witchi  Der Burgherr (Admin) freier Ritter
        

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Stockrosen und andere Malvengewächse
Moschusmalve Fünf Blütenblätter, aus deren Mitte eine auffällige Säule ragt, eine Röhre, die aus den zusammengewachsenen Filamenten, den Staubfäden, gebildet ist - das sind die beiden charakteristischen Merkmale aller Malvengewächse. Scheinbar unterschiedliche Pflanzen wie Hibiscus und Stockrose, die Gemüsefrucht Okra und Baumwolle sind, wenn man sie näher betrachtet, tyische Vertreter dieser interessanten Pflanzenfamilie. Nimmt man die Stockrosenblüten in ihrem Habitus und Aufbau als Vorbild, dann lassen sich daran auch unbekannte Pflanzen mit stockrosenähnlichen Blüten gut als Malvengewächse einordnen. Feste Merkmale sind der fünfzählige Kelch und die Krone, häufig haben sie noch einen Außenkelch. Es folgen die zur Röhre verwachsenen Staubblätter. Der einzige Griffel teilt sich meist an seinem Ende in mehrere narbentragende Zweige. Blüten mit solchen Merkmalen zählen zu den Malvaceae. Mitglieder der Malven-Familie
Die Malvengewächse sind eine recht weitläufigen Familie, die 75 Gattungen mit circa 1500 Arten umfasst. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind die tropischen Regionen. Einige Mitglieder der Familie wachsen als Bäume und Sträucher, wie Gossypium, die Baumwollpflanze und Hibiscus, der Roseneibisch. Die meisten Malvengewächse sind Kräuter, auch viele Gartenpflanzen gehören dazu wie die Stockrose, Alcea rosea und natürlich auch die Malve, botanisch Malva. Den lateinischen Namen Malva haben ihr die alten Römer gegeben. Er stammt vom griechischen 'malakos' ab, was so viel heißt wie "weich" und "beruhigend". Das weist auf die weich machenden Eigenschaften der Malvensäfte hin, die in der antiken Heilmedizin große Bedeutung hatten.
Mitglieder der Malven-Familie gibt es fast überall auf der Welt, nur nicht in ausgesprochen kalten Gegenden. Die größte Gattung mit rund dreihundert weit verbreiteten, meist tropischen Arten ist Hibiscus. Nur eine einzige Art ist in Europa heimisch: Hibiscus trionum, der einjährige Stundeneibisch. Eine andere bekannte Malvacea ist Abutilon, der Zimmerahorn. Althaea - Eibisch - kommt in den gemäßigten und warmen Zonen vor. Alcea rosea stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und Malva selbst wächst in allen nördlich-gemäßigten Regionen. Gossypium, die Baumwollpflanze, hat zwei Verbreitungszentren, einmal Indien, von wo einige Arten stammen, die anderen kommen aus der Karibik und aus Mittelamerika.
Interessant sind vor allem die Früchte der Malvengewächse: Entweder ist es eine trockene Kapsel wie bei Hibiscus und der Baumwolle, oder es entsteht eine Spaltfrucht, die in Teilfrüchte zerfällt, die meist in einem Kreis um ein Mittelsäulchen angeordnet sind. Das einzelne Samenkorn ist oft mit feinen - meist langen - Haaren bedeckt, was bei der Baumwolle der wesentliche Effekt der Faserpflanze ist.
Wirtschaftliche Nutzung
Wirtschaftlich gesehen ist die Baumwollpflanze die wichtigste Gattung der Malvenfamilie. Es gibt noch ein paar andere Malven-Nutzpflanzen, deren wirtschaftlicher Nutzen regional beschränkt ist. So zum Beispiel Okra, Abelmoschus esculentus, deren Früchte in vielen tropischen Ländern als Gemüse sehr geschätzt werden. Eine wichtige Faserpflanze ist die Chinajute, Abutilon theophrastus. Nicht zu vergessen die alt-erprobten Heilmittel, die aus Althaea officinalis, dem Eibisch bzw. der Samtpappel gewonnen werden - die schleimhaltigen Wurzeln und die Blüten. Hinzu kommen Malvengewächse als Zierpflanzen für Haus, Garten und Wintergarten: Abutilon etwa, oder Lavatera, die Bechermalve, Malope, die Trichterwinde, oder die Präriemalve, Sidalcea und Alogyne, eine Kübelpflanze aus Australien, die blau blüht.
Noch eine kleine Ergänzung zur Pflanzensystematik, genauer zur botanischen Ordnung, in der die Malvengewächse mit wenigen anderen Familien zusammengefasst sind. Diese Ordnung, die die ganze große Verwandschaft umfasst, hat ihren Namen von den Malvengewächsen und heißt Malvales. Darunter finden sich so bekannte Arten, wie die Linden, Tilia cordata und Tilia platyphyllos, die wiederum zur Lindenfamilie, Tiliaceae, gehören. Ebenso gehört der Kakaobaum, Theobroma cacao, und der Colabaum, Cola nitida, die zusammen mit dem kalifornischen Fremontodendron zur Familie der Sterculiaceae gehören zu den Malvales. Vermutlich stammen die Malven selbst von holzigen Vorfahren der Linde ab.
Heilwirkung
Eines haben die meisten Arten der Ordnung Malvales gemeinsam: Nämlich die Schleimzellen in ihren Geweben. Und zwar sind es die sauren Wandschleime, deren pharmakologische Eigenschaften seit Jahrtausenden in den verschiedenen Kulturkreisen genutzt werden. In Europa war und ist eine der wichtigsten Heilpflanzen der Eibisch, auch bekannt als Weiße Malve oder Weiße Pappel. Man nutzt die Inhaltsstoffe der Eibischpflanze seit der Antike. Es ist erstaunlich, dass sich bezüglich der Anwendung in der Medizin über die vielen Jahrhunderte hinweg nichts geändert hat. Im Mittelpunkt der Heilmedizin steht dabei der reizlindernde Schleim von Althaea, der bei Magenbeschwerden oder Entzündungen im Darm genauso Linderung verschafft wie als entzündungshemmendes Mittel in Mund und Rachen. Die Schleimdroge hat sich ebenso als Hustenmittel bewährt. Es wirkt, indem sich der Schleim wie eine Schutzschicht über die empfindlichen und gereizten Stellen legt, die darunter schneller abheilen. Unsere Großmütter haben schon gewusst: Eibisch-Tee mit Honig gesüßt ist ein probates Hustenmittel, das auch die Beschwerden von chronischem Asthma lindert. Bei Entzündungen im Mund, am Zahnfleisch und im Rachen bringt abgekochter Eibischsud, wenn man damit spült oder gurgelt, sehr bald Linderung.
Die Drogenpflanze Althaea officinalis ist eine ausdauernde Staude, die bis 150 Zentimeter hoch wird. Ihre Heimat sind die Länder am Kaspischen Meer, am Schwarzen Meer und am östlichen Mittelmeer. Als Droge wird hauptsächlich die zweijährige Wurzel geerntet. Die Malvenblüten werden im Juni gepflückt und schnell im Schatten getrocknet.
Uns Mitteleuropäern ist unter den Malvengewächsen am meisten die Stockrose, Alcea rosea vertraut. Man nennt sie auch Bauerneibisch, Stockmalve oder nur Gartenmalve. Früher spielte sie in der Heilkunde eine ähnliche Rolle wie der Eibisch, heute ist sie vor allem als Zierpflanze interessant. In einigen Mischungen von Husten- und Bronchitistee ist die Stockrose noch zu finden. In vielen Bauernfamilien verwendet man ihre zum Ansetzen von Tee, mit dem sich hartnäckiger Reizhusten gut behandeln läßt. Zuhause ist die Stockrose auf dem Balkan, auch auf Kreta und in Süditalien. Bei der Wildform sitzen die schwarzpurpurnen Blüten in endständigen lockeren Rispen oder auch einzeln gestielt in den Blattachseln weiter unten am Stamm. Von der Stockrose gibt es zahlreiche Züchtungen mit roter, gelber oder weißer Blütenfarbe, gefüllt und einfach. Weil sie so imposant in die Höhe wächst, wegen ihres altmodischen Charmes, ihrer lebhaften Farben und der langen Blütezeit ist die Stockrose heute eine der beliebtesten Zierpflanzen für den Garten geworden.
In der Natur, in Wäldern, lockeren Gehölzbereichen, an Wegrändern, sonnigen Mauern und sogar auf Schuttplätzen findet man hin und wieder einen andern wild wachsenden Vertreter der Malvenfamilie, Malva sylvestris, auch Roßpappel oder Käsepappel genannt, die vermutlich zuerst als Heilpflanze entdeckt und genutzt wurde. Zwar ist sie in der Schulmedizin etwas in den Hintergrund getreten, doch in manchen Hustentees ist sie noch zu finden. Der Beiname Pappel bezieht sich auf Papp bzw. Pappe, pappig, klebrig und deutet auf den Schleimgehalt hin. Ihre Wuchshöhe beträgt 100 cm, sie ist zwei- bis mehrjährig. Die mit dunklen Adern durchzogenen Blütenblätter sind hellpurpurfarben. Etwas aufrechter und kräftiger im Wuchs ist die Subspezies Malva mauritiana, die Algiermalve. Bei ihr sitzen die großen lilafarbenen Blüten bis zu sechst in den Blattachseln.
Die eigentliche Teepflanze unter den Malvengewächsen ist Hibiscus sabdariffa, die Rote Malve. Ihre Vorfahren kommen aus Afrika, zur Teegewinnung wird sie heute in großen Mengen in Ägypten, auf Ceylon, Java und in Mexiko angebaut. Die Blüten, genaugenommen die dunkelroten dickfleischigen Kelchblätter, die man bei den Teehändlern Roselle nennt, sind das eigentliche Teeprodukt. Bei uns spricht man von Hibiscusblüten- oder vom Roten-Malven-Tee. In der ganzen Welt verwenden Getränkehersteller die roten Kelche von Hibiscus sabdariffa wegen ihres säuerlichen Geschmacks gern zur Herstellung von Erfrischungsgetränken.
Hibiscus als Zierpflanze
Die Gattung Hibiscus besitzt eine erstaunliche Vielfalt; darauf weisen bereits die etwa 300 Arten von Bäumen, Sträuchern und Kräutern hin, die in allen wärmeren Ländern der Welt verbreitet sind. Gemeinsames Merkmal sind die in den Blattachseln wachsenden Blüten. Einige Nutzpflanzen sind darunter, wie Hibiscus cannabinus, die bekannte Faserpflanze, deren Verbreitungsgebiet vom tropischen Afrika bis Vorderasien verläuft. Als Staude wird der nordamerikanische Sumpfeibisch, Hibiscus moscheutos gezogen. Als einzige Hibiscusart ist bei uns der schöne Roseneibisch, Hibiscus syriacus, im Freien winterhart. Von den tropischen Arten, die bei uns als Topfpflanzen gezogen werden sind wohl die schönsten Hibiscus rosa-sinensis, der "Chinesische Roseneibisch" und der exotisch anmutende Hibiscus schizopetalus mit seinen eleganten fiedrig-geschlitzten Blütenblättern. Der Chinesische Roseneibisch gelangt zur Zeit bei uns deshalb wieder zu neuem Ansehen, weil er eine dankbare Kübelpflanze ist, die auf Balkon oder Terrasse vom Frühling bis zum Herbst blüht und die sich gut im kühlen Wintergarten oder Treppenhaus überwintern lässt. In den Tropen werden die Sträucher über drei Meter hoch, als Kübelpflanze bleiben sie natürlich etwas kleiner und blühen bereits in jungem Alter sehr reichlich. Die Wildform blüht rosenrot, es gibt aber auch rote, weiße, gelbe, orange und rosafarbene Sorten. Die Gärtner haben die Hibiscus als dankbare Topf- und Kübelpflanzen entdeckt, die sich sowohl für warme Räume, für mäßig warme Gewächshäuser als auch für Balkon und Terrasse eignen, vorausgesetzt man hält sie im Winter nicht zu warm, bei etwa 12 bis 15 Grad. So lange sie wachsen, verlangen Hibiscus viel Licht, wollen aber keine pralle Mittagssonne. Nur gut ernährte Pflanzen blühen reichlich; das Abwerfen der Blütenknospen ist meist ein Zeichen von Nährstoffmangel. Neu gekaufte, kompakte Hibiscus-Pflanzen verlieren in wenigen Monaten ihren buschigen Wuchs und werden länger und lockerer. Sie blühen über viele Jahre hinweg, wenn man sie jeweils im Frühjahr kräftig zurückschneidet.
Abutilon Ebenso wie die Baumwolle hat die Schönmalve, auch Zimmerahorn genannt, gelbe Blüten. Sie ist eine beliebte Kübelpflanze für Balkon und Terrasse, die im Winter zur Zimmerpflanze wird. Sie braucht dann einen hellen Platz und einen fachgerechten Rückschnitt: Im Herbst ausputzen, dabei alle schwach ausgebildeten und vertrockneten Zweige entfernen, den Formschnitt im Frühjahr durchführen.
Einige wichtige Vertreter der Malvengewächse und ihre Verwendung
Name Herkunft Verwendung Abelmoschus esculentus, Okra Ostafrika Gemüse Gossypium sp., Baumwolle Südliches Afrika Faserpflanze Hibiscus rosa-sinensis, Roseneibisch China Kübelpflanze Malva sylvestris, Wilde Malve oder Käsepappel nördlich gemäßigte Regionen Darm- und Atemwegserkrankungen Althaea officinalis, Eibisch oder Weiße Malve Östliches Mittelmeer Schleimhaltige Wurzeln und Blüten als Hustenmittel und bei Entzündungen von Mund und Rachen Hibiscus sabdarifa, Rote Malve Afrika Tee Alcea rosa, Stockrose Mittelmeer Zierpflanze, zum Teil noch Husten- und Bronchitismittel Abutilon sp., Zimmerahorn oder Schönmalve Tropisch, Südamerika Zimmerpflanze Lavatera trimestris, Bechermalve Mittelmeer Zierpflanze Malope trifida, Trichtermalve Einjährige Zierpflanze Sidalcea malvaeflora, Präriemalve Nordamerika Halbhohe Zierstaude Alogyne huegelii, Wachsblume oder Seideneibisch Australien Kübelpflanze
Signatur Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen. |