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Das Boot - Albertcamus

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Daggi ...

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...   Erstellt am 18.02.2008 - 20:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Stromausfall

Warum musste bei mir selbst so was Simples wie ein Stromausfall immer in eine mittlere Katastrophe ausarten?

Na klar… den Valentinstag mit guten Gesprächen oder einem Kuschelstündchen im sanften Kerzenschein zu beschließen, wäre ja ganz nett gewesen, aber garantiert werde ich mich an diesen Tag nur des Stromausfalles wegen erinnern und wenn ich in neun bis zehn Monaten dann sehe, wer alles einen Kinderwagen vor sich her schiebt. Nun, dieser Kelch ist an mir vorüber gegangen, denn zum kuscheln hatten wir nämlich gar keine Zeit.

Das Licht ging aus, als ich gerade mit eingeschäumten Haaren unter der Dusche stand. Mutterseelenallein schrie ich mir die Seele aus dem Leib, stand dann zitternd unter der ausgestellten Dusche und lauschte auf irgendeinen Laut von Seiten meines Mannes, der mich möglichst schnell retten sollte. Er näherte sich auch relativ zügig, begleitet von dem einen oder anderen Schmerzenslaut, und tastete sich am Badezimmer vorbei in die Küche. Dort hörte ich ihn herumkramen und wenig später dann ein Feuerzeug klicken. Gleich darauf ging die Badezimmertür auf und das sanfte Licht der Kerze in seiner Hand umschmeichelte meinen Körper. Leider gönnte er mir keinen näheren Blick. Er stellte die Kerze auf den Fußboden und ließ sich selbst auf den Klodeckel fallen. Der knackte ganz verdächtig und ich dachte schon wieder stinksauer an diese tolle Designer-Klobrille, die ich mir letztens im Baumarkt angesehen und die er mir nicht genehmigt hatte, weil die alte ja noch gut war. So ein Mist, das Objekt meiner Begierde war jetzt garantiert nicht mehr im Angebot.

Während mein lieber Gatte halblaut vor sich hin jammernd seinen Zeh beguckte, stellte ich ganz schnell das Wasser wieder an. Blut war schließlich keins zu sehen und mir wurde langsam kalt. Außerdem schmollte ich ein bisschen, weil er nur Augen für seinen Zeh hatte.

Nun denn, zehn Minuten später gingen wir beide auf die Suche nach diversen Lichtquellen. Von den fünf Taschenlampen, die wir besaßen, funktionierte immerhin eine. Ein paar Kerzen fanden wir auch noch. Viele waren es nicht, denn ich hatte den Vorrat seit Weihnachten nicht mehr aufgefüllt. Meine Sammelleidenschaft für diverse Windlichter halfen mir in diesem Fall auch nicht wirklich weiter, denn auch Teelichter hatte ich noch nicht wieder gekauft. Und ich blöde Nuss hatte mich in eben jenem schon erwähnten Baumarkt durch die hochgezogenen Augenbrauen meines Mannes dazu bringen lassen, die Hundert-Stück-Packung Teelichter wieder ins Regel zurück zu legen. Na das würde mir kein zweites Mal passieren! Egal, wir kamen jedenfalls auf sieben Lichtquellen.

Unser Abendbrot stand halb gar im Ofen und mein Magen knurrte lautstark vor sich hin. Ich auch, und was das bedeutete, war in diesem Hause wohl jedem klar. Selbst die Beschwichtigungsversuche meines Mannes, wir hätten doch noch ein paar Brötchen und könnten uns die doch lecker zurecht machen, haben mich nicht besänftigt. Ich wollte kein Brötchen, ich wollte meinen Auflauf! Ich meckerte und jammerte und es dauerte dann auch nicht sehr lange, bis mein Mann mit der Karte vom Pizzaservice vor meinem Gesicht herum wedelte. Doch. Ja. Da konnte ich schon wieder strahlen. Natürlich ging unser Telefon nicht. Mein Handy leider auch nicht, das Akku war leer. Also musste das Diensthandy meines Mannes herhalten. Es ging schließlich um Leben und Tod, ich war wirklich kurz vorm Verhungern.

Genauso umfangreich fiel natürlich die Bestellung aus. Und dann warteten wir. Ob der Pizzamann wohl am Dorf vorbeigefahren ist? Immerhin betraf der Stromausfall ja den gesamten Ort. Oder waren etwa alle anderen Dorfbewohner auf die gleiche Idee gekommen? Egal, zwei Stunden später, nach zwei Bechern Tee und etlichen Zigaretten saßen wir einträchtig am Tisch, blinzelten uns im Kerzenschein an und mümmelten unsere Pizza…

Pünktlich mit dem letzten Bissen ging das Licht wieder an. Mein Mann klemmte sich freudestrahlend vor den Fernseher und ich verzog mich irgendwann verärgert ins Bett. Fußball war wirklich das letzte, was ich mir an diesem Tag noch antun wollte.

Am anderen Morgen wurde ich durch ein lautes Poltern geweckt, griff panisch zum Lichtschalter der Nachtischlampe und… nichts. Wir hatten wieder keinen Strom. Mann und Hund waren im Dunkeln die letzten Stufen der Treppe hinunter gekullert und alle beide heulten vor Schmerz. Der Hund noch lauter, weil mein Mann auf ihn rauf gefallen war.

Ich sprang aus dem Bett und folgte den beiden nach unten. Im Kerzenlicht pustete ich die lädierten Stellen am Körper meines Mannes und kniete mich dann zu meinem Hund auf den Boden, der sich wie auf Kommando auf den Rücken warf, mir winselnd alle Pfoten entgegenstreckte und geschlagene fünf Minuten meine Streicheleinheiten genoss. Dieser Schauspieler würde auch seine nächste Chance darauf bestens zu nutzen wissen.

Mein Mann maulte derweilen vor sich hin, weil er keinen Kaffee machen konnte, aber er verließ fast fluchtartig das Haus, als unser Töchterlein wie eine Prinzessin die von Kerzen erhellte Treppe herunter schritt und mit honigsüßem Stimmchen verkündete, wie schön doch alles im Kerzenlicht aussähe und wie schön man doch selbst aussah. Dabei betrachtete sie sich verzückt im bodenlangen Spiegel. Ich verdrehte die Augen und verzog mich ins Badezimmer. Trotz sanftem Kerzenlicht prallte ich vor meinem eigenen Spiegelbild zurück. Meine Haare standen in alle Himmelsrichtungen und ich konnte in meinem Gesicht rein gar nichts Schönes entdecken. So konnte ich doch nicht zur Arbeit fahren!?

Ich hatte die Wahl. Konnte kurzfristig Urlaub einreichen und es mir ohne Kaffee, ohne Fernseher und ohne Laptop auf dem Sofa gemütlich machen oder ich würde mit diesem Vogelnest auf dem Kopf ins Büro fahren, hätte Kaffee und meinen PC und die Chance, gleich an einer neuen Geschichte zu schreiben.

Ich packte Fön und Haarspray ein und fuhr ins Büro.

Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, dass ich ausgerechnet an diesem Morgen in eine allgemeine Verkehrskontrolle geriet? Ich war den Tränen nahe, als ich zitternd vor diesem riesengroßen Polizisten stand und ihm meine Papiere reichte. Interessiert betrachtete er dann meine nassen Haare und hörte sich mein Gestammel über diesen verdammten Stromausfall an.
„Junge Frau, ich traue mich fast gar nicht mehr, sie nun auch noch auf ihre defekte Nummernschildbeleuchtung hinzuweisen.“
Das war der Moment, in dem ich meinen Tränen freien Lauf ließ.
Ich konnte sofort weiter fahren und brauchte kein Verwarngeld zu bezahlen. Na immerhin…





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Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...

Chrissi ...

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...   Erstellt am 19.02.2008 - 17:37Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hi Daggi,

mich interessiert erstmal.....

Daggi schrieb
    Das Licht ging aus, als ich gerade mit eingeschäumten Haaren unter der Dusche stand.


wie hast Du das Zeugs, den Schaum, rausgekriegt?

Daggi schrieb
    ...aber garantiert werde ich mich an diesen Tag nur des Stromausfalles wegen erinnern und wenn ich in neun bis zehn Monaten dann sehe, wer alles einen Kinderwagen vor sich her schiebt.


Jawoll, geht mir so wenn bei uns in der Anlage mal die Antenne fürs Kabelfernsehen ausfällt. Schwupps stehen sie vor der Tür.... Geht Ihr Fernseher? Keine Ahnung, wir merken es erst Montag wenn Günter kommt.

Daggi schrieb
    Leider gönnte er mir keinen näheren Blick.
    Außerdem schmollte ich ein bisschen, weil er nur Augen für seinen Zeh hatte.


Oh oh, kommt Frau da nicht ins Grübeln?

Daggi schrieb
    ...oder ich würde mit diesem Vogelnest auf dem Kopf ins Büro fahren, hätte Kaffee und meinen PC und die Chance, gleich an einer neuen Geschichte zu schreiben.


Siehste, manche Katastrophen haben auch ihr Gutes!!

Damit will ich sagen, die Geschichte haste prima hingekriegt. Sie liest sich sehr flüssig. Wie immer mit dem viel geliebten Humor verfasst. Gefällt mir sehr gut.
Also von mir aus kann der nächste Stromausfall kommen!

Liebe Grüße
Chrissi





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Ein Tag ohne Lachen, ist ein verlorener Tag!

Gudrun 

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...   Erstellt am 19.02.2008 - 19:07Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


WW schrieb
    blinzelten uns im Kerzenschein an und mümmelten unsere Pizza…


...anstatt Erdbeeren mit Schlagsahne und hundert Prozent Begehren...

WW schrieb
    als unser Töchterlein wie eine Prinzessin die von Kerzen erhellte Treppe herunter schritt und mit honigsüßem Stimmchen verkündete, wie schön doch alles im Kerzenlicht aussähe und wie schön man doch selbst aussah


I LOVE IT!

Chrissi schrieb
    Also von mir aus kann der nächste Stromausfall kommen!


Da hat sie "verdammt ziemlich recht!"





Sommerwind ...

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...   Erstellt am 19.02.2008 - 22:26Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


bei einem Lächeln ,hätte er Dich vielleicht mit seinem Streifenwagen zur Arbeit gefahren, den Direktor der Stadtwerke verhaftet, dir seine Telefonnummer gegeben und dann???????????????

Zwinker





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Stefan ...
Admin


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...   Erstellt am 20.02.2008 - 18:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hai Daggi,

da hab ich es wohl vor lauter lachen irgendwie nicht mehr geschafft Dir zu schreiben. Oh Mann, jetzt geht das schon wieder los.

Oder anders gesagt, ich finde Dein Stromausfallerlebnis einfach nur köstlich.

Das fehlende Bild vom Vogelnest kann ich vor lachen glatt verschmerzen. Dann würde ich wohl keine Luft mehr kriegen.

Sei froh, dass Euer Wasser nicht mit Strom gewärmt wird. Wenn das bei uns passieren würde... Nee, kalt duschen am frühen Morgen, nee wirklich muss ich nicht haben.

Daggi schrieb
    ...diesem Vogelnest auf dem Kopf ins Büro fahren, hätte Kaffee und meinen PC und die Chance, gleich an einer neuen Geschichte zu schreiben.


Du scheinst im Büro hat viel Zeit zu haben. Wenn Du da Deine Geschichte schreiben kannst? Ist nicht noch ein Plätzchen frei in der Firma? Ein etwas ruhigerer Job wäre für so einen alten Menschen wie ich es bin auch ganz angebracht.

Liebe Grüße

Stefan





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Macuser sind nicht eingebildet. Sie sehen einfach besser aus....

Daggi ...

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...   Erstellt am 21.02.2008 - 21:06Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ihr Lieben,

freut mich sehr, dass ihr meine Geschichte wieder einmal so gern gelesen habt! Zum Glück kam mir/euch dieser Stromausfall in die Quere… ihr hättet sonst ganz sicher zwei Seiten lang mein Gejammer darüber ertragen müssen, warum mein Leben so trostlos ist und NIE was los ist.

Wie ich das Zeugs aus den Haaren gekriegt habe? Das war dann ja ganz einfach, weil mein lieber Gatte mir ja samt Kerzchen zu Hilfe eilte. Ich brauchte bloß das Wasser wieder anstellen. War noch genug warmes da…

Na klar kommt Frau ins grübeln, wenn der Zeh ihres Mannes wichtiger ist, als ihr wunderschöner „Mullebauch“… Aber, nun ja, den Anblick hat er ja schon seit… oh je… 17 Jahren (ertragen), da konnte ich über sein Desinteresse glatt hinweg sehen. Nachdem ich ausgeschmollt hatte. Man kennt das ja… kranke Männer sind immer sooooo halb tot! Nun ja… ist wohl besser, als eine unerträgliche kranke Frau, wa?

Also ich weiß genau, dass ich die Erdbeerchen mit Schlagsahne zu hundert Prozent begehrlicher verspeist hätte, als… die Pizza! Woher weißt du das, liebste Gudrun??

Oh je Martina… du bist ja echt noch romantischer drauf als ich! Ich hoffe ja auch drauf, dass mir dieser wirklich gut aussehende und noch dazu nette Polizist beim nächsten „Date“ seine Telefonnummer gibt (natürlich würde ich ihn nie anrufen!). Was denkst du, wie lange ich aber jetzt jeden Morgen vor dem Spiegel mit dem Styling beschäftigt bin… der denkt sonst wirklich noch, ich sehe immer so bedauernswert aus! Aber bei meinem Glück gerate ich beim nächsten Mal garantiert wieder an einen weniger angenehmen Zeitgenossen. Hach ich könnte euch Storys von meinen Begegnungen mit den Hütern des Gesetzes erzählen! Wo ich doch immer ganz lieb bin und nur manchmal ein winziges bisschen zu schnell fahre…

Stefan? Ich würde mich ja glatt extra für dich mal morgens mit dem Vogelnest auf dem Kopf fotografieren… aber das geht nicht, weil die Linse dann platzt (und das, obwohl ich immer noch nicht alle Funktionen von dem Teil begriffen habe). Und außerdem würde ich mächtigen Ärger mit der Chrissi kriegen, wenn DU dich luftlos im Bett herum wälzt… Obwohl, vielleicht kommt sie dann einmal öfter an das Familiennotebook?

Zum Glück habe ich ja zwei PC’s ganz für mich allein. Leider muss ich hin und wieder auch was arbeiten, aber an bewusstem Tag war mein geliebter Chef nicht da, zum Glück, der hätte sich wieder einmal kaputt gelacht! Soll ich euch noch was verraten? Das Kabel vom Fön war zu kurz bzw. die Steckdose war an unmöglicher Stelle versteckt und deshalb bin ich den ganzen Tag so verboten herumgelaufen. Wenigstens konnte ich meine Geschichte anfangen, weil meine Kollegin ganz viel Mitleid mit mir hatte und alle Wege, die mich vor die Bürotür geführt hätten, übernommen hat. Selbst wenn ich aufs Klo musste, hat sie vorher geguckt, ob die Luft rein ist.

Und jetzt höre ich auf zu sabbeln, die Geschichte ist doch längst zu Ende!



Eure Daggi





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Sommerwind ...

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...   Erstellt am 21.02.2008 - 22:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


nette gutaussehende Polizisten ,
wo,wie,wann,weshalb,warum und weswegen .

Erst neugierige machen und dann kneifen, aber nicht mit mir.
Will Einzelheiten wissen.





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