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moviemusician 
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...   Erstellt am 28.01.2007 - 15:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo,
mein erstes Stevie / Xabi - Werk... die beiden lassen mich irgendwie nicht los. Die kursiv gekennzeichneten Zeilen sind aus Gustav Mahlers "Lieder eines fahrenden Gesellen" (1. Satz) entnommen.
Freue mich über Feedback und Kritik jeglicher Art und suche auch noch einen Titel Abgesehen von "Lieder eines Fußballers", was sich denkbar bescheuert anhört, fällt mir nämlich nichts ein.

*********


Sein Atem geht stoßweise. Kleine Reifwölkchen, die er zu einer anderen Zeit amüsierend gefunden hätte, bilden sich vor seinem Gesicht. Seine behandschuhten Hände ballen sich zu Fäusten, Finger graben sich so fest in die Hand, dass sie beinahe das Blut abschnüren.

Schwarze Handschuhe. Wie passend.

Handschuhe – Stevie würde lachen. Der hat immer warme Hände, eine Handheizung, wie seine Oma sagen würde.

Schwer atmend bleibt der Läufer stehen, stemmt die Hände in die Hüften und lässt seinen Blick über die graue, neblige Landschaft schweifen. Anscheinend ist er der einzige Mensch aus ganz Liverpool, der hier zu dieser Tageszeit unterwegs ist. Von den Glückshormonen, die beim Laufen angeblich freigesetzt werden, ist auch noch nichts zu spüren.

„¡Mierda!“ Sein Fuß trifft einen dürren Ast, der knackt und dem Druck nachgibt.

Normalerweise ist Xabi nicht so schrecklich emotional. Normalerweise hat er sich unter Kontrolle. In Liverpool hat er darin die Meisterschaft erreicht. Fast zwei Jahre, und niemand hat etwas gemerkt. Weder der Trainer, noch seine Mannschaftskameraden, noch Alex. Bis auf das eine Mal in Istanbul haben sie ihre Gefühle gekonnt verborgen, besser als Meisterdiebe ihr Diebesgut, und selbst der eine Ausfaller ließ sich mit dem Überschwang der Gefühle erklären. Schließlich hat Stevie auch den Cup geküsst. Mehrmals sogar.

Fast zwei Jahre ist es gut gegangen. Zwei Jahre lang haben sie ihre Verliebtheit ausgelebt, sind Meister im Erfinden von Ausreden geworden, im Finden von Verstecken, von kleinen privaten Enklaven im öffentlichen Leben eines Fußballers.

Es ist ihm klar gewesen, immer, dass sie damit nicht an die Öffentlichkeit gehen konnten. Dass Stevie seine Mädchen über alles liebt, und auf eine bestimmte, verzwickte Art und Weise auch Alex. Aber nicht so.

Wenn mein Schatz Hochzeit macht,
Fröhliche Hochzeit macht,
Hab’ ich meinen traurigen Tag!


Er hat gemerkt, die ganze Woche lang, dass Stevie bedrückt ist, zurückhaltender als sonst, doch er hat es nicht darauf zurückgeführt. War mit ihrem Arrangement zufrieden, bis Stevie heute Morgen an seiner Haustür geklingelt hat, zu einer wahrhaft unchristlichen Zeit, nervös und verlegen. Er hat Xabi nicht angeschaut, als er gemurmelt hat: „Alex und ich – wir heiraten im Juli.“

Und Xabi ist einfach dagestanden, wie vom Blitz getroffen, hat Stevie angeschaut und nichts gesagt, zwischen Tür und Angel.

***

Xabi kann erkennen, dass seine Familie sich Sorgen um ihn macht. Wie in jedem Jahr nutzt er die Sommerpause, um nach Hause zu fahren, hat die Termine extra so gelegt, damit er eine gute Entschuldigung hat, nicht zu Stevies Hochzeit zu kommen. Sein Captain wirkte beinahe erleichtert, als Xabi ihm abgesagt hat, in der Umkleidekammer, mit dem Kopf in seinem Schrank, sodass er ihn nicht ansehen musste.

Geh’ ich in mein Kämmerlein,
Dunkles Kämmerlein,
Weine, wein’ um meinen Schatz,
Um meinen lieben Schatz!


Denn es tut weh, wie ein dumpfer Schmerz hängt es über ihm, macht ihn grummelig und miesepetrig. Zerstört die sonstige Leichtigkeit der Ferien. Der Strand hat für ihn jegliche Attraktivität verloren, und während Mikel mit jedem Tag brauner wird, sieht er neben ihm aus als habe er die letzten Wochen nur in seinem Zimmer verbracht. Was irgendwie sogar stimmt.

„Xabi, kommst du mit schwimmen?“, ruft seine Mutter von unten. Draußen strahlt die Sonne vom Himmel, alles glänzt in warmen Farben, ganz anders als im trüben England.

Im trüben England, wo er so gerne an Alex’ Stelle wäre, heute um elf Uhr in der kleinen Kirche, die sie ausfindig gemacht hat, irgendwo auf dem Land. Stevie hat Fotos herumgezeigt und das efeuüberwachsene alte Gebäude hat Xabi sofort gefallen.

„Nein, ich bleibe hier!“, antwortet er, bringt bewusst Stabilität in seine Stimme, damit Mama das verdächtige Zittern darin nicht erkennt. Ihr wäre zuzutrauen, dass sie sonst hoch kommt, in sein Zimmer, und so lange auf ihn einredet, bis er mit der Sprache herausrückt. Sie muss schon längst gemerkt haben, dass etwas im Argen liegt, schließlich ist sie seine Mutter, aber bisher hat sie ihn in Ruhe gelassen. „Ich komme nachher nach“, fügt er hinzu – das hat er an jedem der vergangenen Tage gesagt und nie getan, aber es scheint die Sippe zu besänftigen.

Er weiß nicht, wie lange er in seinem Raum gesessen und ins Leere gestarrt hat, als er die Kirchenglocken die Uhrzeit schlagen hört. Elf Uhr.

Vor seinem inneren Auge taucht Alex in einem weißen Brautkleid auf, wie eine Märchenprinzessin sieht sie aus, Lilly-Ella mit einem Blumenkörbchen, und Stevie lächelt glücklich. Ist glücklich mit seiner Familie, mit seiner Alex.

Und Xabi vergräbt seinen Kopf in seinem alten Teddybär und weint.

***

Irgendwann, nach einigen Tagen, hat Mikel genug und zerrt Xabi aus seinem Raum. Der ältere Bruder spürt, dass dem jüngeren etwas schwer auf dem Herzen liegt. Und wenn Xabi schon nicht mit der Sprache rausrückt, dann will Mikel wenigstens versuchen, ihn ein bisschen aufzuheitern.

Gemeinsam fahren sie zum Strand, wo sie den Fußball hin- und herkicken, zusammen mit ein paar deutschen Touristen, die sie nicht erkennen, aber ziemlich baff ob ihrer Künste sind. Mikel sucht alle schönen Stellen in der Umgebung heraus, einen Tag geht es nach Barcelona, dann wieder in die Natur, die Sonne strahlt von einem makellos blauen Himmel, Spanien strahlt und ist so schön.

Und langsam löst sich die Traurigkeit aus Xabis Seele.

Blümlein blau! Verdorre nicht!
Vöglein süß! Du singst auf grüner Heide.
Ach, wie ist die Welt so schön!
Ziküth! Ziküth!


Er wird wieder zum Kind auf diesen Ausflügen, das die einmalig schönen Blumen bewundert, die atemberaubenden Kulissen, den Vögeln lauscht und versucht, zu erraten, welcher Gesang von welchem der bunt gefiederten Tiere stammt. Mit jedem Tag verblassen die Erinnerungen an England, an die trübe Nässe mehr.

Mit jedem Tag muss er weniger an Stevie denken.

Mit jedem Tag heilt Xabis Herz ein bisschen.

Fröhlicher wird er, gelöster, sitzt wie früher am Esstisch auf ihrer Veranda und scherzt mit Mikel. Zum ersten Mal seit Wochen schöpft er wieder Hoffnung, denkt sich, dass das Leben vielleicht doch nicht so schrecklich schlimm ist.

***

Zwei Tage, bevor er wieder nach Liverpool zurück fährt, geht Xabi auf die Homepage des Clubs, Neuigkeiten durchforsten. Wechselgerüchte, Interviews mit Spielern, mit Rafa, die Ziele für die Saison. Und da stößt er auf ihn, seinen Captain, der ihm fröhlich entgegengrinst und für alle Welt verkündet, dass sie dieses Jahr endlich die Premier League gewinnen sollten. Obwohl er das Fenster sofort schließt, hat sich das Bild seines Geliebten bereits in sein Gehirn eingebrannt.

Schwebt den ganzen Tag über den Schönheiten der Küste.

Singet nicht! Blühet nicht!
Lenz ist ja vorbei!
Alles Singen ist nun aus.


Xabi verachtet sich selbst dafür, doch er liebt ihn immer noch. Sonst würde es nicht mehr so schrecklich weh tun, so sehr, dass alle Faszinationen San Sebastians zu verblassen scheinen vor seinem Schmerz.

***

Abends dann, in seinem Jugendbett, kann er nicht schlafen, denn Stevie geistert in seinem Kopf herum. Wie in einem Film ziehen die Bilder an ihm vorbei: Istanbul. Lissabon. Wembley. Überall Stevie, der ihm dieses besondere Lächeln schenkt, das er für wenige Auserwählte zu reserviert haben scheint, der einen Arm um ihn legt. Der danach im Hotelzimmer Dinge tut, die normale Spieler, wenn sie sich einen Raum teilen, nicht tun.

Abends, wenn ich schlafen geh’,
Denk’ ich an mein Leide.
An mein Leide!


Xabi sehnt sich nach seinen Küssen, nach den unauffälligen Berührungen, die sie im Training und bei Spielen austauschen. Doch Stevie liegt nicht neben ihm, sondern nur sein alter Teddybär.

Stevie liegt neben Alex.





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"He's a terrific player, a great guy... We're really close." - Wieso nicht gleich eine öffentliche Liebeserklärung, Stevie?
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...   Erstellt am 28.01.2007 - 19:20Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Gefällt mir persönlich sehr, sehr gut. Das Pairing finde ich eh klasse und die Umsetzung von dir finde ich auch toll!

Ich nehme an, das war ein One-Shot, oder?

Hm, Titel fällt mir auf Anhieb auch keiner ein, aber ich überleg mal !





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Ganz lieben Dank an Engel für meinen Avatar!!!

Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen mit in meine objektiven einfließen lassen.
(Zitat Erich Ribbeck)

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...   Erstellt am 28.01.2007 - 19:28Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es gibt vier Mahler-Lieder, von denen ich das zweite auf jeden Fall auch noch umarbeiten möchte. Insofern, falls meine Inspiration mich nicht im Stich lässt (was immer mal vorkommen kann), hoffe ich, dass ich auch vier Kapitel hinkriege.
Ja, das Pairing ist ein Traum
Titel sind ohnehin mein großes Kreuz...





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...   Erstellt am 28.01.2007 - 19:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ok, freut mich, dass da doch noch was kommt !

Ja, das Titelproblem kenne ich *seufz*





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...   Erstellt am 28.01.2007 - 21:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


^^ Ich bin so glücklich (xD Sorry der Satz wurde gerade eben auch im TV gesagt) Also naja... negatives von mir ist eigentlich nicht möglich, weil du weißt ja, dass ich die beiden von ganzem Herzen liebe

Es hat mich traurig gemacht Aber Xabis Gedanken und Gefühle haben gepasst.
Die Zeitsprünge haben mich am Anfang verwirrt, aber mein Gehirn ist heut einfach zu langsam -__-'

Ähm... Titel. Gott da hab ich jetzt auch keinen auf Lager. Mach mich damit ja auch immer schwer :/ Aber wenn mir was einfällt, geb ich bescheid ^^





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Some penalty-takers look like condemned men as they walk from the centre-circle to the spot. Not Didi. He's German, and we all know Germans don't miss penalties
- Steven Gerrard

moviemusician 
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...   Erstellt am 31.01.2007 - 15:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kann jemand von euch ein bisschen Spanisch? Meine Titel-Suche hat mich zu dem enorm krativen Titel "Breaking" oder "Shattering" gebracht, nur gibt's sowas bestimmt schon 1000 Mal in der großen, weiten Fanfiction-Welt. Weiß jemand von euch, wie das auf Spanisch heißt, bzw. könnte mir das schöne Verb "Fracasar" in die richtige Zeitform bringen?
Als Alternative klaue ich was von Heine, wobei mir dessen Titel eigentlich zu kitschig sind.





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...   Erstellt am 31.01.2007 - 16:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Oh je *Schulkenntnisse hervorkram*...

Die richtige Zeitform von "fracasar" sollte "fracasando" sein. Die Bedeutung dieses Wortes ist aber mehr versagen als zerbrechen.





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...   Erstellt am 31.01.2007 - 17:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


froses schrieb
    Die Bedeutung dieses Wortes ist aber mehr versagen als zerbrechen.


Oh, dann hab' ich "Leo" missverstanden... Passt "fracturar" besser? Und wie heißt es da? Fracturando?

Vielen Dank schon mal! Das mit dem "ando" hört sich aus meiner Latein- und Französischperspektive auf jeden Fall logisch an.





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...   Erstellt am 31.01.2007 - 21:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So, habe jetzt zur Sicherheit nochmal nachgeschaut !

Ja, "fracturar" heißt zerbrechen und die entsprechende Form dazu ist "fracturado"





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...   Erstellt am 04.02.2007 - 21:50Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Wow, vielen Dank! Also, der Titel steht jetzt endlich fest: "Fracturado". Der klang gefällt mir echt gut

And now I present to you: Kapitel 2. Passend mit Hintergrundmusik, ich habe die beiden Mahlerlieder mal hochgeladen:
Kapitel 1
Kapitel 2
So kommt die Stimmung hoffentlich ganz gut rüber - ich höre die in Endlosschleife, während ich schreibe.
Warnung: Die beiden Lieder sind das, was herkömmlich als "Klassik" bezeichnet wird (stammen aber aus der Romantik) und wurden von einem durchgedrehten Depro geschrieben. So ähnlich hören sie sich auch an.

Gut, genug zur Hintergrundmusik, jetzt kommt das Wichtige - Stevie und Xabi in Action.
Disclaimer: Gehören beide leider nicht mir, so gerne ich sie auch hätte.

***

Immer, wenn Xabi aus Spanien zurückkommt, hat er einige Schwierigkeiten, sich wieder an das Leben in Liverpool zu gewöhnen. Sein Englisch wackelt für einige Tage ein bisschen stärker. Alles scheint blass, verglichen mit den leuchtenden Farben San Sebastians. Der Nebel, der morgens, auf seinen Joggingrunden, aus dem Mersey aufsteigt, macht ihn melancholisch.

Als er das erste Mal wieder mit seinem Auto durch das Tor in Melwood fährt, packt ihn eine unerklärliche Nervosität. Schlimmer als damals, als er neu in das Team kam.

Stevie.

Zum Glück steht das Auto des Captains noch nicht auf dem Parkplatz. Das wird ihre Begegnung zwar nicht angenehmer machen, Xabi weiß das, aber es beruhigt ihn trotzdem.

Im Umkleideraum geht es drunter und drüber. Urlaubsfotos werden gezeigt, die Jungs prahlen mit ausgefallenen Reisen, einer versucht, den anderen zu übertönen. Kaum hat Xabi einen Fuß in das Zimmer gesetzt, wird er auch schon von Luis in eine Umarmung gezogen. Der Stürmer hüpft praktisch vor Vorfreude und Energie – verständlich, er war das letzte halbe Jahr verletzt und wird nun endlich wieder spielen können.

„Xabi, wie war Spanien? Wie geht’s deiner Familie?“, sprudelt der Kleinere hervor, schnell und temperamentvoll.

„Ja, war schön.“ Das Leuchten in Luis’ Augen macht Xabi beinahe verrückt. Wieso kann er sich gar nicht freuen, auf den Trainingsbeginn, auf die neue Saison, auf die Spiele? Nervös schaut er alle paar Sekunden zur Tür. Jedes Mal, wenn sich die Tür öffnet, dreht er sich um, macht sich darauf gefasst, gleich Stevie gegenüber zu stehen.

Unerklärlicherweise beginnt sein Herz auch jedes Mal, wenn jemand die Tür öffnet, wie wild zu schlagen. Dabei hat er sich doch eingeschärft, dass er Stevie nicht liebt, dass dies nur eine bedeutungslose Affäre war. Zwei Jahre voller Sex und ohne Gefühle.

Luis bemerkt nicht, dass Xabi mit seinen Gedanken nicht bei ihm ist, und schnattert auf Spanisch drauflos. Erzählt von seiner erfolgreichen Reha, dass er die ganze letzte Woche ohne Probleme seine Runden drehen konnte. Beschwert sich darüber, dass er wegen der Reha dazu verdammt war, seinen Urlaub in England zu verbringen, in einem Ort, der irgendwie voller Liverpool-Fans war, die ihm kaum eine ruhige Minute gelassen haben.

Ging heut’ morgen übers Feld,
Tau noch auf den Gräsern hing;
Sprach zu mir der lust’ge Fink:
„Ei du! Gelt? Guten Morgen! Ei gelt?
Du! Wird’s nicht eine schöne Welt?
Zink! Zink! Schön und flink!
Wie mir doch die Welt gefällt!“


Der kleine Stürmer plappert immer weiter, beschreibt lebhaft die Reaktion seiner Frau angesichts des englischen Strandes, ihr Gemecker, als es nicht aufhören wollte. Und irgendwann kann Xabi nicht anders – ein Grinsen schleicht sich auf sein Gesicht. Wie Luis da steht und gestikuliert sieht einfach zu ulkig aus, als dass er noch länger eine saure Miene ziehen könnte.

Langsam überdeckt das Gerede des anderen Spaniers seine Gedanken an Stevie, seine Sorgen, seine Befürchtungen, wie er diese Saison überleben soll.

„Hi guys!“ Von hinten schlingen sich zwei Arme um Xabi. Carra ist da, die Seele des Teams, einer von denen, auf die Xabi sich vorbehaltlos verlassen kann. Seine laute Stimme dröhnt durch den Umkleideraum, einen Moment später ist der Verteidiger bei Luis, dem er breit grinsend auf die Schulter schlägt. Da freut sich offensichtlich noch jemand über den Trainingsbeginn – ist Xabi der einzige, der irgendwie keine Lust hat? Lust auf Fußball hat er schon, auf ein schönes Spiel, ein hartes englisches Spiel, bei dem er durchs Mittelfeld pflügen und seinen Frust an den Gegnern auslassen kann. Wenn nur Stevie nicht wäre… Und mit einem Bumms kreisen seine Gedanken wieder um seinen Captain, der jede Minute hier aufkreuzen muss.

Der von seiner Hochzeitsreise zurückkommt.

Xabis Magen zieht sich schmerzhaft zusammen.

„Sag mal, was haben sie dir in Spanien denn ins Futter getan? Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen, du bist unglücklich verliebt.“ Carra lacht laut und rau, Luis kichert mit und irgendwie schaffen sie es, die gesammelte Aufmerksamkeit auf Xabi zu lenken, der für einen Moment am liebsten seine Sachen gepackt und gegangen wäre. Nicht so sehr wegen der anderen, die neugierig starren und flüsternd die Köpfe zusammen strecken, sondern wegen des Mannes, der mit leicht offenem Mund in der Tür steht und zwischen Carra und ihm hin- und herschaut, sodass es für Xabi eindeutig ist, dass er den letzten Satz des Verteidigers gehört hat.

Stevie.

Doch der schafft es dann endlich, zu gucken, als ob alles normal sei, durchquert den Raum, tauscht hier und da Begrüßungen aus, unterhält sich kurz mit John-Arne, während Xabi es irgendwie nicht schafft, ihn nicht anzusehen. Gut sieht er aus, braungebrannt und fit, er geht energisch und um seinen Mund spielt das Lächeln, das Xabi nur in seltenen Momenten zu sehen bekommen hat. Offensichtlich geht es ihm gut mit seiner Alex.

Der Glückliche.

Als Stevie dann auf sie zukommt, beginnt es in Xabis Bauch zu flattern, schlimmer als vor seinem ersten Profi-Spiel. Zuerst umarmt der Captain Carra, hebt dann den zierlichen Luis hoch, bevor er sich Xabi zuwendet. Für einen Moment spürt Xabi Stevies Unsicherheit, sein Zögern, sieht, wie er sich den Kopf zerbricht, wie er ihn denn nun behandeln soll. Ein Augenblick der Schwäche wird in Stevies Augen sichtbar, doch dann schließt er die Lücke zwischen ihnen und schließt Xabi in seine Arme.

Und es fühlt sich gut an.

Auch die Glockenblum’ am Feld
Hat mir lustig, guter Ding',
Mit den Glöckchen, klinge, kling,
Ihren Morgengruß geschellt:
„Wird's nicht eine schöne Welt?
Kling, kling! Schönes Ding!
Wie mir doch die Welt gefällt! Heia!"


Während des Trainings schwebt Xabi in einer Art Dauerhoch, lächelt selbst noch bei dem mörderischen Hürdenlauf, den er sonst überhaupt nicht leiden kann, in sich hinein. Fast hätte er vergessen, wie schön es allein ist, nur in Stevies Nähe zu sein, ihm zuzusehen, wie er rennt, wie leidenschaftlich er beim abschließenden 5-gegen-5 in die Zweikämpfe geht. Fast hätte er vergessen, wie Stevies jungenhaftes, verschmitztes Grinsen sein Herz hüpfen lässt. Wie es klingt, wenn er über einen von Crouchys blöden Witzen lacht.

Und wie viel Spaß es doch macht, in Liverpool Fußball zu spielen, mit den Jungs. Seinen Jungs.

Nach dem Training bleibt er noch ein wenig auf dem Feld, übt seine langen Schüsse aus der eigenen Hälfte aufs Tor. Wenn er in ein paar Wochen wieder mehr Übung darin hat, wird er Pepe mal bitten, zwischen den Pfosten zu stehen. Auch wenn er an dem Torwart wahrscheinlich keinen Ball vorbei kriegen wird.

Schließlich macht auch er sich auf den Weg in den Umkleideraum, zieht noch auf dem Platz sein Shirt aus und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die anderen sind sicher schon längst nach Hause gegangen, was ihm auch den Anblick von Stevie in der Dusche ersparen wird. Ein Glück, denn nach seiner heutigen Reaktion auf seinen Captain möchte Xabi nicht wissen, was sein Körper mit ihm anstellen würde.

Pfeifend läuft er durch den langen Gang, der Ton hallt von den Wänden wider, das Shirt baumelt von seinem Arm. Die Gestalt, die neben der Tür des Umkleideraums an der Wand ist, bemerkt er erst, als es schon zu spät ist, um auszuweichen.

Stevie.

Mist. Xabi nickt seinem Mitspieler freundlich zu, bevor er durch die Tür geht. Gehen will, denn auf einmal ist ihm der Weg versperrt von dem anderen, der breitbeinig auf der Schwelle steht, die Arme vor der Brust verschränkt, und ihn mustert.

„Darf ich durch?“ Trotzig starrt Xabi sein Gegenüber an.

Doch Stevie gibt den Weg nicht frei. „Was ist los mit dir?“ Sein Gesichtsausdruck ist weich, beinahe liebevoll. So hat er ihn immer angeschaut, damals…

„Nichts los“, brummt Xabi in seinen nichtvorhandenen Bart, während er sich dazu zwingt, starr auf den Boden zu sehen. Hat Stevie schon immer so gut gerochen?

„Hör zu, ich wollte nicht… also, ich meine…“ Besonders redegewandt war sein Captain noch nie, aber dennoch fängt Xabis Herz an, wie wild zu schlagen. Und bevor er Stevie fragen kann, was genau dieser denn meint, hat sich dies auch schon erübrigt, denn der andere beugt sich nach vorne und zieht ihn an sich.

Und da fing im Sonnenschein
Gleich die Welt zu funkeln an;
Alles Ton und Farbe gewann
Im Sonnenschein!
Blum' und Vogel, groß und klein!
„Guten Tag, ist's nicht eine schöne Welt?
Ei du, gelt? Schöne Welt?"


Es fühlt sich vertraut an, so wie damals, aber noch viel schöner. Es ist das Beste auf der Welt, Stevie so nah an sich zu spüren, verwandelt Xabis Beine fast in Wackelpudding, und wie hat er das so lange ohne ihn ausgehalten?

Eine einzige Sache fehlt noch, um diesen Augenblick vollkommen zu machen, aber auch nicht mehr lange, als Xabi seine Arme um Stevies Hals schlingt, ihn noch näher heranzieht und sich ihre Lippen endlich berühren. Hungrig, zärtlich, voller Sehnsucht.

***

„Hey, stopp mal.“ Zwei starke Arme schieben Xabi zur Seite, Stevies Körper bewegt sich an ihm vorbei. Verwirrt folgt Xabis Blick seinem Captain, braune Augen bohren sich in graue, bis Stevie den Blickkontakt abbricht und auf den Boden starrt. Seine Finger sind ineinander verkrampft, er wippt nervös von einem Bein aufs andere.

Nun fängt auch mein Glück wohl an?
Nein, nein, das ich mein’,
Mir nimmer blühen kann!


„Das mit uns, das geht nicht mehr. Alex ist wieder schwanger.“ Und bevor die leise genuschelten Worte bis in Xabis Gehirn vorgedrungen sind, ist Stevie auch schon den Gang heruntergeeilt. Kein Blick mehr, keine Berührung.

Aus.

Endgültig.





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