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DelFina18 ...
~Kraine no Aikosha~
...............

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...   Erstellt am 07.01.2008 - 14:12Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Schneeflocken


Ununterbrochen fielen die Schneeflocken vom Himmel und hinterließen eine winterliche Stadt, die nie etwas anderes als Schnee gesehen hatte. Der eisige Wind wehte durch die Straßen und brachte die meisten dazu, in ihren Häusern zu bleiben, zumal es Heiligabend war. Eine Frau, die in einen dicken Mantel eingekuschelt war, kam aus dem warmen Gasthaus und ging zu dem kleinen Balkon in der Nähe der Kirche. Von dort aus hatte man einen wunderschönen Überblick über die verschneite Stadt. Aber die Frau war nicht wegen des Anblicks aus dem Gasthaus gekommen, sondern um über etwas nachzudenken. Sie strich sich eine Strähne ihres weiß-silbernen Haares aus dem Gesicht und verschränkte danach die Arme, um sich zu wärmen. Mit ihren himmelblauen Augen sah sie einer Schneeflocke dabei zu, wie sie langsam zu Boden fiel. Schneeflocken. Ein interessantes Thema, fand Raine Sage. Wie kam es, dass sich keine Schneeflocke der anderen glich? Raine hätte zu gerne jede einzelne Schneeflocke untersucht, um zu sehen, ob sich nicht doch irgendwo welche fanden, die identisch waren. Aber deswegen war Raine nicht nach Flanoir gekommen. Sie wollte mit ihrem Bruder und ihren Freunden Heiligabend feiern. Aber sobald die Geschenke verteilt worden waren, hatte Raine das Bedürfnis gehabt, nach draußen zu gehen. Sie hatte die Hoffnung, in der frischen, kalten Luft ihre Gedanken ordnen zu können. Je näher Weihnachten gekommen war, desto verwirrter war sie geworden, desto mehr war diese unerträgliche Leere in ihr gewachsen. Eine Leere in ihrem Herzen, ein Loch, das sie einfach durch nichts schließen konnte. Und der Schmerz, der psychische Schmerz, den es verursachte, verschwand einfach nicht, egal wie oft Raine weinte. Noch nie hatte Raine solche Schmerzen verspürt. Am schlimmsten schien es zu sein, wenn sie sah, wie glücklich die anderen waren. Wenn sie sah, wie fröhlich Lloyd und Colette aussahen, wenn sie Arm in Arm durch die Straßen gingen, wie Zelos verzweifelt versuchte, Sheenas Aufmerksamkeit zu bekommen und wie Genis zu stottern anfing und rot anlief, wenn Presea in der Nähe war. Auch Regal schien glücklich zu sein, wenn er sich an die schönen Momente mit Alicia zurückerinnerte.
Raine hingegen war allein. Allein gelassen von dem Einzigen, der das Loch in ihrem Herzen hätte füllen können. Raine ging ein paar Schritte, wobei der Schnee unter ihren Schuhen knirschte und lehnte sich an das Geländer. Genauso hatte sie damals gestanden, als sie nach Flanoir gekommen waren, um den Arzt aufzusuchen, der Altessa behandeln sollte und eine Nacht in der Stadt des ewigen Winters hatten übernachten müssen. Raine schloss die Augen und eine Erinnerung stieg in ihr auf.

Raine stand draußen auf dem Balkon und sah dem Schnee bei seinem Fallen zu, während sie sich an das Geländer lehnte. Obwohl es so ruhig war, merkte sie nicht, wie sich ihr eine Person näherte.
„Wenn du weiterhin so stehen bleibst, frierst du noch am Geländer fest.“
Raine drehte sich erschrocken um und sah einen hoch gewachsenen Mann mit rotbraunen Haaren, der in einen lila Anzug gekleidet war. An seiner linken Seite hing ein Schwert, auf dem er immer griffbereit eine Hand liegen hatte. Dass er nicht fror, war Raine ein Rätsel. Aber vielleicht wusste er auch nur, es zu verbergen.
„Kratos!“, rief Raine überrascht. „Was machst du hier?“
Ihr Ton war bei dieser Frage etwas kühler und schärfer, als sie beabsichtigt hatte. Kratos verschränkte die Arme und sagte mit ruhiger Stimme: „Aufpassen, dass dir nichts passiert.“
„Was sollte mir schon passieren? Ich kann auf mich aufpassen!“ Sie wollte an ihm vorbeigehen, doch dann rutschte sie aus. Sie wartete auf den Aufprall, der aber nie kam, weil zwei starke Arme ihren Fall abgefangen hatten.
„Wirklich?“, fragte Kratos und verbarg hinter seinen Haaren, die seine linke Gesichtshälfte verdeckten, ein kleines Lächeln.
Raine lief rot an und wich zurück. „N… Natürlich! Nur weil ich einmal ausrutsche…“
„Ich hoffe, du schaust dir nicht zu viel bei Colette ab… Ich bezweifle, dass ihr Mithos besiegen könnt, wenn du zur zweiten Colette mutierst.“
Raines Gesicht war inzwischen so heiß, dass man Spiegeleier darauf hätte braten können.
„Das kann dir doch egal sein! Du bist unser Feind!“, rief sie und versuchte, die Röte aus ihrem Gesicht zu verbannen.
„Was ist, wenn ich dir sage, dass es mir nicht egal ist?“, fragte Kratos und sah sie an.
„Wenn das so ist, warum kämpfst du dann nicht mit uns?“ In diesem Moment spürte Raine, dass sie gerne wieder mit Kratos an der Seite gekämpft hätte. Er strahlte diese unglaubliche Ruhe aus, die einen besänftigte. Raine sah ihn fast bittend an.
Kratos schien eine Weile zu überlegen, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich kann nicht.“
„Dann werde ich dich weiterhin als Feind ansehen“, sagte Raine kaltherzig.
„Heh. In deinem Leben gibt es wohl nur Schwarz- und Weißtöne, oder? Schon einmal etwas von Grautönen gehört? Nicht alles ist in schwarz und weiß, gut und böse aufgeteilt, Raine.“
„Dadurch, dass ich mich auf das Schlimmste vorbereite, verhindere ich, dass ich verletzt werde“, erklärte Raine.
„Und du denkst, das hilft? Du wirst nicht immer verhindern können, dass du verletzt wirst.“
„Stell dir mal vor, das habe ich am Turm des Heils auch gemerkt!“, rief Raine mit bitterer Stimme.
Kratos’ Verrat im Turm des Heils war auch für sie total überraschend gekommen. Sie hatte immer gewusst, dass etwas an ihm komisch gewesen war, aber sie wäre nie im Leben darauf gekommen, dass er sie eines Tages verraten würde. Dafür war das Vertrauen zu groß gewesen.
„Raine…“
Ihre Augen weiteten sich, als sie seine Lippen auf ihren spürte. Wann war er so nahe gekommen? Raine war wie gelähmt. Auf so etwas war sie nicht vorbereitet gewesen. Schließlich sah Kratos Raine in die Augen und sagte: „Vertrau mir. Noch einmal. Bitte!“
Bevor Raine auch nur in irgendeiner Weise antworten konnte, war er verschwunden.


Auch damals war Raine verwirrt gewesen und sie hatte oft an dieses Treffen denken müssen. Warum hatte er sie geküsst? Diese Frage raubte ihr allmählich den Verstand. Sie hatte ein paar Gelegenheiten gehabt, ihn das zu fragen, aber jedes Mal war ihr kein Wort über die Lippen gekommen. Und dann war er einfach nach Derris-Kharlan gegangen, ohne sich von ihr zu verabschieden und ließ sie mit ihren ganzen Fragen zurück. Außerdem mit einem Haufen von Gefühlen. Raine war klar geworden, wie glücklich sie war, wenn Kratos in ihrer Nähe war, wie entspannt und sicher sie sich fühlte. Sie brauchte ihn, sie konnte nicht mehr ohne ihn leben. Sie liebte ihn. Aber nun war er fort und selbst wenn Raine jemals den Mut dazu hätte, ihm ihre Gefühle zu sagen, so würde sie es doch nie können, denn er würde nie zurückkommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Derris-Kharlan der Welt noch einmal so nahe kommen würde, dass die Teleporter auf dem Planeten wieder funktionierten, war gleich null. Zumindest würde das nicht in den nächsten paar tausend Jahren geschehen. Das sagte Raines Verstand. Aber ihr Herz wollte einfach auf ein Wunder hoffen. Was, wenn sie Kratos doch irgendwann wieder sehen würde? Vielleicht konnte man nicht immer logisch denken, sondern musste auch mal auf Wunder hoffen. Aber was würde ihr das Hoffen bringen? Letztendlich nur noch mehr Schmerzen, wenn ihre Hoffnung starb.
Raine seufzte. Sie war genauso verwirrt wie vorher. Das Einzige, worauf sie sich jetzt konzentrieren sollte, war die Gegenwart. Für verwirrende Erinnerungen aus der Vergangenheit und törichte Zukunftsträume war momentan einfach keine Zeit.
„Raine! Da bist du ja!“, rief ein kleiner Junge, der genauso weiß-silberne Haare wie Raine hatte.
„Genis!“
„Du wirst noch erfrieren, wenn du weiterhin draußen bleibst! Du bist schon über eine Stunde hier…“
„So lange schon?“, fragte Raine ein wenig überrascht.
Wie schnell die Zeit doch verging, wenn man in Gedanken vertieft war.
„Komm Raine, an Heiligabend sollte man nicht alleine in der Kälte stehen und vor sich hingrübeln! Immerhin ist Weihnachten das Fest der Liebe!“, sagte Genis und schob sie ihn Richtung Gasthaus.
„Das Fest der Liebe… Dass ich nicht lache…“, murmelte Raine so leise, dass Genis es nicht hören konnte.
Den Rest des Abends sah sie dabei zu, wie Zelos und Lloyd die ganze Bowle austranken und danach durch die Gegend torkelten, wie Colette immer wieder stolperte und dabei eine Vase nach der anderen umstieß, die daraufhin in tausend Stücke zersprangen und wie Sheena Zelos endlos viele Kopfnüsse verpasste, weil er in seiner Trunkenheit immer wieder versuchte, sie zu umarmen, wobei sich Raine sicher war, dass er das auch versucht hätte, wenn er nicht betrunken gewesen wäre. Genis las sein neues Buch, während Regal den Nachtisch vorbereitete und Presea schnitzte mit einem kleinen Messer, das Genis ihr geschenkt hatte, eine kleine Holzfigur. Was genau, konnte Raine nicht erkennen. Langsam fielen ihr die Augen zu und sie wäre wohl trotz des Lärms eingeschlafen, wenn sie nicht jemand angestupst hätte. Müde öffnete Raine die Augen und sah das kleine rosahaarige Mädchen vor sich stehen.
„Presea? Was gibt es?“
„Hier. Mein Geschenk für dich“, sagte Presea und gab ihr die kleine Holzfigur.
Es war ein Schwan, der sehr detailliert geschnitzt worden war. Presea war wirklich in ihrem Element, wenn es ums Schnitzen ging.
„Aber du hast mir doch schon ein Buch geschenkt“, meinte Raine.
„Ja, aber ich habe mir gedacht, du kannst es vielleicht gebrauchen. Schwäne bleiben ein Leben lang zusammen, wenn sie ihren Partner gefunden haben. Deswegen soll der Schwan Glück in der Liebe bringen“, erklärte Presea.
„Aber wieso denkst du, dass…“
„Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben. Er wird zurückkommen, Raine.“ Mit einem Lächeln wandte sich Presea ab und ging zu Genis, der inzwischen Regal dabei half, den Tisch zu decken.
„Ist es… so offensichtlich?“, flüsterte Raine ein wenig irritiert.

Apathisch ging Kratos durch Welgaia. (Ui, endlich kann ich mal mit Fremdwörtern um mich schmeißen! XDDD Apathisch heißt teilnahmslos, für alle, die es nicht wissen. ^^)
Er hatte keine Ahnung, wie viel Zeit schon vergangen war, seit er auf Derris-Kharlan war, aber es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Schon oft hatte er sich gefragt, warum er unbedingt zu diesem Planeten aus purem Mana hatte gehen wollen, wo bis auf ein paar leblosen Engeln niemand war. Er hatte gedacht, es wäre seine Aufgabe als Mitglied von Cruxis, die ganzen Exspheres ins Weltall zu schütten, damit sie in keine falschen Hände geraten konnten. Andererseits war es mehr als unwahrscheinlich, dass die Engel jemals etwas anderes tun würden, als vor sich hin zu vegetieren und sonst konnte niemand auf den Planeten gelangen. Genauso wenig konnte Kratos zur Welt zurückkehren, auf der sein Sohn und seine Freunde lebten. Und sie… Wie es Raine wohl ging? Oft stellte er sich diese Frage. Er hätte nicht einfach gehen sollen, ohne sich von ihr zu verabschieden. Aber er wusste, dass er nicht hätte gehen können, wenn er sie noch einmal gesehen hätte. Er wäre geblieben. Und vielleicht wäre das das Beste gewesen. Er hätte ein richtiges Leben haben können, er hätte sich einmal in seinem Leben um seinen Sohn kümmern können, aber er war wieder einmal feige gewesen und war abgehauen. Er rannte immer vor seiner Verantwortung davon. Dabei hätte man meinen können, er hätte dazu gelernt. Wenn es irgendeinen Weg gäbe, zur Welt zurückzukehren, er würde nicht zögern, ihn zu nehmen. Aber zurück käme er höchstens, wenn er es schaffte, Derris-Kharlan so nahe an Sylvarant und Tethe’alla zu bringen, dass die Teleporter wieder funktionierten. Allerdings müsste er darauf achten, dass der Planet die neue Welt nicht rammte, denn sonst würde er alles Leben auslöschen. Ein durchaus ernstzunehmendes Risiko. Würde er es wagen, alles Leben aufs Spiel zu setzen, nur damit er zurück käme? Er wusste es nicht. Aber momentan driftete Derris-Kharlan sowieso von der Welt weg. Und er hatte keine Ahnung, wie er die Richtung ändern könnte. Lethargisch ging er in Richtung Vinheim. (lethargisch = apathisch = teilnahmslos XDDD) In letzter Zeit hielt er sich sehr oft in der Bibliothek von Vinheim auf, denn viel konnte man hier oben nicht tun. Die ganzen Exspheres hatte er schon vor einer Weile entsorgt und so verbrachte er seine Zeit damit, unglaublich langweilige Bücher zu lesen. Selbst Raine hätte höchstens an ihrer Rarität und ihrem guten Zustand Gefallen gefunden, aber nie im Leben am Inhalt. Raine. Wieder musste er an sie denken. Wie sie sich immer die weiß-silbernen Strähnen aus dem Gesicht strich; wie ihre himmelblauen Augen schnell über die Seiten eines Buches flogen; wie sie nie müde wurde, eine Ruine zu erforschen, die sie schon mehrmals bis aufs kleinste Detail analysiert hatte; wie ihre Kochversuche immer in einer Katastrophe und mit mehreren Fällen von Magenverstimmung endeten und wie angespannt sie war, wenn sie in die Nähe von Wasser kam. Er wusste schon viel über sie und doch kam es ihm vor, als wüsste er gar nichts. Was war ihr Lieblingsessen, ihr Lieblingsbuch, ihre Lieblingsjahreszeit, ihr Lieblingsfest? Er würde es wohl nie herausfinden…
In der Bibliothek angelangt schnappte er sich willkürlich ein Buch und setzte sich auf einen Stuhl. Das Buch beschäftigte sich mit dem Aufbau von verschiedenen Blumen. Er fragte sich, warum Mithos gerade solch ein Buch aufgehoben hatte. Sein Interesse galt nicht den Blumen, soweit Kratos wusste. Für ein paar Minuten sah sich Kratos die Seiten an, aber es wurde ihm dann doch zu langweilig und er warf das Buch gegen die ihm gegenüberliegende Wand. Ein Klicken war zu hören und zu seiner Linken schwang ein Bücherregal zur Seite. Ein dunkler Geheimgang war zu sehen. Er war Kratos vollkommen unbekannt, dabei meinte er, sich auf Derris-Kharlan perfekt auszukennen. So konnte man sich irren. Aber warum hatte Mithos den Gang geheim gehalten? Was verbarg sich dort hinter? Da Kratos’ Neugier immer stärker wurde und er sowieso nichts Besseres zu tun hatte, schnappte er sich eine Fackel, die er mit Fire Ball anzündete und betrat den dunklen Gang. Er war wohl nicht sehr oft benutzt worden, denn eine dicke Staubschicht bedeckte den Boden und Kratos musste mehr als einmal Spinnenweben aus seinen Haaren und seinem Gesicht streichen. Nach einer Weile wurde es heller und Kratos konnte die Fackel löschen. Er fand sich in einem Raum wieder, in dessen Mitte sich eine große Plattform befand, die von Schaltpulten umgeben war. Als Kratos näher kam, erkannte er, dass es sich um einen Teleporter handelte. Aber warum hatte Mithos ihn dann versteckt? Kratos betrachtete die Schaltpulte genauer. Nach einer Weile begriff er, dass das kein gewöhnlicher Teleporter war. Er zapfte das Mana von Derris-Kharlan an und wandelte es in Teleportationsenergie um. Da Derris-Kharlan eine so große Menge an Mana besaß, konnte man sich mit diesem Teleporter über weite Strecken hinweg teleportieren – womöglich zu allen bekannten Planeten.
Kratos konnte sein Glück nicht fassen. Das war seine Rückfahrkarte ins richtige Leben. Er musste nur die Schaltpulte korrekt einstellen – eine Leichtigkeit für ihn. In weniger als einer halben Minute war er fertig, stellte sich auf die Plattform und atmete noch einmal tief durch. Es gab keine Garantie, dass er das Ganze lebend überstehen würde und er hatte keine Ahnung, wo er ankam, aber das war es ihm wert. Er drückte auf einen Knopf und wurde von einem hellen Licht umschlossen.

„Hey! Aufwachen! Man könnte meinen, du hättest auf Derris-Kharlan genug Zeit zum Schlafen gehabt!“
Kratos öffnete müde die Augen. Wo war er? Er sah verschwommen eine Gestalt vor sich.
„Yuan? Bist du das?“, fragte er unsicher.
„Nein, weißt du, ich bin der Eisverkäufer von Triet! Natürlich bin ich es!“
„Dann… bin ich im Stützpunkt von Sylvarant gelandet?“
„Wäre schön gewesen, wenn es so gewesen wäre… Aber nein, du musstest ja mitten in Triet landen, wo du nicht nur einen Bürger fast zu Tode erschreckt hast! Aber jetzt erklär mir doch mal, wie du es geschafft hast, zurückzukommen!“, forderte der blauhaarige Halbelf seinen Freund auf.
„Ich habe in der Bibliothek von Vinheim einen Geheimgang gefunden, der zu einem riesigen Teleporter führte. Er nutzt das Mana von Derris-Kharlan und kann einen so über weite Strecken teleportieren.“
„Von so einem Teleporter wusste ich gar nichts…“
„Ich auch nicht. Mithos muss ihn vor uns geheim gehalten haben, aber frag mich nicht, warum“, meinte Kratos.
„Und was hast du jetzt vor?“, wollte Yuan wissen.
„Ich werde natürlich meinen Sohn besuchen.“
„Ja, natürlich… Aber in Iselia wirst du ihn nicht antreffen“, bemerkte der Halbelf.
Kratos runzelte die Stirn. „Wo ist er dann?“
„Ich weiß nicht, wie weit du das mitbekommen hast, aber es ist Weihnachten. Und wo denkst du, werden er und seine Freunde sich dann wohl aufhalten?“
„In Flanoir… Gut, ich mache mich auf den Weg. Mach’s gut!“
„Ciao!“

„Hey, Raine! Dieses Geschenk ist vorhin für dich angekommen!“, sagte Sheena, als Raine aus ihrem Zimmer kam.
„Von wem ist es?“, fragte Raine verwundert.
„Keine Ahnung. Vielleicht von einem geheimen Verehrer?“, meinte Sheena grinsend.
„Wahrscheinlich ist es von einem ihrer verrückten Fans…“, murmelte Genis.
Raine öffnete das Geschenk. Es war eine silberne Kette mit einer Schneeflocke als Anhänger. Kleine, blau glitzernde Steine waren mit eingearbeitet. Ein Zettel war auch noch dabei.
„‚Komm gegen Abend zum eingefrorenen See’“, las Raine vor.
„Sag ich doch, ein geheimer Verehrer! Aber diese Kette ist wirklich schön… Die steht dir bestimmt gut!“, sagte Sheena.
„Heute Abend wirst du ja wissen, wer dir so ein teures Geschenk macht“, bemerkte Genis.
„Ich geh nicht hin“, erklärte Raine.
„Warum nicht, Professor?“, fragte Colette.
„Ich… Das ist doch… Einfach nur schwachsinnig!“, rief Raine und kehrte in ihr Zimmer zurück.
„Versteh einer die Frauen…“, murmelte Zelos und Regal nickte zustimmend.
„Wer hat denn das Geschenk eigentlich abgegeben?“, fragte Lloyd.
Sheena sah Presea an. „Du hast das Geschenk doch entgegen genommen, oder?“
Das rosahaarige Mädchen nickte. „Ich weiß, von wem das Geschenk ist.“
Alle sahen sie erwartungsvoll an.
„Ich habe versprochen, nichts zu sagen. Es soll eine Überraschung werden.“
Genis seufzte. „Aber wenn Raine nicht hingeht, wird es wohl keine tolle Überraschung werden…“
Presea nickte. „Deswegen werde ich sie jetzt überzeugen.“ Sie klopfte an Raines Tür und nach kurzer Zeit machte Raine auf.
„Versuch ja nicht, mich zu überzeugen, dort hin zu gehen.“
„Ich weiß, von wem das Geschenk ist“, erzählte Presea.
„Was?“, fragte Raine überrascht.
„Ich kann dir nur sagen, dass du es bereuen wirst, wenn du nicht hingehst, glaub mir“, sagte Presea und schon war sie wieder verschwunden.
Raine dachte nach. Konnte es vielleicht sein, dass…? Aber den Gedanken verwarf Raine wieder. Sie seufzte. Sie konnte ja wenigstens gucken, wer ihr die Kette geschenkt hatte und sich bedanken.

Am Abend ging sie zum See. Sie zog ihre Schlittschuhe an und fuhr hinaus auf die feste Eisfläche, aber sie sah niemanden. Sie seufzte und fuhr ein wenig auf dem See. Es fing zu schneien an und Raine fühlte sich auf einmal frei. Sie fuhr rückwärts und hielt die Augen geschlossen. Plötzlich stieß sie gegen jemanden. Sie drehte sich um, um sich zu entschuldigen, aber die Worte blieben ihr im Hals stecken, als sie sah, gegen wen sie gefahren war.
„Hallo, Raine“, sagte Kratos.
Raine war nicht in der Lage, irgendetwas zu sagen, sie brachte nur ein Gekrächze zustande. Tränen liefen ihr Gesicht hinab und sie umarmte Kratos. Als sie ihre Stimme wieder fand, murmelte sie: „Ich dachte, ich würde dich nie wieder sehen…“
„Das dachte ich auch.“
„Aber wie…?“
Kratos legte ihr einen Finger auf die Lippen und sagte: „Später.“ Dann küsste er sie.
Raine schluchzte leise. „Danke für die Kette… Sie ist wunderschön…“
„Ich hatte gehofft, dass sie dir gefallen würde.“

„Mich würde ja schon interessieren, wer Raine die Kette geschenkt hat…“, meinte Genis.
„Yeah, mich auch! Hey, warum gehen wir nicht hin und schauen nach?“, schlug Lloyd vor. Schon rannte er nach draußen zum See.
„Hey, warte, Lloyd!“, rief Genis und folgte ihm.
Presea seufzte. „Dann können wir auch alle hingehen…“
Also gingen auch die anderen zum See.
Als sie auf dem höchsten Punkt eines kleinen Hügels standen, konnten sie von dort aus auf den See blicken. Es wurde langsam dunkel, aber trotzdem konnte man noch deutlich die Person erkennen, an die sich Raine schmiegte.
„DAD!!!“, schrie Lloyd begeistert. Doch als er zum See rannte, stolperte er und rollte den kleinen Abhang hinunter. So wurde er zu einer kleinen, lebenden Schneekugel.
„Au…“, murmelte er, als er unten ankam. „Dad!“
„Hallo, Lloyd“, begrüßte Kratos seinen Sohn und half ihm wieder auf.
„Dad, was machst du hier? Wie kommst du hierher? Und warum wolltest du erst Professor Raine sehen?“, fragte Lloyd ohne Pause dazwischen.
„Vergiss das Atmen nicht, Lloyd…“, meinte Genis.
Kratos seufzte und erzählte, wie er wieder von Derris-Kharlan runtergekommen war und dass er von Yuan gehört hatte, dass sie hier waren.
„Aber trotzdem verstehe ich nicht, warum du erst Professor Raine sehen wolltest…“, murmelte Lloyd.
„Mensch, Lloyd! Du bist echt ein wenig schwer von Begriff, kann das sein?“, seufzte Sheena.
Lloyd schaute sie fragend an, diese deutete aber nur auf Kratos, der einen Arm um Raine gelegt hatte.
„Du… Du meinst doch nicht etwa…“, stammelte Lloyd.
Lloyd sah Genis an. Dann fingen die beiden zu grinsen an.
„Cool!“, rief Lloyd. „Genis, du wirst mein Onkel!“
„Yeah!“, meinte Genis begeistert. „Ich bekomme einen Neffen, der älter als ich ist!“
Kratos lächelte. „So schnell sind wir noch nicht.“
„Ach, das sagen sie alle! Und ruckzuck ist ein Kind unterwegs und sie heiraten!“, bemerkte Zelos. „Also solltet ihr gut aufpassen, wenn ihr…“
„ZELOS!!!“, rief Sheena und verpasste ihm eine deftige Kopfnuss. „Es sind Kinder anwesend!“
„Lasst uns wieder reingehen, es ist kalt…“, sagte Colette.

Am Abend des nächsten Tages schneite es immer noch. Raine stand wieder an ihrem Lieblingsplatz, dem kleinen Balkon. Es war immer noch der schönste und ruhigste Platz in Flanoir. Sie fing auf ihrer Handfläche ein paar Schneeflocken auf und sah ihnen dabei zu, wie sie schmolzen. Diese Schneeflocken mochten schmelzen und vergehen wie eine Erinnerung, die man vergaß, aber nun hatte Raine ihre eigene Schneeflocke, die nie schmelzen würde. Sie umschloss den kleinen Kettenanhänger und schloss die Augen.
„Wenn du noch länger hier draußen bleibst, werden die Leute noch denken, du wärest eine Eisskulptur“, sagte eine Stimme.
Raine lächelte. „Sollen die Leute doch denken, was sie wollen.“
„Gut, dann bleibst du eben hier und frierst langsam fest, während wir anderen den leckeren Weihnachtspunch trinken und Spiele spielen“, meinte Kratos amüsiert.
„Hm…“ Raine zog Kratos näher zu sich heran. „Ich werde nicht alleine festfrieren…“
Sie küssten sich, während die Schneeflocken ihren Tanz zur Erde fortführten.


[Dieser Beitrag wurde am 07.01.2008 - 14:13 von DelFina18 aktualisiert]





Signatur


Crynil, do rical nade;
Elran, do tilial nade;
Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto;
Boli dyx strimur syrax windalk!

© by DelFina18




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