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Honigdieb ...
Hobby-Autor




Status: Offline
Registriert seit: 08.01.2007
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...   Erstellt am 09.01.2007 - 11:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Namenlos, einsam und dem Licht ausgesetzt. Nicht verrückt, zumindest noch nicht verrückt genug, um das hier einfach hinzunehmen, kauerte ich auf dem Bett. Ich wippte leicht hin und her. Vielleicht, um mich vor der Kälte zu schützen, ich weiß es nicht mehr. Ich habe sehr viel vergessen, seitdem ich hier bin. Und es gibt noch mehr, an das ich mich nicht mehr erinnern kann. Ich bin froh, dass ich dieses Papier gefunden habe. Vielleicht kommt Jemand und rettet mich... bitte... bitte!

---
Tagebuch eines Namenlosen
Es war Morgens, soviel wusstest du mit ziemlicher Sicherheit, noch bevor du die Augen geöffnet hattest. Die Sonne schien dir ins Gesicht und du hörtest Vögel zwitschern. Du hattest noch nie in deinem Leben Vögel zwitschern gehört. Nicht so nah. Nicht so viele. Und vor Allem war es immer überschattet gewesen von Straßen- und/oder Flugzeuglärm. Der so niedrige Geräuschpegel überraschte dich daher völlig. Das war nicht mehr die Großstadt, von der du gedacht hattest, dass du in ihr aufwachen würdest. Kein Gegröle von zu dieser frühen Zeit schon Betrunkenen auf der Straße - die hier gar nicht vorhanden schien, kein Lärm, kein Nichts. Nur das leise Plätschern eines Baches dringt an dein Ohr. Sekunde! Bach?! Wo zur Hölle bist du hier?!...

Erster Tag.
Das waren meine Gedanken, als ich heute Morgen erwachte. Hört sich ein bisschen an wie eines von diesen Actionabenteuern, die man so oft liest oder am Computer spielt. Leider ist es keins. Hier gibt es kein Reset, keinen Neustartknopf. Keine Möglichkeit zu entkommen. Und es ist auch nicht spannend. In keinster Weise.
Ich bin allein.
Wer ich bin, wo ich bin und warum, das konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Ich weiß nur, dass es einmal etwas außerhalb gab. Ich erinnere mich noch an Gerüche, Geschmäcker und wie Dinge sich angefühlt haben, wie sie klangen, aber ich habe kein einziges Bild mehr in meinem Kopf. Erst habe ich gedacht, ich könnte mich an gar nichts mehr erinnern, aber ich wusste noch so viele Sachen, die sich in meinem Kopf festgebissen hatten. Ich konnte so viele Dinge benennen. Obwohl ich längst vergessen hatte, wie sie aussahen...

Der Raum in dem ich mich befinde ist sehr klein. Es sind maximal 3 Meter und ich muss mir den Platz mit dem Bett teilen, auf dem ich aufgewacht bin und wahrscheinlich auch heute Abend wieder einschlafen werde. Vorausgesetzt ich kriege mit, was eigentlich abends ist und wann. Ich weiß noch, dass es sowas gab und dass es dann dunkel war. Und ich weiß auch, dass der Tag hell ist. Aber was ist dunkel? Was ist hell?
Gut okay, mit etwas normalem Menschenverstand würde man sagen, dass ich hier doch Licht habe und dass das Gegenteil von Licht dann Schatten ist. Soviel weiß ich auch noch. Schatten ist nichts existentes sondern bloß die Abwesenheit von Licht. So wie Trauer die Abwesenheit von Freude.

Aber hier ist kein Schatten. Ich habe gesagt, ich bin durch das Licht aufgewacht, welches in meine Augen schien und dachte deswegen, es sei Morgens. Aber dort, wo ich ein Fenster vermutet habe, durch welches mich die Sonnenstrahlen kitzeln, war keines. Es gibt auch keine Tür. Nur 4 Wände, hell, fast transparent, mit dem Unterschied, dass man nicht hindurch sehen kann. Auch das Bett ist hell, die Bettwäsche, der kleine Stuhl. Es gibt hier keine dunklen Farben. Eigentlich überhaupt keine Farben.
Auch das Haar, welches mir ständig in die Stirn fällt, ist weiß. Es ist mittellang, geht etwa bis zu meiner Schulter. Es ist glatt und weich. Auch meine Haut ist hell, fast durchscheinend und hat weder Narben noch Unebenheiten, in denen sich ein Schatten verfangen könnte.
Vielleicht bin ich ja tot. Und deswegen bin ich so weiß, so hell. Deswegen ist alles Licht. Aber ich fühle mich nicht tot an...

Meine Hand tut jetzt schon vom Schreiben weh. Ich schreibe, seitdem ich den Zettel heute Morgen (?) neben mir gefunden habe. Auch der Stift ist weiß, genau wie der Zettel, unliniertes, blankes Papier. Ich schreibe mit unsagbar heller Tinte. Sie macht das Papier an den Stellen, wo sie es berührt durchsichtig. Wenn ich es etwas von Bett anhebe, kann ich sehen, was ich geschrieben habe, das habe ich schon ausprobiert.
Aber vielleicht will ich ja auch garnicht lesen. Was macht es für einen Sinn, zu lesen?

Der Schmerz in meiner Hand ist das Einzig reale bis jetzt, deswegen möchte ich nicht aufhören zu schreiben. Es ist etwas, an dem ich mich festklammern kann. Schmerz ist real. Ich habe ihn auch schon vorher gekannt. Ich habe unzählige Ausdrücke und Begriffe dafür. Es gibt so viele verschiedene Arten von Schmerz. Mancher lässt vergessen, mancher ruft in Erinnerung, mancher ist einfach nur lästig und mancher hält einen in der Realität. Hilft, nicht verrückt zu werden. Hilft, zu sehen, dass noch etwas existiert, weswegen man empfinden kann. Und sei es nur Schmerz, den man empfindet, er ist real. Ich mag nur den letzten. Er hilft mir, nicht den Kopf zur Seite zu legen, einzuschlafen und nicht wieder aufzuwachen. Obwohl ich bezweifle, dass ich das könnte. Denn das Licht lässt mich nicht. Es behält mich am Leben. Es will nicht, dass ich sterbe.

Ich hasse das Licht...

[Dieser Beitrag wurde am 30.01.2007 - 08:39 von Honigdieb aktualisiert]





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I dream, the vision is behind, of a life to find... nevermind...

Arvoitica ...
Schreiberling


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Registriert seit: 02.01.2007
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...   Erstellt am 29.01.2007 - 16:22Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Honigdieb!
Der Anfang ist wirklich sehr gut. Mir gefällt diese Ungewissheit, die aus deiner Geschichte hervorgeht, auch wenn ich gerne wissen würde, wer diese Person ist, die plötzlich in einem kleinen Zimmer aufwacht und erst einmal verwundert von der niedrigen Geräuschkulisse ist. Auch die Art, wie du es geschrieben hast, ist flüssig und lässt sich gut lesen. Ich habe nur wenige, winzige Kritikpunkte:

Honigdieb schrieb
    Es sind maximal 3 Meter und ich muss mir den Platz mit dem Bett teilen, auf dem ich aufgewacht bin und wahrscheinlich auch heute Abend wieder einschlafen werde.

Ich würde eher "Quadratmeter" schreiben, das wäre logischer.

Honigdieb schrieb
    Ich hasse das Licht...

Dieser Satz kommt mir irgendwie etwas verloren vor, weil er am Ende da einfach so alleine "rumsteht".
Und vielleicht hätte ich nach der Überschrift "Tagebuch eines Namenlosen" noch einen Absatz gemacht, aber das ist nun wirklich unwichtig und pingelig von mir.

Ich freu mich auf mehr!
LiGrü, Arvo




Honigdieb ...
Hobby-Autor




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Registriert seit: 08.01.2007
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...   Erstellt am 30.01.2007 - 08:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Arvoitica!
Vielen Dank für deinen Kommentar.
Nein, betreffende Person kann nicht Quadratmeter schreiben, da der Raum, in dem sie sich befindet nicht Quadratisch ist. Es gibt keine Ecken. Deswegen sind Quadratmeter vielleicht etwas seltsam. Durchmesser wäre vielleicht angemessener, aber das verwirrt eher nur unnötig.

Nach der Überschrift soll auch ein Absatz hin. ich habe vier mal versucht meinen Beitrag zu editieren, aber es gelingt mir nicht. Ich bin nämlich auch sehr dafür, dass es alles seine Form hat und bin daher auch offen für jede mögliche Kritik und/oder Anregung.

'Ich hasse das Licht' stellt eine Überleitung zum nächsten Kapitel dar. In diesem wird er/sie/es am Anfang über das Licht reden. Deswegen sieht der Satz dort etwas verloren aus.
Eigentlich ist das Kapitel einen Absatz höher zuende.

//EDIT: Jah! es funktioniert endlich! ich bleibe im Forum eingeloggt und kann meine Beiträge editieren... Man... das hat mich wirklich ziemlich aufgeregt oO

[Dieser Beitrag wurde am 30.01.2007 - 08:40 von Honigdieb aktualisiert]





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Lykanthrop ...
Administrator
.....................

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...   Erstellt am 30.01.2007 - 14:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Honigdieb schrieb

    //EDIT: Jah! es funktioniert endlich! ich bleibe im Forum eingeloggt und kann meine Beiträge editieren... Man... das hat mich wirklich ziemlich aufgeregt oO


Ja, ich hab leider auch keine Ahnung, woran das liegt. Hatte anfangs das selbe Problem. Damals hieß es, es hängt an den Cookies, hab mir dann den Mozilla Firefox heruntergeladen und seitdem geht alles... hm..





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Ist Realität nur die Folge der Notwendigkeit..?

Minni ...
Moderator
...............

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Beiträge: 319
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...   Erstellt am 12.02.2007 - 20:41Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Schöne Geschichte. Ich mag diesen Stilsprung von dir. Zuerst aus der Sicht von dem Leser und dann von deiner Sicht. Ich finde deine Geschichte sehr gut gelungen und freue mich schon auf den nächsten Teil!

Hoffentlich kommt der schnell ich möchte ja noch wissen wer diese Person ist!





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*+~*+~*+~„Vergib Deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen.”~+*~+*~+*


Torn ...
Literaturkenner


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...   Erstellt am 02.08.2007 - 13:46Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Honigdieb!

Wow, ich bin wirklich beeindruckt von diesem Anfang! Er macht sehr neugierig, neugierig auf die Person, wer sie ist, wo sie ist und weshalb sie dort ist.

Das Weisse, Farbenlose ist auch sehr gut beschrieben.

Es erinnert mich an eine Nervenanstalt, mit dem runden Raum, damit sie sich nicht verletzen kann, und all das klinisch Weisse XD

Freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung, es klingt alles schon sehr spannend





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Ich dachte immer, dass es leicht wär
Ich dachte immer, das ist doch kein Problem
Jetzt sitz ich hier, wie ein Kaninchen vor der Schlange
Und ich fühl mich wie gelähmt

Ich muss es sagen,
Ich weiss nur noch nicht wie
Ich muss es dir sagen,
Jetzt oder nie

Bitte geh noch nicht
Am besten gehst du nie
Ich hab's dir schon so oft gesagt
In meiner Phantasie
Bleib noch ein bisschen hier
Bitte geh noch nicht
Was ich versuche, dir zu sagen, ist

Ich liebe dich!

Honigdieb ...
Hobby-Autor




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Registriert seit: 08.01.2007
Beiträge: 152
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...   Erstellt am 30.10.2007 - 22:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 2

Ich wünschte, ich wäre nicht aufgewacht. Aber das Licht wollte es so. Es hat mich wieder zurückgezwungen. In diesen Raum. Wo alles so hell und kalt ist. Ich friere, aber auch das gibt mir Kraft. Im Himmel kann ich nicht sein. Im Himmel, hat man mir immer gesagt, hat man keine Sorgen, keine Ängste, keine Not. Keinen Schmerz.
Ich habe Angst.
Ich bin noch hier, auf der Erde.
Aber warum?

Ich habe versucht, herauszufinden, wer ich bin. Welche Identität ich habe. Ich wollte mein Gesicht abtasten, aber ich musste feststellen, dass ich mit meinen Fingern nichts fühlen kann. Mein gesamter Körper ist nicht in der Lage dazu. Als ich meine Fingerkuppen ansah, fiel mir wegggesengt ein. Aber ich weiß nicht, was es heißt. Ich weiß nur, dass meine Finger vollkommen glatt sind. Sie haben keinerlei Fältchen. Sie hinterlassen keine Abdrücke, die etwas bedeuten.
Ich weiß noch, dass es solche Abdrücke gibt und dass man damit Personen identifiziert, die gesucht werden. Wurde ich gesucht? Bin ich deswegen hier? Habe ich deswegen... keine Identität?
Ich habe versucht, zu sprechen. Es ist mir nicht gelungen. Ich kann kein Geräusch von mir geben. Ich habe auch versucht, mit meinen Lippen Worte zu formen. Aber da ich keinen Spiegel habe, kann ich nicht sehen, ob das tatsächlich funktionert. Mein gesamter Körper ist so seltsam taub und schwach.
Bin ich vielleicht krank? Aber an meinem Körper habe ich bisher keine Mal dieser Krankheit entdecken können. Geschweige denn sonst irgendetwas, das mich als Individuum auszeichnen würde. Ein Merkmal, das mich von jedem beliebigen anderen Menschen oder vielleicht einem Zwilling unterscheiden würde. Meine Haut ist wie makelloses Porzellan. Alles hier ist so hell und konturlos. Es ist wie Schneeblindheit, nur ohne Schnee und sehr viel schlimmer. Des Licht ist überall. Es frisst mich auf. Es verschlingt mich, lässt nichts von mir übrig. Ich habe Angst davor...!

Warum ist Niemand hier? Warum kommt Niemand her und rettet mich aus diesem schrecklichen Gefängnis? Gibt es denn Niemanden, der mich suchen kommen mag? Keinen, der mich vermisst? Keinen, der zum Fenster hinausstarrt und sich fragt, wo ich bleibe? Eltern? Geschwister? Freunde? Wo sind sie? Warum lassen sie mich alleine?

Aber vielleicht... vielleicht habe ich ja auch keine Freunde. Vielleicht kennt mich ja auch Niemand. Vielleicht bin ich ja auch ein Geist, den Niemand sehen kann. Denn Hunger verspüre ich nicht, und auch keinen Durst. Allein das Verlangen zu schlafen erfüllt mich von Zeit zu Zeit und dann lege ich mich hin und mache die Augen zu. Ob ich dann tatsächlich schlafe oder nicht, könnte ich beim besten Willen nicht sagen, da ich hier drin bereits jegliches Zeitgefühl verloren habe.
Oder vielleicht bin ich eine Puppe. Und habe eine Seriennummer im Nacken, dort, wo ich sie nicht sehen kann. Es ist seltsam, sich das vorzustellen. Ich will endlich einen Spiegel haben, um mich betrachten zu können. Damit ich weiß, dass ich ein gesicht habe. Damit ich weiß, wie so etwas wie ein Gesicht überhaupt aussehen sollte.
Ich habe auch bereits versucht, etwas zu zeichnen. Eine Hand, oder einen meiner weißen, nackten Füße, deren Nägel so kurz sind, dass sie mit den Zehen verwachsen zu sein scheinen. Aber es hat nicht funktioniert. Scheinbar ist meine Hand nicht dazu fähig, zu zeichnen. Dieser Kommunikationsweg steht mir einfach nicht offen. Der einzige Weg um mich auszudrücken, den ich bisher gefunden habe, ist das schreiben.
Schon wieder tut mir meine Hand weh und meine Augen fallen fast zu. Die Müdigkeit überrennt mich jedes Mal vollkommen. Im einen Moment bin ich noch hellwach, im nächsten werden meine Glieder plötzlich bleischwer und ich falle wie ein nasser Sack auf das Bett zurück. Ich brauche Schlaf... Dann werde ich weiter berichten.





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