte Colette.
„Aber er scheint nicht nur schön zu sein, sondern er scheint auch die Kräfte zu verstärken. Ich war total erschöpft, als das Wasser die Decke erreicht hatte. Aber dann fing der Kristall auf einmal an zu leuchten, noch stärker als jetzt und ich brachte dann die nötige Kraft auf, um noch einmal Photon einzusetzen, wodurch der Riss zu einem Loch wurde.“
„Er verstärkt die Kraft? Hmm…“, murmelte Lloyd.
„Zumindest ist das meine Theorie. Ich werde den Kristall in den nächsten Tagen noch genauer untersuchen und mit einem Team von Archäologen noch einmal die Ruine besuchen“, sagte Raine.
„Aber Raine! Du kannst doch unmöglich dort noch einmal hingehen wollen! Du wärst immerhin fast gestorben!“, rief Genis fassungslos.
„Beim Kampf gegen Mithos wären wir auch fast gestorben, haben wir deswegen aufgegeben? Es ist für die Wissenschaft!“
„Gut, aber ich werde dich begleiten!“, beschloss Genis.
„Nein, das ist viel zu gefährlich!“, widersprach Raine.
„Aber ich will auch etwas für die Wissenschaft tun! Außerdem muss ich dich doch beschützen!“
„Du… Du bist noch ein Kind, du solltest dich nicht in solche Gefahren begeben!“
Bevor Genis trotzig zu einer Antwort ansetzen konnte, unterbrach Colette die beiden: „Genis, Professor Raine, ihr solltet euch jetzt nicht streiten! Lloyd, sag doch auch mal etwas!“
Aber Lloyd war wieder einmal in Gedanken versunken.
„LLOYD!!!“, rief Raine und griff nach dem ersten Gegenstand, den sie in ihre Hände bekam und warf ihn in Lloyds Richtung.
Dass es sich dabei um den Kristall handelte, bemerkte sie erst, als er Lloyd schon fast erreicht hatte. Lloyd wich aus, ohne wirklich mitzubekommen, was um ihn herum vorging und der Kristall flog zur Wand. Genis konnte ihn allerdings noch rechtzeitig fangen.
„LLOYD!!!“, rief Raine, packte ihn am Hemd (wie soll man das Oberteil sonst nennen???) und schüttelte ihn wütend, „Pass gefälligst besser auf!!! Was ist, wenn der Kristall einen Kratzer hat?!?“
„Raine, beruhige dich, es ist alles in Ordnung!“, versuchte Genis seine Schwester zu besänftigen.
„Was ist denn los?“, fragte Lloyd, als wäre er gerade aus einem Traum aufgewacht.
„Wegen dir wäre der Kristall fast zersplittert!“, rief Raine, die von Genis nur mit Mühe davon abgehalten werden konnte, Lloyd noch einmal durchzuschütteln.
„Wegen mir? Aber ich habe doch gar nichts gemacht!“
„Deswegen ja!!! Pass besser auf!“
„Tut mir Leid… Ich habe nur gerade nachgedacht… Origin hat mir gesagt, dass meine Kraft nicht dazu ausreicht, um Dad zurückzuholen… Ich habe gedacht, wenn ich den Kristall benutze... Vielleicht würde es klappen!“
Raine hatte sich nun vollständig beruhigt. „Einen Versuch wäre es wert.“
Also gingen sie zum Stützpunkt der Abtrünnigen in Sylvarant, um sich die Rheairds auszuleihen.
„Schön, euch mal wieder zu sehen!“, begrüßte Yuan Lloyd, Genis, Raine und Colette, als er sie erblickte.
„Ich hoffe, wir stören nicht, Yuan. Wir wollten uns die Rheairds ausleihen!“, sagte Raine.
„Aber natürlich stört ihr nicht! Ihr könnt die Rheairds jederzeit haben. Aber verratet ihr mir auch, wo ihr hin wollt?“
„Wir wollen zum Turm des Heils in Tethe’alla beziehungsweise was davon noch übrig ist, um Kratos zurückzuholen!“, erklärte Genis.
„Aber das hat doch bis jetzt nicht funktioniert!“, wandte Yuan ein.
„Schon, aber jetzt haben wir etwas, womit es vielleicht möglich ist!“, antwortete Raine und zeigte Yuan den Kristall.
„Na dann wünsche ich euch viel Glück!“, sagte Yuan.
Die Gruppe verabschiedete sich von Yuan und flog mit den Rheairds zum Turm des Heils in Tethe’alla.
„Ein wirklich schöner Kristall… Aber warum habe ich dann trotzdem ein ungutes Gefühl, was diesen Kristall betrifft?“, fragte sich Yuan.
[Dieser Beitrag wurde am 30.07.2007 - 21:33 von DelFina18 aktualisiert]
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Kapitel 2: Kratos und der Kristall
Crynil, do rical nade;
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Diese Worte sagte eine weibliche Stimme in Kratos’ Träumen. Aber er konnte die Person nicht erkennen und wusste auch nicht die Bedeutung aller Worte. Er wusste nur, dass ‚antaras’ Vorfahren oder Ahnen hieß, ‚ko’ und bedeutete und ‚syrax’ als Schicksal übersetzt wurde. Er hatte aber das Gefühl, alle Worte schon einmal gehört zu haben. Auch die Stimme war ihm nicht fremd, aber er konnte sich an die Person nicht mehr erinnern.
Als er aufwachte, waren seine Kopfschmerzen verschwunden, dafür war er aber noch verwirrter als vorher. Wer war diese Frau? Was bedeuteten die Worte? Und wieso kam ihm das alles so bekannt vor?
„Ob das wohl auch noch mit den Beeren zusammenhängt, die ich gegessen habe?“, fragte er sich.
Während er wieder nach Exspheres suchte, versuchte er, an etwas anderes zu denken, aber es gelang ihm nicht. Er merkte auch nicht, dass er genau in die Richtung ging, in der er die Beeren vorgefunden hatte. Als er vor ihnen stand, konnte er den Zwang nicht unterdrücken und pflückte wieder welche, aber als er sie gerade essen wollte, verspürte er auf einmal ein Kribbeln am ganzen Körper und helles Licht umgab ihn.
„Es funktioniert!“, rief Lloyd begeistert, der das Ewige Schwert in der einen Hand und den Kristall in der anderen hielt.
Der Kristall leuchtete wieder stärker als sonst.
„Ich muss diesen Kristall unbedingt untersuchen!“, rief Raine fasziniert.
Vor ihnen erschien ein leuchtendes Licht und als es im nächsten Moment verschwand, sah man Kratos, der wegen dem hellen Licht seine Augen geschlossen hatte.
Er blinzelte kurz und schaute sich in der Runde um, die ihn neugierig anschaute.
„Was… mache ich hier?“, fragte er verwirrt.
„Dad!“, rief Lloyd und rannte auf seinen Vater zu.
„Lloyd, was mache ich hier?“, fragte Kratos seinen Sohn.
„Wir haben dich zurückgeholt!“, antwortete dieser.
„Hmpf. Ich hätte nicht gedacht, dass das Ewige Schwert dazu in der Lage ist. Immerhin driftet Derris-Kharlan durch das All“, murmelte Kratos.
„Das Ewige Schwert alleine hat es auch nicht geschafft. Wir haben es nur mit Hilfe dieses Kristalls geschafft“, erklärte Raine und deutete auf den Kristall, den Lloyd immer noch in seiner Hand hielt.
Als Kratos den Kristall sah, überkam ihn wieder ein ungutes Gefühl und er wich erschrocken zurück.
„Dann war es… kein Traum?! Aber… das kann doch nicht sein…“, murmelte er.
„Warum siehst du so entsetzt aus?“, fragte Genis.
„Ich weiß es nicht genau… Ich habe einfach ein ungutes Gefühl, wenn ich diesen Kristall sehe… Raine, Sie hätten ihn nicht aus der Ruine mitnehmen sollen!“
„Woher wissen Sie, dass ich ihn aus einer Ruine habe?“, fragte Raine überrascht und fragte sich zugleich, ob er es vielleicht einfach erraten hatte.
„Ich habe es in einem Traum gesehen, das heißt, eigentlich kann man es keinen Traum mehr nennen… Ich habe alles gesehen: wie Sie in die Fallen getappt sind, wie Sie die Barriere aufgelöst haben und wie Sie fast ertrunken wären… Ich war sozusagen ein stiller Beobachter“, erklärte Kratos.
„Deswegen hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden…“, murmelte Raine.
„Aber Dad, wie kommt es, dass du das alles sehen konntest?“, fragte Lloyd.
„Wahrscheinlich lag es an diesen Beeren“, sagte Kratos und zeigte sie den anderen, „Ich habe sie auf der Suche nach Exspheres gefunden. Als ich welche gegessen hatte, fiel ich in Ohnmacht oder besser gesagt in einen Schlaf. Leider kenne ich diese Beeren nicht, ich habe sie noch nie zuvor gesehen.“
„Hmm… Ich habe solche Beeren auch noch nie gesehen…“, seufzte Raine.
„Vielleicht sollten wir jetzt wieder nach Iselia fliegen“, schlug Colette vor.
„Ja, das denke ich auch!“, stimmte Lloyd zu.
Sie aßen bei Dirk, der so freundlich war, für alle zu kochen. Raine allerdings aß fast gar nichts, sie beschäftigte sich viel mehr mit dem Kristall.
„Raine! Nun iss doch auch mal etwas!“, rief ihr Bruder wütend.
„Keine Zeit!“, sagte Raine ohne die Augen von dem Kristall zu lassen. „Hmm… Wie kann ich ihn nur analysieren ohne ihn zu zerstören?“
Genis schüttelte nur den Kopf und verschlang die zweite Portion vom Curry, das Dirk gekocht hatte.
„Lass sie doch! Sie wäre ja auch nicht Professor Raine, wenn sie sich nicht sofort auf die Untersuchung des Kristalls stürzen würde“, meinte Lloyd der überall um seinen Mund herum Reis kleben hatte.
Colette ging, um ein Tuch zu holen, womit sie sein Gesicht säubern wollte, als sie aber zurückkam und auf ihn zu ging, stolperte sie und riss ihn mit sich zu Boden, wodurch sein Curry auf den Kristall flog.
„Entschuldigung, Lloyd, das wollte ich nicht!“, sagte Colette zu Lloyd, der aber gar nicht zuhörte, weil er ängstlich Raine beobachtete, die langsam, aber wütend auf ihn zuging.
„LLOYD!!!“, brüllte sie und dieser stand so schnell wie möglich auf und rannte um den Tisch herum, die vor Wut rasende Raine und die sich die ganze Zeit entschuldigende Colette immer hinter sich.
„Dad! Hilf mir!“, rief Lloyd, aber Kratos hörte nicht zu, er dachte immer noch über die Bedeutung der Worte nach, die er im Traum gehört hatte.
„Lloyd, wenn ich dich erwische, dann bekommst du meine Version von Curry zu essen und ich werde dich zwingen, alles aufzuessen!“, rief Raine sauer.
„Waaaaaahhhh!!! Es tut mir Leid!!!“, entschuldigte sich Lloyd, der immer noch um den Tisch rannte.
„Was habe ich mirrr da bloß eingebrrrockt?“, murmelte Dirk und schüttelte den Kopf.
„Warum können die Leute um mich herum nicht einfach normal sein?“, seufzte Genis, „Zum Beispiel wie Kratos?“
Doch als er dorthin guckte, wo Kratos noch vor ein paar Minuten gesessen hatte, sah er ihn nicht. Kratos war zu dem Kristall gegangen und schaute ihn sich an. Ein merkwürdiger Glanz lag in seinen Augen. Als seine Finger den mit Curry versehenen Kristall berührten (Igitt XD), schoss ein gewaltiger Lichtblitz aus diesem.
Lloyd, Raine und Colette hielten sofort inne und alle im Raum schauten verwundert zu Kratos, der immer noch vor dem Kristall stand, aus dem auf einmal ein Lichtblitz schoss.
„Dad?!“, rief Lloyd verwirrt.
Kratos stieß einen Schrei aus und hielt sich den Kopf. Langsam verschwand der Lichtblitz und Kratos fiel zu Boden.
„DAD!!!“, rief Lloyd und rannte auf seinen Vater zu.
„Wirrr sollten ihn in dein Bett legen, Lloyd!“, sagte Dirk.
„Ich glaube, daraus wird nichts…“ meinte Genis und zeigte nach oben.
Der Lichtblitz hatte die ganze Decke, Lloyds Zimmer und das Dach zerstört.
„Dann bringen wir ihn zu uns. Was wohl mit ihm passiert ist?“, fragte Raine.
Es war ein schöner Tag in Mizuho. Die Sonne schien und die Vögel zwitscherten. Keine Wolke bedeckte den Himmel. Es gab keinerlei Anzeichen für Regen oder Sturm. Sheena schaute aus dem Fenster und freute sich über das schöne Wetter.
„Ahhh! Was für ein schöner Tag! Perfekt um zu trainieren!“, sagte sie und schlich sich leise aus dem Haus, in dem sie mit Igaguri, ihrem Großvater, wohnte.
„Hey, Sheena! Wo willst du hin?!“, fragte ihr Großvater.
Sie fuhr erschrocken zusammen und fühlte sich ertappt.
„Ich hatte vor, heute zu trainieren…“, sagte sie kleinlaut.
„Sheena, du musst deine Aufgaben als Oberhaupt erfüllen! Du hast jetzt keine Zeit, um zu trainieren!“, meinte ihr Großvater.
„Aber Großvater! Ich habe die letzten Tage nichts anderes getan, als mir die Beschwerden jedes einzelnen Bewohners anzuhören und sie zu beseitigen! (Die Beschwerden natürlich, nicht die Bewohner XDDDD) Findest du nicht, ich habe es verdient, mir einen Tag eine Auszeit zu gönnen?!“, fragte Sheena verärgert.
„Na gut. Aber wirklich nur heute!“
„Natürlich! Du wirst sehen, morgen bin ich wieder mit vollem Eifer dabei!“
Sheena ging in einen Wald in der Nähe, um zu trainieren. Die Monster dort waren keine Herausforderung für Sheena, immerhin hatte sie dazu beigetragen, Mithos zu besiegen. Als die Sonne unterging, machte Sheena eine kleine Pause. Ihr Training war noch lange nicht beendet. Sie würde noch bis spät in die Nacht trainieren. Plötzlich wurde der Himmel immer dunkler und Wolken zogen auf. Nicht mehr lange und es würde gewittern.
„Das ist aber komisch… Es war doch so schönes Wetter!“
Auf einmal hörte sie einen Schrei und kurz darauf kam ein kleines, grünhaariges Mädchen auf sie zugelaufen. In seinem Blick war nur Angst zu erkennen. Es rannte immer weiter, doch dann stolperte es und schaffte es nicht mehr, aufzustehen. Und dann sah Sheena, was das Mädchen so sehr verängstigte. Es war ein Monster, auch wenn Sheena so ein Monster noch nie gesehen hatte. Es sah aus wie ein Mensch, hatte aber graue Haut, stachelige, kurze, gelbe Haare, grüne Augen, auf der Stirn funkelte ein ovaler gelber Stein und ein merkwürdiges Zeichen zierte seinen Bauch. Sheena zögerte keine Sekunde lang und riss das Mädchen mit sich, als das Monster zu einem Schlag ausholte. Sie setzte das kleine Mädchen hinter einem Stein ab und sagte: „Du bleibst hier, in Ordnung?“
Das Mädchen nickte verängstigt.
„Warum legst du dich nicht mit jemandem deiner Größe an?“, fragte Sheena das Monster.
„Weil es viel mehr Spaß macht, diese jungen, unschuldigen Dinger zu verspeisen!“, war die Antwort.
Sheena war einen Moment irritiert. Sie hatte noch nie ein normales Monster sprechen hören. Das Monster nutzte den Moment ihrer Verwirrung aus und schlug mit seiner Faust nach ihr, aber sie konnte noch rechtzeitig ausweichen.
„Da musst du schon schneller sein!“, rief Sheena und griff immer wieder mit ihren magischen Karten an. „Ansonsten bist du gleich Geschichte!“
„Hmm… Ich sehe schon, du bist zu flink für Turl Lig. Aber trotzdem ist Turl Lig nicht im Nachteil!“
Das Monster schloss kurz die Augen und der Stein auf seiner Stirn fing an, zu glühen. Daraufhin flogen Blitze auf Sheena zu. Sie konnte nicht allen ausweichen und einer traf ihren rechten Arm, so dass sie nur noch mit dem linken, ausgerechnet ihrem schwächerem Arm, kämpfen konnte. Nach dieser Demonstration beschloss Sheena, sich nur noch zu verteidigen, es sei denn, es bot sich eine wirklich gute Chance zum Angriff.
„Was ist jetzt mit deinen großen Worten? Wolltest du Turl Lig nicht zu Geschichte machen?“, fragte das Monster lachend.
Sheena starrte wütend zurück.
„Nun ja. Turl Lig denkt, es wird eher umgekehrt sein. Du wirst nicht mehr lange zu leben haben.“
Sheena konnte dem nächsten Angriff ausweichen, aber sie spürte, dass das nicht ewig so weitergehen konnte. Vor allem, da sie durch die Verletzung geschwächt war. Wenn ihr nicht bald etwas einfiel, würde es genauso enden, wie das Monster gesagt hatte. Auf einmal ertönte eine wunderschöne Melodie. Sheena sah sich um und sah, dass das Mädchen eine Flöte spielte. Die Wirkung war erstaunlich: Das Monster schlief auf der Stelle ein und schnarchte laut.
„Das ist ja unglaublich!“, rief Sheena begeistert, „Jetzt können wir es töten!“
Doch als Sheena näher an das Monster ging, sank sie vor Erschöpfung auf die Knie. Sie hatte viel Blut verloren und sie sah ein, dass ihre Wunde schnell verarztet werden musste.
„Geht es? Kannst du gehen?“, fragte das Mädchen.
„Ja, ist schon in Ordnung… Vielleicht sollten wir erstmal nach Mizuho gehen… Ich kann Großvater bitten, jemanden zu schicken, der sich um das Monster kümmert… Wie heißt du eigentlich und warum wurdest du von diesem Scheusal verfolgt?“
„Ich heiße Rya. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern… Ich weiß nur noch, dass Mama mich vor dem Monster beschützen wollte… Aber es hat sie einfach so getötet… Ich bin weggelaufen, aber das Monster hat mich verfolgt…“, erzählte Rya und fing an zu weinen.
Sheena nahm sie mitfühlend in die Arme und sagte: „Ich heiße Sheena. Das ist eine schlimme Geschichte… Komm erstmal mit mir nach Mizuho, dort kannst du erstmal schlafen und essen und dich von diesem schrecklichen Tag erholen.“
Rya nickte, wischte die Tränen weg und folgte Sheena.
„Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!
Wir hoffen, dass diese Prophezeiung nie eintreten wird, aber wenn es das Schicksal ist, können wir nichts daran ändern...Wir können nur beten, dass es noch dauert... Du verstehst diese Sprache nicht, oder? Pass auf, übersetzt heißt es: …“
An dieser Stelle brach Kratos’ Traum ab. Diesmal hatte er noch mehr das Gefühl, die Stimme zu kennen. Eine Stimme, die er einmal sehr gut gekannt hatte. Als er die Augen aufmachte, sah er die Gesichter der anderen, die allesamt besorgt aussahen.
„Dad!“, rief Lloyd erleichtert.
„Was ist passiert? Ich habe solche Kopfschmerzen…“, murmelte Kratos und wollte sich aufrichten, aber Raine drückte ihn sanft zurück.
„Sie sollten sich noch ausruhen. Immerhin scheinen Sie von einer Art Blitz getroffen worden zu sein…“
„Ein Blitz?“
„Du hast den Kristall berührt und dann schoss ein greller Lichtblitz aus ihm und hat das obere Stockwerk unseres Hauses zerstört“, erklärte Lloyd.
„Außerdem hattest du ein merkwürdiges Glänzen in den Augen, bevor du den Kristall berührt hast“, fügte Genis hinzu.
„Ich erinnere mich wieder… Es mag komisch klingen, aber irgendwie war ich nicht mehr ich selbst…“
„Fest steht, dass irgendetwas passiert ist, dass wir uns nicht erklären können“, stellte Raine fest.
„Vielleicht sollten wir den Kristall zum Forschungsinstitut in Sybak bringen?“, schlug Colette vor.
„Ja, das wäre eine gute Idee! Außerdem könnten wir in Sybak schauen, ob wir in irgendwelchen Büchern etwas über den Kristall oder die Ruine erfahren“, meinte Genis.
„In Ordnung. Wir sollten sofort aufbrechen“, sagte Kratos ruhig.
„Nein, Sie bleiben hier! Sie müssen sich ausruhen! Haben Sie vorhin nicht noch gesagt, dass Sie Kopfschmerzen hätten?“, fragte Raine.
„Das ist nicht so schlimm. Mir ging es schon schlechter“, erwiderte Kratos hartnäckig.
„Und ich sage ihnen, sie bleiben hier! Wir wissen nicht genau, was der Kristall mit ihnen gemacht hat, also sollten sie erstmal liegen bleiben!“, rief Raine aufgebracht.
„Dad, sie hat Recht. Wir kommen auch so schnell wie möglich zurück!“, sagte Lloyd.
„Hmpf. Also gut“, gab Kratos sich geschlagen.
Während Kratos also das Bett hütete, brachen Lloyd und die anderen nach Sybak auf.
„Hätte ich dich doch bloß nicht trainieren lassen! Man sieht ja, was dabei raus gekommen ist!“, rief Igaguri, während er Sheena den Arm verarztete.
„Das konnte ich doch nicht vorhersehen, dass ich so einem Monster begegne!“, verteidigte sich Sheena.
„Hoffen wir nur, dass Orochi dieses Monster noch schlafend vorfindet und töten kann!“
„Das wird er schon, mach dir nicht so viele Sorgen!“, sagte Sheena, die mit den Augen rollte.
„Und was machen wir mit diesem Mädchen?“
„Sie bleibt natürlich erstmal hier! Wahrscheinlich hat sie niemanden mehr, zu dem sie gehen kann.“
„Sheena, Igaguri! Als ich im Wald ankam, war das Monster verschwunden. Ich habe überall gesucht, aber nirgends etwas gesehen!“, sagte Orochi, der ins Zimmer kam.
„Und was machen wir jetzt? Es schien kein gewöhnliches Monster zu sein“, bemerkte Igaguri.
„Vielleicht sollte ich den anderen Bescheid geben. Zusammen können wir es bestimmt besiegen!“, meinte Sheena.
„Wir haben wohl keine andere Wahl. Orochi, das kannst du übernehmen!“
„Nein, das mache ich!“, rief Sheena.
„Du bist verletzt. Außerdem kann ich dich als Oberhaupt nicht gehen lassen!“, widersprach ihr Großvater.
„Warum siehst du mich eigentlich immer nur als Oberhaupt?! Du weißt, dass ich damals genauso viel wie meine Freunde getan habe, um Mithos zu besiegen! Du kannst mich nicht die ganze Zeit hier einsperren!“, beschwerte sich Sheena wütend.
„Es ist zu gefährlich! Du wirst hier bleiben.“
„Ich fasse es nicht! Nicht einmal so eine Kleinigkeit traust du mir zu?! Ich werde trotzdem gehen, egal ob du es erlaubst oder nicht!“, rief Sheena und ging wütend in ihr Zimmer.
Igaguri schüttelte den Kopf. „Warum muss sie bloß so eigensinnig sein?“
„So war sie schon immer. Und so wird sie wohl auch immer bleiben“, meinte Orochi lächelnd.
„Ja, genau das ist das Problem…“, murmelte Igaguri.
„Sheena, haben sie es geschafft, das Monster zu töten?“, fragte Rya, als Sheena ins Zimmer kam.
„Rya! Ich dachte, du schläfst schon längst!“
„Ich konnte nicht einschlafen… Ich habe auch Angst davor… Ich werde bestimmt Alpträume haben… Aber jetzt sag, haben sie das Monster töten können?“
„Nein, leider nicht…“
„Oh…“
„Hör zu. Morgen früh brechen wir zu ein paar Freunden von mir auf, in Ordnung?“, fragte Sheena.
„Aber warum denn?“
„Sie sind sehr stark! Zusammen können wir es vielleicht schaffen, das Monster zu besiegen!“, erklärte Sheena.
Rya nickte und gähnte herzhaft.
„Komm, schlaf jetzt. Du wirst bestimmt keine Alpträume haben und wenn doch, bin ich ja gleich neben dir.“
„Ja…“
„Natürlich können wir den Kristall untersuchen. Aber wir können für nichts garantieren. Er scheint sich doch gewaltig vom Cruxis-Kristall des Auserwählten zu unterscheiden“, sagte einer der Forscher im Forschungsinstitut in Sybak.
„Trotzdem müssen Sie es versuchen!“, meinte Raine.
„Wir geben unser Bestes!“, versicherte der Forscher.
„Dann gehen wir jetzt zur Bibliothek?“, fragte Lloyd.
„Ja“, antwortete Genis.
Aber in den ersten Stunden fanden sie nichts, was auch nur entfernt auf den Kristall oder die Ruine hinwies.
„Colette, kannst du nicht wieder stolpern und damit das richtige Buch finden?“, fragte Genis müde.
„N-Nein, es passiert mir ja nicht mit Absicht…“
„Dann versuche doch, es unabsichtlich zu tun“, meinte Lloyd.
„Wie soll sie das denn machen, Schlaumeier?“, fragte Genis.
„So, wie sie es immer macht. Einfach auf irgendetwas zugehen und stolpern!“
„Ich glaube, ich habe etwas gefunden!“, rief Raine tief über ein Buch gebeugt.
„Was steht drin?“, fragte Colette.
„‚Tief in der Wüste gibt es eine Ruine, die man nur selten sehen kann. Ein gewisser Zauber schützt sie. Der Grund für diese Sicherheitsmaßnahme ist vermutlich ein antiker Schatz. Allerdings ist nicht bekannt, um was für einen Schatz es sich handelt. Gerüchten zu Folge soll sich auch eine geheimnisvolle Schriftrolle im Inneren der Ruine befinden. Nur wenige haben bis jetzt diese Ruine gesehen, da sich der Schutzzauber nur sehr selten und nur für kurze Zeit auflöst. Die, die das Innere der Ruine betreten haben, wurden nie mehr gesehen’“, las Raine vor.
„Das heißt, wir müssen in das Innere der Ruine, oder? Diese geheimnisvolle Schriftrolle könnte uns vielleicht weiterhelfen“, bemerkte Genis.
„Vorausgesetzt sie existiert überhaupt“, ergänzte Lloyd.
„Die Forscher werden bestimmt noch eine Weile brauchen, um den Kristall zu analysieren. In der Zwischenzeit können wir die Ruine besuchen“, sagte Raine und freute sich insgeheim darauf, die Ruine noch einmal zu betreten, allerdings würde sie diesmal besser aufpassen.
Damit war es beschlossen und sie flogen zu Dirks Haus, da sie noch sehen wollten, wie es Kratos inzwischen ging.
„Krrratos, ich brrringe ihnen ihrrr Essen!“, sagte Dirk, der sich um Kratos kümmern sollte, aber als er das Zimmer betrat, war Kratos nirgendwo zu sehen. Stattdessen fand er einen Zettel mit einer Nachricht.
„Machen Sie sich keine Sorgen, ich wollte mir nur noch einmal die Ruine genauer anschauen“, war die Nachricht.
Dirk schüttelte nur den Kopf.
Kratos hatte sich auf den Weg zur Ruine gemacht. Wenn er schon nicht mit nach Sybak durfte, wollte er wenigstens nicht im Bett liegen bleiben. Außerdem wollte er sich die Ruine noch einmal in Wirklichkeit anschauen.
Als er die halb im Sand versunkenen Säulen und die zerstörten Mauerreste erblickte, schmerzte es ihn irgendwie. Er hatte auf einmal ein Bild vor Augen, wie es früher dort aussah. Es war ein Tempel gewesen. Auch wenn Kratos sich nicht daran erinnern konnte, schon einmal an diesem Ort gewesen zu sein, so wusste er doch tief in seinem Inneren, dass er nicht zum ersten Mal hier war. Diese Gewissheit wurde bestätigt, als er genau wusste, wo sich der eigentliche Eingang befand, den Raine nicht gefunden hatte. Dazu musste man in einer Wand eine bestimmte Reihenfolge an Steinen drücken, wodurch sich eine Tür öffnete, hinter der eine Treppe nach unten führte.
Im Inneren war es dunkel, aber Kratos hatte eine Fackel mitgenommen, die er jetzt anzündete. Als er die Treppe herunterging, wurde die Luft immer stickiger und es roch modrig. Spinnenweben hingen von der Decke und der Boden war verstaubt und voller Sand. Bald kam er zu der Stelle, wo Raine eingestürzt war. Er ging weiter und schenkte den Skeletten zu seiner Linken und Rechten keinerlei Beachtung. Den Fallen wich er geschickt aus. Der Raum, in dem Raine den Kristall gefunden hatte, war immer noch überflutet, aber das war sowieso nicht Kratos’ eigentliches Ziel, wobei er gar nicht wusste, wohin er ging. Er folgte nur der Ahnung, die ihn nicht mehr verließ. Die Ahnung, schon einmal hier gewesen zu sein.
Zu dieser Zeit erreichten Lloyd und die anderen Dirks Haus. Doch sie erfuhren, dass Kratos gar nicht mehr im Haus war.
„Wo ist er?“, fragte Lloyd besorgt.
Dirk reichte Lloyd die Nachricht.
„Dieser Dickschädel!“, rief dieser aufgebracht nach dem Lesen der Nachricht.
„Von irgendjemandem musst du das ja auch haben…“, kicherte Genis.
„Also, lasst uns zur Ruine gehen…“, murmelte Lloyd und ignorierte Genis’ freche Bemerkung.
Dort angekommen, fiel allen sofort der Eingang auf.
„Das gibt es doch nicht! Ich habe doch wie verrückt danach gesucht und nichts gefunden! Wie konnte er ihn also finden?“, fragte Raine verblüfft.
„Das erfahren wir nur, wenn wir ihn fragen…“, meinte Genis.
Vor dem überfluteten Raum blieb Kratos stehen. Eine Erinnerung kam in ihm hoch. Damals stand er genau wie jetzt vor der Tür, aber es sah alles viel neuer aus. Außerdem stand eine Frau vor ihm. Sie hatte lange rote Haare, die ihr schönes Gesicht umrahmten. Ihre braunen Augen strahlten Freundlichkeit aus. Als er ihre Stimme hörte, wusste er, dass es die Stimme aus seinen Träumen war.
„Kratos, hör mir zu. Einst gab es einen Mann, der unsterblich zu sein schien. Doch er nutzte seine Macht nicht für das Gute, sondern für das Böse. Man erkannte, dass er eine Bedrohung für die Welt war und wollte ihn töten. Aber er war zu mächtig und tötete jeden, der sich ihm in den Weg stellte. Außerdem erschaffte er Dämonen, die seine Diener waren. Diese waren zwar ebenfalls sehr stark, aber doch wesentlich schwächer als ihr Meister. Trotzdem konnten nur so genannte ‚Dämonenjäger’, Personen mit sehr starker magischer Begabung, sie vernichten. Aber Goril, der Meister der Dämonen, erweckte sie immer wieder zum Leben und man wusste, dass die Welt dem Untergang geweiht war, wenn man nicht etwas gegen ihn unternahm. Einer der Dämonenjäger, wohl der Mächtigste, kam auf die Idee, Gorils Seele in einem Kristall zu versiegeln. Solange nicht ein Körper mit den richtigen Bedingungen den Kristall berührte, konnte Gorils Seele nicht aus diesem fliehen, es sei denn, er würde zerstört werden. Wäre dies passiert, hätte er in seinen toten Körper zurückkehren können. Aber dies ist zum Glück nicht eingetreten. Bis zum heutigen Tag blieb der Kristall unversehrt. Aber zu lange ist er schon durch die Welt gereist. Jetzt, da wir, die Nachfahren Gorils, den Kristall endlich gefunden haben, können wir ihn in diesem Tempel versiegeln. Das ausgerechnet wir das tun, ist schon ein wenig komisch… Aber Goril darf nie wieder auferstehen. Sein Wahnsinn würde die Welt zerstören. Unglücklicherweise wurde etwas prophezeit, dass auf sein Zurückkommen deuten könnte:
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk! (Ich weiß, das geht einem langsam auf die Nerven XD)
Wir hoffen, dass diese Prophezeiung nie eintreten wird, aber wenn es das Schicksal ist, können wir nichts daran ändern...Wir können nur beten, dass es noch dauert... Du verstehst diese Sprache nicht, oder? Pass auf, übersetzt heißt es: …“
An dieser Stelle brach Kratos’ Erinnerung wieder ab. Aber er wusste wenigstens, wer die Frau gewesen war: Seine Schwester. Umso mehr schämte er sich dafür, ihre Stimme erst nicht erkannt zu haben. Wenigstens brauchte er sich jetzt nicht mehr zu wundern, warum er sich so unwohl fühlte, wenn er den Kristall ansah, immerhin war eine böse Seele in ihm eingesperrt.
Kratos entdeckte links von ihm einen Gang. Er wusste jetzt zwar mit Gewissheit, dass er schon einmal hier gewesen war, aber es interessierte ihn, wohin der Gang führte, also ging er weiter. Allerdings wurde er immer langsamer. Anscheinend hatte dieser Blitz ihn doch ziemlich mitgenommen. Aber er wollte noch nicht umkehren. Sein Ziel, welches auch immer das sein mochte, hatte er immer noch nicht erreicht.
Plötzlich stand er vor einer Sackgasse. Aber er war sich sicher, dass es noch weiter ging. Vielleicht war es der gleiche Mechanismus wie beim Eingang und so suchte Kratos nach den richtigen Steinen. Nach ein paar Sekunden hatte er sie gefunden. Rechts von ihm schwang ein Teil der Wand nach innen. Nachdem er nach einer Weile links abgebogen war, folgte er ziemlich zerstörten Treppenstufen nach unten. Die Luft wurde immer stickiger und roch zunehmend modriger und abgestandener. Hier war seit Jahrtausenden niemand mehr gewesen, auch kein Monster.
Kratos bekam einen trockenen Hals, da die Luft unerwarteter Weise sehr trocken war. Der Raum war nicht besonders groß und enthielt neben dem schichtdicken Staub und den fetten Spinnenweben nur eine kleine Truhe. Sie ließ sich ohne Probleme öffnen und was Kratos darin fand, enttäuschte ihn: Es war nur eine alte Schriftrolle.
Müde setzte er sich hin. War das sein Ziel gewesen? Eine alte Schriftrolle zu finden? Aber dann schüttelte er den Kopf. Vielleicht enthielt sie wichtige Informationen. Doch bevor er sich die Schriftrolle genauer ansah, ruhte er sich noch ein wenig aus. Er hatte Zeit.
„Keine Spur von ihm“, bemerkte Lloyd.
„Wenn man von dem geöffneten Eingang einmal absieht“, ergänzte Raine, die es immer noch wurmte, dass Kratos den Eingang offenbar mit Leichtigkeit gefunden hatte.
„Wir werden ihn schon finden“, beruhigte Colette Lloyd.
Vor dem überfluteten Raum hielten sie inne.
„Die Tür hat er nicht geöffnet. Ansonsten stünde hier alles unter Wasser, vorausgesetzt, man kann die Tür überhaupt noch öffnen“, sagte Raine.
„Aber wo ist er dann hin?“, fragte Lloyd.
„Schaut mal, hier ist ein Gang!“, rief Genis und zeigte nach links.
„Merkwürdig, der ist mir letztes Mal gar nicht aufgefallen…“, murmelte Raine.
Die Geheimtür bei der Sackgasse stand noch offen. Sie folgten den Treppen nach unten und bemerkten schon bald den Lichtschein von Kratos’ Fackel.
[Dieser Beitrag wurde am 02.08.2007 - 19:23 von DelFina18 aktualisiert]
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Crynil, do rical nade;
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Kapitel 3: Ein Dämon und seine Jägerin
Kratos hörte Schritte. Er stand auf und zog sein Schwert. Aber dann erkannte er seinen Sohn und die anderen und steckte erleichtert sein Schwert in die Scheide zurück.
„Was zum Teufel machst du hier?! Du solltest im Bett liegen bleiben!“, schrie Lloyd seinen Vater an.
„Lloyd, beruhige dich“, sagte Colette.
„Hmpf. Nette Begrüßung. Wärt ihr überhaupt bis hierher gekommen, wenn ich nicht die ganzen Türen geöffnet hätte?“
„Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt! N-Natürlich wären wir bis hierher gekommen!“, rief Raine aufgebracht.
„Hmpf.“
„Findet ihr, jetzt ist die Zeit zum streiten?“, fragte Genis ruhig.
Lloyd und Raine schüttelten entschuldigend den Kopf.
„Na also. Dann sollten wir vielleicht jetzt mal dem Nachgehen, weswegen wir eigentlich hierher gekommen sind: die geheime Schriftrolle.“
„ Eine geheime Schriftrolle? Könnte das vielleicht…“, Kratos holte die Schriftrolle aus der Truhe, „diese hier sein?“
„Ja, das wäre gut möglich. Was steht drin?“, fragte Raine.
„Ich habe sie mir noch nicht angeschaut“, meinte Kratos.
„WAS?!“, rief Raine fassungslos. „Aber sie sind doch schon eine Weile hier!“
„Ja, aber ich habe mich ausgeruht.“
„Hah! Hat sie wohl doch ziemlich angestrengt, oder?“
„Das ist nichts. Ich bin nur ein wenig müde“, meinte Kratos.
Bevor Raine etwas erwidern konnte, sagte Genis: „Könnten wir uns die Schriften dann jetzt mal anschauen?“
Kratos nickte und breitete die Schriftrolle auf dem Boden aus.
Der Text war in Runen verfasst, die keiner entziffern konnte, nicht einmal Raine. Aber es gab auch Bilder. Sie zeigten einen Kristall, bei dem es sich wahrscheinlich um den handelte, den Raine gefunden hatte, eine Frau mit weißen Haaren und außergewöhnlicher Kleidung, die Magie gegen Monster einsetzte, einen Mann, der sich verwandelte und sie zeigten auch, wie die Frau ihre Magie gegen den Mann, der sich verwandelt hatte, einsetzte. Allerdings war der Mann nicht sonderlich gut zu erkennen, die Frau dafür umso besser.
Als Kratos die Frau sah, wich er erschrocken zurück.
„Juell!“, rief er.
„Juell? Wer ist das?“, fragte Lloyd.
Kratos schaute ihn an.
„Es war eine Frau, die ich in meiner Vergangenheit kannte… Sie… Sie war meine Verlobte… Allerdings musste ich dann die Stadt, in der wir aufgewachsen sind, verlassen. Als ich aber zurückkam, erfuhr ich, dass sie an einer seltenen Krankheit gestorben war…“
„Davon hast du ja gar nichts erzählt!“, meinte Lloyd überrascht.
„Ich hatte keine so schöne Vergangenheit, weswegen ich auch versucht habe, vieles zu vergessen… Aber jetzt kommt alles wieder hoch…“
„Findet ihr nicht, dass diese Frau Raine ähnlich sieht?“, fragte Genis, woraufhin alle von dem Bild zu Raine und zurück schauten.
„U-Unsinn!“, rief Raine.
„Es war mir bis jetzt noch gar nicht aufgefallen… Aber sie sieht Juell tatsächlich extrem ähnlich… Wenn sie die gleiche Kleidung tragen würde, würde ich wahrscheinlich denken, Juell stünde vor mir“, sagte Kratos.
„Hehe, dann sollten wir diese Kleidung vielleicht finden!“, meinte Genis.
„Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren! Wir müssen herausfinden, was diese Runen übersetzt heißen! Sie sehen den alten Elfenrunen, die ich kenne, sehr ähnlich, aber doch sind sie anders. Vermutlich sind sie um einiges älter“, bemerkte Raine.
„Hmm… Dass die Frau Raine ist, haben wir jetzt ja schon festgestellt, aber wer ist dann der Mann?“, fragte Genis, um Raine zu ärgern.
„Hey, habt ihr mir überhaupt zugehört?!“, fragte Raine wütend.
„Ja, wer ist der Mann? Wir müssen auch noch die Kleidung für Professor Raine finden!“, erinnerte Lloyd lächelnd.
„Argh! Könntet ihr damit aufhören?! Oder wollt ihr mal wieder meine Küche probieren?!“
„Oha… Lloyd, wir sollten sie nicht weiter reizen, wenn wir am Leben bleiben wollen…“, meinte Genis.
„Da könntest du Recht haben…“, stimmte Lloyd nickend zu.
„PASST AUF, WAS IHR SAGT!!!“, brüllte Raine.
Kratos schüttelte den Kopf. „Was ist heute bloß mit euch los? Lasst uns jetzt gehen!“
„Aber wohin?“, fragte Colette.
„Zu Yuan. Vielleicht kann er etwas mit den Runen anfangen.“
„Wenigstens einer, der vernünftig ist!“, murmelte Raine.
„Aber danach sollten wir nach der Kleidung suchen“, meinte Kratos.
Jetzt riss bei Raine auch der letzte Geduldsfaden und sie wäre auf Kratos losgestürzt, wenn Genis sie nicht noch rechtzeitig hätte festhalten können.
„Oha, Dad… Das hättest du vielleicht nicht sagen sollen…“, sagte Lloyd.
„Ich meine das ernst. Wenn ich mich recht erinnere, war das die Kleidung der Dämonenjäger. Zumindest hat Juell mir das einmal erzählt und sie selbst war auch eine Dämonenjägerin.“
„Schon einmal daran gedacht, dass die Frau in der Zeichnung vielleicht diese Juell ist und nicht ich?!“, fragte Raine, die sich wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte.
„Mein Gefühl sagt mir nein“, antwortete Kratos und ging die Treppen nach oben.
Raine schüttelte nur den Kopf und seufzte. „Gehen wir erst einmal zu Yuan…“
Am frühen Morgen wollten Sheena und Rya aufbrechen. Doch beim Rausschleichen wurden sie von Igaguri erwischt.
„Ihr könntet euch wenigstens verabschieden“, meinte er.
„Das heißt, du hast nichts dagegen, dass wir gehen?“, fragte Sheena überrascht.
„Nur wenn du mir versprichst, unversehrt zurück zu kommen.“
„Natürlich werde ich das!“
„Pass auf dich auf…“, murmelte ihr Großvater, als Sheena und Rya gegangen waren.
Als Erstes gingen sie nach Ozette, wo Presea mit anderen Leuten beim Wiederaufbau half.
„Sheena!“, rief Presea begeistert, als sie sie sah. „Was hast du denn mit deinem Arm gemacht?
„Presea! Ihr seid hier ja mächtig am Arbeiten! Ach, das ist nichts weiter…“
„Ja, der Wiederaufbau kommt gut voran.“
„Aah! Das hier ist Rya“, stellte Sheena Rya vor, die mit dem Kopf nickte, „Sie ist mir gestern mehr oder weniger über den Weg gelaufen… Sie wurde von einem ziemlich starken Monster verfolgt… Das ist auch der Grund, warum wir hierher gekommen sind. Ich habe vor, allen Bescheid zu geben, denn ich denke, dass dieses Monster kein Gewöhnliches war… Das Auffälligste war, dass es sprechen konnte. Außerdem hatte es einen gelben Stein auf der Stirn…“
„So einem Monster bin ich vor kurzem auch begegnet!“, rief Presea aufgeregt.
„Wirklich? Warst du in der Lage, es zu besiegen?“, fragte Sheena.
Presea schüttelte den Kopf. „Es ist entkommen…“
„Vielleicht war es ja sogar dasselbe?“, vermutete Sheena.
„Ich weiß es nicht. Aber du hast Recht, wir sollten den anderen Bescheid geben.“
„Kannst du denn hier so einfach weg?“, fragte Sheena.
„Klar. Es gibt mehr als genug Helfer. Ich muss nur kurz ein paar Sachen packen, wartet hier.“
Als Presea zurückkam, hatte sie eine kleine Tasche mit Proviant um ihren Bauch gebunden und sie hielt ihre Axt in der Hand. Rya staunte nicht schlecht. Immerhin schien Presea nur ein paar Jahre älter als sie zu sein und hatte wohl genügend Kraft um die Axt perfekt zu schwingen.
„Bereit zum Aufbruch“, sagte Presea.
„Gut, dann holen wir jetzt Regal“, meinte Sheena.
Sie gingen zum nächsten Steg, dort holte Sheena das Elementarboot aus der Flügeltasche. Die anderen hatten es ihr überlassen, weil nur sie etwas damit anfangen konnte, da sie als einige Undine beschwören konnte.
Regal leitete immer noch die Lezareno-Bergbaugesellschaft. Er hatte sich hauptsächlich darum gekümmert, dass die Exsphere-Minen zerstört wurden.
„Sheena, Presea! Was macht ihr denn hier? Und wer ist das?“, fragte Regal erfreut.
„Hallo Regal! Wir sind wegen einer nicht so erfreulichen Sache hier… Das hier ist Rya“, erzählte Sheena.
„Hallo“, sagte Rya höflich.
Regal nickte zur Begrüßung. „Und was für eine Sache ist das?“
Sheena und Presea erzählten von dem Monster, das so außergewöhnlich und stark war.
„Hmm… Aber warum taucht es jetzt auf einmal auf?“, fragte Regal.
„Wir haben keine Ahnung“, sagte Presea.
„Aber du kommst doch mit uns, oder?“, fragte Sheena.
„Ja, natürlich!“
„Na dann… machen wir uns auf den Weg, um den auserwählten Idioten abzuholen…“, meinte Sheena. (Kleine Anmerkung für diejenigen, die es nicht wissen: „Auserwählter Idiot“ hat Sheena in einem Skit einmal zu Zelos gesagt, warum, habe ich vergessen… XD)
„Also… Nun ja… Ich denke…“, murmelte Regal.
„Sheena, du brichst mir das Herz! Bei dem, was wir alles zusammen erlebt haben!“, rief eine Stimme, die nur Zelos gehören konnte.
Im nächsten Moment stand er vor ihnen.
„Zelos, was machst du denn hier?!“, fragte Sheena überrascht.
„Sheena, du enttäuschst mich wieder einmal… Deine Oberweite scheint immer noch das einzig gut entwickelte an dir zu sein…“, sagte Zelos, womit er sich sofort eine Ohrfeige einhandelte.
„Aua!!! Ist doch wahr… und nicht einmal unbedingt negativ… Jeder hat nun einmal andere Stärken… Und deine ist scheinbar nicht das Denken…“
„Zelos…“, sagte Sheena und ihre Augen blitzten gefährlich und ihre Hand zuckte nervös, „Du solltest nicht mit deinem Leben spielen!“
„Waaah! Ich nehme alles zurück! Ich bin natürlich hier, um Party zu machen, immerhin ist das hier eine Partystadt…“
„Das ist wieder einmal typisch für dich! Nur Pech für dich, dass das jetzt ein Ende haben wird, du wirst mit uns kommen, um den anderen etwas mitzuteilen!“, erzählte Sheena.
„Ich weiß, ich weiß, ich habe alles gehört. Dann kann ich endlich wieder mit bezaubernden Damen reisen! Sogar eine neue ist dabei!“, rief Zelos begeistert.
„Das ist Rya. Lass sie bloß in Ruhe, oder du bekommst es mit mir zu tun!“, drohte Sheena.
„Aber, aber, Sheena! Hast du etwa Angst, dass ich dich vernachlässige?“, fragte Zelos erfreut und bekam als Antwort noch eine Ohrfeige.
„Lasst uns gehen!“, meinte Sheena nur.
Rya, Presea und Regal folgten ihr, nur Zelos blieb noch kurz stehen und rieb sich die Wange.
„Au… Warum muss sie immer gleich so brutal werden?“
Dann folgte er den anderen.
Lloyd und die anderen flogen derweil zum Stützpunkt in Sylvarant. Doch als sie dort ankamen, mussten sie feststellen, dass Yuan und die Abtrünnigen nicht da waren.
„Dann müssen wir wohl zum Stützpunkt in Tethe’alla fliegen“, meinte Lloyd.
Das Weltentransfersystem der Stützpunkte, das es einem früher ermöglichte, zwischen den Welten zu reisen, funktionierte nicht mehr, aber es war auch gar nicht mehr notwendig, da die beiden Welten ja jetzt nur noch eine waren. Also flogen sie in Richtung Süd-Westen, wo sie erst über die Triet-Wüste und anschließend über das Fooji-Gebirge flogen. Aber östlich vom Turm des Heils fingen die Rheairds an, sich komisch zu benehmen. Die Gruppe hatte keine Kontrolle mehr über sie und sie fingen an zu qualmen. Schließlich stürzten sie ab.
„AAAAH!!!!“, riefen alle im Chor.
Zum Glück landeten sie recht sanft, so dass sich niemand verletzte. Anders sah es mit den Maschinen aus. Vor dem Aufprall hatte irgendetwas ja schon nicht mit ihnen gestimmt, aber jetzt hatten sie auch noch überall Schrammen und Beulen.
„Und wie kommen wir jetzt zu Yuan?“, fragte Lloyd.
„Wir sind in der Nähe von Nyhaim, einer Stadt, die erst vor kurzem gegründet wurde. Noch ist sie recht klein, aber es gibt immerhin Fähren, die einen nach Altamira oder Flanoir bringen. Das ist etwas, was auch dringend notwendig war… Wir haben wohl keine andere Wahl, als jemanden zu fragen, ob er uns zum Stützpunkt bringt…“, meinte Raine.
„Wow! Professor Raine, sie kennen sich ja anscheinend gut mit der vereinten Welt aus!“, staunte Lloyd. (Hehe, „Vereinte Welt“ ist ebenfalls eine Waffe von Genis… ^^)
„Schade, dass man das nicht von dir behaupten kann, Lloyd…“, sagte Raine.
„Du weißt ja nicht einmal, welche Stadt die neue Hauptstadt ist!“, bemerkte Genis.
„Natürlich weiß ich das! Lass mich sehen… Palmacosta?“
„Lloyd, das tut wirklich weh… Passt du überhaupt noch mal im Unterricht auf?“, fragte Raine und schüttelte traurig den Kopf.
„Ich würde ja sagen, dass Meltokio zur neuen Hauptstadt geworden ist. Dort lebt immerhin der König und Meltokio hat die meisten Einwohner“, sagte Kratos.
„Siehst du, Lloyd? Selbst dein Vater kennt die richtige Antwort und der war immerhin seit sechs Monaten nicht mehr auf der Erde…“, meinte Raine.
„Ach, das ist doch nicht so wichtig! Wir müssen jetzt erst einmal nach Myrain, richtig?“, fragte Lloyd.
„Es heißt Nyhaim!“, korrigierte Genis.
„Meine ich doch!“, murmelte Lloyd.
„Warum muss ausgerechnet ich einen solchen Schüler haben?“, seufzte Raine.
„Warum muss ausgerechnet ich einen solchen Sohn haben?“, fragte Kratos kopfschüttelnd.
Raine sollte Recht behalten. Nyhaim war noch eine recht kleine Stadt, die kaum größer war als Hima und neben einem Hafen nur ein Gasthaus und ein paar Stände besaß. Als sie gerade in Richtung Hafen gingen, wurde Colette von einem Jungen angerempelt, der einen Haufen Äpfel auf den Armen trug. Beim Zusammenprall flogen die Äpfel auf den Boden.
„Entschuldigung! Es ist alles meine Schuld!“, sagte Colette zu dem Jungen und half ihm dabei, die Äpfel aufzusammeln.
Plötzlich rief eine wütende Stimme: „Haltet den Dieb!“
Der Junge sprang erschrocken auf und ließ die restlichen Äpfel liegen. Er war so flink, dass ihn keiner fangen konnte. Schließlich war er verschwunden und der Besitzer des Obststandes hob aufgebracht die letzten Äpfel von der Straße auf, die er nicht mehr verkaufen konnte.
„Colette, du hättest dich nicht bei ihm entschuldigen müssen, er ist in dich hineingerannt. Außerdem war er auch noch ein Dieb“, sagte Lloyd.
„Aber es war auch ein wenig meine Schuld, ich habe nicht aufgepasst…“
„Aber warum hat der Junge die Äpfel gestohlen? Er sah nicht besonders arm aus, zumindest nicht so arm, wie die Leute im Armenviertel von Meltokio…“, bemerkte Genis.
„Das braucht uns nicht zu interessieren. Wir müssen ein Boot finden, dass uns zum Stützpunkt bringt“, meinte Kratos.
„B-Boot, wie ich dieses Wort hasse! Aber uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als mit einem B-Boot zu fahren… Übers Wasser… Wenn ich schon daran denke, wird mir schlecht…“, murmelte Raine, die inzwischen recht blass geworden war.
„Noch sind wir ja nicht auf hoher See…“, wollte Genis seine Schwester beruhigen, erreichte damit aber eher das Gegenteil und Raine wurde noch blasser.
Sie fragten Drake M. Fynton, den Kapitän eines kleinen Segelbootes, ob er sie zum Stützpunkt bringen würde.
„Das wäre kein Problem, gegen gewisse Bezahlung, versteht sich. Aber zurzeit geht kein Wind und ich kann nicht sagen, wann wir aufbrechen können. Tut mir Leid“, entschuldigte sich Kapitän Fynton.
„Das heißt wohl, dass wir noch eine Weile hier bleiben müssen…“, seufzte Raine künstlich, denn eigentlich war sie sehr froh darüber.
„Was für eine Zeitverschwendung…“, murmelte Kratos.
„Dann schicke ich Paps eine Nachricht, damit er sich keine Sorgen macht“, sagte Lloyd und ging zu einem Gebäude des Brieftaubendiensts, bei der er seine Nachricht nach Iselia schicken ließ. Brieftaubendienste waren neuerdings in jeder Stadt oder jedem Dorf.
Sie übernachteten im Gasthaus, wo sie auch eine warme Mahlzeit bekamen. Am nächsten Morgen ging immer noch kein Wind und die Gruppe verbrachte ihre Zeit damit, sich die Zeit zu vertreiben. Raine vertiefte sich in ein Buch, dass sie an einem Stand gekauft hatte, Lloyd, Genis und Colette machten die Hausaufgaben, die Raine ihnen aufgegeben hatte und Kratos ging außerhalb der Stadt trainieren.
„Warum müssen wir bloß Hausaufgaben machen?“, fragte Lloyd seufzend.
„Damit wir was lernen“, meinte Genis, der seine Hausaufgaben natürlich schon fertig hatte.
„Und wozu müssen wir lernen?“, fragte Lloyd, der langsam aber sicher an der Rechenaufgabe verzweifelte.
„Damit wir nicht so dumm bleiben wie du, Lloyd!“, antwortete Genis, worauf er eine Kopfnuss von Lloyd erhielt.
„Und warum hilfst du mir dann nicht?!“
„Weil du die Aufgabe könntest, wenn du im Unterricht aufgepasst hättest!“
„Lloyd, ich helfe dir“, sagte Colette.
„Danke! Wenigstens eine, auf die ich mich verlassen kann!“, meinte Lloyd und wandte sich von Genis ab.
„Colette, das solltest du wirklich nicht tun. Es ist doch sein eigenes Pech, wenn er nicht im Unterricht aufpasst! Er hat schon so viele Chancen bekommen, ich dachte, dass er jetzt endlich mal aufpassen würde, aber da habe ich mich getäuscht…“
„Ich hab mir Sorgen um Dad gemacht, deswegen habe ich nicht aufgepasst!“, rief Lloyd.
„Du hast auch davor schon nicht aufgepasst! Und ich sehe es nicht ein, dass ich dir immer aus der Klemme helfen muss!“, schrie Genis.
„Jungs, ihr solltet euch nicht streiten!“, sagte Colette ruhig.
„Bitte, ich komme auch alleine klar! Hm? Ist das nicht der Junge, der dich gestern angerempelt hat, Colette?“, fragte Lloyd, der einen Jungen mit kurzen, grünen Haaren erblickte.
„Ja. Vielleicht will er ja die Äpfel bezahlen, die er gestern mitgenommen hat“, vermutete Colette.
„Das glaube ich weniger… Seht mal, die Tasche, die er dabei hat! Ich bin mir sicher, dort hat er wieder gestohlenes Essen drin!“, meinte Genis.
„Wir können ihm ja folgen!“, schlug Lloyd vor.
„Du willst dich doch bloß vor den Hausaufgaben drücken!“, sagte Genis.
„Ach, die kann ich später auch noch machen! Abgesehen davon, interessiert es dich nicht, warum der Junge stiehlt?“, fragte Lloyd.
„Doch…“, murmelte Genis kleinlaut.
„Na also! Dann lasst uns ihm folgen!“
Somit war es beschlossen. Der grünhaarige Junge ging aus der Stadt. Lloyd, Genis und Colette folgten ihm möglichst unauffällig, so dass weder der Junge noch Kratos, der nicht weit entfernt Schwertübungen machte, sie sehen konnten. Der Junge verschwand in einer Höhle. Etwas zögernd betraten Lloyd und seine Freunde die Höhle. An den Wänden waren überall Fackeln, was bedeutete, dass wohl jemand in der Höhle lebte. Nach einer Weile hörten sie Stimmen.
„Ist das etwa alles?! Du bringst mir von Mal zu Mal weniger!“, rief eine wütende Stimme.
„Ich falle auf, wenn ich zu viel auf einmal stehle! Gestern wäre ich fast erwischt worden!“, rief eine kindliche Stimme, die wohl dem Jungen gehörte.
„Wenn du nicht willst, dass dein Vater stirbt, dann wirst du mir mehr zu Essen bringen, verstanden?“
„Ja…“, sagte der Junge traurig.
„Sehr gut! Vielleicht lasse ich deinen Vater auch schon bald frei, wenn du mir brav gehorchst!“
Lloyd packte die Neugier und er lugte um die Ecke, um zu sehen, wer den Vater des Jungen festhielt. Bei dem Anblick der Person allerdings entfuhr ihm ein Laut des Erschreckens, denn es war ein Monster, dass zwar die Statur eines Menschen hatte, aber dafür auch graue Haut, schulterlange, grüne Haare, blaue Augen, einen grünen Stein auf der Stirn und ein komisches Zeichen auf dem Bauch hatte.
Weder der Junge noch das Monster schien sie bemerkt zu haben. Aber trotzdem schlichen sie sich so leise wie möglich nach draußen. Danach rannten sie so schnell wie möglich zu Kratos. Dieser schaute sie verwirrt an, denn er dachte, dass sie in der Stadt wären.
„Dad… Wir sind diesem Jungen von gestern gefolgt… Er stiehlt das Essen für ein Monster, weil dieses seinen Vater gefangen hält…“, keuchte Lloyd.
„Und das Monster kann reden!“, ergänzte Genis aufgeregt.
„Ein Monster das reden kann?! Wie sah es aus?“, fragte Kratos, der nun ein wenig nervös war.
„Es sah aus wie ein Mensch, hatte aber graue Haut, grüne Haare, blaue Augen und einen ovalen, grünen Stein auf der Stirn!“, erzählte Lloyd.
Kratos wurde blass. „Ihr holt jetzt Raine und dann bringt mich zur Höhle…“, forderte Kratos.
Nach einiger Zeit kamen Lloyd und die anderen mit Raine im Schlepptau zurück. Sie sah besorgt aus, was wohl bedeutete, dass sie schon Bescheid wusste.
„Dad, warum bist du so blass?“, fragte Lloyd besorgt seinen Vater, während sie zur Höhle gingen.
„Ein Monster das reden kann ist ungewöhnlich, findest du nicht?“, stellte Kratos als Gegenfrage.
„Naja… Die falsche Kilia konnte auch reden…“, antwortete Lloyd.
„Aber trotzdem gibt es nicht so viele Monster, die das können. Und wenn sie auch noch so aussehen, wie ihr sie beschrieben habt, kann das eigentlich nur eins bedeuten…“, sagte Kratos geheimnisvoll.
„Und was?“, fragte Genis neugierig.
„Es ist ein Dämon. Aber eigentlich kann das nicht sein! Die letzten Dämonen sind vor Jahrtausenden getötet worden, lange bevor ich geboren wurde! Die Dämonenjäger haben ihren Job hervorragend gemacht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dämon bis heute überlebt haben kann, ist gleich null“, erklärte Kratos.
„Aber wenn es die Dämonen schon nicht mehr gab, als Sie geboren wurden, woher wissen Sie dann, dass es sich bei diesem Monster um einen Dämonen handelt?“, fragte Raine.
„Ich habe Bilder von ihnen gesehen. Zu meiner Zeit gab es die Dämonenjäger eigentlich nur noch aus zwei Gründen: Sie sollten das normale Volk vor Monstern jeder Art schützen und sie sollten jederzeit bereit sein, falls die Dämonen zurückkehrten… Was nur der Fall ist, wenn…“
An dieser Stelle brach Kratos ab. Eigentlich konnte das nur passieren, wenn Goril sie wieder zum Leben erweckte. Aber das konnte nicht sein, denn Gorils Seele war im Kristall versiegelt. Doch aus irgendeinem Grund wollte er den anderen nicht von Goril, seinem Vorfahren, erzählen.
„Wenn was?“, hakte Genis nach.
„Nicht so wichtig. Ist das die Höhle?“, fragte Kratos um vom Thema abzulenken.
Lloyd, Genis und Colette nickten. Schweigend betraten alle die Höhle. Bald hörten sie eine Stimme: „Schäl gefälligst schneller, ich will die Äpfel heute noch essen!“
„Das ist die Stimme des Monsters… äh… Dämons!“, flüsterte Lloyd.
Auf einmal musste Genis niesen. „Ha-Ha-Ha-Hatschi!!!“
„Wer ist da?!”, brüllte der Dämon.
Die Gruppe wusste, dass es keinen Sinn mehr machte, sich zu verstecken. Als Kratos das Monster sah, war er sich ganz sicher, dass es sich um einen Dämonen handelte. Es sah genauso aus wie die Malerei, die Juell ihm in einem Tempel gezeigt hatte, als sie noch Kinder gewesen waren.
„Soso… Was macht ihr hier?!“, fragte der Dämon.
„Dafür sorgen, dass du wieder in die Unterwelt zurückkehrst, wo deine Artgenossen auf dich warten!“, rief Kratos gefasst.
„Hahaha! Da seid ihr aber schlecht informiert! Alle Dämonen verweilen auf dieser Welt, denn die Rückkehr Gorils steht unmittelbar bevor!“
Kratos zuckte bei diesem Namen merklich zusammen, was aber keiner zu bemerken schien.
Also doch… Goril wird zurückkommen… Rozanne hat gesagt, ein Körper mit den richtigen Bedingungen muss den Kristall berühren… Also bin ich wohl an dem Ganzen Schuld…
Aber Kratos hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken.
„Dann werden wir euch eben alle töten!“, rief Genis.
„Ihr solltet euch nicht mit ihm anlegen! Er hat unheimliche Kräfte…“, rief der grünhaarige Junge ihnen zu.
„Mach dir darüber keine Sorgen, Kleiner. Wir sind auch stark!“, sagte Lloyd zuversichtlich.
„Was heißt hier ‚Kleiner’?“, fragte der Junge wütend.
„Lloyd, Dämonen sind sehr stark. Wir haben keine Chance, ihn zu töten“, meinte Kratos.
„Was?! Aber warum hast du dann gesagt, dass wir ihn wieder in die Unterwelt befördern?“, fragte Lloyd verwirrt.
„Weil wir vielleicht eine Chance haben…“, antwortete Kratos ruhig.
„Irgendwie gefällt mir das ‚vielleicht’ in deiner Antwort nicht…“, murmelte Genis.
„Ah, ich fange an, mich zu langweilen… Dann zeigt mir, dem großartigen Loh Sou, doch einmal, was ihr könnt!“, forderte der Dämon auf.
„Ihr solltet wegrennen, solange ihr noch die Chance dazu habt!“, riet ihnen der Junge.
„Keine Angst, Kleiner, irgendwie schaffen wir das schon!“, meinte Lloyd, der inzwischen nicht mehr ganz so zuversichtlich war.
„Wenn du mich noch einmal Kleiner nennst, dann…!“, drohte der Junge verärgert.
„Achtung, es geht los!“, rief Kratos und kurz darauf griff der Dämon Colette an.
Diese konnte seinem Hieb nur ausweichen, weil sie vor lauter Überraschtheit stolperte. In der Zwischenzeit griffen Lloyd und Kratos mit ihren Schwertern an, während Genis und Raine ihre Magie einsetzten. Sobald Colette sich wieder aufgerichtet hatte, setzte sie Angel Feathers ein. Aber nichts schien dem Dämon wirklich zu schaden.
„Dad, was ist mit dieser Chance, die du erwähnt hast?“, fragte Lloyd ein wenig panisch.
„Nur ein Dämonenjäger kann einen Dämonen besiegen. Sie können spezielle Magie verwenden“, erklärte Kratos relativ ruhig, obwohl er gerade den Pranken des Dämons ausweichen musste.
„DAS nennst du eine Chance? Wir haben keinen Dämonenjäger!“, rief Lloyd.
„Das stimmt nicht so ganz. Könnt ihr euch noch an die Schriftrolle und die Zeichnungen darauf erinnern? Die Frau gehörte zu den Dämonenjägern, wie man an der Kleidung erkennen konnte. Außerdem sah die Frau aus wie Raine. Na, kommt ihr jetzt darauf, was ich meine?“
„I-Ich soll eine Dämonenjägerin sein?“, fragte Raine ein wenig ungläubig.
Kratos nickte.
„Aber ich kann keine spezielle Magie einsetzen!“
„Das können Sie nicht wissen, solange Sie es nicht ausprobiert haben!“, rief Kratos.
„Oho! Eine Dämonjägerin? Dann könnte das Ganze ja doch noch unterhaltsam werden! Endlich kann ich mich rächen!“, freute sich der Dämon.
Jetzt hatte er es nur noch auf Raine abgesehen, so dass diese nicht einmal dazu kam, zu versuchen, ihre besondere Magie einzusetzen.
„Haha! Früher seid ihr immer zu mehreren uns aufgelauert und konntet uns so töten! Aber jetzt bist du ganz allein und die Angriffe deiner Freunde können mir nichts anhaben!“
Raine saß in der Klemme. Die anderen konnten ihr nicht helfen, der Dämon schien ihre Angriffe gar nicht wahrzunehmen. Auf einmal schoss etwas auf den Dämon zu. Es war ein kleiner Pfeil, der in seiner Haut stecken blieb. Er war aus der Richtung des Jungen gekommen, der ein Rohr und mehrere Pfeile in der Hand hielt.
„Ha! Denkst du etwa, so ein kleiner Pfeil könnte mich töten?“, fragte der Dämon lachend.
„Nein. Aber er kann paralysieren!“
„Was?!“, rief der Dämon erschrocken und versuchte, sich zu bewegen, aber vergeblich.
Das war Raines Chance, vorausgesetzt, sie schaffte es, die ihr unbekannte Magie einzusetzen. Aber da sie nicht wusste, wie, gelang es ihr beim ersten Mal nicht.
„Sie müssen sie richtig darauf konzentrieren!“, rief Kratos ihr zu.
„Aber wie? Ich schaffe es einfach nicht!“, schrie Raine verzweifelt.
„Raine, gib nicht so schnell auf!“, ermutigte Genis sie.
„Beeilung! Die Paralyse wird nicht für immer anhalten!“, rief der grünhaarige Junge.
Wie soll ich mich bloß auf etwas konzentrieren, wenn ich nicht einmal genau weiß, auf was?, fragte sich Raine.
Sie schloss ihre Augen und versuchte so, sich erst einmal zu entspannen und an nichts zu denken. Nach einer Weile nahm sie ihre Umgebung nicht mehr wahr. Es gab nur sie, die Stille und die Aufgabe, ihre besondere Magie einzusetzen. Sie erinnerte sich an den Dämon, der vermutlich immer noch paralysiert vor ihr stand und suchte im Geiste nach einer Schwachstelle. An seinem Aussehen war der grüne Stein auf seiner Stirn immer noch das Auffälligste. Von ihm ging also wahrscheinlich die ganze Stärke aus.
„Erinnere dich an die alten Worte, die in deinem Herzen gespeichert sind, seit du geboren wurdest…“, flüsterte Kratos so leise, dass ihn keiner hören konnte.
Nur Raine vernahm seine Worte, obwohl sie am weitesten von ihm entfernt stand. (Fragt mich nicht, wie das gehen soll… XD Es geht halt, muss einfach gehen, basta! ^^)
Die alten Worte… Vielleicht eine Art Zauberspruch?, vermutete Raine.
Sie atmete tief durch, öffnete langsam die Augen und hob langsam ihren Stab. Sie verströmte totale Ruhe, keinerlei Hektik lag in ihren Bewegungen. Und sie spürte, dass sie jetzt so weit war, um ihre Magie einzusetzen. Sie wusste, es würde ihr gelingen und im nächsten Moment kamen auch schon die alten Worte über ihre Lippen, ohne dass sie sie kannte.
„Tarim syrax faboyo, sen danave mana ju wedin firmo ko sen sileve murix alic tromium!“, rief sie und ein Lichtstrahl in allen möglichen Farben schoss auf den grünen Stein zu.
„ARGH!!! Meine Macht!!!“, schrie der Dämon.
Er war noch nicht tot, aber dafür konnte ihm jetzt jede Waffe und jede Art von Magie ihm schaden und ihn töten. Zumindest im Prinzip. Aber bevor einer aus der Gruppe sich auch nur bewegen konnte, zerfiel der Dämon zu Asche.
Als Raine danach etwas sagte, hörte sie sich nicht mehr wie sie selbst an: „Erster von acht Dämonen besiegt.“
Ihre Augen waren vollkommen ausdruckslos. Als sie ihre rechte Hand zum Himmel hob, erschienen schwarze Runen auf ihr:
(Sehen sie nich toll aus? *stolzaufsichsei* XD)
„Die Dämonenjäger erwachen wieder zum Leben!“, rief sie.
„Diese Runen sind der endgültige Beweis, dass sie eine Dämonenjägerin ist“, sagte Kratos.
„Aber warum benimmt sie sich so komisch?“, fragte Genis besorgt.
„Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir sicher, dass sie gleich wieder sie selbst sein wird.“
Kaum hatte er dies gesagt, schwankte Raine kurz und fragte dann: „Was ist passiert?“
„Du hast deine Magie eingesetzt und den Dämonen besiegt. Aber danach hast du dich komisch benommen, du hast gesagt, der erste von acht Dämonen wurde besiegt und danach hast du deine Hand zum Himmel gestreckt, worauf diese Runen auf deiner Hand erschienen sind und dann hast du noch gesagt, dass die Dämonjäger wieder zum Leben erwachen“, erklärte Genis, ohne eine Pause zu machen.
„Also noch sieben Dämonen? Die muss ich doch wohl nicht alle besiegen, oder?! Und was sollen diese Runen auf meiner Hand?! Wie bekomm ich das bloß wieder weg?!“, rief Raine aufgeregt.
„Sie werden die Runen nicht entfernen können. Sie zeichnen Sie jetzt als Dämonenjägerin aus und damit ist es jetzt Ihre Aufgabe, die restlichen Dämonen zu besiegen“, erzählte Kratos.
„Aber warum ausgerechnet ich?!“, fragte Raine unzufrieden.
Kratos zuckte mit den Schultern. „Es ist nun einmal Ihr Schicksal.“
„Was hieß überhaupt der Spruch, den Sie aufgesagt haben, Professor?“, fragte Lloyd neugierig.
„Ich weiß es nicht…“, antwortete Raine.
„Es war die uralte Sprache der Elfen. Die Sprache ist so alt, dass selbst ich sie nicht vollständig übersetzen kann. ‚Tarim’ heißt Möge, ‚syrax’ bedeutet Schicksal, ‚sen’ um und ‚ko’ heißt und“, erklärte Kratos.
„Dann sind diese Runen auf der Schriftrolle vielleicht auch das Schriftsystem dieser uralten Sprache?“, vermutete Colette.
„Das ist gut möglich. Wir sollten jetzt erst mal nach Nyhaim zurückkehren“, meinte Kratos.
„Das geht nicht! Wir müssen meinen Vater befreien!“, rief der Junge aufgeregt.
„Wo ist er denn?“, fragte Colette.
„Er wird in diesem Gang festgehalten…“, meinte er und zeigte nach rechts. „Aber ein Monster bewacht ihn…“
„Warum lähmst du es nicht mit deinen Pfeilen?“, fragte Genis.
„Das geht nicht. Der Pfeil, den ich vorhin eingesetzt habe, war der einzige, der paralysieren konnte…“
„Dann werden wir es eben besiegen“, meinte Lloyd.
In dem Gang, in dem der Vater des Jungen festgehalten wurde, trafen sie auf das Monster. Es war eine riesige Fledermaus, die kopfüber an der Decke hing. Anscheinend hatte sie geschlafen, aber jetzt breitete sie ihre Flügel aus und stürzte sich auf die Gruppe hinab. Während Sary sich im Hintergrund hielt, versuchten Kratos und Lloyd die Fledermaus von Genis und Raine abzulenken, die ihre Zauber vorbereiteten.
„Fire Ball!“, rief Genis und im nächsten Moment flogen kleine Feuerbälle auf das Monster zu, welches einen Schrei ausstieß.
„Photon!“, rief Raine und die Fledermaus wurde von einer kleinen Lichtexplosion getroffen.
Aber noch war das Monster nicht besiegt.
„Tempest!“, tönte es aus Lloyds Richtung und er schraubte sich höher in die Luft, während er mit seinen Schwertern das Monster verwundete.
Besiegt blieb es am Boden liegen.
„Mann, das war ja viel zu einfach!“, beschwerte sich Lloyd, als er wieder auf dem Boden landete.
„Jetzt kann ich Papa befreien!“
Schon war der Junge im nächsten Raum verschwunden. Nach einer Weile kam er wieder heraus und stützte einen Mann, der leicht verwundet zu sein schien.
„Habt ihr dieses Monster besiegt?“, fragte er.
Die Gruppe nickte.
„Danke! Jetzt wird endlich auch wieder der Wind da sein!“
„Soll das heißen, der Dämon hat den Wind beeinflusst?“, fragte Genis verblüfft.
Der Mann nickte.
„Lass uns nach Hause gehen, Papa!“, sagte der Junge glücklich, nachdem Raine seinen Vater verarztet hatte.
„Hey, Kleiner! Danke für die Hilfe vorhin!“, rief Lloyd.
„Nenn mich nicht immer Kleiner! Ich habe einen Namen, ich heiße Sary!“
„Sary? Das klingt aber nicht gerade nach einem Jungennamen…“, meinte Genis.
„Ich bin ja auch kein Junge!!!“, schrie Sary.
„Aber… Mit den kurzen Haaren siehst du aus wie ein Junge und du benimmst dich auch so…“, bemerkte Lloyd.
„Haha! Trotzdem habe ich eine Tochter und keinen Sohn. Nun gut, lass uns gehen, Sary“, sagte der Mann und sie verschwanden.
„Also echt… Wann fahren wir mit dem Schiff?“, fragte Lloyd die anderen.
„Die Sonne geht schon unter. Wir sollten diese Nacht noch hier bleiben“, meinte Raine.
Die anderen waren einverstanden und so gingen sie zurück zum Gasthaus.
Signatur
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!
© by DelFina18
 |
DelFina18  ~Kraine no Aikosha~
    

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Kapitel 4: Ayshal, Stadt der Dämonenjäger
Sheena, Presea, Zelos, Regal und Rya fuhren mit dem Elementarboot bis nach Triet. Die Fahrt verlief eher ruhig, abgesehen von den kleinen Auseinandersetzungen zwischen Zelos und Sheena, die meistens davon handelten, dass Zelos seine Hände nicht bei sich behalten konnte.
„Wir hätten dich zurücklassen sollen, als wir noch die Chance dazu hatten!“, rief Sheena wütend.
„Aber Sheenalein… Hast du mich in dem halben Jahr denn nicht vermisst?“, fragte Zelos, während er sich wieder einmal die Wange rieb.
„Nein, kein bisschen!“
„Du brichst mir das Herz, Sheena…“, heulte Zelos theatralisch.
„Hoffentlich sind die anderen auch in Iselia…“, meinte Presea.
„Das will ich doch hoffen!“
Aber als sie in Iselia ankamen, erfuhren sie, dass sich keiner ihrer vier Freunde zurzeit in Iselia aufhielt. (Sie wussten ja nicht, dass Kratos wieder zurück war)
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Regal.
„Hmm… Wir könnten zu Dirk gehen, vielleicht weiß der mehr“, schlug Sheena vor.
Als sie bei Dirks Haus ankamen, wurden sie freudig von Noishe begrüßt. Rya war total begeistert von ihm.
„Ich habe noch nie einen solchen Hund gesehen!“, rief sie erstaunt und streichelte Noishe hinter den Ohren.
„Er ist auch kein Hund, sondern ein Protozoon in der Gestalt eines Terranis“, erklärte Presea.
„Er ist voll süß!“, rief Rya begeistert.
„Dirk!“, rief Sheena und kurz darauf kam der Zwerg nach draußen.
„Ihrrr seid es! Was kann ich fürrr euch tun?“
„Wir würden gerne wissen, wo Lloyd und die anderen sind“, antwortete Zelos.
„Die sind nicht hierrr. Sie haben mirrr gesterrrn einen Brrrief geschickt, dass sie in Nyhaim sind und bald zum Stützpunkt derrr Abtrrrünnigen in Tethe’alla fahrrren, um Yuan zu frrragen, ob errr Rrrunen von einer Schrrriftrrrrolle überrrsetzen kann.“
„In Nyhaim?! Das heißt, wir sind den ganzen Weg hierher umsonst gefahren?!“, fragte Sheena aufgebracht.
„Was für Runen denn?“, fragte Zelos verwundert.
Dirk erzählte ihnen die ganze Geschichte von der Ruine, dem Kristall und der Schriftrolle mit den Runen, die sie dort gefunden hatten.
„Folgen wir ihnen?“, fragte Presea schließlich.
„Was wollt ihrrr denn überrrhaupt von ihnen?“, fragte Dirk.
„Wir müssen ihnen von einem komischen Monster erzählen…“, sagte Regal.
„Warrrum schickt ihrrr ihnen nicht eine Nachrrricht über den Brrrieftaubendienst?“, fragte Dirk.
Sheena schlug sich mit der Hand auf die Stirn. „Na klar, warum sind wir da nicht schon eher drauf gekommen?“
„Ja, Sheena, warum hast du da nicht dran gedacht?“, fragte Zelos mit dem Kopf nickend und erhielt kurz darauf eine Kopfnuss von Sheena.
„Du hättest ja auch dran denken können! Du bist einfach zu nichts zu gebrauchen, Zelos!“, rief sie wütend.
„Mein armer Kopf!“, seufzte Zelos.
„Hör auf zu jammern! Geh nach Iselia und schick diese verdammte Nachricht ab!“, befahl Sheena ungerührt, worauf Zelos sich auf den Weg machte.
Sie mussten in Iselia übernachten, weil Dirks obere Etage immer noch vollkommen zerstört war. Am nächsten Tag erhielten sie Antwort von Lloyds Gruppe.
„Was steht drin, Sheena?“, fragte Zelos neugierig, als die Nachricht ankam.
„Nerv nicht rum, ich lese ja schon vor!“, rief diese genervt und fing an:
„Hallo Freunde! Schön, mal wieder etwas von euch zu hören! Wir sind hier in Nyhaim selber einem solchen Monster begegnet und wir haben es auch geschafft, es zu besiegen. Die ganze Geschichte erzählen wir, wenn wir die Schriftrolle Yuan gegeben haben, deswegen bitten wir euch, in Iselia zu bleiben. Wir kommen in ein paar Tagen zurück. Bis bald, Lloyd, Colette, Genis, Raine und Kratos.“
„Sie haben so ein Monster besiegt?“, fragte Presea etwas überrascht.
„So wie es scheint… Dann bleibt uns jetzt wohl nichts anderes übrig, als zu warten…“, meinte Regal.
Nachdem Lloyd und seine Freunde die Nachricht nach Iselia geschickt hatten, betraten sie das Schiff von Kapitän Fynton, welcher sie auf Grund des zurückgekommenen Windes endlich zum Stützpunkt der Abtrünnigen bringen konnte. Sary und ihr Vater winkten ihnen vom Steg aus zu und Sary fragte: „Sehen wir uns irgendwann wieder?“
„Bestimmt! Du kannst uns jederzeit in Iselia besuchen!“, rief Lloyd.
Dann legte das Schiff ab.
Raine verbrachte die meiste Zeit unter Deck in ihrem Zimmer, wo sie fast nur im Bett lag. Sie hatte nicht nur panische Angst vor zu großen Mengen Wasser und demnach auch vor Schiffen, sondern sie wurde jetzt auch noch seekrank. Am Deck wurde ihr noch schlechter, weswegen sie in ihrer Kabine blieb. Nachdem sie ihrem Bruder, der bei ihr bleiben wollte, aufgefordert hatte, sich zu amüsieren, untersuchte dieser zusammen mit Lloyd und Colette das Schiff. Kratos hingegen trainierte manchmal, oder dachte über seine Vergangenheit nach.
Die Fahrt verlief ohne weitere Zwischenfälle und sie kamen am nächsten Tag sicher am Stützpunkt an. Kapitän Fynton wartete auf die Gruppe, solange diese bei Yuan war.
„Wir möchten mit Yuan sprechen“, sagte Kratos zu einem der Abtrünnigen, der am Eingang stand.
„Einen Moment“, erwiderte dieser und ging ins Innere, aus dem er nach einer Weile zurückkam.
„Ihr könnt reingehen. Ihr wisst doch, wo Yuans Raum ist, oder?“
„Ja“, sagte Kratos und ging rein, worauf die anderen ihm folgten.
„Kratos! Dann habt ihr es also tatsächlich geschafft!“, rief Yuan erfreut.
„Ja. Der Kristall hat wirklich erstaunliche Kräfte. Aber nicht nur positive, wie es scheint…“, bemerkte Raine und erzählte die ganze Geschichte von dem Zeitpunkt, nachdem sie Kratos zurück geholt hatten.
„Hmm… ich hatte gleich so ein komisches Gefühl, als ich den Kristall gesehen habe…“, meinte Yuan.
„Aber der eigentlich Grund, warum wir hier sind, ist, dass wir dich fragen wollten, ob du diese Runen übersetzen kannst“, erklärte Lloyd und Raine holte die Schriftrolle hervor und reichte sie Yuan.
Dieser überflog sie nur kurz und sagte dann: „Das sind auf jeden Fall sehr alte Elfenrunen. Aber ich werde eine Weile brauchen, um herauszufinden, was für Worte es sind. Dann brauch ich noch eine Weile, um sie zu übersetzen… Und das wird wohl sehr lange dauern, denn ich habe nur wenige Texte, die in der uralten Elfensprache beziehungsweise in den Runen geschrieben sind.“
„Das heißt, das einzige, was wir im Moment machen können, ist, die Dämonen zu besiegen…“, meinte Genis.
„So sieht es aus“, stimmte Yuan zu.
„Übrigens… Wir hatten einen kleinen Unfall mit den Rheairds…“, erwähnte Lloyd.
„Die Rheairds? Wo sind sie denn gerade?“, fragte Yuan.
„In der Nähe von Nyhaim“, antwortete Kratos.
„Ich werde ein paar Abtrünnige hinschicken, die sich darum kümmern.“
„Gut, dann lassen wir dich mit der Schriftrolle allein“, sagte Kratos und wandte sich zum Gehen und die anderen folgte ihm.
Zwei Abtrünnige folgten ihnen auf das Schiff. Sie sollten die Rheairds reparieren.
„Ich hoffe, das ist das letzte Mal, dass ich auf ein Schiff steigen muss…“, murmelte Raine wenig begeistert.
Sobald die Rheairds repariert waren (es stellte sich heraus, dass sie beim letzten Mal schlecht gewartet worden waren XD), flogen sie nach Iselia, wo Sheena und die anderen schon auf sie warteten.
„Raine! Colette! Wie habe ich euch vermisst!“, rief Zelos begeistert.
„Halt die Klappe, Zelos!“, rief Sheena genervt.
„Aber Sheenalein! Darf ich jetzt nicht einmal mehr alte Freunde begrüßen?“
„Und was ist mit uns? Sind wir etwa nicht deine Freunde?“, fragte Genis beleidigt.
„Oh. Ihr seid ja auch da. Hallo“, sagte Zelos weniger begeistert.
Auf einmal kam ein Mädchen mit langen grünen Haaren auf Noishe angeritten. Sie konnte nicht älter als acht Jahre alt sein.
„Wer ist das denn?“, fragte Lloyd ein wenig überrascht.
„Das ist Rya. Sie ist vor diesem seltsamen Monster geflohen. Es hat ihre Mutter getötet und nun hat sie niemanden mehr, also habe ich sie mitgenommen. Außerdem scheint sie besondere Kräfte zu haben, sie hat mit einer Flöte das Monster eingeschläfert. Aber nun erzählt doch mal, wie ihr das Monster in Nyhaim besiegen konntet!“, forderte Sheena.
„Das ist eine Geschichte, bei dem ein wenig Hintergrundwissen von Vorteil ist…“, sagte Kratos und fing an, ein wenig über seine Vergangenheit zu erzählen.
Danach begann Raine mit der eigentlichen Geschichte.
„Das heißt, es ist deine Aufgabe, die Dämonen zu besiegen?“, fragte Sheena noch mal, um sicherzugehen, dass sie alles richtig verstanden hatte.
Raine nickte. „Von einem Tag auf den anderen bin ich eine Dämonenjägerin…“, sagte sie und betrachtete die Runen auf ihrer Hand.
„Wichtig ist, dass wir jetzt erst einmal die Kleidung der Dämonenjäger finden“, meinte Kratos.
Genis schaute ihn verständnislos an. „Aber warum ist das so wichtig? Ich meine, ist es nicht wichtiger, erst einmal die Dämonen aufzuspüren und zu besiegen?“
Kratos schüttelte den Kopf. „Die Kleidung verstärkt die Magie, denn sie ist aus einem sehr seltenen Material, was heute gar nicht mehr existiert und außerdem wird sie es Raine erleichtern, ihre Magie einzusetzen.“
„Aber wo finden wir diese Kleidung? Es ist die gleiche, wie auf der Zeichnung auf der Schriftrolle, oder? Ich habe solche Kleidung noch nie gesehen…“, meinte Lloyd.
„Wahrscheinlich gibt es nur noch einen Ort, wo wir eine Chance haben, solche Kleidung zu finden und das ist meine Heimatstadt, Ayshal, wo auch Juell aufgewachsen ist. Dort lebten damals die meisten Dämonenjäger, weswegen sie auch oft ‚Stadt der Dämonenjäger’ genannt wurde“, erklärte Kratos.
„Ayshal? Davon habe ich noch nie was gehört“, meinte Zelos.
„Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Abgesehen davon, dass es ziemlich abgelegen liegt, wird es durch einen Zauber geschützt. Ich bin mir sicher, dass die Menschen, die dort leben, schon lange keinen Kontakt zur Außenwelt hatten.“
„Aber warum wird die Stadt geschützt?“, fragte Presea.
„Dort werden sehr viele Schätze gelagert. Früher wurde es deswegen oft angegriffen und darum beschloss man, die Stadt so zu schützen, dass es erstens nicht gesehen werden konnte und zweitens nur Personen, die in Ayshal geboren worden sind, diesen Zauber brechen können“, erzählte Kratos.
„Also kannst du den Zauber brechen?“, fragte Zelos.
Kratos nickte.
„Dann sollten wir uns auf den Weg machen!“, rief Lloyd begeistert.
Rya streichelte zur Verabschiedung noch einmal Noishe.
„Irgendwie erinnert sie mich an jemanden…“, murmelte Genis.
„Dir geht es genauso?“, fragte Raine ein wenig überrascht.
„Ja… Aber ich weiß nicht, an wen…“, antwortete Genis.
„Ich auch nicht…“
Kratos wies ihnen die Richtung, in die sie fliegen sollten. Sie landeten auf einer Lichtung in der Nähe des Tempels der Finsternis.
„Dass sich die Stadt hier befindet, hätte ich nun wirklich nicht gedacht!“, rief Sheena verblüfft.
„Und wie brichst du jetzt den Zauber?“, fragte Lloyd seinen Vater.
„Ich muss erst etwas finden…“, murmelte dieser und fing an, nach etwas zu suchen.
„Und was? Vielleicht können wir dir helfen“, meinte Genis.
„Nicht nötig. Ich habe ihn gefunden“, sagte Kratos und deutete auf einen Steinsockel, auf dem der Moos die meiste Fläche einnahm und der hinter einem großen Busch versteckt lag.
„Und was jetzt?“, fragte Zelos.
Kratos zog klirrend sein Schwert aus der Scheide. Damit ritzte er sich leicht die Handfläche der rechten Hand auf.
„Dad, was machst du da?!“, fragte Lloyd erschrocken.
Kratos legte seine blutende Hand auf den Steinsockel und fing an, etwas in einer anderen Sprache zu sagen.
„Tarim sparium, niu antaras dronalt, perave, sen congave halo ko fris amcis bantra. Loorax gix murim; ixiso gix taolium ju eafil. Quen antaras, mar conges bantra!“
Vor ihnen begann die Luft zu flimmern. Ein helles Licht erschien und alle mussten ihre Augen schließen. Als sie sie wieder öffneten sahen sie vor sich eine prächtige Stadt, in der die Häuser halbwegs auf Bäumen standen oder in Hügeln eingebaut waren. Doch sie sahen keine Menschenseele, als sie voranschritten. Hinter ihnen wurde der Zauber wieder aktiviert, was sie aber nicht mitbekamen.
„Sie haben Angst. Der Zauber wurde wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden nicht mehr gebrochen“, erklärte Kratos.
„Aber ich dachte nur Leute, die in dieser Stadt geboren worden sind, können den Zauber brechen. Wovor haben sie dann Angst? Sie müssten doch wissen, dass du in dieser Stadt geboren worden bist!“, meinte Lloyd.
„Genau das ist es ja, was ihnen Angst macht beziehungsweise was sie sich nicht erklären können! Sie wissen, dass ich einer von ihnen sein muss, aber sie können es nicht glauben, da seit Jahrtausenden wahrscheinlich niemand mehr aus dieser Stadt gegangen ist.“
„Tse. Solche Angsthasen“, sagte Zelos.
„Wen nennst du hier einen Angsthasen?! Ich habe keine Angst vor euch!“, rief ein kleiner blonder Junge, der aus einer Ecke geflitzt kam.
Er hielt eine Schleuder in der Hand und zielte damit auf Zelos’ Kopf. Aber bevor er die Kugel abschießen konnte, legte ein alter Mann ihm seine Hand auf die Schulter.
„Es ist schon gut, Weezl. Ich bin mir sicher, dass sie keine bösen Absichten haben. Aber trotzdem würde ich gerne wissen, was ihr hier macht und wie ihr überhaupt den Zauber brechen konntet!“
„Mein Name ist Kratos Aurion. Ich bin in dieser Stadt geboren worden und konnte deswegen den Zauber brechen“, erzählte Kratos.
„Aurion? Den Namen habe ich doch schon mal gehört… Wo war das bloß?“, fragte sich der alte Mann.
„Rozanne Aurion. Sie heilte eine schlimme Epidemie, die sich in der Stadt ausgebreitet hatte. Allerdings starb sie kurz darauf durch ein Feuer“, antwortete Weezl wie aus der Pistole geschossen.
„Rozanne…“, murmelte Kratos.
„Dad, kanntest du sie?“, fragte Lloyd.
„Sie… war meine Schwester…“
„WAS?!“, riefen alle im Chor, auch der alte Mann und Weezl.
„Tja, schön, dass wir langsam mehr über dich erfahren, Kratos. Aber warum erzählst du uns nicht gleich alles von deiner Vergangenheit?“, fragte Zelos.
„Das kann nicht sein! Rozanne Aurion hat vor ca. 4000 Jahren gelebt!“, rief Weezl aufgebracht.
„Das ist eine längere Geschichte… Fakt ist, dass ich hier vor ungefähr 4000 Jahren geboren und nach dem Tod unserer Eltern von meiner Schwester aufgezogen worden bin“, meinte Kratos.
„Lügner! Niemand kann über 4000 Jahre alt werden, nicht einmal Elfen können das!“, schrie Weezl und rannte davon.
„Entschuldigt meinen Enkel. Er glaubt nur das, was er sehen und anfassen kann und was einwandfrei bewiesen wurde… Allerdings bleibt uns nichts anderes übrig, als Ihnen zu glauben, denn ich kann mir sonst nicht erklären, wie ihr den Zauber gebrochen habt… Kommt doch erst einmal in mein Haus, dort könnt ihr mir alles erklären“, sagte der alte Mann.
Sie folgten ihm und langsam kamen die Leute wieder aus ihren Häusern. Trotzdem blieben sie noch ängstlich bei ihren Häusern stehen.
„Ich bin übrigens Kijon, das Oberhaupt dieser Stadt. Fühlt euch wie zu Hause!“, meinte der alte Mann, als sie sein Haus betraten.
Es war eines der Häuser, die in einen Hügel eingebaut waren. Da es nur wenige Fenster gab, brannten schon am helllichten Tag Lampen.
„Wohnen Sie hier ganz allein?“, fragte Genis, um von Raine abzulenken, die sich begeistert das Haus genauer ansah, da sie so eins noch nie gesehen hatte.
„Zusammen mit meinem Enkel. Seine Eltern sind gestorben, als er noch klein war…“, erzählte Kijon fast abwesend, weil er Raine beobachtete, die von einer Wand zur anderen rannte und immer wieder „Faszinierend!!!“, „Atemberaubend!!!“ und „Spektakulär!!!“ rief.
„Bitte beachten Sie sie nicht…“, sagte Genis verzweifelt.
„Ist sie immer so?“, fragte Kijon.
„Ja, immer…“, meinte Lloyd lachend.
Nachdem Raine sich endlich ruhig verhielt, fing Kratos an, alles zu erzählen. Als er fertig war, ging die Sonne unter. Weezl hatte sich ebenfalls zu ihnen gesellt, aber man konnte ihm ansehen, dass er Kratos nicht glaubte.
„Das könnte ja jeder behaupten!“, rief er.
„Aber wie willst du dir sonst erklären, dass er den Zauber gebrochen hat?“, fragte sein Großvater.
„Woher können wir wissen, dass er es war und nicht jemand anderes?“
„Ich weiß, an wen du denkst. Aber wie oft soll ich dir noch sagen, dass dein Onkel nicht zurückkommen wird? Er hatte genug von diesem Ort! Abgesehen davon ist er wahrscheinlich schon tot. Ich weiß, du hättest ihn gerne kennen gelernt, Weezl. Aber das wird wohl für immer ein Traum bleiben. Mein Sohn Kloitz hat sich nun einmal für ein anderes Leben entschieden“, meinte Kijon.
Die Gruppe horchte auf.
„H-Haben sie eben Kloitz gesagt?!“, fragte Raine mit heiserer Stimme.
„Ja, wieso?“
„Habt ihr ihn getroffen?“, fragte Weezl aufgeregt.
„E-er… war unser Vater!“, sagte Genis.
Es herrschte totale Stille. Kijon und Weezl mussten erst einmal verstehen, was Genis gesagt hatte.
„Wie du das sagst, nehme ich an, dass er tot ist“, meinte Kijon ein wenig bedrückt.
„Ja…“, meinte Genis.
„Nein! Das kann nicht wahr sein!“, rief Weezl mit Tränen in den Augen. (Er kennt ihn nicht mal, aber egal… XD)
Dann lief er davon.
„Weezl!“, rief sein Großvater beunruhigt.
Ohne ein Wort zu sagen, stand Raine auf und rannte ihm hinterher.
„Raine!“, rief Genis, aber als er ihr hinterher rennen wollte, hielt Lloyd ihn fest.
„Professor Raine kümmert sich schon um ihn!“
„Und wer kümmert sich um Raine? Ich will gar nicht wissen, was passiert, wenn sie eine Ruine oder etwas dergleichen findet! Ihre letzte Expedition hat uns immerhin diesen ganzen Schlammassel eingebrockt!“
„Es gibt hier keine Ruinen. Es gibt nur eine alte Mine, die etwas abgelegen liegt. Aber ich glaube nicht, dass sie dorthin gehen werden“, meinte Kijon.
„Ich hoffe es…“, murmelte Genis.
„Interessant… Jetzt habe ich also drei Enkelkinder…“, sagte Kijon.
Unglücklicherweise rannten Weezl und Raine genau in die Richtung der Mine.
„Lass mich allein!“, schrie Weezl.
„Weezl, bleib stehen!“, rief Raine, aber diesen Gefallen tat er ihr nicht und so rannten sie immer weiter, bis sie in der Mine waren. An den Wänden waren Lampen, die scheinbar nie ausgingen.
Raine genügte ein Blick, um zu erkennen, dass die Mine einsturzgefährdet war.
„Weezl, sei vorsichtig! Ein falscher Schritt und die Mine stürzt ein!“
„Ich brauche keinen Rat von dir! Ich war hier schon oft drin, ich kenne mich hier bestens aus!“
Als ihm aber eine Fledermaus entgegen kam, erschrak er so sehr, dass er gegen einen Stützpfosten stolperte. Da dieser sehr morsch war, brach er innerhalb weniger Sekunden und die Decke über Weezl lockerte sich. Doch bevor die Steine auf ihn fallen konnten, schubste Raine ihn zur Seite. Weezl und Raine mussten husten von dem Staub, der aufgewirbelt worden war.
„Bist du in Ordnung?“, fragte Raine.
Weezl nickte.
„Gut. So wie es aussieht, sind wir hier eingeschlossen. AU!“, rief Raine als sie ihre linke Hand bewegte.
„Hast du dir was getan?“, fragte Weezl beunruhigt.
„Anscheinend habe ich mir die linke Hand gebrochen…“
„Tut mir Leid! Es ist alles meine Schuld… Du hattest mich doch gewarnt, vorsichtig zu sein…“, sagte Weezl und er fing an, zu weinen.
„Ach was, halb so schlimm!“, versuchte Raine ihn aufzumuntern.
„Alle werden verletzt, wenn sie in meiner Nähe sind! Mama und Papa auch… Bei einem Bürgerkrieg haben sie mich beschützen wollen… Manchmal denke ich, es wäre das Beste, wenn ich auch sterben würde…“
„Du spinnst wohl! Mein Vater ist auch tot, meine Mutter ist danach verrückt geworden und denkt jetzt, dass ich eine Puppe wäre, aber trotzdem will ich nicht sterben! Ich lebe weiter, für meine Eltern, meinen Bruder und meine Freunde! Und das Gleiche solltest du auch tun, verstanden?!“, fragte Raine wütend.
Weezl nickte ein wenig eingeschüchtert.
„Braver Junge! Hmm… Wie kommen wir jetzt hier bloß wieder raus?“, wollte Raine wissen.
„Es gibt keinen anderen Ausgang… Das war der einzige… Wir sind verloren…“, schluchzte Weezl.
Raine wollte ihn schon wieder wütend zurechtweisen, aber sie entschloss sich dann, ihn in den Arm zu nehmen und ihm gut zuzureden, da sie meinte, dass er das jetzt eher gebrauchen konnte.
„Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben! Die anderen werden nach uns suchen, wenn wir zu lange wegbleiben.“
„Aber…“
„Schhhhh.“
Sie saßen einfach nur an die Wand angelehnt da, Weezl in Raines rechtem Arm. Nach einer Weile schliefen beide ein.
Signatur
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!
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Kapitel 5: Raine und Juell
Kijon ging nervös umher. „Wo bleiben die beiden denn?“
„Ich habe es gewusst! Ich hätte mitgehen sollen!“, ärgerte sich Genis.
„Ich werde mit den Bürgern eine Suchaktion starten. Wir werden die beiden schon finden!“, meinte Kijon und ging los, um die Bürger zusammenzurufen.
Die anderen folgten ihm, nur Kratos und Lloyd blieben zurück, um zu schauen, ob die beiden vielleicht doch noch zum Haus zurückkamen. Kratos kam eine Idee.
„Vielleicht…“, murmelte er und holte eine der Beeren aus seiner Tasche.
„Ist das eine dieser Beeren, die du aus Derris-Kharlan hast?“, fragte Lloyd.
Kratos nickte. „Ich weiß nicht genau, ob es funktioniert, aber vielleicht zeigt sie mir ja, wo Raine und Weezl sind.“
„Na dann… Vielleicht funktioniert es ja wirklich…“
Kratos aß die Beere und wieder einmal verzog er das Gesicht auf Grund der Bitterkeit. Er fiel wie letztes Mal in Ohnmacht.
Er sah Raine und Weezl an eine Wand gelehnt, beide schliefen. Anscheinend war ein Gang eingestürzt. Das bedeutete wohl, dass sie in der Mine waren. Die Frage war nur, wie er jetzt aufwachen sollte. Beim letzten Mal waren einige Stunden vergangen, allerdings hatte er da auch mehrere Beeren gegessen. Letztendlich blieb ihm nichts übrig, als zu warten. In der Zwischenzeit fragte er sich, was genau ihm die Beeren immer zeigten. Das, was er sehen wollte? Aber beim letzten Mal wollte er weder Raine noch die Ruine oder den Kristall sehen, zumindest nicht bewusst. Zeigten sie ihm zufällige Bilder? Auch das konnte nicht sein, denn es konnte kein Zufall sein, dass er diesmal genau das sah, was er sehen wollte. Oder zeigten ihm die Beeren immer Raine? Aber warum sollte das so sein? (Ja, warum wohl? Weil ich die Autorin bin, deswegen! XD)
Kratos konnte nicht weiter darüber nachdenken, denn endlich wachte er auf. Es war nur ungefähr eine halbe Stunde vergangen.
„Na endlich! Du bist aber auch durch nichts aufgewacht! Ich dachte schon, du wachst nie mehr auf!“, rief Lloyd erleichtert.
„In der Mine. Sie sind in der Mine! Such die anderen und gib ihnen Bescheid! Ich werde schon mal zur Mine rennen!“
„Was, wie, wo? Sie sind in der Mine? In Ordnung!“, meinte Lloyd.
„Raine! Weezl!“, rief eine Stimme und die beiden wachten auf.
„Kratos? Wir sind hier!“, antwortete Raine.
„Ich werde jetzt anfangen, die Steine von oben wegzunehmen, so dass das Ganze nicht wieder einstürzt!“, rief Kratos.
„Aber wie willst du das machen? Die oberen Steine liegen immerhin ungefähr zwei Meter hoch!“, meinte Weezl.
„Wozu habe ich Flügel?“, meinte Kratos ruhig.
„Flügel?“, fragte Weezl.
„Ja. Kratos ist ein Engel von Cruxis. Daher hat er Flügel“, erklärte Raine.
„Er ist ein Engel?! Ich glaube, ihr wollt mich auf den Arm nehmen…“
„Wenn du mir nicht glaubst, dann überzeuge dich doch gleich selber!“, meinte Raine ein wenig genervt.
Sie hörten, wie Steine auf den Boden fielen und bald waren die obersten Steine weg.
„Dad! Hier sind wir!“, rief Lloyd.
„Ihr kommt spät. Ich bin gleich so weit, dass ich die beiden herausfliegen kann!“, meinte Kratos.
„Unglaublich! Unfassbar! Einfach unmöglich!“, rief Kijon irritiert und traute seinen Augen kaum.
Auch den anderen Bürgern ging es nicht anders.
Als Kratos Raine und Weezl herausgeflogen hatte, musste er sich erst einmal ausruhen.
„Und, glaubst du jetzt, dass er ein Engel ist?“, fragte Raine Weezl.
Da dieser Kratos’ blaue Flügel nun mit eigenen Augen gesehen hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu akzeptieren.
„Weezl! Dafür, dass du so viel Unheil angerichtet hast, bekommst du einen Monat Hausarrest!“, rief Kijon wütend.
„Ja…“, murmelte Weezl traurig.
„Sie… ähm… du solltest nicht so hart zu ihm sein. Es war einfach eine Zusammenreihung von unglücklichen Umständen!“, meinte Raine erschöpft.
„Nun, vielleicht hast du Recht…“, sagte Kijon.
„Raine! Ich lasse dich nie wieder alleine irgendwohin gehen! Immer passiert dir etwas, wenn du alleine bist!“, rief Genis ein wenig aufgebracht, aber größtenteils war er erleichtert und umarmte seine Schwester.
Nachdem Raines Hand, die doch nur verstaucht war und Kratos’ Hände, die er sich durch die vielen Steine aufgerissen hatte, verarztet waren, gingen alle ins Bett. Da sie so viele waren, wurden sie natürlich in verschiedene Häuser gebracht. Ein Gasthaus gab es natürlich nicht, da es keine Reisenden gab.
Der nächste Morgen brach schnell an. Die Sonnenstrahlen brachen durch die Kronen der Bäume und die Vögel zwitscherten fröhlich. Ein leichter Wind ließ die Blätter rascheln. Raine stand einfach nur da und genoss die Ruhe, die jäh unterbrochen wurde, als Weezl ihr etwas zurief: „Raine! Das Frühstück ist fertig! Wir frühstücken mit allen Bürgern!“
„In Ordnung…“, seufzte Raine und weckte Genis.
Dieser war noch ganz verschlafen. „Was, ist schon morgen? Ich bin doch gerade erst eingeschlafen!“ Er gähnte herzhaft und rieb sich die Augen. Er ging nach draußen und wäre beinahe acht Meter gefallen, wenn er sich nicht noch hätte festhalten können. Er und Raine hatten in einem der Baumhäuser übernachtet, was Genis ganz und gar nicht gefallen hatte, denn es hatte sich herausgestellt, dass er unter Höhenangst litt. Überhaupt war er nur nach oben gelangt, weil Colette ihn herauf geflogen hatte. Die Bürger waren schon so verwundert, dass sie bald gar nichts mehr überraschte.
„Genis, das war aber knapp!“, rief Raine und half ihrem Bruder wieder auf die Plattform.
„Ich hatte ganz vergessen, dass wir so weit oben sind…“, meinte dieser und hielt sich panisch an Raine fest.
„Beruhige dich doch, Genis. Du kletterst jetzt Stück für Stück die Leiter hinab, in Ordnung?“
„Nichts ist in Ordnung! Ich kann mich vor lauter Angst kein bisschen bewegen!“, rief Genis.
„Also gut, das ist wohl wieder eine Aufgabe für Colette…“, sagte Raine und fing an, die Leiter hinabzuklettern.
„Raine! Lass mich hier nicht allein!“, schrie Genis panisch.
„Ich bin gleich wieder da!“, rief Raine und rannte davon.
„Raine…“, murmelte Genis.
Warum habe ich eigentlich Höhenangst? Warum schaffe ich es nicht, diese Leiter herunterzuklettern? Ich muss das Schaffen! Mit den Rheairds kann ich immerhin auch fliegen, ohne dass ich Angst habe…
Zitternd stand Genis auf. Schwankend ging er zur Leiter und stellte sich vor, der Boden wäre nicht weit entfernt. Stufe für Stufe kletterte er nach unten. Er war zwar langsam, aber er kam voran.
„Es klappt!“, rief er erfreut.
Doch dann tat er etwas, was er besser nicht getan hätte: Er schaute nach unten. Sofort wurde ihm schwindelig und er verlor seinen Halt.
„AAH!!!“, schrie er, als er fiel.
Er wartete auf den harten Aufprall, aber dieser kam nicht. Erst jetzt merkte er, dass jemand ihn aufgefangen hatte.
„Kratos!“, sagte Genis überrascht.
„Hmpf. Pass das nächste Mal besser auf“, war alles, was dieser dazu sagte.
„Genis! Geht es dir gut? Du solltest doch warten!“, rief Raine besorgt.
„Mir geht es gut, dank Kratos!“
„Danke, Kratos! Vielen Dank!“, rief Raine erleichtert.
„Hmpf.“
„So wie es aussieht, haben wir einen Helden unter uns“, meinte Kijon.
„Ich bin kein Held“, sagte Kratos resigniert.
„Ach komm schon, Kratos! Sei nicht so bescheiden! Stell dir nur einmal vor, wie die Mädchen auf dich fliegen würden, wenn du von deinen Heldentaten erzählen würdest! Natürlich solltest du den großen Zelos nicht vergessen“, rief Zelos, woraufhin er eine Kopfnuss von Sheena verpasst kam.
„Warum sollte er dich erwähnen? Du hast doch gar nichts getan! Außerdem ist Kratos nicht so wie du und gibt mit irgendwelchen Sachen vor Mädchen an!“, meinte sie.
„Raine, Genis, bleibt ihr jetzt für immer in Ayshal?“, fragte Weezl beim Frühstück.
„Ich fürchte, das wird nicht gehen… Ich muss noch eine Aufgabe erfüllen… Und danach werde ich wieder in Iselia unterrichten. Aber wir werden dich oft besuchen kommen!“, meinte Raine.
„Ich komme nur, wenn ich nicht wieder in einem Baumhaus übernachten muss!“, sagte Genis ernst und alle mussten lachen.
„Was ist das denn für eine Aufgabe, von der du gesprochen hast?“, fragte Kijon.
„Es sind Dämonen aufgetaucht. So wie es aussieht, bin ich die Einzige, die sie besiegen kann, weil ich eine Dämonenjägerin bin“, erzählte Raine und zeigte ihre rechte Hand, auf der die schwarzen Runen zu sehen waren.
„Unglaublich! Dass ich noch eine echte Dämonenjägerin zu sehen bekomme! Dass es auch noch die letzte ist und meine Enkelin! Einfach unfassbar!“, rief Kijon und schüttelte den Kopf.
„Der eigentliche Grund, warum wir hier sind, ist die Kleidung einer Dämonenjägerin“, sagte Kratos.
„Ja, die könnt ihr haben! Sie wurde schon seit Generationen in unserer Familie vererbt, aber es wurde nie ein Grund genannt, warum. Anscheinend war es die Kleidung einer Vorfahrin von mir. Moment, wenn ich mich recht erinnere, war ihr Name Juell…“
„Wieso wundert mich das jetzt nicht…“, murmelte Raine.
„Das war zu vermuten, da Raine genauso aussieht wie Juell. Ich würde sogar sagen, sie ist ihre Wiedergeburt“, sagte Kratos.
„Woher willst du wissen, wie diese Juell ausgesehen hat?“, fragte Weezl.
„Wir sind zusammen aufgewachsen.“
„Kratos, du musst auch schon alles sagen! Sie war seine Verlobte!“, platzte Zelos heraus.
Weezl nickte. „Okay. Ich frage schon nicht mehr, wen du noch alles kanntest und wer noch mit dir verwandt war… Die Informationen, die ich bis jetzt bekommen habe, reichen vollkommen aus, um mich zu verwirren…“
„Raine, würdest du dann mitkommen?“, bat Kijon und ging mit ihr zu dem Ort, wo er die Kleidung von Juell aufbewahrte.
Die anderen warteten auf Raine und unterhielten sich.
„Wisst ihr, was ich mich die ganze Zeit schon frage?“, fragte Genis die anderen.
„Nein, aber ich denke, du wirst es uns gleich mitteilen!“, meinte Lloyd.
„Warum ist eigentlich nur Raine eine Dämonenjägerin? Ich bin doch immerhin ihr Bruder, müsste ich dann nicht auch ein Dämonenjäger sein?“, fragte Genis.
„Nein, nicht unbedingt. Nur auserwählten Personen wird die besondere Magie der Dämonenjäger vererbt. Wer das ist, kann man vorher nicht sagen“, erklärte Kratos.
„Ach so… Das heißt, es hätte auch mich treffen können?“, fragte Genis.
„Schwer zu sagen. Raine ist vermutlich die letzte Dämonenjägerin und wahrscheinlich ist sie das auch nur, weil das Schicksal sie für diese Rolle ausgewählt hat.“
„Ja, wahrscheinlich…“, seufzte Genis. Er war eigentlich ganz froh, dass Raine diese Rolle bekommen hatte und nicht er.
Etwas weiter entfernt unterhielten sich Sheena, Zelos, Regal und Presea.
„Wenn Juell die Vorfahrin von Raine ist, dann bedeutet das doch, dass Juell Kinder gehabt haben muss, oder?“, fragte Sheena.
„Das würde ich doch mal ganz stark vermuten!“, sagte Zelos als wäre es etwas, das auch ein kleines Kind wüsste.
Sheena warf ihm einen kurzen genervten Blick zu. „Was mich nur interessieren würde, ist, wer dann der Vater ihrer Kinder war!“
„Du denkst, es war Kratos, oder?“, fragte Regal.
Sheena nickte. „Es wäre doch möglich… Aber das würde auch bedeuten, dass Kijon, Weezl, Genis und Raine Nachfahren von Kratos wären!“
„Aber hätte er das dann nicht schon gesagt?“, fragte Presea.
„Er hat uns den ganzen anderen Kram doch auch verschwiegen, bis wir es mehr oder weniger per Zufall erfahren haben!“, bemerkte Zelos.
„Ich frag ihn einfach mal!“, sagte Presea und ging zu Kratos hin.
„Nein, warte!“, riefen Sheena, Zelos und Regal im Chor und folgten ihr.
Allerdings konnten sie Presea nicht mehr aufhalten, ihre Frage zu stellen.
„Kratos, hattest du Kinder mit Juell?“
„Nein.“
„Aber woher willst du das wissen? Vielleicht war sie ja schwanger, als du sie verlassen hast!“, wandte Sheena ein.
„Nein, wohl kaum…“, sagte er lachend, „Ich war 10 Jahre alt und sie 12 Jahre, als ich Ayshal verlassen musste.“
„Ihr wart noch so jung und schon verlobt?“, fragte Lloyd verwundert.
„Ja. Unsere Eltern hatten schon alles geplant, als wir noch kleine Kinder waren.“
„Aber wie lange warst du denn weg?“, fragte Zelos.
„Eigentlich sollte ich überhaupt nicht mehr nach Ayshal kommen… Aber nach sechs Jahren habe ich es doch geschafft, die Stadt unbemerkt zu betreten. Aber dann erfuhr ich von meiner Schwester, dass Juell gestorben war… An der Epidemie, die meine Schwester nach ein paar Monaten dann endlich heilen konnte…“
„Und wieso solltest du Ayshal nie wieder betreten?“, fragte Regal.
„Ich weiß es nicht mehr. Meine Schwester hat mich in einer Nacht nach draußen geschmuggelt und gesagt, ich könne hingehen wo ich wolle, aber ich dürfe unter keinen Umständen zurückkehren… Was ich ja letztendlich doch getan habe“, erklärte Kratos.
„Dann ist der Vater von Juells Kindern also jemand Unbekanntes…“, seufzte Sheena.
„Aber wenn Juell zwölf war, als du sie das letzte Mal gesehen hast, warum musstest du dann sofort an sie denken, als du die Zeichnung auf der Schriftrolle gesehen hast?“, fragte Lloyd.
„Sie sah damals fast schon so aus wie Raine jetzt. Ein wenig kleiner und jünger natürlich.“
In diesem Moment kam Kijon aus seinem Haus.
„Ich hatte die Truhe mit der Kleidung doch so gut versteckt, dass ich sie selber fast nicht mehr gefunden habe!“, lachte er.
„Du wirst einfach alt, Großvater!“, meinte Weezl kopfschüttelnd.
„Du kommst auch noch in dieses Alter!“, versprach Kijon.
„Und wo ist Raine?“, fragte Genis.
„Die zieht sich um.“
Zelos schlich sich unbemerkt um das Haus und suchte nach einem Fenster, wobei er natürlich nur wenig Erfolg hatte.
„ZELOS, DU SPANNER!!!“, schrie Sheena, die Zelos bemerkt hatte und beschwor Undine, die Zelos mit ihrem Wasserschwert angriff.
„AAH!!! Ich habe nichts gesehen, ich schwöre!“, schrie dieser, während er vor Undine davon lief.
In diesem Moment ging die Tür auf und Raine trat aus dem Haus. Bei ihrem Anblick fielen den Leuten die Kinnladen nach unten. Sie trug ein bauchfreies rosarotes Top, auf dem in schwarz die gleichen Runen abgebildet waren wie auf ihrer Hand und eine türkisfarbene Hose, die aus einem luftigen Stoff bestand. Die Schuhe waren aus einem hellen Leder und waren an der Spitze leicht gewölbt. Außerdem trug sie einen goldenen Reif um den Hals und halbmondförmige Ohrringe. Ihre weißen Haare, die in dem letzten halbem Jahr ziemlich gewachsen waren, hatte sie hochgesteckt. Aber es war nicht nur ihr Aussehen, was den Betrachtern den Atem raubte, sondern auch ihre Anmut und Eleganz.
„Das kann nicht Raine sein!“, murmelte Genis und schüttelte den Kopf.
„Aber sie ist es“, sagte Lloyd.
„Schau dir ihre Augen an! Das kann nicht Raine sein!“
Ihre Augen waren nicht mehr blau, sondern smaragdgrün.
„Stimmt… Das ist echt komisch…“, sagte Lloyd.
Kratos starrte Raine unablässig an. Er wusste, warum Raine auf einmal grüne Augen hatte. Aber wirklich erklären konnte er es sich nicht.
„Kratos… Endlich seh ich dich wieder…“, sagte Raine.
Spätestens jetzt hatte jeder die Ahnung, dass die Frau in ihrer Mitte nicht mehr Raine war, denn ihre Stimme klang anders, erfahrener und trauriger.
„Juell…“, flüsterte Kratos.
Dann rannte Raine, besser gesagt Juell, auf Kratos zu und umarmte ihn heftig.
„KRATOS!!! Wie habe ich dich vermisst!“, rief sie begeistert und wollte ihn gar nicht mehr loslassen. Zumindest tat sie so.
„Ich freu mich auch, dich zu sehen, Juell… Aber wie kommt es, dass du… Ich meine… du bist doch tot, oder nicht?“, fragte Kratos ein wenig verwirrt.
„Natürlich bin ich tot. Aber die Kleidung hat ein wenig von mir gespeichert. Und als Raine die Kleidung anzog, habe ich die Kontrolle über ihren Körper übernommen“, log Juell.
Dass sie schon seit geraumer Zeit in Raines Körper war, war eine Sache, die sie besser nicht erzählte.
„Gib mir meine Schwester zurück!“, rief Genis aufgebracht.
„Nun mach dir mal nicht in die Hosen, Knirps! Unglücklicherweise kann ich immer nur für eine kurze Zeit die Kontrolle über Raines Körper übernehmen und die Dauer ist auch immer unterschiedlich“, erklärte Juell.
Sie fing an, leicht zu schwanken.
„Anscheinend ist die Zeit jetzt vorbei…“, murmelte sie. „Ich hoffe, ich sehe dich bald wieder, Kratos…“
Dann schloss sie die Augen und küsste ihn. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie erschrocken aus.
„Juell, solltest du das noch einmal mit meinem Körper machen, überlasse ich dir nie wieder die Kontrolle!“, rief Raine, die Juell erlaubt hatte, den Platz mit ihr zu tauschen.
Haha! Egal ob du es willst oder nicht, ich kann jederzeit die Kontrolle über deinen Körper bekommen! Abgesehen davon musste ich mich doch von Kratos verabschieden!
Diese Worte konnte allerdings nur Raine hören.
„Dann werde ich die Kleidung eben ausziehen! Dann kannst du meinen Körper auch nicht kontrollieren!“
Zieh die Kleidung doch ruhig aus! Das nützt dir sowieso nichts, denn ich kann auch ohne diese Kleidung in deinem Körper bleiben. Aber wie du die Dämonen ohne diese Kleidung besiegen willst, ist mir ein Rätsel…
„Ich habe den ersten Dämonen auch ohne diese Kleidung besiegt!“
„Ähh… Raine?“, fragte Genis und schaute seine Schwester ein wenig verwirrt an.
„Lass sie, sie redet vermutlich gerade mit Juell“, erklärte Kratos.
„Aber wie soll das gehen?“, fragte Regal.
„Raine kann wahrscheinlich Juells Stimme in ihrem Kopf hören.“
Du hast den Ersten mit mehr Glück als Verstand besiegen können. Außerdem hat dir Kratos geholfen, sonst wärst du wahrscheinlich nie darauf gekommen, einfach mal deine angeborenen Kräfte einzusetzen!
„Ach, sei einfach ruhig und lass mich in Ruhe!“, rief Raine wütend.
Hm… Gut. Aber bitte mich dann nicht darum, dir zu helfen, wenn du in Schwierigkeiten bist.
„Deine Hilfe brauche ich sowieso nicht!“ (Nana, so ganz stimmt das aber nicht, Raine XD)
„Nun, sie scheinen sich nicht gut zu verstehen…“, meinte Lloyd.
„Sie werden sich schon aneinander gewöhnen. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig“, sagte Kratos.
„Jetzt haben wir diese blöde Kleidung! Was machen wir jetzt?“, fragte Raine genervt.
„Wir werden nach den restlichen Dämonen suchen“, erklärte Kratos.
„Wunderbar! Ich hoffe, dieser Alptraum ist bald mal zu Ende!“, rief Raine und stapfte davon, um ihre restlichen Sachen aus dem Baumhaus zu holen.
„Also diese Juell war wirklich eleganter…“, meinte Zelos.
„Halt den Mund, Zelos!“, rief Sheena, die verstehen konnte, dass das Ganze nicht leicht für Raine war.
„Brecht ihr jetzt schon auf?“, fragte Weezl traurig.
„Ich fürchte schon… Raine will das so schnell wie möglich hinter sich bringen…“, seufzte Genis.
„Ich werde euch vermissen…“, meinte Weezl.
„Wir kommen dich ganz oft besuchen, versprochen!“, sagte Genis.
„Ich wäre dann so weit. Vielen Dank für alles!“, sagte Raine und umarmte Kijon und Weezl.
„Ach, nicht der Rede wert! Immerhin seit ihr beiden meine Enkelkinder!“, meinte Kijon und sah dabei Genis und Raine an.
„Dann lasst uns gehen“, murmelte Kratos.
Diesmal konnten sie einfach nach draußen gehen, denn der Zauber musste nur gebrochen werden, wenn sie die Stadt betreten wollten.
„Wartet. Ich finde, wir sollten uns aufteilen. Dadurch sparen wir Zeit!“, meinte Raine.
Was sind wir heute mal wieder witzig! Du bist die Einzige, die die Dämonen besiegen kann, schon vergessen?
„Aber Raine, du bist die einzige, die die Dämonen besiegen kann!“, sagte Zelos.
„Sei still!“, rief Raine, woraufhin Zelos ganz ruhig blieb, obwohl das eigentlich an Juell gerichtet war.
„Wow. Du lernst schnell, Raine!“, lachte Sheena. „Hm… Aber ich frage mich auch, wie du das machen willst…“
„Natürlich bin ich die Einzige, die die Dämonen besiegen kann. Aber ihr könntet zum Beispiel herausfinden, wo sich die Dämonen befinden. Und Rya könnte mit ihrer Flöte die Dämonen einschläfern, falls ihr in einen Kampf verwickelt werdet. Damit sparen wir einige Zeit, vorausgesetzt, die Dämonen wechseln nicht ihren Aufenthaltsort…“, meinte Raine. (Eigentlich total schwachsinnig, aber ich brauchte einen Grund, um die Gruppe in zwei aufzuteilen… Mit so vielen ist das immer blöd, da kommt immer nur die Hälfte dazu, was zu sagen XD)
„Hmpf. Also zwei Gruppen?“, fragte Kratos, dem das ganze anscheinend ziemlich egal war.
„Ja.“
„Dann würde ich sagen… hmm…“, überlegte Lloyd. „Also vielleicht sollte man…“
„Wir machen einfach eine Sylvarant- und eine Tethe’alla-Gruppe, das ist das Einfachste! Zur Sylvarant-Gruppe gehören natürlich Lloyd, Colette, Genis, Raine und Kratos und zur Tethe’alla-Gruppe Sheena, Rya, Presea, Regal und ich“, meinte Zelos.
„Wow! Ich hätte ja nicht gedacht, dass von dir auch noch mal sinnvolle Beiträge kommen können!“, rief Sheena erstaunt.
„Wie verständigen wir uns denn?“, fragte Genis.
„Kommunizieren könnten wir über den Brieftaubendienst. Das einzige Problem ist nur, dass wir nie wissen, wo sich die Gruppe gerade befindet… Vielleicht sollten wir einfach Orte festlegen, wo die Nachricht hingeschickt werden soll. Bei der Sylvarant-Gruppe wäre es vielleicht am praktischsten, die Nachricht zu Dirk zu schicken“, sagte Raine. (Eigentlich ebenfalls schwachsinnig XD)
„Und bei uns könnte die Nachricht zu meinem Butler geschickt werden“, meinte Zelos.
„Also gut! Dann kann es ja losgehen!“, rief Lloyd begeistert.
So teilten sie sich auf. Die Gruppen suchten in dem Teil der Welt entsprechend ihrem Namen.
Lloyds Gruppe flog als Erstes nach Iselia. Sie hatten sich vorgenommen, erst einmal die Städte abzufliegen. Auf dem Weg nach Iselia schien die Sonne und es war durch und durch schönes Wetter. Aber als sie in die Nähe von Iselia kamen, fing es an wie aus Kübeln zu gießen.
„Das ist ja komisch…“, meinte Genis, der schon nach wenigen Sekunden total durchnässt war. „Eben hat die Sonne doch noch geschienen.“
Ein Dämon ist in der Nähe!
„Woher willst du das wissen?“, fragte Raine.
„Woher ich das wissen will? Raine, hast du die Sonne eben nicht gesehen?“, fragte Genis ein wenig irritiert. (XD)
„Dich meinte ich doch gar nicht! Ich rede mit Juell!“
„Ach so…“
Jeder Dämon hat eine andere Eigenschaft. Jeder kann auf seine eigene Art das Wetter beeinflussen. Deswegen wehte in Nyhaim kein Wind, bis ihr den Dämon besiegt hatte. Übrigens bedeutete das Zeichen auf seinem Bauch ‚Loh Sou’, was Windstille bedeutet.
„Woher weißt du das mit Nyhaim überhaupt?“, fragte Raine.
Du bist wie ein offenes Buch für mich, Raine. Ich kann nicht nur deine Gedanken lesen, sondern auch deine Erinnerungen.
„Oh… Toll…“, sagte Raine weniger begeistert.
Dieser Dämon jedenfalls bewirkt anscheinend den Regen, deswegen wird es sich bei ihm wohl um Rin Tor handeln, da ‚Rin Tor’ Regentropfen bedeutet.
„Verstehe… Kannst du auch sagen, wo genau sich der Dämon befindet?“
Bin ich euer Dämonenradar oder was? Ich habe keine Ahnung!
„Ist ja gut, war ja nur eine Frage…“
„Was hat sie gesagt?“, fragte Colette.
„Ein Dämon ist in der Nähe. Anscheinend können die Dämonen das Wetter beeinflussen, jeder auf eine andere Art. Der Dämon in Nyhaim zum Beispiel hat eine Windstille verursacht, deswegen hieß er auch Loh Sou. Der Dämon hier verursacht, wie man unschwer erkennen kann, Regen, weswegen es sich um Rin Tor, was Regentropfen bedeutet, handeln muss“, erzählte Raine.
„Dann sollten wir vielleicht die Einwohner fragen, ob sie etwas Ungewöhnliches bemerkt haben“, meinte Lloyd.
Doch anscheinend hatte niemand einen Dämon oder sonst etwas Ungewöhnliches bemerkt – vom Regen, der einfach nicht aufhören wollte, einmal abgesehen.
„Hoffentlich hört es bald auf, zu regnen. Die ganze Ernte wird ansonsten weggespült“, sagte Phaidra, Colettes Großmutter.
Die Gruppe hatte sich entschlossen, bei ihr Tee zu trinken, um sich erst einmal aufzuwärmen und um auch wieder trocken zu werden.
„Außerdem werden viele krank werden, wenn sie bei diesem Wetter zu lange draußen bleiben. Das wird die Ärzte natürlich freuen, da bekommen sie schön viel Geld!“, meinte Frank.
„Wenn wir nur wüssten, wo sich der Dämon aufhält… Wir werden ihn wohl suchen müssen…“, seufzte Raine.
„Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe so das Gefühl, dass sich der Dämon in dem Tempel von Martel aufhält…“, bemerkte Genis.
„Der Tempel… Das könnte ein gutes Versteck für den Dämon sein! Wir sollten gleich nachschauen!“, rief Raine und lief nach draußen.
„Raine! Nun warte doch! Wir sind ja nicht einmal richtig trocken!“, meinte Genis.
„Ihr könnt ja hier bleiben! Die Arbeit muss sowieso ich erledigen!“
Im nächsten Augenblick war sie auch schon verschwunden.
„Warte! Ich lasse dich nicht noch einmal alleine irgendwohin gehen!“, rief Genis und rannte ihr hinterher, aber auf dem matschigen Boden rutschte er aus.
„Igitt!“, murmelte er und rieb den Schlamm aus seinem Gesicht. „Mist! Ich kann nichts sehen, der Regen ist zu dicht!“
„Genis! Komm wieder rein, sonst erkältest du dich noch!“, meinte Lloyd.
„Aber was ist mit Raine?“
„Sie wird schon zurechtkommen. Abgesehen davon ist der Regen zu dicht. Wir müssen also sowieso warten, bis er wieder ein wenig nachgelassen hat.“
Genis seufzte. „Ihr wird wieder was passieren, da bin ich mir sicher…“
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Kapitel 6: Was ist mit Raine los?
Denkst du nicht, dass du dich ein wenig übernommen hast?
„Nein, warum? Ich bin doch sowieso die Einzige, die den Dämon besiegen kann, warum sollten die anderen also mitkommen?“, fragte Raine, die an einen Baum angelehnt stand.
Auch sie konnte in dem dichten Regen nichts sehen und hatte deswegen erst einmal angehalten. Sie fror schrecklich. Sie hätte sich noch etwas Wärmeres anziehen sollen, vor allem etwas, was den Regen besser abhielt. Denn die Kleidung der Dämonenjägerin war nur aus dünnem Stoff, der sofort an ihrem Körper klebte.
Sie können dir vielleicht nicht direkt helfen, aber sie hätten zum Beispiel den Dämon ablenken können.
„Ich schaff das schon!“, meinte Raine.
Deinen Optimismus hätte ich gerne… (Dein Wunsch ist mir Befehl, Juell XD) Du weißt, dass du die letzte Dämonenjägerin bist und damit die Einzige, die die Dämonen besiegen kann? Du solltest nichts überstürzen! Stirbst du, stirbt auch die letzte Hoffnung für diese Welt!
„Keine Angst, ich habe nicht vor, jetzt schon zu sterben!“
Ha! Ich fürchte, das haben nur die wenigsten vor…
Langsam ließ der Regen nach und Raine rannte weiter zum Tempel von Martel. Immer wieder lief sie kleinen Monstern über den Weg, die sie aber mit nur einer Attacke besiegen konnte. Als sie vor dem Tempel stand hörte sie ein lautes Schnarchen. Umsichtig trat sie ein. Ihre Vermutung war, dass sich Rin Tor in dem Raum mit dem Siegel befand. Und ihre Vermutung bestätigte sich. Auf dem Boden zusammengerollt lag der Dämon namens Rin Tor, der diesen andauernden Regen verursachte. Seine lockigen, hellblauen Haare umrahmten sein Gesicht und ließen ihn noch unschuldiger aussehen. Deutlich konnte Raine den ovalen, blauen Stein auf seiner Stirn sehen.
„Siehst du, er schläft. Also kann ich ihn ganz leicht besiegen!“, flüsterte Raine.
Ich habe gar nicht gewusst, dass du so hinterhältig bist. Er hat ja nicht einmal die Chance, sich zu wehren!
„Jetzt rede mir nicht ins Gewissen! Er muss besiegt werden!“
Ich habe ja auch nicht gesagt, dass er nicht besiegt werden muss! Aber weck ihn doch erst einmal!
„Argh! Spar dir deine Ratschläge! Ich werde jetzt meine Magie einsetzen!“, rief Raine, woraufhin Rin Tor aufwachte.
Verschlafen rieb er sich die Augen und schaute Raine uninteressiert an.
„Musst du so einen Lärm machen? Ich will weiterschlafen…“, murmelte er und die Augen fielen ihm langsam wieder zu.
Okay. Jetzt darfst du angreifen, er hat seine Chance gehabt…
„Ja, allerdings…“, murmelte Raine.
Sie entspannte sich und wurde ganz ruhig. Sie spürte, wie Kraft sie durchströmte.
„Tarim syrax faboyo, sen danave mana ju wedin firmo ko sen sileve murix alic tromium!”, rief sie und wie letztes Mal schoss ein Lichtblitz in den unterschiedlichsten Farben auf den blauen Stein auf der Stirn des Monsters zu. Dabei fingen die Runen auf ihrer Hand an, zu leuchten. Der Stein zersplitterte, aber Rin Tor schien von allem gar nichts mitzubekommen, er schlief weiter, bis er sich in Asche auflöste.
„Also das war jetzt doch fast zu einfach…“, meinte Raine ein wenig enttäuscht.
Sei froh drum! Immerhin musst du noch sechs weitere besiegen! Die werden mit Sicherheit nicht solche Schlafmützen sein wie dieser hier.
„Da hast du wohl Recht…“
Als Raine nach draußen ging, hatte der Regen aufgehört und die Sonne schien wieder.
„Raine!“, rief Genis, der auf sie zu gerannt kam. „Du hast es geschafft!“
„Ja, natürlich! Was hast du denn gedacht?“, fragte Raine fröhlich.
„Ich hatte ehrlich erwartet, dass dir wieder etwas passiert!“
„Du machst dir viel zu viele Sorgen. Wie du siehst bin ich unverletzt.“
„Aber nächstes Mal wartest du wieder auf uns, verstanden?“, fragte Genis, wobei es eher wie ein Befehl klang.
„Ja, natürlich…“
„Sie sollten sich erst einmal etwas Anderes anziehen, Professor, sonst erkälten Sie sich!“, riet Lloyd.
„Ja, du hast Recht“, sagte Raine, die vor Kälte zitterte und deren Kleidung und Haare so sehr tropften, dass sich unter ihren Füßen schon eine Pfütze gebildet hatte.
Sie gingen wieder zu Phaidra und Frank, wo Raine und die anderen Suppe aßen, um etwas Warmes in den Magen zu bekommen. Raine hatte nicht nur trockene Kleidung an, sondern war noch in unzählig viele Decken gewickelt, so dass sie sich kaum bewegen konnte. Phaidra hatte es wohl ein wenig zu gut gemeint.
„Wann holen wir eigentlich den Kristall vom Forschungsinstitut ab?“, wollte Lloyd wissen.
„Oh, stimmt ja! Der ist ja immer noch da…“, fiel Genis ein.
„Das Forschungsinstitut wird uns schon sagen, wenn sie mit den Untersuchungen fertig sind“, meinte Raine, die immer wieder gähnen musste.
„Raine, du solltest ins Bett gehen! Du bist doch müde!“, rief Genis.
„Ach was… Es ist doch noch früh am Abend…“, widersprach Raine gähnend.
„Keine Widerrede! Du gehst jetzt ins Bett!“, befahl Genis und zog seine Schwester am Arm.
„Aber…!“, protestierte Raine und ließ sich widerwillig von ihrem kleinen Bruder nach draußen schieben. (Die beiden schliefen in ihrem Haus)
„Manchmal frage ich mich, wer eigentlich das Kind und wer der Erwachsene von den beiden ist…“, murmelte Lloyd und kurz darauf traf ihn ein Buch am Kopf.
„Ich höre noch ganz gut!“, rief Raine verärgert, die in der Tür stand und von ihrem Bruder fast augenblicklich nach draußen geschoben wurde.
„Au…“, sagte Lloyd und rieb sich den Kopf.
Als Genis zurückkam, fragte Lloyd: „Was machen wir jetzt noch?“
„Ich lese jetzt noch ein Buch“, meinte Genis und hob das Buch auf, das Raine nach Lloyd geworfen hatte.
‚Antike Artefakte und andere Schätze’ war der Titel.
„Boah, Langweiler!“, meinte Lloyd und verdrehte die Augen. „Was machst du, Colette?“
„Ich helfe Vater und Großmutter beim Aufräumen.“
„Und du, Dad?“, fragte Lloyd und schaute sich verwirrt um. „Wo ist er denn hin?“
„Ich glaube, er ist nach draußen gegangen“, meinte Phaidra und räumte den Tisch ab.
„Toll… Und was mach ich jetzt?“, fragte Lloyd beleidigt.
Auch wenn Raine wirklich müde war, so hatte sie noch längst nicht vor, zu schlafen. Die Nacht war klar und die Sterne schienen diese Nacht besonders hell. Es ging ein leichter Wind, der aber nicht kalt war. Raine hockte sich an den Teich vor ihrem Haus hin und beobachtete die Fische, die man Dank des Mondscheins recht gut erkennen konnte.
„Ihr habt es gut… Ihr müsst keine Dämonen besiegen… Euch hat das Schicksal nicht mit einer solchen Aufgabe versehen…“, sagte sie zu den Fischen.
Warum hatte das Schicksal überhaupt sie ausgewählt? Einfach nur, weil es nun einmal ihre Bestimmung war? Mit dieser Antwort konnte sich Raine nicht abfinden.
Das wirst du aber müssen. Das mussten wir alle.
„Juell! Hast du mich erschreckt!“, rief Raine, die fast in den Teich gefallen war.
Sag bloß, du hattest mich vergessen! Ich bin immerhin die ganze Zeit bei dir!
„Ja, leider…“, flüsterte Raine.
Ich tu jetzt mal so, als hätte ich das nicht gehört…
„Warum gibt es die Dämonenjäger überhaupt?“
Ähh… Um Dämonen zu jagen, vielleicht?
„Das ist mir schon klar! Aber warum sind die Dämonen überhaupt aufgetaucht?“
Es gab einst einen Mann namens Goril, der böse Absichten hatte. Man konnte ihn nicht töten, da er unsterblich zu sein schien. Zudem erschuf er Dämonen als seine Diener. Diese konnten aber von den Dämonenjägern besiegt werden. Die Dämonenjäger waren eigentlich nur ganz normale Personen, die aber über sehr starke magische Fähigkeiten verfügten. Eine der ersten Personen, die über solche Fähigkeiten verfügte, war Tretch Rubb, einer meiner entfernten Vorfahren und damit auch einer deiner Vorfahren.
Als Raine sich bequem auf den Boden gelegt hatte, fuhr Juell fort und Raine hörte interessiert der Stimme in ihrem Kopf zu.
Er suchte nach anderen, die ebenfalls diese Magie einsetzen konnten und wurde auch fündig. So entstand eine kleine Gruppe Dämonenjäger. Aber Goril konnte die Dämonen immer wiedererwecken und so erkannte man, dass man die Dämonen nie endgültig würde vernichten können, solange ihr Meister sie zum Leben erwecken konnte. Da man Goril fast für unsterblich hielt, verloren die Leute die Hoffnung. Aber dem Sohn von Tretch, Dyax Rubb, der ebenfalls einer der Dämonenjäger war, kam die Idee, Gorils Seele zu versiegeln. Wir wissen zwar nicht, wie er es geschafft hat, aber letztendlich hat er Gorils Seele in einen Kristall versiegelt, verschwand darauf aber auf mysteriöse Art.
Raine fuhr erschrocken hoch, denn sie vermutete etwas, was ihr gar nicht gefiel. Aber Juell ließ ihr keine Zeit, irgendwelche Fragen zu stellen.
Der Kristall durfte nicht zerstört werden, da seine Seele sonst entkommen wäre und in seinen toten Körper zurückgekehrt wäre, der immer noch irgendwo auf dieser Welt liegt… Die Dämonenjäger waren dann in der Lage, die Dämonen zu besiegen. Danach gab es die Dämonenjäger nicht mehr im eigentlichen Sinne. Den Begriff ‚Dämonenjäger’ benutzte man eigentlich nur noch für die Personen, die über diese magischen Fähigkeiten verfügten. Natürlich jagten sie keine Dämonen mehr. Aber dafür schützten sie das normale Volk vor Monstern. Der Kristall jedenfalls wanderte von Person zu Person, denn keiner wollte ihn haben und keiner wusste, wo man ihn sicher aufbewahren könnte. Nach ein paar Generationen hatte man aber schon wieder vergessen, was es mit dem Kristall auf sich hatte und die verschiedensten Leute stritten sich um ihn, da er als ein Artefakt angesehen wurde… Letztendlich fiel er den Nachfahren Gorils in die Hände. Diese waren allerdings kein bisschen wie Goril und sahen ein, dass der Kristall sicher versteckt werden musste. Jetzt rate mal, was sie als Versteck für den Kristall genommen haben!
Raine, die immer blasser geworden war, sagte mit zittriger Stimme: „In der Ruine in der Nähe von Triet…“
Richtig. Der Kristall, den du gefunden hast, ist der Kristall, in dem Gorils Seele eingeschlossen ist.
„Wenn ich das gewusst hätte… Wenn ich gewusst hätte, was ich damit anrichte!“
Aber du hast es nicht gewusst. Und du konntest es auch nicht wissen.
„Aber sag mir, Juell, warum tauchen die Dämonen jetzt wieder auf?“, fragte Raine, die fast schon glaubte, die Antwort zu wissen.
Es ist das Zeichen, dass Gorils Rückkehr unmittelbar bevorsteht…
„Gibt es denn einen Weg, dies zu verhindern?“, fragte Raine bedrückt.
Nein… Dafür ist es zu spät… Man hätte es vielleicht verhindern können, aber…
„Das heißt, wir müssen einen Weg finden, diesen Goril zu besiegen…“
Ach, Raine! Ich fürchte, das wird der schwierigste Teil deiner Aufgabe sein!
„Ich glaube nicht daran, dass dieser Goril unsterblich ist! Ich werde ihn töten!“, rief Raine entschlossen.
Er ist auch nicht unsterblich, aber… Es wird trotzdem nicht leicht für dich werden…
„Egal wie schwer es wird, ich muss es schaffen! Ich habe uns diesen ganzen Schlammassel eingebrockt, also bade ich ihn auch wieder aus!“
Ach, Raine… Wenn ich dich doch nur warnen dürfte! Aber ich habe versprochen, mich nicht in das Schicksal einzumischen… Es liegt alles bei dir! Du wirst eine schwierige Entscheidung treffen müssen und selbst ich weiß nicht, wie du dich entscheiden wirst…
„Hm? Ist das nicht Kratos?“, fragte Raine leise, die eine Person entdeckt hatte, welche vor dem Schulgebäude stand und die Sterne betrachtete.
Ja. Er scheint über etwas nachzudenken.
„War er eigentlich früher auch schon so verschlossen?“
Nein, eigentlich nicht. Er war ein sehr aufgeweckter Junge, wir beide haben zusammen viel Unsinn angestellt. Aber ich denke, er hat sich verändert, als er unser Dorf verlassen musste und auf sich gestellt war.
„Warum musste er das Dorf denn verlassen?“, wollte Raine wissen.
Aber Juell schwieg dazu.
„Juell?“
Ich habe es vergessen…
„Das nehme ich dir irgendwie nicht ab…“, meinte Raine misstrauisch.
Mir egal.
„Dann frage ich eben Kratos!“, meinte Raine und ging zu ihm hin.
„Kratos, warum mussten Sie damals Ayshal verlassen? Juell scheint nicht in der Lage zu sein, mir die Antwort zu geben…“
„Ich weiß es nicht mehr…“, antwortete Kratos.
„Das kann doch nicht sein! Ihr könnt doch nicht alle behaupten, ihr hättet es vergessen! Ihr verschweigt mir doch etwas!“, rief Raine wütend.
„Ich weiß es wirklich nicht mehr. Außerdem wüsste ich nicht, was Sie das anginge!“, meinte Kratos.
„Es interessiert mich einfach!“
„Mich würde auch interessieren, warum ihr mich zurückgeholt habt! Bekomme ich darauf eine Antwort?!“, fragte Kratos gereizt.
„Lloyd hat dich natürlich vermisst!“ (Wahahaha, endlich duzen sie sich! ^^)
„Das ist noch lange kein Grund, mich von Derris-Kharlan zu holen! Ich war dort oben noch nicht fertig!“, rief Kratos wütend.
„Soll das heißen, dass Derris-Kharlan dir wichtiger ist als dein Sohn?!“, fragte Raine aufgebracht.
„Es ist zumindest wichtig, die Exspheres ins All zu schütten! Nur gibt es wohl keinen Weg mehr, nach Derris-Kharlan zurückzukehren!“
„Ich fasse es nicht! Weißt du eigentlich, dass Lloyd in letzter Zeit im Unterricht nicht aufgepasst hat, weil er sich ständig gefragt hat, wie es dir wohl gehen mag?! Jetzt bist du wieder hier und du regst sich darüber auf, nicht mehr nach Derris-Kharlan zu kommen?! Ich hatte schon ganz vergessen, wie du bist!“
„So, wie bin ich denn?!“, fragte Kratos laut.
„Kaltherzig und… ignorant und unglaublich stur!“, schrie Raine.
„Und weißt du, wie du bist?! Gewalttätig, uneinsichtig, aber vor allem streitsüchtig!“
„Streitsüchtig, so! Aber zum Streiten gehören immer zwei!“
„Komischerweise fängst du immer an, zu streiten!“
„Das stimmt doch gar nicht!“, protestierte Raine.
„Ach ja, unnachgiebig bist du auch noch!“
„Ah, unnachgiebig also?! Fallen dir auch noch mehr Adjektive ein, die mich beschreiben?!“
„Wenn es danach ginge, könnte ich ein ganzes Buch schreiben – nur mit deinen negativen Eigenschaften, versteht sich!“
Raine hatte Mühe, sich zu beherrschen. Vielleicht wäre sie sogar auf ihn losgegangen, wenn Genis nicht in diesem Moment aus dem Haus der Brunels gekommen wäre.
„Raine, was machst du hier? Du solltest doch ins Bett! Und was seid ihr überhaupt so laut?“
„Ich gehe ins Bett, wann ich will!“, rief Raine wütend.
„Noch eine negative Eigenschaft: Du lässt dir nichts sagen!“, meinte Kratos.
„Toll, da haben wir ja etwas gemeinsam!“, bemerkte Raine, die von ihrem Bruder zu ihrem Haus gezogen wurde.
„Wenn du meinst…“, seufzte Kratos.
Er betrachtete noch eine Weile die Sterne und ging dann wieder zum Haus der Brunels.
Dort erwartete ihn eine Überraschung, mit der er nicht gerechnet hatte: Lloyd rannte durch das ganze Zimmer und hielt sich den Hals, während Colette mit einem Wasserglas hinter ihm her rannte. Lloyd rannte auf Genis zu (er war vor Kratos wieder da), welcher auf dem Boden saß und immer noch das Buch las, und stolperte über ihn, worauf Genis das Buch aus der Hand flog. Colette konnte nicht mehr ausweichen und fiel über die beiden, wodurch sie das Wasser über das Buch verschüttete.
„Oh nein! Raine bringt mich um!“, rief Genis panisch. (Bei ihrer Laune wäre das durchaus denkbar XD)
„Wasser! Ich brauche Wasser!“, krächzte Lloyd.
„Genis, es tut mir Leid, es ist alles meine Schuld!“, entschuldigte sich Colette.
Kratos seufzte. Inzwischen wünschte er sich, er wäre noch eine Weile draußen geblieben.
„Was ist passiert?“, fragte er recht uninteressiert.
„Lloyd hat noch Hunger bekommen, woraufhin Colette ihm einen Eintopf gemacht hat. Aber anstatt roter Paprika hat sie Chili-Schoten hinein getan… Lloyd war das natürlich viel zu scharf und rannte durch das Zimmer. Colette wollte ihm ein Glas Wasser geben, aber dieser Hohlkopf hat einfach nicht angehalten… Und jetzt hat Raines Buch Wasserflecken! Wenn sie das erfährt, kann ich bald den Rasen von unten sehen!“, erzählte Genis aufgebracht.
„Co…lette… Was…ser!“, keuchte Lloyd.
„Upps! Sofort!“, rief Colette und holte noch ein Glas Wasser.
„Und das alles nur wegen dir, Lloyd! Wegen dir ist mein Leben jetzt zu Ende!“, schrie Genis und schüttelte Lloyd kräftig.
„Wo sind Frank und Phaidra?“, fragte Kratos.
„Die wollten noch jemanden besuchen“, meinte Colette, die Lloyd das Glas Wasser reichte.
Dieser trank es gierig aus und rannte danach selber los, um sich noch mehr Wasser zu holen.
„Ah! Schon besser! Genis, tut mir Leid wegen dem Buch, aber glaube mir, Professor Raine bringt dich schon nicht um!“, meinte Lloyd nachdem er genug getrunken hatte.
„Es ist ja nur Wasser. Ich würde euch raten, jetzt ins Bett zu gehen“, meinte Kratos.
In dieser Nacht hatte Kratos einen Alptraum. Er sah nur Schemen, aber sehr viel mehr wollte er auch gar nicht sehen, die Stimme, die er hörte, reichte ihm schon aus.
„Kratos Aurion!“, rief die Stimme kaltherzig.
Kratos spürte eine eisige Kälte, die immer mehr Besitz von ihm ergriff. Der Schemen kam ihm immer näher. Er versprühte Feindseligkeit und Hass, aber auch eine grimmige Freude.
„Nicht mehr lange! Bald kann ich über die Welt regieren! Und keiner wird etwas daran ändern können!“
„NEIN!!!“, schrie Kratos und wand sich in seinem Bett.
„Hahaha! Du kannst nichts dagegen machen!“
Der Schemen kam näher und die Kälte nahm zu. Obwohl Kratos in Wirklichkeit schwitzte, fror er im Traum erbärmlich.
„Nein…“, wiederholte Kratos und schlug um sich, um den Schemen zu vertreiben, was aber nicht half.
„Dad! Wach auf!“, rief Lloyd besorgt.
Kratos schlug noch ein paar Mal um sich, bis er endlich aufwachte. Er lag schweißgebadet auf seinem Bett und die Decke hatte er wohl schon vor langer Zeit weggetreten.
„Dad, hattest du einen Alptraum?“, fragte Lloyd etwas ruhiger.
„Ja…“
„Worüber?“
„Habe ich vergessen…“, log Kratos.
Diesen Traum würde er so schnell bestimmt nicht vergessen können.
„Waaaaaas? Schon?“, fragte Lloyd ein wenig enttäuscht und legte sich wieder zurück in sein Bett.
Lloyd schlief bald wieder ein, was Kratos an seinem ruhigen und gleichmäßigem Atmen hörte. Er hingegen konnte nicht mehr einschlafen. Er war hellwach und dachte über den Traum nach. Er hatte eine Vermutung, zu wem die Stimme gehörte, aber er wollte es nicht wahrhaben, auch wenn alle Zeichen dafür sprachen. Letztendlich döste er doch noch ein und wachte erst auf, als die Sonne aufging.
Sie frühstückten bei Phaidra und Frank (klar, wo denn sonst??? XD). Raine hatte Genis wegen den Wasserflecken im Buch noch nicht umgebracht und schien es auch nicht vorzuhaben.
„Das ist doch nur Wasser“, meinte sie, was Genis reichlich verwirrte, denn normalerweise kochte Raine schon vor Wut, wenn sie auch nur eine Unebenmäßigkeit beim Umschlag des Buches fand.
Aber überhaupt war sie recht still heute und aß auch nur wenig. Stattdessen starrte sie die Wand an und bemerkte nicht einmal, dass sie statt Zucker Salz in ihren Kaffee streute. Als sie einen Schluck trinken wollte, rief Genis:„Raine, tu es nicht!“
Aber es war zu spät, sie hatte schon getrunken. Raine schaute ihn nur verständnislos an, von dem Salz in ihrem Kaffee schien sie gar nichts zu merken.
„Raine, du benimmst dich heute morgen irgendwie komisch…“, bemerkte Genis besorgt.
„Ach was, ich bin nur müde!“
„Aber sie sehen auch so blass aus, Professor!“, meinte Lloyd.
„Ein für alle Mal, ich bin in Ordnung!“, rief sie wütend.
Hui! Was für eine Laus ist dir heute Morgen denn über die Leber gelaufen? Sag bloß, dass ist eine Nachwirkung des aufregendes Streits zwischen dir und Kratos gestern!
„Unsinn! Argh! Lasst mich doch einfach in Ruhe, auch du, Juell!“, meinte sie aufgebracht und ging nach draußen.
„Was ist mit ihr bloß?“, fragte Genis beunruhigt.
„Ich nehme an, sie ist heute mit dem falschen Fuß aufgestanden…“, vermutete Lloyd.
Nachdem alle mit dem Frühstück fertig waren, wollten sie aufbrechen. Sie verabschiedeten sich von Phaidra und Frank, auch Raine, die sich inzwischen wieder zu ihnen gesellt hatte, aber sie war immer noch leicht gereizt. Als sie durch das südliche Tor von Iselia gingen, wollte Lloyd schon auf seinen Rheaird steigen, aber Kratos sagte: „Wir gehen zu Fuß.“
„Warum das denn?“, fragte Lloyd verwirrt und hielt in seiner Bewegung inne.
„Triet ist ja nun nicht so weit weg, dass wir fliegen müssen.“
„Wir sollten die Rheairds nutzen wenn wir es können, also fliegen wir!“, rief Raine bestimmt.
„Und was ist, wenn mitten auf dem Weg ein Dämon ist? Von dort oben werden wir ihn nicht sehen können!“, widersprach Kratos.
„Das ist doch Unsinn! Die Dämonen halten sich bestimmt nur in der Nähe von Menschen auf!“, rief Raine, die langsam wütend wurde.
„Was ist mit dem Haus des Heils? Dort befinden sich auch Menschen!“, meinte Kratos hartnäckig.
Lloyd, Genis und Colette schauten nur stumm von einem zum anderen.
„Nicht schon wieder…“, murmelte Genis, der ahnte, dass das Ganze wieder in einem riesigen Streit ausahnden würde. Lloyd und Colette hatte er nichts davon erzählt, weswegen die beiden ihn etwas irritiert ansahen.
„Ich bin mir sicher, die Dämonen sind nur in der Nähe von Städten oder Dörfern!“, argumentierte Raine.
Woher willst du das eigentlich so genau wissen?
„Die anderen Dämonen haben sich auch immer in der Nähe eines Dorfes oder einer Stadt aufgehalten!“, erklärte Raine.
„Das mag ja sein, aber das muss doch nicht heißen, dass sich alle Dämonen so verhalten!“, wandte Kratos ein.
Genau! Die Dämonen sind vom Charakter alle unterschiedlich, wie wir an Rin Tor und Loh Sou gesehen haben!
„Wir fliegen trotzdem!“, rief Raine wütend und ihr Ton machte nur allzu sehr deutlich, dass sie bis aufs Äußerste gereizt war.
„Warum willst du unbedingt fliegen?!“, fragte Kratos.
„Warum willst du unbedingt zu Fuß gehen gehen?!“, wollte Raine wissen.
„Das habe ich doch schon gesagt! Wir könnten Dämonen begegnen! Außerdem ist es gesünder und wenn ich das sagen darf, du hast zugenommen!“
„Kratos, nein! So etwas darfst du Raine nicht sagen, sonst…!“, rief Genis und er hatte seinen Satz noch nicht beendet, als Raine mehrere Steine aufhob und diese einem nach den anderem nach Kratos warf, denn ihr Geduldsfaden war jetzt endgültig gerissen. (Komisch, später regt sie sich nicht mehr auf… Nun ja… Einerseits ja auch verständlich… Aber andererseits…)
„Wenn das heißen soll, dass ich zu dick bin, dann sucht euch doch eine schlankere Dämonenjägerin, die die Welt für euch rettet!“, schrie sie hysterisch.
Raine, beruhige dich! Warum willst du unbedingt fliegen? Liegt das an dem, was ich dir gestern erzählt habe? Dass Gorils Rückkehr bevor steht?
Kratos wurde immer noch mit Steinen von Raine beworfen, denen er aber größtenteils ausweichen konnte.
„Nun beruhige dich doch endlich!“, meinte Kratos ein wenig erschöpft.
Lloyd, Genis und Colette standen immer noch da und beobachteten das Ganze. Sie wussten nicht wirklich, was sie tun konnten. Sie hatten Raine noch nie mit so schlechter Laune gesehen, selbst Genis nicht, der mit Raine immerhin sein ganzes Leben verbracht hatte und schon so Einiges hatte ertragen müssen.
„Wir müssen Professor Raine irgendwie beruhigen…“, murmelte Lloyd verzweifelt.
„Aber wie?“, fragte Colette.
„Jetzt könnte vielleicht nur noch eine Ruine helfen…“, meinte Genis seufzend.
„Oh, toller Plan! Wir schaffen mal eben eine Ruine herbei!“, sagte Lloyd sarkastisch.
„Ich habe doch auch keine Ahnung, was wir tun können!“, rief Genis genervt.
„Fangt bitte nicht auch noch an!“, bat Colette.
Ich fürchte, ich habe keine andere Wahl…
Im nächsten Moment hatte Juell die Kontrolle über Raines Körper.
„Meine Güte… Da habt ihr Raine ja ganz schön auf die Palme gebracht…“, meinte sie.
„Juell! Ein Glück…“, meinte Kratos erleichtert.
„Ihr wisst, dass ich die Kontrolle nicht lange haben werde… Also lasst uns schnell nach Triet gehen.“
„Ja“, stimmten alle zu.
JUELL!!! Das kannst du doch nicht einfach machen!
Juell hielt sich den Kopf, weil Raine so laut schrie.
„Schrei doch nicht so!“
„Was ist, Juell?“, fragte Lloyd.
„Anscheinend kann Raine nicht nur meine Stimme in ihrem Kopf hören, sondern auch umgekehrt, ich kann ihre Stimme in meinem Kopf hören!“, erklärte Juell ein wenig überrascht, da sie das selber nicht gewusst hatte.
„Sie ist ziemlich wütend, oder?“, fragte Genis kleinlaut.
Ja, das bin ich! Juell, wenn ich dich jemals in die Finger bekomme, dann…!
„Ja, sie ist ziemlich wütend… Sie droht mir sogar. Aber falls du es noch nicht mitbekommen haben solltest, Raine: Wir stecken in dem gleichen Körper. Die Chance, dass du mich jemals in die Finger bekommst, existiert sozusagen gar nicht!“, meinte Juell gelassen.
Glaube mir, ich finde schon einen Weg, dich aus meinem Körper zu verbannen!
„Wenn du meinst… Aber als Erstes steht die Vernichtung der Dämonen an.“
[Dieser Beitrag wurde am 04.12.2007 - 20:40 von DelFina18 aktualisiert]
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Kapitel 7: Angst um Raine
Als sie ungefähr beim Haus des Heils waren, bekam Raine wieder die Kontrolle über ihren Körper. Inzwischen hatte sie sich aber so weit abreagiert, dass sie nicht wieder Kratos mit Steinen bewarf. Es würde auch keinen Sinn mehr machen, gegen das Gehen zu protestieren, denn wenn sie jetzt zu den Rheairds zurückkehren würden (die Flügeltasche hat Sheena, deswegen müssen sie sie „parken“), würde es nur noch länger dauern, bis sie in Triet ankämen. Stattdessen schwieg Raine auf dem ganzen Weg und spielte die beleidigte Leberwurst.
Meine Güte, findest du das nicht ein wenig kindisch? Eine Dämonenjägerin sollte sich nun wirklich nicht so verhalten… So etwas könnten die Dämonen ausnutzen.
Aber Raine ignorierte auch Juell und ging stur weiter. Sobald sie in die Nähe von Triet kamen, spürten sie die Veränderung. Normal hätte es mit jedem Schritt wärmer werden müssen, aber stattdessen hatten sie das Gefühl, dass es zunehmend kälter wurden. Und tatsächlich lag in der Wüste Schnee. Damit glich die Gegend Flanoir so sehr, dass sich die Freunde fragten, ob sie nicht durch irgendeinen Zufall eben dort gelandet waren.
Der Dämon, der dies verursacht heißt Fron Stax, was übersetzt Kälteschock bedeutet. Er kann sehr gefährlich sein.
„Fron Stax…“, murmelte Raine.
Es waren die ersten Worte seit einer langen Zeit und die anderen schauten sie deswegen irritiert und erleichtert an.
„Also ist ein Dämon in der Nähe“, meinte Kratos.
„Ja“, sagte Raine, als wäre in den letzten Stunden rein gar nichts passiert.
„Seht ihr das? Dort drüben ist der Schnee am stärksten!“, meinte Genis und deutete auf eine Stelle in der Wüste.
„D-Dort liegt die Ruine, in der wir den Kristall gefunden haben… Müssen wir wirklich da noch einmal hin?“, fragte Raine beunruhigt.
Die anderen schauten sie verwirrt an. Seit wann war Raine denn mal nicht begeistert davon, zu einer Ruine zu gehen? Sie verhielt sich immer merkwürdiger.
„Raine, was ist los mit dir? Warum willst du nicht zu der Ruine?“, fragte Genis besorgt.
„Es ist gar nichts mit mir los! Es ist nur… diese Ruine hat so viel Unheil verursacht…“
Raine… Es bleibt dir nichts anderes übrig, als dort hinzugehen, Fron Stax hält sich vermutlich dort auf.
„Ich gehe ja schon… Aber ich will dort so schnell wie möglich raus, verstanden?“, fragte Raine.
Alle nickten ein wenig irritiert. Die Kälte nahm bei jedem Schritt zu und sie froren erbärmlich.
„Vielleicht sollten wir uns erst einmal wärmere Kleidung anziehen, sonst erfrieren wir!“, meinte Genis bibbernd.
„Aber wo willst du die herbekommen?“, fragte Lloyd zitternd.
„Ich glaube kaum, dass sie in Triet solche Kleidung verkaufen“, meinte Kratos.
„Und nach Flanoir können wir so schnell ja nicht fliegen“, sagte Raine leicht verärgert.
Da müsst ihr wohl so durch… Wenn ihr euch beeilt, erfriert ihr auch nicht!
„Oh, das baut mich jetzt richtig auf! Du hast es gut, du spürst diese Kälte ja nicht!“, murmelte Raine.
Hast du eine Ahnung! Ich spüre die Kälte sehr wohl!
„Wir müssen auf jeden Fall in Bewegung bleiben! Sobald wir Fron Stax besiegt haben, wird es bestimmt wieder warm werden!“, bemerkte Genis.
Das Innere war total zugefroren, Wände, Boden, Decke, alles war mit Eis bedeckt.
„Ihr solltet vorsichtig sein, sonst rutscht ihr aus!“, meinte Lloyd.
Kaum hatte er das gesagt, lag er auch schon auf dem Boden, denn er war selber ausgerutscht.
„Okay! Danke für die Demonstration, ich werde aufpassen!“, meinte Genis, der sich vor Lachen den Bauch hielt.
Lloyd versuchte aufzustehen, aber er fiel wieder hin, wodurch Genis nur noch lauter lachte.
„Anstatt zu lachen solltest du mir aufhelfen!“, meinte Lloyd verärgert.
Genis reichte Lloyd eine Hand und wollte ihn hochziehen, aber dann rutschte auch er aus und landete auf Lloyd. Jetzt musste auch Lloyd anfangen zu lachen und Genis konnte sowieso nicht mehr aufhören. Keiner schien zu bemerken, dass die spitzen Eiszapfen, die an der Decke hingen, jeden Moment runterstürzen würden. Nur Kratos und Colette mit ihrem Engelsgehör hörten ein leises Klirren und ihnen war sofort klar, dass sie keinen Mucks mehr machen durften.
„Genis, Lloyd, ihr solltet…“
Noch bevor Colette ihren Satz beenden konnte, fielen die ersten Eiszapfen neben Lloyd und Genis auf den Boden und die beiden hörten schlagartig auf, zu lachen. Aber noch war die Gefahr nicht vorbei, denn schon fielen die nächsten Zapfen. Kratos konnte Raine noch gerade so davor bewahren, aufgespießt zu werden. (Yeah! Ich liebe solche Szenen ^^)
„Danke…“, murmelte Raine ein wenig erschrocken.
„Alles in Ordnung?“, wollte Kratos wissen.
Raine nickte.
„Ab jetzt sollten wir uns ruhig verhalten, verstanden?“, fragte Kratos.
Aber diese Frage war eigentlich überflüssig. Nach diesem Vorfall würde keiner mehr laut sein.
„Aber wo befindet sich der Dämon?“, fragte Lloyd flüsternd und beobachtete ängstlich die Eiszapfen, die noch an der Decke hingen.
Aber diese schienen sich keinen Millimeter bewegt zu haben und Lloyd seufzte erleichtert.
„Einen Raum können wir ausschließen, nämlich den Raum, der überflutet war. Wenn es hier also nicht noch mehr Räume gibt, dann kommt nur noch der Raum in Frage, in dem wir die Schriftrolle gefunden haben“, sagte Raine leise.
Aber als sie zu dem Gang kamen, der zu eben jenen Raum führte, blieb Genis stehen und meinte: „Fron Stax ist nicht dort. Ich… fühle es irgendwie! Wir müssen woanders lang!“
„Aber das würde bedeuten, dass es einen Gang gibt, den wir noch nicht kennen“, erwiderte Lloyd.
„Wir müssen zurück zum überfluteten Raum. Es gibt noch einen Gang auf der anderen Seite“, bemerkte Genis.
„Ich frage mich, ob du vielleicht die Dämonen spüren kannst… Immerhin hattest du gestern auch das Gefühl, dass sich Rin Tor im Tempel von Martel aufhält…“, sagte Raine.
Also gingen sie zurück. Aber sie sahen keinen weiteren Gang. Während Genis seinem Gefühl folgte, versuchte Kratos, sich daran zu erinnern, wo der Gang sich befand. Seine Schwester hatte ihm damals den ganzen Tempel gezeigt, aber seine Erinnerungen beschränkten sich größtenteils auf den Raum, wo der Kristall aufbewahrt wurde. Aber ganz schwach konnte er sich an einen Raum erinnern, in dem ein magisches Wesen gehaust hatte.
„Hier entlang!“, riefen Kratos und Genis gleichzeitig und wiesen auf eine Stelle in der Wand.
Alle schauten die beiden, besonders aber Kratos irritiert an. Das Genis anscheinend zu wissen schien, wo sie hingehen musste, verwunderte sie kaum noch, aber das Kratos das ebenfalls wusste, verwirrte sie. Konnte er die Dämonen etwa auch spüren?
Kratos ging zur Wand, schloss kurz die Augen und schien ganz genau zu wissen, was er tun musste. Er drückte auf ein paar Steine und schon schwang ein Stück Wand nach innen.
„So hast du also alle Türen aufbekommen!“, rief Raine überrascht.
Kratos nickte.
„Aber woher wusstest du, welche…?“
Raine konnte ihre Frage nicht beenden, denn Kratos antwortete schon: „Ich war früher schon einmal hier.“
„Aber warum hast du uns das nicht gesagt?“, fragte Lloyd, den es langsam ärgerte, dass Kratos ihnen anscheinend immer noch Sachen verschwieg.
Vertraute er ihnen etwa nicht oder warum erzählte er ihnen nicht alles über seine Vergangenheit?
„Ich habe mich erst wieder daran erinnert, als ich vor dem Tempel stand. Ich war mit Rozanne einmal hier…“ Er wollte ihnen nicht sagen, aus welchem Grund er damals mit seiner Schwester hier gewesen war.
„Ist ja auch nicht so wichtig. Lasst uns weitergehen, sonst enden wir bald als Eisklötze…“, meinte Genis, der vor Kälte zitterte.
Auch den anderen ging es nicht anders und so gingen sie den Gang entlang, den sie gerade gefunden hatten. Plötzlich merkten sie, wie der Weg nach unten abfiel. Keiner konnte sich mehr auf den Beinen halten und sie rutschten lange Zeit, bis sie am Boden ankamen. Normal wäre es eine Treppe gewesen, aber sie war so zugefroren, dass sie zu einer Rutschbahn geworden war.
„Wow! Können wir das noch mal machen?“, fragte Lloyd begeistert.
„Ganz sicher nicht!“, rief Raine, die es satt hatte, ständig irgendwo herunterzurutschen beziehungsweise herunterzufallen.
„Jetzt kommen wir auf jeden Fall erst wieder raus, wenn wir Fron Stax besiegt haben…“, meinte Genis ein wenig nervös.
Als sie weiter gingen, kamen sie in eine Art Spiegelkabinett. Nach ein paar Schritten wurden sie von einem Licht umhüllt und im nächsten Moment waren alle alleine an verschiedenen Orten des Spiegelkabinetts. Raine war die einzige, die direkt am Ausgang angelangt war.
„HEY! Wo seid ihr?!“, rief Lloyd in der Hoffnung, dass die anderen ihn hören konnten.
Aber erhielt keine Antwort.
„Hahaha! Perfekt… Alle fünf sind von einander getrennt und können einander nicht hören…“, murmelte Fron Stax zufrieden, der alle fünf durch einen Eisspiegel sehen konnte.
„Wo sind die anderen?“, fragte sich Raine und ging weiter.
Das ist Fron Stax’ Werk! Er hat euch durch einen Zauber voneinander getrennt! Außerdem könnt ihr euch nicht mehr hören… So wie es aussieht, bist du direkt am Ausgang angelangt. Wahrscheinlich wartet Fron Stax auf dich und möchte alleine gegen dich kämpfen…
„Aber die anderen haben doch die Chance, hierher zu kommen, oder?“
Natürlich. Und deswegen solltest du auch…
„Okay, dann gehe ich schon einmal vor!“, rief Raine und rannte in den nächsten Raum, in dem Fron Stax auf einem Thron aus Eis saß.
Warum bist du bloß so ein Dickschädel? Du solltest auf die anderen warten!
„Da ist ja die kleine Dämonenjägerin! Was wirst du jetzt tun? Denkst du, du kannst mich auch besiegen, ohne dass dir deine Freunde dabei helfen?“, fragte Fron Stax vergnügt.
Im Gegensatz zu den anderen Dämonen, die Raine bis jetzt gesehen hatte, hatte Fron Stax weiße, kurze Haare, hellblaue Augen und die Farbe seines Steins war ebenfalls hellblau.
„Du solltest mich nicht unterschätzen!“, rief Raine und machte sich bereit.
„Haha! Ich werde dir zeigen, dass die anderen Dämonen im Gegensatz zu mir Schwächlinge sind!“ (Wer’s glaubt -.-)
Fron Stax streckte seine Hand gen Himmel und rief: „Iz San!“
Im nächsten Moment erschienen Eiszapfen in der Luft, die auf Raine zu rasten. Sie sprang rechtzeitig zur Seite und stand wieder auf. Ein paar der Eiszapfen waren zersplittert, aber die anderen flogen hinter ihr her, so dass Raine ständig in Bewegung bleiben musste, um nicht getroffen zu werden.
Du musst verrückt sein! Warum hörst du nicht einmal auf das, was ich sage! Du hättest warten sollen!
„Ich schaffe das schon!“, rief Raine trotzig.
„Hahaha! Wie willst du es schaffen, mich zu besiegen, wenn du meinen Eiszapfen ausweichen musst?“, fragte Fron Stax lachend.
„Mir fällt schon was ein… Hoffe ich…“, murmelte Raine.
Die anderen waren immer noch dabei, ihren Weg aus dem Spiegelkabinett zu finden. Genis hatte es am einfachsten, denn er fühlte ja, wo sich der Dämon befand. Aber trotzdem hatte auch er seine Schwierigkeiten, denn er konnte nicht einfach geradeaus gehen, sondern musste einen Weg finden, der in die richtige Richtung führte.
Kratos hingegen versuchte, sich zu erinnern, wie man zum Ausgang kam, aber es wollte ihm nicht wirklich einfallen.
Lloyd war vollkommen orientierungslos und ging einfach irgendwo lang. Nach einer Weile stieß er mit Colette zusammen.
„Lloyd! Bin ich froh! Ich hatte solche Angst…“, rief sie.
„Jetzt bin ich ja hier! Ähm… weißt du, wo die anderen sind? Oder wie wir hier rauskommen?“, fragte Lloyd.
„Nein…“
„Dann müssen wir wohl suchen…“, seufzte Lloyd.
„Du kannst nicht ewig ausweichen! Wahrscheinlich bist du jetzt schon vollkommen erschöpft!“, rief Fron Stax ein wenig gelangweilt.
Damit hatte er Recht und Raine blieb stehen, um etwas anderes auszuprobieren: Sie setzte Photon gegen die Eiszapfen ein. Tatsächlich zersplitterten sie und Raine konnte verschnaufen.
Warum bist du nicht schon früher auf die Idee gekommen?
„Du hättest ja auch mitdenken können!“
Aber im nächsten Moment waren schon wieder neue Eiszapfen da und Raine musste wieder wegrennen.
Was soll ich nur machen? Wenn ich sie zerstöre, tauchen neue auf… Aber solange sie mich verfolgen, kann ich mich nicht um Fron Stax kümmern… Oder doch?!
Raine kam eine Idee, mit der sie Fron Stax vielleicht besiegen konnte. Noch einmal zerstörte sie die Eiszapfen mit Photon, nur um gleich darauf den nächsten Zauber zu starten.
„Tarim syrax faboyo…“
Die nächsten Eiszapfen bildeten sich.
Was machst du da?! Du hast keine Zeit dafür, die Eiszapfen werden dich gleich wieder verfolgen!
„Du denkst, du bist mit deinem Zauber schnell genug fertig, um den Eiszapfen noch ausweichen zu können? Du bist mutig, das muss ich dir lassen!“
Raine versuchte, sich nicht von ihrem Plan abbringen zu lassen.
„… sen danave mana ju wedin firmo…”
Die Eiszapfen kamen immer näher. Als sie Raine fast erreicht hatten, rief sie: „…ko sen sileve murix alic tromium!“
Wie üblich leuchteten die Runen auf Raines Hand und ein bunter Lichtblitz schoss auf den Stein an der Stirn des Dämons zu. Sobald er getroffen wurde, bohrten sich die Eiszapfen in Raines Rücken.
„AAARGH“, riefen der Dämon und Raine gleichzeitig.
Als Kratos diese Schreie hörte, griff er zu seinem Schwert und setzte Demon Fang gegen die Spiegel in seiner Umgebung ein, um sie zu zerstören – eine Sache, die er schon viel früher hätte machen müssen. Ohne die irritierenden Spiegelungen fand er den Weg viel schneller zum Ausgang. Genis erreichte diesen etwa zur gleichen Zeit.
„War das eben nicht Raine?“, fragte er besorgt.
„Es hörte sich so an…“, antwortete Kratos und beide rannten so schnell wie möglich in den nächsten Raum, wo sie gerade noch sehen konnten, wie der Dämon sich in ein Häufchen Asche verwandelte und Raine zu Boden fiel.
„RAINE!!!“, riefen Genis und Kratos gleichzeitig.
Zum Glück waren ihre Wunden nicht besonders tief. Raine war vor lauter Erschöpfung nur in Ohnmacht gefallen. Schon fing es an, deutlich wärmer zu werden und das Eis schmolz, so dass sie bald in einer Pfütze standen.
Nun kamen auch Lloyd und Colette in den Raum.
„Sie hat es geschafft, oder?“, fragte Colette erleichtert.
„War ja auch nichts anderes von Professor Raine zu erwarten!“, rief Lloyd fröhlich.
Langsam kam Raine zu sich. Ihr war schwindelig und ihr Rücken schmerzte.
„Habe… ich ihn besiegt?“, fragte sie leise.
„Ja!“, sagte Genis.
Anscheinend habe ich dich unterschätzt, tut mir Leid!
„Schon gut…“, murmelte sie.
Kratos sah sich in dem Raum um. Er wusste, dass hier noch etwas versteckt war. Besser gesagt eingesperrt, denn wenn er sich recht erinnerte, war hier damals ein merkwürdiges Wesen gewesen. Und hinter dem Thron fand er es dann auch, schlafend. Es war so groß wie ein kleiner Hund und sah einem solchen auch recht ähnlich. Es hatte lange Schlappohren und einen Schwanz, an dem am Ende eine blaue Schleife gebunden war. Außerdem hatte es ein Horn auf dem Kopf. Sein Fell war karamell- und cremefarben, aber sein Bauch war weiß und der untere Bereich seiner Ohren schwarz.
Als Kratos es anstupste, zuckte sein Schwanz und es öffnete langsam die Augen.
„Nju?“, machte es.
„Was ist das denn?“, fragte Genis irritiert und starrte das kleine Wesen an, das alle verschlafen anschaute.
„Wie süß!“, rief Colette begeistert.
„Hey, können wir es nicht mitnehmen?“, fragte Lloyd und streichelte das kleine Tier.
„Lloyd, das ist kein Haustier! Es ist ein magisches Wesen, glaube ich“, meinte Kratos.
„Du wusstest, dass es hier ist, oder?“, fragte Raine Kratos, die sich inzwischen einigermaßen erholt hatte.
„Ja. Aber ich weiß nicht, warum es hier ist.“ (Um ehrlich zu sein: Das weiß ich auch nicht XD)
„Nju!“, machte es wieder und sprang fröhlich auf Raines Schoß, die es daraufhin streichelte.
„Wenn wir es mitnehmen, sollten wir ihm einen Namen geben“, meinte sie.
„Wie wäre es mit Njujin?“, schlug Colette vor.
„Ja, das würde gut passen!“, meinte Genis.
„Nju!“, stimmte Njujin zu.
Als sie die Ruine verließen, war der ganze Schnee geschmolzen und es war fast schon wieder so warm wie normal. Der geschmolzene Schnee war schon fast wieder verdampft.
„Als nächstes sollten wir nach Izoold“, meinte Kratos.
Also gingen sie den Ossa-Pfad entlang. Auf dem Gipfel machten sie eine Pause. Raine, deren Rücken schon fast nicht mehr schmerzte, da die Eiszapfen sich nicht allzu tief reingebohrt hatten, stand an dem Rand der Klippe und genoss den kühlen Wind, der ihr entgegen wehte. Aus irgendeinem Grund war ihr unbeschreiblich heiß, obwohl hier eigentlich eine angenehme Temperatur herrschte. Auf einmal wurde ihr schwindelig und sie drohte, die Klippe hinunterzustürzen.
„RAINE!!!“
Kratos konnte sie gerade noch festhalten. (Yeah, yeah, yeah! ^^) Er versuchte, sie anzusprechen, aber sie war in Ohnmacht gefallen.
„Was ist mit ihr?“, fragte Genis besorgt.
„Sie hat hohes Fieber!“, sagte Kratos besorgt, der ihr die Stirn fühlte.
Raine öffnete die Augen.
„Raine, du solltest liegen bleiben!“, meinte Genis, als sie dabei war, sich aufzurichten.
„Oh, ich bin mir sicher, dass Raine im Moment auch gar nichts anderes machen kann“, meinte sie.
„Juell? Weißt du, was genau sie hat?“, fragte Kratos.
„Ja und ich ärgere mich, dass mir das nicht schon früher eingefallen ist! Der Regen von Rin Tor hat eine besondere Wirkung auf Dämonenjäger, wenn sie ihm zu lange ausgesetzt sind. Sie bekommen eine Krankheit, die sich auf die Seele beschränkt, sie sind verwirrt und haben schlechte Laune. Dass das bei Raine der Fall war, haben wir ja gesehen… Normal ist das aber nicht so schlimm und nach ein paar Tagen ist diese Krankheit überstanden… Aber jetzt sind wir auch noch Fron Stax begegnet und das ist das eigentliche Schlimme. Denn dadurch veränderte sich die Krankheit so, dass sie den Körper befiel. Raine hat hohes Fieber und sie wird immer schwächer. Letztendlich… wird sie sterben… Und damit auch die letzte Hoffnung für diese Welt…“
Alle erschraken über diese Worte.
„Nju?“, machte Njujin.
„Was können wir tun, um sie zu retten?“, fragte Genis besorgt.
„Das ist es ja… Nur Raine kann diese Krankheit besiegen… Kein Heilmittel kann sie jetzt heilen… Leider muss sie das allein schaffen, denn selbst ich kann sie nicht erreichen…“, meinte Juell niedergeschlagen.
„Es muss doch etwas geben!“, rief Kratos.
Juell schüttelte den Kopf.
Raine öffnete die Augen. Sie lag auf einer Wiese. Der Duft verschiedener Blumen kam ihr entgegen. Langsam stand sie auf.
„Wo bin ich?“, fragte sie sich.
„Spielt das eine Rolle?“, fragte ein Mann mit kurzen schwarzen Haaren und saphirblauen Augen.
„Wer bist du?“, fragte Raine erschrocken.
„Du kannst mich Kooma nennen. Ich habe so lange auf dich gewartet, Raine!“
„Du hast auf mich gewartet? Und woher kennst du meinen Namen?“
„Das ist nicht so wichtig… Das Einzige, was zählt, ist, dass wir jetzt zusammen sind. Für immer“, meinte Kooma und umarmte sie. „Ich liebe dich.“ (Kotz... Würg… Warum will ich so was unbedingt schreiben? T-T)
Raine wehrte sich nicht. Warum auch? Sie fühlte sich wohl. Sie hatte das Gefühl, als würde eine große Last von ihr genommen werden.
„Für immer…“, murmelte sie und schmiegte sich an Kooma.
„Hier wirst du glücklich werden, zusammen mit mir…“, sagte er.
„Ja…“
Aber Raine hatte das Gefühl, dass ihr etwas fehlte. Besser gesagt jemand. Hatte sie nicht Freunde gehabt?
„Wie bin ich hierher gekommen?“, fragte sie.
„Es war dein Schicksal…“
„Ja…“
Schicksal… Was war noch alles ihr Schicksal? Erst ihre Aufgabe und jetzt… Moment, ihre Aufgabe? Was für eine Aufgabe?
„Ich habe eine Aufgabe…“, murmelte sie.
„Was für eine Aufgabe? Du musst nur hier bei mir bleiben. Mehr brauchst du nicht zu tun. Du wirst von nun an in diesem Paradies leben, allein mit mir“, erklärte Kooma.
„Ja…“, antwortete sie wieder.
Aber trotzdem verließ sie das Gefühl nicht, dass es noch etwas gab, das sie tun musste, dass es noch andere Leute gab, mit denen sie zusammen leben wollte. Wie hatte ihr bisheriges Leben überhaupt ausgesehen? Sie konnte sich nicht mehr erinnern. Aber war das denn wichtig? Zählte nicht nur das, was sie jetzt erlebte? Zusammen mit Kooma? Ja, das war das Wichtigste. Nichts anderes. Wen interessierte schon die Vergangenheit?
Und so blieb sie in Koomas Armen, mit dem sie von nun an zusammenleben würde.
„Lloyd, vielleicht solltest du zu Dirk gehen“, meinte Kratos.
„Aber warum?“, fragte Lloyd irritiert.
„Vielleicht sind inzwischen Briefe angekommen. Außerdem solltest du den anderen eine Nachricht schicken, dass wir zwei Dämonen schon besiegt haben und dass Raine krank ist. Und wenn ein Brief vom Forschungsinstitut da ist, der besagt, dass wir den Kristall abholen sollen, kannst du die Tethe’alla-Gruppe bitten, diesen abzuholen.“
„In Ordnung. Ich hoffe, Professor Raine geht es besser, wenn ich zurückkomme…“, sagte Lloyd und ging zurück nach Iselia.
„Was sollen wir jetzt tun? Wir können Raine nicht helfen…“, meinte Genis, der wie ein Häuflein Elend am Boden saß.
„Es wird alles gut, Genis!“, munterte Colette ihn auf.
„Das ist gar nicht gut! Ich spüre, wie Raine sich immer weiter von uns entfernt! Sie kämpft nicht gegen die Krankheit an!“, sagte Juell beunruhigt.
„Es muss doch irgendetwas geben, dass wir tun können!“, rief Kratos verzweifelt und ging hin und her.
Auf einmal kam ihm eine Idee. Er hatte immer noch ein paar Beeren. Vielleicht konnte er Raine helfen, wenn sie eine davon aß. Er wusste zwar nicht, was sie sehen würde, aber er war sich sicher, dass es ihr helfen würde.
„Juell, wenn du wieder die Kontrolle über ihren Körper verloren hast, gebe ich Raine eine Beere“, erklärte er.
„Du hoffst also, dass sie etwas sieht, was ihr hilft?“, fragte diese.
Kratos nickte.
„Nun, es ist besser, als nichts zu tun…“, meinte Juell.
Nach ein paar Minuten schlossen sich ihre Augen und da sie nicht mehr antwortete, nahm Kratos an, dass sie die Kontrolle über Raines Körper verloren hatte. Er legte Raine ein Beere in den Mund und brachte sie dazu, sie zu schlucken.
„Ob es wohl hilft?“, fragte Genis bedrückt.
„Bestimmt!“, meinte Colette.
Raine war gerade dabei, sich mit Kooma die Umgebung anzusehen, als ihr auf einmal schwindelig wurde. Sie schwankte und kurz danach wurde ihr schwarz vor Augen.
Sie sah eine Gruppe aus fünf Personen. Sie gingen gerade durch ein Dorf in dem Elfen lebten. Nicht nur das Dorf sondern auch die Gruppe kam Raine bekannt vor. Als nächstes sah sie verschiedene Städte, in denen merkwürdiges Wetter herrschte: Eine Stadt, in der faustgroße Hagelkörner fielen, eine von Nebel umschlossene Stadt sowie eine winterliche Stadt, in der es so warm war, dass der Schnee zu schmelzen begann, eine Stadt, in der es heftig gewitterte und das Dorf, welches sie eben schon gesehen hatte, in dem strahlend die Sonne schien.
Wieder änderte sich das Bild und sie sah einen Jungen, der durch die Wüste rannte. Auch er kam ihr bekannt vor. Danach sah sie drei Personen, die sich besorgt über eine Frau beugten. Sie entdeckte auch ein merkwürdiges Wesen. Zum ersten Mal hörte sie Stimmen.
„Raine! Du darfst nicht sterben!“, bat ein kleiner Junge mit weißen Haaren.
Erst da fiel ihr auf, dass sie die Frau war, über die sich die drei beugten. Es waren ihre Freunde!
Als sie aufwachte, sah sie in Koomas beunruhigtes Gesicht.
„Raine! Bin ich froh!“, sagte er.
„Ich kann hier nicht bleiben“, murmelte sie.
„Aber was sagst du denn da? Natürlich bleibst du hier, bei mir!“
„Nein… Das geht nicht. Ich habe Freunde, die sich um mich Sorgen und eine Aufgabe, die ich erledigen muss!“, widersprach sie.
„Du willst mich also hier allein lassen? Ich verstehe schon… Du liebst mich also nicht…“
„Kooma… Natürlich liebe ich dich! (T-T Warum muss ich so was schreiben? *seufz*) Aber ich muss zurück, zurück zu meinen Freunden!“
„Soso… Nun ja. Es wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein… Natürlich konntest du nicht alles vergessen… Immerhin bist du eine Dämonenjägerin und meine Feindin…“, meinte Kooma und seine Stimme nahm einen kühlen Ton an.
„Wer bist du wirklich?“, fragte Raine und sie wich langsam zurück.
„Tse. Na wer wohl? Wer ist wohl dein größter Feind?“
„Goril!“, rief Raine erschrocken.
„Genau! Kooma… das ist ein sehr schöner Name, aber leider nicht meiner… Hmm… Dieses Mal lasse ich dich noch gehen. Aber eines kannst du mir glauben: Wir sehen uns wieder! Ich freu mich schon darauf. Denn eines darfst du mir glauben: Ich liebe dich wirklich. Feindin hin oder her“, sagte Goril und vor Raines Augen verschwamm alles.
[Dieser Beitrag wurde am 11.08.2007 - 18:01 von DelFina18 aktualisiert]
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Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 246 Nachricht senden | Erstellt am 30.07.2007 - 00:07 |  |
Kapitel 8: Theaternacht in Izoold
Lloyd erreichte endlich Dirks Haus. Er war so schnell gerannt, wie nur möglich. Inzwischen war es Abend geworden.
„Paps! Sind irgendwelche Briefe angekommen?“, fragte er keuchend.
„Lloyd! Ja, es sind tatsächlich welche angekommen. Hierrr!“, sagte Dirk und reichte Lloyd zwei.
Einer war vom Forschungsinstitut. Tatsächlich baten sie darum, den Kristall abzuholen. Der Zweite war von der Tethe’alla-Gruppe, die berichtete, dass sie in der Nähe von Flanoir einen Dämon gefunden hatten und dass dort das Wetter total verrückt spielte, was ihrer Vermutung nach mit dem Dämon zusammen hing. Zurzeit waren sie in Heimdall, wo das Wetter aber normal zu sein schien.
Lloyd rannte nach Iselia, von wo aus er eine Nachricht an die Tethe’alla-Gruppe schickte, indem er von den beiden Dämonen berichtete, von Raines komischer Krankheit und dass er darum bat, dass sie den Kristall aus Sybak abholen sollten.
Nachdem die Taube am Himmel verschwunden war, ging er zurück zu Dirk, um dort zu übernachten. Inzwischen war die obere Etage wieder aufgebaut worden.
Kratos, Genis und Colette hatten darauf gewartet, dass sich mit Raine etwas änderte – und tatsächlich schien das Fieber ein wenig zurückzugehen. Als Raine dann auch noch die Augen öffnete – und diesmal war es wirklich Raine – waren sie sich vollkommen sicher, dass Raine wieder gesund werden würde. Sie erzählten ihr, warum sie auf einmal krank geworden war.
„Es tut mir Leid, dass ich euch ständig so viele Sorgen bereite…“, murmelte sie.
„Hey, jetzt hörst du dich an wie Colette!“, rief Genis und alle mussten lachen.
Es tut mir Leid, dass ich nicht daran gedacht habe, was für eine Wirkung der Regen von Rin Tor und die Kälte von Fron Stax zusammen anrichten können…
„Das ist schon in Ordnung, Juell. Aber denke nächstes Mal etwas eher daran, in Ordnung?“, meinte Raine.
Ja, mache ich!
„Nju!“
Njujin kuschelte sich an Raines Kopf (So süüüüüüüß!!! ^^). Raine lächelte. Sie legten sich alle schlafen.
Am nächsten Morgen war Raines Fieber ganz zurückgegangen und sie schien wieder vollkommen gesund zu sein.
Wieder stand sie am Rand der Klippe und genoss den Wind. Als Kratos aufwachte und dies sah, dachte er schon, sie würde wieder jeden Moment herunterfallen und wollte schon zu ihr hinrennen, aber als sie ihn anlächelte, wusste er, dass alles in Ordnung war und lehnte sich beruhigt zurück.
Gegen Mittag kam Lloyd zurück. Er war beruhigt, dass Raine wieder gesund war und erzählte seinen Freunden gleich von den beiden Briefen, die angekommen waren.
„In der Nähe von Heimdall ist ganz sicher ein Dämon. Auch in Sybak“, sagte Raine, die sich an die Städte erinnerte, die sie in der Ohnmacht im Paradies gesehen hatte.
„Woher weißt du das?“, fragte Genis sie. „Selbst ich kann sie über so große Entfernung nicht spüren!“
„Ich habe sie durch die Beere gesehen“, erklärte Raine.
„Also war sie doch hilfreich…“, murmelte Kratos.
„Natürlich war sie das! Ohne sie wäre ich jetzt wahrscheinlich schon tot! Du hast mir das Leben gerettet, Kratos!“
„Dann bin ich froh. Mit dir wäre nicht nur die letzte Hoffnung dieser Welt, sondern auch Juell gestorben.“ (Was ja eigentlich nicht geht, denn Juell ist schon tot -.-)
Diese Worte versetzten Raine einen Stich. Daran hatte sie gar nicht gedacht. Wahrscheinlich hatte er sich nur um Juell gesorgt und nicht um sie. Immerhin liebte er Juell.
Ob das mit den beiden noch etwas wird? Direkt zusammen zu sein scheinen sie ja nicht…
Raine musste an Kooma, besser gesagt Goril, denken. Sie hatte sich trotz der kurzen Zeit, die sie nur zusammen verbracht hatten, in ihn verliebt, das konnte sie nicht leugnen. Aber sie wusste natürlich, dass er ihr Feind war und dass er der Welt den Untergang bescheren würde. Sie würde ihn töten müssen. Sie hoffte nur, dass sie es auch schaffen würde mit ihrem Berg von Gefühlen.
Raine, korrigiere mich, wenn ich etwas falsch verstanden habe. Du hast dich in Goril verliebt?!
„Ja…“, antwortete sie schuldbewusst.
Okay… Ruhig bleiben, Juell, ruhig bleiben!
„Ich weiß, dass ich ihn töten muss. Du kannst mir glauben, ich werde meine Aufgabe erfüllen. Aber natürlich wird es mir schwer fallen. Du wirst mir dabei helfen müssen!“
„Nju?“
Die anderen inklusive Njujin schauten Raine etwas verwirrt an. Dass sie mit Juell redete, hatten die meisten – Lloyd bildete die einzige Ausnahme – schon erkannt. Aber worüber, das wussten sie nicht genau. Wen musste Raine töten, was ihr schwer fallen würde? Ihre einzigen Gegner waren doch die Dämonen, oder nicht? Nur Kratos schien die Wahrheit zu ahnen. Es ging um Goril, dessen Seele noch im Kristall versiegelt war.
Natürlich helfe ich dir…
„Dann ist ja alles gut! Lasst uns nach Izoold gehen!“, sagte Raine mit einem etwas gezwungen Lächeln.
Ich hoffe nur, Raine lässt sich wirklich nicht zu sehr von ihren Gefühlen beeinflussen. Es wird ihr auch so schon schwer genug fallen. Wenn ich doch nur etwas tun könnte… Aber ich darf ihr ja nicht einmal davon erzählen!
Sheena, Zelos, Regal, Presea und Rya waren gerade in Meltokio, um zu sehen, ob inzwischen die andere Gruppe geschrieben hatte. Tatsächlich war ein Brief angekommen. Die Sylvarant-Gruppe hatte inzwischen in Sylvarant zwei Dämonen besiegt. Dass das Wetter auf Grund der Dämonen verrückt spielte, konnte Lloyd nur bestätigen. Aber er schrieb auch von der unerfreulichen Sache, dass Raine eine komische Krankheit hatte, die wohl auf die beiden Dämonen, die sie besiegt hatte, zurückzuführen war.
„Meine arme Raine!“, schluchzte Zelos.
„Ich bin mir sicher, dass es ihr bald wieder gut geht“, meinte Sheena, die ja noch nicht wusste, dass das mehr oder weniger ja schon der Fall war.
„Steht noch mehr in dem Brief?“, fragte Regal.
„Ja, wir sollen nach Sybak und den Kristall abholen“, antwortete Sheena.
Doch je näher sie Sybak kamen, desto mehr gewitterte es. Ein Gewitter ohne Regen hatte die Stadt erfasst. Lichtblitze erhellten in unregelmäßigen Abständen den Himmel, was kurz darauf von Donnergrollen begleitet wurde. Aus Gründen der Sicherheit stiegen sie von den Rheairds ab und gingen den restlichen Weg zu Fuß.
„Meine armen empfindlichen Füße!“, beklagte sich Zelos.
„Du kannst auch gerne weiterfliegen. Dann gibt es gegrillten Zelos, wäre doch auch mal lecker!“, meinte Sheena, die von seinem ständigen Gemeckere genervt war.
„Waaaah! Sheena ist eine Kannibalin!“, schrie Zelos erschrocken.
„WAS HAST DU GESAGT?!“, schrie Sheena wütend und ging langsam auf ihn zu, woraufhin Zelos zurückwich.
„Sie hat dich eben zum Fressen gern!“, scherzte Presea.
„Das ist nicht witzig!“, meinte Zelos beleidigt.
„Ich und ihn gern haben? Nein, ganz sicher nicht. Außerdem würde er gar nicht schmecken“, sagte Sheena und drehte sich wieder in Richtung Sybak.
„Wahrscheinlich ist ein Dämon in der Nähe“, vermutete Regal.
„Und was machen wir jetzt? Wir müssen den Kristall abholen! Aber wenn wir dem Dämon begegnen…“, meinte Sheena.
„Sollten wir ihm begegnen, kann Rya ihn mit ihrer Flöte einschläfern“, antwortete Presea.
Rya nickte. In der Stadt war keine Menschenseele zu sehen. Alle hielten es für sicherer, in ihren Häusern zu bleiben.
Sie betraten das Forschungsinstitut. Ein Wissenschaftler kam gleich auf sie zu.
„Seid ihr hier, um den Kristall abzuholen?“, fragte er.
Die Gruppe nickte.
„Wunderbar! Ehrlich gesagt ist er mir ein wenig unheimlich… Jedenfalls haben wir ihn sehr genau untersucht, aber sehr viel haben wir nicht herausgefunden. Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, dass er schon sehr alt ist, wahrscheinlich über 6500 Jahre. Außerdem scheint er immer schwächer zu werden… Mit unseren Geräten haben wir festgestellt, dass er eine gewisse Kraft, wahrscheinlich magischen Ursprungs, in sich beherbergt. Aber nach und nach wurde diese Kraft weniger. Sein Leuchten wurde auch immer schwächer. Leider können wir uns nicht erklären, woran das liegen könnte…“
„Hmm… Danke jedenfalls, dass sie ihn untersucht haben!“, bedankte sich Sheena und steckte den Kristall in eine Tasche, die sie bei sich hatte.
Sie verließen die Stadt und machten sich auf den Weg zu den Rheairds. Aber dann sahen sie etwas, was sie gar nicht sehen wollten: den Dämon.
„Da ist ja Turl Ligs Mahlzeit!“, rief er und schaute Rya an.
„Das ist der gleiche, der Rya verfolgt hat!“, rief Sheena.
„Dem bin ich auch begegnet!“, meinte Presea.
„Los, Rya, rette uns!“, sagte Zelos und versteckte sich hinter dem kleinen, grünhaarigen Mädchen.
Aber das hätte Zelos ihr nicht noch sagen müssen. Rya hatte ihre Flöte schon in der Hand und fing bald darauf an, eine wundersame Melodie zu spielen. Langsam schloss Turl Lig die Augen.
„Nicht schon wieder…“, murmelte er und schlief ein.
„Gut. Lasst uns gehen, bevor er aufwacht…“, flüsterte Sheena.
Sobald Lloyd und seine Freunde in die Nähe von Izoold kamen, wussten sie, dass sich ein Dämon dort aufhielt, denn Hagelkörner so groß wie Äpfel fielen vom Himmel.
„Wie sollen wir da durch kommen? Es tut bestimmt weh, von so einem Teil getroffen zu werden…“, bemerkte Lloyd.
„Vielleicht kann ich eine Barriere erzeugen, die uns schützt… Aber ich weiß nicht, wie lange ich sie halten kann. Wir müssen uns beeilen!“, meinte Raine.
Ich werde dir helfen!
„Gut“, sagte Raine und setzte Barrier ein, worauf sie alle von einer schützenden Barriere umschlossen wurden.
So betraten sie Izoold.
„Der Dämon ist bei den Booten!“, rief Genis.
„Wie heißt er eigentlich?“, fragte Raine Juell.
Das müsste Gah Rak sein, das heißt Hagelkorn.
„Ja, ich denke, das passt…“, meinte Raine und sie gingen langsam voran, denn Raine hatte Mühe, die Barriere im Gehen aufrecht zu erhalten.
„Nju!“
Njujin sprang auf Genis’ Schulter und verkroch sich unter seiner Kleidung.
„Hey, Njujin! Lass das! Das kitzelt!“, lachte Genis.
„Ich denke, er spürt den Dämon und hat Angst“, meinte Kratos. (Nun… hat er das? Nö, eigentlich nicht… Keine Ahnung, warum er sich unter Genis’ Kleidung versteckt… XD)
„Er kann sich wenigstens verstecken…“, murmelte Raine.
Raine, willst du damit etwas sagen, dass du Angst hast? Jetzt erst? Ich meine, du hast schon drei Dämonen erfolgreich besiegt, da kannst du doch jetzt nicht auf einmal Angst haben!
„Ich habe ja auch nicht direkt Angst… Ich bin nur… nervös…“
Aber warum? Was ist an diesem Dämon so anders?
„Ich denke, es liegt einfach daran, dass ich mit jedem Dämon, den ich besiege, dem Endkampf näher komme… Und den fürchte ich…“
Ach so… Das verstehe ich natürlich. Aber Raine, du bist stark! Du wirst das schaffen! Denke jetzt einfach noch nicht an das Ende, sondern an den Kampf, der jetzt kommt!
„Ja, du hast Recht!“
Sie kamen gerade bei den Bootsstegen an, als Raine auf die Knie fiel. Sie war total erschöpft. Lloyd wich erschrocken ein paar Hagelkörnern aus, die in seine Richtung fielen.
„Professor, können sie nicht noch eine Barriere erschaffen?“, fragte er keuchend.
„Nein… Ich habe keine Kraft mehr… Wie soll ich so den Dämon besiegen?“, fragte sie verzweifelt. (Mann, du hast auch kein Durchhaltevermögen, Raine! XD)
„Wir werden ihn ablenken, so dass du dich erholen kannst“, sagte Kratos.
„Aber wir müssen gleichzeitig auch noch auf die Hagelkörner aufpassen!“, bemerkte Genis.
Njujin hatte sich immer noch unter seinen Kleidern versteckt. Aber jetzt sprang er heraus und rannte auf Raine zu.
Gah Rak, der steingraue Haare und einen weißen Stein auf der Stirn hatte, stand währenddessen auf einem Bootssteg und machte sich einen Spaß daraus, Boote mit seinen Hagelkörnern zu zerstören. Die kleine Gruppe hatte er noch nicht bemerkt.
„Hey, du Monster!“, rief Lloyd und warf mit einem Hagelkorn nach ihm.
Überraschenderweise verschmolz dieses mit Gah Rak. Grunzend drehte er sich um und betrachtete die kleine Gruppe, die den hagelnden Körnern geschickt auswich. Wütend, dass seine Ruhe gestört worden war, schrie er laut auf und fing an, Hagelkörner auf sie zu werfen, wo sie sowieso schon Probleme hatten, den vom Himmel hagelnden Körnern auszuweichen.
„Aah!!!“, schrie Colette, die wieder einmal im ungünstigsten Moment gestolpert war, denn der Sturm aus Hagelkörnern drohte, sie zu treffen.
„Colette!“, rief Lloyd, der sie wegzog und sie davor bewahrte, erschlagen zu werden.
„Danke, Lloyd…“
„Bist du in Ordnung?“, fragte Lloyd.
Colette nickte. Aber dann sah sie, dass Lloyd am Arm blutete. (Immer der Arm, was? XD)
„Lloyd… Es tut mir Leid… Das ist alles meine Schuld…“
„Was sagst du denn da? Schuld ist allein der Dämon! Gib dir nicht immer für alles die Schuld!“
„Tut mir Leid…“, murmelte sie.
„Bringt es was, dir zu sagen, dass du dich nicht ständig entschuldigen sollst?“, seufzte Lloyd.
„Wir müssen uns etwas einfallen lassen. So kann das nicht weiter gehen!“, rief Kratos, der die Hagelkörner, die in Raines Richtung flogen, mit seinem Schwert zerstörte.
„Ich muss doch irgendetwas tun können… Ich kann hier doch nicht einfach nur herumsitzen!“, sagte Raine verzweifelt.
Als Gah Rak Genis dann mit seiner Hand zu erwürgen drohte, konnte Raine nicht mehr an sich halten. Schwankend stand sie auf.
„Raine, du sollst dich erholen! Lloyd, Colette! Ihr müsst versuchen, Genis zu befreien!“, rief Kratos.
Die beiden nickten und griffen den Dämon an. Aber dieser stieß sie mit seinem anderen Arm weg. Genis hingegen ging langsam die Luft aus. Verzweifelt versuchte er, sich zu befreien.
„NEIN!!!“, schrie Raine und Tränen liefen ihr Gesicht hinab. „Ich muss etwas tun…“
Njujin hatte seinen Kopf schräg gestellt und schaute sie an.
Willst du ihnen wirklich helfen? Selbst wenn du dabei sterben könntest?
Was war das für eine Stimme in ihrem Kopf? Es war nicht die von Juell. Es war eine männliche Stimme, die noch sehr jung klang.
„J-Ja…“, antwortete sie.
Dann mach dich auf Schmerzen gefasst. Ich weiß nicht, ob du es überleben wirst. Du musst einen starken Willen haben.
Raine wartete darauf, dass etwas geschah. Sie sah, wie von Njujins Horn ein seltsames Licht ausging, das sie umschloss. Auf einmal hatte sie das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und sie spürte einen starken Schmerz in ihrer Brust. Ohne einen Ton fiel sie auf die Knie. Sie wollte, dass es schnell vorüber ging, wollte wieder Luft bekommen und keine Schmerzen mehr haben. Aber sie durfte jetzt nicht aufgeben! Sie musste ihre Freunde retten und den Dämon besiegen, egal was es kostete. Dieser Gedanke half ihr dabei, das Gefühl des Erstickens und die Schmerzen zu überwinden. Als das Licht verschwand, bekam sie wieder Luft. Sie verspürte keine Schmerzen mehr, aber dafür eine neue Kraft. Ohne Mühe stand sie auf. Für sie hatte der Moment, in der sie vom Licht umgeben war, eine Ewigkeit gedauert, aber in Wirklichkeit schienen nur ein paar Sekunden vergangen zu sein. Der Dämon hatte Genis immer noch im Griff. Aber immerhin lebte er noch, wenn auch nur gerade so.
Raine rannte auf Gah Rak zu, allerdings so schnell, dass es keiner sah. Anscheinend hatte sie nicht nur neue Kraft, sondern auch neue Fähigkeiten bekommen. Schneller als jemals zuvor sprach sie den Zauber, um den Dämonen zu besiegen. Er wusste gar nicht, wie ihm geschah, als auf einmal der Lichtblitz den Stein auf seiner Stirn zerstörte und er sich in Asche auflöste.
In diesem Moment lichtete sich der Himmel und es hörte auf, zu hageln. Die untergehende Sonne ließ alles in einem goldenen Licht strahlen.
Gierig rang Genis nach Luft. Er hatte, genau wie die anderen, gar nicht wirklich mitbekommen, was geschehen war. Auf einmal hatte Raine vor dem Dämonen gestanden und innerhalb weniger Sekunden war er besiegt gewesen. Als sich Raine nun besorgt vor ihn hinkniete, schaute er sie ein wenig erschrocken an.
„Wie…? Wie hast du…?“, mehr brachte er nicht heraus.
„Ich weiß es nicht genau… Da war eine Stimme in meinem Kopf, aber es war nicht Juells. Dann umgab mich ein seltsames Licht, das von Njujins Horn ausging und danach hatte ich neue Kraft und war um einiges schneller als zuvor…“, erklärte Raine.
„Das ist wirklich seltsam… Du standest eben doch noch hinter mir… Und dann warst du auf einmal vor dem Dämon…“, sagte Kratos kopfschüttelnd. „Ich habe gar nichts bemerkt…“
Selbst ich weiß nicht genau, was passiert ist… Aber ich vermute, dass die Stimme Njujin gehörte. Immerhin ist er ein magisches Wesen und das Licht ging von seinem Horn aus.
„Njujin? Ja, das könnte sein…“, murmelte Raine.
„Nju?“, machte Njujin wie immer auf seine unglaublich süße Art.
Wenn man ihn so betrachtete, sah er aus wie ein ganz normales Tier. Abgesehen davon, dass sie noch nie zuvor ein solches Tier gesehen hatten. Raine streichelte seinen Kopf.
„Aber wenn es seine Stimme war, warum spricht er dann nicht mehr mit mir?“, fragte Raine.
Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es zu anstrengend für ihn? Oder er tut es nur, wenn es wirklich notwendig ist…
„Wir sollten hier übernachten. Es hat keinen Sinn, jetzt noch weiter zu reisen. Die Sonne geht schon unter“, bemerkte Kratos.
Die anderen stimmten ihm zu. Langsam kamen die Leute aus den Häusern. Wie durch ein Wunder schien keiner von ihnen verletzt worden zu sein.
Am Strand ging es hektisch zu. Es wurde eine Bühne aufgebaut. Anscheinend würde ein Theaterstück vorgeführt werden. Die Freunde gingen gerade daran vorbei, da sie noch nicht ins Bett gehen wollten, als sie einen Mann hysterisch schreien hörten: „Was soll das heißen, die Hauptdarsteller fühlen sich nicht wohl?! Wie sollen wir denn jetzt das Theaterstück aufführen?!“
Der Mann, der ihm die schlechte Nachricht überbracht hatte, zuckte mit den Schultern.
„Es ist einfach nicht zu fassen… Jetzt, wo es aufgehört hat zu hageln und wir das Stück doch noch aufführen können, fallen die Hauptdarsteller aus…“
„Worum geht es in dem Stück denn?“, fragte Colette.
Verwundert drehte sich der Mann um.
„Es heißt ‚Naria und Lyrion’. Es geht um eine Prinzessin namens Naria, die von einem Bösewicht auf Grund ihrer magischen Fähigkeiten entführt wird. Ein Held namens Lyrion rettet sie. Danach leben sie glücklich bis an ihr Lebensende“, schwärmte er.
„Tse. Schon wieder eins von diesen langweiligen Stücken. Langsam dürfte es doch kein Interesse mehr an solchen Geschichten geben…“, meinte Kratos.
„‚Naria und Lyrion’ ist ganz anders als die anderen Theaterstücke dieses Gebietes! Es hat viel mehr Stil!“, rief der Mann empört.
Kratos verdrehte die Augen.
„Aber ihre Hauptdarsteller sind ausgefallen, oder?“, fragte Raine.
„Ja… Wir können es wohl nicht…“
Erst jetzt schien er Raine wirklich zu bemerken. Er umrundete sie und durchdrang sie mit seinen Blicken. Raine lief rot an.
„Diese Schönheit… Diese Anmut und Eleganz… Diese Ausstrahlung! Sie sind der perfekte Ersatz! Haben Sie schon einmal geschauspielert?“, fragte er.
„N-Nein…“, sagte sie total überrumpelt.
„Ach, das macht nichts, das schaffen Sie! Aber natürlich brauchen wir noch einen Helden!“, meinte er und schaute sich Lloyd, Genis und Kratos an.
„Da bleiben wohl nur Sie übrig!“, sagte er seufzend und zeigte auf Kratos.
„Was?! Ich?!“, fragte dieser ungläubig.
„Ich fürchte, wir haben keine andere Wahl… Kommen Sie!“, sagte er und zog den lautstark protestierenden Kratos und die völlig verblüffte Raine zu einem Zelt.
Lloyd, Genis, Colette und Njujin standen ein wenig verlassen da.
„Kommt, das müssen wir uns ansehen!“, meinte Lloyd grinsend.
Viele Leute hatten sich vor der Bühne versammelt. Ein Theaterstück fand nur selten in Izoold statt, deswegen hatten sich alle auf diesen Tag gefreut.
„Ich mach das ganz sicher nicht!“, konnte man Kratos’ Stimme hinter dem Vorhang hören.
„Nun seien Sie etwas leiser! Die Zuschauer hören sie womöglich noch…“, sagte der Regisseur.
„Sollen sie mich doch hören!“
„Kratos, beruhige dich, so schlimm wird es schon nicht werden…“, versuchte Raine, ihn zu beruhigen.
„Ich gehe da nicht raus und mache mich vor den ganzen Leuten zum Affen!“
„Ich verstehe, du hast Lampenfieber…“, meinte Raine grinsend.
„U-Unsinn!“
„Bitte, seien Sie etwas ruhiger!“, sagte der Regisseur nervös.
„Was hat es überhaupt mit diesem Kostüm an sich?! Warum muss ich eine Perücke tragen und Raine nicht?!“
„Weil Lyrion nun einmal grün-weiße Haare hat und Naria weiße Haare, auch wenn sie eigentlich länger sein sollten, aber gut, das ist nicht so schlimm!“
„Dad mit grün-weißen Haaren, das kann ich mir gar nicht vorstellen…“, meinte Lloyd grinsend, der zusammen mit Genis und Colette Plätze in einer der vordersten Sitzreihen ergattert hatte.
„Und wenn ich mich nicht irre, müsste Raine ein Kleid tragen!“, sagte Genis begeistert, denn er hatte Raine noch nie in einem Kleid gesehen.
„Es wird bestimmt großartig!“, bemerkte Colette.
„Sie ziehen das jetzt durch, basta! Raine, wenn ich Sie nun auf die Bühne bitten dürfte!“, sagte der Regisseur.
Als das Stück begann, fingen die Zuschauer an, begeistert zu klatschen. Das Stück begann damit, dass Naria am Fenster ihres Zimmers stand und traurig nach draußen schaute. Noch nie war sie auf einer Reise gewesen. Doch sie sehnte sich danach, die weite Welt zu sehen. Aber nicht nur, weil sie eine Prinzessin war, sondern auch, weil sie als Einzige magische Kräfte besaß, wurde sie in einer Burg festgehalten. Der erste Akt zeigte ihren Alltag in der Burg und ihre Sehnsucht, endlich etwas anderes zu sehen.
Dafür, dass Raine kaum Zeit gehabt hatte, sich mit der Rolle zu beschäftigen, machte sie das Ganze sehr gut. Das Publikum liebte sie. Als sie dann entführt wurde, waren es nicht Wenige, die vor Empörung aufstanden und der ein oder andere gab auch seinen Senf dazu.
Doch der Schauspieler, der den Bösewicht spielte, ließ sich davon nicht beirren. Er drückte Naria an eine Wand und ließ seine Hand langsam von ihrer Hüfte nach oben wandern. Was er wollte, war mehr als deutlich. Das Publikum protestierte noch lauter und schrie nach dem Helden, der endlich auftauchen sollte. Auch Genis konnte langsam nicht mehr an sich halten, auch wenn er wusste, dass alles geschauspielert wurde.
Der Regisseur hatte Raine zwar gesagt, dass sie es würde ertragen müssen, aber je höher die Hand kam, desto unruhiger wurde sie. Als dann der mürrische Kratos, der den Helden Lyrion spielte, nach einer langen Reise endlich im Schloss ankam, wo der Bösewicht die Prinzessin festhielt, konnte Raine nicht mehr an sich halten und schlug dem Schauspieler, der den Bösewicht spielte mit voller Wucht ins Gesicht.
Respekt, Raine. Das war ein sauberer Schlag.
„Oh nein…“, murmelte der Regisseur, der am Rand der Bühne stand und schüttelte den Kopf.
Aber das Publikum merkte gar nicht, dass das nicht zum Stück gehörte. Im Gegenteil, sie fanden es wunderbar, dass sich die Prinzessin nicht unterkriegen ließ, besonders die Frauen. Begeistert klatschten sie Beifall.
Kratos und Raine standen etwas unbeholfen auf der Bühne. Der Regisseur hatte keine Zeit mehr gehabt, ihnen zu sagen, was am Ende passierte, er hatte sogar gemeint, sie würden das auch so hinbekommen. Als er ihre Ahnungslosigkeit bemerkte, flüsterte er: „Nun küssen Sie sich schon! Jetzt kommt die Kussszene!“
„WAS?!“, zischten Kratos und Raine gleichzeitig.
„Meine Güte, die Kussszene darf doch in keinem guten Theaterstück fehlen! Das ist das Herzstück! Der einzige Grund, warum die Leute solche Theaterstücke gucken, ist die Kussszene! Das müssten Sie doch wissen! Nun machen Sie schon, die Zuschauer warten!“
Eine Kussszene… Interessant…
Raine ignorierte Juell. Wenn sie gewusste hätte, dass eine Kussszene in dem Stück vorkam, hätte sie sich niemals überreden lassen, mitzuspielen. Raine und Kratos standen einfach nur da, die Zuschauer warteten natürlich gespannt auf die Kussszene und der Regisseur bekam fast eine Krise, weil die beiden nichts taten.
Ja, genau, steht einfach nur da! Irgendwann werden die Zuschauer schon merken, dass nichts mehr kommt…
„Du gehst mir auf die Nerven!“, rief Raine.
„Was?!“, fragte Kratos, der nicht wusste, dass er gar nicht gemeint war.
Raine kam eine Idee.
„Du hast doch gesehen, dass ich auf deine Hilfe verzichten kann! Du brauchst mich nicht immer zu retten!“
Kratos begriff sofort.
„Gut, nächstes Mal kannst du nicht mit mir rechnen! Sieh doch zu, wie du allein zurechtkommst!“
„Danke, damit tust du mir einen großen Gefallen!“
„Was machen Sie denn da? Sie sollen sich küssen und nicht streiten!“, zischte der Regisseur.
„Du hättest dich wenigstens dafür bedanken können, dass ich überhaupt gekommen bin, um so eine streitsüchtige Person zu retten!“, rief Kratos.
„Streitsüchtig?! So?! Hatten wir das Thema nicht schon einmal angesprochen?!“, fragte Raine und langsam wusste sie selber nicht mehr, ob das Ganze nur noch geschauspielert war oder ob es schon in die Realität überging.
Ganz toll. Wiederholt einfach noch einmal den Streit, den ihr vor ein paar Tagen schon hattet…
„Ja und wie man sieht fängst du immer noch an, zu streiten!“
„Wenn ich mit dir zusammen bin, bleibt mir ja gar nichts anderes übrig!“
„Was machen die beiden da eigentlich?“, fragte Lloyd flüsternd.
„Sieht aus wie streiten… Aber ich weiß nicht, ob das noch geschauspielert ist…“, seufzte Genis.
„Dann wäre es wohl das Beste, wenn du gehst!“, schlug Kratos vor.
„Warum ich?! Geh du doch!“
„Du lässt dir immer noch nichts sagen, oder?!“
„Nein, da haben wir immer noch etwas gemeinsam!“, meinte Raine.
Super, jetzt könnt ihr genau da weiter machen, wo ihr letztes Mal aufgehört habt…
„Aber gut. Damit du nicht wieder behauptest, dass ich unnachgiebig bin, werde ich gehen!“, sagte Raine und sie wandte sich zum Gehen.
Kratos stand erst verblüfft da, doch dann griff er nach Raines Handgelenk und zog sie zu sich heran.
„Ich habe es nicht so gemeint, Raine“, sagte er und schaute ihr in die Augen.
„Ich doch auch nicht, Kratos…“, meinte Raine entschuldigend.
Dann beugte sich Kratos zu ihr hinab und küsste sie.
Nachdem der lang ersehnte Kuss nun doch noch gekommen war, klatschte das Publikum begeistert Beifall und der Regisseur sank erleichtert auf die Knie.
Nachdem Kratos und Raine für alle Fans ein Autogramm gegeben hatten – und das waren nicht wenige - ging die Gruppe ins kleine Gasthaus. Raine war so erschöpft, dass sie gleich einschlief. Kratos hingegen konnte nicht schlafen. Lange dachte er über das Theaterstück nach. Am Anfang war der Streit wirklich nur geschauspielert gewesen, aber dann waren sie doch wieder in ihren persönlichen Streit geraten. Aber genauso wenig war der Kuss geschauspielert gewesen und Kratos wunderte sich selber über die Gefühle, die er zu diesem Zeitpunkt empfunden hatte und die er immer noch empfand.
Das ist meine Chance, mit ihm zu reden, ohne dass Raine es mitbekommt.
Juell übernahm die Kontrolle und stand auf. Raine würde im Inneren weiterschlafen.
„Kratos, ich muss dich sprechen. Können wir nach draußen gehen?“, fragte sie leise, denn sie wollte die anderen nicht aufwecken.
Im Gegensatz zu den anderen Gasthäusern, in denen sie bis jetzt auf dieser Reise übernachtet hatten, gab es nur einen Raum mit Betten, in dem folglich alle schlafen mussten. (Ein Glück, das Zelos nicht dabei ist, was? XD)
„Juell?“
Kratos sah den Unterschied an den grünen Augen und er hörte es auch an der Stimme.
„Was willst du mit mir besprechen?“, fragte er, als sie draußen waren.
„Kratos, ich muss dich bitten, deine Gefühle für Raine im Zaum zu halten.“
„Bist du eifersüchtig? Ich meine…“
„Nein, das hat mit mir nichts zu tun. Für mich persönlich ist das kein Problem. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich dich nur als Kind geliebt und das ist jetzt schon ziemlich lange her. Aber es ist das Beste für euch beide, wenn ihr nicht zusammen seid. Du willst sie doch nicht verletzen, oder? Ich denke, du weißt, dass du Gorils Nachfahre bist?“, fragte Juell besorgt.
„Ja, das weiß ich… Aber…“
„Dann solltest du vielleicht darüber nachdenken, warum du aus Ayshal damals verbannt worden bist. Du hattest echt Glück, dass du deine Schwester hattest.“
Mit diesen Worten ging Juell wieder ins Gasthaus.
„Warum ich aus Ayshal verbannt worden bin? Warum spielt das eine so große Rolle?“, fragte Kratos und schüttelte den Kopf.
[Dieser Beitrag wurde am 11.08.2007 - 18:28 von DelFina18 aktualisiert]
Signatur
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!
© by DelFina18
 |
DelFina18  ~Kraine no Aikosha~
    

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Kapitel 9: Illusionen und Träume
Lloyd hatte einen merkwürdigen Traum. Er und die anderen befanden sich auf dem Gipfel des Fooji-Gebirges. Ein schwarzhaariger, junger Mann schien anscheinend auf sie gewartet zu haben. Er sagte etwas, worauf Raine antwortete, aber Lloyd hörte nichts. Auf einmal rannte Genis auf den Mann zu, schrie etwas und bereitete einen Zauber vor. Der Mann zog sein Schwert und wollte Genis angreifen, doch als er gerade zustechen wollte, war Genis fertig und setzte Icicle ein. Doch auf einmal stand Raine zwischen den beiden. Das Schwert ragte aus ihrer Brust und ihr ganzer Körper war mit den Eiszapfen gespickt.
Lloyd lag schweißgebadet auf seinem Bett und wälzte sich unruhig hin und her.
„Nein!“, rief er immer noch träumend.
Raine sagte noch etwas, dann brach sie zusammen. Erschrocken weiteten sich Genis’ Augen. Jetzt fingen die anderen auch langsam an, zu realisieren, was geschehen war. Mit dem Mann ging nun etwas Merkwürdiges vor: Er schrie, fiel auf die Knie und hielt sich den Kopf. Außerdem fingen seine Haare an, sich rötlich zu färben. Dann hörte Lloyd zum ersten Mal in diesem Traum etwas.
„Raine…“, murmelte der Mann.
Lloyd erschrak, als er erkannte, dass der Mann die Stimme seines Vaters hatte.
„Nein…“, murmelte er und in seinem unruhigen Schlaf fiel er aus dem Bett.
„Lloyd? Was machst du für einen Lärm?“, fragte Genis verschlafen.
„Ich hatte nur einen Alptraum, nichts weiter…“, meinte dieser in einem beschwichtigenden Ton, aber Genis war schon längst wieder eingeschlafen.
„Ein sehr realer Alptraum…“, flüsterte Lloyd beunruhigt.
Raine wachte schon recht früh auf. Sie ging nach draußen, weil sie noch über Einiges nachdenken wollte, bereute es aber fast sofort wieder, denn die Bewohner stürmten auf sie zu, als sie sie sahen. Raine schaffte es irgendwie, sich aus der Menge zu befreien und fand ein ruhiges Plätzchen.
Scheint so, als wärst du beliebt.
„Darauf kann ich verzichten…“
Raine dachte über den vorigen Abend nach, vor allem über das Theaterstück. Sie war verwirrt wegen den Geschehnissen.
Glaub mir, der Kuss hat Kratos nichts bedeutet.
„M-Mir doch auch nicht…“
Du lügst. Du kannst doch an nichts anderes mehr denken.
„Unsinn!“
Du weißt, dass ich deine Gedanken lesen kann. Du kannst nichts vor mir verbergen. Aber ich muss dich warnen, Raine: Lass deine Gefühle aus dem Spiel. Das ist die wichtigste Regel für einen Dämonenjäger. Die Dämonen nutzen so was sehr schnell aus, denn sie können spüren, wer dir viel bedeutet. Also gehe Kratos besser aus dem Weg.
„Aber müsste ich dann nicht auch den anderen aus dem Weg gehen? Dann kann ich doch auch gleich alleine reisen!“
Nun… Du sollst einfach nur deine Gefühle vergessen, wenn du einem Dämonen gegenüber stehst. Das ist alles. Aber deine Gefühle für Kratos musst du so oder so vergessen. Es ist das Beste für euch beide.
„Und warum soll es das Beste für uns sein?!“
Vertraue mir einfach, Raine.
„Wie soll ich das tun, wenn du mir anscheinend etwas verschweigst?!“
Es tut mir Leid, dass ich dir nicht die Wahrheit sagen kann… Ich hoffe nur, dass ich irgendwann meine ganzen Lügen wieder gut machen kann…
Raine stand wütend auf und ging zum Gasthaus zurück. Die anderen, die inzwischen ebenfalls wach waren, merkten gleich, dass sie schlechte Laune hatte. Sie waren etwas verwundert, als sie sahen, dass Raine Kratos ignorierte und ihm aus dem Weg ging. Auch Kratos schien keinen Wert darauf zu legen, mit Raine zu reden.
„Was ist denn jetzt schon wieder los?“, fragte Genis kopfschüttelnd.
„Vielleicht haben sie sich wieder gestritten?“, vermutete Colette.
„Also wisst ihr, was ich langsam glaube?“, fragte Lloyd.
„Nein, Lloyd. Deinen Gedankengängen können wir immer noch nicht folgen…“, meinte Genis.
„Ich glaube fast, die beiden sind in einander verknallt!“
„Schlimmer, Lloyd, schlimmer! Sie sind verliebt!“, korrigierte Genis seufzend.
„Wo ist da denn der Unterschied?“, wollte Lloyd wissen.
„Verknallt ist man eher, wenn man für jemanden schwärmt. Es ist nichts Ernstes. Wenn man verliebt ist, dann hält das auf jeden Fall länger…“, erklärte Genis und nickte hin und wieder mit dem Kopf.
„Bist du dann in Presea verknallt oder verliebt?“, fragte Colette.
„Gute Frage, Colette!“, grinste Lloyd.
Genis lief rot an und hielt es für besser, nichts darauf zu antworten.
Am Mittag brachen sie mit einem kleinen Boot nach Palmacosta auf. Natürlich hatte Raine lautstark protestiert. Sie wäre viel lieber zurück nach Iselia gegangen und mit den Rheairds direkt nach Hima geflogen, denn sie wussten ja, dass sich in Palmacosta kein Dämon befand. Aber letztendlich hatten die anderen es besser gefunden, mit einem Boot zu fahren, als den ganzen Weg zurückzugehen.
Nachdem sie in Palmacosta noch Neil, der inzwischen der neue Bürgermeister war und Cacao und ihre Tochter Chocolat besucht hatten, reisten sie zum Hakonesia Pass. Dort schaute Raine bei Kotons kleinem Trödelladen noch, ob sie etwas fand, was sie unbedingt haben musste und was auch bezahlbar war. Letztendlich kam sie mit einem Schutzmedaillon aus dem Laden. Es sah relativ alt aus und war mit alten Elfenrunen versehen.
Am Nachmittag erreichten sie dann Asgard und sie beschlossen, diese Nacht hier zu übernachten.
„Raine, wenn du nicht noch dieses Medaillon hättest kaufen müssen, wären wir schon längst in Hima!“, beschwerte sich Genis.
„Ich musste noch den Preis herunterhandeln! Es war viel zu teuer…“, meinte Raine unschuldig.
„Das war doch klar. Koton verkauft seine Sachen wenn überhaupt nur zu Wucherpreisen. Wenn ich an den Passierschein denke…“, sagte Lloyd.
„Aber ich musste dieses Medaillon einfach haben!“, rief Raine begeistert.
„Also ehrlich, Professor, ich kann Sie nicht verstehen…“, meinte Lloyd.
Sobald der Bürgermeister erfahren hatte, dass Raine in der Stadt war, suchte er nach ihr.
„Raine! Schön, dass Sie mal wieder hier sind! Ich hätte da auch gleich wieder eine Bitte an Sie… Könnten Sie noch einmal auf der Plattform tanzen? Wir haben eine Touristengruppe hier, die von Ihnen gehört hat und Sie unbedingt tanzen sehen möchte.“
„Ich bin doch keine Touristenattraktion!“, meinte Raine aufgebracht.
„Raine… Nun beruhige dich! Es ist doch nur ein kleiner Tanz…“, versuchte Genis sie zu beschwichtigen.
„Ich kann nicht einmal in die Stadt kommen und mich von der bisherigen Reise erholen! Ständig muss ich etwas tun, sei es der Kampf gegen Dämonen, das Besiegen von Krankheiten oder der Ersatz für eine Schauspielerin! Ich will mich einfach nur mal wieder ausruhen und in Ruhe ein Buch lesen!“
„Also, wenn es Ihnen nicht passt, dann geht das schon in Ordnung…“, sagte der Bürgermeister ein wenig enttäuscht.
Komm schon, Raine! Ausruhen kannst du dich doch immer noch! Und das Buch läuft auch nicht weg! Ich will den Tanz sehen!
„Raine, nun komm schon!“, drängte Genis, der seine Schwester gerne noch einmal tanzen sehen wollte.
„Nju!“, stimmte Njujin zu.
„Also gut… Wenn ich dann endlich meine Ruhe bekomme!“, gab sich Raine geschlagen.
„Yeah!“, rief Genis.
„Kratos, kannst du das hier für mich aufbewahren?“, fragte Raine, drückte ihm das Medaillon in die Hand und ging, ohne auf eine Antwort zu warten. (Schon ein wenig komisch, warum sie es ausgerechnet ihm gibt… Aber eigentlich war sie auch gar nicht sauer auf ihn, dass hab ich nur im nachhinein wieder mal geändert XD Aber das wollte ich so lassen…)
Raine zog das traditionelle Tanzkostüm an. Ihre Haare ließ sie wieder offen. Es war inzwischen total ungewohnt. Kritisch schaute sie in den Spiegel.
„Hmm… Vor einem halben Jahr passte es besser…“, meinte sie.
Dann hast du wohl zugenommen.
„Das meinte Kratos auch schon… Bin ich wirklich so dick? Ich habe doch nicht mehr gegessen als vor einem halben Jahr auch…“
Nein, du bist nicht dick. Ich nehme an, als du die Reise zur Weltenerneuerung beendet hattest, hast du dich nicht mehr viel bewegt, oder?
„Nein… Aber jetzt bin ich doch wieder auf einer Reise! Und ich habe ziemlich viel Stress. Also müsste ich bald wieder abgenommen haben.“
Wenn du meinst…
Es war unglaublich, wie viele zur Plattform gekommen waren, um Raine tanzen zu sehen. Es war nicht nur die kleine Touristengruppe, die gar nicht klein war, sondern ganz im Gegenteil eher groß, von der der Bürgermeister gesprochen hatte, sondern auch die halbe Stadt war gekommen.
Meine Güte! Du scheinst beliebt zu sein! (Kommt mir bekannt vor XD)
„Das kann ich gar nicht nachvollziehen… Was mache ich denn schon großartig?“, seufzte Raine und fing an.
Wie gebannt achteten die Zuschauer auf jeden ihrer Schritte. Selbst ihre Freunde, die alle, abgesehen von Kratos, sie schon zweimal hatten tanzen sehen, konnten den Blick nicht von ihr abwenden. Sie konnten nicht sagen was, aber irgendetwas hatte sich an Raine verändert. Sie schien viel anmutiger und eleganter zu sein als vorher.
Als Raine fertig war, schaute sie die Zuschauer an. Diese starrten sie an, als wäre sie ein Wunder.
„Ähm… Was… Was ist mit ihnen?“, fragte Raine flüsternd.
Ich nehme an, sie sind vor Begeisterung sprachlos…
„Meinst du?“
In diesem Moment brach Jubel aus und alle stürmten die Plattform. Jeder wollte diese anmutige Tänzerin von Nahem sehen und ein Autogramm von ihr haben. Raine seufzte. Ruhe würde sie so schnell wohl nicht haben.
Wahrscheinlich bist du bald in der ganzen Welt als ausgezeichnete Tänzerin und Schauspielerin bekannt!
„Bloß nicht! Ich will doch nur meine Ruhe haben…“, murmelte Raine.
Nachdem sie auch das letzte Autogramm geschrieben hatte, ging sie zu dem teuersten Gasthaus, wo die anderen schon vor einer Weile hingegangen waren. Sie wollte nur noch ins Bett. Unglücklicherweise konnte sie nicht einschlafen.
„Juell, sag mal… Wie läuft Gorils Rückkehr eigentlich ab?“, fragte sie und starrte an die Decke.
Ähm… Hmm… Das weiß ich nicht!
„Hmm… Ich glaube, du verschweigst mir etwas!“
Ach was! Hehehe…
„Deine Lache ist aber ziemlich verdächtig“, meinte Raine misstrauisch.
Unsinn, so lache ich immer!
„Nein, nicht wirklich…“
Vertraust du mir etwa nicht? Wenn ich etwas wüsste, würde ich es doch sagen! Zumindest wenn ich es dürfte…
„Ja, wahrscheinlich würdest du das…“, murmelte Raine.
Langsam fielen ihr die Augen zu und sie schlief ein.
Lloyd träumte den gleichen Traum wie in Izoold. Als er aufwachte, war er schweißgebadet.
„Vielleicht sollte ich sie warnen?“, fragte sich Lloyd.
Es wird an ihrem Schicksal nicht viel ändern.
Lloyd sah sich in dem Dunkel des Zimmers um. Hatte er nicht gerade eine Stimme gehört?
„Komisch…“, flüsterte er.
Außer ihm war nur sein Vater in diesem Raum und dieser schien tief und fest zu schlafen. Wahrscheinlich hatte er sich die Stimme doch nur eingebildet.
Du solltest ihr nichts sagen. Je weniger sie weiß, desto besser.
„Wer ist da?“, fragte Lloyd in die Stille des Raumes.
Aber er bekam keine Antwort.
„Ich bin mir sicher, dass ich eine Stimme gehört habe…“, murmelte er.
Solange du nach einer Person suchst, wirst du mich nicht finden.
„Schon wieder!“, rief Lloyd erschrocken.
Wurde er etwa langsam verrückt? Erst dieser komische Traum und dann diese Stimme. Was sollte das überhaupt bedeuten, solange er nach einer Person suche, würde er den Besitzer der Stimme nicht finden?
„Lloyd, schlaf endlich weiter…“, murmelte Kratos.
„Dad, hast du auch diese Stimme gehört?“, fragte Lloyd.
„Nein, ich habe nur dich gehört… Und das hat mir gereicht…“
„Komisch…“
Lange musste Lloyd noch über die Stimme nachdenken, bis er wieder einschlafen konnte.
Lloyd wollte Raine am nächsten Morgen trotz der mysteriösen Stimme, die ihm geraten hatte, es nicht zu tun, von seinen komischen Träumen erzählen, aber er kam nicht dazu, denn sie wurden von neuen Mitgliedern von Raines Fanclub verfolgt.
„Es war früher ja schon schlimm…“, sagte Genis, während sie vor der Meute davonliefen, „…aber das ist jetzt wirklich nicht mehr zu ertragen!“
„Dich verfolgen sie ja nicht einmal!“, rief Raine genervt.
Kurz vor dem Umacy-See konnten sie ihre Verfolger dann abschütteln. Ihre weitere Reise nach Hima war recht ruhig. Doch sobald sie sich dem kleinen Dorf näherten, veränderte sich die Umgebung. Dichter Nebel zog auf und sie hatten Schwierigkeiten, den Weg zu finden.
Kein Zweifel. Es handelt sich um einen Dämonen namens Nub Eld, was Nebelwand bedeutet.
„Nub Eld, was? Genis, kannst du spüren, wo er sich befindet?“, fragte Raine.
„Ganz oben auf dem Gipfel, von wo aus wir früher mit den Drachen zum Turm des Heils geflogen sind“, antwortete dieser.
Aber als sie dort ankamen, sahen sie nichts außer Nebel.
„Genis, bist du dir sicher?“, fragte Lloyd.
„Ja, ganz sicher!“
Ihr müsst aufpassen. Nub Eld ist einer der gefährlichsten Dämonen, weil…
Auf einmal verschwand alles vor Raines Augen und sie hörte nichts mehr. Alles um sie herum war schwarz. Plötzlich tauchte Genis vor ihr auf. Er lächelte sie an. Aber dann schloss sich eine Hand, fast schon eine Klaue, um seinen Hals. Aber von dem Angreifer konnte Raine nicht mehr als zwei Arme erkennen.
„Hilf mir!“, rief Genis.
Aber Raine hatte gar keine Zeit, etwas zu tun, denn schon schlitzte die andere Klaue Genis’ Körper auf. Sein Blut spritzte in Raines Gesicht. (T-T Oh mann, ich weiß, ich bin brutal… Aber es muss wirklich abschreckend sein, finde ich XD)
„AAH!!!“, schrie Raine und sank zu Boden.
Aber das Ganze hatte nur sie gesehen. Ihre Freunde, inklusive ihrem Bruder, standen besorgt um sie herum.
„Raine, was ist mit dir?“, fragte Genis besorgt.
Aber Raine hörte ihn nicht. Ihre Augen waren vor Schreck geweitet und Tränen liefen ihr Gesicht hinab.
„Nein… Nein… NEIN!!!“, schrie sie.
Ich hätte sie früher vor Nub Elds Illusionen warnen sollen… Ihr jetzt klar zu machen, dass das, was sie sieht nicht wahr ist, dürfte schwierig werden… Selbst mich kann sie nicht hören.
„Raine! Komm zu dir!“, rief Kratos und schüttelte sie leicht.
Aber selbst das schien sie nicht wahrzunehmen. Sie sah nur den aufgeschlitzten Körper ihres Bruders. Schwankend ging sie auf ihn zu. Es fühlte sich alles so unreal an. Wo war sie überhaupt? War sie nicht eben noch in Hima gewesen? Sie streckte ihre Hand zu Genis’ Körper aus, aber sie ging durch ihn durch, als wäre er nur eine Illusion. Da wurde Raine klar, dass es nichts anderes sein konnte. Gefasst stand sie auf.
„Ich falle auf deine Illusionen nicht herein, Nub Eld!“, rief sie mit klarer Stimme.
Im nächsten Moment war sie wieder bei ihren Freunden.
„Raine!“, rief Genis.
„Genis!“, flüsterte Raine und umarmte ihn.
Und ich hatte schon Angst, du würdest nicht herausfinden, dass es sich um eine Illusion handelt…
„Huhuhu! Das wäre ja auch zu einfach gewesen!“, lachte eine Stimme im Nebel.
Raine, du solltest vorsichtig sein.
„Das sagst du so leicht! Wie soll ich mich vor ihm schützen, wenn ich ihn nicht sehen kann?“, fragte Raine.
Ich weiß es nicht… Versuche einfach, seine Schritte vorherzusehen…
Aber so sehr Raine sich auch bemühte, sie sah nichts außer Nebel, sie hörte nichts außer ihrem Atem, der unregelmäßig ging und ihr klopfendes Herz, sie spürte nichts außer dem sanften Wind.
Raine seufzte. So würde sie den Dämonen nicht besiegen können.
Raine, pass auf!
Aber Juell spürte, dass es bereits zu spät war. Raine stand mit gesenktem Kopf da, hob ihre Hand in den Nebel und hatte auf einmal einen Dolch in der Hand. (Ich hab es irgendwie mit Dolchen, sieht man später noch XD)
„Ähm… Raine?“, fragte Genis verwirrt.
Aber als Raine den Kopf hob, waren ihre Augen von Hass erfüllt. Langsam ging sie auf Kratos zu.
„Raine?! Was… Was hast du vor?!“, fragte Kratos, der schon eine Ahnung hatte, was Raine gleich tun würde.
„Ich muss… dich töten!“, rief Raine und fing an, Kratos mit dem Dolch anzugreifen.
Dieser konnte zwar ausweichen, aber Raine ließ nicht nach.
„Was ist mit ihr?!“, fragte Genis beunruhigt.
Raine, hör nicht auf das, was Nub Eld dir einredet!
Denn Nub Eld war es, der Raines Sinne verwirrte und ihr einredete, dass sie Kratos töten musste. Aber Raine schien Juell gar nicht zu hören.
Es bringt nichts, sie hört nicht auf mich…
„Raine! Komm wieder zu dir!“, rief Kratos verzweifelt.
Aber nichts änderte sich. Raines Augen waren immer noch kalt und hasserfüllt und der Dolch in ihrer Hand hörte nicht auf, auf Kratos Brust zuzurasen. Auf einmal stolperte Kratos und schlug sich leicht den Kopf auf, so dass er etwas benommen war. Diesmal konnte er nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Seine Kleidung färbte sich blutrot, was er aber nicht mehr mitbekam, denn er fiel in Ohnmacht.
„NEIN!!!“, schrie Raine, die wieder zu sich kam. Der Dolch fiel ihr aus der Hand.
Sie wollte schon zu Kratos rennen, aber Juell riet ihr davon ab.
Du darfst dich nicht ablenken lassen! Du hast doch gesehen, was Nub Eld anstellen kann! Wenn du jetzt unachtsam bist, wer weiß, was den anderen dann noch passiert!
Das sah Raine ein und so überließ sie es den anderen, sich um Kratos zu kümmern.
„Nub Eld, zeige dich endlich!“, rief Raine wütend.
„Huhuhu! Fang mich doch!“, rief der Dämon lachend.
Ihn schien das Ganze zu amüsieren.
Raine hatte Mühe, ruhig zu bleiben.
„Wie du willst…“, sagte sie zähneknirschend.
Was hast du vor?
Raine ignorierte Juell. Sie wurde ganz ruhig und entspannte sich, genau wie beim Kampf gegen den ersten Dämon. Sie wusste selber nicht genau, was sie vorhatte, sie wusste nur, dass sie einen neuen Zauber brauchte.
Ein neuer Zauber? Aber was für einen? Ich kenne nur den einen…
„Ris mana, lon do fumes, kiras nade ni carrix yi eleoron!“, rief Raine und an einer Stelle im Nebel leuchtete es hell.
Raine, du verblüffst mich immer wieder…
„Ich denke, jetzt dürfte es kein Problem sein, den Dämonen zu besiegen.“
Der Dämon war in einem Käfig aus Licht gefangen. Wütend rüttelte er an den Stangen. Er unterschied sich im Aussehen von den anderen Dämonen wirklich stark, denn er sah selber aus wie Nebel. Der durchsichtige Stein auf seiner Stirn war das Einzige, das eine feste Form zu haben schien.
„Hu, das macht jetzt aber keinen Spaß mehr!“, sagte er.
„Siehst du es etwa als Spaß an, meinen Freunden weh zu tun?“, fragte Raine verärgert.
„Natürlich! Ich liebe es, Leute leiden zu sehen!“
„Dann hast du keine Gnade verdient!“ (Nicht, dass sie ihm welche gewährt hätte… XD)
Nachdem also auch dieser Dämon zu einem Haufen Asche geworden war, verschwand der Nebel. Raine rannte besorgt zu Kratos.
„Wie geht es ihm?“, fragte Raine.
„So wie es aussieht ganz gut… Er scheint nur bewusstlos zu sein“, meinte Lloyd.
In diesem Moment öffnete Kratos die Augen.
„Mein Kopf…“, murmelte er.
„Dein Kopf?! Was ist mit deiner Wunde, tut die überhaupt nicht weh?“, fragte Genis verwundert.
„Was für eine Wunde?“
Erst jetzt sah Kratos das Blut auf seiner Kleidung. Er zog sein Oberteil aus. Er trug immer noch das Medaillon, das Raine ihm in Asgard gegeben hatte, um den Hals. Anscheinend hatte der kleine Ring, der das Medaillon mit der Kette verband, den Dolch davon abgehalten, ihn schwer zu verletzen.
„Ich nehme an, den Namen ‚Schutzmedaillon’ hat es wirklich verdient…“, sagte Kratos.
„Ich bin so froh…“, murmelte Raine und umarmte Kratos. (Hui! ^^)
Lloyd, Genis und Colette warfen sich gewisse Blicke zu.
In der Nacht war es recht windig. Das ganze Haus knarrte und krächzte. Raine warf sich unruhig auf ihrem Bett hin und her. Erschrocken wachte sie auf. Sie zitterte am ganzen Leib. Noch einmal hatte sie mit ansehen müssen, wie Genis aufgeschlitzt worden war und wie sie Kratos fast niedergestochen hatte. Sie winkelte die Beine an, schloss ihre Arme darum und legte ihren Kopf auf die Knie. Sie würde nicht wieder einschlafen können und wenn doch, würde sie wieder Alpträume haben.
Raine… Ich habe dich gewarnt. Der Dämon hat gespürt, zu wem du die stärksten Beziehungen hast und hat das zu seinem Vorteil genutzt. Und es wird wieder passieren. Nicht nur könnten deine Freunde verletzt werden könnten, deine Angst um sie wird dich irgendwann auch zerstören.
„Du meinst, das Einzige, was ich machen kann, ist alleine weiter zu reisen?“, fragte Raine niedergeschlagen.
Ja. Ich bin mir inzwischen sicher, dass du die restlichen Dämonen auch alleine besiegen kannst. Du hast mich jetzt schon so oft überrascht!
„Aber sie werden mir wahrscheinlich folgen…“
Natürlich werden sie das, sonst wären sie ja nicht deine Freunde! Deswegen solltest du jetzt aufbrechen, dann hast du einen Vorsprung.
„Wie, jetzt sofort?“, fragte Raine ein wenig erschrocken.
Klar! Sie schlafen tief und fest und bis sie dein Verschwinden bemerken, bist du schon längst über alle Berge! Außerdem kannst beziehungsweise willst du doch auch nicht mehr schlafen.
„Ja, vielleicht wäre es wirklich das Beste… Aber ich sollte ihnen eine Nachricht schreiben, damit sie sich keine Sorgen machen…“
Das werden sie so oder so tun…
Raine stand leise auf, packte ihre Sachen und schrieb eine kurze Nachricht, in der sie nur erwähnte, dass sie alleine weiter reisen wollte und sie ihr nicht folgen sollten. Noch einmal stellte sie sicher, dass alle schliefen. Aus irgendeinem Grund zögerte sie, nach draußen zu gehen.
Du solltest langsam gehen, wenn du nicht willst, dass sie dich zu schnell einholen. Immerhin musst du erst einmal nach Iselia reisen und die Rheairds holen.
„Njujin? Bist du das?“, fragte Raine flüsternd.
Und wenn ich es wäre? Du solltest jetzt wirklich aufbrechen…
Raine, er hat Recht.
„Ja…“
Also brach sie auf in Richtung Westen. Dort würde sie über die Brücke erst nach Izoold, dann über den Ossa-Pfad nach Triet und von dort auch nach Iselia kommen. Raine fror, was nicht nur am kalten Wind sondern auch an ihrer Müdigkeit lag. Wie gerne würde sie eine Pause machen und sich schlafen legen. Aber das ging nicht. Sie musste weiter.
Als die Sonne aufging, hatte sie es nicht mehr allzu weit bis zur Brücke. Sie machte eine kleine Pause und aß ein wenig Brot, das sie noch mitgenommen hatte. Sie fragte sich, ob die anderen womöglich gerade aufstanden und ihre Abwesenheit bemerkten. Sie würden keine Sekunde warten und sofort aufbrechen, es sei denn der verschlafene Lloyd würde sie noch aufhalten. Raine gluckste. (Ah, ich liebe dieses Wort! ^^) Sie konnte sich die Szene richtig gut vorstellen: Lloyd, noch total verschlafen, gähnte und verstand gar nicht, was um ihn herum vorging.
Nachdem dieses Bild vor ihren Augen verschwunden war, ging sie weiter. Sie hatte noch einen weiten Weg vor sich und würde wohl erst am Abend in Iselia ankommen – vorausgesetzt, sie machte keine allzu langen Pausen.
Zwei Stunden später hatte sie die Brücke erreicht. (Ist das einigermaßen realistisch? Im Spiel geht das Ganze natürlich schneller, aber in der Wirklichkeit… Ich hab so gerechnet, dass sie um 2 Uhr nachts aufgebrochen ist und um 20:30 Uhr in Iselia ankommt… Pausen nicht mitberechnet…)
Als Kratos aufwachte, schliefen die anderen noch, obwohl die Sonne schon längst aufgegangen war. Dass Lloyd lange schlief, war nicht weiter verwunderlich, aber er hätte erwartet, dass Genis oder Raine schon aufgestanden waren. Aber Genis schien genauso fest zu schlafen wie Lloyd und Colette. Allerdings sah er Raine nicht. Vielleicht war sie ja doch schon aufgestanden. Ohne sich weiter darüber Gedanken zu machen, ging er nach draußen. Es regnete. Dichte, rabenschwarze Wolken bedeckten den Himmel und ließen ihren Inhalt auf die Welt fallen. Der Boden war schon total matschig. Kratos zweifelte daran, dass Raine bei einem solchen Wetter nach draußen gegangen war. Andererseits konnte es auch sein, dass es erst angefangen hatte, zu regnen und Raine bei trockenem Wetter nach draußen gegangen war. Aber wohin? Hima war nun wirklich nicht groß. Außer dem meistens überfüllten Gasthaus hatte es nur einen Stand, der außer Waffen und Nahrungsmittel nicht mehr zu bieten hatte und einen kleinen Friedhof, auf dem nur ein paar Leute vergraben lagen. Das Einzige, was wirklich beeindruckend war, war die Spitze des Berges, auf dem das winzige Dorf angesiedelt war. Von dort aus hatte man früher eine wunderbare Sicht auf den Turm des Heils gehabt, der ja im Laufe ihrer Reise verschwunden war.
Aber ganz egal, wie Kratos es betrachtete, Raine wäre bei diesem Wetter nicht mehr draußen. Also musste sie noch im Gasthaus sein. Aber er fand sie nirgends. Er fragte die Inhaberin, ob sie Raine heute schon gesehen hatte, aber diese meinte, sie hätte sie nur am Vorabend gesehen. Besorgt ging Kratos zurück in das Zimmer, in dem die anderen noch schliefen. Wo konnte Raine bloß sein? Er hatte die wildesten Fantasien, zum Beispiel, dass sie entführt worden war und irgendwo gefesselt und geknebelt ängstlich auf ihre Rettung wartete. Aber er musste sich korrigieren. Raine würde nicht irgendwo ängstlich auf ihre Rettung warten. Sie nahm die Dinge selber in die Hand, wie man schon oft genug gesehen hatte. Außerdem würde sie sich nicht von einfachen Handlangern entführen lassen, wo sie immerhin im Alleingang gefährliche Dämonen besiegte und damit die Welt rettete. Trotzdem machte Kratos sich Sorgen. Er sah gerade aus dem Fenster, als sein Blick die Fensterbank streifte. Dort fiel ihm ein Zettel auf. Als er den Zettel gelesen hatte, konnte er es nicht fassen. Raine hatte sich alleine auf den Weg gemacht – noch dazu mitten in der Nacht – und meinte, sie sollten sich keine Sorgen machen! Jetzt war Kratos erst recht beunruhigt. Zwar wusste er, dass Raine stark war und sehr wohl die Dämonen ohne ihre Hilfe besiegen konnte – eigentlich hatten sie ihr ja sowieso kaum geholfen – aber trotzdem konnte sie doch nicht einfach so alleine aufbrechen!
„Wacht auf!“, rief Kratos, aber es wurden nur Proteste gemurmelt.
„Lass mich… Will schlafen…“, murmelte Lloyd, als Kratos ihn an der Schulter schüttelte.
„Raine ist verschwunden!“, setzte Kratos nach.
„WAS?!“, schrie Genis, der auf einmal hellwach war.
„Wo ist sie denn hin?“, fragte Colette müde.
„Hier, lest euch das durch!“, sagte Kratos und gab den beiden den Zettel.
Inzwischen versuchte er die Schlafmütze namens Lloyd zu wecken, was ihm aber nicht so recht gelang.
„Lloyd, steh jetzt endlich auf, oder wir lassen dich zurück! Wir müssen so schnell wie möglich Raine einholen! Ich will gar nicht daran denken, in welche Schwierigkeiten sie wieder stolpern könnte!“, meinte Genis beunruhigt.
Erst jetzt schien Lloyd zu merken, worum es ging. Auf einmal war er hellwach.
„Professor Raine ist… weg?“, fragte er, um sicher zu gehen.
„Ja, Lloyd!“, antwortete Genis genervt.
Lloyd erinnerte sich wieder an seinen Traum. Es war zwar unwahrscheinlich, dass er, wenn es sich um eine Vision handelte, schon jetzt eintrat, aber Lloyd machte sich trotzdem Sorgen.
„Wir müssen uns beeilen!“, rief er bestimmt.
„Das sagen wir schon die ganze Zeit, Lloyd!“, riefen Kratos und Genis gleichzeitig.
„Auf wen, glaubst du, warten wir? Auf dich! Also komm in die Puschen!“, meinte Genis ungeduldig. (XDDD)
„Aah! Warum habt ihr mich nicht schon früher geweckt?“, fragte Lloyd.
„Du wolltest ja nicht aufwachen!“, bemerkte Genis.
„Oh…“, sagte Lloyd.
„Kommt jetzt“, forderte Kratos die anderen auf.
„Nju!“, rief Njujin und sprang auf Kratos’ Schulter.
Als sie nach draußen gingen, hatten sie innerhalb weniger Sekunden keine einzige trockene Stelle mehr an ihrem Körper. Der Regen hatte sie total durchnässt.
„Heute haben wir echt kein Glück!“, rief Genis wütend.
„Aah!“, rief Colette, die auf dem matschigen Boden ausgerutscht war.
Dabei riss sie Lloyd mit sich zu Boden.
„Tut mir Leid, Lloyd!“, entschuldigte sich Colette.
„Schon gut…“, seufzte Lloyd.
So gut es ging, säuberten sich Lloyd und Colette von dem Schlamm.
„Kommt ihr endlich?“, fragte Genis hibbelig.
Hoffentlich stößt Raine nichts zu… Vielleicht hätte ich wachsamer sein müssen…, dachte Kratos besorgt.
[Dieser Beitrag wurde am 11.08.2007 - 19:33 von DelFina18 aktualisiert]
Signatur
Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!
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