<Johannes> unregistriert
| Erstellt am 12.10.2009 - 11:42 |  |
Franz beobachtete, wie der Abend den Innenhof in Schemen hüllte.
Vor seinem Fenster eilten alle Jahreszeiten vorbei.
Seit zehn Jahren lebte er im Altersheim. Anfangs war er todunglücklich gewesen, seine Selbständigkeit aufgeben zu müssen.
Bei seinen Kindern konnte er nicht unterkommen, obwohl Töchter wie Söhne genügend Platz in ihren Häusern gehabt hätten.
Als sie merkten, dass ihr Vater ohne fremde Hilfe, den Alltag nicht allein bewältigen konnte, hatten sie nur einen Gedanken, ihm so schnell wie möglich einen Heimplatz zu besorgen.
Sein Haus wurde verkauft statt wie von ihm gewünscht, vermietet. H
Hatte er doch im stillen gehofft, hin und wieder von seinen Kinder nach Hause gefahren zu werden, in seinem Garten zu sitzen.
Sein Schreibtisch, eine Vitrine, der Fernseher, das Radio und seine Bücher,das war alles, was ihm aus 77 Jahre Leben geblieben war.
Anfangs kamen seine Kinder und Enkelkinder ihn noch besuchen. Seit 5 Jahren sind sie zum Geburtstag da. Weihnachten holt ihn einer seiner Söhne nach Hause.
Wenn er aus dem Fenster seines Zimmers sieht, fühlte Franz sich in seine Jugend zurückversetzt.
Er erinnert sich an Schule, Freunde, Krieg, Wiederaufbau, an seinen Vater, der aus der Kriegsgefangenschaft mit Tuberkulose zurückkam.
und an die schweren Jahre für die Mutter.
Wie unbeschwert konnten seine Kinder aufwachsen.
Seine Gedanken werden unterbrochen.
Ein Altenpflegerin holte ihn zum Essen ab.
»So, Opa, jetzt machen wir einen Ausflug mit deinem Mercedes in den Speisesaal «, sagte sie wohlwollend.
An diesen Umgangston und die Kindersprache mit der er angesprochen wurde, hatte er sich lange nicht gewöhnen können. Aber mit den Jahren stumpfte er ab; es blieb ihm nichts anderes übrig.
Als er sich anfangs darüber beschwerte, wurde er als störrischer Alter mit Altersstarsinn, der sich nicht anpassen und einfügen wollte, abgestempelt.
Er bekam Medikamente, damit er besser schlafen könnte und ausgeglichener ist.
Franz wusste, er würde weiter in seinem Sessel sitzen und den Innenhof beobachten, bis der Abend kommt – wie jeden Tag, wie alle Tage
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