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DelFina18 ![]() ~Kraine no Aikosha~ Status: Offline Registriert seit: 17.03.2007 Beiträge: 246 Nachricht senden |
Das Labyrinth von Fleymur Ein neuer Tag begann. Die frühen Sonnenstrahlen durchbrachen die dicke Wolkendecke, die seit Tagen den Himmel bedeckt hatte. Die Luft war angenehm, nicht so schwül wie in den letzten Tagen. Ich stand im Türrahmen und betrachtete das friedliche Iselia. Ich schloss die Augen und streckte mich. Wenn man diese Idylle sah, konnte man sich nicht vorstellen, dass durchaus Störenfriede hier lebten, die einen tagtäglich um den Verstand bringen konnten. „Ok, jetzt wird Frühstück auf die moderne Art gemacht! Fire Ball!“ Erschrocken drehte ich mich um. Mein Bruder hatte doch wohl nicht wirklich vor…? Doch, genau das hatte er vor. Ich sah, wie er die drei Feuerbälle auf die unfertigen Pfannkuchen schleuderte. Es war ein Glück, dass nichts leicht Entzündbares in der Nähe war. Von seiner modernen Art des Frühstück Machens blieben nur verkohlte Pfannkuchen übrig. „Upps… Das war wohl nichts…“, murmelte mein Bruder und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Ich verpasste ihm eine Kopfnuss und schimpfte mit ihm: „Auf was für dumme Ideen kommst du eigentlich?! Du hättest unser ganzes Haus anzünden können! Außerdem ist es doch logisch, dass die Pfannkuchen auf diese Art verkohlen!“ Ich ließ einen tiefen Seufzer los. „Ich glaube, Lloyd hat einen schlechten Einfluss auf dich…“ „Tut mir Leid, Raine… Ich habe echt gedacht, es könnte funktionieren…“ „Genauso wie du neulich dachtest, es wäre leichter, das Haus mit Tidal Wave zu reinigen? Ich habe eine ganze Woche gebraucht, um alles wieder so herzurichten, wie es war! Und meine schönen Bücher sind alle voller Wasserflecken! Zum allerletzten Mal: Deine Magie ist für den Kampf bestimmt und nicht, um irgendwas im Haushalt zu erleichtern, verstanden?“ Genis senkte zerknirscht den Kopf. „Ja, Raine…“ Ich entspannte mich wieder. „Gut. Dann mach jetzt das Frühstück auf die alte Art…“ Genis nickte und räumte die verkohlten Pfannkuchen weg. Ich schüttelte den Kopf und betrachtete Genis. Plötzlich klopfte es an der Tür. „Ich geh schon!“, rief Genis und stürmte zur Tür. „Genis!“ Besorgt betrachtete ich den Pfannkuchen, der in der Pfanne immer brauner wurde. Ich ging hin und drehte ihn um. Wenigstens das konnte ich in Sachen kochen: Pfannkuchen umdrehen… Ich seufzte und fragte mich, ob es irgendjemanden gab, der noch schlechter kochen konnte als ich… Meine Gedanken wurden von einem lauten Poltern unterbrochen. Ich schaute in Richtung Tür und sah Genis auf dem Boden liegen, er war wieder einmal gestolpert. Ich schüttelte den Kopf. Konnte er nicht endlich mal lernen, die Füße beim Gehen zu heben? Tja, das war halt mein kleiner Bruder Genis… Inzwischen gehörte er auch schon zu den Störenfrieden. Aber der größte Störenfried war immer noch… „Lloyd! Was machst du denn hier?“, hörte ich meinen Bruder fragen. Ich seufzte. Wenn man vom Teufel spricht… Ähh… denkt… „Nun, Paps ist heute schon früh weg, er muss einen Auftrag erledigen… Und ich hatte keine Lust, alleine zu frühstücken. Deswegen wollte ich fragen, ob ich bei euch frühstücken kann.“ „Klar“, antwortete Genis. „Willst du auch bei uns frühstücken, Colette?“ „Yup!“, erwiderte Colette und ich konnte mir gut vorstellen, dass sie dabei lächelte. Ich hörte wie Genis die beiden rein ließ. Als Lloyd sah, dass ich in der Küche stand und mich um die Pfannkuchen kümmerte, war er sich allerdings wohl nicht mehr so sicher, ob er hier frühstücken wollte. „Professor Raine macht das Frühstück? Oh… Ähm… Ich glaube, ich habe es mir doch gerade anders überlegt…“ Genis eilte in die Küche und drängte mich weg. „Nein, nein, ich mache die Pfannkuchen! Raine hat nur mal kurz das Umdrehen für mich übernommen.“ Ich nickte. „Wow, das können Sie, Professor?“, fragte Lloyd erstaunt. Ich antwortete ihm mit einer Kopfnuss. „Überleg dir genau, was du sagst, Lloyd. Sonst kann es sein, dass ich doch noch einen speziellen Pfannkuchen für dich zubereite.“ Lloyd lachte zurückhaltend, er wusste, dass ich nicht zögern würde, meine Drohung in die Tat umzusetzen. Nach dem Frühstück fragte Colette: „Was habt ihr heute noch so vor?“ Genis und Lloyd zuckten mit den Schultern. „Ich muss heute nach Triet. Dort wurde ein antikes Artefakt für mich abgeliefert“, antwortete ich. „Wieso ausgerechnet in Triet?“, fragte Lloyd neugierig. „Weil ein Freund von mir, der in Triet wohnt, sich ebenfalls das Artefakt ansehen wollte. Und da ich sowieso mal wieder nach Triet wollte, habe ich das Artefakt dorthin liefern lassen.“ Genis, Lloyd und Colette sahen sich an. Lloyd grinste und sagte schließlich: „Okay, wir kommen mit Ihnen, Professor!“ Ach du heilige Martel… Das konnte nur in einer Katastrophe enden. Aber ich nickte nur. Wer weiß, was sie anstellen würden, wenn sie nicht mitkämen. In Triet angekommen, ging ich zielstrebig zu dem Haus meines Freundes. Ich klopfte an die Tür, doch niemand öffnete sie. Genis, Colette und Lloyd sahen mich fragend an. „Er müsste eigentlich da sein…“, meinte ich verwundert. „Wenn Sie Professor Nigex suchen… Der hat schon vor Tagen die Stadt verlassen“, meldete sich ein alter Mann zu Wort. „Aber… warum das?“, fragte ich irritiert. Der Mann zuckte mit den Schultern. „Ich glaube, er hat von einer ‚ganz erstaunlichen Entdeckung’ gefaselt…“ „Wissen Sie auch, wohin er gegangen ist?“ „Nein, tut mir Leid.“ Ich seufzte und bedankte mich. „Und was jetzt?“, wollte Genis wissen. „Wie wäre es, wenn wir uns auf dem Markt ein wenig umschauen würden?“, schlug Colette vor. Lloyd und Genis waren sofort dafür. Alle drei sahen mich erwartungsvoll an. Seufzend gab ich mich geschlagen. „Wenn wir schon einmal hier sind…“ Aber ich konnte mich nicht wirklich auf den Markt konzentrieren. Immer wieder fragte ich mich, warum Professor Nigex einfach die Stadt verlassen hatte, ohne mir zumindest Bescheid zu geben. Andererseits kannte ich den Professor gut genug, um zu wissen, dass er schon bei der kleinsten Entdeckung das Datum seines eigenen Geburtstags vergessen würde. Die Stimme meines Bruders riss mich aus meinen Grübeleien. „Boah, sieh mal, Raine!“ Er zeigte mir einen silbernen Kompass, der am Rand mit Sternen und Runen verziert war. Schnell wanderten meine Augen über die Runen und ich übersetzte sie: „ ‚Die Sterne sind die besten Wegweiser.’ Was für eine Ironie, dass so etwas ausgerechnet auf einem Kompass steht…“ Der Besitzer des Standes sah mich an. „Genau das Gleiche hat der rothaarige Schwertkämpfer neulich auch gesagt. Wortwörtlich.“ Lloyd sah den Besitzer aufmerksam an. „Ein rothaariger Schwertkämpfer?“ „Ja. Komischer Kerl. Seine linke Gesichtshälfte blieb immer von Haaren verdeckt. Außerdem meine ich, an seiner rechten Hand so einen komischen Stein gesehen zu haben…“ Lloyd zeigte dem Besitzer seinen Exsphere. „So einen?“ Seiner Stimme konnte man die Aufgeregtheit entnehmen. Ich selber war gespannt auf die Antwort des Besitzers. „Hmm… Nein…“ Wir alle seufzten enttäuscht und wollten uns schon abwenden, aber der Besitzer meinte: „Der Stein hatte eine andere Farbe.“ „Aber sonst war er gleich?“, hakte Genis nach. Der Mann nickte. „Dann ist es vielleicht Dad!“ Lloyd schrie beinahe, so sehr freute er sich. Aber konnte das wirklich sein? Kratos war nach Derris-Kharlan zurückgekehrt. Und dieser Planet streifte in weiter Entfernung durchs Weltall. Wie sollte er zurückgekommen sein, wenn sämtliche Teleporter keine Verbindung mehr hatten? Ich sah die anderen an. Sie schienen alle davon überzeugt zu sein, dass es sich bei dem rothaarigen Schwertkämpfer um Kratos handeln musste. Nur ich zweifelte daran. Ich war schon immer diejenige gewesen, die die Dinge nicht so einfach hinnahm, sondern sie logisch nachvollziehen können musste. Und eine Rückkehr von Kratos unter diesen Bedingungen konnte ich nicht nachvollziehen, schien mir sogar unmöglich. Doch sollte ich die Hoffnung der drei zerstören, indem ich ihnen meine Zweifel kundtat? Ich sah, wie sehr Lloyd sich Hoffnungen machte, seinen Vater wieder zu sehen. In diesem Moment entschied ich mich dagegen, irgendetwas zu sagen. Letztendlich… gab es hin und wieder ja doch Dinge, die man nicht nachvollziehen konnte. Außerdem spürte ich, dass auch ich mir Kratos’ Rückkehr wünschte. Bei dem Gedanken, ihn wieder zu sehen, schlug mein Herz schneller. Aber warum? Warum… wollte ich ihn so unbedingt wieder sehen? Ich konnte mir keine Antwort darauf geben. Schließlich wurde ich wieder aus meinen Gedanken gezerrt, als mein Bruder mit seiner Hand vor meinem Gesicht herumwedelte. „Hm?“ Genis seufzte. „Ich habe dich gerade zum zehnten Mal gefragt, was du davon halten würdest, wenn wir nach Kratos suchen würden!“ „Das wäre toll… Habt ihr denn auch irgendwelche Anhaltspunkte, wo er sein könnte?“ Genis seufzte noch lauter. „Außerdem habe ich dir eben schon fünfmal gesagt, dass wir als Erstes bei Yuan vorbeischauen wollen.“ „Oh… Ach so. Tut mir Leid. Dann lasst uns gehen.“ „Yeah, suchen wir Dad!“, rief Lloyd begeistert. Also machten wir uns auf den Weg zum Stützpunkt der Abtrünnigen, der nicht weit entfernt von Triet lag. „Oh mann…“ Lloyd wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Warum muss Dad sich ausgerechnet hier aufhalten?“ „Wir wissen doch gar nicht, ob er sich hier aufhält“, erwiderte ich. „Du bist ja wieder mal schnell erschöpft, Lloyd!“, meinte Genis grinsend. Dies schien Lloyds Energiereserven anzustacheln. „Wer ist hier erschöpft?! Gegen dich kann ich locker noch ein Wettrennen gewinnen!“ Oh, bitte nicht… Ich schüttelte den Kopf und hoffte, dass Genis wenigstens dieses eine Mal vernünftig war. Aber natürlich war er es nicht. „Wir werden ja sehen, wer gewinnt!“, sagte Genis und machte sich bereit. Colette gab das Startzeichen und die beiden rannten los. Letztendlich gewann keiner von beiden. Ein paar Meter entfernt vom Eingang lagen die beiden total erschöpft auf dem Boden und es war natürlich meine Aufgabe, die Kraftreserven der beiden aufzufüllen, auch wenn ich sie zur Strafe am liebsten liegen gelassen hätte. „Könnten wir dann jetzt das Gebäude betreten?“, fragte ich leicht genervt. Die beiden nickten. Wir sagten einem Abtrünnigen Bescheid, dass wir Yuan sehen wollten. Er kam schnell zurück und führte uns zu Yuans Büro. Das Gebäude war angenehm kühl und allein das war schon ein Grund, es nicht so schnell zu verlassen. Selbst wenn wir Kratos hier nicht finden sollten, so war es doch einen Besuch wert gewesen. Immerhin hatten wir Yuan auch schon geraume Zeit nicht mehr gesehen. Der Halbelf mit den blauen Haaren begrüßte uns… auf eine recht unerwartete Weise. „Ach, lasst ihr treulosen Tomaten euch auch noch mal blicken?!“ „Hm? Wieso Tomaten?“, fragte Lloyd verständnislos. Ich seufzte tief. Lloyd brachte mich immer wieder zum Verzweifeln. Aber nicht nur mich. „Das ist eine Redewendung, Lloyd…“, meinte Genis kopfschüttelnd. „A… Ach so! Das wusste ich natürlich! Ich wollte euch nur mal testen!“ „Sicher…“ „Nun…“ Lloyd wandte sich Yuan zu. „Eigentlich sind wir hier, weil wir fragen wollten, ob Dad hier ist.“ „Klar. Aber er schläft noch“, antwortete Yuan. Ich traute meinen Ohren kaum. Er war tatsächlich hier! Hier, in dieser Welt, in diesem Gebäude, unmittelbar in unserer Reichweite! Bevor ich es realisierte, spürte ich, wie ich langsam auf die Knie fiel. Für einen kurzen Moment dachte ich mal nicht nach, war einfach nur glücklich. Es war wieder einmal mein Bruder, der mich zurück in die Realität holte. Ich seufzte innerlich. Er hatte gerade meinen inneren Frieden gestört und wenn nicht noch ein Rest Freude in mir gewesen wäre, wäre ich am liebsten vor Wut explodiert. Fragend wandte ich mich meinem Bruder zu. „Raine, ist alles in Ordnung? Du machst mir echt langsam Sorgen, du bist in letzter Zeit so oft weggetreten…“ Ich sah die Besorgnis in seinen Augen und ich beruhigte mich innerlich wieder. „Es ist alles bestens“, antwortete ich mit einem Lächeln. „Wir müssen unbedingt zu Dad!“, rief Lloyd begeistert. „Ich sagte doch schon, er schläft noch…“, meinte Yuan leicht genervt. „Aber wie kann er jetzt noch schlafen? Wir haben schon Mittag…“, gab Genis zu Bedenken. „Nun, er hat sich ganz einfach überarbeitet, er war bis vier Uhr morgens wach und hat die letzten Tage schon nicht geschlafen… Engel brauchen zwar nur wenig Schlaf, aber irgendwann sind auch unsere Kraftreserven erschöpft“, erklärte Yuan. „Ich will ihn trotzdem sehen“, meinte Lloyd trotzig. In diesem Moment war ich froh, dass Lloyd so hartnäckig war. Ich selber wollte Kratos unbedingt sehen, wollte mich davon überzeugen, dass er hier war, aber natürlich hätte ich das vor den anderen niemals zugegeben. „Nun, sehen kannst du ihn ja, aber du solltest ihn nicht wecken. Er ist unberechenbar, wenn sein Schlaf gestört wird, ich habe schon Erfahrungen damit gemacht…“ (Dann bist du das Ganze falsch angegangen, Yuan XDDDD) „Yeah, keine Sorge!“ Yuan führte uns in das Zimmer, in dem Kratos schlief. Mein Herz schlug schneller, als ich den Cruxis-Engel friedlich wie ein Kind schlafen sah. Auf seiner Brust lag ein blau schimmerndes Medaillon. Ich folgte einem inneren Zwang und ging näher zu ihm hin. Die anderen redeten gerade mit Yuan über irgendetwas, es interessierte mich nicht weiter und es war mir nur recht, dass sie abgelenkt waren. Langsam näherte sich meine Hand Kratos’ Gesicht. Warum konnte ich es nicht lassen? Ich schien unter einem Bann zu stehen… Als meine Finger sein Gesicht berührten, schlug Kratos die Augen auf und sah mich an. Aber seine Augen waren glasig, er schien nicht wirklich er selbst zu sein. „Lyrion…“ Ich brauchte einen Moment, bis ich begriff, dass ich gesprochen hatte. Zum Teufel, was war los mit mir? Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Körper! Jetzt wurden auch die anderen auf uns aufmerksam. „Was… Was machst du da, Raine?“, fragte Yuan ein wenig verwirrt. Er bemerkte, dass Kratos wach war. „Hmm… Das ist aber merkwürdig, er rastet gar nicht so aus, wie letztes Mal…“ Kratos stand langsam auf und legte seine Hand auf meine Wange. Wenn es mir irgendwie möglich gewesen wäre, wäre ich so rot angelaufen, dass ich sogar den Tempel der Finsternis hätte erhellen können, aber es war mir nicht möglich und im Moment war ich sogar dankbar dafür. (XDDDD) „Naria…“, murmelte Kratos. (Hach, Naria und Lyrion… Zum zweiten Mal erwähne ich sie in einer meiner Geschichten ^^) Im nächsten Moment spürte ich, wie wir uns umarmten. Es fühlte sich so gut an… Und gleichzeitig falsch. Wir waren beide nicht mehr wir selbst. Wir waren Naria und Lyrion. In mir machte sich ein Verdacht breit. Konnte es sein, dass wir von Geistern besessen waren? Die anderen betrachteten uns verwundert. „Also… Ich war ja schon immer der Ansicht, dass die beiden zusammengehören… Aber das kommt mir jetzt doch etwas komisch vor…“, meinte Yuan. „Was meinst du, wie es uns dann erst vorkommt!“, riefen Genis und Lloyd im Chor. Colette klatschte begeistert in die Hände. „Ich finde es toll!“ Am liebsten hätte ich in diesem Moment geseufzt. Von denen konnte ich keine Hilfe erwarten, ich musste selber irgendwie diesen Bann brechen. Krampfhaft überlegte ich, wodurch der Bann ausgelöst worden war. Aber vorher musste ich mich fragen, ab wann genau ich überhaupt unter dem Bann gestanden hatte. Als ich Kratos gesehen hatte, als ich näher bei ihm war oder irgendwann dazwischen? Ich verlor mich tief in meinen Gedanken und merkte nicht mehr, was mit meinem Körper geschah, bis ich auf einmal von Kratos geküsst wurde. Verdammt, wenn ich jetzt von diesem Bann loskäme, würde ich so rot anlaufen, dass man es sogar noch auf Derris-Kharlan sehen konnte! Trotzdem war es immer noch besser, als nicht mehr Herr seines eigenen Körpers zu sein. Ich spürte, wie meine Hand langsam von Kratos’ Brust zu seinem Hals wanderte und dabei gegen das Medaillon stieß, das an einem Band um seinen Hals hing. In diesem Moment verfluchte ich mich und fragte mich, wie ich nur so blind gewesen sein konnte. Das Medaillon war der Auslöser des Bannes! Und dass Kratos ebenfalls von einem Bann gefesselt war, war nur logisch, denn um meinen Hals hing ein ähnliches Medaillon, das rot schimmerte. Jetzt wusste ich zwar, was den Bann verursacht hatte, aber wie sollte ich ihn lösen, wenn ich meinen Körper nicht kontrollieren konnte? Die einzige Möglichkeit war vielleicht, Kontakt mit dem Geist aufzunehmen, von dem ich besessen war. Naria? K-Kannst du mich hören? „Ich weiß, dass du wieder die Kontrolle über deinen Körper haben möchtest. Aber Lyrion und ich waren so lange getrennt… Wir wollen doch nur zusammen sein…“ Spätestens jetzt hätten die anderen merken müssen, dass irgendetwas nicht stimmte. „Sie redet echt wirres Zeug… Und sie benimmt sich die ganze Zeit schon so komisch…“, meinte Genis. „Vielleicht wird sie krank?“, erwiderte Colette. „Deine Schwester war schon immer komisch, Genis“, sagte Lloyd und zuckte mit den Schultern. Oh, wie sehr wünschte ich mir, Lloyd eine ordentliche Kopfnuss zu verpassen, aber ich war ja machtlos. Nun, vielleicht fand ich ja noch irgendwann die Zeit dazu, das nachzuholen… Momentan hatte ich andere Sorgen. Naria, bitte! Wie würde es dir gefallen, wenn jemand anderes deinen Körper kontrollieren würde? „Ich habe keinen Körper mehr. Ich bin tot.“ Aber früher, als du noch einen Körper hattest… Wie hättest du es da gefunden, wenn dein Körper Dinge gemacht hätte, die du gar nicht machen wolltest? „Es… hätte mir nicht gefallen…“, antwortete Naria leise. Eben. Also bitte, löse diesen Bann, der auf mir liegt. „Aber… ich… Lyrion… Ich will doch nur mit Lyrion zusammen sein…“ Ich verspreche dir, ich finde einen Weg, wie du und Lyrion für immer zusammen sein könnt, aber das geht nur, wenn ich wieder die Kontrolle über meinen Körper habe! „In Ordnung… Lyrion, wir sollten die beiden verlassen… Sie werden einen Weg finden, wie wir zusammen sein können…“ Im nächsten Moment spürte ich, dass ich wieder die Kontrolle über meinen Körper hatte. Ich seufzte erleichtert und fiel auf die Knie. Auch Kratos schien wieder die Kontrolle über sich zu haben. „W… Was war das eben?“, fragte er verwundert. „Wir standen unter einem Bann“, antwortete ich erschöpft. Die anderen wandten ihre Aufmerksamkeit wieder uns zu. „Ach, deswegen hast du so komisches Zeug geredet, Raine?“, wollte mein Bruder wissen. „Ja, genau deswegen! Und ich finde es schade, dass keiner von euch auch nur den kleinsten Verdacht geschöpft hat, dass irgendetwas mit uns nicht stimmen könnte!“ Ich war kurz vorm Explodieren und ich hatte das Bedürfnis, jemandem eine riesige Kopfnuss zu verpassen, um sicherzugehen, dass ich wieder ich selbst war. Es kribbelte in meinen Fäusten schon. „Das heißt, du und Kratos standet auch unter einem Bann, als ihr euch geküsst habt?“, fragte Yuan. Meine ganze Wut verpuffte und stattdessen stieg mir die Röte ins Gesicht. Wäre ich heute bloß nicht aufgestanden! Kratos räusperte sich. Ich konnte sehen, dass auch sein Gesicht leicht rot war, auch wenn er versuchte, es durch sein Haar zu verbergen. „Natürlich.“ Ich stand auf und meinte: „Nun… Jedenfalls sollten wir diese Medaillons abnehmen, sie waren der Auslöser für den Bann…“ Aber als ich versuchte, das Medaillon zu abzunehmen, verbrannte ich mir die Hand daran. Kratos ging es nicht besser. „Sieht so aus, als könnten wir sie nicht abnehmen…“ Ich seufzte. „Dann sollten wir sie wenigstens verbergen, bevor der Bann noch einmal ausgelöst wird…“ Plötzlich stürmte ein Abtrünniger in den Raum. „Sir, wir haben einen Auftrag von höchster Priorität!“ „Was für ein Auftrag?“, fragte Yuan. „Ein Mann ist verschwunden, ein Professor namens Reyja Nigex!“ Mir rutschte das Herz in die Hose. „Wie bitte?!“ Ich schüttelte den Abtrünnigen heftig durch. „Ist das sicher?!“ Der Abtrünnige nickte hilflos. Ich ließ ihn los und er fiel zu Boden. „Kennst du diesen Professor etwa, Raine?“, fragte Yuan überrascht. „Natürlich kenne ich ihn! Wir müssen ihn so schnell wie möglich finden! Er hat eins meiner Artefakte bei sich!“ „Ach, daher weht der Wind…“, murmelte Kratos. Pech für ihn, dass ich es trotzdem hörte. Endlich konnte ich eine Kopfnuss verteilen. „Au…“ Kratos sah mich leicht verwundert an und rieb sich den Kopf. Genis und Lloyd mussten bei seinem Gesichtsausdruck lachen und sie steckten Colette damit an. Selbst Yuan hatte Mühe, einen Lachkrampf zu unterdrücken. Wenn Blicke hätten töten können, wären die vier sofort tot umgefallen, so grimmig schaute Kratos sie an. Mir war momentan ebenfalls nicht nach Lachen zumute. „Wo hat man Professor Nigex gesehen?!“, fragte ich den Abtrünnigen. „Jemand hat gesehen, wie er das Labyrinth von Fleymur betrat. Wir vermuten, dass er sich dort verirrt hat.“ „Das Labyrinth von Fleymur… Fleymur ist doch die kleine herzförmige Insel zwischen Izoold und Palmacosta, richtig?“, wollte Lloyd wissen. Ich sah ihn erstaunt an. „Lloyd, du bekommst ja doch was im Unterricht mit!“ Lloyd grinste verlegen und meinte: „Ja, das kommt deswegen, weil dieses Mädchen ihrem Freund doch eine Spagettinudel gegeben hat, damit er sicher wieder aus dem Labyrinth findet!“ Genis schüttelte den Kopf. „Wie sagt man so schön: Si tacuisset, philosophus mansisset…“ Yuan nickte. „Wie wahr, wie wahr…“ „Hey, was heißt das?!“, wollte Lloyd wissen. „Das ist Latein und bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben. Das Mädchen, das übrigens Cryalla hieß, hat ihrem Freund namens Lyuros keine Spagettinudel gegeben, sondern einen ganz normalen Faden!“, erklärte Genis. „Du musst wohl ans Essen gedacht haben, als wir das durchgenommen haben…“ (Wahrscheinlich kann Genis gar kein Latein, aber egal XDDDD) „Das ist doch jetzt nicht so wichtig, lasst uns aufbrechen!“, drängte ich. Wir flogen mit den Rheairds nach Fleymur. Als wir landeten, ging bereits die Sonne unter. „Vielleicht sollten wir bis zum Morgen warten…“, gab Colette zu Bedenken. Ich schüttelte heftig den Kopf. „Wir müssen Professor Nigex so schnell wie möglich finden!“ „Aber Raine, es wird bald dunkel werden!“, wandte mein Bruder ein. Ich sah ja ein, dass es nicht besonders klug war, mitten in der Nacht durch ein Labyrinth zu irren, aber ich wollte nun einmal das Artefakt endlich sehen. Und natürlich machte ich mir auch Sorgen um den Professor… Immerhin hieß es, dass im Labyrinth von Fleymur schreckliche Kreaturen lebten. „Gut, ihr könnt ja hier bleiben! Ich gehe auf jeden Fall!“ Ich wandte mich zum Gehen, aber mein Bruder hielt mich auf. Ich dachte, er wollte mich davon abhalten, zu gehen, aber er drückte mir stattdessen etwas in die Hand. „Nimm wenigstens das mit.“ Ich erkannte den Gegenstand in meiner Hand. Es war der Kompass, den wir in Triet gesehen hatten. „Aber… wann…?“ „Als du wieder einmal in deinen Gedanken versunken warst, habe ich ihn gekauft. Ich fand ihn so schön und dachte mir, dass wir ihn vielleicht noch gebrauchen könnten… Und anscheinend hatte ich Recht.“ Ich umarmte meinen Bruder kurz. „Danke, Genis.“ „Schade, dass wir keine Spagettinudel… ähm… keinen Faden haben“, meinte Yuan grinsend. „Ja ja, mach du dich nur über mich lustig!“, meinte Lloyd beleidigt. „Passen Sie auf sich auf, Professor…“, sagte Colette besorgt. „Yeah, komm ja heil zurück!“, stimmte Genis zu. „Macht euch keine Sorgen“, erwiderte ich lächelnd. „Lloyd, Genis, Colette, Kratos und ich werden in der Zwischenzeit ein Feuer machen und Essen vorbereiten“, bemerkte Yuan. Kratos räusperte sich. „Ich werde Raine begleiten.“ (War das klar oder klar? XDDDD) „D… Das ist nicht nötig, ich komme allein zurecht…“, brachte ich hervor. Zum Teufel, was redete ich da?! Ich wollte ihn doch in meiner Nähe haben! Außerdem war es wirklich gefährlich im Labyrinth und wenn ich ehrlich war, wurde mir etwas mulmig zumute bei dem Gedanken, allein durchs Labyrinth zu irren. Zum Glück war er stur wie eh und je. „Ich komme mit.“ „Yeah, Raine, das wäre wohl das Beste!“, meinte Genis. „Also gut…“, sagte ich. Schweigend betraten wir das Labyrinth und ließen die anderen hinter uns. Als Beleuchtung hatten wir die Blaue Kerze. Das Labyrinth von Fleymur war eine Verästelung von Gängen – ein typisches Labyrinth eben. Von der Architektur zumindest. Zwar war die Decke an einigen Stellen zerbröckelt und man konnte den durch die untergehende Sonne orange gefärbten Himmel sehen, aber die Mauern standen immer noch. Nun, die Geschichte des Labyrinths war allerdings nicht so gewöhnlich. Vor langer Zeit lebte nämlich eine Chimäre in den verwinkelten Ecken des Labyrinths. Diese verlangte von den Bewohnern Fleymurs jedes Jahr jeweils drei Jungen und Mädchen, um sie zu verspeisen. Zu dieser Zeit war Fleymur noch keine Insel, sondern war mit dem Festland verbunden. Schließlich gelangte jedoch Lyuros nach Fleymur. Er wollte die Chimäre töten und damit Fleymur von diesem Ungeheuer befreien. Die junge Prinzessin namens Cryalla verliebte sich in ihn und gab ihm einen Faden, den er ausrollen sollte, damit er sicher aus dem Labyrinth zurückkehren konnte. Lyuros schaffte es, die Chimäre zu besiegen und die Bewohner von Fleymur konnten wieder in Frieden leben. Danach verschwand Lyuros wieder und ließ Cryalla zurück. Diese starb an gebrochenem Herzen. Mit der Zeit wurde aus Fleymur eine herzförmige Insel. Da die Insel in der Mitte von einer tiefen Schlucht durchzogen wurde, nannte man sie auch ‚Die Insel des gebrochenen Herzens’. (Die Geschichte dürfte einigen bekannt vorkommen XDDDD Es ist eigentlich diese hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Minotauros Ich habe sie nur an ein paar Punkten verändert) Ich seufzte. Es war so eine traurige Geschichte. Wir kamen an der ersten Kreuzung an. „In welche Richtung sollen wir gehen?“, fragte Kratos. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Lass uns nach links gehen.“ Wir schwiegen weiterhin. Eigentlich wäre das die perfekte Atmosphäre gewesen, um meinen Gedanken nachzuhängen, aber gerade jetzt konnte ich es nicht. Ich hätte lieber mit Kratos geredet. Aber ich wusste nicht worüber. Außerdem war Kratos eh eine Person, die lieber schwieg und nur redete, wenn es notwendig war. Ich seufzte leise und merkte nicht, dass Kratos stehen geblieben war. Da ich direkt hinter ihm ging, prallte ich gegen seinen Rücken. „T… Tut mir Leid!“ Ich lief rot an. Kratos bedeutete mir, ruhig zu sein. Anscheinend hörte er etwas. „Mach dich kampfbereit, da kommt etwas auf uns zu!“ Ich hatte gerade meinen Stab in der Hand, als wir uns einer riesigen Harpyie gegenübersahen. Ihr Gefieder war schwarz wie die Nacht und ihre Krallen waren verschmiert von vertrocknetem Blut. Hoffentlich nicht von Professor Nigex’ Blut. Die Harpyie stieß einen Schrei aus, bei dem mir das Blut in den Adern gefror. Ich sah, dass Kratos mit schnellen Schwerthieben angriff. Da die Harpyie mit ihm beschäftigt war, entschloss ich mich, einen Angriffszauber vorzubereiten. Ich murmelte die Zauberformel, wie ich sie schon unzählige Male gemurmelt hatte. Es fühlte sich fast wie früher an. Adrenalin schoss durch mein Blut. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal gekämpft? Ich hatte schon fast vergessen, wie es sich anfühlte, mitten in einem Kampf zu sein. Diese Ungewissheit, ob man gewann oder nicht… Das Gefühl der Überlegenheit, wenn man die Schwäche des Gegners kannte… Die Abgestimmtheit mit den Gefährten… Das war der Kampf und erst jetzt merkte ich, dass es eine Seite an mir gab, die das Kämpfen mochte. „Ray!“, rief ich und ließ den Lichtzauber auf die Harpyie los. Strahlen aus Licht trafen auf das Geschöpf und es schrie vor Wut und Schmerz, bis es letztendlich sein Leben aushauchte. Kratos steckte sein Schwert wieder zurück. „Ich schätze, das wird nicht unser letzter Kampf gewesen sein.“ „Ja, das denke ich auch.“ „Und, bist du jetzt froh, dass ich mitgekommen bin?“ Was war das da in Kratos’ Gesicht? Das… konnte doch nicht wirklich ein Lächeln sein, oder? Völlig perplex antwortete ich: „Ja, klar…“ Er schaute mich noch eine Weile an, dann stieg er über die Leiche der Harpyie und ging weiter. Ich folgte ihm mit klopfendem Herzen. Ich beobachtete jeden seiner Schritte, verfolgte jede seiner Bewegungen mit meinen Augen. In gewisser Weise konnte ich immer noch nicht glauben, dass er wirklich vor mir her ging, hielt es für einen Traum, der wahr geworden war… Aber warum, zum Teufel?! Warum raste mein Herz so schnell wie ein Rheaird, wenn ich ihn ansah?! Es konnte dafür nur eine Lösung geben. Aber konnte es wirklich sein? Hatte ich mich in Kratos…? Nein, das konnte nicht sein… Bestimmt wurde ich einfach nur krank. Aber dann dachte ich an die Umarmung, den Kuss und ich spürte, wie mein Gesicht wieder einmal rot anlief. Ich versuchte, etwas zu leugnen, was ich nicht leugnen konnte. Ich hatte mich in Kratos verliebt. Als ich mir dies eingestand, stolperte ich. Ich wartete auf den Aufprall, aber es kam keiner. Kratos hatte mich aufgefangen. Ich sah ihm ins Gesicht, in die Augen. Wie schön seine Augen waren! Ich konnte mich regelrecht darin verlieren. Ich war ihm so nahe, dass es kein Wunder war, dass ich schon wieder einer Tomate Konkurrenz machte. Ich wollte seinen Namen sagen, mich entschuldigen, verdammt, ich wollte irgendetwas sagen, aber ich fand meine Stimme nicht, sie war weg. „Raine…“ Er hielt mich immer noch fest, obwohl es nicht mehr notwendig war. Er schaute mir tief in die Augen und ich bekam eine Gänsehaut. Wieder schienen wir in einem Bann gefangen zu sein, aber diesmal war es nicht der Bann irgendwelcher Geister. Bevor ich es wirklich merkte, näherten sich unsere Gesichter. Heilige Martel, empfand er womöglich das Gleiche für mich wie ich für ihn?! Unsere Gesichter waren jetzt so nahe, dass ich seinen sanften Atem spüren konnte. Aber dann hörten wir scharrende Geräusche und ein Klicken. Wir fuhren auseinander und sahen eine riesige Spinne, die mit ihren Kieferklauen klackte. Ihre acht Augen reflektierten mich und Kratos. Heißer Speichel tropfte ihr aus dem Mund. Einfach nur widerlich. Ich hatte Spinnen noch nie leiden können, aber diese hier hatte nun wirklich nichts weiter als meinen Hass verdient. Wie hatte sie es wagen können, Kratos und mich ausgerechnet jetzt zu unterbrechen?! Ich krempelte die Arme hoch. Diese Spinne würde gleich ihr blaues Wunder erleben. Auch Kratos schien nicht gerade über das Auftauchen der Riesenspinneerfreut zu sein, aber mal ehrlich, wer wäre darüber schon erfreut gewesen? Ich hörte, wie Kratos diesem ekligen Geschöpf mit Hell Pyre ordentlich einheizte. Ich zauberte wieder Ray. Wie auch bei der Harpyie besiegelte der Lichtzauber das Ende der Spinne. Wir standen noch eine Weile da. Die Magie, die vor dem Auftauchen des Monsters geherrscht hatte, war verschwunden und wir gingen weiter. Als wir bei der nächsten Kreuzung anhielten, meinte Kratos: „Raine, hol den Kompass heraus, vielleicht sollten wir uns mit ihm orientieren. Ich weiß zwar nicht, wo sich dieser Professor aufhält, aber mein Gefühl sagt mir, dass er im Herzen des Labyrinths ist. Da der Eingang im Norden lag und wir bis jetzt nach Osten gegangen sind, sollten wir jetzt vielleicht in Richtung Süden gehen.“ Da der Kompass in der linken Richtung Süden anzeigte, gingen wir in diese Richtung. Doch dabei hatte ich das Gefühl, dass wir in die falsche Richtung gingen. Aber ich kümmerte mich nicht weiter drum. Auch bei den nächsten beiden Kreuzungen bogen wir nach links ab… und sahen uns verwundert an, als wir die Leiche der Harpyie vor uns liegen sahen. Erst jetzt wurde uns klar, dass wir viermal nach links abgebogen und somit im Kreis gegangen waren. „Der Kompass scheint nicht richtig zu funktionieren“, bemerkte Kratos. Ich dachte nach und kam zu einer Lösung: „Vermutlich ist hier Magie am Werk. Wir können den Kompass nicht richtig nutzen.“ Kratos seufzte. „Lass uns erst mal eine Pause machen.“ Ich nickte und setzte mich auf den Boden. Ich betrachtete den Kompass und übersetzte noch einmal die Runen: „ ‚Die Sterne sind die besten Wegweiser.’ Hmm… Warum sollte jemand so etwas auf einen Kompass schreiben?“ Kratos zuckte mit den Schultern. „Muss ein ziemlich ironischer Kerl gewesen sein.“ „Hmm…“ Ich fuhr mit den Fingern über die Sterne, die am Rand des Kompasses hervorstanden. Ich runzelte die Stirn, als ich auf einmal Farbe an meinen Fingern hatte. Ich ging noch einmal über die Sterne und sah, dass der Obere seine Farbe verlor. Darunter war ein roter Stein. Ich stand auf und betrachtete den Kompass verwundert. Plötzlich schien der rote Stein ganz leicht zu leuchten. „Ja natürlich… ‚Die Sterne sind die wahren Wegweiser.’ Jetzt macht es einen Sinn! Mit den Sternen waren nicht die Sterne am Himmel gemeint, sondern diese Sterne auf dem Kompass!“, rief ich. „Aber es leuchtet doch nur einer…“, gab Kratos zu Bedenken. „Ein Übersetzungsfehler. Man kann diese Rune auch im Singular übersetzen. Aber da sich ‚Der Stern ist der wahre Wegweiser’ nicht gut anhören würde, haben wir den Plural gebildet, was grammatikalisch nicht einmal falsch ist.“ „Du hast Recht. Das heißt, wir müssen wohl diesem Stern folgen.“ Und das taten wir. Schließlich kamen wir im Herzen des Labyrinths an. Wir sahen Professor Nigex, er lag auf dem Boden und blutete, schien aber nur bewusstlos zu sein. Während ich die Wunden des Professors so gut es ging heilte, fragte ich mich, wie uns der Stern hierher geführt hatte. Wonach richtete er sich? Führte er einen dahin, wo man hin wollte? Oder vielmehr dorthin, wo man hin sollte? Ich wusste es nicht. Als Professor Nigex aufwachte und mich erkannte, murmelte er: „Oh… Raine, du hier?“ „Ja, ich bin hier! Warum sind Sie einfach so aus Triet verschwunden, mit meinem Artefakt, obwohl Sie wussten, dass ich vorbei kommen wollte?!“ Professor Nigex richtete sich auf. „Oh, es ist einfach eine ganz erstaunliche Entdeckung, dieses Artefakt!“ Er zeigte es mir. Es war ein… Schlüssel. Ein ganz alltäglicher, normaler Schlüssel. Ich wollte ihn gerade fragen, ob er mich auf den Arm nahm, als er seine Hand hob, um mir Schweigen zu gebieten. „Ich weiß, was du jetzt denkst, Raine. Aber es ist kein normaler Schlüssel, es ist der Schlüssel, der die Schatztruhe öffnet, in der der ‚Schatz der Geister’ liegt.“ „Der Schatz der…“ Ich musste mich erst einmal setzen. Der ‚Schatz der Geister’ war ein Schatz, nach dem schon seit Jahrtausenden gesucht wurde. Außer alten Aufzeichnungen, die diesen Schatz erwähnten, war bis jetzt noch nicht viel dazu gefunden worden. Aber wenn dieser Schlüssel die Schatztruhe öffnete… Ich schüttelte den Kopf. „Wir wissen ja nicht einmal, wo wir suchen sollen…“ „Er muss in einem sehr alten Gebilde versteckt liegen. Deswegen habe ich auch hier gesucht…“, meinte Professor Nigex. „Und nichts gefunden“, seufzte ich. „Nun, wir sollten jetzt zurückkehren, ich will nicht länger als nötig hier bleiben.“ Mit Hilfe des Kompasses fanden wir schnell wieder zum Ausgang. Ein wärmendes Feuer, gegrillter Fisch und besorgte Freunde erwarteten uns schon. Wir unterhielten uns noch eine Weile und beschlossen dann, hier zu übernachten, da es nicht ratsam war, mitten in der Nacht mit den Rheairds zu fliegen. Signatur Crynil, do rical nade; Elran, do tilial nade; Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto; Boli dyx strimur syrax windalk! © by DelFina18 ![]() | |||
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Der ‚Fluch des Weißen Tigers’ Ich fiel in einen unruhigen Schlaf und wurde von Alpträumen geplagt. Nach einem besonders Schrecklichen wachte ich schweißgebadet auf. Schon in diesem Moment konnte ich nicht mehr sagen, wovon er gehandelt hatte, ich wusste nur noch, dass er Furcht einflößend gewesen war. Ich sah mich um. Das Feuer loderte noch schwach und die anderen schliefen friedlich. Da ich keine große Lust verspürte, noch einmal durch einen Alptraum aufzuwachen und die Sonne sowieso bald aufgehen würde, beschloss ich, ein wenig spazieren zu gehen. In der Nähe war ein kleiner Wald, den ich mir näher ansehen wollte. Um diese Uhrzeit wachten die meisten Waldbewohner gerade auf. Die Vögel begangen zu zwitschern und ich sah Eichhörnchen, die auf Bäume huschten. Hier hätte ich die perfekte Ruhe gehabt, um ein Buch zu lesen, aber leider hatte ich keins dabei. Auf einmal meinte ich ein grünes Licht vor mir zu sehen. Neugierig folgte ich ihm. An einer kleinen Quelle fand ich schließlich den Verursacher des Lichts: Einen großen Drachen mit silbernen Schuppen, an dessen Kopf ein grüner Stein, vermutlich ein Smaragd, leuchtete. Sein Körper war lang und schmal. Mit seinen dunkelgrünen Augen sah er mich an. (Soll so aussehen wie ein chinesischer Drache) Mir blieb fast die Luft weg. Konnte das etwa Shian sein, der Drache aus den Legenden? Ich ging näher auf ihn zu, um ihn zu streicheln. Vielleicht hätte ich Angst vor ihm haben müssen, immerhin waren seine Zähne nicht gerade stumpf und auch seine Klauen schienen wie scharfe Messer zu sein, aber im Moment war ich einfach nur beeindruckt und neugierig. Aber es war ein Fehler, so schnell an ihn heranzugehen, denn er flog erschrocken davon. Der plötzliche Wind, den er verursachte, warf mich um. Aber zu meinem Pech war hinter mir eine kleine Grube. Ich schlug mir den Kopf auf und verlor das Bewusstsein. Das Erste, was ich spürte, als ich aufwachte, war ein riesiger Schmerz am Kopf. Als ich die schmerzende Stelle mit meiner Hand berührte, sah ich Blut an meinen Fingern. Auch mein rechtes Fußgelenk fühlte sich merkwürdig an. Ich hatte vor, mich zu heilen, merkte aber, dass ich keine Kraft dazu hatte. Ich schrie um Hilfe, aber niemand schien mich zu hören. Ich spürte, dass ich wieder kurz davor war, das Bewusstsein zu verlieren. Gedanken der Verzweiflung machten sich in meinem Kopf breit. Was war, wenn niemand mich hier fand? Würde diese Grube zu meinem Grab werden? Tränen liefen mir das Gesicht hinab. Ich wollte nicht sterben, nicht hier, nicht jetzt. Mit einem letzten gemurmelten „Hilfe…“ fiel ich wieder in Ohnmacht. Eine angenehme Kühle umgab mich. Ich spürte keinerlei Schmerzen und fühlte mich frei. Ich schwebte. Es kam mir vor wie das Paradies. Aber dann änderte sich etwas. Ich hörte eine Stimme. „Raine…“ Diese Stimme war lästig, ich wollte, dass sie verschwand. Aber sie blieb hartnäckig da, versuchte, mich aus diesem Paradies zu holen. „Raine, bitte! Du darfst nicht sterben!“ Es wurde wärmer um mich herum. Und mit der Wärme kamen die Schmerzen. Ich wollte wieder zurück, wollte keine Schmerzen erleiden. Aber ich tauchte wie aus einem Meer auf, hinein in die Wärme, in das schmerzvolle Leben. Ich hatte solche Kopfschmerzen, dass ich mir sicher war, dass ganz Exire auf meinen Kopf gefallen war. Ein Tropfen fiel in mein Gesicht. Fing es etwa zu regnen an? Das hatte mir gerade noch gefehlt. Aber als ich die Augen öffnete, wurde mir klar, dass es kein Regentropfen gewesen war, sondern eine Träne. Kratos beugte sich über mich. Ich war erstaunt, als ich sah, dass Tränen sein Gesicht hinab liefen. „Kratos… Warum…?“ „Raine! Verdammt, Raine…“ Er drückte mich fest an sich. „Ich dachte, ich würde dich für immer verlieren…“ Erst jetzt wurde mir klar, dass ich dem Tod nur knapp entronnen war. Ich wischte ihm die Tränen weg. „Tut mir Leid, dass ich dir so viele Sorgen bereitet habe…“ Er hielt mich noch eine Weile in den Armen, dann heilte er mein Fußgelenk und die Wunde an meinem Kopf, so gut es ging. Meinen Fuß konnte ich zwar wieder normal bewegen, aber mein Kopf fühlte sich immer noch so an, als wäre er kurz vorm Explodieren. Kratos hatte die Verletzung nicht ganz heilen können. Er hob mich hoch und flog uns zu unserem Lagerplatz zurück. Die anderen waren erleichtert, als sie mich sahen. „Raine! Was machst du bloß für Sachen?!“, fragte mein Bruder, der sich besorgt die Wunde an meinem Kopf ansah. Ich lächelte ihn beruhigend an, während Kratos mir einen Verband anlegte. „Professor, was haben Sie denn jetzt eigentlich da draußen gemacht?“, fragte Lloyd. „Ich war spazieren… Und dann sah ich ein grünes Licht, dem ich gefolgt bin… Das Licht ging von einem Smaragd am Kopf eines silbernen Drachens aus. Ich glaube, es handelte sich dabei um Shian, dem Drachen aus den Legenden. Aber als ich ihn streicheln wollte, flog er davon und… durch den Wind, den er verursachte, fiel ich in eine Grube und schlug mir den Kopf auf… Ein Glück, dass Kratos mich gefunden hat, sonst…“ Ich sah, dass alle sich denken konnten, was sonst geschehen wäre. „Shian… Das ist wirklich sehr erstaunlich… Und du bist dir sicher, Raine?“, fragte Professor Nigex. Ich nickte. „Da hattest du wirklich Glück, Raine. Shian bekommen nur einige wenige zu Gesicht.“ „Das nennen Sie Glück?!“, brauste Genis auf. „Wegen diesem blöden Drachen wäre Raine beinahe gestorben!“ Ich legte Genis meine Hände auf seine Schultern. „Shian hat nicht vorgehabt, mich umzubringen, Genis.“ „Professor, ihre Hände!“, schrie Colette laut und deutete auf meine Hände. Ich sah sie verwundert an. Schwarze Linien, die sich wie ein Labyrinth angeordnet hatten, waren darauf zu sehen. (Ich hab es irgendwie mit schwarzen Linien ^^“ Sieht man noch in WotM) Ich versuchte, sie wegzuwischen, aber natürlich war meine Mühe vergebens. „Lass mal sehen“, sagte Kratos und nahm meine Hände in seine. Ich sog entsetzt die Luft ein, als ich seine Hände betrachtete. Auf ihnen war das gleiche Muster erkennbar. „Was…?“ Kratos betrachtete nun selber erschrocken seine Hände. „Das muss ein Fluch sein…“, murmelte ich. „Vielleicht wird er auch durch die Medaillons verursacht?“ Professor Nigex kam näher und sah sich unsere Hände an. „Könnte das… Ich hab davon mal gelesen…“ „Nun spucken Sie es schon aus!“, meinte Yuan. „Einen alten Mann drängt man nicht! Außerdem ist das eine Geschichte, die in Ruhe erzählt werden muss…“ „Dafür haben wir jetzt keine Zeit!“, schrie Genis. „Erzählen Sie endlich, was Sie wissen!“ Professor Nigex rollte mit den Augen. „Die Jugend von heute… Keine Geduld… Nun gut. Bei diesen Linien könnte es sich um den ‚Fluch des Weißen Tigers’ handeln.“ „Der ‚Fluch des Weißen Tigers’?“, fragte ich. Ich hatte das Gefühl, schon einmal davon gehört zu haben, aber ich war mir nicht sicher. Professor Nigex nickte. „Es ist eigentlich nur eine Legende, aber… vielleicht ist ja doch etwas dran. Es war einmal…“ „Oh nein, fangen Sie nicht in diesem Märchenstil an, sonst schlafe ich gleich ein!“, meinte Lloyd. „Wen interessiert das? Du schläfst doch so oder so ein!“, erwiderte Genis. „Bitte fahren Sie fort, Professor Nigex“, bat Colette. „Also… Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin. Sie war so schön, dass alle jungen Männer sich danach sehnten, sie zur Frau zu nehmen. Ihr Vater, der König, wollte natürlich, dass sie einen Prinzen als Mann nimmt, damit er einen würdigen Thronfolger hatte. Denn die Prinzessin war sein einziges Kind. Aber eines Tages begegnete die Prinzessin dem Sohn eines armen Bauers. Sie verliebte sich auf der Stelle in ihn und er sich auch in sie. Aber die Prinzessin wusste, dass ihr Vater diese Liebe niemals dulden würde. Deswegen trafen sie sich immer heimlich in einem alten Tempel. Doch nach einer Weile flog ihre Liebe auf. Der König war außer sich vor Wut. Er verbot seiner Tochter, sich weiterhin mit dem jungen Mann zu treffen, drohte ihr sogar, sie und ihren Freund durch seinen Zauberer mit einem Fluch belegen zu lassen. Aber natürlich trafen sie sich weiterhin, denn ihre Liebe war stärker als alles andere. Als der König dies mitbekam, konnte er nicht mehr an sich halten und holte seinen Zauberer zu sich. Dieser belegte die beiden Liebenden mit einem Fluch, bei dem sich jede Stunde schwarze Linien von den Händen ausgehend auf den Körper ausbreiteten. Letztendlich würde der Fluch sie töten. Der König hatte erwartet, dass die beiden um Vergebung betteln und versprechen würden, sich nie wieder zu sehen. Aber die beiden taten dies nicht und blieben weiterhin zusammen. Ihnen war es egal, ob sie starben oder nicht, solange sie nur zusammen waren. Als der König dies erkannte, befahl er seinem Zauberer, kurz nach dem Tod der beiden ihre schwindenden Seelen in die Medaillons zu sperren, die sie immer bei sich trugen. Auf diese Weise konnten sie keinen Frieden finden. Außerdem konnte der König so dafür sorgen, dass sie getrennt blieben, denn die Medaillons wanderten schon bald in verschiedene Richtungen. Allerdings wusste der König nicht, dass es für die beiden immer noch eine kleine Möglichkeit gab, wieder zusammen zu sein. Wenn die Besitzer der Medaillons sich liebten, konnten die eingesperrten Seelen die Kontrolle über deren Körper erlangen. Aber die Chance war sehr gering. Nun, eine sehr traurige Geschichte, findet ihr nicht?“ „Aber warum heißt der Fluch dann ‚Fluch des Weißen Tigers’?“, wollte mein Bruder wissen. „Nun, weil der Zauberer das Tattoo eines weißen Tigers auf seiner Hand hatte. Gerüchten zufolge soll er sich sogar in einen weißen Tiger verwandelt haben, wenn er es berührte.“ Ich saß mit starrem Blick da. Mit jedem weiteren Wort der Geschichte hatte sich ein Verdacht in mir breit gemacht und mit zittriger Stimme fragte ich: „W… Weiß man auch, wie die beiden Liebenden hießen?“ „Hmm… Wenn ich mich recht entsinne, hießen sie… Naria und Lyrion.“ Kratos und ich sahen uns an. Die beiden Geister, die Besitz von ergriffen hatten, waren also durch einem Fluch gestorben. Und der gleiche Fluch lastete nun auf uns. „Aber wenn die beiden aus der Geschichte durch diesen Fluch gestorben sind… Und es bei Kratos und Raine der gleiche Fluch ist, dann…“ Kratos vollendete den Satz, den Yuan nicht beenden konnte: „… sterben wir.“ Für einen Moment herrschte Stille. „Wir müssen etwas dagegen unternehmen!“, rief mein Bruder aufgeregt. „Aber was?“, fragte Colette traurig. „Wo habt ihr die Medaillons eigentlich her?“, fragte Professor Nigex. „Meins ist ein Familienerbstück, das unter den Frauen weitergegeben wurde“, antwortete ich. (Ähem… Kommt euch das nicht irgendwie bekannt vor? XDDD) „Ich habe meins in Derris-Kharlan gefunden“, sagte Kratos. „Das hilft uns auch nicht wirklich weiter…“, meinte Lloyd. „Hmm… Vielleicht sollten wir nach Zauberbüchern suchen? Vielleicht steht da drin, wie man diesen Fluch bricht…“ „Wow, Lloyd, du willst freiwillig in Büchern blättern?“, fragte Yuan grinsend. „Es geht immerhin um Dads und Professor Raines Leben!“ Ich seufzte. Es war vorerst wohl das Einzige, was wir machen konnten. Wir flogen zuerst nach Sybak, immerhin gab es da eine Bibliothek. Wir fanden alle möglichen Bücher, aber keins, in dem etwas über den ‚Fluch des Weißen Tigers’ stand. Nach einer Stunde sahen wir ein, dass es keinen Sinn hatte, weiterhin hier zu suchen. „Vielleicht sollten wir uns im königlichen Archiv in Meltokio umsehen…“, seufzte Genis. „Professor Nigex, wo haben sie eigentlich diese Geschichte über den Fluch gelesen?“, fragte Lloyd. Professor Nigex zuckte mit den Schultern. „Ich habe es vergessen.“ Yuan schüttelte nur den Kopf. „Wunderbar…“ Da mir warm war, schob ich meine Ärmel zurück. Erschrocken sah ich, dass sich die schwarzen Linien nun schon auch auf meinem Unterarm ausgebreitet hatten. „Raine…“, murmelte Genis. „Wir sollten keine Zeit verschwenden“, sagte Kratos. Im Schloss von Meltokio trafen wir auf Zelos, der sich freute, uns zu sehen, bis wir ihm erzählten, weswegen wir in Meltokio waren. Er wurde weiß wie eine Wand. „Ach du heilige Martel! Ich werde gleich dem König Bescheid geben, damit er euch in das Archiv lässt…“ Nach ein paar Minuten kehrte er zurück und führte uns in das Archiv. Wir blätterten uns durch die nächsten Bücher. Keiner von uns redete, nur das Rascheln der Bücherseiten war zu hören. Ich schaute von meinem Buch auf und betrachtete meine Freunde. Es war merkwürdig, sie alle so auf die Bücher konzentriert zu sehen, besonders Lloyd. Ein kleines Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit. Es war schön, zu sehen, dass sich Lloyd mit einem Buch beschäftigte, auch wenn der Grund dafür weniger schön war. Meine Hand wanderte zu dem Verband an meinem Kopf. Ich war heute schon einmal knapp dem Tod entronnen, würde ich es noch einmal schaffen? Kratos, der neben mir saß, schien meine Gedanken erraten zu haben, denn er flüsterte: „Keine Angst, wir werden einen Weg finden, den Fluch zu brechen. Ich werde nicht zulassen, dass du stirbst.“ Er ergriff unter dem Tisch meine Hand. „Genauso wenig werde ich zulassen, dass du stirbst“, flüsterte ich zurück. (Kawaii X3) Wir verbrachten auch in Meltokio eine Stunde… Wieder ohne wirklich etwas gefunden zu haben. Kratos und ich brauchten nicht weiter nachzugucken, wir wussten auch so, dass sich die schwarzen Linien weiter ausgebreitet hatten. Mit jeder Stunde ein wenig mehr… Nach meiner Rechnung bedeutete das, dass wir vor Sonnenuntergang sterben würden, wenn wir keinen Weg fanden, den Fluch zu heilen. „Hmm… Wo sollen wir jetzt suchen?“, fragte Yuan seufzend. „Wie wäre es mit Mizuho?“, schlug Zelos vor. „Wieso das denn? Etwa, um Sheena zu besuchen?“, fragte Genis. „Nein, nicht nur. Mizuho hatte früher viel mit Flüchen zu tun, genau wie Ozette. Vielleicht finden wir dort ja irgendwelche Hinweise.“ In Mizuho angekommen, machten wir uns auf den Weg zu Sheenas Haus. Wir erklärten ihr schnell die Situation und sie war nicht weniger geschockt als Zelos. „Es stimmt, Mizuho hatte früher viel mit Flüchen zu tun… Irgendwo müsste es noch Bücher dazu geben… Großvater, hast du eine Ahnung, wo die sein könnten?“, fragte Sheena. „Die müssten sich in den versiegelten Katakomben befinden. Am einfachsten gelangt ihr über den kleinen Brunnen in die Katakomben.“ Der Brunnen war schon lange trocken gelegt, insofern wurden wir nicht nass. In den Katakomben war es stickig und die Luft roch modrig. Sheena führte uns zu einer kleinen Kammer, wo die Bücher über Flüche aufbewahrt wurden. Lloyd seufzte. „Und die nächsten Bücher…“ „So viele Bücher hast du dir noch nie an einem Tag angesehen, nicht wahr? Du hast einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt, Lloyd!“, lachte Genis. „Yeah… Ich bin mir sicher, den werde ich auch nie brechen.“ Ich schüttelte nur den Kopf und schnappte mir eins der Bücher. Nach einer Weile rieb ich mir die Augen. Die Lichtverhältnisse hier unten waren nicht besonders gut, außerdem hatten wir jetzt schon seit Stunden fast nur auf Buchstaben gestarrt. Bevor ich es recht merkte, fiel mir das Buch aus der Hand und ich schlief ein. Jemand rüttelte sanft an meiner Schulter. Es war Genis. „Raine, wir haben hier auch nichts gefunden. Wir wollen jetzt noch nach Ozette fliegen.“ Ich nickte schläfrig und stand auf. Mir tat alles weh, der Steinboden war nicht gerade bequem gewesen. „Haben Sie gut geschlafen, Professor?“, fragte Colette und sie kam ein paar Schritte auf mich zu, doch dann stolperte sie, direkt gegen das Bücherregal, das hinter mir stand. Die Bücher flogen auf Colette und während wir sie befreiten, fiel mein Blick auf eins der Bücher. „Colette, ist alles in Ordnung?“, fragte Lloyd besorgt. „Yup, mach dir keine Sorgen!“ Ich pustete den Staub von dem Buch. Es sah sehr viel älter aus als die anderen. Der Titel lautete ‚Schatz der Geister’. Der Schatz hatte zwar nichts mit dem Fluch zu tun, aber ich war neugierig, deswegen schlug ich das Buch auf. In dem Buch stand geschrieben, dass der ‚Schatz der Geister’ angeblich in der Lage wäre, alle möglichen Flüche zu heilen… Ich hielt die Luft an und ließ meine Augen schnell über die Seiten wandern. Wenn hier auch noch drin stand, wo sich der Schatz befand… Schnell hatte ich gefunden, wonach ich gesucht hatte, Gerüchten zufolge sollte sich der Schatz im Tempel des Drachen befinden… Ich hatte von diesem Tempel noch nie etwas gehört… Seufzend schlug ich das Buch zu. Vielleicht war es doch nur ein Gerücht. „Was für ein Buch hast du da, Raine?“, fragte Professor Nigex. Ich drückte es ihm in die Hand. „Es ist über den ‚Schatz der Geister’. Ihm wird nachgesagt, dass er alle möglichen Flüche heilen kann…“ Nun wurden auch die anderen aufmerksam. „Hey, dann müssen wir doch nur noch nach diesem Schatz suchen, oder?“, fragte Genis begeistert. „Er soll sich in dem Tempel des Drachen befinden, aber ich habe noch nie von so einem Tempel gehört…“, antwortete ich. „Aber das muss doch noch lange nicht heißen, dass es ihn nicht gibt“, erwiderte Sheena. „Wir sollten trotzdem erst einmal nach Ozette fliegen, vielleicht finden wir dort noch mehr“, meinte ich. Ozette war in den letzten zwei Jahren wieder aufgebaut worden, Regal und Presea hatten dabei ordentlich mitgeholfen. Wir erzählten ihnen, wonach wir suchten und warum. „Das ist schrecklich… Aber ich fürchte, hier werdet ihr nichts finden. Wenn es Bücher über Flüche hier gab, dann sind sie alle verbrannt, als Ozette zerstört wurde“, erklärte Presea. „Dann müssen wir wohl doch nach diesem Tempel des Drachen suchen…“, meinte Yuan. „Hmm… Könnte es vielleicht der gleiche Tempel sein, in dem Naria und Lyrion sich immer heimlich getroffen haben?“, murmelte Genis. „Wenn das so ist, dann befindet er sich vermutlich in der Nähe von Palmacosta“, sagte ich. „Wie kommen Sie darauf, Professor?“, fragte Lloyd verwirrt. „Die früheren Könige residierten alle in Palmacosta, insofern wird sich wohl der Tempel in der Nähe dieser Stadt befinden.“ „Dann auf nach Palmacosta!“, rief Zelos. „Wir finden diesen Tempel und heilen Rainechen von diesem blöden Fluch!“ Signatur Crynil, do rical nade; Elran, do tilial nade; Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto; Boli dyx strimur syrax windalk! © by DelFina18 ![]() | |||
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Der Tempel des Drachen Wir hofften, in Palmacosta alte Aufzeichnungen über den Tempel des Drachen zu finden. Deswegen statteten wir Neil, dem neuen Gouverneur, einen Besuch ab. „Hmm… Der Tempel des Drachen? Ich habe noch nie davon gehört, aber vielleicht findet ihr ja wirklich Aufzeichnungen darüber.“ Kaum waren wir dabei, alte Schriftrollen und Bücher nach dem Tempel des Drachen zu durchsuchen, als wir lautes Magenknurren hörten. „Ich habe Hunger…“, jammerte Lloyd. „Das haben wir gehört! Aber ehrlich gesagt… habe ich auch Hunger…“, gestand Genis. „Das ist auch kein Wunder, wir haben seit gestern Abend nichts mehr gegessen“, meinte Yuan. „Oh, wenn das so ist, werde ich veranlassen, dass man euch was zu essen bringt“, sagte Neil. „Das wäre nett“, antwortete ich und konzentrierte mich wieder auf die Schriften. (*seufz* Es wird langsam langweilig, nicht wahr? Immer nur Schriften hier, Bücher da… *zusammenbrech* Aber es muss nun mal sein… Also haltet noch ein wenig länger durch, bald wird’s wieder spannender, versprochen ^^) Das Essen schmeckte köstlich und gab uns allen neue Energie. „Ich… Ich glaube, ich habe etwas gefunden…“, bemerkte Regal. Wir sahen ihn alle erwartungsvoll an. „Hiernach soll sich ein alter Tempel südwestlich von Palmacosta befunden haben.“ „Worauf warten wir dann noch?“, fragte Yuan. Aber südwestlich von Palmacosta fanden wir… nichts. Nicht einmal eine Ruine, was mich enttäuschte. Andererseits hätte ich es wohl gewusst, wenn sich hier eine Ruine befunden hätte. (Wie wahr, wie wahr…) Ich schloss die Augen. Welche Spur hatten wir sonst noch? Keine… War Kratos’ und mein Schicksal damit besiegelt? Ich fiel auf die Knie. (Die müssen inzwischen auch schon ganz schön wehtun ^^“) Ich konnte nicht mehr. Tränen liefen mein Gesicht hinab. „Raine…“ Kratos sagte nichts weiter, nahm mich einfach nur in die Arme. Vielleicht zum letzten Mal. Ich konnte nicht aufhören zu schluchzen. Doch plötzlich rief Colette: „Seht mal! Was ist das?“ „Sieht aus wie ein fliegendes Meterbrot…“, meinte Lloyd. „Könntest du mal aufhören, nur ans Essen zu denken?!“, erwiderte Genis genervt. „Das sieht aus wie… Könnte das vielleicht… Raine! Schau dir das an! Könnte das Shian sein?“, fragte Professor Nigex. Ich wischte mir die Tränen weg und sah zum Himmel. Dort flog etwas Längliches und ganz vorne meinte ich, einen grünlichen Schimmer zu sehen. Ich stand auf. „Ja, das könnte er sein…“, murmelte ich. Auf einmal flog er direkt auf uns zu. Die anderen stolperten erschrocken zurück und zogen ihre Waffen, nur ich blieb ruhig stehen. Ich wusste, dass er uns nicht angreifen wollte. Der riesige Drache stoppte nur ein paar Meter vor mir und sah mir tief in die Augen. Ich war immer noch beeindruckt von diesem Geschöpf. Zögerlich streckte ich meine Hand aus, ich wollte ihn nicht noch einmal erschrecken. Aber diesmal ließ er sich von mir streicheln. Seine Schuppen waren kühl und hatten eine beruhigende Wirkung auf mich. „Einfach erstaunlich…“, murmelte Professor Nigex. Nach einer Weile drehte sich der Drache um und flog etwas höher. Er stieß einen Laut aus, der weniger nach einem Brüllen klang, sondern viel mehr nach einem Quieken. Außerdem fing der Smaragd an seinem Kopf an stärker zu leuchten. Ich traute meinen Augen kaum, als auf einmal die Luft vor uns flimmerte und im nächsten Moment ein riesiger Tempel vor unseren Augen stand. „Nun… Ich denke, nun steht fest, dass es sich hierbei um den Tempel des Drachen handelt“, bemerkte Yuan. „Aber warum hat Shian uns geholfen?“, wunderte sich Professor Nigex und sah mich fragend an. Aber ich wusste die Antwort selber nicht und zuckte nur mit den Schultern. „Das ist doch jetzt auch egal! Wichtig ist doch nur, dass er uns geholfen hat und wir jetzt endlich weiter können!“, meinte Sheena und sie hatte Recht damit. Der Tempel bestand aus hellbraunen Steinen und ragte hoch vor uns auf. Säulen zierten die Seiten des Eingangs. Auf ihnen waren merkwürdige Symbole eingraviert und mir juckte es in den Fingern, sie zu untersuchen. Aber das würde warten müssen. Wenn wir uns nicht beeilten, käme ich vielleicht nie wieder dazu, irgendwelche Ruinen und eingravierte Symbole zu erforschen. Als wir jedoch das Innere des Tempels betraten… konnte ich nicht mehr an mich halten. Diese Schönheit war einfach unglaublich und es war erstaunlich, dass der Tempel noch so gut erhalten war, er sah fast so aus, als wäre er gerade erst gebaut worden. Ein verrücktes Lachen entfuhr meinem Mund und ich rannte begeistert voran, ließ meine Finger über die Wände gleiten und fragte mich, aus was für einem Material diese Steine wohl bestanden. „Ich fass es nicht… Wie kann sie in so einer Situation immer noch so austicken?“, wunderte sich mein Bruder. „Das ist halt Raine…“, seufzte Sheena. „Muahahahaha!“ Alle drehten sich erschrocken zu Professor Nigex um. „Das ist großartig, einfach fantastisch! Raine, hast du dir diese Symbole schon angesehen?! Und diese Wandmalereien?! Ich frage mich, was sie darstellen sollen…“ Ich sah den Professor mit leuchtenden Augen an. „Ja, ich kann es kaum erwarten, diesen Tempel genauer zu untersuchen!“ „Woah! Zwei Personen mit Archäologen-Tick sind ja noch schlimmer!“, bemerkte Lloyd. Genis nickte. „Was meinst du, was bei uns abgeht, wenn mehrere Archäologen bei uns zu Hause sind und sich über irgendwelchen antiken Kram unterhalten?“ Zelos lachte. Ich wollte gerade eine antike Vase mit Drachenmuster näher examinieren, als Kratos mich am Arm packte und mich weiter zog. „Wir haben jetzt keine Zeit dafür, Raine.“ „A… Aber…“ Ich seufzte. Ich wusste ja, dass er Recht hatte, aber… ich wollte mit meinen Untersuchungen fortfahren! Yuan zerrte Professor Nigex weiter, auch wenn es dafür eigentlich keinen rechten Grund gab. Immerhin war Professor Nigex nicht verflucht, warum konnten sie ihn dann nicht weiter den Tempel untersuchen lassen? Doch dann fiel mir die Antwort ein: Vielleicht gab es hier Monster und Professor Nigex konnte nicht kämpfen. Wie um meine Vermutung zu bestätigen, hörten wir auf einmal laute Schreie, die wohl keinen menschlichen Ursprung hatten. Wir waren jetzt in einem Raum, in dem weiter oben viele kleine Durchgänge waren. Ich fragte mich, welchem Zweck sie wohl dienen mochten, als auf einmal Gestalten, die mir vielleicht bis zu den Knien gingen, aus eben jenen Durchgängen auftauchten. Ihre lederartige Haut war braun, ihre winzigen Augen schwarz wie die dunkelste Nacht und in ihren Mündern sah ich eine Reihe spitzer Zähne. Sie waren bewaffnet mit kurzen, zackigen Messern, die sie drohend vor sich hielten. Ich gab ihnen einen Namen, obwohl ich bis jetzt nur ähnliche Beschreibungen in Büchern gelesen hatte: Kobolde. Wir waren von diesen Wesen umzingelt. Ich zog meinen Stab. Irgendetwas sagte mir, dass mit diesen Kobolden nicht zu scherzen war. Auch die anderen zogen nun ihre Waffen. Der Anführer der Kobolde, der daran zu erkennen war, dass er auf seinem Kopf eine alte Krone trug, stieß einen Kampfschrei aus und schon sprangen die Wesen auf uns herab. Professor Nigex versteckte sich ängstlich hinter einer Statue. Die Kobolde waren schnell und wendig und die Nahkämpfer hatten Probleme, sie anzugreifen. Ich wollte gerade einen Lichtzauber vorbereiten, als einer der Kobolde an meinem Hosenbein zupfte. Ich sah ihm in die Augen und er erschrak. Er machte komische Geräusche und kurz darauf sammelten sich um mich herum mehr dieser Gestalten an. Sie… schienen mich nicht angreifen zu wollen, vielmehr starrten sie mich nur an, was mir ehrlich gesagt unangenehmer war. Die anderen bekamen davon nichts mit. Auf einmal spürte ich einen Schmerz in meinem linken Bein. Als ich nach unten sah, bemerkte ich, dass mich ein Kobold mit seinem gezackten Messer am Bein verletzt hatte. Die Wunde war nicht tief oder schwer, aber ich wurde müder und in mir machte sich der Verdacht breit, dass dieses Messer zum Betäuben diente. Meine Beine hielten mich nicht mehr länger und ich fiel auf den Boden. Das Letzte, was ich mitbekam, waren die kleinen Hände der Kobolde an meinem Körper, die mich langsam davon trugen. Ich wachte auf einem Altar auf. Mein Gehirn fühlte sich an, als bestünde es aus Watte, das war wohl eine Nachwirkung der Betäubung. Ich richtete mich auf und massierte meine Schläfen. Erst jetzt bemerkte ich verwundert, dass ich gar nicht gefesselt war. In meinem Bein pochte ein dumpfer Schmerz. Ich erinnerte mich an die Wunde, die einer der Kobolde mir zugefügt hatte und heilte sie. Sobald meine Füße den Boden berührten, scharrten sich die Kobolde um mich. Sie fielen auf die Knie und hoben ihre Arme gen Himmel, um sie dann wieder zu Boden zu senken. Sie… beteten mich an. Aber was hatte ich getan, dass sie mich anbeteten? Nun, mir war es nur recht, vielleicht ließen sie mich dann ja gehen. Aber da täuschte ich mich. Sie hielten mich fest, rissen mich zu Boden, während die Kobolde etwas weiter entfernt mich immer noch anbeteten. Was sollte das Ganze eigentlich werden? Mir kam eine Ahnung, als ich sah, wie ein riesiger Topf mit kochend heißem Wasser in den Raum geschoben wurde. Sie… wollten mich essen! Ich hatte schon davon gelesen, dass einige Völker ihre in menschlichen Hüllen wandelnden Götter aßen, um sie zu von dem sündhaften Fleisch zu befreien. Aber… ich war keine Göttin! Und ich wollte schon gar nicht gegessen werden! Die Kobolde fingen nun doch an, mich zu fesseln. Sie fingen sogar an, mich zu würzen! Ich musste davon niesen, was diese widerwärtigen Wesen wohl für einen Moment zu erschrecken schien. Wenn die Lage nicht so ernst gewesen wäre, hätte ich sogar über meine Situation lachen können. Wer hätte schon gedacht, dass ich eines Tages Koboldfutter werden würde? Ich würde nicht in einem Kampf sterben, durch einen Unfall oder einen Fluch, nein, ich würde im Magen von dreckigen, kleinen Biestern landen. Zumindest, wenn meine Freunde nicht rechtzeitig kämen, um mich zu retten. Die Kobolde zogen mich nun nach oben und versuchten, mich in den Kochtopf zu hieven, was ihnen zum Glück nicht so schnell gelang. Das lag zum Teil auch daran, dass ich mich heftig wehrte. Kampflos wollte ich ja mein Leben nicht aufgeben. Als mein Kopf dann über dem heißen Wasser schwebte, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Wasser. Ich hatte es noch nie leiden können. Vielleicht war mir mal der Gedanke gekommen, dass ich in Wasser sterben würde, aber an heißes Wasser hatte ich dabei garantiert nicht gedacht. Die Minuten zogen sich dahin. Jetzt kam ich endlich auf die Idee, zu schreien. Mir war schleierhaft, warum ich das nicht schon längst gemacht hatte. Dies schien die Kobolde zwar nicht zu beeindrucken, aber vielleicht hörten mich meine Freunde ja. Die kleinen Wesen versuchten immer noch, mich in den Kochtopf zu stecken. Ich fragte mich, warum sie eigentlich so lange brauchten, war ich etwa so schwer? Aber viel mehr interessierte mich die Frage, warum meine Freunde nicht mal endlich kamen. Ich hatte es satt, wie Nahrung behandelt zu werden! Als ob sie mich gehört hätten, stürmten nun die anderen in den Raum. Innerhalb weniger Sekunden war ich befreit, viele Koboldleichen lagen auf dem Boden und die restlichen Kobolde verschwanden was weiß ich wohin. „Alles in Ordnung, Raine?“, fragte Kratos besorgt. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, was daran lag, dass ich nicht wusste, was für ein Gefühl bei mir eigentlich gerade die Oberhand hatte. Wut oder Erleichterung? Sollte ich weinen oder lachen? Letztendlich war meine Antwort eine Mischung aus allem. Mit Tränen in den Augen, einer schrillen Stimme und sarkastischem Ton antwortete ich: „Ob alles in Ordnung ist? Klar, ich wäre eben gerade nur fast bei lebendigem Leibe gekocht worden!“ Ich ging ein paar Schritte hin und her und legte meine Hand auf den Kopf. „Ich halt das einfach nicht mehr aus… Warum bin ich gestern bloß aufgestanden?“ Keiner wusste so recht, was er sagen sollte, also schwiegen sie. Ich seufzte. „Lasst uns weiter suchen, die Zeit rennt uns davon. Ich will nicht knapp einem Kochtopf entronnen sein, nur um kurz darauf durch einen Fluch zu sterben.“ „Sie haben Recht, Professor, die Zeit wird knapp… Die Linien haben schon ihren Hals erreicht!“, bemerkte Lloyd. Ich fuhr mit der Hand zu meinem Hals, als ob ich irgendetwas spüren könnte, aber… natürlich spürte ich nichts. Wir setzten unseren Weg fort, gelangten immer tiefer in das Innere des Tempels. Und endlich… kamen wir in einen Raum mit einer Schatztruhe. Aber natürlich – wie sollte es zu unserem Pech auch anders sein – wurde sie bewacht. Und zwar von einer riesigen grünen Schlange mit glutroten Augen. Zu allem Übel spuckte sie auch noch Feuer, was darauf hinwies, dass sie womöglich auch Drachen als Vorfahren hatte. Normal hätte mich das interessieren müssen, immerhin war diese Schlange damit vermutlich einzigartig, aber momentan war mir das ziemlich egal. Ich wollte nur schnell diesen Fluch loswerden und wieder ein normales Leben führen. Wir machten mit der Schlange kurzen Prozess, aber wir waren ja auch zu zehnt und damit deutlich in der Überzahl. (Wer sich wundert, warum zehn: Yuan ist auch noch da XDDD) Der Weg zur Truhe war frei, Professor Nigex kramte den Schlüssel aus der Tasche, steckte ihn ins Schlüsselloch und drehte ihn im Schloss um. Es kam mir alles vor wie in Zeitlupe. Und dann hörte ich den Professor doch nur sagen: „Die Truhe… öffnet sich nicht…“ Wenn ich die Energie dazu gehabt hätte, hätte ich den Professor geschüttelt, wäre die Wände hoch gegangen oder hätte sonst was gemacht, aber stattdessen seufzte ich nur. Nun, die Energie, die ich nicht hatte, machte sich dafür bei meinem Bruder bemerkbar. „Was soll das heißen, die Truhe öffnet sich nicht?! Jetzt ist keine Zeit für Scherze!“ „Ich mache keine Scherze! Der Schlüssel passt, aber er öffnet das Schloss einfach nicht… Vielleicht ist es zugerostet…“ Kratos trat näher an die Truhe heran. „Oder das Schloss ist gar nicht dazu da, um die Truhe zu öffnen.“ Wir sahen ihn alle verwundert an. „Seht euch mal das Ende des Schlüssels an. Es sieht aus, wie ein Labyrinth. Und nun schaut mal hierher.“ Kratos zeigte auf eine bestimmte Stelle auf der Truhe. Sie sah genauso aus, wie das Ende des Schlüssels. „Also… ist der hintere Teil der eigentliche Schlüssel?“, fragte Lloyd. Kratos nickte. „Legen Sie das Ende auf diese Stelle, dann dürfte die Truhe sich öffnen.“ Professor Nigex tat dies und tatsächlich sprang die Truhe auf. Der Professor holte den ‚Schatz der Geister’ daraufhin hervor: ein Buch. Lloyd rollte mit den Augen. „Nicht schon wieder ein Buch! Ich kann die Dinger langsam nicht mehr sehen!“ „Dann schau halt nicht hin“, meinte Yuan grinsend. Wir schlugen das Buch auf und fanden prompt ein Kapitel über den ‚Fluch des Weißen Tigers’. Dort wurde mit genauen Anweisungen beschrieben, wie man den Fluch heilen konnte. (Was eigentlich ziemlich verwunderlich ist, fällt mir gerade auf… Immerhin litten bis jetzt vermutlich nur Naria und Lyrion unter diesem Fluch, wer sollte also einen Weg gefunden haben, ihn zu heilen? Nun… Vielleicht war es ja der ‚Weiße Tiger’ selbst XDDD Keine Ahnung, vielleicht habt ihr ja genug Fantasie, um euch da was auszudenken XDDDD) Und die Zutaten, die man brauchte, um den heilenden Trank zu brauen, standen auch da drin. Es waren zu viele und teilweise auch zu seltene, wir konnten sie in der verbleibenden Zeit nicht mehr besorgen. „Verdammt!!!“, schrie Lloyd. „Das kann doch nicht wahr sein! Warum geht heute alles schief?!“ Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Professor, Dad… Es tut mir Leid… Letztendlich konnten wir euch doch nicht helfen…“ „Raine…“ Mein Bruder umarmte mich und leise Schluchzer waren von ihm zu hören. Alle waren sehr bedrückt. (Ist ja wohl auch logisch XDDD) „Lasst uns zurückgehen“, sagte ich. „Auch wenn dies ein Tempel ist… möchte ich nicht hier sterben.“ Also machten wir uns auf den Rückweg. Kratos und ich gingen voran. Verdammt, es fühlte sich an, als wären wir auf dem Weg zum Henker! Auf einmal stolperte ich. Kratos wollte mich auffangen, aber letztendlich fielen wir beide zu Boden. Ich wollte aufstehen, aber… ich war so kraftlos und müde… Kratos ging es nicht besser und wir beide wussten, dass die Zeit gekommen war. Und das Einzige, was ich jetzt noch bedauerte, war, dass wir es nicht mehr nach draußen geschafft hatten. „Kratos, Raine! Was ist…?“ Sheena sog erschrocken die Luft ein. „Die Linien… sie haben eure Gesichter erreicht!“ „Raine!“, rief mein Bruder mit Tränen in den Augen. Die anderen sagten auch noch etwas, aber ihre Stimmen verschwammen in meinen Ohren. Ich hörte nur noch Kratos’ Stimme leise flüstern: „Ich liebe dich, Raine…“ „Ich liebe dich auch…“, murmelte ich so leise, dass ich es selber nicht mehr hören konnte. Die angenehme Kühle, wie ich sie schon einmal gespürt hatte, umgab mich wieder. Und diesmal würde mich nichts wieder in die schreckliche Realität ziehen… Dachte ich. Aber allzu bald hörte ich wieder einmal eine Stimme. Diesmal war es allerdings nicht Kratos’, sondern eine, die mir zwar irgendwie bekannt vorkam, die ich aber nicht zuordnen konnte. Aber das war mir egal, sie war genauso lästig. „Raine… Du hast mir etwas versprochen… Und vielleicht kannst du es doch noch einhalten…“ Zum Teufel, wo hatte ich diese Stimme schon mal gehört? Ein Teil von mir wollte das doch noch wissen. „Wenn du mit Kratos zusammen bleibst… könnten ich und Lyrion vielleicht ein Teil von euch werden und euch so heilen… Geister haben die Fähigkeit, alle möglichen Flüche zu heilen… Das ist der wahre ‚Schatz der Geister’…“ Auf einmal wusste ich, wer da sprach. Es war Naria! Der Teil von mir, der nicht sterben wollte, rang sich zu einer Antwort durch: „Ja… Ich… bleib bei ihm…“ Zum zweiten Mal verließ ich nun die Kühle. „S… Seht mal! Die Linien auf ihren Körpern verschwinden!“, hörte ich eine Stimme rufen. „Und wenn schon… Sie sind tot…“, murmelte eine andere Stimme. „Aber… sie atmen noch!“ „Was? Aber… eben haben sie doch nicht mehr…“ Ich öffnete langsam die Augen. Unter mir spürte ich eine Bewegung. Es war Kratos. „Heilige Martel! Sie leben wieder!“, rief Zelos erstaunt. „Raine…“, murmelte Kratos. Ich umarmte ihn. Naria und Lyrion hatten wir es zu verdanken, dass wir wieder am Leben waren. Und sie hatten nur eine Bedingung gehabt: Dass Kratos und ich zusammen blieben. „Raine!“ In den Augen meines Bruders waren wieder Tränen, aber diesmal waren es Tränen der Erleichterung. Während wir den Tempel verließen, mussten wir unseren Freunden erklären, warum wir wieder am Leben waren. „Das grenzt einfach an ein Wunder! Wer hätte gedacht, dass das der wahre ‚Schatz der Geister’ ist? Einfach unfassbar! Kein Wunder, dass ihn niemand finden konnte!“, meinte Professor Nigex verblüfft. „Nun, ich finde ja, wir sollten das feiern!“, bemerkte Zelos grinsend. „Da muss ich dir ausnahmsweise mal zustimmen“, sagte Sheena. Zelos bot an, die Party in seiner Villa zu feiern. Er behauptete, das wäre der Partykeller schlechthin. Es war unglaublich, wie schnell sein Butler Sebastian alles hergerichtet hatte. Aber letztendlich feierte Zelos wohl bald jeden Tag eine Party. Mir war es ein wenig unangenehm, dass so viel Trubel um die Sache gemacht wurde, andererseits konnte ich es den anderen nicht verübeln. Wann erlebte man schon mal, dass jemand von den Toten wiederauferstand? Wir feierten noch bis spät in die Nacht. Selbst Genis und Presea blieben so lange auf, obwohl ich ihnen immer wieder sagte, sie sollten ins Bett gehen, bevor sie noch auf dem Sofa einschliefen. Aber natürlich hörten sie nicht auf mich und wir mussten sie schließlich in ihre Zimmer tragen. „Toooolle Paaaaaaaaaarty, net wahr, Rainechen?“, fragte mich Zelos lallend. Er hatte eine Alkoholfahne. „Zelos, du solltest auch besser ins Bett gehen“, sagte ich. „Net ooooohne mein Sheeeeeeeenamäuschen.“ Zelos torkelte in Richtung Wohnzimmer, um Sheena zu suchen. Ich schüttelte nur den Kopf. Kratos trat neben mich und legte mir einen Arm um die Schultern. „Wir sollten auch ins Bett gehen.“ Ich lief rot an und nickte. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag ich in Kratos’ Armen. Ich hatte mich noch nie so geborgen gefühlt. Ich sah in sein schlafendes Gesicht. Als sich diesmal meine Hände seinem Gesicht näherten, lag das nicht an einem Bann. Doch genau wie vor ein paar Tagen wachte er von der Berührung auf. „Guten Morgen“, begrüßte er mich und gab mir einen langen Kuss. So viele schreckliche Dinge waren in den letzten Tagen geschehen, aber nun schien mir alles gut zu sein. Ich konnte mich endlich wieder entspannen. Während ich neben Kratos lag und er mir sanft mit seinen Händen durchs Haar fuhr, gingen mir die Geschichten von Lyuros und Cryalla und Naria und Lyrion durch den Kopf. Ihre Geschichten waren nicht die Ersten, genauso wenig war Kratos’ und meine die Letzte. Und mir wurde etwas klar, wodurch mir diese Welt ein klein wenig besser erschien. Wenn es etwas gab, das es für immer geben würde, dann war es die Liebe. Signatur Crynil, do rical nade; Elran, do tilial nade; Mina, ris fris antaras nideras ko offim desto; Boli dyx strimur syrax windalk! © by DelFina18 ![]() | |||
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