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Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Unter einer Täuschung versteht man eine bewußt irreführende Darstellung oder eine unbewußt falsche Aufnahme von Tatsachen (Selbsttäuschung). Sie dient der Beeinflussung einer Zielperson oder eines Zielpersonenkreises (z.B. Werbung, Propaganda, unlauterer Wettbewerb, Hochstapelei), kann aber auch der Unterhaltung dienen (Wahrnehmungstäuschungen, Zauberkünstler, Illusionisten). Im Tierreich dient sie oft auch dem eigenen Schutz durch Tarnung oder Nachahmung (Mimikry), aber auch zur Balz um einen Partner. Sie gehört also zu den natürlichen Bestandteilen des Lebens und zwar in jeder Kultur, nicht nur im Tierreich. Manchmal ist dieser Begriff in unserer Wertschätzung sogar mit einem gewissen Respekt belegt, denn immerhin gehört eine gewisse Intelligenz oder Fertigkeit dazu, um sie bei Anderen erfolgreich anwenden zu können. Der Begriff "Enttäuschung" hingegen ist in unserem Kulturkreis sehr negativ besetzt und ich frage mich, warum das so ist. Zwar wird eine Enttäuschung stets von persönlicher Traurigkeit oder gar Niedergeschlagenheit, manchmal auch von ohnmächtiger Wut oder Zorn begleitet, aber immerhin befreit uns eine Ent-Täuschung doch von einer - zumeist selbst verursachten - Täuschung, bzw. Selbsttäuschung und macht somit den klaren Blick auf die Realität des Lebens frei. Aber ... wollen wir diesen klaren Blick überhaupt? Eine Enttäuschung entsteht fast immer durch den Konflikt zwischen der eigenen Erwartung und dem tatsächlichen Ergebnis. Enttäuschung ist somit nur möglich nach einer Täuschung durch eine andere Person oder einer Selbsttäuschung durch überzogene Erwartungen und wird emotional negativ empfunden. Die eigene Erkenntnis, oder die Mitteilung durch einen anderen, dass eine Information oder ein positives Gefühl nicht stimmt, führt zur Enttäuschung. Besonders schmerzlich ist es, wenn man von Menschen enttäuscht wird, denen man einmal vertraut hat. Wäre es deshalb klüger, niemandem zu vertrauen? Zerplatzte Träume, Wünsche und Hoffnungen: Natürlich ist es ein schmerzhafter Vorgang, wenn wir erkennen, daß unsere Träume, Wünsche und Hoffnungen nicht erfüllt werden. Diese schmerzhafte Erfahrung mußten wir bereits als Kind machen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob sie in böser Absicht nicht erfüllt wurden oder ob sie gar nicht erfüllbar waren, weil sie einfach viel zu hoch angesetzt waren. Je größer diese Hoffnungen und Erwartungen waren, umso schlimmer waren die anschließenden Enttäuschungen, wenn wir nicht das bekommen haben, worauf wir gehofft und uns gefreut hatten. Ich behaupte einfach mal, daß jeder von uns diese Erfahrung kennt. Nur Pessimisten und hoffnungslose Menschen werden nicht enttäuscht. Wäre es deshalb besser, keine Träume und keine Hoffnungen mehr zu haben? Wie geht man mit Enttäuschungen um, welche Wege gibt es? Eine "Ent-täuschung" bedeutet erst einmal ganz nüchtern und neutral "das Ende einer Täuschung". Oft hat man sich eben in einer Situation oder in einer Person getäuscht, hatte zuviel Hoffnungen und Wünsche hinein interpretiert und vor allem zu hohe Erwartungen! Bereits im eigenen Zulassen von Erwartungen an andere Menschen liegt die Enttäuschung im Grunde schon vorprogrammiert. Nicht der Andere, sondern nur wir selbst sind letztendlich dafür verantwortlich, wenn es zu Enttäuschungen kommt. Vorwürfe und Anschuldigungen nützen da sehr wenig und bewirken eher das Gegenteil. Es hilft aber sehr, sich klarzumachen, wo man selbst Erwartungen an die andere Person hatte, ob sie wirklich gerechtfertigt oder vielleicht zu hoch gesteckt waren. Erwartungen, die jener Mensch vielleicht aus seiner persönlichen Situation heraus gar nicht erfüllen konnte. Sehr hilfreich kann es deshalb sein, sich in die jeweilige Situation der betreffenden Person hineinzudenken und damit die Gründe für diese Nichterfüllung besser verstehen zu können, ohne ihm deswegen Vorwürfe zu machen. Verstehen ist die beste Voraussetzung dafür, etwas entschuldigen und verzeihen zu können. Das hilft nach meiner Erfahrung sehr beim Verarbeiten harter Enttäuschungen. Zum Thema "Täuschung" zuletzt noch ein kleiner Gedankenausflug zurück ins Tierreich: Haben wir uns schon mal darüber Gedanken gemacht, warum wir von einer anderen Person getäuscht wurden? Nein? Möglicherweise geschah dies - falls es überhaupt beabsichtigt war und nicht in die Kategorie "natürliches Balzverhalten und Imponiergehabe " fällt - nur zum Schutze der eigenen Persönlichkeit. Vielleicht geschah diese Täuschung nicht in offensiver, sondern in zustimmender Art, um allzu heftige Bedrängnisse oder gar Übergriffe auf die eigene Persönlichkeit zu vermeiden. Auch darüber sollten wir ruhig einmal nachdenken, denn viele unserer archaischen Verhaltensmuster entstammen aus dem Tierreich. Trotz aller vermeintlicher Zivilisation, deren wir uns im 21. Jahrhundert so gerne rühmen. © Copyright 2005 by Minotaurus Astro-Studio und Institut für Verhaltenspsychologie in 94124 Denkhof/Germany Hier noch einige Zitate zu diesem Thema: * Eine Enttäuschung ist auch etwas Gutes, weil sie uns von einer Täuschung befreit. (Detlev Fleischhammel, deutscher Theologe) * Enttäuschungen und Hoffnungen sterben nicht aus. (Prof. Dr. Lothar Schmidt, deutscher Politologe) * Enttäuschungen sollte man verbrennen und nicht einbalsamieren. (Mark Twain, US-amerikanischer Erzähler und Satiriker) * Man ist nicht enttäuscht von dem was ein Anderer tut (oder nicht tut) sondern nur über die eigene Erwartung an den Anderen. (Ralf Kunke) * Es gibt kaum eine größere Enttäuschung, als wenn du mit einer recht großen Freude im Herzen zu gleichgültigen Menschen kommst. (Christian Morgenstern) * Hoffnung ist der erste Schritt auf der Straße der Enttäuschung.(Der Scriptor aus dem Spiel Warhammer 40.000 Dawn of War) * Wenn dich jemand enttäuscht, ändert sich dein Leben von grundauf, egal wie groß diese Enttäuschung war. (Eduard Tadler) * Auch eine Enttäuschung, wenn sie nur gründlich und endgültig ist, bedeutet einen Schritt vorwärts. (Max Planck, Begründer der Quantentheorie und Nobelpreisträger) * Wir geben uns zu wenig Rechenschaft darüber, wieviel Enttäuschung wir anderen bereiten. (Heinrich Böll, deutscher Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger) * Ein Satiriker ist ein enttäuschter Idealist. (Kurt Tucholsky, deutscher Schriftsteller und Satiriker) * Ironie ist die letzte Phase der Enttäuschung. (Anatole France, frz. Schriftsteller und Nobelpreisträger, Literatur 1921) Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||
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