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Schrotti
unregistriert

...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„Seit wann läuft das denn so?“ „Schon lange, aber... keine Ahnung“. Lee starrte auf den Boden und versuchte ruhig zu bleiben. „Dass sie auch immer so stur sein muss“ beschwerte er sich wieder. „Lass ihr Zeit, ansonsten wird es eh nichts mehr“ meldete ich mich nun auch zu Wort. „Ja, vielleicht hast du Recht...“ murmelte er traurig in sein Pullover, wobei ich ihn anlächelte. „Ich habe nicht nur vielleicht Recht“ lächelte ich warm, wobei er auch eines herbei zauberte. „Geht doch!“ sagte Sam und sprang von der Couch auf. „Sei mir nicht böse, aber so langsam muss ich mich auf den Weg machen. Lisa wird sonst sauer, wir sind verabredet“ grinste er frech und rieb sich ungeduldig die Hände. Lee stand ebenfalls auf, danach gaben sie sich die Hände. „Wir sehen uns morgen bei den Proben?“ fragte Sam und zog sich dabei schon seine Jacke an. „klar“ grinste Lee. „Bis dann“ und schon war Sam verschwunden. Nun saßen Lee und ich alleine im Zimmer. „Und nun?“ fragte ich ihn, wobei er mich nur schulterzuckend ansah. „Keine Ahnung. Was schlägst du vor?“. Ich grinste. „Eis essen...?“ „Immer doch“ lachte er mit, wobei er für einige Zeit den ganzen Streit mit Melissa vergaß. Wir liefen in die Küche, doch Lee stoppte auf halben Weg auf der Treppe. „Oh nein“ stockte er, starrte mich fassungslos an. „Was ist los?“ fragte ich verwirrt. Sein Gesicht verzog sich immer mehr. Er sah richtig entsetzt aus. „Wir haben kein Eis mehr“. Wir beide begannen laut zu lachen. Ich war froh, dass Lee endlich mal wieder lachen konnte, denn leider tat er das nicht mehr so oft. Er war seit einiger Zeit mit Melissa zusammen und sie war in etwa das Schlimmste, was im je passieren konnte. Sie waren sich nur am streiten, sie machte ihn höllisch eifersüchtig. Es passte, ehrlich gesagt, vorne und hinten nicht. Wir setzten ins im Wohnzimmer auf die Couch und hörten Radio. Als ich auf die Uhr schaute war Lee klar was kommen würde. „Schon?“ fragte er schon fast traurig. Ich nickte. „Ja, ich muss noch meinem Vater helfen… Es ist für Mom ziemlich hart, die Scheidung und so. Ich helfe ihm mit den Koffern“. Ich war kurz davor mich selber zu zwicken, da ich nie wieder über dieses Thema sprechen wollte. Lee nickte verständnisvoll. Schnell lächelte ich wieder. „Na ja, ich muss dann mal“. Lee starrte mich nur traurig an. „Tut mir Leid, falls ich dich mit meinen Problemen belästige“ sagte Lee, als wir vor der Tür standen. Um ehrlich zu sein war ich ziemlich geschockt, dass er das sagte bzw. glaubte. „Nein, tust du nicht. Du bist mein bester Freund“ meinte ich leicht gefrustet. „ja, wahrscheinlich kommt das von der Depri-Stimmung“ legte er ein gespieltes Lächeln auf. Ich drückte ihn noch einmal und lief dann nach Hause. Als ich vor der Haustür stand hörte ich nur, wie sich Mom und Dad wieder stritten. Wie immer „flogen die Fetzen“ sagte meine kleine Schwester immer. Am meisten tat es mir für sie leid, da sie noch so klein war. Ich war kurz davor den Schlüssel ins Schloss zu stecken und herumzudrehen, aber ich konnte nicht. Das Geschrei war mir einfach zu viel. Deprimiert entfernte ich mich so schnell es ging vom Haus. Ich konnte einfach nicht mehr. Was sollte ich denn machen? Schon so lange stritten sich die beiden und nun sollte die Scheidung kommen. Wussten sie eigentlich, was sie mir und Anna antaten? Zumal, wo sollte ich eigentlich hin? Für eine eigene Wohnung reichte mein Geld nicht, da ich noch zur Schule ging. Lee wollte ich nicht nerven, da er selber Probleme hatte und er ja schon meint, mich damit zu belästigen.
Nach einigen Stunden wurde es dunkel draußen und ich saß ein wenig abseits von London City an einer Bushaltestelle. Meinen Mund vergrub ich in meinem Schal, meine Hände steckten in meiner Jackentasche und gekrümmt saß ich auf der Bank. Jedes mal, wenn ich ein und ausatmete konnte ich meinen Atem sehen. Meine Nase musste auch schon ziemlich rot gewesen sein. Ich gähnte einmal, bis dann mein Handy vibrierte. Ich zog es aus meiner Hosentasche heraus. Lee calling. Ich hustete einmal und nahm ab. „Wo bist du verdammt?“. Geschockt starrte ich in die Ferne. „Dir auch hallo…“ „Was soll das? Wieso bist du nicht zuhause? Ich habe bei dir angerufen, aber die meinten, du wärst nie nach Hause gekommen“ „Bin ich auch nicht“ sagte ich schon fast sauer, obwohl er ja nichts dafür konnte. Er machte sich nur so viele Sorgen, dass ich zu stark darunter leiden würde und mich zu einem emotionalen Wrack entwickelte. „Wo bist du denn? Ich mache mir Sorgen! Du bist eine ganze Zeit nicht ans Handy gegangen!“ warf er mir weiter vor ohne gemerkt zu haben, dass mich das noch mehr kränkte. Manchmal verstand er mich einfach nicht. „Weil ich nicht wollte! Deshalb! Man kann nicht mal 5 Minuten alleine sein!“ schrie ich fast in das Telefon. Leute, die auf einen Bus warteten, schauten mich schon empört an. Ich beruhigte mich wieder. „Haben sie sich wieder so arg gestritten?“. Ich nickte, obwohl er es nicht sehen konnte. Dennoch wusste er, dass ich es tat. „Habe ich mir gedacht… Ich hatte eh vor morgen mit Anna noch mal was zu unternehmen, weißt du?“. Lee war wie ein Zweitbruder für sie. Er unternahm so viel mit ihr, damit sie nicht alles mitbekam. Ich dachte mir immer, dass es besser wäre, dass ich alles mitbekomme anstatt dass sie es tat. „Das wäre super“ pflichtete ich bei und stieg in den Bus ein, der gerade kam. „Wo bist du denn?“ fragte er wieder freundlicher. „Im Bus“ „Nach Hause?“ „Weiß noch nicht“ murmelte ich, da es mir unangenehm war, wenn alle Leute mithören konnten, was ich sagte. „Und Anna?“ „Sie übernachtet bei einer Freundin. Sie haben morgen keine Schule, deswegen war das heute ganz passend. Sie war den ganzen Tag nicht zuhause“ beruhigte ich Lee. Erleichtert atmete er laut aus. Ich riskierte einen Blick nach draußen und sah, wie es zu schneien begann. Es war ja schließlich auch kurz vor Weihnachten. „Bist du noch dran?“ hackte Lee nach, da ich ihm anscheinend nicht zugehört hatte. „ja ja, bin ich“ sagte ich noch abgelenkt. „Also, na ja. Willst du heute Nacht lieber bei mir übernachten?“ „Eigentlich müsste ich ja meinem Vater helfen“ sagte ich mehr als eine Memo an mich selbst. „Es ist schon abends. Ich glaube, dass er alleine zu Recht kommen wird“. Ich schmunzelte. „Nein, ich bleibe bei mir. Du solltest dich lieber mit Melissa vertragen“ erinnerte ich ihn daran. Abgesehen davon versuchte ich ihn an seinen dummen Satz zu erinnern, dass er mich angeblich mit den Problemen belästigen würde. „Darauf willst du hinaus“ prustete er heraus. „Du bist sauer, stimmt’s?“ „Selbst wenn“ „Ich meinte es doch nicht böse“ versuchte er sich zu entschuldigen. „Ich denke nur, dass du mit deinen Eltern mehr Probleme hast und ich dich mit meiner Lappalie belästige“ „Ein wenig Ablenkung wird mir auch mal gut tun“ beschwerte ich mich. Als ich wieder nach draußen sah bemerkte ich, dass ich bald aussteigen müsste. Also drückte ich auf Stopp und wartete bis der Bus anhielt. „Wann ist Anna morgen wieder zuhause?“ versuchte Lee vom Thema abzulenken. Ich stieg nebenbei aus. „Keine Ahnung. Ruf einfach mal an“. Es trat eine Stille ein. „Na gut… Wir sehen uns dann ja. Pass auf dich auf, ja?“ betonte Lee seine letzte Bitte. Ich lächelte leicht „Natürlich. Schlaf schön“. Mein Handy verschwand wieder in meiner Hosentasche und gemütlich lief ich die leere und kaum beleuchtete Straße entlang. Ich befand mich schon in meiner Nachbarschaft aber dennoch hatte ich ein ungutes Gefühl. Als ich wieder vor unserem Haus stand, bemerkte ich, wie ruhig es doch war. Obwohl ich die Art und Weise, wie miteinander in unserem Haus umgegangen wurde, nicht mochte, war die Ruhe doch etwas Unheimliches. Wieso die Ruhe etwas Schlechtes ist? Bei uns hieß es immer „die Ruhe vor dem Sturm“. In der Zeit hatten Mom und Dad nichts anderes zu tun als Anna und mich jeweils gegen das andere Elternteil aufzuhetzen. Und wenn das nicht funktionierte, platzte die Bombe einige Tage später, wo Mom und Dad sich einfach nur anschrieen, pausenlos, und darüber diskutierten, was für Rabeneltern sie doch waren, den einen gegen den anderen aufzuhetzen und was sie sich bloß dabei einbildeten. Als ich die Haustür öffnete saß Anna weinend auf der untersten Treppe. Ich schloss leise die Tür, ging direkt auf sie zu, setzte mich zu ihr und tröstete sie. Ich nahm sie so fest in meine Arme, wie ich nur konnte. Als ich sie wieder losließ musterte ich sie und fragte in einem Flüsterton, was passiert sei.




Schrotti
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...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Anna versuchte mir zu antworten, doch sie hyperventilierte zu stark. Ich schloss sie erneut in meine Arme und beruhigte sie etwas, sodass sie wieder reden konnte. „Mom und Dad… Streit“ war alles, was ich verstanden hatte. Ich kniff meine Augen zusammen und dachte daran, dass ich vorher nicht durch die Haustür gegangen bin sondern, so feige wie ich war, weglief. „Müsstest du nicht bei deiner Freundin sein?“ wollte ich sie ablenken und auf andere Gedanken bringen. „Mom ist im Krankenhaus… Dad ist völlig durchgedreht“ fuhr sie fort ohne mir zu antworten. Wie ein Blitz durchfuhr diese Nachricht meinen Körper. Steif hielt ich sie in meinen Armen. Anna löste sich von meiner Umarmung und nahm mich an die Hand. Ich stand auf und folgte ihr ins Wohnzimmer. Vor Schock hielt ich meine Hand vor dem Mund. Meine Augen wurden immer riesiger, genauso wie mein Entsetzen. Das ganze Wohnzimmer war verwüstet: Fotos, Vasen, Blumen, Möbelstücke und Glas lagen überall verteilt im Raum. Ich konnte es einfach nicht glauben; perplex stand ich da. Als ich Anna ansah bemerkte ich, wie sich ein kleiner See in ihren Augen ansammelte. Auch ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Dad war eindeutig zu weit gegangen. „Woher weißt du davon? Du bist doch nicht lange hier, oder?“ fragte ich sie beschützend, obwohl meine Worte schon gar keine Wirkung mehr zeigten. „Das Krankenhaus hatte angerufen“ war alles was sie noch sagen konnte bevor sie ganz zusammenbrach. Nun standen Anna und ich Arm in Arm in einer zertrümmerten Umgebung, die unsere zertrümmerte Familie widerspiegelte. Und nichts, rein gar nichts, konnte diese Schuld wieder bereinigen.

Einige Zeit später fuhr ich mit dem Auto zusammen mit Anna zum Krankenhaus. Mom hatte einen gebrochenen Fuß von dem ganzen Streit davongetragen. Derzeitig wurde sie noch operiert, da der Knochen durch Nägel wieder in die richtige Position versetzt wurde. Gespannt warteten wir in ihrem Krankenzimmer. Es dauerte auch nicht lange, dann wurde sie herein geschoben. „Geben Sie ihr bitte noch ein wenig Zeit. Die OP ist gut verlaufen, dennoch sollte sie wegen der Narkose noch etwas Ruhe bekommen. Es kann sein, dass sie gar nicht mit ihren sprechen will, weil sie zu müde ist“ wurden wir darauf hingewiesen. Wir nickten nur stumm und stellten uns an das Ende ihres Krankenbettes. Traurig schauten wir sie an. Sie hatte einige blaue Flecken an ihren Armen, die sie wahrscheinlich alle von diesem Tag davongetragen hatte. Dad war auf der Polizeistation und musste sich dafür verantworten. Ehrlich gesagt hatten wir Anna immer so viel verschwiegen. Sie war erst 11; sie wusste überhaupt nicht, weswegen Mom und Dad sich stritten, sie wusste noch nicht mal von dem Alkohol und der damit zusammenhängenden Gewalt. Ich warf einen Blick zu ihr herüber, aber sie streichelte nur den Gips und sah Mom wehleidig an. „Wir sollten sie schlafen lassen, es ist schon spät“ versuchte ich Anna davon zu überzeugen, dass wir gehen sollten. Sie litt noch mehr da drunter als ich, es tat unheimlich weh, sie so verletzt zu sehen. Mit kleinen Schritten lief ich zu der Zimmertür und drehte mich noch mal nach Anna um. „Kommst du?“ befahl ich ihr mehr oder weniger. Langsam lief sie auf mich zu, mit ihrem Blick auf Mom gerichtet.

Als wir wieder in unserem Haus waren lief ich noch mal ins Wohnzimmer. Ich hob einige Familienbilder auf und schob vorsichtig die Glasscherben beiseite. Ich konnte immer noch nicht glauben, dass das wirklich passiert war. Behutsam legte ich das Bild auf den Wohnzimmertisch und versuchte wieder ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen. Anna hingegen verschwand direkt in ihrem Zimmer. Ich lief einige Zeit später nach oben, um zu sehen, was sie machte und ob es ihr soweit gut ging. Ich wollte gerade die Tür öffnen als ich sie sprechen hörte. „Ich weiß nicht, was ich machen soll…“ hörte ich sie sagen. Ich legte mein rechtes Ohr an die Tür und lauschte ein wenig. „Ihr geht es soweit gut… denke ich“. Verwirrt runzelte ich meine Stirn, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, mit wem sie da sprach. „Jetzt noch? Ich weiß nicht, ob sie damit einverstanden ist. Ich kann sie ja mal fragen… Oder so, eine Überraschung ist immer was Tolles“. Womit nicht einverstanden, fragte ich mich. Als sich das Gespräch dem Ende zuneigte lief ich schnell an ihrer Tür vorbei in mein Zimmer. Einige Minuten später kam auch Anna dazu. „Ich habe dich vorhin sprechen gehört“ pflichtete ich bei und schaute sie musternd an. „Ja, ich habe mit Lee telefoniert“. Es wunderte mich. Mir war klar, dass sie ihn über alles mochte. Manchmal konnte man denken, dass die beiden die besten Freunde waren anstatt Lee und ich. Schließlich war ich immer noch ein wenig sauer auf ihn. „Ach so, verstehe“ murmelte ich und starrte wieder auf meine Zeitschrift, die ich sowieso nicht wirklich las. Sie setzte sich zu mir aufs Bett und schaute mich mit ihren blauen, unschuldigen Augen an. „Meinst du, dass es Mom bald wieder besser gehen wird?“. Ich nickte mit einem traurigen Lächeln. „natürlich, sie hatte nur ein gebrochenes Bein. Außerdem hatte sie noch die Narkose in den Knochen; da ist jeder müde“ beantwortete ich ihr die Frage. Vorsichtig stand sie auf und lief zur Tür, wobei ich jeden ihrer Schritte verfolgte. „Ist es schlimm, dass Lee gleich noch vorbei kommt?“. Ich schaute sie ernst an und versuchte lieb zu klingen. „Nein, ist schon okay… Wir sind sowieso alleine“. Anna nickte nur stumm und zog die Tür beim Herausgehen wieder hinter sich zu. Frustriert legte ich die Zeitschrift beiseite und knipste das Radio an. Ich legte mich auf die Seite und starrte aus dem Fenster. Ich musste immer wieder daran denken, dass ich in all den Jahren so viel mitmachen musste. Ich liebte meinen Dad über alles, andererseits konnte ich aber Mom nicht verstehen, dass sie immer noch bei ihm blieb und erst jetzt die Scheidung einreichte. Dennoch kann ich es auf einer Art und Weise nachvollziehen, da Dad öfters ziemlich grob mit ihr umging, besonders als er immer getrunken hatte. Für einen Moment lang schloss ich meine Augen und stellte mir vor, wie es heute wohl abgelaufen sein musste. Eine blühende Fantasie hatte ich ja schon, besonders aber, da ich zu oft zu viel gesehen hatte.
„Ella?“ hörte ich auf einmal eine Männerstimme. Ich öffnete meine Augen und sah Lee neben meinem Bett. Ich gähnte einmal und setzte mich dann etwas aufrechter hin. „Lee?“ fragte ich verschlafen. Er lächelte nur leicht und setzte sich zu mir auf das Bett. „Wie geht es dir?“ fragte er, ohne auf irgendetwas anderes eingegangen zu sein. Ich antwortete ihm nicht sondern schaute ihn einfach nur an. Es schossen mir so viele Gedanken durch den Kopf, sodass ich gar nicht mehr anders konnte als meinen Kopf auf seine Schulter zu legen und zu weinen. Sanft umarmte er mich und streichelte fürsorglich meinen Rücken. „Es wird alles wieder gut“ flüsterte er mir immer wieder zu. Ich hoffte nur, dass ich seinen Worten glauben konnte… Ich konnte ja sonst an gar nichts mehr glauben. „Wo ist Anna?“ fragte ich noch mit einer wackeligen Stimme. Als ich mich wieder von ihm löste legte er seine Hand auf meine und ließ sie nicht los. „Sie schläft. Ich war vorhin die ganze Zeit bei ihr und habe mich um sie gekümmert“. Ich nickte nur und schaute ihn dankend an. „Und wie sieht es mit dir aus?“ fragte er ein weiteres Mal. Ich zuckte mit den Schultern. „Wie soll es mir schon gehen?“ warf ich sarkastisch in den Raum. „Mein Vater wird auf einmal gewalttätig, als es nun zu der Scheidung kommt. Freunde wollen mit mir nicht mehr wirklich viel zu tun haben, außer du und die anderen Jungs. Mein Leben könnte nicht besser laufen“. Mitleidig sah er mich an. „Wenn ich irgendwas für dich tun kann…“ bat er mir an, doch brach den Satz ab. Mit vor Tränen glänzenden Augen sah ich ihn ernst an. „lass mich nicht alleine“. Lees Finger umfassten meine, sodass unsere Hände ineinander verschmolzen. „Das werde ich nicht“ versprach er und sah mich mit diesem sonderbaren Blick an. Diese Worte verloren schon fast ihre Wirkung. Zu oft wurde dieses Versprechen gebrochen. Wir bemerkten noch nicht mal, dass Anna die Tür einen Schlitz weit geöffnet hatte und uns zusah.
„Ich bin so müde…“ gähnte ich erneut und starrte auf meinen Radiowecker. „Schon 23:19“ murmelte ich überrascht, da die Zeit so schnell verging. Lee stand auf und zog seinen Hoodie aus. Ich sah ihm dabei zu. Verwirrt schaute er mich an, als er nur noch in Jeans und Muskelshirt vor mir stand. „Was ist?“ fragte er mit einem Lächeln. Ich schüttelte nur lächelnd meinen Kopf. „Nichts, schon gut“. Verlegen schaute ich wieder aus dem Fenster. Lee hatte ich in dieser Art und Weise noch gar nicht gesehen. Wieso sollte ich auch? Er war ja schließlich mein bester Freund. Ich stand kurz auf und lief in das Badezimmer, wo ich mich bettfertig machte. Kaum war ich aus der Tür stand Lee wieder vor mir. „Wo soll ich denn heute Nacht schlafen?“. Einen Moment lang wusste ich nicht, was ich sagen sollte und ob ich so zu viel von ihm verlangte. „Kannst du dich zu mir legen?“. Er grinste diesmal. „Klar, du notgeiles Etwas“. Verdutzt schaute ich ihn an. „Bitte?“ wir lachten. „Aber lieg oben“ „Lee!“ grinste ich und schlug ihm leicht gegen die Schulter. „Du und deine Zweideutigkeiten“ „Immer doch! Eindeutig zweideutig!“. Danach verschwand er auf das Klo und ich wieder im Zimmer. Ich war gerade dabei das Bett zu machen als Anna neben mir stand und an meine Schulter tippte. „Hey, du solltest doch im Bett sein“ flüsterte ich schon fast, obwohl es keinerlei Gründe dafür gab. „ich konnte nicht schlafen“ lächelte sie gezwungen. Sanft tätschelte ich ihren Kopf. „Komm, ich bring dich ins Bett“ sagte ich und sie lief voraus. Als sie endlich im Bett lag deckte ich sie bis zum Hals zu und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Sag mal“, begann sie, „Du magst Lee oder? Seid ihr jetzt zusammen?“. Ich habe gedacht ich würde mich gleich verschlucken. Teilweise empört, aber auch angetan von dieser Idee starrte ich sie an. „Äh, also.. Nein, wie kommst du da drauf?“ „Ihr habt Händchen gehalten“ kicherte sie schüchtern und wurde leicht rot. „Ja, aber dann ist man nicht gleich zusammen“. Sanft deckte ich sie erneut bis zum Hals zu. „Schlaf jetzt, ok?“. Sie nickte nur, danach lief ich aus dem Zimmer und schloss die Tür. Lee saß bereits auf dem Bett und schaute sich im Zimmer um. „Nichts hat sich verändert… Außer das Wohnzimmer“ machte ich einige Anspielungen auf den heutigen Abend. Ich legte mich zu ihm ins Bett und starrte die Decke an. „Weißt du… Wenn ich heute nicht einfach so durch die Stadt gelaufen wäre… also weggerannt… Dann wäre es wahrscheinlich nie so weit gekommen“. Ich drehte meinen Kopf zu Lee. Verständnislos sah er mich an. „Oder dein Vater hätte dich ebenfalls geschlagen“. Es war wahrscheinlich eine normale psychische Reaktion, dass ich mir immer wieder die Schuld für alles gab. Ich wusste, dass es nicht richtig war, aber irgendwie war ich doch der Meinung, dass sie es war. „Es war garantiert nicht deine Schuld. Es wäre so oder so passiert. Dein Vater ist Schuld“ versuchte er mir klar zu machen. Unsere Blicke trafen sich und ich konnte erkennen, wie aufrichtig er doch war. Ich schmunzelte etwas, wünschte ihm aber dann eine Gute Nacht. Er gab mir einen Kuss auf Stirn und drehte sich anschließend um. Ich brauchte einige Minuten um das verarbeitet zu haben. Immer noch nicht davon überzeugt schaute ich ihn an, drehte mich aber danach um. Ich schaltete die Nachtischlampe aus und fasste mir noch mal an die Stirn. Danach schlief ich endlich ein.




Schrotti
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...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„MAMA!“ schrie ich und wachte schweißgebadet auf. Lee riss seine Augen auf und starrte mich an. „Ist alles in Ordnung?“ fragte er besorgt. Er wusste nicht wirklich was er tun sollte. Außer Puste fuhr ich mir durch das Haar und kniff die Augen zusammen. Sanft strich mir Lee über meine Schulter. „Es war nur ein Albtraum, nichts weiter“ versuchte er mich wieder aufzubauen. Nur leider war dieser Albtraum bereits die Wirklichkeit. Ich nickte nur und stieß ein „Mh“ aus mir heraus während Lee sich an mich heran kuschelte und versuchte mich zu beruhigen und wieder zum schlafen zu bringen. Aufgeregt schloss ich meine Augen. Lee war nach kurzer Zeit wieder am Schlafen; sanft lag er neben mir und kuschelte sich so nah an mich heran wie möglich. Noch einmal schaute ich auf die Uhr: Es war 2:54. Wieso, fragte ich mich in Gedanken und versuchte mich wieder zu beruhigen und in den Schlaf zu wiegen – vergebens. Ich wachte schlagartig alle 20 Minuten auf und wälzte von der einen zur anderen Seite. Es gab einfach nichts, was mich zum Einschlafen brachte. Gegen 6 Uhr morgens entschloss ich mich dann nach unten in die Küche zu laufen und mir einen Kaffee zu kochen. Leise kroch ich aus dem Bett und schloss so leise wie möglich die Tür. Genauso leise, wie ich aus dem Zimmer verschwand, tippelte ich den Flur entlang und die Treppen hinunter, bis ich endlich in der Küche ankam. Von der ganzen Sache mitgenommen schaltete ich das Radio ein und ließ Wasser in die Kanne für den Kaffee einlaufen. Als ich alles vorbereitet hatte drückte ich den Startknopf und setzte mich an den Küchentisch, wo ich jeden einzelnen Tropfen dabei beobachtete, wie er in die Kaffeekanne fiel. Es war erstaunlich, was für Geräusche man erst wirklich wahrnahm, wenn es ruhig genug dafür war oder was für Kleinigkeiten eine so große Bedeutung haben konnten, dass man sie im Alltag manchmal vergaß. Kurze Zeit später lief ich zum Vorgarten und schnappte mir die morgendliche Zeitung, die ich ihm Wohnzimmer beim Kaffeetrinken las. Ich bemerkte jedoch nicht wie Anna plötzlich hinter mir stand. „Ella?“ „Guten Morgen“ begrüßte ich sie leise, da ich von der Nacht ziemlich ausgelaugt war. „Was machst du denn schon auf, mh?“. Sie lächelte sanft und zuckte mit den Schultern. „Ich kann nicht mehr schlafen. Außerdem habe ich gehört, wie du aufgestanden bist“. Sie gab mir ihre morgendliche Umarmung und setzte sich dann zu mir. „Was machen wir heute?“ fragte sie nach einiger Zeit der Stille. Ich schlürfte meinen Kaffee und sah sie schulterzuckend an. „Ich habe eigentlich gedacht, dass wir zu Mom ins Krankenhaus fahren könnten. Sie würde sich sicherlich freuen“. Anna nickte bloß. „Wieso? Was hattest du denn geplant?“ hinterfragte ich ihre Enttäuschung. „Ich dachte, dass Lee vielleicht mitkommt oder wir alle zusammen ins Kino fahren, zur Ablenkung.“ „Ja, das hält man hier wirklich nicht aus“ pflichtete ich bei und bestaunte noch mal das Chaos im Wohnzimmer, welches fast vollkommen beseitigt war. „Eine schlechte Idee wäre es sicher nicht, nein“ stimmte ich ihrer Idee zu. Vor lauter Freude umarmte mich Anna und gab mir ein dickes Bussi auf die Wange. „Juhu!“ freute sie sich und rannte die Treppen hoch. „Aber nicht Lee…“ begann ich, jedoch war sie schon weg. „wach machen“ lächelte ich kopfschüttelnd, widmete mich aber dennoch meiner Zeitung. „LEE!“ stürmte sie in mein Zimmer hinein. Er hingegen stöhnte einige Male nur und drehte sich zu der entgegengesetzten Seite. „Lee!“ wiederholte sie seinen Namen glücklich und rüttelte an seiner Schulter. Total verschlafen öffnete er seine Augen und sah sie verwirrt an. „Was? Wo bin ich? Ist was passiert?“ murmelte er sich den Schlaf vom Körper. „Ella…“ begann Anna, wurde aber von Lee unterbrochen. „Ist was passiert?“ fragte er geschockt und war direkt hellwach. „Nein, du Dummie!“ grinste sie fies. Anna setzte sie zu ihm auf das Bett und sah ihn so glücklich wie noch nie an. „Gehen wir nachher alle zusammen zu Mom und später ins Kino?“ fragte sie mit Engelsaugen. Lee konnte nur ja sagen. „Ja, warum denn nicht! Gönnen wir uns mal etwas!“ lächelte er sie an. „JUHU!“ schrie sie und rannte wieder die Treppen zu mir hinunter. Lee liebte Anna über alles und er konnte nur lächelnd seinen Kopf schütteln, genauso wie ich. „Und?“ fragte ich sie, als sie auf mich zukam. „Er hat ja gesagt!“ freute sie sich weiter und hibbelte fröhlich auf der Couch herum. Ich hörte auch schon wie Lee die Treppen hinunter kam. „Guten Morgen!“ begrüßte ich ihn freundlich und bemerkte, wie schwer ihm jeder Schritt fiel, da Anna ihn unbedingt wecken musste. „Tut mir echt Leid, wegen der Kleinen hier“ spielte ich grinsend vor, wobei nur eine Handbewegung machte, die jeder als „Egal“ verstand. „Kein Problem“ war alles, was er sagte. Er stand nun hinter mir und lehnte seinen Kopf über meine Schulter hinweg um etwas in der Zeitung genauer lesen zu können. „Interessant“ murmelte er interessiert. Geschockt davon wie nahe er kam, war ich kurz davor durchzudrehen. Ich roch noch den letzten Hauch seines Parfüms und genoss diesen Moment. Danach schaute er mich von der Seite an und lächelte. „Was guckst du so?“ fragte er. Übertrieben stark schüttelte ich meinen Kopf. „Nichts, wirklich nichts. Nicht, dass etwas sein sollte, weil… ja nichts ist“ stammelte ich und stand ganz plötzlich auf. Verlegen lief in die Küche. Anna und Lee saßen sich verwirrt an, zuckten dann aber beide mit den Schultern. „Möchtest du auch Toast?“ fragte ich um von der ganzen Sache etwas abzulenken. „Ja, bitte“ rief er mir zu. Nervös nahm ich zwei Toastscheiben aus der Tüte und ließ sie in den Toaster fallen. Ich atmete einmal tief ein und aus bevor ich wieder in das Wohnzimmer zurücklief. „Na ja, ich gehe dann mal duschen. Wir können ja dann in ein, zwei Stunden zu Mom“ sagte ich im Vorbeigehen. „Ist gut, wir ziehen uns dann auch gleich an“ ließ mich Lee wissen und widmete sich wieder Anna, die ihn über verschiedene Sachen in der Zeitung ausfragte. Ich hingegen blieb noch für einen Moment auf der Treppe stehen und beobachtete die beiden; ich musste lächeln, da er sich so rührend um sie kümmerte. Kurze Zeit später war ich geduscht und angezogen, weswegen ich wieder in das Wohnzimmer lief, wo bereits der Fernseher eingeschaltet war. Anna saß gespannt davor und sah sich einen Zeichentrick an. „Wo ist Lee?“ fragte ich sie und setzte mich zu ihr auf die Couch. „Er ist oben“ beantwortete sie meine Frage, jedoch war sie sichtlich vom Fernseher hypnotisiert. Als ich vor meiner Zimmertür stand lauschte ich ein wenig, konnte jedoch nichts hören. Ich klopfte einmal, aber nichts kam. Verwirrt öffnete ich die Tür und sah Lee, wie er sich gerade sein Hoodie überziehen wollte. „Oh, tut mir Leid... Das wollte ich nicht“ sagte ich schüchtern und drehte mich um, da er nur in Boxershorts vor mir stand. „Komm doch rein“ lächelte er warm und zog sich währenddessen die Hose an. „Bist du auch gleich soweit? Dann können wir ja schnell zu Mom und anschließend Mittagessen, danach vielleicht ins Kino“ schlug ich vor und wartete seine Reaktion ab. Plötzlich stand er neben mir und unsere Gesichten trennten nur noch weniger Zentimeter. Überrascht sah ich ihm in die Augen. Ich wusste nicht, was ich von alldem halten sollte. Ich hatte Lee noch nie in diesem Blickwinkel gesehen, noch nie. Und auf einmal wurde alles so anders. Jede Berührung ließ mich verrückt nach ihm werden, jede Anmerkung ließ mein Herz 1000 Mal höher schlagen, jeder Blick ließ mein Puls rasen. Wir sahen uns immer noch in die Augen. Ich starrte auf seine Lippen und biss mir leicht auf die meinige. 10 cm, 9 cm, 8 cm, 7 cm, 6 cm, 5 cm,... Wir waren kurz davor uns zu küssen. Doch plötzlich stürmte Anna fröhlich ins Zimmer. Schlagartig entfernten wir uns voneinander und schauten beschämt durch die Gegend. "Oh, 'Tschuldigung" murmelte Anna traurig, begann dann aber wieder zu lächeln. "Was gibt's?" fragte ich liebevoll und ging in die Knie, damit ich mit ihr auf Augenhöhe war. "Fahren wir jetzt zu Mom?". Ich nickte bloß und lief gekränkt an Lee vorbei. Er sah mir traurig hinterher, bis er mich nicht mehr sehen konnte. "Habe ich gestört?" fragte Anna unschuldig und hoffte, dass sie es nicht tat. "Nein, ist schon okay" log Lee und lief auch an Anna vorbei. Nun stand sie traurig und allein in meinem Zimmer. Sie wusste ganz genau, dass sie gestört hatte.
Sauer saß ich unten im Auto und wartete auf die anderen beiden. Ich starrte sauer auf meine Fingernägel und hörte dabei Radio. Plötzlich bemerkte ich nur wie Lee und Anna aus der Tür heraus kamen. Ich blickte sauer in ihre Richtung und startete enttäuscht den Motor; seitdem die beiden im Auto saßen herrschte die schlimmste Stille, die ich je in meinem Leben erlebt habe. Lee sagte kein Wort, Anna sagte kein Wort, ich sagte kein Wort. Wir fuhren ca. eine halbe Stunde zu dem Krankenhaus. „Ich parke eben. Ich komme gleich nach“ sagte ich und schmiss die beiden aus dem Auto heraus. Als ich losfuhr beschleunigte ich sogar so stark, dass die Reifen begannen zu quietschen. Erschrocken sah Lee mir hinterher, was ich im Rückspiegel beobachtete. Jedoch fuhr ich nicht sofort zum Parkplatz sondern fuhr noch mal eine Runde um das Krankenhaus. Als ich mich dann endlich entschloss nachzukommen parkte ich das Auto und blieb eine Minute darin sitzen. Ich musste mein Bestes tun nicht zu weinen begann. Ich hatte noch nie so stark mit den Tränen zu kämpfen, noch nie. Trotz alledem stieg ich aus und schloss ab. Langsam lief ich zur der Eingangstür. Es schossen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Wieso musste ich jetzt erst darauf kommen? Das kommt wohl davon, wenn man sich den Kopf verdrehen lässt. Man sollte immer darauf achten, dass der Junge der dich liebt, dich nie zum weinen bringen würde. Doch Lee tat es. Er wusste, dass ich ihn liebte und dass nun er derjenige war, der die Macht hatte mein Herz zu brechen. Ich dachte ich könnte ihm vertrauen, dass er es nicht tun würde, doch anscheinend hatte ich mich in ihm getäuscht. Als die Fahrstuhltür aufging atmete ich tief ein und aus und lief zu dem Krankenzimmer. Nervös klopfte ich an der Tür, ging hinein und lief direkt auf Mom zu, ohne auf irgendjemanden zu achten. Ich umarmte sie und musste erneut mit den Tränen kämpfen. „Wie geht es dir?“ fragte ich und blinzelte die ganze Zeit mit den Augen, damit die Tränen nicht ihren freien Lauf nahmen. „Es geht mir soweit gut. Die Polizei war auch hier und hatte mich verhört. Dein Vater wird angeklagt und bekommt sehr wahrscheinlich eine Freiheitsstrafe“. Ernüchternd sah ich sie an, da sie „Dein Vater“ sehr abwertend betonte. Anna starrte mich und Mom dabei die ganze Zeit an. „Und du kümmerst dich um meine Töchter?“ sah meine Mom nun Lee an, welcher nur stumm nickte. „Danke, das ist sehr freundlich“ sagte sie, jedoch fiel ich ihr direkt ins Wort: „Wann kommst du wieder raus?“. Mom zuckte mit den Schultern und schaute auf ihre Bettdecke. „Ich weiß es noch nicht. Wahrscheinlich noch ein paar Tage. Sie wollen noch ein paar Untersuchungen machen und alle Prellungen und Hämatome, die ich durch deinen Vater bekommen habe, in einem Schreiben formulieren, damit das gegen ihn vor Gericht verwendet werden kann“. Ich nickte bloß. Anna setzte sich zu Mom auf das Bett und sah sie wehleidig an. „Wir vermissen dich“ sagte sie und bekam direkt eine Umarmung. Anna schloss dabei ihre Augen und genoss es. „Ich euch auch. Es dauert ja nicht mehr lange“ lächelte sie sanft. Wir waren noch ziemlich lange bei Mom, doch nach ca. 2 Stunden fuhren wir wieder los um etwas zu Mittag zu essen. Als wir bei McDonalds saßen sah Lee mich die ganze Zeit mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Anna war der Meinung, dass es alles wegen ihr war, da sie sagte: „Ihr seid wegen mir so ruhig“. Gleichzeitig schauten Lee und ich sie an und redeten durcheinander, was das doch für Unfug sei, was sie da redete. Es stimmte sogar: Es war gar nicht ihre Schuld, weswegen ich nicht ihm redete. Wahrscheinlich konnte Lee sich noch nicht mal selber denken, wieso ich nun so ruhig war und niemanden an mich heran ließ, vor allem aber ihn nicht.
Ich biss in meinen Chickenburger. Doch plötzlich bemerkten wir wie ein Handy klingelte. Ich wusste sofort, dass es Lees Handy war, da ich seinen Klingelton kannte. „Entschuldigt mich kurz“ sagte er und stand auf. Er stand einige Meter weiter weg, jedoch versuchte ich seine Lippen zu lesen – vergebens. Einige Sachen konnte ich nur erahnen, die richtigen Worte blieben jedoch ein Geheimnis für mich. Jedoch konnte ich mir denken wer es war: Melissa. Als er sich wieder zu uns setzte musterte ich ihn sauer. Lee schien sichtlich genervt gewesen zu sein. „Wieso schaust du mich eigentlich andauernd so komisch an?“ fragte er plötzlich. Anscheinend hielt er diese Stille selber nicht mehr aus. Ich sah ihm tief in die Augen und widmete mich danach wieder meinem Burger. Lee sah sauer zur Seite, da er seine Worte sammeln musste. Danach schüttelte er nur seinen Kopf und schmiss seinen Burger auf das Tablett. „Fein! Wenn du nicht mit mir reden willst! Bitteschön! Dann geh ich eben!!“. Immer noch stillschweigend sah ich ihn an und ließ ihn das tun, was er für richtig hielt. Ich wollte und konnte ihn nicht daran hindern. Seine Entscheidung war gefallen. Das war der Grund wieso ich nicht konnte. Der Grund, wieso ich nicht wollte, war einfach: Er spielte ein falsches Spiel mit mir.
Anna sah mich verwirrt an. Sie wollte sogar etwas sagen, jedoch fehlten ihr die Worte. Obwohl mir der Hunger schon lange vergangen war biss ich trotzdem erneut in den Burger. Perplex sah Anna mich noch immer an. Ich trank einen Schluck und sagte abwertend: „Wir fahren“. Anna zog sich sofort an. Sie wusste genau, dass, wenn sie mir widersprach, ich noch mehr ausrasten würde. Deswegen tat sie das, was ich ihr sagte. Wir liefen stillschweigend zum Auto. Sie schnallte sich gerade an, als sie allen Mut zusammen nahm und mich fragte, was zwischen mir und Lee sei. Wieder spielte sie auf die Situation am Morgen in meinem Zimmer an. „Verdammt, es ist nicht wegen dir!“ erhob ich meine Stimme gegen sie. Überrascht von dem Ton riss sie ihre Augen auf und starrte danach aus dem Fenster. „Tut mir Leid“ murmelte sie. Entschuldigend sah ich sie an, jedoch brachte mir das auch nichts mehr. Ich fuhr einfach los. „Ich setzte dich zu Hause ab. Geh bitte nicht raus. Ich bin in ein, zwei Stunden wieder da“. Es tat mir Leid, dass ich so monoton klang. Aber ich war so wütend, ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Zögernd schnallte sie sich ab und öffnete die Tür. Bevor sie ausstieg sah mich noch ein letztes Mal an. „Pass auf dich auf, ja?“ bat sie mich und gab mir einen Kuss auf die Wange. Ich sah sie mit dem Blick an, der all meine Emotionen preisgab. Und ich wusste, dass sie meine Emotionen wie ein Buch lesen konnte, obwohl sie noch so klein war. Sie wusste auch, dass ich nur eine Fassade aufbaute, damit nicht jeder diese Emotionen sah und mich darauf ansprach. Sie wusste, dass ich extra stark tat, obwohl ich der schwächste Mensch der Welt war. Und leider hatte ich genug Jahre Zeit dafür zu üben, wie man seine Emotionen unterdrückt und eine Fassade aufsetzt. „Sei lieb“ flüsterte ich schon fast. Sie stieg aus und verschwand im Haus. Ich fuhr diesmal nicht lange, vielleicht nur 10 Minuten oder sogar 15. Ich parkte gegenüber von einem Haus, stieg aus und blieb angewurzelt neben dem Auto stehen. Gespannt sah ich dieses Haus an. Schon so lange war ich nicht mehr dort, es war schon fast eine Ewigkeit. Ich schaute nach links und nach rechts um zu vergewissern, dass kein Auto kam. Schnell rannte ich zur anderen Straßenseite hinüber und lief auf die Eingangstür zu. Obwohl ich zögern musste klingelte ich trotzdem. Eine Frau öffnete mir die Tür. Sie sah mich von oben bis unten an, es kam mir schon fast abwertend vor, jedoch konnte ich anhand ihres Blickes sehen, dass sie versuchte mich irgendwo einzuordnen. Ich lächelte. „Johanna?“. „ELENA!“ jubelte sie und umarmte mich. „Wie geht es dir? Wir haben uns ja schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen“ freute sie sich noch immer und öffnete mir die Tür, was eine Einladung zum Reinkommen war. Wir setzten uns ins Wohnzimmer. „Möchtest du was Trinken? Dann können wir über alles reden“ hibbelte sie weiter. „Ja, ein Wasser bitte“. Kaum war sie wieder bei mir, hörte ich sie von weitem auch wieder sprechen. „Also, was ist alles passiert?“ fragte sie. Ich hörte, wie ihre Stimme näher kam. „Na ja, du weißt doch noch… Die Sache mit meinem Dad und so“ begann ich als sie wieder neben mir saß. „Ja…“ stockte sie und sah mich nicht mehr so fröhlich, sondern ernst an. „Die ganze Sache ist vor einigen Tagen eskaliert und nun beginnt ein Gerichtsverfahren gegen ihn, weil er meine Mutter geschlagen hat. Den Rest kennst du ja. Und na ja, meine Mom liegt im Krankenhaus und erholt sich von allem, Anna und ich sind alleine zu Hause und dann kommen da noch die Jungs ins Spiel“. Johanna war meine beste Freundin aber nach einigen Wochen verloren wir den Kontakt, da sie ständig arbeiten und ich eigentlich mit der Schule und dem Abschluss beschäftigt war. „Das tut mir wirklich sehr Leid. Das wusstest du schon immer, aber… Ich meine es ernst“. Noch immer sah sie mich mit einer ernsten Miene an. Es trat eine Stille ein. Was sollte ich auch dazu sagen? Ich konnte einfach nichts dazu sagen. Und so was wie „Ja, danke für dein Mitleid“ oder „Nein, darauf scheiße ich“ kann ich auch schlecht sagen, da letzteres gar nicht stimmte. Wir sahen uns traurig an. „Und wie läuft dein Leben?“ fragte ich sie endlich. Ich nahm einen Schluck von meinem Wasser und hörte ihr gespannt zu. „Na ja, ich bin bald mit meinem ersten Studienjahr fertig. Das war es auch. Du weißt ja, dass ich mit Jay zusammen bin und ja. Das war es eigentlich. Bei uns läuft alles super… Apropos Beziehungen: Inwiefern machen dir die Jungs zu schaffen?“. Ich verschluckte mich fast am Wasser. Jojo runzelte nur die Stirn und sah mich danach grinsend an. „ganz die Alte, was“. Ich nickte nur und schluckte das Wasser herunter. „Ja, wie immer“ pflichtete ich bei, obwohl ich mir dabei gar nicht mal so sicher war. Sie wusste das auch. „Lenk jetzt nicht von der Frage ab“ piesackte sie mich. Ich lächelte sanft. „Lee“. Sofort sah sie mich an. „Ich wusste, dass ihr nie im Leben nur ‚beste Freunde’ sein könnt“. Sie wusste nicht, ob sie schmunzeln oder mich piesacken sollte. „Na ja, eigentlich habe ich es schon gedacht“. Sie lachte gespielt laut. „Hör schon auf. Ihr habt euch schon immer so komisch angesehen, besonders du, meine Liebe“. Sie zwinkerte mir zu. „Na ja, bis vor kurzem habe ich ihn nur als besten Freund gesehen. Und dann was es auf einmal ganz anders, aus einem anderen Blickwinkel“. Traurig starrte ich auf den Wohnzimmertisch. „aber…“ „Aber was?“ unterbrach Jojo mein zögern. „Irgendwie ist er nicht aufrichtig. Er spielt nur mit mir…“ ließ ich sie nun mein Geheimnis erfahren. Geschockt sah sie mich an. „Wieso sollte er das tun? Ihr seid beste Freunde…. Na ja und vielleicht ein Paar“ grinste sie fies drein, jedoch bemerkte sie, dass dies gerade fehl am Platz war. Ich sah sie mit Tränen in den Augen an. „Er kommt mir näher, obwohl er noch Melissa hat“. Sie riss schlagartig ihre Augen auf und wusste nicht mehr, was sie sagen sollte. „Könntest du mir das mal bitte etwas näher erklären?“. Ich sah Jojo direkt in die Augen. „Er lehnt seinen Kopf an meinen an, macht Andeutungen auf Küsse und anderen Annäherungen… Und das alles, obwohl er noch mit Melissa zusammen ist“. Nun verriet ich ihr meine größte Angst. „Ich habe Angst, dass er es gar nicht ernst meint oder das alles nur wegen Melissa macht und deren Krise… um… um sie“ begann ich, musste jedoch wegen meinen Tränen abbrechen, aber auch, da meine Stimme versagte. „hey…“ flüsterte Jojo schon fast und nahm mich in ihre Arme. Mit dem Handrücken wischte ich mir einige Tränen vom Gesicht und löste mich von ihrer Umarmung. „eifersüchtig zu machen“ beendete ich den Satz. Johannas Mund stand offen und sie wusste ganz und gar nicht, was sie dazu sagen sollte. Da ich sie so gut wie meine Jackentasche kannte würde sie so etwas sagen wie „nein, das glaube ich nicht. Er ist dein bester Freund. Wieso sollte er so etwas tun“ oder „So hinterlistig ist er nicht, du müsstest ihn doch kennen“. Doch sie sagte schlichtweg gar nichts. Nicht mal einen Ton. Anscheinend wusste Johanna mehr als sie preisgeben wollte. Entsetzt sah ich sie an und wartete eine Erklärung ab. Doch sagen wollte sie nichts. „Ich glaube, du bist mir auch eine Erklärung schuldig“ murmelte ich in meinem Taschentusch hinein. Sie sah mich hilflos an. „Na ja“ begann sie und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „ich weiß nicht, ob ich es dir auch sagen kann… schließlich habe ich es nur rein zufällig mitbekommen“. Ich sah sie mit einem Blick an, der mehr als tausend Worte sagte. Natürlich log sie mich an. Mein Blick schien sie auch ein wenig paralysiert zu haben, da sie davon ziemlich eingeschüchtert wurde. „Ist okay“ meinte ich eingeschnappt, stand auf und zog mir die Jacke wieder an. „Elena,… Es tut mir so Leid“ versuchte sie sich zu entschuldigen, jedoch glaubte ich ihr kein einziges Wort. Ich sah sie trotzig und eingebildet an, lief an ihr vorbei und knallte die Tür zu. Sie wusste, dass sie einen Fehler begangen hatte, doch eingestehen wollte sie sich absolut nichts. Voller Wut startete ich den Motor und entschied mich zu Lee zu fahren. War es wirklich das Beste? Sollte ich das wirklich tun? Auf dem Hinweg plagten mich so viele Fragen, ob es auch das richtige war. Als ich an der Ampel angehalten hatte starrte ich nach draußen und bemerkte, wie es zu schneien begann. Es hatte seit Jahren, soweit ich mich erinnern konnte, gar nicht mehr so stark geschneit. Ich wurde von einer Autohupe aus den Gedanken gerissen. „Ja, ist ja gut…“ murmelte ich sauer und fuhr an. Als ich angekommen war parkte ich vor Lees Haus. Dennoch stieg ich nicht direkt aus, sondern blieb noch einige Minuten sitzen. Ich musste schmunzeln, da ich nicht gerade die schlauste war und mich unauffällig gab, sondern eher das Gegenteil der Fall war: Dumm wie ich war parkte ich direkt vor seiner Haustür. Er hätte eigentlich nur einmal aus dem Fenster schauen müssen und schon hätte er mich gesehen. Niedergeschlagen wie ich war riskierte wenigstens ich einen Blick in sein Haus als er nach draußen. Wie hätte es auch anders sein können… Ich lehnte mich ein Stückchen mit meinem Sitz nach hinten und sah, wie er und ein Mädchen zusammen auf der Couch saßen und Fern sahen. Natürlich konnte ich nicht die Gesichter sehen, da sie mit dem Rücken zu mir waren. Gleichzeitig war die Couch am Rücken so hoch, dass ich gerade mal den oberen Teil des Kopfes sehen konnte. Traurig dachte ich darüber nach: Es konnte nur Melissa gewesen sein. Wer sonst würde da neben ihm sitzen? Seine Schwester Nicola? Nein, auf keinen Fall. Sie war noch nicht mal in England, sie war in Irland. Einer aus unserem Freundeskreis? Vielleicht eine Freundin von den anderen Jungs? Oder etwa Marina oder Jassy? All diese Vermutungen brachten mir sowieso nichts. So stur wie ich war bestand ich darauf, dass es Melissa war. Ich blieb noch für einen kleinen Moment sitzen als ich bemerkte, wie das Mädchen aufstand. Tatsächlich: Es war Melissa. Sie lächelte, was bedeuten musste, dass die beiden sich wieder verstanden und vertragen haben. Wie konnte ich nur so naiv sein? Wie konnte ich nur glauben, dass alles wieder gut werden würde, geschweige denn wir zusammen sein könnten? Aber vor allem: Wie konnte ich nur so naiv sein und zu ihm hinfahren, in dem Glauben, man könnte alles grundlegend verändern? Ich entschloss mich wieder nach Hause zu fahren, wo Anna auch schon auf mich wartete. Niedergeschlagen ließ ich den Schlüssel in die Schale fallen und wie ein nasser Sack landete ich auf der Couch. Stumm saßen wir da; keiner von uns wagte es auch nur ein Wort zu sagen. Doch dann sah ich sie an. „Es tut mir Leid“ begann ich. Zögernd drehte sie den Kopf zu mir. „Ich hätte nicht mit dir so umgehen dürfen. Vor allem nicht in dieser schweren Zeit“. Anna begann wieder so unschuldig zu lächeln und ihre Augen glänzten vor Tränen. Entsetzt sah ich sie an, da ich nicht glauben konnte, dass sie deswegen weinte. „Du bist meine einzige Schwester und ich will dich nicht auch noch verlieren, so wie Papa, wenn er ins Gefängnis muss oder dass du den ganzen Tag weg bist“. Ich sah sie mit einem warmen lächeln an. Zum ersten Mal war es eine schöne Stille: Wir umarmten uns liebevoll und freuten uns einander zu haben.




Schrotti
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...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es waren nur noch 4 Tage bis Weihnachten. Mein Vater war immer noch im Gefängnis und es schien, dass er vor dem Prozess im neuen Jahr auch nicht herauskommen würde. Lee und ich haben uns seither nicht mehr gesprochen. Wir sind uns jedes Mal aus dem Weg gegangen, wenn es hieß, dass die Clique sich treffen sollte. Es war ziemlich ironisch, da entweder er anwesend war, dann aber ich nicht oder sogar umgekehrt. Ich saß an einem Montagnachmittag vor meinem Zimmerfenster und beobachtete den Schnee. Es war interessant was für Gedanken einem durch den Kopf gingen, sobald man etwas so ruhiges und simples sah. Das war schlichtweg ein Beweis dafür, wie schön die Natur und die Welt doch sein konnte. Und der Mensch tat alles, um diese Welt zu zerstören. Meinen Gedanken verfallen vegetierte ich vor mich hin und bemerkte noch nicht mal, wie Anna bei mir im Zimmer stand und mich beim Beobachten beobachtete. Wie ironisch mal wieder. „Ella?“. Neugierig drehte ich mich um. Anna stand lächelnd auf ihren Zehenspitzen und wippte immer von vorne nach hinten. „Ja?“ sagte ich lieb und sah sie genauso an. Praktisch gesehen wusste ich, was sie wollte. Sie hatte noch immer Kontakt zu Lee und sprach mit ihm jedes Mal über die Situation zwischen mir und ihm. Sie wollte uns auch unbedingt verkuppeln, aber sie sah nicht ein, dass Lee mit Melissa zusammen war. Erstaunlich ist, dass sie Melissa von Anfang an nicht leiden konnte. „Gehen wir nachher ins Café?“ fragte sie und setzte dabei ihren besten Hundeblick auf. „Anna..“ ermahnte ich sie mit einem bösen Blick. „Ich werde mich nicht mit Lee in dem Café treffen. Außerdem wird er bestimmt nicht zusagen. Er ist ja soooo glücklich mit seiner Melissa“ äffte ich Melissa mit ihrer piepsigen Stimme nach. „Aber…“ begann sie stotternd, doch ich unterbrach sie mit meinem „Ich-Habe-Keine-Lust-Mehr-Darauf-Jetzt-Lass-Mich-In-Ruhe“- Geschwafel. Ich sah sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an und lief mit ihr zu meiner Zimmertür. „Also, lass mich jetzt. Ich habe noch was zu tun“ log ich und schob sie aus meinem Zimmer. Und schon war meine Zimmertür zu und abgeschlossen. Perplex stand Anna vor der Tür und ballte vor Wut die Fäuste. „Blöde Kuh“ murmelte sie und lief in ihr Zimmer. Traurig setzte sie sich auf ihr Bett und rief Lee an. „Hallo… Könnte ich wohl Lee sprechen?“ fragte Anna als eine Frau am anderen Ende zu hören war. Wahrscheinlich war es Melissa, dachte sie sich und schmunzelte bei dem Gedanken. „Lee?“ „Anna! Na, wie geht es dir?“ fragte er so fröhlich wie nie. Doch als sie auf mich zu sprechen kam war er nicht mehr so fröhlich. „Moment“ sagte er nur und verschwand in ein anderes Zimmer, da sie hörte, wie er eine Tür hinter sich zuzog. „Was gibt’s?“ „Wieso vertragt ihr euch nicht einfach?“ begann Anna direkt. „Es ist nicht so einfach“ antwortete Lee, wobei es ihn wunderte, dass er sich mit einer 11 jährigen darüber unterhielt. „Bitte, ich halte es nicht mehr aus. Ihr wart doch so gut miteinander befreundet“ bat sie ihn erneut. „Weißt du…“, begann er und starrte nach draußen, „Manchmal machen Menschen einen großen Fehler, den man nicht einfach so entschuldigen kann. Es kann passieren, dass manche Dinge einfach auf der Strecke bleiben. Manchmal muss man eben seinen Weg weitergehen und die Dinge hinter sich lassen, da man sonst selbst zurückgehalten wird und man nicht mehr vorwärts kommt. Sonst bleibt man selbst auf der Strecke, obwohl man das nicht wollte“ philosophierte Lee vor sich hin. Anna war schlichtweg sauer. „Willst du etwa damit sagen, dass Elena für dich Geschichte ist?“ hackte sie sauer nach. „nein, so meinte ich es doch nicht“ versuchte Lee wieder alles gerade zu biegen. Doch meinte er es so, wie er es sagte. „Ich habe nur echt Mist gebaut und hätte das alles nicht tun sollen, weißt du? Es war alles wegen,… du weißt schon“ murmelte er den letzten Satz vor sich hin. Anna schwieg. „Sie wird es mir nicht mehr verzeihen. Ich habe es verbockt“. „Mit so einer Einstellung würde ich auch auf der Strecke bleiben“ zischte Anna, wobei ihr eine Idee kam. „Wenn sie dir wirklich wichtig ist, würdest du alles daran setzen, dich wieder mit ihr zu vertragen, damit ihr den Weg gemeinsam gehen könnt. So bleibt keiner von euch auf der Strecke, sondern geht zu zweit in eine bessere Zukunft“. Anna hoffte, dass Lee ihre Metapher verstand. Sie musste kichern, da er manchmal etwas abwesend war und sogar das Offensichtlichste nicht verstand. Und da er nichts sagte, erschloss sie daraus, dass er es wirklich nicht verstand. „Ja, vielleicht“ kam es nach langer Stille. „war es alles wirklich wegen ihr?“ Lee starrte nun an die Decke, da er absolut fertig mit der Welt war. Inzwischen lag er auf seinem Bett und hörte nur, wie Melissa nebenbei in der Küche etwas zu Essen machte. „Vielleicht. Ich glaube, dass du das erst verstehen wirst, wenn du etwas älter bist“ vertröstete Lee sie und hoffte, dass mit der Fragerei endlich Schluss war. Anna lachte wieder so unschuldig und kindlich. „Ich verstehe zwar noch nicht viel von solchen Sachen“, unterbrach sie sich selber, „Aber ich verstehe durchaus etwas davon, wenn zwei Menschen sich mögen“. Lee sah geschockt auf ein Foto. Lee war von der Tatsache erstaunt, dass Anna noch so jung war und doch so reif wirkte. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie in ihrem Alter schon viel erlebt hatte. Aber dennoch schätzte er es sehr an ihr. Sie war wie seine kleine Schwester. Er konnte all dies nicht leugnen.




Schrotti
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...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:27Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es war nur noch ein Tag vor Heilig Abend. Unsere Mutter war schon seit einigen Tagen aus dem Krankenhaus. Sie musste einen Gips tragen und mit den Krücken laufen, doch nach ca. 6-7 Wochen sollte ihre Drähte wieder aus dem Bein entfernt werden. Während im Hintergrund meine Lieblings-CD lief, nämlich eine volle Mp3-Cd, wo nur ein Lied drauf war: Wham! – Last Christmas, saß ich gemütlich auf meinem Zimmerboden und packte alle Geschenke ein. „Last Christmas, I gave you my heart. But the very next day you gave it away… This year, to save me from tears, I’ll give it to someone special” sang ich fröhlich und traurig zugleich mit. Anna war bei einer Freundin und Mom war bei ihrer Mutter, damit sie alles weitere für den Weihnachtsbraten klären konnten. Als ich das letzte Geschenk endlich eingepackt hatte stellte ich alle unter dem Tannenbaum im Wohnzimmer. Als ich alle so platzierte hatte, wie ich es wollte, schwelgte ich ein letztes Mal in Erinnerungen. Ich nahm mir vor nichts mehr mit Dad zu tun haben zu wollen, da es gar nicht mehr nötig war: Er blieb weiterhin stur und fand sich im Recht, während er dabei vergaß, dass er seine ganze Familie aufs Spiel gesetzt hatte und er ein Leben in völliger Einsamkeit führen würde, ohne uns, ohne Freunde, nur er und seine Kriminalitäten. Ich stieß einen traurigen Seufzer aus und stand wieder auf, begutachtete den Weihnachtsbaum und lächelte zufrieden. Es sollte wohl das unangenehmste Weihnachten meines Lebens werden… Lee und ich waren zerstritten. Die Schuldfrage war dabei noch ungeklärt. Jeder von uns hatte eine gewisse Teilschuld, doch die gegenseitige Sturheit machte die Situation nicht einfacher. Mom ging es wegen dem Bein wenigstens etwas besser und die Geschichte von Dad muss ich nicht noch mal aufgreifen. Ich lief auf den Wohnzimmersessel zu, stellte mich dahinter und drehte ihn zu dem Fenster. Gemütlich ließ ich mich dort hineinfallen. Gespannt sah ich dem Schnee erneut dabei zu, wie er von hoch oben so tief fiel. Gedankenversunken starrte ich auf die weiße Straße…


Jeder Mensch hat Erwartungen an das Leben. Doch nicht nur an das Leben, sogar an Menschen; Menschen, die uns lieb sind. Menschen, die für uns das wichtigste auf der Welt sind. Menschen, die wir hassen und ihnen das schlimmste wünschen. Menschen, die einfach da sind, die wir akzeptieren aber dennoch nicht beachten. Doch diese Erwartungen sind mehr, mehr als das es das Wort beschreibt: Erwartungen sind wie Träume. Nur, wir können aus ihnen nicht aufwachen. Doch es gibt genauso gute und ebenso schlechte. Die Menschen beten, dass sich einige Erwartungen erfüllen. Andere würden ihr Leben dafür geben, damit sie es nicht tun. Sei es die Frau, die zu Hause auf dem Sofa bangt, dass ihr Mann nicht den Fehler seines Lebens begeht. Sei es ein Kind, das Tag und Nacht an seinem Bett sitzt und betet, dass es die guten Noten schreibt und somit die Erwartungen seiner strengen Eltern erfüllt. Sei es ein Mädchen wie ich, das voller Erwartungen war und doch nicht mehr will, dass sie sich erfüllen. Ein Mädchen wie ich, das nur eine Erwartung hatte: Dass Er kommt und ihr sagt, wie viel sie ihm bedeutet und sie alles stehen und liegen lassen, damit sich all ihre Wünsche erfüllen können. Aber vielleicht kann man aus Erwartungen erwachen… Manchmal ist man so darin versunken, dass man gar nicht mehr anders kann als tiefer zu fallen und zu beten, dass sie sich erfüllen. Kann es sein, dass die Erwartungen erloschene Träume sind? Oder jene Träume, die die Wirklichkeit widerspiegeln? Die Wirklichkeit, die uns Träume nehmen, die uns blenden? Wenn ich könnte, würden ich dem Mädchen nur einen Rat geben, nur einen einzigen: Niemals etwas zu erwarten, damit die Enttäuschung nicht zu groß ist.


Ich strich mit meinem Finger am Fenster vorbei und ging. Dieses Mädchen war mir so ähnlich. Es war genauso enttäuscht wie ich. Ich konnte ihre Schmerzen fühlen. Dennoch war sie mir etwas fremd. Endlich sah ich das Mädchen. Ich starrte sie an, versuchte sie anzulächeln. Doch sie reagierte nicht… Sie war zu enttäuscht. Ihre Lebensfreude war dahin. Doch wer war dieses Mädchen? Ich starrte in den Spiegel und sah das Mädchen an: Ich war es.

Weihnachten.
Es war gerade mal morgens und ich saß schon vor dem Tannenbaum und starrte die Geschenke an. Es war sehr verlockend sie alle anzusehen, da man nicht wusste was sich darin befand. Besonders interessant war es, da das Gehirn einen austrickste, dass darin die schönsten und tollsten Dinge versteckt sein könnten, doch der Schein trog. „Elena?“. Ich drehte mich um und sah wie meine Mutter gerade von der letzten Treppenstufe humpelte. „Guten Morgen“ murmelte ich monoton und widmete mich wieder dem Weihnachtsbaum. „Wie geht es dir?“ fragte sie als wusste sie was ich dachte und wie es mir ging. „Es ist Weihnachten“ ging ich ihrer Frage aus dem Weg. Sie setzte sich auf den Wohnzimmersessel und sah mich musternd an. „Ich weiß, dass es schwer sein wird…“ begann sie und lächelte warm, damit sie all ihre anderen Gefühle überspielen konnte. „aber du hast doch noch Lee“ fügte sie hinzu als sei es das Element meines Lebens gewesen; als sei er meine Luft zum atmen gewesen, ohne die ich nicht leben könnte. Geschockt sah ich sie an. „Ja, ich habe ja noch Lee“ wiederholte ich wie hypnotisiert und spielte mit der Schleife eines Geschenkes herum. „Kommt er auch heute Abend vorbei?“. Ich zuckte traurig mit den Schultern. Ich konnte und wollte Mom nicht ansehen. Aus dem einfachen Grund, dass ich mit den Tränen kämpfen musste. Wie Lee wohl in ein paar Minuten aufwachen wird, neben Melissa, die ihm einen morgendlichen Kuss auf die Lippen drückt, ihn liebkost und mit ihm kuschelt. Die ihm heute Abend ein liebvolles Geschenk in die Hände drückt und ihm sagt, wie sehr sie ihn doch liebt und nicht will, dass sich das alles wiederholt und wie glücklich sie doch mit ihm ist. „Ist alles in Ordnung, Schatz?“. Ich nickte stumm und lief die Treppen nach oben. Dabei bemerkte ich gar nicht wie mir Anna nachdenklich nachsah. „Mom?“ schrie Anna die Treppen hinunter. „Ja?“ fragte sie und war gerade dabei in die Küche zu humpeln. „Ich wollte gleich noch eben weg“ „Wohin denn? Es ist gerade mal 9:23“ hinterfragte Mom Anna und schaute unglaubwürdig auf die Küchenuhr. „Ja, ich weiß“ stotterte sie unangenehm vor sich hin. „Wohin des Weges?“. Mom setzte ihren „Ich-Werde-Es-Sowieso-Herausfinden“-Blick ein, der uns Kinder mehr als quälte. „Ich muss noch mal zu Lee, was fragen und so…“ redete sie sich heraus und hoffte, dass es reichte. „Okay, dann grüß ihn mal lieb von mir. Kommt er heute nicht?“ „Ach, weißt du. Er feiert ja auch mit seiner Familie. Wer weiß, ob er das mit zwei Familien an einem Abend überhaupt unter den Hut kriegt“ lachte sie gespielt und knallte die Tür hinter sich zu. Dabei lief sie so schnell aus unserem Vorgarten heraus, sodass sie fast auf dem Schnee ausrutschte und auf ihrem Po landete. Jedoch balancierte sie sich mit Händen und Füßen wieder aus, sodass sie nur wie ein kleiner Idiot aussah. „Fängt ja schon gut an“ prustete sie und lief etwas vorsichtiger zu Lee. Dabei brauchte sie fast 15 Minuten länger.
Als sie anklingelte hörte sie die gleiche Frauenstimme, die „ich komme sofort“ sagte, mit der sie auch am Telefon sprach. Anna schüttelte sich vor Ekel, da sie Melissa einfach nicht ausstehen konnte. Melissa mochte Anna dafür aber umso mehr… „Anna!“ lächelte sie freundlich und band sich dabei ihren Bademantel zu. Anna schaute sie nur von oben bis unten an. Anscheinend hatte sie wohl gestört. „Ist Lee da?“ fragte sie etwas abweisend aber immer noch freundlich. „Natürlich. Komm doch herein“ lächelte sie noch immer und legte ihre Hand auf Annas Schulter. Anna hingegen warf der Hand einen verstohlenen Blick zu. Gespannt setzte sie sich im Wohnzimmer auf die Couch und schaute sich um. Sie war noch nie lange bei ihm gewesen, weswegen sie sich alles umso detaillierter anschaute. Als Lee aus dem Schlafzimmer kam und sie die Schritte hörte drehte sie sich um und sah ihn lächelnd an. „Lee!“ freute sie sich und rannte auf ihn zu. Obwohl Anna für ihr Alter sehr schlank war, war sie auf dem Arm dennoch ziemlich schwer. „Als du kleiner warst, war das viel einfacher dich hochzuheben“ feixte Lee und setzte sie wieder ab. Gespannt setzte er sich mit ihr auf die Couch und sah sie verschlafen an. „Was gibt’s, Kleine?“. „Also“, begann sie und klimperte mit ihren Wimpern, „Ich wollte dir nur mein Weihnachtsgeschenk geben“ kicherte sie wieder so unschuldig und kindlich wie nie zuvor. Lee wusste zwar nicht was sie ihm schenkte, aber er konnte sich ausmalen, womit es zu tun hatte. Woraus er das schließen konnte? Aus ihrer Lache. „Aber“, grinste sie fies und hielt ihren Zeigefinger nach oben, als ob sie aufzeigte, „Du kriegst es nur unter einer Bedingung“. Lee sah ihr tief in die Augen und grinste genauso fies drein. „Die da wäre?“ „Du darfst es erst abends zur Bescherung aufmachen“. Anna hielt ihm ihren kleinen Finger für das Kleine-Finger-Versprechen hin. Lee lächelte und hackte seinen kleinen Finger in ihren ein. „Abgemacht“. Danach starrte er auf den Weihnachtsbaum. „Aber deins bekommst du erst morgen, Ok? Ich warte nämlich noch auf ein Paket“. Anna nickte zustimmend und stand wieder auf. „Ich muss auch wieder los“ sagte sie dann als sie Melissa sah. Lee verfolgte ihre Blickrichtung und verstand. Danach lief er mit ihr zur Tür, wo er in die Knie ging und Anna ihn hastig umarmte. „Ich hab dich lieb“ flüsterte sie in sein Ohr. Lee löste sich von der Umarmung und lächelte geschmeichelt. „ich dich auch, Kleines“ und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Fröhlich machte Anna sich wieder auf den Weg nach Hause, während Melissa da stand und Lee beobachtete, wie ihn kleine Kinder faszinierten. Lee strahlte noch immer vor Freude, dass sie ihm gesagt hatte, dass sie ihn lieb hatte. Er konnte selber nicht glauben, dass Kinder ihn so fröhlich machen konnten. „Du wirst bestimmt ein guter Papa“ lächelte Melissa und umarmte ihn von hinten. Durch die Umarmung holte sie ihn wieder in die Realität zurück, wodurch im klar wurde, dass er mit Melissa bestimmt keine Kinder haben wollte. „Ja… Wahrscheinlich“ murmelte er und lief abweisend an ihr vorbei. Traurig sah sie ihm nach und lief zurück ins Schlafzimmer, wo sie sich fertig machte.




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...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


„ELLA! ELLA!“ hörte ich Anna nervös meinen Namen rufen. Genervt öffnete ich meine Zimmertür und steckte genauso sauer meinen Kopf hinaus. „Ella!“ lächelte sie als sie vor mir stand. „Was ist?“. Mein verbissener Unterton erschrak sie wohl ein wenig, da ihr Lächeln langsam aber sicher verschwand. „’Tschuldigung…“ murmelte ich, woraufhin sie wieder grinste. „Lee hat mich geküsst! Mein erster Kuss!“ hibbelte sie herum. In voller Hysterie riss sie sich Mütze, Schal und Jacke vom Hals; ihre Schuhe flogen im hohen Bogen durch mein Zimmer und landeten wenige Zentimeter von der Heizung entfernt auf den Boden. „Mein aller erster Kuss“ wiederholte sie umso euphorischer und sprang auf meinem Bett herum. „Anna, geh da runter“ ermahnte ich sie zum ersten Mal. „Und dann noch von so einem gut aussehenden Jungen!“ schwärmte sie von Lee und schloss beim Hüpfen die Augen. „Anna, zum letzten Mal. Geh runter!“ ermahnte ich sie erneut, jedoch wollte sie nicht auf mich hören. „Und dann ist er auch noch so groß und alt und er mag mich trotzdem“ fuhr sie schwärmend fort. Mit aller Kraft reizte ich meine Stimmbänder und schrie sie so laut ich konnte an. „GEH VERDAMMT NOCH MAL VON MEINEM BETT RUNTER!“. Schlagartig hörte sie auf zu hüpfen. Sie sagte weder noch ein Wort, noch schien sie überhaupt geatmet zu haben. „Tut mir Leid…“ murmelte sie mit Tränen in den Augen und rannte weinend in ihr Zimmer. Erschöpft fuhr ich mir mit den Händen durch die Haare und richtete mein Bett. Manchmal verstand sie einfach nicht, dass ich meine Ruhe brauchte oder einfach nicht mehr konnte. Schuldgefühle hatte ich einerseits, andererseits musste sie lernen ein nein zu verstehen. Ich starrte das Radio an und schaltete es kurzer Hand auch ein. Die ganzen Weihnachtslieder machten mich einfach nur verrückt und krank. Pärchen machten mich krank. Wenn ich aus dem Fenster schaute sah ich etliche Familien, wie sie zu dem Kirchengottesdienst gingen, daneben waren noch tausend Pärchen. Wenigstens gingen wir dieses Jahr mal nicht in die Kirche. Ja, es war eine Ausnahme, eine Ausnahme, die auch mal getroffen werden musste. Um 17:30 rief unsere Mom uns dann nach unten. „Kommt ihr bitte?“. Anna und ich öffneten die Türen gleichzeitig, starrten uns sauer an, wobei ich bei der Treppe voran lief. Langsam tippelte sie hinter mir her. Nun standen wir drei vor dem Tannenbaum. Mom, die ihre Trauer mit der Weihnachtsfröhlichkeit überspielte. Anna, die sauer auf mich war, weil ich sie in ihre Schranken wies. Ich, die traurig vor dem Weihnachtsbaum stand, da ich das größte Geschenk nicht mehr hatte: Eine liebevolle Familie und einen wunderbaren Freund. Unsere Mutter sah uns prüfend an. „Hört auf zu streiten, es ist Weihnachten“ lächelte sie warm und hielt Anna das erste Geschenk hin. Gespannt setzte sie sich auf den Boden, vergaß all den Ärger von zuvor und öffnete lächelnd das Geschenk. „OH MEIN GOTT!“ rief sie voller Euphorie und riss die Verpackung auf. Sie bekam ihr erstes Handy. Ich lächelte, da sie es auch von mir bekam. „Danke“ zögerte sie, als ich mit der Umarmung dran war. „Gern geschehen“ lächelte ich und öffnete meine Arme, die nicht lange auf Anna warten mussten. Zur gleichen Zeit war auch bei Lees Familie Bescherung. Während die anderen sich gegenseitig ihre Geschenke haben spielte Lee nachdenklich mit der Schleife von Annas Geschenk herum. „hey, du musst es auch öffnen“ lächelte seine Mutter warm. Lee nickte nur verbissen und zog die Schleife auf. Als es ausgepackt war hielt er ein Fotoalbum in den Händen. Anna hatte überall was zu den Fotos geschrieben oder kleine Bildchen dazu gemalt. Er musste lächeln als er das erste Bild sah. Je mehr Bilder er sich anschaute, desto mehr waren von mir und Lee darin zu finden. Bei einem bestimmten Foto lächelte er in Erinnerungen schwelgend und strich mit seinem Zeigefinger darüber. „Lee? Alles in Ordnung? Hier warten noch ein paar Geschenke auf dich! Hier ist sogar eins von Nicola aus Irland“. Lee starrte seinen Vater aufgelöst an. „natürlich… Ich… Ich muss mal eben weg“ sagte er, schnappte sich seine Jacke und verschwand. Seine Mom und sein Dad sahen sich
nur schulterzuckend an. „Los, Elena. Mach schon auf“. Mit einem leeren Blick sah ich auf das Geschenk, nahm es entgegen und öffnete es zögernd. „ein iPod, danke“ freute ich mich, obwohl es mehr oder weniger gelogen rüber kam. Ich drückte meine Mom und gab ihr einen Kuss auf die Wange, danach verschwand ich in meinem Zimmer. „Wieso ist sie denn so traurig?“ fragte Mom Anna, die sie nur traurig ansah. „Lee und Ella haben sich gestritten“ war alles, was Anna sagen musste, damit Mom Bescheid wusste. Deprimiert hörte ich Radio, was lauter Weihnachtslieder spielte und ergab mich meiner depressiven Stimmung. Ich stieß einen Seufzer aus und dachte an Lee. Wahrscheinlich gaben sie sich genau in diesem Moment die Geschenke. Oh mein Gott! Wieso dachte ich nur darüber nach? Ich kniff vor Abscheu meine Augen zusammen und schüttelte meinen Kopf. Nun lag ich auf meinem Bett, feierte das mieseste Weihnachten meines Lebens und verlor mehrere Menschen. Meinen Vater, Lee, Freunde. War ich wirklich so unfähig soziale Kontakte zu knüpfen? Na gut, vielleicht hatte ich nicht gerade Schuld an dem Kontaktabbruch meines Vater, doch Lee und meine Freunde?
Ich starrte meine Wand an und sah all die fröhlichen Bilder. Es ist bemerkenswert, wie man wahre Freunde erkennt. Sie halten nicht nur in guten Zeiten zu dir, sondern besonders in schlechten. Sie sind dein Lachen nicht wert, wenn sie dein Weinen nicht akzeptieren. Kann es sein, dass ich diejenige war, die Lee im Stich gelassen hatte?

Wahrscheinlich waren die Erwartungen nicht das schlimmste im Leben. Sie waren da, jeder hatte sie, einige erfüllten sich, einige wiederum nicht. Schlimmer als die Erwartung ist die Frage warum. Warum hat sich die Erwartung nicht erfüllt? Warum musste diese Erwartung wahr werden? Aber noch schlimmer als die Frage warum ist das „Was wäre, wenn“. Dieses Wenn ist die schlimmste von allen. Sie lässt all die Möglichkeiten zu oder Revue passieren, die man sich im Moment der Entscheidung nicht im Leben erdacht hätte. Sie lässt all das zu, was sonst unmöglich schien. Und das schlimme daran ist, man weiß nicht, ob es je anders gekommen wäre. Was wäre, wenn ich damals nicht Lee sauer gewesen wäre? Hätte sich alles geändert? Wären wir dann nicht zerstritten? Wären wir dann vielleicht glücklich? Wäre er dann vielleicht nicht mehr mit Melissa zusammen? Bei einem einzigen „Was wäre, wenn“ folgt eine Frage der nächsten. Und die Antworten? Sie werden immer ein Geheimnis bleiben… Was wäre, wenn ich so weiter gemacht hätte wie bisher und Lee hätte es darauf ankommen lassen? Wären wir glücklich? Wären wir dadurch noch unglücklicher als jetzt? Würde sich unsere Zukunft dadurch verändern? Alles was in der Vergangenheit geschah oder wir taten ist die Grundlage für die Gegenwart und die Zukunft. Taten aus der Vergangenheit beeinflussen das Leben: Das Gegenwärtige, das Zukünftige. Doch wir realisieren es erst, wenn es zu spät ist. Dann realisieren wir, dass unsere vergangen Taten eine Abfolge und Kettenreaktion sind, die in die Gegenwart hineinreicht. Ohne diese Taten wären bestimmte Sachen nie passiert. Bestimmte Sachen würden somit auch nie passieren. Da alles eine Kettenreaktion ist, muss es doch heißen, dass wir unser Schicksal gar nicht in der Hand haben, oder? Sogar eine Sache, die ich vor Jahren getan habe, könnte noch heute Auswirkungen auf meine Zukunft haben. Somit ist meine Mitsprache in der Zukunft eingeschränkt. Ich habe nicht viele Möglichkeiten sie zu ändern. Wenn ich etwas anderes gemacht hätte, sehe das ganze wiederum anders aus.
Das muss wohl heißen, dass ich entweder weiterhin auf Lee sauer bin oder zu ihm hingehe und mich entschuldige. Diese zwei Möglichkeiten habe ich, um meine Zukunft so zu bestimmen, wie es sein soll. Und jene Möglichkeit, welche auch immer ich wähle, wird meine Zukunft so einschränken und zeichnen, wie ich es bereits in der Vergangenheit vorgezeichnet habe. Egal für welche Möglichkeit ich mich entscheide, dadurch werden mir entweder mehr oder weniger Türen geöffnet. Türen, die von meinem Handeln der Vergangenheit und Gegenwart abhängig sind.




Schrotti
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...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:29Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Langsam schloss ich meine Augen. Das Radio hörte sich immer verschwommener an; irgendwann konnte ich es sogar gar nicht mehr hören. Ruhig schlief ich ein.
Als es an der Tür klingelte rannte Anna dort hin und sah in Lees blaue Augen. Sie würde rot und war ganz plötzlich schüchtern und sagte kaum noch ein Wort. Anscheinend war er ihr erster Schwarm. „Frohe Weihnachten“ stammelte sie. Schüchtern sah Anna auf den Boden. „Na du…“ lächelte Lee sie zurück an und strich ihr über die Schulter. „Ist… Elena vielleicht zu sprechen?“. Anna nickte traurig und öffnete die Tür so weit es ging, damit er hereinkam. „Sie ist oben“ sprach sie monoton und setzte sich wieder zu dem Weihnachtsbaum, wo sie sich mit ihren Geschenken vergnügte. Aufgeregt und nervös wie nie zuvor lief Lee die Treppen hoch, die er schon so oft bestieg. Doch dieses Mal war es für ihn anders. Seine Hände waren nass, er schwitzte, wusste nicht, was er später sagen sollte. Leise klopfte er an meine Zimmertür und öffnete sie für einen winzigen Spalt. Ich lag auf dem Bett, schlief tief und fest. Leise tippelte Lee auf das Bett zu und setzte sich zu mir. Erst beobachtete er mich für einen Moment, dann lächelte er. Nun strich er mit seinem Finger sanft über meine Wange. Ich stöhnte ein wenig herum, da ich geweckt wurde. Doch als ich meine Augen öffnete saß Lee neben mir. Verwirrt sah ich ihn an. Er lächelte bloß und sagte kein Wort. „Lee…“ stieß ich überrascht hervor. „Was… Was machst du denn hier?“ fragte ich perplex und starrte ihm tief in seine Augen. Lee lächelte auf einmal so verstohlen. „Es ist das Fest der Liebe. Da soll man doch die Geliebten nicht alleine lassen, oder?“. Beim Reden war sein Kopf leicht gesenkt, schaute aber immer wieder scharf zu mir. Augenblicklich grinste er. „ja, aber wo hast du denn dann Melissa gelassen?“. Das war ein verbaler Schlag ins Gesicht. Nun schien er verwirrt. Aber vielleicht deutete ich seine Körpersprache auch einfach nur falsch. „Sie ist bei ihren Eltern, wo sie hingehört“. Ich nickte nur und sah schüchtern zur Seite. Langsam aber sicher stand ich auf und lief zu meinem Sessel hinüber, wo ich mich im Schneidersitz drauf setzte. Ich konnte fühlen, wie sein Blick mich verfolgte. „Das hier hat mir Anna geschenkt“ pflichtete er bei und schmiss das Buch auf den Tisch. Als ich es in der Hand nahm sah ich, dass es kein Buch war, sondern ein Fotoalbum. „Und was soll ich jetzt damit?“ fuhr ich ihn ein wenig an. Ich wollte wissen, wie weit ich gehen konnte und was genau er wollte, worauf er ansprang. Dabei sah ich ihn von oben bis unten an und gab nicht mal ein Lächeln preis. Seins konnte mich auch nicht dazu erwärmen. „Schau rein“ forderte er mich auf und zeigte mit dem Finger auf den Tisch. Misstrauisch zog ich eine Augenbraue hoch, nahm das Fotoalbum zögernd in die Hand und schlug es auf. Zunächst waren viele Fotos von Lee und Anna, von uns dreien und später nur noch von mir und Lee zu sehen. Sorgfältig legte ich das Fotoalbum wieder auf den Tisch und sah ihn prüfend an. „Aha“. „Aha?“ wiederholte er etwas aufgebracht. Ich glaube, ich hatte seinen Knackpunkt gefunden. „Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?“ fragte er aufgebracht. Er fuhr sich leicht durch das Haar und sah mich enttäuscht an. „Eigentlich bin ich ja gekommen um einiges wieder gut zu machen. Aber anscheinend ist dir das alles egal“. Er stand auf und wollte gehen, jedoch stoppte ich ihn durch mein Zwischenruf: „Halt!“. Sauer drehte er sich um und sah mich an. Die Türklinke hielt er schon in seiner Hand. „Du meinst, dass mir das alles hier egal ist?“ fragte ich ihn ironisch. Entsetzt gestikulierte ich. „Ist das dein Ernst? Ich bin sauer auf dich, weil du so ein mieses Spielchen getrieben hast und jetzt soll ich diejenige sein, die es nicht ernst meint?“. Aufgebracht sah er zur Seite, rollte mit den Augen und starrte dann auf den Boden. Nun schnaufte er vor Wut. Anscheinend versuchte er sie zu bündeln. Traurig sah ich ihn an und wandte meinen Blick dann wieder ab. „Ella..“ sagte er ruhig und sein Ton brachte ein Hauch von Entschuldigung mit sich. Lee kam ein Schritt auf mich zu und sah mich an. Er wollte nach meiner Hand greifen, ließ es aber dennoch sein. Auf halbem Weg nahm er sie wieder runter. Anstatt etwas zu sagen sah ich ihn nur an. „Es tut mir Leid… Das ist alles so mies gelaufen“. Ich sah ihn erbittert an. Den ersten Schritt habe ich hinter mich gebracht: Die Erwartungen. Nun war der zweite dran: Die Frage warum. „Warum hast du es dann getan?“. Seine Hand glitt an der Türklinke entlang, die wieder nach oben schnellte. Völlig fertig setzte er sich auf das Bett, stützte seine Ellenbogen auf den Knien ab und vergrub sein Gesicht. „Ich weiß es nicht… Es war so was in der Luft, weißt du?“. Ich schüttelte traurig meinen Kopf. „Nein, weiß ich nicht“ entgegnete ich ihm enttäuscht. Es war etwas in der Luft… Klar! Sex lag in der Luft! Wie konnte er nur so ein mieses Arschloch sein? Er öffnete mühsam seinen Mund aber es kam kein Ton heraus. „Es ist einfach so aus der Situation heraus entstanden…“ redete er sich heraus. „nein, ist es nicht! Du hattest die volle Kontrolle darüber! Lüg mich nicht an!“ unterbrach ich ihn sauer. Er hatte keine andere Wahl. Er musste mit der Wahrheit ans Licht gehen. „Es tut mir Leid, okay?“ „Mehr nicht?“. Traurig starrte ich auf das Fotoalbum, was auf einmal jegliche Bedeutung verlor. Ich ballte meine Fäuste, kämpfte mit den Tränen, biss mir sogar auf Zunge, damit ich nicht zu weinen begann. „Weißt du, es lief nicht besonders mit Melissa und die Situation…“. Es klingelte. Ich schaute auf, sah, wie er sein Handy aus der Hosentasche zog. „Ja? Ja, ich bin gleich da. Bis dann“ sagte er und legte wieder auf. Das Handy verschwand wieder in der Hosentasche, danach lief er einige Schritte auf mich zu. „Hör zu… Ich muss los. Es tut mir wirklich sehr Leid. Können wir ein anderes Mal darüber reden?“. „Fass mich nicht an“ fauchte ich als seine Hand meine berührte. Ich sah abweisend zur Seite. Sichtlich von der Situation mitgenommen lief er einige Schritte rückwärts, danach drehte er sich um und hielt wieder die Klinke fest. Ein letztes Mal drehte er sich um, danach öffnete er die Tür und verschwand aus meinem Zimmer. Weinend brach ich zusammen, lag kollabierend auf den Boden und wusste weder ein noch aus. Anna saß noch immer vor der Weihnachtsbaum und sah sich meine Geschenke an. Als sie bemerkte wie Lee die Treppen hinunter kam schaute sie auf. „Und? Wieder alles gut?“ fragte sie neugierig, doch Lee ging nicht weiter auf sie ein und lief mit starrem Blick auf die Tür zu, durch die er wenige Minuten später verschwand. Hastig lief Lee zu seinem Auto. Voller Wut schlug er einmal auf das Dach, stieg ein und fuhr rasant an, sodass die Reifen quietschten. Ich stand am Fenster und sah ihm dabei zu, wie er wegfuhr. Jetzt fehlte nur noch der 3. Schritt: Das Wenn. Aber dazu hatte ich keine Kraft mehr. Dieser Schritt war schon vorbei, bevor ich darüber nachgedacht hatte. Diesen Schritt würde ich nie wieder gehen.

Nach einigen Wochen nach Weihnachten war der Kontakt nun völlig abgebrochen. Nicht nur zu Lee, sondern auch zu den andere 9 Jungs. Ich hatte so oft mit mir gekämpft zu ihm zu fahren, ihn anzurufen oder zu texten. Ich wollte einfach nur darüber reden. Sei es aus Sturheit oder Besserwisserheit, aber ich konnte einfach nicht zu ihm fahren. Es ging nicht. Es verstieß gegen meine Moral. Na gut, ich war nicht gerade der moralisch korrekteste Mensch, aber ich fand es einfach nur unfair von ihm. Ich sah es nicht ein ihm hinterher zu rennen.
Der Winter schien sich endlich wieder auf den Weg nach Osten und Norden gemacht zu haben, da es schon seit einigen Tagen nicht mehr schneite und der Schnee Gott sei Dank auftaute. Ich lief ein wenig durch den Park und wollte die kühle Winterluft spüren. Es war ein schönes Gefühl. Mein Mund verschwand unter meinem Schal und meine Hände waren in den Jackentaschen verschwunden. Aber aus irgendeinem Grund war ich nervös und spielte die ganze Zeit mit dem Zettel herum. Eigentlich war er an Lee, aber ich traute mich nicht ihm den Zettel zu geben. Aus weiter Ferne erkannte ich Stu, wie er mit Jay und seinem Hund Gassi ging. Sie sahen herüber, winkten einmal und liefen direkt auf mich zu. Obwohl ich nicht wollte hielten sie den Kontakt gegen meinen Willen. Anscheinend wussten sie, dass ich in Wirklichkeit nicht so eiskalt war und auch nicht auf ihre Freundschaft verzichten konnte. „Na du!“ grinste Stu und umarmte mich, anschließend Jay. „Was gibt’s?“ murmelte ich fragend in meinen Schal hinein. „Gehen nur ein wenig Gassi“ antwortete Jay und sah mich prüfend an. Verwirrt erwiderte ich seinen Blick. „Was ist?“ „Nichts, nichts“ prasselte er heraus und sah für einen Moment weg. Ich schüttelte nur meinen Kopf und sah Stu wieder an. Auch er verhielt sich komisch. „Habe ich was im Gesicht?“ „Nein!“ antworteten beide im Chor. „Was ist los! Sagt es!“ ermahnte ich sie auf einer spielerischen Art und Weise. Als ich Jays Blick folgte wurde mir einiges klar. Lee lief ein Stückchen von mir entfernt mit Nicola draußen herum. Er sah hinüber, wandte seinen Blick nicht ab. „Seid mir nicht böse, aber ich bin ziemlich lange draußen und es wird ziemlich kalt“ redete ich mich heraus und umarmte die beiden wieder. „Ja, wenn du willst, … Ich meine, komm doch auf eine heiße Schokolade mit zu uns“ bat mir Stu freundlich an, doch ich lehnte dankend ab. „Danke, aber ich habe Anna versprochen sie nachher noch zu einer Freundin zu fahren“ log ich und verabschiedete mich. Doch dieser Zufall blieb nicht der einzige: Egal wo ich draußen war, Lee schien immer irgendwo gewesen sein. Entweder wurde ich paranoid oder es war pure Absicht. Ich wusste es ehrlich gesagt nicht. Jedes Mal sah er mich mit diesem bestimmten Blick an. Ich kann ihn nicht beschreiben, aber er gab so viel preis. Seit Tagen lief ich nun mit dem Zettel in der Hand herum.

You keep on looking into my eyes as if you still care
You keep on talking to me as if your feelings are still there
You keep on telling me there’s nothing you do feel
But your body language can’t hide you adore me for real

And why do you do the things you do?
And why do you pretend the way you do?




Schrotti
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...   Erstellt am 26.12.2009 - 15:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ein letztes Mal las ich mir den Zettel durch, zerknüllte ihn und ließ ihn auf den Boden fallen. Müde rieb ich mir die Augen, danach schlinderte ich nach Hause und legte mich wieder in mein Bett. Es schien als sei mein Bett das einzige gewesen, was noch aufrichtig war und worauf ich mich wirklich verlassen konnte. Ein Brief, der niemals den Empfänger kriegen sollte. Ich schmunzelte und entschied mich an den Computer zu gehen. Doch egal wo ich online war, Lee war es auch und er hatte immer so komische Abwesendheitsnachrichten überall stehen. Ich loggte mich überall aus und öffnete den Windows Media Player, legte mich auf’s Bett und dachte mal wieder nach. Meine Freundin Jassi hielt mich öfters auf dem Laufenden, was die Jungs anbelangt, aber es war nicht dasselbe. „Du solltest mal wieder mitkommen. Wir wollten demnächst zur Cubar gehen“. Ich spielte mit dem Zipfel der Bettdecke herum und überlegte. „ja, vielleicht“ „Das wird dir auch mal gut tun“. Ich nickte stumm, obwohl sie es nicht sehen konnte. „Ja, wahrscheinlich hast du Recht“ war ich ganz plötzlich von der Idee angetan. „Sind sie noch zusammen?“ lenkte ich dann wieder ab. „Öh…“ stockte Jassi. „Na ja, nicht direkt…“ „Soll heißen?“ „Ja also“ stotterte sie und dachte nach. „Na gut, aber du hast es nicht von mir“ „Ehrenwort“ lächelte ich zufrieden. „Soweit ich weiß und soweit es mir Stu gesagt hat, hat Lee versucht mit ihr Schluss zu machen. Aber irgendwie ist die Situation anders verlaufen. Sie sind noch zusammen, er ist aber trotzdem total abweisend zu Melissa. Sie dreht deswegen durch, fühlt sich n bissel verarscht“ murmelte sie, woraufhin ich ein Lachen ausstieß. Ein ziemlich hässliches sogar. „Tut mir Leid“ entschuldigte ich mich, als Jassi nichts mehr sagte. „Ist okay. Wie gesagt, ich weiß auch nicht genau. Aber sie unternehmen nicht mehr viel. Meiner Meinung nach stirbt der Patient bald“ „Die Beziehung?“ grinste ich fies. „Ja, genau der!“ juxte sie herum. „Wie heißt es in dem einem Lied so schön? ‚Let me lay beside you, Darling. Let me be your man. And le tour bodies intertwine but always understand: that everything ends’“ erinnerte ich mich selber daran. „Ja, das stimmt. Irgendwann ist alles Mal vorbei“ philosophierte sie mit mir mit. „Also, ich hol dich dann heute Abend ab, Okay?“ „Ja, ist gut. Bis heute Abend“ verabschiedete ich mich und legte auf. „Irgendwie muss mal etwas Neues her“ sagte ich zu mir selber und stand mit verschränkten Armen mitten im Zimmer. Ich begann ein wenig aufzuräumen, umzuräumen, Klamotten auszusortieren und jede Menge mehr. „Ich glaube, es wäre mal ein komplettes Makeover nötig!“ lächelte ich, schnappte mir meine Jacke und fuhr in die Stadt. In London ging ich zu meinem Lieblingsfrisör, ließ mir meine langen, lockigen, dunkelbraunen Haare Schwarz färben, ein wenig verkürzen und schminken. „Deine blauen Augen kommen jetzt richtig raus“ freute sich Paco, mein Friseur. „Ja, ich hätte nicht gedacht, dass es so gut aussehen würde“ lächelte ich zufrieden und begutachtete mich im Spiegel. Ich hatte nun einen Pony, schwarze, gelockte Haare die ein Stückchen länger waren als meine Schulter und bekam einen Braun-Schwarzen Smokey Eyes-Look verpasst. Zufrieden umarmte ich Paco. „Los! Mach die Männerwelt unsicher!“ grinste er. „Danke, werde ich. Schönen Tag noch!“ sagte ich und stolzierte stolz wie nie aus dem Friseurladen. Danach lief ich zu den besten Läden und kaufte mir neues Makeup, sowie ein neues Outfit für heute Abend. Wie ausgewechselt trug ich Sachen, die ich vorher nie zu tragen wagte, die sie mir zur viel Haut zeigten. Doch nun war alles anders: Ich war selbstbewusster, weiblicher, unabhängiger und vor allem ein glücklicher Single.

Als Jassi abends anklingelte sah sie mich verwundert an. Wir standen in der Tür und sie brachte kein Wort heraus. „Dreh dich mal!“ forderte sie mich gespannt auf. Lächelnd drehte ich mich einige Male im Kreis, damit sie mich begutachten konnte. „Oh mein Gott!“ flüsterte sie lächelnd und konnte es immer noch nicht fassen. „Du siehst… bezaubernd aus!“ stammelte sie vor Freude und konnte meine Umwandlung immer noch nicht glauben. „Na komm rein!“ grinste ich noch immer fröhlich und stolz. Sie zog ihre Jacke aus und fuhr mir danach einmal durch das Haar. „Perfekt“ freute sie sich. „Danke… Wollen wir?“. Jassi starrte mich noch immer ungläubig an. „Na, ob ich dich so rauslasse?“ grinste sie fies mit einer hochgezogenen Augenbraue. „Komm! Wir kommen sonst zu spät!“ lachte ich und schleifte sie hinter mir her. Als wir in der Cubar waren fehlten nur noch wenige, unter anderem Jassis Freund Stu. Doch als wir vor den Jungs standen wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Sie murmelten herum, der eine fragte den anderen, war das war und danach sahen mich alle mit riesengroßen Augen an. „Ich bin’s, Ella!“ grinste ich fies drein und quetschte mich neben Kenzie und Jay. „Sieht aber sehr gut aus!“ grinste Jay, wobei Kenzie nur nickte. „Dankeschön“ lächelte ich zufrieden. Wir setzten uns zu den anderen und es dauerte nicht lange bis die erste Tequilarunde anfing. Es war super lustig, doch nach 2 Gläsern konnte ich nicht mehr. Inzwischen war auch Stu eingetroffen, zu meinem Entsetzen auch Lee, aber er störte mich nicht. Wie ich von Jay hinterher hörte habe er überrascht geschaut und war sichtlich angetan von meinem neuen Aussehen. In der Zwischenzeit tanzte Jassi eng umschlungen mit Stu. Ich tat es ihr gleich und tanzte mit Jay. Lee saß mit Kenzie in der Sitzecke und sah mir und Jay zu, was ich nur allzu gut aus dem Blickwinkel beobachten konnte. Selbstbewusst wie ich war umarmte ich Jay beim tanzen, legte meine Arme um seinen Hals und lächelte Lee an während ich Jay etwas ins Ohr flüsterte. Er sah mich mit einem Blick an, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Sollte es mir nach alldem noch Leid tun? Sollte ich gerade jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Sollte ich mich jetzt noch schuldig fühlen, nachdem ich ihn losgelassen habe und mir klar wurde, dass, wenn ich weiterhin an ihm hänge, sich nichts an meinem Leben ändern wird? Nein, diesmal würde ich kein schlechtes Gewissen haben, diesmal nicht. Gerade jetzt werde ich meinen Spaß haben und ihm nicht mehr hinterher weinen. Ich sah ihn mit einem genauso scharfen Blick an, danach küssten Jay und ich uns. Extra drehte ich uns ein wenig in Position, sodass Lee sehen konnte, wie ich ihn anstarrte. Das einzige, was ich mitbekam war, dass er wenig später gegangen ist. Jay und ich verschwanden auch wenig später. Am nächsten morgen wachte ich in seinen Armen auf.

Als ich auf die Uhr schaute war es schon ziemlich spät. Die Sonne schien heller denn je, doch Jay weckte es nicht auf. Stumm lag ich im Bett neben ihn und schaute mich im hell beleuchteten Zimmer um. Mir fiel auf, dass Jay das Gegenteil von Lee war. Besonders aber vom Charakter her. Während Lee lieber der witzige, loyale Typ ist, ist Jay mehr der Draufgänger und liebt es wegzugehen. Sein Haus ist nicht so aufgeräumt sondern typisch Junggesellenbude, doch Lee war viel aufgeräumte, auch wenn er manchmal einen Durchhänger hatte. Ich schmunzelte. Jay liebte das Risiko und setzte alles aufs Spiel, was Lee auch manchmal tat, doch meistens dachte er nach. Mein Gott, das hört sich nur allzu spießig an, dachte ich mir und sah Jay an. Er schlummerte tief und fest, eingerollt in seiner Decke. Er sah so… friedlich dabei aus. Doch irgendwie zauberte es ein Lächeln auf meine Lippen. Danach sah ich ihn das letzte Mal an, stand so leise wie möglich auf, suchte meine Sachen zusammen und zog mich schnell um. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause. Leider hatte ich mein Auto nicht dabei, da ich mit Jassi gekommen war. Als ich auf mein Handy sah bemerkte ich auch mehrere Anrufe in Abwesenheit von ihr, genauso wie SMS. Gelassen schlenderte ich durch die Straßen, dabei brauchte ich fast 30 Minuten bis nach Hause. Doch dann sah ich schon von weitem eine Überraschung. Je näher ich kam, desto sicherer wurde ich mir. Ich fuhr mir durch das Haar, kniff meine Augen noch mal zusammen, doch sie logen nicht. Ich starrte auf die Uhr: Es war gerade mal Mittag durch. Erschrocken sah ich ihn an, versuchte irgendwie munter auszusehen, doch es klappte nicht. Lee saß vor dem Haus. Als ich neben ihn stand zückte ich meinen Schlüssel und steckte ihn in die Haustür. Er sah mich nicht mal an. Sollte ich etwas sagen? Der Schlüssel steckte doch ich drehte ihn nicht um. Sollte ich mich zu ihm setzen? Ich sah ihn fragwürdig an, doch er würdigte mich keines Blickes. Wenn das der Fall war, warum war er dann hier? Ich nahm all meinen Mut zusammen und setzte mich zu ihm auf den kalten Boden. Es war verdammt kalt, da ich nur einen Rock trug und eine Strumpfhose. „Sitzt du hier schon lange?“ begann ich das Gespräch, doch er sah mich einfach nur an. Nichts geschah, er sah mich einfach nur an. Ich konnte ihm nicht solange in die Augen schauen, weswegen ich wegsah. „Na ja, weißt du… Es ist ziemlich kalt“ murmelte ich. Ehrlich gesagt trug ich auch keine wirkliche Jacke sondern mehr oder weniger eine Strickjacke darüber. Er sah mich wieder an. Doch dann zog er seine Jacke aus und hielt sie mir hin. „Hier“ sagte er und sah auf den Boden. Ich nahm sie entgegen und zog sie mir über. Ich mummelte mich richtig darin ein, da es eisig draußen war. „Danke“ sagte ich schon fast in einem Flüsterton. Jetzt war es wieder still. Verlegen sah ich auf meine Schuhe und klapperte nervös mit dem Absatz. „Frierst du denn nicht?“ „Was soll’s“ warf er mir vor den Kopf. Ich atmete einmal laut aus und stand auf. „Wenn du magst komm mit rein. Du sitzt sicher schon lange hier… Es ist außerdem kalt. Du holst dir ja noch den Tod“. Lee überlegte für einen Moment. Danach stand er auf und kam mit rein. Meine Mom und Anna waren wahrscheinlich einkaufen, was umso für uns war. „Magst du eine Tasse Tee?“ fragte ich und lief in die Küche um alles vorzubereiten. „Ja, bitte“ sagte er und setzte sich trotzig auf die Couch. Was zur Hölle wollte er bloß bei mir? Dieser Junge machte mich noch verrückt! Erst war er sauer auf mich, weil ich sein Spielchen nicht spielte, immer mal wieder kam er zu mir angekrochen. Dann war er wegen Jay total sauer und anschließend war er wieder bei mir. Ich wurde einfach nicht aus ihm schlau. Das Wasser hatte ich aufgesetzt und ließ anschließend zu ihm ins Wohnzimmer. „Und… Was willst du nun hier?“ „Ich weiß nicht“ antwortete er schnell. Ich sah mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Und deswegen sitzt du keine Ahnung wie lange vor meiner Haustür?“ „Anscheinend“. „Hör zu, ich habe echt keine Lust mehr auf deine dummen Spielchen“ stieß ich sauer hervor. Lee sah mich nur traurig an. „Ich dachte,… na ja, wir könnten vielleicht noch mal über alles reden“ „Was gibt’s denn da noch zu bereden?“ fragte ich ihn. Anscheinend traf ihn die Frage. Er rechnete auch nicht damit, dass ich nun so selbstbewusst und weniger eingeschüchtert wirkte. „Es ist alles einfach nur schief gelaufen, Okay?“. So „okay“ fand ich es nicht. „Sagst du!“ zischte ich ihn an. „Es tut mir auch alles einfach nur Leid. Wir sind so lange befreundet, wir kennen den anderen in und auswendig“ „Dachte ich zumindest“ unterbrach ich ihn erneut. Ich sah ihm tief in die Augen und obwohl sich einige Tränen anbahnten wandte ich meinen Blick nicht von ihm ab. „Ich weiß auch nicht wie es damals passiert ist… Ich meine… Ich habe mich mit Melissa gestritten und irgendwie kam dann alles zusammen, mit dir… und mir… mit uns…“. Ich konnte einfach nicht mehr! Wusste er denn nicht, dass er mich fertig machte? Wusste er denn nicht, dass jedes weitere Wort, das er sagte, mich noch mehr verletzte? Verletzt sah ich auf meine Hände; die erste Träne fiel auf meinen Handrücken. Lee sah mich traurig an. „ich… Ich weiß nicht mehr was ich machen soll“. Lee hörte sich so verzweifelt an. „Ich habe alles versucht.. Ich habe versucht mit ihr Schluss zu machen, aber irgendwie…“ „Hör auf“ sagte ich sichtlich mitgenommen. „Es ging nicht…“ fuhr er fort als hätte ich nie etwas gesagt. „Hör auf!“ erhob ich meine vom Weinen angeschlagene Stimme. „Ich weiß, ich hätte ihr nicht die Überhand geben dürfen… Du bist mir doch wichtig“. „Hör verdammt noch mal auf!“ flehte ich ihn schreiend an. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nicht mehr. Plötzlich begann der Teekessel zu pfeifen. Ich lieb gekränkt in die Küche und wischte mir mit dem Handrücken meine Tränen weg. Schluchzend nahm ich den Teekessel vom Herd, doch ich zitterte am ganzen Körper. Ich wollte gerade etwas Wasser in die Tasse schütten, als ich mich verbrannte. „Verdammt!“ schrie ich, ließ den Teekessel in die Spüle fallen und brach zusammen. Weinend saß ich auf dem Boden hielt meine verbrannte Hand fest und weinte nur noch. Lee kam auf mich zugelaufen, setzte sich zu mir auf den Boden und hielt mich einfach nur in seinen Armen. Er drückte mich so fest er konnte und ließ mich nicht mehr los.




Schrotti
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...   Erstellt am 26.12.2009 - 17:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich weiß nicht wie lange er mich in seinen Armen hielt, doch es war lange genug um zu wissen, dass es sich gut anfühlte. Wir hatten uns beide beruhigt, es war nur noch still. Nach einiger Zeit sah ich zu ihm auf. Er sah mich an und lächelte leicht. „Wieso?“ fragte ich nach einiger Zeit. Ich sah wieder nach unten. „Was sollte ich denn tun?“ fragte er mich und sah mich an. „Ich hatte eine Freundin… Wir hatten uns weniger einer Lappalie gestritten… Und dann habe ich mich in meine beste Freundin verliebt… Der richtige Zeitpunkt war es nicht gerade“ lächelte er und wollte die Situation retten. „Ja, das stimmt wahrscheinlich“ lächelte ich der Trauer entgegen. Schließlich löste ich mich von seiner Umarmung. Sein Blick verfolgte mich als ich mich neben ihn setzte und meinen Kopf an seiner Schulter anlehnte. Er tat es mir gleich. Einen kurzen Moment später hob ich meinen Kopf wieder an und sah ihn an. „Und… was sollen wir jetzt tun?“ fragte ich und sah ihn mit einem ernsten Blick an. „Wie wäre es damit“ flüsterte er und schloss seine Augen. Wenige Sekunden später spürte ich seine Lippen auf meine. Ich konnte es nicht glauben, nein! Es ging einfach nicht anders. War das wirklich kein Traum? Ich genoss den Kuss mit ihm, doch so schnell es auch passierte hatte es auch wieder aufgehört. Ich sah ihn lächelnd an, schaute dann verlegen zur Seite. Lee strahlte wie ein Sonnenschein. „Soll das heißen…?“ „Hm“ nickte er zufrieden und wir küssten uns erneut.

Anscheinend ist das Leben eine reine Ansichtssache. Es lag an mir, was ich daraus machte. Es lag ebenso an mir, wie ich die Dinge geschehen ließ. Jeder ist seines Glückes Schmied. Hätte ich nicht den Weg gewechselt, wäre ich wahrscheinlich nie von dieser Sache losgekommen. Hätte ich nicht die Vergangenheit hinter mir gelassen, hätte ich meiner Meinung nach kein Glück mehr gehabt. Hätte ich nicht losgelassen, wäre ich immer noch von der Trauer und der allgemeinen Depressivität gefangen. Obwohl ich alles hätte viel eher beenden können. Doch ich habe es nicht getan und immer mehr an mich heran gelassen, was so leicht hätte beenden werden können. Doch nun habe ich es hinter mir gelassen, ich bin wieder glücklich und zufrieden. Die Menschen streben im Leben viel zu sehr nach Glück, sodass sie vergessen, dass die kleinen Dinge das Leben lebenswert machen und dass die kleinen Dinge auch Freude bereiten können. Und das habe ich nun erkannt. Du entscheidest, was du aus allem machst und kein anderer.

Lee hatte sich wenig später getrennt und unsere Freunde waren mehr als begeistert. Melissa konnte es nicht wirklich hinnehmen, weswegen sie am Anfang noch ziemlich nervig war, doch nach einiger Zeit gab auch sie nach. Jassi freute sich für mich umso mehr. Jassi und Stu hatten deswegen auch extra eine Party für uns geplant. Es war einfach nur zu schön. Und heute sind Lee und ich genau 3 Jahre und 8 Monate zusammen. Wir sind vor ca. 1 ½ Jahren zusammen gezogen und haben somit unser kleines Liebesglück vervollständigt.
Es ist Freitagabend und Lee kommt von der Arbeit nach Hause. Ich sitze vor dem Kamin und lese eine Zeitung. „Schatz?“ fragt er und irrt im Haus herum. „Hier bin ich rief“ rufe ich zurück. Ich lege die Zeitung beiseite, stehe auf und laufe zu ihm hin. Genau im Flur treffen wir uns. „Was ist los?“. Ich schaue ihn fröhlich an und umarme ihn erstmal. „Nichts. Ich habe uns etwas zu Essen mitgebracht“ grinst er und nimmt die Tüte von der Kommode. „Yay, ich brauch nicht kochen!“ grinse ich fies drein und laufe mit ihm ins Esszimmer. Wir essen zusammen zu Abend und mir fällt immer wieder ein was für ein Glück im Leben ich doch hatte. Ich bin glücklich mit Lee zusammen, wir wohnen in einem wunderbaren Haus nicht weit entfernt von London, aber immer noch abseits genug um unsere Ruhe zu haben. Anna hat nun auch einen Freund. Es ist ziemlich ironisch, dass sie nun mit Stus jüngerem Bruder Stephen zusammen ist. Sie sind seit ca. 5 Monaten glücklich zusammen. Stuart hatte vor nicht allzu langer Zeit Jassi einen Antrag gemacht, wo sie natürlich zustimmte. Sie sind nun seit einigen Monaten glücklich verheiratet. Nach dem Essen laufe ich ins Schlafzimmer und ziehe mich schon mal für das Bett um. Eigentlich muss ich Lee noch etwas sagen, aber ich will noch den richtigen Moment abwarten. Nachdenklich liege ich im Bett als Lee dazu kommt und sich an mich heran kuschelt. Er küsst mich auf die Stirn und sieht mich prüfend an. „Was ist los?“ fragt er und löst sich dabei von mir. Ich setze mich aufrecht hin und sehe ihn an. Langsam greife ich nach seiner Hand und lege sie auf meinem Bauch. „Ich werde Vater?“ fragt er überrascht und sieht mich mit großen, erwartungsvollen Augen an. Ich nicke bloß und lächele. „Ja, wirst du“. Direkt küsst er mich vor Freude. „Oh mein Gott! Das ist super… Ich meine… In welchen Monat bist du denn?“ „Im 2.“ Lächele ich ihn glücklich an. Lee freut sich immer noch und kriegt sich nicht mehr ein. Immer wieder küsst er mich oder streichelt meinen Bauch. „Ich hatte sowieso vor dich bald zu fragen“ sagt er plötzlich, steht auf und kramt im Kleiderschrank herum. Ich sehe nur wie er ein kleines Döschen aus seinem Anzug zieht. Er kniet sich vor das Bett und sieht mich mit einem verliebten Lächeln an. „Elena, willst du mich heiraten?“. Voller Freude sehe ich ihn an. „Ja, ich will!“ und somit küssen wir uns.


E N D E!





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