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kazenogaara ...
Gaisuto no Ginta
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...   Erstellt am 12.05.2010 - 22:47Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


still, the horizon hasn't moved at all

In Zeiten wie diesen, kramte ich immer diese alte CD aus meiner CD-Kiste und hörte sie mir an. Die ersten verfliegenden Momente, in denen die Töne durch das Zimmer hallten, weckten in mir Gefühle und Gedanken, nein, sie beruhigten sie.
Ich sollte mich lieber beruhigen.
Meine zersauten Haare fielen mir ins Gesicht. Seufzend strich ich mir die Strähnen beiseite und stützte meinen schweren Kopf auf die andere Hand. Ja, in Zeiten wie diesen war es echt angenehm, diese alte CD zu hören.
Heute war einfach nicht mein Tag gewesen, ja schon als ich morgens im Bad stand, hielt ich es kaum aus vor dem Spiegel zu stehen und mein Selbst anblicken zu müssen. Mein Blick schweifte immer ab, doch ich verlor mich nie aus meinem Blickfeld. In der Straßenbahn ging es dann weiter und in der Schule und wieder zu Hause. Der ganze Tag an sich nervte mich schon.
Nun saß ich da. In der Dunkelheit meines Zimmers und hörte diese CD während ich die leuchtende Anzeige des CD-Players beobachtete. Es war nicht das einzige Gerät, das blinkte oder leuchtete. Neben meinem Bett stand der Wecker. Dann gab es noch den Fernseher, dessen Standby-Lampe ständig an war und natürlich die digitale Anzeige der Uhrzeit auf dem DVD-Player. Es war dunkel, aber trotzdem leuchtete mein Zimmer auf seine Art und Weise.
Von draußen schien das Licht der Straßenlaternen und des Mondes herein. Sterne konnte man nur spärlich erkennen. Wie immer war die Stadt zu hell, als dass man einfach aus dem Fenster schauen könnte um die Milliarden und Abermilliarden von Sternen zu entdecken.
Ich setzte mich auf meinen Sessel, und zwar so, dass die Beine über die Rückenlehne hingen und der Kopf vorne über war.
Ist euch das Sprichwort „Zeit heilt alle Wunden“ geläufig? Das mochte wahr sein, aber ich glaubte nicht wirklich daran. Meiner Überzeugung nach, war es die Zeit, die einem die Wunden zufügt. Es sind solche nervigen Ereignisse, wie wenn ihr auf eine wichtige Person wartet, z.B. bei einem Date, und ihr stundenlang da steht, sodass ihr schon gar nicht mehr wisst, wie viel Zeit vergangen ist? Dann kommt das Mädchen auf euch zu, entschuldigt sich mit irgendeiner Ausrede, sei es ihr Hund wurde krank oder der Bus fuhr nicht, aber ihr genau wisst, dass sie vorher bei einem anderen Kerl war? Nun gut, der Kerl hatte damit wirklich nichts zu tun. Es war einfach die Zeit, die ihr anderweitig hättet nutzen können. Wie zum Beispiel für Hausaufgaben... Haha, ich scherze nur.
Das Lied wurde leiser und die letzten Töne hallten noch durchs Zimmer. Dann wurde es immer stiller, bis es nur noch das Rattern des alten CD-Players und das Zirpen der Grillen von Draußen war. Es vergingen diese paar Sekunden, in denen mein Gehirn noch pulsierte, wie als wäre die verstummte Musik ein Erdbeben gewesen. Hatte ich die Lautstärke zu laut gedreht? Nein, dachte ich mir und starrte weiter auf die Lichter. Das nächste Lied fing an zu spielen.
Plötzlich klingelte es und ich wanderte zur Tür. Ich war nur in einer Boxershort bekleidet – es war ja immerhin Sommer und recht warm – aber es störte mich nicht, meinem Gast die Tür halbnackt zu öffnen.
„Ah, schön dich zu sehen!“, begrüßte mich mein bester Freund Chi, „Kann ich hereinkommen?“
„Klar“, brummte ich und hielt ihm die Tür auf. Er war nicht allein. An seiner Hand hing noch ein Mädchen mit blonden Haaren. Sie grinste mich an, winkte mir kurz zu und wurde von Chi in die Wohnung gezerrt.
„Hör zu...“, fing er an zu erklären, „Du weißt doch, bei mir zu Hause ist gerade echt Stress...“
Dann hielt er kurz inne und schob das Mädchen in mein Schlafzimmer. Er schaute ihr noch verträumt hinterher, flüsterte ihr noch Worte wie „Warte doch kurz da drin, ja?“ und „Ich liebe dich“ hinterher und schloss die Tür für einen kurzen Moment.
„Und wie du gesehen hast, hab ich hier ein ultra-heißes Mädchen am Start“, er sprach so, dass sie es nicht hören konnte. Er sprach auch mit einer echt interessant aussehenden Mimik und Gestik. Wild zeigte er mit dem Finger auf die Schlafzimmertür.
„Kann ich nicht eine Nacht bei dir bleiben? Wir werden auch bestimmt nicht viel dreckiges anstellen...“
Ich seufzte auf und rieb mir die Schläfen.
„Ach komm, bitte...“, bat er mich und sah mich mit den glitzerndsten Augen an, die ich je in meinem Leben gesehen hab.
„Ja gut“, gab ich nach.
„Vielen Dank! Ich bin dir echt was schuldig“, grinste er über beide Ohren und verschwand dann in meinem Schlafzimmer.
Warum ließ ich mich immer nur von ihm so ausnutzen?
Ich schlenderte zurück in das Zimmer, aus der die Musik tönte und setzte mich wieder auf den Sessel. Natürlich mit den Füßen über die Rückenlehne und den Kopf nach vorn.

Kennt ihr das, wenn euer Körper von ein auf den anderen Atemzug plötzlich ganz schwer wird? Wie als würde euer Kopf einen Schwerkraftschalter umlegen, während ihr etwas tut und dann auf einmal eure Sicht sich verunklärt und eure Gedanken so erschüttert werden, dass sich das auf euren ganzen Körper auswirkt? Dieses Gefühl habe ich immer, wenn ich anfange über etwas ganz bestimmtes nachzudenken... Und dieses ganz bestimmte Thema war entweder Freundschaft oder die Liebe.
In diesem Fall sogar beides. Es machte mich jedes mal aufs Neue fertig.
Chi, mein bester Freund, hatte doch irgendwie jedes Wochenende eine andere am Start, oder? Ich zählte schon gar nicht mehr mit, so viele Freudinnen stellte er mir vor. Ganz egal wie sie hießen, hatten sie aber dennoch alle etwas gemeinsam. Nein, es war nicht, dass sie sich so leicht von ihm faszinieren ließen, sondern eher... - wie soll ich sagen? - dieser gewisse Blick in ihren Augen, der mir verriet, dass sie dieser bestimmte Typ Mädchen waren.
Eigentlich war ich glücklich, dass ich mich nie in Mädchen verliebte, die diesen Blick drauf hatten. Es waren eher der Typ von Mädchen, die mich mit einem anderen Blick ansahen.
„Sorry, du bist doch eher ein bester Freund, mit dem ich über alles reden kann, als dass du jemals was mit mir anfangen könntest“, schrien mir ihre Augen jedes mal direkt ins Gesicht.
Es mag zwar äußerlich so aussehen, als wäre ich emotional abgehärtet, aber das war ich nicht. Ich denke, niemand kann das so sein. Tief in einem drin spürt man immer diese Erschütterung, die einen fesselte und schüttelte und dann zog es noch so richtig an, dass die Ketten der Fesselung selbst erschüttert wurden, dass alles in allem einfach nur noch... Ach... Ich seufzte wieder.
Dann war da noch die Sache mit der Freundschaft. Ich liebe Chi als meinen besten Freund, versteht das nicht falsch. Aber es gab Tage, da brachte er mich so zur Weißglut, dass ich am liebsten einfach... Nun ja, das könnt ihr euch denken.
Dennoch schaffte ich es weder ihn anzuschreien, oder meiner Wut sonst irgendwie Ausdruck zu verleihen. Es war nicht nur, dass ich einfach keine Lust hatte, wütend zu sein, oder es ihm nicht antun wollte, weil er es nicht verdient hätte, sondern es war eher das Bewusstsein, dass ich diese wichtige Freundschaft um keinen Preis verlieren mochte.
Kennt ihr das, wenn ihr eine Person trefft und dann merkt, dass sie eure zweite Hälfte ist? Und ich meine das jetzt nicht nur so im klischeehaften Sinne. Er gab mir das, was mir das Gefühl vermittelte, eine Hälfte eines ganzen zu sein.
Eine halbe Kugel, zum Beispiel. Und was passiert mit einer halben Kugel? Sie fällt um und landet auf dem Rücken, hilflos, ohne sich aufrichten zu können.
Das Rattern des CD-Players unterbrach meine Gedanken kurz, bis das nächste Lied spielte und ich wieder davonflog.

Die Zeit verflog, die Musik stoppte und ich schlief ein. Es war eine ungemütliche Nacht, aber man konnte es aushalten.
Mit einem dröhnenden Kopf stand ich auf und ging in die Küche. Schlaftrunken tastete ich mich bis zum Kühlschrank, nahm die Milch und schüttete etwas in ein Glas, das in der Nähe stand. Ich setzte mich an den Tisch und musste erst einmal richtig wach werden.
„Morgen, Horizon...“, begrüßte mich Chi liebevoll, der auch schon am Tisch saß. Man, hatte ich das aber erst spät bemerkt.
„Gut geschlafen?“, fragte er. Da er mich aber gut kannte, erwartete er keine Antwort.
„Hey...“, redete er weiter und setzte seine Tasse ab, an der er vorher genüsslich nippte, „Danke nochmal, für letzte Nacht. Hast mich echt gerettet.“
Chi grinste mit mit dem strahlendsten Lächeln an, das er zu bieten hatte.
Dann ging mir das Herz irgendwie auf.
„Kein Problem“, sagte ich und lächelte vorsichtig, aber ehrlich.
„Wollen wir heute vielleicht was zusammen Essen gehen? Ich lad dich auch ein“, schlug er mir vor, „Hab gehört, dass in der Stadt ein neuer Laden aufgemacht hat...“
„Klar, wieso nicht?“, meinte ich. Mensch, war ich dankbar über dieses Angebot. Aber halt, irgendetwas stimmte doch nicht, oder?
„Wo ist eigentlich das Mädchen?“, fragte ich vorsichtig und sah mich etwas um.
„Sie ist schon weg...“, meinte Chi und nahm wieder einen Schluck aus seiner Tasse.
„Musste sie wohin?“
„Sie musste weg von mir...“, erklärte er. Plötzlich klang seine Stimme etwas trauriger.
„Oh...“, gab ich nur von mir.
„Sie meinte, wir würden nicht zusammen passen...“, seufzte er. Ich merkte sofort, dass es ihn schon bedrückte.
„Weißt du“, fing ich an, „Sie hat eh nicht zu dir gepasst... Erinnerst du dich noch an die eine, aus dem Supermarkt? Mit der lief es doch gut, nicht wahr?“
„Haha... stimmt.“
„Nun ja, bis du ihr dann nicht nur einmal ausversehen Suppe über sie geschüttet hast...“
Und schon lachte er wieder. Ich lachte mit.
Als wir uns beruhigt hatten, sagte er: „Jetzt hab ich aber Hunger...“
„Dann gehen wir doch gleich zu diesem Laden? Wär doch n tolles Frühstück. Vorallem weil ich nichts dafür zahlen muss.“
„Okay, kein Ding.“
Wir zogen uns an und gingen zusammen in die Stadt, in diesen neuen Laden. Lang blieben wir nicht. Es schmeckte uns so schrecklich, dass uns der Appetit verging und wir einfach gingen. Am Ende unseres Ausfluges landeten wir wieder an dieser einen Stelle, unter diesem Baum, bei dem wir die Aussicht auf den Horizont genießen konnten.
Chi würde immer mein bester Freund bleiben, das stand fest. Egal wie stark sich die Welt bewegte und veränderte, würde unsere Freundschaft halten und stabil bleiben.

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